(navigation image)
Home American Libraries | Canadian Libraries | Universal Library | Community Texts | Project Gutenberg | Biodiversity Heritage Library | Children's Library | Additional Collections
Search: Advanced Search
Anonymous User (login or join us)
Upload
See other formats

Full text of "Indonesien; oder, Die inseln des Malayischen archipel"

This is a digital copy of a book that was preserved for generations on library shelves before it was carefully scanned by Google as part of a project 
to make the world's books discoverable online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 
to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 
are our gateways to the past, representing a wealth of history, culture and knowledge that 's often difficult to discover. 

Marks, notations and other marginalia present in the original volume will appear in this file - a reminder of this book's long journey from the 
publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prevent abuse by commercial parties, including placing technical restrictions on automated querying. 

We also ask that you: 

+ Make non-commercial use of the file s We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain from automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machine 
translation, optical character recognition or other areas where access to a large amount of text is helpful, please contact us. We encourage the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attribution The Google "watermark" you see on each file is essential for informing people about this project and helping them find 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are responsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can't off er guidance on whether any specific use of 
any specific book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search means it can be used in any manner 
any where in the world. Copyright infringement liability can be quite severe. 

About Google Book Search 

Google's mission is to organize the world's Information and to make it universally accessible and useful. Google Book Search helps readers 
discover the world's books white helping authors and publishers reach new audiences. You can search through the füll text of this book on the web 



at |http : //books . google . com/ 



HARVARD UNIVERSITY 




LIBRARY 

PEABÜDY MUSEUM OF AMERICAN 
ARCHAEOLOGY AND ETHNOLOGY 



Deposlted by tbe Mtiseuun 

of Comparative Zoology. 

Rearivcd Octobep 13, 1939 




Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



o 



INDONESIEN 



ODER 



DIE INSELN DES MALAYISCHEN ARCHIPEL 



VON 



ki BASTIAN. 



I. LIEFERUNG. 



DIE MOLUKKEN. 



BERLIN 

FERD. DÜMMLERS VERLAGSBUCHHANDLUNG 

HARRWITZ UND GOSSMANN 

1884. 



Digitized by 



Google 



DIE MOLUKEEN. 



REISE-ERGEBNISSE UND STUDIEN 



A. BASTIAN. 



MIT DREI TAFELN. 



BERLIN 

FERD. DÜMMLERS VERLAGSBUCHHANDLUNG 

HARRWITZ UND GOSSMANN 



1884. 



V//-''2- Digitizedby Google 



LIBRARY OFTOE 

MUSEUM OF CCMPARATIVE ZOOLOQY 

DEPOSITED IN THE 

PEABODY MUSEUM 

0CT18 1939 



Digitized by 



Google 



Vorwort. 



Dichter gedrängt, als die Inselgruppen weiten Oceanien's^ bilden die 
des indischen Archipelagos eine überleitende Brücke, auf der sich in ver- 
schiedeoartigen Brechungen die Culturströmangen des asiatischen Continentes 
reflectiren. 

In vollem Wiederschein altkambodischer Pracht proclamiren Java's Mo- 
numente, zugleich aus der vorderen Halbinsel auch, den EingrifiF asiatischer 
Cultur, von der hier und da versprengte Trümmer weiter hinaus noch an- 
getroffen werden, über Sumbawa, Borneo und auf Sumatra vor Allem, wo 
sich zugleich die Fäden schlingen von Singapura's Malayen zu Tamulen, für 
ihre Inschriften, und Malayalam (in den Traditionen). 

Eigenartig isolirt steht Timor da, als ob erinnernd an die Nähe des 
australischen Continente's (und fast einem noch femer gelegenen). 

Als Ausgangspunkt nach Polynesien (über Mikronesien sowohl, wie Mela- 
nesien) steht ein Thor in den Molukken offen, und verwickelte Probleme 
schürzen sich in Celebes, mit seinen zwei Halb-Culturen in schriftlich nieder- 
gelegter Literatur, den Turaja's autochthonischen Inneren und der Sprachen- 
buntheit in der Minahasa, zvrischen bunt zerrissenen Küsten. 

In dem, was als Sage umläuft, haben sich Anklänge erhalten, wie sie 
polynesische Wanderfahrten begleiten, und in Tonsea wird geredet von den aus 
den Inseln der Südsee mit dem Südostwind abgetriebenen Canoe's, die nach 
der ersten Landung, bei dem Versuche im West-Monsun zurückzukehren, 
nach Eema (und Likupang) verschlagen seien, dorthin ihre Götzenbilder aus 
Walfischzähnen mitbringend, sowie die (Tinok-tau genannte) Zeichenschrift 
der Walian*) auf Holz oder Knochen (wie späterhin noch auf Pergament 
aus Wildschweinshaut fortbewahrt). 

Neben solchen Zuwanderem^) trifft sich ein im Boden wurzelnder Stamm^ 
nicht für die Gemeinen allein (wie in Birma*)), denn auch die mit dem Berg- 
geist Tanda-ali vermählte Fürstin von Suwawa ist einem Rotang entsprossen, 
aus dem Stein entspringt Makasulugipombang, mit der im Baum gefundenen 
Tajabulawa vermählt, aus dem Ei geboren begegnet Mokododudah die in der 
Eruoht erblühte Putri Bonia, während das durch die Prinzessin Sundilo (zu 



Digitized by 



Google 



VI 

Damaga) in Regenbogenfarbe geborene Ei durch den Vogel Duduk aus- 
gebrütet wird. 

Wenn Ansatz zu caudaler Verlängerung, wie vom Edlen Bararogado 
(bei Bantik) an den einheimischen Frauen bemerkt, vor diesen zurückschreckt, 
werden unter Raub des Flögelgewandes die zum Baden herabkommenden 
Himmelsjung£rauen belauert^ wie Utahagi durch Easimbaha, der ihr, als sie 
bei Anzeichen des Alters (im ersten Erblicken eines weissen Haares auf den 
Scheitel) nach dem Himmel zurückgekehrt, aufwärts folgt und die ihm dort 
von den Empong vorgelegten Fragen mit Hülfe der Vögel und Fliegen lös*t 
(wie den Heroen der Quich^s ähnliche Unterstützung zu Theil ward bei den 
Räthselvorlagen in Xibalha). 

Wie Wakea und Papa (in Hawai) auf den Hiku-Lipoa (Köpfchen der 
Seegräser), lebte Toma-Kumbung-Ribura, Ahnherr der Tomakaka oder Fürsten 
(bei Turaja), in dem Wasserschaum, und in der Minahasa gilt Lumimuut, 
aus der Erde (wie Earejma aus Stein) entstanden, für älter (weil Empong 
tuwa), als Muntununtu (der Empong der Luft)^ während aus dem Meeres- 
wasser We-Njili-timo entsteigt, die, durch Batara-6uru geschwängert, den 
Vorfahren der Fürsten in Luwu gebärt. 

Das vom Himmel (wie am Irawaddi aus Abhassara) herabgekommene 
Herrschergeschlecht, dessen Könige, als Sprossen Batara-Guru's*), sieben 
Generationen hindurch (in Macassar) verschwinden (bis die irdischen Fürsten- 
thümer in Goa^ und bald gleichzeitig in Tello gegründet werden), findet dann 
noch seine Erneuerung in der im Schmucke goldener Kette niedergefallenen 
Himmelsfrau (Tumanoeronga), mit welcher der König von Bonthain in Tuma- 
Salingabereeng seinen Nachfolger zeugt, während sie in Macassar vom Kraeng 
Katanka geehlicht wird, oder (in Goa) vom Kraing Baju (als elternlos aus 
unbekannter Fremde), und zu den To-Wadjo treibt die ausgesetzte Prinzessin 
auf dem Floss des Wadjo-Baums (nach welchem sie benannt sind). 

Als König von Soping ist Lamanra-Tjina vom Himmel gefallen, und 
nach dem Tode Tuan Ladjipamaa's in Tjina oder (seit König Pamana's 
Herrschaft) Pamana (der Taurijene oder Orang Badjus am Tjinrana-Fluss) 
wurde von den Häuptlingen der Fürst von Liwu (dessen Vorfahr aus dem 
Himmel gekommen) zum Herrscher berufen (unter den auf einheimische 
Wurzel zurückführenden Stämmen der To-Radja). 

Von Boni's erstem Könige Matasi Lompuh war die heilige Standarte, 
Worong-poronge, aufgestellt, (wie sich die Bundesgenossenschaft des Aru 
Matoa, in Wadjo, unter farbigen Bannern vereinigt), und von dem im Walde 
Matadjang angetroffenen Lanzenträger, sowie von seinem Herrn im Walde 
Latoro, bewahrten sich die Lanzen Lasalaga und Latoleijang unter den 
Reichszierrathen, wie die halbe Goldkette der Himmelsfrau, neben dem Pa- 
tanaa-Jamaang genannten Teller und (Laki-Padada's) Säbel oder Sudang im 
Schatze Goa's, und ausser der Goldkette (Kalon) wird noch die Flöte (sowie 
ein Haus der Göttin) erwähnt, als Batek Salapan (Neun-Fahne) auf den 



Digitized by 



Google 



VII 

Thron erhoben wurde, unter dessen Nachkommen Batara Goa als erster 
Sterblicher herrscht, und sein Bruder Kraing Lowe-ri-Sero (Fürst von Tello) 
die Beziehungen mit Java einleitet, an Stelle der von den Buginesen nach 
der Küste Cochinchina's weisenden (in den vorliegenden Verknüpfungen mit 
Champa ausserdem bereits). 

Die nach dem Verlaufen der Wasserfluth (kosmogenischer Sagen) auf 
den hohen Bergspitzen ihrer zerrissenen Insel gesiedelten Turadja^) verehren 
Devata Langi im Himmel (neben Butu der Berge und Luta der Erde), wie 
(bei dem Milanaus Borneo's) der (gleich dem Donnervogel der Chippewäer) 
geflügelte Dämon Iblanlangan Langit (der oberen Luft vom Himmel) in den 
Gewittern stürmt, donnernd und blitzend, wie Jovis ales in oberer Luft, 
während bei einem „mons aetherio vertice" solches Geschäft bequemer sitzend 
verrichtet werden kann (auf wolkenumhüllten Olymp). Auf Tonga tritt Lagi 
oder (auf Samoa) Aitu-o-le-Lagi — , (dessen neugierig zum Mama- Volk herab- 
kommende Töchter den Fürsten&treit veranlassten, wie Devi Dasuki's Schön- 
heit die Friedensruhe javanischer Vorzeit durch Erregung ersten Krieges 
stört), — vor Tangaloa (Tangaloa-lagi) zurück für die Seefahrten, beim Ver- 
schwinden des Himmelsgewölbes im Meeres-Horizont (als Varuna oder Uranos). 

Als secundäre Luft Versetzung spielt die Geschichte des im Auffliegen- 
lassen eines Drachen's fortgeführten Sohne's des buginesischen Raja von De- 
waju, der aus dem weissen (statt bei Godos blauem) Blute, (an solchem Ichor) 
von Raja di Bandar erkannt wurde, worauf dieser für die Ansiedlung in 
Indrapura Erde und Wasser wägen lässt (und Gleichgewichtigkeit mit den 
Elementen im Bugislande constatiren konnte). In Indrapura herrscht dann, 
unter den Söhnen Chinderamata's , der älteste, als Tuanko ber Darah (weil 
weissen Blutes) in sympathischer Verknüpfung (wie in Macassar für Kinder- 
seelen ^) hergestellt) mit dem Crocodil, zum Besuche seiner Brüder im Bugis- 
lande, im Anschluss an den Stammsitz Pagarujang (in Padang). 

An der Küste von Celebes erscheint der Culturheros im gelben Heiligen- 
Gewände (der Talapoinen) unter einem Schirm (oder Tih der Pagoden), und 
bei der Krönung des Königs von Luwu wird über ihm der Schirm Panjoeng 
entfaltet, dessen (durch die Familie Panjtjai in Pao verarbeiteten) Materialien 
in Lelewawo, in Weoela und in Baebroenta vom Himmel auf die Erde ge- 
fallen sind, während die Lontarbücher ceremonieller Sprache sich bei den 
Bissi (Bhixu) oder Layaka (zur Hut der Regalien) erhalten haben. 

Von seinem Vater Dewata^) Pitutu in einen Bambus eingeschlossen, 
wird Batara-Guru (nach Lawat) zur Erde herabgesandt, um dann femer in 
buddhistisch-brahmanischen Legenden mitzureden, wie sie späterhin ihre Be- 
trachtung bei Java zu erhalten haben werden, in Verbindung mit Sumatra's 
malayischer Vorgeschichte. 

Die gegenwärtige Lieferung begreift die Molukken, und es werden dann 
in weiterer Vertheilung folgen: Celebes und Bomeo, Timor, Rotti, Letti, 
Kisser u. s. w., Sumbawa bis Bali, Java und Sumatra mit zugehöriger 



Digitized by 



Google 



VIII 



Nachbarschaft. Das Ganze ist auf etwa sechs LieferuDgen aDgeschlagen, 
einschliesslich der jetzigen, und von ihrem angefahren Umfange. 

Bei derartig auf kurzer Durchreise, unter den übrigen Beschäftigungen 
derselben, nur bei zufallig gebotenen Gelegenheiten gesammelten Materialien 
mögen die Berichtigungen, wo es deren bedarf, den sorgsamen Arbeiten der, 
oft halbe bis ganze Lebenszeit dort domicilirten, Regierungsbeamten oder 
Missionären entnommen werden, wie besonders in den Bänden der zu Batavia, 
in der Colonie und im holländischen Mutterland erscheinenden Zeitschriften 
(für Länder- und Völkerkunde) niedergelegt, oder aus Veth's umfassenden 
Veröffentlichungen, aus den Reisen Buddhingh's, Rosenberg's, Wallace's u. s. w. 
Für die Molukken wäre im Besonderen ßleeker, Brumund, v. d. Grab, v. d. Dyk, 
Campen, Oldenborch, Bernstein u. s. w. zu nennen, wie fernerhin für Sumatra 
Junghuhn mit Landsleuten unter Aerzten und Missionären, ähnlich die letzten 
für Bomeo (neben Schwan er, Kessel, Brooke, Low, Crespigny u. A. m ), für 
Java dann und Bali die bekannten Autoritäten oder für Celebes Matthes, 
ein in seinen Verdiensten eigenartig hervorragender Gelehrter, dem es hoffent- 
lich noch vergönnt sein mag, für die nur von ihm vertretenen Studien Schüler 
und Nachfolger heranzuziehen. Der Mitarbeiter bedarf es auch hier, wie 
überall in der Ethnologie. 



Anmerkungen. 



1) Wie die Balian, bekämpfen auf Bomeo die Bliang das Sial oder Uebel, im An- 
schluss an den (vor brahmanlscher Suprematie) allwaltenden Bali (wie Bali, Sohn Gotama^s, 
in Astina) in der Unterwelt fortherrschend, aus der sich (für Wishnu's Ergänzung in 
Erishna, als Bala-Rama) die Erdschlange incamirt, in Bala (dem Starken oder Jungen, 
und) Schützer's des Pflug's, imd die dem heiligen Baum des Dorfe's gebrachten Bali-Opfer 
(im Bali Karman) erflehen Segen, auch für die Ernten (als nächster Lebensbedingung). 
Im Lied der Arvalbrüder beim „Lases juvabite" (als Apotropaioi) wird Mars an- 
gerufen, ein „conservator" des Feldersegen's, wie der Kriegsgott der Maori für das Ge- 
deihen der Saaten. Und ohne solch imponirende Gestalt tritt leicht Ebbe ein in der 
Tempelkasse, Dem Emtegott Rapiaba werden im Interesse eigener Wohlfahrt Opfer ge- 
schuldet, doch kann sein Diener Kangniba, weil (wenn auch wild, doch) blind, durch jede 
Art geringerer Gaben befriedigt werden (bei den Naga), und auf Fiji weiss man, dass 
Ndengei's alter Diener üto oftmals mit leeren Händen nach der Höhle Raki-Raki zurück- 
kehrt zu seinem über die zunehmende Weltverschlechterung klagenden Herrn, wie sich 
die Lauigkeit der Verehrer auch den Olympiern (zu Aristophanes' Zeit) fühlbar machte, 
besonders als bei Zunahme des fremdsprachigen Pöbel's (nach Momus' Ausdruck) der Am- 
brosia und Nektar so knapp wurde, dass der Schoppen des letzteren wegen der Menge der 
Trinker auf eine Mine zu stehen kam (bei Lucian). Dagegen erhielt Herkules, neben seiner 
Keule, einen „ingens ligneum poculum" (pice oblitum) hingestellt (in Rom) und auch Kraing- 
lowe wird auf seinem im Hause bereiteten Schlafplatz (in Celebes) wohlversorgt, wie ebenso 
die zu den Festen der Bissu Berufenen (in Lectistemien) und (im Avesta) die Fravashi 
(zu den Spenden aus dem Luffckreis herbeifliegend). Eia ke ai, e ke Akua kanaenae (hier 
ist Speise, o Gott), heisst es im Gebet als Pule (in Hawaii). Den Gabenlosen stdsst mit 
seinem Fuss hinweg, gleich Unkraut, Indra (der nicht an Altersschwäche stirbt). Pushan 



Digitized by 



Google 



IX 

(der Em&hrer) zieht den Gerstenbrei dem Soma vor, weil (gleich Tonga's Essensgott) dem 
Volke näher, als die aristokratische Hierarchie (im heiligen Rausch). Manns manum layat, 
sodass Reichthnm spendende Götter verehrt werden mögen von geschäftskundigen Chi- 
nesen, und schon die graeko-arische Zeit pries die „Geber von Güter", dataras vasuam, 
^»TfiQii iatoy (s. Kaegi). Auch den Ahnen wurde schuldige Ehrfurcht gezollt, doch da 
den Nachkommenden in der Capelle Platz zu machen, wurde die dritte Generation meistens 
ausgeräumt, um dann als Tritopatores mit den Winden zu treiben, wie Trita (mit den 
Marut) die Dämone Vritra und Vala bekämpft in den Luftgewittem (worin in Polynesien 
die Ahnenseelen zanken). Wenn im Umlauf der Palingenesien die Seele des Verstorbenen 
im Neugeborenen (des Grossvater's in dem nach ihm benannten Enkel) wiedererscheint (in 
Guinea) verliert bei vererbter Sünde die Bestrafung der Eltern in den Kindern an recht- 
licher Härte, und wenn Agni (im Veda) angerufen wird, die Seele mit neuem Leib zu 
vereinen, lag dem Wunsch die eigene Verwandtschaft am Nächsten. Die Trauser (bei 
Herod.) bejammern den Eintritt in^s irdische Jammerthal, während derselbe sonst mit 
Schmans gefeiert wird, imd beim Leichenschmaus befördert das auch am Orinoco gekannte 
Ehrenbegräbniss (der Eallantier) die Assimilation (zur Wiedergeburt). Als ihm noch kein 
„epulum Jovis** (in Gesellschaft der beiden Göttinnen) bereitet war, besuchte Zeus (zu 
Homer's Zeit) die a/uvfioyai At^ionrjae (zum Schmaus), obwohl Aethiopes maculant orbem 
tenebrisque figurant perfusas hominum gentes (nach ManiUus), und wie der Verfluchung 
Cham^s die Schwärzimg (bei Kazwini), wird es der Verirrung Phaeton's (bei Ovid) zuge- 
schrieben: Aethiopum populos nigrum traxisse colorem. 

2) Wie im Alterthum neben unstät wandernden Pelasgem, und ihrer piratischen Mo- 
dification in den Karem, aus Häfen asiatischer Kultur phönizische Schiffe den Archipelagos 
durchfuhren, so wandeln sich Orang Malaju gelegentlich in Badjus und noch zur Zeit 
portugiesischer Kämpfe um Singapura's Gründungen, erscheinen aus Klein- und Gross-Java 
künstlich erbaute Schiffskolosse, auf dortigen Werften gerüstet. Wenn man in der Ein- 
wanderung aus Bulotu zum Archipel auf Buru (s. Quatrefages) oder Pulo, der (heiligen) Insel 
(als Nusa), geführt ist, so klingt es aus Havaiki's Stammesland, als kleines (iki) Hawa (Awa, 
Sawa, Djawa) im Wiederhall von Java oder (bei Fomander) of a „Cushite civilisation", 
so dass der Anschluss an Jon und Juen nicht fem läge (wie der der letzteren an Kam- 
phuxa wieder). Li Celebes fallen die Molukken (mit Timor u. s. w.) unter Jawa-Jawaka 
(Klein- Jawa im Buginesischen), wogegen in Jawa oder Jawi sich neben Bomeo, Sumatra 
u. 8. w. auch Java einbegreift, wo von den Jelmo Bhumi oder Eingeborenen (Sunda's) die 
(östlichen) Fremden, als die (jenseits der Grenzen) ausserhalb (jawa oder da jawi) be- 
zeichnet werden, in den Wong Java oder Tijan jawi (indischer Herkunft). 

3) Von den Bjamha des Abhassara-Himmers, die sich durch irdische Nahrung mehr 
und mehr materialisirten, leitet sich das birmanische Herrschergeschlecht im Anschluss an 
die buddhistische Schöpfungsgeschichte (Vlk. d. ö. A. L, S. 15, Buddh. i. s. Ps., S. 80). „The 
Caribs say, that thej arrived in Guiana from skjland, through a hole*' (s. Ln. Thum), und 
auch die Warrau kamen zur Erde, als der im Himmel Vögel jagende Okonorote, der in die 
Tiefe gefallenen Beute folgend, seinen Landsleuten den verlockenden Genuss des Wild- 
fleisches brachte, den Insulanern ebenso fremd, wie den Galliern die ihnen auf Arontes^ 
Wagen als Reizmittel zum Einfall aus Italien gebrachten Südfrüchte. Am Kalabar kommt 
gleichfalls der Mensch aus Abasi's Himmelsstadt herab (Ggr. u. Ethn B., S. 191). Mawu 
sendet die Seele herab aus Nodsie, als Seelenheimath (bei den Eweem) imd quod aestimaverunt 
antiqui, animas ab Jove dari et rursus post mortem eidem reddi (s. Macrob.). Credo, deos 
immortales sparsisse animos in corpora humana, ut essent qui terras tuerentur quique cae- 
lestium ordinem contemplantes imitarentur eum vitae modo atque constantia (s. Cicero), in der 
BeHgion „practischer Vernunft** des ^gestirnten Himmers** imd „moralischen Gesetzes" (bei 
Kant). Homo snm, humani nil a me aUenum puto, also auch nicht den Anschluss an anthropo- 
morphe Verwandte (im zoologischen System), aber: Obwohl ohne strenge Grenze zwischen 
Thier- und Pflanzenwelt „beide Reiche durch eine grosse Zahl zwischenstehend zweifelhafter 
mit thierischen und pflanzlichen Merkmalen ausgestatteter Organismen einfachster Wesen 
mimnigfach miteinander verbunden" sind, wird „der lebhafte Unterschied zwischen hoch- 
organisirten Thieren und Pflanzenformen vor Augen treten** (s. Knauer), und so ist auch für 



Digitized by 



Google 



Constituirung eines Meoschenreich's vom Mittelpunkt grösserer Schwere auszugehen, von der 
geistigen Hälfte also, als (Ovid's) „melior pars" (auf dem für das Gesellschaftswesen im 
Völkergedanken angesammelten Material). Nicht nur in ihrer welthistorischen, sondern enger 
sogar ihrer formellen, technischen Seite nach ist das Wesen der Kunst nur einer Wissenschaft 
fassbar, die beides ist, theoretisch und historisch (s. Hettner), statt ^speculative Aesthetik", auf 
comparativem ümblick über das Material basirend für eine ^Grammar of omament" (um 
schon in den Vorstufen der Schrift die Aussagen der Denkregungen zu lesen). Aus der 
Erfahrung will die empirische Psychologie das Leben der Seele erkennen; folgte sie nur 
der Erfahrung, würde daraus auch nur entstehen eine Geschichte, eine Beschreibung des 
Leben's einer einzelnen Seele in individueller und concreter Gestalt; die Psychologie würde 
in Biographien bestehen (s. Harms), wogegen sich in der Psychologie des Gesellschafts- 
wesen's inductiv operiren lässt (mit dem Material des Völkergedanken's). 

4) Batara-Guru (der Javaner) entspricht auf der höheren Stufe Sang- Yang Wisesa's 
derjenigen Form Siwa's im Maha-Rüsi, welche durch Maha-Muni (Assam's) in Sakyamuni 
überleitet, obwohl hei Verschiebung der BüsserroUe auf seinen Sohn Kanekaputra (Khinai 
und Phuttha-Khinet im Thai) sich wieder brahmanische Mythen Ganesa^s über den von 
Sang- Yang Tambon im Meeresgrund unbenetzt Angetroffenen hinwegschieben, und der 
Abschluss dann in Sang- Yang Tunggal (der Herr, der Eins ist) geboten liegt. Damit fallt 
(für einen Adhi-Ruddha) die cont^mplative Seite mit der asketischen zusammen, von der 
sich der Büsser Gotama abgewandt hatte, um unter der Gemeinsamkeit coenobitischen 
Zusammenlebens (der Klostermönche) populäre Belehrung zu fördern, bei Wegfall der 
Kastenscheidungen, die dagegen bei factisch vorliegenden Rassenscheidungen die Gradua- 
tionen fremder Einwanderer, niederen Eingeborenen gegenüber, erleichtem, bis sich Ver- 
mittlungen einleiten (wie in Bayu, Narada's Sohn, als Diener Batara-Guru's, mit kräuseln- 
dem Haar). Wenn bei den Batta die Seelen der in der Geburt verstorbenen Kinder, also 
aus gefährlichster der Gespensterklassen (Z. Kntn. Hawaii's, S. 51), als Batara-Guru be- 
zeichnet werden (s. Hagen), so liegt die Absicht vor, durch Beilegung eines erhabensten 
Gottesnamens zu schmeicheln (und so Erinnyen vielleicht in Eumeniden zu verwandeln). 
Das Crocodil erhält (bei den Malayen) den Ehrentitel Tuan besar (grosser Herr) und der 
Tieger wird als Dato oder Grossväterchen („der kein Menschenfleisch mag") gehätschelt 
(in Keddah). Ohnedem mag bei der Seelenwanderung ein Ahne darin stecken, da schon 
zu Lebzeiten die Seele, wie bei Besessenheit, mit dämonischer Kraft, in den Mitmenschen, 
einfahrend, auch einen Thierleib zur Behausung wählen mag, bei den überall schweifenden 
Wehrwölfen oder (in Guiana) Kenaima-Tieger, Hyänen in Abyssinien (in Kambodia u. s. w., 
s. Vlk. d. ö. A. IV., S. 20). Auch der Krankheitsteufel kann (bei Besessenheit) einfahren, 
wenn Zambi-impi (Loango's) am Genick fasst (s. D. Exp. a. d. Lgk., IL, S. 168). In Rom 
wurde (bei Epidemien) ein Dictator e»iannt, clavi figendi causa (in der cella Jupiter's), 
und so werden den Ndoke Congo's (s. Rouvre) Nägel eingeschlagen, „pour faire penetrer 
la priere dans Fäme meme du Dieu** (bei Gaidoz), oder zum Hetzen, wie an den von 
Loango mitgebrachten Fetischen zu sehen (im Königlichen Museum in Berlin) bei Mambili 
u. s. w. (D. E. a. d. L. IL, S. 175). Im Atharva-Veda wird das Fieber zu den Gandhari imd 
Magavant, bis Anga und Magadha hinweggewünscht, und wenn am Camerun die Krank- 
heitsteufel auf fremdes Gebiet gejagt werden, entsteht Krieg (wie unter den Inseln der 
Nicobaren). In „Gottverschwörung" wurden die Seelen der Feinde den helfenden Mächten 
geweiht (wie auch die Beute im Kriege der Chatten imd Hermunduren), imd die Dayak 
jagen Köpfe für Dienste im Jenseits (bei den Leichenfesten beauftragt), während sich die 
Batta in den Seelen Gemarterter Schildwachen erziehen (wie sonst durch Lebendigbegraben 
erreicht); s. Vlkk. d. ö. A., L, S. 263, H., S. 91, VorsÜlg. v. d. S., S. 41. 

5) Die anthropologischen Verwandtschaften im Indigenat der, imter den Täuschimgen 
der Alfuren oder ihrer Vertreter auf den verschiedenen Inseln nach deren Topographie, 
gebrochenen Autochthonie weisen in den geographisch eingeleiteten Beziehimgen für die 
historisch einsetzenden Modiflcationen über die indischen Halbinseln bis nach Assam hinauf, 
hinaus sodann in den weiten Ocean, wo das bimte Völkergetünjmel des (gegen eine ma- 
layische Generalisirung deutlichst genug protestirenden) Archipelago's in einförmigeren 
Gleichartigkeiten verläuft (bei der Dreitheilung in Polynesien, Mifcronesien und Melanesien). 



Digitized by 



Google 



XI 

Bis nun freilich wird gewagt werden können, die, weil handlich bequem, dem Bequemen 
beliebten Eintheilungen systematisch zu formuliren, wird es noch gar mancher Vorarbeiten 
bedürfen, in Ansammlung des benöthigten MateriaPs, dessen Mangel sich seit Einführung 
inductiver Principien in der anthropologisch- ethnologischer Forschung sogleich heraus- 
gestellt hat. ^Dieselben Fragen sind zu lösen bei den höchst entwickelten Culturvölkem, 
wie bei den scheinbar niedrigsten Naturvölkern. Denn nachdem im fernen Osten aus der 
scheinbar einheitlichen Gruppe der Papuas zuerst die Australier, dann die Melanesier, zu- 
letit die Minkopies und die Negritos ausgelöst worden sind und gerade zu einer Zeit^ wo 
man sich der Hof&iung hingeben zu können glaubte, hier eine definitive Ordnung her- 
gestellt zu haben, zeigt, sich schon wieder unter den Stämmen der einzelnen Inseln und 
Inselgruppen eine solche Mannigfaltigkeit der Abweichung, dass man es aufgeben muss, 
jene ihrer bequemen geographischen Anordnung wegen schnell angenommener Eintheilung 
als eine gesicherte zu betrachten" (s. Virchow). Unter den dort verwendbar erscheinenden 
Generalisationen schliesst der Name der Malajen Resultate geschichtlicher Folgewirkungen 
ein, wogegen sich in den Alfuren die einheimische Wurzel auf den Insel-Localitäten isolirt 
(und unter jedesmal specifischer F&rbimg modificirt). „Es ist fast, wie mit der Wirkung 
einer BriUe für verschiedene Entfernungen und verschiedenen Augen" (s. A. Lange), wenn 
bei anscheinend einfachen Generalisationen mit dem Nähertreten im Detail die Arbeitslast 
unabsehbar wachset (für die Induction). The difficultj of an Indian Census Springs mainly 
from two sources : the infinite diversitj of the material to be dealt with, and our own infinite 
ignorance of that material (s. Ibbetson). „The more we leam of the people and their ways, 
the more profoundly must we become impressed with the vastness of the field and with 
the immense diversity it presents; not only is our knowledge of the facts as nothing com- 
pared with our ignorance, but the facts themselves vary so greatly from one part of the 
Panjab to another, that it is almost impossible to make any general statement whatever 
conceming them which shall be true for the whole Province" (1883). So ein gewissenhafter 
Beamter über Eine Provinz des weiten Indien, obwohl doch mit allen Hülfsmitteln euro- 
päischen Colonialbesitzes für seine Nachforschungen unterstützt Wie also für die Ethno- 
logie im Grossen und Q^nzen? mit oft noch kaum entdeckten Gebieten (oder durch 
flüchtige Reisen vorübergehend nur berührten). So giebt es der Arbeit genug für den, 
der helfen will, und „ein unnütz Leben ist ein früher Tod" (nach dem Dichterwort). 

6) Die von dem Reisenden Jacobson dem Königlichen Museum von den Kwickpack- 
mjüten überbrachte Sammlung enthält Holzpuppen mit crocodilartigem Fischkopf, wie dort 
für jeden Neugeborenen verfertigt (und unzertrennlich mit demselben bis zu den Jahren 
des Verständnisses). Das „Krokodil, das Symbol der elementarischen Trimurti" (s. N. Müller) 
erscheint von der Gottheit emporgehoben (auf indischen Bildern), wie der Himmelsfisch 
peruanisch (auf Vasen). Die Seele ist früher geschaffen, als der Körper (nach dem Bunde- 
hesch), und wie bei Maori, geht auch auf Hawaii die psychische Schöpfung voran (aus 
einem xoa^oq vorjTog), 

7) Das im Grossen Geist (des Manitu) Alles (als Numen) zu durchwalten, (per omnia 
manare) gleich den Manes (bei Paulus), Gedachte localisirt sich dann durch Bagar (der Batta) 
oder andere Obat,.wie (für Australien) Buulk (s. Howitt), im individuellen Fetisch-Begriff, 
aus dem öatfioviov ii des &iog (im 9hov), als dem überall (s. Pausanius) begrabenen und 
geborenen Zeus (in seiner Mannigfaltigkeit der Namen) in den Deva's oder Devata, die 
sofern nicht im Himmel, auf dem Tanah-Adewatang weilen, in dem dort (als Adewatang) 
errichteten Häuschen (auf Celebes), wie ähnliche auch für unstät schweifende Seelen- 
gespenster (gleich den aus den Kham Bhut der Siamesen heimathlos gebliebenen Phi-Phrai). 
Dort werden sie gespeis't, wie die Leiche selbst durch Grabtrichter (bei Ibos oder Duphla) 
und die in den Gemeinen als Phi schweifenden (oder gespenstischen Preta schreckenden) Bhut 
(der Thay)-apotheisiren sich bei den Edlen zum Chao (&(6y ytyopia lov n^vfixottt). Neben 
Dondi SiguUnam oder Sipargongom und Dondi Siansahara, als den beiden Innen-Seelen (der 
Batta), bleibt Dondi Sihorchor (bei den Batta) ausserhalb des Körper's (s. Hagen) und mehr 
noch als die Todtenseelen (ühane make) wird (in Hawaii) die ausserhalb des Körper's (wie sonst 
im Traum nur, als Leip-ya der Birmanen) umherwandemde Seele eines noch Lebenden (Uhane 
ola) gefürchtet (weil schreckbar). Wenn dann der Herr (oder Heros) herabsteigt (beim Lo- 



Digitized by 



Google 



XII 

Sim der Chinesen) im Phi-Khao oder Phu-Chao (unter Thay), so wird ihm gern ein San-Thi 
errichtet, das sich für die Thevada oder Thepharak (als atorrjgec oder Anaktes) aus Dank- 
barkeit für gewährten Hülfeschutz leicht zum Tempel ausschmückt (do, ut des). Schlimm 
freilich, wenn ohrenlos, wie Jupiter's Bild in Greta, wogegen Tschuku (in Yoruba) sein 
eines Ohr wenigstens der Erde nahe hält und die Sabäer den erhörenden Gott f Al-Makah) 
verehrten. Wenn man den, als Schleier der Gottheit, der Verehrung empfohlenen Stein 
schmückt, wird Batara-Guru sich schämen, nicht zu gewähren, was im Wunsch vorgelegt 
wird (in Surabaja). Den Schleier der Isis hat Keiner gelüftet, doch meint Plutarch, dass 
die Aegypter die Thiere verehrten, weil darin dunkle Bilder von der Macht der Götter 
erblickend, und auch der Olympier neigt sich für Anubis zur geheimen Bedeutung der 
Mysterien (bei Lucian). Darauf dann freilich die dortige Antwort des Hofnarren. Die 
vom Mond, statt zum Himmel gesandt, wieder herabregnenden Seelen wandeln sich auf 
Erden in Würmer, Heuschrecken, Fische, Vögel, Löwen, Eber, Schlangen, Tieger, Menschen 
oder andere Geschöpfe (nach der Kaushitaki Brahmana üpanishad) und in Owe, als Mond- 
gottheit (auf Piji) , lebt die Erneuerung verjüngender Schöpfung (wie bei Hottentotten, 
Eskimo u. A. m.). Auf Hawaii mochten sich die Seelen in dem für sie aufgestellten 
Gottesbilde niederlassen i^zum ünihi pili oder Schutzgeist). Die Poi-uhane griffen die 
Seelen mit der Hand, zum Aufpfropfen (bei Haidah) oder zum Flicken auch (bei Taculli), 
und je substanzieller sich die Seele materialisirt, so dass sie sich dem Angekok schwammig 
anfühlbar erweist, desto eher mag man sich ihrer erwehren, durch die Schwerthiebe der 
Ulubalang (auf Sumatra) oder anderes Degengefuchtel, in baltischen Leichenbegängnissen, 
und bei etrurischen (und griechischen) durch spielweis überlebende Fechterkünste (s. Inselgr. 
in Ocean., S. 3), wie in Mangaia auch. Häkliger dagegen, wenn der Begu nur als Hauch 
oder Luft (angin sadja) zu betrachten (wie Achilles Seele als Kanvof verdampft) und 
so (für Kurnai) Brewin („who is like the wind") unter den Krankheitsdämonen, die sonst 
ausgelockt (s. Vlk. d ö. As. II., S. 381) und ausbeschworen werden mögen, oder auch 
ausgesogen, wenn (in Materia peccans) so gröblicher Natur, um noch auf (siamesischem) 
Scheiterhaufen als Klumpen zu verbleiben, gleich dem mit der Kunst finnischer 
Gan im Hexenschuss des Khuai thanu in den Körper als Stil Khun eingegangenen 
Phi Phob (s. Vlk. d ö As. III., S. 275 u. a. 0.). Die Yakaduras (auf Ceylon) treiben (zum 
Krankmachen) Nägel in die Wachsbilder der „Huniyam charms" (s. Neil), also (wie der 
Fiot in seinen Holzfetisch) in ^cereas imagines" (bei Horaz , als Atzmann (s. Grimm) für 
Leberschmerzen (bei Ovid). Auf den Andamanen „it is common practice secretly to bum 
wax, when a person against whom they bear ill-will is engaged in fishing, hunting or the 
like" (s. Mann). Und dann (im Schachspiel weisser und schwarzer Magie) dem Zauberer 
gegenüber der „Wunderaere" (der Wunderdoctor unter den „klugen'' Leut^i), wie der Islam 
die Ar-Rahmani (göttlicher Magie) im Gegensatz stellt zur satanischen (As-Sahr oder As- 
Simiya), wie sich den Djinn rahmani die Djinn cbaitani entgegenstellen (in Zanzebar), 
der Obah dem Vaudoux u. s. w. „Very nearly all bodily evil, that befals an Indian, he thinks, 
the work of a Kenaima, known or uuknown, and bis only hope of guarding against such 
evil or of curing such, as has come upon him, is by the help of the Peaiman" (puyai or 
peartzan) in Guiana (s. Im. Thum), und wie in Loango der Endoxe als Widerpart dem 
Ganga gegenübersteht (s. Dtsch. Exp. a. d. Lngkst., 11 , S. 117), so wiederholen sich überall 
dieselben Analogien, bis zum üeberleiten in Religionssysteme dualistischer Färbung aus 
dem Kampf des Menschen mit der Natur (ehe sich die Wechselbeziehungen in ihren har- 
monischen Gesetzen dem Verständnisse klären). So lange noch in „mondbeglänztej: Zauber- 
nacht" kindhaften Träumen's umfangen", mag im „Henothismus" die subjective Stimmung 
jedesmalige Prädilection fixiren unter dem, was (in Mahopa die Hidatsa) sola reverentia 
vident, am nächsten in gespenstisch abgeschiedener Welt, aus der sich dann mit Klärung 
des Blicke's die Göttergestalten klären, vielleicht noch ohne Namen (gleich pelasgischen), 
si deus, si dea, sive femina, sive mas; sive quo alio nomine te appellari volueris (unt^r 
den ViQve-Devas), aber stets im axatttli^nTog &c6e (Anast. Sin.), unbegreiflich gleich Wakan 
<und solcher Räthsel mehr im agxv ^^*^ ^QX^^)* 



Digitized by 



Google 



in dem gastlichen Hause Hm. van Munnik's, Residenten von Temate, aller 
Störungen enthoben, konnte ich mich im vollsten Maasse, und aus dem voll- 
sten Herzen, den Eindr&cken hingeben, jener paradiesisch wunderbaren Natur, 
wo sie ihre Gewürzgärten gepflanzt hat, unter dem Schatten der den Berg- 
kegel Temate's bis zum Meeressaum bekleidenden Waldesbäume, mit dem 
gleich malerischen Rivalen Tidore's gegenüber, und täglich das berauschende 
Schauspiel vor Augen, wenn aus den, mit Sonnenuntergang zauberisch ge- 
mischten Tinten Halmaheira's zackige Bergeshöhen, am fernen Gesichtskreis, 
zu ätherischen Wolkenregionen emporstrebten, in den Tönen einer ungeahnten 
Farbenpracht verschwimmend. Bald zog es mich dorthin, und am 18. Juni 
fand ich mich auf einem Ruder böte, das über ^lie glänzende Meeresfläche, 
and zwischen pittoresken Umrissen ringsum, (dem Vulkan Temate's, dem 
Kegel der Insel Hira, den Gipfeln Gilolo's u. s. w.), am Abend zur Bucht von 
Safaoe führte, in dichtbegrünten Bergen geöffnet. 

Dort unter den Orang Islam von Soaraha (am Landungsplatz Soesoeppoe) 
fand sich von den Beamten des Sultan's von Temate, die auf meine Ankunft 
vorbereitet worden waren, bereits Alles in Stand gesetzt, so dass ich, nach 
einem kurzen Besuch der Castela (castello) oder Mitza genannten Burgruine 
der Orang Espanol am Akkee Lamo während des nächsten Tages, am dar- 
auf folgenden bereits für die Alfuren des Inneren aufbrechen konnte (in einer 
Tragsänfte nach der Reiseart des Landes). 

Der Weg führte anfangs zwischen Felder von Panicum italicum, mit 
Schnüren eingefasst, und dann durch buschwaldige Vegetation, mit dem Blick 
über wallende Hfigel auf die Bergkette Bukung Tudukka, die Kampong 
Idam und Orah-Orah am Wege passirend, bis zu dem Dorfe Tara^udu, wo 
zum Empfang eine Ehrenpforte errichtet war, und an Musik nichts fehlte, 
(als etwa der Liebhaber dafür). 

Die Häuser, wie überall dort in der Nachbarschaft, stehen auf niedrigen 
Pfahlgerüsten, mit den herabhängenden Dächern an einander stossend, so 
dass man unter denselben auf der Plattform fortgehen kann. Auf Treppen- 
stufen tritt man aus der Verandah in das Innere, einem Hauptraum (mit 
breiter Bank darin) und einem Verschlag daneben, und werden die aus 
schmalen Bambuslatten dicht zusammen gelegten Wände durch quere Leisten 
gestützt. 

In der Mitte des Dorfes findet sich das Gemeindehaus, wo die weisen 
oder Weiss-Häupter (der Geronten) allmittaglich (im Prytaneum) speisen, aus 

Bastian, Archipelago. I. 1 



Digitized by 



Google 



den von den Frauen dorthin getragenen Schüsseln. Aaf einem freien Platze 
daneben triflft sich, von Grasfäserchen umweht (wie inAfrica auch, zur Luftreini- 
gung) das Eakiroba-Haus, unter dessen rauchet igem Boden, auf einem Bambus- 
fach, Tischchen und Stühle hingen, für die Göttermahle, während in einer 
Ecke Schild, Säbel, Schwing-Instrument und andere Apparate lagen, wie zum 
Verscheuchen nöthig, wenn es gilt, im Kampf mit den Dämonen das Rüst- 
zeug zu holen (aus dem Tempel Kamakura's in Japan, oder in Böotien ein- 
stens, aus dem des Herakles in Theben). Das Dorf liegt in einer kurzen 
Einsenkung an niedriger Erhebung, rings von dichtem Buschwald umgeben, 
aus dem ein schmaler Weg schnurgrade auf das grosste der drei Kakiroba- 
Häuser direkt zuführt, und dieser Pfad (zwischen dicht bewachsenen Ver- 
hacken) ist an der schmal gangbaren Stelle durch eine Pfahlwand (aus spitzen 
Bambus) eingeengt, festungsartig mit einem, Bo-Boil genannten Thor, und 
dient nun dies, wenn in krankhaft geföhrlichen Zeiten Anzeichen dazu rathen, 
die Dämonen zu hindern, aus dem Buschwald in's Dorf hereinzukommen, (so 
dass sich die Communication mit der jenseitigen Welt demgemäss bequem con- 
troliren lässt). Von den Priesterwaflfen konnte ich aus dem Arsenal nur mit 
Mühe ein, bereits halb ausrangirtes, Exemplar für das Museum erhalten. Man 
wollte sie nicht fortgeben, weil man sonst (wenn das Gesindel der Swangie 
nicht länger die Peitsche sähe) die Krankheiten aus dem Dorfe nicht mehr 
los werden würde. Indess wurde gerade damals, zur Ernte-Zeit, das Ge- 
sundheitsfest (oder Mussum) gefeiert, die dortig locale Variationsform jenes 
grossen Reinmachetages, dessen alljährliche Wiederholung unter stereotypen 
Phasen aus allen fünf Continenten sich wiederholen, mit den entsprechenden 
Analogien nach historischen Perioden, wie mehrfach erörtert, (s. Bnddh. i. s. 
P. Berlin 1882, S. IX). 

Ich fand, als am Abend die enge Treppe heraufklettemd, den Raum 
der Capelle bereits mit Menschen voll. Von der Decke hing eine Reihe von 
Bambus-Gestellen herab, auf denen das Festmahl der Götter ausgelegt und 
hergerichtet war. Darunter hatten sich die Herren Musikanten placirt, (die, 
da besonders mit Trommel und Gong operirend, den Strom der Schall- 
wellen im engen Gemach ungeschwächt zu erhalten wnssten), und der Ein- 
gangsthür gegenüber sassen auf einer Bank die Candidaten, die in dem reli- 
giösen Drama, wie es bevorstand, ihre Rolle zu spielen bestimmt waren. In 
grotesken Attitüden stand einer der Guru mitten im Zimmer, vom langen 
Schwarzhaar seines Kopfs umflattert, und im wilden Gehüpfe der Drehungen 
umherspringend, bald von einem Fuss auf den anderen fallend, im trippelnden 
Stehen, dann wieder, wie wüthend umherrasend, soviel zwischen Zuschauer 
und Musiker Platz dafür blieb. 

Nach Abschluss des ersten Acte's trat ein Confrater hinzu, der einen 
Topf mit der Jocho genannten Betäubungsflüssigkeit (aus Citronensaft, Ingwer 
u. s. w.) in der Iland trug. Davon wurde mit einem Lappenschwamm dem 
Candidaten in die Augen geträufelt, oder Tropfen auf die Brust und in's 



Digitized by 



Google 



3 

Gesicht gesprenkelt JDie Wirkung zeigte sich sogleich, im Schwerathmen, 
tiefen Aufseufzen und Stöhnen, und bald war ein allgemeines Zittern des 
Oberkörper's bemerkbar, während die Hände krampfhaft auf den Knieen an- 
gepresst lagen. 

Während dessen setzten die beiden Guru ihre Tanz-Manöver fort, und 
unter denselben näherten sie sich dann, in convulsivischem Zufahren, bald 
dem einen, bald dem anderen der auf das Ergriflfenwerden durch die Wong 
Wartenden, indem sie zuweilen in kurzem und raschem GriflF die Schultern 
pressten, dann wieder die Arme reckten, das Kinn druckten, streichend und 
streichelnd vor dem Gesicht hin- und herfuhren, und andere Operationen 
versuchten die Krisis zu beschleunigen. Die Benetzung wurde wiederholt, ein 
grüner Strauch zum Besprengen in die Flüssigkeit eingetaucht, auch ein weisser 
Pinangbusch tanzend getragen, das Musikgetöse dröhnte lauter und lärmen- 
der noch, ohrbethörend und zerreissend, und plötzlich fiel, aus der Reihe, 
Einer von seinem Sitz mit dem Gesicht platt auf die Erde nieder, wo er 
sich in Krämpfen umherzuwälzen begann, aber schnell aufgehoben und in 
einen dunkeln Hintergrund geschoben wurde. Die Uebrigen folgten nach- 
einander, bis auf Einen, der etwas apathisch schien, so dass die Besessen- 
heit nicht rechtzeitig kommen wollte. Der Guru packte sich deshalb ein, 
ihm wahrscheinlich als empfönglich bekanntes, Individuum aus den Zuschauem, 
freilich ein widerwilliges oder doch unwilliges, so dass beim Herschleppen 
Gewalt anzuwenden war (wie einst bei der Pythia mitunter). Sobald indess 
der Cursus mit dem Sprengen und Streichen begonnen, war Alles sogleich 
in Ordnung, und folgten die Besessenheitssymptome, wie es correcter nicht 
hätte gewünscht werden können. 

Als ich mir während des Tages einen Guru in mein Quartier hatte rufen 
lassen, war dieser noch rascher für die Privatvorstellung bereit, obgleich 
nach dem betäubten Ausdruck seines Gesichts zu urtheilen, wohl einige Vor- 
bereitungen getroffen sein mochten. Im Uebrigen war er beim Niederlegen 
auf der Ruhebank sorgsam um die Falten seines Gewandes bedacht, wie 
in indischer Etikette vorgeschrieben, und sobald er sich dann das Gesicht 
mit einem Tuche bedeckt hatte, begann das Seufzen und schwere Athmen, 
sowie bald auch die Sprache der Sprüche, in der freilich, wie meistens, schwer 
verständlichen Redeweise der Orakel. 

Bei meinem Aufenthalt in Tidore (Juli I.) konnte ich dort einer ähn- 
lichen Feierlichkeit beiwohnen, (wobei es sich um das Genesungsfest eines 
Kranken handelte), zu Ehren des Djin Kota-tore, indem sich in dieser Burg- 
ruine der Spanier, wie in den meisten der übrigen (auch in anderen Ländern) 
ein solcher Geist eingenistet hat. Auf einer mit rothen und weissen Schnüren 
omzogenen, durch Muscheln geschmückten Schaubühne, tanzten zum Schalle 
rauschender Musik eine Schaar weiss gekleideter Mädchen mit theils rothen, 
theils blauen Schärpen, und das Haar frei gelöst. Der Actus begriff kurze 
Wendungen im hüpfenden Drehen^ mit gelegentlichen Einknickungen, ein Ent- 



Digitized by 



Google 



gegentreten im Vis-ä-vis^ oder All einschritt, and dann wieder zasammenfallend 
im einstimmigen Gesang. 

Auch hier, wie anderswo, sind diese Wesen aus der „Spirit-world" 
zu allerlei Diensten verwendbar. In Sahoe kam ich im Gespräch mit 
einem der Eappala oder Dorfältesten, wie auf dies und das, zuföllig auch 
auf die Goni genannte Tasche, die er umhängen hatte, zu sprechen. Als 
ich dieselbe durchstöberte, fand sich neben den Ingredienzien zum Betel- 
kaaen, wie hier zu erwarten war, auch ein rund geglättetes Stuck Bambu, 
brauner Farbe, und ringsum bestopft. Auf meine Frage, wofür das gut 
sei, erhielt ich dann folgende Mittheilung: Einst, im Schlaf, habe er sich 
in's Ohr geflüstert gehört, dass ihm eine Medizin bestimmt sei, die fQr ihn 
fertig läge, dasjenige nämlich, was im Malayischen Obat (Medicin) oder (in 
alfurischer Sprache) Dofahei genannt würde, (also ein Fetisch oder Talisman). 
Als er dann am folgenden Morgen diesen Bambu gefunden, habe er ihn in 
entsprechender Weise zugerichtet, und jetzt gewähre er ihm Schutz gegen 
Krankheiten und auch im Kriege. Auch habe er die beste Zuversicht darauf 
für femer, so lange er selbst nur bedacht sein würde, die erforderliche Ach- 
tung zu wahren gegen seinen Behüter, ihn rein zu halten, und in Ehren. So 
wäre es z. B. nothwendig, dass er ihn jedesmal ablege, wenn ihm eins der 
Erleichterungsbedürfnisse ankomme, für Stuhlgang oder Wasserlassen, denn 
sonst könnte der Wong, dessen Eingebung dieses Geschenk zu danken, über 
Missachtung desselben beleidigt und ärgerlich werden^). 

Obwohl bei Entwurf des Reiseplans, für einen Besuch des indischen 
Archipelago, zur Vermehrung der ethnologischen Sammlungen des könig- 
lichen Museums, unter den mitsprechenden Motiven bereits Erwartungen 
gehegt wurden, in. den Local-Differenzen der verschiedenen Gruppen man- 
cherlei weitere Beiträge zur comparativen Verwerthung der Inductions-Methode 
zu erhalten, haben sich doch in noch reicherem Maasse neue Aufklärungen 
ergeben, als im Voraus anzuschlagen war, und bietet sich dadurch mit dieser 
letzten Reise ein vorläufiger Abschluss auf manchen der für psychologische 
Studien in der Ethnologie nach einander eröfiEneten Untersuchungswege. 

Als bei Rückkehr von der Ersten, im Jahre 1856, unter Zusammen- 
ordnung des vorliegenden Materials aus der Feme ein Zielpunkt für die 
Arbeit aufzuleuchten begann, würde der als unab weislich durch eine Gedanken- 
statistik angezeigte Weg, bei der Unermesslichkeit der Aufgabe haben ab- 
schrecken müssen, wenn nicht andererseits wieder, bei gleichzeitiger HoflF- 
nung auf organische Gesetzlichkeit, bald zunehmende Vereinfachung in Er- 
wartung gestanden hätte. 

Bei der mit jedem weiteren Schritte befestigten Ueberzeugung, dass, wenn 
hier Naturgesetze walten, dieselben sich zu manifestiren haben müssten, konnte 
daran festgehalten werden, die Substanzen, wie im Laufe des Augenblickes ge- 



1) S. Mensch in der Geschichte (Leipzig 1860), I, S. 85 u. flg. 

Digitized by VjOOQIC 



boten (und vielleicht in ihm allein fixirbar) ungestört und objectiv (mit mög- 
lichstem Ausschluss theoretisirender Subjectivität) neben einander zusammen- 
zureihen, bis sie nach den AequivjJenten immanenter Wahlverwandtschaft aus 
der Mutterlauge zu krystallisiren hätten, um sich selbst in jedesmaliger Eigen- 
thümlichkeit des Characteristischen zu documentiren. So chaotisch durchein- 
ander gahrend deshalb anfangs auch die ungeordneten Massenhäuiungen an- 
zuwachsen drohten, Hessen doch bald bereits primordiale Streifungen sich im 
Werdeprocess erkennen, und jetzt, wo es mehr und mehr zu klären beginnt, 
wird das Ganze gar bald auf eine Reihe einfach klar durchsichtiger Elementar- 
gesetze reducirt ^ein, so dass dann, in der Psychologie als Naturwissenschaft 
auf ethnischer Grandlage, die Organisation des Menschheitsgedankens (und 
seine genetische Entwicklung von primitiven Anfangen an entfaltet) vor uns 
zu liegen hat, aus allen Zeiten und allen Völkern. 

Hierüber mögen am Schluss des Werkes^) einige zusammenfassende 
üebersichten beifugbar bleiben, während von den mit dem Stoflf Vertrauten, 
und denselben in seinem Umfang Beherrschenden, die Bestätigung sich aus 
jedem Capitel schon herauslesen wird^), wie f&r die socialen Zustände, so be- 



1) Auf Halmaheira (und benachbarte Molukken), wie hier in erster Lieferung vor- 
liegend, wird dann die Behandlung anderer der insularen Grappimngen zu folgen haben: 
Celebes mit Buton, Sumatra, Sumbawa, Timor, Bali, Java (Mores, Samba, Nyas, Ceram 
u. s. w.). Dem eingeschlagenen Reisewege gemäss hat das persönlich neu Gesammelte be- 
sonders auf die Redjang, Passumah, Turaja, auf Rotti, Letti, Kissir, Timor, Tenimber, 
Arn u. 8. w. zu fallen, während für die erforderlichen Ergänzungen ein zeitweiliger Aufent- 
halt, (zu dem ich mich in Batavia genöthigt fand), vorwiegend benutzt worden ist, um 
die umfassende Literatur in der Bibliothek der „Bataviaasch Genootschap" eingehender 
durchzusehen. Für die ehrenvolle Aufnahme, die mir bei dieser altverdienten Gesellschaft 
zu Theil wurde, für das freundschaftliche Entgegenkommen ihrer Mitglieder, des Präsidenten, 
Hm. der Kinderen, des Secretär's, Hm. von der Chiss, des Bibliothekar's, Hm. Albrecht's, 
dann Hm. Groenefeldt, Hm. Holle's, (beide damals mit ihren gelehrten Arbeiten beschäftigt, 
der Erste über den früheren Verkehr der Chinesen mit dem Archipel, der Letztere über 
die Alphabet- Variationen im indischen Ostasien), — für All das Viele, was ich in den zwei 
Monaten meines dortigen Aufenthaltes zu lemen Gelegenheit hatte, bleibt mein verbind- 
lichster Dank als dauemder bewahrt, und nicht minder lebhaft in meinen Erinnerungen 
die liebenswürdige Unterstützung, die den jedesmaligen Studien gewährt wurde, in Celebes 
durch Dr. Matthes, Gouverneur von Tromp, Assistent-Residenten Bensbach, in Timor durch 
Herrn Residenten Riedel, in Temate durch Herm Oldenburg, und so auf den übrigen 
Punkten durch diejenigen, deren Namen im Laufe der Reise-Beschreibung zur schuldigen 
Erwähnung kommen werden, gleichzeitig mit denen unserer deutschen Landsleute, in deren 
herzlichem Empfang manch traute Stunden verbracht wurden, in Herm Steinbmgge^s häus- 
lichem Kreise (zu Batavia), bei Herm Consul Erdmann (in Samarang), Herm Consul 
von Bültzenlöwen (in Surabaja), Herm Stefan (in Padang) u. A. m. 

2) Indem für die, einer naturwissenschaftlichen Behandlung der Psychologie durch die 
Induction, seitens der Statistik gestellten Aufgabe, als Vorbedingung die Beschaffung des 
Materiale's voransteht, hat sich die einleitende Bearbeitung darauf zu richten, die Ge- 
danken selbst zu registriren, zunächst die im gesellschaftlichen Durchschnitt, als Abdmck 
derselben, ausgesprochenen, und dann die in Aeussenmgen von mehr wenig massgebenden 
Persönlichkeiten formulirten. 

Bei solch' mechanischer Aneinanderreihung von Gedanken, liegt es in der Natur der 
Sache (hier also in der eben dieser Gedanken selbst), dass sich kein hermetischer Ab- 



Digitized by 



Ljoogle 



6 

sonders auch im freieren^ und somit vielgestaltig weiteren, Gesichtsamfang 
der religiös-mythologischen ^ ) Anschauung. 

Wenn man u. A. den Yorstellungs-Combinationen, wie sie über Wong, 
Swangie, Tscha-ata, Djin u. s. w. auf diesen bisher wenig für ihre psychischen 
Thatsachen beobachteten Inseln, in den, nachstehend den Beobachtungen ent- 
nommenen, Aufzeichnungen comparativ überblickt^ so ergiebt sich schlagendste 
Bestätigung für die organische Natumothwendigkeit*) im Wachsthum des 
Völkergedankens ^), es passt Alles wie eingegossen, könnte man sagen, unter 

schluss (wie bei an sich nmgränzten Naturprodukten) herstellen l&sst, sondern in einem 
einzelnen Gedanken oft die Anknüpfangspunkte zu einer verschiedenen Menge von Ana- 
logien liegen mögen. 

Dadurch füllen sich die Anmerkungen leicht in einer Anzahl scheinbar incongruenter 
Aufzeichnungen, deren Zusammenhang indess, bei einem Lesen zwischen den Zeilen, mei- 
stens nicht schwierig zu finden sein möchte. Ausserdem ist für diese Anmerkungen von 
dem etwaigen Benutzer derselben, der mehrfach ausgesprochene Zusammenhang meiner 
sftmmtlichen Publikationen zu beachten (seit Aufstellung des Prinzipe's einer Gedanken- 
statistik, als conditio sine qua non). 

Was also z. B. in der gegenwärtigen, als späterer Publikation, in einer unter dem 
Capitel über Ehe, Häuptlingswesen, Zauberei u. dergl. m. fallenden Anmerkungen vermerkt 
steht, würde manchmal nur nachträgliche (oder in ihrer Art zufällig gegebene) Ergänzungen 
zu der Hauptmasse der Beweisstücke liefern, wie sie sich in den vorangegangenen Publi- 
kationen bereits niedergelegt finden (um dann bei späterer Herstellung eines erörternden 
Register's sämmtlich in ihren geordneten Zusammenhang zu treten). 

1) Der Mythus (idealen Ursprungs) ruht im Gemüth des Volke's, in der religiösen 
Hingabe an eine in der Naturerscheinung oder im Menschenleben sich offenbarende gött- 
liche Potenz, in dem Drange, dieses göttliche Wirken als einen geschichtlichen Vorgang, 
als ein Vorbild eigener Erlebnisse auszusprechen (s. Stark). Die Volkssage will mit keu- 
scher Hand gelesen und gebrochen sein, wer sie hart angreift, dem wird sie die Blätter 
krümmen und ihren eigendsten Duft vorenthalten, in ihr steckt ein solcher Fund reicher 
Entfaltung und Blüthe, dass er auch unvollständig mitgetheilt in seinem natürlichen Schmuck 
genug thut, aber durch fremden Zusatz gestört und beeinträchtigt wäre (s. J. Grimm), und 
dies wäre für die ethnologischen Lehrbücher zu beachten, in welche die leichten Luftgebilde 
der Naturstämme mit dem gewuchtigen Messer klassischen Styles zugestutzt werden sollen 
(auch in der Kritik). 

2) L'homme devient un chainon n^cessaire dans le nombre infini des individus de son 
espece, et cette loi, dans laquelle il rentre k son insu, ne gouveme pas seulement ses 
qualit^s physiques, eile domine encore son Organisation morale et int^llectuelle (Quetelet). 
A common principle of intelligence meets us in the savage, in ihe barbarian and in civi- 
lized man (s. Morgan). 

3) Als Vulcan des Tengger-Gebirges wurzelt der Bromo ebenso nothwendig in der 
geologischen Natur Java's, wie der Pele's in der Hawaii's — (wobei ein unterirdischer 
Zusammenhang unter- oder überirdischer Theorien überlassen bliebe), — und weshalb also 
nicht die mit beiden analog verknüpften Vorstellungen mythologischer Art in der psycho- 
logischen Natur der jedesmaligen Menschenform?, unter jenem Bildungszwang, der den 
Mandjusri des wasserbedeckten Hochthal^s in Nepaul mit dem Bochica am Wasserfall von 
Tequendama, zu Gegen- oder Seitenstücke gestaltet, in vicarirenden Typen, wie zwischen 
dem Gott auf wolkenumhülltem Olymp und dem alten Tfaloc meiicanischer Regenberge, 
oder in hundert- und tausendfach sonstigen Spiegelungen ethnischer Gedankenschöpfnng 
(bis in ethische hinein). 

Wie die Pflanze, obwohl auf den geographischen Localitäten variirend, überall nach 
gleich organischen Gesetzen keimt (unter der dem botanischen Ausdruck auf dem Antlitz 
der Erde jedesmal entsprechenden Physiognomie), so der Menschengeist des psychologi- 



Digitized by 



Google 



den characteristisch variirten Modificationen i) der geographischen Provinz dort 
mit dem aus den übrigen auf der Erde bereits Bekannten, (wie oftmals in 
diesem Sinne, bei gebotenen Gelegenheiten, besprochen). 

um deshalb das Subjective nach Thunlichkeit zu eliminiren, gebe ich 
die Mittheilungen meistens so, wie von den verschiedenen Berichterstattern 
erhalten, auch unter theil weisen Wiederholungen, da in solchen mehrfachen 
Versionen sich die ControUe gegenseitig bestätigt 2). 

Eine kurze Recapitulation folgt am Ende. 

Der Aufenthalt, während welches die wiedergegebenen Daten gewonnen 
wurden, dauerte vom 4. Juni bis 7. Juli 1879 — für Halmaheira 18 — 23. Juni, 
für Tidore vom 28. Juni bis 2. Juli, und der Rest für Temate — auf dieser 
in der Zeit von Juni 1878 bis August 1880 ausgeführten Reise: durch Persien 
über Indien nach dem malaiischen Archipel und dann, im oceanischen, bis 
Oregon, mit Rückkehr via Yucatan (s. Verhandlungen der Gesellschaft für 
Erdkunde, Octobersitzung 1880). 

sehen Organismus, im Völkergedanken emporspriessend. Wenn wir den des indischen 
Archipelago betrachten, mag uns manches von fernher befremdlich entgegentreten, von 
unserer psychischen Organisation ebenso verschieden, wie (in der physischen) der Ursus 
malayanus (mit gelber Schnauze und weissem Brastfleck) von dem Ursns arctos der Hei- 
math. Aber dennoch liegt hier in beiden Fällen die geographische Modification vor, wie 
für die Plantigradae in die Natur hineingedacht, und da dem Homo sapiens noch die 
Gunst der Denkfähigkeit überher hinzugegeben, ist das Weitere seinem Selbstdenken bestens 
anempfohlen. 

1) Bei aller Mannigfaltigkeit der concreten Formen doch das Einheitliche und Ver- 
wandte durchzufühlen, und in wissenschaftlicher Analyse durchzusetzen, ist für den Mytho- 
logen jedenfalls ebenso lehrreich, als es ihn fördern muss, wenn er der Produktionskraft 
des Mythus auf allen Spuren und Wegen, wo er irgend thätig gewesen ist, seine Bildung 
belauschend nachgeht (s. Preller). Nach Creuzer erhielt „die Symbolik ihre erste Pflege 
vornehmlich im alten Indien, von woher sie in die griechische Heldenzeit sich verpflanzte, 
und später brachte sie aus dem Orient eine gebildete Ritterschaft" (s. Voss). Das höchste 
in den mythographischen Studien ist es weder zu viel noch zu wenig gewissen Ansichten 
zu vertrauen (s. Ouwaroff). In der „Archäologie comparöe" (s. Raoul-Rochette) „une prö- 
occupation trop exclnsive a donne naissance k des syst^mes, qui manquant d^nne base histo- 
rique, et qui malgr^ tont le luxe d*6rudition employe ä les soutenir, ne sont, en r^alitö, 
que de savantes hypotheses" (1848). Non infitior deos gentiles esse axvßalv, imo stercora 
(s. Vosfiius), wogegen, heutzutage : „Mythology is primitive philosophy" (s. Powell), und mit 
dem Völkergedanken ist eine naturwissenschirftliche Psychologie im Aufbau begriffen. 

2) Die Schreibart der Namen ist vorläufig so gelassen, wie sie sich bei jedesmalig 
dialectischer Aussprache, oder in der Auffassung des Dolmetscher's, herauszuhören schien, 
um vorläufig nichts zu präjudiciren, bis eine eingehend methodische Behandlung zur be- 
stimmteren Feststellung in kritischer Sichtung und Ordnung Berechtigung ertheilt. Dafür 
wird Campen's vortreffliche Monographie über Halmaheira, die gerade jetzt rechtzeitig im 
Erscheinen begriffen ist, in der Zeitschrift des Archipel (1880), eine gesicherte Unterlage 
gewähren, weü auf des Verfasser's langjährigen Erfahrungen und eingehender Sachkennt- 
niss begründet. Als ich während eines kurzen Aufenthalters auf der Insel in eiliger Hast 
die folgenden Aufzeichnungen zu nehmen hatte, war noch keine derartige HüKe für Wege- 
weisung und Berathung gegeben, sondern unsere ethnische Kenntniss auf abgerissene 
Notizen hie und da, in spärhchster Literatur eingeschränkt. Zu diesen treten nun zu- 
nächst die (im Suchen nach eigener Orientimng) persönlich eingezogenen Erkundigungen, 
und späterhin wird sich dann das Ganze im Gesanmit verarbeiten lassen, unter gegen- 
seitiger ControUe und Ergänzung. 



Digitized by 



Google 



Jjie Vorgebirge Halmaheira's werden von Djin oder Djini bewohnt'), unter 
ihrem Gwusuong oder Pwusuong genannten Fürsten, der in dem Wauro genannten 
Orte weilt ''), für Menschen unzugänglich (im Innern der Insel). — Wenn die Djini 
einen Menschen (seiner Handlungen wegen) lieben, kommen sie herbei, ihn zu 
begleiten und bewachen, und in Folge ihrer Gegenwart werden dann die Tschakatta 
oder Swangi aus dem Dorf vertrieben (so dass die Tugenden des Gerechten dem 
Gemeinwesen zu Gute') kommen). 

Der Djin^), (bei den Alfuren Halmaheira's) offenbart sich durch sein von dem 
Berufenen gefundenes Zeichen, als ein Moestika (een abnorm aliteit en vruchten, 
bloemen, dieren u. s. w.), somit oblativa (neben den impetrita unterschieden), als 
Portenta ausserdem (ex Diris auch), und in Peru mochte der einwohnende Dfimon 
mit eigener Stimme seinen Namen ^) angeben (wie anderswo ebenso). 

Wenn die Dämonen (Tscha-ata) den Menschen schaden, werden die guten 
Geister (Oming) zu Hülfe gerufen und verleihen dann (durch die Soo-so du oder 
Zauberpriester) die Wurzel eines heilkräftigen Baume^s (unter den Alfuren Sahoe's), 
wie das Kraut Moly gegen Kirke's Zaubertrank schützte, der Lorbeer gegen dämo- 
nische Anfechtungen auch im Kauen (s. Theophr.), Meerzwiebel u. s. w. (bis zur 
Mistel). — Bei der Beschwörung (Soo-soo) werden die Geister (Sarane) angerufen 
(auf Halmaheira). — Durch Befreundung mit Swangie (im Teufelsbund) wird durch 
Obat (geheimer Medicin) getödtet, im Hexenwesen (des Endoxe, als Fetizero^), in 
Afrika u. s. w.), wo dann wieder vergeltende Tödtung droht (mit der ganzen Fa- 
milie, zur Ausrottung des Stammes). 



Die Alfuren in Sahoe unterscheiden von ihren Oming oder Ome (den, als 
hülfereich, angerufenen Geistern) die Oming Timbuku, Oming Sula und nach an- 
deren Ortschaften, indem solche Leute, die aus so fernen Plätzen (wie Timbuku, 
Sula u, 8. w.) besondere Menschen sein müssen, und werth als Oming verehrt zu 
werden (wie der englische Jäger an seinem Grabe in Indien). Diese Götterwelt 
vermehrt sich nun durch die Oming geheimen Namens, welche als die Oming von 
Ternate und von Sula sich mit einander vermählt, aus solcher Ehe gezeugt wurden. 
Jede Familie errichtet für diese Oming zum Kakiroba eine Capelle, worin sich ein 
Tisch und ein Stuhl findet, auch das Modell einer Prauw (für die Seefahrer) und 
dergl. m. Bei festlichen Gelegenheiten wird mit Kurkuma gelb gefärbter (oder 
mit Cocos in Bambus gekochter) Reis dorthin gesetzt und am nächsten Morgen 
(nachdem Kinder die Nacht hindurch gewacht haben) zurückgenommen, um beim 
Familienmahl verzehrt zu werden, also bei den Charistien (^^apio-TÄt), die gleich- 
falls mit Perviglien verbunden waren. Bei ihrem Lectisternium in Samos (wo der 
Stuhl durch den Pfühl ersetzt war) liess sich die hehre Here gleich ein Tischmesser ') 
in die Hand geben, um Ernst zu machen. Da unter den Fremden*) des Innern die 
Spanier und Portugiesen, deren Forts sich in ihren Trünrnaerresten noch vielfach 
auf Halmaheira finden, am meisten Eindruck machen mussten, weil am weitesten 
her, ist aus dem Hombre oder Homen atavistische Form geblieben. In den Dörfern 



Digitized by 



Google 



9 

bei Galela wird besonders ein früherer Held ^) verehrt, der als Heros zum Eriegs- 
gott erhoben ist (in Kampong Poem dagegen ein Vogel als Schutzgeist). Den Dios- 
koren wurden in Italien ihre Theoxenien gefeiert, otolv roiq Aio<rxoJpoig h üpvTaveitij 
ipt^ov nporibwvTAi (wie in Athen), oder vom König Battos eingeladen (in Cyrene). 
Wie die Australier in den ihre Flüsse aufwärts kommenden Weissen die wieder- 
kehrenden Seelen verstorbener Verwandten erblickten, so auf den Gambier (wo statt 
poljmesischer Canoe's die Flösse südamerikanischer Küste gebraucht werden) die Be- 
wohner von Bow-Island in der Besatzung des ersten Entdeckungsschiffes, ^the spirit 
of one of their relations lately deceased** (s. Beechey), und so Wissmann*s Erfah- 
rungen, als er in dem von noch keinem Weissen betretenen Theile Afrika's er- 
schien. Diese sind naher, als Jo-madutu, der Höchste, nnd deshalb weit über die 
Menschenwelt erhaben, gleich den für Gebete allzuweit entfernten Neger-Göttern, in 
Mawu und seines Gleichen, als Hoheiten, denen Sorgen für den gemeinen Mann nicht 
zugemuthet werden durften. Magna dii curant, parva negligunt. 



Von den Wongi ><>)) (oder Djin) giebt es in Tidore vier (als gute) nfimlich Djin 
passi (der im Meer weilt), Djin Kotatuhula (im Fort Tuhula), Djin Kotatoreh (im 
Fort Tore) und Djin Rabu (hinter der Residenz des Sultan), dann den bösen Djin 
I>ianabatti (als Djin Kaffir) und (Krankheit verursachend) Djin Kajuri (im Kam- 
pong Tomalauhit). — Bei Genesung eines Kranken wird ein Fest gefeiert, und die 
dafür gerufenen Tänzerinnen sind verschiedener Art, je nachdem es dem Ko- 
tatschuhuln oder dem Kotatore gilt. Unter den an den letzteren gerichteten Ge- 
sängen findet sich das Lied, von einem im Meere versterbenden Fisch, der hin und 
her springend, schliesslich in das Tanzgemach gelangte. — Der Djin Kotatoreh 
hilft besonders bei Herzkrankheit, Fieber u. s. w. — Bei den Djin-Festen (in Tidore) 
werden kleine Mädchen mit Weihranch betäubt, um in Sprüngen zu tanzen. 

Unter den Wongi Temate's ist der mächtigste Jo-Durian oder der Herr der 
Dunan (Frucht). Als Eigenthümer über Alles oder Einsitzer'*) (eigentlicher Eigen- 
thümer) wird (unter den Dämonen) Giki-moi verehrt (von den Galalesen auf Hal- 
maheira), während bei den Eskimo in jedem Gegenstände sein Besitzer oder Innuä 
wohnt und (unter dem Verbot des Innirterrisok), bei den Athabasken wieder, die 
besondere Erlaubniss, wie zum Niessbrauch ") erforderlich, im Voraus gewährt war. 



Bei den Arabern ist die Luft mit den dämonischen Mächten der Efrit gefallt 
— 80 dicht, dass sich keine Scbaale Wasser ausgiessen lässt, ohne deren zu treffen 
(s. Lane), und wenn sich hier eine semitische Entstellung eranischer Peri vermuthen 
liesse, so für die Djin (wenn sie sich auch in den Madjnoun der Besessenheit oder 
anderen Ableitungen der Sprachform eingefugt haben) ein Zusammenhang mit römi- 
scher Vergangenheit, als noch der Genius in den Genien auf dem Boden des Welt- 
reiches einen weiten Spielplatz vor sich hatte. Der strengen Orthodoxie sind die Djin 
(trotz ihrer Feenköniginnen, und der, Salomon's Majestät, bewiesenen Dienstbeflissen- 
heit) ein mehr weniger verdächtiges Pack, während sie im weitherzigen Volksglauben 
die Seele nicht nur, gleich Fravaschi, als Schutzgeist begleiten mögen, sondern auch 
an ihre Stelle treten, in den Zuständen der Ob- oder Possessio. Im Einbegriff unter die 
D&monen bleibt ihnen der Cbaracter böswilliger Schadenbeflissenheit erspart (da sie 
vielmehr gegentheils zur Bekämpfung des Feindlichen helfen mögen),- doch haftet 
aach der Lichtnatur, in gleichsam gefallenen Engeln, stets eine Verstimmung an, 
die sich in allerlei Ränken Luft machen mag (bis zum Schabernack der Kobolde 
herab). In der ^Aetemitas*' des kaiserlichen Genius wird der Divus zum Deus. 



Digitized by 



Google 



10 

Unter den bösen Geistern der Tokatta wird als mächtigster Meld gefürchtet, 
der unter der Erde lebt (in Tobaroe), — und wenn der ünterweltsgott, in Pluto's 
schreckenden Gestaltungen nach dem Oberlicht emporsteigt, erblasst die Seele 
im Tode (wenn nicht in Mysterien gefeit). — Hülfe gegen die Nachstellungen 
der Tokatta oder Swangi mag gewährt werden durch die Djin oder Djini, 
welche, wenn sie von den guten Handlungen eines Menschen angezogen werden, 
Liebe für denselben gewinnen, und die feindlichen Dämonen verscheuchen, beim 
Hinkommen zum Dorf. — Die Swangi (bösen Geister) heissen Tschokko (in Tidore) 
oder (in Temate) Tschakka (Yaksa, ind.). Die Dämonen oder Tscha-ata woh- 
nen (auf Batsjian) im Walde unter dem Tschat-masai, als Oberhaupt. Die (schlicht- 
haarigen) Orang Kaffir in Pulo Halmaheira (oder Gilolo) verehren Krawar (Holz- 
bilder in Menschenform), die Todten begrabend. 

Neben dem Kakiroba-Haus (mit dem heimischen Dämon) errichten die Toba- 
resen (in Halmaheira) eine Tempelcapelle für den Gomäna oder Wong, der in den 
Bergen haust und zum Besuche kommen mag) wogegen Kakiroba in dem von ihm 
gebauten Hause weilt). In dem Goma-matahu (tahu, Haus) oder Haus der Goma 
werden die Goma oder Geister der Abgeschiedenen bei Krankheitsfällen durch 
Festessen gefeiert und versöhnt (in Galela). 

Im Mussum oder Gesundheitsfest wird das Dorf alljährlich gereinigt *') (in Tara- 
oedoe auf Halmaheira). — Die Geister im Kakiioba-Haus werden durch die Tifa 
zur Mahlzeit gerufen (kraft der Veda zum Soma-Trinken eingeladen) ^^). 

Ehe ein Kakiroba-Haus gebaut**) wird, bespricht der Guru eine Schaale mit 
Wasser und spritzt dieses auf diejenigen Plätze, wo die Pfeiler gestellt werden 
sollen (in Tara-udu). Dann wird ein Fest gefeiert unter Anrufung des Elakiroba 
(und so auch bei Beendung eines privaten Hauses). — Nach Einträufeln dex Be- 
täubungsflüssigkeit (oder Jocho) in die Augen werden die im Kakiroba-Haus An- 
wesenden von den Wongi ergriffen. Ausserdem wird die (auf der Brust ebenfalls 
eingeriebene Flüssigkeit) mit Wedelbüscheln aus den Selassi und Sisa genannt«! 
Sträuchern umhergesprenkelt, während zugleich ein Penang-Buschstrauch von den 
Tanzenden getragen wird (und nach dem Niederfallen in Betäubung, zum Kühlen 
der Gesichter dient). Die Jocho genannte Betäubungsflüssigkeit enthält Bango 
oder Ake (Wasser), Goraka (temat) oder Gela (Ingwer), Bitieh (Petich) oder 
Lemo (Citrone), Ritcha (Pfeffer). 

In dem Kakiroba genannten Tempel wird die göttliche Kraft (Kakiroba ge- 
nannt) von Einem, dessen Augen verschlossen sind, angerufen, um Antwort auf 
Fragen zu geben (bei Krankheit u. s. w.), und die Ceremonie verlangt stets die An- 
wesenheit von zwei Personen (in Sahu). Als Swangi (Dämone) werden im Ka- 
kiroba-Haus) die Tscha-atta angerufen von den Ju-Guru (oder Priesterherren). — 
Die Verehrung wird gerichtet an Ju Madatu oder den wahren (madatu oder mudutu) 
Herr (Ju). 

In den Kakiroba bezeichneten Capellen werden den Wongi Speiseopfer (Fosa 
hiki) dargebracht, von den Gomatir (auf Halmaheira). Die Tobaresen unterschei- 
den neben dem Kakiroba-Haus das Haus der Gomana (oder Wong). Die Geister 
im Ngidoe-ngidoe befragend, erkennt der Gomatir den Böswilligen, der als Kotjo- 
kata oder geflügelter Kopf (während der Körper mit falschem Kopf zu Haus bleibt) 
unter Hülfe des Wong in das Haus des Erkrankenden dringt. (Bei den Malaien 
fliegt der Kopf der Hexe mit anhängendem Gedärm). Mit Kakiroba wird (ia 
Galela) eine Schlafstelle bezeichnet (zum Lectisternium.) Die schuldige Seele oder 
Njawa natoroe, durch welche Vergiftigung verursacht ist, wird im Gottesurtheü 
ausgefunden. Die Swangi oder bösen Seelen werden durch die Omingih (oder 



Digitized by 



Google 



11 

Wong) vertrieben, unter den Ceremonien des Ju-Guru (Obersten der Guru) im 
Eakiroba-Haus. — Das Kakiroba-Haus, worin die Geister wohnen, liegt neben 
dem Seboea (Gemeindebaus oder Saluh). — Die Abgeschiedenen gehen zum Geister- 
haas (Gomma-wongi oder Dilikkima-falla). 

Nach dem Tode kehrt der Geist (auf Halmaheira) in's Dorf zurück**), das 
Gomma-wongi (Wongi-ma-falla) oder Dilikki-ma-falla zu bewohnen (und das Haus 
gegen die Zwangie zu schützen), während die bereits länger Verstorbenen sich im 
Kakiroba (im Seboa oder Gemeindehaus abgetheilt) zusammenfinden, an der Taba 
oder Geistertafel (die dikwijis den vorm van een schildpad heeft). Der Geist eines 
in der Fremde Verstorbenen kehrt in das Dorf zurück, Unheil zu stiften, bis seine 
Gebeine dorthin gebracht sind oder sonst Versöhnung erlangt (auf Halmaheira). 
Bei den Easya wird er zurückgerufen (oder auch zurückgeführt). Die Papua (in 
Maiforr) verehren Wongi (oder Geister) als Elarawat (Krawat). 

Die Gomatiri werden von den Gomang besessen ") auf Halmaheira). Beim Hin- 
setzen von Opfern werden die Gomang gerufen : ^Kommt zum Essen und seid gut,*' da, 
wo der Priester in einem Grabe eine OefiFnung sieht, durch Insecten veranlasst oder 
sonst. In Madagascar werden die Seelen an der absichtlich gelassenen Grabes- 
Oeffiiung belauert. — Wenn die AI füren von Tobaroe für dieGomang (oder Geister) **) 
Opfer hinsetzen, sprechen sie: ^Hier ist etwas für Euch, o Geister, seid gut zu 
uns,** und darnach werden die Opfergaben verzehrt (und ähnlich bei den Esthen). 
— In dem Halu genannten Tempel (in der Mitte des Dorfes) werden Feste ge- 
feiert (in Tabello), um die Wongi (Gomanga) zu rufen (als Seelen der Todten, die 
sich dort versammeln). Zum Fest werden die Todtenseelen, die sich in den Häu- 
sern aufhalten, nach dem Dorftempel (Halu) gerufen. Der in der Eunst Gomma- 
hatteb oder Idoe **) Erfahrene wird (nach Entfernung seiner Seele) von einem Wongie 
besessen, um befragt zu werden (auf Halmaheira). 

Vor der Weihe *^) zum Gomatir hat der Moerit beim Fest eine Probe seiner 
Begeisterung (Ngidoengidoe) abzulegen, und mit den Geheimnissen verknüpfen sich 
bald weitere Mysterien*'). 

In den Dörfern Sahoe's finden sich vier Saboewah (Hallen), eine für gemein- 
sames Zusammenessen (im Prytaneum), eine für die Männergeister, eine andere 
für die Frauengeister und dann eine für den Wahrsagerschlaf (Idie) eingerichtete 
(und den Unterweis darin). — Bei Krankheiten wird der Gomatir (der mit einem 
Tuch bedeckt daliegt) oder Gomatere (in Tobaroe) vom Gomang (oder Geist) be- 
sessen. „Hier hast du Etwas, ^ wird gesagt beim Hinsetzen von Speisen für die 
Gomang (und so von Indianern beim Tabacks-Opfer). Die Oming werden angerufen, 
einzufahren zum Schutz gegen Wong*') und Swangi (wie der Schamane seine 
Geister ruft). 

Die Wahrsagung") im Saboewah, bei Hinlagerung auf die Dego-Dego ge- 
nannte Geisterbank (unter Zittern und Beben des Körper's), heisst (in Halmaheira) 
Idie oder Idoe (des Schlaftraum's). — In Gomma-hattee (rillen of beven) wird im 
Idoe (Schlaf) der unheilbare Kranke (auf Befragen darüber) als Bodiga (bezaubert) 
erklärt (s. Campen) und dann die Folgen im Hexenspüren. — In Krankheitsfällen 
wird eine der Kau-kau genannten Zauberpriesterinnen gerufen, sich auf der Dego- 
dego niederzulegen, wo sie, wenn bei Ergriffensein durch die Swangi Schäumen 
und krampfhaftes Umherschlagen beginnt, gewaltsam festgehalten wird, um dann, 
bei Rückehr des Bewusstseins, die Ursache des Todes anzuzeigen, wenn solcher 
bereits eingetreten, oder sonst die Medicinen und den Ort, wo sie wachsen, unter 
Beschreibung derselben. 

Die Aufregung'*) der Begeisterung (als Verteufelung zur Divination) wird in 



Digitized by 



Google 



12 

Halmaheira durch Weihrauchflüssigkeit, in Ternate durch Musikherauschung hervor- 
gerufen. In dem vom göttlichen Taumel Gefassten steigt zur Besitzergreifung ein 
Hero^*) hernieder, wie in Siam der Chao (als Heros), zum Niederfehren eingeladen 
(Xön Chao) unter Chorgesängen, und wenn Jemand von einem Thevada oder Phi 
besessen ist, entscheidet der Hausherr über die Manifestation aus der Ahnenreihe 
(s. Völker des östl. As. IH, 282). 



Im Traum ^®) gewinnt die Seele ihre göttliche Natur (nach Plato)* In Erklä- 
rung (Tabir) der Träume passt Mouhi -Eddin- Arabi für Männer, Tohfet-el-Moulouk 
für Frauen (bei den Türken). Der an der Stelle, wo der Mrart (Dämon) im 
Traum gesehen, gefundene Rundstein, wurde (von den Kurnai) heilig bewahrt (als 
Bulk). Die Seele scheint im Schlaf*^) „einer jenseitigen Region näher, aus welcher 
sie ihren Urspnmg genommen" (s. Schubert). Their sleeping hours are characterized 
by almost as much intercourse with he dead, as their waking are with the living 
(unter den Negern Guinea' s). 

Die Seele vermag den, wie leblos liegenden Leib zu verlassen, die körperlosen 
Heiligen zu sehen, oder bis zum Himmel aufsteigende Engel (nach St. Athanasius), 
der Angekok seine Ahnen *^) (wie der Schamane), und so Odhin (der auch als Ge- 
hängter schwingt). Unter den durch die Priester zum Himmel gegangen Erklärten 
(auf den Carolinen) „chaque famille a son Tahuput (saint Patron),** und so sahen 
die Priester der Preussen die Seelen leibhaftig zum Himmel aufsteigen. 

Wie dem Gott im Lectisternium sein Bett gebreitet, zum Herabsteigen (auch 
bei den Bissus in Macassar), so liegt, darauf der Seher nieder, den Traum, 
„einen Abfall der Weissagung" (nach Genesis Rabba) zu erhaschen, denn im Schlaf 
erhellt sich des Geistes Auge (s. Aeschylus), und zwar besonders bei den Natur- 
völkern, die auch durch die Fernsicht ihres körperlichen Sinnesorgan's oft über- 
raschen. ^Wie ein Organ, wenn es gar nicht gebraucht wird, zuletzt untauglich 
wird, so verstummt auch zuletzt bei den Gebildeten die Stimme jenes Genius (im 
HegeFschen Sinne des Wortes), welcher zu den Wilden spricht, weil er Gehör bei 
ihnen findet" (s. Erdman). Die Seele, wenn im Schlafe zu sich selbst gekommen 
und vom Körper abgesondert, besitzt eine weissagende Kraft (nach Aristoteles), 
vivit et viget (bei Cicero), wenn starr daliegt der Körper (Odhin's),. wenn die Seele 
ausfährt, der Schamanen und Angekok (bis zu Hyperboräem in Aristeas). „Die 
spätere Civilisation und gekünstelte Lebensart hat viele Menschen um Empfindungen 
und Naturgaben gebracht, welche bei Wilden und unkultiviiien Leuten noch anjetzo 
unbestreitbar getroffen werden** (s. Semmler). Nach der Chung-hu-mo-ho-ti Sutra 
(s. Beal): Mogalan (auf Buddha*8 Anrede) ^lay down on his right side, his head 
supported, and thus lying as in sleep, passed into a condition of trance **) (samadhi), 
und so der Tempelträume Vielerlei (im Geträum). 



Die Djin-Tänzerin (als von den Djin'°) ergriffen) schwingt ihren Schild in den 
abendlichen Festen, oder, wenn unter Frauen, nimmt sie auf dem Dego-Dego (Ruhe- 
bank) den kreuzbeinigen Sitz»^), mit Manga (oder Pinang-Blumen) in der Hand 
(s. Campen) '2) und so beim siamesischen Geistertanz oder Teufelstanz (s. Zur Kennt- 
niss Hawaii's S. 57), wo der Chao oder Hen- gerufen wird (als halbdeificirte 
Seele im Heros). 

Die Swangi (bösen Geister) sind von der Natur des Feuers, das ihnen aus 
Augen, Händen u. s. w. sprüht, und wo immer der menschliche Körper davon ge- 
troffen wird, entsteht Krankheit. — Als Haupt der Swangi weilt Naga") auf dem 
Vorgebirge der Insel Tulunuim (in der Bucht von Tabello), und Niemand darf 



Digitized by 



Google 



13 

diesen seinen Wobnplatz betreten. — Die bösen Geister (oder Swangi) heissen (in 
Tabello) Tokatta (im Walde wohnend). — Zum Schutz gegen die Swangi werden 
Halsketten als Obat getragen, wie Lawan Halla-Halla (I^awan oder Schutz) u. s. w. 

"Wer als Swangi (durch geheimen Obat) Andere krank macht, wird mit seiner 
Familie getödtet**) (in Halmaheira). — Die 6o-tokka (bösen Geister) oder Swangi 
erhalten Speisen hingesetzt in den Djin-matuba genannten Capellen, wie sie sich 
neben jedem Hause (tabu) finden (in Galela). Die Ki-tokka sind Dämone der Felsen 
und Steine, und die Tokka-Huru hausen in den Wäldern. 

Die Tschakka (Tscha-atta) oder bösen Geister (als Swangie) entstehen aus 
Verstorbenen, die während des Lebens einen 'Fluch, besonders über ihre Kinder 
ausgesprochen haben. Sie stehen unter dem Kakiroba (mit der Bedingung, den 
von diesem Geschützten nicht zu schaden) und fürchten die Wongie oder (bei den 
Alfuren) Omingee, so dass die von diesen Besessenen gegen ihre Angriffe gesichert 
sind (in Tara-udu). — Die Alten (Madimono oder Mahimo) leiten die Feste im 
Halu oder Tempel (in Tabello), die Toketto oder bösen Geister zu sühnen, wäh- 
rend die Seelen durch Gomatere gerufen werden. — Die Matakau oder Vogelschrecker 
vertreiben Dämonen (auf Gilolo). 

Bei Krankbeitsfilllen (in Tobaroe) wird der Gomatere gerufen, der mit einem 
Tuch bedeckt, sich niederlegt und dann vom Geist (Gomang) in der Besessenheit 
ergriffen wird, unter Schütteln und Beben, bis, in Besänftigung durch Geschenke, 
darum gebeten werden kann, die Ursache der Krankheit anzugeben (und ihre 
Heilung). — Die durch die Tokka (Walddämone) verursachten Krankheiten werden 
durch die So-so genannten Wahrsager (Männer sowohl wie Frauen) geheilt (in 
Galela). — Kann der Priesterarzt durch Heilmittel den Kranken nicht heilen, er- 
kennt er im Idoe, dass derselbe bodiga'*) (bezaubert) ist (auf Halmaheira). In Ter- 
nate werden die Wongi genannten Bilder (gegen die Dämone) gefertigt (um bei 
Krankheiten") verehrt zu werden). 

In Krankheitsfällen wird Medicin (So-uh) gegeben, bei Eingebung durch Ka- 
kiroba (oder Wong) im Traum (aus Blättern verschiedener Pflanzen). — Die durch 
den Wong zum Verfertigen (im Traum) angegebenen Fetische (oder Dofahei), die 
zum Schutz getragen werden, finden sich (unter den Alfuren Halmaheira's) bei den 
Orang Tobaroe u. A. m. Im Krankheitsfall ruft man in Tarahudu (in Sahoe) einen 
Guru, und sobald sich derselbe im Schlaf ergriffen fühlt, flüchten die Tschaka oder 
Tscha-atta (böse Geister)"). — Bei den Anrufungen der Guru werden diese von den 
Hwo mingee oder Wong in Besitz genommen, während Kakiroba sich nur in dem 
für ihn gebauten Haus manifestirt. 

Todte, die wegen ihrer bösen Natur keine Ruhe'®) finden im Grabe, schweifen 
als Swangi im Walde und suchen zu schaden (wie Phi Pa, als Phi-Pisat u. A. m.) 
Unter den Dämonen (auf Halmaheira) ist besonders der Burüng Swangie ge- 
fürchtet*») (auf dem Erdboden kriechend), als gefährlichster. — Am weissen Nil 
werden Stühlchen angehängt getragen, da das Sitzen auf dem Erdboden dort eben- 
sosehr gefahrlich ist, wie am Bultic, und die Todten werden auf Gerüsten vor sol- 
cher B^*ührung geschützt (bei Indianern). Die Lares viales erhalten auch in Guinea 
ihre Atzung, und Seelenmahle überall (S. g. w. V., X, 226, S. 35, Vrst v. d Seele). 



Gegen die Angriffe •°) der bösen Götter schützen**) sich die Tibeter durch die 
Schreckenswandlungen der guten, und ähnlich sucht der ceylonische Kapu-Dienst 
das Feindliche zu bekämpfen**), bis, wenn die weisse Magie sich unfähig schwach 
erweist, der desperate Schritt in die schwarze geschehen muss, zum Teufelsbündniss, 



Digitized by 



Google 



14 

um das TeufKsche*') mit eigenen Waffen zu bezwingen, wie im dreifachen oder (1690) 
vierfachen Höllenzwaog (oder nach den Vorschriften des Romanus-Büchiein). 

So wird in den, mit den Inquisitionsgerichten das Vorspiel der Hexenverfol- 
gungen **) einleitenden Häresien (des europäischen Mittelalter's) durch die Beziehungen 
zu den Katharern im manichäischen Dualismus die Erleichterung des Umschlagens 
nahe gelegt, aus Orthodoxie in Heterodoxie. Sataniani, quia Satanam fortem 
existimantes, eum venerabantur, ne mala in eis operaretur (s. Nicetas Gh.), und so 
„adorant Luciferum et credunt eum esse dei fratrem, injuriose de coelo detrusum 
(b. Gretser), in der Controverse **) zwischen Suren und Asuren, seit Indra seinen 
Gegner aus dem Himmel gestürzt hat (und stets von gleichem Schicksal bedroht 
bleibt). 

Wie stets auf primordialen Völkerstufen richtet sich bei den Alfuren Halma- 
heira's die Verehrung an die, weil böse, gefM-chteten Geister, "da die guten, als gut- 
müthig*'), ohnedem nicht schaden, und vielfach auch ihren Gegnern gegenüber sich 
zu schwach erweisen, um den Schutz*') (wie im Kapuismus gesucht) gewähren zu 
können, so dass der Weg, die Hexen durch den Meister derselben zu bemei- 
stern*®) (die Teufel durch ihren Grossteufel), sich als der sichere empfiehlt, 
wenn zwar nicht ohne Gefahren, das eigene Genick zu brechen, in derartigen 
Operationen mit geheimen Mächten. — Im europäischen Mittelalter*^) erscheint die 
Hexenverfolgung als geistige Epidemie, während sie in den Stadien der Natur- 
völker überall endemisch grassirt (sämmtliche Contiaente hindurch). 



Am Ende des Erntefestes (oder Musum, zur Gesundheit) vrird (beim Pflanzen 
des neuen Reis) das Djuram genannte Fest gefeiert, indem die in Procession durch 
das Dorf ziehenden Stocktragenden vor den im Eakiroba-Haus versammelten 
Frauen tanzen, wobei der Vortänzer den Uditschagga (Tongkat im Mal.) genannten 
Doppelstock unter Sprüngen schwingt. Inspirationen kommen (in Sahoe) vom 
Kakiroba oder den (weniger mächtigen) Wong. — Unter Aufsicht des Ju-Guru, 
als Herr (Ju) Priester, wird jährlich im (Kakiroba genannten) Tempel ein Fest *°) 
bei Einbringung der Ernte*') am Jahresanfang (in Taraudu), für 5 — 7 Tage hin- 
durch gefeiert, um das Dorf vor Krankheit zu bewahren (gleichzeitig mit dem 
Essen des neuen Reis im Kakiroba-Haus), indem die mit der Jocha genannten 
ßetäubungsflüssigkeit Bestrichenen (unter Tanz und Musik) in Convulsionen nieder- 
stürzend, von dem Wong ergriffen werden; ohne Einhaltung dieser Ceremonie 
würde das Dorf von Seuchen bedroht sein. 



Die Reinigungsfeste verbinden sich meistens mit den Erntegebräuchen, theils 
um feindlich oder boshaft schadende Einflüsse zu verscheuchen, theils um die zur 
Unterstützung der Wachsthumsprocesse aus dunkelem Erdreich auf beschworenen 
Mächte jetzt, nach gethanener Arbeit, wieder zu bannen. Dann werden sie bei 
Seuchen nöthig, und wie bei jedesmaliger Leichenfeier (in Ta-i-te-mauri) polyne- 
sische Akoa kämpfen (oder ihre Ueberlebsel in etrurischen Bustuarii), so einst 
am allgemeinen Todtenfest der Knochenvereinigung die Jünglinge der Huronen 
auf dem geheiligten Boden der Gräberstadt Ossosane, und hier auch hatten diese 
Zusammenkünfte, wie die Berathungen zu Brebeufs Zeit (1639) beweisen, zu po- 
litischen Consequenzen weitergeführt, wie bei der geschichtlichen Entwicklung des 
Amphictyonenbundes die Nationalfeste (von heroischen Agonen her). Das in 
Olympia hervorragendste derselben schloss in seinem Temenos die verehrten Reli- 
quien des Stifters ein (wie Pelop^s Schulterblatt und andere Gebeine), die pythischen 
Spiele zeigen Apollo, in Besiegung des Drachen (als Symbol verheerender Seuche) 



Digitized by 



Google 



15 

gemSss seiner apotropäischen Form (als Pestvertreiber, oder Pestbringer auch), die 
isdimischen hatten in dem (selbst den Gewaltigsten kühn trotzendem) Ringer 
(Palaimon), zum Besten der Seefahrer, den in einen Meerdämon") Verwandelten 
(und also, wie bei Caraiben, zum Umsturz der Schiffe Befähigten) zu sühnen, und 
die nemäischen sollten das Omen aus dem den ungünstigen Ausgang des Feld- 
tuges ahnungsvoll voraussagenden Zwischenfall, in dem auf der Todesbahn zuerst 
Vorangegangenen *•), für die Späteren abwenden, — und so war es für Veetini (dem 
zuerst auf Mangaia Verstorbenen), „that the Eoa or dirge, in its four varieties, and 
the roourning dance, were invented" (s. Giil), wie an 'dem indianischen Klagefest um 
den Ersten Menschen (auch einem Erstgeborenen des Todes). 



Die Seelen der Abgestorbenen verweilen (in Galela) in den Häusern, an dem 
Ruma-Swangi oder Salabih genannten Platz, wo deshalb Niemand schlafen darf, 
dagegen aber Feste gefeiert (und täglich Speisen hingesetzt) werden. — Die Todten 
werden (in Kisten und bekleidet) an einem Platz ausserhalb des Dorfes (unter Er- 
höhungen begraben und auf das Grab zwei Sträucher gepflanzt, zu Kopf und zu Fuss 
(in Halmaheira). — Nene mojang kare kare sind die Vorfahren (in Temate). — 
Dilikki (geest des mannen, die een geweldadig uteinde hadden) heeft, daar hij nog 
niet door Djohoe-ma-di-hoetoe afgeroepen was, bijzondere krachten behouden (s. 
Campen), wie der von den Walkyren ayf den Schlachtfeldern Gewählte noch 
jagendkräfdg zur Walhalla einzugehen vermag (statt siech oder alterschwach der 
Hei zu verfallen). 

Beim Tode (in Halmahera) geht der Körper (Mienga giki) zu Grunde, wäh- 
rend die Seele (Mienga roees) unter die Wongi aufgenommen wird. — Der Dilikki 
oder Geist eines Ermordeten **) bewahrt, weil vnip fjLOipAv (C. Hom) oder praeter 
fatum (naturam) abgerufen, aussergewöhnliche (übernatürliche) Kraft, stark genug, 
um von jenseits wieder mit Tod zu schlagen. — Das Geisterhaus, wohin die Abge- 
schiedenen wandern, heisst Gomma-wangi (oder Dilikkima falla). — Die Alfuren 
von Tabaroe lassen die Todten in's Jenseits (Soroga) gehen, und was dort von 
ihnen (oder mit ihnen) geschieht, kann gleichgültig sein beim Tode (in üeber- 
einstimmung mit der Argumentation Epikur's). Wie Gute nach Sorga (Swarga) 
werden Böse nach Naraka verwiesen. 



Die Seelen gehören zu den irdischen Geistern oder Lim-Shin neben himmlischen 
oder Tien-Shin (und Teufel oder Sie-Shin). Aus dem Schin, als Odem (Khi) des 
Yang, und Ling, als Odem des Yn entsteht bei der Geburt des Menschen der Pe 
durch Umwandlung (bei den Chinesen), und beim Tode folgt das Gespenst**) 
(wie Sisa auf Kla bei Odschi) der Seele (abgeleitet von seivian, bewegen). Le 
mot noumen se comporte vis-ä-vis de deus, comme SclIjmuv ä l'^ard de ^e^q 
(s. Hild). Patroclus' «J^i^if verschwindet in der Erde, gleich Kanvot; (bei Homer). 
Die Seelen*') (oder Geister) hatten einen feinen und luftigen oder feurigen Körper 
(nach Joh. Thess.). Animae in Hade*^ versanti umbra corporis vindicatur (s. 
Heyder), und für die leibliche Auferstehung bedarf es Zusammensuchens des 
Fleisches (wogegen die Peruaner das Ganze zur Mumie vertrocknen Hessen). Die 
glücklichen*®) Gefilde des Jenseits sind im Archipel auch, besonders den in der 
Schlacht Gefallenen reservirt (wie vielfach sonst). 

Die im Banne Gestorbenen wurden im Grabe so hart, dass ihre Körper vrie 
eine Pauke tönten (als Tympanitiker), und so Nachts aufstehend (unter den Grie- 
chen), gingen sie umher,*') die Lebenden zu quälen, bis das Herz aus dem Leibe 
genommen und verbrannt war (s. AUatius), wie den Vampyren (ab Nachzehrer). 



Digitized by 



Google 



16 

Die Atua-noho-whare (house dwelling gods) heissen als „germs of unbom in- 
fants** ^^) bei den Maori) Eahakabu (s. Shortland), und mögen dann, obwohl sonst 
gefürchtet, im Haushalt Dienste thnn, als Kobolde (neckischer oder hämischer 
Natur), und sonst. The (demonio parlero) loquacious devil (in Valladolid) held 
discourse with all that wisbed at night, speaking like a parrot, answering all questions 
put to him, touching a guitar playing the castanets (throwing stones etc.), nach 
Aguilar (s. Stephens) in der Neuen Welt (schon vor den Spiritisten). 

Die Tobaresen (To-baroe) begraben'^) die Todten (liegend) in einer Eiste, 
ferne vom Dorf (aus Furcht Vor der Seele, wenn sie sich in einen Swangi oder 
Dämon verwandle. — In Gane wird der Todte in einer Kiste ausgesetzt. — Von 
den Alfuren (in Tobaroe) pflegen die Ansässigen ihre Todten auf ein Gerüst aus- 
zusetzen (zum Trocknen), die Schweifenden zu begraben. — In Tabello wird die 
Leiche für mehrere Tage, nach dem Räuchern, im Hause gehalten^ auf ein Gestell, 
unter Auslegen der Schätze neben demselben und dann folgt ein Fest, worauf man 
die Knochen in einer Kiste begräbt und einiges Geld hinzufügt, damit der Geist 
nicht zürne und böswillig schade, beim Zurückkommen. — Für jeden Mord muss 
zur Rache ein Mensch (aus dem Dorfe des Thäter's) getödtet werden (in Tabello). 
In Tabello werden die Todten auf ein Gerüst (in Nähe der Häuser) angestellt, 
in Galela begraben (im Busch). — Die Todten werden liegend begraben, mit klei- 
nem Dach über dem Grab (in Sahoe). — Die Seelen begeben sich zum Kakiroba, 
die Erlaubniss erbittend, in das Sorga (Jenseits) einzugehen. — Wer um Kakiroba 
zu befragen (für Krankheit u. s. w.) den Tempel betritt, träufelt Pfeffer und 
Citronensaft mit anderen Reizmitteln in die Augen, so dass dieselben nicht mehr 
deutlich sehen und dann spricht Kakiroba aus ihm [Guiana]. Das Kind erhält im 
neunten Jahr seinen Namen durch den Vater. Beim Tode des Vater's geht die Mutter 
nach ihrer Familie zurück und der Sohn erbt, während die Kinder im Allgemeinen 
bei dem Bruder des Vaters bleiben (in Sahoe). In Tabello erhält die getrocknete 
Leiche (bei Todtenfesten) von allen Speisen und Getränken in den Mund geschmiert 
(auch Tabak, Sirih u. s. w.). -r Die Verstorbenen heissen (in Ternate) Bulita und 
der Begräbnissplatz Dschereh (als Kramat). 

Beim Tode geht die Seele**) (als Njaua) in das Jenseits des Ssorga (Swarga) 
in Sahoe (auf Halmaheira), nach Soroga (in Tobaroe). — In Galela wird beim 
Leichenfest der Tanz Hälatali aufgeführt, indem Jünglinge und Jungfrauen ryth- 
misch an einem Stricke ziehen, unter Singen von Häla Hala, sonst Lelo Polelo, 
(bei Slawen), und so das Ziehfest in Birma (wie zwischen Suren und Asuren). Die 
Madimono (Mahimo) oder Greise (Drang tua) bereiten (in Tabello) das Fest für 
die Todten, in dem Halu genannten Dorftempel. Beim Sterben in der Fremde 
werden die Knochen nach der Heimath gebracht, und die Seelen durch die Guma- 
tere (Gomatir) gerufen (wie bei Kasyah). Wenn auf der Reise Tod eintritt, bringt 
man die Knochen im Schiff ••) zurück (und Unterlassung würde Zorn erregen, wie 
in Athen das Nicht- Begraben der Gefallenen). — Die Leiche der Frau (auf 
Halmahera) wird in Zeuge gewickelt, um solche auf der Reise in's Jenseits gegen 
Nahrung auszutauschen (während der Mann sie sich überall selbst wird verschaffen**) 
können). 

Die Alfuren (in Halmahera) hängen Lappen (in einem Bogen) über das Grab, 
als Spielzeug für die Dämonen, dem Todten nicht zu schaden (wie die Beduinen 
in der Wüste), und sonst wird ihnen neben das Grab Speise hingesetzt (diese zn 
fressen, statt die Seele des Todten). Auf dem Dschere-Butileh genannten Kirch- 
hof (mit Gräbern, durch rohe Steine angedeutet), legen die Alfuren (in Sahoe) 
dafür bestimmte Fische (die nicht verkauft werden) nieder, welche dann dem 



Digitized by 



Google 



17 

Vorübergehenden, wenn Liebhaber, überlassen bleiben. Von dem für die Ver- 
storbenen vor dem Haus zerstreuten Reis können Hühner (oder andere Thiere) 
frei fressen. 

Auf Halmaheira werden heilige Steine'^), als Dowong-e-maddoi oder Sitzplätze 
der Dämonen (Tampat Setan für die Moslem) verehrt, in der Form der (später den 
Elfentanzen überlassenen) Steinkreisen, (auf den Gilbert noch mit Cocosblätter um- 
kleidet) als Aufenthalt der Götter. Ndengei's Mutter gilt als Stein (auf Fiji). — 
Die Bullih genannten Alfuren (bei Maba) verehren Steine (mit Weihrauch beräu- 
chert) oder errichten Brahalla (Falla oder Ruma) genannte Häuschen unter Bäumen, 
wohin Speisen gesetzt werden. — Die Sawai genannten Alfuren (bei Weda) ver- 
fertigen (gefärbte) Holzbilder (mit eingesetzten Augen), die vor die Häuser gestellt 
werden. Durch Einsetzen der Augen werden auf Ceylon Figuren zu Götterbilder 
geweiht (und so die Fetische der Loango-Küste). 

Vor einem Kriegszug wird der Wahrsager**) (Gomahatti) befragt (in Galela), 
indem derselbe, von Weihrauch (Mangari) betäubt, zu zittern und zu schäumen 
beginnt (im Zustand der Extase). Beim Entschluss zum Kriege feiern die Tobaroe 
das Ohsiki genannte Fest, wobei nach dem Mahle getanzt wird. * Der Tsodscha 
genannte Blriegstanz (in Totofuhu) wird beim Schwingen der Waffen getanzt, unter 
dem Gesang: Ahul liaeh (ich fordere Blut), in steten Wiederholungen. — Die Kriegs- 
amulette") Goegoe oeloe-kodotti oder.Penjigoeroe) werden aus Wunderkräutern 
hergestellt. — Vor dem Kriege wird der Tjakalelle getanzt (bei den Alfuren). — 
Hort der Alfure (in Sahoe) den (nicht sichtbaren) Vogel Ninine (Kä kä ke ke kä), 
80 verlässt er (weil Unglück fürchtend) sein Haus, um erst nach einigen Tagen 
zorfickzukehren. — Mawi heisst Wahrsager (in Temate) oder Pemawi (Tobor 
in Timor). 

In Ceram wird vor dem Kriege in feierlicher Procession der Geist des heiligen 
Baumes aus dem Walde geholt, um zum Siege zu führen. — Für den Feldzug 
(auf Halmaheira) wird der Kriegsgeist*«) in einem Paloedie (Tragsessel) aus dem 
Wald geholt (s. Buddingh). 

Nachdem bei dem Gastmahl^') in der Saboewah zur Theilnahme am Krieg 
aufgefordert ist (in Halmaheira), begiebt sich der Mahimo (Greis oder Aelteste) nach 
dem Walde zu einem Baum mit eingebohrtem Loch, und indem dort ein Tragkorb 
(Palili) vorgehalten wird, fordert man im Kriegstanz den einwohnenden Geist auf, 
Platz zu nehmen darin, auf der für ihn vorbereiteten Bank (Dego-Dego). Ist dies 
geschehen, (nach Erklärung des Mahimo) wird Essen angeboten, unter der Ver- 
sicherung, ihm in den Krieg folgen zu wollen, und nach Beendigung desselben 
wird dann der Geist unter gleichen Festlichkeiten nach seinem Sitz im Baum^°) 
wieder zurückgebracht, mit der Bitte, wenn späteren Falls benöthigt, gleichfalls 
wieder zu Diensten zu sein (1856). — Aus den Dämonencapellen (in Mareh, Do- 
dinga u. s. w.) wird der Kriegsgeist in einem Tragkorb fortgetragen. — Beim Urbar- 
machen darf der Galeleze den letzten Baum nicht eher umhauen, als bis der darin 
hausende Dämon ") zum Weggehen bewogen ist (da dort, als letztem Zufluchtsort^ 
die aus den früheren Aufenthaltsorten Vertriebenen sicli zusammengefunden hatten, 
wie in den heiligen Hainen der Kasya u. dergl. m.). 

In Galela bewahrt man in den Häusern die Salabe als Behälter'*) der Haus- 
gotter (und in den Marianen setzt man der Seele des Sterbenden gleich ihren Topf 
hin, zum Aufenthaltsort). De geest van den Kohebba (gier), die tevens in het 
potje gebannen is, maakt dat de eigenaar minstens unkwetsbaar wordt (auf Halma- 
hera), und die Einzelheiten darüber fallen in das Wissen der Priester '*), ehe mit 
Bastian, Archipelugo. I, 2 



Digitized by 



Google 



18 

Susruta (Sohn Viswamitra's) eine Arzneikunde hinzagetreten ist (im Uebergang aus 
der Zaubermedicin). 

Von Johoe ma di boetoe, dem höcbsten Wesen ^*), nach Halmaheira gesandt, 
lehrte der Goesong genannte Weise die Lara (Gesetze) den als Gomatir bezeich- 
neten Schülern, um dann wieder zu verschwinden. — Jnraadutu wird als geschlechts- - 
loser Gott verehrt. — In Panga und Was&ilih (auf Halmaheira) wird der Djin im 
Berge Wato-Wato verehrt, der weder genannt, noch mit dem Finger gezeigt'*) 
werden darf. In Galela werden die Goma genannte Vorfahren verehrt. Neben 
Djohoe-ma-di-hoetoe (de Heer dar boven) oder Gikkimooi (Heelal of Alvader'*) 
findet sich Tjakka (neben den Zwangie), dann (schweifende) Djin und (als Seelen 
der Abgeschiedenen) die Wongie (auf Halmaheira). 

Als Gottheit gilt (in Tabello) Jo oder Jo-madutu, als höchster Jo (oder Herr), 
in Sorga wohnend, und Schöpfer der Welt, die durch ihn gebildet ist, aber für 
Gebete etwas zu weit (wie Maw ubei Eweer, dem die Wong als Vermittler dienen). 
— Gott La-a-tallah wohnt in der Höhe (nach den Galelarezen). — Auch das 
schlechte Wetter im Meer ist durch die guten Geister (Gomang) verursacht, und 
dies beweist sich dadurch, weil das Meer allmählig wieder ruhig wird, denn wenn 
die hosen Geister das schlechte Wetter gemacht hätten, wurde es für immer so 
schlecht bleiben, dass die Menschen nicht ausfahren könnten, um zu fischen. Der 
Regen kommt aus dem Himmel (Tufa) der Sterne (Mudumudung) mit dem Morgen- 
stern (als Oruh). 

Für die Bechuanen concentrirt sich der Begriff des höchsten Wesens in Plu 
oder Regen '^, als Segen und Reichthum gebend, wie plus oder plunmus von TrXeo^, 
und pluo (nhjvuj) „a radice Sanscrita plu* (fluere, natare, humeetare) für Pluvius 
Jupiter (bei Tibull), oder Zeus, als Pluvius (Imbricitor oder Serenator) auch Al- 
mus und Frugiferus (s. Preller). Fruchtgaben bringt Pura (Pula), als Prototyp 
der Weissen (in Birara), nach Ruk (bei dortiger Landung), und Pule, chef-lieu, 
siege de pouvoir (s. Viollet) in Samoa (mit Elysium in Pulotu), wahrend Puloga 
(s. Mann) im Himmel lebt (auf den Andamanen). 

Jo-Durian (der Herr der Durian-Feste) wird als Haupt der Wong verehrt (in 
Temate), und daneben dehnt sich dann noch in das Unbestimmte hinaus, der Be- 
griff Jomudutu's, zu weit entfernt, um Gebete erhören zu können, wie Mawu in 
Afrika, wenn nicht, gleich Tschukko (der Ibo), mit einem Ohr auf der Erde (und 
sonst abgeneigt meistens, sich in epikuräischer Ruhe stören zu lassen). 

Die Harmonie") des Himmels manifestirt sich im Tao (in China), wie alles 
Naturliche als Vernunftiges auch (bei Hegel). Dem steht Thieng-thay, als Himmel 
und Erde, gegenüber, terra enim et Coelum, ut Samotbracium initia docent, sunt dii 
magni, und bei zeugendem") Zusammen, wie in üranos und Gäa (als Rangi und 
Papa) symbolisirt, vnrd die Trennung benöthigt, wobei auf Rarotonga die Himmels- 
heber durch Libellen unterstutzt werden, um die Himmel und Erde verbindenden 
Stricke zu lösen (s. Williams), und der Theiluiig nach heissen (auf Samoa) die 
Lagi (Himmel) satua-valu (Jachtfach). Ait, „deorum sedem esse ovpAvoG juLgrewpWy 
sublimem coeli partem** (Julianus), um oder als Tien (ohne Tien-chu) ■*). 

Als Vorbedingung bedarf es genügender Ansammlung der thatsächlichen Aus- 
sagen, denn „hie itaque cernere est primam literarum intemperiem, quum verbis 
studetur, non rebus** (Baco von Verulam), und ohne factisches Material lässt sich 
nicht bauen (in der Induction). 

Zunächst ist es das Ungewöhnliche®') im (soweit noch) Wunderhaften, worin 
ein Name für die Gottheit zum Ausdruck gelangen vrird, wie in Wakan oder Atua, 



Digitized by 



Google 



19 

wenn nicht im Ausruf selbst, dem Tu-pa®') (Brasilien's) u. s. w. Dann, für prak- 
tische Verwerthung, blieb solche von wohlwollender Stimmung abhängig und so, 
mit euphemistischer Wandlung der Erinnyen in Eumeniden, kamen die Schmeichel- 
worle zur Verwendung, für die Bona dea**') sowohl, wie für die Guten 8*) Holden 
oder sonstige Guetel und Hütchen"*), im Gotte®*^), als o ^7*^05 (hei Plato), und 
fernerer Fortbildung (unter geschichtlicher Entfaltung der VorstellungsbegrifFe zum 
Svadata (Khoda) oder Qadata (als Swayambhu). 

Wie Winckelmann in der Mythologie (dem griechischen Mythus) die allgemeine 
Quelle für Poesie und Kunst fand, so bietet sich, bei dem Studium des Völker- 
gedanken in der Ethnologie, unter den Vorstellungskreisen besonders der mytho- 
logische, als der gesättigste Hintergrund der jedesmaligen Weltanschauung 8'). — 
„Der Philolog kritisirt und interpretirt seine Texte, der Archaeolog untersucht und 
bestimmt, wie der Naturforscher, seine antiken Gegenstände" (s. Stark), und die 
Ethnologie (als ohne Texte bei den Naturstämmen, nur auf Sammlung basirend) 
constituirt sich von selbst als Naturwissenschaft (gegenüber den historischen Wissen- 
schaften. 

Die Zeit (als novarum rerum inventrix) verlangte, an die Entdeckungen 
im Bereiche der Physiologie, Physik und Mechanik den Anschluss einer neuen 
Wissenschaft, als Archaeologie und Archaeographie (nach Spon) im XVH. Jahrh. 
(wie im jetzigen die Ethnologie). In Begründung einer Unterlage für die Induction 
bedarf es, für statischen Ueberblick, der Massen-Sammlungen* 8), denn monumen- 
torum artis, qui unum vidit, nulluni vidit, qui millia vidit, unum vidit (s. Gerhard) 
und ^L'eflfet le plus actif des monuments sur ceux, qui les etudient, resulte pr6- 
cisement de leur reunion (1796); que resulterait-il de cette scission, que Tun per 
drait ce que Tautre ne gagnerait pas" (s. Quatremere), so dass das Prinzip der 
Central isation festzuhalten bleibt (soweit ohne sonstige Schädigung thunlich). 

Die Ethnologie begreift den Durchschnittsmenschen, und selbst in der Archaeologie 
„il est veritable, que les guenilles, que personne ne vaudraient ramasser, produisenl 
des eclaircissementd et des lumi^res, quand une fois le plan est fait et les points 
de vue donnees" (s. Caylus), während sonst der ästhetische Gesichtspunkt dominirt, 
obwohl man nicht „blos von Gewürzen und Wohlgerüchen leben" kann (s. Niebuhr). 

Die Griechen („aus der menschlichen Gestalt den Kreis göttlicher Bildung" 
entwickelnd) verfuhren eben nach den Gesetzen, nach welchen die Natur ver- 
f^rt, welchen auf die Spur^*) zu kommen (nach Goethe), — hier in der Kunst, 
in den höchsten Idealen, wobei das Schaffen erst durch den griechischen Geist, als 
bevorzugtesten, hindurchzugehen hatte, um (nach Winkel mann) als Modell zu dienen, 
während für den Durchschnittsmenschen in der Ethnologie '<*), der Gesellschafts- 
gedanke überall aus der Natur entspriesst und so (ehe zu spät^*) objectiv zu re- 
gistriren ist, um bei methodischer Durchgestaltung dann nicht nur (längs des gleichen 
Niveau's), in directe, sondern auch (mit jeuer höher aufstrebenden Entwicklung) in 
progressive Proportionsverhältnisse zu setzen (für rechnende Gleichungen). Das 
Vortrefflichste ist zu kennen, was der Mensch hervorbringen kann, für den psy- 
chologischen-chronologischen Gang (s. Goethe), um wie primäre Anfänge einerseits 
auch dort den Abschluss zu gewinnen (für den Auslauf) ^'). 

Das klassische Studium der Kunst „bringt Harmonie in die gesammte Bildung 
eines Menschen" (bei Schinkel)'*), iipd das bewusste Verständniss wird dann er- 
langt in analytischer Zerlegung zu neu synthetischem Aufbau (aus den Anfängen 
früherer Stadien in der allgemein ethnischen Umschau). 

In harmonischer Stimmung erlangt sich die Leidenslinderung, bei sympathi- 



Digitized by 



Google 



20 

schem Ausgleich mit der Umgebung^ im Mitleidsgefühl allumfassender Liebe (aU 
Ausdruck organischen Wachsthums) bei psychischer Gesundheit. 

Um nun hier in den verwickelter gesteigerten Denkvorstellungen, .und mehr 
noch im labyrinthischen Halbdunkel der Gefühle, einen leitenden Ariadnefaden (der 
Induction) zu gewinnen, wird es der Psychologie vervollkommneter R«chnuiig8- 
methoden bedürftig werden, einer neuen Arithmetik gewissermassen, wie in Nieta's 
Buchstabenrechnung, als Logistica speciosa (zum Unterschied von der Logistica 
numerosa), und bis zum höheren Calcul vielleicht (im Unendlichen und Ewigen), 
in der, mit dem Umsturz, aus ihren Schranken befreiten Welt (des Philolaos, in 
Copernicus' Begründung). 

• Ein jeder auf die Muskelthätigkeit ausgeübte Willensact ermüdet mehr oder 
weniger, im Verbrauch physischer Kraft, weil physische Schwere zu. überwinden 
ist, während die Vorstellungsschöpfung zeitlos fortlebt, vom Wachen durch Halb- 
traum zum Schlaf. In ihr verschwindet das persönliche Bewnsstseinsgefühl für 
körperliche Auffassung, während es seinem individuellen Stempel nach in der gei- 
stigen Zeugung abgeprägt zu bleiben hat. Die Zeit'*) misst sich in den Intervallen 
zweier psychischen Acte (oder zwischen den Gradabstufungen ihrer Starke), wo- 
gegen ein in physischer Rückwirkung möglichst abgelöster Gedankenfluss eben- 
massig fortgeht (bis durch Zwischenfall gestört). Mit dem Tode vernichtet sich 
(betreffs des diesmal selbstständigen Zusammenschlusses der an sich unzerstörten 
Elemente), der Apparat für neu hinzutretende Weiterzeuguog, wogegen das im 
Leben bereits Gestaltete, als solches fortzudauern hat (mit immanenten Wachs- 
thumsgesetzen, wie einmal innewohnend). 

In den Facettenaugen eines naturwüchsigen Feticismus zersplittert sich die 
Weltanschauung in den individuell religiösen Bindungen, zunächst in der Form der 
Gelübde, dann heiliger Thiere im Totem oder Kobang u. s. w. Der gesellschaft- 
licher Fortschritt im Stammes wappen hatte sich in den Namen Aegyptens voll- 
zogen, und der Wiederschein ihrer bunten Vielfachheit fand bei der logischeren 
Zusammenfassung der Griechen mit der geschichtlichen Entwickelung in deren, zu- 
nächst die Localculte (wie in der Fremde;'*), noch enger in der Heimath), vereini- 
genden Götterhimmel seinen Abschluss in der auch politisch verwerthbaren Hier- 
archie der Zwölfgötter, am ßiufix^q, o xoiwg ndvrwv bewv (s. Paus.). Vorher dagegen 
bewegte sich auch hier, wie durchweg, die religiöse Anschauung auf dem Boden 
allgemein ethnischer Vorstellungen. 

Die von Herodot als anfönglich vorhanden genannten Götter fallen in die Klassen, 
wie sie sich bei primitiven Zuständen begegnen, bei Chariten und Nereiden schon an sich 
ausgesprochen, in Themis für die Themistae, Hestia am Heerde, die Dioscuren in 
der Zwillingsform, und Here oder Dione*«) als Okeanide (bei Hes.) oder Nereide 
(bei Apollod.). In Poseidon (dem in Libyen seine Tochter Athene sich den neuen 
Vater in Zeus ••) erwählte), spricht sich das Schifferbedürfniss aus, das in Aegypten 
fehlte, das dagegen auch in Jalysos (s.Diod.) auf Rhodus ein Heiligthum des Poseidon 
(unter phönizischer Priesterschaft) begründet, und so in Buthrotos, in Beziehung 
gesetzt (bei phrygiscben Verschiebungen "o*^) auf den zwei Erdtheilen ausserdem), 
zu den trojanischen'^^) Colonien, die sich in der Sage mit den Abentheuern des 
Aeneaij*°'), unter Neoptolemos, oder dem Besuche Dodona*s (wo Helenos»®') an- 
getroffen wurde, (wie später Hellen oder Seilen) kreuzte, sowie mit seinen Be- 
rührungen zu Odysseus, dem Todtenbeschwörer aus Ithaca*°*), der dann auch am 
Avernus als solcher auftrat. Gerade in Dodona (im Lande acherontischer Höllenflüsse) 
fand sich eine italische*''*) Wiederspiegelung jenes alten Todten-Orakel, das von 
Periander ^^•) beschickt wurde, und das seine Berühmtheit erlangte (gleich dem 



Digitized by 



Google 



21_^ 

libyschen Tempel des Ammon) durch Verweisung auf nilotisches Theben^**'), und 
als die Vogelstimmen der Tauben *°8) nicht mehr genügten, diese durch Pia-atua *®') 
(polyn.) in den Priesterinnen ersetzte. 

Neben den von schweifenden Wanderungen mitgebrachten Beziehungen der 
Pelasger zu Samothracien "°), woher der priapeische Hermeskult nach Athen ge- 
kommen, spielt auch Kadmus*'') mit hinein, und dazu die (phönizische) Alphabet- 
erfindung in Erwähnung alter Inschriften auf den von Aeneas in Dodona geweihten 
Mischkrügen "^), wie im Norden wieder (s. Tacitus) Inschriften mit seinem zum 
Geföhrten umgewandelten Gegner (Ulixes oder Odysseus) in Zusammenhang ge- 
bracht werden. 

In der von Herodot, imd sonst *^*), gegebenen Auslegung, fühlten die Pelasger 
in ihren deot"*) die allgemein durch waltende Göttermacht in unbestimmt schweben- 
den Wesenheiten, ohne eine deutlichere Definiruug in Unterscheidungen zu wagen, 
wie die Naturstämme, anderswo ebensowenig, ausser vielleicht durch die Erhebung 
nach Oben, als upregin (oder Oki der Algonkin), und Weiterfuhrung zur Sonne 
(wie in Horus oder Manu, als Vaivaswata u. s. w.). 

Die höheren *") Götter (in Skandinavien) wurde als Äsen (Ansen, als Heroen) 
zusammengefasst, Aesir im Plur., wie bei den Etraskern (s. Suet.) und Hesus oder 
Esus, als Kriegsgott (in Hundegestalt) bei den Gelten (Gallien's). Von den Massa- 
geten'"), die der Sonne Rosse (asp im Pers.) opferten, erstreckte sich, unter Abzweig 
in die von Ostjäken (mit Verehrung des Höchsten in As) bewohnten Gegenden, 
die Bewegung nach Westen, und auf dem Berge Tmplus (s. Ovid) verblieb die 
Verehrung des Tmolus, Vater des Tantal us (Vater des nach Pisa ziehenden Pelops), 
während nach Steph. Byz. die Stadt Asia*") am Tmolus lag, mit 'Aö-tov Xsijtjut'v (bei 
Homer). Die Lydier leiteten Asia ab von Asies, Sohn des Cotys (Sohn des 
Manes), nach welchen auch, der Stamm Asias in Sardes benannt war, als 4>^XYf 
^Aa-lcu; (s. Herodot). Die Asioten (bei Ptol.) heissen Aspurgitani "^) (bei Steph. 
Byz.). Die Alanen werden als Assi bezeichnet (bei den Georgiern) u. dgl. m. 

Bei Sardes findet sich in Manes, Gross vater des Tmolus, Wiederschein des 
Ersten Menschen, als Manes "') (oder Mannus) in Phrygien, und wie Pelops (Enkel 
des Tmolus) nach Griechenland zieht, so leiten sich über die Inselgruppen tyrrhe- 
iiisch-pelasgische Beziehungen zu Etrurien ein, während auf dem Landweg, unter 
Aaf&ischung troischer Sage durch Epirus Nachbarländer in Odysseus' und Aeneas*, 
Vater's des Askanius (oder Aschanes), Zusammentreffen am alten Orakelsitz, bei dem 
Zug nach Norden ausserdem der Einbruch in Italien sich vollzog, auf dem später 
von Ostgothen gefolgten Wege, zunächst nach Verona (von wo durch damalige 
Ansiehong eines kaiserlichen Rom Ablenkung statthatte). 

Im allgemeinen Begriff der Netr oder Götter, sind auch die höheren einge- 
schlossen, neben Seth, der später die Form des Widersacher in Bezug auf Horus 
annimmt, der den Gegner in seinen verschiedenen Gestaltenwandlungen bekämpft, 
mit «einen Samiu oder Verbündeten, als (unter dem Bilde des Sperlings) das durchweg 
schlechte (ban) oder hässliche (asef) bezeichnend in den Feinden oder Cheph. Der 
Seele in der Unterwelt treten als dämonische Gewalten, die erst durch das Wissen 
%u überwinden, überall die Hindemisse (neben den von der Urschlange Apophis be- 
reiteten) entgegen, in Auflehnung und Widerstreben sämmtlicher Naturgegenstände, 
^e sich selbst die Thürschwelle gegen den Versuch des Ueberschreitens erhebt 
(^wrenn nicht durch die heiligen Formeln besänftigt oder bezwungen), und so er- 
heben sich gegen die von Xpiyacoc und Xmucane gebildeten Holzpuppen alle 
Natnrgegenstände (im Popul-Vuh). 

Aus Netr (als Standarte ideographisch) oder Götter (Ammon-Ra als Souten- 



Digitized by 



Google 



22 

Netr oder König der Götter) entstand (im Monotheismus) Nou-ti (Gott) bei den 
Kopten, wie o beoq unter deoi und Allah, als El-Ilah (IIa oder Götter) in monistischer 
Tendenz (des Monotheismus). 

Wie noch jetzt in den Königreichen Hinterindiens, bestanden anfanglich auf der 
vorderen Halbinsel auch Brahmanen, als Hora oder sonstige Wetterschauer (in 
politischem Weitergreifen), sowie Buddhisten (in religiöser Zuruckgezogenheit) neben 
einander (und in den philosophischen Systemen der Darsana zusammentreffend), 
ähnlich den von Megasthenes angetroffenen Brahmanen und Sarmanaer, bis (nach 
dem Contact mit dem Monotheismus aus islamitischen Bekehrungen) unter dem 
.Predigen eines persönlichen Gottes (VHI. Jahrb. p.d.) durch Kumarila (dem Bhatta 
oder Brahmanen Benares') in Süd-Indien (als Adwaita, ohne Zweiten) und der dann 
(nach Madhara Acharya) durch König Sudhanivan aufgenommenen Verfolgung, aus 
den Brahmanen (im Anschluss an welche auch Sakyamuiü, als Gautama, seine 
Lehre gefestigt) eine prosely tische Secte (im Weiterstreben nach hierarchischer 
Autorität) hervorgiig, und dann andere hervorrief, bald im Anschluss an Siva^s, 
bald an Vishnu's Cultus, nach den in den Puranas gebotenen Unterlagen (während 
die archaistischen ücberbleibsel aus den Veda's in der Gebeimwissenschaft privile- 
girter Kasten verschlossen blieben), auch wieder mit der (durch Ausbildung der 
Gilden erleichterten) Durchbrechung von Kastenscheidungen zu (buddhistischer) 
Gleichheit, wie in den Kjibir-Panthis u. s. w. (oder mit Ausartungen in den Orgien 
der Sakta -Verehrung). 

Nachdem (aus der brahmanischcn Secte der Smarta) Sankara Acharya (unter 
Ineinanderleitung der Mimansa und Vedanta) als einzigen und höchsten Gott Brahma- 
Para-Brahma gepredigt (vonMalabar bisKashmir), — mit fernerer Bevorzugung Siva's, 
als Visweswara, durch Paramata Kalanala in Benares (X. Jahrb. p. d. Chr.), — ver- 
kündete — (im Anschluss an die populären Heldenfiguren (Rama und Krishna) der 
Epen, in den Avataren) — der Brahmane Ramanuja als einzigen GottVishnu, Ursache 
und Schöpfer aller Dinge, im Conflict mit dem Sivaismus (auf der Flucht vor dem 
Chola-König) den Jaina-König von Mysore bekehrend (XII. Jahrb. p. G.), und dann 
sandte Ramanand (von dem Klloster in Benares) seine Jünger fort (aus den nie- 
drigen Klassen erwählt), worauf nach Kabir's im Bhakti (unter täuschender Maya) 
gefundenem Anhalt (in Rama oder Ali), Chaitanya (1527 p. C) die Verehrung 
Jagannath^s in Orissa organisirte, für die durch Abkömmlinge der ursprünglichen 
Apostel (Gosain) geleiteten Gemeinden (bis zu den durch Vallabha-Swami eingß- 
föhrten Orgien in Verehrung Krishna's und seiner Braut Radha). 

In geographischen Handbüchern figiu-irt die Mandjurei als von China abhängig, 
in Geschichtserzählungen treten die Mandju und ihre Verwandten (aus dem Liau- "®) 
Thal oder dortigem Durchzug) in verschiedenen Perioden (bis zu jetziger Dynastie) 
als Eroberer des chinesischen Reiches auf, der heutige Reisende findet in der Mand- 
jurei die chinesische Sprache vorwiegen und die Chinesen dominirend in der Be- 
völkerung, wenn auch politische Vorrechte der Mandju bei Nähertreten noch zu 
erkennen sind. Alles dieses hat sich im Laufe historischer Entwickelung in den 
andern Theilen Asiens ähnlich wiederholt (wie besonders in Persien bis in jetziger 
Zeit am zusammenhängendsten zu verfolgen, seit Meder, Parther u. s. w., oder Vor- 
gänger in Scythcn mit massagetischen Verwandten u. A. m.). 

Die Darstellung wird hier also stets von dem jedesmaligen Beobachtun^kreid 
abhängig bleiben, ob der eines vorübergehenden oder länger verweilenden Reisenden, 
ob der eines in der Literatur Bewanderten, und hier wieder ob mehr mit geogra- 
phischen oder historischen Quellen vertraut, und je nach der eigenen Anlage für 
kritische Umschau. 



Digitized by 



Google 



28 

Im obigen Beispiel aus China stehen uns gegenwärtig allerdings Hülfsquellen 
jeder Art in reichstem Masse zu Gebote, und indem sie bei der zunehmenden Thätig- 
keit der dorthin gewiesenen Gelehrten im reichlichen Strom ihre Fülle spenden 
werden, bleibt dort zuversichtliche Aussicht auf klare Anordnung des ganzen Zu- 
sammenhanges. Anders indess mit dem rhapsodisch, in Intervallen vieler Jahr- 
handerte oft, erhaltenen Fragmenten aus dem Alterthum, die in der Mehrzahl auch 
keine Hoffnung mehr auf Vermehrung gewähren können, und so sind bei Recon- 
struction jener Geschichtsperioden alle diejenigen Cautelen sorgsam zu beachten, 
wie sie sich der Ethnologie jetzt auf den Forschungsfeldem noch lebender (und 
also auf Fragen antworts fähiger) Völker aus dem Thatbestande vonseJbst ergeben. 

Während die eingeborenen Stämme Indiens sich im sog. Feticismus, mit 
Schlangen oder anderen Thieren, Bäumen, Steinen (auch bei Verbindung, in bereits 
Yerfeinerten Formen eines Salagram und TuLsi) genügen lassen, die Dorfgemeinden 
die Verehrung der Gram-devata in mehr oder weniger Durchbildung organisiren, 
bildet der Buddhismus***) eine jener, unter apathisch - mildernden Einflüssen 
durch die Natur Verhältnisse begünstigter Umgebung, entfalteten Anschauungsarten 
empfanglicher Gemüther, wie sie späterhin ebenso an Kabir (und seine mystische 
Bestattung) oder Chaitanyu (im wunderbaren Verschwinden), wie früher an den 
Namen Gautama (als eines der Sakya-muni) sich knüpfen mag, und im letzteren 
Falle, als noch die Begeisterung frisch in den Herzen enthusiasmirter Schüler wallte, 
auf den (unter politisch geneigten Constellationen zusammentretenden) Concilien zur 
Aussendung von Missionaren führte, deren Nachwirkungen sich in Ceylon (nebst ferneren 
Fruchtergebnissen auf dem Arbeitsfelde Hinterindiens), sowie in den himalayischen 
Grebirgsländem, (mit Verquickung aus den Ceremonien nördlichen Schamanismus 
und Fortströmungen nach China, sowie über Korea nach Japan), erhalten haben, unter 
periodischen Wechseln des Auf- und Niederganges, aber immer leicht erliegend, 
wenn sich aus einer Bhakta-Mala (Nabashi) fanatischer Vertreter in einem Mono- 
theismus (mit egoistisch hierarchischen Bestrebungen) concentrirte (sei es für Siva 
seit Elhumarila, für Vishnu seit Ramanya, oder eine andere der als „Adwaita** pro- 
clamirten Personen im Pantheon). 



Ueberblicken wir die Gesammtmenge der (in den Notizen über die Mo- 
lukken) vorhergehenden Berichterstattungen, die absichtlich, wie oben gesagt, 
in ihrer ungewiss schwankenden und (wie die Aeusserungen des Volks- 
glaubens überall) bei den Wortverwendungen oft widersprechenden Form be- 
lassen sind, prüfen wir den scheinbaren Wirrwarr mit den Hülfsmitteln bereits 
zu Gebote stehender Analogien^ so erkennen sich ohne Mühe, deutlich und 
klar genug, die elementar durchgehenden Grundlinien, wie sie bei dieser 
psychischen Abrechnung mit der unsichtbaren Welt, in jedem der fünf Gon- 
tinente (unter der Färbung local geographischer Variationen), mit anfangs 
überraschender, dann allmählig geradezu monotoner Gleichartigkeit, unab- 
änderlich wiederkehren, nach zwingend nothwendigen Gesetzen gleichsam, 
eines organischen Wachsthums im Völkergedanken. 

Die Götterliierarchien (der aus den Culturvölkern vertrauten Mythologien) 
hat noch keine Durchbildung erhalten, und finden sich nur einige Ansätze 



Digitized by 



Google 



24 

dazu, indess genugsam schon, um zu verstehen, wie sie sich unter gegebener 
Veranlassung zu buntester Mannigfaltigkeit entwickeln möchten. 

Was hier vor uns liegt, würde (mit Annäherung an das in die Bezeich- 
nung Animismus Einbegriffene, altvertrauter noch) unter ein Dämonenthum 
fallen, in das Walten des vorgöttlichen (wenn auch später mit den x^eoi viel- 
fach gekreuzten) daifiovioy^ wobei der Ahnencultus naheliegenderweise eine 
bedeutsame Rolle spielt^ ohne jedoch den Totalinhalt der auf die gestellten 
Fragen hervorgerufenen Beantwortungsreihen etwa zu erschöpfen. 

Räthsel ringsum in räthselhafter Welt, und der zweifelnd aufgescheuchte 
Geist strebt zur Annullirung der quälend einfallenden Reize, in Beruhigung 
derselben durch ihre momentan genugende Erklärung, besonders da bei ge- 
brechlicher Hinfälligkeit körperlicher Existenz auch das Leid des Lebens 
stachelt, unabweisbar anhaftend in Krankheit und nahendem Tod. 

Böses lauert ringsum, Bös-feindliches auf Schaden bedacht, und so im 
Gefühl hülfloser Schwäche aus eigener Macht, werden überirdische Helfer 
ersehnt. Auch sie erstehen in den Schöpfungen der q>avxaai>aiy und so be- 
ginnt allmählig ein zusammengeschlossenes Bild sich abzurunden. 

Die dunkeln Gewalten hausen in den Wäldern, wie leichtverständlich 
bei der geographischen Position der Molukken. Dort also treibt Tschaka 
sein Wesen (der Yaksa oder Yakka des Festlands); dort auch das Heer der 
Swangie, die sich aus den Seelen neidisch oder rachsüchtig Abgeschiedener 
rekrutiren. Ihre natürlichen Widersacher^ sind die aus den Ahnen freundlich 
gestimmten Seelen in den Wongie, die man deshalb, um sie zu speisen, nach 
der ihnen erbauten Capelle oder Goma-matuha (der Gomang) herbeiruft, da- 
durch auch das Recht auf gefälUge Gegendienste erwerbend, welche zu leisten 
das Medium der Besessenheit aushelfen muss, weil sonst der Mund zum 
Sprechen fehlte. Hat sich also der vom Moerit in den Weihen (nach ab- 
gelegten Proben) zum Gomatir Aufgestiegene während des Idoe oder pro- 
phetischen Schlafes in Rapport gesetzt, so können der Pythia Fragen gestellt 
werden, wofür (an solch primitivem Orakelplatze) die wegen Krankheitsfallen 
am nächsten liegen, und in Ausdeutung der heilkräftigen Mittel, nicht nur in 
Kräuterarzueien , sondern auch mit (leicht dann als Fetische verwendbaren) 
Wunderstücken oder Dofahei die Antwort gewährt werden mag. 

Bleibt die Wirkung aus, war also der Swangie, die Ursache des Uebels, 
zc stark für den Wongie, der ihn bekämpfen sollte, so erübrigt nichts anders 
mehr, als aus der Goetie (oder Theurgie) auf das ge&hrlichere Feld schwarzer 
Magie über zu treten, und das durch Hexerei (Bodiga) wahrscheinlich ver- 
ursachte Unheil durch einen Hexenmeister oder Zauberer (So-so) zu bezwingen 
(im Teufelsbund). 

Sobald nun die Practibilität eines derartigen Abschlusses mit dem Reich 
böswilliger Feinde zur Anerkennuog gekommen ist, dann, bei dem über Aller 
Häupten beständig schwebendem Verderben, fasst namenlose Angst die Ge- 
müther des Gemeinwesens, sie in den Wahnsinn des Hexenwesens treibend 



Digitized by 



Google 



25 

(in Europa^) ebenso, wie in jedem der andern Continente), onter Ausrottung 
des Thäters nicht nur, sondern seiner Familie auch und ganzen Stammes 
(um den Nachwuchs abzuschneiden). 

Eine nothwendige Weiterfolge aus diesen Vorstellungen bildet (neben 
den vom Jo-Guru geübten Exorcisationen zum beschwörendem Vertreiben der 
Swangie) das allgemeine Reiniguogsfest, das sich (unter localen Modificationen) 
in gleichartigen Formen über den ganzen Erdkreis hin wiederholt, und auf 
den Molnkken, als Mossun, die Gesundheit sichernd^ zur Zeit der Ernte (wie 
vielfach damit zusammenfallend) gefeiert wird, da während des Wachsthums- 
processes im Sprossen und Reifen vielerlei dämonische Kräfte thätig zu sein 
hatten, die man nun am liebsten Alle mit einem Schlage wieder los ist (und 
so fliehen, bei den Parsi, die Dämonen mit dem Aufwachsen des Getreides). 

Besonders im düstern Schooss der Erde scheint es unheimlich zu sein, 
und so wohnt dort der Tschaka Gewaltigster in Meki, wie Naga (die Drachen- 



1) Dans le courant du mois de mai demier, nous avons parl4 d^une scene abominable, 
qui s'^tait pass6e k Marchienne-au-Pont. Voici comment la victime, la femme Lecomte^ 
Fa racont^ jeudi, devant le tribnnal correctionnel de Charleroi: 

, J'^tais all^e en pelerinage k Leemes. Je me suis rendue k Marchienne pour y prendre 
le train. J'ai rencontr^ la nomm^e Franquet, que je connaissais Je suis allöe chez eile, 
k sa demande. Lk nous avons pris le caf6. Pen d^instants apres, son man, qu'elle avait 
envoye chercher, est arrivö. Nous sommes sortis ensemble, vers 7 heures. Ils m'ont fait 
manquer le train que je devais prendre pour retoumer a Bracquegnies et ont insist^ pour 
que j'aille coucher chez eux. La troisieme et le quatrieme prevenus nous accompagnaient. 
Nous sommes rentrös chez Strimel vers 9 heures J. Nous y ^tions d'une minute k peine 
qae Marie Franquet fermait la port k la clef, s^armait d'nn couteau et s^avan^ait sur moi 
en disant: ,Si vous n'enlevez pas le sort que vous nous avez jet4, je vous tue." Au mo- 
ment ou eile disait cela, Strimel et Willot m^empoignaient par la gorge et me soulevaient 
Ils m'ont placöe sur le poele dans leqoel il y avait un feu ardent. Je ne pouvais crier, 
ils me serraient trop fortement. Sept ou huit fois au moins, ils m^ont inise sur ce poele, 
j^ai re^n de nombreuses brülures. Ils m^ont ensuite port^e k Pötage et lä, en face d'un 
lit, tous les qnatre m'ont declar^ que si je ne faisais pas disparaitre le sort que j^avais mis 
au pied de ce lit, ils allaient me tuer, puis qu'ils iraient me jeter dans la Sambre. Lors- 
qn^ls m^ont lächle, j^ai reculä des quelques pas et je suis tombee en bas de Fescalier. 
Les prövenus sont encore venus me prendre pour me placer sur le poSle. Dans les efforts 
que j'ai faits pour me döbarrasser d'eux, j'ai renvers^ le poele. Hs m^ont couch^e sur les 
cendres incandescentes eparpiUees sur le sol. Ayant vu le petit de la maison, entr^ouvrir 
la porte, j'ai couru comme une folle et suis parvenue ä me sauver. Je me suis rendue 
imm^diotement chez le commissaire de police qui a constate les nombreuses brülures que 
je portais et qui a fait venir un medicin Je ne suis pas encore completement guörie. 
Cette scene a dnr^ toute la uuit La nomm^e Brand prötend que j'ai fait mourir son mari 
en lui jetant un sort.** C'est pour r^pondre de ces faits, qu'ils ont reconnus exacts, que 
les nomm^s Strimel, Regnier, les femmes Franquet et Brand, comparaissent devant le tri- 
bunal de Charleroi, Strimel et les deux prevenus ont chargö lenr co-pr^venu Regnier. 
C'est lui, ont-ils dit, qui leur a affirm^ que la personne qui se pr^senterait chez eux dans 
les neuf jonrs qui suivraient le 18. mai, serait celle qui leur avait jet^ un sort et qu'ils 
deyaient la brüler jusqu'au moment oü sa chair „chilerait*. Que la nomm^e Lecomte 
Stallt renne le neuvieme jour, ils avaint cm que c'ötait celle-ci qui les avait ensorcel^s et 
qu'ils s'^taient empress^s de mettre k ex^cution les conseils dudit Regnier. Celui>ci, inter- 
rog6 k son tour, j)r^tend ne pas leur avoir dit cela. Apres avoir entendu les plaidoiries 
et le r^nisitoire du ministere public, le tribnnal a renvoye son jugement k samedi. 



Digitized by 



Google 



26 

schlaDge im Boden) unter den Swangie, and auch unter den Erankheltsteofelii 
gilt als gefahrlichster Burung Swangie, der auf dem Erdboden hinkriecht 
(mit Krankheit schlagend, wie in Siam der aus den Baumzweigen des Jungle 
auf den Reisenden herniederfallende Phi). 

Jede Oertlichkeit ist besessen, d. h. in Besitz eines Giki-moi oder Eigen- 
thumers (wie die Eskimo von ihren Innua sagen), und der Gebrauch, der, 
fremden (und höheren) Mächte eignenden, Naturgegenstände kann dem Men- 
schen nur zum Niessbrauch gestattet sein, nach dem Codex der Sühnungen, 
wie in den Mokisso oder sonstigen Gelübden (und Opfern) ausgesprochen. 
Dem Genius loci wird deshalb auch gerne (wie Gotokko, Tokko-huru, Ki- 
Tokko aus Furcht) sein Häuschen gebaut, fern abgelegen im Walde (wo aus 
den Reigen dortiger Feen oder Chariten Fusseindrücke zurückgeblieben), in 
den Molukken, oder an Strassen und Plätzen, wie in den Dörfern der Fantih 
(gleich den Argeen einstmals). 

Bei derartig guter Behandlung mag auch freundliche Erwiderung er- 
wartet werden, und so ho£f); man von den unter ihrem König (oder Königin) 
gestellten Djin auf gütige Zuneigung, um bald als Fravashi oder Schutzgeist 
(ein Genius guter und weiser Seite oder ohrflustemder Dämon) durch das Leben 
zu begleiten, bald als begeisternder „Herr" (oder Chao im Heros) seinen Sitz 
zu nehmen in dem für ihn geschmückten Gefiäss prophetischer Rede, und 
freiwillig auch mögen Offenbarungen zu Warnungen oder Anzeichen gewährt 
werden, als Moestika (oder Portenta). Dass dabei die Djin als vorzugsweise 
die Vorgebirge bewohnend gedacht werden, liegt bei diesen auf den See- 
verkehr hingewiesenen Inseln ebenso nahe, wie bei Island für dortige Klippen- 
geister (zugleich in Besetzung aller ungreifbaren Punkte den kretischen Um- 
lauf eines Talos sparend). 

In solchem Anlanden aus oft geheimnissvoller Feme bietet sich dann bei 
den Oming (die in den Weissen, als Revenants in Australien, ihre selbst- 
gegebene Verknüpfung mit den Wongie fänden) der Fortschritt (aus der 
Heroen -Verehrung in Theoxenien, wie bei den Dioskuren) zu fester gestal- 
teten Personificationen, wie schon in den Namen (zunächst nach der Her- 
kunft) unterschieden, und so gleichfalls bei den Djin, je nach Bevorzugung 
eines dauernden Lieblingssitzes, während wieder, wenn sie beim Einfahren 
die Wongie ersetzen, die letzteren sodann in fester umschriebene Bild umrisse 
gefasst werden mögen. 

Je nach den Bedürfnissen bleibt hier also zu wählen, und bei allmählig 
gewonnener Vertrautheit mit Launen und Neigungen der „Spirits^, lassen sie 
sich für Mancherlei nützlich verwenden. Einen Wong in die Nähe des 
Hauses zu placiren, durch dort für ihn errichtetes Capellchen, bleibt immer 
rathsam, weil dann auf eine permanente Schild wacht gegen nachstellende 
Swangie gerechnet werden kann, aber auch innerhalb des Haushaltes selbst 
mögen die Dienste eines Koboldes zum Guten gereichen, wenn man Sorge 



Digitized by 



Google 



27 

getragen hat, das Seelchen^ ehe noch Zeit zum Ausüeihren, in einen Topf 
(oder Salabe) aufzufangen und so im Familienkreise zurückzuhalten. 

So mag sich, nach den Umstanden, auch ein Ahnenkultus oft herstellen, 
in den Nene mojang kare kare, zur Pflege der Kindespflichten (nach dem 
Buche Hiao-king in China), und wie dort die Tafeln (Sitz des Shin, oder 
Geistes, beschrieben) behielt man auf den Damley und in Darien die mumi- 
ficirten Körper selbst im Hause, in dafür eingerichteten Hinterkammem. Mit 
fortgehender Anfullung derselben zeigte sich Entleerung ebenso nothwendig, 
wie bei Entfernung ^) der Ahnentafeln, (meist wenn die dritte Generation über- 
steigend), nach dem Tempelgerumpel, und so jenseits der Tritopatores beginnen 
die Ahnen überall windig in Luft zu verschwinden (und dadurch manchmal 
wieder die Fähigkeit erwerbend, meteorologische Vorgänge zu reguliren, wie 
in Tueopia). Während nun die Wong, die als kürzlich erst ahgeschiedene 
Seelen, noch im Walde seh weifen ^ gelegentlich zu Hülfeleistuogen herbei- 
gerufen und im Rathsgemach gespeist werden können, lässt man die alten 
Seelen der Ururväter, die schon in grauen Vorzeiten abgeschieden sind, in 
gemächlich ruhiger Stille in den bestaubten Gemächern des Kakiroba-Hauses 
(inmitten des Dorfes) beisammen wohnen. 

Dass die vorzeitig, durch gewaltsamen Tod, dem Leben entrisseoe Seele 
(Dilikki) auch hier in ihrem besonderen Charakter ausgeprägt erscheint, 
schliesst sich ebenfalls, ganz wie es sein muss, an die aus allen Theilen der 
Erde bekannten Analogien an, s. Ethnlg. Frsch., II, S. 327 u. ff., Vorstellungen 
von der Seele (S. g. u. w. V.) u. s. w. 

Neben und über all diesen dämonisch durcheinanderlaufenden Schemen, 
theils als Engel lächelnd, theils gespensterhaft schreckend, wölbt sich nun 
ein unbestimmt allgemeiner Gottesbegriff in Johu-ma-di-hutu, unnahbar (wie 
Njongmo, ohne die Mittler in afrikanischen Wong) über den Wolken thronend, 
aber von dorther sich dann auch in dürren Gegenden, wo das Himmelswasser 
eine Segnung, im Regen manifestirend (wie aus umwölkten Göttersitzen hoch- 
ragender Berggipfel in dafür geeigneten Ländern)^ Mit dem Aufkeimen einer 
Cultor bietet sich dann hier der Ansatzpunkt, den Ursprung der Gesetze 
(Lars, als Themisten in Zeus' Schooss) anzulehnen, mit Entfaltung moralischer 
Lehren in der Geschichtsentwickelung. 

Wenn nun dazu weitere Verwicklungen herantreten politischer Natur unter 
kriegerischer Bewegung, so sucht man auch dafür die Geisterwelt mitzuinter- 
essiren, zum Schutz gegen körperliche Feinde, wie sonst die unsichtbaren. 
Bei den Kaffern ziehen die Ahnengeister im Vordertreffen voran (wo die 



1) After the third or the fiffch generation has passed away, the tablets, which represent 
it, are sometimes taken away und baried in or near the graves of the persons, they re- 
present, or they may be humed to ashes, at least they must be removed from the niche 
to furnish room for the tablets representing the individaals of a less remote period, every 
generation fdmishing two tablets (s. Doolittle), und ähnlich in den Mumienkammem (Ame- 
rica^s u. s. w.). 



Digitized by 



Google 



28 

Lokrer fQr Ajax eine Lacke liessen), auf den Molakken dagegen wendet man 
sich zum Walde bin (dem Sammelort dämonischen Waltens aller und jeder 
Art), am für den Feldzug den Eriegergeist des heilig geweihten Baames auf 
einen Tragsessel abzaholen, und Picus (im Waldesdickicht) auf der Eönigs- 
burg (bei Virgil) „gehört dem Waldgott Mars an" (s. Klausen), das Ancile 
fQhrend (und Rosse bändigend). Dazu dann das Weitere aus der Baum- 
verehrung u. s. w. 

Während bisher bei Gleichartigkeit religiöser (oder auch rechtlicher) 
Institutionen ein geschichtlich verketteter Zusammenhang, wie f&r historische 
Forschung am nächsten liegend, gesucht zu werden pflegte, beginnt unter dem 
Eindrucke der in ihren massenhaften Beweisführungen unbedingt überzeugenden 
Thatsachen der Ethnologie, bei den damit Vertrauteren die Ansicht zu einer, 
halb bereits selbstverständlichen, zu werden,dass bei allen Völkern auf niederer 
Culturstufe die Vorstellungen dieselben seien, und man scheint schon geneigt, 
sich mit solcher Uebereinstimmung, als einem ^fait accompli" beruhigen zu 
wollen, als einer an sich gegebenen, wie für die physische Erscheinung, unter 
den Local- Variationen der geographischen Provinzen, für den Körper also, 
so für den Geist gleichfalls (in psychischer Beziehung). 

Indess dürfte doch die Zeit, jene novarum rerum inventrix, hier etwas 
Neues geschaffen haben, ein neues Problem der Denkarbeit gestellt sein, um 
weiter zu räthseln im Lebensräthsel des Seins. 

So lange es sich um das Körperliche handelt, hat die Untersuchung, in 
physiologischer Zerlegung, mit dem didofjievov^ als schliesslichem, abzuschliessen, 
sofern sie innerhalb der, naturwissenschaftlicher Methode durch die Induction 
gesteckten, Grenzen zu verbleiben beabsichtigt, innerhalb berechenbarer Ver- 
hältnisswerthe nämlich (um nicht mit wächsernen, der Metaphysik entlehnten 
Flügeln, in umebligen Abyss zu stürzen, oder in schleimig dehosame Plasmen 
der Evolutionstheorien). 

Bei jedem Naturgegenstand, aus Pflanzen- oder Thierreich, liegt die darin 
gefasste Idee als abgeschlossen vor, — abgeschlossen innerhalb des (unter 
der Spielweite erlaubter Variationen) fest umschriebenen Cyclus der Ent- 
wickelung, in der Fessel organischer Gesetze. 

Die Anthropologie wird deshalb (gleich den übrigen Zweigen in der 
Naturforschung) bei den ihr aufliegenden Arbeiten, wenn auch bis zu den 
Differentialen gekommen, eine Integrirung nicht vornehmen können, sondern 
vor der Frage des Ursprungs stehen bleiben, sowie vor der des, terrestrich 
nicht absehbaren, Endes .(in religiös erscheinendes Jenseits hinaus). Seiner 
physischen Erscheinung nach steht der Mensch, objectiv genommen, auf 
gleicher Linie mit den übrigen Naturwesen (ohne die aus eigenem Egoismus 
subjectiv hineingetragenen Graduirungen), das Körperliche, unter den planeta- 
rischen Lebensbedingungen^ zeigt eine (vorbehaltlich zulässiger Modifikationen) 
genaue Umgrenzung seiner Erscheinungsweisen. 

Anders im Psychischen. Der im Menschen, als Gesellschaftswesen, durch 



Digitized by 



Google 



29 

Sprachaustaasch geklärte Gedanke strebt zur Freiheit empor, und indem sich 
also^ aus der oben erwähnten Gleichartigkeit der Vorstellungen über das 
Erdenrund, hier ebenfalls ein Walten fest geschlossener Gesetze im orga- 
nischen Wachsthom ergäbe, wurden wir uns demnach hier zunächst (und 
hier allein), mit den Hülfsmitteln inducliver Forschung, in comparativ-gene- 
tischer Methode, der Frage des Ursprungs (aus einem Noch-nicht-sein hervor) 
anzunähern vermögen. Dass solcher Ursprung (bei der Rückverlegung des 
Geselldchaftsgedankens auf seine individuell constituirenden Elemente für 
die Psycho-physik) insofern verhältnissmässig (wenn bei dem Hinausstreifen 
in das Absolute des Unendlichen Verhältnisswerthe Gültigkeit bewahren) als 
ein erst secundärer abzuschätzen sei, käme dann auch secundär erst in Be- 
tracht, da zunächst der grosse Gewinn zu verzeichnen wäre, dass Ursprungs- 
fragen überhaupt nicht etwa eo ipso* schon aus dem Bereiche menschlicher 
Gedankenrechnung ausgeschlossen bleiben würden. Sollte es also einmal 
erst gelungen sein, dieses Problem, wo es am einfachsten entgegentritt, er- 
folgreich in Angrifif genommen zu haben, so wäre dann damit vielleicht der 
Weg zu einem neuen Calcül gew^iesen (auch für die complicirt schwierigeren 
Fälle im Fortgang der Entdeckungen, und damit zunehmender Erleichteruog 
der Rechnungsmethoden). 



Anmerkungen. 



1) Als die Ansiedler nach Island schifften, hatten sie durch cÖe schreckenden Drachen- 
h&apter am Buge der Schiffe die Landgeister von den Vorgebirgen der Insel zu ver- 
jagen, (und Talos in Kreta verblutete vor den Argonauten). 

2) Alfheim (der Licht-Elfen) gegenüber, wohnen die Schwarz-Elfen in Swart-Alfaheim 
(bei Snorre), gleich dunkeln Wandlungen bei Czemebog (slav.) 

3) So lange es glückt, ist (bei Araucanem) die Amchi-malghen (Schutznympfe) noch da 
(s. Molina). Bonus eventus wurde in Jünglingsfigur dargestellt (als Genius). Die (mit der 
Seele vereinigbaren) Fravashis wurden (zugleich mit dem allwissenden Verstand im Men- 
schen) von Ahura-Mazda geschaffen und auf die Erde herabgesandt, um mit den Drujas 
zu kämpfen (nach dem Bundehesch). Der fivaraytoyog Toi) ßiov begleitet seit der Geburt 
dujch's Leben (s. Menander), und sein berathender Dämon den hellenischen Philosophen. 
Hlin lag es ob, die von Frigga Begünstigten zu schützen (neben VuUa und Gna). Djin von 
Djenen (verborgen), als die Unsichtbaren (die nicht gesehen sein wollen), schicken aus Nisibis 
(äIs Genien) den Richter Shem-horesch an Mohamed (zur Bekehrung). Nach der Nials-saga 
Iftsst sich ein Heide taufen, auf die Zusicherung hin, dass der heilige Michael (der Seelen- 
Empfänger) durch die Taufe sein neuer Fylgju engill werde (s. Rochholz). Die Geleits- 
frau (bei Scandinaviem) ist Forynja (vorausschattend, als Vorsicht im Leben) und Hanunga 
(nachschattend, als dem Körper beim Tode nachschwebend), als Fylgja oder (persisch) Ferner 
(Prometheus und Epimetheus). Die heiligen Engel beschäftigen sich mit dem Menschen, 
sowohl was seine geistliche, als leibliche Wohlfahrt verlangt, von seiner Kindheit an, bis 
an sein Ende (s. Kriegesmannus). Neben den (schönen) Irä oder Riam finden sich (am 
Cazamansa) die bösen Geister, als ünchai pintim, gesehen oder besprochen durch die 
AJt^ro oder Alteros (uma especie de Mediums'). Die Wnäj Ininee spukten (b. d. Odjibwä) 



Digitized by 



Google 



30 

auf den Hügeln» die Pata-Faeareha bei Maori (als Hügelgeister). Hermas als Schüler des 
Paulus, erhielt (neben den Visionen) Offenbarungen von seinem himmlischen Schutzgeißt 
(als pastor anglicus), im Hermae pastor (o noiniiv), 

4) Die zu den Diws gehörigen Pen, als schöne Luftwesen (vom Duft der Blumen 
lebend) können, unter den gefallenen Geistern, bis zu den Thoren des Paradieses hinauf- 
schweben (ohne indess hineinzugelagen). Peri-cihre, Tochter des Königs Kureng (in Zabul) 
wählt sich Jem zum Gatten mit Erzeugung der Reichspehlevane, von denen Sam mit Peri- 
dokht liebelt). Die Afrit oder Oifrit (von Affer, dunkel) als Abialiset (im Baal des Diabolus) 
werden von Jahn beherrscht. 

5) ün calumet, un coüteau, une peau d'Ours, une plante, un animal, en un mot 
quelque chose que ce puisse etre, c'estla „rOtkon", „POkki**, „le Manitou", c'est-ä-dire, 
FEsprit: non pas qu'ils croyent que ce soit reellement un esprit, mais plötot c'en est le 
Symbole, le signe du pacte, ou le terme de Tunion morale, qui est entre leur ame et ce 
g^nie, qui s'attache ä eux, par qui ils doivent tout connoltre, et tout operer; car en vertu 
de cet Olaron ils peuvent se m^tamorphoser, se transporter et faire ce qu'il leur plait 
Leur id^e sur ce point repond k celle que nous avons de la Lycantropie. L'Oiaron est 
la bete qui sert ä leurs fcransports, ä leurs enchantemens, soit qu'ils croyent ces transports 
reels, soit qu'ils soient persuad^s, que c'est Tame seule qui se detache, ou le genie qui 
agit conformöment ä leur Intention, et selon leur gr^ (s. Lafitau). Nachdem die Indianer 
(im Traum) „ont vu cett« chose fatale, il faut qu'ils Fayent a quelque prix que cela puisse 
etre, et s'ils sont assez heureux pour Tobtenir, ils la conservent aussi cherement que leur 
vie meme (wegen der mystischen Verknüpfung mit demselben) und daraus die Gewinnung 
des Fetisch (objectiv oder subjectiv). 

6) Devotus, als durch magische Künste verhext (b. TibuU.) und in Sacer liegt die 
Doppeldeutung (wie in Anathema), wie das (als heil gelassene) heilige Thier ein ver- 
abscheutes sein mag (gleich dem Schwein). 

7) Les Welis (saints chez les Musulmans) possedent la facult^ merveilleux de mangrer 
indöfinitement s. Goldziher). Dem Genius des Königs wurde (b. Perser) ein Tisch gedeckt 
(s. Theop.), wie dem französischen König (bei der Leichenfeier). Postquam avem aspexit 
templo Anchisa, sacra in mensa Penatium ordine ponuntur bei Naevius;. 

8) Der grosse Geist (g^nie) wohnte (für Sacs und Foxes) in der N&he der französi- 
schen Niederlassungen (nach Allouez), und Djin von Djina (Ji-nan und Tsina) 

9) Nachdem Maisika ein Canoe von Tonga nach Aniwa und Futuna geführt, kehrte 
er iÄ seine Heimath des Ocean's zurück (als Schutzgott verehrt), und so die Heroen (bei 
Griechen und sonst . 

10) Bangsa oder (im Pali) vansa (vam^a) im Schilf (ümkulunkulu's der Zulu). 

11) Macrobius, quos Hesiodus vntx^ovlov^ dixerat, Indigetes ipse vocat (s. Gesner) im 
Anschluss an Dactylen oder Teichinen Von den aydlfAcna 6vo (der Kabiren) auf Sa- 
mothrace (b. Hippel.) führte der Eine den Namen *-^d«^ (s Herrmann). Die Blüthe des 
Fingerhute's (Digitalis) bildet die männliche Kopfbekleidung der Elfen, die in zauberischen 
Künsten (oder im Besserwissen unterrichten können (wie parsische Dems), und ein pileus 
die der Dioscuren. 

12) When the animal has been kiUed, the Indian feels, that although it is an antho- 
rized ad lawful prey, yet there is something like, accountability (s. Schooleraft). Die 
irischen Side oder (s. O'Don.) dei terrenis wohnten, wie in Sid (der Hügel) auf der Insel 
Mag Meli , die im gläsernen oder ehernen Schiff erreicht wird (s. AV indisch). Das Cung- 
dat genannte Opfer bringen die Annamiten „aux anciens possesseurs de la terre" ^s. Lan- 
des), um den Chu-ngnu (ancien possesseur autochthone) zu sühnen (aus den Mois, Lao- 
tier u. s. w.). 

13) Bis zur „Luftreinigung'* durch Besiegung des Satan's (s. Disselhoff , „bewegen wir 
uns in einer unreinen Atmosphäre, die mit feindseligen Geisten angefüllt ist" (1871\ Bei 
der Seuche (die ein boshafter Oki vom Huronensee gebracht;, wurden Strohpuppen an den 
Häusern gehängt (und in der Anrede eines Häuptlings wurde er zu den Feinden ge- 
wiesen, wenn Fleisch wollend). The Chark-Puja (or Hook-Swinging-Festival) „would have 
no effect on the crops without* the spilling of blood (hörte Hunter). aA^ri; iopiij 'il^jj- 



Digitized by 



Google 



_ 31 

yfjiattf rj vvv irngn Ityoptiyri (Hesych.), mit al^r»^, als Festgesang (b. PolL), qui quod ea 
se snspenderat, institnerunt, uti tabula interposita rendente funibus se jactarent, ut qui 
pendens ?eiito movetur (s. Hyg.). 

14) Ad cenam quoque vocabantur heroes apud Delphos, Dioscuri apud Athenienses, 
Thessalos, Locros, Parios, Agiigentinos, Spartanos, nonnulis locis una cum Helena et Her- 
culi (s. Wassner). Propter panem et calicem , Cererem ac Liberum colere existimant (die 
Heiden vor den Christen). Modus sacrificandi in Universum is erat, ut variis cibis in 
mensa sacra coUocatis aliquis deus aut heros precibus ad epulandum invitaretur. Ad 
mensam non raro aut simnlacrum aut symbolum dei apponebatur aut non aliter atque 
homini epulanti lectus tapetibus et pulvinis exornabatur (s. Deneken). 

15) Mit dem Seil des Harpedonapten (b. Democrit) stellte der (ägyptische) König die 
Eckpunkte des Tempel's, zur Orientirung (in der Richtung nach Norden) „nach dem Ein- 
trittspunkt des Siebengestirns**, mit der Keule einen Pflock (wieSafech gegenüber) in den 
Erdboden einschlagend (s. Cantor). Das Templum wurde (etrurisch) auch auf die Lager 
angewandt (wie in Australien). Die Aegypter lernten die Arithmetik (aus Chaldaea mit- 
gebracht) von Abraham (nach Josephus). 

16) Es hiess, dass ein getauftes Huronenmädchen, welches kürzlich gestorben und auf 
dem Kirchhof Sainte Marie begraben war, wieder auferstanden sei und einen kläglichen 
Bericht über den Himmel der Franzosen erstattet habe. Kaum war die Verstorbene ein- 
getreten, — so lautete ihre Erzählung, — so ergriffen sie dieselbe, ketteten sie an den Marter- 
pfahl, und marterten sie den ganzen Tag mit unaussprechlicher Grausamkeit. Sie ver- 
fuhren mit allen anderen bekehrten Huronen ebenso; denn dies bildet« die Erholung der 
Franzosen und besonders der Jesuiten in ihrer himmlichen Behausung Sie tauften In- 
dianer nur in der Absicht, um sie später im Himmel martern zu können. Zur Erreichung 
dieses Zweckes ertrugen sie gern selbst Entbehrungen und Gefahren in diesem Leben, 
gerade wie eine Kriegsgesellschaft in des Feindes Land mit grosser eigener Gefahr ein- 
fällt, um Gefangene zum Verbrennen mit heim zu bringen. Nachdem es viele Schmerzen 
ausgestanden hatte, zeigt« ein unbekannter Freund dem Mädchen einen Pfad, der es zur 
Erde zurückfuhrt«; es eilte schnell heim, um seine Landsleute vor den Kunstgriffen der 
Missionäre zu warnen (s. Ragueneau). Auch für Radbod war es unheimlich im Himmel 
(der Taufe). 

17) Nach den Vorstufen der Tentationes (Reizungen) und Insidiae (Nachstellungen) 
wird von circumsessio (Umsessenheit) und Obessio (Belagerung), dann possessio (Besessen- 
heit) dadurch unterschieden, dass die dämonische Gewalt der Seele den leiblichen Ge- 
brauch der Organe verkümmert (b. Dieringer;. Der Exorcismus (als jussio seu obtestatio) 
wurde (bei den Protestanten) „unterschieden von dem exorcismus ethnico magicus, dem 
judaicus und dem papisticuä" (s. Ebrard). Der Gute-Heinrich oder Wurzel des Gutenhein- 
rich (Chenopodium boni Henrici) schützt gegen Behexung (im Erzgebirge). Als bei den 
Convulsionen am Grabe des heiligen Firmin (in Uzes) Agobard anrieth, die Geschenke 
den Armen zu geben, tota iUa deceptio cessavit (auch die der Stigmaten). Unter den 
mit dem Siegel Alexander's VII nach Paris geschickten Reliquien erwies «ich das Caput 
S. Portunati aus Pappe (1668). Die von Christus über Lazarus geweinte Thräne von einem 
Engel aufgefahgen, fand sich im Kloster von Vendome (1042 p. d). Die Reliquien sind 
(bei Pseudo-Ambrosius) „besonders als Exuvialfetisch ausgezeichnet, und nehmen unter 
diesen die erste Stelle ein, an sie ist der helfereiche Geist gefesselt" (s. Lippert). Wenn 
man vermeintliche Wundet (wie bei Ausstellung der Reliquien von Autun genauer unter- 
sucht (schreibt Amolon an Theobald) „on n'a pas tard^ ä decouvrir, que ceux, qui y joue- 
raient le principal role n'avaient pas d'autre dessein, que de sp^culer sur la charit^ des fide- 
les (s. Nicolas), 844 p d. (und so früher oder später). Das Land (der Attiwandaron) „war 
voll von angeblich Rasenden, welche, um sich die Schutzgeister oder Okie geneigt zu 
machen und die mystischen Kräfte des Wahnsinnes zu erlangen, nackt durch die Dörfer 
rasten und brennende Späne der Hüttenfeuer zerstreuten. Alles im Wege umwerfend*' Czu 
Br^beuTs Zeit), wie bei Haidah (und sonst). Beim Traumfest als Onnonhouarori (la folie 
ou le renversement de tete) wurde maskirt getanzt (bei den Huronen). „Da beides der 
Teuffel und die Geister sagen**, könne „sich wol in einem Leibe gesellen**: die „Seele als 
die forma informans und der Teuffel als die forma assistens** (Goldschmid) 1698. 



Digitized by 



Google 



32 

18) Auf jeder BesitzuDg (possessio) fanden sich drei Silvane, der Silvanns domesticus, 
Silvanus agrestis und Silvanus orientalis an der Zusammengrenzung (im heiligen Hain), 
als Indigeten oder (bei Eskimo) Innuit (Atua noho in Hawaii). Im Tempel zu Makila) 
finden sich Götzenbilder ^aus menschlichen Figuren, die auf der Spitze von Baumstämmen 
ausgeschnitzt sind** (s. ßietmann). Die Hexe Eoslareiza erscheint als Katze (bei den Wen- 
den). In San Christoval werden heisse Steine in ein Geffiss mit Cocosmilch geworfen, um 
durch den aufsteigenden Dampf zu beten (s. Verguet). Gott Krodo (der Sachsen) galt als 
Krotendüvel (zu Carl VL Zeit;. Der unterirdische Geist Zelu bewacht Schatze als Kröte 
(bei den Slawen), Der bunte Stein Kuntok (bei den Baele) giebt Glück, unter Gebete an 
Jido («. Nachtigal). In dem beschnitzten Gemeindehaus des Häuptling's Mahemara im 
Dorf One (auf San Christoval) „sur les solives du milieu deux dessins figurent, Fun une 
victoire remport^e sur les raontagnards de Tile, Tautre la capture d'une grande barque 
(s. Verguet). Pustrich dampft (bei Sorben), und der Opferrauch hilft zur Himmelfahrt auch 
(in Mikronesien). 

19) Für den Tempelschlaf, als iyxoipiTiats oder iyxajaxXtaii (incubatio) finden sich An- 
ordnungen in Epidauros (und anderswo). X'^Q^i ^^ ^^V^ oaovg i^ ' Anoilatrog fiar^rat 
Ifyovai TÖ agxäior fiavidv «j ovdiCg XQVOf^okoyos i^y^ ayadoi Si ovitgaia ^iriyijaaa9ai 
xal iayvwvoti nifiang Igvl&coy »al anXdyxvn hgeitoy (s. Paus). Eskennanne (le pais des 
Arnes) lag in der Unterwelt (bei den Huronen), und als die Seele seiner Schwester zurück- 
zuholen, ihr Bruder dorthin kam, half ihm Tharonhiaouagan die Nachstellungen seiner 
Ahnin (Ataentsic) vermeiden (s Lafitau). Orpheus besucht die Unterwelt am "jiogrov in 
Thesprotien zur Todtenbefragung (s. Paus). Bei (pgatgia fian^up (s Hesjch.) war die 
Weissagung ivrix^of^ „da die atfx^og als rein persönlich nicht übertragen werden konnte 
(s. E. F. Hermann) in der Mantik, als tix^ri aioxaouxri (bei Eustath). fAayttvovtat fiiv 
ovr xaf^fudoyjtg^ bnooa d^av nv&iad-at ^(ij&diatyf dyeigaia dUxvval aqttaiy if i^cd; (im 
Ino-Heiligthum). Epidauro decus est Aesculapii sacellum, cui incubant^s aegritudinum 
remedia capessunt de monitis somniorum (s. Solin). 

20) Der Birraark (bei den EumiU) »was initiated by the Mrarts (ghosts), when they 
met him wandering in the bush,^ indem sie ihn, an dem in das durchbohrte Septum der 
Nase getragenen Enochen (Gumbert) hinaufzogen „to the clouds" (s. Howitt). Im Eeke- 
nowin (der Jeesuka¥rin oder Prophezeiung) findet sich das „Orifice in the heavens, called 
Pug-un-ai-au- geezhig (bei Ogeewyahnoquot Okwa). Als Prophet (auf Halmaheira) gilt 
Gommo-soeng (s. Willer). Wie Mohamed das vom Engel herausgenommene Herz gereinigt 
wieder eingesetzt wurde, so erhielt die heilige Eatharina vom Heiland ein kristallenes Herz 
(und in Australien werden die heiTorgezogenen Eingeweide des Zauberlehrlings nächtlich 
gewaschen . Salomo wurde täglich von den Adlern zu den Geistern Asa und Asael ge> 
tragen (Weisheit zu lernen). Cfotoy d'cr'loic n(A%»4<ov (s. Call ), -didicit quoque jura locorum 
(von seinem Vater in der Unterwelt) Aeneas (bei Ovid). Hrafnkell (in Island) Freyr mehr, 
als andere Götter liebend, gab ihm von allen Eostbarkeiten die Hälfte (in der Saga von 
Hrafokell Freysgodi). Notre dame de Walcourt dont Forigine est attribuöe a St Ma- 
teme, contemporaine de la Sainte Vierge, disciplc de St. Pierre et apotre de Naumur, 
est dit on, anssi parfaite par sa ressemblance, que la Vierge de Saint-Luc (s. Laforce). 
Neben Brahma-Para-Brahma für die Eingeweihten in der brahmanischen Seite der Smarta, 
wurde (populär) Siva gepredigt (als Mahadeva). Die Geheimgebräuche (in Mindanao) 
„tienen en* tanta estimacion, que el padre la esconde del hije, y si no es con j^nde 
interes, no comunican algun secreto della" (s. Combes). Die Ueberlieferung (der Dis- 
ciplina etrusca) wurde (in den Familien der Lucumonen) fortgepflanzt (von Vater auf 
Sohn), in der Reihe der Erstgebornen bei den Ariki (der Maori). Ina schneidet ihrem 
Bruder die Zungenspitze ab, damit „he could not reveal the secret** (s. Gill), und so 
wird in der Weihe chinesischer Geheimbünde, die Zunge eingeschnitten (wie auch sonst). 
Les grands pretres du dieu Elagabale ä Em^se etaient hör^ditaires (s. Lenormant). Da8 
Lesen der Bücher (Pic-huun) und das Entziffern der Buchstaben (Uooh) bildete eine 
Geheimwissenschaft (unter den Mayas). C'est ä peine si, depuis deux ans, que je suis 
ici, j'ai vu quelques c6r6monies, (im Fetischdienst) de temple, je n'en connais pas. Bien 
souvent j'ai questionnö, jamais, je n'ai pu obt^nir de reponse (s. Jeannet); Quatre ann6es 



Digitized by 



Google 



^3 

BXk Congo (1888). Nach Chaumont zeigte sich der Indianer intelligenter, als französische 
Bauern (auf der Mission unter den Huronen), und so wenig aus den letzteren ein Ein- 
blick in die Denkschöpfungen ihres für die Cultur Europa's in erster Linie zählenden Lan- 
des zu gewinnen w&re, so wenig in die der Naturvölker durch die Beobachtungen des 
gewöhnlichen Verkehr's. 

21) Aus der Wiedergeburt der Mysterien (wenn halb officiell) oder der Geheimorden 
(auf schwankender Linie des Verpönten), gehen die Dviya hervor, unter der Verschieden- 
artigkeit der Symbole auch durch (ägyptisches) Henkelkreuz geweiht, oder vom Vajra (töd- 
tend sowohl, wie belebend). ^Zu dem dritten legt man den toten menschen auf das Krewcz, 
do unser lieber herr an laid die pittem mater und den tot, do stund der tot mensch auf 
und ward lebendig, do erkant man, welches das recht krewcz was" (b. Pfinzing). Die 
Alexandriner wollten den von Ptolemäos ans Kreuz geschlagenen Kleomenes (weil von Dra- 
chen umschlungen) als Heros und Göttersohn verehren, bis durch die Gelehrten eines Bes- 
sern belehrt (s. Plutarch). Die in die Mysterien Eingeweihten sind in der Unterwelt dein 
Elend derselben glückselig entronnen (nach Sophokles), nicht im Schlamm begraben (bei 
Plato), so trostvoller dem Ende entgegensehend (s. Isocrates). Die Seele, der Leiche zum 
Kirchhof nachfolgend, hält dort die Gottesackerwacht, bis durch einen anderen Todten ab- 
gelöst (in der Oberpfalz). Von (thessalischen) H^vxnyfoyoi wird ein cptt^un yfQr^(>(op her- 
aufgefohrt (bei Euripides). Die Selbstmörder waren im Seelenlande abgeschieden (bei den 
Indianern). Die Ghond (am Fusse des Devalagiri geschaffen) begraben nut den Füssen 
(nach Norden), „so as to be ready to start again for their ancient home in the north** (s. 
Hunter). In Maru's Tempel Wharekura (mit dem Hohenpriester Paraoa neben dem Ariki 
und dann die Horomatua) wurde der Tongitongi (Lebensstab Rangi-Tawhaki's) bewahrt, 
der durch Tawhaki zerbrochen wurde (seine blinde Grossmutter Whatitiri durch Speichel 
heilend) in Wanganui (s. White). Tavg <f« y« aötx^ae it xal ivgayyiJag xal agnayag tt^o- 
itiifuixoiaq fig itt jwy Xvxcjy i€ xal Ugtixaiy xal txi(y(oy yivri (quod in mysterüs secre- 
tioribus dicitnr, in pecudes atque alias beluas ire animas improborum) Obwohl (bei der 
Lehre von der Seelenwanderung) keine Thiere tödtend, opferten sie die Macassaren der 
Sonne und dem Mond, nur Schweine essend (weil keine Seele so sündig sein könne, um in 
solch unflftthiges Thier verwiesen zu werden) und Vögel (weil zu klein für die Seele). Die 
Wassertanfe in den Mithras-Ceremonien war durch den Teufel „per anticipationem'^ (nach 
TertuUian^ eingeführt (die Christen zu verwirren). Les sectateurs de Mithra composent 
nne assembl^e. militante (s. Lajard). Die Apolusia (Abwaschung) fand vor der Einweihung 
in die Mysterien der Demeter statt (als Abwaschung des Oel in der griechischen Kirche). 
Die Sonne (das Licht im Gegensatz zur dunklen Nacht) „ist der Gott, den alle Menschen 
angebetet** (s. Dupuis). Der fluchbeladene Orestes wendete sich (b. Athen.) an den Demo- 
phon (Sohn des Theseus) in Athen (bei Feier der Anthesterien). In der Hütte des Dampf- 
bade's werden bei dem AuMcken die Geheimnisse der verschiedenen Grade (Meda, Sauge- 
mau und Ogemau) mitgetheilt (in den Meda-Ceremonien). Neben der Eintheilung in Stämme 
(Tip) bestand (auf Ponape) die religiöse Verbindung der Dziomarau (s. Kubary). Die Klo- 
donen und Mimallonen waren phantastisch aufgeputzt (bei den Orgien der Dionysia). In 
den SUtaoi der orphischen Mysterien wurde ein ßtog *0Q(pix6g vorgeschrieben (in Askesis). 
Das Schwirrholz des Baba-laua in den Mysterien am Niger, heisst Oro (Es tönt) oder (in 
Aegypten) Horus (und tahitisch). Die Theilnahme der Frauen am Fest Taouma (beim 
Essen der Cocos-Kuchen) ist verboten (auf San Christoval), wie in den Geheimbünden 
America's und Africa's, bei Wegfall der Rivalität, wie am Gabun (oder auf Palau in 
Oceanien). 

22) Indem hier die Localform Oming vorwaltet, werden die Wong, die sonst mit ihnen 
identisch aqftreten, nun mit dem Gegensatz der Swangie zusammengereiht, (nach dem un- 
bestimmt Schwankenden des Dämonischen überall). 

23) Priester (zur Verdeutlichung der G^tterstimmen in den Vögeln) heissen Pia-atua 
(god-boxes) in Mangaia (s. GiU). Wie Menschen über ihren natürlichen Zustand durch 
Einwirkung des Geistes Gottes hinaus und momentan auf die Stufe der höheren Geister 
versetzt werden können, dass sie Visionen in die obere Welt haben, so kann auch die 
Thierseele momentan der menschlichen nahe gerückt werden (nach Christlieb), wie in 

Bastian, Arcliipelago. I. 3 



Digitized by 



Google 



_ 34 

Bileam^s redender Eselin (1871). Statt des ^Eselsgeschrei der Vernunft" (s. Hanns), die 
Bekenntnisstreue (des Bibelfestes). „Nur die Weltanschauung der heiligen Schrift* zu 
kennen (im Feststehen der Erde und Bewegung der Sonne), „hat Gott der Herr dem Pa- 
stor Knak in den Mund gegeben" (s. Wangemann). Am Ostermorgen macht die Sonne 
drei Freudensprünge (wie von sächsischen und märkischen 'Dorfhügeln zu sehen). Leurs 
superstitions sont grossieres et criminelles (bei den Indianern, die „ont err6, commes les 
Anciens^^), mais sont elles plus criminelles et plus grossieres, que celles des Grecs et des 
Romains? (fragt Lafitau). De ejus mulo pili pro reliquüs (bei Pet^r des Eremiten Umher- 
ziehen) wurden von den Kreuzfahrern ausgerauft (s. Guibert). 

24) Aus F\ji erzählt J. Jackson : More by good luck than good management, we landed 
all safe, which the majority attributed to the interposition of the „Turanga ni wai tue* 
fgod of the Salt water). One man, who was very eipert on the uninhabited island in 
destroying the Namuka people, but was consious of allowing some to escape whom he 
might. if he had exerted himself to the utmost, have prevented, that night worked, him- 
self up into such an enthusiastic religious frenzy in the temple in wich he was laid down 
to sleep at Nawii, that he believed the god of blood was asking him the reason he allo- 
wed the enemy to escape. He was frothing at the*mouth, and answering these supposed 
questions in an audible voice, in lifting a large piece ot wood up, which, if he had been 
in bis senses, I d'ont believe he could have moved. It took four or five stout men to 
hold him, and, with all they could do, they could not quiet him. He was calling out: 
„Ealou sa endruvi au" (the god is angry with me), when one of the Nawii people brought 
in some whales teeth, and went through a long kind of prayer or petition to the god 
whose temple we were sitting in. As soon as he thought the god was appeased, bis frenzy 
subsided; but he was so exhausted that, when he landed at Nateva, he was obliged to be 
led up to the town (s. Erskine). Als all^ das himmlische Heer zur Rechten und zur Linken 
stand, fuhr der falsche Geist ans unter die Propheten (gegen Micha). In der Geelvink- 
bay wurde neben den Manuwen oder Manoel die Mons verehrt (neben Blis, als Iblis). Als 
Saul (der Stimme des %Volkes" gehorchend), die besseren Heerden verschont und seinem 
Feinde Agag das Leben geschenkt hatte, ^geschah des Herrn Wort zu Samuel und sprach: 
Es reuet mich, dass ich Saul zum König gemacht habe" tden Abtrünnigen), „denn Unge- 
horsam ist eine Zaubersünde und Widerstreben ist Abgötterei und Götzendienst," lehrte 
der Priester; und bei der Anbetung (zum Opfern) , zerhieb Samuel den Agag zu Stücken 
vor dem Herrn in Gilgal" (wobei in dem von dem Amalekiter erwähnten Todesmuth der 
des seinen Martern entgegengehenden Indianer's wiederscheint). 

25) Bei Jacobus, seinem Bruder (also innerhalb der Familie), gilt Christus, als der ver- 
herrlichte «Herr", der die Gebete aus der Christen-Gemeinde entgegennimmt, gleichsam etwa 
ein zum (siamesischen) Chao erweiterter Oromatua (Polynesien's). Indem die Kleros-Theorie 
der alten „Herren" aufgeht in den feineren, relativ göttlichen Herrn (bei Paulus), tritt der- 
selbe zum absoluten Gotte in das Yerhältniss des platonischen Demiurgos.(8. Lippert). In 
der Septuaginta wurde Jahve (als Adonai) mit Kyrios übersetzt (despotes in der Offen- 
barung). Die Missionäre bildeten Hawenniio (er herrscht), oder Herr für Gott(der Irokesen), 
wie Tien-chu (als Himmelsherr). Die Benennung Herr (xvoiok) für die Person Jesus Christus, 
entspricht der Anrede rab oder mar in der Lehre der Rabbinen (s. Schenkel), wogegen bei 
Paulus , Jesus der Herr** (als ,Herr des Geistes"). Der Ahnenkult der Chinesen gründet 
sich auf dem die Kindesliebe behandelnden Buche Hiao king (des Confucius), wie des 
Guru auf die Schülerachtung (in Indien, mit gleichfalls religiöser Bindung). Les Thay- 
ngai (docteurs en la science des sortileges) v^nerent un genie ou patron, qu^ils appellent 
ordinairement ieur Bisaieul (Ong-to) in Annam (s. Landes). In Kowai wird Rewata als 
Gott verehrt (s. Rumpf). A medietate aeris usque in montium terraeque confinia Hetnithei 
Heroesque versantur, qui ex eo quod Heram terram veteres dixerunt, Heroes nnncupati 
(s. Mwrt. Cap.). Zu den ijQOife iTn^togioi (xS^oyiot) oder d«ol iyx^9'^^ {irtomoi) gehörten 
die xjiatai (und ap;ifi7y/T«/). Die Heroen wurden in den Tempeln begraben (zu Ehren 
auch, wie bei Euchides in Plataea). Landas (Eigilos.) ist patrium numen (s. Grimm). In 
den Anitu der Mariannen wurde die Apotheose bereits im Leben erlangt (wie bei den Ätna 
Nukahiva's). Als Schwester Anne de St. Ciaire mit Marie de Tlncamation sich nnterredete. 



Digitized by 



Google 



35 

Yerspüite sie in der Luft einen angenehmen Doft der Heiligkeit (in Qaebec). Der bucklige 
Zauberer wurde den Vfttem (als Rivale der Jesuiten-Missionen) ein Dom im Auge. Er 
sagte, er sei kein Mann, sondern ein Oki — ein Geist, oder, wie die Priester es über- 
setsten, ein Teufel — und habe mit anderen Geistern unter der Erde gewohnt, als ihm der 
Einfall gekommen sei, Mensch zu werden. Darum sei er in Gesellschaft eines weiblichen 
(Geistes an die obere Erde gestiegen. Sie hätten sich neben einem Pfade versteckt^ und 
als sie eine Frau vorbeikommen sahen, seien sie in ihren Leib geschlüpft. Nach einer 
Weile wären sie geboren worden, aber nicht eher, als bis der männliche Oki mit seiner 
weiblichen Grefährtin gestritten und sie erdrosselt hatte, so dass sie todt zur Welt ge- 
kommen sei (s. Parkman). 

26) Träume üben einen grösseren Einfluss auf die religiösen Meinungen und Hand- 
lungen der Indianer aus, als irgend etwas anderes. Zwei Ausdrücke giebt es in der Al- 
gonkin-Sprache, um das Wort , Traum*' zu bezeichnen Inäbnndum bezeichnet die Ge- 
sammtheit der sinnlichen Eindrücke, welche sich dem geistigen Auge im Schlafen dar- 
bieten, der Apowa ist im Gegensatz hierzu eine Vision, ein heiliger Traum. Da die Träume 
aUgemein als Offenbarungen angesehen werden, so werden sie sorgfältig festgehalten und 
von den'medas und jossakeeds, weisen Männern, welche unter den Gesellschaftsklassen der 
Indianer die Gebildeten repräsentiren, gedeutet. Jung und Alt zollt diesen nächtlichen 
Warnungen in gleicher Weise respektvolle Beachtung, und beim Eintritt der männlichen 
Jugend in das AltiBr der Pubertät werden Enthüllungen dieser Art mit grossem Eifer er- 
strebt und ihr Eintritt durch strenges Fasten befördert. Da zu dieser Zeit ein Schutz- 
geist für das ganze Leben gewählt werden muss, so wird dieses Fasten mehrere Tage lang 
fortgesetzt, wobei, ausser Wasser, nicht die geringste Nahrung genommen werden darf, 
und da diese Fastenzeit femer zugleich den Charakter einer feierlichen und religiösen 
Probezeit hat, so bieten die Eltern der jungen Männer aUes auf, um sie zum Ausharren 
zu ermuthigen. Unter dem Zusi^nmenwirken dieser Ursachen, zeigt sich der Einbildungs- 
kraft gewöhnlich ein Geschöpf der belebten Natur in eindringlicher Weise. Dieses Thier 
wird als Schutzgeist oder persönlicher Manito des Individuums für das Leben erwählt 
Doch ist dieser Geist nicht der indianische Totem, das Symbol des Familien- oder Ge- 
schlechtsverbandes (welches auch allgemein das Bild eines Vogels oder Thieres ist), son- 
dern ausschliesslich ein persönlicher Manito. „Jebi*' ist ein Geist oder Geistererscheinung, 
der Geist (als Geistesthätigkeit) heist »inaindum*'. „Otchichaug'' ist die Seele, das Ab- 
bild des menschlichen Wesens oder Organismus nach seiner Auflösung, die drei Aus- 
drücke sind daher nicht gleichbedeutend oder synonym. Die Thätigkeit der Seele hängt 
mit den Träumen nicht zusammen. Nach einer — ich weiss nicht, inwieweit allgemeinen 
— Ansicht der Indianer giebt es zwei Seelen, die eine bleibt beim Körper, die andere 
vermag ihn während des Schlafes zu verlassen und umherzuwandem. Nach dem Tode des 
Körpers kommt die Seele in das Elysium der Indianer, oder das Land der Todten. Dann 
zünden die Chippeway auf dem frischen Grabe ein Feuer an, welches vier Nächte hindurh 
erneuert wird, denn diese Zeit ist dem Todten gegeben, um das Elysium zu erreichen. 
Dieser Gebrauch, welcher, wie man glaubt, allen Algonkin gemein ist, ist ungemein ein- 
drucksvoll (s. Schoolcraft), Gleichzeitig mit den Menschen geschaffen, fungirt der Geist 
Ombuiri oder Mbuiri, als Ombuiri aningo im Wasser, Mbuiri ngono in der Luft, Mbuiri 
Mboomba im Regenbogen, Mbuiri Mbogo im Walde, Mbuirt akkoa durch Zwerge, Mbuiri 
Ohouana durch Kinder, Mbuiri anienga durch Krampftanz, Mbuiri ndjege durch Klapper- 
instromente (s. Hübbe-Schleiden) am Gabun, wo Ologho (inlogho) durch meteorologische 
Einflüsse Mondstich bewirkt, Ibamba (Abambo) durch Verstorbene, Oniembe (Iniembe) 
durch Hexerei und Beschwörung, Nkinda (Sinkinda) Krankheit (oder Fieber als Angindi). 
Larvas dicit (Plato) esse, noxios daemones ex hominibus factos (s. Aug.). Die Dämonen 
sind beamtet ,vel somniis conformandis, vel extis fissiculaudis, vel praepetibus gubemandis 
vel vatibus inspirandis, vel fulminibus jaculandis, vel nubibus coruscandis, ceteris adeo, 
per quae futura dignoscimus (s. Apulej.). 

27) He dies is „nibo'', he sleeps is „niba'' (nib, leaning) im Ojibwä (s. Jacker). Die 
Todten (in Port Praslin) konunen Nachts vom Himmel herab, um gute Plätze zum Fisch- 
fang anzuzeigen (s. Fleurieu). Käi yaq t^oyuQ ix Jios iar^r (b. Hom.). Die 9i6i xaiax^orioi 

8» 



Digitized by 



Google 



36 

senden Traumgesichte in das Adyton (s. Paus.). Tarenjowagon oder Teharonhiawagon 
(Sohn des louskeha) sprach in Träumen (bei den Irokesen). 

28) Le culte des ancetres est une religion (en Chine) avec des ceremonies parfaitement 
precises (s. Cordier;. The Samoyedic Tebena and Nena (eider brother and eider sister) are 
derived from Teb ;man\ Ne (woman) and Na, the genderless term for consanguinity, und 
dazu neue (eider sister) ungarisch (s. G. Oppert). Die Gefolgspriester der Isländer heissen 
Skotta (ahd. sciozan , Schössling, Nachwuchs des Geschlechts (s. Rochholz). Von Tubu 

ancestors) stammt (auf Figi) tubutubu (origin) und so das Fürstengeschlecht (in Tonga). 
Medizinen werden (bei den Indianern) wie durch Fasten auch durch Träumen erlangt (s. 
Le Clerk). Der Lieblingssohn eines alten Indianers starb, worauf der Vater mit einer An- 
zahl Freunde sich nach dem Lande der Seelen aufmachte, um ihn wieder zu erlangen. 
Man brauchte hierzu mehrere Tage lang, um durch einen seichten See zu waten. Dies 
thaten sie, indem sie .des Nachts auf Erhöhungen von Stangen schliefen, welche sich über 
dem Wasser erhoben. Endlich kamen sie an. Papkootparout, der indianische Pluto, stürzte 
ihnen wuthschnaubend mit erhobener Kriegskeule entgegen; doch alsbald änderte er seinen 
Sinn und forderte sie zu einem Ballspiel heraus. Sie blieben Sieger und gewannen den 
Preis, welcher aus Korn, Tabak und gewissen Früchten bestand, die auf diese Weise den 
Menschen bekannt wurden. Der des Sohnes beraubte Vater bat nun sehr um dessen Seele. 
Schliesslich gab sie ihm Papkootparout in der Gestalt und Grösse einer Nuss, die er durch 
starkes Drücken mit den Händen in einen kleinen ledernen Sack zwängpte. Der erfreute 
Vater brachte sie auf die Erde zurück, mit der Weisung, sie in den Körper seines Sohnes 
zu stecken, der alsdann wieder aufleben würde. Als die Abenteurer die Heimath erreicht 
und den glücklichen Erfolg ihrer Reise erzählt hatten, gab es einen Freudentag. Der 
Vater aber, da er theilzunehmen wünschte, übergab seines Sohnes Seele einer nebenstehen- 
den Squaw zur Verwahrung. Neugierig sie zu sehen, öffiiete jene den Sack, doch hierauf 
entfloh die Seele und Hog zurück nach Papkootparout's Gebiet, als dem irdischen vorzu- 
ziehen (s. Le Clerc), wie aus Pandora's Büchse (Orpheus Gattin folgt im Körper). Savitri 
erlangt von Yama die Rückkehr ihres Gatten (zur Wiederbelebung) Man erzählte, Messen 
oder Manabozho habe einst einem Indianer die Gabe der Unsterblichkeit verliehen, welche 
in ein Bündel geschnürt gewesen sei, unter der Bedingung, es nie zu offnen. Des India- 
ners Frau jedoch habe, von Neugierde getrieben, eines Tages die Schnüre durchschnitten. 
Nun sei die kostbare Gabe davongeflogen und seitdem wären die Indianer dem Tode ver- 
fallen gewesen (Le Jeune). Gesser-Chan's Seele wurde im Mantelsack mitgeführt (die 
Priester der Heidah pfropfen sie auf). In Tirol büssen die armen Seelen, als Kröten 
(Hötschen oder Hoppinen). Auf dem Grabe Hingerichteter spriessen weisse Lilien (als 
Seelen) zum Zeichen der Unschuld (s. Grimm). Die Seelen verwandeln sich in einen Guck- 
guck bei den Serben). Als Seele (der Irokesen) entspricht Gannigonr-ha „am Operations 
de Fesprit et de l'entendement**, während Erienta „sert k exprimer celles du coeur et de 
ja volonte" (s Lafitau). Die Karen unterschieden in der Seele siebenfach. 

29) oC 9ioi(poQovfA(voi Saißovüiv axovsiv Soxovaiv (Sext. Emp.) als arreptitii et ^f- 
SovaitovifQ (s. Fabr.). Die jüdischen Propheten setzten sich durch rauschende Musik in den 
Zustand der Verzückung (s. Wahrmund;. Im Streit mit Elias ritzen sich die Priester des 
Baal mit Messern oder Pfriemen, bis Blut kam (unter Ahab), und so die Gallen (Grosser 
Göttinn). Nachdem der unter einem Bambus verdeckte Ngoi-kinh (als Clairvoyant) den (Jeist 
der Krankheit gesehen hat, wird dieser von dem Thay-phap (in Annam) in den Korb des 
Con-dong (oder Medium) gebannt, zur Unterredung (s. Landes). Der Birraark (bei Kumai) 
„professed to have communion with ghosts (s Howitt , wie (bei den Tarra) die Gurildris 
(nach Kühne). In Boeli (auf Halmaheira) wird der Djien durch Räuchern unter einem 
Vogel- oder Fischbilde von einem durch Krämpfe Ergriffenen befragt (s. Cambier). Die 
Derwische betäuben sich im Tanzdrehen (beim Gottesdienst). 

30) En zijn namelijk zes soorten vän djins, die verschillend getooid, zieh soms op 
e^n avond achtereenvolgens bij een en denzelfden door den djin bezeten persoon ver- 
toonen en wel: de „djin hogga hogga'' of „hattee doebbo*', die soms in* een bord of op en 
doek, soms echter oop ok vier, twee aan twee in elkaar gestoken en met een küssen belegde 
tiffa's danst. 2) De „djin tobello", die zeer striidlustig", zieh met schild, lans, geweer of klewang 



Digitized by 



Google 



_ 37 

wapent en een Witten doek om het hoofd bindt, dan wel een „tolloe^ (inlandschen hoed) opzet, 
waarop hij heen en weer wiegelend, een soort van Krijgsdans uitvoert 3) De „djin Wolanda** 
min of meer een grappenmaker, die met een hoogen hoed op, een Witten halsdoek om, en een 
stock in de hand soms kluchtig springende en soms nim of meer deftig rondstappende, zeer 
slagraardig is en als men hem niet dadelijk begrijpt en zijn zin doet, duchtig slaag uit- 
deelt 4) De „djin böewaija**, een Krokodillengeest, dien raen, wanneer hij op het drooge 
komt („behella"), hetgeen de djindanser aantont door plat neder te vallen, hem zoutwater 
te drinken en rauwe eieren te eten geven, op gevaar af van anders door hem gebeten te 
worden. 5) De „djin cascado** dan wel „doengi*^ of schurftige djin, die zieh openbaart door 
het voort durend krabben van dem patient en 6) de ,djin gosoen** of djin bijassa", zijnde 
dit de gewone djin, die slechts allgemeene nidt sterk van de andere djins verschillende 
allnres heeft. AUe bij de vertooning gebruikte Kleederen of voorwerpen worden, hetzij 
bewierookt, hetzij met welriekende olie („minjak paha"; bestreken, en de djin verzuimt 
nooit zieh door zijn reukorgaan daarvan te overtuigen (s. Campen). Bei den sich von den 
Thurificati (des Götzendienstes) abscheidenden Christen galt der Weihrauch für die Lieb- 
lingsspeise der Dämonen (nach Tertullian), wogegen später als „probates Mittel, die bösen 
Geister zu verscheuchen und sich vor ihrem verderblichen Einflüsse zu bewahren (s. 
Augusti). In the Oriental churches a free use of Incense is kept up all through divine 
Service (s O'Brien). 

31) In dem (beim Vergleich zu Halmaheira) civilisirter fortgeschrittenen Temate, wendet 
man sich für Besitzergreifung (statt an die Wongi oder Seelen) an die Djin, so dass hier 
ein Deva (oder doch eine der Vorstufen auf der Leiter zum Gott) in sein Gefftss niedersteigt 
(zum Prophezeien). 

32) Im Vorspiel (Pradji) der Feste (in Galela und Tobello) wird mit den ^geesten 
de loHssa" (Eoorzang) von den Singenden gescherzt (s. Campen). Bij deze djinfeesten heeft 
men dikwijls een soort van priester of Djoegoeroe en eenige leerlingen of mauritsen, allen 
kenbaar aan de gele doeken, die zij dragen (in Halmaheira). Boeni; verbergen; jang ter- 
sem-boeni, geheim; tersemboeni, verborgen; semboeni verheelen. Periander schickt zu den 
Thesprotiem am Acheron, inl ro vfx^t/o^avrijfov. worauf MeUssa^s tiötolov erscheinend 
(^'ntfpavHna) antwortet (s. Herod). Der holländische Nachtgeist Lodder kommt einher, die 
Zottelhaut eines Hundes um die Schultern geschlagen, oder selber ein Hund mit Feuer- 
augen (8. Bochholz) und dem Zauberer läuft in Hundegestalt seine verlorene Seele nach 
(wie dem Cornelius Agrippa sein schwarzer Paredrius). Bei Indianern leitet der Hund (als 
Psjchagogos). Der Dusien belästigt als Incubus oder Alp (der Alben) in Gallien (wie Duus). 
Der Zauberer Kitzele verwandelte sich in einen Hasen (in Luxemburg). 

33) Durch Naga's Bewegungen werden Erdbeben verursacht (auf Halmaheira), als die 
im Erdboden lebende Drachenschlange (in Siam). 

34) En Nouvelle-Cal6donie (dit le P. Rougeyron) les sorciers, reconnus ou supposes 
tels, sont impitoyablement mis ä mort (Pour d6couvrir le coupable, voici F^preuve, usit^e 
en pareil cas: ils ^Uevent en Fair avec une grosse corde et laissent ensuite retomber de 
tont lenr poids ceux, qu'ils soupconnent d^etre sorciers). In Afrika werden die Endoxe 
sreprobt (durch Hängen u. s. w.) und in Patagonien die Zauberer verbrannt. Im ersten 
Grad begann -die Tortur mit Aufziehen zum Herabfallenlassen lin den Hexenprozessen). 

35) Die Bezauberung (bodiga), macht sich besonders merklich „in kwaadaardige ziekten; 
Teelal gaat deze betoovering uit van menschen, in wier lichaam een booze geest of zwangi 
huisvest; echter kunnen ook gewone menscheukinderen dit doen b. v door een ei, een door- 
stoken pinangnoot, wat haar, een poppetje en meer dergelijke middelen, onder het uit- 
spreken van tooverformules voor iemands huisdeur te begraven. Sommige dieren, onder 
anderen de vogel ^hokko" (een bruin vogeltje met Witten kop), de ,,ikan doejoeng" enz, 
worden beschouwd als in vroegeren tijd betooverde menschen en gen Alfoer zal ze als 
Yoedsel gebruiken Andere vogels weder zijn de gedaanten der booze geesten of zwan- 
gie's daarvan bekleeden de „boerong zwangie**, de „zwangie tahoen" en de witte „koem- 
koem" (groote duivensoort) een eerste plaats; met geschreeuw van een dier vogels des 
nachts is voldoende, om ieder Alfoer het hazenpad te doen kiezen en in de naastbij ge- 
legen woning te doen vluchten. Wil raen gaan jagen of visschen, het geschreuw is vol- 



Digitized by 



Google 



38 

doende om het j)laii in daigen te doen vallen. De gwaarlijkste van de drie is de .boerong 
zwangie', aangezien hij dikwijls op den grond rondhuppelt, terwijl de andere meestal in 
hooge boomen vertoeven (s. Campen). Von den Brüdern Tboe-Ju und Joeh-Loei worden 
die nach dem Berg Toe-Soh citirten Grespenster gebunden (in China), wie in der Verord- 
nung der Distrikts-Magistrate erinnert (s. de Groot). Op den Berg der Perzikstadt is een 
groote Perzik boom (mit goldenem Hahn darauf, bei Tagesanbruch zu kr&hen). 

36) Die durch den Tua-Tokelau Erkrankten umkleideten das Stein-Idol mit neuen 
Matten (s. Turner). Die Opfer werden in's Meer geworfen für die Götter (auf den Salo- 
mon). Dem bösen Manuwel oder Manuwin gegenüber (an der Geelvinksbay) wohnt Gott 
Narvoje in den Nebeln (im Bauch erscheinend). Bei Epidemien wird ein geschmücktes 
.Boot um die Insel getragen und in's Meer gesetzt (auf Tucopia). Aus Tabu-Bruch ent- 
steht Krankheit (in Tokelau). Schiffbrüchige werden dem Gott Nabeao geopfert (auf Buk). 
In Beziehung auf einen Eingeborenen, dessen speciellen Gott das Canoe repräsentirt, heisst 
es sein Kasingl. Es hat jeder Eingeborene sein Casingl, der eine verehrt den fliegenden 
Fuchs, der andere die Taube, ein Dritter die Schlange, diesen oder jenen Fisch. Er betet 
sie nicht an, bringt ihnen auch kein Opfer, er ist verpflichtet sie nicht zu essen (auf Palau), 
auch erblich (s. Kubary), und so bei (afiricanischen) Mokisso oder Totem (in America). Er- 
scheint der Todte in der Gestalt des als Schutzgeist heiligen Thieres wird er von den Ver- 
wandten unter Beklagen gepflegt (in Tahiti . In der Andacwandet genannten Heilmethode 
(bei den Huronen) liess der Loki (Arzt) die Mädchen diejenigen Jünglinge w&hlen, mit 
welchen sie die Nacht schlafen wollten (s. Sagard). Bei den Huronen war eine unter der 
Erde lebende Schlange Ursache der Krankheit (durch Zauber gereizt). Der Wundervogel 
Charadrius (Chladrius) oder Calandrius saugt Krankheitsstoff aus (in Lyon). Der Kabing 
oder Dorfarzt heilt mit Sprüchen (in Indien). 

87) In Kan, in het binnenland (MadoUee), leeft de reus Mekki, die met een »paloedi*^ 
(draagmand), waarin hij de menschen, die hij verslinden gaat, wegstopt, op den rüg door 
de bosschen zwerft. Wie hem toevallig tegenkomt, moet onherroepelijk sterven. Epide- 
mien enz. worden dan ook in die streken toegeschreven aan dien Mekki, die met zijne 
honden op jacht zijnde, de bosschen doorkruist en daardoor tal van menschen ontmoet. 
Krankzinnigen en ijlende Koortslijders worden gezegd door een zjakka bezeten te rijn 
(s. Campen). Die (mit den Haaren ihrer Opfer bekleidete) Frau des (bösen) Manitu wurde 
durch Geschrei von dem Kranken fortgejagt (bei den Algonquin). Nach Aussage der Pro- 
pheten war die (an Pleuritis) leidende Kranke von einer Hexe mit einer Kugel von Haaren 
geschossen worden (bei den Chippewä), im Hexenschuss (der Finnen). 

38) Als nach dem Tode des friedlich gesinnten Ouasinparea (auf San Christoval) Todes- 
fälle eintraten, schrieben es die Priester dem zurückgekommenen Phantom oder Ataro 
zu, das mit dem Rufe: »Ari, ari mataoua" (fort, fort, in's weite Meer) verjagt wurde (s. 
Verguet). Johanniskraut (fuga daemonum) wurde an die Häuser gehängt, als Hexenkraut 
(Jageteufel oder Teufelsflucht). Der Jain-König von Mysore wurde durch Ramanuja, der 
den bösen Geist aus seiner Tochter vertrieb, bekehrt (zum Vischnuismus). Ramanand wählte 
seine Jünger besonders aus den niederen Klassen (der Lederarbeiter, Weber, Barbiere), und 
in Kabir's Lehren identiflcirten sich Ali und Rama (für Bhakti), bis Chaitanya den Oultus 
Jagannath's organisirte (in seinen ExcessenX Bei den Saktas, the „right band" adorers 
follow the Aryan ritual, with the addition of an offering of blood (im Gespräch zwischen 
Siva mit Parvati oder Uma, zum Unterricht), but the left ,hand" worship is an organised 
fivfold ritual of incantation, lust, gluttony, drunkeness and blood (s. Hunter), und so 
sind auch die Mysterien st^ts von den Auswüchsen der Orgien begleitet (in Europa und. 
America). Die (spöttischen) Sagen dürfeli nur im Winter erzählt werden, wo die Geister 
(mit Schnee und Eis bedeckt) nicht hören können (bei den Indianern). In Athen wurde 
auf der Brücke gespottet (wie beim Cameval am Tage). Das Seelenmahl (silicemium) wurde 
schweigend genossen (in silentio cemere), und so das Mahl bei Genua (der Naga). 

39) Neben den höheren Wesen, als bozi (gute) oder besi (böse) in der Natur, verehrten 
die Czechen als obersten Gott Svaroh (Herr des Himmels), mit Sonne (slunce) und Feuer 
(Oben), als Söhne (Svarozici) neben Ziva (Göttin der Feldfrüchte), Vesna (Frühling; und 
Morana (Tod oder Winter), femer die Schicksalsgöttin (Sudizky). Timori templum con- 



Digitized by 



Google 



39 

secratmn fdit Spartae (^ttfiog xai cpoßoi ^Agtwg vlot). Djin kwade geest, die in akelige 
plaatsen huisvert, aardgeest (im Mal). Hantoe, spook, schim; Boeroeng hantoe, nachtuil Gar- 
gasi, kwelgeest; Ragsjasa, monster, reus; Bajang, schadow, schim; Chajal, schynsel, illusie, 
spook; Chajali, denkbeeidig, bedwelmd; Poentijanaq, rondzwervende geest (van een dood- 
geboren Kind). Die Bramminen (in den Molukken) assen nichts Lebendes und nur das 
vorher dem Teufel (Diuvel) dargebrachte (1603). Vestae colendae virgines praesint ut 
advigiletnr facilius ad cnstodiam ignis et sentiant mnlieres naturam feminarum omnen cas- 
titatem pati (s. Cicero), und so die Heiligkeit der Talapoinen (bei Buddhisten). 

40) O'Cluasaigh's Hymn (in Cork) was written (in Gaedhelic interspersed with Latin 
lines and phrases) „as a shield of protection*^ to himself, and bis pupils against the mon- 
tality called the Buidhechair or Yellow disease, which ravaged Erin and Britain, at the 
time of Diarmaid ad Blathmac (s. O'Curry), wie in den schützenden Pirit (der Mahajana) sich 
Sanskrit oder Prakrit-Linien dem Jargon mischen, und, weil zum Schutz, wurde das Lesen 
der Weissagungen des Hystaspes (neben den Sibjllinen bei den Christen) von den Dämonen 
hintertrieben (s. Just Mart.). Als medischer König, vor dem trojanischen Krieg herr- 
schend (nach Lact) oder (bei Ammanian. Marceil.) als Vater des Darius, lernte Hystaspes 
(beim Vordringen nach Indien) die Lehren über die Natur und die Religionsgebräuche 
der heiligen Brahmanen (für die Magier Zoroaster's), zum Schutz gegen Diw (statt Deva). 
«Bussen muss man zumeist in Jesu Namen, hilft's aber da nicht, so muss es in des TeufeFs 
Namen geschehen, da hilft's jedesmal (s. Brand). Esa gescot und ylfa gescot, Geschoss 
der Ansen oder der Eiben (jaculum divorum et geniosum) wird (bei den Angels.) neben 
einander gestellt (s. Grimm). Vor dem Opfer legt sich der Kaiser die Enthaltung (Tschai- 
kai) auf, in der Einsamkeit (in China). 

41) Die heilige Kunegunda zog um Bamberg einen Faden (zur Abwehr der Pest), und 
80 in Bangkok (die Talapoinen). 

42) When l^e dance is held, twenty or thirty men array themselves in harlequin rig 
and barbaric paint, and put vessels of pitch on their heads; then they secretly go out 
tnto the surrounding mountains. These are to personify, the devils. A herald goes up to 
the top of the assembly-house, and makes a speech to the multitude. At a signal agreed 
upon in the evening the masqueraders come in from the mountains, with the vessels of 
pitch flaming on their heads, and with all the frightful accessories of noise, motion and 
costume which the savage mind can devise in representation of demons. The terrified 
women and children flee for life, the men huddle them inside a circle, and, on the prin- 
ciple of fighting the devil with fire, they swing blazing firebrands in the air, yell, woop 
and make frantic dashes at the marauding and blood-thirsty devils, so creating a terrific 
spectacle and striking great fear into the hearts of the assembled hundreds of women, 
who are screaming and fainting and clinging to their valorous protectors. Finally the 
devils succed in gettüig into the assembly-house, and the bravest of the men enter and 
hold a parley witii thim. As a conclusion of the whole farce, the men summon courage, 
the devils are expelled from the assembly-house, and with a prodigous row and racket 
of sham fighting are chassed away into the mountains (bei den Pomo), so bei Dayak's (in 
Africa und überall). 

43) Die Teufel (des Besessenen) fuhren in die Säue, „um nur vor der Tiefe sicher zu 
sein; seit die Engel des Teufels ihre Lichtkleider verloren haben, ist ihnen jeder Stoff er- 
wünscht, wohinter sie ihre grauenhafte Blosse vor dem Feuer der sie umgähnenden Tiefe 
ein wenig verbergen können, und wenn es auch nur im Thierleib wäre* (s. Besser). Als 
bei epidemischer Verheerung eines Huronen-Dorfes, durch den nächtlich darüber schwe- 
benden Riesenvogel, der Einsiedler Shonnonkouiretsi (la tres longue ehevelure) denselben 
durch Zanberpfeile verwundet, und damit den Indianer getödtet, dessen Mutter gleichfalls 
rerbrannt wurde, erneuerte sich die Krankheit, weil das Oairon (oder Gehex) als Murmel- 
thier wiedererschien (bis aufgespürt und verbrannt). 

44) Bei der Hexenriecherei der Kaffem the ceremony of „ukwombela" is commenced, 
the hide drums are violently beaten, the bundles of assegais are Struck together, ac- 
companied by the well known humming and clapping of hands by the women. Bye and 
bye, the priest rushes out of bis hut, Springs into the midst of the circle of human beings 



Digitized by 



Google 



40 

assembled, and commences jumping aboot in the most frantic manner, and perfonning 
all sorts of extraordinary gesticulations. This is called ^ukuxentsa**. The men now bett 
their droms, and strike tbeir bnndles of assegais together, more violentlj than ever; and 
the women hum their exciting tones, and clap their hands, in an increasinglj agitated 
manner; vociferating all the while for help, and demanding who has bewitched them? 
This is continued until the priest is wrought up to the proper pitch of inspiration; irhen 
he saddenlj ceases, and retires to that part of the circle formed bj his own adherents 
He then names the persons who have bewitched the afflicted party or parties. On their 
names being prononnced, that part of the circle where thej are sitting rises »multaneonslj, 
falls back, and leaves the devoted Yictims sitting alone. This is the exciting moment; 
and all eyes are fixed upon them, while the priest describes their sorceries, and the en- 
chantments nsed by them for their diabolic pnrposes (s. Warner). 

45). Die Tempestarii (Tempestaires) possedaient le pouvoir de faire tomber la grele 
et le tonnerre (IV. Jahrh p. d). On leur payait niie rente annuelle, non senlement pour 
qn'ils 6pargnassent eox-meme les recoltes, mais encore pour qu'ils detourrassent les orages 
que quelqu'un de leurs confr^res aarait pu entreprendre d'y envoyer. Cett« assurance contre 
la grele 6tait bien plus exactement payie, k ce qn^assore Agobard, que les dimes ec- 
cMsiastiques (s. Nicolas). In his regionibus pene omnes homines, nobiles et ignobiles, ur- 
bani et rustici, senes et juyenes, putant grandines et tonitrua hominum libitu posse fieri 
(Agobard). Der Teufel (im Katechismus) „richtet soviel Hader, Mord, Aufruhr und Krieg 
an, item üngewitter, Hagel, das Getreide und Vieh zu verderben, die Luft zu vergiften" 
(bei Luther). Primaldy (duc de B^n^vent), avait envoye en France des ^missaires char- 
g^s de repandre sur les champs et dans les courants d^eau une poudre, qui empoisonnait 
tous les animanx de la race bovine, und die Beschuldigten, «quod mirum valde est*^ (dit 
Agobard), ävouerent coupables (s. Nicolas). Perronon M^guin (soerciere) a donnö k la 
fille du Sieur Pierre Usterwalder une rose et du basilic, dans laquelle rose eile avait mis 
sept ou huit esprits malins, qui entrerent en eile (1640 p. d.), verurtheilt: a la mort par 
le feu," (mais on fit gräce k la condamnöe des tenailles ardentes). Der Canonicus Urbain 
Grandier wurde auf die Anklage der Dämonen (Astaroth, Asmodeus, Sabulon u. A. m.) von den 
besessenen Nonnen von Loudun durch das von Richelieu bestellte Gericht öffentlich verbrannt 
1634). Les quatre femmes (s. Lardy) ont 6t6 bral^es vives (9. Nov. 1650), mais de plus, leurs 
excellences de Fribourg ont ordonne en aggravation de la sentence, qu' Elisabeth Blanche fat 
auparavant tenaillee avec des fers ardents (weil sie „s^est baill^e au diable, il y a vingt-deux ans, 
habill^ de vert**). Some of the details, if their date were not known, might be mistaken for the 
legends of the darkest and most barbarous age, bemerkt Jervis von den Vorgängen im Ürsu- 
liner-Kloster zu Loudun (1634 p. d). Bei dem Ti-aumfest (der Irokesen) glich ^die Stadt 
einem losgelassenen Irrenhaus*, indem «die Theilnehmer die Verrücktheit nachahmten'' (s. 
Parkmann), wie im üeberlebsel des Cameval. Der Brahma-dvish (oder Hasser des Brahman, 
der die zauberkräftigen Gebete des Brahma spricht) ist zu verbrennen (in den'Veda). Del 
Rey de Bumey quentan que en sabiendo el nombre de uno, lo puede matat- si quiere 
(8. Comber). Tundung (a substance like frayed stringybark) wird aus den Kranken hervor- 
gezogen (bei den Kumai), wie in Siam u. s. w. Zur Heilung werden die Ere Vaerua (snares 
for catching soul's) in Bäume gehängt (auf Pukapuka), und ähnlich die Grablöcher überall 
(zum Auf lauem). In der Ceremonie Kaci-yalo wird die Seele eines Ohnmächtigen zurück- 
gerufen ^auf Fiji). Wie die Thibier am Pontus (nach Pylarchus) tödt^ten die Bythien 
genannten Frauen durch zornige Blicke (bei Apollenidas). 

46) Der gute Geist, Pimmeheeal, ist von riesenhafter Gestalt und lebt über den Wolken; 
und da er gütig ist und niemand verletzt, so wird er nur selten genannt, doch inmier mit 
Ehrfurcht. Seine Stimme, der Donner, wird mit Freuden vernommen, denn er ist Men- 
schen und Thieren wohlthätig, da er Regen bringt und Gras und Wurzeln im Wachsthum 
befördert, ihnen zum Vortheil. Indessen sagen die Eingeborenen, dass die Missionäre und 
Regierungs-Protektoren ihnen Furcht vor Pimmeheeal eingeflösst haben, und sie beklagen, 
dass die jüngere Generation, und viele aus der älteren, jetzt ein Wesen fürchten, welches 
ihren Vorfahren nie etwas zu Leide gethan hat. Vom bösen Geist^ Muumup, zuweilen 
»Wambeen neung beenbeen aa" tVerursacher eines übelriechenden Rauches) genannt, 



Digitized by 



Google 



41 

sprechen sie stets ängstlich nnd im Flüstertone. Er fährt zur Erde in Gestalt des Blitzes, 
zerschmettert Bäume, zündet Wohnungen an und tödtet Menschen, indem er ihren Rücken 
trifft. Zuweilen nimmt er die Gestalt eines grossen, hässlichen Manns an, sucht Gestrüpp 
nnd dichtes Gebüsch auf, und, obwohl er nicht, wie der Teufel der Weissen, Flügel hat, 
80 ist er bald hier bald da mit Blitzesschnelle; er ist sehr übelgesinnt und nach dem 
Fleisch der Kinder lüstern. Er soll sich der Eulen bedienen um aufzupassen und ihm 
Nachricht zu geben, wenn er sich auf irgend einen unglücklichen Wanderer stürzen kann; 
daher hassen sie die Eulen als Unglücksvögel. Sobald ihr Krächzen oder Geschrei ge- 
hört wird, kriechen die Kinder sofort unter ihre Grasmatten. Sind die Kinder einmal un- 
artig, so verscheucht sie die Mutter durch den Ruf „Kaka muuruup** „Komm her, Teufel." 
Keiner von dem Kuum kopan noot-Stamm sah je den Muuruup, doch glauben sie, dass er 
einst von zwei Eingeborenen aus dem Chaap wuurong-Stamm in Merrang am Hopkins-Fluss 
gesehen wurde, als dieses Land zuerst mit lebenden Wesen bevölkert wurde; und sie schil- 
dern ihn als riesenhaften, schwarzen Mann, mit einer Menge Speere und einem langen 
Streifen von Schlangen, die ihm nachzogen wie der Dampf eines Dampfschiffes. Der 
Munruup lebt tief unter der Erde an einem Ort Namens UrumekuUeen und befehligt eine 
Anzahl niedriger Geister, welche die Oberfläche der Erde gelegentlich besuchen dürfen. 
Kein menschliches Wesen ist je zurückgekehrt, um zu erzählen, was Ummekulleen ist 
Doch wird geglaubt, dass dort Nichts als Feuer sei und dass die Seelen der Bösen dort 
weder Essen noch Trinken bekommen und von den bösen Geistern schrecklich zugerichtet 
werden. Ein Geist lebt im Mond. Erheisst: Muuruup neung Kuum tarrong'gnat (Teufel im 
Mond). Kindern wird zuweilen gedroht, wenn sie unartig sind, dass nach diesem Muuruup 
geschickt werden wird, damit er sie mit nach dem Mond nehmen solle. Von irdischen 
Geistern giebt es Teufel, Dämone, Geister und Hexen, deren Unterschiede ziemlich 
schwankend sind. Sodann giebt es weibliche Teufel, unter der allgemeinen Bezeichnung 
Gnulla gnulla gneear bekannt. Buurt kuuruuk ist der Name der einen, welche die Gestalt 
einer schwarzen Frau, „so gross wie ein Gummi-Baum" hat. Zum Gefährten hat sie den 
schwarzen bandicoot. Wenn ein Eingeborener dieses Thier tödtet und isst, so straft Buurt 
kunmuk ihn durch Unglück und nächtliche Heimsuchungen. Eine Sage geht, dass sie eine 
Frau von der Nähe der Mündung des Hopkins bis zu ihrem wuum auf der Spitze der 
Cape-Otway-Berge entführte und sie sechs Monate lang rohe Opossums zu essen zwang. 
Verschiedene Landstriche sollen von diesen weiblichen Teufeln heimgesucht werden, doch 
keine gelten als so gross wie diejenigen, welche die Cape-Otway-Berge durchstreifen. An 
See-Teufel glauben die Eingeborenen nicht. Jede Person, über vier oder fünf Jahre alt, 
hat einen Geist, welcher zwar während ihres Lebens schläft, nach dem Tode aber eine 
sichtbare, wenngleich unbestimmte Gestalt annimmt, und für eine Zeit auf dem Platze 
verweilt, wo der Körper beerdigt oder in einen Baum gesteckt ist. Obgleich er für durch- 
aus haknlos gehalten wird, wird er doch gefürchtet Er ist am Grabe oder bei der Leiche 
sitzend gesehen worden, wenn sich aber jemand nähert, so versinkt er oder verschwindet. 
Da die Freunde des Verstorbenen nur sehr ungern an die Stelle gehen, so wird er auch 
nur selten gesehen und nie befragt Für ihn brennt allnächtlich ein grosses Feuer nahe 
bei dem Körper. Die neuere Sitte, Nahrung für ihn hinzustellen, wird von älteren intelli- 
genten Eingeborenen als „Weisser-Männer-Unsinn** verspottet (s. Dawson). 

47) Die Teufelsvertreiber oder Thay phap (in Tonking) zur Heilung von Krankheiten 
oder Besessenheit (Chua binh) reconnaissent pour patron ou auteur (ong to) Lao-tseu, qu^ils 
appellent toujours Lao-quan, le vieux roi, et Thai thuong de, le grand supreme empereur 
(s. Landes). Bei dem Reinigungsfest für den Mord des Amulius theilten sich die Hirten- 
geschlechter in zwei Theile, als Fabier (unter Remus) und Quintilier (unter Romulus). 
Ol 6*untlü^alvovto xal ilg ala kofAut Hßaikoy (nach ApoUo^s Pest im Grichenheer) 
Unofioii rtoi xnl xadag/noif xal t^Qvatos xttTogyiäaat xnl xa&oai(oaai r^v nokir (Plut), 
Epimenides nach dem ayoi xvkdvnov in Athen). Am Dreikönigsabend durchräuchert oder 
durchsprengt der Priester oder der Hausherr alle Gelasse der Wohnung vom Gesparr des 
Daches bis in die Keller, verschliesst den Geistern jede Thür durch das Zeichen des 
Kreuzes und im Namen der heiligen* Magier (s. Lippert), die Talapoinen durch das Pirit 
(geweihte Schnur). The theory of the art practised (durch die Zauberpriester der Algonkin) 



Digitized by 



Google 



42 

teaches, that the evil spirit Imports energj to whatever object is assomed as a personal 
Maneto, and becomes (nach Chusco) the ^animating soul** of that object (s. Schoolcraft). 
The fetiche (monnted on stilts) wore a white mask (painted) am Cape Lopez (s. Boteler). 
Le diable act part au coq plum^, beim Beziehen eines neuen Hauses (das deshalb ^ erst 
durch Priester zu weihen). Die recinto genannte Einfassung beim Tempel der An (in 
Pompeji) dient« ^die Göttin vor Evocation zu bewahren und auf dem Wege aus der Stadt 
heraus zu fangen.** Die Landgeister Island's wurden durch die Dracheniiguren des Schiffs- 
bugs geschreckt. Bei dem Festgebrauch zu Demophon's Ehren (oder ßaXXmop) wurde mit 
Steinen geworfen (bei den Eleusinien), wie in Mekka (am Grabe des Absalon u. s. w.). 
T« dntfAovia fxßdXlnv. In Leitmeritz wird der vermummte Mann verfolgt und unter Durch- 
bohren von blutgefüllten Blasen getödtet (den Fasching zu begraben). Beim Pfingstspiel 
in Thüringen (s. Sommer) wird der wilde Mann aus dem Holz geholt (oder in den Busch 
gejagt), wie der Idem Efik (am Calabar). Der (böse) Marsaba wurde nach der Unterwelt 
(Lottin) gejagt (auf Buk). In Graubündten fand der Umlauf und das Gefecht der Stopfer 
zur Zeit der Sonnenwende statt (nach Stumpf), verbutzend sich (s. Tschudi). Am jähr- 
lichen Reinigungsfest verbrennen die Kamschadalen (einem Greise beichtend) die Opfer (unter 
Grimassenschneiderei). Der Latzmann (ein mit Laub und Bäumen umwickeltes Reiser- 
gesteil) trägt, als Pfingstlümmel (in Schwaben) eine Maske aus Baumrinden (s M annhardt). 
Die Butznarren (im Elsass) trugen Schellen (vermummt und verbutzt), unsinnig sich geber- 
dend, als sei der Teufel in sie gefahren nach Geiler von Kaisersberg). Den Aitu (Dä- 
monen) wurde (unter Darbringung von Speisegaben) ihr Pest (auf Samoa) abgehalten, im 
Taufetaai, se battre avec des lapalapa (tige de feuille de cocotier). Im Ta i te mauri 
(slaying the ghosts) vereinigten sich (auf Mangaia) die Aka-oa (friends) zum Leichenfest 
(s. GiU). In dem Luve-ni-wai genannten Festspiel wird auf den beim Pfeifen erscheinen- 
den Schreckensgott (Kalou rere) geschossen (in Fiji). Der Califomier tanzt ,,pour chasser 
le Mauvais Esprif" (s. Duhaut-Cilly). Der Wildmann (in Baumbast und Haare gekleidet; im 
Gerassel von Ketten (aus Schneckenschaalen) umherspringend (in Meran) wird aus der 
Höhle von St. Felix geholt (s. Zingerle), von Mädchen gebunden (als besiegter Mumbo- 
Yumbo gleichsam). La mort et le diable (le mal), ces deux n^gations supr^mes (b. Gener) 
werden im Todtaustragen zu vertreiben gesucht. Zum Schutz gegen die boshafte Karina 
(in Aegypten) wird das in ein Sieb gelegte Kind mit Korn umstreut. Der laßat/na (Schaden) 
genannte Dämon ist den Ziegen gefährlich und Schafen (im Peloponnes). Die Phytaliden 
würgten auf dem Altar des Zeus Katharsios (in Attika). Aus den Besessenen wird „Ahma 
unhrainja" ausgetrieben (bei UMlas). Der das Leichendenkmal auf dem Kirchhof (bei den 
"Tschetschenzen Bewohnende, entfloh als die Finstemiss oder Tma (unreine Gewalt) um 
Mittemacht herbeigeflogen kam (s. Dolbeschew). 

48) Ook kan men zieh, wanneer men maar dürft, met de zwangies bevrienden ; alsdan 
moet men met volle maan aan het zeestrand bij een pohon baroc (een palmsoort met zon- 
derling gewinde bladeren, die de voor het stoppen der prauwen benoodigde baroc splevert) 
gaan zitten. Zoodra de maan uit zee sprijst, ziet men in een ondeelbaar oogenblick de 
zwangies bij wijze van vleermuizen- in den boom hangen. Men loopt er naar toe en grypt 
er een stevig hast, of wel men werpt hem een nog nooit gebruikt goemoetoe touio om 
den hals; als de zwangie ziet, dat hij niet meer kan ontsnappen, schickt hij zieh in z^jn 
lot en belooft dan den nieuwsgierige mede te nemen en zijn vriend te worden. De zwan> 
gie doet daarop zijn nieuwen vriend de oogen sluiten en vliegt met hem op den een of 
anderen in de nabijheid eener woning staanden hoogen boom, alwaar hij hem laat wachten^ 
terwijl hij zelf op roof uitgaat. Eeenigen tijd daama terugkomende, brengt hij dan in den 
regel het hart en de ingewanden van het een of ander slachtoflfer mede. De zwangie en 
zijn vriend dalen nu van den boom af en gaan aan den voet daarvan zitten, waarop de 
eerste den laatsten uitnoodigt om toc te tasten. Heeft deze nu maar gezorgd om een 
stuk Kalappa (Kokosnoot) bij zieh te steken, dan is het niets , hij neemt dan wel een stuk 
van het hart in de handem en doet evenals of hij het hart ongemerkt wegwerpt, van de 
medegenomen Klapper, want al kan hij de uitnoodiging van den zwangie niet afslaan 
zonder dezen gruweUjk te beleedigen, zoo zoude hij toch door Qiet werkelijk ver- 
oberen van deze spyze, ook een werkelijk zwangie worden (s. Campen). Men kan den 



Digitized by 



Google 



43 

mensehel^ken 2wangie herkennen aan zijne roode nooit stilstande oogen (in Ualmahera) 
und ähnlich die Hexen (des Mittelalters). Die Zwangie des Dorfes Gamlamo benutzten 
Nachts die zum Dorf BoUoUo gehörende Prauw (wie bei den Preussen die Tempelpferde 
morgens schwitzend im Stall gefunden wurden) Saepe Faunorum voces exauditae (s. 
Cicero), aus dem Dickicht (der Fetischwälder in Afrika . 

49) Halten sie die Marter aus, dann kann geschehen, dass man sprach; der Teufel 
stftrke sie und halte ihnen die Zunge, dass sie nicht bekennen können, und müssen als- 
dann ja schuldig sein und als unbussfertig und verstockt noch greulicher als sonst hin- 
gerichtet werden (Spee). „Unschuldig bin ich in das gefengenuss kommen, unschul- 
dig bin ich gemarttert worden, unschuldig muss ich sterben; denn wer in das Haus 
kompt, der muss ein Drudener werden, oder wird so lange gemarttert, biss das er 
etwas auss seinen Kopf erdachte weiss, und sich erst, dass got erbarme, auf etwas 
bedencke," schreibt Burgermeister Junius (in Bamberg) an seine Tochter (24. July 1628). 
O cadaver do paciente 6 mettido n^uma tumba negra e levado aos hombros de quatro 
hercules, 4s parvoas perguntas de um medium, avan^ando para dizer sim e recuando 
para dizer nad, o entao gira sobre si mesmo, para se mostrar distrahido ou indig- 
nado com as perguntas, que Ihe fazeni (s. de Barros) am Cazamanza (um den Ver- 
ursacher des Todes aufzufinden). Bei Todesfällen vornehmer Leute (und wenn die- 
selben nicht aus Altersschwäche gestorben sind, wird stets der zauberische Einfluss Bös- 
williger angenommen) wissen die weisen Männer die Schuldigen zu entdecken. In 
Somrat nahmen zwei derselben den Leichnam auf ihre Köpfe, der Eine das Kopf-, der 
Andere das Fussende, fordern mit den Angehörigen des Verstorbenen diesen laut auf, sie 
zum Mörder zu führen, schwanken, scheinbar vom Impulse des Todten getrieben, hierhin 
und dorthin, bis sie eine bestimmte Richtung annehmen und endlich vor der Hütte des 
vermeintlichen Urhebers Halt machen. Dieser verfällt dem Tode und seine Habe wird 
theils vom Häuptling, theils von der Familie des Verstorbenen eingezogen. Die Sara ent- 
decken den schuldigen Zauberer unter den versammelten Männern einer Ortschaft durch 
ein Bündel eines bestimmten Grases oder Laubes, das auf den Kopf des inspirirten weisen 
Mannes gelegt, diesen alsbald hin und her zu treiben und nach mannigfachem Schwanken 
taumelnd zum Schuldigen, vor dem es zu Boden fällt, zu führen scheint. Directe 
teuflische Einflüsse nimmt man bei Epileptischen an, die aus diesem Grunde auch erschla- 
gen werden sollen (Nachtigal). In Hamburg bewahrten die Bahrträger einen taumelnden 
Gang (wie die syrischen Priester beim Tragen des Glottes). 

50) In California they have dances or merrymakings ''po-noh) in celebration of a good 
harvest of acoms or a plentiful catch of fish. The Patwin have a ceremony of raising 
the death, and another of raising the devil, but both are employed for sordid purposes. 
The former was in early times used merely to keep the women in subjection but now 
merely to extort from then the gains of the prostitution to which they are forced by their 
own husbands and brothers! In the ceremony of raising the dead there is first a noisy 
powpow in the assembly-hall, and then a number of muffled forms appear, before whom 
the women pass in procession in the darkness, with fear and trembling and weeping, and 
and deposit gifts in their hands. Thus their rascally and indolent masters get possession 
of their base eamings without using coercion. In raising the devil there is a still greater 
ado. About the time of harvest it would appear that the Old Scratch had determined to 
get them all. They go out and kindle fires on all the hills about at night; they woop 
haUoo, and circle around as if driving in game; finally they chase him in and tree him, 
then fling down shell-money undemeath the tree to hive him to take himself of. Some- 
times he makes for the assembly-house, fantastically dressed, and with harlequin num- 
bleness capers about it a while, then bows his head low and shoots into the entrance back- 
ward. He is now intrenched in the stronghold of their power, and litterally the devil is 
to pay. Pressentiy they pluck up courage to follow him in, and for a while there prevaüs 
die silence of the grave, when a pin could be heard to drop. Then they fling down money 
before him, and dart out witli amazing agility. After a proper length of time he steab 
out by some obscure trap-door, strips off his diabolical juggery, and reappears as a hu- 
mmin being. The only object of this gratuitous and egregious foolery appears to be to 



Digitized by 



Google 



44 

assist them in mamtaining their influence over the squaws (s. Powers). Wie bei den Tier 
Nationalfesten wurden Eampfesspiele auch bei den Panathenäen gefeiert (zur Bekämpfung 
des feindlichen für Reinigung. In heroum honores magna ludorum gynmicomm copia 
agebatur, sicut Thebis Jolaia et Ueraclea, Orchomeni Minjea, apud Locros Aeantea, Phy- 
lacae ad Pagasacum sinum Protesilaea, Marathone Heraclea, Megarae Dioclea et Alcathoa, 
Aeginae Aeacea, Epidauri Asclepiea^ apud Rhodios Tlepoleniia (s Wassner). Auf Mangaia 
wird bei den Agonen oder Leichenfesten gekämpft, zur Vertreibung der Luftdämonen (wie 
bei den Pruzzi ein8t\ 

51) Neben dem (beim Pflanzen der Yam verehrten) Gotte Yona (blind und taub) findet 
sich auf Bauro (der Salomon) die Klasse der Ataro genannten Götter (aus den Seelen der 
Yomehmen). Silvanus (luporum exactor wurde angerufen als sanctissime pastor (magne 
deus). Eustathius memorat in Diispoli, quae Aegyptia est civitas, esse Jovis templum 
maximum, unde Aethiopes Jovis et aliorum deorum simulacra accipientes certo quodam 
tempore universam Libyam circumire per duodecim dies continuos, quia tot sint apud 
ipsos dii (s. Uildebrand). In Fiji wurde auf einem Baum zum Kalou-ni-lani für fruchtbares 
Wetter gebetet (beim Fest). B*^i der Yams-Emte flüchten die Frauen (die wegen Untreue 
erkannt zu werden fürchten), wenn die mit grossen Hüten Vermummten aus dem Versteck 
hervorbrechen (auf Valua und MallicoUo). Hod (cech) oder God (russisch) bezeichnet eine 
„festgesetzte Zeit", einen „Termin", einen „hohen Festtag", und eine „Mahlzeit" (s. Lippert). 
In Westfalen wird eine „de Aule" („der Alte") genannte Puppe bei der Ernte geschmückt 
hereingebracht (s. Kuhn). Mars pater, te precor, quaesoque, uti sies volens, propitiis 
(agrum lustrare sie oportet) unter Opfern (wird von Cato beschrieben). Den Maori hilft 
der kriegerischen Tu beim Pflanzen. „Wenn ein Mehlthau sich auf das Eom legte, so war 
der Geist der Kömer erzürnt, und wenn die Biber scheu und schwer zu fangen waren, so 
lag die Ursache dann, dass sie sich beleidigt fühlten, weil die Knochen eines ihrer Basse 
den Hunden vorgeworfen waren" (bei den Indianern). Das auf den Aeckem übrig gelassene 
Aehrenbündel heisst Fru Gode (in der Priegnitz) oder Guode (Gwode oder Wodan). Die 
am heiligen Abend (in Galizien) an den Ecken der Häuser aufgestellten Garben heissen 
Dzjady (Ahnen oder Grossväter) der Todten (s. Hanusch). Als an Frey's Grabhügel eine 
Oeffnung gelassen war (mit drei Fenstern), da blieb Fruchtbarkeit und Frieden im Lande 
(nach der Ynglingasaga), und beim Bau von Kirchen wurde am Dache eine Oeffnung ge- 
lassen für den Ein- und Ausgang Gottes (s. Grimm), wie ein Loch für die Seele (auch an 
den Gräbern in Madagascar). Den Charakter des das ganze Volk vertretenden Priester- 
thums bezeichnet Xiji(k Ugtia (s. K. F. Herrmann) , und die Priesterkönige hatten beim 
Einstehen für das Wohl des Ganzen ihr eigenes Leben manchmal (wie in Schweden auch) 
zu riskiren (gleich den Regenmachern Aüika's). Das Fest der Isis fiel ursprünglich mit dem 
kürzesten Tage zusammen (s. Geminus). Zur Bezwingung des Wintermachers (neben dem 
Sommermacher) werfen die Indianer Feuerbrände in die Luft (s. Parkman). Nach dem 
Winteraustragen wird um's Feuer getanzt [am Johannistag UvS.w.). In dem götterlosen Monat 
verlassen die Gottgeister ihre Tempel (in Japan), um dem himmlischen Dairi (Tensio-dai- 
Sin) Verehrung zu bringen (s. Kämpfer), und im guineaischen Afrika wo im äthiopischen 
die Götter speisten) hört man es bei ihrem Zurückkommen rauschen (beim Wiedereinzug 
in die Tempel). Fange Ungeziefer, Mäuse, Unkraut frisches, Spinnen zahlreiche; bitte Ra 
um Wärme, Wind, Wasser hohes (bei Ahmest, in dualistischer Vertilgung des Schädlichen 
(für erwünschte Wohlthaten). They say, they never saw the common flea, tili it was in- 
troduced by the white man, and the accuracy of this assertion seems to be vouched for by 
the fact, that they have no name for it. Nor did they ever see the white louse until they 
came in contact with the white man, previous to which the native louse was black, but 
foretokening the destiny of the aborigines, the latter insect has disappeared and the white 
louse is now the only kind amongst them (s. Dawson) in Australien (1883). „Der Teufel 
habe ihm dies Ampt geben und auferlegt, dass er habe flöe machen müssen", gesteht 
Michael Schmitt (in den fränkischen Hexenprozessen). Johann Moll, um keinen Schaden 
zu thun, hatte sich „mit dem Teufel abgekauft, und ihm einen Daler geben" (Margarethe 
Cremerin „einen halben Reichsdaler"). 

52) Als der Leichnam des Melikertes (Sohn der Ino, die sich bei Verfolgung in das 



Digitized by 



Google 



45 

Meer gestürzt) an der Küste anschwemmte, setzte sein Onkel Sisyphos (auf Gebot der 
Nereiden) die Isthmischen Spiele ein (for Palaimon, dessen Tempel kein Meineidiger be- 
treten durfte). 

63) Als Opheltes (Sohn des Lycurg) bei Entfernung seiner Amme durch eine Schlange 
getddtet, opferten ihm die gegen Theben ziehenden Fürsten (auf Amphiaraus' Anweisung), 
als Archemorus (Vorgänger im Tode) in den nemeischen Spielen (zu seinen Ehren). 

54) Amongst the Kowpoee tribe of Nagas, a murdered man's soul perceives that of 
his murderer in the spirit world and makes him his slave (s. F3rtche). Als der Missionar 
Crej auf San Christobal starb, „les Pia ne voulurent jamais consentir h ce qu^on Tinhumät 
chez ejix, la raison qu'ils en donn^rent est que son Ataro (esprit) n^ayant tu6 personne 
durant sa vie, tuerait infailliblement beaucoup de monde apres sa mort (s. VerguetV Statt 
Trauer (über den Tod seines Sohnes) spricht Egil Skallagrimsson Zorn und Unwillen aus 
im Gedicht Sonartorrek und Erbitterung, dass er sich nicht an den Göttern rächen kann, 
wie er dies an Menschen gethan haben würde, hätten diese ihm den Verlust zugefugt (s. 
Hom), und bei den Naga wird der Todtengott herausgefordert (wie auf Sumba). Auf 
Mangaia entreisst Eneene seine Frau Kura der Macht Marama's (in der Unterwelt). Der 
Creist des zuerst Erschlagenen (in Australien) geht in den Leib über, als Woorie, warnend 
(durch Kratzen oder Kitzeln) bei der Leber wohnend (s. Oldfield), und so der Alastor (auch 
in Guiana). Die Thraker schössen bei Donner und Blitz mit Pfeilen gegen den Himmel, 
dnfilivii. n^ »no(bei Herod.). Dii immortales hominibus irasci et succensere consuevernnt 
(s. Cicero). Gott kann in Harnisch gebracht werden (XVII. Jahrb.), dass „er mit Fäusten 
darein schmeissen wird** (s Grimm\ Die Arkader (wenn beutelos auf der Jagd) geisselten 
Pan (s. Theocrit) mit Meerschilfen (ftxUXatf). Die vom Zauberer (der Indianer) zu sich 
beschiedenen Seelen der Feinde erscheinen in Gestalt von Steinen (blutend, wenn ver- 
wundet). La pfez es la festo de Toussans, 6 la ghöro la festo das Morts. Tectis exeat 
umbra suis. Auf Ruk wird an dem Rohrzaun des Grabes ein Feuer gebrannt, damit die 
8eele sich wärmen könne (s. Beina), wie man in Tirol den Ofen dafür heizt (am AUer- 
seelenfest). Uvq tlt^ai arotxfioy xal nvQog a,uoißrjr ra navia aoaitoofi rfal Tivxptotjfi ta 
yiroßiera (Laert. Diog.). Als Soarojitchi ist das Feuer Sohn des Svarogu oder Himmels- 
gottes (bei den Slaven). Die Seelen werden im Fenerstrom Dinur gereinigt (im Talmud). 
Die Abenaquis wahrsagten durch Pyromantie (in Beobachtimg des Feuerlaufs nach An- 
zündung von Holzpulver). Beim Verbrennen der Leiche (in Indien) wird das Auge der 
Sonne empfohlen, der Athem dem Wind, die Glieder der Erde (water and plants, whence 
they have been derived), wogegen der ungebome Theil an Agni, mit seiner Hitze zu regen 
und „convey it to the world of the righteous** (s. Hunter). Die Feuerkraft (Heraklit's) 
durchdringt hei den Maori (in Rehua). 

66) The Aborigines believe every adult as a wraith, or likeness of himself, which is 
not visible to anyone but himself, and visible to him only before his premature death, if 
be is to die from the bite of a snake, he sees his wraith in the sun, but in this case it 
appears in the form of an emu (Dawson). Larvas esse dicit Lares, quasi quosdam genios 
effunctorum animas (Varro). Larvas ex hominibus factos daemones ajunt (s. Isidor.). Ex 
Lemuribus qui posteriorum morum curam sortitus placato et quieto numine domum possi- 
det, Lar dicitur familiaris (s. Apul.). Gleich dem „Aufhuckein" (in der Pfalz) der Druden 
(und dem Huckepack tragen), muss der Wittwe die Seele ihres Mannes abgewaschen 
werden (in Congo). Da für die Entbindung seiner Seele Messen gelesen, konnte der Todt- 
geglanbte (ohne „literas solut^rias" an sich zu tragen) nicht gebunden werden (s. Beda). 
Wenn einmal die Lamnia (in der Daubri am Pamassos), glaubt man in Arochoba, den 
„Sohn des Ersten im Dorfe bekommen hätte, sie nachher keinen Andern mehr essen würde** 
(8. B. Schmidt). Das Fleisch des durch Ertrinken oder Erfrieren Verstorbenen wurde für 
die Geister des Wassers und der Luft verbrannt (bei den Huronen). Menedemus (fgtyyvot 
arnlaßtoy ax^un) wanderte umher als {iniaxonoi /| aöov), wie der Schwarze Mann der 
Feuerländer. Ma Loan sind die Geister der in den Revolutionen getödteten Soldaten, die 
man flüstern hört (in Tongking). 

66) Atisken (Seele) bezeichnet (bei den Irokesen) das drinnen im Knochen (Esken). 
In an Athapanan dialect bone is yani, soul is i-yani (s. Dorman). Die Seele wird (in 



Digitized by 



Google 



46 

Siebenbürgen) gedacht als „ein weisses unkörperlichs und unfdnnlichs Wesen*' (Hamruden) 
oder ein Geist mit einem Leintuch umfangen (Alzen), auch (in Rosenau) als Hauch (golem) 
oder (in Bogeschdorf) als Schatten (s. Schuller). Von den Seelen (der Indianer) „one goes 
to the land of spirits, one goes in the air, one remains about the corpse and one stays in the 
village** (8. Prescott). Die Seele der (arabischen) Nefech (als Hauch) ist Njawa oder Djiwa 
(im MaL). Der Apostel schildert, „wie die Seele Christi aus dem am Kreuz so eben ge- 
storbenen Leibe herausgehend, und sogleich nach ihren Todesleiden wieder lebendig ge- 
macht und mit neuem Leben erfüllt, nun auch nach dem Tode dem Menschen gleich wird, 
indem Er in seinem geisterhaften Zustande, wie alle gestorbenen Menschen, hinabgeht in 
die Unterwelt**, lehrt Pastor Mühe (1881). The Andamanese do not regard their shadows, 
but their reflections (in any mirror) as their souls (s. Mann). Die Seele (ha) wird ideo- 
graphisch durch den Vogel (Reiher mit Menschengesicht bezeichnet. Manias dicunt ficta 
qnaedam ex farina in hominum figuras, quia turpes fiant quas alii maniolas Yocant; Ma- 
mas autem, quas nutrices minitentur pueris paroulis esse larvas id est manes, quos deos 
deasque putabant quosque ab inferis ad snperos emanare credebant (s. Fest), e/ ii9t$ t» 
^vlfi %a%t¥ ahtoy, avtti yag xai lov ^v xaX tov ^vtjaxfiy dila ylvtiaiy top /ukv ^r, 
nagovaa^ jov Sk &rjjakiiy, x^QiCofdiyii Joy atafiotttiy (Sext Greg.). Atamai, esprit, &me, 
intelligence; Agaga, esprit, revenant; Aitu, g^nie, esprit m^chant (o le fale Aitua); Atua, dien 
(atu, etre efifraije). Auf der Stele des Ptahmes wird für die Seele der Mutter ^u Osiris 
gebetet, dass sie über dem Grabe flatternd, den Morgenstern begrüssen möge. In den 
arabischen Liedern der Hamaza sitzt die Seele als Vogel auf dem Grabe (wie sie bei den 
Czechen, als Vogel, durch die Zweige hüpft . Geist (altfr. g&st), ande (schw.), aand ;d&n.), 
nur in der Bedeutung „Gespenst*" entlehnt, dän. „geist" (s. Hildebrand). Alz ein kint 
lebende wirt, so giuzet im der engel die seele in (bei Berthold von Regensburg\ und Mawu 
bei Eweer ans der Seelenheim ath). Omnem animam apud inferos sequestrari in diem 
domini (s. Tertullian). Entre os Brames e os Balantas o cadaver nunca sae pela porta 
on pela janella, abre-se uma brecha na parede e por ahi sde o finado (De Barros). In der 
Wetterau werden die Fenster geöflEnet zum Hinausfliegen der Seele (als weisses Wölkchen 
in Tirol). Wangi, welriekend, geurig; Djiwa, ziel, leven, gelief de; Njawa, leven, adem, ziel, 
geest; Bangsa, geslacht, afkomst, familie, bloed; Djawi, moedertaal, onvermengd, inheemsch; 
Djawi-djawi, Waringenboom (pohon waringin) ; Roehh, geest; Sorga (soerga) geesten wereld, 
hemel (swarga). Die guten Seelen verwandeln sich auf Taka-ama-ka-wara (Hochebene des 
Himmels) in (wohlthätige) Kami, w&hrend die Bösen nach Nenokuni (Reich der Wurzeln) 
gelangen vin Japan). 

57) Der Hades ist festverschliessend {nvXnQrric)^ wie Chayher^s (auf den Mariannen), 
als Kerker (für unruhige Seelengeister). Rindfleisch sah im Tempel ^zu Jerusalem) .eine 
Capelle, die ist ein wenig unter der Erden, das ist der Kercker und Gefengniss, da unser 
HerrGott ein gelegen die Nacht** (1492). Die eigentlich dunkle Tiefe, welche das Todten- 
reich bildet, wird durch to fQtßoi bezeichnet (s. Teuffei,, als mundus in orcus (für viscera 
terrae). Der Cilicler ehrte fous iy knnidffitXtviriattyjaq (als gewaltsamen Todes) und so 
bei ihnen mithraische Weihen (im Fortbildungsweg der Mysterien). Die Unterwelt 
(Umatmas) liegt im Westen (auf Aneiteum). Lothia beherrscht die Unterwelt (in Lakemba). 
Auf Niue bildet Maui die Unterwelt (gegenüber von Sina). Salatau (am Eingang der 
Unterwelt Cacinatoto sitzend) schlägt die Eintretenden mit der Keule auf den Kopf (in 
Vateh). Die Höllenstrafen zerfallen in die poena sensus und in die poena damni, auch 
die gefallenen Engel werden die sinnlichen Strafen erdulden (s. Gams). Nachdem die 
Seele eine „Million Jahre" gefallen, „tiefer und tiefer** im Abgrund der Hölle, ist sie dem 
Boden noch nicht näher, weil bodenlos (nach Spurgeon), und so werden beim Niedersinken 
im Reinga die Seelen schwächer und schwächer (als afitv^va xanriya), Sarameyas führt 
die Seelen (in den Vedas). Als beim grossen Todtenfest der Huronen die (abgeschabten) 
Knochen (oder Leichen jüngst Verstorbener) nach Ossossane gebracht wurden, fanden die 
Trauerfestspiele statt, bei welchen die jungen Männer und Frauen mit dem Bogen schössen 
und in anderen Künsten wetteiferten, um die von den Trauernden im Namen ihrer ver- 
storbenen Verwandten ausgesetzten Preise zu gewinnen** (zu Bröbeuf's Zeit). Die als 
Trauerfest zu Ehren des Archemoros begründeten Nemeen wurden von Herakles für Zeus 



Digitized by 



Google 



47_ 

geordnet (im heiligen Hain). Statt des Melikerthes oder Palaemon (dem die Isthmien ge- 
feiert wurden), wurde Poseidon von Theseus eingesetzt (in der Sommersonnwende'. Nach 
dem heiligen Kriege wurde (auf Bestimmung der Amphictyonen) bei der pentaeterischen Feier 
(der Pythien) dem musischen Agon noch gymnische Agonen und Rosswettk&rapfe zu- 
gefugt (für Apollo's Besiegung des Drachen). Bustuarii (des Grabes) in honorem defuncti 
digladiabantur (als Gladiatoren). Herakles wird naXat/Ätoy (Ringer genannt, weil er mit 
Zeus gerungen (wie Jakob). Auf den Umzug um das Grabmal des Neoptolemos folgt die 
ololoyi (bei penteterischer Prozession;. Lelo-il-Lelo (Lelo todt Lelo) wird bei den Basken 
gesungen (im Anschluss an die Ermordung). Die von Pelops (in dessen Temenos ein 
Schulterblatt und andere Gebeine bewahrt wurden) gestifteten Olympien wurden (bei einer 
Seuche) von Iphitus (auf delphischen Rath) erneuert (zu Ehren des Herakles). Neben der 
Unterwelt (oder Mbulu) findet sich, als Ort sinnlicher Vergnügungen für die Todten, 
Mburotu (auf Fiji\ Die gewaltsamen Todes Sterbenden fielen in Chassi's Gewalt, ij^ die 
Unterwelt oder Zazarraguan (während die andereü Seelen süsse Früchte assen). Am Grabe 
desjenigen, „que vino del Paraiso con otros tres", in Mindanao (mit seinem Netz in den 
Bergen fischend) errichteten die Bekehrten ein Mausoleum, plantando a sus pies la Singular 
fruta, que llaman del Bey, unica en este Archipielago , de que no comia sino es 61, y por 
religion se davan las cascaras a los demas (Combes). Den ol xorat (ol iytgSsr ^(o() stehen 
ol ayto gegenüber (als ovgavioi). Mercurius superum et inferum commeator (s. Apulej.). 
Die in den Mond aufgenommenen Menschen (auf Palau) nähren sich von einem Orangen- 
baum (s. Kubary), auf den Antillen von den Früchten (dortigen Paradieses). 

58) Das rjlvaioy lag im Westen (im nächtlichen Dunkel), der Weg dahin lief schief 
unter der oberen Fläche der Erde hinunter (s. Richter), dann als (glückselige) Inseln (im 
Ocean). rjlvaoy (s. Hesych) od Ivatoy^ ^nov ov Stakvoyia^ dno twv otoftdtaty al tpvxai 
(qnod ibi animae a corporibus non dissolvantur). xtxfQavyotfÄfyoy x^Qioy ri nelioy (als 
aßaray, als iytilvata (ro *araaxr)(pf^iv ;^a)p/oF). Menelaos wird bei lebendigem Leibe ent- 
rückt (zum Fortleben). Wie Achilleus und Diomedes wird Harmadios in die Inseln der 
Seeligen versetzt (bei Eallistratos). h ^Hkvoiov ntHoy xttl mCgma yairn (^Af^avaioi niß^ 
(povaiv). Die Offenbarung Johannes thut kund, dass mehrere Räume und Bleibstätten für 
die verstorbenen Menschen bereitet sind; sie nennt drei für die Seligen (Himmel, Paradies 
und Meer) und drei für die Unseligen (Tod, Hölle und Feuerpfuhl) 1881 (s. Mühe). Neque 
enim omnes heroes iam in Orco habitabant sicut apud Homerum, sed nonnulli in beatorum 
insulas txaducti erant, id quod imprimis de Achille notum est. Quem post mortem a matre 
Thetide in Leuca insula coUocatum esse Arctinus in Aethiopide, autiquissimo carmine 
cyclico, finxit (s. Wassner). „Im tausendjährigen Reich wird ein ganzes fleischliches irdi- 
sches Leben sejn, alle Früchte werden reichlich wachsen, viel Kinder kann da jeder Vater 
haben, viel Wein werden sie haben, aber keine Sünde, denn der Teufel ist weg und ge- 
bunden*', lehrte (1860) Hebich, Senior der Basler Mission (in Indien). Die in den Sinnes- 
himmeln der Buddhisten durch Händedruck oder Zulächeln statthabende Begattung fällt 
auf den höheren Terassen fort (für Coenobiten). Thüren dürfen nicht zugeschlagen werden, 
sonst wird die Himmelsthür zugeschlagen (in Schlesien), während (in Westfalen: man da- 
durch die Seelen „klemmt" (s. Wuttke). Jäger (der Huronen) kamen zuweilen in die Nähe 
des Himmels, wo die Seelen (beim Schall der Rasseln und Trommeln) im Beisein von 
Ataentsic und Jouskeha tanzten (s. Parkman). Missionäre auf östKchen Reisen waren dem 
Paradies (bei seinen Flüssen) so nahe, um das Singen der Psalmen zu hören (im Mittel- 
alter). Die Alfuren (auf Halmaheira) entnehmen ihre Augurien aus den Stimmen der Vögel 
und deren Gesang (wie die Azteken u. s. w.). 

59) Wenn die Türken in dem Haus des Ananias (das sie den Christen entrissen hatten) 
bei Nacht beten woUten, „ist aUewege ein Christ in der Gestalt eines alten Mannes kom- 
men, und sie wurden mit einem Prügel daraus getrieben'' (s. Rauter). Dass der Teufel 
bei dem lutherischen Prediger Döner (1584 zur Beichte gegangen (ihn zu schrecken und 
lästern) ist (nach Pastor Becker) eine „historische Wahrheit (1870). In der Epiphanias- 
Nacht (giperahta-naht oder leuchtende Nacht) oder Perchtentag (Perchtennaht) wandern 
wohhhätig die Götter über die Erde (als magische Könige). Wenn Jouskeha (Korn für 
Ernte aufziehend) als dürres Gerippe erscheint (mit Kolben vertrockneten Korns in der Hand) 
folgt Hnngersnoth (bei den Algonquin). 



Digitized by 



Google 



48_ 

60) Seelen todtgebomer Kinder kommen zur heiligen Anna (bei den Czecben). Der 
Kobold ist Geist eines ungetauft gestorbenen Kindes (im Voigtland). Die Seelen unge- 
taufter Kinder kommen in den limbus infantum (bei den Katholiken) Als ruhelos schau- 
keln die Mafki (Seelen ungetauft verstorbener Kinder) auf Weiden und Rohr am Wasser 
(bei den Preussen). Die „Ammenfräulein" sind zu examiniren, ob sie „formam baptismi* 
wissen (für die Jachtaufe). Die Hebamme hatte (zu Plato's Zeit) zu bestinmien, ob das 
Geborene wirklich ein Kind sei oder nicht {dif^'^iva oder (T^tolft), etwa Kielkropf (zu 
Luthers Zeiten). • Die Angleridut genannte Seelen (bei der Geburt getodtete Kinder) hängen 
sich den Jagdthieren an den Kopf (bei den Eskimo). Zu Esperanza (in Santa Fe) wird 
(beim Tode kleiner Kinder) getanzt (nach Söchting). In Bayern wird der Tod eines kleinen 
Kindes lachend angesagt (s. Ploss), als schöner Engel (in Schwaben), dem ein Tanzfest 
gefeiert wird (in Peru). Die Indianer (in Mexiko) feiern den Tod von Kindern unter 
7 Jahren als ein Fest (s. Sartorius). Wird die Nachgeburt in Norwegen mit einem Messer 
durchstochen, so entsteht daraus der grUulich schreiende Unhold ütbor, der der Mutter 
nachstellt (bei Liebrecht) Nach der Einbildung der Mutter gestaltet sich das Kind im 
Mutterleibe (s. Plutarch), und die Seele nach dem Vater (in der Couvade). In Folge der 
Geburt von Zwillingen ist (bei den Ovaherero) das Eltempaar heilig (ve zera), und das 
Zwillingskind hat alle priesterlichen Vorrechte (s. Dannett). So oft ein Kind stirbt (in 
Mecklenburg) verfertigt Gott einen neuen Stern zum Spielen (s. Ploss). Aus den letzten Krumen 
des Teiges knetet (in Tirol) die Hausfrau die „Gott** genannte Figur (s. Zingerle), wie 
sonst einen Eber (bei nordischen Opferfesten). Guda sind Abgötter (bei ülfilas) oder (mhd.) 
apcot (gud oder Gott), sfdvjla wird (bei ülfilas) übersetzt als Galiuga (figmenta). „Die 
in einem kindlichen Alter ohne Taufe dahingeschiedenen Seelen befinden sich nun zwar 
nicht in der eigentlichen Hölle, wohl aber gleichsam am Saume, am Rande derselben", in 
Limbus infantum, (als infemus parvulorum oder renatorum); der jetzt leer stehende 
Limbus patrum trägt auch den Namen der VorhöUe, „könnte aber auch Vorhinunel 
heissen'' (s. Fuchs . Die für den Marsch in das Jenseits zu schwachen Seelen der Alten 
und Kinder schweifen in der Nähe der Dörfer (bei den Indianern), „wo die Lebenden 
häufig das Schliessen ihrer unsichtbaren Hüttenthüren und die schwachen Stimmen der 
körperlosen Kinder die Vögel von ihren Kornfeldern wegtreiben hören" (s. Parkmann). In 
Siam vertheilen sich die vier Seelen (zwischen Haus, Kloster, Grab und Wald). 

61) Dans TAnnam on coupe le corps du mort-n^ en trois parts ; die Con-Ranh oder Con 
Lon werden mit dem magischen Messer Hung-dao's getheilt (s. Landes). Beim Bekleiden der 
Leiche herrschte der Brauch (In Mindanao) que los hijos j parientes cercanos cada qual 
le vista una pieza de gasa 6 de sinampuli (s. Combes). Quand ils ont ras^ tous les.poils 
du cadavre, ils les fönt bruler et meler les cendres avec de la graisse de p^rc ou de chien 
et les rassemblent dans un plat, au-dessus duquel ils tiennent pendant des heures entieres 
une petite coquille, suspendue au bout d'un fil (s. Verguet), und dieselben mit Kraft durch- 
dringend (auf San Christoval). It is a very common custom for the tribe, or that portion of 
it, who are related to one who has died, to rub themselves with the moisture that comes from 
the dead fried (in Australien). Nach Tödtung oder Berührung von Leichen reinigen 
sich die Dacotah durch ein Dampfbad (die Krieger in Madagascar nach einer Schlacht im 
Flusse). Hs regardent comme souillee la terre, oü est enseveli un mort (auf San Christo- 
val), wie im Parsismus (bei Elementar- Verehrung). Im Tanz um den Todten (den ein an 
seinem Halsschmuck angeknüpfter Strick mit einem Baum verbindet) lassen die Saccha, 
durch Messerschläge die Hütte darüber zusammenfallen (s. Wiener). Die Haidah ver- 
brannten die Leiche (in Port Townsend). If they buried it in a stränge land, their enemies 
would dig it up and make charms with It to destroy the Haida-Tribe (s. Swan). Bei den 
Bithyniem wurden die Todtenseelen zum Mahl eingeladen (s. Arrian). Tamä-te-kapua 
beauftragte seinen Sohn Tuhoro bei Zerfall des Körper's den Papa-toiake auszugraben (als 
rabbinischen Knochen. Da Gesundheit von der Reinlichkeit der Gebeine (der verstorbenen 
Verwandten abhängt) werden diese bei Krankheitsfällen ausgegraben und gewaschen (unter 
den Luh-Nzeh-tsze). Im Heroum ihres noxriy^rrit: gössen die Phokier täglich Blut durch 
ein Loch in's Grab hinab (s. Pausanias) wie die Duphla (am Bonny u. s w ). Beim Leichen- 
begängniss in Siebenbürgen wird der „Seelenpuls" (eine Viertelstunde lang) geläutet (s. 



Digitized by 



Google 



49 

Fronias). Auf dem Begr&bnissplatz an der Speelmannsbay sitzt ein Holzvogel, als Bild 
der Seele (wie diese in Böhmen als Vogel in den Zweigen huscht). Die Proanimati (oder 
animatores) traten, als „Seelgeräth", an die Stelle der Gefolgsklagen, die früher mit dem 
Herrn begraben oder verbrannt waren (s. Lippert). In Neu-Caledonien werden die Alten, 
nach einem Familienrath, lebendig begraben (s. Verguet), wie auf Fiji u. s. w. Bei den 
Nyellem wird ein Knabe oder Mädchen mitbegraben (um die Fliegen abzuhalten). Bei der 
Begräbnissfeierlichkeit Lord Palmerston^s wurden goldene und diamantene Ringe in's Grab 
geworfen (1865). Den Todten wurde rd yofnCofifya dargebracht (s. Jsaeus). Den Todten 
wurden die Füsse gewaschen, mit gereinigten Füssen aufwärts zu gehen (in den Vedas), 
wie sonst Schuhe angezogen (oder Mocassin). Die Knochen der in geschmückten Särgen 
ausgesetzten Todten werden (nach Verfaulen des Fleisches) im Begräbnissplatz beigesetzt 
(auf den Salomon). Les morts sont diversement trait^s suivant les tribus. Les unes brülent 
le cadavre en incendiant la case oü il est döpos^; les autres, de beaucoup les plus nom- 
breuses, les enterrent le plus souvent dans des fourr^s impön^trables, assez loin de leurs 
cases „pour que le mort ne puisse entendre le chant du coq^ (s. Montano), auf der Halb- 
insel Malacca (bei den Eingeborenen). Die Attiwandaron stellten die von Fleisch abge- 
schabten Knochen der Leichen reihenweis an den Wänden auf (als Nachbarn der Tionon- 
tates). 

62) Die Seelen der Menschen zogen auf der Milchstrasse fort, die der Hunde durch 
die „Weg der Hunde" bezeichneten Sternbilder (bei den Huronen). Die Milchstrasse heisst 
Weg der Vögel (in Litthauen), beim Umherflattern der Seelen, als Vögel (nach den Slaven), 
Flusieurs nations de TAm^rique ne donnent point d^autre nom k la Voye Lact^e, que 
celui de chemin des Ames (s. Lafitau), le chemin de S. Jacques (in Frankreich) unter Pluto 
(als am Zodiacus das Himmelsthor öffnend). 

63) „Geschickte Jäger und brave Krieger, Männer von Einfluss und Bedeutung gingen 
nach dem Tode in die himmlischen Jagdgr^de ein; während die Trägen, die Feigen und 
die Schwachen dazu verurtheilt waren, in öden Gegenden der Dunkelheit und der Finster- 
niss Schlangen und Asche zu essen. Der allgemeine Glaube war aber der, dass es für 
alle gemeinschaftlich nur ein Land der Schatten gebe. Die Geister, welche in Gestalt und 
(Gesichtszügen dieselben blieben, welche sie im Leben gewesen waren, wanderten durch 
dunkle Wälder in die Dörfer der Todten, und fristeten ihr Leben durch Binde und ver- 
rottetes Holz. Nach ihrer Ankunft sassen sie den ganzen Tag in der zusammengehockten 
Stellung von Kranken und jagten, wenn die Nacht einbrach, die Schatten von Thieren mit 
den Schatten von Bögen und Pfeilen unter den Schatten von Bäumen und Felsen, denn 
alle Dinge, sowohl die leblosen wie die lebendigen, waren in gleicher Weise unsterblich 
und alle gingen in das düstere Land der Todten ein*" (bei den Indianern). Paulus unter- 
scheidet (wie Ezechiel und Henoch) in dem zukünftigen Aeon zwei Perioden, die des König- 
thums Christi mit den auferstandenen Gläubigen, worin alle Feinde vernichtet werden, und 
die der Alleinherrschaft Gottes, welcher die Auferstehung der Ungläubigen und ein allge- 
meines Gericht Christi voraufgeht (s. Wittichen). . Die meisten Ueberliefenmgen stimmen 
darin überein, dass die Geister auf ihrem Wege nach dem Himmel grosse Schwierigkeiten 
und Fährlichkeiten zu überwinden hatten. Da gab es einen reissenden Strom, welcher auf 
einem unter ihren Füssen schwankenden Baumstamme passirt werden musste, während ein 
wilder Hund ihnen den Weg versperrte und viele in den Abgrund trieb. Dieser Fluss 
wimmelte von Stören und anderen Fischen, welche die Geister zu ihrem Unterhalt spiessten. 
Jenseits war ein schmaler Pfad, welcher sich durch bewegliche zusammenkrachende Felsen 
wand. Die weniger geschickten Pilger, welche hier durchzukommen suchten, liefen Ge- 
fahr, zu Atomen gerieben zu werden. Die Huronen glaubten, dass eine Persönlichkeit, 
Namens Osco tarach, oder der Hauptdurchbohrer, in einem Haus aus Rinde neben dem 
Pfade wohne und dass es sein Geschäft sei, das Gehirn aus den Köpfen aller Vorüber- 
gehenden als nothwendige Vorbereitung zur Unsterblichkeit herauszunehmen. Diese An- 
sicht findet sich ebenfalls in einigen Algonquin'schen Sagen, nach welchen jedoch das 
Gehirn später seinen Besitzern zurückgegeben wurde"* (s. Parkman). Nach Kuang-tsin haben 
die Christen ihre Erzählungen über Himmel und Hölle einem Abwurf des Buddhismus ent- 
nommen, obwohl diesen dennoch angreifend (1665 p. d.). Zur Erleichterung des Verhörs 

Bastiao, Archipelago. I. 4 



Digitized by 



Google 



50 

(in Franken) waren Fragen entworfen, welche man den der Hexerei verdächtigen Personen 
znr Beantwortung vorlegte (s. Jäger) als leitende (für die psychische Epidemie). Als Pater 
Adam (Tam-jo-vam) wegen einer erkrankten Hofdame in Peking) consultirt wurde, gab 
er ^eine wächserne Agnus-dei-Tafel, welche man zur Zeit, wenn die Krankheit sich stärker 
äussern würde, auflegen soUe^ (1651). Die (von Asoka angeordneten) Aufseher (der Mo- 
ralität) hiessen imaxonoi (hei Arr.) oder fq>o^oi (hei Strabo). 

64) Also wenn die menschen sterbend, so far die Sei durch das wasser (1456 p. d.), 
und (ähnlich den Geisterböten der Nicobaren) begruben die Scandinavier im Schiff (oder 
deren Steinsetzung). 

65) Die Bghais verehren »stones as household gods, to which blood oflferings of a cock 
are made (if they do not give them blood to eat, they will eat them). Die Lieukien 
opfern vor Steinen* (nach de Mailla). Der Sonne wurde ein weisser Hund als Opfer an 
aufrechter Stange gebunden (bei den Indianern). Auf dem Stein der Insel Balabio ein 
Neu-Caledonien) wird die Seele von der Gottheit gerichtet s. Viard), In Coveay wurden 
Kristallsteinchen verehrt (und so von den zur Sierra Peru's Hinaufkommenden, wie sonst 
als Fetische). In der Capelle auf dem Oelberg „auff der erden findet man den rechten 
fus unseres Herrn in einen hartten stein getretten, da er ist gen Himmel gefaren, und ist 
umb macht mit einem eisen, das niemandt kan davon stehlen noch abschlahen'' (s. Peter 
Rindfleisch), gleich Fusstapfen Buddha^s (QuetzcoalatPs, Bochica's u. s. w ). Meotod (bei 
Angels.) oder Metod (nach Hei.), als miötudr (Saem.) „scheint creator zu bedeuten" (s. 
Grimm). Als .grand lievre* (s. Charlevoix) oder grosser Hase herrscht Manäbozho (Messou 
oder Michabou) als Nanalush über alle Thiergeschlechter (in Verwandlungen erscheinend), 
als grosser Geist (oder Manitu), von dem Westwind und einer Urenkelin des Mondes stam- 
mend (s. Parkman). Tama, als Erster Mensch, geht zur Unsterblichkeit ein, den Weg 
dahin entdeckend (mit zwei Hunden). Der „Erste Mensch" ist auf dem Todespfad voran- 
gegangen (bei den Indianern). Tani war Erster Mensch auf Huahine (nach Tyermann), 
Gott Tane (in Tahiti). 

66) Neben den God-men (Wicaxta Wakan; und den God-dreamer's (Taku Wakan iham- 
nanpi) finden sich (bei den Dacotah) der War-prophet (Zaya- Wakan) und der Renovator 
(Wapicha) unter den „Medieine-men** (s. Pond). Sastarawan, tooveraar; Boewang, verbannen, 
wegjagen; Memboewang sjajthan, geestenbezweerder; flobat, betooveren; Orang hobat, be- 
zweerder Sahir, wichelaar; Orang petenoeng, waarzegger Djimat, talisman; goeloengan tikar, 
spook onder water in eene rivier; Peri en feri, feries (die onzichtbar op aarde verkeeren). Unter 
den Wahrsagern (der Malayen) wird der Arraf für Gestohlenes befragt (s. Grashuis). Ramal 
(arab.) ist (bei den Malayen Zauberei :door stippen of lijnen in het zand of op papier). 
Valo, prophete (pr6dire) in Samoa (s. VioUet). Ola-ola, med den vinger warchouwen (auf 
Temate). In Book wird Nabeao (und Marsaba) verehrt. Nur bejahrte Leute dürfen (in 
Port Praslin) die (geachtete) Heilkunst üben (s. Surville). Die Eambodier tödten durch 
Einsendung einer Ma lai (in Annam). L^homme ainsi atteint enfle, se döcompose et menrt 
(s. Landes). Atque sie vel ipse Medicus interdum fascinum exercere cogitur (Ettmüllerus) 
durch remedia magica (1674). Die als ,Mumia spiritualis" (s. Maxwell) bezeichneten Fäkalien 
werden zu Heilmitteln benutzt (s. Avö-Lallemant), wie die Kothreliquien des Dalai Lama 
(spiritualistisch). Les lois norv^giennes du moyen age prohibent la croyance aux finns, et 
interdisent les voyages dans le Finmark pour interroger les magiciens (s. BeauvoisX Die 
Zauberpriester heissen Sooh-sooh (auf Temate). Die Wetterschau, um bei drohendem Emte- 
mangel vorzubeugen, bildete die Hauptaufgabe der Brahmanen (zu Megasthenes^ Zeit), 
neben den Zag/uayoi Cals gleichfalls Philosophen), und so in Slam, als Hora (neben Talsr 
poinen). Die Labias (como Hermitanos) professan el celibato y se govieman por la ley 
natural (unter den Subanos in den Bergen Mindanao^s). El traje que visten, es en todo 
de muger (s. Combes), und dazu die Analogien, aus America auch (und in zweifelhaften Bil- 
dungen der Bodhisatwa). Als Tane etehia (ite haa) schützt Tane die Eahnbauer und 
Zimmerleute (auf Tahiti), die (in Tonga) dem Schutzgott Tangaroa dienten. Mr. Thomas says 
that he was often Struck with astonishment, when, on approaching a large encampment accu- 
pied by several tribes, he observed, how carefully they had gronped the Miams. Most often 
he could see at once, from the position of any one group, from what part the natives had 



Digitized by 



Google 



51 

coine. The gronps were arranged indeed as if they had been set by compass (s. Smyth), 
wie das templam (römischer Lager). Die eingeborenen Leibeigenen (der Ehond) „snpply 
faniilies of hereditary weavers, blacksmiths, potters, herdsmen ad distillers (s. Hunter). In 
den Collegia (als Priesterthümer des Staates) waren begriffen die Pontifices, als Priester der 
dii patrii oder des Ritus Romanus, die decemviri (oder Quindecimviri) als Priester der dii 
peregrini oder des Ritus Graecus und die Auguren, als Priester römischer divination (s. 
Becker). Zu den Publica (unter den Gentilsacris) werden (neben äen Sacra der gens 
Nantia und Aureiia) die Lupercalia der gens Fabia und Quintilia, sowie die Sacra der Politii 
und Julii gerechnet Zu den CoUegien der Lupecus-Priester, als Fabianer und Quintilianer, 
kamen (zu Ehren Caesar's) die Jnlianer (oder Julier). In der Dampf badhütte tauscheu die 
Grade der Meda, Saugemau und. Ogemau ihre Geheimnisse (als Meda-win-in-ee}. Soda- 
Utas (remm sacrarum causa) Lupercorum (b. Coel.). ttQtvg 6 täi d'valaf ttyani/nTrtjy r^ 
9ttp (a 7aq fv^tti vnkg rjfAtav ngog ^coi/c iv^o^troc). 

67) Unter den Amuletten, und zwar den ^peiyigoeroe" of ^goegoe oelee-kodotti" (Krijgs- 
amulet) bestehen einige „uit een met wonderkruiden, olie en werteis gwuld potje. dat aan 
een met rood katoen overtrokken snoer van stukjes haut hangt. De geest yan den „»Eo- 
hebba^* (gier), die tevens in het potje gebannen is, maakt dat de eigenaar minstens onk- 
wetsbaar wordt. Ook de krokodilientanden („palias), yarkensstaarten enz, zijn wel eens 
penjigoeroe; voor men ten strijde trekt, mag men miet yerzuimen hen te bewierooken. 
Ook heeft men allerlei amuletten tegen ziekte; meestal zijn deze door de tooyenaars ver- 
strekt of door den djin aangegeyen'' (Campen). 

68) Der Specht, als "Agtog ogriQ, weissagt (bei Sabiner) aus dem Walde (im Gehack). 
Der Sperberbaum ist dem Donnergott, als Thor gehörig (s. Schwenk). Durch Abschiessen 
seines Pfeil's (bei den Cri8> entzündet Ayas Feuer (s. Petitot). Der Tjakabele wird als 
Kriegstanz aufgeführt, die bei Tänzen Mafkirten heissen Tjakahiba (bei Alfuren). 

69) Für die Mundyorr&the bei eineip in grösserer Entfernung auszuführenden Kriegs- 
zug, vereinigt sich die (indianische) Gemeinschaft zum Anbau eines Landes (in Brasilien), 
und dann Magazine (bei den Inca). 

70) In den Zeichnungen der Meda-Ceremonie, bei dem Meda-tree (umtanzt mit dem 
Sang: what! my life, my Single tree, we dance around i% the recurved projection from the 
trunk denotes the root that supplies the medicine in mystischer Bindung, wie sonst bei 
den Totem des Thieres). Flaviorum quercus antiqua (bei Sueton) bef&higte die Haruspices 
die Geschicke Vespasian's vorher zu sagen (in sympathischer Verknüpfung', und so bei 
Iphikles, nach Einstossen des Messers in den heiligen Eichbaum (oder bei Meleager in 
Verbrennung des Scheites), auch bei Zaubersprüchen (s. Düringsfeld), und auf dem Camerum- 
gebirge wird mystisch das Leben mit dem Baum verknüpft (wie bei den Bantu das des 
aus dem Zwillingspaar etwa Verstorbenen, zum Besten seiner H&lfte). In Mecklenburg 
schüttet man die Nachgeburt an die Wurzeln eines Baumes, dass das Kind mit dem Baume 
wachse (s. Ploss). Aus Geryon's Blut dicitur arbor nata, quae vergUiarum tempore poma 
in modum cerasi sine ossibus ferat (s. Servius). Beim Abbrechen eines Zweiges (in der 
Unterwelt) hörten sie die Stimme Pietro delle Vigne's (für Dante). Gott Tumbi wird in 
heiligen Hainen verehrt (bei den Marghi). Der Hain des Mahjas kungs wird auf den 
Grundstücken als heilig verehrt (bei den Letten). In que dies magis in mortem succedere 
Silvas cogebant, infraque loccum concedere ritis (s. Lucrez). When the Missouri, in the 
spring-tide freshets, cuts down its banks, and sweeps some tall tree into the current, it 
is Said, that the spirit of -the tree cries, while the roots yet cling to the land, and until the 
tree falls into the water (bei den Hidatsa). Fatum Naidos arbor erat (bei Ovid). ^Afia 
dQvaSfg rvinpat J{ä ro a/na raiQ ögval ytyväodw (bei Mnesimachos), und so bestraft sich 
das Umhauen des der Demeter heiligen Baumes oder im Hain von Thyne). Das Ab- 
hanen eines Baumes, zu dem der Mensch (für Heilung in Krankheit) sympathisch in Ver- 
bindung gebracht ist, wirkt schädigend, und, wenn umgekehrt der Mensch zuerst stirbt, 
geht (auf Rügen) sein Geist in den Baum über, oder wenn derselbe zum Bau eines Schiffes 
verwandt wird, als Schutzgeist (oder Klabautermann) .darin zu wohnen (s. Mannhardt). 
Bei Erneuerung des von Oarangi gefällten Baumes, erscheint derselbe roth, as if ressentinjg 
the treatment it had received, it bled at every pore (s. Gill). Der Kadigbaum bei War- 

4* 



Digitized by 



Google 



52 

dagh war von Kranken mit Tüchern behängt (zn Leopold von Rauter's Zeit). Die (jötter 
der Sontal wohnen besonders in den Sal-B&nmen, oder „the people dance roond eveiy tree, 
so that they may not by chance miss the one, in which the village-spirits happen to dwell^ 
s. Hunter). In Birbhum wird dem im Bel-Baum wohnenden Geist geopfert. Vor den Ein- 
fällen der Baghirmi bot die Flucht auf Bombax-Bäume Schutz (als Festung). 

71) Der in Geistesstörung von der Gottheit Pua Besessene konnte Pua senden, um 
anderen Schaden zu thun (auf Hawaii), im Leibe aufwachsend (als Krankheit). Mit ihrem 
Bruder Kalaipahoa und Kapo aus der Fremde gekommen, einverleibte Göttin Pua sich in 
Bäume (auf Hawaii), wie die Silvane (s. Mannhardt), als Yegetationsgenien des Waldes 
(oder Personificationen von Bäumen). 

72) Für die Ortsgeister werden an abgelegenen Stellen des Waldes kleine Hütten er- 
richtet (auf Halmaheira), dem jedesmaligen Genius loci (auch in Guinea). Lares wird durch 
Ingaumen (huisero aide burgo) übersetzt (s. Grimm), die Ingeside (Ingesinde oder penates), 
wie Husinga (Penaten im Hausgesinde) und Husing oder Stetigot (genius loci). 

73) Die Kami-nusi (Kami Gott, nusi Werth) oder Kanaki genannte Priester stehen 
dem Dienste der Kami vor (in Japan). Jedem Miya steht ein Priester als Kam-nushi 
(Gottesherr) oder Shin-shoku (Gottesgeschäftsmann), unter der Anrede Shin-kwan (Grottes- 
beamter) vor (s. Jimker von Landegg), unter den Jin-gi-kvan-no-kami (in Japan). Der in 
jedem Dorf aus bestimmter Familie gewählte IMester lebt abgesondert in einem Haus der 
Lagune (auf den Ellico). Der Tietaja oder Tietomies (als Wissender) spricht Befehle ans 
in seinen Zaubersprüchen (bei den Finnen), und so die Karakia (der Maori), lebender Ataa 
(auf den Marquesas;. Der Aasgeier bildet die Vision des Medizinmannes (bei den In- 
dianern). Der Dacotah, dem bei Erstem Fasten die Antilope (der Friedensgeist der Nation) 
erschi€{pen, nahm an keinem Kriege Theil. Die Priester helssen Faka-tabu (Vollzieher des 
Heiligen) auf Nakunono (s. Haie). Zur Bekleidung des Priesteramtes war (wie zu anderen 
Aemtem) die Epitimie (bürgerliche Ehrenhaftigkeit) erforderlich (s. Schömann). Als Anti- 
theisten galten servi diaboli (und so nach je orthodoxer Färbung). Die Mancanas benann- 
ten Priester (mit Macht über die Elemente) schafften Gesundheit und reiche Ernte (auf 
den Mariannen). Die Maske der Demeter Kidaria wurde vom Priester in der grossen 
TiXtTrj aufgesetzt (bei Paus.). Den (tödtenden) Zauberer auszumachen, wird die Leiche auf 
den Kopf zweier Träger gelegt, die Füsse nach der Hütte zu wenden (in Baghirmi). Die 
Aegypter unterschieden in der Wahrsagekunst die an den Schatten der Todten gebundene 
Zauberei, und den priesterlichen Verkehr mit den Göttern (s. Heliodor). irjg *A»riyag ?} 
tigita xatä t6 vo^tfxoy fxtlyrjg rrjg rifA4{ing nafonXiav ^x^vaa xal toUoq>oy »gayog i} 
xakXiajri xal ftsyiaiij rdHy nagd^iymg (bei Polyaen). *Ey rate no/nnaig 6 fily Jiovvaov^ b 6h 
StttivQov^ 61 Bnxxov äyildßno oxtjjun (und so die Priesterin der Artemis). Das von 
Micha's Priester verfertigte Götterbild wurde durch die Daniter in Laisch aufgesteUt. 
Neben der Besetzungsart durch Geburt, Wahl oder Loos (bei den Griechen) finden sich 
(in der Priesterschaft) erbliche Rechte (s. K. F. Herrmann). Sacerdos sorte ductus est, ut 
solet fieri quum deest sacerdos certus (s. Virg.). ? ol' ftaytiig tlat &voaxo6i, 17 ho^fg (bei 
Homer). Die Saiotkatta (der Huronen) oder Agotsinnachen (der Irokesen) heissen (als 
Seher) Arendiomanner (von den heiligen Gesängen (oder Agotkon (wegen des Verkehrs mit 
den Geistern). The goldsmiths (in Southern India) claimed to be the true spiritual guides, 
Styling themselves, „Acharyas*" or religious teachers, and wearing the sacred thread; their 
pretensions (cf. Nelson) have given rise to the great division of castes in Madras, into 
the „Right-hand" or the cultivating and trading castus, who supported the Brahmans, and 
the „Left-hand'' chiefly handicraffcs, which sided with the artisan Opposition to Brahman 
supremacy (s. Hunter). So bei Tangaroa's Zimmerleuten (und Pontificen). 

74) The Masai have some notion of God (Engai), as the source of good and a Essatan, 
the source of evil (s. Last), als Sheitan (der Araber) und (in Holantalo) Ibilis (als Iblis). 
Atahocan, als Gottheit, erhielt keine Verehrung (bei den Algonquin), wie (in Africa) Njongmo, 
Mawu u. s. w. Kumarila (Lehrer Sankara Acharya's) predigte den Einen Gott, als Adwaita 
(ohne Zweiten) in der AUgemeinseele (als Verfolger der Buddhisten und Jainisten). Hiona 
bezeichnet Geist oder Gott (s. Verguet) in Bauro imd Gela (der Salomon). Jona ist Gott 
(s.Vergnett) auf Arossi (San Christoval). Jenseits des Himmelsgewölbes ist ^allesvuur, war- 



Digitized by 



Google 



53 

voor de Djohoe-ma-di-hoetoe ter ville van de menschen een wolkenscherm geplaatst heeff* 
(8. Campen), und so "wohnt (bei Maori) Kehua im obersten Himmel des Feaers (als Welt- 
kraft bei Heraklit). Der Alte Vater heisst Bog (bei den Serben), und im Donner grollend 
(baltisch). Segala, alle, elk een iegelijk; Segala bintang, gesternte Segala orang, jedereen 
Segala hantoe, Schimmenrijk; Segala dewa-dewa, geestendom. Llamaban ä Dios Acoran 
(auf Gran Canaria). 

75) Wer mit dem Finger nach dem Himmel zeigt, sticht dem lieben Gott die Augen 
aus oder (in Thüringen) die Engel todt. Das (unter den Song) vom Himmel gefallene Buch 
der Lao-tse-Secte wurde vom Kaiser Tschin-tsing feierlich eingeholt (und so die coelestia 
arma). Hinmiel (ji oder ji-nukum) heisst Mau-me oder Mau-chue (in der Foglie-Sprache 
Dahomey^s), Gott (Se) Mau s. Courdiouz). Der Himmel heisst Nallang (auf Puinipet oder 
Ascension). Himmel heisst oubecou (bei den Cariben), diable (Maboya) oumecou oder Cou- 
loubi (s. Breton). Komtenana (Diable) entspricht (in Tasmanien) dem „grass-tree" (Xan- 
thorrhea). Der Himmel heisst Kennhatera (in Tasmanien) oder Loila (s. Charencey). Die 
Symbole beim Malgoar (Tabu) sind „ManiUas de ferro, busios ou ramos de palmeira" (am 
Gasamanza). Wie die heilige Schüssel, aus Eürbissschale, imd ein geschichtlicher Stein, 
wird das Stammesschwert von dem Priester in Gewahrsam gehalten, für Gebet bei Krank- 
heit oder Unfruchtbarkeit zum höchsten Wesen (bei den Budduma), und ausserdem wird 
eine Fabelschlange in den Wassern des Sees verehrt (s. Nachtigal), und so die von den 
Brahmanen in Kambodia gehüteten Regalien (als Palladien). 

76) De godsdienst der Alfoeren is het animisme, van daar dat zij, over het geheele 
eiland Italmahera heerschende, zoo rijk aan verscheidenheid is, en zieh openbaart in zeer 
verwarde, onvaste en telkens variörende denkbeeiden. Toch gelooven allen aan een Opper- 
rten Geest of God, Djohoe-ma-di-hoetoe (de Heer daar boven) of ook Gikkimooi (Heela- 
of Alvader) genaamd, van wien overigens, wegen zijn bekende goedheid, zeer weinig notitie 
wordt genomen. Ook gelooft men algemeen aan den duivel „Tjakka*^, dan wel aan het 
meervoud daarvan, „booze geesten", waaraan men uit vrees wat meer eer bewijst; dikwijls 
is het onderscheid tusschen tjakka en zwangie zeer onduidelijk; Zwänglers zijn namelijk 
look en soort van booze geesten, die echter dikwijls in gedaanten van menschen op aarde 
en in hun midden vertoeven; slechts een toeval kan hen ontmaskeren. Op deze soort 
volgen de vrij rondzwevende djin's, die het tegenovergestelde van de Zwänglers en eigen- 
lijk een soort van beschermengelen zijn. Vervolgens komen de geesten der afgestorvenen 
aan de beurt, welke men wongie's noemd (s. Campen). The Tii are prayed to for male, 
volent purpos^ only, bnt the Oromatuas sometimes for the recovery of sick persons etc 
.in Tahiti). Die Oromatua wurden durch Federkörbe symbolisirt (als verborgene Götter 
der Palladien), die Tii in Holzfiguren zu Fetisch-Zaubereien (auf Tahiti). 

77) Auf dem Berg Kapogo zeigen Wolken das Dortsein des Gottes an (auf Vanikoro), 
wie auf dem Olymp (bei Homer). Ijidra (the aqueous Vapour) wurde zum höchsten der 
vediachen Götter, as the settlers realized more and more keenly the importance of the 
periodical rains (s. Hunter). Zeus (fxfiaiöi) wurde als "Ofißgio^ (auch am Hymettos) und 
ab Yüiog (in Argos) verehrt (sowie im Haine des Trophonios bei Lebadeia) Im Aquilicium 
wurde (manali lapide in urbem ductio) barfüssiger Bittgang (nudipedalia) dem Jupiter Plu- 
Yius (Ombrius) abgehalten. Am letzten Tage der Eleusinien (als Plemochoai) wurden (nach 
Osten und Westen) zwei irdene Gef&sse (oder Kotylisken) hingestellt (nXfjuoxori wie nA^- 
pfi7<), und fthnlich den Witterungsphrophezeiungen in Kambodia (oder auch der Preussen). 
Aus den Alt&ren des Zeus Semaleon mit der Bildsäule des Zeus Pamethios (neben dem 
Zeus Ombrios und Apemios) erkannte man Anzeichen des Wetters (auf dem Pames-Ge- 
birge). Von Gott, als Emitai (o firmamento azul) kdmmt der Regen (bei den Felup). 
Zeus (ditoy wehen), steht als /^^oc (aeolisch) neben Here («ifp). Dem Zeus (Ktgavt^iog) als 
AeÜierius (aia^oet vnloiv) waren die Bergspitzen gewidmet (in wolkiger Atmosphäre). Zivg 
'ßXlaytoi (vtiptXrjytg^ta Ztvg) sendet Regen (auf Aeakos' Gebet). Olim Diovis et Dies- 
piter dictus, hoc est aer et dies pater (s.Yarro), als Dyauspitar (in Indien). Wie auf dem 
Berg Nebo, opferten die Moabiter dem Baal-Peor (auf der Höhe). Auwe (Ove in Fiji) 
thront über den Wolken (an der Speelmannsbay). Cum stupet coelum et aret annus, nu- 
dipedalia denunciantur (s. TertwlL). Jahoe wohnt auf dem Berge Karmel (bei Micha). 



Digitized by 



Google 



54 

Phjsici ajunt per Janoaem intelligi aSrem, idcirco antem Jovis coigugem et sororem 
pntari quod summa sit a^ris com aethere similitudo (Junoaem in afire exorare). Auf der 
Uochkammer im Eapriimer-Thal (zu Salzburg) verfertigten die Hexen aus den, vom Glet- 
scher abgehackten, Eisstücken Hagelkörner (s. Freisanff), wie die Schneegeister der Andes 
(u. s. w.). Der Frosch (hüpfend, wenn vom Regen benetzt) verleiht Reichthümer (im Rig- 
veda), wie für Regen verehrt (bei Chibcha u s. w.). Der Riesenfrosch , der bei Dürre das 
Wasser aufgesogen, wurde von Jonskeha durchbohrt (bei den Indianern). Die Bamot 
(ßiouoi oder ßfjua) lagen (bei den Moabitem) auf Höhen (vipfiloy oder excelsum) und bei 
Gibea (zur Zeit SamueFs) fand sich ^Gibea Elohim's'* (als Bama). Samuel feierte ein 
Opfermahl zu Rama auf der Bama (als Hügel). Von Jerobeam wurden die Kemarim als 
Höhenpriester eingesetzt (s. Steiner). Salomo errichtete (für seine fremden Gemahlinnen) 
Höhen (dem Chamos und Moloch). 

78) Die objective Welt ist nur die ursprüngliche, noch bewusstlose Phantasie des 
Geistes (bei ScheUing). In die Thora blickend schuf Gott die Welt (nach der Midrasch) 
Die Eeneset gedola (Grosse Synagoge) hatte (unter Esra's Vorsitz) die Majestät (gedola) 
oder Krone (gatara) wiederherzustellen (naeh dem Talmud). iJwg nkatuy Utyt tor Biop 
lUi ytwfÄfTQHy (s. Plut). Les ph^nomenes moraux, quand on observe les masses, rentre- 
raient en quelqne sorte dans Pordre des phönomenes phjsiques (s. Qnetelet). 

79) Bei den Orphikem wurde Zeus' Leib als Erde, seine Knochen als Gebirge, seine 
Augen als Sonne und Mond gefasst (o^fiara d*riXi6g it xni artiomaa adrivfi), wie (bei 
Tmir^ in Skandinavien (und den Mariannen). Zfv^ ngättot yi^tto^ Ztvg vararog «QXfxi- 
^tKVfog^ Zivi x(g)ttlii, Zivi fAioott (bei Procl). Mit den Thieren, als deren König (in Ge- 
stalt des ^grossen Hasen^), auf einem Floss befindlich, liess Manabozho durch Tauchen 
Erde aufbringen (s. Perrot). Die Ottawa beschwören bei ihren Mahlzeiten den Macher des 
Himmels (Ragueneau). Nach der Fluth kam Gott Too-dung (der Seiung in Mergui) vom 
Himmel, and assigned to the different nations and tribes their habitations and emploj- 
ments (s. Stevens). Nach Vertilgung der Menschen (Jouskeha's) durch eine Fluth, waren 
Menschen aus Thieren zu schaffen (s. Charlevoix). Vata wird angerufen, als der starke 
Wind, von Mazda geschaffen (im Avesta). Da die Sonne nicht mit Wolken bedeckt war, um 
die Schmach eines Rückzuges zu verbergen, weigerten solchen, gegen die Uebermacht der 
Feinde, die Irokesen (unter Ononkuaj). Dem Kriegsgott Agreskoui oder Areskoui wurde 
das Fleisch von Thieren und gefangenen Feinden verbrannt (bei den Algonquin). Areskoui 
(Kriegsgott der Huronen) wurde mit der Sonne identificirt (s. Parkman), wohin die Krieger 
Mexicos gingen (als Walhalla). Vor Beginn der Unterhandlungen mit Montmagnj richtete 
der Irokese Kiotsaton eine Anrede an die Sonne. Der Irokese rief vor dem Tode die Sonne 
an, bei ihr im Himmel zu wohnen (s. Lalemant). Von den Irokesen wurde für ihren Sieg 
der Sonne gedankt (nach Bressani). Kan-radja-an (opperbewind, koningreik); hantoe (gee- 
stenrijk). Nobu oder Nabu erschafft auf Erromango) jEuerst die Frau, die einen Sohn gebar 
(als Vorfahr). Jede Art von Thieren hatte (irgendwo existirend) ihre grosse Urform (als 
Urvater oder König), und die Menschen leiteten den Ursprung von Thieren ab, Vögeln oder 
Schlangen (wie B&ren, Wölfe, Schildkröten, Kraniche) bei den Indianern (v. Parkman). Die 
Quechua sahen den Typus in den Constellationen (als Thierbilder). „Es gab unter den 
nördlichen und westlichen Stämmen eine Sage, die Menschen seien durch Manabozho, eine 
mythische Persönlichkeit, aus den Aesem von Thieren, Vögeln und Fischen geschaffen. 
Die Amikouas oder das Bibervolk, ein algonquinscher Stamm vom Huronensee, beanspruchte 
die Abstammung von dem Leichnam des grossen ursprünglichen Biber oder vom Vater 
der Biber. Sie glaubten, die Stromschnellen und Katarakte im French River und dem 
oberen Ottawa rührten von Dämmen her, welche ihre amphibischen Vorfahren - gemacht 
hätten* (s. Perrot). „Man dachte, dass jeder Indianer etwas von der Natur des Thieres, 
von dem er abstammte, geerbt habe*^ (s Parkmann). Als sich im Anfang ein Mensch, 
Fuchs und Stinkthier auf einer Insel trafen (bei den Huronen), schuf der Mensch aus der 
vom Stinkthier gebrachten Erde (s. Br^beuf). Als Mutter des Reh, Bären und Wolfes, ge- 
bar mit ihnen Ataentru alle die andern Thiere und Menschen (nach Vanderdonck). Bei 
Birmanen und Peruaner geht Herrschaft der Thiere voran. In der „Kölnischen Bibel*' 
(1480) ist das Paradies als ummauerter Raum dargestellt 



Digitized by 



Google 



55 

80) Statait, ut deas excelsis Europaeis nominibus, voce Tien-chu, hoc est coeli domi- 
nus appellaretur (Maigrot), aber den einheimischen Gelehrten, war Tien, weil Alles durch- 
dringend, in gesetzlicher Auffassung, ein weiterer Begriff (als die persönliche Beschränkung). 
Gott wird von (pers.) Khoda (qvadata oder svadata) abgeleitet. In Dianam nQo&vgaioy 
sive Limentinam forculam, exstat primijis statim hymnus Orphei (putabatur praeesse in- 
gressui nascentium in hanc vitam), Otn if 'Evod(u {xa\ fni/tivJiiog xal inixXißaytog), "Hfta 
/liaUfi Ttttgä JfoSütvttloii (s. Apoll.), mit Zeus gesellt, als Juno (oder Dione). 

8J) Wakan (of the Dakota deities) signifies, generally, anjthing which a Dakota can- 
not comprehend. Whatever is wonderful mysterious superhuman or supematural, is wakan. 
The generic name for gods is Tahuwakan, i. e. that which is wakan (s. Pond). Die in 
einer Truhe aufbewahrten Gohei bilden die Shintai (göttliche Substanz) in Japan (s. Junker 
von Landegg). Aristoteles tof aytaiano xonov tribuit ry (^tltp (Oki bei den Indianern). 
Die Götter Uwea's wohnen in Porstu, als „Nacht des Gebetes" (s. Bataillon). Ndengei 
gehörte zu den ungeborenen Göttern (auf Fiji), als nachtgeborenen (in Tahiti). 

82) Papai, als Ausdruck der Verwunderung (bei Euripides) oder Papae (bei Terenz). 
Kotz, wunder, statt Gott (s. Grimm) in Ausrufen (potz). Gott gelobt, als Begrüssung, 
„sonst nichts als: sehr willkommen*' (s. Grimm). Mehercule, als „by Jove" (engl.-röm.). 
„Btibieg** ö o que os papeis sempre dizem antes de darem come<po a um sacrificio solemne, 
9 Allah jabi*", querendo deus, dizem os fulas (s Barros). 

83) Oma (im verbotenen Namen) wurde Bona dea genannt (s. Servius), in Bezug auf 
Omen in fatuari (s. Klausen). Die Schlange (von Faunus verwandelt) war Symbol der 
Bona Dea, als Erde (beiLabeo), oder (Majesta) Maja (Gemahlin Vulcan's) und Ops (s Ma- 
crobius). Berhta (Berry) als diu gote oder diu guote frouwe (bona socia oder la bonne 
dame). 

84) Auf dem Berg bei Schochwitz (im Mansfeldischen) wurde der Gude Lubbe durch 
Thierknochen verehrt (s. Gebhard von Halberstadt) Die Eiben sind das „stille Volk" (the 
good people), als guten holden (guedeholden oder Holdeken) und (in Braunschweig) gute 
Kinderen (fliegende Elbe}. Heinricus dictus Coboldus (in Böhmen) unter Heinchen (als 
zirpende Grillen) oder Heimchen, neben Gott Hain (im Voigtland) oder Haingott (in Thü- 
ringen) und Freund Hein (als Tod). Der Gute Nachbar oder Gutgesell (good fellow) 
findet sich unter den Hausgeistern oder domestici als Heerdgött^r). 

85) Frau Hütt findet sich als versteinerte Riesenkönigin (bei Saxo) Hütchen (Hodeke 
oder Hoidike) erscheint als Kobold (in Hildesheim). Dem Guetel (Jüdel) wird Spielwerk 
hingelegt (als der Guote holde). Goda, spook, geestverschijning (in Manda und Ambon). 
Goda (isl. godi) oder Priester von god, als Gott (s. K. Maurer). Die Okies und Otkons 
(der Huronen) oder Manitu (der Algonquin) schlössen alle Formen übernatürlicher Wesen 
in sich (s. Parkman), vom Kobold bis Grossen Geist (droben). 

86) Guj), Gott, pL gu|) a und guda (bei Ulfilas), gods, gute («yo^öO, Gudja, Priester 
(8. Stamm). Die altn. Sprache unterscheidet das neutr. Godh (idolum) von dem masc. gud 
oder deus (s. Grimm). Gott, als guth oder god fgoth.), gud (nord.), god (angels.), gudh, 
tegere (s. Graff). Gud (God) pl. gudir, el. gudar de hedenske Guder (s Jonsson). Herre 
got der guote (Jw.), als Adonai mit Geheimnamen (des Herus oder Heros), dtoatfiiii x^^Q^^ 
6itotöaifAOv(ai in pietas (Mark AureFs). 

87) als gleichsam die „Naturgeschichte der ethischen Religionen" (bei Creuzer), wie 
in der Symbolik ahnend gesucht (und in ethnischer Induction zu verstehen). Une des 
öüides les plus curieuses qu'on puisse se proposer relativement a Phomme, conceme le 
d^veloppement progressif de ses differents qualitös intellectuelles (s. Quetelet), wie im 
Völkergedanken zu verfolgen (gesellschaftlich). 

88) Bei den Erörterungen über den Plan des Königlichen Museums (1828), in seinen 
Abtheilnngen für Archaeologie und Kunst, wurde durch Bunsen die historische Vollständig- 
keit betont, Wenn auch nur in Nachbildungen (worin deshalb der Schwerpunkt zu legen) 
erreichbar. Aber dem gegenüber hielten Rauch und Schinkel an Sammlung von Origi- 
nalien fest, obwohl dabei (der Natur der Sache nach) Vollständigkeit aufzugeben blieb. 
In der Ethnologie nun lässt sich die „Vollständigkeit" aus „Originalien" aufbauen, soweit 
auf noch lebende Völkerstämme bezüglich ehe auch sie, nachdem untergegangen, zu den 
prähistorischen gehören werden;. 



Digitized by 



Google 



56 

Ö9) In der Sprachforschung sieht Geiger die Möglichkeit, das Wesen der Yemunft 
erfahmngsm&ssTg zu beleuchten, was Kant für unmöglich hält (s. Rosenthal}, obwohl nicht 
die äussere Form, sondern der gedankliche Inhalt (der sich nur anfänglich mit dem 
sprachlichen vollständiger deckt) in Frage käme. Den Mangel der Schrift hat die Ethno- 
logie in den Sammlungen durch die Verkörperungen des Völkergedankens zu ersetzen, 
«alle in räumlicher Form hineingeschaffenen Menschengedanken^ (s. Gonze), wie auch zur 
Archaeologie gehörig (als Kunst). Un peuple (s. Quetelet) forme un ensemble, un corps 
des plus parfaits, compos^ d'ölöments qui jouissent des propri^t^s les plus beUes et les 
plus admirablement coordonn^es (1880), als Organismus (für den Völkergedanken). 

90) Nach Anregung der wissenschaftlichen Expedition nach Aegypten (unter Lepsius) 
dachte Bunsen an Begr&ndung eines ethnologischen Institutes (mit dem ägyptischen als 
Zweig, aus der deutschen morgenländischen Gesellschaft hervor, (imAnschluss an frühere 
Pläne indischer Reisen). 

91) Reliquiae historiarum, quae casu naufragio temporum ereptae sunt, heissen (bei 
Baco) die Antiquitäten, bei den Cnlturvölkem oft nachträglich noch zu retten, während 
bei den Naturstämmen der Untergang ein unwiederbringlicher ist (für ihre ephemeren Ge- 
bilde). An Short's und Revett^s Expedition nach Athen (damit nicht die Nachwelt gerechte 
Vorwürfe mache, dass keine entsprechende Vorst^Uung aufbewahrt sei), „hat sich die frucht- 
bare Arbeit der folgenden zwei Menschenalter für die griechische Welt kristallisirt'' (s. Stark)^ 
und für den Verlust manch ähnlich mächtiger Anregungsmittel, bei Sorglosigkeit im jetzi- 
gen kritischen Stadium der Ethnologie, dürften noch schwerere Vorwürfe drohen (von den 
Epigonen). Selbst auch in jenem Falle war keine Zeit zu verlieren (vor der Vertheidigung 
der Akropolis gegen den Vizier Kuitagi). 

92) Bunsen verlangt schärfste und genaueste, ja gründliche Auffassung des Einzelnen 
und zweitens die Ueberzeugung, dass dieses Einzelne nicht erforscht und verstanden werden 
möge, ohne dass die Ideen des aus zerstreuten Einzelheiten Zusammensetzenden im Geiste 
des Forschers leben (s. Stark), und stets bedarf es volläufiger) Präcisirung des Umfang^s 
(die Inductionsrechnungen zu beginnen). 

93) La perception des rapports est donc le fondement du beau (s. Diderot), und das 
Ideal organisch im Kosmos oder (thrac.) Kadmos (mit Schriftausdruck auch). 

94) Als Zeit wird unbeschäftigt freie Nervenkraft empfunden, ein temporärer üeber- 
schuss derselben, so lange nicht durch Wechselwirkung (mit den Aromanana im buddhisti- 
schen Sinne) gesetzlich gebunden. Im Moment eines Willensactus verschwindet die Zeit, 
wogegen ihre Auffassung sich desto langsamer hinschleppt, je mehr psychisch" gesteigerter 
Spannung die entsprechende Beschäftigung fehlt. Bei den meisten Muskelbewegungen ist 
die volle Willensfa-aft nur im ersten Impuls absorbirt, während später die eingeleitete 
Action halb mechanisch fortgeht, und auch der Denkprocess mag als ein Nebenher ver- 
laufen, wogegen wenn sein voller Schwung den Geist occupirt, derselbe für den Zeitverlaaf 
ebenso unempfänglich bleibt, wie bei der Sistirung im Schlaf. 

95) Neben dem Hellenion, als Mittelpunkt der Griechen-Colonien in Aegypten (und 
Nationalheiligthum), wurden auch Localgöttem Tempel errichtet (in Naukratis), und wie 
bei jonischen oder dorischen Colonien vereinigte im Mutterlande auch religiöses Band 
(politisch). 

96) Neben dem „Race-god", dann „the Tribe-god*' und weiter „the family god** (der 
Santhal) „there are the spirits of the fore fathers, river-spirits, forest-spirits, well-demons, 
mountain-demons, and a mighty host of unseen beings, whom they must keep in good 
humour (s. Hunter). Die Pelasger verehrten die Götter „mehr gelster- oder dämonenartig^ 
(8. Preller), bis zu den Personificationen auf Autorität des dodonäischen OrakeFs (für die 
Namen aus Aegypten), worauf >/ notijoayTfg &foyoy{riy das System herstellten (bei Herodot). 

97) d-iovg t9k noonojvofjaaay acpfnq ano tov lotovxoo ort. x6(t^(p , Styreg iä narrn 
nQvJYfinia xai nnaaq youdg tl^oy (die Pelasger', cognomento autem nomina nuUnm eonun 
compellabant, necdum enim audiverant (s Herodot). Ausser Poseidon (der Libyer) und den 
Dioscuren, sowie Hera, Hestia, Themis, Chariten und Nereiden kamen die Götter (später 
auch Dionysos) aus Aegypten (s Herodot), f oo 6k 'ßQ/nio) i« aydlftata dg^n l/*/v ia ai^oia 
(von den Pelasgem nach Athen). 



Digitized by 



Google 



57 

98) Dione, als Okeanide (C. Hes.) oder als Nereide s. Apoll.) orakelt am Sitz des Zeus 
in Dodona durch alte Priesterinnen, als Tauben oder Peleiaden {nfUiog) neben den Seilen 
(als Hypopbeten). Von "Hga Jhkaoyfg fanden sich alte B&ume (Steine und Säulen), als 
Herabilder m Hellas). Temenos (Sohn des Pelasgos) weihte (in Stymphalos) der Hexe die 
Tempel als nati, rtlfln und X>jQtt (Jungfrau, Gattin und Wittwe). 1} "Hoa /Itn(vf) (Jitüvtj) 
nagn JtoA(ova(oig (nach ApoU.). Zu Ambrakia, Hafen Dodona's (s. Leake), gründete Aeneas 
„ein Heüigthum der Äneadischen Aphrodite** (Tochter Dione's). 

99) Athene (von den Auseem verehrt \ ihrem Vater Poseidon zürnend, übergab sich, 
als Tochter des Zeus (am tritonischen See , im Anschluss an das neue Reich (der Götter- 
ordnnng). 

100) In dem (illyrischen) Festlande {finvQoq oder Epirus) bildete für Chaonia (mit 
troischer Niederlassung zu Buthraton) Kestria oder Ilion die Hauptstadt (mit Phönike, als 
Sitz der Bundesversammlung', neben der syrischen Colonie Palaestine (und dem Fluss 
Eadmos\ w&hrend in dem (später durch die Molosser unterworfenen) Thesprotien mit dem 
Orakel Dodona's) sich die Königssitze Ephyra und Pandosia neben Kassope (und die Flüsse 
Acheron und Eokytos) fanden (während der Pindus die Grenzpässe, nach Thessalien und 
Macedonien durchschnitt). Die Autariatae (Illyrier der dalmatischen Gebirge) kämpften 
mit den Ardiäem und Triballem. Die Parthini wohnten bei Dyrrhachium (als Illyrier). 
Von den AvmotU (der Illyrier) wurden die Päonen hergeleitet, sowie von diesen die 
Skordisker und Triballer (unter Thraciem). 

101) Die Dardani (in Obermösien und Illyrien galten als Freunde der" Musik (s. Strabo). 
'Pttixo/ (Rhaikoi) wurden im Lateinischen zu r^xtlxoi (bei Hesych.) als Pelasger (von nikXa;), 

102) öi jds'itQfitig rag (v^'Aoyn itnX 7« xnH^^xaairiv rtQn^^tyra avrayaytoy Alft^ay 
qyriaiy Ik Mokorjüip ffg ^/raXiny iXd^oyja fin Odvoaiw'g (bei Damastas). 

l(fö) Helenus (in Troja), rapta cum Pallade captus (s. Ovid;, Macedoniam tenuit (bei 
Servius) mit Ilion (am Apsos). In Dodona lehrt Helenos die Versöhnung der Juno für 
Aeneas (auf dem Weg nach Italien). Die Priester des von Ajax (Sohn des Teucros) ge- 
gründeten Tempel des Zeus zu Olbia Jn Cilicien) Wessen Teucrier (nach Strabo). Hermes 
(oder Argos) tritt als König von Argos die Herrschaft an Pelops ab (bei Homer). Die 
Knreten opfern dem Kronos Kinder (bei Istros). 

104) Neben ^rfu (mit Cassiope) lag Ithaca und als Todtenbeschwörer Odysseus, be- 
sucht der (epirotische) Inselfürst am Avemus das Todten-Orakel, im epirotischen Trampya 
verehrt und von den Eurytanen heraufbeschworen, sowie Aeneas von den Molossem nach 
Italien führend, und „die Odyssee deutet auf Sagen von Odysseus bei den Thesprotiem 
und zu Dodona hin" (s. Klausen), während Aeneas (bei Lesches) von Neoptelemos fort- 
geführt war (bis durch Orestes in Freiheit gesetzt). Von Onchesmos oder Anchiasmos 
(wo Anchises starb) schiflTt Aeneas (mit akamanischen Lootsen) nach Japygien (zu Tarent 
des Taras). 

105) ^v di nov Tijff ^IraXfag xara ri}»' /xeydXriv ^EXXaifa tibqI X(fivriv^AoQvov ovio) x«- 
Xovfiipfiy ßittyrftoy avrgoy, xnl ^^tgttTiivr^Qfg tw nyTgtp cpvxnytayoC (s. Max. Tyr.). 

106) Periander schickte für Nfxoo^nyrgTtt zn den Thesprotiem (in ^^x^govr« noiafioy), 
und Orpheus steigt am "Aogyoy in die Unterwelt (in Thesprotien^. 

107) tqiaaiy ol ligifg i6y Grjßat^og /ttog ovo ytfyaixfg hgiiag ix Srjßitoy i^tt/f^tjyai 
vTih 4>oiyixtuyy von denen die Eine den Thesprotiem verkauft wurde (s. Herodot). Neben 
Ormaz (Chormuzda) oder Oromazde (or oder Licht im Hebr.), als mächtige (grosse) Sonne, 
findet sich Ahrim (im Chald.) oder Arima als Schlange (des Paradieses). Im Aegyptischen 
bezeichnet Hör (in Horus) das Obere, als Sonne, wogegen (neben der Ara-Schlange , als 
Uraeus) Set (oder Siftti) das Feuer ^ als naar im Arab. (und nur oder Licht). Von Rama, 
als Höhe (im Hebr.) leitet sich Abraham, als Ab-Ram und (in UmsteUung zum syrischen 
Bar oder Sohn) Barlaam, durch die „tribus abrahamitiques" in Südarabien, zu Ram oder 
Rama (der Brahmanen), wogegen sich der Höhendienst an die Bemoth schloss (in Palä- 
stina), Samuel jedoch in Ramathaim-Sophim wohnte (als Weiser unter Sophoi). 

108) Die Taube oder (bei Gothen) Hraivadubo (Leichentaube) klagt (bei Theokrit), 
und „girrend wie der Tauber** (s. Jesaia), oder weinend wie die Tauben (bei Nahum), als 
Töchter der Trauer (bei Abul 01a). Von Tauben wurde die Liebesgöttin ausgebrütet (bei 



Digitized by 



Google 



58 

Hygin). Im Tempel der Aphrodite zu Paphos waren Taubenschläge angebracht (s. Munter). 
Als Eamri Hendi weint die Taube, wenn Gift sehend (bei den Arabern). In den Veda 
werden die Flügel der Taube erwünscht, einzugehen in der Gottheit Ruhe (zur Unsterblich- 
keit im Licht der Sonne). Die Taube (im Ascalon der Semiramis heilig) weissagt in Do- 
dona mit menschlicher Stimme vom heiligen Baum des Zeus (s. Friedreich). Die Taube, 
als (seit Noah) den Juden heilig, hält den Sperber (als heiligen Vogel der Aegypter) fest 
(im Sohar). Der heilige Geist in Gestalt einer Taube hat Christum mit Ehre bekleidet 
(s. Chrysostomos). Die Tauben hatten eine Freistätte auf dem Tempel in Mekka (s. Schul- 
tens). Das Orakel Dodona's (aus Aegypten durch redende Tauben begründet, gleich dem 
Ammon^s in Libyen) bestätigte den Pelasgem den Gebrauch der (aus Aegypten) far die 
Götter erhaltenen Namen (s Herodot). Auf dem aus eines Frommen Grabe spriessen- 
den Eichbäumchen sitzt eine Taube (in Podolien). Wenn die Knochen im gemeinsamen 
Begräbnissplatz versammelt waren, flogen die Seelen in Gestalt von Tauben davon (bei 
den Huronen). Religentem esse oportet, religiosum nefas (Nigidius Figulus). 

109) Priester (zur Verdeutlichung der Götterstimme in den Vögeln) heissen Pia-atua 
(god boxes) in Mangaia (s. Gill). Manoe-hasoe (in Ambon) bezeichnet einen (Schwanger- 
schaft entdeckenden) Vogel (s. de Clerq). ti^ai dk i^y fiayrtxjjy <paaip (matififiy ^tvgrj- 
futtiixriv arjjLitCwp idv ano ^etup ri datfjidvuiv nQVf avi^QMmvnv ß(ov nonrfivovifov (Stob.). 
In Aethiopide Penthesilca et Antilochus humati sunt, Achillis corpus propositum est, ta- 
mulus extructus, lud! funebres instituti; in Nostis Neoptolemos Phoenicem, Calchas Leontens, 
Polypoetes Tiresiam sepeliverunt, sicut in Iliade parva Trojani Paridem. Mortuomm funns 
in C3rpriis commemoratur, procorum in Telegonia. Denique in Thebaide Septem ducum 
exercitus todidem rogis combusti sunt, Amphiaraus autem terra receptus clarissimus ora- 
culorum editor factus est (s. Wassner). *OviiQog (soronium), ZgafAn (visio), jifpij/iarfo^o^ 
(oraculum), fppnyiop (insomnium) und tfavraa^a (visum) werden unterschieden (b.Macrob.). 
Pomponatius' Secte der Thnetopsychiten wurde vom Papst unterdrückt. 

1 10) Die Pelagonier (am Axius) mischten sich mit den einwandernden Päoniern Aste- 
ropaeus, Soltn des Pelagon (Sohn des Flussgottes Axius), war den Trojanern verbündet 
Neben Axiocersa (als Persephone) und Axiocersus (als Hades) fand sich *^|f^poc unter den 
Cabiren. Die Paeonier werden mit Pelasger (imd Leleger) verbunden (bei Homer), die 
Pelagonen mit den Macedoniem (bei Aeschylus). Bato (prince des Df^atien-Desitiates), 
bemächtigte sich des Reichs seines Verbündeten Pinnes (prince des Breycs) in Pannonien 
(bei den römischen Kriegen). Bajan (Fürst der Avaren) verband sich mit Sigisbert der 
Franken (in <pQ(tyyoxto(}iov). Brig (der Phiygiery bezeichnete (in Thrac.) frei (nach Jnba). 
Tradunt multi Francos de Pannonia fuisse digressos (s. Greg. Tur.). Le pays de Ataa- 
tiques, habit^ par les anciens Germains ou Thoringes, prit le nom de Thoringia (Tongiia) 
ou Toxandria (s. Mo6t). Die bei der Auswanderung von Troja unter Friga Getheilten 
erwählten an der Donau „Turchot nomine regem, per quem vocati sunt Tui'chi, et per Fran- 
cionem alii vocati sunt Franci (s. Fredegar). 

111) Von den Encheleem durch Orakel zimi Fürsten eingesetzt, herrscht Cadmus 
(Vater des Illyrius) über die lUyrier s. Apoll). Die Gegenden Thraciens waren benannt 
(s. Vivien de St. Martin) „par la nature apre et difficile de leur sol** (rftaxtia), als Pcrke 
(bei Eusth), terme, qui se sattache au Berg des Teutons (s. Moet). Perg-ame, als phiy- 
gischer Name der Festung (Troja' s) führt (bei Pezron) auf ßvgyoQ (Burg). Idem nomen 
esse Alanorum et Almanorum (meint Melanchthon), als Armani (Alemani) oder (bei Julian) 
Germanen (357 p. d.). Zwischen Sachsen tmd Franken fand sich „olim Germania, nunc 
Francia (s. Hieronym.). unter Nanas (Sohn des Teutamides) kamen die Pelasger von 
Hellas nach dem Po bei Spina (nach Hellenaikos). Tantalos verlor Paphlagonien an Dos 
aus Phrygien (Sohn des Dardanos). Belos (Baal, König im Phoen.) herrscht (als Brader 
des Agenor; über Aegypten ;mit den Hyksos), bis zur Vertreibung des Danaos (durch 
Aegyptos). Osiris war auf seinen Zügen von Apoll begleitet (als Bruder). 

112: In Dodona die Troer (unter Helenos) treffend, legte Aeneas dort Mischkrüge nieder 
(mit alten Aufschriften), dann nach Buthrotos ziehend (zu Anchises). Aram qui etiam Ulixi 
consecratam, adjecto Laertae patris nomine, eodom loco olim repertam, monumentaqae et 
tumulos quosdam Graecis litteris inscriptos in confinio Germaniae Raetiaeque adhnc extare 



Digitized by 



Google 



59 

(s. Tacitus). Die Leten (Leude oder Leute) führen vom armoricanischen Lydaw oder Le- 
tavia ^des littns) zu Letten (und Litthauer). Die Gatten (bei Zosimus) vertrieben die Salier 
aus Batavia (Pavs-bas oder Hol-land), in Hinführung (wie Letavia) auf Apia, als Pelops 
Insel (zu Apis' Zeit). Gesi bezeichnet die Starken (bei Servius) von Gesus oder Manu (der 
Britannier), als Gwas oder Jüngling s. Davies), und rat aar ai (bei Polyb.) Söldner, von 
Gesa, als Wurfspiess (der GaUier), mit (isL) get-ek (zu Geten und Gothen). Im Westen, 
wo Alesia von Melkarth gegründet (bei Diod.), herrscht über die Elesjcer (bei Avien.) 
König Rhadamanthes im (fruchtbaren Gefilde) Eljsion (als Bruder des Minos), bei glück- 
lichen Inseln (zur Zeit des Sertorius). Romulus sprach den äolischen Dialect (von £vander 
nach Italien gebracht). Ancaios, Sohn des Poseidon, herrschte als König über die Leleger 
(nach Asios Sam). 

113) Die Pelasger (Troes oder Tyrseni) in Pelasgiotis (am Olymp) finden sich, wie in 
Euboea (und Samothrace) bis Epirus (und Italien) unter den Illyriem an den Süd-Donau- 
Ländem (von Rhätien an) mit Illyris barbara (an der Küste der römischen Provinz). Das 
Orakel von Dodona fand sich im Besitz der Cassiopaei (unter den Thesprotiem). Cas- 
siopeia (Mutter der Andromeda) wurde im Streit mit den Nereiden unter die Sterne versetzt. 

114) Sios 6 ndyitt it&tfg (bei Eusth.). lari y«p dtn^^rixrj ^y 6 attiot tov Trttyib^&to^ 
i(B(Tatj ^(6q 6i Ttoga r^y &^aty (fyrijat xat ra^iy irjv iStoxoa^fjaiy (s. Clem. AI.). Regln 
sind die rathschlagenden weltordnenden Gewalten (s. Grimm), und höpt oder bönd (vincnla), 
wie auch etmskisch (oder Aesir zu Äsen ebenfalls). 

115 Die Götter (superi oder uppregin' werden „als in der Höhe, im Himmel, uphimin, 
auf der Bergeshöhe (as, ans), oben wohnend dargestellt" (s. Grimm), als superi (oki u. s. w.). 

116) Die Massagetae (auf dem Isthmus zwischen Caspi und Aral) wohnten am Asca- 
tancas (und in Margiana), reich an Kupfer und Gold (für Schmuck), der Sonne Pferde 
opfernd, als ^4pßixfi oder JtQßixxai (am Oxus) und Dahae (mit Arier grenzend), und dazu 
die Funde der Tschuden- Gräber (im Altai). Die am Araxes mit den Massageten zu- 
sammenstossenden Issedonier trugen den Schädel des verspeisten Verwandten als Schmuck 
(s. Herodot). Nach Durchzug der Juetchi erscheinen Alanen (A-la-na). 

1 17) Japetos zeugte Prometheus (Atlas und Epimetheus) mit Asia (Tochter des Okeanos 
und der Tethjs). Belos, Vorfahr des lydiscben Königgeschlechts, leitete Einwanderer 
nach Aegypten (bei Diod.). Kastor und PoUux führten den Cult der Athene als Asia ein 
(in Eolchis). ayovat 6i xal itlnriy ol ^AfjKftaaftq ^Avaxitoy xaXovßd^yaty vat^tov (s. Paus.). 

118) Die bnsporanischen Könige bezeichneten sich als Aspurgiani (seit Sauromates I). 
Askiburg bildet heiligen Sitz der Iscaevonen {praximo Rheni). Aus Asaheimr fand sich 
Verkehr mit Jötunheimr (der Jötunn oder Boten). 'AaxtßovQytoy (bei Ptol.) heisst wanda- 
Usches Gebirge (bei Dio Cassius). Nach Midgard wurde Asgard geschaffen (im Mittel- 
punkt der Welt). Aschanes (Askanius) wächst aus dem Fels hervor im Harz. Scioldus 
nomen erat filio Odini, nnde Skiöldungi promanarunt, is consedit regnavitque, ubi nunc 
Dania dicitur, illo vero tempore Gotlandia (Gothia) vocabatur (en thd var kallat Gotland) 
der ,Godiod" in „Godlond" (von Asiamenn bewohnt). Von Isco oder Escio, Bruder des 
(Hermino und) Ingo (der Ynglinger), stammten die Iscaevonen (Tuisco's) und Eskya, als 
Erde (im Norden) Irmino (der Herminoner oder Ermino (Airmana) führt (mit Brmanericus 
und Irmin) auf Jörmungandr, als Schlange (s. Grimm). Kriaay cTi Ttvxpwv rwy iy Tmarn 
anoixoi (nach Her.) die Päonier (aus der Verbannung, von Sardes, zurückkehrend) oder cbei 
Aristoteles) Pannonier (s. Dio Cassius). 

119) Manuscithra oder Manoshirh war auf dem Berg Manus geboren,* bei Rai (nach 
Josti), und dazu Manes (Manethos), Manu u. s. w. (der Ahnen und Manen). 

120) Die als Hsi-Tsin in Kansu (360—431 p. d), sowie als südliche Liang (in Ning- 
hsia-fu) herrschenden Sienpi, mit den Wu-hwan von den Tung-hu-schan-jung (der Tung-hu 
oder östlichen Barbaren) stammend, wanderten vom Sungari (Kirin) nach Korea (100 a. d ), 
als Ghirin unter den (japanischen) Sienpi (s. v. Richthofen) in der Sprache (bei Klaproth) ; 
dann folgten (als Su-shönn) die Tungusen am Sungari als I-lii (263 p. d.), und (V. Jahrb.) 
Moho (bis Liau). Die Khitan (von Khulun-bira) herrschten, nach Eroberung von Pu-hai 
(925 p. d.\ im nördlichen Korea (als Dynastie der Liau) und dann in Yen (Peking) bis zu 
den Nü-tshi (unter Aguta oder Hwang-ti), während Yelütashi (ans den Khitan) das Reich 



Digitized by 



Google 



\ 



60 

Karakhitai gründete (jenseits der Tsung-lin-P&sse). Im -Osten von Shantung erhielten 
sich die Lai- Barbaren (s. von Richthofen). In Kwei-tschan finden sich Miautse, in Swtp 
chuen die Sifan, Lolo, Man-tze, in Kwangtung's Gebirgen die Yau (Yau-yönn). Ein Theil 
der Bevölkerung Shantung's besteht aus der Nachkommenschaft eingeboren ansässiger 
St&mme, wie Lai und Kiau (s. v. Richthofen). Die Ti -Barbaren (von Ln-ngan-fu) unter- 
scheiden sich in Weisse und Rothe (in Shansi). 

121) Bei der Verehrung Budao's oder Drarma (Dharma) Raja (des Gesetzes, als Todten- 
w&chter in Yama) sah Couto in Indien's Felsentempeln die Eremitengrott« St. Josaphat's 
(des durch Baarlaam bekehrten Königssohn's). Von Arabern (und Philistern) Geschenke 
erhaltend (und Schiffahrten nach Ophir planend) hielt der (um Blutvergiessen zu sparen, 
dem Fasten ergebenen) König Josaphat (in der Furcht des Herrn) die Königreiche ringsum 
in Ruhe^ zum Lehren (und Bekehren"> seine Fürsten aussendend, mit den Leviten (sowie 
die Priester Eli-Sama und Joram), w&hrend (unter geistlichem Regiment) Richter (in den 
Städten) bestellt wurden, mit denen der Herr im Gericht sitzen würde. Im Thal Josaphat 
(bei Jo6l), als der (am Pfingsten heilige) Geist ausgegossen, zum Wahrsagen (unt«r Yer- 
finsterung von Soime und Mond), kommt der Herr zu rechten mit den Heiden, und so die 
„app^llatio ad vallem Josaphat*' (ad Judicium et Tribunal Dei), da in das Thal des Kidron 
(zwischen Jerusalem und Oelberg), dem Thal der Lobpreisung (über die durch wunderbare 
Fügung vernichteten Feinde), die Weltentscheidungsschlacht verlegt worden, im Thal Je- 
hosafat (Jahve richtet). Von dem (mit Anschluss an die Singha-Titel) in Begleitung eines 
Löwen (s. Migne) dargestellten S. Josaphatns oder Joasaph, den (in Verkleidung eines 
Kaufmanns) der heilige Barlaam bekehrt hatte, wie im römischen Matyrologium (für die 
Liebesgeschichten) bezeugt (b. Huntius), kamen Reliquien (wie Rückgrat und Bein) über 
Venedig nach Lissabon, und dann nach Antwerpen (s. Stadler). Am Hofe Almansur^s kam 
die Erzählung von Joasaph oder (arab.) Yudasatf zur Bearbeitung (durch Damascius). Der 
heilige Josaph ist Sohn des indischen Königs Abener (in griechischer Kirche). 



Digitized by 



Google 



l5etreffs einer Geschichte der Molukken wurde mir in Temate sowohl wie in 
Tidore von Regentenlisten und Annalen in den Archiven der bezüglichen Hofpalläste 
gesprochen, indess als schwieriger Ziigänglichkeit. Einzelnes, was ich in Folge 
fortgesetzter Erkundigungen für meine Aufzeichnungen erhielt, mag daraus ent- 
nommen sein, und Anderes findet sich bereits in verschiedenen der (besonders) 
holländischen Veröffentlichungen über jene Inseln. 

Wie in allen zum Islam bekehrten Ländern fällt mit der Geschichte dieses 
auch die nationale, in der einheimischen Behandlung, zusammen, und die darüber 
hinaus liegende Dunkelzeit des Unglaubens wird von der Sage selbst kaum einer 
Erinnerung gewürdigt. 

So also auch hier, wie sich aus der objectiv aneinandergereihten Wiedergabe 
der erhaltenen Mittheilungen ergiebt, theils legendenhafter, theils mehr oder weniger 
historischer, die unter Herbeiziehung des ausserdem zur Verfügung stehenden ihre 
kritische Behandlung erfahren könnten: 

Zur Zeit als Ternate noch unbewohnt war, kam (von Arabien) der Priester 
Jaaffer Sadik und zeugte mit einer weiblichen Djin den Sohn Tschitscho, der (im 
Heidenthum) -als erster König Temate*s herrschte, wo unter seinem Nachfolger 
Gapi Bagunah der Islam eingeführt wurde (durch Malayen aus Java). Dann folgte 
Ketchil Macharum (unter welchem ein Rückfall in das Heidenthum statthatte), und 
darauf Jenal Abidin (mit der Tochter des Königs Bokki Sia von Batchian ver- 
mählt), und (während sein Sohn Enalya Kin die Tochter des Raja von Gilolo 
ehelichte) folgte ihm sein Sohn Ketchil Badjian Sarrullah, und diesem Ketchil 
Diabo, der durch den Reichsrath abgesetzt nach Gilolo zog, während Buajati in 
Temate den Thron bestieg. 

Als erster Fürst wurde Buka Malama mit dem Namen (Maharaja) Mohamed 
Bakir zur Ordnung der Erde beauftragt, in Dale residirend (auf der Insel Bessi 
oder Makyan). Ihm folgte sein Sohn Komalo Besi (Bessi) mit dem Namen Mo- 
hamed Hasan, und diesem sein Sohn Elapaslolo oder Abdullah Ibn-u-Hassaii, der 
(unter dem Namen Maharajah Abdullah) nach Kasiroeta zog und seinen Sohn 
Sambasula (unter dem Titel Jenal Abidin) in Besi einsetzte. Von dessen Söhnen 
herrschte Bulloto in Besi und Kalilia in Kasiroeta, bis später Bullota, nach Kasi- 
roeta zurückkommend, dort als König eingesetzt wurde. Als erster König von 
Batchian herrschte Bayanu Sirrola (dritter Sohn Abidin* s) und ihm folgte sein Sohn 
Ala-uddin (Vater von Nasir-Uddin). 

Die Geschichte Temate's findet sich in dem Buch Tschettra enaneh oder (ma- 
layisch) Tscheritra inih, verfasst durch Salahuddihn (1237 der Hedjra). Die Tsche- 
rita Assah Sultan beginnt mit Bossa-mawangi (in Tidore). — Als ein Mohameda- 
nidcher Schiffer (von Stürmen umhergetrieben) zu Allah um Land betete, sah er 
beim Morgenlicht den Peak von Ternate und rief aus: Sudoh trang njata, schon 
deutlich (trang) sichtbar (njata), Ternate. 



Digitized by 



Google 



62 

Die Kinder der (mit ihren sechs Schwestern badenden) Flügelfrau, von dem 
umherwandemden Prinzen ergriffen, wohnen in Temate in Djailolo, in Todore 
(Tidore) und Batjan (s. Riedel), und ähnlich spielt diese Mythe der zu irdischer 
Ehe durch Belauschen im Bade gezwungenen Himmelsjungfrauen *) in der Minafaasa 
oder Birma sowohl, wie in europäischen Sagen überall. — Von den (acht) Kindern 
der aus der Luft gekommenen Himmelsfrau (Skarba) oder [gleich kambodischen 
Vidadhari] Bidadari Hoeroelsa, die sich mit Djafernahoe in Temate vermählte, 
stammen die Könige der Molukken (s. Grab). Bei den Königen der Molukken 
findet sich der Titel Kolani (Konoro u. s. w. in Temate). 

Von den in Siebenzahl zum Baden im See Maaltoroch auf Gapie (Api) oder Ter- 
nate herabgekommenen Himmelsgeistem ') (wie Langi's Töchter in Tonga) wurde 
Noerifu (mit Schellbecken)' von Djafur Sadek gefangen, und gebar beim König 
Foromadihay oder Fola madjah, der (nach Untergang der Könige von Toebona, 
Toebo und Tabanga) fortherrschte (über Ternate), die Könige Masahur malamo 
(in Foromadihay verbleibend), Boeka, der nach Doeka oder Tidore zog, Dardjat 
(für die Herrschaft in Toenanie oder Djailolo), und Sahadjat, in Besi oder Batjian 
siedelnd (nach Naidah). — Als mächtigster Fürst der Molukken führte der König 
den Titel Kolano Maloko, indem Maloko im Ternataischen das Weit- Ausgebreitete 
bezeichnet. Auch fand sich der Titel Herr der 72 Inseln auf Temate (wie in 
1001 Nacht). — Molematitti, Sohn des in Tobona residirenden Königs (von Ter- 
nate) baute Folu-Madjahi, und König Siale's Nachfolger verlegte die Residenz nach 
Sampaloe (bei Gamma-Lama). 

Die Könige von Ternate, Tidore und Batjan entstanden aus Dracheneier (s. 
Valentyn), aus Leda's Ei die Dioscuren (für Sparta). Die aus den Krähen-Eiern 
des Niaung-pin-Baumes geborenen Bruder legen den Grund zur Schwedagon-Pa- 
gode, verschieden an Rangswürde, wie die aus goldenem, silbernem und kupfernem 
Ei Entstandenen (in Peru). Die Vorfahren der Hawaiier stammten aus dem Ei 
des RiesenvogeFs (im Meer niedergelegt). 

Kolano Aki Mahutu, der erste Fürst Loloda's, trat in die Existenz, als es in 
der allgemeinen Stille mit frühestem Säuseln der Winde begann, aus einem im 
Wasser treibenden Baumstamm, der kraft der Hülfe wohlwollender Gomang an 
den Strand gebracht wurde. Und so ist dies Aki-mahutu (Aki-malutu), als der 
aus dem Wasser (Aki) hervorgekommene. — Jo-Durian, das Haupt (oder der Herr) 
der Wongi (in Temate), war der einzige Sohn des Inselfürsten, der auf seinem 
Hute einen Durian-Baum trug und später verschwand (in Gilolo). Jo-durian, Herr 
der Durian-Fi-ucht, gilt als mächtigster unter den Wongi (auf Temate). 

Als eine Prinzessin Temate's sich von einem Mann niederer Herkunft hatte 
verführen lassen, wurden beide in die See geworfen, und zur Erinnerung Hess der 
Sultan am Strande zwei Festungen bauen, die eine in Form der männlichen, die 
andere in der der weiblichen Genitalien. — Der See von Salussa (das versunkene 
Meer) entstand (auf Ternate), als ein Vater mit seiner Tochter schlief, und in Folge 
dessen die Erde einbrach, Alles verschlingend, ausser einem papuanischen Sklaven, 
der die Erzählung brachte. 

In Moro (auf Gilolo) wohnte der Mensch Jo-Durian, der täglich Saguweer 
suchte und dabei (nachdem er drei Tage auf dem Ausspähen gelegen) das Geschöpf 
Ghoga (mit einem Pferde- und einem Menschenbein) erblickte, von einer schönen 
Tochter begleitet, die er beim Ersteigen des Baumes festgriff und (trotz Elagens 
des Vaters) zurückbehielt. Als er sie heirathen zu wollen erklärte, führte ihn Choja 
nach seinem Wohnplatz (eine unsichtbare Stadt der Djiii) und dort zauberte sich 



Digitized by 



Google 



63 

durch Verwandlungen^ ein prächtiger Pallast hervor. Der König von Gilolo, davon 
hörend, begann einen Krieg, der zehn Jahre ohne Erfolg fortdauerte, bis er dann 
selbst anszog und Jo-Durian mit zwei Pfeilen verwundete. Dieser flüchtete nach 
Sahoe, wo er blutend niederstürzend, dort begraben wurde. Als dann auf diesem 
Platz ein Durian-Baum erwuchs , baute der Senjahdi ein heiliges *Kramat , das alle 
Dämone fürchteten, so dass man dort Schutz gegen Krankheit fand, und auch in 
Kriegsfällen Feste daselbst zu feiern begann. Diese wurden durch den Sultan von 
Temate, der darüber Kunde erhielt, dem Volke verboten, indem sie fortan nur 
unter Anordnung der Regierungsbeamten' angestellt werden durften (von den un- 
verwundet aus einem Feldzuge Heimkehrenden). 

Das Elramat (Grabheiligthum) des Jo-Durian in Sahoe findet sich im Kampong 
Surachoe, wo die aus der Schlacht unverwundet Heimkehrenden Siegesfeste 
feiern, und auch vor dem Auszuge zu einem Kriege suchte man dort siegreiche 
Vorbedeutungen. üi!n jedoch aufrührerischen Bewegungen, die sich damit verknüpft 
hatten, für fernerhin vorzubeugen, verbot der Sultan von Ternate die volksthüm- 
liche Feier, indem er das Recht, sie zu begehen, für sich allein in Anspruch nahm 
and anter Aufsicht seiner Regierungsbeamten stellte. In Birma ist die Durian- 
Frucht königliches Monopol oder Regal, und der König von Tidore machte An- 
sprüche auf Gamma-Lamma (in Temate), indem er dort, seit der Eroberung mit 
Hülfe der Spanier (1606), zwei Durian-Bäume bewachen Hess durch zwei Greise, 
unter der von dem Opperkoopmann Bartelszen Marsier gegebenen Erlaubniss. 

In Mecca traf der heilige Said einen Alfuren, der auf seine Frage nach der 
Heimath die Molukken als solche bezeichnete, und im Besonderen den Platz Sahoe, 
den er (unter dem Namen Betila) bewohne, üeber den ihm unbekannten Namen 
grübelnd, erhielt Said bei Ankunft in Temate Auskunft, fand indess Betila bereits 
verstorben. Von seinem frommen Leben hörend, (wie er nicht erlaubt, Hühner von 
ausgestreuten Reis wegzujagen, wie er verfallene Häuser zu restauriren pflegte u. s. w.), 
erklärte Said den Begräbnissplatz Betila^s für einen Kubur, der von Mohamedanem, 
Christen, Chinesen aus Ternate und anderen Inseln besucht wird, um dort in 
Krankheitsfällen, unter Anrichtung eines Festes, Hülfe zu suchen. Weil dieser 
Kramat auf alten Begräbnissstätten der Alfuren angelegt war, bringen auch diese 
dort die Erstlinge des Fischfangs dar, die nicht verkauft werden dürfen. Bei seinem 
Tode in Temate wurde Said (als Said Hussein) in der Meschid-besar des Sultan 
begraben. 

Als Djafir Sadek von Arabien nach Temate kam, zeugte er mit einer Djinin 
den Sohn Tschitscho (als Kafflr oder Ungläubiger); ihm folgte Puli, und dann: 
Sibalo, Kalabata, Komalo, Bakuka, Padseran, Sidang Arif, Ketjil Sach Alam, To- 
lamalamo, Ketjil Buahati (seit welcher Zeit Ketjil als Königstitel in Ternate fort- 
geführt wurde), Gnolo Matschaia, Momole, Gapi Malamo, Gapi Baguna, Ketjil 
Malamo, Assih, Gapi Bagunah (unter welchem der Islam eingeführt wurde), Ketjil 
Machanum u. s. w. — Der Titel Lil Allah pil alam (Gottes Schatten auf der Erde) 
findet sich bei den Sultanen der Seldjukken und (in Bajang Allah) auf Temate 
(XVI. Jahrh'). — In den Molukken (Ternate, Tidore, Djailolo und Batjan) blieben 
von den Königen Foromadihay, Toebona, Toebo und Tabanga nur König Foro- 
madihay bei Ankunft Djafir Sadek's, dessen Sohn Masahurmaiamo seinem Pflege- 
Tater Moly Malafy in Foromadihay folgte (s. Van der Crab), und bei Tubus's Aus- 
wanderung ergiebt sich ein Titel (in Tonga). 

Nachdem der durch den Reichsrath abgesetzte König Ketschil Dialo von Ter- 
nate sich nach Gilolo begeben und der in Ternate an die Stelle getretene König 
Buajati, weil die Heirath verweigernd, wieder gestürzt war, 'folgte (in Ternate) 



Digitized by 



Google 



j64_ 

König Eetjil Tabritj, der durch die Orang Frangi nach Goa gebracht wurde. In 
Temate folgte Ketchil Darrawe, als Sultan, der durch die Frangi getodtet wurde 
(sowie der Capitain der Frangi gleichfalls). Ihm folgte Ketchil Mansur, durch die 
Frangi (Frengi) getodtet, und dann Ketchil Chärjemihl, im Kriege mit den Frangi 
nach Goa geführt, worauf sein Sohn Raja Bab (mit dem Sultan von Magindano und 
von Macassar Terbundet) folgte, und weiter: Madafar Ketchil, Mandorsach Ketchil, 
Amsterdam Ketchil, Said Fatahula Ketchil, Amir Iskander Dulkamaim, Ketchil 
Rajah Laut, Maiuddin II Mansur, Sachmardan, Saidul Moetacht Salahaddin, Achter- 
rajim Rachiman, Amir Iskander (durch die Compania Holandera abgesetzt), Ketchil 
Sarkan, Mohamed Jassin u. s. w. 

Nachdem die der Tyrannei ihres Fürsten in Gilolo Entflohenen sich auf Ter- 
nate niedergelassen (1250 p. d.), fand Guna, Fürst des Dorfes Tobona (auf der 
Höhe des Berges), im Walde (durch Eingebung der Djin) einen goldenen Wetz- 
stein, der ihm soviele Beschauer zuzog, dass er dieses lästige Besitzstück weg- 
schenkte au Molematitti, Fürst des (auf halber .Bergeshöhe gelegenen) Dorfes Fola 
Madjahi, und dieser, ebenfalls durch stete Nachfragen ermüdet, gab (um seine Ruhe 
zu bewahren) den Talisman weiter fort an den Fürsten Tsjitsjo von Sampaloe, der, 
am Strande lebend, ihn zu benutzen wusste, um die Herbeikommendea und Zuge- 
zogenen für Vermehrung seines Unterthanenstandes zu benutzen (1257 p. d.) — 
Die Könige von Tidore wohnten in der Mariak oder Marieko genannten Festung 
(am oberen Bergesabfall), bis der Handel mit den Fremden an der Küste begann. 
— Der König von Tidore führte den Titel Kie-ma Colano oder Bergkönig. 

Der König von Ternate führt den Titel des König von den 72 Inseln« Als 
erster unter den Königen der Molukken führte der König von Gilolo den Titel als 
Djilomo-Kolaiio oder (temat.) Bucht -König (in Gilolo und Dodinga). — Die Ton 
Gilolo nach Ternate Geflüchteten gründeten (1250 p. d.), das Dorf Tabona (s. Va- 
lentyn). — Als unter zunehmender Tyrannei der Könige von Gilolo das Reich 
zerfiel, fanden (1250 p. d.) Auswanderungen statt nach Ternate, Tidore und Bat- 
chian (wo Kolano oder Fürsten eingesetzt wurden). 

Auf Ternate führt der Fürst den Titel Jo-lamo oder grosser (lamo) Herr 
(Jo*), und seine Kinder heissen Jo-Nofo (Kinder des Herrn), sowie die übrigen 
Verwandten Dano (als Adlige). Als ein Fürst von Temate durch einen Krieg mit 
Tidore von der dortigen Prinzessin (seiner Geliebten) getrennt wurde, baute er das 
Fort von Terloko, um von dort nach ihrer Wohnung hinüberzublicken. — In Terpate 
ist das Fort Terloko (beim Fort Oranien) in Gestalt eines Lingam, das Fort Kayu- 
Meru in Gestalt einer Yoni gebaut, zur Erinnerung an die Missethat der mit 
ihrem niedriggeborenen Liebhaber ertränkten Prinzessin. — Von Malayu, der An- 
siedlung auf Ternate (neben dem Kraton, jenseits Fort Oranien), fährt man nach 
Rum in Tidore über, von wo ein Landweg nach Sosio (dem Sitz des Sultan) fuhrt 

Früher konnten SchiflFe auf Ternate auch an den See Gamma-lamo oder Alt- 
stadt (die bei Erdbeben versank) landen, wogegen es jetzt durch die Korallenriffe 
unmöglich ist, und auch neben dem Kampong-malayu sind neuerdings einige der 
früheren Landungsplätze unzugänglich geworden, indem zugleich an verschiedenen 
Stellen Land anspült, an anderen abgespült wird, wenn nicht durch Wehrungen 
geschützt. — In Ternate findet sich das Lagune genannte Meer, sowie das Meer 
Tobiru (an der anderen Seite der Insel). — Bei Sosio findet sich das Fort Kota 
Tabula und auf der anderen Seite Kota Tore, beide gebaut durch die Orang 
Castela (Spanier). — Das Fort Kayu-mera (in Temate) ist von den Ingles gebaut 

König Kaitsjili Baboe, nachdem der Regierungssitz nach dem eroberten Fort 
der (nach Tidore überziehenden) Portugiesen in Gamma Lamma verlegt war (1572), 



Digitized by 



Google 



65 _ 

breitete seine Herrschaft im Süden bis Solor, im Westen bis Makassar (Saleyer 
und Bnton erobernd), im Osten bis Banda, im Norden bis Sangir (und Mindanao) 
aus (durch seine Feldherren Robohongo und Kapallaja), den verbündeten König 
von Makassar (nach Besetzung der Dörfer Bangay, Tamboeka und Tidore auf Ce- 
lebes) zum Islam überführend (bis durch die Portugiesen zum Gefangenen gemacht 
und eingesalzen für Goa). — Das Recht der Eroberungen (ausserhalb der Molukken) 
wurde von den Königen von Ternate an die adligen Häuser Tommagolo und Tom- 
maito verliehen, indem das Haus Tommaito die Statthalter in den (1360 eroberten) 
Xulla-Inseln einsetzte, das Haus Tommagolo dagegen seine Eroberungen von Boeroe 
über Ceram (unter Verlegung der Residenz der Statthalter nach letzterer Insel) 
ausdehnte, bis König Zeijnulabedien von Ternate (1480) die Abhängigkeit der 
beiderseitigen Statthalterschaf^n unter dem Königreich Ternate in feste Regelung 
brachte. 

Die Auswanderung aus Gilolo gründete (1250) auf Ternate die Ansiedlung 
von Tabona oder Tolona, von wo die ternataischen Könige abstammen. Auf den 
Gründer des Reiches folgte Mulematilti, unter welchem die Ansiedlung Tolo Madjahi 
gegründet wurde, sowie später (am Meer) Sampuloe (bei Gamma-Lame). König 
Siale (1284 p. d ) verlegte seine Residenz nach Tolo-Madjahi und dann nach Sam- 
paloe (nach Kriegen mit Gilolo gegen die Seeräuber von Tidore, Motu und Batchian 
kämpfend). Seines Nachfolgers Kalebatta (von javanischer Mutter geboren) Sohn 
und Thronfolger Komalo machte Eroberungen (nach Einwanderungen von Javanen 
und Maiayen; auf Gilolo (1304 p. d.). Unter König Sida-Arif-Malamo (1322 p. d.) 
Hessen sich (neben anderen Fremden) Araber auf Ternate nieder ( und aus Neid 
gegen den blühenden Nelkenhandel wurden auch in Ternate, in Batchian und in 
Oeboe Könige eingesetzt, um in Bundesgenossenschaft gegen Ternate Krieg zu 
führen, der mit dem Vertrag von Motir beendet wurde, die erste Würde dem König 
von Gilolo, die zweite dem von Ternate, die dritte dem von Tidore Und die vierte 
dem von Batchian zuerkennend. 

Sultane von Tidore: Bpssa-mawangi, Sohn von Sachajat (Sohn des Zaffir-u- 
Sadik), BaUbon, Dukumadoya, Kieh ma titi, Sali, Dukumadoia, Matagäla, Tscher- 
liliatt (zum Islam bekehrt), Mansur, Amirudin, Ghissi, Tado, Gapibaguna, Mole- 
majino, Karahantalo, Said, Molemagiu, Saifudin, Hamjar Fara-udin, Lada manjunuki 
(von Europäern getödtet), Hassanudin, Amir bifodalil Ajid, Jamaludin, Badi-udin, 
Kamaludin, Mochamed Nil Mab-us, Jainal-Abidin, Mochamad tachir, Achmedul 
Mansur Sirajudin (filraton in Sosio), Achmedul Mansur Safi-uddin Alten (von dem 
Gouverneur), Achmed Fata-u$ldin Alten (gemäss der Assal Sultan Tsherita be- 
titelten Tsherita). 

Guna (aus Gilolo), erster Fürst von Ternate (1250 p. d.), herrschte in Tabona 
oder Tolona (auf dem Berg); Moelematilti (sein Nachfolger) gründete Tolo-Madjahi 
und dann (am Strand) Sampaloe; Tsjitsjo (sein Nachfolger) nimmt den Königstitel 
an und auf König 'Poit folgt: 
König Siale (1284 p. d ) verlegt den Regierungssitz nach Tolo-Madjahi und dann 

nach Sampaloe im Kriege mit Gilolo (sowie Seeräubern von Tidore, Motir 

und ISatchian); 
^ Kalebatta (von javanischer Mutter); 
„ Kamalo (1304) erobert in Gilolo; 
„ Sida-Arif-Malamo (1322) schliesst (nach Kriegen mit den Königen von 

Tidore, Batchian und Oebie) den Vertrag von Motir (zwischen Gilolo, 

Ternate, Tidore und Batchian); 
^ Padji Malamo (1331) folgt; 
Bastian, Archipelago. I. 5 



Digitized by 



Google 



66 

König Sjah Alem (1332) erobert Makjan; 

„ Foloe Malamo ( 1 343) verliert (im Kriege mit Tidore und ßatchian) Makj&n 
an den König Nareddin von Tidore, erobert es jedoch (1347 p. d.) mit 
Hülfe von Gilolo zurück; 
^ Bohejat folgt; 

„ Molomatsjeja (1350) erobert (durch Araber in der Schiffsbaukunst unter- 
wiesen) die Xulla-Inseln; 
^ Momale folgt; 

^ Gapie Molamo I. (1359) kriegt mit den übrigen Fürsten der Molukken; 
„ Gapie Bagoena I. vermählt seine Tochter mit dem Fürst von Gilolo (das 

durch Erbschaft an Temate fiel); 
„ Komala Poeloe (1377) giebt dem eroberten ^tchian (durch Zwischenkonft 
des Königs von Tidore) seine Unabhängigkeit zurück und zwingt (nach 
siegreichen Eroberungen) den König von Gilolo, den ersten Rang (gemäss 
dem Vertrag von Motir) an Temate abzustehen; 
y, Gapie Bagoena II. folgt; 

„ Marhoem (1465) oder Harhoem (unter welchem der Javaner Dato Mavela 
Hussein den Islam brachte) dehnte (mit Einwanderungen aus Banda) den 
Nelkenhandel aus und kriegte mit Gilolo (von wo Fürst Perdana Djamiloe 
nach Amboina zog); 
„ Zeijnulabedieu kriegte siegreich mit dem König von Gilolo (und dessen 
Bundesgenossen, den König von Tidore) und ertheilte auf der Reise nach 
Java (zum Unterweis im Islam) an den Fürsten Pati-Poeteh von Hitoe 
(auf Amboina) den Titel eines Beisitzers im temataischen Reichsrath; 
„ Bajang Ullah (1500) folgt, Ankunft der Portugiesen (1506). 
Als nach Albreu's Besuch in Amboina und Banda (1511) das auf den Schild- 
pat-Inseln gestrandete Schiff Servaan's (durch die bemächtigte Prauw) nach Assa- 
loeloe in Hitoe gebracht war, berichtete der Ternataische Statthalter auf Ceram 
an den König von Temate (im Baieg mit Tidore), und in Folge der geschickten 
Gesandtschaft (da der tidorische zu spät kam) begab sich Servaan nach Temate 
(1512). Die Spanier (aus Magelhaen's Expedition) ankerten auf Tidore (1521). 
Buto, als erster Gouverneur der Portugiesen in Temate (1521). Ignatius Karkese, 
als Befehlshaber der Spanier in Tidore (1527). Nach der „portugiesischen Vesper^ 
wurde Galvan als portugiesischer Gouverneur in Temate eingesetzt (1537). Nach 
Eroberung Amboina's durch die Holländer wurde F. Houtmann als Gouverneur 
eingesetzt (1605). Während des spanischen Königthums in Portugal wurden die 
Molukken durch Acuna (Gouverneur der Philippinen) annectirt (1605) zur Entschei- 
dung des Streits (um Theilung der Erde). 

Beim Ausroden des Waldes am Berg von Temate werden die Tscherry (odw 
Kramat) genannten Flachplätze gelegentlich gefunden mit (der Erde entwachse- 
nen) Steinen in abgeschnittener Form (meist zwei einander gegenüber), und wer 
es wagen sollte, sie wegzuräumen, würde von Krankheit ergriffen werden. Bei 
solch heiligen Gräbern (Tschere oder Tscherry) wird geopfert, um Kinder zu er- 
halten. — Neben dem Fort Terloko oder (ternat.) Kota Djeronga (bei Kulaba) 
findet sich (am Kraton des Sultan) das Fort Bululu nad^ha. — Von den Inseln 
gehört Makian zu Temate und Mare zu Tidore, sowie (nach der Auswechselung) 
Maitara (Norwegen) zu Tidore und Hira zu Temate. — Auf der Gruppe der 
Soelan-Insel steht in Besi der Salakakan und in Taliaboe der Alfiri unter dem 
Sultan von Temate. 

Der Fürst von Gilolo theilte sein Reich unter drei Söhne, als Herrscher in 



Digitized by 



Google 



67 

Temate , Tidore und Batjian , neben Ht^maheira, grosses {maheira) Land 
(hal) im Temataischen (wie Prauw- maheira, ein grosses Boot). — Bei Thron- 
besteigang einer neuen Dynastie in Ternate wird der Platz des Kraton verändert 
und finden sich noch die Mauern der alten Kratons auf dem Wege nach dem 
jetzigen. — Das Fort Terloko (in Ternate) wurde durch einen temataischen Prinzen 
gebaut, und das auf der anderen Seite der Insel durch eine tidorische Prinzessin. 
Neben dem Fort Castela findet sich das Fort Tamanili (auf Tidore). 

Beim Tode des Königs von Ternate werden die Reichs -Insignien (Krone, 
Scepter, Schwert u. s. w.) untpr Siegel bewahrt (bis zur Nachfolge). — Bala-toma- 
niku (in Ternate) oder (in Halmaheira) Bala toma-adu bilden das Volk (im Gegen- 
satz zu den von den Fürsten stammenden) Bangsa (mit Dano oder Prinzen). — 
Jaffar Sadik (aus Arabien) brachte, als erster Raja Ternate's, die Bewohner aus 
Gilolo dahin. — Bei einer Grenzregelung zwischen Tidore und Temate versetzte Ti- 
dore heimlich bei Nacht das aufgesteckte Zeichen und der Bote deckte seinen Hut 
über die aufgewühlte Erde, um damit sein Eigenthumsrecht zu bezeichnen, Temate 
gegenüber, bis dieses ebenfalls heimlich bei Nacht mit einem Reislöffel Geld an 
die Stelle vergrub, den Hut wieder darauf setzend. Als dann Beide zusammen- 
trafen, und Tidore den Hut wies, zeigte Temate den Reislöffel mit Geld darunter, 
und so wurde Tidore als Tori (Dieb) bekannt und Temate als Darnäta (Ansich- 
reisser). 

Jeder Kampong in Tidore hat die Pflicht für die Tänze der Sultan ein Mäd- 
chen oder einen Knaben zu liefern, deren Tanzkleidungsstücke für den Fall, dass 
cur Auffuhrung gerufen werden sollte, im Kraton verblieben. Die Mädchen ge- 
hören meist der Weberklasse an und heirathen mit Erlaubniss des Sultans Hof- 
bedienteste. 

In Temate finden sich die Renting (Forts) von Terloko (Hollandia), Bululu 
madehe, Oranja, Kota-Bam (Erdwall im Kampong Malayu), Kayu-mera, Castela. — 
Vor dem Eingang in So-no findet sich auf einem Hügel das Fort (Kota) Tabula und 
hinter Sosio (am Berge) das Fort Tore, beide aus Stein gebaut durch Orang Castela 
(Castilier). — An Sosio schliesst sich die Ajisiedlung Gnautofkanje (in Verlängerung 
der Hauptstrasse) und nach dem Meere zu liegt Sio-China (Sio oder Stadt), wo 
Chinesen wohnten, bis bei Ankunft der Tidorezen verdrängt, — Jorongo oder Ter- 
lokko (unter den Sultanen) baute das Fort Terlokko (in Ternate). Auf Tidore fanden 
sich (1610) die Festungen Tabula, Rom! und Marieca — Nachdem die Spanier 
(wie aus Gamma-Lamma auf Ternate) aus Tidore (1663) verzogen waren (nach 
Manilla), zerstörte der König Saifiidien das Fort von Romi und nahm (mit hollän- 
discher Erlaubniss) seinen Sitz im Fort Tahoela. 

Weil verbrüdert (Tofa) reden sich die Sultane von (Todore oder) Tidore und 
Temate als Schwäger an, in der Bahasa Tofa mit einander zusammen (Tofa) 
sprechend, indem der Erstere den Anderen Tofa und dieser jenen Rofa nannte, 
und mit Tofa wird die Verwandtschaft bezeichnet (im Adelsgrad). Die Alfuren 
Halmabeira's vermeiden Heirathen. wenn aus gleichem Tofa (oder Stamm). — 
r>ie Sultane von Tidore, Temate, Batjian und Gilolo gehören derselben Bangsa an 
(der Achli oder Familie nach), als Banjusa (in Holoutalo). — Die Bahasa Tofa- 
ropa gilt als die Hofsprache ^) in den Sultanaten von Tidore und Temate (weil dem 
König^eschlecht zukommt). Sia, König von Temate, wurde auf dem Toebo-Toebo 
genannten Stein gekrönt. Der von Guna (Häuptling von Toebona) gefundene Gold- 
stein ging von Moelij Matiti (von Folomadjahi) auf Tjitjo (von Sampaloe) über, 
der zum Kolano (König) erhoben wurde. 

Die Kinder des Sultan heissen .long offa (Dädeh in Batjan) oder (in Tidore) 



Digitized by 



Google 



_ 68 

Jo-magih (von Jongen, als Infanten). — Das Schloss (Eraton) des Sultan (in 
Tidore) heisst Kadato (Astana im Malayischen aus dem Sanscnt). Die Jomalane 
genannten Vögel finden sich in den alten Gemächern des Forts Kota-Tore (aaf 
Tidore), als Burung Didiai (burung, Vogel im Mal.). — Auf Mareka Loysa, als 
Residenz von Tidore (bis zu den Kriegen mit Ternate), folgte Sosio (wo der Sultan 
seinen Kraton baute). 

Tuan Puttri ist Titel der Sultauin der Molukken, Tuan Boekri der Prinzessin 
(in den Molukken). — Die nur in Gegenwart eines Sengadji für den Gebrauch ge- 
statteten Hüte (in Temate und Halmaheira) heissen Jatu-Sengadjl 

Ternate (Leioau-gopie) wird abgeleitet aus Temjata (siedak temjate, es ist 
bewiesen), was der Schiffsführer der Mahomedaner (aus Malakka) ausgerufen habe, 
als er, durch Stürme umhergetrieben, nach Gebet zum Propheten (die Erhörung 
durch günstige Anlandung zu beweisen), dann am nächsten Morgen Land gesdien 
(in dem Pik von Ternate). — Bei einem Kriege mit Tidore kamen die Temataer 
bis Mareka, wo sie assen, aber die Feinde heranziehen sehend, sich zurückzogen 
mit Ausnahme Einiger, die Affa-Affa (Djangan-djangan im Mal.) sagend, dort blieben 
und so von den Tidorezem zu Sklaven gemacht, nun als Orang Budak (Sklaven) 
auf dem Berge (Gunung) im Inneren (als Orang Gunung) wohnen (unter dem Namen 
von Affa-Affa). In der Sprache Tidore's heisst Kupfer Tambaga, wogegen Tabaga 
in der Sprache der Affa-Affa des Gebirges (die Dagal sagen für Dagan, mid ähnliche 
Verschiedenheiten). 

Unter Ternate stehen drei Raja von Lolodo (aufwärts am Lolodo-Fluss) in 
Halmaheira, dann Banggai und Tumbuku (auf Celebes). — Unter Tidore steht die 
Vierzahl der Ampat Raja Papua. — In den Pflanzungen Temate's arbeiten meistens 
Werkleute aus Tidore, (als „schläfrig oder faul" erklärt). — In den 9 Kampong 
von Sio-soa sind begriffen die Kampong maliga, sokonora, sorkolanum (des Sultan), 
soajaba, soakalaudi, soa-samafu, soa-rum, tchoba und tomaschaba. — Unter Kaya- 
meru findet sich (in Temate) das (zeitweis zum Flaggenaufziehen benutzte) Plateau 
Tobona (als der alten Hauptstadt). 

Die Nachkommen früherer Fürstengeschlechter in Temate erhalten noch (durch 
weisses Kopftuch kenntlich) im Volke Ehrenbezeigungen. Die Nachkommen aus 
fürstlichem Geschlecht heissen Dano (in Ternate). — Gama-lame oder die alte 
(lame) Stadt (Gama) versank beim Bau des portugiesischen Forts, das später gleich- 
falls verlegt wurde. — Ein gedrehter Kopfwulst bildet die auszeichnende Tracht 
der Beamten in Temate (wie auf Buton). — Tobona gilt als älteste Ansiedlung 
auf Ternate. — Der Ihkan-Bokki (Prinzessin-Fisch) genannte Fisch, der (in Ter- 
nate) aus dem Sand gegraben wird, durfte früher nur des Sonnabends gefangen 
werden und musste als Regal dem Sultan abgeliefert werden. 

Gegenüber den Fala Baha genannten Reichsgrossen, die (auf Temate) den 
König entthronen konnten, wurden zum Schutz desselben die Soa Sivi (neun Dorf- 
herren) eingesetzt. — In Temate begann der Stammherr des Adelhauses Tommaitu 
seine Eroberungen unter den Xula-Inseln, gleichzeitig mit denen, die der Stamm- 
herr des- Adelhauses Tommagola auf Buru unternahm (XV. Jahrb.). — Vor seinem 
(von einer Mutter aus Gilolo geborenen) Bruder, der seinem Vater in Gilolo auf 
den Thron folgte, flüchtend, zog Djamiloe (Sohn einer javanischen Mutter) nach 
Hitoe auf Amboina, das fürstliche Geschlecht Nussatapi gründend (1465). — Als 
Parteiungen auf Amboina (und Temate) hielten es die Uli-liroa (meistens Mohren) 
mit Temate, die Uli-siwa mit Tidore (XVIII. Jahrb.). 

Im XVII. Jahrb. war Onin (als Vorgebirge Neu-Guiuea's bei Salwatti) au Ti- 
dore unterworfen. Die Händler aus Keffing oder Ceranilaut besassen wi der Roste 



Digitized by 



Google 



69 

von Onin oder (in Ternate) Wonim jeder seinen besonderen Sosolot oder Anker- 
platz zum ausschliesslichen Gebrauch (1678). Als Hauptplätze in Onim fanden 
sich Fataga (unter König Jeef, und Rumah Bati oder Negry KU unter Massaluwa, 
Sohn des Raja Tabowan bei der Mengonan Soholot (Onim\s) Gerichtsbarkeit (Ende 
des XVII, Jahrb.). 

El Mindanao tiene su particular arma a lo de Ternate, que es Campilan 6 
alfanje de un filo (s, Combes). Im Streit mit seinem Bruder auswandernd, kam 
Paguian Tindig nach Basilan (wo sich sein Vetter Adasaolan mit Paguian Goan, 
Tochter Dimasangcay's, des Königs von Mindanao, vermählte) und dann nach Jolo *) 
(die Eingeboreneil unterwerfend). 

Auf Batsjian fanden sich neun Hauptplätze (mit dem Sitz des Sultan in Amas- ' 
sing), als Amassing, Sapangala, Gallap, Sumbaki, Singabodon, Dapoat, Lata-lata, 
Mandioli, Obi, sowie der alte Platz Sekie am Flusse Kasi-Ruta. — Der König von 
Labnang oder Labuha setzte sich von Kasi-Ruta in Beziehung zu den Alfuren des 
(seitdem unbewohnten) Gebirgs-Innem auf der Insel Batjian und gründete ein 
Reich. — Die Bevölkerung auf Batjian ist eine gemischte (aus ternataischen Zu- 
wanderungen). — Der Sultan von Ternate wird (auf Batjian) betitelt, als Jo toma 
dubu oder Herr des Anfangs. — Sida- Hassan, König von Batjian, verband sich 
mit Tidore, um Ternate aus Makyan zu veiireiben (1343 p. d.). 

Nach dem Tode des aus Batjian ausgewanderten Königs in Babontchoe (Manado 
toewab) folgen seine Söhne Loementoel und Mokodompis. — Jenal übidin, Sultan 
von Batjian, schloss den Vertrag von Motir. — Nachdem der von den Königen 
(Kolano oder Badden) von Ternate, Tidore, Batjian und Gilolo auf der Insel Motu- 
geschlossene Motir -Vertrag durch neuen Krieg gebrochen war, zog (XV. Jahrh. 
p. d.) eine Colonie aus Gilolo nach Hitsoe auf Amboina (sowie eine Colonie aus 
Ternate über die XuUa-Inseln und Boewe nach Ceram). — Ursprünglich in Makyan 
wohnend, zog der Sultan von Batjian nach Kasiroeta (und daim nach Batjian). 

Als Bigara oder Biku Cigara (Fürst der Molukkischen Inseln) mit seinem 
ScbifT an Batjian vorüberruderte, fand er dort, beim Umhauen eines blutenden 
Bambus, unter dem Schilf vier Schlangen, aus deren Eiern (wie es eine Stimme 
über künftige Königsgeschlechter prophezeite) die Stammherrn der Fürstenhäuser 
auf Batjian und Buton hervorkamen, der Vorfahr der papuanischeu Fürsten und 
die mit dem Herrscher von Loloda vermählte Prinzessin. Der König von Batjian 
führte das Bild des Drachen, aus dessen Eiern sein Geschlecht entsprossen, auf 
seinem Schloss (im XVHI. Jahrb.), den Titel Kolano Madebe (Fürst des Aus- 
ganges) tragend. Die Dörfer auf Sekkie oder Batjian standen unter Babatoe ge- 
nannten Häuptlingen. 

Die Insel Motir bezeichnet „nachfolgen" (Toeroet), weil stets von Tidore oder 
Ternate abhängig. — Die Insel Makyan hei^t (in Ternate und Tidore) Mara (ver- 
bittert abgewandt), weil zwischen den Sultanaten von Tidore und Ternate durch 
europäische Regierung besetzt. — Die Insel Mare bezeichnet Batu oder Stein (Marc 
in Ternate und Mafu in Tidore), weil die Erde für die Blanga genannten Gefässe 
liefernd. In Mare wird die Sprache Tidore's gesprochen. — Tobocco hat seinen 
Namen (in Ternate) von To-bocco (schwimme nach See) , als Worte des Dieners, 
dem tidorischen Prinzen . zugerufen, der im dortigen Haus, von dem Ehematm, mit 
dessen Frau er liebelte, überrascht zu werden bedroht war. 

Batjian wird erklärt als Binchano (Verläumder oder Ränkestifter), indem der 
Raja von Batjian trotz seiner engen Verbindung mit Gilolo, bei Tidore und Ter- 
iiale Umtriebe einleitete, Verläumdungen ausstreuend, wodurch die Könige der Con- 
föderation von Tidore und Ternate sich gegen Gilolo verbanden, zur Vertheilung 



Digitized by 



Google 



70 

des Reichs von Gilolo zwischen den siegreichen Gegnern (Tidore und Ternate). — 

Tidore wird erklärt als Tori oder (mal.) Pandjurri (Räuber oder Dieb), weil 
die Grenzzeichen nach der Absteckung (in Vertheilung des Reichs von Gilolo) 
heimlich bei Nacht verändert wurden, Ternate abgeleitet von dernata oder (mal) 
Gladjo (der Ansichreisser), weil fremden Eigenthums in den Eroberungen sich be- 
mächtigend. — Das Dorf Mareku oder (früher) Manjeku (in Tidore) bezeichnte 
Diatas (oben). 

Eine Prinzessin Ternate's, mit einem Fürsten von Tidore getraut, wurde, weil 
nicht mehr Jungfrau befunden, auf ein Floss gesetzt und trieb nach Batjian, wo 
sie von dem dortigen Herrscher als Gattin geehelicht wurde. 

Unter Moesa Lalean oder Koeda-Lalean , Enkel Pandji-Ino-Kerta-Patti's (aus 
den Nachfolgern Deva Kasuma's), eröflFnete den Javanen (1100 — 1200 p. d.) Ver- 
kehr mit Ternate und den Molukken und ein Bruder Koeda Lalean's zog nach 
Celebes. Die Javaner Hessen sich unter Sida Aaaris Matamo, Eonig von Ternate, 
dort nieder (f 1371 p. d.). 

Von Banda wurde mit den Molukken gehandelt (1465 p d.). — Die (das Gap 
Comorin umfahrenden) Djonken der Chinesen brachten Gewürznelken nach Malabar 
(s. Marco Polo). — Nach der Eroberung China's*) (1278) kamen chinesische Ein- 
wanderer nach Ternate, um sich mit Japaner, Javaner, Makassarer, Maleyer, Araber, 
Borneer u. s. w. zu vermischen. 



Bei Rechtssachen vnrd in Galela nach dem alten Adat (Adat ti Dodona) ent- 
schieden, gemäss der von den Vorfahren überkommenen Traditionen. — Jo madutu 
oder der durch sich selbst bestehende Herr (Tuan bara) wird als Kayu madutu 
bei Eidesableguugen angerufen (in Tabello). — Bei dem Districtsrath (Saje Kama- 
tahoe woka) präsidirte der Utosan (auf Halmaheira). Die Rechtsentscheidungen 
geschehen nach den alten Gebräuchen (Fognakoe) gemäss der von dem Goesoeong 
(Gesandten Johoe-ma-di-hoetoe's) überlieferten Gesetze oder Lara, als (gerichtliche) 
Strafe (in Galela). — In Gamkanora (mit Iboe) findet sich ein Schreiber (Tulis) und 
ebenso (vom Raja von Loloda abhängig) ein Talofur, während in Sahoe, Galela, 
Tabello, Kau, Dodinga, Gilolo (sowie in Gane) von Ternate aus die Utusan ein- 
gesetzt sind. Neben dem Utusan führen Senhadji (in Sahoe u. s. w.) die Aufsicht 
über die Alfiiren, während Kolano den einheimischen Titel des Raja bildet. 

Neben dem Utusan, als Gesandter von Tidore (früher von Maba), findet sich 
der Senhadji zum Regieren des Districts und (als Mitglied des Raths) der Captan- 
Laut (Seehauptmann), sowie der Dorfoberste oder Kimalaha (in den Regierungs- 
sitzen von Maba, Patani und Weda). — Auf der südlichen Halbinsel (unter Tidore) 
wohnt der Utusan in Gane (mit dem Djurutulis oder Schreiber und dem Alfiris als 
Polizist), dann folgen die Senhadhji, und (als Dorf obersten) die Kimalaha (sowie 
Mahimo oder Ael teste Ober die zeitlich anwesenden Alfuren). — Zu den Gottes - 
urtheilen gehört (auf Halmaheira) das Untertauchen (toembello). 

Der Sultan Amsterdam (von Ternate) Hess den Kampong Tara-udu (in Hal- 
maheira) bauen, unter dem Namen Doi-doi (Stuhl), weil auf einem Stuhl getragen, 
dorthin gelangt. — Die Häuptlinge (in Halmaheira) führen den Titel von Sengigi 
(Sangh-haji), Kabilachi, Semalaha (bei den Alfuren). Die Häuser sind auf dem 
Boden gebaut und zum Lebensunterhalt dienen Reis, Sago u. s. w. Beim Pflanzen 
des Reis werden Feste gefeiert, sowie beim Fischen, Hausbau u. s. w. 

Zwischen den Utusumaten von Sahoe und Kau ziehen sich durch das Innere von 
Halmaheira die schwer zugänglichen Hügelberge Buku Tudukku (Gunung malintaii} 



Digitized by 



Google 



71 _ 

hin, nur in zerstreuten Hütten bewohnt von den Tobaru genannten Alfuren in den 
Bergen (Gunung) der Schrankenumzäunungen (Malintan) — Im temataischen Hal- 
maheira finden sich wilde Nelkenbäume, im tidorischen verwilderte Muskatnüsse. — 

Durch die Prinzessin von Gamma-Lamma (auf Ternate), die nach Tidore zum 
König Kaitspili Ceram flüchtete, fielen die Länder von Maba, Weda und Patani an 
Tidore. 

In Halmaheira finden sich (aus Ternate eingesetzt) der Utusan von Sahoe, von 
Gilolo (mit Moro, Pemitti, Waijoli-Gilolo), von Galela, von Tabello, von Eaau, 
von Dodinga, sowie von Gane, und ausserdem bestätigt der Sultan (von Ternate) 
den Utusan von Taliabo, von Sulabäsi (mit Salahakkan als Oberhaupt), von Bangai, 
von Mandona, von Tumbuku, von Makyan. Neben dem Raja von Loloda steht 
ein Jirtuiis oder Schreiber. Unter dem Utusan von Sahoe sind gestellt die Dörfer 
Soraha, Tatschim, Traaudu (Tara-udu), Gnaon, Tiloba, Tabisso, Idam. — In Iboe ist 
ein Gamkanoroa (statt eines Utusan) bestellt (als Stadtoberster). — Jedes Dorf der 
Alfaren steht unter einem Eapola, dem verschiedene Mahimo zur Seite gestellt sind. 

Die Regierung^) bei den Alfuren (Halmaheira's) liegt meist in den Händen der 
Aeltesten (Drang Tua im Mal.). In Djilolo herrscht der Ngofamanina betitelte 
Häuptling*). Die Volksversammlung (Foiki-fo-bitjara) wird in dem Crom ge- 
nannten Gebäude abgehalten und der Gemeinderath (imFoiki-fo-bitjara) bildet sich 
aus den Tofa. — Zum Sasie okeh goleh maagi (den Eid durch Trinken des Schwert- 
wassers) werden (auf Halmaheira) die Waffen des Beeidigten in Wasser (mit Ku- 
geln darin) eingetaucht (wie beim Eideswasser der Schwerter in Siam). — Die Al- 
furen von K&ve (in Halmaheira) haften gemeinsame Mahlzeiten in der Saboewah 
(Dorfhalle) ab (Mittags und Abends). 

Der Raja von Loloda führt den Titel Kolani, die Vornehmen heissen Kurutieh, 
die Gemeinen Matschetscheke, die Verpfändeten Tiwawah und die Sklaven Gilalo 
(Palalom oder Adoan). — Die Alfuren (als Dapalo oder Edle, Ngadoe oder Gemein- 
freie, Gilango oder Sklaven und Mioti-magogoko oder Pfändler) zerfallen in Tofa 
oder Stänune, die bis zum 4. Geschlecht (bis auf den Ur-Ur-Enkel) die Heirath 
verbieten. 

Bei der in friedlicher Regierungslosigkeit **) (bis zur Hervorrufung eines Tua 
in Kriegsnoth), auf die Vorbereitungen im Unterhalt der Befestigungen (oder 
Wegebau), und sonst öffentliche Arbeiten^**), beschränkte Verwaltung'*), mit 
gelegentlich richterlichen**) Functionen (Unordnungen durch geheime Vigilance 
comity eines Purrah- ") oder Semo-Bundes steuernd) stehen dann (im gegenseitigen 
Vertrauen gefestigt), neben der — wie durch Alter '^) (bei gesitteter Auffassung 
desselben) naturgemäss im Senate der Geronten (bei Kru, Kirgisen u. s. w.) — so, 
(bei eingeleitetem Verkehr) durch Reichthum gegebenem Niveau-Erhöhung (in Drang 
Kaya), (sowie der durch Redefertigkeit und sonstige Talente in Vertretimg nach 
Aussen), noch die Priester, als Hut gegen die unsichtbare Welt, und dann in 
weiterer Combination die Gestaltungen der Priesterkönige'*), bis zur politisch 
wieder eingeleiteten Trennung (unter Verbleib archaistischer Ueberlebsel im Rex, 
Basileus u. s. w.). 

Blutige Gebräuche der Blutrache ^^) mildern sich in den zulässigen Bussen (des 
Wehi^eldes gerne) und die Themistes (aus Kronion's Schoss) ordnen sich in der 
Gesetzgebung eines Dammathat (Manu's), mit religiöser Weihe und Autorität (bei 
Vereinigung'^ der zwei Schwerter), abgeschwächter dann im Conflict mit den 
Rechtsbüchem richterlicher Functionen. Die (im rituellen Coelibat) abgeschnittene 
Fortpflanzung wird durch geistige Weihen vermittelt, und solche verbleiben, sym- 



Digitized by 



Google 



72 

boliscb *'), denn auch in den Ceremonien der Inthronisation, wenn nicht im Natar- 
band des Tradux schon die Seele uberflieast (wie bei den Ariki). 

Bei der Heirath in Oalela iniiss bei dem ersten Besuch des Bräutigams der 
Tahomo Babono bezahlt werden, und dann der Kaufpreis der Frau. — Wittweii 
und Basen können unter den Alfuren (Halmaheira*s) heirathen (nicht jedoch nähere 
Verwandtschaftsgrade). — Auf Halmaheii*a dürfen Heirathen '^) nur zwischen ver- 
schiedenen Tofa geschlossen werden. 

ünverheirathete , als Je-jaru (weiblich) und Ngang-jaru (mfiimlich), tragen am 
Oberarm ein mit weisser Muschel verziertes Band (in Tabello). -7- Die Familie 
(Giunongoro oder Gianongoro) heisst (in Loloda) Bangsa (Vansa in Pali und vam^a 
im Sanscrit, auf Schilf zurückgehend, wie bei Abstammung der Zulu von Umkulun- 
kulu). — Ibu ist der ältere, Nunguru der jüngere Bruder, Troa (Martua) bezeichnet 
die Schwiegermutter. — Bei den Alfuren (in Tobaroe) erhält das Kind am Tage 
der Geburt seinen Namen von früheren Vorfahren, oder, bei geringen Leuten, nach 
den Tagen der Woche (im Malayischen). Dem Kind wird zuerst mit drei Monaten 
(wenn der Schädel fest ist) das Haar geschnitten (beim Fest) und später mit Zu- 
nahme von Läusen. 

Als Anrede Bejahrter, wird Oheim ^o) (Gm oder Oom aus dem Holl) als Pa- 
nioeda bezeichnet (in den Molukken). Die Altersklassen graduireu sich überall 
klimacterisch , in den Uebergängen oft mit Prüfungen verbunden, mit weiter- 
fuhrenden Stufengraden**) von individueller Geltung zur socialen s. N. B. d. E., 
S. 118 u. ff.). 

Beim Tode des Vaters erhält der älteste Sohn den Hausrath'*),um darüber zu 
beschicken (und auszuleihen), während die Pflanzungen unter die Kinder vertheilt 
werden. Die Wittwe kehrt zu ihrer Familie zurück, wenn nicht die Kinder dieser 
dafür zahlen, dass die Frau bei ihnen bleibt (auf Halmaheira). — Früher wurde 
das Privat-Eigenthum an den Sago-Bäumen durch besondere Zeichen gemerkt, wo- 
gegen jetzt (in Sahoe) die ternataische R^erung das Land zuweist, und wenn der 
Ausleger eines Sago-Baum's auf das Gebiet eines anderen Besitzer's hinüberwächst, 
so nimmt dieser die Zugehörigkeit in Anspruch (worüber der Rechtsstreit im Dham- 
mathat bei den Kürbissen). Durch Aufhängen von den Matakau genannten Puppen 
wird Eigenthum gekennzeichnet. 

Bei der Verheirathung werden (im Wettstreit) Geschenke g^eben, seitens des 
Mannes und seitens der Frau (je nach der* üebereinkunft). Wer mit der Frau 
entläuft, die Ehe schliesst per raptus, muss Busse zahlen. Sind die Heiraths- 
Verpflichtungen erfüllt, so folgen die Kinder dem Vater, wogegen beim Entführen 
der Frau das erste Kind der Mutter gehört (als Ersatz) und die späteren ab- 
wechseln zwischen Vater und Mutter. Unter Darbringung von Geschenken holt 
die Familie des Mannes die Frau nach dem Hause des Mannes ab, mit Kenntniss- 
geben an den Häuptling (auf Halmaheira). Der Raub erfolgt, wenn zwischen den 
Eltern keine Üebereinkunft in der Heirathsverhandlung herzustellen war. 

Wie mit den aus dem Vorwalten exogener Ehen besonders, mehr und mehr 
sich bekräftigenden Thatsachen (gegenüber der Patria Potestas) ergiebt sich auch 
aus dem Widerspruch primärer Eigenthumsverhältnisse gegen die Res nullius, das 
Desideratum einer tabula rasa gleichsam für den inductiven Aufbau'*) in der Eth- 
nologie, wenn nicht ihre Theorien dem in der Praxis geschichtlich festgestellten 
(überall, wo Collision bevorstehend) von Vornherein zu weichen hätten (bis etwa 
in der genetischen Methode das Verständniss der Genesis selbst gefunden). 

Jedes Dorf (in Sahoe) besitzt ein Versammlungshaus (Sabua) oder Sasadu, wo 
die Verzierungen der Prauwen als Siegeszeichen nach dem Kriege (in Blättern 



Digitized by 



Google 



73 _ 

a. s'. w.) aufgehängt werden über den (schon vorher dort zur Götterweihe aufge- 
hangenen) 6ambusge£ä88en , aus denen Saguweer getrunken wird. — In der Mitte 
der alfurischen Kampong (auf Ilalraaheira) findet sich (für gottesdienstliche Ge- 
brauche) ein Tempel zum Aufhängen der Siegeszeichen (in Waffen, Verzierungen 
von Prauwen u. s. w.). Der dem Feinde abgeschnittene Kopf") wird an einen 
Pfiahl gehängt, um bei der Volksversammlung von den Einzelnen zerschnitten und 
verstummelt zu werden. — In dem Versammlungshaus (Saluh) werden Feste ge- 
feiert (bei Todesfällen, Heirathen u. s. w.). 

In Sahoe wird der Laego-Tanz (von Gesängen begleitet) aufgeführt (bei der 
Ernte und anderen Festen), sowie der Hassa (Tschikalele oder Kriegstanz). — 
Mainlägo heisst ein Tanz, den Frauen und Männer durcheinander auffuhren bei 
Musikbegleitung (als Koliling oder Rundtanz). — Die Doppo-doppo werden als 
Liebeslieder gesungen. — Beim Hausbau**) werden Feste gefeiert (in Sahoe). — 
Allgemeine Feste (bei Todesfällen, Heirathen u. s. w.) werden (in Tabello) in der 
offenen Halle (Halla-Halla genannt) gefeiert, nach Bestimmung der Mahimon (Greise 
oder Orang tua). — Die Orang Tobaru haben fui* Hochzeiten einen Menschen zu 
tödten (mit Abschneiden des Kopfes, der Hände u. s. w.). 

Bei Laegu (Staatsfesten) tanzen in Tidore die Ngofabiru genannten Tänzerinnen, 
wogegen die Salaia genannten die nächtlichen Tänze ausführen, und im üebrigen 
heissen Tänzerinnen im Allgemeinen Rongeng (wie im Jav. und Mal.), die Tänzer 
(mannlichen Geschlechts) Tjelale. Zur Musik dienen Fifi (Flöte), Viola (Violine), 
Muzik (Trommel),- Bäsi oder poekoel Bäsi (zum Eisengeklingel). — Zum Haar- 
scbneiden**) (in Taaraudu) hält man die Haare straff, um mit einem Messer ab- 
zuschneiden. 

Zum Betel kauen wird verwendet (auf Tidore) Sirih oder Betel (Bidoh in Ter- 
nate), Piuang oder Areca (Pareh oder Jana in Ternate), Gambier (von Temate 
eingeführt) und Tobacco. — Zuerst wird die Nuss gekaut (mit oder ohne Gambier), 
dann kommt Betel und Kalk, zuletzt Tabak hinzu. Der alte und starke Pinang 
wird als Pareh, der frische als Jana bezeichnet. — Von dem, wie sonst besonders 
aus Metroxplon-Arten (auch Corypha umbraculifera, Caryota maxima u. s. w.) auf 
den Molukken mehr aus der Aren-Palme (Arenga sticcharifera) verfertigten Sago, 
als Onggok (in Java) werden Gerichte^') bereitet (s. de Clercq), wie Sagoe lempen 
oder Sagoe-bakar, Sagoe-asar, Boeboeme, Boeksona, Oeha, Bagea, Sinoli, Totoe- 
pola, Papeda oder Lapia u. s. w. 

Der Wisa genannte Schurz aus Baumbast (von Bauern Fisa) wird mit stei- 
nernen Werkzeugen bearbeitet. — Bobili ist der am linken Arm getragene Muschel- 
ring (durch Drehen von einem Bambus verfertigt). Am Arm wird der Goloni 
genannte Flechtring getragen, am Knöchel der Ring Kallu-bahasn (schwarzer Farbe) 
aus der Akker-backer genannten Koralle verfertigt (medicinischer Kraft). — Die 
in Tidore (am besten im Kampong Toloah verfertigten Parang heissen Pädah, so- 
wie Tjitje (Messer oder Piso). 

Die Prauwen in Ternate unterscheiden sich als Prauw Tschakelang (für den 
grossen Fisch Tchakelang), Funai (kleine Fische in Netze zu fangen), Pakatä 
(zur Fischerei*®) an der Küste); Simbasema Semasema (zum Umherfahren), Ronega 
(Gunai) oder Roreche (für Reisen), Paduakan (zum Handel), Cora-Cora oder (in 
Tid#re) Juanga (zum Krieg). Die Prauw (Oti) Maheira (in Temate) heisst Ma- 
jore (in Tidore), aus einem Stück (wie Prauw Fonoi aus grossen Planken). Für 
kleine Fischerei dient die Delamohti genannte Oti (Prauw) in Tidore. 

Die mit Nägel zusammengezimmerten Prauwen (in Temate) heissen Korehä 
oder Papang, wogegen die aus einem Stück gefertigten (weil die älteren) Prauw- 



Digitized by 



Google 



74 

mahera (mahera oder Mutter) genannt werden. Kleine Prauwen**) heissen Ma- 
hera (Oti-mahera) in Ternate und (in Tidore) Majore (Oti-majora) oder Oti-Prauw. 

Die Musikinstrumente Ära babu (Violine) mit Bogen (Luilui) und Tataboang 
(Bambusklapper) werden in Tidore luid Ternate beim Tanz gespielt. Das Rabana 
genannte Trommelbecken wird bei Tänzen auf Ternate geschlagen. 

Die ßuka (in Tidore) oder Sahula (in Ternate) genannten Holzkästchen (der 
Schiffer) mit Abtheilungen für die Ingredienzien des Betelkaueos, Tabak u. s. w., 
werden beim Verfertigen nach der Zahl der Fächer bezahlt. In den Goni genannten 
Beteltaschen (mit Tohi oder Inhalt) wird der Dofahei (Fetisch) getragen (der Wong). 
~ Die Häuser*®) in Tahello sind achteckig (wie Tempel in Humboldt Bay). 

Schilde**) finden sich in der Parirform. Neben Bogen und Pfeil gebrauchen 
die Alfuren. (in Taaraudu) das Dulupu (Dolufu) genannte Blasrohr, die Klewangs 
werden in Ternate gefertigt. Für die Jagd auf wilde Schweine ist eine Lanze ge- 
bräuchlich. Die Schmiede von Ternate bereisen die Eampong der Alfuren in Hal- 
maheira, um Aufträge auszufahren (und sonstige Künstler, meist aus Ternate). — 
Aus dem Holz Sunnibya wird eine Flüssigkeit bereitet, um die rothen Figuren 
auf den Baiunbastzeugen mit Pinsel aus Cocosfasem aufzuzeichnen. — Aus dem 
Kayu-molu genanntem Holz werden schwarze Armringe gefertigt (in Sahoe). Da» 
Zabnfeilen (Roko) geschieht mit einem Stein (Mari-nu-ngifi) an den oberen Vorder- 
zähnen. Zmn Feilen der Zähne (der Schönheit wegen) werden die auf einem Stadt 
Holz beissenden Oberzähne in der Mitte quer eingefeilt, so dass sie ndt dem unteren 
Ende hervorstehen. Die Salaia genannten Körbe dienen in Ternate nicht nur, 
um Sachen hineinzulegen, sondern auch darauf aufzustapeln. Tabak wird in dem 
Suwala genannten Faltenkorb getragen, in "dem Lopolopo genannten Deckelkorb 
der Penang u. s. w. (in Sahoe). 

Die Spindel zum Netzestricken (in Sahoe) heisst Fufiilikunai (in Ternate. — 
In Sahoe wird das Feuer**) durch Reiben zweier Bambus erzeugt, oder durch 
Schlagen eines Bambus mit Porcellanscherben oder mit einem Stein. — In Ternate 
(und unter den Alfuren Halmaheira's) wird das Budi genannte Spiel gespielt, indem 
an einem doppelt gekrümmten Stock von den zwei, dort aufgehängten, Kugeln (oder 
Früchten) die eine durch die Verschlingungen des in der Mitte befestigten Fadens 
nach der anderen Seite gebracht werden muss. 

Der Sago'") wird mit dem Ngong-alo genannten Hohlhammer (aus Bamboo) 
geschlagen und dann auf dem Doro-maso genannten Mattensieb durchgeknetet, um 
(nach Abfliessen des Wassers) in Blätter verpackt zu werden. — Auf Manowollo 
und Salwatty darf kein Reis gepflanzt werden, da das ein Monopol für Goram ist 

So lange der Reis noch nicht geerntet ist, darf Niemand das Feld betreten, 
indem dies Bo-boscho (pomali) sein würde, und deshalb als verboten gilt (auf 
Halmaheira), wie auch in Mexico, um Störung der Vegetationsgenien zu vermeiden, 
Ruhe gehalten werden musste und der Maori nicht an der Vorderseite seines im 
Aufwachsen begriffenen Taro-Feldes vorbeigehen darf. — Wenn der Reis spriesst, 
sowie ebenso bei der Ernte**) werden Feste gefeiert (in Sahoe). 

Die Gewürznelken werden unter Besteigen des Baumes mit den Händen ge- 
pflückt und in Körben gesammelt. Auf den herausstehenden Zweigen knippt mau 
die Trauben mit einem gespaltenen Bambus ab und lässt sie herabfallen. Die 
Nelken werden dann einzeln hervorgenommen und in der Sonne getrocknet Von 
einem Baum kann im Jahre dreimal geemtet werden. — Achat (Sonntag), Sinen, 
Salassar, Rabo, Chamish, Jumaat, Sapatu bilden die Namen der Wochentage bei 
den Alfuren (mohamedanisch). — Für die Ernte der Nüsse wird ein Areca-Baum 



Digitized by 



Google 



75 

daneben gepflanzt (in San Christoval); iorsqu'ii a atteint la hauteur des premieres 
branehes du Nari, il sert comme d'ecbelle pour j monter (s. Verguet). 

Der Sädwest-Wind dauei't bis September, dann tritt ein Monat Pause ein und 
im November folgt der Nordostwind bis Mai (in Ternate^. Während der Dauer 
des Nordostwindes föUt der Regen reichlicher. Bei dem Uebergang der Monsune 
(im Mai), wenn der südliche Wind durchkommt, und im November (mit dem nörd- 
lichen Wind) ist der Regen reichlicher. — Der Ende November beginnende 
Regen-Monsun dauert bis zum Wechsel im März, der Westmonsun (der Javaner)/ 
obwohl auch in Halmaheira fühlbar, „verliest veel van zijne kracht en door de 
hooge bergen von CJelebes en door de ligging van Halmaheira om en bij den eve- 
naar^ (Campen). 

Der Rhinoceros -Vogel (Kanko in Ternate) heisst (im Malayischen) Burung 
Fahon (Jahresvogel), weil in seinem Schnabel Einschnitte zeigend nach der Zahl 
der Jahre. — Der Paradies- Vogel (Burung-mati im Mal.) heisst Sohff Kuradschi, 
weil den Kopfbusch (Sohff) des Königs liefernd (in Ternate). 

Die wilden Zerrüttungen, mit welchen, in Folge des kostbarst seltenen und 
deshalb allgemein beneidet sowohl, wie umstrittenen Geschenkes der Gewürze, die 
Gewürz-Inseln in ihrer Geschichte geschlagen worden sind, haben schliesslich zum 
fast gänzlichen Verschwinden der Nelke auf Tidore gefuhrt, wo sie gewisser- 
massen nur heimlich noch (in Scheu des Erinnerungsgespenstes früherer Ausrottungs- 
gebote oder schwer drückender Abgaben) im Kampong Gnossi gepflegt wird und 
auch auf Ternate sind sie erst neuerdings wieder in Gärten angepflanzt (zusammen 
mit Vanille, Zimmt, Betel, Areka, Cacao, auch Mangosteen u. s. w.), während für 
die Muscatnüsse die Banda-Gruppe reservirt wurde. Die Verpflanzung des Nelken- 
baums aus seiner Heimath auf Ternate (und auf Makyan) nach Hita auf Ambon 
fand heimlich statt, indem aus Makyan junge Sprösslinge dorthin gebracht wurden 
(im XVI. Jahrb.), als Poa Lawan oder Poa Halawa (Goldfrucht). 

Im Chinesischen kommt Tjingkeh (Gomodi in Tidore) vor für Nelken, von 
Tjiiig (Nagel) und Hio (wohlriechend), also Würznägelein (Clou de Girofle), und 
Kazwini lässt die Gewürze von Bertajil (bei Java) kommen (im stummen Handel 
erworben). — Schon im Aegypten der Pharaonen wird aus Pounals Gewürz Kami 
eingeführt (symbolisch dargestellt), und in Alexandrien finden sich zu Marc AorePs 
Zeit Nelken und Muskat unter den Listen im Digest des Zollhauses aufgeführt (und 
dann unter Commodus). Bei Plinius findet sich das Garyophyllon erwähnt, und früher 
beiPlautus (die Muscatnüsse). — Dann mit Antonio de Abreu (in Ambon), Francesco 
Seiran's Schiffbruch, Sebastian del Cano in Tidore, Britto's Gefangenschaft u. s. w., 
treten die Molukken hervor, als Archipelago de St. Lazaro der Portugiesen (in Ter- 
nate), denen (seit Magelhan's Erdumsegelung) die Spanier als Rivalen gegenüber stehen 
auf Tidore (in blutigen Fehden, von denen noch jetzt die Trümmer ihrer Festungs- 
burgen zeugen), und darauf folgten bald, seit Van Warwigth (1597), die Holländer, 
sowie als ihre — bis zum Massacre (in Amboyna, 1623) gehassten — Concurrenten, 
die Engländer, welche ihre erste Gewürzladung für 3000 pCt. über den Einkaufspreis 
verkauften. — Im XVII. Jahrhundert producirten die Molukken 750 Baharra (von 
600 Pfd.) an Nelken, und in günstigen Jahren das Fünffache, für 50 Thaler, das Pfund 
mit 4 Stüver zum Einkaufspreis (während für 1 0. verkauft). Für Banda stehen 
704 000 Pfd. Nüsse und 176 000 Pfd. Folien verzeichnet (1700). — Von 1759—1768 
worden 10109 Pfd. Foüen und 100 624 Pfd. Nüsse, sowie 149 432 Pfd. Nelken 
verkauft, mit einem Profit von 9 172 172 fl, (in Holland). — Nach Abschluss des 
holländischen Vertrags für das Monopol der Molukken (1613), folgte der Aufstand 
in Banda (1615), und (1620) seine Erneuerung (der zu Vernichtung^massregeln 



Digitized by 



Google 



76 

führte). J^ach dem durch Vlaming zwischen Mandarsjah (König von Ternate) und 
Reimerrson in Batavia geschlossenen AT ertrage (1652) wurden alle Nelkenbaume 
ausgerottet, ausser auf Ambon (und dann setzten die Hongifahrten ein). 

Im Gegensatz von Java (mit Sumatra und Borneo) oder Jawa, heissen die 
Molukken Jawa-Jawaka (im Diminutiv) oder Kletn-Jawa (bei den Bugis). Die 
Insel Ambon heisst Jaba auf Ternate), und Hawaiki (als das ^kleine" oder iti) 
klingt weiter durch die Sudsee, bis Hawai (dann Savai, Avai u. s. w.) oder als (in 
Nukahiva bereits mythischer) Ausgangspunkt der Wanderungen bei Maori (und 
sonst). — Ontong-Java oder Luiniuwa ist von Polynesier bewohnt, wie (nach 
Schuten) Palowi (der Salomon). Sumatra heisst (auf catalanischer Karte) Java 
(oder Jana); Joejawi, grieksch (im Mal.). Die im Archipel gebaute Gerstenart 
(Panicum italicum) oder Jana heisst Futo (in Ternate). Die Jonier des (semiti- 
schen) Javan entsprechen (s. Brugsch) den üinn oder Waiani (in Aegypten). 

Von Ternate kam der heilige Pitikat oder Peter Kaart (s. Haie) nach Tobi 
(Lord North 's Island), um die Vere-jeri genannten Tempel zu bauen. Die Ankunft 
javanischer Händler in Ternate findet sich 1304 p. d. erwähnt (in den Annalen). 

Auf den Salomon, wo das (malayische) Betelkauen durchweg (bis Wanikoro) 
verbreitet ist, berührt sich die Zubereitung des Palmwein's (wie im indischen Archi- 
pelago) mit der (oceanischen) Kawa oder (in Fiji) Yaguona (auf den südlichen 
Inseln), — Die von den Dayak (und dem Reflex in Assam), Ceram mit den übrigen 
Inseln durch Tenimber oder Timor-laut und Timor überziehende Kopfjägerei, setzt 
sich durch die Salomongruppe fort, und auf Wanikoro (der Königin Ch.) findet sich 
ein Haus zum Niederlegen der geschmückten Feindesschädel (im Dorf Indengi). Auf 
Baladea wurde der Schädel verstorbener Verwandten bei Krankheit geopfert und 
auf Nanomea (s. Gräffe) salbte man die als Reliquien verehrten SchädeL 

Zwischen den (in Beziehung zu den Salomon) melanesischen , aber (wie schon 
die Entlehnungen der Worte Tabu und Ariki zeigen) polynesisch gemischten Kö- 
nigin-Charlotte-Inseln (mit den im Handelsverkehr betriebsamen Bewohnern Wani- 
koro*s) und zwischen den Viti (nach Tonga und Samoa führend), liegen (neben 
Rotuma) die (melanesisch gemischt) polynesischen Gruppen Tnkopia (sprachlich 
mit Tonga und Samoa verwandt), wo an der Spitze der vier Ariki (Häuptlinge) 
der Ariki-tapu (als Heiliger) stand, sowie die, neben polynesisch Langhaarige, 
auch Krauswollige (zu Quiro's Zeit) enthaltende Gruppe Taumako oder Turoako 
(Duff oder Dexter), von wo aus das westliche Land der Pfeilschützen in Puro 
oder (in den Salomon) Bauro'^) mit polynesischem Tapu (und unter den melanischen 
Sprachen polynesische Verwandtschaft der Dialecte, wie auch auf Gela), besucht 
wurde (zur Vermittlung für Polotu und Herkunft des Tui-tonga auf Tonga-tabu). 
Dort (auf St. Christoval oder Bauro) hatte Mendana (dem seines Steuermann's Quiros 
Entdeckungen folgten) eine Niederlassung zu gründen beabsichtigt, und als Pura (der 
in Ruk landend, die Fruchtgeschenke verbreitet) wurden die Weissen bezeichnet (in 
Birara). Wie die glänzend neue Erscheinung des macedonischen Erobererkonigs 
noch lange die Mythologien Indien's durchschimmerte, und in den Iskandersagen 
(durch das Gewaltigere des jüngeren Eindruckes die älteren verdeckend), Malayesien 
überschwemmt, so — an Erinnerung bestimmter Localität geknüpft (wie die an 
byzantinischen Asgard's Pracht im fern öden Island) — , mochte der weiterhin in 
Oceanien forthallende Name (javanischen) Havai-iki's, in der Nähe der ersten der 
europäischen Entdeckungsstationen, von einem Bolotu übertönt werden, und sich 
auch an späterem Untergang derselben Wandersagen knüpfen, wie die der Franken 
an (für sie mythisches) Troja. 

Wie in den Kriegszügen der Damila (nach ceylonischer Geschichte) spielen 



Digitized by 



Google 



77 

tamuiische Beziehungen (ausser den dai'in eiiigehörigen Inschriften auf Sumatra) auch 
sonst durch den Archipel, und wenn darüber hinaus in Oceanien würde sich von 
den Chamorro in den Mariannen (bei Pigafetta) die adlige Bezeichnung der Tamol 
(Tamon) oder Tamor aufWolie (der Karolinen) der Standesverschiebung der Tha- 
muri, als Gemeine (auf Rotuma), gegenüberstellen, mit fernen Anklängen. 

Die mit Figuren angeschnitzten Ahnenhäuser Ohinemutu's (der Maori) ent- 
sprechen denen Bauro's, wo die (gleich den Aitu oder Götter Rotuma's im be- 
sonderen Lande) abgeschlossene Klasse der Ataro genannte Götter, als Adels-Seelen 
sich dem (tonganischen) Hofstaat Hikuleo's bieten, zu dem, wie zu den Aitu (Ro- 
tuma's) Tanaroa, dort Tangaroa gehörte (Tonga auffischend). — .Bei Rotuma's 
isohrter Lage machte sich unter Zunahme der Bevölkerung oftmals (wie nach 
Vannalevu) Aussendung von Colonien erforderlich, die dann (gleich dem Brauch in 
den Marquesas) nach Befragen der Götter geschah, und (die gewaltsamere Alterna- 
tive Tucopia's**) vermeidend, wie einst auch in Island's hartem Winter dort vor- 
geschlagen), erstreckten sich (zu Cook's Zeit) Rotuma's weite Seefahrten nicht nur 
nach Tonga, wo der Hohepriester von Maofanga Tribut aus Rotuma erhielt (1820), 
sondern auch bis Tahiti, und in Oaitupu oder Vaitupu wurde (s. Dillon) für Mu- 
scheln gehandelt. 

Ebenso waren die Bewohner Tucopia's (wo die Häuptlinge kraft einwohnenden 
Tapu's herrschten) auf ihren durch die Sterne geleiteten Seefahrten thätig, nach 
Annta und Fataka sowohl, wie nach dem Queen-Charlotte Archipel, zum Handel; 
und für den Handel treffen die Bewohner von Malanta mit denen Neugeorgien's in 
Pawuhu zusammen. Von Ysabel wurden Seezüge unternommen (s. Surville) bis in 
das Jjand der zum Gürtel herab nackten Weissen (mit goldenem Ohrschmuck). 

Der Austritt aus den Molukken'^) oder Java-Javaka (directer nach Mikro- 
nesien führend), correspondirt mit einem seitlichen Abläufer nach Ontong-Java po- 
lynesischer Bevölkerung, wie (bei Schonten) Palowi und bis Ysabel, sowie Ulaua 
(in den Salomon-Archipel hinein). — Im Einschluss der mit der Südküste von 
Boro und Ceram begrenzten Zusammengehörigkeit der Monsune, beginnt, von den 
Tenimber aus, die Bewegung, welche in der mit Gap Büro (in der Landschaft 
Kapia) veränderten Landesbeschaffenheiten Neu-Guinea's sich weiterhin dann in der 
polynesischen E^cheinung der Motu und ihrer Verwandten bethätigt, über die Po- 
Ijnesier der Rennell-Gruppe (in den Inseln Mongiki und Mongava) fortführend, 
an poljnesisch gefärbtem Wanikoro vorüber, durch Tucopia und Taumako nach 
Rotuma bis Samoa und Tonga, wohin die SoUma (der Salomon) genannte Kriegs- 
zug's-Böte jene Einwanderer gebracht, denen die (dort geknechteten und von den, 
als beilig beschnitzten, Gemeindehäusern ausgeschlossenen) Frauen in der freieren 
Haltung Oceanien's (bis Hawai) entgegentraten (wie auch auf Fiji die Tättowirung 
für die Geschlechter wechselte). 

Zu Quiro's Zeit war Tukopia von Schwarzen bewohnt, wogegen auf Sikayana 
(gleichsprachig mit Lord Howe oder Liuniuwa, als Ontong-Java) sich Polyuesier*") 
fanden, und von hier streichen dann die Linien nach Tokelau") sowohl (auf mi- 
kronesischem Grenzgebiet), vne über Rotuma nach Samoa (und weiter). 



Neben dem ceremoniellen Auferlegen (kraft eines Tabu^®), wie in Polynesien) 
Hegt im (malayischen) Pomali zunächst der Brauch unter der Herrschaft der Mode, 
der zu gehorchen ist, um correct zu bleiben, und nicht extravagant ^praeter civiun 
morem" (bei Terenz). Legi morique parendnm est (s. Cicero). Usus tyrannus. In 
den Mogul (auf den Palau) tritt dann die sittliche Färbung hinzu (aus den Be- 



Digitized by 



Google 



78 

Ziehungen za den Kalit), und die eJ'ktißoLici ntpi ro beiov lässt es an Vermannig- 
faltigung minutiösen Details nicht fehlen. — Mit Dieba bezeichnet sich Verbotenes 
(in Bakele). Toute conception, qui porte atteinte au caractere sans limites d^ Allah 
est shirk (s. Goldziher). — Dazu dann das heilig Unverletzbare sacramentaler Mahle 
und die mittelalterliche Sorge ober die üeberbleibsel geweihter Hostien*'), die in 
Gallien den Schulkindern zum Naschen gegeben wurden. Ubi res divina facta erit, 
statim ibidem consumito (servus Tel liber) beim „Votum pro bubus" (s. Cato), und 
die Aruer stopfen bei ihren Leichenmahlen auch den Mund desjenigen toII, der za 
suchen geht „un grand peut-ötre** (bei Rabelais). 

In Timor belegen die Landbeschwörer mit dem (Nuniho oder) Leo, als Pomali 
oder (auf Halmaheira) Vossono (im Tabu). Das Sassie genannte Verbot gegen 
Früchtepflucken, Ifisst der Häuptling, wenn nöthig, unter dem Geblase der Kewan 
(Buchwächter) auferlegen (auf den Uliasser). In Rotti wird das Luly (als Pomali 
oder Posso) erklärt (von den Maowio). Piri (Pantang) entspricht bei den Dayak 
dem Pomali (wie für verbotenes Hundefleisch). Die Manesonggo opfern im Song- 
gonitoe oder Pomali -Haus (auf Rotti). Durch Matakan wird ein Gegenstand 
unberuhrbar**) (auf Ambon), auch an Pruchtbänme gebunden (wie Strohfetische in 
Africa). In Salwatty wird Pomali (tabu) als Forfiöll bezeichnet 

Nach dem Pomali oder Fosso ist es nicht erlaubt**), die Frau eines Fremden 
zu berühren (in Ternate). Grewisse Speisen, als krank machend, werden von den 
Guru nach dem Pomali oder Fosso verboten. 

Fossuk (Fosso) entspricht in den Molukken (auf Ternate) dem (malayischen) 
Pomali oder Gararang (auf Solor), dann Porik oder Pali (bei Dayak), Posun (in 
der Minehasa), Roeboe (bei Battak), Piri (in Pantang), Nunihs oder Leo (auf Timor), 
Luly (auf Letti), Poto (in Boeroe), Kassipali (in Makassar), Bobos Bobosso (in 
Halmaheira) u. s. w. — Vossono bezeichnet (in Sahoe) das Verbot des Pomali (oder 
Tabu**), und die dem Vossono unterworfenen Plätze sind theils von Altersher so 
bestimmt, theils werden sie (weil Krankheit oder sonst Unglück bringend) durch 
alte Leute (aus ihrer in Erfahrung gewonnenen Klugheit) angedeutet. Auf Grab- 
steinen ge^anmielter Thau macht bei Waschen klug, bis zum Errathen von Ge- 
danken (in Posen). — Um einen Dieb zum Zurückbringen zu veranlassen, wird 
ein Matakou (ein aus Topf, Figur u. s. w. hergestellter Zauber) hinter dem Haus 
begraben, und dann wird dem, auf den es gemünzt ist, der Bauch anschwellen. 
Wenn das Geschrei des Wauau genannten Vogels in der Nähe des Dorfes gehört 
wird, bedeutet es Unglück. 

Nach dem Verbot des Pomali enthält sich der Alfure (auf Halmaheira) der 
Fleischspeisen von Schweinen, oder von Hirschen, auch von Fischarten u. s. w., 
während andere Vorschriften wieder das Vorübergehen an bestimmten Plätzen ver- 
bieten u. dgl. m. (in der launenhaften Mannigfaltigkeit der Mokisso's in Loango s. 
Bes. i. S. S., S. 253). Der Häuptling (in den Marquesas) hatte ^the river tuboeed 
up to its source" (s. Fanning). Wie Caerimonia von carere (bei M. Gabinus), war 
religiosum von relinquere (zurückbleiben, meiden) abgeleitet, und in der Bedeutung 
von einem Gegenstande gesagt, der gewissermassen wegen seiner Heiligkeit sich 
von uns entfernt und abgelegen befindet (s. Weiss). Durch koe wird auf Kayeli 
die Annäherung eines Gegenstandes verboten. Durch das Pomali werden Gegen- 
stände Sassie (unnahbar) gemacht (auf Ambon). 

Unter den Noa (bei den Maori) standen die tabuirten Dinge reservirt (gleich 
dem Wahi-Tapu mit seinem, nur dem Ariki nicht, verbotenen Eiugang) und quid- 
quid destinatum est düs, sacrum vocatur (s. Trebutius) bei ^res sacrae bona deo- 
rum**, als mea hotua (der Atua) neben mea mama (in Tonga). 



Digitized by 



Google 



19 

In primitiven Glesellschaftszast&nden wird das aus der Praxis (weil im Denken 
stereotyp, damit zur Norm geworden) Verbotene ein Gebotenes, dessen Bruch ^*) 
(bei Consolidarität der Interessen in religiös gebundener Gemeinsamkeit) zum Ver- 
brechen sich gestaltet mit dem, den Fluch involvirenden , Character des Heiligen 
(als sacer). 

Das im Gebot Verbotene schützt sich durch drohende Strafen eines unheimlich 
im Dunkel (dem Auge nicht kl&rbarer) Gefühlsregungen umwaltenden Damonen- 
Reich's, in priesterlichen Warnungen zunächst, und bald mit Festigung fürstlicher 
Macht, durch das Richtschwert verschärft, wenn im Bunde beiderseits verstän- 
digter Interessen, Paje und Cazike zusammengehen (auf den Vorstadien des Priester- 
königthums). 

So lassen sich die Fetische in Afrika zum Polizeidienst verwenden, wie die 
Embleme des Matakaa^^) im indischen Archipelagos, und in Polynesien herrscht 
dann der Ariki kraft seines Tabu, das, wenn mit dem Eintritt socialen Verstandes- 
alters verständig gefasst, auch der Gesammtheit wohlthätig zu Gute kommt, um 
durch richtiger Zeit getroffene Massregeln der Bevölkerung ihren Unterhalt zu 
sichern (und Störungen inneren Friedens vorzubeugen). 

Der vernünftige Kern wird dann beim historischen Fortwachsen des Stammes 
IQ legal ausdauernden Vorschriften erhärten, und auch für den Rest bleibt der 
Volkssinn für die Antwort nicht verlegen. ^Was Allmann sagt ist wahr". 

In Saparoea darf die Schwangere nicht im Gehen essen, sonst wird das Kind 
gierig. In Brandenburg darf die Schwangere nur essen, wozu sie Lust verspürt, 
sonst widerstehen die Speisen dem Kinde, und wenn beim Erschrecken (durch eine 
Maus) in's Gesicht gegriffen ist, mnss sie, die Arme hinterwärts bewegend, sprechen : 
^weggesagt^, sonst bekommt das Kind sein Muttermaal (in Thüringen). — Der 
Alfure in Ruru darf das Meer nicht sehen, sonst folgt Krankheit, und der König 
von Quinsembo den zum Strande führenden Pfad nicht betreten, sonst geht^s ihm 
gleichfalls schlecht, — und damit Anderen auch, weil für das Wohlsein des gesammten 
Unterthanenzustandes consolid arisch haftbar. Und die Folgen solcher Versehen mögen 
selbst die B^^enzimg des Irdischen überschreiten. Thüren dürfen nicht zugeschlagen 
werden, weil man sonst Seelen einklemmt (in Westfalen) und wer am Sonntag 
sdmitselt, schneidet dem lieben Gott in den Finger (in Schlesien). Doch giebt es 
auch Hülfen bei solchem Unglück, denn wer nach dem Himmel mit dem Finger 
gewiesen, muss rasch hineinbeissen, dann bleibt keins der ^Engelchen^ todtgestochen 
(in der Wetterau), und wer, weil er die Gabel fallen gelassen, nicht weiter essen 
darf (in Lauenburg), mag sie dennoch wieder aufheben (wenn er Lust hat). 

Aus dem Brauch (geheiligter Adat^s) entnehmen sich die Baumaterialien für 
das legale*^) Gerüst, denn: „wo gewonheit ist, da ist recht** (schwäb.), und unter 
den Vorbereitungen eines „Edictum perpetuum** erbt es sich fort. „Also ists an 
uns kommen, so weisen wirs wieder von uns^ (in den Rechtssprüchen). 

Wie die Pelasger in ihren maritimen Beziehungen in die selbst (malayenartig) 
zusammengeflossenen Leleger übergehen, so erscheinen sie als Aeoler, die früher 
Pelasger genannt wurden, auf den Aeoliae insulae, als tyrrhenische Inseln, wohin 
Liparos, Sohn des Königs Auson aus Italien geflüchtet, und Aeolus (von Poseidon 
mit Arne gezeugt) Lipara erbaut (bei Diod.). Die 'A%aioi (AiftoXoeou iftvou;) ver- 
trieben die Jonier (javanischer Weiterweisungen) aus dem Peloponnes, dessen Be- 
wohner (nach Strabo) Achaeer hiessen (mit ^Apyog Ay^oukov), und vor dem Namen 
der Hellenen (seit dorischer Wanderung) findet sich, neben dem der Danaer oder 
Argiver (bei Homer), der der Achäer (KoOpoi A^atu/v), mit Graikoi (und Seilen) 
am alten Orakelsitz ^^) (Dodona's). 



Digitized by 



Google 



80 

— .i- * 

Kam eine nach den Altersklassen (der Banden) geordnete Horde zar Sess- 
haftigkeit, so konnte, bei der Landvertheilung nach jenen, der Name an den Lo- 
calitäten^^) haften bleiben, wie bei den Aegikoreen (als Jünglinge), Argadeis (als 
Jung-Männer), Hopliten (als Vollmänner) und Geleonten (als Greise) in Attika, 
wobei sich dann die Geschlechtsverbände ausserdem hindurchzogen (wie indianische 
Totem), und weisen die anderen Namen zum Theil auf die Stamm- oder Klassen- 
götter (Dias, Athenais, Poseidonis, Hephästias), zum Theil auf fingirte Ahnen 
(Kekropis, Autochthon) oder Niederlassungen (Aktaa, Paralia) hin (bei topischer 
Fixirnng. 

Ist ein Theil des Mondes durch einen Ring verdeckt, so schmückt man den 
Halla-Halla genannten Dorftempel, wo junge Mädchen weinen und klagen, nm Mit- 
leid bittend, dass der Mond nicht sterbe, während die Umstehenden fröhlich 
lachen und scherzen. Nach derjenigen Seite, wo der Mond verdeckt ist (der Nag» 
also sitzt, um ihn zu fressen), vermeidet der Tabelloreze beim Ausgang die Richtung 
seine« Weges zn nehmen, weil sonst ein Unglück passirt. Wenn (in Polynesien) 
Tangaroa den Mond frisst, giebt man ihm soviel zu essen, bis er sich erbrechen 
muss und dann mit dem Uebrigen auch jenen wieder von sich giebt. — Naga-non 
(die Schlange verschlingt) heisst die Mondfinsterniss (auf Patani). In Batjian wird 
die Mondfinsterniss bezeichnet mit Naga-niamalo-ngara (die Schlange hat den Mond 
aufgefressen) bis zum Simunang (ausbrechen im Vomitus). 

Die Figur ^^) im Monde heisst Mitmuttum, als Scheinbild (Ihbarat) Allah's (in 
Patani). Nach den Tobarezen zeigte die Figur im Monde (Mädeh) das Bild eines 
Waringin-Baum's (Hutamoi). Der Vollmond heisst Parnama (in Temate) und 
der Neumond Ära magiau oder der junge (magiau) Mond (ara). Ngara- walin 
(neuangefangener Mond) heisst (auf Batjian) der Neumond (indem der Mond nen 
ausgewechselt ist). 

Da bei Naga-dassi (Mondfinsternis«) der Mond vom Naga gefressen wird, sucht 
man diesen durch Gelärm zum Wiederausspucken zu veranlassen (in Galela). — 
Die Mondfinsterniss**) heisst „Naga-niamaro" (die Schlange frisst den Mond), bis 
zum Tadus (Wieder-Erscheinen). 

Ursprünglich waren Sonne *^) und Mond von gleichem Licht, da indess so die 
Nacht fehlte, fegte der Engel Gabriel (mit Allah*s Zustimmung) schwarze Farbe 
über das Gesicht des Monde's (auf Tidore). Wie bei den Quiches, erscheinen in 
Polynesien die Himmelskörper, als spätere Schöpfungen, mit Vorangange der Nacht 
oder Po, obwohl auch dann wieder allerlei nachträgliche Modificationen , wie anf 
den Marquesas. Sternschnuppen heissen Ngonfon oder der aus dem Bogen abge- 
schossene Stern (in Patani). Der Morgenstern heisst (in Patani) Lisäwih oder (ma- 
layisch) Tanda mosiang (der Zahn des Tages). In Tabelle heisst das Sieben- 
gestirn**) Pariama oder Pariaman (zur Jahresrechnung). 

Der Vogel Leo, Feuer**) bringend, verbrannte seine Flügel (auf Tab inat« oder 
Temate), und so kennen den Feuer bringenden Vogel die Marquesas sowohl (m 
Mahuike), wie die Hawaier. 

Das Erdbeben (Ohm) kommt von dem Schütteln des Geistes, um zu «eigen, 
dass er noch da ist (bei den Alfuren von Tabaroe in Halmaheira). — Brdbeben 
rühren her von der schüttelnden Bewegung des die Erde tragenden Gethier's, und 
unter allerlei Gerassel schlägt man auf die Tifa, um ein Zeichen zu geben, dass 
noch da und nicht schlafend. Indess darf kein Wort dabei gesprochen werden, 
weil man sonst stumm werden würde (in Tabello). — In Pantani heisst Erdbeben 
Swwih (Unglück bedeutend). — Die Erde ruht auf den Hörnern eines Riesen- 



Digitized by 



Google 



81 

ochsen, dem von Allah für jeden Tag zu seiner Nahrung eine bestimmte Zahl von 
Fischen angewiesen ist. Findet sich nun manchmal dazwischen der Ihkan (syau) 
Gnun genannte Fisch, der dem Ochsen in die Ohren kitzelt, so fängt dieser an, 
sich zu schüttehi, und dann entstehen Erdbeben (auf Ternate). 

Wenn Oohsu (Erdbeben) durch den Naga verursacht wird, sucht mau ihn 
durch Geschrei zum Aufhören zu bewegen (in Galela), — Die Naga genannte 
Teufel sschlange (die eens in het jaar door det dal tusschen den Tarakan en den 
Goenong itji naar zee gat) verursacht Erdbeben, sowie Sonnen- und Mondfinster- 
nisse (in Galela). — Amsä ihenne (wir sind noch hier) wird (beim Erdbeben**)) 
gerufen (in Deli). 

Der Regenbogen heisst Rantub, indem sich nach starkem Wind und Regen 
das Gewand Setan's (des Teufel's) zeigt (auf Patani). Nord heisst Korämih, Ost 
Sinai, West Pohtt, Sud Mudlah. — In Ternate heisst der Regenbogen Mega (Awan 
mega) und sagt man beim Erscheinen: Ihkan mau moerah (die Fische werden 
billig sein), weil es dann viele Fische giebt, Njau saweh moerah. 

Goentoer (Bidji Goentoer) sind die Donnersteine (Gigi Gcfentoer oder Batoe- 
Goentoer), als männliche und weibliche unterschieden, in der durchgängig allge- 
meinen, von Cejten bis Birmanen und Japaner für die Steinwerkzeuge vorkommen- 
den Bedeutung, auch für Zähne des Donners, im Blitze fletschend {und bei Ge- 
witter*«) fallend). 

Wenn sich in Japan sowohl, wie in Birma oder Europa prähistorische Stein- 
beile als Blitzsteine bezeichnet finden, wenn man von dem im Heiligen geküssten 
Foss einen letzten Eindruck zurückgelassen wünscht, wie von Buddha und anderen 
Propheten der alten *^, so auch von denen der neuen Welt (bei Sume, Nemtere- 
qetaba u. s. w.), wenn die Couvade ihre wunderlichen und doch (beim Eingehen in 
den Gedankengang) logisch natürlich erklärbare Geschlechts Wandlung aus allen 
Continenten erzählt, aus Guinea, Orinoco, Yunan u. s. w., wie einst bei Diodor und 
Strabo, wenn in Isis, der Alten, als gehörnt, die Entstehung sich wiederholt (s. 
Diod.), wie die des Mondes (bei Hottentotten, Eskimo u s. w.), wenn die Sonne 
am Seil geleitet wird, in Polynesien und Dithmarschen, in der Schlinge gefangen 
bei Maori und Odjibway, die Abgeschiedenen nach Westen begleitet in Mangaia 
und sonst Oceanien, als Ra oder La, wie Ra aus der Pharaonen-Zeit, wenn so in 
hundert- und tausendfachen Fällen aus der Erde entlegensten Theilen aller, aus 
dem Periodenlauf der Zeiten gleichartige Gedankenelemente in festgegossenen 
Formen sich stereotyp reproduciren, so dürfte es wohl der Mühe lohnen, dem 
Studium**) näher zu treten mit den der psychologischen Induction aus den ethno- 
logischen Materialien gelieferten Hülfsmitteln. 

Auch wird gar bald die practische Nutzungsfähigkeit sich fühlbar machen, bei 
den rechtlichen Institutionen sowohl für die Darlegung ihrer natumothwendigen 
Anfilnge, sowie bei jenen mit der Uebermacht eines unbekannten Jenseits den Erd- 
geborenen beherrschenden, zum Guten oder zum Bösen. 

Für das Letztere leider allzu oft, und auch hier aus zwingenden Gründen 
zum Theil. 

Die mit dem inhärirenden Zerfall (wie in den Wahrsprüchen der Aryasatr 
ausgedruckt) dem Leiden unterliegende Menschennatur wird für das ringsum ge- 
spurte Feindliche, im subjectiven Denken, sich selbst zum Mittelpunkt machen, wo- 
hin die Angriffe gerichtet sind, durch die Endoxe, die man nach Rothwassergabe 
in Afrika zerstückelt, durch die nach der Tortur verbrannten Hexen in Europa 
(bis vor 200 Jahren noch, oder im Volke oft heute selbst), oder durch Teufels- 
Bastian, Archlpelago. 1. 6 



Digitized by 



Google 



82 / ' 

damone andereD Namens (doch stets gleicher Art) überall und immer, aus jedem 
Ort, aus jeder Zeit. 

So auch in gleicher Weise die Helfer, die Aerzte als Sauger ^^), von den Polar- 
ländern nördlicher Hemisphäre zu den Australiern der. südlichen , die Aussender 
des Gan (oder Einfanger) im Hexenschuss •*) (oder Pariren desselben), mit all' den 
Kreuzungen weisser und schwarzer Magie, wie bei den Schwarzen zwischen Obeah 
und Vodoux z. B. Das Schwarze verliert sich im Dunkel, und dunkelnde Nacht in 
den ^Nachtseiten^ der Natur, im Reich des abnmanischen Gegensatzes, das mit 
Lichtaufgang des Himmelskönig's zu verscheuchen"*). 

Solch sichere Hülfe mochte man dann auch gern im gewöhnlichen Leben zur 
Verwerthung bringen, aus Bequemlichkeit schon, da manches Kopfzerbrechen ge- 
spart wurde, über Hippocrates Schriften und Nachfolger. ^Das die Eerzt solcher 
Dinge mit erzeneyen lindem, geschieht auss dem, das sy nit wissen, was die teufel 
für gross kraft und macht haben, lieber das ist khein Zweyfel, das pestilentz und 
fiber und ander schwer krankheyten nichts anders sind, denn der teufel werckhe, 
dyeweyl auch sy eben dye sein, welche wqtter und anzundung und Verderbung der 
fruchten zurichten** (1532), nach Luther s Brief (an Markgraf Georg)*'). Das wissen 
die Neger ebenfalls, aber ihre läppischen Fetische können an Kraft und Wirksam- 
keit entfernt nicht verglichen werden mit den ^Medailles miraculeuses" etwa, oder gar 
den „Chapelel des morts* und Anderen von der „Foire des reliques** (s. Parfait). 
Das Wunderwasser von La Salette kann sich mit jedem andern Zaubermittel messen 
(meint Wuttke), und bequemer sowohl, wie billiger auch als die Feuerwehr und 
ihre kostspieligen Vorrichtungen ist der Feuersegen (in Kämthen), und wenn „les 
flammes se sont humblement abaissees^, beim Hineinwerfen des ^benit talisman^ 
könnte sich der 2^geuner über Concurrenz beklagen (als Feuerbanner). 

Der Körper*') kann sich nicht umstülpen, um die innere Organisation zu be- 
schauen, die erst durch anatomische Section an den Leichen Abgestorbener za 
wissenschaftlicher Kenntniss gelangt ist, und so wird der Seelengeist, in Selbst- 
beschaulichkeit vergeblich versenkt, bei Zergliederung fremder Gedankenkreise nur, 
zum Verständniss eigenen Bewussf seines zu kommen vermögen unter naturwissen- 
schaftlicher Durchforschung des Völkergedanken's, der gesellschaftlichen**) Natur 
des Menschen gemäss, als Zoon politikon, wobei dann stets der Effect der Wechsel- 
wirkung^*), je nacl;i der individuellen Eigen thümlichkeit des gesellschaftlichen Orga- 
nismus und der Umgebung (seiner Waudlungswelt) in gegenseitige Berechnung zu neben. 

Für das subjective Denken ist der Wille souverän. In ihm centrirt für das 
Individuum das Bewusstsein eigner Macht, dem Grenzen zu setzen nicht in der 
Neigung liegen kann. Was gegen den Willen geschieht^ erscheint somit als un- 
erwünscht, und demnach feindlich, im Eingriff von fremdem Ausserhalb (dem 
Nicht-Ich). 

Die physiologischen Prozesse des Körpers, in vertraut gewordener Gleich- 
förmigkeit fortgehend, verlieren ihren Eindruck und somit ihre Beziehung zum 
Willen, bis dieser, unter dem Gefühl der Störung, geweckt wird, mit dem Wunsch 
der Wiederherstellung früheren-Einklangs. Indem sich nun hier der Wille vielfach 
als ohnmächtig erweist, gewünschterweise zu helfen, stösst er auf den Gegensatz 
des Fremden, als Feindlichen, den zu bekämpfen Bimdesgenossen gesucht werden, 
aus jener unsichtbaren Welt der Vorstellungen, die im Sprossen der ^AVTAnon auf 
Unterlage der aiö*&>|(rt$ schöpferisch hervortreiben. 

Hier fehlt anfänglich selbst die Scheidung zwischen dem, was bei verstfindiger 
Regulirung des Willens noch unter dessen Machtsphäre fallen könnte, und dem- 
jenigen, was solcher, der Natur der Sache nach entzogen, darüber hinauslief. 



Digitized by 



Google 



Aach wenn an Wunden äusserer Verletzungen s.terbend, ist der Abiponer (s. 
Dobrizhoffer) von dem Bösen, das ringsum sein Wesen treibt, getödtet, während 
später diesem nur bei den, aus ihrer pathologischen Ursächlichkeit medicinisch noch 
nicht verständlichen, Folgewirkungen innerer Krankheiten die Schuld aufgebürdet 
bleibt. 

Wer täglich etwa, zum Sammeln des Blütheusaftes, die hohe Palme besteigt, 
und eines Tages dann, eines Fehltritts wegen, herabfallt, schreibt dem heimlich 
ringsum auf sein Verderben Lauernden (unter der dafür conventioneil gewordenen 
Form der Phantasmata im Dämonenreich) diesen Unfall zu, da er ihn, als wider- 
willigen, nicht gewollt hat, bis in dem fernen Stadium vernünftiger üeberlegung 
der Beginn psychologischen Einblicks Manches erklärend zurechtlegen mag, für 
künftige Vorsicht zum Meiden. 

Anders dagegen, noch für lange Perioden hinaus, wenn beim Verweilen in 
Junglen, plötzlich das Fieber schüttelt, da bei der Aetiologie der Miasmen selbst 
fiir die endemischen Theorieu vervollkommneter Wissenschaft manches im Dunkel 
verbleibt, und das Unheimliche in der Empfindung fortdauert, wie bei den Epide- 
mien, wenn in Indien das Gespenst der Cholera durch das Land streift, oder die 
Pestfran anderswo, Zettel auf die Häuser der ihrem Streich Verfallenen anklebend, 
bei Tolteken sowohl, wie in Gallien (und sonst). 

Dass dieses dämonisch ünfassbare sich unter greifbaren Gestalten Medien aus- 
wählen möge, die für das angestiftete Unheil verantwortlich zu machen, ergiebt sich 
zvL bequem für die Theorie (der Diener der, für ihre apotropäische Kraft gehegten, 
Götter, und deren Kasse besonders), um nicht mit Eifer ergriffen zu werden, und 
so folgt das Sehlagen der (ahrimanischen) Thiere im (parsischen) Dualismus, oder 
das Hexentreiben überall, zum Vertreiben der im illegalen Böndniss Rebellischen, 
der Opfer also, nicht aus persönlicher Rache nur, sondern auch der (bei Gültigkeit 
solcher Anschauungen als legitime Pflicht aufliegenden) Staatsmassregeln (und 
aprobirten Malleus maleficarum). Wenn solche, einmal auf Abwege gelangten Be- 
strebungen, im hastig pflichtgetriebenen Forteilen auf demselben bis in den Wahn- 
witz schiersten Unsinn's sich verstricken (und die zu scharf gespitzte Spitze von 
selber bricht), mögen, der Verbreitung psychischer Epidemien zu steuern, die Pro- 
teste eines Wierus oder Thomasius gegen die durch Torturen erzwungenen Be- 
kenntnisse und dei'en katechetisch •*) eingeleiteten Protokoll irungen allmäliges Gehör 
finden unter der vernünftigen Klasse der Bevölkerung, während in den primitiven 
Unterscbichtungen des Gedanken webens der gewohnle Einschlag fortspinnt, in 
Europa ebensowohl, wie in Afrika, wo die dort zu den „Upper teii thousand" Ge- 
zählten, bei Gesprächen über die Grimassen heimischer Fetische ebenso spöttisch 
lächeln, wie die im Besserwissen Stolzen bei uns, oder auch, pur und blank, ihre 
Skepsis hervorzukehren begierig sind, gleich Atheisten, ob antike oder modernste. 

Und wenn der Ausgangspunkt eines Nichtwissens damit dann glücklich wieder 
erreicht ist, liegt nun das Feld auch völlig brach wiederum, zur Anpflanzung eines 
neuen Aberglaubens, wie unter d.en Tagesanschauungen für Decennien vielleicht 
(oder unter begünstigenden Umständen für Jahrhunderte hinaus) probat, so lange 
eben Probe- und Stichhaltig. Exempla docent. 

Unabhängig davon regulirt sich der Gradmesser socialen Befriedigtseins oder 
Zufriedenheit, unter keiner oder allen Formen der Religion, bald so, bald so, bald 
weder so noch so. 

Interessanterweise mit einer Vergleichung moderner Criminal- Statistiken (oder 
dreissigjäbriger Kriege in Gulturländern) bieten sich Notizen, wie nachfolgend: 
Unter den Alfuren (in Bui*u), die in Dapsuin oder Volksversammlungen ihre An* 

6* 



Digitized by 



Google 



84 

gelegenheiten ordnen, besteh^^ Strafen (in Rottingslagen) nur für Diebstahl (oder 
Ehnakat) und Ehebruch (oder Hiktoeha). Mord und „zware verwanding (farahat) 
is bij menschengeheugen nit gepleegd, brandstichting en dergeligke zware misdaden 
evenmin*', heisst es (bei Willer) 1847 (Oneerbiedigheid of weerspännigbeid van den 
mindere jegens den meerdere is, by menschen geheugen, niet voorgekomen)*'). 

Es handelt sich hier um die Wildesten der Wilden, so wild und scheu, dass 
wenn sie aus den Gebii-gen ihrer versteckten Insel, in die Nähe der Küste kom- 
mend, das Meer erschauen, sie darob ei*schrecken und zurückfliehen in ihre Wälder, 
um dort in ihrem ungesitteten Zustand fortzuleben (wie oben). Nach Hallaod 
giebt es in England, Irland und Frankreich Districte, die hinsichtlich ihrer Civili- 
sadon kaum höher ständen als Negerstamme, des Sudan (und franzosische Missio- 
näre haben die ihnen bekannten Fragmente aus europäischer Bauernschaft unter 
die Indianer gestellt). Das Tugendlob der Khond (s. Jenkins), der ^really wild 
Gonds" (s. Hislop) stimmt mit dem aus Senegambien (bei Mungo Park) und ähn- 
lichem Gerühmen's von anderswo. 

Während in Quito, Hauptstadt Ecuador's, auch der weissen Bevölkerung die 
Strassen zum Abort*^) dienten, beim Mangel solcher Vorrichtung an den Häusern 
(bis in's XIX. Jahrb.), wird über derartig sorgfältigen Anlagen bei den Indianern 
Yucatan's von den ersten Entdeckern erzählt, und bei den Maori ^each house was 
fumished with a privy" (zu Gook's Zeit). 

Bei der jetzig kritischen Lage der Ethnologie kann es innerhalb weniger 
Jahre oft sich entscheiden, ob in Entdeckung gänzlich bisher unbekannter Gedanken- 
kreise eine Rettung noch möglich, oder ob sie dahinsinken werden in Vergessenheit 
für immer, in ein Nichtsdavon wissen, im Nichtsein für uns (und unsere Eenntniss 
von der Welt). 

Die Geheimtradition •^) in den Lehren der Ariki erinnert an 'das, was Caesar 
von den Druiden schrieb: „Multa praeterea de sideribus atque eorum motu, de 
mundi ac terrarum magnitudine, de rerum natura, de deorum immortalium vi ac 
potestate disputant et juventate transdant^. 

Von Allem diesem, von der ganzen Weltanschauung, welche prähistorischer 
Vergangenheit auf eigenem und nah verwandtem Boden zu Grunde gelegen, was 
wissen wir davon heute? Einfach: Nichts! Und da man damals, als noch keine 
ethnologische Ader im Forschungsorganismus zu fliessen begonnen, von den original 
typischen Gedankenschöpfungen sog. Barbaren der Aufzeichnung für die Nachkommen 
das Wenigste schon für unwerth erachtete, haben wir uns mit fortan unwiderbringlichen 
Verlusten nicht nur abzufinden, sondern auch noch mit all* dem wüsten Pack, das 
eine, beim Mangel achter Unterlage, aus subjectiven Phantasien gespeiste Literatur, 
über die Druiden und deren Gleichen, heraufzuschwören beliebte. Möge der Ethnologie 
gelingen, für das Verständniss einer in rascher Auflösung begriffenen Geisteswelt 
noch ferner einige Talismane zu gewinnen^*'), wie sie neuerdings aus Neuseeland, 
Mangaia, Hawaii glücklich für die Studien der Epigonen haben gesichert wesden 
können, in letzter Minute gewissermassen eines aus schon hingeschwundener Existenz 
kaum nachdämmernden Schlagschattens (an äusserster Grenze der Verdeutungs- 
Möglichkeit). Doch Worte verhallen, weil fremd aus noch fremder Welt, bis diese 
in Eröffnung ethnologischer Museen vor den Augen stehen wird, und „Augenschein 
ist der Welt Zeugniss** (wie es im Sprichwort heisst). 



Digitized by 



Google 



85 
Anmerkungen. 



1) Das Ediiig8g[e8chlecht der Mandju stammt von der Himmelsjongfrau Faecula, die 
(mit Angela undiChaugala) zur Erde gekommen; von der herangetriebenen Pflanzenfirncht 
essend, für die Geburt des von der Elster Beschützten (nach Schall), und so die Schwanen-- 
Jangfranen oder (in Samoa) die Himmelsmädchen (als Töchter Langi's). Als der gejagte 
Bir durch ein Loch des EUmmels schlüpfte und der Hund ihm nachsprang, folgte die 
Frau Ataentsic (auf die Erde fallend) als Mond, während ihr Sohn Jouskeha (Bruder des 
Taooscaron) als Sonne herrscht (auf dem mit Gewächsen bedeckten Schildkrötenrücken). 
MeroYÄus, dessen Mutter (Gattin seines Onkels Clodio) „a bestia Neptuni" (beim Baden) 
geschw&ngert war, wird .erklärt „de meer (mer) et de vee (animal, b^^tail, bete, brüte)", 
statt (s. MoSt) Merowig oder Merwig (grand ou Eminent guerrier) als Merevins (filius 
Merevei). Si dame dieux Tavoient faite et fond^e de leur propres mäins (Troie la grant 
mit den „Tmages^)', aber dennoch möchten sich die Franken (descendu de la haute lign^e 
des Troiens) der neuen Gottheit (in der Taufe) zuwenden (ermahnt Chlodwig). Poseidon 
(Neptun) baute an der Mauer (mit Apollo). 

2) Wie Rückkehr nach Bolotu, geht den Byamma die nach Abhassara verlustig. 

3) Djo (in Ambon) oder Jooe (auf Boeroe) ist Anredetitel für Höhere (im Mal. der 
Molukken). 

4) In der Blüthezeit des Mittelalters hatte der Adel der abendländischen Nationen 
eine „höfische'^ Sprache für den Umgang, wie für die Poesie zu behaupten gesucht (s. 
Bnrckhardt), und dann die Rangsprachen (in Java u. s. w.)- 

5) Los Lutaos de Jolo jdenen todo su comercio con los Bumeyes (s. Combes). Die 
nianoB von Mindanao rauben bis zur Strasse Patientia (s. Belcher). Los Lutaos (sujetos 
a Corralat) und Buhajenes (in Mindanao) standen in Handelsabhängigkeit zu dem König 
von Temate, als ramas de este tronco (s. Combes). Im Süden von Mindanao herrschen 
Jos de la nacion Lutaga'' (como principes) über dia Eingeborenen, llaman a estas gentes 
Subanos, como en la jurisdiccion de Iligan j Samboangan, en Mindanao Manobos, j Mana- 
napes, que es lo jnissno, que bruto, en Jolo Guinuanos, j en Basilan* Sameacas, sujetos 
en todas partes igualmente a la fortuna de los Lutaos s Combes). Los Senores j Nobleza 
toda de Jolo j Basilan reconocen su origen en el pueblo de ßutuan ^destro de la nacion 
Bisa ja, en la vanda del Norte, a vista de Bool). 

6) Nach Abderrazzak handelten die Chinesen bis Ormuzd (XY. Jahrb.). Maluc, donde 
vi^e garofani (b. Empoli). Die Kaufleute vod Kambaje besuchten (durch die Sunda- 
Strases) Java für die Producte der Molukken und Banda^s (s. Ramusio). Das Aloeholz 
kam von Komar (Khmer oder Kambodja) oder (bei Ihn Batuta) von Mul-Java (als Sanfi 
von Sanf oder Tsiampa). Der königliche Missns hatte (unter anderen Spezereien) auch 
Gewürznelken zu beanspruchen (zur Karolingischen Zeit). Les Annales de la Chine nous 
ont conserr^ le detail de la route que prenaient sous la djnastie des Thang, dans la YII. 
et VUl. siecles, les navires qui partaient de Canton, traverserent le d^troit de Malacca, 
d^oü ils allaient h File de Ceylon, au Cap Comorin, ä la cote de Malabar, aux embouchures 
de rindus et ensuite ä Siraf et k l'Euphrate (s. Klaproth). In der Thang-Djnastie schifften 
die Chinesen von Kwangcheu über Ceylon, Molai (Malabar), Tui ^Diu), Tuju am Sinteu 
(Indus), an einen Leuchtthurm (in der Strasse von Ormuzd) vorbei, „to Siraf, and thence 
they reached the mouth of the Euphrates" (s. Tule) aus Tschung-kwo (Reich der Mitte) 
oder Tien-hsia (Unter dem Himmel). Von Siraf gelangten die chinesischen Schiffe (aus 
Kuang-tscheou) ä rembouchure de l'Euphrate (VII. und VIII Jahrh. p. d.) über Ceylon 
und Milan oder Sinteou, als Indus (s. Desguignes). Wie Aden wurde Baroch (s. Edrisi) 
von Chinesen besucht (zum Handel). Die (christlichen) Nasrani oder (bei Marignola) Modilial 
(Modiliat) bewahrten das Normalgewicht zum Wägen des Pfeffer's (in Kulam). Ormuzd heisst 
„Gomensament de les Indies^' (auf der catalanischen Karte). Der persische Busen heisst 
(bei -Mokaddasi) das chinesische Meer (X. Jahrh. p. d ). Gilolo (mit Gomoca-nora) heisst 
Mamica oder Bato-China (bei den Spaniern). In dem' Tempel (zu Jerusalem) „haben die 



Digitized by 



Google 



86 

schwärzt Christen aus Indien ein Cappel gebauf ' (zu Gumppenherg^s Zeit). When the 
Chalukya-prince, brother of the king of Kalyan, was founding a new kingdom at Raja- 
mahendri, which involved the rooting out and dispersion of the pre-existing rulers, nothing 
is more. probable, than that same of the fugitives should have found their way to Pegu 
(nach Elliot). Die im Paradies wachsenden Gewürze wurden Ton den Aegjptem ans dem 
Gihon (Nil) herausgefischt (bei Joinville). Conti hörte in Java von den Inseln Sandai und 
Bandarm für Herkunft der Gewürznelken aus den Molukken oder (bei Yarthema) Monoch, 
als Maluc, donde viene garofari (bei Amoretti). Die turbae negotiatorum et siricomm (bei 
Salvian) begriffen als Sericarii (mit Serica handelnd) auch Syrer, wie (unter Meroyinger) in 
französischen Städten angesiedelt (s. Heyd.). „Die Muscatnuss wird zuerst bei Simeon Seth 
erwfihnf S Von Tapobrane kamen die Waaren von Tzinistan nach Male, wo der Pfeffer w&chst 
(zu Cosmas' Zeit) Im Nebel-Ocean ist von den „Amraines des Madjous" (s. Jaubert) be- 
nannten Inseln die westliche von Männern bewohnt, die andere von Frauen (s. Edrisi), Nach 
Ibn-Sayd (bei Abulfeda) les iles Fortunees (djezayr Alseada ou iles du Bonheur) se trouvent- 
entre les iles Etemelles (djezayr Alkhalidat) et le continent (s. Beinand). Die nach Born 
Seide bringenden Serer (auf vierjähriger Beiöe) zeigten sich mit ihrer Gesichtsfarbe schon, 
als einer anderen Welt angehörig (s. Florus). Im Lande 0/v lag die Stadt Thinae (zur 
Zeit des Periplus). Nach Semedo wird die Provinz Fo-kien als Tschin bezeichnet (und 
die Hafenstadt Tshin-tshou). Tschang-ngan, als Hsi-ngan-fu, identificirt sich (s. Bicht- 
hofen) mit Sera metropolis (wie Lö-yang mit Sina Sinarum) und Quengianfu (bei Marco 
Polo). Als (der Bömer) Lun (Tsin-Lun) aus Ta-Tsin nach Eiau-tschi kam, wurde er vom 
Gouverneur über die Sitten und Gesänge seines Landes ausgefragt (227 p d.). Der Ta- 
phier-Fürst Mentes schifft nach Temesa, um Erz einzuhandeln für Eisen (bei Homer). 
Die Kasii montes (Eashgar) waren von den Eha<;a genannt (nach Bumouf ). Am Emodischen 
Gebirge von Serica wohnen die Ottorokorrhae (nach Rol.) oder Uttarakum (bis Utgard 
im Tule der Tolteken). 

7) The Kandh idea of govemment is purely patriarchal. The family ist strictly ruled 
by the father. The grown-up sons have no property during bis life, but live in his house 
with their wives and children, and all share the conmion meal prepared by the graad- 
mother. The clan consists of a number of families, sprung from a common father; and 
the tribe is made up in like manner from a number of clans who claim descent from the 
same ancestor. The head of the tribe is usually the eldest son of the patriarchal family; 
but if he is not fit for the post, he is set aside, and an uncle or a younger brother ap- 
pointed. He enters on no undertaking without calling together the heads of clans, who 
in their tum consult the heads of families (s. Hunter). Bei den Naga verschiebt sich das 
gleichmässige Niveau der Volksversammlung zuerst in den Beichen (als Orang Kaya maL 
und sonst), während überall dann unter Zerfall eines Priesterkönigthum^s die Würde des 
Kriegsherzog's hervortritt (als Tua u. s. w.). S. Cult d. a A. I, S. 638, Völkerst. a. B. S. Xn 
u. a. 0.; (^(/4iai(vH 6i Isxaatos IlatStoy ^J* ttko^toy (bei den Cyclopen), wie unter brasi- 
lischen Indianern, wo der heranwachsende Sohn dann mit dem im Alter abschwächenden 
Vater die Stärke misst, auch im Ringen erprobt (bei polynesischer Königsbestätigung). 
Lucum Dianium in nemore Aricino, Egerius Laebius Tusculanus dedicavit dictator Latinus 
(bei Cato), in Hodenosaunih (der Indianer). 

8) Der Häuptling des Stammes ist ein unbeschränkter Verwalter des dem Stamme 
gehörigen Landes, das Land ist meist unter die verschiedenen Key's vertheilt; die noch 
unbesetzt gebliebenen Strecken bilden das Eigenthum des Haupt-Key's, also ein mehr 
unmittelbares Eigenthum des Häuptlings, lieber das zu dem einzelnen Key gehörige Land 
schaltet und widtet der Aelteste des Beys so lange er seine Pflichten gegen den Ober- 
häuptling erfüllt. Falls er die Erstlinge der Früchte des Landes dem Häuptlinge vor- 
enthält und ihm den Gehorsam verweigert (was undenkbar, wenigstens unbekannt ist), so 
hat der Letztere das Recht, ihn durch einen anderen Mann desselben Beys zu ersetzen. 
Willkürlich kann der Häuptling nur mit dem Lande seines eigenen Beys schalten, was 
dennoch voraussetzt, dass die Zustinmiung der Angehörigen eingeholt ist Er vertheilt das 
Land an die Frauen des Beys und giebt jedem seiner Kinder ein Stück. Da die Kinder 
aber nicht zum Stamm gehören, so würde die letztere Vertheilung einen Verlast für den 



Digitized by 



Google 



87 

Stamm bedingen, wenn nicht Sitte wäre, dass der Häuptling des Stammes, zn welchem 
die Kinder gehören, seinerseits durch ein Landgeschenk an die Angehörigen des ersteren 
Stammes den scheinbaren Verlust ausgleicht. Es ist also nur ein scheinbarer Austausch, 
da die Kinder gewöhnlich immer in demselben Stamm heirathen und deren Nachkommen 
wieder Stammesangehörige sind, das Land also nie aus dem wirklichen Besitz des Stammes 
herauskommt. Die Aeltest^n in den einzelnen Beys können wieder ihren Kindern Ton 
den Ländereien des Kej's zutheilen, aber nie ohne die vorherige Bewilligung des Ober- 
häuptlings. Ausser dieser formellen Gewalt über das Land des Stammes hat der Häupt- 
ling das Becht, dasselbe zeitweilig unter „puauu'' (Verbot) zu legen, was zur Folge hat, 
dass die Produkte des so betroffenen Landes von Niemandem genossen werden dürfen. 
Der Gründe, welche den Häuptling zu dem Verhängen des puaüu veranlassen können, 
giebt es viele, und es ist keinenfalls nur ein blinder Ausdruck seines Willens. Gewöhnlich 
betrifft das Verbot blos die Cocospalmen, und sind von demselben die um das Haus ste- 
henden Palmen ausgenommen. Solches püaün wird regelmässig jedes Jahr zur Zeit der 
Brotfrucht verhängt, und ist dasselbe dann nur eine politisch-ökonomische Fürsorge für 
den Stamm. Ohne dies Verbot würden die Einwohner zur Zeit, wo sie genügend Brot- 
fracht zur Nahrung haben, auch die reifen Nüsse verbrauchen und würden zur Zeit der 
nördlichen Winde hungern müssen. Während der 3 bis 4 Monate des Verbotes sammelt 
sich aber eine solche Quantität von alten Nüssen an, dass dieselben in der Zeit der Noth 
die Bevölkerung ernähren können. Ein jeder Bey giebt natürlich dem Häuptling einen 
Theil der so angesammelten Nüsse, die Quantität aber der Abgabe« die in Nüssen geliefert 
wird, „mongkot'' genannt, übersteigt nicht die Grenzen des Erschwinglichen. — Eine wei- 
tere Veranlassung zum Verhängen eines puaüu ist der Tod eines Stammesgenossen oder 
sonst einer Person, welche ihrem Stamme nicht gleichgültig war. Dieses Trauer-puaüu 
kann sich auf eine grössere oder kleinere Zeit auf die ganze Insel oder nur auf einen 
gewissen Theil derselben erstrecken. Das Trauer -Verbot erhält den Namen von der ver- 
storbenen Person und die während des Verbots gesammelten Nüsse werden den Verwandten 
des Todten als ein Trauer-Geschenk ausgeliefert. Sind verschiedene Todte zu betrauern, 
so folgen die resp. püauu nach einander, je nach dem Interesse, welches der Stamm für 
den Verstorbenen empfand. Das Trauer-piaüu entspricht der europäischen Hof- oder all- 
gemeinen Landes-Trauer; es ist ein Ausdruck der Pietät gegen den Todten, dessen Geist 
beruhigt ist und die Zahl der guten Gottheiten vermehrt; dann ist es aber auch ein Mittel, 
um den benachbarten Stämmen mittelst einer durch die Politik dictirte Trauer den Grad der 
gehegten Freundschaft zu offenbaren Stirbt der Häuptling der üe's oder der Sor's, so 
werden die Söpun's tiefe Trauer anlegen, die angesammelten Nüsse nach den fremden 
Stämmen schicken und von den so geehrten Stämmen umgehend ein entsprechendes 
Gegengeschenk empfangen. Das Todten-pü^uu wird über den Landbesitz jedes Verstorbenen 
verhängt, welcher dann so lange von Niemandem betreten werden darf, bis der Häuptling 
selbst 'das Verbot aufgehoben hat. Das schwerste püaöu ist dasjenige, welches dem Tode 
des Stamm-Häuptlings folgt. Der ganze Stamm ist dann von jedem Verkehr abgeschlossen, 
indem die an den Grenzen aufgepflanzten p laüu-Zeichen einem jeden Fremdling das 
üebertreten dersalben bei Todesstrafe verbieten. Nach dem Tode des letzten Söpun- 
Häuptlings war ganz Tä über ein Jahr unter püaüu und kein Canoe von irgend einer der 
übrigen Inseln der Lagune durfte an seinem Ufer anlegen. Das Brechen eines solchen 
püaüu wird schwer bestraft; gewöhnlich begiebt sich der ganze Bey zu dem Missethäter 
und fordert Genugthuung, indem man ihm die Prüchte des Landes, das Inveptar des 
Hauses, mit einem Wort das ganze Eigenthum wegschleppt. Der Häuptling kann übrigens 
das puaun nach seinem Gutdünken verschieden anwenden; so kann er z. B. zur Zeit der 
grossen Gocosnuss-püaün's auch ein püaüu über den ganzen äusseren Uferumfang der Insel 
verhfingen.- Das Gehen und das Fischen an dem äusseren Ufer ist alsdann verboten, und 
zwar nur, um die Bevölkerung von der Nähe der Cocoswälder, welche auf dieser Seite 
am besten gedeihen, abzuhalten. Das Fischen überhaupt kann auch zeitweilig unter das 
pvain kommen, was zur Folge hat, dass dann nur einzelne Leute nach einer Verständigung 
nrit dem Häuptling auf den Fischfang gehen dürfen {Kuhary) auf den Mortlock- Inseln. 
Die zum Besten des Kranken zum Essen Eingeladenen Icönnen bei allzu grossen Portionen 



Digitized by 



Google 



88 • 

f&r ihren Magen Stellvertretung (wie sie in China auch hei Hinrichtungen eintreten mag) 
bezahlen (in Adamaua) , and auch bei Geheimmahlen (der Jaga u. s. w.) ist Alles aufzu- 
zehren. Vom Mittagsmahl darf nichts übrig gelassen werden, sonst wird das Wetter 
schlecht (in Schlesien). Wenn ein Besucher das vorgesetzte Essen stehen lässt, wird das 
Wetter schlecht (im Voigtland). So lange die Sprache, die Sitte, die Sage eines Volks 
nicht durchforscht ist, sage Niemand, dass er sein inwendigstes Wesen kenne (J. K. SchuUer), 
oder das der Menschheit (ohne die Ethnologie). 

9) In Folge der Geselligkeit (der Indianer) waren AUe bereit, im Falle der Noth 
einander beizustehen (s. Parkman). Die Huronen (geselligen Geistes) „se maintiennent dans 
cette si parfaite intelligence par les &equentes visites, le secours quMls se donnent mu- 
tuellement dans leurs maladies, par les festins et les alliances^ (s. Breboeuf). Und so bei 
den Kaga (obwohl Kopfjäger). In dem Rumah Swangi (oder Salabeh) genannten Raum, 
wo die Geister der Vorfahren (Goma) verweilen, darf Niemand schlafen; die Gotokk» 
(Dämone) sind zu sühnen. I^es membres du ^Frieden" s'appellent en anglo-saxon „Gegyl- 
dan", c'est-ä-dire professant le meme culte (s. Koturga\ Sub terra censebant reliquam vi- 
tam agi mortuorum (s. Cicero). La veritable soci6te Semite est celle de la tente ou de la 
tribu, aucune Institution poUtique et judiciaire (s. Renan), und so die Gemeinde in den 
Dörfern (indischer Hugelstämme), durch religiöses Band geschlossen, wie die (classische) 
Familie (s. Coulanges). Fas lex devina, jus lex humana (s. Isidor). Priscis sancitum est 
legibus, nuUi penitus esse licentiam, domi quae sacratissima sunt agere (bei Just). Im 
üebergang der Societas zur Civitas löst sich das religiöse Band der Familie oder des 
Stammes (während früher die privaten Culte nicht verloren gehen durften zu gegenseitiger 
Kräftigung). Notorische Störenfriede werden verflucht (s. Reinisch), um sie, als allein- 
stehend, unschädlich zu machen (bei Kunama und Barea). Drekete (in Fyi) is considered 
the lowest of all, and is actuallj kept for human sacrifices and for food upon anj public 
occasion; thej were not allowed to lift arms in their own defence, or in the defence of 
Rewa, but are supposed to be not only neutral bat passive and resigned to their fate trom 
whosever band it may come (s. Jackson). Nach Polybius begnügten sich die Brüder in 
Sparta oft mk einer Frau (pol jandrisch). Les vices contre nature 6taient practiqu^s k 
Sparta peut-etre plus que partout allleurs (s. Jannet), im Musterland hellenissher Sitte (als 
Cultur-Ideal). Die Musen (von ftvfiy) weihten in die Erkenntniss des Schönen und Guten 
ein (nach Diod.). Das (nach Niederlage der Christen bei Hittin) nach Bagdad verschenkte 
Kreuz wurde an der Schwelle des Bab-an-nubi eingescharrt (mit Füssen zu treten, wie in 
Japan). La jeune fille, quand eile est devenue nubilc, s^en va c^remonieusement de case 
en case offrir son corps aux jeunes gens (s. Berenger-Feraud) für Geschenke (in Grand- 
Bassam), wie in Babylon (bei Herodot), u. s. w. 

10) Den Aedilen war für Instandhaltung der Strassen eine Geschäftstheilung nach 
Quartieren vorgeschrieben (nach der lex Jul.), als Tschimjah unter den Tatta (der Naga). Zur 
Amtsthätigkeit der Aediles Plebis (zu denen später die Aediles Curules kamen) gehörten 
die meisten Zweige der Polizei (s. Spangenberg). Die Quaestur, als munus, ging mit der 
Volkswahl in den Magistratus der Oberbeamten über. Die Aediles (quod facilis ad eum 
plebi aditus esset) administrirten die plebejische Gemeinde im Aedes ; Cereris (die Ple- 
biscita aufbewahrend). L'^dilite fut' d'abord toute pMb^ienne (s. Dnpond). Unter den 
Kaisem fiel das Amt der Aedilen (ab aedibus tuendis) an den Praefectus urbis. Magister 
als derjenige, der unter den von Haus aus gleichberechtigten Genossen einer Bürger- oder 
Körperschaft der höhere und mächtigere geworden (s. Mommsen), bis zum magistratus 
(für sacrale und private Vorstandsschaft). Die Fetische üben Polizei (in Afrika). Instituti 
sunt aediles simul cum tribunis plebis, eo ipso tempore, quo plebes omnis potestatis expers, 
quin etiam civitate paene orbata, a patriciis ita erat secreta, ut alteriua populi speciem 
praeberet (s, F. Hofmann), und so von höherer Politik noch ausgeschlossen, zunächst ein- 
fachster Magistratsform bedürftig. Primum officium bono regimini opus fuit, publicam 
securitatem in viis forisque tuere atque conservare (s. Schubert) für die Aedilen (in Born). 
Ol dk aaxvvofiot tig f$ neyraöas di^Qtivxai (in Indien) tcuv ^aQXOvtat^ ol fikv tiaip ayo- 
QayofAoi (bei Strabo). Nach dem Rab genannten Brauch werden die Kinder ausgesetzt 
(s. New) in den fünf Familien, ausser denjenigen des für acht Jahre erwählten Heiau oder 



Digitized by 



Google 



89 

Hänptling^s, neben welchem, der Abatula (als Tapferer) im Kriege befehligt (bei den GaHa). 
Die königlichen Rishi (Bajarshi) zeigen die Vereinigung von Fürst und Priester (in den 
Veda). Le jus est d'institution humaine, le fas se fonde sur la volonte des dieux (s Horoy). 
Yom selbst erlegten Wild beansprucht der Häuptling keinen Antheil (bei den AJimures), 
weil dem Tödter der Genuss des Fleisches schädlich (und so die Würde zu stützen durch 
Liberalität in Potlach-Feste u. s. w.). In Genokratie herrschten die Achaemeniden unter 
den sechs Häusern der Pasargaden. In Korinth verbeiratheten sich die Bacchiaden nur 
uBter einander, und in Sparta die Könige nur im heraclidischen Geschlecht (aus dem 
Stamm der Hjlläer). Zwischen den demoi Pallene und Hagnus bestand keine Epigamie 
(seit Theseus). Unter Genossen (Mesanit) herrscht (bei Boga) gegenseitige Verpflichtung 
(im Heirathen u. s. w ). Bei den Bogos weichen Verlobte einander aus (cf. Hunzinger). 
Der Gatte sieht niemals das Gesicht der Schwiegermutter und beide vermeiden sich, wie 
in Darfnr (nach Mohammed el Tunsi), und so der Verbergungen viele (auch in America). 
11) Die kleineren Ortschaften des Landes haben alle ihren Häuptling, der sich Sariki 
^König) nennt. In Wukari steht diesem im Hange am nächsten der Galadima, diesem 
folgt der Mallam baba und hierauf der erste und dann der zweite Madakr, welche Titel 
sie von den Fulbe^s entlehnt haben. Der Mallam-baba ist Muhamedaner, deren gegen- 
irirtige Stellung hier noch von Korörofa's einstiger Bedeutung spricht, da dieselben nur 
wie ^duldete Fremde behandelt werden und ein bescheidenes Betragen zeigen, sehr im 
Gegensatz zu anderen Orten {Flegel) in Kordrofa Die Alamannen fanden sich als All- 
gemeinheit in Gemeinsamkeit (einer Allmend, auch im Besitz) zusammen (in den Ländern 
späteren Bundschuhes), wie oft Lanzknechtstruppen (oder sonstige. Kriegsgenossenschaften 
manchmal mit Frau und Kind dabei). Die llerrschaffc des Königs Pelasgos erstreekte sieh 
an den Stryinon (nach Aeschyl.\ Nabuchodorossor drang (nach Eroberung Phönizien^s) 
bis an die Säulen des Heracles vor (bei Megasthenes). Alexander M. heisst König der 
Kitier (zur Zeit der Maccabäer), und unter Javan's Abstammung werden gerechnet Ketim, 
Dodanim (dodona), Elisha und Tarsis (bei Moses). Die Paeonier (Abkömmlinge der Teu- 
crier) hatten in Macedonien geherrscht. Die Pelasger (des Athos) wohnten als Tuscer in 
Lemnos und Athen (.nach Thucjdides). Elegerunt Faramandum, filium ipsnm Marchomiri, 
et levaverunt eum super se regem crinitum (die Franken). Reges crinigero vertice fla- 
ventes heissen Sunnon und Marcomir (bei Claudian). Mit Faramund, Neffen Marcomir^s, 
herrschten (bei den Franken) die Könige (ex genere Priami). Auf Clodio (Sohn des Fara- 
mund), als König der Ripuarier, folgte sein Neffe oder (bei Aimoin) affinis ejus Meroväus 
(Sohn des Königs der Salier), Vater des Hilderich (Vater Chlodwig's). Die Franken er- 
hoben ^eges crinitos" aus nobiliori snorum familia (s. Greg. Tur.). unter Norax gründeten 
die Iberer die Stadt Nora in Sardinien (nach Pausanias). Le Turs-co-s (Tursa-co-s) des 
Italiotes (Tursha des inscriptions ^gjptiennes) est devenu plus tard Tuscns, d'oü le nom 
moderne de Toscane (s. Jubainville), als Tukhara oder Toxagot (der Tnetschi) bis Türken 
(oder Turkmenen Turan^s). Am Issyk-KüU finden sich Üsün genannte Bewohner (s. Rad- 
ioff). Unter Absetzung Romulus Augustulus^ lässt Odoacer die kaiserlichen Abzeichen an 
Zeno schicken, um (mit dieses Bestätigung als Patricier) sein Königreich in Italien zu be- 
herrschen (unter Theilung der Landeseingeborenen mit den barbarischen Hülfstmppen). 
Adovacrius cum Childerico foedus iniit, Alamannosque (Alanos), qui partem Italiae per- 
vaaerant, subjugarunt (s. Greg. Tor.), nach Eroberung Angers' (durch Odoacer, König der 
Sachsen). Tanquam Consul et Augustus est vocitatus (nach Anastasius' Emennungsbrief ), 
König Chlodwig (50S p. d.). Von den Anglo-Sachsen aus Britannien vertrieben (s. Nigellus). 
Hessen sich die Bretagner unter den Armoricanem nieder, worauf Chlodwig seine Herr- 
schaft ausdehnte fg Falktoy ittg iaxttrds (s. Procop). Die Städte Plakia und Skalake (am 
Meer vonMarmara) waren von Pelasgem bewohnt (nach Herod.). Die Alanen wurden von 
AStius bei Valentia angesiedelt (s. Prosper Tiro) unter Sambida (Suantewit). Ipsorum lin- 
gnae Celtae, nostra Galli appellantur (s. Csesar). Qui bibit inde furit (aus dem Fluss 
GaUos), als Priester der Galli (bei Ovid). Daniel Dremrud oder Dremruz (Graf von Cor- 
BooaillQ) Alemannis rex fnit (der Alanen). Die Legio Sicambrorum lagerte bei Buda (Ofen) 
oder Sicambria (in Pannonien). Whilst the tribal sjstem seems to be the result mainlj 
of the long continued habits of a pastoral people;, it conld and did adapt itself to arable 



Digitized by 



Google 



90^ 

agriculture, and it did so on the lines of the open fieldsjstem (s. Seebohm) im üebeigange 
zu topisehen Phylen (aus der Gentilit&t im Demos) Thero, König des nördlichen Iberien, 
wurde anf einem Raubzug gegen den Tempel des Melcarth in Cadix Yon den Phöni^em 
zurückgeschlagen (s. Macrob.)- Die Tyrrhenener (Tusker oder Tursha) oder (bei Pindar) 
TvQoävo% (nordische Thurs) unterschieden sich als ägäische Pelasger von den faretischeiL, 
als Pelesta, „les Masa ou Mvaoi (de Mysie), les Takkaro ou Teucroi, c'est-ä-dire les Pe- 
lasges de Mac^doine et de Thrace'' (s. Jubainville). Als ausgetriebene Hyksos (der Scythen 
am Thanais in Daeem oder Daciem) flüchtete Danaos von Aegyptus (zu Pelasgos), als 
Fremdling (bei Diod.), nach Hellas oder (zur Zeit Thoutmes III.) die Insel der Tanas (aos 
Tanis). Wie unter Moses (nach Judaea) flüchten die Hyksos unter Danaos (oder Armais) 
und Kadmos (s. Diod ). An SteUe Marcomir's (Vater Faramund's), der nach seines Bmder's 
Sunnon^s Tode durch Honorius verbannt wurde, erhielten die Franken (397 p. d.) zur Ver- 
theidigung des Rhein's (gegen die Vandalen), als König Theudomer (Sohn Richimer's) oder 
(s. Le Blanc) Theudomerex, dessen (Ripuarier genannte) Truppen Trier eroberten (412 p. d.), 
und nachdem Theodomer im Kriege mit Castinus (domesticorum comes) gefallen, wurde 
(418 p. d,) Faramund zum König erhoben (in „Francia"), unter den Franken, die (nach 
dem Uebergange des Rheines) in jede ihrer Ortschaften sich lockige Könige erw&hlt hattea 
(s. Greg. Tur.), während in der Königsstadt (Cuning-burga oder Conimbriga) oder Coimbra 
König Teudomer herrschte (unter den Sueven). Britto, ex veteribus Hbris veterumj war 
Sohn des Hisicion (Sohn des Alanus). Die ^Etp&aXiiai (s. Procop.) oder (bei den Persern) 
Haithal (Yeta der Chinesen) wurde (in Kharezm) von den Tukiu besiegt (550 p. d.). Von 
dem am Oxus gegründeten Reich der Geten oder Indoskythen drangen die Yuetchi nach 
dem Panjab vor (den Ssu oder Sse folgend) bis zu Jat (und weiter\ Die zu den Hypo- 
boräem (bei Theopomp) schiffenden Atlantiden kamen bis Italien (oder Tyrrhenien) und 
an die Grenzen Aegypten's (nach Plato). Belus (Sohn des Poseidon und der Libya) führte 
eine ägyptische Colonie nach Babylon (s. Diod.). Mit Memphis, Tochter des Uchorens 
(der die Residenz nach Theben verlegte), zeugte der Flussgott (Nil) den Aegypteus und 
auf König Nileus (von dem der Fluss Aegyptus als Nil bezeichnet wurde) folgte Chembes, 
Erbauer der Pyramide (des Armäus). Als Bruder des Dardanos (von Zeus gezeugt) zieht 
Jasius (Sohn des italischen König's Coryphus) nach Thracien (und Samothracien). Die (ibe- 
rischen) Sicanier wurden von den Ligurem, den (illyrischen) Thraciem verwandt, verdrängt 
Die thracischen Trerer als Cimmerier (bei Strabo) verwüsten in Asien (nach Plut.). Die 
Pelasger (neben den 4 Stänmien der Jonier) etaient distribu^s dans les d^mes (s. Kotourga). 
Von Neiterkob (durch Gott Engay auf den Kenia gesetzt) geschwängert, gebar Samba 
(Nyamasi Enauner's Frau) die Vorfahren (der Orloikob). Die Phönizier verehrten Belisama 
(Baaleth-Schamalm) als Königin des Himmels. The rules regarding marriage exhibit eveiy 
phase from the compulsory polyandry of the Nairs, the permissive polyandiy of the Jiis, 
and the condonement of adultery with a husband^s brother or kinsman among the Karakal 
Vellälars of Madura, to the law of Levirate among the Ahirs and Nuniyäs, the legal re- 
marriage of widows among the lowrcaste Hindus, and the stringeut provisions against such 
remarriages among the higher ones. Among the Koils, although polyandry is forgotten, 
the right of disposing of a girl in marriage still belongs, in certain cases, to the matemal 
uncle, — a relic of the polyandric System of succession through females. This tribe also 
preserves the form of marriage by „capture* (als R{^tus). Bei den von sieben Söhnen des 
ersten Vorfahr stammenden Sonthal darf nicht in dem eigenen Geschlecht geheirathet 
werden, sondern nur in einen der anderen Brüder (s. Hunter), wie bei Totem und Kobang 
(dann in Yucatan, China u. s w.). Danaos (Bruder des Aegyptus) stammte von Belos, mit 
den BeUden (oder Danaiden) als Heroinen am Nil kämpfend. Teucer, Sohn des Telamon, 
erhält von Belos, König von Sidon, Land in Cypem (zur Gründung dortigen Salamis'). 
Neben der Familie Yopädi (oder Vedili), als der vornehmste, finden sich (in Talafuoh) die 
Familienstämme der Ngobiru (Amalämo) und Nomateng. Diejenige, welche Wharen (inner- 
halb der Mark) besitzen, heissen Erfgenamen (in Drenthe). In Erythrä herrschten in 
Oligarchie die Basiliden. Unter den Chamorris oder Adligen (der Mariannen) hatte der 
zu Adgadna (Hauptstadt auf Guahan) den Vorsitz. Tulaga bildete die Standesversammlnng 
(auf Samoa). Auf die (unter dem Riamkau oder Rimakau stehenden) Häuptlinge oder 



Digitized by 



Google 



91 

Ngangacha (mit Sprecher .zur Seite) folgen die Adligen oder Mamthaa und dann die 
Thamnri (als Gemeine). Die Teucrier (und Musoi oder Mysier). eroberten (jenseits des 
Bosporus) bis zum Fluss Peneus (nach Herodot). In Rarotonga unterscheiden sich die 
Klassen Arild, Mataiapu, Rangatira und Unga. Unter den slavischen Hörigen (XI. bis 
XIV. Jahrh.) folgten auf die Klasse der Zupane die Withasii (vicaz oder Krieger), als „in 
equis servientes* (s. Knothe). Wie über die Targi-Inirad (als Leibeigene) herrscht der Edle 
(Jhaggar) über die (schwarzen) Sklaven oder Ikelan (bei Tuareg oder Targi). Nomen 
civium romanorum (einst so geachtet) nee vile tantum, sed etiam aboroinabile pene habetur 
(zu Salvian^s Zeit). Die Kmeton (in Polen) stiegen durch Besitz eines Pferdes zu den 
Slechit«n (Szlachzie) auf (s Lelewel). Le Marabout (des negres musulmans) est le pretre, 
qui s'est consacre pretre par Tinspiration propre (s. Horoy). Als Grossvater Brito's (durch 
Hisicion) stammt Alanus (im Geschlecht Japhet^s), als Sohn Rhea Silvia^s, von Aeneas 
(weiblicher Seite). Die Etrusca Corona unterschied (in Etrurien) die Lucumonen vom Volk, 
in (pvXm ytvtxat getheilt (in jeder Stadt). In Segestan unterscheiden sich die Kelaniden, 
als Adel, von den Dihqan oder Dorfbewohner (s. Khanikof). Der Häuptling in Vaitapu 
herrschte als lebender Gott (zu Hale^s Zeit), der Papa als Gt)tt „Gott auf Erden unter 
sterblicher Hülle* (1881). Turaga-levu oder König (tui) ist der grosse (levu) Häuptling 
(Tü-Raja) und Ratu oder Herr (auf Fiji). Nach dem Kukumianga genannten Brauch (auf 
Rarotonga) rang der erwachsene Sohn mit dem Vater, um ihn, wenn siegreieh, aus dem 
Besitz zu vertreiben (s. Williams). Von den Stämmen der Tuareg wird der Amenokal als 
gemeinsames Oberhaupt eingesetzt. Das Imperium (in Rom) gehörte den Magistraten, 
welche die königliche Macht erblich überkommen hatten (s. Maynz). Als höchster der 
Häuptlinge (auf den Tokelau) wird der Tui-Tokelau (in Fakaafo) durch drei Familien er- 
wählt (s Haie). Auf die Herrschaft der Kriegsobersten oder Saltik folgte (bei den Fulbe) 
die der Priesterfursten (im Almamy). Unter den Häuptlingen auf Tukopia herrschte der 
höchst« (oder Ariki Tabu), als Kafeha, über den District Lavenha, der zweite, als Tafna, 
über den District Namo, der dritte, als Fan-harere, über den District üto, der vierte, als 
Tanmako, über den District Fäa (und an der Spitze der vier Priester stand der Taura-dua, 
als Hohepriester). Als Vis-pati (Herr der Völker) entspricht (in den Veda) der Häuptling 
dem Vis-paiti (pers.) oder Wiez-patis (litth.). In Usagara bilden die Aeltesten den Rath 
(der Wabaha). Neben dem Bundesrath der Sachem fand sich (bei den Irokesen) ein Senat 
(cC Lafiteau) , und ausserdem hielten Alte und Krieger ihre getrennten Berathungen (so- 
wie die Frauen). Auf Antrieb Atotarho's (Häuptling der Onandago) vereinigten sich die 
fünf Nationen (der Irokesen), und die Hellenen im Amphictyonenbunde (auf das Orakel hin). 
Neben den Tomoekoen oder Familienhäuptem finden sich die Dorf häupter (Desa of Kam- 
ponghoofden) in Timor, als Manek gorok (oder korok) Die Was6, als Aelteste der Dörfer, 
stehen unter dem Mse (bei den Wapokomo). The Vaisya-caste (the „vis" or body of the 
Aryan settlers) in ancient times the tillers of the soll, have gradually abandoned this occu- 
pation to the Sudra and mixed castes, being now the merchants and bankers of India (s. 
Hnnter), als Sethi (oder Reiche bei Indochinesen). 

12) Cotinc bezeichnet deigenigen Justizbeamten, vor welchem Rechtsgeschäfte voU- 
zogen werden müssen (s.E.Herman); der altsächsische Priester heisst Eosago (im HeUand). 
With regard to creation, they know of no law, but spontaneity and self-development in 
the construction of the existing universe (in China), thank Heaven and worship Earth (s. 
Edkins), als belebter Himmel, belebte Erde, und bei den Araucanem heisst die Gottheit 
Seele des Himmels (s. Molina). C^sar ^tait la patrie incamee, la patrie 6tait dieu, C^sar 
devait etre dieu (s. Champigny), mit Augustus' Apotheose (in den concilia oder xoiyd) 
unter den Sodales Augustii (als coUegium). Im CaÜi Muigh Tuireadh dient der Schleuder- 
stem das bös tödtliche Auge Balor^s auszuschlagen (s. O^Curry). Im Symbol liegt das 
Zusammentragen (oder ein Werfen), wie Jedes AnÜieil am öffentlichen Wohl (bei den Rö- 
mern), und so das Glaubensbekenntniss der Apostel mit Jedes Spruch (bei St. Columban). 
Beim Meda vereinigen sich die Geheimkräffce zum zauberkräftigen Wirken (in Gebeten der 
Karakia auch). Der Inknlpat hatte vom Priester geweihtes Wasser zu trinken in den Or- 
dien (der Probatio per aquam). Der römische Kaiser (bei Vereinigung der zwei Gewalten 
seit Augustus) appelle ses ordonnances fiscales „oracles Celestes"* (s. Boissier). Der Vater 



Digitized by 



Google 



92 

Manuls (des Gesetzgeber's) heisst ^the seed of all the Kshattriyas^ (s. Hunter). Aus Rache 
für ihren ermordeten Bruder (Etienne Brule) flog seine Schwester über das Land, Pestilenx 
aushauchend (bei den Indianern). Der Preis des Lebens (zur Sahne für Mord, als all- 
gemeine Angelegenheit zwischen Fremden) war für die Frauen (weil durch Fortpflanzung 
nützlich) höher, als für Männer (bei den L'okesen). Cosmotoryne 'neg\ (pdogas xoofiov), 
als Rührlöffel (bei dem Weltuntergang). Von Häwenneyu war die Geisterwelt der Ho- 
nochenokeh geschaffen (bei den L*okesen). Jilo d'yaap Ugtii, o /jky tibq) ta ^eta ntay- 
jU^vo;, xtti dk ntgl ia daifioria (bei Flut.), ol M ituv ^vanav ag^oyttg (in Grriechenland). 

13) Und das Land war voll Holzes, so dass dar viel Raub und Mord's geschah, so 
gab König Karl das Land unter heimlich Recht, das man nennet die Feme- (bei Botho), 
„westphälische und andere verbottene Gerichte" (1439 p. d.)- Legem secreti judicii, quod 
patria iUius lingua Veme dicitur (Heinrich von Hervord). Das Zeichen der Fehme war 
ein Messer, welches in den Baum gesteckt ward, zum Beweis, dass von der heiligen Fehme 
gerichtet sei (s. Wächter), und ähnlich bei Emmissaren des Purrah (zur Vollziehung) oder 
Simdungo (in Angoy). E. F. H, S. 133. 

14) Sechzig Jahre bilden den abgeschlossenen Kreislauf (in China). Die Bangara (in 
Simbo) und Funaki (in IsabeUe) genannten Häuptlinge werden (in Bauro) als Saelaha 
(grosse Männer) geehrt (auf den Salomon). In Aethelstan^s Gesetzen wurde auch das 
Wehrgeld des Königs abgeschätzt (das sonst darüber steht). Die Epheben mussten unter 
die ol vTikg mpirixoyttt hij yiyoy6i€s gehören (in Athen). Per Botaki maaon oder Priester 
unterredet sich (durch die Roukarouk genannte 'Schlange) mit dem in einer Grubenhöhle 
weilenden MaBon oder Dämon, bei den (Rupe und Gott verehrenden) Boobies (s. Hutchin- 
son). Der Cultus der Bellona oder Ma (in Cappadocien) wurde durch Senatsbeschluss in 
Rom aufgenommen, um Bundesgenossenschaft zu gewinnen (gegen Mithridates). Ajns 
(loquens oder Ajus locutius) erhielt als wahrsagender Sprecher (in personificirter War- 
nungsstimme) einen Altar (s. Weiss). Die Moral wurde in Rom, politisch, durch den Censor 
überwacht, während die rechtlichen Institutionen wieder unter das Band der Religion 
fielen. Die Bogos schreiten über ein Schwert zum Schwur (s. Munzinger), wie die Litthaaer. 
Das (priesterliche) Propheten-Amt wurde von den Ephoren versehen (in Sparta). 

15) Im Streit mit dem (priesterlichen) Brahmanen Vasishtha siegte in Viswamitra der 
Vertreter der Kriegerkaste (mit Hülfe der Priesterfamilie der Bhrigu) zum Brahman er- 
hoben (in den Veda). Ceux qui la langue officielle de Rome appelait „patres*", que les 
client« k Rome appelaient „reges^, FOdyss^e les nomme ßaaiXfti ou «yaxtfg (s. Horoy). 
Unter den Dongosa Borku's giebt es erbliche Qodmulen (Turban, als Emblem der Königs- 
würde) zu Jin, Tiggi und Jarda; die Derde- Würde geht ursprünglich nicht auf deÄ ältesten 
Sohn, sondern auf den Aeltesten in der Familie, oder, wenn ganz nahe Verwandte fehlen, 
auf ein gewähltes Oberhaupt über (Nachtigal). Unter dem Mwenegoha an der Spitze der 
Phazi oder Dorf häupter (neben erblichen Häuptlingen) stehen die Klassen der Aeltesten 
als Kii^'ongoni, Schuma und Kahuambua (bei den Wazaramo). Durch die Adoptionsgrade 
erhielt der Menschgewordene oder Erstgeborene den Ehrentitel Dens nuncupativus (nach 
Elipand) und (nach Felix von Urgelis) war der Adoptivsohn (cum electis suis) deificirt (s. 
Hefele). Der Amphipolus in Syracus versah als Priester des olympischen Zeus die Ober- 
staatspriesterwürde. Die Karier nannten den König y^lar (s. Steph. Byz). Die Libustiner 
(s. St B.) oder (bei Lycophr ) Ligustiner waren Nachbarn der Kolchier (bei Dioph.) Alebion 
(Sohn des Poseidon) und Dercunos wurden von Herakles (in Ligurien) getödtet (bei Ap.)- 
Als Dracon (bei den Hyperboräer) hüteten die Draganen die GoldSpfel (der Hesperiden). 

16) Murders were punished by blood-revenge, the Kinsmen within a certain degree 
being one and all bound to kill the slayer, unless appeased by a payment of grain or cattle. 
The man who wounded another had to maintain the sufferer until he recovered from bis 
hurt. A Stolen article must be retumed, or its equivalent paid; but the Kandh twice con- 
victed of theft was driven forth from bis tribe, the greatest punishment known to the race. 
Disputes were settled by combat, or by the ordeal of boiling oil or heated iron, or by 
taking a solemn oath on an aut-hill, or on a tiger's claw, or a lizard's skin. When a 
house-father died, having no sons, his länd was parceUed out among the other male heads 
of the village ; for no woman, nor indeed any Kandh, was allowed to hold land who conld 



Digitized by 



Google 



93 

not with his own band defend it (s. Hunter). Bei den Bogos (s. Munzinger) zieht die 
Pflicht und das Recht des Blutes den Kreis der Verwandtschaft (wie sonst). „Munda cor 
meum", wird gebetet, nach dem Lesen der £pistel und Responsa (in der Messe), wie Je- 
saias Herz (und Lippen). Der xotijs oder xoiji genannte Priester vollzog die Reinigungen 
(in den Mysterien). Purus von nvg (s. Pott) und punire (luere poenas), wie castigatio 
(castnmagere). 

17) llavtüiv xa\ jüjv oalfov xoi laiy ligtay xvQtspaovaiy (s. Dio Cass.) die Kaiser (seit 
Octavian, als Augustus), wie bei Tui-tonga u. s. w. (Jn pretre (le cur6 ou recteur) est la 
seule autorit^, k laquelle les habitants d'Hoedic et de Houat soient soumis (s. Delalande). 
Die Aegypter verehrten ihre Könige als Göttef (nach Diodor), principes instar deorum 
(bei Tacitus), und denen aus dem Stamm der Ynglinger lag die Sorge für die Ernten auf 
(seit Freja), eine oft ebenso beschwerliche, ^ne die des Regenmachers bei Bakwinen (s. 
Livingstone) und sonst. L'importance de la g6n6alogie consistait dans sa continuit^ (bei 
den Griechen), ,dans le sens d'une unicfn des ancetres avec le dieu primitif • (s. Horey), 
und 80 bei Ariki (in Polynesien). Der Körper hiess AUpamasca (belebte Erde) bei den 
Quechua (s. Garcilasso). Lamolagi (loma, the middle, the heart) ist (auf Fiji) Lagi (als 
Herz des Himmels). Wenn Nero vergöttert zum Himmel aufzusteigen Lust fiihle, würde 
jeder der Götter ihm am Range weichen (Lucan)^ wie in Bolotu die Fürstenseelen aus 
Tonga über den dortigen Götterdienem stehen. Majorum haec erat consuetudo, ut rex esset 
etiam sacerdos et pontifex (s. Servius), wieAnius (Melchisedek u. A m.). Bei Caesar's Lebzeiten 
wurde ihm ein Tempel als Jupiter Julius erbaut (s. Dio). Hadrian erhob Antonius zum 
Gott (wie der Kaiser China's seine Mandarinen). Agni frappe les Yatudhanas avec une 
flache, n^e de Tespril (in den Vedas), der Finne durch Gan (-Bremsen des Zeus apomyios 
oder Beelzebub). 

18) Bei der Krönung wird dem König „the hat wom by his father* aufgesetzt (bei 
den Boobies), wie man in Madagascar dem Kranken die gefangene Seele aufstülpt (bei 
ihrem Irregehen, unter den Tsihaiii u s.w.). La couronne, le sceptre et en gen^ral tous 
les attributs de la royaut^ en Germanie sont des emprunts faits k l'empire romain (s. 
Kotourga). In Kamboja hüten Brahmanen die Regalien (in Balai). 

19) Epigamie (als Ehegenossenschaft) war zugestanden von Athen den Euböem (bei 
Lys.), den Platäem (bei Isoer.), den Thebanem (bei Dem.), von Byzanz und Perinth den 
Athenern (s. Westermann) , und dann trat Gegenseitigkeit ein (cf. Xen.). Bei den Tuareg 
folgt das Kind der Mutter (als vom Mutterleibe). Die den Njillem verwandten Nachbarn 
werden stets von einer Frau (Mbang-Ne) beherrscht (s. Nachtigal), im Beled-el Mrft (Land 
der Frau) oder Be-Mbang-Nß (Land der Königin). Bb würde unglückbringend sein, von 
dem vergrabenen Gelde Etwas für Ankäufe zu gebrauchen (ausser um den Maskawin oder 
Heirathspreis der Frau für den Sohn zu zahlen) und deshalb arbeitet man für neuen Ver- 
dienst, wenn Geld zu anderen Ankäufen erforderlich ist (bei festlichen Gelegenheiten wird 
Oel gebraucht). Unter den Sifan (in den Gebirgen des Morto-shan) werden die Somo von 
einer Königin regiert (bei Gill). Kein Kind ist seiner Mutter Kebskind (nach dem Sachsen- 
spiegel). Zum Dienst des Hercules wurden keine Frauen zugelassen, weil solche ihm (nach 
Cacus' üeberwindung) beim Durst den Wassertrunk verweigert (s. Varro) und bei Ver- 
ehrung cter Bona dea (am Aventin) waren die Männer ausgeschlossen (s. Plut.), und so 
Scheidung der Geschlechter bei Australier oder Indianer (am Gabun u. s. w.). Am xoü- 
g^taitg genannten Tage der Apaturien wurde das Kind in ytfog und Curie aufgenommen 
(als Fest der Phratrien). Das Heroon und der Hain des Eunostos durfte, von kein^ Frau 
betreten werden (in Tanagra). Bei den Baia (in Adamana) beobachten die Geschlechter 
einen Unterschied in der Sprache, indem die Frauen z B. kein Geflügel essen (s. Barth). 
The grey bandicoot belongs to the women and is killed and eaten by them, but not by 
men or children; boys are not allow^d to eat any female quadruped (in Australien). Unter 
den Cheng-fan (in Formosa) nimmt bei der \rerheirathung der Ehemann den Wohnsitz im 
Hause der Frau (s. Märten). Der von der Noi-Tak genannten Fürstin beherrschte Stamm 
(der Eingeborenen China's) „is known under the name of Nue-Koon or the woman govemed 
people" (g. Gray). Das Fest der Aphrodite , als "AvoaCa wurde nur von Frauen gefeiert. 
Schutzgöttin des Cnrien-Insütut's war Juno Curitis, die sabinische Göttin, welche von der 



Digitized by 



Google 



94 

sftbinisehen Coris (Quiris, Lanze) benannt ist (s. Grenz). Beim Kowpoee-Stamm der Kagis 
wird beim Tode der Fran durch ihre Verwandten das Mundoo (the price of her bcnefl) 
vom Wittwer gefordert. Bei den Howlong (unter den Lhoosai) hat die Wittwe unter der 
an der Decke aufgehängten Leiche zu sitzen (s. Lewin). Zur Heirath (und anderen Cen- 
monien) bedarf es (unter Dajak u, s. w.) eines Menschenkopfes im Eöpfeschnellen oder 
(s. Joest) Hutualio (im Holantalo), Die Frauen (die in Bauro vom Mann getödtet werden 
können) dienen zum Lasttragen (auf dfin Salomon). Transire in sacra gentis (bei Adopticn 
oder Heirath) und detestatio sacromm (bei Emancipation). Bei den Issedoniem hatte die 
Frau gleiche Rechte mit dem Mann (s. Herodot). Die Juden nahmen zur Frau Kebs- 
weiber oder Pillegest (Pallagis in Athen oder Pellex in Rom). Wie bei Ghakkar (in Ba- 
wal-Pindi) bestand Polyandrie bei den Earakat-Yellars (in Madura). Das kint vol^iet 
sijne moeder. Da zwei Personen vom gleichen Clan nicht heirathen dürfen (bei den Li- 
dianem) muss jede Familie Mitglieder von wenigstens zwei Clan enthalten (s Parkman\ 
Zu jeder Frau der Huronen gehörten zwei Familien (s. Lalemant). Der Brautkauf (mundr 
oder festingafä isl.) bedeutete die Ablösung der Braut von der angeborenen Mondschift 
(ihres Yaters oder Bruders) und erwarb die Braut zum rechten Eigenthum des Bräutiguu 
(s. Lank). Marriage between relations or even within the same tribe, is forbidden (bei den 
Kandh); da der Vater für seinen Sohn meist ein älteres Mädchen wählt, die bis zur Pn- 
bertät des Bräutigams als Dienerin im Hause verbleibt, gewinnt die Gtittin Einfloss über 
den Ehemann (doch sind Frauen bei erblicher Landvertheilung ausgeschlossen, wie Jeder, 
der den Besitz nicht selbst vertheidigen kann). Die Namen der Curien wurden von den 
geraubten Sabinerinnen hergeleitet (den pacis oratrices). Bei den Huronen (1615) erbten 
der Bruder des Häuptlings oder die Söhne seiner Schwester (vgl. Champlain). z/«fö/^< 
rdi dafitp r^ Bv^avUtoy xaX IJiQiv^imv A^f^yttioii Sofitv ijnyaftioy (s. Strabo). Dass der 
neugeborene Sohn nicht sterbe, fastet David 7 Tage und 7 Nächte (im Yaterkindbett), und 
dann das Weitere (von Couvade bis Jünglingsweihe). Bei den Tuschilang^ wird der Yater 
(mit dem Ergrauen des Haarens) vom Sohne vertrieben, und die Alten wohnen in be8<m- 
deren Dörfern zusammen (nach Wissmann). The bojs of the hamlet have their separate 
oMcers, and are strictlj controUed bj their own head and his deputy, tili they enter the 
married state (bei den Sonthal) für die Gliederung nach Altersklassen (bei Kru, Mönni- 
tarris n s. w.). Wie die Knaben bei der Fanado genannten Ceremonie (der Beschneidung) 
Geheimsprachen erlernen, as donzellas, entre os mandingas, biafadas, e fulas, tambien saü 
si^eitas ä circumcisao, e formam uma sociedade ä parte e com rito differente (s. Barros). 
Quand un negre esclave de certains pays de la Cote d'Or, des Palmes, des Graines etc. 
est pris du Taedium vitae, il le d^clare k Tassemblee des notables de son village (s. Be- 
renger-F^ud), und so in Massilia (devant Passembl^e de notables du pays). Bei Anlegung 
der ersten Kleidung steht der Sohn des Häuptlings (in Fiji) auf der Leiche eines Geopferten 
(nach Waterhouse). The Matumboka or Atimboka (on the west of the Nyassa-lake) raise 
little pustules on the face, giving them the appeafance of being covered with warts (s. 
Johnston). Bei den Manganja tragen die Frauen das Pelele (am Rufuma auch Männer). 
ifivati di anayrei i&(lofAiv tfyat xaXoi, ngos o ftiya ^^gog al tQix^i avfjißalkontti (s. 8j- 
nesius). Die Chakmas i,in Chittagong) grüssen durch Beriechen (s. Hunter). Wie bei den 
Tubu, werden die ersten Eckzähne und das Zäpfchen der Baele-Kinder (aus hygienischen 
Gründen) geopfert (s. Nachtigal). Im Verkehr des Austauschs fixirt sich (in arTf|r«jn}, als 
Chrematistik) der Werthmesser (s. Aristoteles). Die vor der Beschneidung in einer Um- 
zäunung gehaltenen Knaben dürfen nur unter Bewachung ausgehen, um nicht gesehen sn 
werden (auf den Neu-Hebriden). Item si ministerialis servo vel censuali condormierit puer. 
qui ex iis nascitur, Camerlingus dicitur (s. Teklenburg). 

20) Die Neffen nannten ihre Onkel Yater (bei den Franken), wie beim Anflehen von 
Childebert's Mitleid, gegen Mörder Chlotar (und so im Neffenrecht fernere Analogien). De 
terra vero Salica in mulieres niüla portio haeriditatis transit (de Alodis). Die Franken 
heissen Germani im Kriege mit den Burgundionen (bei Procop). Im siebenten Grad endet 
sich die Sippe (s. Hillebrand). Rector seu curatus parochialis praetendebat, ex. consn- 
tndine primam habere camalem sponsae cognitionem (in curia Bituricensi). Avns, als 
Avus matemus (b. Suet.), und dann avnnculus (im Neffenrecht). Familien, deren Fetiscbe 



Digitized by 



Google 



95 

denselben Namen besitzen, betrachten sich als Verwandte (in Aquapim). Ol /nei^x^wut 
jov yivovq ixaXovrio yeyyiJTm aral o^oyalaxjfs ^ivH nlv ov nQoarjxoyris , ix dk r^g av- 
voSov ovit} TiQoaayoQtvofKyoi (s. PoUux). 

21) Mtd-onv yofi(^ovatv tlrttt ol Wgaat, tov r\Xtoy, xai lovjtp d-vovat noXXag S^vafaSy 
ovx ay ovy (tg amby dvytjaatjo rtg itlia&riyat, ilfAvi diu itytoy ßttO^fddjy nuQfldiuy imy Ka- 
Xaataty Sti^u iavroy oaioy xal änaS^fj (Saidas), in craciatunm gradus (wie bei der Puber- 
tätsweihe der Mandan). Gomme les inities des mysteres antiques, le moine est pur, comme 
les mystes, mystae pii, il ne connait plus la souiUure, il est le sage, autant qne Socrate 
lui-meme, rationabili naturae decentem, il est Phomme psychique, il est parfait, s'il appar- 
tient encore k Thumanit^, c'est ä Fhumanit^ transfigur^e (bei Justinian). 

22) Die Pirnas vemichten das Eigenthum des Todten (ausser dem für die Kinder ge- 
lassenem Erbtheil). Bei den Navajoes geht das (von Mann und Frau getrennt besessene) 
Eigenthum zu Neffen oder Nichte (wenn nicht bei Lebzeiten der Eltern den Kindern ge- 
geben). Der Vorgriff des „jüngsten Sohnes" (bei den Franken) giebt diesem das Erbe. 
Die Knaben der Orloikob steigen von den Dbamod auf zu Ilmoran (Rumuran) oder Krieger 
unter dem Anführer Orlkibroni (als Orloibon oder Kegenarzt im Frieden) bis zur Verhei- 
rathang im Hausstand (Moru oder Muru). Tschingiskhan^s Testament setzte seinen jüngsten 
Sohn Okkodai (in Karakorum) als Oberherm (über seine Brüder). Bei den Wapokomo 
wohnen die Jünglinge in gemeinsamer Hütte zusammen (s. Denhardt). Die carmina epularia 
{ntrtgtot vfiyot) dienten zur Verherrlichung der Vorzeit, wie die laudationes funebres und 
naeniae (för die Familien). Knaben und Mädchen (bei den Basutos) einigen sich zu 
Kameradschaften (ChoSras). In Siam finden sich 7 Klassen von Pfandsklaven. In Kam- 
pong „werd een pandeling boedak genoemt" (s. de Groot). In Guinea 'verpfända]; die Fa- 
milie für Schulden. Gleichaltrige Knaben oder Jünglinge beschwören die Wi^brüder- 
schaft (Pobratinostov) bei den Kroaten (s. Star^) für Gefolgschaften (bei den Banfcu n. s. w.) 

23) One by one, the theories of metaphysical writers on sociology are overthrown, 
and the facts of history are taking their place, and the philosophy of history is being 
erected out of materials accumulating by objective studies of mankind (s. Powel). That- 
sachen sind noch nützlicher, wenn sie angenommenen Theorien widersprechen, als wenn sie 
dieselben unterstützen (s. Humphry Davis), ian ylg tpayjaaia xal iptvdng (bei Aristot). 
Les juristes, s'inspirant du digeste et des Institutes fönt deriver la propri^t^ de Toccu- 
pation de la res nullius , mais ä aucune 6poque la terre n'a 6t^ res nulUus (s. Laveleye). 
Unter Beziehung muss Alles das verstanden werden, was sich von selbst ändert bei der 
Bewegung oder dessen Aeuderung in der Vorstellung der Bewegung schon mit enthalten 
ist, ohne dass man eine Aenderung der Bewegung selbst anzunehmen hätte (s. Fick). 
Evolution descendante et conservation d^^tat sont des phenomenes dus k Pövolution ascen- 
dante ou descendante, ou ä la conservation d'^tat da milieu cosmique (s. Lanessan). Die 
Metazoa, aus den einzelligen Protozoa hervorgegangen, besassen anfangs ebenfalls die 
Unsterblichkeit dieser (nach Weismann), und der Tod kommt nur durch ein Versehen in 
die Welt (bei den Naturvölkern). FunctioneU entsprechen die Lungen der Wirbelthiere 
denen der Sehnecken (obwohl sie hier aus äusserer Haut, und nicht aus dem Darmkanal 
gebildet sind), morphologisch der Schwimmblase der Fische, durch Kiemen athmend (s. 
Semper). In the Croker Island dialect a cluck occasionally occurs in the middle of a 
Word, which is effected by striking the tongue agalnst the roof of the mouth (s. Earle), wo- 
bei Morray auf die Sprache der Ghenchies des Nalla-Malla (s. Newbold) verweist, als für 
Indien (ohne Erklärung im Sanscrit , in der Aussprache der Palatalen (nach Rost) beson- 
ders. Mit der Knechtschaft entzieht Zeus dem Manne die Hälfte der Tüchtigkeit (nach 
Homer) und so gehen unterdrückte Naturstämme zu Grande, psychisch gebrochen (s. Sproat). 
Indactive Speculation (s. Dühring) hat die Deduction zu ersetzen (beim Uebergang der 
Psychophysäc in psychologische Philosophie). Toute r^presentation de changement est 
accompagnäe d^une repr^sentation de force (s. Renouvier). 

24) In den mexicanischen Städten fand sich das Huitzompan genannte Gebäude, in 
welchem die Zahl der Himschädel aus den Kriegsgefangenen, durch Ersetzung der ver- 
witternden mit neuen, von den Priestern stets voll zu halten war. Die Häuser (auf den 
Salomon) werden mit den geschmückten Schädeln erschlagener Feinde verziert. Wenn 



Digitized by 



Google 



96 

man dem Todten den Mond anflässt, dass die Zunge ans dem Leichentuch kommt, leckte 
es die ganze Familie nach (J. W. Wolf). There are female devils (Gnulla gnulla gneear) 
in Australien (s. Dawson). Neben den unterworfenen Miao-sse finden sich Sing-miao-sse 
oder Yemiaosse (als Wilde). Bei dem Todtenfest der Huronen wurde aus den Dörfern die 
Knochen in Ononane zusammengetragen, » einige als formlose Rollen, aus andern hatte 
mun eine plumpe Gestalt geformt, mit Federn, Perlen und Gürtel aus gef&rhien Stachel- 
Bchweinborsten geschmückt"" (zu Brebeuf 's Zeit) ; den Kindern legte eine Mutter „brasselete 
de pourcelaine et de rassade aux hras^ (unter Liebkosen der Knochen). In Cjrene wnrden 
die Dioscuren zum Mahl, in Athen zum Frühstück eingeladen, und in Faros erhielten sie 
ein Bett gebreitet (als Biclinium). Neben den Sjssitien als gemeinsame Mahle feierten die 
Spartiaten das KonCi genannte unter Zelten (s. Yiollet). Die (autochthonischen) Bewohner 
Attica's, als *^Hq>a(aiov Tiai^tq (bei Aeschjl ) stanmiten von Hephaistos und Atiiene (nach 
Plato). 

25) In Fiji wird beim Hausbau gegenseitige Unterstützung gewährt. Die Innung der 
Chalkeia (in Athen) war durch gemeinsame Feste vertiunden (17 (gynaia itov yvatpiwp xal 
ßttifiüty Tttiv nlovgymy in Laodicea am Lykos). Die Bäcker, Fleischhauer, Weinmischer 
(neben den ailriial) verehrten die Heroen Matton, Däton und Keraon (in Sparta). Unter 
den Hmen, als Handwerker oder Künstler, vererbte sich die Kunst (oder das Wissen) der 
Zauberärzte (in Yucatan), und in Tonga figurirten die Zimmerleute als Priester) wie Ponti- 
ficen in Rom). Der Handwerker, der dem Bauern den Pflug fertigt, arbeitet im Dienst 
der Athene (bei Hesiod). Die Gephyräer bauten die Brücken, die </>Qf(OQvxoi die 
Brunnen, die EdnvgiSai, Al^aXidetiy *HfpaiaiiaStu oder TQiatladat. und die Xaltliai 
lieferten die Metallärbeiten, die Kt^afitlQ (und KtaXuiq) die Thongeschirre , die Koqiiaiw 
die Netze (inAttika) neben BovCvyoi^y ^vtaXtSai^ BQvtiSai, AiyHgotouaiy Flotfdfyiim (fmr 
Viehzucht und Ackerbau) und Hopliten (s. Haase) A chaque lieu son art et son industrie, 
dans teile ile, tel travail excelle, dans une meme ile cela varie d'nne baie h Tautre (auf 
den Marquesas), ici les süperbes tavahas ou diademes de plumes de coq, lä leg eventails 
ou tahii, mont^s our un manche d'ossement humain, cisel^ et souvent fort bien travaille, 
dans un endroit, des tapes plus fines, mieux colori^s, dans un autre, les pipes ciseMes, les 
boucles d'oreiUe, les omements en cheveux et miUe autres choses (s. Mathias). Aehnlich 
unter den Stämmen Gujana's (mit Monopolen) Auf die Moba (Bitte) verrichten (bei den 
Kroaten) die Nachbarn gemeinsame Arbeit, gegen Verköstigung, ohne Bezahlung (s. Stare), 
80 dass ein Fest (wie auf Fiji). 

26) Solemne enim est Francorum regibus nunquam tdnderi (s. Agathias). Suevorum 
ingenui a servis separantur (bei Tacitus) durch den Haarknoten (aufgebunden). Mit dem 
Recht, die bisher rasirten Haupthaare sich lang wachsen zu lassen (bei der Majorennität), 
führt der Kunama (Schangalla oder Baza) „die Bezeichnung Anda^ (Grosser, Alter), bei 
Gemeindeversammlungen berathend und beschÜessend mitzuwirken (s. Reinisch). Apud 
Graecos, quando calamitas aliqua est accepta, mulieres tondentnr, viri comam submittont 
(Plutarch). 

27) Mit dem Reis assen die Indier (zu Megasthenes' Zeit) otpanvlld x^x^igov^yr^fiiva 
Tats '/ydixms axivaaiati (s. Athen.) als Curry (für die „Rijstafel" in Batavia). Man darf 
das Vieh beim Schlachten nicht bedauern, sonst kann es nicht sterben (in Schlesien), und 
um das buddhistische Verbot der Thiertödtung nicht zu brechen, lässt man die Fische 
aus eigener Schuld absterben, in der Sonnentrocknung (in Birma). 

28) Die Huronen verheirathen zwei Mädchen ihres Stammes (unter feierlichen Cere- 
monien) mit dem Oki oder Geist (der seine Frau verlor) der Fischnetze, und ermuthigten 
durch Anreden die Fische, sich fangen zu lassen, da ihre Gräten geehrt werden würden 
(s. Parkman). Die Maori lernten das Netzestricken von den Patu-Paeareha. Pelasgos 
lehrt den Hausbau (und- die Fellkleidung) im Peloponnes (s. Paus), als in Kreta noch 
unter Bäumen oder in Höhlungen gewohnt wurde (s. Diod. Sic), bis auf die Oureten (das 
Honig^ammeln lehrend). Coroebius atheniensis erfand die Töpferei (nach Plinius). Talus 
erfand (neben der Töpferscheibe) das Drechseleisen, wie sein VatÄ* Dädalns Säge und 
Bohrer, sowie Holzfiguren mit Gelenken (wie bei den«Haidah). Bochica bringt den Web- 
stuhl (bei Chibcha). Dädalos flüchtet« von Greta zu Cocalos (König der Sicanier). Die 



Digitized by 



Google 



97 

Kaiserin Hsi-ling-shi (Gemahlin Hwang-ti's) erfindet das Weben und Sticken (in Seide), 
Wie von den Chaljbem (bei Aeschjlus), als älteste Schmiede (nach Arrian) wurde dtm 
Eisen Scjthien's, von Sinope, Lydien und (aus Samos) in Laconien bearbeitet (nach Dal- 
machos), wie von den idfiischen Dactylen in Creta (nach Hesiod) durch den Schmidt (des 
Sideros) oder (bei Homer) Chalkeus (der Bronze). 

29) Die Solima genannten Böte dienen (in Bauro) zu Handelsreisen und Kriegszügen 
(auf den Soliman-Inseln). Neben den Solima (für Kriegsreisen) findet sich das Ora ge- 
nannte Canoe, sowie (aus einem Stück) Etea (auf San Christoval). 

30) Im Kriege ziehen sich die Wilden in Ysabel (der Salomon) auf die Baumhäuser 
zurück, „destroying their houses undemeath" (s. Brenchley), und so in Darien (bei der 
Conquista). Die Dörfer (bei Port Moresby) stehen unter Loiapata (als Häuptlingen), mit 
Baumhäusern gegen den bösen Vat« Der Dardei (Sultan) präsidirt den Versammlungen 
der Maina oder Edlen (bei den Teda). Neben Mindanaos und Caragos bauen die (den 
Lutaos unterworfenen) Subanos die Häuser auf hohen Pfählen, an einer Stange hinauf- 
kletternd (in Mindanao). Auf Isabella (der Salomon) dienen auf Bäumen angelegte Woh- 
nungen zum Schutz (als Käfige oder Festungen), und so die Bombax-Bäume (bei Einfällen 
der Baghirmi . Postumins rief bei der Schlacht am regiUischen See die Götter Castor 
und PoUux an, ihre Tempel im Tusculum zu verlassen, um den Römern zu helfen (s. Ma- 
crobius). 

31) Der Salawakong genannte Tanz heisst vom Schild (oder Salawakong) und Pfeil- 
stock, womit ausgeführt (in Tidore). Die Sieb der Wüste (von Yemen bis Nisibis) ver- 
hüllen sich in Gazellenfelle (bei der Gazellenjagd), die Indianer bei Jagd der Büffel in 
Felle dieser (die Bheel in Zweige u. s. w.). Von den wilden Stämmen der Gondh (als 
Jäger in den Wäldern) Einige „used within a few years back, flint point« for their arrows" 
;1882). Die Pfeile der Blasröhre werden auch in America vergiftet (weil sonst wirkungslos) 
und mit dem Bogen schiesst sie der Buschmann Die Eries kämpften mit vergifteten 
Pfeilen (den Huronen verwandt). 

32) Das gejagte Wild der Fianna (in Erinn) wurde zum Mahl in Gruben durch heisse 
Steine gekocht (s. Keting), wie in Polynesien (der Brotfrucht-Pudding). 

33) In that Land growen Trees, that beren mele whereof men maken gode Brod and 
white, and of gode savour (s. Mandeville\ vom Sago-Baum (auf den Molukken). Die Noth 
zwingt von den Eiern der Seevögel zu leben, trotz der Gefährlichkeiten, ^ daher der Färinger, 
der in den Vogelberg fährt, von allen seinen Bekannten feierlich Abschied nimmt auf 
Nimmerwiedersehen" (s. Graba). Glücklicher Erfolg auf der Eierjagd lohnt mit der Fürsten- 
würde (auf Rapanui). 

34) Für das Wachsthum und Gedeihen (grandire et evenire sinas) der Gewächse wurde 
Mars angerufen (zur Zeit der Saatblüthen), und so der wilde Tu (bei Maori). In Siam 
reguliren die Jahresfeste das Wachsthum (im Kalender). Die Hügelstämme zwischen 
Sylhet und Assam kreuzigen die gejagten Affen (zur Zeit des Säen's). Tou (in Mangarewa) 
pr^dait aux productions de la terre (dafür angerufen) und kriegerischer Tu der Maori (wie 
Mars bei der Saat). Der Hausgott Moi-maie wird bei der Bananen-Ernte angerufen (auf 
Rapanui) und Haua (neben Make-make) Lotoo (the term used for praying) is more commonly 
applied to prayer offered up on the fields to all the gods, but particularly to Alo-Alo, 
petitioning for a good harvest (s. Mariner). In Königswartha wird die den Komgeist dar- 
stellende, bei Ausdrusch der letzten Roggengarben gefertigte Menschenfigur, der Alte 
oder Stary, bis zum Frühjahr verwahrt, und dann mit Stock und Hut bekleidet und mit 
einem Besen in der Hand in's Krautfeld gesteckt (s. Mannhardt). Beim Erntefest (Chuk- 
chai) wird ein Baum aus dem Walde in's Dorf gebracht, unter Opfer für die Khong oder 
Geister (bei Lhoosai). Mai-nau wird als Hüter (nau) des Reis (mai) verehrt (bei den 
Khamti). Die Kachar verehren Sisu im Cactus (als Gott Modai). Divus (statt Dens) indi 
quait seulement, que le d6funt habitait le ciel (s. Boissier). Auf den Salomon wird bei 
der Yams-Emte zu Gott Yona gebetet (blind und taub). Die Primitiae wurden als änagxtf^ 
geopfert (und Erstlinge im Inachi-Fest). The teeth of old women are taken to the yam 
plantation as a charm for a good crop (s. Turner) auf Tanna (und so das Säen von Zähnen 
bei den Sparten). Bei Unfruchtbarkeit beten die Miaotse zu Fa-kung-mo (Blumengross- 

Bastian, Archipelago. T. 7 



Digitized by 



Google 



98 

vater und Mutter), wo die Seelen der Kinder weilen, durch einen Korb (nach Krosc^). 
Uei der Tich-dien genannten Ceremonie führt der König den Pflug (in Annam), wie in China 
(bei Joloff u 8. w.)- Beim Landen der Argonauten erhielten die Dioscnren das Fest der 
Theoxenien, als (bewunderte) Fremde (wie Omang). Die Druden oder Tmden (ab Heien) 
hiessen „de lichte Lue* (in Ostfriesland), als .Thaustreicherinnen" (in der Oberpfalz) und 
bei den Azken schwebten die Emtegottheiten über die thaubefenchteten Spitzen der Saaten 
hin (wobei Schweigen geboten war). There is a superstition, called Wuurong, connected 
with the tracking and killing of Kangaroos (s. Dawson) nach den Fusstapfen (in Australien), 
und der Büffeltanz (bei Indianer). Im Linosliede wurde ai linu (nfltrw) geklagt (auf 
Cypem). In Alexandrien wurde (zur Zeit des Ptol Ph.) das Adonisbild klagend in's Meer 
getragen, mit der Bitte um gnädige Wiederkehr im künftigen Jahr (bei Theocrit), unter 
Jubeln bei der Wiederanferstehung (s Lucian). An den Hilaria (laetitiae exordium) wurde 
das Wiederauffinden {(vQfois) des Attis gefeiert, durch Cybele im Hades gesucht (s Diod.). 
Quod simulacrum frugum adultarum regiones mjsticae docent, wurde für Venus geweint 
(bei der Adonisfeier). Im Lityersesliede (Phrygien's) symbolisirt sich die Tödtung durch 
die Sichel, und im Liede wurde um Linos getrauert (auf Cypem). Priester, die „wetter- 
gerecht" sind, zerstreuen durch Gebet und Segen aufziehende Grewitter (in Oberbayem). 
Die Auguren, als periti, hiessen Prudenti (s. Cicero) oder Wissende (wie wizzards). Ans 
dem ihrem Liebhaber Tuna in seiner Aal -Verwandlung durch Ina abgeschnittenen Kopf 
erwuchs der Cocosbaum, mit seinem Hirn im weissen Kern (te roro o Tuna). Rata- 
maibulu, der Herr (Ratu) aus Bulu (oder Unterwelt) ist Kalou ni vuata (god of the crops) 
auf Fiji (Vulai Ratu) wie Proserpina (und Demeter). Das Ambarvalopfer, als Lustration, 
fand, wie für das römische Weichbild, in jedem Pagus statt (nach Marini). 

35) Die Insel St. Christoval oder Bauro (mit dem Hafen Wango in der Bay Wano) 
enthält die Districte Bauro und Arosi (in den Salomon). 

36) All the male children of each female, except the two first, are strangled the mo- 
ment affcer their birth (in Tucopia), if they were allowed to live, the population of their 
little island would be so dense, that its produce could not support them (s. Dillon). 

37) Wie in den Molukken, „bis zur Südküste der Inseln Ceram und Büro, an deren 
Nordküste die umgekehrten Jahreszeiten der nördlichen Molukken beginnen" (s. Meinicke), 
bildet im Süden des Aequator in Neuguinea, der Louisiade und Neubritannien von Apzil 
bis Oktober der ßüdost-Musson die Regenzeit (neben dem Nordwest-Musson der Trocken- 
zeit). Die Grenzen bestimmter Pflanzen- und Thierformen fallen im indischen Archipel 
nicht zusammen, die Vegetation entspricht dem Gesetz der klimatischen, die Faunen dem 
der räumlichen Analogien (s. Grisebach). Wallace zieht die Trennungslinie durch die 
Strasse von Lombok (für die geographischen Provinzen). 

38) Den ihr schlichtes Haar pflegenden Hraungelben auf Sesarga gehören die Häupt- 
linge an (s. Surville) unter den Melanesien! (der Salomon). 

39) Temelflua (Tucopia) oder Kenai (neben Taumaco) wurde von Quiros entdeckt (1606), 
und mit Taucalo oder Tockelau (neben Quaytopo) war Tucopia (von Schwarzen bewohnt) 
verbündet. Der (mit zwei Gefährten) aus ülea nach den Corallen-Inseln Radak's Getriebene 
hatte 1500 Meilen zurückgelegt (8 Monate lang). Durch die nach den Philippinen getrie- 
benen Insulaner wurden die Carolinen bekannt (1686). Auf Ulaua (nach Surville) finden 
sich (polynesich) Langhaarige (unter den Melanesiem). Die helle Bevölkerung der Insel 
Woodlark findet sich zwischen schwarzer (in Neu-Irland, Neu-Britannien n. s. w.)> I^® 
Bewohner von Mongiki und Mongawa (mit Kupfererz, wie auf Rubiana) sind polynesisch 
verwandt Auf Isabella (der Salomon) wurde australische Mischung vermuthet (zu d'Or- 
ville's Zeit). Von Mangaia verbannt, gelangten Tauai und Tekaraka nach Neu-Seeland 
(250 years ago). Vaitupu sandte (bei Uebervölkerung) Colonien aus, wie Nukahiva auf 
Priester -Orakel hin (im Ver sacrum). A Japanese junk was cast away 16 miles sontfa of 
Cape Flattery (s. Parker) in March 1883 (die, aus 17, geretteten Drei wurden nach Van- 
coaver gebracht). In the same year 11 Japanese in distress were drifted in a junk to Oahn 
(8. Bradford). Die Shina (in Dardistan) herrschten früher im Osten (nach Leitn^), bis 
Khy^ (Sbin). Kaiser Mu-wong führt sein Feldzug in das Land der «ofg^änften Feden 
(Sohnee bei Herodot). Das Eisen (ayasa) der Scythen kam durch handelnde Sigynnen n 



Digitized by 



Google 



99 

den Gelten (als Isarnos oder Eisen) von den Schmieden oder (bei Homeor) Chalkeus (der 
Ohalyber). Utontur taleis ferreis ad certum pondns examinatis pro nommo (derBritannier). 
40) ^Das über die ganzen Südseeinseln verbreitete „Tabu* oder »T6pu" findet sich auch 
hier in derselben Bedeutung und Ausdehnung. Das Wort „Tabu^ Icennt man, doch be- 
zeichnet man dasselbe mehr mit dem Rapanui-Wort „rähül'*. Die verbreitetste Anwendung 
findet das Tabu in der Verehrung der Verstorbenen, sowie des Hanptgottes Mäke-Häke. 
So wird das Tabu stets auf die Kartoffelfelder gelegt, wenn sie zu Ehren oder zur Er- 
innerung an todte Verwandte sich des Genusses derselben enthalten. Am strengsten sind 
die Tabus, wenn sie zu Ehren eines verst'Orbenen Sohnes oder nahen Verwandten aus- 
gesprochen werden; in diesem Falle dauern sie gewöhnlich ein Jahr, oft sogar drei bis 
vier Jahre. Sie heissen dann „P^ra päp^o^. Wie über die Kartoffel, eine gesuchte Speise, 
können Tabus aus gleichem Grunde über irgend ein anderes und zwar vornehmlich Lieb- 
lingsnahrungsmittel ausgesprochen werden, um durch die kürzere oder längere Enthaltung 
vom Genuss desselben seine Verehrung und Trauer auszudrücken. — Ausserdem sind s&nmt- 
liche Götter Tabu vor allem die alten Steinidole, sodann die Begräbnisspl&tze (ähü) und 
die Insel Motu nüi, von welcher die den Hauptgott Mäke-Mäke repräsentirenden Seevogel- 
eier geholt werden; letztere in allen Zeiten des Jahres ausschliesslich der Monate Juli, 
August und September. Die Insel darf während der übrigen neun Monate von Niemandem 
betreten werden. Das Tabuzeichen ist eine kleine Pyramide von vier Steinen, von denen 
drei unten und einer oben liegt Oft ist der obere Stein noch weiss angestrichen, um 
besser gesehen werden zu können' (s. Weisser). The sjmbol of the Rahui was a caim 
(auf Bapanui), as regards property and crops (Palmer). Um sich als Brüder zu scheiden, 
verpönten Salaba das Herz, Bogos dagegen die Leber, als verbotene Speise (s. Reinisch). 
Auf Tonga wurde das Tabu durch die Fakalahi genannte Ceremonie aufgehoben. Wer 
das verbotene Gehäg des Zeus (rö nßaioy) in Arkadien betrat, warf keinen Schatten (nach 
Paus.). Wie den Esel {nfitafAivov vn avitov ^fiqtov) verehrten die Juden (nach Kallistra- 
tos) auch das Schwein, als Lehrer des Säen's und Pflügen's (bei Plut). Gustare gallinam 
fas non putant (die Britannier). Innerhalb der Miko (des Verbotenen) im Pallisadenzaun 
wird (bei den Wapokoma) das Ngathi genannte Instrument, das nur der Wasa (Aelteste) 
sehen darf, aufbewahrt (s. Fischer) bei den Wapokomo (am Tana) Als homo sacer, weil 
die den Göttern geweihte Grenze verletzend, wird Romulus getödtet (s. Ihering). Na 
pessoa ou cousa malgossada nau se pode tocar, sob pena de morte, que tarde ou cedo 
sobrevem de uma maneira mysteriosa (s. Gouveia) in Guinea (malgossar oder Tabu) im 
Sacrum (oder Anathema) Der Exsecratus wurde von religiöser Gemeinschaft ausgeschlossen 
(in Rom). Theano, Priesterin der Athene, weigerte den Fluch (über Alcibiades), da sie 
Priesterin nur sei, um zu segnen. Das Fetech Mogareh oder Recht der Bogos (in Moga- 
rech) berücksichtigt zugleich Nebari (Sitte oder Anstandiges) und Gere (Unerhörtes oder 
Unnatürliches). Le daim presidait au pied droit, le tigre au pied gauche, Faigle ä la main 
droite, le singe ä la main gauche, le chien au nez, le vautour ä Toreille droite, le lapin & 
Foreille gauche, le l^zard aux reins, le serpent au phallus (in Mexico). Indem sie das 
Fleisch des Hasen, Elephuiten und Strauss vermeiden, unterscheiden sich die Bogos als 
Ooston (Christen) von den Mohamedanem (s. Munzinger). Die Festtage werden in der 
Sabbathruhe gefeiert (und der Sonnt^ als Sembeth abbes oder grosser Sabbath). „Gegen 
ihre Häuptlinge haben die Eingeborenen folgende Gebräuche in beachten: 

1. Tor einem höheren Bupak haben alle im Range niedriger stehenden Häuptlinge sowie 
alle übrigen Leute sich zu bücken, wenn derselbe vorbeigeht. 

2. Ein Eingeborener, der zu seinem Häuptling spricht, hat dies in kauernder Btellmig, 
auf den Fersen siteend, mit hinter dem Rü<^en gdegten Händen und abgewandtem 
Gesichte zu thun. Lautes Sprechen oder Zurufen ist sehr verpönt. 

B. Kähne mit Eingeborenen, welche auf dem Wasser sich begegnen, haben auf einander 
xnaohahen und ihre Reisezwecke mitzntheilen. Ist in einem der Kähne ein Häoptling, 
so kanem die Ruderer beider Kähne nieder, wenn sie sieh neben einander gelegt 
haben. Ist der eine Kahn, vom Fischfang kommend, mit Fischen versehen, so haben 
die Leute davon an den Häuptling abzugeben. Aus Höflichkeit findet eine solche Ab- 
gabe von Fischbente anch zwischen Kähnen sich begegnender, gewöhnlicher Leute statt 

7* 



Digitized by 



Google 



100 

4. Yor dem Hause eines Rapaks auf dem sogenamiten „Olbef" und auf dem Vorplätze 
„makosokos'' darf kein Eingeborener rasch gehen oder laut schreien. Züchtigung mit 
dem Stock von Seiten der Angehörigen des Rupaks ist die Strafe für solches Vergehen. 

5. Der Handkorb „tertr** eines Häuptlings muss wie seine Person geehrt werden. Darüber 
wegspringen oder darauf treten wäre ein grosses Verbrechen. 

6. Kein Eingeborener darf in Gegenwart eines Häuptlings sprechen, wenn er nicht von 
demselben befragt worden ist, und muss sich entfernt von demselben niederkauem. 

7. Bei Besuchen muss immer der im Range niedriger stehende Rupak so lange vor dem 
Hause warten, bis der höhere denselben einladet, einzutreten. Ebenso muss beim 
Verlassen des Hauses die Rangordnung beobachtet werden, indem die höchsten Rupaks 
zuletzt hinausgehen [also umgekehrt, wie Stehen und Sitzen in Siam]. 

8. Diebstahl an Eigenthum der Rupaks wird strenge bestraft. Für alle diese üeber- 
tretungen sind bestimmte Geldstrafen auferlegt Indessen kommen dieselben nicht 
häufig vor, da solche Fehler von den erwachsenen Männern kaum begangen werden. 
Junge Männer, Knaben, sowie ganz alte werden als „tingaringer'', „dumme Menschen'', 
nicht bestraft, höchstens gerügt. 
Gegen die Frauen haben die Eingeborenen folgende moguls zu beobachten: 

1. Kein Eingeborener darf seine Frau schlagen, auch nicht öffentlich mit Worten be- 
leidigen. Wäre die Beleidigt« eine Ajditfrau, so trifft die auf Todesstrafe haftende 
Geldsühne den Verbrecher. Ist er arm, so muss er fliehen, oder er wird getödtet. 
Ebenso steht es mit der Beleidigung verheiratheter Frauen, der Ehemann kann den 
Uebelthät^r tödten. Auf die an Iratahegij gerichtete Frage, was in diesem Falle 
mit einem grossen Häuptling oder König geschehe, antwortete dieser: „A diak! 
mpak ma Tingaringer? Olokoj ! Oh, was denkst Du, ein Häuptling soUte ein Dumm- 
kopf sein? Niemals!" So fest eingewurzelt stehen bei diesen die Sittenbeachtungen. 

2. Kein Eingeborener darf eine Frau entblösst von ihrer Schürze (Karint) überraschen. i 
Nähert er sich daher den Badeplätzen solcher, so ruft er von weitem : „Eh oa! eh oa!'' 

hört er keine Antwort, so geht er dreist weiter seines Weges. Sind Frauen da, welche , 

baden, so rufen diese: „Oj! oj! lagomej! oj! oj! Komme nicht näher!'' worauf der 
Gewamte ruhig wartet, bis er vorbeigehen kann. 

3. Mogul, üeber die Ehefrau eines andern darf keiner öffentlich sprechen, auch darf > 
nicht einmal der Name genannt werden. Die grösste Beleidigung für einen Ehemann 

ist ein schlimmes Wort auf seine Frau Schelten sich im Zorne zwei Eingeborene, so | 

hört man wohl „titiong adallam*', schlecht war Deine Mutter, nie aber „titiong a pa- I 

gim'', schlecht ist Deine Frau, da der so Beleidigte das Recht hat, seinen Gegner mit \ 

einem Steine dermassen zu züchtigen, dass selbst der Verletzung nachfolgender Tod 
nicht bestrafbar ist. 

In Betreff weiterer Gesetze oder moguls, das Verhalten der niederen und hörigen Leute 
untereinander sind betreff Mordes Arten und Weisen des Verfahrens festgesetzt; Ver- 
letzungen, Schlägereien unter denselben müssen ebenso wie die meisten üebertretnngen 
der sonst bestehenden Sittengesetze durch Geld gesühnt werden** (s. Kubary)^ und so 
sind die strafenden Folgen aus der Blutrache durch Wehrgeld abkaufbar (bis zu der von 
äusserer Discipün zu innerlicher bekehrenden Busse). — Die ethischen Begriffe (von den 
psychologischen nicht durch die Art, wie sie gebildet werden, sondern durch den Gegen- 
stand, auf den sie sich beziehen, unterschieden) erhalten sich dadurch, dass aus den Eigen- 
schaften und Gesetzen der menschlichen Natur, welche die Psychologie kennen lehrt, Vo^ 
Schriften für das Wollen und Handeln abgeleitet werden (s. Zeller). Die Erfindung der 
Wissenschaft ist vom Bedür&uss ausgegangen (s. Proclus Diadochus). Das Object ist nichts 
anders als der umgestülpte geocentrische , d. h. also der heliocentrische (oder der gensn 
objective) Standpunkt des Subject's selbst (s. Bilharz). dSivaiov aga htCy ttno<f',ras»«h 
5rt ilaC uyeg yorital fAovadig (Sext Emp.). — Het pamaii, dat op Ceram zulk een groote 
rol speelt, is, hoewel niet in die mate, ook bij de Alfoeren op Halmaheira onder den naam 
van bebosso in gebruik. Dit bobosso bevat altijd oen of ander verbod en kan rechtstreeks 
betrekking hebben op zekere geesten; zoo moet men b. v. in de nabijheid van het dland 
Roni zeil gaan minderen op gevaar van onweer, natuurlijk door een geest veroonaakt, en 



Digitized by 



Google 



101 

mag men ook niet op den berg Gramma Koenorra wijzen, alvorens hem gepasseerd te zijn, 
daar men anders ternggeslagen wordt; zoo moet men het kleine eilandje voor den mond 
der Dodinga gelegen passeerende, zijn aangezicht met zeewaater wasschen om te voor- 
komen, dat men ziek wordt enz. enz,. Andere pamali zijn die, welke aanieder persoon 
afzonderl^k eigen z^n; b. y. de eene mag geen hertevleescb eten, de andere weder geen 
TarkensYleesch, dezen is het gebmik van kippenvleesch, genen het eten van klappers yer- 
boden enz-enz. Ook dit soort van bobosso is te verklären; men heeft b. v. een ziekte ge- 
had, die de gomma-hatt^e aan het gebmik dier spijzen heeft toegeschreven, dan wel men 
heeft daarin een moestika gevonden, als wanneer het verder gebmik van zulk voedsel 
streng verboden is. Geheel onverklaarbaar daarentegen is het betrekkelijke bobosso; zoo 
mag b. V. de vrouw van den jongeren broeder niet zien, dat haar ondere schoonbroeder 
eet en beiden moeten ten gebraike bij hun eten afzonderlijk aardewerk hebben; zoo de 
eene nit des anderen bord at, zon dit stellig eene ziekte veroorzaken; zoo mag de schoon- 
xoon xijn schoonvader nooit bij zijn naam roepen, maar moet altijd taroä of hada (schoon- 
vader) tegen hem zeggen enz. (s. Campen). Im Anschluss an die Schwäger- Yerbergnngen 
(mit sonstigen Ueberlebseln ans Raubehe) bei Modoc, Eaffir, Kirgisen n s. w. (wie überall 
durch die Erdtheile hindurch). 

41) Eine heimlich aufbewahrte Hostie dient gegen Krämpfe (in Ostpreussen) oder um 
kruikes Vieh zu heilen durch Berührung (in Mecklenburg), und das Wachs der Altar- 
kerzen heilt Nabelbrüche (in der Lausitz). Der Einsiedler Hilarion in der Wüste bei Gaza 
verwandte die erlangte Wnnderkraft zum Heilen der beim Wettrennen steif gewordenen 
Pferde (des Italiens). Den über die Sünden Klagenden wird auf die Stim (bei Hesekiel) 
der Buchstabe gezeichnet, der (nach Papst Innocenz III.) das Kreuz sjmbolisirt (den Canon 
beginnend), als Henkelkreuz (der Aegjpter). 

42) In der Mark wird das Haus vor Dieben geschützt durch Anschreiben des Wort's 
„Nichts Kosemich** oder Nicasius (s. Wuttke). Feld und Garten wird vor Behexung ge- 
schützt durch Strohseile, die man beim Christnachtläuten an die Bäume bindet (in der 
Oberlausitz), und die Talopoine umziehen die Mauern Bangkok's mit geweihtem Faden 
(nach dem Reinignngsfest). Ein Faden, vor die Hausthüre gespannt, ist dem Ein- und 
Ausgehenden ein unüberwindliches Hindemiss (vgL Grimm), wie das Rosengärtchen mit 
Seidenfaden umzogen (vor dem Eindringen geschützt). 

43) Die Mores (in Rom) verboten die Ehe mit solchen Verwandten, die das jus osculi 
hatten (bis Sobrini). Die Malgaschen vermeiden das Essen heiliger Thiere, worin die 
Seelen verstorbener Verwandten eingefahren (s. Audebert). In Palau basiren die Sitten- 
Torschreibungen (mogul, das Schlechte) auf dem religiösen Glauben, als von Kalit fest- 
gesetzt (s Knbary). Teudas, als (böser) Zauberer, suchte St. Josaphat durch Vorspiege- 
lungen schöner Frauen zu verfuhren 

44) 8 V. d. ö. A. VI, S. XII., Z K. H., S. 41. 

45) Avec la societ6 la plus 61ömentaire existe Fordre, qui repose sur la justice ante- 
rienrement k Tetat, c'est pour toutes les ra<jes la base du sentimeut juridique (s. Horoy), 
aber vor dem Gesetz voran die Sitte (oder Brauch), ehe ein delphischer Gott seine Hul- 
digung erhalten, als ^tofiiog (durch priesterliche Orakelmacht) zu nationaler Einigung 
politischen Gemeinwesens (im Geschichtsgang). 

46) Matakau (in den Molukken) dient als „tovermiddelen om het sterben van vmchten 
te beletten" (Boewang panas). Die Fokara oder Scheich (in Samhar und Barka) werden 
(bei den Bogos) gefürchtet, weil durch Gebet Glück oder Unglück bringend (und weis- 
sagend). Beim Shongbasa (the worship of the nats) wird ein Ojha (Exorcist) zugezogen 
(bei den Chukma), „the priests have nothing to do with it, and it has been condemned as 
an unorthodox practice" (s. Hunter). „Die Hexerei und Zauberei hat hier zeer überhand 
genommen und richte damit Alles zu Gmnde gehet, sowol die Menschen, wie aueh die 
Viehzucht**, heisst es in der allerunterthänigsten Vorstellung des Grenadier Somnitz (aus 
Masslowitz) an den König (4. Juni 1787), und Ragowski (Parochus Parchowiensis) bittet 
allerunterthänigst KönigL Maj. ohne Verzug denen Besizzera des Dorfs Zukowke, wie auch 
von Parchow gnädigst schwimmen zu befehlen (20. Jan. 1783) zur Hexenprobe (im Ordal). 



Digitized by 



Google 



102 

V'oi einem €toBcli&ft; Ifest der Bogos den Segen des Yater's oder eines Vorgesetzten (gegen 
Verwünschungen) sprechen (s. Mtmzinger), wie unter Semiten (vererbt u. s. w.). 

47) Die den Sicaniem (s. Th.) vonoigehenden Cjclopen, ohne das Land za bebauen 
(oder den Schiffbau zu kennen) halten (regiemngslos) Heerden (bei Homer\ wie (nnter den 
Bogos) der Ziegenhirt e, der keine Polenta kennt (s Reinisch). Prometheus spannte zuerst 
die Rinder in's Joch, die Arbeit erleichternd den Menschen, die sich früher (ohne Kennte 
niss der Wohnungen) in der Erde bargen (s. Aristotl.), oder in Löss-Gruben (in China). 

46) In Attica, wo die Tradition Cecrops mit Sais (Hauptstadt einer griechenfreund- 
lichen Dynastie Aegjpten^s) yerknüpft (aus Handelsbeziehungen), brachte die Einwanderung 
Jon's das hellenische Element der Dorer zur pelasgischen Bevölkerung, und dann wurden 
(bei politischer Einigung) auch die Aeolier und Achaeer unter die Hellenen mitbegrüfen. 
Die ümbrier zerfielen (nach Ptolem.) in Olombrier, Isombrier und Vilombrier, als der 
Berge, Ebene und Flüsse, wie die Bevölkerung Chittagong's in Khoung-tha (der Flüsse) 
und Thoung-tha (der Berge), die verschiedenen Stämme einschliessend. Die einzelnen 
St&dte Latium's bildeten einen religiös-politischen Bund unter sich, als foedus (commune) 
Latinum (cf Naegele), mit den Concüia {ayo{tat) und caput Ferentinae (nach Cincins 
Allmentus) mit jus commercii und jus connubii (und Recuperatio). „Les Souliotes se com 
posaient de trente et une tribus ((fUQttt), et k la t^^te desquelles se trouvaient capitaines'. 
Die Seggi oder Tocchi i^in Neapel) ^avaient une Organisation analogue k celle des Curies'^ 
(s. Eotourga). Die Eupatriden oder tvyipeis (aus der Ehegenossenschaft der beiden Phjlen, 
der Geleonten und Hopleten, hervorgegangen) besassen die religiös-politische Macht über 
die Demoten (als Plebejer, neben Patriciem), w&hrend Solon beide in die nach der Steuer- 
höhe bestimmten Klassen vertheilte (und Kleisthcnes dann den Unterschied von Stadt- 
bürgern und Land aufhob). Populum in quatuor tribus distribuit (s. Aurel. Vict) Ser- 
vins, ohne Beziehung zu den Centurien (nach Livius). Erst nachdem von Einwanderern 
der Anstoss zur Staatenbildung gegeben war und eine Vereinigung der vereinzelten Herr- 
schaften stattgefunden hatte, entstand Volk und Stamm der Bagirmi (kein durchaus ein- 
heitlicher Volksstamm, sondern eine Vereinigung mehrerer, wenn auch verwandter Ele- 
mente) und „der Name trat erst auf, als die Bildung des gleichnamigen Staate^s erfolgt 
war" (s. Nachtigal). In Vereinigung der 12 Stadtgebiete Attika's wurde das Fest "SvvftUta 
gefeiert (seit Theseus). Die Zadruga ^^des Stareshina oder Gospodar mit der Gospodaritza) 
erweitert sich zu Shupanien der Shupan (als Wojwod), und die Volosten stehen neben den 
Starshina (oder Starosten), ähnlich den Roaja bei Khoungtha (in Chittagong). Vor (So- 
lon's) Schuldentilgung (xQ^^^ anoxonij) ergab sich, im (nl ato^aat dnr^tl^hiv (s. Plnt), 
das Verhältniss der Pfandsklaverei [der Fanti, Siamesen u. s. w.] für die ixtrifjio^tot oder 
(bei Hesych.) inCfiogto* (als ^^'^0- 

49) Die aQxoyjtg, inUovQm^ ytwgyoi und Jri/jiovQyo^ parallelisiren sich (in Phönizien) 
mit den 4 Metallen: Gold, Silber, Eisen und Erz (bei Died.). wie Schöpfungseier in Peru u.s. w. 
Les pretres des Gabales 6taient les Druides, appel^s dans le principe, Semnoth^es et ensoite 
Saronides, de Saron, troisieme roi on Vergobret des Geltes (s. Prouzet). Kmukamtchiksh 
(ike old man of the ancients) schuf die Klamath (s. Gatschet). Schemal oder Samael (Gott der 
Sabier in Harran) war so erhaben, um nur durch Mittler verehrt werden zu können (s. Brann). 
In Folge von nur räumlichen und nicht klimatischen Beziehungen (zwischen Mexico und 
westlichen Antillen) steigen in Cuba und Haiti die Fichten bis zur heissen Region hinab, 
auf der flachen Insel Pinos mit den Mahagonibäumen (Swietenia) gemischt wachsend, 
während diese Gattung von Nadelhölzer (Pinus occidentalis) auf dem mexikanischen Andes 
erst in beträchtlicher Meereshöhe auftritt (s. Grisebach), indem die auf dem Continent 
durch Ausdehnung mächtige Vegetation der Tropen auf den Inseln als schwache vorliegt, 
ähnlich, wie sich bei nordischen Barbarenvölkem in nachgiebigen Gegenden (unter Tsdjik 
U.S.W.) dauernde Herrschaft erlangte, in kräftiger widerstehenden, wie Perden U.A., nur 
Torübergehende (für Nomaden beim Siedeln unter ansässigem Stanun). 

60) Kamo-kamo oder Rauch, der in den Mond eingetreten ist, bildet die Figur im 
Mond (in Gestalt eines Waringin-Baum's). Wenn in seinen Wanderungen entfernt, er- 
-sdieint der Mond klein, als Ngara-kiau oder junger (kiau) Mond, und rund (lobba), wenn 
nahe. Die Tobarezen sehen einen Waringenbaum (Hutumoi) im Mond. Die Figur im 



Digitized by 



Google 



103 

Mond heisst Warin, als Waringi-Baum (in Galela). Hina (als Mond) streitet mit Fatn (die 
Erde) über das Wiederauferstehen der Menschen (s. Moereuhout), und ähnlich bei Fijier 
(Eskimo, Hottentotten u. s w.). Die auf der Erde Sterbenden gehen zum Monde (nach der 
Eanshitaki-Brahmana-Üpanishad). Dem heiligen Simon Stokk, Ordensgeneral der Karme- 
liter, wnrde von der Mnttergottes Maria als „Privilegiam'' zugesagt, dass wer das Scapalier 
angelegt, dem Fegefeuer entgehen solle (1251). Die Chibcha sandten an den Mond das 
Opfer des Guesa (f&r Ernten). Jedai-Chan altert und verjüngt (mit dem Mond). 

51) Sonnen- und Mondfinstemisse waren durch Luftgeister (Yedi) veranlasst (bei den 
Czechen). Einer der Medecinmänner der Zunis zieht mit dem Mond, denselben zu regu- 
liren (der Navajos mit der Sonne). Die Clallam beteten täglich zur Sonne, „saying: Sun 
watch over me** (s EeUs), wie im Morgengebet der Samojeden (und dann Verklärung der 
Gottheit). Als Fuchs (dienstbarer Geist des Schutzheiligen Inari) begleitet ein Neben- 
oder Schutzgott (Sju-go-zin) den Mondgott, und an dem jährlichen Versammlungsort der 
Füchse sagt eine Flamme die Fruchtbarkeit des Landes vorher (in Japan). Das Jahresfest 
(Hody) wurde nach Veränderung des Sonnenstandes gefeiert (bei den Czechen). Der Berg 
Sinai wird, als heiliger, vom „babjlonisch-hymeritischen Mondgott'' oder Sin erklärt (und 
wie dieser an Hina Polynesien's schliesst sich dort Ra an ägyptisches). Neben dem Mond 
(Asontekka, eile porte la nuit), oder Enditha (von Enni) wird die Sonne Quentekka (eUe 
porte le jour) oder (Ikare) Garakoua (eile est au dessus de nos tetes), als Tharonhiaouagon 
(il affermit le ciel de toutes partes) oder Horakouannentakton (il a attach^ le Soleil) be- 
zeichnet (bei den Irokesen), mit Agriskoue identisch (s. Lafiteau). PoUux wurde als Pulu- 
tuke verehrt (bei den Etruskem). Pluto heisst Jupiter nigei (s. Sil. It.). 

52) Areskoni (Kriegsgott der Huronen) wurde mit der Sonne identificirt (s. Parkman), 
wohin die, in Mexico, in der Schlacht Gefdlenen zogen (als Walhalla) Est Dens in nobis, 
agitante calescimus illo (s. Ovid). Aund gaf Odin (in der Voluspa). Wie die Trausier die 
Geburt des Kindes beklagten (beim Tode jubelten), lehrt, durch Weinrausch in den Gärten 
am Bermios gefangen, Süenus dem König Midas als höchstes Glück, nicht geboren zu sein, 
und dann erscheint Mtdag &€oe als Mondgott, zur Erneuerung des Leben's in den Wand- 
lungen (wie bei Fijier, Hottentotten, Eskimo). Uoter Verehrung des Apollo Smintheus 
herrscht (als erdgeboren) Teucer, (Sohn des Skamandros und der Nymphe Idäa) in Troas, 
wo, als seine Tochter Bateia mit dem zuerst von Europa nach Asien gekommenen Dardanos 
freite (s. Diod.), die Phrygier (illyrischer Dardaner) den Ackerbau einführten (s. Plato), 
und nach der assyrischen Eroberung (mit dem Cult des Gottes Ilu oder Assur) durch 
Dion's Sohn (Bruder des Assaracos) liion erbaut wurde, während Herakles (als Adar oder 
Bei) in Lydien (der Mysier) seine Dynastie begründet und der als Ackersmann zum Thron 
emporgestiegene Gordias (Vater des Midas) in Phrygien. Auf den Marquesas une tradition 
attribue k Hanua, fille de Tinika et femme de Oatea, la cr^ation d'abord de Tenfer (avaiki) 
qui est au-dessous, puis de la terre qui est au-milieu, et enfin du ciel (te aki) qui est au- 
dessus. Tupantoto, un autre dieu, ayant cröe la terre v^g^tale et le sable, Tiki prit du 
sable sur 1a bord de la mer et en fit une femme difforme nommäe Ohina. II eut d'elle 
plosieurs enfants, dont les descendants ont peuplä le monde. Tiki continue k donner la 
forme aux enfants; sMls sont contrefaits, on pr^tend que le dieu s'est venge de certaines 
fantes commises par les parents. Chaque animal, chaque plante, chaque objet a son dieu 
cr^teur particulier. Onöui a crd^ les oiseaux, Fherbe, difförents arbres. Bon ombre 
de ces arbres etaient dans l'enfer: Pukaha Kuba y descendit pour fixer un hamecon au 
mei, puis, remontant au ciel, il le tira peu k peu et parvint k Tarracher du sol. Q'est 
Opimea qui a plante le premier met dans la baie des Atilokas. Tamaua, autre dieu 
gardait le cocotier en enfer. MataSa, voulant se le procurer, se fit Tikoa de Tamaua et 
Ini donna sa fille pour compagne. Tamaua vint alors habiter la baie de TaiohaS oü il 
planta l'arbre. Te-Moana, le chef actuel des Te!s, pretend descendre de ce dieu. Au com- 
mencement on ätait toujours 6veiU^ , c'est Hioho qui a creä le sommeil. Nanua, fille de 
Tinika, ^tant enceinte de la lune, desirait manger des cocos, qui sont blaues a Tinterieur, 
n'ajant pu avoir raison de cette envie, la lune, sa fiUe, est devenue blanche et claire. La 
miit est noire parce que le dieu qui la cräa ne put se passer la fantaisie de manger du 
marsonin, dont la peau est noire. Le soleil et la lune ont engendr4 les grosses etoiks, 



Digitized by 



Google 



104 

celles-ci se sont multipli^es entre elles comme fonrmis. Oatea, le mari de Hanua qtii a 
cr66 le monde, est le pere de la guerre; Pacva en est la mere; ce qui veut dire sans doute 
que la guerre a commencä des la cr^ation (s. Dumoulin). In dem Ereitmajerischen Baye- 
rischen Gesetzbuch findet sich unter anderen Strafgesetzen auch eins „wider die Mädchen, 
welche beim Teufel geschlafen haben" (s. Reynitzsch). Kurfürst Karl Theodor von Bajein 
untersagte aUe weltlichen Mittel gegen den tollen Hundsbiss, da man sich nur auf die 
Gnade und Wunderkraft des heiligen Hubert's zu verlassen habe (1784). 

53) „Die Plejaden heissen beim Kuumk-kopan noot-Stamm „Kuuro-Keheear**, (flock of 
cockatoos) und gelten als weiblich Der Pirt-kopan-noot-Stamm hat keinen geroeinsamen 
Namen für die Plejaden, doch heisst es bei ihnen, dass die Sterne derselben eine Königin, 
Namens Gneeanggar, und ihre sechs Begleiterinnen wÄren, und dass einst, vor langen 
Jahren, der Stern Canopus (Waa, Krähe) sich in die Königin verliebt hätte, aber in seinen 
Bemühungen, ihre Neigung zu gewinnen, so unglücklich gewesen wäre, dass er beschlossen 
hätte, sich ihrer durch eine List zu bemächtigen. Kurz nach ihrer Weigerung, sein Weib 
zu werden, erfuhr er auf irgend eine Weise, dass die Königin mit ihren sechs Gefährtinnen 
ausging, um weisse Raupen zu suchen, die sie sehr gern hatten. Als Waa dies hörte, 
kam ihm der Gedanke, sich selbst in eine Raupe zu verwandeln, und in dieser Gestalt 
bohrte er sich in einen Baumstamm, wo er sicher war, von der Köm'gin und ihren Diene- 
rinnen entdeckt zu werden. Er war aueh noch nicht lange in seinem Versteck, als eine 
von jenen ihn bemerkte und mit einem kleinen hölzernen Haken, wie ihn die Frauen ge- 
wöhnlich zum Herausziehen der Raupen brauchen, in das Loch fuhr. Er brach die Spitze 
des Hakens ab, und machte es mit den andern fünf Begleiterinnen ebenso. Da trat die 
Königin hinzu und steckte einen schönen Knochen-Haken in das Loch. Er wusste, dass 
dies ihr Haken war, liess sich daher herausziehen, verwandelte sich sogleich in einen 
Riesen und rannte mit ihr davon. Seit dem Verschwinden der Königin giebt es nur noch 
sechs Sterne in den Plejaden, welche die sechs Dienerinnen darstellen. Da einige Freunde, 
denen das Manuscript dieser Erzählung bekannt wurde, Zweifel über ihre Authencit&t 
äusserten, weil sie eine sehr auffallende Aehnlichkeit mit Erzählungen der griechischen 
Mythologie zeigt, so stellte Mr. William Goodall, Vorsteher der Framlingham Aboriginal 
Station, die sorgfältigsten Nachforschungen an, deren Resultat war, dass die Erzählung 
bestätigt, und nachgewiesen wurde, sie sei im West-Bezirke und, mit einigen Verände- 
rungen, auch in Süd- Australien wohl bekannt*^ (I)awson). Als Tochter des Atlas war Merope 
dem Sisyphus vermählt (weshalb sie sich wegen menschlicher Mischung verbarg), wogegen 
Merope, als Tochter des Oenopion, zurückgewiesen wurde (wegen Verzögerung der Heirath) 
durch ihren Verlobten Orion (der die geraubten Plejaden mit seinen Liebesanträgen ver- 
folgt). Die Plejaden heissen (bei Irokesen) Te-Jennonniakoua (les danseurs et les danseuses), 
und spielen in den meisten Mjrthologien der Naturvölker ihre Rolle (auch im Calender). 

54) Maui stiehlt für seinen Vater das Feuer (auf Savage-Island) aus der Unterwelt 
(die betreten durch einen „Reed-bush"). Kaiser Sui reibt Holz mit Holz (für Feuer). 
Nachdem Pelasgos das Vieh gezähmt, in Erfindung des TreibstacheFs , spannte Buzyges 
zuerst Stiere in's Joch (zum Ackern). Bei den Bilin überkommt der Mensch von der Hyäne 
die Herrschaft über die Thiere (wie er in Califomien dem Coyote Belehrungen verdankt), 
und in Birma geht Herrschaft der Thiere voran (auch in Peru u. s. w.). 

55) In Talafuoh wird bei Erdbeben (Ohssu) aufgeklopft damit die Erde ruhig bleibt. 
Im Erdbeben zeigt der Geist an, dass er noch da ist (in Tobaroe). Nach Wilson schlügt 
man bei Erdbeben (wenn Mowee sich bewegt) auf den Boden (in Tonga) In Timor wird 
laut geschrieen, um dem Riesen, der die Erde schüttelt, das Dasein von Menschen auf 
denselben anzuzeigen. A Dage (the name of the great serpent and most powerful and 
wicked god) is the foundation of the Feejees and supports them (beim Umdrehen Erd- 
beben bewirkend). Dagon (der Philister) 6tait r^prösente sous la forme d'un poisson (s. 
Tiele). Die Peulhs schützen sich gegen Zaubereien durch Bolisso (oder Fetische). 

56) In each village on Tucopia there is a large building (the „spirit building**) set 
apart for the use of disembodied spirits, which are supposed to reside in this building (s. 
Dillon). Zeus heisst xaiaßairn (als im Blitz niederfahrend). /I^^fov ir t/J 'Ji&(dt fpn^f^^ 
tivifiovi tlyat rovg TgitOTtaroQtti (bei Photius). Wenn der Wind stark geht, hat sich Je- 



Digitized by 



Google 



105 

maod erhenkt und der Teufel führt seine Seele durch die Luft (in Siebenhurgen). Ein 
Wirbelwind entsteht, wenn der Teufel plötzlich eine Hexe erfasst und mit ihr tanzt (s. 
Ualtrich). Die Baghirmi verehren den im Donner redenden Gott, durch das Symbol eines 
ringweis entrindeten Baumstammes. Ktgavyoiy darganriy ßgoyiti (in Dreizahl von Gewitter- 
Erscheinungen). Und so die Dreiheit von Donner, Blitz und Wetterschlag (auch bei den 
Quich^s). Le ciel etrusque devint une assemblöe de douze dieux collegues ou „assesseurg** 
de Jupiter (dii consentes compHces), que celui-ci devait consulter en certains cas, notam- 
ment avant de lancer sa seconde foudre, plus efficace que ia premiere, comme il devait 
consulter, avant de frapper, avec la troisieme, le mysterieui conseil des dieux sup^rieures 
(dii superiores-involuti). On comptait pour 9 personnes divines, 11 especes de manubiae 
(8. Bouch^-Leclerq). Den Koma oder Genien (in Gräbern oder im Gewitter) wird (bei 
den Wanika) geopfert (s. Uartmann). Uephästos wurde (bei den Etruskem) als Sethlans 
(blitzewerfender Gott) verehrt. Das Wort Oki (bei den Indianern) dient, um irgend welchen 
mit übernatürlichen Kräften begabten Gegenstand zu bezeichnen. Einige der Huronen und 
Irokesen glaubten, dass der Donner ein Riese in menschlicher Gestalt sei Einer Erzählung 
zufolge brachen von Zeit zu Zeit eine Anzahl Schlangen aus, welche zur Erde fielen und 
die Erscheinung des Blitzes veranlassten (s. Parkman). Genera fulminum tria esse (bei 
Caecinna), fulminum genera sunt illa, quod terebrat, quod discutit, quod urit (Seneca). 
Die Fetialen bewahrten die Steingeräthe der Aequer im römischen Cult (s. Duruj). Die 
Bisayer vergötterten die durch das Schwert oder den Blitz Getödteten (von Krokodilen 
Gefressenen), als auf dem Balangas genannten Bogen zum Himmel steigend (nach Careri). 
Der Zahn eines gewaltsam Getödteten heilt Zahnschmerzen beim Bestreichen der leidenden 
Gesichtshälfte (in Schlesien). „Es ist ein Mann in Gestalt eines Truthahnes. Der Himmel 
ist sein Palast und er bleibt in demselben, wenn die Luft klar ist Wenn die Wolken an- 
fangen zu rollen, steigt er auf die Erde herab, um Schlangen und andere Gegenstände zu 
sammeln, welche die Indianer „okies" nennen. Der Blitz zuckt, sobald er seine Flügel 
hebt oder senkt. W^enn der Sturm heftiger ist, wie gewöhnlich, liegt es daran, dass es 
seine Jungen bei sich hat^ die ihm, so gut sie es können, beim Lärmmachen helfen" (bei 
den Huronen). 

67) Gleich bei den eingedrückten Fusstritten Christi haben die Türeken gegen Mittag 
einen Ort zu ihrer Andacht sich erwählet (s. Van der Groben). Impressa vestigia cemimtur 
(s. Sevems) von der Himmelfahrt (bei Hieron.). Und dazu dann Riesentritte, Zwergspuren, 
Eingriffe auch in den Stein (bei Quetzalcoalt), Rosstrappen u. s. w. 

58) „Man soll, hat Spinoza gemahnt, die Meinungen der Menschen nicht belachen und 
nicht beweinen, nicht vergöttern und nicht verfluchen, sondern zu verstehen suchen. So 
wenig der Botaniker die Kryptogamen geringschätzt, ebensowenig darf der einste Religions- 
forscher die rohen und primitiven Vorstellungen sich selbst überlassener und durum ver- 
lassener Völker verlachen. Es sind zwar nur schwache Keime der Wahrheit darin ent- 
halten, aber diese haben oft feste und gesunde Wurzeln** (s. W Schneider). „Das tief 
Symbolische religiös Bedeutsame der Mythen" beruht darauf, „weil sie eben die Sprache 
des ältesten Götterglauben's sind"* (s. Preller). Während von den Häretikern (algiat) jeder 
für sich selber wählt, rectificirt sich in allgeinein gegenseitiger ControUe der Glaube (als 
orthodoxer, mit seinen Schismen) 

59) Noch vor den sympathetischen Curen (wenn Gelbsucht durch Gelbes geheilt, des 
Beinbruch im Schienen des Tische's u. s. w.) , liegt nahe die Gcdanken-Combination der 
Evacuation zur Reinigung (im Ausziehen des Krankheitsstoffes;. Um dem Hwangho Durch- 
fluss zu gewähren, wurden die Granitpfeiler Hwa-shan und Föng-tiau-shan durch einen 
Riesen auseinander gespalten (s v. Richthofen), wie Mandjusri's Schwert den Abfluss in 
Xepaul öfl&iet (und Bochica für den Wasserfall von Tequendama), so dass sich gleiche Details 
der mythologischen Vorstellungen spiegeln bei gleichen Bedingungen, wie in Nepaul's um- 
schlossenen Bergthal neben dem der Chibcha. Der Maykeeha oder Arzt (am Darling) saugt 
aus dem Kranken die schädlichen Substanzen Yountoo (a small hone taken from a leg of 
the dead body of a friend) und Moolee (a rough pieces of white quartz) zur Heilung (s. 
Bonney). Das Kaninchen fängt die Sonne in der Schlinge, auf den, seinem eigenen Auf- 
stehen vorhergehenden, Fusstapfen (bei den Omaha). Und dann in Samoa beflissen, die 



Digitized by 



Google 



106 

Arbeitszeit zu verlängern, erhält beim Austritt aus den Tropen der Scblingenfänger die 
Aufgabe der Tagesverlängerung zu (unter den Maori). Die Wissenschaft ist an die ewige 
Ehrenpflicht gebunden, furchtlos jedem Problem in^s Angesicht zu schauen, welches ihr 
offen vorgelegt werden kann (s. W. Thomson). Mvaii^Qta (reXttat) ixXrj&ijy nagd to ioi'( 
Kxovovtasy ßivfty rb OfOfia, xal furjdtyl javia t^riyuad^ai^ fiveiy ök iari 16 xXtiuw to aiofiM 
(s, Suidas). Und so die Orden religiöser Geheimwissenschaft in der neuen Welt Oceanien^s 
und America's ebenso, wie in der alten, von Afrika an. 

60) Wenn ein Schwein oder eine Sau nicht frisst, hat sie „von einer Truht einwi 
Schuss bekommen" (1802). In Tanna wird der Krankheitspfeü aus dem Buschversteck 
geworfen, während der goldlockige Gott die Pfeile offen in's Griechenheer niedersandte. 
Durch die sibyllinischen Bücher, die bei Epidemien Opfer für Apollo vorgeschrieben, wurde 
der Dienst des Liber (und der Libera), des Aesculap, der Magna mater u, s. w. eingefühlt 
(aus der Fremde) Zum Heilen bieten sich, neben dem „alt^n Schäfer Thomas'' (1858) die 
„klugen Frauen", wie (bei Cicero) sagae (von sagire), oder sonstige Sympathie. Wurm im 
Finger wird durch Umbinden eines Regenwurm's, bei dessen Absterben, geheilt (in Franken). 
Papageien, die sprechen gelernt, wurden von den Chibchas mit Aufträgen an den Mond 
geschickt (im Opfer derselben), wie Zamolxis Bote (statt gallischer Briefe). 

61) Der Hahn {aX^xuog) oder (bei Aristoph.) TW^cfoc {nfQOixo^ ogifiq) verbreitet sich 
(nach Menodotus) von Persien aus, dem Craosha (als himmlischem Wächter) heilig, vom 
Feuer geweckt, um durch Krähen die Daevas der Finstemiss zu vertreiben (mit Bushya^t* 
des Schlafens). Immundi spiritus ante gallicinium plus ad nocendum potestatis habent 
(Burchard von Worms). Manch dummer Teufel wird durch das Hahnengekräte über- 
tölpelt (im Mittelalter). Auf den Neu-Hebriden bläst man die Muscheltrompete, wenn das 
Schlimmerwerden der Krankheit zeigt, dass Nachts Abfall verbrannt ist, weshalb besonders 
(abgeschnittene) Haare zu hüten sind (auch in Afrika). Ausgekämmte Haare werden in 
Ritzen gelegt (in Schlesien), weil sie die Hexen zum Schaden gebrauchen könnten (in 
Hessen) oder daraus Hagelsteine zu machen (in Tirol). 

62) „Die evangelischen Hessen, wenn sie einen Schatz heben oder Teufel bannen woUeo, 
holen sich einen katholischen Priester, weil der evangelische Geistliche diese Macht ver- 
loren, und jener erfüllt auch den Wunsch. Bei Behexung holen sich evangelische Ost- 
friesen Rith bei katholischen Priestern und in den Klöstern. In Ostpreussen bitten Evan- 
gelische bei schwerem Unglück, besonders auch, wenn Gestorbene umgehen, um die Ffe- 
bitte katholischer Priester" (s. Wuttke). Die Priesterin der Artemis, ihre Statue tragend, 
war es gefährlich anzublicken, da selbst die Bäume verdorrten, wo sie vorüberging (in 
Pallene), und so Parvati auch in schrecklicher Form (als Kali). In dem Glauben eines 
Volkes liegen die Wurzeln seines ganzen Denken's, Streben's und Handeln's s. I. W. Wolf \ 
so dass seine in der Praxis gesunde Richtung von der (statt empirischen) rationellen 
Leitung abhängen wird (in naturwissenschaftlicher Behandlung der Psychologie). Troti 
der stolzen Götterseelen fürstlichen Geschlechts liess sich das gemeine Volk in Tonga mit 
dem Essensgott (Aa whai Kai) genügen, wenn auch zum Brode (am nöthigst«n zwischen 
panes et circenses) noch das Manna kommen muss (wie Moses weiss). 

63) Ausser in Folge von Schwerkraft tritt, diese überwindend, Bewegung hervor durch 
die chemische Action der Wärme (in Ueberführung in den Gaszustand) sowohl, wie durch 
die Kräfte des dauernd, aber nur local wirkenden Magnetismus und der überall erregbaren 
Electricität »in anorganischer Natur). Im Organischen wächst die Pflanze im directen 
Gegensatz mit der (abwärts ziehenden) Schwere empor lebend gleichsam in der Bewegung) 
und frei bewegt sich das Thier (auch in seinem Wachsthum nach verschiedenen Baom- 
Dimensionen gebreitet) dem Körperlichen nach (während dann der Gedanke wieder in der 
Bewegung sich selber lebt, nach allen Richtungen hin). 

64) L'homme est ^minenment un etre social (s. Ballanche) und der Staat (s. Krause) 
der geordnete Rechtszustand (status juris;. Das Bestreben, die Aufgabe der Forschung 
einzuschränken und das der Beobachtung Zugängliche von den unbekannten und unerreich- 
baren Bahnen der organischen Entwicklung abzuscheiden, verbürgt allein einen methodi- 
schen Fortschritt, wobei der Zukunft überlassen bleibt, tiefer in die Geheimnisse der 
Schöpfung einzudringen, ohne die Thatsache durch blosse Vorstellungen ersetzen zu wollen 



Digitized by 



Google 



107 

(8. Grisebach), bei Verbleib innerhalb relativer Verhältnisse (zom logischen AnjBrechnen in 
der Indaction). 

(i5) Idem aSr, senibus quidem frigidus esse videtnr, alüs qui in aetatis flore sunt, bene 
temperatns et idem color, senibus quidem dilutus pallidusqne, at iis qui florent aetate, 
satnr et pressns vividiorque (ex aetatibus). Pneris piia et trochns in pretio sunt, at ii, qui 
aetatem virilem attigerunt, aliahis praeferuut, rursus alia senes. Ex quibns colligitur, di- 
Tersas moveri phantasias, ab iisdem snbjectis, ob tac ötaq)6gavi ^Xtx/ag (Sext £mpO. Wie 
bei polaren und tropischen Ländern, markirt sich bei den letzteren dann auch für die Er- 
hebungen wider die geographische Provinz (in anthropologischer Eigenart). 

66) Erst durch hundertjähriges Uineinverhören brachte man auch die Phantasie des 
Yolkes auf den Punkt, wo sich das ganze scheussliche Wesen von selbst verstand und sich 
vermeintlich neu erzeugte (s. Burckhardt) im Hexenwesen, aus der „Phantasie der Bettel- 
mönche** (1459). 

67) Oder (von den Kopfjägern zu Waai Rama): Dewijl van oudsher de misdaden 
niterst zeldzaam zijn, zoo bestaan er ook maar weinig of geene vaste straf bepalingen (in 
Ccram). und dazu die Zeugnisse von den Tonganem (bei Mariner), von Indiem oder In- 
dianern (und Afrikaner auch). Die Fijier begruben ihre Alten lebendig. Die Turkmanen 
schlachten (als Sühnopfer) Greise, die auf den Wanderungen nicht zu folgen vermögen 
(nach Bumes). Bei den Massageten wurden die Alten getödtet und verzehrt. Ils sont 
pacifiques, ne fönt et ne pensent rien de mal, bemerkt Edrisi von den Khilkh, als (aus- 
gewanderte) Türken (s. Jaubert) , und so milde Scythen unter den wilden (bei Ephoros). 
An der Küste der Insel Sandji standen Statuen mit erhobenem Arm, die Rückkehr an- 
weisend (s. Edrisi). Pinehas (der Sohn Eleasar's) erhielt den ,Bund eines ewigen Priester- 
thum's'', weil er dem Israelitischen Manne nachgegangen war, in den Huren winkel, „und 
durchstach sie beide, den israelitischen Mann und das Weib, durch ihren Bauch**. Wenn 
der Zauberpriesterhäuptlingsfürst oder Tzeetzaiak (bei den Hailtzuk) aus der Einsamkeit, 
wo er, als Taamish, gefastet hat, zurückkehrt, beisst er in den nackten Arm des zuerst 
Begegneten (das Fleisch verschluckend). Den Scythen war Alles gemeinsam, ausser 
Schwert und Trinkgeschirr (s. Strabo). Bei den Ostjäken steht ein männlicher und ein 
weiblicher Gott dem «jedesmaligem Geschlecht vor. In Süd- Arabien heirathen die Brüder 
(mit dem ältesten als Haupt) eine gemeinsame Frau (s. Strabo). Bei den Yetha (an die 
Yueitchi grenzend) oder (nach Herodot) Massageten herrschte Polyandrie (s. Matuanlin\ 
Die Sarmaten (beim Mangel an Eisen) gebrauchten knöcherne Pfeilspitzen (zu Pausania's 
Zeit), aber daneben werden kunstvolle Panzer erwähnt (aus Homplättchen). Die Haidah 
gebrauchen die gebogenen Kupferplatten als Geld (durch Ausschneidon von Stücken). 
Oreb und Seeb (Rabe und Wolf) werden als Könige der Midianiter von Gideon bekämpft. 
Wie in scandinavischer Mythologie spielen Rabe und Wolf in der der Koloschen. Unter 
den Weltschöpf em erhielt nicht der (gütige) Zamhor, sondern der (böse) Niang Gebet« 
(auf Madagascar), aus Furcht, während der Parse sich mit seinem guten Gott zum Kampfe 
kräftigt (im Dualismus). 

68) Zur Bequemlichkeit des Abtritt's „muss die Höhe des Sitzes zu seiner Tiefe bis 
an die Rückwand und zum Abstände des halbkreisförmigen Einschnitto's der Brille zum 
äussersten Rande des Sitze's entsprechende Verhältnisse erhalten" (s Leger). Im Orient 
tritt zur Annäherung an den Natursitz die Wasserreinigung. „Wir wollen jetzt scheissen", 
beim Spiel (unt^r den Bogos); „der reiche Jüngling schiss nun seine Butter und Milch, 
dagegen der arme nur grobes Negerkom*' (s. Reinisch). Wer des Koninges gans eet, kakt 
de pluimen honderd jaren daama. Das Beispiel des namhaften Gelehrten, der seinen 
Reichthum an literarischen Notizen „auf dem Abtritt sammelte, dürfte nicht nachahmens- 
werth sein" (meint Burdach), doch hatte Voltaire wieder seine philosophischen Ansichten 
(über den Nachtstuhl). Le nom de stercoraire rappeile une id^e tonte differente de celle 
d'un siege d'honneur, mais il y a tont lieu de croire, que cette chaise ne fut jamais qu'un 
embleme ainsi que Fötoupe qu'on brulait devant le pape (s Brunet). Das Barbarische 
empört nicht mehr, und das Abgeschmackte verletzt nicht mehr, wenn als Anfänge und 
noüiwendige (Jebergänge zu betrachten (Heine). Das Concil von Tnülo (im kaiserlichen 
Gemach) verbot Kreuze als Verzierungen des Fussboden's, um nicht getreten zu werden 



Digitized by 



Google 



108 

(692 p. d.\ wie in Japan (bei der Verfolgung). Mo-long-Phra-Bangkhom (in usnm Regia, 
Dominus Trulleus), für den König (in Siani). Die Geister bieten der neuankommenden 
Seele Menscbenkotb zur Speise an (in Neuseeland). Das Grab des Tuitonga wurde mit 
menschlichen Excrementen geweiht (s. Mariner). Neugeborene heissen Götterkoth (auf 
Samoa). In Eimeo wurde von einer heiligen Gesellschaft Menschenkoth gegessen (s. Wil- 
son). Während christlicher Besetzung Jerusalem's war am Mihrab (aus Hass gegen die 
Moslim) ein Abort errichtet worden (nach Abu-Sama). Mas nobis dominus est (s. Chalco- 
condylas) wird auf dem Marmorsitz (als sella stercoraria) bei def ceremoniellen Weihe 
ausgerufen, neben der Probe des Cardial diacre (s. Fauchet). Die Petu schlagen öffentlich 
ihr Wasser ab (s. J. W. Müller), „halten es aber für eine grosse Schande und Grobheit, 
wenn sie in Gegenwart anderer Leute einen Wind sollten fliegen lassen*" (wie die Indianer). 
Beter in die weide Welt, als in de enge Buuk. Nach den Grönländern (bei Egede) wurde 
dadurch selbst der Teufel getödtet (weshalb von Angekutten zu vermeiden). 

69) Seit der zerstörenden Feuerkugel, welche auf die im Spiel die Messe nachahmenden 
Hirtenjungen (bei Apamea) niederfiel (s. Moschus), müssen die Worte des Kanon heimlich 
gesprochen werden (that the sacred words may be kept from becoming too common), und 
so in den Mysterien afrikanischer Geheimorden (bei Indianer, Polynesier u s. w ). Obwohl 
veröffentlicht nicht öffentlich, ^vvttoC yag ttaiy juorois roTg rifiwv axot/oaoiy, versichert 
mgi imy diegoatixtüp Xoytoy (im Gegensatz zu der (^aiteQixd) Aristoteles seinen königlichen 
Schüler (bei Andronicus). Mit Bakijy (Herr) wurde der König (bei Perser) angeredet (s. 
Aeschylus). Baklriy, ßaotlftt ^gvyiari (Hesych). Bolwan (russ) oder balwany (rmg) ist 
(litthauisch) balwonas (idolum) Hagene, als „valant aller künige** (im Gudrun) wurde 
gleich einem Teufel (Valant) gefürchtet (s. Grimm), wie ünfalo (Phol). Apollo (als Deus 
Belinus in Aquileja, oder Abellio in Novempopulonia) hiess UßfXiot (in Kreta) und B4U 
(in Sparta). Saifiovtg (nach Macrobius) von SaUiv (im Brennen). Nach den Haidah ist 
das Feuer vom Donnervogel gebracht (als Adler). Dem Ragnarökr (als Feuerzerstönmg) 
geht (nach der Edda) das Windalter (Fimbulvetr) vorher, und, wie in indischen (KaJpen), 
wird in mexicanischen Tonatiuh auch das Wasser eingeschlossen (und Erdbeben). 

70) Soares (na su Noticia do Brazil), fallando a respeito dos usos e costumes desses 
selvagens, actualmente desapparecidos e que ta7 pouco estudados foram (1882), beschreibt 
die Tamoyos (grandes compositores de cantigas). Und so überall mit gleichem Refrain 
(aus jedem Continente) ein Hinschwinden des MateriaPs (für ethnologische Sammlungen 
auch). — 



Digitized by 



Google 



Im Gegensatz zu Orang Slamy (oder Moslimen) werden die Alfuren von Weda als 
Sawai bezeichnet, von Maba als Buli, von Galela als Galela, von Sahoe als Tarra-udu (von 
der Hauptstadt). Die Tobaroe betrachten sich unter den Bergbewohnern (Harifuren oder 
Aliforen) als die alten und eigentlichen £igenthümer Halmaheira's (weil vom grössten und 
verbreitetsten Stamm). Zum Stamm der Tobaroe gehört der Rajah von Loloda mit dem 
Landungsplatz Iboe (wo sich ein temataischer Schreiber findet). Bei Gamkanora (auf 
Halmaheira) wird ein Yulcan angegeben. In Weda finden sich circa 40 Häuser, und so in 
Maba und Pantani. Die BewcAner sind schlichthaarig mit einigen Ausnahmen, in Folge 
der von Tanah Papua eingeführten Sklaven Die Bewohner von Gebeh sind gleichfalls 
schlichthaarig, doch findet sich auf dieser Insel eine grössere Anzahl von Sklaven der 
Papua. 'Das schlicht« Haar der Alfuren in Weda (oder Wata) neigt zum Kr&useln, in 
Folge der Mischungen mit Papua. 

Auf der unter Tidore stehenden Abtheilung Halmaheira's finden sich in Weda acht 
Dörfer, unter denen eins (Lawai) von Alfuren bewohnt ist (die anderen von Moslimen); in 
Patani acht Ansiedlungen (alle moslemitisch), wo in Gamsungi der Utusau wohnt; in Maba 
acht Ansiedlungen, unter welchen sich Alfuren in Buli finden, in den anderen Moslimen 
(mit dem Utusan in Maba), als Kampong Senha^ji, Kimalaha, Capt. Laut, Gutuwassi, 
Päleli, Watji, Bitcholi (und Buli). Auf der südlichen Halbinsel (Halmaheira's) unter Ter- 
nate fehlen feste Ansiedlungen, doch wohnt ein Utusan an der Küste, die zum Einsammeln 
von Dammar u s. w. von den Alfuren aus Galela, Tabello u. s. w. besucht wird. Zwischen 
Gamkanora und Galela liegt das Gebiet des Raja von Loloda. Gamkanora ist die Stadt 
(gam) in der Mitte (tengga) auf Halmaheira. Von Weda durchschneidet ein Weg Halma- 
heira nach Paiaje. 

Kasiroeta (mit Mole oder More als Hauptort) ist durch Orang Weda (aus Halmaheira) 
bewohnt (mit besonderer Sprache), sowie durch Tabellorezen und anderen Stämmen aus 
Halmaheira. Zu Gane (im südlichen Halmaheira) wird die Sprache von Makjan gesprochen. 
An der Nordküste Halmaheira's treiben die Piraten der Tabellorezen und Galelonezen ihr 
Wesen Die Insel Morotai oder Moro ist unbewohnt, aber voll von Cocosnuss-Bäumen, 
deren Früchte zur Zeit der Ernte von den Bewohnern Gilolo's gesammelt werden. 

Im Patani finden sich die Kampongs: Sengadhji Wailagi, Eapitalau Tipai, Kimalacho 
Tuli, Kimalacho Wailoh, Kimalacho Marot, Kimalacho Kiling, Kimalacho Bobanimo, Ki- 
malacho Gimea, Kimalacho Tepiläoh, Kimalacho Mob. Die hauptsächlichste Ansiedlung 
lieisst Gamsuni (mit Utusan und Sengadhi). — Patani bestaat uit 10 negorizen: Penitti, 
Tepileo, Gemmia, Oemoerot, Kipawee, Waileggi, Soemoe, Kililing, Wailo, Babanee-Mo (s. 
Campen). 

In Tobaroe-Niku wohnt der Senhadji der Orang Tobaroe (2 Tage von Galela), unter 
dem Raja von Loloda, und am nächsten zu Galela liegt Tabaroe-Lessu. In Tauru, dem 
am Meer gelegenen Dorf der Tobaroe (in der Nähe von Sajanole), stehen die Häuser 
zerstreut (unter einem Mahimo oder Aeltesten). — Tomaiyeku (Tobaroe de atas) begreift 
die Kampong von Tuguis, Togotola, Tolimadu, Tokohoku, Matoro, während in Ma-adu 
(Tobaroe de bawas) die Kampong von Go-in, Suasangadji, Beronna, Todokke, Togo liegen. 

Toebaroe (Ikkie Sio) zerfäDt in 10 Soa, 5 in de benedenlanden (Toebaroe adoe) en 5 
in de bovenlanden (Tobaroe igekkoe), neben Gam-ma-koenorra (land in het midden). — 
Soesoeppoe ist der Hafen für Soa-raha, hoofdplats vau het district Sahoe (s. Campen). 

Die Bewohner von Tabello bezeichnen sich als Orang Moluccos. Die Berge im Innern 



Digitized by 



Google 



110 



sind von den Orang Tobaroe bewohnt, und werden, wegen der Furcht vor diesen (und 
den in den Wäldern hausenden Swangi) von den Tabellorezen nicht betreten. — Von Ba- 
tanaku, zwischen Loloda und Tobaroe, fuhrt ein Weg, der an einem Tage zurückgelegt 
werden kann, wenn man der Gefahr entgeht, von bösen Geistern gefressen zu werden. — 
Von Dodinga kreuzt sich der Ipthmus nach Bobane. Von Sahoe fuhrt ein Weg nach Kaoe 
über die Wasserscheide der Flüsse von Sahoe (eine Tagereise weit aufwärts befahrbar) 
und Kaoe. 

Tona kama recha oder grosses (recha oder Kamarecha) Land (Tona) heisst Halma- 
heira (oder Bato-tsina) in Tabello oder „der Platz, um Prauwen festzubinden" (hello), wie 
To-baroe (im Walde aufgeschlossen) von Baroe oder Baumwolle, nm Prauwen zn kalfatern. 
Ak Tarah besar (Grossland) oder Kafaa-lamo), weiter (lamo) Erdengrund (kaha), wird Hal- 
maheira oder das Land (Ual) ans einem Stück (maheira oder Mutter), auch (weil Alles 
hoch im Preis) von Chal (machal, theuer), erklärt oder (in Temate) als Hal-ma-ira oder 
die Insel von nicht (ma} guten (ira) Gebräuchen (Hai oder Hadat), sowie (wegen Wildheit 
der Bewohner) als schlechte (mahira) Sache oder Hhal (perkara djahat im Mal.), während 
HaHohra (in Tidore) sich auf johra oder majohra („Mutter" in hoher Sprache) zurückfährt 
(wie Maheira in Temate). In Patani wird Halmaheira als Botonbol (grosses Land) be- 
zeichnet von Botol (Gebirgsland) und Lol (viele . 

Djilolo (Djailolo) oder Gilolo wird von Lolo (innerlich oder binnen) erklärt, als inner- 
halb der Bay, und der König von Gilolo (in Temate) als Bucht-Fürst oder Djicoma Ko- 
lano. Le Roy fait sa residence k Tidore ou Hamolamo, qui veut dire grand village (s. 
Oemelli). Jo-lamo (Grosser Herr) ist Titel des Fürsten von Tidore (und Jo-Mofo seiner 
Kinder). Bei Verbindung mit Tidore bauten die Spanier das Fort Aqnilamo (in Halma- 
heira). Luko wird (im Tidorischen) erklärt als „aufgreifen", eine Hand voll (wie Tangkah 
im Malayischen) für die Molukken (von Lukko) 

In Gilolo oder Djailolo, der früheren Residenz der Sultane von Halmaheira (jetit 
unt«r einem von Temate eingesetzten Djumtulis), wohnen (neben Temataner nnd Malayer) 
auch Alfuren (aus Sahoe). ßorona ist der zu Loloda nächste Kampong der Tobaru (im 
Innern). Den Familien oder Bongsa entsprechend, finden sich Bara, Baknnu, Labah, 
Kedih, Bantoli als Kampong der Alfuren in Loloda, wo neben dem (mit den Orang Islam) 
in Soasio residirenden Raja die Dopolo oder Dapalo (Kopf) genannten Beamten regieren 
(als Ngofamanira, Hukum, Kimalaha u. s. w.). Familiengeschlecht oder (in Temate) Tofa 
deckt sich bei den Alfuren (von Loloda) mit Doa (Madowa) oder Troa (Martowa oder 
Schwiegervater in der Verwandtschaft), und dazu Stammesnamen, wie Lobuka. Akadudu, 
Langmati, Lagoa, Naboro u. s. w. 

In Tabello heisst Insel Nuo (Nusi) und (in Galela) Guramangopa, Vorgebirge: Madoto, 
Bucht: Yikn. Ankerplatz: Laleo, Vulcan: Dukono oder Duko. Die Inseln bei Hahnaheira 
heissen Goera-mangoffa (kind van het land) oder Wef und Njef (s. Campen). Halmaheira 
(Hoewamohel) bezeichnet das . Land gegenüber** (an der anderen Seite) und Hai (schwarz) 
ma (sehr) heira (Mutter), ein sehr schweres Land etwas zu finden (und so des Etymolo- 
gisiren Vielerlei). Als „grosses Land" führt Halmaheira (Batutszina, ak Festland) aof 
das Mutterland (maheira) 

Der Fluss (Ake-Lama) Akee-Lamo (in Sahoe) entspiingt auf dem Berge Bnkoh-&)h, 
zugleich mit den Flüssen von Galela nnd von Kaou. Auf der Höhe dos Berges von Sahoe 
<Kie-Sahoe) findet sich die Terlaga Padosah, oder betäubender (Padosah) Pfuhl (Teriaga), 
genannte Lagune, von solcher Ausdünstung, dass darüber fliegende Vögel herabfallen. — 
Die Berge des Innem von Halmaheira sind in einzeln zerstreuten Häusern von den Oraag 
Tobaroe (Ikkie Sioh) bewohnt (unter dem Senhadji von Ibu). ZwischeB Tabelle und 
■Galela findet sich der Mamuja genannte Vulcan. 

Die in Halmaheira gebrauchten Waffen kommen meist von Timbnku (auf Celebea). — 
Wenn die Seeräuber Tabello's den Küsten der Bangal-Inseln sich nähern, ftüditen die 
Männer in das Innere, Frauen und Kinder zur Beute zurücklassend Die Seeräuber von 
Tabello fahren (unter Berühren von Gane) nach den Obi-Inseln, wo sie Frauan und Kindir 
zum Anlegen von Pflanzungen zurücklassen, um dann, bei der Rückkehr von den Banh- 
zügen sn dar Küste von Oelebes und auf den Xula-Inseln, die Ernten ennoholen md mit 



Digitized by 



Google 



in 

den Fftmilien (unter Anlaufen in Batchian, sowie yerschiedenen Küstenpunkten Halmaheira's 
für YerkJUife) nach Haus zurückzukehren. 

Aus der zwischen Halmaheira und Batchian gelegenen Insel Gane (oder Ganne) werden 
Ansiedlungen auf Halmaheira (in Gane) angetroflfen, auf der südlichen Halbinsel (Temate^s). 
In Halmaheira finden sich Beste alter Steinbauten (wie bei Gilolo, Sahoe u. s.w.). — Die in 
<len Büschen des Inneren (auf Hahnaheira) schweifenden Orang Toegoetel (denen die Be- 
festigung am Akkee lamo zugehört) stammen von Geflüchteten (aus Kau). Als Eingeborene 
bezeichnen sich die Bewohner der Molukken als Ton-Molukkos (Volk der Molukken). In 
Celebes finden sich die Ton Dano, Ton Folie, Ton Saban u. s, w., als Eingeborene von 
Dane, Folie, Saban u. s. w. (unter Toeraja^. 

Die Districte von Weda, Patani und Maba (auf Halmaheira), sowie Gebj wurden früher 
unter den papuanischen Landen einbegriffen (nach Rooselaar), in Folge der Beziehungen 
durch Handel und Seeraub (1706). Neben dem Rajah Jassa herrschte ein Rajah Papua 
in Gilolo (nach Pigafetta). Bj DjailoUo liegen de grondvesten van den ouden Kraton (s. 
Campen). Het landschap PaUsoewa begreift Taraoedoe, Ngaon und Tibobbo. 

Die Insel Gebeh (mit dem Hafen von Fau) steht unter fünf Senghadji. Die Sprache 
gleicht der von Patani (auf der südöstlichen Halbinsel von Halmaheira). Die Bevölkerung 
ist tidorisch, mit Papua (kr&uselnden Haar's) gemischt, und spricht einen eigenartigen 
Dialect 

Auf der nördlichen Halbinsel von Halmaheira wohnen schlichthaarige Alfuren, und 
ebenso (mit malajischen Einflüssen gemischt) auf der südlichen, während auf der (unter 
den Sti&mmen Maba, Weda und Patani vertheilten) Halbinsel des Ostens Anlage zum Kraus- 
haar hervortritt, in Folge der durch die (alfurischen) Seeräuber von Gebeh aus der Tanah- 
Papna zugeführte Sklaven (im Gebiet des Sultan von Tidore). — Die Westküste Halma- 
heira^s fällt steil ab, wogegen an der Ostküste morastige Stellen angelagert sind. Tidore 
unterwarf zuerst die Papuah di atas (oder Wonim) und dann die Papuah di bawa (oder 
Raja Ampat). 

Te Akkee lamo is een vestiging van de zoogen aamde Orang Toegoelet (af komstig van 
vroeger uitgeweken van Kau). Tobello is verdeeld in 9 negorizen: Katana, Mawea, Jaro, 
Patja, Saboea lamo, Lina, Sibotto, Momoelatti, Mede (s. Campen). Die Alfuren von Ta- 
belle treiben Seeräuberei (bis Celebes). 

Unter den Sultanen von Temate dehnte (zur Blüthezeit dieses Reich's' Sultan Bab 
seine Eroberungen aus über Salija, Buton, Ceram, Amboina, Timor, Menado, Mindanao 
u. s.w., bis die ünterthanen, der bereits sieben Jahre dauernden Kriege müde, sich zu 
seiner Ermordung verschworen, unter Anstiftung des Raja von Loloda, der auf gegebenes 
Zeichen gemeinsames Losfahren der Flotte auf das Schiff des Sultan vorschlug. Der Sen- 
hmdji von Sahoe, als seinem Fürsten ergeben, wusste unbemerkt sein Fahrzeug neben das 
königliche zu bringen und den Sultan an Bord herüberzunehmen, so dass, als auf das ver- 
abredete Signal das Kriegsschiff niedergeschossen wurde, der Sultan sich bereits in Temate 
befand, und den zum Heutemachen Herbeieilenden dort entgegentreten konnte. Seitdem 
sind die Ehrenbezeigungen für den Raja von Loloda vermindert, die für Sahoe erhöht. 

In Taarudu (mit ca. 200 Bewohnern) finden sich 41 oder 42 Häuser nebst 4 Kapellen 
der Kakiroba (wo aus den umliegenden Häusern die Bewohner bei Festtagen im Dorf zu- 
sammentreffen), und mit Akitoba, Gamnial, Tatschitschi würden sich im Ganzen circa 
102 Hänser ergeben, während andere Ansiedlungen sich finden in Gola, Tanchim, Idam, 
Woraworat. Balissa, Gamsuni, Tasuba u. s. w. — Soesoeppa ist Hafen von Sahoe (mit Soa 
rmha als Hauptort) und in der Bucht mündet der Akkee lamo (neben dem Akkee diri oder 
Akkee it}i). 

In der Hauptstadt Sosio finden sich 217 Häuser, in Mareku (Mareku loaho und Ma- 
reku loihisa) 112, in Toloa 140, Towicha 49, Tomalohu 172, Gurabatti 67, Selli 85, Tung- 
wa« 48, Topo (am Berg) 34, Gangtofkanje 92, dann Rum, Tuguai u. s. w. Neben Soa-sio, 
oder neun (do) Dörfer (soa), findet sich (als Verlängerung der Hauptstadt) Gamtophkange 
oder acht (tophkange) Städte (gam). — Auf der Insel Mareh finden sich 50 Häuser. — bi 
Babuku von Tidore erhält sich noch ein einzelner Nelkenbaum. Auf Tidore finden sich 
die Bärge Golili, Kiekiche, Tolaiha, Gunung Tidore. Hamjajer Hasudin, der erste Fürst 



Digitized by 



Google 



112 



Tidore's, kam zur See dorthin. — Tidore gegenüber liegt Noromaka (auf Halmaheira") und 
dann zieht sich die Küste auf der einen Seite nach Tandjong (Vorgebirge) Ngiaregida, 
auf der andern nach Dodinga Die Hauptstadt von Tidore (und Temate) heisst So-sio 
oder Kampong sambilan (sio, 9). — Tubaru ist der den Alfuren Halmaheira's gegebene 
Name (auf Tidore) und finden sich unterschieden Batani, Weda, Maba, Glela, Tubäla (als 
Hauptstamm), Kaoh, Lolodah u. s. w. 

In einer verwilderten Anpflanzung des (islamitischen) Dorfes Soraha, neben dem alfu- 
rischen Dorf Taarudu in Sahoe, findet sich ein aus Ziegel (mit Mörtel) aufgebauter Säolen- 
pfeiler mit Spitzdach, der an seinen vier Flächen (oben) Verzierungen zeigt, den Spanien 
zugeschrieben, wie das Fort (Banting) am Fluss Aka-lamo aus Eorallensteinen mit Mörtel 
(Mitza genannt). Die Kota (Festungen) am (Fluss) Aki-lamo wurden von den Orang Frangi 
(Cast^la oder Espangol) erbaut. In Djagaai loelloe finden sich die Ruinen vom Kraton 
des Raja der Orang baroe, als Fürst von Loloda. In Verbindung mit Tidore bauten die 
Spanier das Fort Aquilamo (auf Halmaheira). Am Sahoe-Fluss (Aki-Sahoe) finden sich 
üeberreste portugiesischer Fort's (in Ruinen). 

Die Binnenlande von Halmaheira sind unbewohnt, und die alfurische Bevölkerung 
findet sich längs der Küste oder in kurzer Entfernung von derselben, nicht zu weit von 
den (in Morästen wachsenden) Sagobäumen, die (als Eigenthum der Gemeinde oder von 
Privatleuten) Unterhalt gewähren. Reis oder Mais wird nur (durch Raubbau) an einigen 
Punkten (in Savoe, Galela u. s. w.) cultivirt, aber nicht zu eigener Ernährung (weil dazu 
nicht ausreichend), sondern als Austauschartikel im Handel (mit Malajen u. s. w.). Dazu 
dienen ausserdem die im Innern angetroffenen Produkte von Dammer, Wachs u. s. w., und 
zum Zweck solcher Sammelreisen legen die Alfuren von Tobaroe Vorrathsplätze von Sago 
(durch Eingraben oder Aufhängen an den Bäumen) an (als Cach^), und dienen ihnen 
solche Orte dann auch als Rückzugsplätze, wenn auf der Flucht vor Feinden (und beim 
Anlanden von Piraten). 

Im Gegensatz von Orang Slam (des Islam) wird im Lag-Malayischen (der Minehasa) 
furu als „wild** gefasst, fufuru, scheu (sapi-furu, wilder Ochs), und Ali würde sich als 
Ausruf (0, Mensch), wie beim Begegnen, ergeben (sonst nach Analogie von Hal-boedaq). 
Im Sinn von wild (furu) steht Dana (zahm) gegenüber (Djinaq im Mal ). In Tidore (and 
Temate) entspricht fufuru oder (in Tabello) furufuru (weglaufen) dem (malayischen) liar 
oder lari und Ali-furu (in Tidore) correspondirt (malayisch) mit Manushia di utan (ma- 
nushia bahnga) für Alfuren (als Entlaufene). Forro ist (im Port.) ein Freigelassener (es- 
cravo forro), und horro Freiheit (foro, wild) bis fora und fuera (in Span.). 

So hat man versucht den Namen zu erklären aus dem Zutritt des arabischen Artikel, 
während im Malajrischen wieder Ali einen Zustand ausdrücken soll, gleich Hai (wie Hal- 
Budak oder der Zustand der Sklaverei) und dann die Orang Furufuru (als Waldbewohner) 
oder Alfuren sich als Bala Halmaheira (freie ünterthanen Halmaheira's) bezeichnen. Bud- 
dhingk erklärt Hara-foeroe als Kinder (foeroe) der Berge (Hara). 

Furfuri wird in Tidore gesagt für das in kleine Flechten aufgedrehte Haar, nnd in 
Temate bedeutet Hutu furfuri Flechten. Dem Ramboet tagulun (krauses Haar im Mal) 
entspricht Hutu plong (in Tidore) und (in Temate) Hutu furfuriki, wie dem Ramboet betul 
(schlichtes Haar im Mal ) Hutu loa-loa (in Tidore und Temate). 

In Temate erklärt sich Molucco als „weite Ausdehnung". Aus dem Lag-Malayiachen 
der Molukken entspricht Luko (in der Sprache Tidore's) dem malayischen Tangkab und 
bedeutet „aufgreifen oder zusammenschrapen", indem die Molukken gleichsam als eine 
kleine Handvoll Erde betrachtet werden, im Verhältniss zu Tanah-besar oder Halmaheira. 

Tanah-Papua, als Land der Papua oder Papuaka heisst Tonaka-Papua (in Tabello). — 
In Galela werden die Papua als Gilahla (Sklaven) bezeichnet. Sklaven heissen Gilalam 
(in Talafuoh). In Patani heisst das Land der Papua (Apa) Giatall Apa (Giatall oder Land). 
— Die Albino (Orang-Putteh im Mal ) heissen Orang Bulo (in Tidore) oder (in Temate) 
Orang Budo (als weisse Menschen). Auf Tidore wurde ein Albino') aus Keys (in der 
Humboldt-Bay) gesehen (im Juni). 

1) Des femmes comues et „ayant le corps velut tont ensi comme on dindt ung camel" 



Digitized by 



Google 



113 

Die Tabellorezeii fürchten sich, das Land der Papua zu besuchen, während von Maba 
aus dahin gehandelt wird. Häupth'nge (Raja) heissen Eolano (in Halmaheira) und Korano 
bei Papua (in Ati, Patipatipu n. s. w.). In Maiforr finden sich 4 Korano in Rumbapon, 
Rumsarai, Rumbupoor und Angkradifu. In Biak wohnen in Koridoh und Sowäk zwei Ko- 
rano. In Doreh findet sich der Korano Dufali's. Die Krön oder Kuron stehen unter dem 
Senbadji von Amberbaki. 

Die (köpfeschnellenden*)) Bewohner Wetter's (als Alfuren) heissen Hindoes auf den 
umliegenden Inseln (s Boscher), und mit Orang Hindu werden auf AVaigiu die Heiden 
hezeichnet (nach Rosenberg). Im Gegensatz zu Orang pantay bezeichnen (auf ADor) die 
Orang Goenoeng Heiden (s. v. Lynden). In Waigioe bezeichnen die Küstenbewohner die 
Papua als Hindu, weil ohne Gottesdienst, und als Alfuren, weil in die Wälder schweifend 
(s. Bernstein). Auf den Inseln Mjsol, Waigiu u s. w. wird von den im Inneren lebenden 
Papua als Alfuren gesprochen. 

WiUer nennt Halmaheira „de groote bakermaat van het halfoersche menschenras (maar 
geen Bergwilden, zoo als Valentyn hen noemt)"; Alfures, as the true indigenes of Gilolo 
(bei WaUace). La race alfoere (les Alfoures ou Hara foeras in Ceram) habitent depuis 
Halmaheira au Nord jusqu'aux lies Tenimber ou Timor-laut au Sud (s. Temminck). „Les 
populations pr^-malaises" vereinigte Hamj „sous le nom d'Indon^siens^ (beiLogan), und 
dann Papua oder Nigrito-Alfuren (bei Cust). Die Papua von Waigiou ^prennent sp6- 
cialement le nom d'Alifourous (s. Gaymard). D'Urville unterscheidet in Doreh die (ein- 
geborenen) Harfur, die Papua, als Einwanderer, und deren Mischlinge (mit Malayen). 

Das Haar der Aruer erscheint (während bei den Frauen lang und fein) bei den Männern 
hart und verwirrt, in Folge des Waschens mit Kalkmischung und Asche. Les cheveuz 
des femmes sont abondantes et fins, ceux des hommes sont rüdes et ebouri£fös par Fhabi- 
tude qu'ils ont de les laver avec de Feau de chauz et ime lessive de cendres ein den Arn). 
Das Haar (auf den Arn) „is doorgans stark gefcruld en zwaar** (s. Kolff), durch Waschen 
mit Kalk und Asche wird es struppig, das Haar der Frauen „is seer lang en fijn en ever 
het algemeen weinig gekroesd" (in Flechten oder Knöpfen getragen). Das Kraushaar (der 
Papua) is eene uitzondering bij den Aroenees (s. Boscher). Die Bewohner der Ostküste 
„hebben het wollige kroesige Haar der Papocers" (s. Eybergen) auf den Arn (wohin durch 
die Ceramer Sklaven der Papuer gebracht werden). 

Die Alfuren von Amahei (auf Ceram) haben buschig krauses Haar (der Papua), wo- 
gegen die von Wahai schlichtes Haar zeigen. An der Nordküste (in den Gebirgen) finden 
sich Schlichthaarige (als Pati-Siwa) der Alfuren vor. Brownrigg sah in Gunoeng Teboer 
(und Koetei) Schwarze mit krausem Haar in Knöpfen (nach Earle). Die Dayak haben 
„lange, glimmend zwarte, stngge, mestal sluike, maar toch ook niet zelden krullenden 



finden sich unter den .,Merveilles d'Inde** (bei Vauquelin), und haarige Familien, in Birma 
und Siam (wie unter Lao). Am Moho-Fluss finden sich zwergige Indianer (und in Africa 
bis zu Batua). unter Kaiser Yau kam der Fürst der Pygmäen, zu huldigen (aus dem 
Norden). Die (zwergigen) Wabilikimo wohnen zwischen See Luaja und Erok la Matum- 
batu (als Wakoningo). Der Ideal-Mensch ist ytrixog äv&Q{onoi (bei Philo) noch nicht in 
kl^n geschieden (als Mann und Frau). Die Wiederholung der Männer- und Frauen-Insel 
auch im Nebelmeer (bei Esthland) kann (bei Edrisi) auf Seefahrten der Händler weisen, 
welche an den besuchten Plätzen ihre Frauen hielten (wie mohamedanische Reisende). 
Bei den Awellimmiden verhüllen die Männer das Gesicht, nicht die Frauen (wie sonst im 
Orient), und ebenso die Vomöhmeu in Kukft (XII. Jahrh. p. d.). 

1) Am Rio de la Passion werden die von den Feinden erbeuteten Köpfe, zu schmaler 
Form reducirt (gleich einer Orange) am Hals getragen (s. Pozzi). Die Sarapaneu (Kopf- 
abschneider) genannten Thracier bewohnten (als Schädelsclünder) die Gebirge der Guranier 
und Meder (nach Strabo), gleich Naga (oder Dayak u. s. w.). Die Scythen scalpirten (nach 
indianischer Weise) und am Gabun wurden Du Chaillu^s Haare als Zaubermittel begehrt. 
Nero weihte die abgeschnittenen Haare dem Jupiter Capitolinus. Bei den Hedareb wurde 
früher ein Bursche nicht für mannbar erklärt, bis er einen Mann getödtet hatte (s. Rei- 
nisch), bei den Dayak genü&ren auch Kinder und Frauen (im Kopf jagen). Neben der Insel 
El-Binan, wo für cue Heirath ein Kopf geliefert werden musste, findet sich die von (woll- 
haarigen) Schwarzen bewohnte Insel Djalous (bei Edrisi). L'lile de Namang (bei China) 
est habit^e par des hommes ä queue (s. Jaubert). 

Bastian, Archipelago. I. 8 



Digitized by 



Google 



114 



haar*' (s. Veth). Das Haar (in Nord-Celebes) ist ^zacht en golvend (niht mw of kroerig), 
das Haar (der Bolaangs) ist „min of mer kroezig" (Riedel). 

Die Alfuren von Buton sind dunkler als die Alfaren auf Celebes, mit krausem Haar 
(dünnen Armen und Beinen. Das Haar der Alfaren von Ceram ist welligt und mehr oder 
weniger kr&uselnd (als in Unordnung), je nach der darauf verwandten Pflege. Das zum 
Lockigen neigende Haar der Buginesen wird vielfach geölt. Zur Unterscheidung von den 
Alfuren (in Ceram) wird das Haar bei den Christen kurz abgeschnitten. 

In Patani (an den Goh&ba genannten Bergen) kräuselt das Haar etwas mehr (bei den 
von Alfuren stammenden Mohamedanem), in Folge der Beziehungen zu den Papua, indem 
(über Gebeh) mit Waigioh gehandelt wird, aber die (heidnischen) Alfuren (von Maba und 
Sawai bei Weda) zeigen (im Innern) schlichtes Haar (den Alfuren von Galela und Tabello 
gleichend). Die Alfuren (bei Dodinga) hatten „longs cheveux noirs, tris legerement fris^ 
(s. Rafiray). Die Gorok genannten Alfuren Dodinga's sprechen meist*) malayisch. Die 
hellen Bewohner (im Gegensatz^) zu den dunkeln der südlichen Halbinsel) in Galela 
(mit „curly hair, and bearded") „resemble Poljnesians" (s. Wallace). 



■;vt| 



1) Incredibile memoratu est quam faciie coaluerint (s. Crispus), die Aborigines mit 
den Trojani (in Rom), und so überall oder nicht (je nach den Wahlverwandtschaften). 

2) Man unterscheidet an Hautfärbungen in einem grossen Theile der östlichen Sahara 
und im Sudan: 

1. Abjad (d. h. weiss), Farbe der Europäer und mancher Städtebewohner der Nordküste. 

2. Ahmar (d. h. roth), vorwaltende Farbe der Araber und Berber. 

3. Asfar (d.h. gelb), einer hellen Bronzefarbe entsprechend, bei manchen Araber- und 
Berberstämmen vorwaltend. 

4. Asmar (d.h. brann), duokle Kupferfarbe, vielen Küstenbewohnem und sudanischen 
Arabern gemischten Blutes eigen. 

5. Achdar (d. h. grün), sehr dunkle Bronzefarbe, bei manchen Küstenbewohnem, vielen 
Negern und manchen sudanischen Arabern unreiner Abkunft vorkommend. 

6. Azreq (d. h. grau), vorwaltende Farbe der Nigritier. 

7. Assuad (d. h. schwarz), individuell häufig, als Stammesfarbe selten bei den Nigriäein 
(s. Nachtigal) 

Panos (als Zeichen der Verwundung) Wessen die Nachkömmlinge verschiedener Sprosse 
der Chepaeos (Chipaeos oder Zipiros) oder Xitipos (Mananagues, als Bergbewohner) m der 
Mission (s. Murr). 

Mestize von holländischem Yater und Indier-Mutter, 



Pustize 
Castize 



(in Ambon). 



Mestize- 
Pustize- 



Parents 

White father and Negro mother . . . 

White fatiier and Inaian mother . . . 

Indian father and Negro mother . . . 

White father and Mulatto mother . . . 

White father and Mestiza mother . . . 

White father and China mother . . . 

White father and Quarterena mother . . 

White father and Quintera mother . . 

Negro father and Indian mother . . . 

Negro father and Mulatto mother . . . 

Negro father and Mestiza mother . . . 

Negro father and China mother . . . 

Negro father and Zamba mother . . . 

Negro father and Quintera mother . . 

Indian father and Mulatto mother. . . 

Indian father and Mestiza mother . . . 

Indian father and Chino mother . . . 

Indian father and Zamba mother . . . 

Indian father and China-colar mother . 

Indian father and Quintera mother . . 

Mulatto father and Zamba mother . . . 

Mulatto father and Mestiza mother . . 

Mulatto father and China mother . . . 

u. s. w. s. Citri 



Children 
Mulatto. 
Mestiza. 
Chino. 
Quarteron. 

Crcola, pale, brownish complexion. 
Chino-Dlanco. 
Quintero. 
White. 
Zambo 

Zambo-Negro. 
Mulatto, oscuro. 
Zambo-Chino. 

Zambo-Negro, perfectlj black. 
Mulatto, rather dark. 
Chino oscuro. 

Mestizo, claro (frequentlj verj beautifnl). 
Chino-cola. 
Zambo-claro. 
Indian, with frizzly hair. 
Mestizo, rather brown. 
Zamba, a miserable race. 
Chino, rather clear complexion. 
Chino, rather dark. 
d. a. A. L, 143. 



Digitized by 



Google 



115 

Aus den MischuDgen^) auf dem Grenzgebiete (in Halmaheira's Berührong mit Neu- 
Guinea) folgen die dnrcheinanderlaufenden Typen. 

Bei den verschiedenen Dialecten auf Halmaheira gebrauchen die Alfuren zum gegen- 
seitigen Verstftndniss im Verkehr die temataische Sprache. Die Alfuren von Galela be- 
wohnen die Ufer des See's. Die Chinesen heissen*) Matta imoa oder Eattenauge (bei den 
Malayen). Die Galelezen sind aus Tidore eingewandert. 

Auf Timor haben die hellen Eingeborenen „rood hair'', die dunkeln dagegen ^zwart, 
het welk sterk krult" (s, Hogendorp). De Timorees laat zijn haar') zeer verwildered op- 
schieten niet een doek of laplinnen boven de kruim van het hoofd, latende het boverste 
gedeelte goed door elkander verwarren om een hoog opstand bos van zamengepakt ge- 
kruld haar op het hofd te vormen (s. Francis), auch als Kissen dienend (oder gegen die 
Sonne) in Frisur (Fiji's). Allen hebben laug haar en de meesten kroezig gekruld (in Ti- 
mor). Die Timoresen hatten „lange schwartze Haare*' (nach Barchewitz). 

Das lange Haar der Solorezen ist „min of meer kroesig** (1849). Die Solorezen 
„snijden het hoofdhaar kort af, doch hebben van nature veel en long haar, dat*min of 
meer kroesig is, en duidelijk den zachten overgang von het regte en styve der Malejers, 
tot het kroezige der Papoeas onwijst (1849). Nach Earle finden sich Kraushaarige in den 
Bergen von Solor, Pantai, Lomblem und Ombay. 

Die Rokka (mit den Mangareier von Dalae Kota grenzend) werden als kraushaarig 
beschrieben, und so die Keo (auf Flores). De Keos hebben even als alle andere berg- 
volker van Flores gekroesd haar (s. Freijss). In Mauwaroe-Bay (auf Flores) hatten die 
Eingeborenen das lange Haar «ongekamd wild opstaan, of ruw in elkander gevlochten*' 
(s. Bmmund). De geheele bevoUdng van Flores heeft gekroerd haar (s. Freiss). 

Von den Alfuren auf Bouro wird krauses Haar angegeben und bei den Binnen- Alfuren 
am See Wako Halo glattes Haar. Quelques uns ont les cheveux cr^pus, comme ceux 
d^ Angola, d'autres les ont longs (s. Gemelli) unter den Manghian (mit Mischung der 
Schwarzen). 

Im Gegensatz zu dem wolligen Kraushaar der Papua (als Bambut papuwah) unter- 
scheiden die Malayen das wulstige Haar der Timorezen als Rambut pata-pat« (gebrochenes 
Haar), oder geschwollenes (pata, schwellen im Ambonesischen) Haar, wogegen das glatte 
Haar Rambut ayer heisst', weil fliessend (wie Wasser oder Ayer). — Der Typus Timor's 



1) Aus Mischung mit Negerblut (im Nedjch) entsteht der Khodeirijah oder Grüne (s 
Palgrave). Turcopuh (s. Alb. Aq.), (jui ex Turco patre et Graeca matre procreati (iovq- 
xoTtovla). Provinciales omnes Eufrane de terra (als Eurasier) verbündeten sich in Tyrus 
mit Venedig gegen Genua (1257 p. d.). An ut in hoc mundo etiam in altero Angli sint 
caudati (seit 596 p d.) in Dorcester (s. Wace), und für die zeitweilige Colonie in Benculen 
(unter den Redjang). Barchewitz sah auf Banda eine Sklavin von Ceram (aus den Papua), 
„die einen Schwantz wie ein Hirsch hatte**, und Geschwänzte in Bellad el Kelb (bei Basa) 
mit Hnndsgesichter (s. Werne), als Chipewyan fmen clothed in tailed skins) oder Cris (s. 
Petitot), und sonstiger Homo hirsutus (wie in Ava). In der von dem König Camroun be- 
herrschten Insel Suma (bei El-Moudja) machen wollhaarige Schwarze (El-Fondjet) Angriffe 
auf die Schiffe, mit ver^fteten Pfeflen (b. Edrisi). L'hypermtoopie (brachyomorphie du 
bulbe oculaire) est manifestement li6 k la brachyc^phalie (s. Bono) und dann der Oma- 
mentenstyl (des Rasse- Auges). 

2) Im Gegensatz zu „nasenlosen** (flachnasigen) Dasyas dunkler Farbe (Vama), preisen 
die vedischen Sänger ihre schöngenasten Götter, heller Arier. Wie die Grösse der Nase 
überhaupt zwar nicht Alles, aber doch sehr viel beiträgt zu der Stärke der Stimme, so 
ist auch mit dem Grade der Schärfe ihrer Kanten, besonders an ihrer Basis, eine be- 
stimmtere Accentuation in der Regel verbunden (s. Reinbold). Die Botocuden oder Nac- 
Nanuk (Nac-poruk oder Söhne des Bodens) tragen die Tembeteira an der Lippe, wie die 
Ma-Tumboka als Pelele oder (am Nyassa) lupelele (ähnlich den Bongos\ Die Knopneuzen 
(Makoaba) verzieren die Stirn mit Narben (und Neusstokdragers oder Anusa unter San). 

3) The equipages desipied for the head of a lady of quality (in form of a post-chaise 
and horse, and another imitating a chaired chairmen) bildeten den „Capriole or Cabriol^* 
genannten Kopfputz (1756). Der Kopfputz der Miao-sse Frauen fordert Tage lange Er- 
weichung des Wachse's am Feuer (bei der jährlich 2 oder 3 maligen Erneuerung) und die 
Unbequemlichkeiten des Nackenkissens nicht nur, sondern auch der Verwicklung in den 
Baumzweigen des Waldes (gilt indess für schön, und also als Mode). 



Digitized by 



Google 



IIG 

(mit walstigem Haar) findet sich, wie auf Ceram (unter den Alfuren) in Flores, Allor, 
Pantui u. s. w., und auch bei den Gemeinen auf Rotti, während dort die Vornehmen dem 
auf Savoe, Sumba und Sumbawa (mit lockiger Annäherung) herrschenden Typus gleichen. 

Das Haar der Papua ist „gekruld'^ (in afzonderlijke Krullen) ; der dreizackige Bambus- 
Eamm dient „cm door uitzetting aan den haarbos een grooteren omvang te geven** (s. 
Goldmann). An der Nordküste von Neu-Guinea öffnen die Papua die Lockentuften des 
Haares mit einem Bambus-Kamm auseinander, so dass wulstiges Aussehen (der mop headed 
Indians) hervorgerufen wird (nach Earl). Wenn zum Islam übergetreten, suchen die Papua 
(auf Waigiou) ihr krauses Haar zn kämmen. Papoe (Papoewa oder Allerlei) heisst dunkel 
(in ManiUa) oder kraus (bei den Malayen). Die Papua von Jammu (an der Walkenaer- 
Baj) tragen das Haar in Flechten, dicht zur Frisur zusanmiengefügt. 

Bei der verworrenen Unsicherheit, womit die Bezeichnung der Alfuren sich verwendet 
findet, wird genauere Präcisirung dem jedesmaligen Specialfall vorzubehalten sein. Im 
Groben (im Grossen und Ganzen) könnte, unter der allgemein malajischen Decke (und in 
Abscheidung von negritischen oder nigritischen Papua), für jede der Haupt-Inseln ein 
generalisirender Repräsentant, als ungefähr dafür typisch, angenommen werden, wie Dayak 
für Bomeo, Turaja für Celebes, Battah oder Redjang für Sumatra, Sunda (wenn man wiU, 
unter den auch indisch zwischenspielenden Zügen) in Java u s, w., und dann liessen sich 
die Alfuren etwa für die Gruppe der Molukken setzen, — in bequemer Vereinfachung, die 
unter den, allgemeinen Umrissen undeutlicher Sehweite, aus weiter Entfernung her ihre 
Entschuldigung erhielte, bei Annäherung dagegen, mit deren schärferem Beobachtungs- 
massstab, sich zersetzt, denn wenn man nun z. B. auf Bomeo in Detail einträte, würde 
als Erster gerade der Dayak wieder unter den Händen entschwinden Erst nach ge- 
nügender Materialansammlung kann im Gleichgewicht gegenseitig bedingter Verhältniss- 
werthe ein zuverlässiger Anhalt gewonnen werden (für den methodischen Fortgang der 
Untersuchungen). 

Unter den dialectischen Verschiedenheiten, im Anschluss auch an somatische*) Appa- 
rate, oder (wie das Lispeln bei der Pflicht des Zahnausschlagens) an künstliche Verbesse- 
rungen der Natur, ziehen sich dann die Entlehnungen^) hin, aus dem Cultur-Contact des 
Verkehr's, auch bis zu der, diese erleichternden, Schriftverwendung') (in Vielgestaltigkeit 
der Alphabete auf Sumatra). 



1) Die Takwelottinö oder Dogrib stottern, als nationale Angewohnheit (s. Dawson\ 
wie die Hottentotten (s. Dapper) als Lao oder Lawu (für Bantu). Die Sprache der Wacwac 
(bei Edrisi) est une espece de sifflement (s. Jaubert). In Bezug auf tliftavCa (meint 
rrobus Vaderius): non finitiones illas praerancidas neque fetutinas grammaticas 
spectaveris, sed aurem tuam interroga, quo quid loco conveniat dicere; quod illa 
suaserit. ia profecto erit rectissimum (Aul. Gell.). Nach dem Uku Hlonipa- Brauch 
(unter aen Kaffir) werden stets neue Worte gebildet in der ükutela Kwabafazi (Frauen- 
sprache). Es bildet sich die Sprache eines Volkes gleichsam wie ein selbstständiger 
Organismus, objectiv bestehend, aber doeh wieder als Mittel wirkend zur Mittheilnng im 
socialen Verkehr und zur Offenbarung und Objectivirung der gesammten Gedanken- und 
Geistes -Entwickelung eines Volkes in Kunst und Wissenschaft (s. Frohschammer). Die 
Grammatik ruht ^anz auf dem Boden der Psychologie und zur Logik verhält sie sich 
ebenso, wie sich die psychologischen Denkgesetze zu den logischen Normen verhalten (s. 
Wundt). In der Blüthezeit des Mittelalters hatte der Adel der abendländischen Nationen 
eine ^höfische Sprache" für den Umgang, wie für die Poesie, zu behaupten gesucht (s. 
Burckhardt), und höfliche oder ver&auuchere Form bei Basken (nach W. v. Humboldt). 
Die Zunge Braga^s, mit Joluna vermählt (zur Verjüngimg) , war mit Runen beschrieben. 
6vx iariy ffntTv, 6 /urj irjg jtTQctxivg^ toi (}^Cvi xal aQx^s rjQTtjTm ^s. Herokies). Zur Zeit- 
rechnung schneiden die Hongoten Kerben in einen Bejuko-Stock (im Runen-Calender). 

2) Chaque famille d'idiomes est sortie du genie de chaque ra^e, sans effort comme 
saus tatonnement (s Renan). Nobody would suppose, that because the notes of the different 
species of thrushes, inhabiting different parts of the world, bear the dosest affinity to one 
another, these birds must aD have a common origin, and yet, with reference to man. phi • 
lologist still look upon the affinites of language, as affording direct evidence of such a 
Community of oripn (s. Agassiz). Die Wortei-findung der Abiponen (bei Dobrizhoffer) 
wurde auf Tahiti in Requisition gesetzt zur Ausmerzung im Gleichklang mit Ehrennamen 
und durch die Königin Mai Noo in Birma wurde für noo (weich) twut substituirt (s Forbes). 

3) Phoenices primi, famae si creditur, ausi, mensuram nidibus vocem signare figuris 



Digitized by 



Google 



117 

Aus dem Archipelago ersireckt sich die Mondbezeichnung als Vula*) oder Üla auch 
in Oceanien hinein, wo sonst Sina oder Hina (als Mond) neben Ka (der Sonne) steht, und 
im Z&hlen greift Lima über, im Quinärsystem*) (bei Anschluss an die Hand). 

Bei den Eskimo „trifft das Sprüchwort zu, dass sie kaum fünf zählen können^ (s. 
Cranz), doch kamen sie, im Verlauf, aus dem Quinären fünffingriger Hand (im System der 
Joloff, Felup, Bullom, Algonb'n, Koijäken, Tanna u. s. w.) von einem Denar-System beider 
Hände, zum Vigesimalen (kaukasischer Sprachen) aus Fingern und Zehen des Menschen, 
der auch bei Kamschadalen für Zwanzig steht, und im Weiterzahlen bedürfen die Damara 
dann eines Zweiten (um mit seinen Fingern tally zu halten), oder bei üeberschreiten von 
100 noch eines Dritten die Bassuto (s. Schrumpf), während objectiver, als der Zeitbegriff, 
das Räumliche entgegentritt, so dass die Abiponer (s Dobrizhoffer) ihre Pferde nicht im 
Nacheinander des Zählen's rechnen, sondern im üeberblick des Nebeneinander (im Räum- 
lichen), und obwohl die Eoossa selbst die niederen Zahlworte kaum zu nennen wissen, ist 
„ihre Vorstellung von der Grösse einer Heerde Vieh so bestimmt, dass nicht ein Stück 
davon fehlen darf, ohne dass sie es sogleich merkten" (s. Lichtenstein). 



(Lucan). Zivgoi tvQtrat rdiy yga/aficcTtoy tfoi (Diod ). Ekkehard sah „exemplar cujusdam 
epistolae, quam Gabrielem archanfi^elum ex persona Salvatoris nostri ipsi ecclesiae et per 
iuam omnious ecclesiis missam referunt attulisse'* (in Jerusalem). Unter Kaiser Hwan^i 
(t 2599 a. d ) erfindet Tsang-Kie Schriftzeichen (unter Beobachtung von Vogelspuren im 
Sande\ A system of philosophy, on which presision of reckoning is observed in the enu- 
merahon of principles is denominated Swikhya (s. Colebrooke). Each circle comes from a 
previous circle (s. Hardy) bei den Buddhisten für Awidya (und den Maori für Po). Les Cha- 
nan^ens n'emprunterent pas seulement k l'Egypte le principe de l'alphabötisme, mais en- 
core les figures et les valeurs de leurs lettres (s. F. Lenormant). Digiti (Fin^erzahlen) 
Messen alle Zahlen bis zur ersten Grenze (limes), zur neun (s Cantor), als Digits (ens^L), 
Bumell fand in der Schloss-Bibliothek zu Tanjore „a real grammar of a fictious Prakrit 
pialect called the Bhandirabasha (s. G. Oppert). Ita Vaticanus deus nominatus, penes 
quem essent vocis humanae initia, quoniam pueri, simul atque parti sunt, eam pnmam 
vocem edunt, quae prima in Vaticano syllaoas id circoque vagire dicitur, exprimente 
verbo sonum vocis recentis (s. M. Varro) von vagire (c[uäken, wimmern), als erster Kinder- 
laut (8. Weiss), wie noch stets gehört (auch vom Vatican). 

1) In Arossi oder San Christobal (der Salomon) wird Sina mit Sonne und Oura mit 
Mond gegeben (bei Ver^et), aus Bulan oder Vula, und wenn sich in Varuna eine Kette 
schlin£^ zum üranos, kfingt Sin (im polynesischen Sina oder Hina) chaldäisch, wie (poly- 
nesiscnes) Ra äg^yptisch (in brahmanischer ürweisheit etwa). Als jüngstgeborener Gott 
steigt (auf Tahiti) Oro zur Erde, wie Horus in Aegypten, und mit den Schrecken der 
Mysterien herrscht der Oro-Tag in Yoruba. Unter den Pleiaden ist der siebente Stern ein 
Knabe mit verschleiertem Auge (bei den Tuareg) und in den verschiedensten Wandlungen 
wiederholt sich gleichartig die Mythe vom Siebengestim (in America und Australien). 
Mangundi oder Manaarmakrie (der Alte, der sich verjüngt) zeugte durch die Wundemuss 
des St^me's den Sohn Konori oder Korano Konori (in Meisore). Ruk durch seine Kinder 
bevölkemd, brachte Pura Früchte dorthin (als Bura oder Phaya in Weiterbeziehungen). 

2) Wie im nf/unaiav (s. Homer) wurden (zu Aristophanes' Zeit) Ueberschlagsrechnungen 
an den Fingern ausgeführt, wie später im Fmgerrechnen (bei Rhabda). Dem chaldäischen 



Rechnungswesen wird ein Sexagesimalsystem (der Akadier) zu Grunde gelegt (und anderswo 
in Resten). Die Aegypter rechneten mit Steinen (nach Herodot) im Calculare (me in 
Quito). Das Alphabet der Maldiver ist von arabischen Ziffern entlehnt (nach Wilson). Bei 



den Moxos (s. a'Orbignv) wird erwähnt: üne 6criture consistante en ra^es tracees sur des 

Setites planchettes (s. firinton). Die Druiden lernten, für 20 Jahre (nach Caesar) im Ge- 
ächtniss zu bewahren, wie ägyptische Priester (bei Herod.) und in Ceylon wurden die 
(zu Asoka's Zeit) mündlich überbrachten Bücher unter Wattagamani niedergeschrieben 
(t 76 a. d.). Unter den Prakrit-Dialecten kommt das von Fischern und Henkern gesprochene 
Awabrantshi (als herabgesunkenes) der Volkssprachen in Hindui (wie später m Hindi 
übergehend) am Nächsten. Das (auf Libysches oder Inschriften rückweisende) Alphabet 
Tifinak dient dem Berberischen der Tamashek (Tuarik). /ti^XQ' y«(' "«'»' <^^*« ndyrtg "MX- 
IrivtSt nartiq ßaQßagot «(»li^^ova*»' (Plut.) in theoretischer Zahlenweisheit (über 7iaviikntt\ 
da ie nicht bis drei zählenden Naturstämme nicht mitzählten (in Australien u. s. w.). — 
„Man traut seinen Augen nicht**, meinte Hegel, als er seine Lehre von Ansichsein und 
Fürsichsein der Dinge bei Aristoteles wiederfand (wo es immer bereits zu finden gewesen), 
und in der „Phantasie als Grundprinzip der Weltschöpfung" (1877) phantasiren auch 
(fayraoiM (der Stoiker), während nun noch platonische Vorstellungen bei Maori oder 
gnostische in Hawaii (und des Zugehörigen Vieles). N. B. d. Ps., S. 202. 



Digitized by 



Google 



118 

Die primärste Vorstufe, wenn (wie in Australien) schon die Zwei eine Doppelung, er- 
reicht kaum die drei, und ^passato il numero tre, non hanno che un termino vago, ü quäl 
significa una moltitudine*' (s. Gilj) und diese Brasiüer „zählen gemeiniglich nur nach den 
Gelenken der Finger, also nur bis drei; jede grössere Mehrheit drücken sie mit dem Wort« 
Viel aus" (s. Spix), so dass zunächst die Vier als Viel erscheint, wogegen die Tarahumitfa, 
nachdem sie an den Gelenken des Finger's bis drei gezählt, an denen des nächsten Eins 
für Vier zufügen (s. Steffel), und die Vier bildet dann die Basis der Rechnungen, nicht 
nur auf Hawaii, sondern auch bei den Haidah und verwandten Stämmen, welchen die Dinge 
der Welt überall in jener Vervierfachung erscheinen, die aus den mythologischen Auf- 
fassungen von Indien bis Aegjpten, sich dann in den fernen Philosophien wiederholt. 

Bei den Hawaiiem, die neben den 4 Hauptgöttem 4000 und 40 000 Götter zählten (s. 
Dibble), gewann Lehn oder Asche (400 000) die Bedeutung des Unzähligen oder Lehu-Lehu 
(wie sonst das Haar u. s. w.). Was über Lehn hinausging, fiel unter das Unbestimmbare 
des Nano-ali (verloren oder vergessen), bis die nächste Quadrirung in Denaren (4 000 000) 
wieder ihre Bezeichnung erhielt in Nalowale (aus dem Gesichtskreis hinaus), als ein 
(trancendentales) Jenseits (des terrestrischen Horizonte's). Ueber die letzte der Schöpfungs- 
perioden presidiren die Urmächte der 4000 und der 40000 Nächte (Po-kinikini und Po- 
manomano), mit denen Lalai zu irdischen Zeugungen eintritt (neben ihren himmlischen, 
als von Zenithspalten emporgerufen), s. H. S. d. P., S. 74. 

Aus der Drei als erste Grenze folgt ihre Verdoppelung als letzte (bei Califomier), 
„was dann mehr als Sechs ist, das heisst Alles in ihrer Sprache" (s. Baegert}. Para qnince 
dicen: las manos j un pie, y para veinte las manos y los pies (s. Clavijero) die Cochimies 
(in Califomien), und Jnup navdlugo (20), ein ganzer Mensch zu Ende, Jnup aipagssaa 
(40), ein Mensch mit dem Gefährten, Jnup pingajugsa (60), Mensch in der Dreizahl (s. 
Kleinschmidt). 

In Australien zählt sich (1—4); 

Eonner, Budley, Konner-Budley, Budley-Budley (bei Brisbane); 

Koleguhk, Kolächellik, Kolächellik-Koleguhk, KolächelHk-Kolächellik; 

Comoo, Mundroo, Parcoola, Mundroola-Mundroola (unter Dieyerie); 

Urupun, Ukusara, Urupu-Ukusara, Ukasara-Ukasara (auf Jarves-Island). 
Die Dayak rechnen mit Hölzchen, die Tarahumara mit Maiskörner, die Cara (einst) 
mit Steinchen (wie im calculare alter Hemisphäre). 

Erste Aushülfen für die Bilderschrift') zeigen sich (wie auf den Nicobaren, in der 
Minahasa u. s. w.) bei der Ecriture figurative et Comptalilit^ en Bretagne (s. Landrin), 
dann in den Koskewim der Indianer, im Knoten oder Schnitzen, in Ziffersubstituten (D. K 
a. d. L. II, S. 262) u. s. w., und wenn sich einst für die Naturstämme auch eine „Grammar 
of Ornaments" mag schreiben lassen, werden sich im Styl der Verzierungsweisen die Vor- 



1) Nach Eustathius gebrauchten die Germanen Thier-Hieroglyphen und andere Fi- 
guren (für ihre Ausdrücke). Ewander bringt die (von Palamedes erfundenen) Buchstaben 
nach Italien (bei Fabius Pictor). Die (jonischen) Gesetze der Massalioten waren auf Stein 
oder Erz geschrieben (nach Strabo). Gleich den libri lintei (im Tempel der Moneta) 
waren samnitische Gebefesformulare auf Leinwand geschrieben (bei Livius). Die solonischen 
Originalgesetze waren auf hölzerne a^oyfs und xvQßiie verzeichnet (s. Philippi). Die 
Gesetze des Servius Tulliua waren auf Gypstafeln ipwldig) geschrieben, sowie auf Wachs- 
tafeln (im codex). Die ausgegrabenen Bücher Numa's bestanden aus Papyrus -Blätter. 
Ausser auf Lindenbast (liber) wurde auf Bleitafeln oder Erzsäulen geschrieben (sowie Holz- 
tafeln mit Wachs überzogen). Nach Clodius waren die Ahnentafeln (arc/u/iar») der Familien 
im gallischen Brande Kom's untergegangen (s. Plut). Die Babbalaws im Priestertham 
des Berges Ado (bei Ka) orakeln (bei Kra£kheits£ragen) durch Linienziehen auf dem Boden, 
in Sand, wie für Verlorenes (zu Edrisi's Zeit) die Aäar (in den Characteren des Propheten 
Daniel). In Brasilien wird ein Holz (talca) mit Kerben eingeschnitten (s. Murr). Die 
Lhoosai senden Botschaften durch den Phuroi genannten Stab (s. Lewin), alsHenil (derSlaven). 
Die Häuptlinge der Tartaren schicken Khe-mou genannte Stäbe herum (für die Zahl der 
Menschen oder Pferde), und symbolische Briefe der Scythen (bei Herod) wiederholen sich 
unter Karen und Verwandten (in der Variationen buntem Vielerlei), während in Australien 
die -Message sticks** als Briefe circuliren (Zeitschrift für Ethnologie, 1880, Vrhdlg. S. 241, 
Inselgruppen in Oceanien, S. 120). 



Digitized by 



Google 



119 

stufen symbolischer Schrift verkörpert finden, im Anschluss an die physische Gnmdlage 
des optischen Apparate^s (im jedesmaligen Rassen-Schädel). 

Die Erinnerungsbilder sind optisch, da man die darin spielenden Fijgiiren wohl spre- 
chend sieht, aber nicht hört (und Gehörs -Erinnerungen bereits in krankhafte Halluci- 
nationen fallen), aber dieser optische Charakter ist ein secundärer, weil erst nach Herans- 
nehmen (and im geseUschaftlichen Sprachaustausch behandelt) reproducirt, denn auf dieser 
optischen Unterlage besteht die Erinnerung selbst gewissermassen in einem innerlichen 
Gespräch über dieselbe, mit innewohnender Fähigkeit zur unbestimmt ferneren Fortent- 
wickelung aus dem fremdartig neu in's Psychische einfallenden (und Anregung wirkenden) 
Reiz, wogegen der Mensch seiner physischen Hälfte nach innerhalb der ihrer Entwicklungs- 
fähigkeit vorgeschriebenen Grenzen eingeschlossen liegt. Hieran participirt in gewissem 
Masse die Sprache für ihre Modulationsmöglichkeiten, und deshalb gerade, die ihm dro- 
henden Banden zerbrechend, sti-ebt der Gedanke, im Fortschritt der Cultur, zur Verein- 
fachung der Sprachmittel, um der Vorstellungen unendlicher Fülle, mit denen die Multipli- 
cation formeUer Abdrücke nicht gleichen Schritt zu halten vermag, doch im ideellen 
Ausdruck zu genügen (S. B. d. P., S. 49). 

Ehe sich die im Facetten-Auge des Wilden fetischartig zerbrochene Welt monistisch 
abrundet, um die Voraussetzung im Princip der Continuität (s. Cohen) zu erfüllen (cons- 
cientia non facit saltus), liegen die Vorstellungen mechanisch getrennt nebeneinander, bis 
im Uebergang die Classificationen folgen, wie chinesische Sprachdialecte 14 — 15 für Thiere, 
9 für IMlanzen, 18—20 für den menschlichen Körper, 10 für Werkzeuge, 12 für Rohstoffe, 
3 für Gestirne, 4 für Thätigkeiten aufführen, kaukasische (s. Grube) nach Geschlecht, Be- 
lebtheit und ünbelebtheit, Vemunftbegabtheit und Vemunftlosigkeit, Begriffskategorie und 
grammatische (mit modificirenden Einfluss von Numerus und Person). Nouns are distri- 
buted, according to their Singular prefixes into eight species (im Kaffir), aus 17 Prefixes 
(s. Appleyard). Die tamulischen Sprachen unterscheiden ein höheres (mit Unterabtheilungen 
in männlich und weiblich) und niederes Geschlecht (für Vernünftiges und Vemunftloses). 
Die Numeral -Affixe (im Birmanischen, Siamesischen, Malayischen, Japanischen n. s w.) 
finden sich den Dingen nebengestellt, wie (in Aegyptischen Hieroglyphen) ihr Determina- 
tivum (s. Pott). Wie die Algonquin (und Eechua) in Belebtes und Unbelebtes, theilen die 
in den Ehe Verhältnissen künstlich classificirenden Australier die gesammte Natur in zwei 
Hälften, mit männlicher und weiblicher Verwandtschaft (s. Palmer), woraus dann die Ge- 
schlechter oder (bei Gürtler) Klassen (genera) als Ueberlebsel in der Sprache verbleiben, 
entweder „natürlich oder bloss grammatisch" (s. Grimm) zu poetischer Belebung, und wenn 
auf Kosten der Logik oftmals, doch dafür belehrend wieder in archaistischen Ueberlebseln, 
die aus Sprachgetrümmer zurückweisen auf jene Vorzeiten, wo sie noch lebendig durch die 
Gedanken geschaffen, in eigener Aussage redeten (das Wirkliche zu decken im Wort). 
Anfangs der Ausdruck des Gedanken's selbst, wird die Sprache, aus zunehmenden Com- 
piicationen zur Vereinfachung zurückkehrend, zum Werkzeug für den Ausdruck desselben, 
— freilich einem lebendigen im Geistigen, dessen Sein sich im Leben erfüllt Und was 
nrspr&nglich im Denkprocess organisch keimte, das wird dann, nach Einführung der Schrift, 
künstlerisch (und künstlich oft) reproducirt (in grammatischer Ordnung). 



Digitized by 



Google 



Die folgenden Vocabularien werden zur Controlle denen vorgelegt, welchen durch 
längeren Aufenthalt, wie in europäischen Colonien aus verschiedenen Ursachen gegeben, 
dazu die geeignete Gelegenheit gewährt sein wird. Bei meinem auf wenige Wochen be- 
schränkten Aufenthalt in Temate wurde während einiger Markttage in jedesmal nur kurz 
gewährter Frist rasch aufgezeichnet, was die Erkundigungen boten. Mein freundlicher 
Wirth, der Resident der Insel, hatte vorgesorgt, von den zum Marktbesuch aus den 
Landungsplätzen Halmaheira's und den umliegenden Inseln in Temate Zusammentreffenden 
solche, die sich nach Schluss des Geschäfts zum Bleiben bereit fanden, mir vorführen 
zu lassen, doch hing die Rückfahrt, wie von Fluthzeiten, von Wind und Wetter ab, so 
dass, wenn auch kleine Geschenke zu einigem Verweilen bewegen mochten, die Zeit der 
mit Hülfe verschiedener Zwischensprachen zu führenden Unterhaltung doch stets eine nur 
kürzlichst bemessene blieb. 

Auch würden diese in der Eile, und mehr zufällig, aufgerafften Materialien eine Ver- 
öffentlichung kaum erhalten haben, wenn nicht bei späterer Durchsicht der Literatur das 
Spärliche des Vorhandenen zur Mittheilung bewogen hätte, um die durch dauerndere 
Ansässigkeit und darin gewährter Müsse zur Beschaffung besserer Beiträge Befähigten um 
solchen Dienst zu ersuchen. Einiges Vergleichende findet sich bei Crab, und: Het Malaisch 
der Molukken (s. de Clerq). 



TAbello. 



Wasser 


Akere. 


Feuer 


Aoku. 


Auge 


Nangalaka (Nalako). 


Zähne 


Nangaiiniri (Iniri). 


Nase 


Nang unung (Ngun- 




ung) (Ngunu). 


Ohr 


Nga-uko. 


Finger 


Gia mamahagarara — 




(Gia mahagaraga). 


Hand 


Giama. 


Sonne 


Wangi. 


Mond 


Made (Madi). 


Vollmond 


Nanobo. — Arahöbo 




oder Mädeh tjöboho 




(geschwollenerMond) 


Neumond 


Madi monua.— Mädeh 




migiau (junger Mond) 


Stern 


Murum (Murumu) 


Morgenstern 


Korm. 


Abendstem 


Mumm mamoamoko. 


Siebengestim 


Panama. 


schlafen 


Ma-ih-du. 


gut 


Mahailoa 


schlecht 


Datärau. 


Gebirge 


Kieh. 


Hügel 


Alöku. 


ich kann es thun 


Aku mohadiai. 


ich kann es nicht thun Modia aku-nua 


Fuss 


D<5u. 


ich 


ngohi. 


du 


ngona. 


er 


unanga (una, tera.). 
una nahäka (mina, 


sie 




tera.). 



wir 
Haus 



mein Haus 

dein Haus 

mein Haus ist grösser 
als dein Haus 

seinHaus ist das grösste 
von allen 

Hai 

Krokodil 

ich gehe nach dem Dorf 

ich komme vom Dorf 

Dorf 

ich lege das Messer 
auf den Tisch 

ich lege das Messer 
unter den Tisch 

ich esse 

ich habe gestem ge- 
gessen 

icn werde morgen essen 

ich habe nicht gegessen 

Vater 

Mutter 

Kind 

Mensch 

Frau 

Mann 

wie heisst das? 

was sagt er? 

alle Leute sind ge- 
kommen 



ngone. 

Tauu (TabeUo), Woli 

(Totofu), Loloda (Ta- 

baroe). 

Tung-ghohi hi-tauu. 
Tung gona ani-tau. 
Tung-ghohi hi-tanu 

ilamoko tunggona. 
Ngona ai-tau ilamoko 

tenjaua mahomoa. 
Gojamut 

Gosomanga (Gosoma). 
Neroüka beräraüka. 
Berrära ino niboa. 
berrära. 
Dia meja madukukn 

honua. 
Dia meja matehimika 

honua. 

Nohito to-ohdummn. 
Ngori djarehe to-oh- 

dum. 

Hutu to-ohdum msöka. 
To ohdu nua. 
Hijama. 
Jaiio. 
Mohaka. 
Njiauwa. 
Ngohäka. 
Nau-ara. 

nana kia maromanga. 
okiano tämo. 
mata-mata iboünoka. 



Digitized by 



Google 



121 



er ist nicht gekommen ja inu-ua. 


schwarz 


taratärom. 


Gßminel 


Gitawa. 


weiss 


are-are. 


Mondfinsterniss 


Naja jaja hiri. . 


gross 
klein 


ma-amo. 


Gott 


Gemang (Omang). 


ma täteke. 


Dämon 


Tokata. 


Baum 


goäta. 


Priester 


Gomätere. 


Fisch 


naüoko. 


Fürst 


Koano. 


Meer 


ngoto. 
hidäloko. 


Stein 


Läwo. 


Wind 


roth 


töka tökara. 


Donner 


dptöreke. 


blau 


bim. 


Blitz 


lolätong. 


grün 


idju. 


Erdbeben 


uhu. 


1 2 


3 4 6 


6 7 


8 9 10 


Moi Chinoto 


Changi Chiatu Matöa 


Butangä Tomidi Tufengi Hiwo Nimoi 




(Jiata) 




(Chiwo oder Iwo) 


Moi Sinoto 


Hangi Jatu Matöa 


Butanga Tomidi Tufangi Hiuh Ngimoi 




Sahoe. 




Wasser 


Banjo. 


Blitz 


Lila-bilang. 


Feuer 


Uhu. 


Dämone 


Tscha-ata (unter dem 


Sonne 


Wangi remalaue. 




Tschat - niasai , als 


Mond 


Nara. 




Oberhaupt), im Walde 


Augen 


Läo. 




lebend. 


Nase 


Ngunung. 
Vvängum (Ngidi). 


Wald 


Diutang. 


Zähne 


Zaubergeist 


Sooh-sodu. 


Finger 


Gia maragaraga. 


Fürst 


Kolani (Jo to ma dubu, 


Hand 


Giam (tjamala). 




oder der Herr des 


Fuss 


Roöb. 




AnfangSjist der Sultan 


Fluss 


Banjo maläo. 




von Temate). 


Meer 


Ngoloto. 


Stein 


Madi. 


Regen 


Baesda. 


Berg 


Kieh. 


Wind 


Caravian. 


Hügel 


Sau-u. 


Wolken 


Saramu. 


Wie heisst das? 


Enag6 um malömang 


roth 


Kokoli 




(um malömang ena- 


blau 


Bim (moi. und tem.). 
Ijn ( „ „ „ ). 
Kokotuu. 




g6). 


grün 


Wer ist der Mann? 


Gäna una ga^una. 


schwarz 


Woher kommt er? 


Toma om wamo. 


weiss 


Budo. 


Wo wohnt er? 


Tagoro läa. 


gross 
klein 


Lamo. 
Datschäka. 


Geh! 
Komm her! 


Taggi. 
Waihno. 


Vater 


Baba. 


Verstehstdud. Sprache Nowaro näana gnadä- 


Mutter 


Mämä. 


dieses Mannes? 


mo. 


Kind 


Gnoa. 


Ich verstehe 


Ngota wam. 


Frau 


Bäräa. 


Ich verstehe nicht 


Ngota warn ua. 


Mann 


Naudu. 


Kannst du es thun? 


Nganana-u na-a enag^. 


Mensch 


Ngoa. 


Ich kann nicht 


Ngau nua. 


Komm schnell zurück Kida-kida nfifodibo. 


Ich will schlafen 


Ngoi sai to-utto. 


schnell 


Tscha tschai-i-ti. 


schlafen 


Atu ruttu). 
• Togolu banjo tokai. 


Donner 


Däterre. 


Ich wünsche Wassei 


Erdbeben 


Güsu. 


zum Trinken 




Mondfinstemiss 


Naga-niamalo-ngaro 


Wo kann ich baden? 


Läala toma ori. 




(d. Schlange h. d.Mond 


baden 


ori. 




aufgegessen) bis Si- 


Bring Wasser 


Pula banjo. 




munang(ausbrechen). 


Nimm das Wasser weg 
Wo ist der Weg nacl 


' Tädeh goloba. 


Neumond 


Ngara walin — (neu- 


i Ngooh moläa taggi 




angefangener Mond), 
indem der Mond neu 


dem Dorf? 


toma gam. 




geradeaus 


Mabolotoh. 




ausgewechselt ist. 


rechts 


Kuida. 


VoUmond 


Ngara lobo. 

Priama (dessen Auf- 


links 


GubaH. 


Gr. Bär 


Ich komme vom Dorf Ngoi to ino toma gam. 




steigen den Beginn 


Ich gehe nach den 
Dorf 


i Ngoi to tagi toma 




des Westmonsun be- 


gam. 




zeichnet, u.Pflanzen's 


Dorf 


gam. 




Paddi). 


gehen 
Ich esse 


tagi. 


Himmel 


Diwang. 


ngoto ordmo. 


Engelgötter 


Oming. 


Du isst 


una orömo. 


Stern 


Nungmudung. 


Er isst 


ananga do orömu. 

Digitizedby Vj( 



Google 



122 



Essen 


orömo. 


1 


Yergiss nicht 


Awana sedai orang 


Ich werde morgen ngoi saij to orom sai- | 




gegane 


essen 


jaan. 


■ 1 


Sorgsam 


Djagana lala 


Morgen 


saijah-an. 


1 Komm' morgen früh 


Inu daidscha a daidai. 


Ich habe gestern ge- 


ngoto oromu dua 


wutu. Ist das Essen fertig? 


A-a tiai utti. 


gessen 






Mach das Boot fertig 


Räari tiai-i dua 


Gestern 


wutu. 




Ich muss abreisen 


Ngoi sa-i tu totaggi. 
Ngoi sai-i tschatscha- 


Ich habe nichtgegessen ngoto orom na. 




Ich werde bald zurück- 


Ich habe noch nicht 

y^ 4^ rf*» /\ C« O A Tk 


orom munjaug. 


kommen 


iti toma djibu. 


gegessen 
Lege das Messer auf täruh goloba 


1 
toma 1 Rimoi 


7 Tundiug 


den Tisch 


meja. 




2 Romodidi 


8 Tuangere 


Lege das Messer unter 


goloba gai toma 


meja 


3 Ruangi 


9 Siwrro 


den Tisch 


mä-adu. 




4 Räti (Rata) 


10 Niagimoi 


Messer 


goloba. 




5 Romtoa 


100 Latu moi 


Mein Haus 


ngoriri wala 


G. liarama 


1000 DjaUa-moi 


Dein Haus 


unanora-i-wala 


1 




Mein Haus ist grösser ngoriri wala lamo te 1 Regenbogen 


Ko köbo. 


als dein Haus 


una-i-wala 


1 Stern 


Mudu-nmdu (Nnng- 


Sein Haus ist das 


unanga-i-wala te bela- 


mudung). 


grösste von allen 
Alle Leute 


mungoamaingawallo. Morgenstern 


Um (Orueh). 


ngoa-moi-moi. 


1 Abcndstem 


Martogo. 


Es ist dunkel 


rai lobidi 


1 Die Sonne stirbt 


Wangere sängere Jn 
EccTipsen). 


Es ist bald Nacht 


hilobi ridu 


! 


Wo ist das Dorf 


gam läa. 


1 




Weiterweg 


tidang 


Im Mond sieht man die Figur eines Muni- 


Nahebei 


lai-i-tschori 


Raia (Waringi- Baumes). 


Wo kann ich Fruchte nga uno ngoi tobutu 


Baum 


Mahatu. 


kaufen? 


• ati masauoh. 








Willst du das ver 


- ngoi sai-i-tu-uu 


uane. 


In der Bahasa de ütan (des Innern) hies;s 


kaufen? 




Zeug Bää, in der 


Bahasa de Peute (der 


Das ist sehr theuer 


enage hal wodi 


' Küste) dagegen Kailan, und Sago Kaier und 


Zeige mir das 


Pulang oi t«uodi. | Tschadu. 




Gieb mir das 


Pula inu. 


1 

Loloda. 




Wasser 


Akir. 


Blitz 


Gogol 


Feuer 


Uku. 


Donner 


duturru. 


Sonne 


Angi. 


Erdbeben 


ohsu. 


Mond 


Iloa. 


Wind 


wuwulu. 


Augen 


Lako. 


Dämon 


Tokata (Dämone). 


Zähne 


Ingiri. 


Priester 


Gomatere (zitternd im 


Fuss 


Jo-ü. 




Schlaf). 


Finger 


Karaga. 


Geister 


Djini (Wongi). 


Hand 


Motoa. 






Stein 


Säleoh. 


1 Moi 


6 Batangn 


Fisch 


Nau-ü-ko. 


2 Sinoto 


7 Tumunding 


Mann 


Nyauwa. 


, 3 Jangi 


8 Tuangi 


Junger Mann 


Nauro. 




4 Foata 


9 Sioh 


Frau 


Gnoidjeka. 




5 Motoa 


10 Mogioh 






Maba. 




Wasser 


Woyo. 




Stein 


Batu. 


Feuer 


Yap. 








Sonne 


Wilwoll (WoSl) 




1 Piso 


6 Piwonam 


Mond 


Gno. 




2 Püu 


7 Pifiht 


Auge 


Mato. 




3 Pitäl 


8 Piwahll 


Zahn 


Ngang. 




4 Pifoht 


9 Pisiwih 


Fisch 


Um. 




5 Pilihm 


10 Yofossoh 


Die BuUi genannten Alfuren von 


Maba sprechen dieselbe Sprache (unter Kimalacha). 






Tara-ndn. 




Matte 


Fumutu. 


Sa^oweer 


Kaier (TJadu). 


Sago 


Bau. 


Kmckmatte 


Kokoa. 








Digitized by CjOOQIC 



123 



Cocos 
Maiz 

Reis 

Sin 

Pinang 

Stein 

Fuss 

Zehen (grosse Zehe) 

Die drei mittleren 
Zehen 

Kleine Zehe 

Finger 

Hand 

Daunien 

Zeigefinger 

Mittelfinger und Ring- 
finger 

Kleiner Finger 

Regen 

Sonne 

Mond 

Blitz 

Donner 



Wägele. 

Castela (castela imTer- 
natisch., aus Spanien). 
Maieno (Ea). 
Bidoh. 

Känah (Pareh). 
Mari. 
R6u'. 

Tubulälora, 
Magolona. 

Tegels. 

Gia-mararagang. 

Gia. 

Tubulälara. 

Nati-nati. 

Magolona. 

Tegels. 

Pasa. 

Wangere. 

Ngara. 

Bella-bellang. 

Murara. 



Erdbeben 

Haar 

Auge 

Zähne 

Ohr 

Fisch 

Wasser 

Feuer 

Vater 

Mutter 



Wusu. 

Wutu. 

liao. 

Nidi (Gnidi) 

GnaAU. 

Njau. 

Banjo. 

U-u. 

Baba. 

Meme. 



Ohm (vätterlich. Seits) Tete. 

Ohm (mütterl Seits) N^apu. 

Tante (väterlich Seits) Jaija 

Tante (mütterl. Seits) Ngo djodjo. 

Grossvater Rotu. 

Grossmutter Ngapu. 

Sohn Ngoa noudu. 

Tochter Ngoa wärea. 

Enkel Dano (Infant oder 

Prinz). 
Bambus Tonga. 

Moi, Didi, Roange, Rata, ßomotoa, Rasuma, 
Tummuding, Tuangere, Sihoro, Niak-Kimoi, 
Niak-KididS (1— U). 



Patani. 



roth 

schwarz 

weiss 

Haus 

Fluss 

Meer 

Himmel 

Wind 

Vollmond 

Neumond 

Figur im Mond 

blau 

grün 

gelb 

essen 

gehen 

Wasser 

Feuer 

Sonne 

Mond 

Augen 

Zähne 

Pinger 

Hand 

Fuss • 

Stein 

fisch 

Vogel 

B'OSS 
ein 
schön 
Dorf 
Mensch 
Mann 



mitdschära. 

mit-muttum. 

f ihss. 

Uhm. 

Wokla. 

Wolut. 

Langa. 

Moro. 

Ngoh-tikli. 

Ngoh-tschlU. 

Mitmuttun. 

mili. 

ityn (mal.). 

jinga. 

tinnom. 

fann 

Wojo. 

Lutnng. 

Yohl. 

Ngoh. 

Timtoh. 

Tingaga. 

Fifolno. 

Pilihm. 

Tigerr. 

Gilögo. 

Jijin. 

Manah. 

Piakali. 

Miomlä. 

söfih. 

pnu. 

smät 

mohn. 



Frau 


Ihnpim. 


Kind 


Joii. 


Wie heisst das? 


Songa snöh. 


Wer ist das? 


Iti au tälä. 


Wo ist der Weg? 


Efifän lol pua (vefifän 


Weg 


lol). 
Yeflfän (efl^än). 


Haar 


Utuh. 


Kopf 


Bohkko. 


Ohr 


Titanga. 


ich 


ya (ga). 


du 


au. 


er 


iklima. 


Abendstem 


Siahkk. 


Sternschnuppen 


Ngonfon (der aus dem 




Bogen abgeschossene 




Stern). 


Bogen 


Pisih. 


schiessen 


Kallo pisi. 


Pfeil 


Tinihs. 


Blitz 


Limläm. 


Donner 


Ruupp. 


Siebengestirn 


Pariaman (zur Jahres- 




rechnung) Jahr: Pa- 




riaman (in Tid, Tern. 




XL 8 w.). 


Wissen 


Tscho. 


nicht wissen 


Tscho-pa' (Tschu-pa). 


weiss 


fonoss. 


kalt 


bobol. 


sehen 


yäm. 



Pisoh Piluh Pitael Pifohtt Pilihm 
12 3 4 5 



Ponum Pifiht Poall Phapulu Yofosso 
6 7 8 9 10 



Ich gebe nach dem Dorf: Fanni nak pnuli. 



Ich komme vom Dorf Ali manak pnuli. 
Messer jätäbioh. 



Digitized by 



Google 



124 



Leg das Messer auf j&täbioh sim na me- 

den Tisch jali. 

ich esse bo kinnom. 

ich werde morgen essen semäU yakin nom. 

ich habe gestern ge- singäli iin nom to. 

gessen 
gestern sing&li. 



morgen 

Stern 

Morgenstern 

I 



Haupt 



semäli. 
ngowich, 
lisäwich. 
Dopölo (Tidore) 
Sähe (Galela). 
Haike (TabeUo). 



Talafaoh. 



Wasser 

Feuer 

Sonne 

Mond 

Zähne 

Nase 

Mensch 

Mann 

Frau 

Familie 

Haus 

Dorf 

Wind 

See 

Berp 

Vollmond 

Neumond 

Mondfinstemiss 

Dämonen 

Geister 

Vogel 



Akere. 

üku. 

Angi. 

Hoa. 

Nalako. 

Lang-unung 

Njaua. 

Nauru. 

Ngojäka 

Nagoah. 

Wola. 

Limäoh. 

Wowul. 

Täong. 

Majöhk. 

Porunama. 

Mabareng. 

Iloa wüiitööka (der 

finstere Mond). 
Tokata (Swangi). 
Gomang (Wongi). 
Manon (Namaro-wo- 

ganika). 



sehen 

sprechen 

gehen 

nicht 

können 

unmöglich 

essen 

kommen 

trinken 

schlafen 

gross 

klein 

roth 

schwarz 



wakälelo. 

sakonoke. 

laggi. 

na (tem.). 

jakun. 

wakunnua. 

woiom. 

wolich. 

wodumu. 

komaihdu. 

kailamo. 

maidiejik. 

itotoKan. 

tataran. 



weiss jareais. 

ich gehe nach dem Dorf wo taggi do kuika. 

ich komme vom Dorf dokama dokuinomilco. 



Moi 

Sinöto 

Jangi 

Joata 

Motoa 



6 Bntanga 

7 Tumudingi 

8 Tuangi 

9 Sioh 
10 Mogioh 



Tobaroe. 



Haus 

Dorf 

jang 

alt 

Kopf 

Haar 

Mondfinstemiss 

Geister 

Arzt 

Berg 

Reis 

Sago 



Oa 

Soana. 

doguru. 

maberiki. 

Sai^ke. 

Houtu. 

Naga-ja-odomot. 

Gömäna (Wongi). 

Makasouru (Medizin). 

Gigie (Kie). 

Bira. 

Popädu. 



Mais 



Naimoi. — 

Gnaimöi. 
Naimudidi. — 

Gnaimodidi. 
Saänge. — 

Sa-angi 
Söata — 

SoätA. 
Matoa, — 

Gnaimötöa. 



Mala 

6 Butan^a. — 

Gnaibutanga. 

7 Tumunding. — 

Tumding. 

8 Tuängfre. - 

Toangfre. 

9 Siwoh. — 

Gnaisin. 
10 Mogiogo — 
Mogioko. 



Sonne 

Mond 

Wasser 

Feuer 

Augen 

Fisch 

Haus 



Wangir. 

Ngara. 

Banju. 

ün. 

Lao. 

Nyau. 

Wualla. 



Gamkanora« 

Dorf 

Stein 

Mensch 

Mann 

Frau 

Kind 



Lamo. 

Madi 

Ngöwa. 

Naui. 

Wor&a. 

Ngoa-ölo. 



Vollmond 
Neumond 
Sa^o 
Mais 



Ngosato-kolla. 

Ngosato-pane. 

P&da. 

Gastela (Cachitela in 

Tabello)d.Castillaner 

(oder Spanier). 



Galela. 

I Reis 
Pisang 



Sonne 
Mond 
Wasser 
Feuer 



Tamo. 
Bole. 
Wangi. 
Ngosa. 
Ake I . ^ 
üki 1 ♦^™- 



Digitized by 



Google 



125 



Aagen 


Lakko. 1 


Abendstem 


Gnoma lelamo 


Zähne 


Ingi > tematisch. 


Siebengestim 


Panama (wenn im 


Fisch 


Nau. 1 




Westen, wird Reis ge- 


Stein 


Täto. 




pflanzt). 
Kolowai 


Fluss 


Tsälera 


Stemschnuppe 


Meer 


Dungiraba 




(als Wohnungs- 


Wald 


Ponga. 




veränderung). 


Finger 


Raraga. 


Schlafen 


muhidu. 


Hand 


Gia. 






Fuss 


Dohu. 


1 Moi 


6 Butanga 


Was ist das? 


Okiah. 


2 Sinoto 


7 Tumding 


Hlitz 


Tawi. 


B Sa-angi 


8 Tupa-ange 


Donner 


Diwutu. 


4 Ihaha 


9 Siwah 


Stern 


Gnoma. 


5 Mötöa 


10 Mogioh 


Morgenstern 


Kurru. 








Tobaroe (Loloda). 


Galela. 


Tolofü. 


Erdbeben 


Osu (Ohssu). 


Osung. 


Ohsu. 


Stern 


Ngoma. 


Bilama (Gnoma). 


Ngohma. 


Mondfinstemiss 


Naga iloa tjaujung 


Ngo Ora naga djaödo. 


Made -naga - djaaudo- 




(von Schlangen ge- 
gessen) und wieder 




ma. 










ausgebrochen (Sisu- 
puokan) oder Naga ja- 












Himmel 


Diwäma. [odomot. 


Odipa. 


Diwama. 


Götterherren 


Gomang Wongi,tem.). 


Goman. 


Gomang (diwama). 


Dämon 


Tokat (Tokatta oder 
Swangi). 
Gam4tere. 


Töka. 


Tokat. 


Priester 


Ma-idu. 


Gomätere. 


Fürst 


Eolano (Jolama oder 
grosser Herr ist der 
JName des Sultan von 


Madjo-i. 


Koläno. 
















Tidore). 






Stein 


S^läo (Täto). 
Totoräboko. 


Täto. 


Täto. 


roth 


dasasawala. 


Tätäreböko. 


blau 


Dschawi bim (bim, 
mal). 


dabibira. 


Bim. 


grün 


Dschaiidschu. 


dawuhn. 


Ihju (mal.). 


schwarz 


Tataröm. 


tatäro. 


Taratarom. 


weiss 


Daris. 


da-areh. 


Ari ärisi. 


gross 
klein 


Hämo (lamo, tem.). 


Tiamo. 


Jämoko. 


Maischetschik (Uschi, 
tem). 
Ak^re (aki). 


Dait^chetscheke. 


Itingöhno. 


Wasser 


Akeh (Aki). 


Akere. 


Feuer 


Uku (tem.). 


A-uku (üki). 


Uku. 


Sonne 


Ahngg« (Wanm). 
Hiloa (Maden oder 


Wange-malaki (t«m.). 


Wange-mä-aku. 
Mafide. 


Mond 


Gnuosa (Gnosa). 


Neumond 


Parimo. Made). 


— 


— 


Vollmond 


Pomama. 








Augen 


Nang'ako (Lako tem.) 


Nangalako (Nangäko). 
Nangünu (unsereNase) 


Ngang-ako. 


Nase 


Ngunung. [oder lakko. 
Ingiri od.Imri(Ini,tm.). 


Ngununu. 


Zähne 


Na-ini (unsere Zähne). 


Iniri (Ingiri). 


Finger 


Gia mamamaraga. 


dudumutu. — Na-Gia- 
maragarag«. 


Gia mamamaraga 


Hand 


Gia (tem.) 


Gia 


Giaml 


Fuss 


Diou (hohu). 
Idadi. 


Döhu. 


D<5u. 


Baum 


Göta. 


Göta 


Fisch 


Nau(Naoko od.Nauko\ 


Onau. 


Nau-ohko. 


Meer 


Ngoto lamo (lamö, 
"Wuwulu. [gross). 


Ngolat (Dungiraba). 


Ngöto. 
DMoko. 


Wind 


Paro. 


Donner 


Dutüm (daturu). 


Dotöreke (Diwutu). 


Dotum (badöka, tönt). 


BHtz 


Gogoi (Tau-tau, Taugi- 


Leletomo (Tawi). 


Tabi-tabi. 


Vater 


Ama. [taugi). 


Baba. 


Abu (Aba). 


Mutter 


Ina. 


Meme. 


Emme. 


Kind 


Ngfoak (Ngoaka). 


^g:o-opa. 


Npoak. 


Mensch (als Seele) 


Niaua (Nyawa). 
Ngo^ejäka (Ngäka). 


Niiauwa. 


Njiauwa. 
Ngäweka. 


Frau 


Pädeka. 


Mann 


Naum (Nau). 


Anau. 


Naum. 

Digitizedby VjC 



Google 



ich gehe nach dem Dorf 

ich Komme von dem Dorf 

Dorf 

Lege das Messer auf den Tisch 

Messer 

Lege das Messer unter den 

Tisch 
ich esse 

ich werde morgen essen 
ich habe gestern gegessen 
wie heisst das Dorf? 
was sag^ er? 

Alle Leute sind gekommen 
er ist nicht gekommen 
ich habe nicht gegessen 
essen 
gut 

schlecht 
Berge 
kaum 
unmöglich 
Vo^el 
nicht 



Wasser 

Feuer 

Sonne 

Mond 

Auge 

Zahn 



1 
2 
3 
4 
5 
6 
7 
8 
9 
10 



Rimodidi 
2 



Rimoi 

1 

Sonne 
Mond 
Wasser 
Feuer 

Rimohi malofo 
1 2 



126 



Tobaroe. 

Dokuika ti tagi. 

Dina dokuika mea kau. 

Doku. 

Dia inua mejak. 

Dia. 

Dia inua meja malüoka. 

Nffoji tojum 
Jalimoka t^jum. 
Inaru ka tojum 
Okia maromanga. 
Ona okia itämo. 
Kowasso domitunu. 
Niauja koiia inu-ua. 
N^oi toh dum-ua 
Ottümu. 
Jauua. 
datero. 
Kieh. 



Tolofü. 

Soa nika nia tagi. 

Soa noka tai inu. 

Soa. 

Dia mejama mad&knoka. 

Dia mejama ma timioka. 

Ngoi t<5ohdümu. 
Wan^edi ngoromika töohdumn 
Obenka töohdum makau. 
Nä ena okia marongo. 
Onaukia dotämo. 
Kawasso ibuano. 
Kawassa daka inn-na. 



Jakun. 
Wakunnua. 
Namaro-woganika. 
ua (tera). 



Tobaroe. 


G 


alela. 


Tolofü? 


Moi 


Moi 


Moij 
Modidi 


Sinoto 


Sinoto 


Jangeh 


Sa-angi 


Sa-angi 


Joata 


IM 


Siiata 


Motoa 


Motöha 


Motoa 


Butang 
Tumuding 


ütana (Butanga) 


Butanga 
Tomoding 


Tummudfng 


Tuangi 


Tupa-angi 


Tuangere 


Sioh 


Siwoh 


Siwah 


Mogiok 


Magioh 


Mogiau 

Nangunn. 


Akke. 


Nase 


Uko. 


Stein 


Mare. 


Wangi. 




See 


Tao. 


Ära. 




Fluss 


Talaga. 


Lako. 




Stern 


Nama. 


Ini 








Sänge Ihata 


Matoa Butanga Tomedi 


Tofange Siwo Nnimoi 


3 4 


5 6 7 


8 9 10 


Wangi. 


Auge 


Lau. 


Ora. 


Zähne 


Ihng. 


Aki 


Fisch 


Njau 
Manushia 


Uku. 




Mensch 



rangi raha rematoha rora tummudi tufkangi sish ni^ 
34 5 67 89 10 



Wasser 

Feuer 

Sonne 

Mond 

Auge 

Zähne 

Käse 

Stein 

Fisch 



Paisu. 

Api 

Ondo. 

Udang. 

Mata. 

Gigi. 

Idung. 

Batu. 

Lao. 



|ian. 




Meer 


Tanga-Lao 


Vogel 


Mano 


Mensch 


Manushia. 


Weiblich 


Bibi-bini. 


Männlich 


Laki-laki. 


Stern 


Bintang. 


Himmel 


Lanfi^t 
Angnir. 


Wind 


Haus 


Ruma. 




Digitizedby VjOOQ 



127 



Reis 

gross 

Sago 

Sagopudding 

SagoKuchen 

Sagomasse 



Pamassi. 




Sagosaft 


TSk. 

Ba-u. 

Bali (Papeda) 
Gonangere. 
Kokoba (im 
gekocht). 


Bambus 


1 Sabua 

2 Dua 

3 Tolu 

4 Ampat 

5 Lima 



PoUa (im Blatt ge- 
kocht). 

6 Anam 

7 Pitu 

8 Dualapang 
i) Sulapang 

10 Sapulu 



Tidore. 

Musti ino di-futo, du musst morgen kommen (der Begriff des «Müssen" ist diesen apathi- 

ino, datang (mal). sehen Völkern erst durch die energischen 

di futo, besok (mal.). Europäer gegeben), 

marua ia (Mama ika in Temate). 

mama, nicht In Tidore wird Bahasa alüs und Bahasa kassar unterschieden. 

ia, nöthig 
Poma-poma di-futo (bahasa tinggi oder hohe Sprache) 1 . Tp^nafp 
Mala-ingkam ino di-futo (bahasa passar, Marktsprache) J leroare. 



gross 

sehr gross (lamo-lau). 

klein, 

sehr klein. 

hoch, 

sehr hoch. 

schön, 

sehr schön. 



Lamo 

Lolamo 

Kokenne 

Kokenne-lau 

gau 

gau-Iau 

yang 

jang-lau 

toelon^, daigale. 

fangan daigäli, saya toelong. 

Yöu, no-daigali. 

Ngona, no-daigali. 

Ngori, daigali. 

Yung'un no, daigali. 

Onageh daigali. 

Fangari daigäli maruah, saja sudah toelong. 

Fangari daigäli possa maruah, saya telah 

sudah toelong. 
Fangari domacha daigah*, saya nanti toelong. 
Fangari taggih, ich ^ ehe. 
no-t«ggih, ^eh (tuggi-taggi). 

li daigäli, lagi toelong (helfend). 



Tid. (add?, Tem.). 



YaU 

djoega (mal.) dikag^h 

lag! (mal ) jäli J 

fajaru, ich (für Frauen). 

fangari, ich (für Männer). 

Riu (riuh), toelong. 

Fangari riu maruah ,saya sudah toelong (in 

Temate). 
Fangari toma du riu passah mamah, saya 

telah soedah toelang 
Fangari dömacha tomadu riu, saya nanti 

toelang. 
addi rnndu riu, lagi toelong (helfend). 
Majin, biso, Tid. — tumim, Tem. 
Per-majin-an, so biso, Tid. — duduniru, Tem. 
dan (mal) se (Tem.) und (angka se akke). 
Sebabapa, sebab maga (Tid.). 



Mal 

TuHs 

ter-toelis 

rampas 

di-rampas 

boenoen 

ter-boenoeh 

Basah 

Ka-basah-an 



Tidore. 

laeffo (schreiben, 
no-laeffo (geschrieben). 
raba (raba (rauben), 
no-raba (geraubt), 
kömh (tödten). 
no-köruh (getödtet). 
höbo. 
no-höbo (höbo). 



Sebapapa, sebab koa (Tem.). 
oti aKu ua mususu, 
sebab ake malan ui djoma 
boleh aku. 

ui, pasio (dowongi, Tem.). 
djonca, penoeh. 

Oti, wossa aku ua, sebab ake malakko do- 
wongi öma 
wossa, masoq (mususu in Tid.). 
aku gachi ena^eh. 
Sampe (mal.) lädo. 
Tampat, gonihi (dodai). 
erinnern soninga (mal. ingat). 

Sakit gogola 
Kind Ngofa. 

Sohn Ngöfah ngonau. 

Tochter Ngöfa fofojah 

Zwillinge Ngöfa sosovah. 

Augapfel Lao magomo. 

Saamen Magomo. 

lachen ohi (böch^h in Tem.). 

weinen räke (ari in Tem.). 

tanzen salai oder dansa (dansar sp.). 

Schwester Fira fofaga. 

Bruder Hira ngonau. 

Djaga ifa mara hoba rangamoH enegeh, 
tschuba bossa talu toma kattu, ma-alu sigado 
bossa toguh (Tidore). 

Lass die Sachen nicht nass werden; wenn 
es regnet, müsst ihr unter einem Dach 
warten, bis der Regen aufhört. 

Djaga affar raaro basah rongamoi! enageh, 
tschoba bäsah mala-ingkan, domäha toma 
kattu ma-addu (ma-alu) segädu (Temate). 

Bossa togu tschoba, kaloe (mal.). 

Mala-ingkan, misti. 

Domaha, tenggoe (toma kattu ma-alu, di 
bawa atap) segäda. 



Mal. 



Bagi 
Bagi-an 



Hitoeng 
Hitoeng-an 



Tidore. 

matutila. 

madudila. 
masibula 
nibubula 

wohngi. 

nocho-wohngi. 
chochä 1 
nochochä j 



Tem. 



Tem. 



Digitized by 



Google 



128 



Mal. 

Dija 

Dija punja roema 

n 

saya sendiri 

tuwan sendiri 
Koeda itoe 
Orangini 
Apa ave 

Apaada boewah 



Tidore. 

ngAna. 
ngöna-ni-folla. 

ngana-ni-faUa. Tern. 
fangari tomoi. 

fangai matengo, Tern. 
yoü tomoi. 
Djarah enageh. 
mannshia enari h. 
Mägab gäh. 

Koffagäh (Tern.). 
M^an soffo gä. 

Koga sofifo ga (Tern.). 



Lebeh tinggi derri itoe koeda. — (Mal.). 
Lebeh gau darri djära enegeh. — (Tid.). 
Lebeh gäku derri djära enegeh. — (Tern.). 



Lebeh dingin derri docloe. — (Mal). 

Goga lebeh folloi derri juki. — CKd.). 
Gaga lebeh folloi dari sosira. — (Tern.;. 
Jang besaar sakali. 

Jang lamo wallomol. 
Siapa ada. — (Mal.). 

ISagirona g&. — (Tid.). 
Nagi gä. — (Tern.). 
Gaie, Gesicht. 
Oti akn ua musnsn. 
sebab ake malau ui djoma. 
boleh, akn. 

ui pasir (diwongi in Temate). 
djonra, penoeh. 
Oti wossa akn na, sebabake. 
malakko dowongi öma. 
wossa, masoq (mususu in Tidore). 



TeniAte. 



Aku gulacha enageh, kannst du das thun 
aku, können, 
gulacha, thun (machen"). 
Aku gache enageh (Tid ). 
Djaga affarr mara busah rongamou enageh, 
tschoba bäsah mala-ingkan domaha toma 
kattu ma-addu (ma-alu) segädu bossa togu 
tschoba, kaloe (mal.^. 
mala-ingkan, misti. 
domaha, toenggoe (toma kattu mä-aln, 

dibawa atap). 
segäda. 
Sampe (mal.) iädo. 
Tampat, gonihi (dodai) in Tidore. 
Sakat, gogola (in Tidore). 



Haka borah biji romdidi, gieb Eier Stück 2. 
die Speise: Ngodu (in Temate), Ngam (in 

Tid!ore). 
essen 

Masnsira: der Erste, madadü 
Posa-nomtoicha: der Fünfte. 
Lamo: gross, lamo-laku (lamo-lau in Tidore), 

grösser, lama foloi, grösster (sehr gross, 

mehr gross). 



acho (in^ Temate), oija (in Tidore). 
de " 



1er Zweite. 





Temate. 


Tidore. 


dunkel 


Gumung 


Korinomo 


heU 


Kassah 


Kabeh 


schnell 


Murari 


Päletscha 


roth 


Roriha 


Kohori 


Messer 


Darih 


Tschitschi 


weiss 


Bubudu 


Bubulu 


was 
Frau 


Koga 
Tofühäka 


Mäga 
Tofoja 


klein 


Itchi 


Käne-Käne 


Mond 


Ära 


Oro 


Haus 


Falla 


Folah 


zählen 


Hohi 


Wongi 


Auge 


lakko 


lao 


Fuss 


hohu 


Johu 


Stuhl 


Korsi 


Tarapörä 


geben 
Nebel 


haka 


toa 


Wötu 


hotu 


hier 


Kanä 


karä 



Poma-poma di-futu (bahasa tinggi L d. hohen 

Sprache). 
Mala-ingkan ino di-futu (bahasa pas^, 

Markt^prache). 
Marua-ika. 

Die Schiffe können nicht herein kommen, 
weil die Mündung des Flusses voD Sand ist 

Badi Ujaman bin Mochamed Arsat 
Nama sendiri (Vorname), nama daging. 
nama sila-sila (Familienname) nama tAsü. 
Familie (Pamah im Mal, oder Sanak) heisst 
Achali in Tera. und Tid. 
Fira fofaja, Schwester, Hira ngoran, Brader. 
Salai, tanzen (für Djin) oder dansa. 



Manusiha, Mensch, Ngu-nau, Mann, Fofo- 
häka, Iran. 



Sifutu, Nacht (sofutu in Tidore). 

Ngana wadje koga, was sagt ihr? 

Ngori wadja koga koga ua, ich habe nichts 

gesagt. 
Nge fangariaku fofodi, kann ich dies kaufen? 
Ma-ihja doka saa, was ist der Preis? 
Enagah dofu terlalu, das ist zu rieL 
Dokesaa ngara kageh, wie geht es? 
Lacha walomoi, senr gut (lacha, gut}. 
Ngana saka tagi kassaa, wohin willst du 

gehen? 
Gam enane magudo do sassaa, wie weit ist 

das Dorf von hier? 
Nage nga dui djara enage, wessen Pferd ist 

das? 
Ake enane öke aku-ua, das Wasser ist nidit 

trinkbar. 
Afa ngana ti ka kaneh, geh nicht fort Ton 

hier. 
Enage dadi marua, ist es schon geschehen? 
Nä enagä dadi marua, jetzt ist es bereits 

geschehen. 
Fangari biasa-hang kana, ich bin hier noch 

nicht gewöhnt, 
dokasa ngana deroh enage, wie kommst du 

darauf? 
Simoni tchakko rontscha, wecke mich nm 

fünf Uhr. 
Dimana kwe datang. Tomah kasah ina. 
Mana piggi. Taggi Kosah. 



Digitized by 



Google 



129 



dessi 



kam- 



Akoa datang 

kampong. 
Akou piggi di 

pong. 
Tarofi piso di medja. 
Taroh piso di bawa 

di meaja. 
Gnori ochö, ich esse. 
Ngana och6, du isst. 
Una ochö, er isst. 
Gnori domacha di futo kara gnori ochö, ich 

werde morgen essen. 
Gnori och<5 marua kaniegu, ich habe gestern 



Gnori^tomagam inu. 

Gnori taggi toma gam 

Gäha dari toma media. 
Gäha dari toma meaja 
ma adda. 



Gnon fallah lebeh itchi, ngane nefakah lamo^ 

mein Haus klein, dein Hans mehr gross. 
Kgana nirongakoga, wie ist dein Name? 
Enage ronga koga, was heisst das? 
Ngana tomah kasah ina, woher bist du? 
Ngana ni-umur da kasar, wie alt bist du? 
Ngana firi kasa, wohin läufst du? 
Fangare saritag^ochi, ich gehe zu essen. 
Ngana nirongo koga, was dein Name? 
Mangali ko^a ortinia, was ist die Bedeutung? 
Koga ngom suzirah, was ist der Ursprung? 
Sebab koga, warum? 
Prau, wie viel? 
Eutika koga, wann? 



Huhn 

Ziege 

Pferd 

Hund 

Katze 

Wildkatze 

Schwein 

Maus 

Kaiman 

Mais 

Walfisch 

Schüdkröte 

Tripang 

Perlmutter 

Perle 

Muschel 

Weizen 

Frucht 

Kokosnnss 

Banane 

Manga 



Ternate. 

Namo 

Kabi 

Djara 

Kasso 

Toesa 

Tingalon 

Socho 

Uti 

Sama 

Castela 

Paus 

Orl 

Ta-iija 

Ngotscho 

Moetijara 



Tidore. 

Tokko 

Kabi 

Djara 

Kasso 

Toesah 

Gabura 

Socho 

Nguti 

Soma 

Castela 

Ngunsore 

Ori 

Jochäle 

Ngotscho 

Moetijara 



Niku(Karang) Goho (Kara) 
Trigo(8panisch) Trigo 
Soffo — 



Koi 
Guai 



Canari(-MandelJ Niha 
Mangosteen Grustam 
Durian 



begegnen 



Durian 

makuduruso makotomake 

(hohe Sprache) 
makudaga 

(mittl. Sprache) makota^a 
makudero (allgememe 

((niedere Sprache) Sprache) 
In der hohen Sprache heisst Mutter in Ti- 
dore: Mama, in der niedem Jaia, wogegen 
in der Hofsprache Majora oder Mahora (Ma- 
hera in Ternate) gesagt wird. 

Der Busch (Sohjff) des Königs (Sohff ku 
Radschi) als Paradiesvogel oder (malayisch) 
Bumng mati. 

Bastian, Archipelago. I. 



Nagi ino kageh, wer ist gekommen? 

Rasah nfi^oko taggi gam, wo ist der Weg 
nach dem Dorf? 

Nagih kageh, wer ist da? 

Fangare, ich, Gnori (in hoher Sprache), Fad- 
joru (von Frauen). 

Ngoni, du, Jo (zu Höheren), Ngana (zu Nie- 
deren). 

Ngana, es, una, er, mina, sie. 

Das Schachspiel heisst Tursuru tschatu (in 
Ternate und Bissu tschatu in Tidore), die 
Sterne Ngama (ngoma), die Sonne Wangi 

Stein, man (in Ternate), mafu (in Tidore). 

Huhn, nama „ „ tokko „ „ 

Ei, borro „ „ gussi „ „ 

Bualaua heisst die Gewürznelke. 

Ngofa, Kind. 

KimoT, Romdidi, Ra-angi, Rächa, Rontoha. 

Rara, Tomdii, Tofkangi, Sioh, Niage moi 

(1—10 in Ternate) 
Rimo'i, Maiofo, Ra-angi, Racha, Romtoha. 

Rora, Tomdii, Tofkangi, Sioh, Niage moi 

(1—10 in Tidore). 

Niagi romdidi ^in Ternate) 1 «q 
Niagi maiofo (m Tidore) | 
Ratu romdidi (m Ternate) 
Ratu-malofo (in Tidore) 



200 



Ternate. 



Tidore. 



Batate 
Blume 



Jasmin 

Areng-Palme Ugu 
weben Dinu-dinu 

Rhinoceros- Kanko 
vogel (Tahon) 
Oel Gorocho 

Fett Gadii 

Palmwein Lacham 
Zucker (Gula) Tobü 



Ima Dasso 

Bunga (Saija in — 
hoher Sprache) 
Manuru — 



Pfefifer 

Vater 

Mutter 

Grossvater 

Grossmutter 

Enkel 

Vorfahren 



Gufi 
Baba 
Jaia 
Täte 
Aere 
Dano 

Nene mojang 
kare kare 



Papa (Babä) 
Mama (Jaia) 
Täte 
Jäje 
Dano 



1 Bimoi 6 Rsara 

2 Romodidi 7 Tomoda 

3 Ra-angi 8 Tofgangi 

4 Rhaha 9 Siwah 

5 Romatäha 10 Nagimai 



gut 
gutherzig 

hübsch 
Ehefrau 

Blut 

viel 

schlecht 

Gold 

Silber 



lahha (la), lacha 

ninga-laha 

^ninga- lacha) 

jang 

kai (fofohäka, 

fohäka) 
au (auw) 
duffu 



ira 

Guratschi 

Salakka 



djira 



Digitized by 



Google 



130 





Ternate. Tidore. 




Ternate. 


Tidore. 


¥ttpfer 
ricntig 


Tabaga — 
Loa (benar) — 


faUen 


babu 


pekka 
)nlo 


weiss 


budo 


beU 


nita Sita 


sehr weiss 


bubudo-lan 


bubolo-lau 


Herz 


nina (gate) ~ 


roth 





kohori 


erinnern 


soninga — 


sehr roth 





kokohori 


liebBn 


dodara (gaW5ne) — 






(kohori laa) 
ifgoma köira 


wohnen 


tae^oh torineh 


Morgenstern Ngoma oru 


bleiben 


sedika sodiah 


Abendstem 


„ lobitara , boloi' 


schliessen 


puki (pressu) — 
hdh (soseh) — 






gosst 


öffnen 


fast 


lobi 1 eben vor 
tara f der^acht 


lamfk 


gogola — 

DOU — 


niedergehend 


Arznei 


Siebengestim 


— 


Pariäma 


l^elkenbanm 


Fuli öomodeh 


getödtet 

Komet 

Sohn 


— 


korru 


(Tschingkeh^ 
ifu8katnu8B 


) 
Gosora (bnwa palal) — 


loja 


Ngofa ngonaa 
Ngofah fofojaih 


Erdbeben 


Sudidi Snilli 


Tochter 





(Gojang tanäh) 


Zwillinge 


— 


Ngofa sosorah 


Mond 


ijra Oro 


Kind 


— 


Ngofa 


Tag 


Wangi — 


Augapfel 


— 


Lao magomo 


Sonne 


Wangi snsaka 


Saame 


— 


Magoma 




i(Wongi susatto) 


erinnern 


— 


soninga 


dnnkel 


gamam Kainono 


lachen 


hochech 


ohi 


heU 


sota nita 


weinen 


^ri 


räke 



Duku oder Bukn (Berg). Dokn bezeichnet (in Ternate und Tidore) einen Yolean 
(gunung Api) oder Beasg des Getöses (Duku). 



Mal. 


Tern. 


Tid. 


MaL 


Tern 


Djauh 


^duh 
cageh 
dakka 


gulnh 


lebeh dakat 


foloih (lebeh) sebah 
foloih (lebeh) gudn 


Sitoe 


— 


lebeh djauh 


Sana 


t^h 


lebeh doeloe 


lebeh susTra 


Dekat 


seba 





Di kaki pohon 


h&kie enagema matiti 


Sablah 


masonanga 


madomong 


di blakang 


tomadudu 


Sabrang • 


dakamu-salanga — 


di dalam 


tomadacha 


Atas 


tumman jäcu (ieh) — 


di mana 


toma k&s4h 


Laloe 


passa marua 
dökäg^h 


posso marua 


di sini 


toma kln6h 


bagitoe 


gätig^h 


di Sana 


tomadakka 


bafi^ini 
sadja 


dökaneh 
Snageh bato 


gätiröh 


di sitoe 
derri bawah 


tomakaff^h 
toma-aduh 


bagimana 


dökasä 


— 


derri atas 


toma njäku 


tiada 


malo (ua) 


— 


derri loewar 


toma dudu 


boekan 


«na-ua 


— 


derri sana 




Djangan 


affa 









Sakarang 


nae 


rae 




Tid. 


Pari 
Sedang 


möso-möso 


mula-muU 


nanti 


domaha 


könora 


— 


menanti 


sodamaha 


Lama 


rörö 


suru 


n[iinta 


lähi 


Soedah 


marüa 


— 


meminta 


solahi 


Sabantaar 


dumäha tschikabu 


rampas 


raba 


Bissog 


diftttn 


— 


merampas 


soraba 


Lantas 


gila-gila 


gira-gira 


bakar 


tabeh (osuh) 


Kamarin 


um 


— 


djabat 


jau 


Sabantaar . 


Lagi tschikabu ahddi — 


mendjabat 


maku jau 


Doeloe 


susrah (maderoh) — 


tjoetji 


rotscha 


belon 


hang moh^u 


yans: mohdju 


mentjoe^i 


norotscha 


dalam 


nihdu (tomadacha) 


garoq 


koiako 
nokojako 


loewar 


tomadudu 


tomadulu 


mengaroq 


flini 


kän6h 


kär^h 


toetoep 
menoetoep 


furah 


bawah 


gassar 


gossar 


nofnrah 



Digitized by 



Google 



131 



Mal 

Rnma 

Si^a 

makan 

tidor 

minoem 

kapala 

kald 



Sprache des Niedem Sprache der Niedem 

SU H0hem Tid. unter sich 

(Bahasa alus) (Bahasa Passar, des Bazaar) 

daffo dsßo fola 
Fangire (ngori, Hoher zum Niederen) 

Sale-äM o^o 

Masocrga otu 

Salealuce-akke oio-akke 

tabSah doföoko 

dägidägi jö' hu 



Doppa-Doppa (Wettgesang) aus Galela (auf Halmaheira). 



Dongadoe. 
Hagonaga dokka nena 
Mogogoroe naro naro 
Fo^'au tifa maroe rua 
Sima bisoe hormamotte 
Xota tjina rameh ho^a 
Sopoetoe nodagi dagi 

Janaü. 
Toid bokJd nitifa 
■Goedoe matowadji loffo 

Pedekka. 
Kameh baragoena oewa 
Hohoe nokangela offa 

Janaü. 
Kitoewasi Baragoena 
Takangela mailaha 



Janati. 
Ngone forameh daine 
Tomafolai ningo djangoe 

Pedekka. 
Ngono forameh da enie 
Tomofola misikin 

Janati. 
Fola nema katoe pipi 
Mablnoe binoe roepia 

Pedekka. 
Fola nema katoe soesah 
Mablnoe binoe rasai 

Pedekka. 
Tifa toma Seran^ora 
Djangoe dika fosidingi 

Janaü. 
Tifa madotti Dodinga 
Bisoe siloefo kao 

Pedekka. 
Henoeroe doei Patani 
Poeloe sari dika Weda 

Janati. 
Tjapaka (}aane jo toeboe 
Kgongare Weda hoine 



Zusammen. 
So leben wii fröhlichen Sinnes, den ganzen 
Ta^ uns geschäftig haltend, den Tifa zu 
schlagen und zu spielen, wie in der chl* 
nesiscnen Stadt (Kota oder Fort). 



Mftnner. 
Wenn ron weit her wir das Schlagen der 
Tifa durch die jungen Mädchen hören, 
klingt es uns, als ganz nahe beL 

Frauen. 

Was nützen uns all' die Ergötzungen, wanun 

sollen wir die Füsse im Tanze ermüden? 

Mftnner. 
Mag sein schon, wir glauben es. dass man 
müde wird, aber doch liegt Angenehmes 
darin. 



Mftnner. 
Wir ergötzen uns in der Wohnung eines 
Reichen. 

Frauen. 
Nein, nein, es ist im Hause des Armen, das« 
den Ergötzung findet. 

Männer. 
Das EUius ist gedeckt mit Kupfergeld, sein« 
Wände sind mit Gulden aulgebaut 

Frauen. 
Das Haus ist schlecht bedacht, und auch die 
Wände, sie taugen nichts. 



Frauen. 
Mit der Tifa Schlagen tönt es an der Küste« 

Männer. 
Wenn in Dodinga die Tifa geschlagen wird, 
hört man sie in Kao. 

Frauen. 
Die Melati-Blumen auf Patani's Höhen stre- 
ben, sich im Golf yon Weda zu spiegeln. 

Männer. 
Die Tjampaka-Blumen in Gane eilen zu den 
jungen Leuten von Weda. 



9* 

Digitized by 



Google 



132 

In Betreff solcher, auf flüchtiger Durchreise gesammelten Yocabularien möchte ich 
nochmals auf die früher bereits (Cult. d. a. A. II, S 943, Sprachw. Stud,, S. 11) angedeu- 
teten Cantelen zurückkomme, die unter den Werthschätzungen einer methodischen Um- 
schrift allzu leicht ans den Augen verloren werden. 

Ein Reisender *), der in einem fremden Lande ankommt, würde, ohne etwaigen Anhalt 
an dort vorhandener Schriftsprache, die zur Orientirung über die den Einheimischen 
selbst normal richtige Aussprache erforderlichen Vergleichungen erst gegen Ende der Be- 
reisung zusammenhaben können, wird aber schon gleich Anfanges derselben mit Auf- 
zeichnungen zu beginnen haben. Er kommt also, im Laufe seiner Boute, mit allerlei Volk 
in Berührung, das, als aus verschiedenen Districten stammend, auch in den Verschieden- 
heiten localer Provinzialdialecte reden wird, und da ihm ausserdem an demselben Ort 
nicht immer eine Massenbefragung möglich ist, sondern oft nur einzelne Individuen zu 
Gebote stehen, fällt meist schon die Möglichkeit aus, rein individuelle Sprachgewohnheiten 
genügend zu eliminiren, um den phonetischen Durchschnittscharacter zu gewinnen. Dazu 
kommt dann die subjective Empfindungsfähigkeit seines eigenen Ohr's, zumal das des 
Europäer's, der in Folge seiner Alphabete von Kindauf nur mit den Augen zu lernen ge- 
wohnt, die feineren Nüancirungen, wie den Eingeborenen (besonders bei den Stimm- 
schwebungen der Tonsprachen) *) als selbstverständliche geläufig sind, schwieriger auffasst, 
weil eben die Vorbereitungsschule dafür fehlt Dabei müsste dann immer eigentlich die für 
den Sprachstamm, welcher erst erforscht werden soll, gültige Scala der Lautverschiebungen 
im Voraus bereits festgestellt sein, um mit Sicherheit vorzugehen. Seitdem neuerdings in 
den Schaustellungen sich die Beispiele der nach Europa übergeführten Wilden zu mehren 
beginnt, wird unsem Philologen am Sitze der Gelehrsamkeit selbst Gelegenheit gegeben 
sein, sich aus eigenen Versuchen und Erfahrungen allgemein gültigere Gesetze abzuleiten. 
Als bei kürzlicher Anwesenheit der Australier in Deutschland Vocabularien'') vorlagen, die 
von zwei streng und gründlich durchgebildeten Linguisten unabhängig von einander (und 
ohne für diesen Zweck von einander zu wissen), aufgenommen waren, gingen die Ab- 
weichungen in der Umschrift (zur Wiedergabe wahrscheinlich eines nasalen Vocal's) inner- 
halb weitester Grenzen auseinander, sei es, weil die Naturkinder in verschieden gelaunter 
Stinmiung gesprochen, sei es, dass einer Farbenblindheit des Auge's auch Tontaubheiten 

1) Wer aus Erfahrung die Schwierigkeiten kennt, mit den Indianern zu verkehren, 
muss es (bemerkt Schütz-Holzhausen) ^lächerlich finden, wenn Durchreisende ohne Kennt- 
niss der Sprache und ohne irgend welche Mittel das Leben der Indianer näher beobachten 
zu können, ein apodiktisches ürtheil über deren Fähigkeiten und Anschauungen abgeben 
wollen" (18Ö3). s. a. B. i. S. S., S. 142. Der „Esprit de Systeme" oder (nach Jodl) falsche 
Pragmatismus fälscht alle geschichtliche Beurtheilung, weil an den entferntesten und ver- 
schiedensten Zeiten den Maassstab der Gegenwart anlegend (nach Guizot), und so hat man 
sich für richtiges Verständniss der NaturstÄmme in ihren Gedankengang hineinzufinden, 
statt ihn nach den Schablonen des uns vertrauten zurecht zu schneiden (m sinnlose Fetzen 
meist). 

2) Vlk., d. ö. As. II, S. 444. 

3) Im Ausfragen selbst sind, vom Irreführen durch leitende Fragen abgesehen, noch 
andere Missverständnisse zu vermeiden, ausser den in Generalisationen bei concretem 
Denken, wenn statt des Baumes der Name einer speciellen Baumart geantwortet wird, 
Mensch den Stamm bezeichnet u. s w.; statt Feuer mag Flamme, Gluth oder dergl. mehr 
gesagt werden, wie sich bei längerem Aufenthalt feststellen lassen wird, aber nicht durch 
den vorübergenend ein Wort Aufzeichnenden. Wenn wie für waschen (der Hände, das 
Gesicht u s. w.) verschiedene Worte auch für Wasser (im Fluss, Brunnen, Regen) existiren, 
kommt es auf die zufaUige Gedankenverbindung an, welche dem Interpellirten am Nächsten 
liegt, neben Wind oder Luft findet sich Sturm, Hauch u. s. w. Und dann die subiectiv 

femrbte Nüancirung im Aesthetischen oder Moralischen, wodurch sich vielfach die Yoca- 
ularien mit vagen Unbestimmtheiten füllen, so lange nicht durch Satzverbindungen (in 
Aufnahme von Phrasen) festgestellt. Eine Schwierigkeit bei australischen Vocabularien 
liegt darin, „that white men do not always catch the sounds of the words in exactly the 
same way from blacks. T becomes th or d, and the sound ng may become k. The knocking 
out of tnc front teeth affects the pronunciation of their words, the tongue in some words 
protruding through the opening. This might even in time help to change a language** (s. 
r almer). New words are constantly Coming into use while old ones are becoming obsolete 
(s. Rogers), und so in Australien gleichfalls, oder bei den Bantu (durch den Uhlonipa- 
Brauch u. s. w.). 



Digitized by 



Google 



133 

im Ohre, angeboren, entsprechen mögen. Eine grössere Menge von Beobachtungen wird 
zn Gebote stehen, wenn mit weiterer Vervollkommnung des Phonographen den Reisenden 
möglich sein wird, die Stimmen der Naturvölker bei Dutzenden, Hunderten oder Tausenden 
nach der Heimath zu schicken, um dort in den ethnologischen Museen in den Schub- 
fächern eines ihrer Schränke aufbewahrt zu werden, und dann, je nachdem Bedür&iss sich 
zeigt, abgehaspelt zu werden, oder wieder schweigend reponirt 

Hier, wie überall in der Induction^ wird es sich zunächst um das Material handeln, 
und so sind denn auch auf den vorangegangenen Seiten nochmals einige Beiträge zu- 
sammengeschleift; für die Ethnologie. Dass es besonders gegen das Ende etwas ungeordnet 
ausgeschüttet daliegt, darüber wird nun vielleicht wieder manch saures Gesicht gemacht 
werden von denen, die es als ihr Recht beanspruchen zu können meinen, dass ihnen nicht 
nur die Speise zugetragen werde, sondern dass man diese auch zu kochen die Pflicht habe 
und dann mit eigenen Händen diejenigen noch füttern, welchen es zu unbequem ist; 
zwischen den Zeilen zu lesen, was dort geschrieben steht Demgegenüber hätte ich aller- 
dings die bereits ausgesprochene Ansicht zu wiederholen, dass es gleichfalls möchte als 
ein Recht beansprucht werden können, von dem aus eigenen Sammlungen Zurück- 
gebrachten diejenigen Parthien, zu denen unter sonstiger Arbeitshäufung einige Mussezeit 
bleibt, selbst zu verarbeiten, wie es sich bietet, das übrige dagegen im Rohzustande ge- 
wissennassen demjenigen zu freier Verfügung zu stellen, der Hülfe und Mitarbeit gewähren 
will. Das Hauptaugenmerk war auf dieser, wie auf den früheren Reisen, besonders auf 
die psychologischen Erfordernisse der Ethnologie gerichtet, da sich Jeder seine Specialität 
zu wählen hat. Was sich ausserdem an anthropologischen, historischen, philologischen 
Notizen bot, habe ich, soweit es bei gebotenen Gelegenheiten geschehen konnte, ebenfalls 
aufgera£ft und jetzt hinzugefügt, ohne indess genügenden Grund einzusehen, es mir als 
persönliche Pflicht aufbürden zu lassen, Alles dieses auch persönlich, monopolistisch, zu 
verarbeiten. Selbst wenn es möglich wäre, einige freie Minuten dafür zu erhaschen, würde 
viel Gescheutes kaum herauskommen können (da Eintreten in Detailbehandlung die Auf- 
gabe gründlichster Erschöpfung involvirt), und so bleibt das objective Rohmaterial besser, 
wie es ist, bis es sich bei monographischer Durcharbeitung eines speciellen Untersuchungs- 
zweiges demjenigen, der sich dazu anschickt, in der einen oder andern Weise vielleicht 
brauchbar erweisen möchte. 

Was in den Anmerkungen nebenherläuft, möge man wohlwollend passiren lassen, als 
nachträgliche, und zufällige, Ergänzungen zu dem in der Reihe meiner früheren Bände 
nacheinander angesammelten Material künftiger Gedankenstatistik. Wer derartige Registri- 
mngen für seinen Geschmack zu trocken findet, oder zur Benutzung für eigene Facharbeiten 
keinen augenblicklichen Anlass hat, mag sie ungelesen bei Seite lassen (weshalb sie auch 
zum Theil vom Text getrennt stehen). Die Ansammlung des Materials kann und darf nun 
einmal nicht erspart werden, wenn spätere Arbeiten der Induction vorbereitet werden 
sollen, und dass diese Materialien grossentheils als rudis indigestaque moles geliefert 
werden, das involvirt sich als Kaxbr «vayxaXov^ aus dem Mangel an Zeit zunächst (unter 
den, im gegenwärtig gerade kritischem Wendepunkte der Ethnologie, allseitig gestellten 
Ansprüchen), sowie aus dem Mangel technischer Erleichterungen (wie aus der Sachlage 
leicht verständlich). 



Digitized by 



Google 



■Durch ein Heer von Eaymane mit YernichtuDg bedroht, zwangen die Be> 
irohner Cajeli's (auf ßuru) den Orang Kaya Obselan, seine Tochter (im Braut- 
schmuck angetban) dem in sie verliebten Obersten der Elaymane anszuliefem, und 
nachdem von diesem (unter Verlieren des Hutes, aus dem der Nipa-Banm bei 
Walamba aufwuchs) auf dem Rucken fortgetragen, gebar sie die drei Prinzen, von 
denen Pati-Labuan sich bei Pulu Ocka aufhält, Hbukam Kalehali bei Abbo und 
Saleman in der Bucht umherschwimmt, also an verschiedenen Stellen derselbea 
(beim Baden) angetroffen werden könnten. Delphinos yenerios esse et amasios noa 
modo historiae veteres, sed recentes quoque memoriae declarant, wie bei Naupactos 
(nach Theophr.) u. s. w., mit dem ferneren Schicksale (s. Apion), als ^ille puer del- 
phineromenus morbo adfectus obit suum diem^ (taxfvbo^ ixaXcTro). Bei den Haidah 
tragen die Walfische solche Liebhaber auf dem Rucken. 

Vcm dem Oberherm (der Menschen), der Alles aufschreibt oder (von ^Oppo% 
Herr, ,gebo*. Alles, „snulat", schreibend) Opo Geba Snoelat (Alles sehend, aber nicht 
gesehen, Alles hörend, aber nicht gehört) herabgesandt '), stieg Nabiata (in Menschen- 
gestalt) auf den Berg Tomahoe nieder, den Alfuren (Buru's) die sieben Gebote zu 
lehren, welche durch seine (zugleich die Zauberheilkunst oder Kanwakit übenden) 
Jünger (oder Eswohie) im Gedächtniss bewahrt werden (in den Hoema poeciyie 
oder Gebetshfiuser). Mit seiner Gemahlin Tasmit wurde Nebo') (Gott des Schrift- 
wissens) in Borsippa verehrt, und in Ninive, neben Marduk oder M^rodach (als 
Seelenführer). Osiris hiess Neb-er-djer (le seigneur au dessus de tout) oder Neb-ua 
(l'Unique). Nehbka (mit Schlangenkopf) bezeichnete die Verjüngung (in Hera- 
eleopolis), und ein Nebo (der Moslem) wandert im Nobu (der Papua). In ßoorou 
(Vogel-Insel) feierten die Moslem in dem als Ouyoume in der Moschee gebetteten 
Priester die Auferstehung Mohamed^s (s. Lesson). Neben dem Berg Tomahoe und 
dem See Wakolo werden Schlangen (Massarite) verehrt (auf Buru). 

Nach dem Vergehen des Körpers (fatam) verbleibt die Seele*) (Njawa) in Seelig- 
keit und Ruhe jenseits der Wolken mit Gott, wenn gut, wogegen die böser Anlage 
einsam und trauernd mit den Wolken umhergetriaben wird (auf Buru). Auch hat 
sich für die Seelen der Guten eine prächtige Stadt aufgebaut unter dem Fluss Ili 
an der Nordküste (ein himmlisches Jerusalem, wie Müang Niphan), 

Die Alifuren (aus dem Innern Buru*s) dürfen nicht so nahe an den Strand 
konmien, dass sie das Branden der Wogen hören, weil sie dann sterben würden, 
mid so bleibt der Besuch der Küste für sie Fosso oder Verbot (wie dem Neger- 
könig Mokisso, aus übernommenem Gelübde), weshalb ihnen die Händler bis auf be- 
stimmte Strecken im Innern zum Zusammentreffen entgegengehen (und so die Küsten- 
kaufleute der Fioth als Mäkler zur Vermittelung des Handels mit den Stämmen de» 
Innern dienen). — Als die Küste von Buru durch ein heiliges Crocodil Verwüstung 
erlitt, wurde, auf dessen Verlangen, die Königstochter an einen Pfahl angebunden, 
und von ihr (durch das Ungeheuer unter Wasser geschleppt) stammen alle Crocodile 



Digitized by 



Google 



135 

(da dort kein Perseos damals zur Hand war). — Um EigeDthum dnroh Besekwötnui^ 
oder Kanwakit (Matakao) zu akhem, hängt man das Bild eines Croco^tils anf (ib 
Boro). 

Ween aa dem Binnensee Bum*8 (etwa zum Schiessen der Enten) eime Plinte 
abgefeuert wird, brechen Donnerwetter aus^ van den erzürnten Geistern gesendet 
(wie auf dem Gipfel Ibague'a^))^ und jeder Orangkaya musa bei Ankunft datt x\am 
Fnedenscöchen einen Stoek in die Erde stecken. 

Weil von dem älteren Bruder abstammend, dessen jüngerer Bruder naeh der 
Küste zog, betrachten sich (in den Binnenlanden Buru's) die Alfiiren vom Stamm. 
Sua^Wahiri (Soa oder Stamm) als die oarsprüngliehen (Wabiri oder Gebug)^ — Der 
äkere Bruder liess sich (in Buru) an der Quelle des Flusses Waiapo nieder (unter 
den Orang Tua von Wahiri), während die Sua-Towaü (an der Küste) ven dem 
jüngeren Bruder stammen. — Die To-Wafl oder Sia-Towail, verwandt mit den Sua- 
Wahiri (als Berg -Stamm) im Gebirge (Wahiri), repräsentiren den ursprünglichen 
Stamm in Cajeti. 

Der See Wako-Halo bildet den Stammsitz der Alfaren im Innern BuruV (mift 
^attem Haar). Ausser dem islamitischen Regenten an der Küste erkennen die 
Alfnren im Innern Buru's einen Oberherm (Oppo oder Jo) an, als Hukam-tua. 

Ehe eine Unternehmung beginnend, brannte der Alfure (auf Buru) Raucbwwk 
auf einem Stein (wo Sink u. s. w. niedergelegt ist) ab, innerhalb dee Bethauaea 
(Huma Koin oder Huma pudji), für Verehrung der Yoifahren, denen auch nach 
der Ernte die Erstlinge dargebracht w^tlen. Erst nach dem Dapsiah laka bala 
smangin (die Seele des Reis essen) genanntem Opfermahl darf der neue Reis ge*- 
gessen werden (wie das Yamsfest in Ashantie den neuen Früchten vorhergehen muss, 
das Inachi in Tonga u. s. w.). — Als höchste (jU>ttheit kann Opo-Geba-Snodat nieh 
direet angerufen werden, sondern nur durch Vermittlung der Ahnen (Opo-ina und 
Opo-uma oder Inaro und Amaro) als Nitoero (in jedem Nito). — Huma-Patji oder 
das HauB (Huma oder Ruma) der Schädel (puja oder Verehrung) enthält die Schädel 
der Voreltern, denen bei der Jagd Siri geopfert wird für gutes Glück (der Fortuna, 
deren Verehrung zu PHnius Zeit jeder anderen voranging, in Rom). 

Bei der Emkehat genannten Beschwörung (auf Buru) rufen die Eswohi (Zanber-> 
priester) die Geister (Sanane), um in dem durch Beräucherungen Halbbetäubten 
einzufahren, der, von Zuckungen ergriffen, zu tanzen beginnt, und dann bewusstlos 
niederfällt, um beim Wieder-Erwachen die an ihn gerichteten Fragen zu beantworten. 
— Durch Siwi oder Talismane (aus Wurzeln u. s. w.), die mit geweihtem Oel be- 
feuchtet sind , schützt sich der Alfiire (auf Buru) gegen die Krankheitsgeister, 
welche Dämone, als Moeli die Männer und als Kesan die Frauen, bedrohen. — Im 
Norden Buru's erscheinen die Krankheitsgeister (Skikit und Gasit) in Froschgestalt 
(und so neben dem Siran ken gesehen). 

Wie bei Aufstellung der Imagines in Rom ist au^h für die Ahnentafeln der 
Chinesen eine räumliche Begrenzung gegeben, und nach der 3'. (oder 5^) Generation 
mnsa die Nische ausgeräumt werden, um den im Tode Nachdrängenden Platz zu 
machen (im peguanischen Mulamuli). Wenn dann in einem für ausrangirtes Ge« 
rümpel bestimmten Tempel (gleich dem Kakiroba-Haus in Sahu) die Urvorväter 
in das Grau undeutlich verschwindender Vergangenheit zurücktreten, mögen sie, 
ak in den Lüften noch waltend, wieder empfunden werden, wenn in den Gewittern 
manifestirt (auf Tucopia), oder in den Winden, als Tripatores, die, weil Zeuger» 
die Nachkommenschaft zu begünstigen vermögen, mit den Dioskuren in Beziehung 
geaetct oder sonstigen Dämenengöttem (wie Kotjs, Briareue^ Gyges u. s. w.). Tptnd» 
ropeq^ oi fjih roög npwTOvq ^PX^'V^'^^^) ^^ ^^ rpircvq ino rou ndrpo^ intp hffri npondn'» 



Digitized by 



Google 



136 

nov^ *), als ^Teterum Grammaticoruin aenigmata^ (s. Lobeck) , aus etbniscben Vor- 
stadien lösbar (die später abgescblossene Erscbeinung zu erklären). 

Das Auge fasst geometriscb auf, das Obr aritbmetiscb, und das Denken rechnet 
trigonometriscb, um matbematiscb so das aus den aUgemeinen Weltgesetzen dem 
Menseben im terrestriscben System Zugänglicbe aufzufassen, uud indem im Mathe- 
matischen die Möglichkeit der Folgerung des Späteren aus Früherem gegeben ist, 
wächst aus so gebreiteter Unterlage der Oedankenbaum nach organisch natur- 
gemässen Processen in seinen Geistesschöpfungen empor (unter gesetxlicher Re- 
gelung). 

Gewisse Plätze (als Aufenthalt der Ahnengeister) sind (auf ßuru) Koin oder 
heilig (nur unter Sühnungen nahbar), gewisse Handlungen (wie Aussprechen des 
Namens der Schwiegereltern) sind Poto oder verboten (weshalb ähnlich klingende 
Worte durch andere zu ersetzen sind u. s. w.); in gewissen Zeiten (wie bei der 
Ernte u. s. w.) wird (für bestimmte Dauer) Eigenthum (in Fruchtbäumen u. s. w.) 
geweiht (sasi) an (göttliche) Oberwesenheiten (wobei sich die correspondirenden 
Linien für sanctus und sacer ebensowohl ergeben, wie für die polynesischen Bräuche 
des Tabu, die entsprechenden Formen bei den Kaffir u. s. w ). — Durch Koe wird 
(in Cajeli) die Amnäherung von Gegenständen verboten. Wenn für Sanane (heilig)*) 
erklärt, dürfen Berge, Brunnen u. s. w. nicht angenähert werden (als den Geistern 
geweihte Landpunkte, im Pomali). Zur Zauberung (Eanwakit) wird von dem £e- 
wohie (Vorbeter) im Bethaus (Hoema poedjie) Wunsch oder Fluch ausgesprochen 
(über den davon zu treffenden Gegenstand). Das Gebet (Poedji) leitet zum Heil, 
deine Unterlassung zum Unglück. 

Unter Anrufung des Opo Nabiata wird die (mit einem Stock berührte) Leiche 
(auf Buru) um den Todes verursacher gefragt, und dieser (durch Einfahren des 
Sarg*8 in einen Pfahl bezeichnet) muss (durch die Oifatan oder Pahafutan genannte 
Ceremonie erkannt) die festgestellte Busse (oder Etnofa) zahlen (und so in Afrika 
unter Beeinflussung der Träger, wie in syrischen Tempeln durch das Idol). Ist 
Zauberei die Ursache des Todes, so fährt, unter dreimaligem Aufstossen, der die 
Leiche^) enthaltende Sarg (oder Sisan) gegen einen vor ihm aufgestellten Pfahl, 
die Träger mit • sich reissend — Auf Boeroe wird in gemeisselten Gräbern bei- 
gesetzt. 

Der für die aus einem andern Stamm gewählte Frau bezahlte Kaufpreis (Kaleli) 
wird (auf Boeroe) zvsdschen den zwei Fenna geregelt, doch erhalten die Verwandten 
des Bräutigams den grösseren Theil. Die Frau geht in den Stamm des Mannes 
über, wie auch die Kinder. — In Buru, wo die Kinder dem Vater folgen, gehört 
die Frau der Fenna, als dadurch verkauft, und kann, wenn Wittwe, von jedem 
Mitglied, ohne Brautschatz, in Ehe genommen werden, obwohl meist durch einen 
der Verwandten des Mannes (s. Wilken). Beim Tode des Mannes wird die Frau 
(wenn bezahlt) mit den Kindern von der Familie des Mannes übernommen« 

Bei den Alfuren ist es verboten, innerhalb derselben Fenna (Stamm) zu h^- 
rathen*). Die Alfuren ^hebben slechts een harts togt, die voor het vrouweHjke 
geslacbt, en deze veredelt hen (Willer); de lief de voor vrouwen in den Halfoer zijii 
gansche leven een sporrslag tot wakkeren, en verständigen arbeid^ (auf Buru). 

Die Inseln Ceram und Büro zeigen an der Südküste den Monsun Neu-Guinea^s 
(mitR^en im Südost), an der Nordküste dagegen die Jahreszeiten der nördlichen 
Molukken. 

Buru heisst bei den Alfuren die Insel und Ceram (Serang) wird als Tanah-besar 
(Grossland) bezeichnet Kaijeli oder Kajeli wird aus Elai (alt, in alfurischer Sprache) 
erklärt (auf Buru). 



Digitized by 



Google 



187 

Die H&upter der Fenna (StÄmme) heissen (auf Buru) Geb-ha oder (in Cajeli) 
Matlea (neben den Jaboe der Dörfer). — Die Fenna (mit Familien, als Anate und 
Soa) sind zu Bünden (Fenlolin oder Foognialin) vereinigt, unter dem Djahoe (anf 
Buru). 

Die Alfuren (in Buru) steben unter Aeltesten (Orang-Tua). — Unter den Al- 
faren (Buru's) geboren mebrere Hoemalolin (Geböfte) zu einem Stamm (Fenna) 
unter dem Häuptling (Mattea oder Gebba). — Die Gebba (Gebba) der Fenna 
(Stämme) unter den Alfuren (Buru's) verbandeln mit den, im Bobato (Ratb) ver- 
einigten, Joboe (der in Fogmorin wobnenden Küstenbewobner). 

Unter den Stämmen oder Fenna (meist nacb Bäumen benannt*)) finden sieb 
(auf Buru) Hatlissi (Sua Hatlissi), Bissi (Sua Bissi), Nubat (Sua Nubat), Ultattan 
(Sua-Ultattan). — In Lumaiti (an der Küste Buru's) finden sieb die Stämme Sua- 
Nubat aus Temate und Sua-Ultattan aus Banda. 

Auf Buru gebort der Grund '®) der Fenna und wer wüsten Grund urbar maebt 
(erblicb zu verbleiben), kann ibn zwar verkaufen, aber nur an Mitglieder der Fenna, 
und das bebaute Land verfällt nacb einigen Jabren, wenn wäbrend solcber Zeit 
verlassen, wieder an die Fenna. 

Besitz wird (auf Buru) durcb Nake (punja im Mal.) ausgedrückt, und je nacb 
dem Wobllaut treten Aenderungen ein (s. Jellesma). 

Jakonang buma, mein Haus (jako, icb). 



Kaenam 


T) 


dein 


n 


(kae, du). 


Rinnema 


yi 


sein 


n 


(rinne, er). 


Kaminam 


n 


unser 


?» 


(kami, wir) 


Kiminim 


n 


euer 


» 


(kimi, ibr). 


Sirenim 


n 


ihr 


» 


(sira, sie). 



Anmerkungen. 



1) Til, vom Himmel steigend, schafft durch seinen Hauch die Erde (bei den Tumale), 
die Hosorin (neben bösen Dimmu) nach Erschaffung des Mondes in Gestirne Terwandelnd (s. 
Totscbek). Die Mandan verehrten den grossen Geist als Maho-Peneta. Zwischen dem 
Wechsel der Herrschaften rubt der Gott (der Magier) in Schlafenszeit (nacb Theopompos), 
nie Brahma (in den Ealpen). 

2) Nebo wurde als göttlicher Botensprecher bei den Chaldaeem verehrt (s. Gesenius). 
Nebok, Gott der Ssabier (als Mercur) wurde in Armenien verehrt (s. Chwolson). Moses 
bestieg yor seinem Tode die Spitze Nebo 'atpapfC^Tm xarä nroi tpagayyo^ (s. Joseph.) 
im Gebirge Abarim (von Jahye am Fuss des Nebo begraben). Der Mahdi wird als 
Mool-es-Saa (Herr der Stunde) erwartet (in Algerien). Die auf täglichen Heroldsmf 
im Himmel (wer die alte Schlange bekämpfen wolle, um des Königs Tochter zu freien) 
im Lebrhaus versammelten Gesetzes-Erfahrem erweisen sich ohnmächtig, bis Scbilo kommt 
(nacb Tikune Sohar). Als Mahadi gründete Abdallah ben Tamurt die Almobaden- Herr- 
schaft (und Obeidallah die der Fatimiden, als Mahadi). 

8) Das Denken entwickelt sieb im Körper (Kaja), wie der Spiritus in Gähmng der 
ZackerlOsimg (nach den Cbarvakas), wie bei Dicaearcbus das empfindende Prinzip im 
Körper verbreitet war (s. Colebrocke). Critias setzte die Seele in das Blut (wie Hebräer), 
Diog. Ap. in das schaumartige (als Luft enthaltend). Die Sutratma oder Fadenseele (neben 
Tajasa) dringt in die Essenz der Dinge ein (und findet sich dargestellt anf chinesischen 
Bildern.) Bei der Unmöglichkeit bis zur ersten Ursache zu gelangen (im Buddhismus), il 
convieat donc d'appliquer toutes les puissaaces de Pesprit ä d^couvrir la cause immödiate 



Digitized by 



Google 



188 



« 



1 






h 



qoi certainement prodnit rexistence (s. Bigandet). Das Wissen ist die Zahl zwei (nach 
Plato), und heilig die drei (bis yier pjthagorMsch). Principiom ooincidenciae oppositomm 
(b. Bruno). Neben dem analytischen (formalen) Denken unterscheidet sich das synthetische 
(materiale) Denken (des Erkennens). Sannja (in Sangkhara khando) vergleicht sich „the pla- 
cing of a mark b j a carpenter upon timber, that he maj know, how to cut it, or work it in 
the form he wishes" (s. Hardy), als Localzeichen (der Sinne). Die Einbildungskraft (jhav- 
taaia) erhält ihren Stoff yon dem Wahrnehmen, und das Denken (der Begriff) kann wieder 
nicht ohne Bilder (^ayraa^ata) geschehen (s. Eirchmann). Gedanke ist Alles, was das 
Denken producirt (s. Jessen). Nach der Nynanavada liegt die Welt in subjecÖYer Auffassung. 
Das Wahre ist das, was jedem so erscheint (bei Protagoras). Die a^ayiaatog ^vatf steht 
der ipvx4 gegenüber (bei Philo), nnd diese (als dya^vfiiaatg) verdampft (bei Stoiker). 

4) Citri, d. a. A. I. 318. 

5) T^JtfiwQfis ol TtQüifot yiyrtofityot (s. Hesych.), ol ^h toig ngonaMtgag (ol filw aH- 
fiovq\ in Athen (s. Suidas), Opfer empfangend bei der Ehe (und: vnlg yty^a((ag neUi^p), 

6) Wie im Waldesbaum wird auch im ^tKönig des Waldes", im Löwen oder Tieger der Hen 
anerkannt (in Indien) oder (gleich nordischem Bär) geschmeichelt (als Grossväterchen). Die 
Kühe gehörten der Hyäne, die den Menschen als Hirten dingt, bis dieser sie verjagt (bei den 
Bogos), und so Herrschaft der Thiere bei Peruaner und Birmanen (in Galifomien u. s. w.). 
Bei den Wa-Masay und Wanß[a ist der (betrauerte) Tod einer Hyäne mit Blut zu rächen 
(nach Hildebrand). Die Todten werden am Walde den Hyänen ausgesetzt (bei den Or- 
loikob). Man sol der Hei ihren Tail geben (bei Vertheilung der Erbschaft). Nach der 
Ferkelzahl gründete Aeneas im Lande der Boreigones (Aborigines) 80 Burgen (nach Lyco- 
phron). Buckley was thought to he a dead man, named Murrangurk, retumed to life (in 
Australien). Das Menschengeschlecht stammt von Manuch-puta (als Svayambhuva). Die Eyat 
(der Ameisenhügel im Walde) kommen Nachts hervor, als Dorf erscheinend, in den Be- 
schäftigungen des täglichen Lebens (in Birma). Heraklit setzte ipriy^iaua ura ilaxtota 
xal äfitgrj (kleinste und untheilbare Fäserchen). Was der Kopf bei den Thieren ist, sind 
die Wurzeln bei den Pflanzen (s. Aristoteles), wie sich Tanemahuta auf den Kopf stellt 
(bei den Maori). Nach Alvigi grenzt der König der Tartarei an das (von den Spaniern 
eroberte) Peru (1529). Als Bruder des Dardanus (von Zeus mit Electra gezeugt) begab 
sich Jasius (Sohn des italischen Königs Coritus) über Thracien nach Samothracien (s. 
Servius) Die Einbildungskraft ist eine Bewegung, die von den in Wirksamkeit getretenen 
Sinnen ausgeht (nach Aristoteles). Descendu du ciel avec les eaux de la pluie auxqnelles 
il est meU, Soma y remonte par le sacrifice (s. Bergagne). KuÜo-Khan, the last roler 
of Moscow and Susdal, was dethroned by Iwan Dolguruki of the Rurikian family (s Abel). 
Nachdem in der Leerheit (des Mula-muli) bei Auftreten der Elemente, aus Erde Wünner» 
ans Luft Insecten, aus Feuer Leuchtfliegen, aus Wasser Mücken entstanden, folgten im 
nächsten Asangkhyeya die Wirbelthiere, und später dann die Weibesform Jhtangejyasan- 
gasi (s. Mason) nach den Shan (in Labong), und so in havaiischer Schöpfung, als (Evolationt 
Theorie). 

7) Das Todtenfest DftxvtJia oder Ntju^atia (im Monat Boedrionmo) ward gefeiert, um dem 
Unwillen der Verstorbenen ihre Nenoesis, wegen etwa versäumter Pflichten zu versöhnen (s. 
Schömann). Molte fiate i morti guastano le creatnre (s. Bandello). Wenn einmal die Lanmia 
(s. B. Schmidt) den „Sohn des Ersten im Dorf bekommen hätte, sie nachher keine ande- 
ren mehr fressen würde^ (glaubte man in Arachoba). llollal fiOQtfm rwv dmfi^rümy (bei 
Eoripides). Every person over four or üyq years of age has a spirit or ghost, which, alt- 
hough dormant through life, assomes a visible but indefined form after death; and, for • 
time, haunts the spot where a corpse is interred or placed in a tree . althoagh it is con- 
sidered to be quite harmless, it is regarded with fear. It is said to be seen sitting on the 
grave or near the body, but it sinks into the ground or disappears if anyone approaches. 
As the Mends of the deceased are very unwilling to go near the place, it is seldom iee& 
and never examined. For its comfort a large Are is kept buming all night near the 
corpse. Hie recent custom of providing food for it is derided by the intelligent old abo« 
ngines, as „white fellow's gammon'' (s. Dawson). Die Seelen der Gottlosen, wenn der Lei^ 
verlassend, werden in beschädigenden Geister (nach Sohar Chadaah). ^ünt tvh 



Digitized by 



Google 



189 

Mov yofjiovs (die Sirenen). Yuaaü&ja. (ak Yama's Todtenreich) ist durch den Fluss Vai- 
tirani abgetrennt 

8) Die Plebejer fordern das Connubinm (bei Livius), quod finitimis extemisqne dari 
solet (in den Lateinern^ und aus dem Connnbium (ewisehen Küsten und Bergbewohner in 
Sitka beiin Handel) bilden tich die Kreuzheirathen der Totem (bei den Indianern). Den 
henrorragendsten ffindemngsgnmd bildete von jeher die Sippe (für die Ehe), nicht nur 
die fleischliche oder die ßlntsfreundschaft, sondern auch die schwägerliche und die geist- 
liche Sippe (s. Dietherr). Bei den Chyin findet sich Anrecht auf die Basen (s. Forbes) wie 
bei Beduinen (in Endogamie). On ne forme pas un seul hjmen k Yerdun, sans que la 
pieire d'appetit nj soit mentionnee (s. Monnier et Yingtumier). In Neuilly-Sain-Front 
trinken die Neuyerm&klten aus den Höhlungen des Steins, während sie in Bretagne (nach 
Saniere de Corvej) über einen Stein springen und bei Saint-Renan „vont se frotter au 
menhir** (s. B^renger-F6raud) The tribes (on the River Darling) are divided into two 
classes, called ^Muckwarra^ and ,^eelparra''« the relationship between the two is called 
„Eengoojah'*. A Mackwarra must marry a Eeelparra and vice versa (s. Bonney) ähnlich 
bei Kamilaroi (und vielfach sonst). Bei Verdacht eines Ehebruches hat die an Rang 
höhere Parthei den Eid abzulegen, und bei Gleichheit Beider, ist in den Pagoden ein Ge- 
lübde zu übernehmen, oder es wird das Ordeal des Wassers untergegangen (noch der Mo- 
havicchedani-Dhamathat) in Birma (s. Minus), ab Eifersuchtswasser (zu trinken) und 
Rothwasser (im Hexenprocess). Der Missionär Kaufmann hat während 3 Jahre unter den 
Dinka bei den Gesprächen nie „etwas Unsittliches** gehört, (und von Verführung eines 
jungen Mädchens nur wenig). Wie die Ehrengaben bei den Festen in Dolos (s. PoUux) 
wurde die Busse in den Gesetzen Drako's, nach Rinder geschätzt. Der Zulu schätzt sich 
die Frau nach Rinder (im pecunia). In dem TerrunthuUy-Stamm am Flinders-River hei- 
rathet (unter den vier Klassen) der Mann der Bunbury (durch Tharuma oder Schlange 
symbolisirt) mit Woonro für die Kinder in Coobaroo, der Mann der Coobarroo (als Emu 
oder Goolborry) mit Koorgielah für die Kinder in Bunbury, der Mann aus Koorgielah 
(als Hand oder Cubburah) mit Coobaroo für die Kinder in Woonro, der Mann am Woonro 
(Ente oder Ghewelah) mit Bunbury für Kinder in Koorgielah. Bei dem Stamm Mycoolon 
tritt das Kind in den Klassennamen der Grossmutter und heirathet (s. Paloter): 

der Mann bei Maringo (Ente oder Karrabah) mit Goothamongo, die Kinder folgen als Ba- 

thingo und Munjingo, 
9 „ bei Towinga (Habicht oder Coorcythilla) mit Munjingo, die Kinder folgen als 

Jimalingo und Goothunungo, 
j, „ bei Bathingo (Iguana oder Yangolah) mit Carburungo, die Kinder folgen als Mar- 

ringo und Ngarran-ngungo, 
„ „ bei Jimalingo (Pfeifer oder WaUathoo) mit Ngarran-igungo, die Kinder folgen 

als Towingo und Carburungo. 

Ans den Klassennamen und Totems des Koogobathy- Stammes am Mitdieli-RiTet 
(90 Meilen von Palmersville), ndt derselben Eintheilung auch bei einem benachl^arten 
Sloom, ergiebt sich: 

Männer Heirathen Die Kinder sind 

Jury Barry Mungilly 

Mungilly Ararey Jury 

Ararey Mungilly Barry 

Barry Jury Ararey 

und für die zu diesen Klassen gehörigen Totems 

Jury Native companion Ingibba 

Mungilly Grass (Panicum) Ookin 

Arary Nonda fruit (Parinanum uonda) Yuley 

Barry Yam (Dioscorca sativa) Karro 

Diese Klassen-Namen repräsentiren diejenigen des flinders- River durch verschieden- 
jurtige Verwandtschaften, wie: 



Digitized by 



Google 






140 



Jury ist dasselbe wie Marringo und Ngarran-ngungo, 
Mungilly ist dasselbe wie Towingo und Carburnngo, 
Axarej ist dasselbe wie Bathing o und Munjingo, 
Barry ist dasselbe wie Jimalingo und Goothamungo. 

Am Bellinger-River, an der Ostküste von Neu-Südwales wohnt ein Stamm: Eombine- 
gherry, der folgende Klassen hat (ohne feste Zugehörigkeit von Totem-Namen) : 
M&nner Heirathen Die Kinder sind 

Kurbo Wirrikin Wirro und Wongan 

Wombo Kooran Marro und Kurgan 

Marro Wongan Wombo und Wirrikin 

Wirro Kurgan Kurbo und Kooran 

Die nachstehenden Klassen sind die eines Stammes in der Nähe von Rockhampton., 
in der Nähe von Wide-Bay (in einer Entfernung von 250 Meilen südlich), und sie kommen, 
mit einigen kleinen Veränderungen, an der Moreton-Bay, noch weiter südlich, vor. 
Männer Heirathen Die Kinder sind 

Balcoin Therwine ßundah 

Therwine Balcoin Baring 

Bundah Baring Balcoin 

Baring Bundah Therwine 

Dieser Stamm hat die Eigenthümlichkeit, dass jede der 4 so gebildeten Familien einen 
besonderen Namen hat. 



Balcoin (Mann) i Bundah (Mann) 

Therwine (Frau) > = Yorome. Baring (Frau) 

Bundah (Kind) 1 Balcoin (Kind) 

Therwine (Mann) \ Baring (Mann) 

Balcoin (Frau) > = Avong. Bundah (Frau) 

Baring (Kind) J Therwine (Kind) 

Die Schwarzen verstehen diese Verwandtschaften sehr wohl und erläutern sie durch 
2 gekreuzte Stäbe, so: 

Balcoin 



1= 
1= 



Malaume. 



(joomee. 



Therwine 



Baring 



Bundah 



Hierbei erhält das Kind immer den Namen, welcher demjenigen seines Vaters ent- 
gegengesetzt ist. Ist z. B. der Vater Bundah, so muss das Kind Balcoin sein u. s. w. 

In Lang's Werk über Queensland finden sich die nachfolgenden Variationen dieser 
Folge von Klassennamen, die zur Vergleichung dienen. Sie erstreckten sich von Moreton- 
Bay und Frazer's Island in Wide-Bay. Indem hier der weibliche Klassenname aus dem 
männlichen durch Anhängung von un gebildet ist, so besteht hierin eine Aehnlichkeit mit 
der Bildung von weiblichen Namen der Kombingherry-Klassen. 

Männer Frauen sind 

Barang Barangun Bruder und Schwester 

Bnndar Bundarun « » » 

Bandure Bandurun n n « 

Derwain Derwaingun » » » 

Diese Klassen-Namen in Mackay entsprechen denen in Rockhampton, nämlich: 
Yungaroo den Bundah, 
Wootarro „ Baring, 
Gootela „ Balcoin, 
Gooberoo - Therwine. 



Digitized by 



Google 



Ul 

Westlich vom Balonne-River sind die Klassen: 

Männer Frauen sind 

Urgilla ürgillagun Bruder und Schwester 

Obur Oburagun 

Unburri ünbumigun » » » 

Wongo Wongogun „ „ „ 

Dann folgen als Klassennamen auf weitere Entfernung hin, südlich: 
Männer Frauen sind 

Ippai Ippata Bruder und Schwester 

Kubbi Kapota » » » 

Kumbo Buta » » » 

Mutri Mata n n » 

Ippai heirathet Kopota; Murri heirathet Buta; Kubbi heirathet Ippata; Kumbo hei- 
rathet Mata. Obgleich die Namen Terschieden sind, ist die Klassification und die auf sie 
gegründeten Gesetze nahezu gleich, von Neu-Südwales bis zum Golf von Carpentaria; nach 
dem Vortrage im J. of the Anthropological Institute (mit Howitt's ferneren Ergänzungen). 

9) Nach Thieren bei Ashantie, Azteken, Irokesen u. s. w. Wolf, Tor-yoh'-ne; Bear, Ne- 
e-ar-guy'-ee; Beaver, Non-gar-ne'-e-ar-goh ; Turtle, Gä-ne-e-ar-teh-go'.wä; Deer, Nä-o'geh; 
Snipe, Doo-eese-doo-we'; Heron, Jo-äs'-seh; Hawk, Os-sweh-gä-dä-gä'-ah (bei Wjandot). 
Ah-na-rese'-kwä, Bone Gnawers; Ah-nu-yeh', Free Liver; Tso-tä'-ee, Shj Animal; Ge-ah'- 
wish, Fine Land; Os-ken'-o-toh, Roaming; Sine-gain'-see, Creeping; Ya-ra-hats'-se, Ta-Tru; 
Dä-soak', Flying (s. Morgan). Die Creek waren in neun Clan getheilt (mit Thiemamen). 
Bei Athen glitten Frauen den Fels des Apollo herab, für Kinder (s. Yemeniez), wie bei 
Batavia u. s. w. Auf den Balearen genossen Verwandte und Freunde die Braut zuerst, vor 
dem Bräutigam (s. Diod. Sic). Les Zaouias ont pour but d'organiser l'assistÄUce sur le principe 
de la fratemite reb'gieuse (s. D. Alviella) mit Einweihungen (der Kouan), wie im Meda (bei 
Indianern), oder sonstigen Sodalitäten (gegenseitige Kräftigung). Messe (Mess oder Festmahl) 
oder m'riaig bezieht sich (als Missa der Missio) auf den Brauch (der Disciplina arcani) of 
dismissing the Catechumens and Public Poenitents (s. O'Brien), als Mystagogia (bei St 
Dionysius). Methapos (aus der Familie der Lycomiden) stellte die cabirischen Mysterien 
wieder her in Andania (sowie in Böotien). Jede der fünf Nationen hatte Antheil an den 
acht Clan (bei den Irokesen), und dazu kamen die Tuscaroros (als sechster); die acht 
Clan wurden in zwei Theile getheilt, deren jeder vier enthielt (mit Heirathsverboten). 
Heirath in's Blut, thut selten gut (im Rechtssprüchwort). Wie norwegische Fischer Rods- 
folk oder Ross-folck, werden die Bewohner von Oestergötland und Upland als Rodskarlar 
(Ruderer) bezeichnet (Ruotsi oder Russen Rurik's). Das im Gegensatz zum wirren Haar der 
Tarken lockig lange Haar der fränkischen Fürsten (während rund geschnitten beim Volk) 
wird von den Flechten der Gothen unterschieden (bei Greg. Tur). Jede der Curien (s. 
Mispoulet) „a son temple (curia), son culte et son pretre" (curio, curiones), ut curiae veteres 
(bei VaiTo), und so umschliesst das religiöse Band die Phratria (wie unter Indianern 
überall), bei der „famille antique" (der Classicität). 

10) Nach der Regenzeit wird (bei den Kuri des Tsade) das cultivirbare Terrain mit 
Lanzenschäften ausg:emessen zur Vertheilung (s. Nachtigal), was in Aegypten zur Geo- 
metrie führte (nach Herodot), bei Hauscomunionen (auf Gemeindeacker). Auf der aus 
der Fluth Taaroa's allein herausstehenden Bergspitze (in Eimea) landet ein Canoe aus Tia- 
taepua (s. EUis). In der Fluth der Chippewäh rettet sich Tschäpiwih im Canoe (s. Frank- 
lin). Die Nuba rufen den Ibis für Regen an (in Kordofan). Der Soma (Indu) wurde aus 
der Andhah genannten Bergpflanze dargestellt. 'A&rivatoi rgeig agoTQovg Ugove ayovai 
(Flut). Das (in Ashantie) beim Reifen der Dioscorea sativa gefeierte Fest suspendirte die 
Gesetze (unter Orgien), so in Siam (beim Pflanzenfest). Nyongmo, vom Stemenmantel 
umhüllt, ist von den Wolken verschleiert (die des Olympier's Stirn umdüstem). 



Digitized by 



Google 



Nach der Fluth schieden sich auf dem Berg Noenoesako die Brüder (in Ceram) 
nach Westen, als Uli-Siwa, nach Osten, als Uli-Lima, und nach den südlichen 
Inseln hin, als Uli-asa (Uliasser). Die Uli-Siwa zahlen Schätzungen hei Bobm 
neunerlei, die Uli-Lima fünferlei. — Die umliegenden Inseln Ceram's heiasen (bn 
den AJfuren) Poeloe anjoe-anjoe (treibende Inseln). — Der Fluss Makinmn bildet 
die Grenze zwischen dem Gebiet Radja Sahulaus Ulisiva und dem Land der Ulilima 
(unter Latea oder Fürsten). 

Die Menschen stammen *) (auf Ceram) Ton Lanite (Himmel) und Tokule (Erde), 
gleichsam von Uranos und Gäa, zeugend wie Rangi und Papa bei den Maori, aus 
jener Zeit, als man (im Anfange) noch gebückt zu gehen hatte (in Samoa), unter dem 
niedrigen Himmel, bis Maui den Zwischenraum erweiterte. Der Himmel, einst der 
Erde so nahe, dass die Rinder daran lecken konnten, trennte sich vom Meere, 
als ein Mensch Ochsenmist ait den Mond 2) geworfen, als Flecken (in Arachoba) 
bei den Griechen (s. B. Schmidt), trotz poetischen Sinne's (in den Mythen). 

Die Seelen der Abgeschiedenen gehen nach dem heiligen Stein, dort zu wohnen 
(bei den Alfuren Ceram's). — Als Rupieh getödtet und in eine Grube gestopft war, 
wurde sie von ihren Eltern (Orneh-manaua, als Vater, und Omeh-papina, ali 
Mutter) unter Trommelschlag gesucht, und als sie nicht erschien, befragten die 
umherwandemden Eltern eine angetroffene Fliege, von welcher sie nach dem Platze 
geführt, sich ein Haar bringen Hessen. Dann wurde der linke Fuss den Pata-Siwa 
gegeben, der rechte den Pata-Lima, der rechte Arm gehört dem Binnenlande, der 
linke der Küste. — Die Pata-Siwa lassen das Haar wachsen (mit Blätter um- 
wunden), während die Pata-Lima kleine Stellen abecheeren. Häuptling und Priester 
werden bei den Alfuren (Ceram's) auf einem Gerüst ausgesetzt und von der halb» 
verwes'ten Leiche bringt man den Kopf nach dem Dorf, in einer Steinkiste (Jale- 
ului), zu begraben, wo bei Krankheit um Hülfe gebetet wird, am Steingrab (Jole) 
des Kopfes (Ului). — Die Kinder folgen der Mutter (bei den Alfuren in Ceram). 

Die Menschen sind aus dem Zusammenwirken von Himmel (Lanite oder Sanite) 
und Erde (Tokule) geboren (nach den Alfuren Ceram's). — Auf Nunusako wohnten 
die Alfuren (Ceram's) zusammen, als aus der Erde (und aus einem Bambus) die 
Rapieh-hainuela genannte Frau zwei Packete brachte, wovon das mit Gold von den 
Pata-Siwa, das mit Silber von den Pata-Lima hingenommen wurde (bei der Trennung 
beider), 

Isu (Erdbeben) entsteht aas dem Bestreben der Erde, mit dem Himmel wieder 
zusanmienzukommen (wie bei den Maori die Nebel als Klagen aufsteigen und der 
Thau in Thränen fällt). — Bulane-ekopu entsteht, wenn der Mond sich umdreht — 
Tamata zeigt sich als der seit Beginn der Dinge im Monde weilende Mensch. — 
Gewitter im Blitz') (Pisalani) und Donner (Talah) entsteht, wenn bei Besteigen 
eines hohen Berges dort aufgestampft wird. — Auf Bulane pelui (neuer Mond) 
folgt Bulane chapulailu (lichtvoller Mond). — Die Pata-Siwa sind älter als die 



Digitized by 



Google 



U3 

Pata-Lima. Die Pata-Siwa tragen (auf Brust, Stirn u. s. w.) das Kreuz als Zeichen 
des Eakakian genannten Bundes. 

Von den nach Sahu in Huwamohel (auf Geram) kommenden Brüdern aus 
Baada Hess sich Amala Ela an der Küste (in Samaneri) nieder, während Ulu Ela 
io's Gebirge zog und dort, mit dem (durch seinen Hund als Menschen erkannten) 
Wilden in's Gespräch kommend, die Tochter des Orang-Kaya TamaSla ülat hei- 
rathete. — Während (nacl^ der Wasserfluth *)) Uli-Siwa (der Neunte) auf Geram 
blieb, zog sein Bruder Uli-Siwa (der Fünfte) östlich, und Uli-Asa (der Erste) fort 
nach den südlichen Inseln. Bei den Uli^Siwa wird das Neunerlei, bei Uli-Siwa 
das Fünferlei beobachtet (in Geremonien ^)). 

Die glatthaarigen Alfuren leben in dem nördlichen Theil Geram's (in den 
Bergen und auch bei Wahai), meist zu den Patta-Siwa gehörig, wogegen der mehr 
kraushaarige Stamm (unter die Pata-Lima fallend) sich von der den Papua gegen-* 
überliegenden Küste längs der südlichen bis Amahai erstreckt. ^^ Die südlichen AI» 
füren (in Ceram) halten ihre Versammlungen (Saniri) am Fluss Ayer Talla. Unter 
den Alfuren auf Geram lebten die Wilden auf Warinje- und anderen Bäumen (nach 
Ramphius). Geram gehörte zu Ternate, doch fanden sich dort auch menschen* 
fressende Papous (zu Barchewitz' Zeit). 

Nach Ansiedlung Belang Binaur's (aus Geram) auf Hitoe und dem Gebirge 
PauDoessa (in Amboina), kam eine Einwanderung von Javaner (aus Toeban) unter 
zwei Brüdern und eine Schwester des Königs (als Kia^ Foelie, Kiaij Daved und 
Njaij Maas), wobei ein Theil in Manipa (die Ansiedlung Toeban stiftend) blieb, 
ein Theil b^ Lima (und Latea) in Hitoe (auf Amboina) siedelte, ein dritter Theil 
auf ELoetoemoerie (den Radja Pati-Toenava einsetzend), ein vierter Theil bei Pasir- 
poeteh und Soelie, sowie ein fünfter Theil, nach Ceram übersegelnd, in Ceramliutt 
die Ansiedlung Hatvesawa gründete. Später kam (im Streit mit dem König von 
Gilolo ausgewasdert) der Fürst Perdana Djamiloe (aus Gilolo) nach Hitoe (auf 
Amboina), während (von seinen Orang-Kaya's) sich Ulima Bitania in Lissabatta 
und Sallat-Waij Poteh niederliess (1465 p. d.). Dann erfolgte die Einwanderung 
von Matta Lian (Fürst aus Goram), der bei Kaijetto siedelte und (nach Vermählung 
mit der Tochter des Fürsten Perdana Djamiloe aus Gilolo) auf der Küste von 
Hitoe. Nach Erobenmg von Honimoa (und anderen Xnsehi) brachte Pati-Poteh 
bei der Rückkehr von Java) den Islam nach Amboina (1510 p. d.). 

Für den Krieg erwählen die Pata-Siwa (in Geram) den üjang-bandera zum 
Anfakrer. — Die Pata-Lima sind wis fünf, die Pata-Siwa (unter 3 Häuptlingen) 
ans neun Stämmen zusanunengeschlossen. — Neben dem Kriegstanz (TjekaLelLe) 
feiern di^ Pata-Siwa die Vorfechter Maku (nach dem Siege), um den erbeuteten 
Kopf tanzend (und mit Füssen darauf tretend). — Bei der gegenseitigen ünver- 
ständlichkeit der Dialecte dient den Alfuren zum Verkehr eine allgemeine Lingua 
fraoca. — Die Alfuren (auf Oeram) fürchten das Meer und haften so sehr an ihrer 
Heimath, dass sie, wenn gewaltsam fortgeführt, rasch dahinsterben. Die braunen 
(starken und hohen) Alfuren von Geram haben das (schlichte und lange) Haar in 
einen Busch befestigt Die papuanischen Einflüsse sind auf der Nordküste (und 
dortige Beziehungen) eingeschränkt. — Auf Geram wird die Kinnlade des Schädels 
aufbewahrt. 

Die Berg- Alfuren (Ceram's) binden ihr langes (nur wenig kräuselndes) Haar 
in einen Busch über den Kopf zusammen und umgeben es (wenn auf Krieg be- 
dacht) mit Lontarblätter. Sie wohnen (mehrere zusammen) in Pfahlhäuser und 
stellen zur Verehrung Holzbilder an die Bäume des Waldes. Zum Schutz für 
reifende Gocosnussbäume werden in denselben kleine Figuren (aus Fell) aufgehängt 



Digitized by 



Google 



144 






m 



\v\ 



(Pomali genannt). Sie fechten mit Bogen und Pfeile, die für den Krieg vergiftet 
werden. Hirsche und wilde Schweine (oder Casuare) werden gejagt und ausserdem 
dienen Pisang und Sago zum Lehensunterhalt. — Die Ceramesen furchten die Po- 
kies-pokies (Zauhereien) der Soangie (Swangi), und wie die Patagonier periodisch ihre 
Hexenmeister ausrotten, wurden die als Illiseetsut Verdächtigen (s. Egede) getödtet 
(hei den Grönländern). — Mit Boeang Kaoel« wird (in Ceram) schlechtes Wetter be- 
schworen, indem man ein Packet mit Geld, Sirih u. s. w. ins Meer wirft. — Heilige 
Plätze (Tampat Pamali oder Maon) dienen den Geistern zum Aufenthalt (auf Ceram). 

Will der Alfure (auf Ceram) von einem Dorf in das andere ziehen, muss er 
die Erlauhniäs des Kapala Saniri vorzeigen, im Umhinden des Puls mit einem Taa, 
dem die neue Obrigkeit dann eio zweites zufugt (als^ Bescheinigung). 

Bei den Alfuren von Waai-Roma (auf Ceram) „wordt de vrouw beschermd, be- 
mind, geacht, en, wat hare aangeboren regten betreft, zoo na mogelijk met de man 
gelijk gesteld" (s. Willer). — Für Unzucht muss der Verurtheilte jedes Haus im 
Dorf mit dem Blut eines Schwein- und Huhnopfers bestreichen, worauf, indem so 
die Sünde ausgewischt ist (Ehoo-nioo), das Dorf keinen weiteren Unfall zu furchten 
hat (auf Ceram). 

Die Alfuren von Waai-Rama feiern die Kopfesbeute aus dem Krieg hei dem 
Karia-pottoa-Fest. Derwijl von oudsher de misdaden uitterst zeldzaam zijn, zoo 
bestaan er ook maar weinig of geene vaste straf bepalingen (s. Willer) bei den Al- 
furen von Waai-Rama (auf Ceram). In Ceram, „the payment of a fine, coupled 
with an acknowledgment of having done wrong, puts an end to hostilities* (nach 
Kolff), mit verschiedenen 'Ausgleichrechten für die Dörfer (as a fine for the same 
offence Kilwari would pay to Keffing two bagians or proportions, while Keffing 
would disburse to Kilwari only one bagian). — Das Eideswasser der Quelle Ayer 
Sompah (auf Manipa) straft Meineid mit Geschwüren. 

Die Soa oder Stämme der Alfuren (auf Ceram) stehen unter den Kapala Soa. 
Jünglinge (in Ceram) schlafen im Bayleo, die Verheiratheten begeben sich mit 
zwei Matten (Totohy oder Gha) in den Busch. Die Alfuren (auf Ceram) schicken 
Botschaft durch Knoten (nach Art der Quipus, wie auch in Surinam, in Ardrah u.s.w.). 
Bei den Dacota werden die Beziehungen der Streiter um einen Truthahn (Buffalo 
u. s. w.) ausgedrückt durch „lines from the niouth to the objects of conversation* 
(s. Mallery), und Spruchbänder (auch in Guatemala). 

Nach der zwischen den Negorijen auf Ceram, Saparoea und Noesa-laot ab- 
geschlossenen üebereinkunft (Pella) wurde den dazu Gehörigen Unterhalt und Auf- 
nahme gewährt, wenn anderswo hinkommend (in gegenseitiger Unterstützung eines 
Hansa-Bundes). 

Die Alfurischen Könige (auf Ceram) waren aus den Waringi-Bäumen hei Huku 
(an der Quelle des Ayer Talla) entsprossen. Die Könige ven Iha stanunen von 
einem Kalappa-Raja oder königlichem Cocosbaum. Die Bewohner von Alang und 
Liliboy hielten die Aale für ihre Blutsverwandten, die nicht getödtet werden durften. 
Die einer Schlange entsprossenen Bewohner von Hatioe würden sterben, wenn eine 
Schlange tödtend. Die Bewohner von Bwool stammten von einem Wildschwein. 
Die Burunesen tödten keinen Cayman. — Die Ambonesen leiteten ihren Ursprung 
von Caymanen, Bambusstengel, Aalen u. s. w. Die Crocodile des Eti-Flusses sind 
Powali für den Alfuren. 

Der Stein (Astana) vor dem Bailleo (Rathhaus) wird bei Uli-Siwa und Uli- 
Lima verschiedentlich gestellt (auf Ceram). — Im Bialo (Bailleo) der alfurischen 
Dörfer finden sich, neben heiligen Steinen, aufgehängte Schädel — Auf den Streif- 
zügen für Köpfe zur Heirath (um feindliche Dörfer zu dünnen) bedeckten sich die 



Digitized by 



Google 



145 

(in Ulilima and Ulisiwa getheilten) Alfuren (Ceram's) mit grünen Zweigen, so als 
von einem Busch nicht zu unterscheiden*) (s. Valentyn) wie die Bheel u. s. w. Bei 
Todesfall muss ein Kopf gejagt werden, um das Gleichgewicht in der Bewohner- 
zahl gegen das feindliche Dorf zu erhalten, und bei der Heirath, um für die er- 
wartete Neugeburt eine Seele vorzusehen. 

In Lisabetta (auf Ceram) siedelten Einwanderer aus Gilolo. — Soa sind die 
St&mme der Ocli-Siwa, und Ifan die Stfimme der Oeli-Lima (in Ceram). — Klein- 
Keffing fällt mit Keffing zusammen, während das (durch die Strasse von Salila ab- 
getrennte) Gross-Keffing das Südoststück Ceram's bildet. — Auf Ceram wird von 
dem Feindesschädel die ünterkinnlade als Siegeszeichen aufbewahrt (bei den Patu- 
Siwa). — Wie Buginezen (und Macassaren) kamen die Goramesen (bei Ceram) zum 
Handel nach Aru. — Die Belusu genannten Armbänder aus Muschel (in Theon ver- 
fertigt) werden von den Alfuren auf Ceram als Amulet getragen, da sie zerspringen, 
wenn Vergiftung beabsichtigt ist. Die Pingan-Batoe genannten Porcellanschüsseln 
(auf Ceram) zerspringen durch Gift. 

An Ceramlaut, mit Gisser (und Kilwaroe grenzend, gehören die Goram-Inseln 
(mit Ceram) zu dem Reiche von Tidore (bis Neu-Guinea) und Temate. Die Be- 
wohner von Gorang (mit glattem Haar) sprechen die Sprache von Ceram. — Die 
Berg-Alfuren (in Ceram) fürchten das Meer. 

Beim Kri^stanz für Kopfeschnellen werden von den Pata-Siwa die drei Flüsse 
(Eti, Tala und Sapoelewa) angerufen (in Ceram). — Die dem Geheimbund des 
Kakian angehorigen Pata-Siwa tragen das Zeichen auf Brust oder Oberarm tättö- 
wirt. Ceram oder Lerang heisst Nusa-Ina oder Mutterland (Hoeale*elake). Durch 
Tjatjing Kamoedi wird (auf Ceram) Diebstahl entdeckt, indem ein schwingender 
Bambus sich nach der Richtung des Schuldigen dreht. — Krankheiten sind durch 
Sowan (böse Geister) verursacht (auf Ceram). Unbegreifliche oder ungewöhnliche 
Dinge werden von dem Maowin (Priester) als Pomali erklärt (bei den Berg-Al- 
furen Ceram's). Unter den Thieren gelten die Crocodile (besonders im Fluss 
Hoamohel) als PomalL — Die Scheidung der (durch den Fluss Ma getrennten) 
Pmiasiwa (im Westen) und Patalima (im Osten) hängt (auf Ceram) mit der Rivalität 
zwischen Tidore und Temate zusammen. 

Auf Ceram sind die Alfuren in Stänmie (Ifan) oder Gehöfte (Lohoki) vertheilt, 
wovon zwei oder mehrere eine Landschaft (Amani) bilden unter dem (erblichen) 
Latoe, neben welchem der Makahitia (über die Lohoki) und der Malesi (Sternen- 
wahrsager oder Vorfechter) stehen, während dem gewählten Kapala Saniri, als 
Vorsitzender der Volksversammlungen (und Oberpriester) der Sinaiehe (Häuptling 
oder Makarissi) und der Portero oder Bedienter (aus Spanischem) zugefugt sind. — 
Die Muschel Ovula oviformis durfte (auf Ceram) nur von Vorfechtern getragen 
werden (nach Rumphius). 

Der Oberpriester (Mauen lalamena) und sein Gehülfe (Mauen lalamoerie) wird 
(bei den Alfuren) durch fünf Lala (Lola) bedient (s. Lüdeking). Der Mauen lalamina 
(Mauen besaar) steht als Oberpriester an der Spitze der Mauen (auf Ceram). Die 
Alfuren ^wenden sich an den Mauen vor einem Unternehmen, zur Auskunft. — Die 
Orang Soewangie (oder Zauberer) werden durch Tänze im Mondlicht (Menaril) 
erkannt. — Bei reicherem Fischfang wurde den Geistern der Vorfahren (unter Hin- 
setzen ihres Antheils) gedankt. 

In dem (im dunkebi Buschwald gelegenen) Tempel oder Marel (Tutu-wo oder 

Masale) empfingen (bei den Alfuren Ceram's) die Mauwen genannten Priester die 

von den Eltern hergebrachten Kinder im dunkeln Gemach, unter Durchstecken 

blutiger Speere durch Dach und Wände, im Hörbarwerden weinenden Gejammer'a 

Bastian, Archipelago. I. 10 



Digitized by 



Google 



146 



1 

y 

I 



,' 



t"' ■ 



(den Tod der EiDder anzuzeigen). Mit einem weiasen jRohrstock (worauf Bilder 
eingebrannt sind) yersehen, kehren die Kinder (nach drei Monaten) zum Dorf zurück, 
ohne Sprache und Erinnerung, bis sie (als Neugeborene^) wiederum unterrichtet 
sind, und dann (gesalbt und geschmückt) im Dorfe umhergehen, für den Priester 
bettelnd (die Weihe zu zahlen). 

Nachdem Abends der Swangie (D&mon des Busches) unter Bambusrohrblasen 
durch das Dorf gezogen und die Frauen vor Annäherung an die Asoe-niasa odor 
Neulinge (des ELakian -Verbandes) gewarnt hat, findet in dem mit den Antoe (oder 
Ahnenseelen) gefüllten Waldhaus die Weihe statt durch den Mauwen-lalamena oder 
fürstlichen (lalamena) Priester (Mauwen), unterslützt mit dem Hülfspriester oder 
Mauwen-lalamoerie durch zwei Gehülfen (Mauwen-maitile) und den Nisinieli ge- 
nannten Diener (auf Ceram). — Die in den Kakihan (unter dem Mauwen Lalamena) 
einzuweihenden Kinder heissen Asoe Niaja (kleine Hündchen) des Dämon. Aas 
Achtung gegen die Intoe oder Ahnenseelen müssen die Candidaten im Kakihan- 
Haus stets in vorübergebogener Haltung dasitzen. Im Zustand der Unwissenheit, 
worin sie sich bei Austritt (durch völlige Vergessenheit) finden, werden sie dorch 
ihre Masola (Pathen) unterwiesen. 

Die durch den Mauen (Priester) in dem Geheimbund des Eakiroba (unter den 
Pata-Siwa der Alfuren Ceram's) Eingeweihten gelten als durch den Dämon ge- 
todtet, weshalb mit dem Blut geopferter Schweine bestrichene Speere von dem im 
Wald verborgenen Kakianhaus an bis zum Dorf auf den Weg gelegt werden (damit 
die weiblichen Verwandten zu klagen beginnen). Nachdem das Zeichen (durch Domen, 
in Färbesaft getaucht) der Brust auftättowirt ist, kehren die Eingeweihten, das Gesicht 
niedergebückt (und den vom Dämon erhaltenen Stab convulsivisch schüttelnd) nach 
dem Dorfe zurück, wo sie (weil des Gedächtnisses beraubt) durch die Hinterwand 
(statt durch die Thür) in ihre frühere Wohnung zurückkehren und (weil durch den 
Dämon stumm gemacht) nicht sprechen dürfen, bis ihnen von den Priestern im 
Walde ein Haarbüschel auf dem Scheitel abgeschnitten ist. 

Den Candidaten im Eakian-Haus wird kreuzbeinig sitzend (Doedok bersila) 
durch das Blasrohr (auf Ceram) zugesprochen (s. Rees), und ebenso nimmt die 
Djin-Tänzerin (auf den Molukken) den kreuzbeinigen Sitz an (mit einer Blume in 
der Hand), während die Piaje durch Blasröhre inspirirten *) (in America). — Die 
Manuwen weihen im Buschhaus (Mareb der Tutuwo) die dann mit weissen Robr- 
stäben stumm zurückkehrenden Kinder. — Jährlich begeben sich die Priester mit 
dem Rewan (Waldwächter) nach dem (dann unnahbaren) Wald, um (nach Schlachten 
eines Huhn's) mit Wasser zurückzukehren, auf die Häuser den Segen') der Vor- 
fahren zu sprengen (indem mit den Geistern mit Dickicht communidrt war). — 
Der Kakihan-Bund ist von Howamohel (Klein- Ceram) nach West-Ceram gebracht 

Bei den (unter Ausschluss von Frauen und Kinder gefeierten) Festen im Ka- 
kianhaus '<*) (auf Ceram) wird der durch den (unter dem Vorsitz des Kapala Saniri 
tagenden) Rath der Mauwen (oder Priester) Verurtheiite unverwehrt getödtet (wie 
der dem Purrah-Bunde Verfallene durch dessen Abgesandten in Afrika). — Vor 
das Haus dessen, der die vom Kakian auferlegte Busse nicht gezahlt hat, zidit 
singend mit seinem Gefolge der Kapala Saniri, um einen Baum aufzupflanzen, und 
sollte auch diese Warnung ohne Beachtung bleiben, folgt dann der Auftrag zom 
Kopfschnellen. 

Als Vertreter des Kakian im Dorf sorgt der Mauwen (Maowen) oder Maka- 
seroe für den Baileo, das Kreuz (Palon oder Pelen) dem (durch Blasrohr zuge- 
sprochenen) Eingeweihten auftättowirend (als Tzap). — Bei Epidemien (unter den 
AHuren) versammeln sich die Priester im Kakihan-Haus, um dort zu berathen, 



Digitized by 



Google 



147 

darch welche Sunde gegen Götter und die Nitu-Nitu solche Strafe gesendet sei, 
und dann kehren sie, unter Blasen ihrer Muscheln, mit lautem Geschrei nach dem 
Dorf zuruek, die Krankheit zu verjagen. — Aus dem Kakihan-Haus zurückkehrend, 
bleiben die Kinder den Tag über stumm (ohne zu sprechen), treten in das Haus 
von hinten ein, halten den Teller beim Essen verkehrt (und so Alles verkehrt). 

Belästigende Dämonen-Geister werden (in Ceram) mit den Schiffen der Händler 
fortgesandt") (und umgekehrt), Sial fortgeführt im Schiff (mit Hoema-Sial). — Bei 
Epidemien wurde in Amahei ein festlich geschmücktes Schiff in's Wasser gelassen 
unter lärmenden Geschrei. — Auf Ceram nimmt die Mutter der Blattern die Ge- 
stalt einer Katze an, und darf keine Katze im Haus des Erkrankten getödtet werden. 

Bei Ausbruch von Epidemien verlassen die Alfuren (auf Ceram) das Dorf, 
und jeder bewohnt allein für sich eine mit Domen umsteckte Hütte im Busch. — 
Der zu einem Hongi-Zug Berufene liess bei dem Priester (Mauwen) einen Zweig 
des Gadi-hoew Banm's im Wassertopf zurück, und wenn derselbe welkte, erkannte 
der Priester die Krankheit (die durch Geschenke zu heilen war), in Meleager's 
mystische Verknüpfung (am Cameroi;! u. s. w.). 

Bei Epidemien wurde in Amahei (auf Ceram) ein kleines Schiff ausgeschmückt 
(unter Hinsetzen von Speisen), und nach Zusammenrufen der Elrankheitsdämone (die 
um Fortgehen gebeten wurden) in See abgelassen, worauf die in's Dorf Znrück- 
konunenden freudig einander zuriefen, dass die Krankheiten fort seien, worauf unter 
Lärmen ein fröhliches Fest gefeiert ward. — Um in Honimoa und Nussa-Laut 
(während einer Epidemie) die Krankheiten zu vertreiben, liess man das (reinigende) 
Schiffchen vom Stapel, gleichzeitig mit der Rückkehr der (handelnden) Ceramesen, 
welche jedoch ihrerseits ebenfalls bei dem Besuche ein Schiffchen mitzubringen 
pflegten, welches die bei ihnen ausgetriebenen Krankheiten fortfahrte (und so im 
Atharvaveda die Hautkrankheit Takman). So wird das Meer ") mit allerlei schäd- 
lichen Kräften erfüllt (noch neben den, an sich verbitterten, Seelen der Ertrunkenen), 
und gegen das Bootumwerfen *•) durch böswillige Dämone (zwischen den Inseln der 
Antillen/ dienen dann wieder (die, wegen reicher Beschenkung, bei den Priestern 
beliebten) Heilgötter gegen Seegefahr (zur Aissecuranz), auch in weiblicher Form (seit 
Odysseen) in China (oder birmanischen Legenden). 

Die Menstruirenden werden im Ruma-Gula eingeschlossen (auf Ceram). Die 
Schwangere (um nicht von Dämonen verfolgt zu werden) muss ein Messer auf den 
Bauch bindei) (wenn in den Wald gehend); der Mann darf währenddem nicht die 
Haare schneiden oder Ruder anbinden. — Bei Krankheit einer Neugeborenen (auf 
Ceram) bittet man die Seelen der Vorfahren und verstorbenen Hebamme um Ver- 
zeihmig. 

Wenn bei den Alfuren (von Marhoenoe auf Ceram) seitens des Dorfs oder einer 
• Familie ein Tampat-Pomalie (oder Maon) errichtet ist, werden durch Blasen der 
Triton-Muschel Seelen der Abgestorbenen herbeigerufen und erhalten den ersten 
der geschnellten Köpfe dargebracht, um dann an dem dort von ihnen gewählten 
Wohnsitz auch weiterhin mit Opfer befragt zu werden über den Ausgang beab- 
sichtigter Unternehmungen. Die Eumeniden verschwinden bei der Localisirung durch 
eine Versenkung (auf der Weltbühne). — Neben dem Makaseroe oder Maoewen 
(Priester) steht (als Gehülfe) der Masaloo oder Masola, und dann folgt der Kakiai 
oder Maati^a. Unter Bcräucherungen prophezeiten die Priester oder Mauweu. 

Der Mawena (Dukum) oder Zauberarzt (der Alfuren auf Ceram) legt Opfer- 
gaben von Sirih, Tabak u. s. w. auf dem Tampat Pomalie nieder, dafür Sand weg- 
nehmend von dort, als demjenigen Ort, wo durch den Dämon die Seele des Kranken 
zurückgehalten ist, zu dessen Genesung sein Haupt bestreut wird. — Um (durch 

10* 



Digitized by 



Google 



148 

Ambil soemangan) die bei Krankheit abwesende Seele zurückzurufen (aus Stein- 
ritzen oder Baumgipfeln, wo sie sich aufhalten mag), begiebt sich der Wahrsager 
(auf den Uliasser) Nachts zu einem Wasserplatz und verbrennt (unter Herbeirufen 
der Seele) Damar innerhalb eines umhergehangenen Sarong's, der wenn (durch den 
Geist) bewegt, rasch ergriffen und aufgewickelt zum Kranken gebracht wird, ihn 
damit zu bekleiden, unter den Worten: n^"" ^^^ ^^ ^^^ Hause zurückgekehrt^. 
Wenn der Anfangsplatz der Krankheit (Katagoran) bekannt ist, begiebt sich der 
Wahrsager dorthin mit einem geschmücktem Abbild des Elranken, das, als neu und 
schön, den Dämon zum Austausch angeboten wird gegen Rückgabe der hässlichen 
Person, die er genommen. — Bei Einweihung eines Tampat-Pomalie oder (bei den 
Marhunu) Maon (auf Ceram) werden die Seelen der Verstorbenen durch Blasen 
einer Muscheltrompete eingeladen, dort ihren Wohnsitz zu nehmen (s. Rosenberg), 
bei Aufrichten eines Stein's mit Menschengesicht. 

Verbotene Speisen (wie das des wilden Schwein's *•*) für den vom Wildschwein 
entsprossenen Stanun) sind Posso bei den Berg-Alfuren (Ceram^s). Wer sich Kabal 
(unverwundbar) gemacht (durch Zaubersprüche), hat Vorschriften des Posso zu 
beachten. — Die Angelegenheiten der Pata-Siwa, von denen das Patong Kapala 
(Köpfeschnellen) geübt wird, werden durch den Rath (Saniri tanah) unter dem 
Häuptling (Kapala saniri) geordnet, während im Kriege der Oe^jong (Pohon Bandera) 
als Anfuhrer an der Spitze steht (mit Bannerflagge). — Die Mitglieder des geheimen 
Kakian-Bundes (auf Ceram) nennen sich Pela (Brüder) und tragen das Tanda-Pela 
(Tzap) genannte Bundeszeichen. — In Folge von Verbrüderungen schliessen auch 
Dörfer aus Patasiwa und Patalima mit einander Pela (oder Freundschaft). — Unter 
Patasiwa bilden die Samahu den mächtigsten Stanun. 

Auf dem heiligen Versammlungsort der Patasiwa (Ceram's) bei Noesakoe 
(Nabel der Insel) steht am Wasserfall der Flussquellen des Sapoelewa der heilige 
Waringin-Baum, auf dessen drei Zweigen sich drei weisse Tauben niederlassen, 
wenn der Priester (Mau wen) das Wasser des geheimen Kakianbundes weiht, um 
durch Uebergiessen damit Unverwundbarkeit (Kabal) zu verleihen. — Auf dem 
Bayleo (Sammelplatz der Schädel) steht der Astana oder (vierfussige) Tafelstein, 
an der Landseite bei den Uli-Lima (Patalima) und an der Seeseite bei den Uli- 
Siwa (Patasiwa). — Die Jünglinge der Alfuren (Ceram*s) wohnen, seit der Mann- 
barkeit, im Bayleo zusammen. — Die Frauen der Alfuren (Ceram's) ziehen sidi 
während der Menstruation in das Ruma-gula genannte Haus zurück (ausserhalb des 
Dorfes). 

Die Alfuren (auf Ceram) begraben Häuptlinge oder Raja in sitzender Stellung 
in einem Erdgewölbe. Die Vorfahren werden verehrt, indem Reis zum Opfer und 
ein weisses Huhn auf das Dach des Hauses gesetzt wird. Gebete werden 9 Mal 
wiederholt (in heiliger Zahl). Die für Begräbniss (wie für Heirath) gejagten Köpfe ' 
werden erst auf einem Baum gehängt, und dann, nachdem das Fleisch abgefault 
ist, mit den Haaren unter dem Dach des Hauses. Die Pfahlhäuser, worin familien- 
weis zusammengewohnt wird, werden Nachts mit Leitern erstiegen. — Seit die 
holländische Regierung die Alfuren aus dem Innern (mit wenigen Ausnahmen dort 
Zurückgebliebener) nach der Küste versetzt hat, finden sich dort Dörfer der Alfuren 
neben den Orang Slam (zum Islam bekehrte Alfuren), sowie die den übrigen Mo- 
hamedanern (Malayen u. s. w.), den Christen u. s. w. (in Durchkreuzungen^*) aller 
Art). — Die Alfuren auf Ceram reden dieselbe Sprache (unter schwierigerer Pro- 
nunciation) wie die Alfuren auf Gilolo (mit dialectischen Verschiedenheiten im 
Norden und Süden der Insel). 

Die Alfuren von Wahaai (auf Ceram) stellen die in Zeug gewickelte Leiche >*) 



Digitized by 



Google 



149 

eines Vornehmen auf einem Gerüst neben einem Baum aus, und holen dann (nach 
der Verwesung) den Kopf"), um ihn neben dem erstangetroffenen Pinäng-Baum 
in einer Kiste (mit einer Gong bedeckt) beizusetzen. 

In Wäldern und Felsen wohnen *®) (auf Ceram) die Seelen '*) der Abgeschiedenen, 
als Nitu-Nitu (im Anschluss an die Anitu von den Marianen bis Gilbert). Niitmena 
(Grossvater) wird (auf Geram) vom Enkel verehrt (im Ahnen-Cult). — In Oelat 
wurde der Gott Moetoewa Paunoessa Nitoe Amahoetai (der Schatten der Insel und 
der Dämon von der Rinde des Dorfes) verehrt 

Ehe die Leiche (auf Ceram) in der Sudah buang (weil nicht mehr hörend) ge- 
nannten Ceremonie auf einem Gerüst unter Bäumen gestellt ist, sucht man sie (mit 
Kalk bestrichen und durch Damar beräuchert) im Hause zu halten, indem Speise 
angeboten und der Mund damit gefüllt wird (wie auf den Am, in Sibirien u. s. w.). 
Am Grabe wird von den Frauen ein Baum 2®) gepflanzt (meist Pavetta indica). — 
Die Seelen gehen (in Ceram) nach dem Herat genannten Platz") (der Belohnungen 
und Strafen). 

Nach den OeU-lima (in Waai Rama auf Ceram) hat vom Opo Tata Pottoa 
(als Oberherrn) oder Opa Tatta Pattoa die Seele ihre Unsterblichkeit (Olonian) 
erhalten, während Krankheiten von dem So-oe So-oe genannten Zauberpriester in 
dem Loema Pamakahala genannten Haus zu beschwören sind. 

Niamena ist die mit der Familie verbleibende Seele des Grossvater's (wenn 
ein Enkel geboren ist) bei den Alfuren (Ceram's), als Bla neben Bisa der BLla in 
Sasuma mit Gbesi (bei Odscbi). — Die Alfuren Ceram's verehren die Ida in eineili 
Stein (Batu Kawali), als Seelen Abgeschiedener. — Pasanaea ist Haupt er Pata- 
Lima, wie Sahnlau der Pata-Siwa (pata oder Hälfte) unter dem Latu (bürst). — 
Beim Eid am Bayleo richtet sich die Anrufung an den Gott, als Lanite (Himmel) 
und Tokule oder Takule (Erde). — Bei Krankheit wird das Herz eines Hirsches 
auf das Grab") der Niamena gelegt (mit Sirih u. s. w.). — Von den bösen Greistem 
wohnt Mataleukü in der Erde und Halitu unter den Bäumen. — Bei der durch 
Erschrecken verursachten Krankheit werden mit Geschenken gefüllte Opfer auf den 
Weg gelegt, als Busse für die bösen Geister. 

Wail, Wasser; Yahu, Feuer; Liamatai, Sonne; Bulane, Mond; Matama, Augen; 
Nisema, Zähne; Manawai, Mensch; Jabni, Fisch; Manue, Vogel. Sai, dua, talu, 
hale, lima, inaini, hitu, walu, siua, putussa (1 — 10) in der Sprache der Pata-Lima 
von Wahai (auf Ceram). 

Das Dorf Hote oder (in Papua) Foot war von den Papuah aus Messowal ge- 
gründet (auf Ceram), um mit Hatuire zu handeln, seitdem der Pluss Hote als die 
Grenzlinie der Seeräubereien anerkannt worden war. — Von Keffing wurde mit 
den Papua von Onin gehandelt (XVII. Jahrb.). — Die Papua fanden auf ihren 
Seeraub-Zügen einen Vereinigungsplatz in Rarakkit (auf Ceram). — Die Ambonezen 
erhielten durch Sultan Saifeddin von Tidore die Vollmacht zugestanden, dass sie 
die Seeräuber von Maba, Weda und Salatti in ihren Heimathsitzen angreifen durften. 
— Das aus Batjian gegründete Dorf Permata (auf Ceram) trieb Handel mit den 
Papuah (in Messowal), hatte jedoch wieder unter den Seeräubereien der Papuah 
von Weda und Salawat zu leiden. 

Die scheu, Verkehr meidenden, Alfuren im Binnenland von Hatuwa (in Nord- 
Ceram) wohnten auf hohen Bäumen (besonders Waringin). — Die Alfuren befragen 
(vor dem König) den Dämon, indem sie einen Parang in den Baum einhauen und 
das 2^ttem desselben beobachten. — Meben dem König, sowie dem Orang Kaya 
und Pati, fand sich in Paperu (auf der Insel Honimoa) der (von einer Tochter des 
Königs geborene) Frauenkönig (Lata-Mahina) als Vertreter und Vorsprecher der 



Digitized by 



Google 



150 

Frauen. — Der König von Nuniali präsidirte bei den Versammlungen der AJAiren 
am Fluss Tapalewa (auf Ceram). 

In den Gebirgen der Nordküste Ceram's finden sich (zu den Pata-Lima ge- 
borig) Alfuren mit glattem Haar (und so in Wahai), während die Alfurea von 
Amahei und der anliegenden Küsten (den Papua-Inseln gegenüber) krauswulstiges 
Haar zeigen (unter den Pata-Lima). — Der Fluss Mala auf Geram bildet bei Awahei 
die Grenze zwischen Pata-Siwa und Pata-Lima. — Die Bewohner von Geramlaot 
(Gesser, Gorong, Serenri u. s. w.) vermittelten früher den Handel mit den Inseln 
bis Neu-Guinea für die ihre Häfen besuchenden Bugis, welche jetzt selbst nach Am 
schiffen. — Die hohe Insel Tehor (oder Tiorr) ist in Goram (neben Ceramlaut und 
Ceram) sichtbar (über die niedrigen Matabelle-Inseln oder Pulu-EZasuei hinweg) 
und wird durch die Inseln Böen, Kamer, Kur u. s. w. mit der Kei-Gruppe ver- 
bunden. 

Die Alfuren in den Bergen Ceram's (deren Sprache von der der Küste ver- 
schieden ist) verehren Vögel**) (besonders Papageien) und entnehmen Vorzeichen 
von denselben, indem sie bei ihrem Gesänge nicht zu Unternehmungen ausziehen. 
Die (schlichthaarigen) Alfuren nähren sich von Sago, Kartoffeln, Pisang, Kurbiss 
U.S.W. — Tiniti, Blitz; Dudun, Donner; Nofur, Regenbogen; Bituin, Stern. 

Die unter Ratu oder Raja stehenden Berg-Alfuren (Ceram's) errichten einen 
aufrechten Stein, mit einem Dach bedeckt, für ihre Gottesverehrung, wo alle sechs 
Monate ein Schwein geopfert wird (wie auch bei Krankheiten), die Todten werden 
begraben oder mit einem Bambus in Bäumen angehängt uud nach dem Verfaulen 
der Knochen (in Kisten gelegt) eingegraben oder im Hause bewahrt — Beim Feuer- 
niachen gebrauchen die Alfuren Sago-Mark als Zunder. Die Häupter der Alfuren 
(in Ceram) heissen Latu. 

Waiyar, Wasser; Yaf, Feuer; Laer, Sonne; Wuaw, Mond; Nifat, Zähne; 
Nurut, Nase; Wu-ut, FiscL Incha, unsu, untal, unfut, unlim, anäau, anfit, annana, 
anschiu, fut (1 — 10) in der Sprache von Gorom (bei Ceramlaut). 

Ar, Wasser; Ahir, Feuer; Ollar, Sonne; Matarim, Auge; Suanini, Lippe; 
Nissi-nini, Zähne. Sa, roti, tolu, mat, liu, onom, mitu, allu, siar, uchä (1 — 10) in 
der Sprache aus Amar (auf Ceram). 

Aar, Wasser; Ofir, Feuer; Olar, Sonne; Bulan, Mond; Matarang, Auge, Nisi, 
Zähne; Isora, Nase (Sino); Munshia, Mensch; Watu, Stein; Imara, Finger; Ldma, 
Hand (Niman); Niman-Kari, Finger; Ikera, Fuss (Blara). Sa, Roti, Tolu, Fat, 
Lim, Onan (Onam), Fitu, Alu (AUiu), Sia (Shia), ütja oder ütschia (1 — 10) Inder 
Küstensprache von Ceram (verschieden von der der Berg-Alfuren). 

Unter den Geschenken, wodurch die Berg-Alfuren eine Frau'*) kaufen, muss sich 
ein Gong befinden (sowie Geld u. s. w.). — Bei den Berg-Alfuren erbt der älteste 
Sohn, doch sind die übrigen Kinder zu versorgen. — Das Haar der Alfuren (auf 
Ceram) ist schlicht (und lang getragen), doch mitunter auch kräuselnd. Nor an 
Festtagen wird das Haar mit Gel eingerieben. 



AnmerkimgexL 



1) Nach Erscheinung von Sonne, Mond und Sterne brachte die Erde die Frau £Qee- 
neu hervor, die aus Eiern die Stämme (der Chjin) gebar (s. Forbes). Die Yuracores 
stammen von der mit den Felsblöcken (im Mamore) durch den Tiger gezeugten Frau (bd 
Coni). 



Digitized by 



Google 



151 

2) Jedai-Chan altert imd verjüngt mit dem Mond (nach den Tartaren), und so auf 
flji, wie bei Eskimo und Hottentotten (in Streitfabeln). Beim plötzlichen Unglücksfall 
kommt dem Birmanen (s. Bigandet) der Ausruf Phra-kai-ba (Gott helf), gleich dem des 
Grossen Geist (bei Indianer). Utikxo, von Unkulankulu oder (als Schöpfer) Umveliquangi 
Tersteckt gehalten, wird beim Niesen angerufen (von den Kaffir). als Gott (der den Odem 
in die Nase geblasen). Niesen gilt als göttliches Zeichen (bei Xenophon). 

3) Gwenn-Aran (Albus superus) ging, wie der Blitz, aus einer Wolke hervor (s. ViUe- 
marqu^). Die Ngam-Ngam verehren die Gottheit Gumba (Blitz). Dem Donner wird ein 
Pfahl ans dem Holz der heiligen Habila aufgerichtet (bei den Gaberi). 

4) Als nur der Gott Ihoiho existirte (in Tahiti), fluthete auf dem Wasser der Gott 
Tlnotaata (s. Bovis), als Schöpfer (und Reinwaschung in Erneuerung durch die Pluth). — 
Mohamed ben Ahmed, als Mahdi in Fouta-Toro, opfert« seinen Sohn für die Sünden der 
Peuihs (1828), wie Kronos (und Nachfolger). Um der Segnungen der Parit-Lesung durch 
die Priester theilhaft zu werden, erscheint (als Abgesandter der Götter) der Dewadutaya 
(in Ceylon). 

5) Beim Ceremoniell der Lehnsfürsten gilt das Neunfache, bei den der Fürsten zweiten 
Grades das Siebenfache u. s. w. (in Tschou-li). Die Siebenzahl heisst tfltapoQog bezüglich 
der Altersstufen (bei Philo). Der heilige Geist kommt vierfach vor (in Sohar), sowie als 
Spiritus Septiformis (in Siebenzahl der Seelen bei Karen). Bei den slavischen Fürsten- 
hSusem galt des Paragium, wonach die abgetheilten Zweige dem Herrscher des Haupt- 
stammes zugehörig verblieben (wie bei den Piasten). Erst nach Leeren des von dem 
Priester Braga's dargereichten Becher's durfte (unter Ablegung seines Gelübdes) der König 
bei den Leichenfeierlichkeiten den Thron seines YorgSngers besteigen. In langen Folgen 
finden sich die Herrscher-Dynastien im dritten Bhanawara (des Dipawansa) vorgeschicht- 
lich (wie die Hawaii's). Auf der Affeninsel (bei El-Anfrandje) wohnen die Affen unter 
einem auf dem Nacken getragenen Häuptling (nach Edrisi), und in Tibet büssen sie (als 
Heib'ge des Zahn's). Nach Ptolem&us wurden die Ptoemphanoi von einem Hunde be- 
herrscht Der Staatengründer erscheint als Jäger mit Hund (bei Wahuma). Besteht der 
König das jährliche Gericht^ wird ein nebenangebundener Hund getödtet (bei den Bertat)* 

6) Unter den steten Kriegen zwischen den Stämmen auf Neu-Britannien kommen die- 
selben beim jährlichen Friedensfest (zum Provociren neuer Paukereien) in Masken zu- 
sammen, die Jeder für sich selbst angefertigt (s. Weisser), zu gegenseitiger Verspottung 
(mit blutigeren Folgen, als für die Eskimo in Witzlieder). 

7) Von den Priestern (Inncibi oder Amagqira) dürfen diejenigen der occult initation, 
called „Ukutwasa" (renewal) die der Zauberei Schuldigen herausfinden (smelling out) bei 
den Kaffir (s. Warner). Im Belli-Pato (Guinea's) folgt die Wiedergeburt (indischer Dviya). 
Für den (Jeheimorden der Almöusseri (in Fouta-Toro) wird durch maskirte Prüfungen 
geweiht (nach Mollien), wie bei Semo, Purrah (auch in Ostafrica ähnlich) und in Neu- 
Britannien herrscht der Schrecken des Duck-duck. Wenn (auf Neu-Irland) der Duck-duck 
alljährlich umherzieht, auf jeder Insel, nach der Bewirthung, sterbend, um auf einer an- 
deren wieder aufzuleben, dürfen die am Feste im Duck-duck-Haus Tanzenden unter ihren 
Masken nicht erkannt werden (sonst dem Tode verfaDen). Die Pferde der als Wunder- 
thäter herumziehenden Spoletiner (die sich ihrer Schlangen wegen auf den Apostel Paulus 
beriefen) „waren dressirt niederzuknieen, wenn man San Antonio sagte^ (s. Burckhardt), 
wie Elephanten Pagoden anbeteten (in Indien), sowie Ochs und Esel das Jesuskind, im 
Typus der Sohnschaffc von Joseph und von David in der Doppelung des Messias (s. Nork). 
Kaiser Luipi erlangte seine Körperkraft, weil von einem Tiger verschlungen, lebendig 
wieder hervorgekommen (s. Richthofen), und bei den Koloschen befähigt die Wiedergeburt 
mm Prophetenamt des vom Walfisch Ausgespieenen (als Jonas). Die Telesten sicherten 
Städte bei der Gründung durch geheimes Vergraben von Telesmata (wie Bonatto unter 
Porli's Stadtmauern niederlegte). In dem Gesicht Hesekiers war es gestaltet, wie vier 
Thiere (mit Räderbewegung u. s. w.). Der visionäre Vorgang (bei Ezechiel) zerfällt in die 
ausführlich beschriebene Theophanie, durch welche er für seinen Beruf geweiht wird, und 
in die Wortoffenbarung (s. Keil). Es handelt sich in den Offenbarungsträumen lediglich 
um die productive Einbildungskraft (also Reproduction der Erfahrung), welche dieses Ma- 



Digitized by 



Google 



152 



il 



5il 









terial der Erfahrung benützt und sich zur productiven gestaltet, d. h. auf Grund der Er- 
fahrung selbstst&ndig schliesst (s. Spitta). Die Chiriguanos (bei Tagesanbruch weinend) 
creen, que durante la noche las almas de los que yivieron vienen a velarlos, con influeacia 
protectora j que se retiran a la venida de dia (s» Fontana) , so (aus der im tranmlosen 
Schlaf hergestellten Vereinigung mit Brahma) zurückgerufen in einen neuen Tag der 
Sorgen und Arbeit, beklagen sie ihr Loos, wie die Trauses (bei Herodot) das des Neo- 
geborenen (wogegen sie den Tod mit Festesjubel feierten). Die Haidah ordnen ihre hei- 
ligen Ceremonien so an, wie sie dieselben im Gesicht gesehen (bei der Gründung des 
Duthlan u. s. w.). An diabolus per exorcismum ejectus, jure queat se tueri interdicto re- 
tinendae vel recuperandae possessionis (1489), unter den „questiones quod libeticae'*' 
(Bodm.). Gewöhnlich wird die Uezenprobe nicht erst abgewartet, sondern auf die dringende 
Yermuthung der Hexerei hin die verdächtige Person ergriffen und so lange geschlagei, 
bis ihr Blut fliesst, um dasselbe dem Kranken einzugeben, oder um ihn damit zu waschen, 
oder bis sie verspricht, den Zauber zurückzunehmen, den Teufel zurückzurufen (in der 
Provinz Preussen); die fanatische Wuth der Hexenriecher steigert sich zuweilen bis m 
solchem Grade, dass das unglückliche Schlachtopfer durch Meuchelmord oder unter Miss- 
handlungen verendet (s. Mannhardt). 

8) Der Kudjur am Gebel Delen (unter den Kudjur des Kudjur Kaijkum) orakelt durch 
den einfahrenden Arut-el-nimmer (Geist des Panther's) mit dessen Schrei (bei den Nuba). 
In Bomu wurden Eoliram und Ngamaram verehrt als D&mone des Waldes und des Wassen. 
Aphrodite wandelt PhaSthon in daf/noya Jiov. Die &toi influenciren den Menschen durch 
den ''aifiavy der Telemach seine Worte eingiebt (imd bei dem Ag«nemnon schwört). Zum 
Krankheitheilen redet der Tyet (Zauberpriester) für Antwort in den Krug des Dämon (bd 
den Dinka). 

9) Als Belaqua von Lammaschelli seinen Segen erhalten, baute er zu Dschartam seine 
Residenz auf (s. Reinisch) bei den Bogos (und so segnete Israel seine Stämme). Vor der Ankunft 
der Spanier sollen die Peruaner einander mit den Worten gegrüsst haben: „Ama sna* 
(du sollst nicht stehlen), worauf die Antwort lautete „Ama qualla"* oder „Ama thella" (du 
sollst nicht lügen, du sollst nicht müssig gehen). Nach der Eroberung hiess ihr Gross: 
„Sin peccado concebida" (s. Bücher). Sodales dicti, quod una sederent et essent (s. Diac.). 
Neben dem Palaul (Milchmann) und dem dienenden Kavilaul (Hirten), als Einsiedler, 
fungirt der, der Moch (Gotteskinder) genannten Kaste der Peiky angehörige, Warschau 
(durch Büssungen geweiht) als Melker der Büffelkühe (bei den Toda). A white man asked 
an Indian, „what is your name?" He replied: „Halo", which means, „I have none". The 
man thought that was the Indianas name, and always called him Halo. The tribe liked 
the joke (s. Swan). König Sanghabodhi's von ihm selbst abgeschnittener Kopf erklärte 
sich als solcher vor Gothabhaya (nach dem Attanagaliwuisa). Quatre siecles avant Paris, 
la viUe de Mexico avait, dans ses rues, des Buen-retiros (s. BertiDon). Sammael (von 
Gott aus dem Himmel gestürzt) als BttXCißovl oder Kothgott (Dens stercorius) ist Todes- 
engel (s. Nork). Bei den Maori häuft sich Koth in Meto (aus Verwesung). 

10) Als Tiga-kapala-ajer leiten die Kapala-Saniri der Saniri (Rathsversammlungen) bei 
den Sapolewa, Etti und Talla der Pata-Siwa (in West-Ceram) den Kakean-Bund (mit den 
U<yung-bandera und Pohon-bandera genannten Würdenträgern) durch die Einweihung der 
Mauen, denen die Masaloö für Botschaften, die Kakiai und Maäüta für Festmahle dienen 
(s. Rosenberg). In Rom fanden sich als Gehülfen (der Pontifen und Sacerdoten) der Ca- 
millus, Popa, Cultrarius, Victimarius, Praeco, Praevia oder Calator, Aedituus, Designatoa* 
u. s. w. (in Griechenland neben den Hiereis die Neocoren, Herolde u. s. w.). 

11) Krankheiten werden durch „Wegschwemmen" geheilt, und (in Tirol) legt man den 
geknoteten Faden, womit die Warzen (zur Heilung) bestrichen sind, unter die Dachtraufe 
(s. Wuttke). Beim Reinigungsfest in Bangkok werden Bötchen den Menam hinabgesandt 
(im Lailoi). Die Nati-kahas riefen die Kaha (aus Abfall u. s. w.) auf ihre Feinde (in den 
Marquesas). Raychow (als Erster Mensch) erzwang von dem Grubenkönig Arzneimittd 
gegen alle Krankheiten (ausser gegen die Krakra, woran er zu sterben hätte), bei den 
Aniya oder Bubie (vor den Mpongwe nach Fernando Po geflüchtet). 

12) Geminae autem salutares et prosperi cursus praenunoiae, quarum adventu fugan 



Digitized by 



Google 



153 

diram illam ae minacem, appellatamqne Helenam, ferant (t . Plinins). Les differents dieox 
commnnement appel^s ''Avamg^ £i<otrjQigy Beol ju^ydloi^ se partageaient la r^putation de 
prot^ger les marins pendant la tempSte (s. Albert). Deox divinit^s r^presentant le fea sous 
8€8 dem formes Celeste et terrestre ^taient natorellement appeMes k recevoir les attributs 
sacerdotaox (in den Vedas), als Asrins (s. Bergaigne). Zu der Minutio capitis (in juristi- 
scher Isolirnng) trat bei den Heiligen (der Kirche) die „augmentatio capitis, leur prodi- 
goant rhonnenr et Fencens, pour les environner d'un nuage, qoi les därobe (s. Horoj), 
aach mystisch umstrahlend, im Nimbns (buddhistischer Heiliger ebenfalls). Chez les Kjmris, 
les Mejar ou Maiar 6taient des njmphes toigours vierges que les femmes en couches in- 
▼oquaient pour obtenir une henreuse delivrance (s. Berenger-F^raud). Keine Constellation 
kann den freien Willen des Menschen unter die Nothwendigkeit zwingen (nach Giovanni 
Yillani), Erde und Himmel trennten sich in zwei Hälften zur Zeugung der Wesen (nach 
Euripides). Aus anfänglicher Mischnatur von Himmel und Erde, sammelte sich dann das 
Feurige oben (als durch Leichtigkeit emporsteigend), das Trübschlammige unten (s. Diod.), 
und so bei Maori (mit Behua oben). Nach den Chirripo flog ans den Steinen des Erdr 
anfangs eine Fledermaus hervor, aus deren auf die Steine fallenden Excremente sich 
Pflanzen und das Uebrige entwickelte (s. Thiel), und auf Samoa beginnt es auf dem vom 
Himmel hinabgeworfenen Stein zu sprossen (worauf der Vogel mistet), während neuerdings 
die Uranfange aus Kometen herabzufallen beginnen (und ganz Australien aus dem Mond 
vielleicht). 

13) Neben Betziromaino und Bakomamain wird Nadschikenen, der in Aufregung des 
Wasser's die Schiffe zertrümmert, verehrt (bei den Budduma), und statt Schutzgötter der 
Seefahrer, als lares permarini, warfen die caribischen die Böte auf dem Meere um (weil 
verbittert). 

14) Judaeus enim aut sacerdos Aeg3rptius moriatur potius, quam camem suillam edat 
(von den Libyern wurden keine Schafe gegessen). Sarapidi nemo unquam porcnm immo- 
laverit, at Herculi et Aesculapio immolatur. Ovem Isidi sacriflcare nefarium, at illi, quae 
mater deorum vocatur et aliis diis mactatur (Kgortp &vovaiy ay&Qwnoy), Felem Alexandriae 
sacriflcant Horo et Thetidi blattam (oUq>fiy). Equo litant Neptuno, at Apollini, Didymaeo 
praecipue, hoc animal est invisum (lo Coioy anfx^^s), ttlyai 'Agii^tdt ^Ctiy evatß^i (pium 
est), non autem Aesculapio (s. Sext. Emp.). „Cepas vero nullus unquam ederit eorum, qui 
sacris Cassii Jovis apud Pelusium initiantur, sicuti nee Libycae; Yeneris sacerdos allium 
unquam gustaverit*'. Von den Syriern enthielten sich Manche der Tauben {fx^'^vg rt fy 
Ttoi fjiky UgoU ^(^li (a&ltiy^ (y allote öt aatßii). Ex Aegyptiis, qui sapientes habiti fuerunt, 
alii Caput animalis edere profanum esse arbitrantur, alii scapulam, alii pedem {ayU^oy 
dym yvftfCovoiy), und so in den Launen der Mokisso (und ihrer Fetische). 

15) The Oxfordshire-down, aus Blutmischung von Cotswolds und South-downs hervor- 
gegangen, werden selbst zum Stamm eines Oxfordshire-down genannten Typus (s. Mitschke- 
CoDande), und so ethnische Mischungen mit deren Resultaten (je nach der Wahlver- 
wandtschaft). Die aus spanischer Sklaverei (in Huanuco) in die Urwälder des Mairo ge- 
flüchteten Lorenzos (1742) sind (durch Isolirung) „aus der Eisenzeit in die Steinzeit herab- 
gekommen^ (s. Schütz-Holzhausen). Die Würtembergischen Waldenser stehen auf einer 
sehr niedrigen Stufe der Cultur (s. KeUer). Tusschen de Alfoeren van het gebergte van 
Makahala wonen een twintigtal personen in eene Kampong, Neniari genaamd, deze ver- 
balen dat hunne voorouders Europaeanen waren (naar hunne gelaatsvormen, blauwe oogen, 
hun blond haar en hunne blanke huid) geheel en al dezelfe manieren, levenswijze en ge- 
woonten van de bergalfoeren (s. van der Crabb). 

16) Beim Hinaustragen zum Friedhof nimmt die Seele auf dem oberen Theil des 
Sarges Platz (in Masuren). Wird der Geist (Dusza) durch ein zu zeitiges Zuschliessen 
der Thnren und Fenster in dem Leichnam gewaltsam zurückbehalten, so bleibt er über- 
haupt zurück und beunruhigt als Spuk das Haus (s. Toepper), auch als Cobold verwerthbar 
(auf den Mariannen). Wie die Todtenfarth Brynhild's bezeugt der Name des Grossen 
Bären (Heiwagen) die Sitte, die Todten zur Bestattung zu fahren (s. Weinhold). Beim 
Tawadantha-Fest wird die Statue Gotama's, vom Myemno herabgelassen, von den Verehrern 
auf ihrem Wagen an Stricken nach der Stadt gezogen (in Birma). 



Digitized by 



Google 



154 



l^- 



1% 



17) Ehe in's Meer geworfen, wnrden die Todten (bis an den Kopf in Erde gegraben) 
in umschlossenen Hütten ausgestellt (auf Aneiteum). In Malikolo bewahrt man den Kopf 
(auf künstlicher Mumie). Die den Ochsen hochachtenden Indier (von Nahrawara) begraben 
ihn beim Tode (bei Edrisi). The Chjins all point to Üpper-Burma, near the Khyen-dwin- 
River, as their original seat, and all endeavour, if possible, to transfer thidier at certain 
interTals the bones of their dead, to find their last resting-place in the ancestral boiying- 
ground (s. Forbes). 

18) Die Autochthonen sind (mit Faunen und Nymphen) aus Eichenstämmen geboren 
(bei Yirgil). Den Birmanen gegenüber entsprossen die Eingeborenen den Pflanzen (des 
Boden's). The world is supported on props (m Tasmania), in the charge of a man, who 
lives at the further end of the earth (s. Buckley). Tomgarsuk wird einarmig vorgestellt 
(bei den Grönländern), und dem Erdbebengott wird ein Arm abgedreht (in Polynesien). 

19) Die Nitu-Nitu (Seelen der Abgeschiedenen) bewohnen die Wfilder und Felsen 
Ceram's (bei den Berg- Alf uren). Die H&uptlingsseelen (Arema oder Alema) werden ab 
Götter verehrt (auf Tana). Pindar sendet Echo in die Unterwelt hinab, dem Vater die 
herrliche Botschaft zu bringen vom ruhmvollen Sieg des Sohnes, während der Maori- 
Häuptling eifersüchtig aus dem Grab zurückkehrt, mit dem Sohn zu kämpfen (und Rustam 
unerkannt im Leben). 

20) Der Jartschane (in Jarkino) bittet beim Baumfällen den Baumgeist um Entschul- 
digung (s. Henckel), wie in römischen Formeln (oder in Assam). Mit dem Baum verknüpft 
sich sympathisch das Leben (bei den Dualla). Der Feigenbaum (Urostigma) ist (bei den 
Gallas) heilig (s. Hartmann). Wie Anbau der Balsamstaude durch die Juden (bei Strabo) 
wurde der des Papyrus (in Aegypten) beschränkt (zur Hochhaltung der Priester), und so 
Nelken oder Muscat (auf Hongifahrten). 

21) Dem Priester Desiderius (1009 p. d.) erscheint der Bischof von Puy, mit Bart und 
Haupthaar an der rechten Seit« verbrannt, weil aus seinem (mit dem heiligen Nicolans 
gemeinsamen) Chor in die Hölle verwiesen, in Folge seiner Zweifel über Aechtheit der (in 
Antiochien aufgefundenen) Lanze (s. Raimondi). Als König Sinha, Sohn Mayadhana^s, die 
von den Theras für unmöglich erklärte Vergebung für Vatermord von den Sivaiten erhielt, 
bekehrte er sich zu deren Religion, die Buddhisten verfolgend (und ähnliche Religions- 
erleichtemngen anderswo, für Proselyten constantinischer Schenkungen mit offener Hand). 
Die Schenkungsurkunde Constantin's (in der Sala di Constantino des Vatican durch ein 
Gemälde RaphaePs verherrlicht) ist ein Machwerk aus dem VIII. Jahrb. (s. Janko). 

22) In Birma wird der Leiche ein Stück Geld (Kado Akah oder ferry toll) eingeknotet, 
als Nibban-kado (s. Forbes), wie der Obolus im Munde (bei Griechen). 

23) In den Fabeln der Hindu höhnt von den sprechenden Vögeln der Mina (GracnU 
Religiosa) das männliche Geschlecht, der Papagei das weibliche, jeder sein eigenes Ter- 
theidigend (s. d'Alwis), und bei den Kuruai manifestirt sich die Rivalität zwischen MSnner 
und Frauen in der der Vögel. Der bei den Araucaniem um ein Mädchen werbende Jüng- 
ling begiebt sich mit ihr in den Wald (bis der Vogelschrei gehört ist). 

24) Nach Geburt von fünf Kindern kann die Frau in's elterliche Haus zurückkehren 
(bei den Gaberi Bagirmi's). Bei den Maneteneri (am Purus) besitzen die Frauen Autoritftt 
über ihre Männer (nach Chandless). ^atgla oder ffgarg^a wurde es genannt, wenn Einige 
in einer anderen nntQu ihre Töchter verheiratheten (bei Dicäarchus), bei den Stufen Ton 
naiQfty q>Qaio(a^ <fvXri (s. Buttmann). Bei dem Mangel der Frauen auf MallicoUo bedtxen 
oft zwei Männer nur eine (s. Eckardt). Die Frauen Nubien's (nach Edrisi) sont d'unc 
bonne ra<^e, qui n'est aucunement la ra^e des noirs (s. Jaubert). Cocitos fnit dea Athe- 
niensium quam solae feminae colebant, quae psaltriam exercebant (bei Papias), und die 
Männer, ad imitationem feminarum saltantes (bei Eupolis). 



Digitized by 



Google 



V on den Bewohnern Geram-Laot's wurde gesagt (nach Valentyn) ^dat zy een 
Tond heben, om groene stukjes glas van bottels in een uitgeholde hoats-kool te 
smelten on daar uit gesteenten to maken, die zeer wel na een Topas gelyken.^ 
Die Mamacor genannten Olasringe') wurden bei den Alfuren Ceram's hochgeschätzt 
(XY. Jahrb.), als Yon selbst gewachsen (und von Rajas zum Besitz umkriegt), in 
den Sorten grün, blau, und auch (auf Timor besonders in Werth) mit Lack in 
Durchlöcherungen gefallt. Die (an Balken hängend aufbewahrten) Mamacur, die 
nicht in eine Kiste gelegt werden dürfen, wurden vor dem Kriege befragt (mit 
Opfern eines Hubn's). Sonoos (von Ceram-Laut) liess den Bewohnern Massoys 
ihren Gott Lewata im Spiegel^) erscheinen. 

Auf Saparoea dürfen Schwangere keine Früchte, an denen Vögel gepickt haben, 
essen (weil sonst das Kind, wie Vögel, schreien wird), auch darf sie nicht im Gehen 
essen, weil sonst das Elind gierig sein wird. Der Mann darf während Schwanger- 
schaft seiner Frau nichts festbinden, noch Nägel einschlagen (im üebergang zu 
den Gebräuchen der Couvade). Bei schwieriger Geburt werden alle Basten im 
Hause geöffiiet 

Rian mit seiner Gemahlin, als Stamm-Eltern der Saparoeer, verschwand in 
einer Höhle, wo beide später, in Drachen verwandelt, auf Goldstühlen sitzend, 
Opfer erhielten. — Aus Neu-Guinea kam Rian Santuwa Titaleij nach Siwij Sowij, 
und dann nach dem Berg Rila, um sich mit Njaisahele (Schwester des Nahuwerij 
Simatanw) zu vermählen, als Stamm-Eltem-Paar der Fürsten von Saparoea. 

Auf der Insel Boeano stellt man die Buli-Buli genannten Kruken hin, damit 
die Ahnengeister') darin ihren Aufenthalt nehmen (auf den Mariannen neben das 
Kopfkissen). 

Die Leiche einer im Elindsbett Gestorbenen wird (auf den Uliasser) mit den 
Gelenken der Hände und Füsse an die Todtenkiste festgenagelt, um nicht, in einen 
Pontianak verwandelt, dem Geschlechtsgliede des Manne^s nachzustellen (so lange 
nicht durch eine Frau w^en Schamlosigkeit gescholten). Ist das Grab nicht mit 
schweren Steinen gedeckt, so hat die Seele im Himmel keine Ruhe, sondern müht 
sich, unter den Giebeln anderer Häuser einen Ruheplatz zu suchen, wodurch die 
Nachgebliebenen dann erkranken (s. Van Schmid). 

In Amet (auf Nussa-Laut) wurde als der Abgott Tahinala (alte Frau) das 
Holzbild*) der Greisin Iko verehrt, die, aus dem See dort angetrieben, von den 
Dorfbewohnern aufgezogen und unterhalten wurde (wie Sceaf vom Kind bis zum 
König). — Die Pocken wurden (auf den Uliasser) durch die unsichtbare Pocken- 
Mutter umhergestreut. In Bengalen ist die Cholera, durch's Land fahrend, gesehen 
worden (die Pes^ungfrau in Polen u. s. w.). 

Auf Noesa-Laut (Saparoeva und Haroekoe) betrachtet man die Stamm-Eltern 
(Nitoe-nitoe) nicht als gestorben, sondern nur als der Erde entrückt, so dass sie, 
um Hülfe zu gewähren, zurückkehren können. Das Geschlecht Apupuwa in Nussa- 



Digitized by 



Google 



156 

Laut verehrt den Hayacka genannten Dämon*). — Zu Valentyn's Zeit wurden 
Menschenfresser angegeben (auf Nussa-Laut). 

Auf den Uliasser hatte jedes Dorf sein (vom Mawe oder Priester) bedienten 
Dämon, dem ein Mädchen (das allein zu wohnen hatte) angetraut war. Ausserdem 
bewahrt jedes Hausgesinde seinen Dämon, und das Bild desselben wird bei Krank- 
heitsfällen von dem Vorsteher aus der Eliste genommen, um in den Wald mitgefahrt 
zu werden, für das in Einsamkeit zu verrichtende Gebet — Beginnen die Nelken- 
bäume zu blühen, so darf man in ihre Nähe nicht lärmen, auch nicht Nachts mit 
Feuer sich nähern, oder vorbeigehen mit einem Hut auf dem Kopf^ weil der Baum 
erschrecken könnte und vorzeitlich fruchten (weshalb derartige Stille bei Wachsthom 
überall sich anzeigt, unter Assamesen, Azteken, Negern u. s. w.). — Hat der Jäger 
seine Fallstricke gestellt, so darf er das zum Abhauen gebrauchte Hackmesser währeod 
der nächsten Nacht nicht an's Feuer bringen, damit das Wild nicht erschrickt — 
Die Fischer beräuchem ihre Netze für reichen Fang (der Dahomeer verehrt seine 
Handwerksgeräthe). 

Die Bewohner der zu derselben Pela (Bund) gehörigen Negorijen besitzen daB 
Recht auf gegenseitiges Eigenthum (auf den Uliasser), in Erweiterung des conunu- 
nalen Besitzes aus Familie oder Stamm zu der Stufe der Phratrie (oder der ihr 
sonst correspondirenden). 

Wie auf den Üliasser-Inseln wird in der Minahasa dem Grabe ein schwerer 
Deekel auferlegt, weil die sonst unstäte Seele keine Ruhe ündet (und Antar's Mutter 
Hess auf sein Grab einen Fels thürmen, damit die Seele nicht durchbreche). Sonst 
dagegen: eit levis terra, wie auf Samba der Grabdeckel durch untergelegte Fuss- 
steinchen erhöht gehalten wird. — Die Opferplätze für die Vorfahren heissen (auf 
den Uliasser) Tampat pamalie ataw batoe bakar damar (heilige Plätze zum Vei^ 
brennen von Weihrauch). — Bei Landplagen (wie Hungersnoth) wurde der Priester, 
wenn die Prophezeiungen nicht eintrafen, in deu See getaucht (bis zum Tode im 
Nothfall). 

Tritt Erkrankung ein, weil ein Widersacher Haare, Urin u. s. w. (in einen 
Bambus gefüllt) in's Meer geworfen hat, so muss der Doekoen dies zurückbringen 
(auf den Uliasser). Wenn in anderen Fällen die Seele durch einen Dämon fort- 
geführt ist, legt der herbeigerufene Wahrsager auf den Platz des Zurückhalter's 
Eier, Huhn, Bananen u. s. w., die Seele herbeirufend und dann am Hause anklopfend 
über die Wiederkehr befragend, worauf die Bestätigung derselben (in Kinderbündel- 
tragen) der Kranke für gesund erklärt wird, weil nach Hause zurück. — Erkrankt 
ein Kind, so beichten*) die Eltern dem Priester, weil das Kind, wenn sterbend, 
alle Missethaten des Vaters den Vorfahren mittheilen würde. 

Im Traum erfährt der Doekoen durch eine Erscheinung, wenn die Mai-loety- 
loety (Mutter der Blattern) die Krankheit umhergestreut hat, und im Haus des Er- 
krankten muss eine Frau im Vorderraum sitzen, damit die Blattermutter sich aus 
Neugier nach ihr umsieht und dann fortgeht. 

Die Schwägerin darf im Haus des Schwager's nicht essen (auf den Uliasser), 
und so die Verbergungen überall (von Abiponen bis Algonkin oder bis Bantu auch). 

Die Beschwörungskunst oder Matakauw (zum Schutz gegen Diebstahl u.s.w.) 
ist erblich (auf den Uliasser), wie die Heiligkeit des Sin (unter den Bogos) auch bei 
(polynesischen) Ariki auf den Erstgeborenen limitirt — Auf den Uliasser wird auf 
den Weihrauchsteinen geopfert (wie im Nahual der Quich^')). Das Sassie ge- 
nannte Verbot zum Früchtepflücken wird von dem Häuptling auferl^t (auf den 
Uliasser). 

Bei der Parlessie genannten Wahrsagung (Mawe) durch eine Puppe bleibt diese 



Digitized by 



Google 



157 

am gesuchten Ort stehen (auf den Uliasser). Bei Dottij (dem Krankmachen durch 
Kraft der Worte) unterscheiden sich mancherlei Arten, und ebenso bei Goena (oder 
Liebeszauber). — Die Nachgeburt*) (Dadomin) wird von dem Priester (ohne sich 
limxusehen, weil das Elind sonst schielt) in See gefahren zum Versenken und das 
Tuch der Bedeckung an das Band zurückgebracht — Der Nabelstrang muss mit 
Bambus-Messer abgeschnitten werden. — Wenn auf Hongifahrten ausziehend, liessen 
die Uliasser Pflanzenzweige bei Wahrsager zurück (Gessir die Seele selbst, bei 
Kriegszügen). 



AnmerkimgeiL 



1) Die Neger schmücken sich mit ^omements en cuivre, de coquilles marines, de 
Colliers de verre, de graines, de pi^rres nomm^es raab-ul-cheikh et de diverses esp^ces de 
faox onjx fabriqu^s avec du verre*' (zu Edrisi^s Zeit). Die Mandan schmolzen Glas um, zu 
Perlen nach ihrem Geschmack (blauer Farbe). Blaue Perlen werden am Niger, als aus- 
gegraben, geschätzt, und Formen der Agrie finden sich, wie in Loanda, auch in Brasilien 
(unter Fundstücken). 

2) If a mother dies leaving a little suckling baby, the two souls are supposed to be 
80 intimatelj united, that the ^eip-ya** of the child has foUowed the departed one of the 
mother, and if not recovered the child must also die. For this purpose a woman, who has 
influence with the Nats is called in. She places a mirror near the corpse and on the face 
of it a little piece of the finest, fleecist cotton down. Holding a cloth in her open hands 
at the bottom of the mirror, with wild words she entreats the mother not to take with her 
the leipya of her little one, but to send it back. As the gossamer down on the smooth 
ftfcce of the mirror trembles and falls off into the cloth below, she tenderly receives it. and 
then places it with some soothing words on the bosom of the Infant (s. Forbes). Der Ela 
wohnt im Spiegelreflex der Sasuma dem Eürper als Seele ein (bei Odschi). 

3) Auf Madagascar werden sie ergriffen und bei den Nntka aufgepfropft (für jedes- 
maligen Gebranch). Die Angekutters behaupten, dass die Seelen dermassen weich anzufühlen 
seien, dass sie nnfühlbar zu sein scheinen, und dass man sagen könnte, sie h&tten weder 
Nerven, noch Knochen (s. Egede) [Con]. Die Seele wurde „entdeckt", indem der Entdecker 
einen ganz bestimmten chemisdien Bestandtheil des Körpers als Seele bestimmte, „nämlich 
jenen Stoff, bezw. jene Stoffe, welche die völlige Specifltät des Ausdünstungsduftes und 
des Fleischgeschmacks bedingen*' (s. Jäger). In Tonga schwebt die Seele (über den Menschen) 
als Blumenduft (zu den Aromen des Abhidhamma emporsteigend). If in the evening after 
sunset a person Walking with a friend, sees his own likeness — „munmp man", and, if a 
woman, „muurup yeman", — the friend says: „something will happen to you, as you have 
seen your wraith" (in Australien). After the disposal of the body of a good person, the shade 
walks about for three days (s. Dawson). Die Jaina unterscheiden jiva (chaitanatma oder 
bodhatma) und i^va (im Gegensatz zur Seele). Statt Trennung in (Geschlechter, findet 
sich die in lebende und leblose Natur (in Afrika u. s. w.). Bei den Betsileo wird die auf 
Matten geroUte Leiche in der Hütte aufgehängt, bis in der (aus Einschnitten abfliessenden) 
Jauche (mit der sich die Hinterbliebenen waschen) ein Wurm entsteht, der mit dem Todten 
begraben wird, und wenn neben dem hinabgeführten Trichter eine Eidechse gesehen wird, 
bringt man dieselbe unter Festlichkeiten hervor und dann nach der Höhe des Berges, wo 
sie zur gewaltigen Riesen-Eidechse auswächst (im Sturmwind sausend). Dem in Sieben- 
bürgen (s. SchuUer) Krazewöz (Kazeboz) genannten Hansgeist entspricht der deutsche Kotz- 
butz (nach Schuster). Jeder Badaga-District hat Priester aus den Kurumbas (in den Nilghiri). 
Die Yambo (der Kumai) oder Mump (der Woi-worung) genannte Seele verlässt den Körper 
im Traum, nach dem Tode in Mrach (der Kunud) oder (bei Ngarego und Wolgal) in 



Digitized by 



Google 



158 






Bnlabong (Tnlagal der Murring) yerwandelt (s. Howitt). In Italien gehen die Todten- 
gespenster als Ombra um (classischer Umbra). Die za Hamezen Greweihten (bei* den Qoft- 
koll) fressen Leichen abgetrocknet (um das Leichengift zu vermeiden^ Das Svezar-Fest 
wird in Sjrmien von jeder serbischen Familie gefeiert, nachdem sie sich einen Heiligen 
zum Svezar auserkoren hat, der von den Urahnen schon gewählt worden ist, deren sämmt- 
liche Gebräuche bei diesen Festen von den Nachkommen getreulich beobachtet werden 
(s. Bajacsich). Die Kuei haben einen Ort, zu dem sie zurückkehren können (den Almen- 
saal), die Geister (die keinen Ort haben, wohin sie zurückkehren können) sind die Li (o. 
Plath). In Siam theilen sich die Bhut (als Phi). 

4) Die Bildsäule der Tanaquil (Caja Caecilia) stand im Tempel des Sancus (mit Spindel 
und Rocken. Von Romnlus wurde aus der camerinischen Beute im Yulcantempel seine 
Statue aufgesteUt (und eherner Wagen). Nautiarum familia Minervae sacra retinebat (s. 
Servius). Die Magier (Xerzes') zerstörten die griechischen Tempel, als weil die Götter in 
Wände einschliessend (nach Cicero). Die Latini bewohnten die Ebene (Latium) vom 
Albanerberg hinab (zur Tiber und zum Meer). Der Pfeiler des Janus war durch das Sero- 
rium tigillum mit dem Soror genannten verbunden (s. Bachofen), als japanischer Torii oder 
Galgenthor zu abwehrendem Schutz (wie in Afrika), wobei die Tradition etjmologisirte 
(sl DkML HaL) , als Horatius zur Reinigung hindurchging, consecratisqae ibi aris Junonis 
Sororiae et Jano Ouriato liberatus omni noxia sceleris est (s. Festus). 

5) Neben dem Mnoi4«f (Mooralb) findet sich (in Siebenbürgen) der Rürüsz, als Moor- 
geist in Ochsengestalt (s. Schuster) , «nd Grendel kommt aus Grändelsmoor (bei Bistritz) 
oder Grendelsmoor (in England)* Das die 'Rade verstehende Boot (der Mandan) wurde zn 
den Weissen (Waschi) geschickt (s. Neuwied), und die Ai^o lehrte im Reden den Weg (den 
die Augen der Djonke für die Chinesen vorsehen). L'action <fai «ontemplatif a sa sphere 
dans le Mano ou siege de savoir (s. Bigandet), mit Dhamma als Arouana (im Nirvana 
harmonisirend). Mithra, als Demiurg auf dem Zeugungsstier (s. Porphyrius) ^wiu-de (von 
persischen Magiern) als Wegtreiber von Rindern verehrt (s. Julius Firmicus). ^Beim Gebet 
zum Herdfeuer wird (unter den Tengri) Khan Aesäni (bei den Kalmücken) angerufen (s. 
Pallas). Im Tromba Pusaka Menangkabowe erbt der Schwestersohn vor dem Sohn (seit 
Perpati Sabatong). 

6) Beim Lesen der heiligen Bana wird (in Arakan) ein künstliches Labyrinth he^ 
gestellt, worin eintretend der Tänzer bei jeder Winkelwendung den zugehörigen Yaksa 
herausfordert, um ihn zu vertreiben (bis an das Revier des Göttlichen gelangend), und 
so (in ägyptischen Mysterien) labyrinthische Kreuzgänge (worin sich der SüncÜge verirrt). 
Bei Lesen der Paritta (gegen Yaksa) wird der Pirit-nula genannte Faden umhergewunden 
(in Ceylon). Bei den Maskentänzen der Ticunas spielt der böse Jurupari in Thiennaske. 
Die Priester (Ambati) sind erblich in Fiji. Nutka (Tanz) hiess Mowachat (or Bowatchat), 
the place of the deer (s. Swan). Die Xnusa (Neusstokdragers) wohnen in dem westlichen 
Theile der Kalahari -Wüste (unter San). Die Tobas verehren den (bösen) Cahuemaik^ 
(neben guter Gottheit). Die Gottheit Tumbi wird im Hain verehrt (bei Marghi). 

7) Citri, d. a. A. I, S. 406. 

8) Kaka, de nageboorte auf Ambon), dodomi (in Manado), paris (auf Timor) im Mal. 
der Molukken (s. de Clercq), als tembocri (mal.). Damit das Füllen später den Hals hoch 
trage, steckt man die Nachgeburt oben in einen Baum (in Ostfriesland). Wird die Nach- 
geburt nicht im Stalle aufbewahrt, sticht die Hexe einen Strohhalm hinein und das Kalb 
stirbt (in Hessen). Die Nachgeburt, wenn unter einem Apfelbaum begraben, bringt ein 
Mädchen, wenn unter einem Birnbaum, einen Knaben bei nächster Geburt (in Schwaben). 
Die Nachgeburt muss begraben werden, wo weder Sonne noch Mond hinscheint, sonst 
gelbt der Teint (s. Wuttke). Die Fruchtbarkeit von Obstbäumen wird gefordert, wenn die 
Nachgeburt einer Kuh hineingehängt wird (in Mecklenburg). Für die Zukunft des Kindes 
dient die Koskinomantik (bei Chinesen u. s. w.), im „Siebtreibeu" oder „Siebdrehen" (s. 
Grimm). Vlk. d. ö. A. HI., S. 288. 



Digitized by 



Google 



IB Ambon fanden sich (XYII. Jahrb.) die Fractionen der Oelilimas (^alle Mohren^) 
und der Oelisivas (Christen, Heiden und Mohren). Die Oelisivas gehörten zu Ter- 
nate (wo 9 Reichsräthe neben dem König standen), die Oelilimas zu Tidore. 

Als die javanischen Prinzen Eijaj Tuli und Eijay Daud (mit ihrer Schwester 
Njay Maas) bei Hitu (in Ambon) landeten, sahen sie keine Hütte, erkannten aber, 
dass Menschen dort seien, an der Gegenwart eines Hundes, dem sie ein Halsband 
mit (fremden) Fruchten umhingeji, worauf derselbe von seinem Herrn ein Halsband 
mit einheimischen Fruchten angehängt erhielt und so zurückkehrte, den Verkehr 
einleitend (durch „Stummen Handel**). — Nachdem Pati Selam Binaur (aus Tannno) 
sich in Hitu niedergelassen, kamen Javaner nach Ambon, wo die Sprache von 
Hoewamohel, als älteste, in Gesängen bewahrt wurde. 

In Soya (auf Ambon) wurde ein Lingam, als Boetah Oelisiwa (die Mannheit 
Oelisiwa's) verehrt. — Auf Ema wurde der Gott in Schweinsgestalt verehrt. Auf 
Way verehrte man ein Holzbild in der Form des Lingam. — Ehe das Wasser in 
Pflanzungen gebraucht wird, muss es in einem Bambus (mit Motelu- Blatt verstopft) 
als Abgott geehrt werden. — Als Vorfahr des Geschlechts Apnpuwa (dessen Glieder 
die Fruchte Ubi imd Caladi nicht essen dürfen) kaufte Laheu von einem Kaufmann 
aus Solor den Abgott Hayacka (aus drei zusammengebundenen Holzstücken be- 
stehend), der bei einer Geburt neben die Gebärende gestellt wurde (und das Siri- 
Essen verbot). 

Bei dem Jahresfest in Ambon (um den Himmel um Mitleid anzurufen) wurde 
in dem Yersammlungshaus (Baileo) ein, mit den Blättern abgeschnittener, Bambus 
angesteckt, als Sinnbild des Himmels (Lanit), worauf (nachdem für die Sonne 
Fackeln angesteckt waren) für Himmel, Sonne, Mond, Erde, Thiere u. s. w. separate 
Speisen hingesetzt wurden, mit den Gebeten um Wohlergehen, Kriegsglück, reichen 
Fischfang u. s. w. Dauerten die Plagen , die abgewendet werden sollten , dennoch 
fort, so wurde der Powanno genannte Sklave gekauft, der, als Repräsentant des 
EUmmels, die für diesen bestimmte Speisen ass, ühd. ehrerbietig behandelt werden 
musste (um bei folgenden Festen wieder gebraucht zu werden). — Das Matakauw 
genannte Eideswasser (aus einem Bambus unter Eintauchen von Lanzen, Pfeilen, 
Schwertern) wurde in Ambon getrunken, indem die Uli-lima 5 mal, die Uli-Siwa 
9 mal Himmel, Erde, Sonne, Mond, See, Gebirge und alle Geschöpfe anriefen. — 
Bei dem Eid auf Honimoa wurden zwei Katzen zerhauen (um das Blut in Mischung 
zu trinken) oder mit einer Katze der Tariman genannte Sklave getödtet. 

Ein Bewohner des Dorfes Nallahia traf in den Wäldern Nussa-Laut's die Er- 
scheinung eines Menschen, der sich auf seine Frage als Kaeele, König des dortigen 
Hügels erklärte, und seine Wiedererscheinung im Traum voraussagte, wie es bei 
der Rückkehr nach dem Dorfe geschah, unter Anbefehlung (für Glück und Friede) 
seiner Verehrung, sodass man in Nallahia seitdem auf dem Hügel Elae-ele opfert. 
— Als Tahitu aus dem Dorf Nallahia, am Strande wandelnd, eine flötende Musik 



Digitized by 



Google 



160 

uas dem Stein Alalea hatte heryorkommen boren und den Stein aufgenommen, er- 
schien ihm Nachts der Dämon des Steins Alalea in Menschengestalt und befahl 
ihm; den leichten Stein Alalea, auf schwere Steine gelegt, zu verehren, um Qlnck 
im Fischfang zu haben (mit den Analogien in Peru oder Syrien). — In Sila (anf 
Nussa-Laut) wurde der Abgott Mosie verehrt, als ein dort angetriebenes Holzstück, 
das einem Mann im Traum erschien und seine Verehrung anbefahL — In Titaway 
wurde der Abgott Riama-Atoe verehrt, — In Abobo (und Pelesia) wurde der Abgott 
Ru-umu Ohuwo verehrt. 

In Siri-Sorri (das Geschlecht der in Vereinigung Zusammenlebenden) wurden 
(im Rama-ula Luho haha oder Eidverband der fünf Brüder) bei der Ernte die 
Holzbilder Radja Poessan, Poitili, Lakahela, Mamala und Lukuhatu verehrt, als 
die fünf Brüder des Königs von Onin (in Neu-Guinea), die mit vier Prinzessinnea 
(Lokay, Sappa, Loewatassa und Luwasela) im Streit über die Erbfolge auswandernd 
und hlngs der Küste Ceram's fahrend, in üwa Malessi, in Tehisolo (auf Honimoa) 
oder in Sappa, in Tulehu und in Samet ihre Schwestern mit den Eingeborene 
vermählten, sich selbst aber erst in Salawano und dann in Amoilalo niederliesseo, 
wo sie in Verbindung mit den hinzugetretenen Nachkommen aus Sappa die An- 
siedlung Sori-Sori gründeten. — Die Frauen in Sori-Sori durften nicht den Voll- 
mond ansehen und den Fluss Waelissa nur mit einem Baumblatt in der Hand 
kreuzen. Auch durfte an dem „Sonne** genannten Platz (wo der König von Onin ge- 
rastet) nicht vorübergegangen werden. — In Sori-Sori (Siri-Sorri) wurde der Ab- 
gott Paunussa im Geschlecht Hawoni verehrt, der Abgott Makurune im Geschlecht 
Malike-eto, der Abgott Eli im Geschlecht Ateo-o (aus Nussa-Laut). — Im Dorf 
Ampatae wurde Nitu Ampatao (der Dämon Ampatao) verehrt 

Die Ambonesen verehrten unter den Lanitte (Luft) genannten Dämonen den 
höchsten in Lenthila, sowie Taulay unter seinen Gehülfen, und in jeder N^orij 
die als Tuan (Herr) bezeichneten Nito. — Die Zwangie oder Zauberer fressen Nachts 
das Herz des Kranken (Danokaerta). 

Durch das Zeichen Mattakau wird ein Gegenstand unberührbar gemacht (auf 
Ambon). — Im Matakauw (Mattakau) wird das Eideswasser gemischt (wie auch 
in Siam getrunken). — Unter Fortdauer einer Plage beim Jahresfest wurde der 
Powannie genannte Sklave erkauft und bis zum Opfer, als Repräsentant des Himmels 
(Langit), ehrerbietigst behandelt (wie bei Azteken und Tupi). — Durch die Kabbai 
genannte Zauberformel wurde Unverwundbarkeit erlangt. — Durch das Pomalie 
wurden (auf Ambon) Gegenstände Sassie (unnahbar). 

Für den Buschgeist werden kleine Häuser gebaut, oder Tempelchen in der 
Form von Schiffen *) unter Bäume oder auf Steine gestellt, mit Speise (Ambon). 
Die Unterirdischen oder Krazno lutki necken und plagen die Menschen cobold- 
artig nicht nur von Aussen her, sondern treiben oft sogar ihr Wesen in dem Bauche 
des Menschen, was sich dem Gefühl durch grössere oder geringere Leibesbeschwerden, 
dem Gehör aber durch ein firoschartiges Quaken und Gurgeln bemerkbar macht, 
und sobald veie möglich versegnet werden mnss, wenn es nicht sehr schlinmi werden 
soll (zu Lubainen) und ^in der Hohensteiner Gegend heisst es, die Krazno lutki 
sind ganz kleine rothe Würmer, welche in den Eingeweiden den Menschen quälen* 
(s.Toepper). Ut taceas de crepitu ventris inflati, quae Pelusiaca religio est (b. Hieron.), 
als „un petit Jupiter tonnant**, wie Terrin den „Dieu Pet*' nennt. Als dem Gatten, 
der im Hofraum mit einer Arbeit beschäftigt war, ein Furz entging, starben die vor 
der Hausthüre plaudernden Frauen vor Scham (s. Reinisch) bei den den Bilin (und so 
unter Indianer). Aegyptii non Serapidem magis, quam Crepitus, per pudenda corporis 
emissus extimescunt (Minuc.Fel.). In Würtemberg heisst es bei Wurm- und Darmgicht: 



Digitized by 



Google 



161 

^Qoii der Yater hat geütten, schadt ihm sein Leiden nichts, schadt dir dein Würm- 
und Darmgicht nicht** (s. Wuttke). Im Böten*) (das Versegnen oder Versprechen) 
gebietet der Gegenzauber der Krankheit (gleich den Karakia der Maori), und 
daraus bald der Widerspiele viele swischen Goetie und Theurgie, dem Obeah und 
Vaudoux ketzerischer Heterodoxien, wenn je nach der Stimmung potitischer Macht 
für die Häresien (freier „Wahl**) verfolgt werden, oder (selbst als orthodoxe inthro- 
nisirt) ihrerseits nun zu verfolgen beginnen. 

In Soja (auf Ambon) stand einer der Martavan genannten Töpfe auf der Höhe 
des Berges'), und wurde umgerührt, wenn Regen nöthig war (wie ähnlich in Eam- 
bodia). — Neben Bäumen verehrten die heidnischen Ambonezen viereckige Steine. 
— In Honimoa wurde Saniaue, als alter Kriegsheld, und Nitoe-Labba, als der 
Weingott, verehrt. — Bei Festen werden die Lego-Lego genannten Rundtänze auf- 
geführt (anderswo Lele und Polele in Gresängen). — Geräth ein Pohon Pomali oder 
heiliger Baum zufällig in Brand, so bittet der Maowin (oder Priester) den inne- 
wohnenden Geist, sich anderswo hinzubegeben. 

Der bei Krankheit (in Ambon) gerufene Priester bezeichnete den Nitu (Dämon), 
der sie verursacht, oder den Zauberer*), der sie verschuldet hat. — Vorzeichen 
wurden (in Ambon) aus der Eingeweideschau von Schweinen oder Hühnern ge- 
nommen. 

Auf Manipa lehrte die aus der See hervorgekommene Frau Hoewanay die 
Teufelstänze im Baileoe-Haus (und ähnliche Belehrung in Guiana, seit der 2^it der 
Oannes). — De Legoe*s (in Ambon) vorden met begeleiding van tifa en gong bij 
plechtige gelegenheden gezongen *) (s. Van Hoevell), durch Musen (im Heroen-Alter) 
eingegeben (oder überirdischer Herkunft). 

Zur Beschützung der Pflanzungen hängen die Ambonezen mit Kalk bestrichene 
Töpfe auf (als Matakau oder Eideswasser) gegen das Stehlen der Früchte. — Die 
Ambonezen rechneten ihre Lebensjahre nach den Ringen des bei der Geburt ge- 
pflanzten Cocosbaum^s. — In Ambon wurde der König als Gor Ha (grosser Herr) 
oder Opoe Latoe angeredet 

Um Glück zu haben, durfte der Ambonoze den ersten Fisch nicht verkaufen, 
sondern musste ihn selbst essen oder sonst wegwerfen. — War auf der Jagd ein 
Wildschwein getödtet und das abgeschnittene Ghrenpaar desselben aufgesteckt, so 
wurde den Geistern der Vorfahren gedankt und ihnen ihr Antheil hingesetzt. — 
Beg^net der Amboneze beim ersten Ausgang einer gebrechlichen Person, so kehrt 
er nach Hause zurück, weil er sonst an diesem Tage kein Glück haben würde. — 
Die Marktfrau muss das erste Stück für den angebotenen Preis verkaufen, nnd 
dabei — in sich hinein sprechend: ^Es ist fort, damit Alles fortgeht**, — auf den 
Marktkorb **) schlagen (in Ambon). 

Wenn bei Krankheit (auf Ambon) der Priester den Baum, den Berg oder Fluss, 
wo die Seele des Leidenden sich aufhält, bezeichnet, und dort, unter Hinsetzen von 
Speise, den Dämon um Loslassen der Seele gebeten hat (seinerseits ein Huhn in 
Freiheit setzend), so stellen, bei der Rückkehr, die Verwandten einen Krug neben 
das Kopfende des Bettes, mit der beruhigenden Versicherung, dass die Seele jetzt 
zurückgegeben sei. — In Ambon besitzt jedes Haus, Garten, Brunnen u. s.w. seinen 
Tanoengo oder Wächter, der Krankheit senden kann, und ebenso mag diese her- 
rühren von den Swangie genannten Frauen, welche durch den Anblick (besonders 
Kinder) verzaubern, nachdem sie einsam bei Vollmond getanzt haben. Der zu Hülfe 
gerufene Drang berobat oder Dukun entdeckt im Durchschneiden einer Wurzel die 
Ursache der Krankheit, worauf wenn Bezauberung vorliegt (durch Ausschiessen des 
Bastian, Arobipelago. I. 11 



Digitized by 



Google 



162 

Namenbilds u. 8. w.), der G^enzauber, am das Unheil auf den Urheber zurfickza- 
werfen, angewandt wird. 

Ist (auf Ambon) eine Frau im Kindbett gestorben, so erhebt sie sich am dritten 
Tage, greift an ihre Grosse Zehe und ruft: „Ich bin gestorben!* Sie begiebt sich 
dann zurück in's Sterbehaus, wo das Bett aufgeschüttelt und Alles für sie bereit 
sein muss, weil, wenn qualvoll fühlend, die Verwandlung zu einem Pontianak droht, 
wogegen sie in's Grab zurückkehrt, wenn Alles schlafend und in Ordnung be- 
funden. -T- In die Leichenkiste ^) der im Kindbett Verstorbenen legt man Eier und 
dergl. m., um die Verwandlung der Seele in einen Pontianak vorzubeugen, welche 
Art Gespenster den Geschlechtstheilen der Männer nachstellen. — Unter den Dä- 
monen ist Nene Loehoe (mit Pferdefuss) der gefurchtetste (auf Amhon). 

Bei der Beschneidung der (heidnischen) Ambonezen wurde im Walde mit 
Bambusstücken die Vorhaut eingeschnitten, unter Wegblicken, indem der Beschneider 
ausrief: „Siehe, da ist ein Cuscus-Thier im Busch* (so viele Nachkommen wün- 
schend, wie Haare auf dem Cuscus). Nur Beschnittene durften heirathen. — Die 
mit Blumen u. s. w. in einen Topf aufgebundene Nachgeburt wird durch ein Schi£^ 
das geraden Guts steuern muss, in die See geführt und hineingeworfen. In der 
Altmark wird die Nachgeburt an sonnen- und mondlosen Ort begraben, wogegen 
in Franken in die Kleider eingenäht (s. Wuttke) oder auch dem Kinde in Eierspeise 
zu essen gegeben (um den Verstand zu ofthen). 

Die Insel Ambon heisst Jaba (auf Ternate). — In der Insel Keleh „reside an 
roi, qu'on nomme le Djaba ou prince indien** (s. Jaubert) neben den Inseln Djaba, 
Selahat und Heridji (bei Edrisi), und dann die Javaner weiter (zu Jon und Juen). 



Axunerkungen. 



1) Im Nachen Micinapikawan r.ettet sich der aus der Fluth üebriggebliebene (bei den 
Enistenaux). Beim Bisontanz lehnt der Eanih-S&chka klagend an der Arche (Mah-Mounih- 
Tuchä). Der Auftrag zum Feiern des Poenitenzfestes (Okippe) haben die Numangkake von 
Mnmank-Machana (Erster Mensch) erhalten (s. Neuwied). Das von der Fluth übrige Paar 
(bei den Maipuren) rettete sich auf den Berg Tamanaku (s. Gilj), wie Amalivaca (bei den 
Tamanaken). Oertns dies habetur in fastis, quo Indis navigium celebratur (s. Lact.). Pars 
Snevorum Isidi sacrificat, unde causa origine perigrino sacro parum comperi, nisi quod 
Signum ipsum, im modum libumae figuratum, docet advectam religionem (s Tacit). Kach 
der Fluth wurden Thiere in Menschen verwandelt (bei Irokesen). Unter den Wasserfrauen 
(in Siebenbürgen) verlangen die Bachfra (im Mühlbach) und die Kakelfra (in der Eockel) 
alle Jahre ihr Opfer (s. Schuster). Die Topich genannten Wassergeister ziehen den Men- 
schen hinab (bei den Masuren). Die Saale will ihr Jahresopfer (und die Ertrunkenen liegen 
unter Töpfen). 

2) Das „Böten** oder büssen (bessern) wirkt (im Versegnen oder Versprechen) der 
Krankheit zauberkräftig entgegen (s. WutÜLe), und wenn das Gebieten, als ohnmächtig, 
sich im Gebete beugt, folgt Besserung (auch moralisch). Als Zugler und Farzer ge- 
scholten (bei den Büin), verschwindet Endirbab (Fürst der abgeschiedenen Seelen). 

3) Im Tschonli hat jede Provinz ihren heiligen Berg (wie Hwei-ki-shan mit dem Grabe 
des Tu in Tang-tschou), und so der Ida in Kreta (mit Zeus' Grab). Der aus dem Brande 
Sarasuma's Gerettete flüchtet in eine Höhle (bei den Turacares), und so in der Feuer- 
Zerstörung (der Nahuatl). 

4) NnUus praesumat aldiam alienam ant aneillam, quasi strigam, que dicitur Masca, 
occidere (644 p. d.) nach Rothaar's Gesetzen (der Longobarden). Im Böten oder Bussen 



Digitized by 



Google 



163 

(Bessern; wird der Krankheit zanberisch entgegengewirkt (s. Wuttke) and apotrop&ische 
Ceremonien waren mit Beichten yerbnnden (bei den Quechaa n. s. w.). L'action de la pi^re 
s'exerce en particulier snr les dem ordres de ph^nomenes Celestes qui figurent au premier rang 
dans la mjthoiogie v^dique, les ph^nomenes du lever du joor et les ph^nomenes de Porage 
(s. fiargaigne), als Wettermacher (des Hexenwesen^s) oder Regenmacher (in AMka's König- 
tBom). Der Mgange (Zauberarzt) verfolgt die Uschahue oder Hexerei (bei den Wazaramo). 
Die fiussprediger wirkten durch die „maledizfone^ , als zeitlich aus dem Bösen folgender 
Fluch (wie im buddhistischen Kamma verknüpft). Die Zauberer (oder Woi-worung) could 
send their deadlj magical yaruk (rock crystall) against a person, thej desired to kill in 
the form of a small whirlwind (s. Howitt), und so die Finnen (im Hexenschuss). 

5) Das vom Himmel herabschwebende Kind sang (446 p. d.) den im Chor der Engel 
gehörten Vers (des Trisagiou). Parece que se trasmitia ä los jöveues cierta instruccion lite- 
nria, reservada por los Faicanes para las Casas santas de Umiaya (auf Gran Canaria); 
ningona de estas leyendas ha llegado hasta nosotros (s. Miliares), im Totalverlust (wie auf 
den meisten Gebieten der Ethnologie). Wenn ohne Sohn, vererbt der Peaiman seine Tra- 
dition auf einen Schüler, „one with an epileptic tendencj being preferred" (s. Im. Thum), 
und so überall in psychischer Erziehung (des Schamanismus), 

6) Handelt der erste Käufer viel ab, oder kauft er nichts, so geht das Geschäft 
schlecht (in Böhmen). Man darf nichts aus dem Hause ganz umsonst verschenken, weil 
sonst das Glück mit weggegeben wird (in Altenburg). Kauf leute (in Birma) halten sich 
eine temporäre Frau, als Mjauk-ma oder Affenfrau (s. Jardine). ^äyoga icpogaa rj avyo^os 
i »pof ToTi notroTf oQOtg yiyyoiu^yri raiy darvytijoyoy (Et. M.). Die Feste der Isis (in 
Tithorea) waren mit grossen Messen (zum Verkauf) verbunden (bei Paus.), und bei den 
Amphictjonen-Yersammlungen wurden Märkte abgehalten (Ilvkaiidtg dyoQat)^ wie bei den 
Jahresversammlungen des ätolischen Bundes in Thermos (s. Polybius). 

7) Die Preussen luden ihre Todten zum Mahl ein, die Speisen unter den Tisch wer- 
fend (nach Meletius). Bei Ifeh wird der Todtenmarkt abgehalten (in Yoruba). Am Abend 
des Begräbnisstages stellt man dem Todten einen Stuhl in das Sterbezimmer, hängt ein 
Handtuch an die Thür und erwartet ihn so; denn der Todte kommt an diesem Abend 
zurück, setzt sich auf den Stuhl, weint sehr und trocknet seine Thränen an dem aufge- 
hängten Händtuch; dann verschwindet er auf immer (zu Lubainen), während er, in Hohen- 
ßtcin, sich zu bedanken kommt (s. Toepper). Beim Dziady genanntem Gräberschmaus 
werden die Todtenseelen gerufen (in Litthauen). Auf Tana werden die Todten in seitlicher 
Nische des Grabes beigesetzt (wie in Manizales). Wenn der Mensch stirbt, so steigt der 
Geist (Hoen) aufwärts (sching), die Seele (Pe) geht abwärts (hiang) im Schu-king (bei 
Mengtseu). Die Peruaner badeten ihre Mumien, ehe sie zu Tisch gingen (s. Molina) beim 
Situa-Fest (Aller-Seelen\ Und dazu die Seelenbäder, um die Seelen der Verstorbenen „zu 
reinigen, abzukühlen und zu erquicken" (s Leo), wie von Kurfürst Friedrich von Sachsen 
gestiftet (1517). Beim Todtentanz auf peruanischen Vasen erscheint der Tod gerippen- 
trtig, beim Todtentanz im Wormser Missale als „schmutziger zottelhaariger Alter im 
Bettlergewande, weder ganz Leiche, noch ganz Skelett" (s. Otto), und die Tolteken tanzen 
ihr Reich zu Tode, mit den in den Festesreigen eingeschlungenen Todten (G. u. E. B., 
8. 38). Bei den Araucanem: „Todos los caciques brindaron al muerto" (s. Bascunan) und 
die Daurier (s. Tsbrand) füttern ihn (durch Einstopfen von Speise auf den Arn ebenfalls). 
Solche Seelen lassen sich denn auch flicken durch den Angekok, als greifbar substantieD 
(gleich den Materialisationen der Spiritisten). Die Etrusker erbauten „Banketsäle" in den 
Gräbern der Todten (s. Dennis) zum Siücemium (der Römer). Im Schlaf hat vertraulicher 
Verkehr statt, weshalb die Chiliguanos (s. Fontana) beim Erwachen weinten (weil jetzt 
wieder verlassen). 



11* 



Digitized by 



Google 



iNachdem auf den Banda- Inseln die Königreiche von Labetakka, Celemma, 
Wayer und Rosangein vor der Volks Vereinigung (Sjahbandaar's) gefallen waren, 
theilte sich (in Folge eines Zwistes) die Bevölkemng in zwei Bunde (dem Funfoer- 
Bund und den Neuner -Bund). Auf dem Gunung-Api gegenüberliegenden Ende 
wird Gross-Banda als Lontar bezeichnet, auf dem anderen als Slamon. Java- 
nische Arbeiter kommen unter abgeschlossenen Verträgen (auf 5 Jahre) nach Banda, 
und werden von dort weiter venniethet, nach Ceram (Ilo u. s. w.). Die Maskat- 
bäume auf Neira wachsen unter dem Schatten der Kanari -Bäume. — Afroo (aas 
Timor) ist mit Adeka (Egeron's Tochter) vermählt (in Helmers Gedichten). 
Egeron (Vater der Fürstin Adeka) wurde von den Spaniern geblendet (ab letater 
Fürst Banda's). 

In Seraua ynrd von den Unverheiratheten ein Kamm (vom Haar aussteckend) 
getragen. Das Haar wird in breitem Wulst um den Kopf getragen, mit Cocoß- 
nuss -Wasser und Asche roth gefärbt (der Kamm zum Kratzen dienend). — Die 
Seruaner fuhren in ihren Prauwen kein Feuer mit, sondern essen Alles roh, 
Fische und Vögel in verfaultem Zustande (aus Verehrung für das Feuer). — Die 
Prauwen von Serua (und Vila) kommen im October nach Banda (im December 
zurückkehrend), aber stets nur mit vollem Wind, da sie sonst bei mangelnder 
Kenntniss der Navigation die Richtung nicht einhalten können. Vor einigen Jahren 
wurde ein Schiff nach Surabaja verschlagen, und als von dort wieder in See ge- 
gangen, nach den Key-Inseln, bis es schliesslich nach Ambon gelangte, und dann 
über Banda wieder nach Haus. — Wenn die Bewohner von Serua (zum Verkauf 
ihrer Prauwen) nach Banda fahren (oder zurück), befragen sie zuvor ein Huhn, 
dem die Kehle geöffnet und darauf auseinander gebrochen wird. Ist Alles rein und 
klar; gilt das Vorzeichen günstig, wogegen Flecken Aufschub der Abreise verlangen. 

Bei Ankunft der Holländer unter Verhoeven erzählten die Bandarezen, dass 
y der bei ihnen heilig verehrte Dato die Ankunft eines weissen Volkes vorhergesagt, 
dass die Inseln besitzen wfirde (1609), wie es mit Aufbau des portugiesischen Forts 
geschah (und dann holländische Occupation). 

In Banda, wo auf 3 Quadratmeilen 10000 Menschen gerechnet wurden (XVI. 
Jahrb.), wurde (zu Van Berkel's Zeit) mit Schiffen (die in Key gebaut waren) nach 
Patani und Java gehandelt (s. Valentyn). — Die Portugiesen kamen nach Banda 
durch Gesandte a|ts Temate, im Blrieg mit Tidore der Spanier^ 1522). — Die 
Nelken gelangten von den Molukken durch Howamohel bis Ceram (XV. Jahrb.). 

Christian Volenmacher aus dem Voigtlande gerieth, als auf Banda lebend, in 
eine Verzückung (1712), und sah dann im Vulcan des Gnnung Api die früheren 
Gouverneure, Capitäne und Steuerleute, wodurch die Leute gequält waren (s. von 
Barchewitz), wie mittelalterliche Mönche die Seelen widerhaariger Könige fur 
Pein in sicilische Vulcane geführt sahen. — Tschingiskhan berief den Tau-Priester 
Tschang-tshun aus Shant-ung wegen eines Mittels für Unsterblichkeit (1230 p. d.). 



Digitized by 



Google 



165 _ 

— Die Hexen oder Hexer (bei den Masuren) können dem Menschen Alles mögliche 
anthun (uczynck) durch den bösen Blick, durch Anhauchen, durch Berühren, durch 
Beschütten und dadurch, da«s sie ihm etwas zu essen geben (s. Toepper). 

Wenn die Hexe Jemand besucht, nimmt sie vorher ihr Eingeweide heraus 
(in Schwaben), mit dem Kopf und anhängenden Eingeweiden herumfliegend (unter 
den Malayen). 

In Banda roht die Erde auf einem Ochs, dessen Kopfschütteln Ejrdbeben ver- 
ursacht. — Auf der Insel Ay (in Banda) fand man (nach Valentyn) zwei Donner- 
steine (als een sherpen beitel aan de eene zyde). — Zu Barchewitz Zeit wurden 
hinter dem Fort Bellekyke Steintöpfe (Marlafanen) mit Asche (der alten Banda- 
nezen) ausgegraben. 

Die Alfuren des zu Banda gehörigen Ceram sind Pati-Lima und die des zu 
Ambon gehörigen (köpfeschnellenden) Pati-8iwa. — Aus Gesir wird mit den Al- 
furen Ceram's in der Bay von Wahai gehandelt, so^fvie in Suai und Saleman (für 
Sago). In Maloran und Suatan werden wilde Muskatnüsse gehandelt (auf Ceram). 

— Nach Mittheilung von Prang Marcus Kakiay werden die unter den Fata-Siwa 
(auf Ceram) in den geheimen Kakiha-Bund Aufgenommenen (die mit verbundenen 
Augen nach dem im Busch gelegenen Haus geführt sind) vom Dämon getödtet und 
dann wieder aufgeweckt, und zum Zeichen legen die Mawen oder Priester Lanzen, 
die mit dem Blute geopferter Thiere beschmiert sind, auf dem Wege nieder, der 
zum Dorfe führt. 

In Banda (Waran oder Walan) wurde Ceram als Waran Ela oder Waran IIa 
(Gross-Banda) bezeichnet — Bei Kriegen zwischen den Uli -Lima (im Ost und 
Nord) und Üli-Siwa (im West und Sud) bildete die Ortschaft Ortattan neutrales 
Gebiet. — Als die vier Könige von Banda (in Labetakka, Selamme, Wayer und 
Roeingain) abgesetzt waren, wurde ein Rath der Altesten erwählt, deren Beschlüsse 
aber später erst noch von der Boedjang (oder Gemeinde) gebilligt werden musste. 
Im Kriege blieb dann der Tapferste (oder Tua, bei den Maori), als dux ex virtute 
(oder Herzog). Neben dem Dictator des Friedens fand sich der Praetor (prae-itor) 
als Kriegsanfuhrer (in altlatinischen Städten). Unter den Bmegen der Uli-Lima 
(Fünfner) und Uli-Siwa (Neuner) auf Banda fiel (1598 — 1599) Labatakka von 
Neira ab. 

Auf der Banda-Gruppe (aus Ceram, Key, Arouw, Timor, Solor, Boeton, Te- 
nimber u. s. w. bevölkert) herrschten (1500 p. d.) vier Könige (in Labatakka, Ce- 
lanune, Waaijer und Rosangijn), bis unter republikanischer Regierungsform Ver- 
einigung hergestellt wurde, und besass dabei: 
Labetakka das Recht der grossen Fischerei, 

Neira w w ?> Angelverfertigung (aus Kupfer) und Waffenhandel, 

Lontar „ ,, des Handels (mit Macassar, Java, Malaca, Patani u. s. w.), 

Hammel ,, ,, „ Muscatnuss-Pflückens und Handels mit Tenimber, 

Sammer 9» 9» » Handels mit Tenimber, 

Orontalle « » » „ « „ 

Celamme „ „ „ v rt Keij u. Arouw (u. dortige Prauwenverfertigung, 

Waaijer „„„ „„„„„„„ „ 

Oudendenner« „ „ „„„„„„„ „ 

Foeloe-Aij „ »» „ ^„„,) (und nach; Ambon), besonders in 

Sago, sowie Mattenflechterei, 
Poeloe-Rum „ »w t» n n n ji (*ind nach Ambon), sowie Ver- 

fertigung des Cocosnussöl, 
Rosangijn „ „ der Verfertigung von irdenen Töpfen und Pfannen. 



Digitized by 



Google 



166 

So vertheilen sich die Beschäftigungen unter den Inseln der Marquesas-Gruppe 
(in Arbeitstheiiung) oder bei den Stammen Giiinea's: Unter den yerhandelten Ar- 
tikehi zeichnen sich für Töpfe die Cariben aus, für Hängematten die Arowaken, 
„the Warraus make far the best canoes*', die Macusis bereiten das Ourali, die 
Arecunas die Blaseröhre. The Tarunias and the Woyowais have a complete mo- 
nopoly of the manufacture of the graters, on which Indians of all the tribes grate 
their cassava (s. Im. Thurn). So mögen (auf Fiji u. a. O.) Verfertigungsweisen 
monopolistisch isolirt werden, um unter verhältnissmässig gldchförmiger Umgebung 
kunstlich gleichsam diejenigen Differenzirungen zu schaflTen, welche, wenn, als auf 
geographischer Basis, natürlich gegeben, sich genügend kräftig erweisen mögen für 
Reizerweckung, um das Getriebe geschichtlicher Bewegung in Gang zu setzen. 
Daraus ergiebt sich also die Bedeutung der Flüsse, die Variationen des oberen, 
mittleren und unteren Laufes zusammenführend, daraus vor Allem die der Küst^- 
Entwicklung für die fremden Erzeugnisse geöifnete Häfen, und aus gleichen Gründen 
mögen terrassirte Bergländer, wenn unter den Tropen zu genügender Höhe für 
durchgreifendere Unterschiede aufsteigend, die Entwickelung einer Cultur begün- 
stigen (wie in dem Problem des westlichen Continente's). 

Nach Banda gelangte ich auf dem Dampfer ^Egeron*, der seine, Timorlaut 
zerschneidende, Strasse diesmal, ungünstiger Witterung halber, nicht hatte passiren 
können, indess durch Anlaufen an den Tenimber, auf dieser bis dahin in ethnolo- 
gischen Sanmalungeu spärlichst vertretenen Localität, Gelegenheit zu ausgiebigereo 
Erwerbungen bot, die sich jetzt im Königlichen Museum befinden. Aus Band* 
konnte der Apparat zum Pflücken der Muscatnüsse zugefügt werden, den ich bei 
meinem Besuche Gross-Banda's (von Neira aus) auf der Plantage Simosiwal (Aprü 
30) erhielt, neben freundlichen Belehrungen über Cultur und Präparation des, dieser 
einsamen Inselgruppe lange Zeiten hindurch monopolistisch angehörigen, Handels- 
producte's unter den viel- und allgesuchten Gewürzen (ein Dauaer-Geschenk für 
die, solches Beutepreises wegen, blutigst umstrittenen Molukken). 



Druck von Gebr. Unger (Th. Grimm) Berliu SW., Schöuebergeretr. 17 a. 



Digitized by 



Google 



JJie nachstehenden Tafeln begreifen Gegenstände der aus der damaligen 
Reise zurückgebrachten Sammlung, welche sich jetzt dem Königlichen Museum 
eingefugt findet. Die Beschreibung ist durch Herrn A. Krause, Conservator 
der Ethnologischen Abtheilung übernommen worden. 

Was auf Halmahera bezüglich ist, wurde persönlich erworben, das zu 
Celebes Gehörige war bei Anwesenheit in Macassar der Güte des Herrn 
Assist.-Resideot Bensbach zu verdanken. 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



/ 



Tafel I. 



Apparate zur Sagobereitung: 

Fig. 1. Hackenartiges Instrument; dient zum Ausschlagen des Sago enthaltenden 
Saftes aus dem weichen Mark der Sago-Palme. Es besteht aus einem 
unten stumpf abgeschnittenen Stück Bambus, welches mit einer Hand- 
habe aus Holz versehen ist. 49 cm lang. 

Fig. 2. Form aus gebranntem Thon mit fünf Fächern, in welcher die die täg- 
liche Nahrung bildenden Sagobrote geformt und getrocknet werden. 
21 cm lang. 

Fig. B. Sagosieb. Es ist fächerförmig aus Palmbaststreifen zusammengenäht 
(mit Pflanzenfasern) und von oben nach unten 68 cm lang. 

Fig. 4. Tragkorb aus Holzstreifen mit Rotangbändem. Er dient zum Transport 
des Palmenmarks zur Sagobereitungsstätte. Der Korb ist mit zwei 
Traggurten (für die Schultern) versehen und 79 cm hoch. 

Fig. 5. Schlägel für die Bereitung der Zeuge aus Baumbast. Er ist aus Cocospalmen- 
Holz hergestellt, längsgeriefelt und 27 cm lang [ein Seitenstück der polynesi- 
schen für Tapa]. 

Fig. 0. Klimperinstrument aus Bambus, 51 cm lang. Die Saiten sind aus der Ober- 
fläche des Bambusstückes selbst durch Längsschnitte gelöst, während ihre 
Enden festhaftend belassen wurden, sodass sie durch untergeschobene Hölzchen 
die für die Erzeugung des Tones erforderliche Spannung erhalten. 

Fig. 7. Fiedel (Monocord> , 92 cm lang. Den Körper bildet eine halbe Schale einer 
Cocosnuss, die mit Thierblase überspannt ist, den Hals ein Stück Bambus, 
den Fuss ein geschnitztes Holz. 

Fig. 8. Bogen zu Nr. 7. Bügel aus Holz, mit Pferdshaaren bespannt. 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 




M-# 



Digitized by 



Google 



Tafel n. 



Helmartiger Kopfschmuck für den Büffeltanz der Tnraja. 

Der Helm selbst besteht aus Geflecht von Rotang. Er ist vom mit einem 
Haarbusch geziert, sowie mit zwei Homplatten (der Länge nach gespaltenem, 
dann geglättetem Hom) in Gestalt von Büffelhömem, die vom durch eine Holz- 
platte zusammengehalten werden. 

Ein Harnisch aus Schnurgeflecht (aus Mandhar). 

Der Hämisch ist zu grösserer Widerstandsfähigkeit mit Scheiben benäht, 
die aus den breiten Enden von Trombus- und Conus-Schnecken geschliffen sind. 

Zwischen dem Kopfputz und dem Harnisch: Zwei geflochtene Täschchen mit über- 
greifendem Schiebedeckel, der bunt gemustert ist. Sie dienen zur Aufnahme von 
Betelblättem und Arekanuss für das Betelkauen, sowie zum Aufbewahren aller 
möglichen kleinen Dinge: Fetische, Zierrathe et<j. 

Unter dem Harnisch: Ein Deckelkorb mit Klappdeckel und Tragband, zum selben 
Zweck, wie die beiden vorigen dienend. Er ist aus Rotangstreifen geflochten. 

Ein sechseckiges Körbchen mit buntem ganz übergreifenden Schiebedeckel, sowie eine 
kleine Kalkbüchse, Bambus mit Schildpattüberzug (für Kalk zum Betelkauen). 
Letztere fünf stammen ebenfaUs aus Turaja. 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 





Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



Tafel m. 



Flg. 1. Bemaltes Endstück eines Lendenschnrzes, „Sarong^, aus Baumbast; von Sahoe. 
Die weissen Stellen zeigen die natürliche Farbe des Bastes, gelb und roth 
sind aufgemalt. Der Schurz ist 8,60 m lang und 33 cm an der breitesten 
Stelle breit Er wird mehrmals um die Hüften geschlungen, dann von hinten 
zwischen die Beine und die Hüftenumschlingung hindurch gezogen, so dass 
das bemalte Endstück vorn vor den Lenden hängt. 

Fig. 2. Theil des gemusterten Endstückes einer Schlafmatte aus weichen Palmblatt- 
streifen, welche mit Pflanzenfasern in mehrfachen Lagen zusammengenäht 
sind. Aus Sahoe. Die Matte ist 1,34 m lang, 0,68 m breit. 

Fig. 3. Die beiden Endtheile einer Schlafmatte, die aus abwechselnd naturfarbenen 
und roth gefärbten Palmblattstreifen hergesteDt ist. Der Endtheil ist reich 
gemustert, theils durch Färben der Streifen, theil s durch Bemaluug, Aufnähen 
und Ausschneiden feinerer Muster. 

Fig. 4. Ein Theil des Endtheiles der Fig. 3 in grösserem Massstabe. Die rothen 
Stellen sind durch Färben erzeugt, ebenso der schwarze Grund. Die weissen 
und rothen Kreuze in den Dreiecken sind aufgenäht und bestehen aus Stroh- 
stückcheu. Die weissen Muster in schwarzem Grunde sind ausgeschnitten 
und mit Glimmer unterlegt. 

Fig. 5. Eine kleine Skizze der ganzen Matte, halb aufgeklappt Die Matte stammt 
aus Galela; sie ist 1,86 m lang und 0,67 m breit. Solche Knick -Matten sind 
zum Transport beim Keisen den aufgerollten vorzuziehen. 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 




JOTTFTTWTITTF! 






% 


\ 






-IIQVC'V^ «9^«^ "^V^ ^ , 


%\ 


-m z-. t..»fc. ^.:'>. 'fc>. feA 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



INDONESIEN 



ODER 



DIE INSELN DES MALAYISCHEN ARCHIPEL 



A. BASTIAN. 



II. LIEFERUNG. 

TIMOR UND UMLIEGENDE INSELN. 



BERLIN 

FERD. DÜMMLERS VERLAGSBÜCHHANDLUNG 

HARRWITZ UND GOSSMANN 



1885. 



Digitized by 



Google 



TIMOR 



UND 



UMLIEGENDE INSELN. 



REISE-ERGEBNISSE UND STUDIEN 



A. BASTIAN. 



MIT ZWEI TAFELN. 



BERLIN 

FERD. DÜMMLERS VERLAGSBUCHHANDLUNG 

KAKRWrrz UND GOSSMANN 



1885. 

Digitized by VjOOQlC 



^1133 



öc.frKi. 3 ^n -u 



LIBRARY OF THE 

MUSEUM OF COMPARATIVE ZOOLOQY 

DEPOSITED \H THE 

PEABODY MUSEUM 



0CT18 1939 



Digitized by 



Google 



Vorwort. 



(Metaphysische Prolegomena für die Psychologie als Naturwissenschaft.) 

Seitdem die altberechtigte Lehre von dem für das Wesen des Menschen 
typischen Gesellschaftscharacter aufs Neae zur Geltung gekommen und 
der Ausgangspunct psychologischer Studien somit in den Yölkergedanken 
gefallen ist, eröffnet sich eine hofibnngsvolle Aussicht für die naturwissen- 
schaftliche Behandlung, um für den Siegeszug ihrer glänzenden Entdeckungen 
in physischer Natur, jetzt auf psychischem Gebiet auch eine Arbeitsbahn 
vorzubereiten. 

Die Erfahrungsphilosophie (der Empiriker) „entnahm der Erfahrung und 
den beobachtenden Wissenschaften den StofP, brachte ihn in Ordnung und 
legte sich das Fundament zurecht, auf welchem sich der majestätische Bau 
zu erheben hätte^ (s. Pesch), und wenn nach dem erklärlichen Fehlschlagen 
überhitzigen Ansturms zur Eroberung, vorläufig temporäre Yerzichtleistung 
eingetreten ist, in der skeptischer Aporie eines „Ignoramus^, so bedeutet 
solche Waffenruhe nur die Torbereitungszeit zu gründlicherer Ausrüstung. 
Wenn Manche der gewissenhaften Naturforscher, durch erlittene Niederlagen, 
wie durch den Uebereifer plänkelnder Vorposten verschuldet), einigermassen 
entmuthigt das Gewehr bereits in den Graben zu werfen fast geneigt sind, 
mit entsagendem „Ignorabimus'', so vergass sich das letzte und nothwendige 
Gomplement des naturwissenschaftlichen Baues, unter Zuziehung der 
Psychologie, und der in ihren künftigen Aussagen eingeschlossenen Yer- 
heissung. Und auch die „moderne Verzweiflungsphilosophie" (s. Harms) 
darf frischen Muth jetzt fassen, um für metaphysische Nebelbilder eine reale 
Grundlage zu gewinnen, und auf dieser die Wirklichkeiten erkennend, die 
schwankenden Umrisse jener mit schärferer Bestimmtheit zu umzeichnen 
und zu begrenzen. 

Die Induction einer naturgeschichtlichen Behandlnngsweise bedarf indess, 
als nnerlässlicher Vorbedingung, der Bausteine, des Materials, und um solche 
Materialbeschaffung also, um ihr Sein und Nichtsein, dreht sich der Kern 
und die Lebensfrage naturwissenschaftlicher Psychologie. Wenn die nach 
ihr ausgesendeten Entdeckungsschiffe scheiterten, auch die von philosophischen 
Meistern (gleich Beneke, Waitz u. a. m.) gesteuerten, so war in dem Mangel 
substantiell thatsächlicher Stetigung die Ursache des Fehlschiagens zu suchen, 
dessen Klippen nach Zutritt des Völkergedankens erst sich umschiffbar er- 
weisen werden in der Erkenntniss seiner Apriorität, (oder relativen Priorität), 



Digitized by 



Google 



VI 

bei der gesellschafUichen Natur des Menschen, und in der damit gebotenen 
Möglichkeit, mittelst der Ethnologie das Material in derjenigen Debersicht 
zu beschaffen^), wie für den Aufbau einer inductiven Behandlungsweise vor^ 
bedinglich erfordert. 

„Die Philosophie (beginnt unmittelbar bei Anfang des Selbstbewusstseins) 
bedarf keiner Voraussetzung, keines historisch ausser dem Denkenden gegebenen 
Factum's, sondern verhält sich indifferent gegen alle historischen Gesichts- 
puncte, da sie den gemeinsamen Grund der Gewissheit und das höchste sub- 
jective Erkenntnissprincip für alle sucht** (s. Deutringer). So die Deduction, 
wogegen die Induction mit den Thatsachen beginnt, auch psychologisch (um 
zum Selbstbewusstsein vorzudringen). Mit Cartesius (s. Günther) wurden 
die Thätigkeiten des menschlichen Intellectivprincips auf die des selbstbewussten 
Denkens und WoUens reducirt (wogegen in naturwissenschaftlicher Auffassung« 
erst nach der Ausweitung an der Peripherie, bei Rückkehr von dort ein 
Eindringen in das subjective Centrum mag ermöglicht werden können). 
,,Das Ich ist der einzige Möglichkeitsgrund, die unumgängliche Yoraos* 
Setzung, das innerste Wesensconstitutiv unserer Denkacte** (s. Uphues). Aber 
„ie moi est hatssable*' (s. Pascal), für die Induction wenigstens, da sie der 
Objectivation bedarf (zur objectiven Behandlung). 

Dass was in der Deduction richtig gedacht ist, sich auf dem von der 
Induction vorgeschlagenem Wege ebenfalls bestätigen muss, (zur doppelten 
ControUe), liegt in der Natur des Richtigseins begründet (wie es ö dta rot 
fiiaov avi.Xoyio/xog^) erfordert), und wenn aristotelische Lehren von der 
Materie, und ihrem Gebundensein an die Formen, als formas subsistentes 
(scholastisch), in denen von Kraft und Stoff, bei Erhaltung der Energie, Be- 
stätigung (oder objective Wiederholung) finden, gewähren sich hier zugleich 
practische Bereicherungen aus der Physik, während die Philosophie den 
Geistesschwelgereien der dafür Bemittelten nur mehr weniger geistreiche (wenn 
nicht mitunter auch geistlose) Gedankenspiele zu bereiten vermochte. Duo 
sunt modi cognoscendi, scilicet per argumentum et per experientiam ; argumen- 
tum concludit et facit nos concludere questionem, sed non certificat neque 
removet dubitationem (s. Roger Baco), indem vorher erst die Induction') 
aus thatsächlichen Erfahrungen eine sichere Unterlage zu bereiten hat (für 
naturwissenschaftliche Studien). Cognitio magis communis est prior quam 
cognitio minus communis (s. Thom. Aq.), und die allgemein verschwimmen« 
dien Anschauungen eines undeutlichen Femsehens klären sich im Nähertreten 
mit zunehmendem Detail (bei naturwissenschaftlicher Verarbeitung desselben), 
innerhalb des Accommodationsgebietes (geistigen) Auges (zwischen dem Nahe- 
punct und Fempunct). Dabei bleibt, aus der Unendlichkeit des Geistes vor- 
quellend, unendliches Sehnen, so dass bei der Religion als practisches Be- 
dürfniss der Menschenseele (s. Herbart), „le sentiment religieux est une 
facult^ inhärente ä Thomme** (s. Benjamin Constant), als nothwendiges Com- 
plement im gläubigen Ahnen, das je mehr im erobernden Vordringen des 
Wissens zurückgedrängt, sich desto gigantischer ausweitet (in ein jenseitig 
noch Unfassbares). 

Im „Actus conjuncti" (b. Thom, Aq.), „una potentia procedit ab essen tia 



Digitized by 



Google 



VII 

animae fiiediante alia^y denn „potentta animae ab essentia flait non per 
transmntationem sed per naturalem quandam re&oltationem^, and bei dem 
seehsteii Sinn (des ^Mano^), als sensue commanis (xoinj aiad7jmg\ würde er 
in das Herz (bei Tham. Aq.) verlegt, auf die Gefühle fortwirken, wie aus der 
^prinia concayitas cerebri", im Gehirn (bei Aristotel.) auf das Denken. Die 
Energie oder der Modus des Seelenlebens im engeren Sinne ist das Bewusst- 
werden (s. Job. Müller) für den Einzelnen (innerhalb der Gesellschaft). 

Indem durch die Sinnesthore (als „Dvara**) physikalische Kräfte auf orga- 
nische Entwicklung (des Zellenprocesses) einfallen, gestalten sie diese um, in 
neue Thätigkeiten, welche einerseits sowohl als Vorstellungen (aus dem Mikro- 
kosmos) am makrokosmischen Horizont projicirt werden, wie andrerseits in 
vegetative Vorgänge (der potentia vegetativa) mit hineingezogen, dort bei 
Erweckung von Lust und Unlust im Begehrlichen (oqbxtixov) die Entschei- 
dung durch voluntas oder (bei Aristotel.) nQoaiQeatg verlangen, unter gleich- 
zeitiger Rückwirkung auf Anordnung der Vorstellungen, in der „sola anima^, 
denn „virtns formativa, quae in principio est in semine, manet etiam adveni. 
ente animale rationaü, sicut et Spiritus, in quos tota substantia spermatis 
convertitur, manent" (s. Thom. Aq.X und so zeugt es weiter, sinnlich sowohl 
durch (neubildende) Fortpflanzung (in Wiederholung gleicher Arteinheit des 
Irdischen), wie in schöpferischer Thätigkeit neuer Gedankenbildungen, zum 
Ver^landniss vorzudringen, in das seinen Abgrenzungen nach noch Unüber- 
sehbare. 

Da der (subjective) Eindruck der Wahrheit (bei Zeno) diese nicht 
garantirt (nach Arkesilaos), kann das Kriterium des Richtigen nur in gegen- 
seitiger ControUe (objectiv) gewonnen werden im Ineinanderwirken der 
Gesetzlichkeiten, die in ihren Harmonien sich als gesetzliche selbstverkünden 
(und in den Disharmonien ebenso von selbst sich widerlegen). Die Seelig- 
keit ist nicht Belohnung der Tugend, sondern die Tugend selbst (bei fepmoza), 
far den im harmonischen Einklang Fortlebenden, mit gesellschaftlicher Um- 
gebung zunächst (und unter den Naturgesetzen, deren Verständoiss nach, soweit 
dieses reicht). 

In Specialisirung für schärfere Klarheit liegt die Zielrichtung des Den- 
kens, und so setzt es analysirend ein, um in der Verworrenheit dessen, was als 
unbestimmte Allgemeinheiten, auf dem Vorstellungsfeld der Seele, dieser ent- 
gegengetreten ist, erklärendes Licht zu schaffen (im Diffierenziren). Mit solcher 
Deduction begann überall das Denken, in seiner Kindheit sowohl, (mit dem 
damals noch Allgemeinem, was bald auf concreto Einzelheiten reducirt werden 
8<dlte), sowie in scholastischer Durchgangsperiode (nach peripatetischer Be- 
gründung der apodiktischen Demonstration neben dialectischer Methode), 
wenn im Eindruck ungefährer Aehnlichkeiten Realien gesetzt (oder dem 
Wortschall überlassen) wurden (mit Einschiebang einer „distintio formalis" 
zwischen der „distinctio realis" und „distinctio mentalis"). Nachdem jedoch die 
Masse vergleichbarer Beobachtungen mit zunehmender Sinnesschärfung sich 
mehrt und mehrt, dann treten mit den Gleichartigkeiten eben die Differenzen 
auch ans Licht, und damit beginnen die Arbeiten der Induction^), in der Syn- 
thesis diejenigen Allgemeinheiten zu gewinnen, welche auf thatsächliche Beweis- 



Digitized by 



Google 



VIII 

stücke gestützt, sich controllirbar würden feststellen lassen (für weiteres Yer- 
standniss in psychischer Thätigkeit). 

Bei verstandnissToUer Au&ahme des im Sprachverkehr gebildeten Wortes, 
durch das ,,yon der Oberfläche nach der Tiefe führenden Canalsystem's^ (s. 
Wiedersheim) im Gehörorgan, (an Stelle der ersten Eiemenspalte oder des 
„Spritzlochs^), geht ein psychisches Element in die Gedankenthädgkeit ein, 
um durch diese in den psychischen Zellproccss verarbeitet zu werden, aus 
welchem die gesellschaftliche Schöpfung (des Yölkergedanken), — auch tönend 
im Denkausfluss der Sprache (bei Plato) als „lautes Denken^ (s. Schleicher) 
hervorspringt. Und hier ist durch die Induction (in ethnischer Psychologie) 
weiter zu schaffen, aus den Bausteinen (des angesammelten Materials) auf- 
zubaaen (^xii^eiv). Truth seemes to signify nothing but the joining and 
separating of signs, as the things signified by them do agree or disagree 
one with another (s. Locke), im Geduldspiel des Zorechtschiebens (bis die 
Wahlverwandtschaften treffen). Obwohl auf der Netzhaut ein verkleinert ver- 
kehrtes Bild des Objectes entsteht, wird dasselbe dennoch aufrecht gesehen 
(s. Thanhoffer), indem das Auge das Bild nach Aussen projicirt (in die 
wahre Stellung), und so im Verhältniss zu der, in den Eigengedanken des 
Innern versenkten Deduction, können erst die an den ethnischen Horizont 
nach Aussen projicirten Gesellschaftsgedanken in ihrer richtigen Stellung 
erscheinen (bei objectiver Behandlung nach den Methoden der Induction). 
„Der Idealismas richtet sich jederzeit nach dem Realismus, den er vorfindet; 
diesen sucht er umzukehren** (s. Schoel). „C'est k Täme, que la science va 
se prendre" (s. Taine), denn, so lange die Seele mit sich selbst noch nicht 
ins Reine gekommen, wird sie um so weniger über andere Dinge sich klar 
werden können (nach Seneca), und so hat eine naturwissenschaftlich begrün- 
dete Psychologie jeder andern Kenntniss voranzugehen. „Im weiteren Sinne 
ist die ganze Philosophie Leibnitz's Psychologie** (s. Kirchner), für ihren 
Idealismus einer realistischen Basis bedürftig (wie aus inductiver Natur- 
wissenschaft zu entnehmen). 

Vornehmlich wenn von physischer Behandlung zu psychischer fort- 
schreitend, hat die Ethnologie enge Fühlung zu bewahren, mit den auf 
classischer Bildung wohlbegründeten Wissenschaften im Studium der Mensch- 
heitsgeschichte , da ohne die hier gebotenen Stützpfeiler, bei cursorischen 
Streifzügen über den Globus, wenig Anderes zurückgebracht werden würde, 
ausser .Phantasiegebilden allzu schwankender Umrisse, als dass die Induction 
viel brauchbares Material daraus entnehmen könnte. Die Psychologie (zum 
Unterschied von der Logik) „gehört in eine Reihe mit allen Zweigen der 
erklärenden Naturwissenschaften" (s. Dörpfeld), kann sich für induetive 
Behandlung aber nur bei vorhandenen Bausteinen befähigt erweisen (wie in 
dem Völkergedanken aus der Gesellschaftsnatur des Menschen entnommen). 

Das sinnlich aus seinen Zusammensetzungen Empftindene wird, wenn 
in geistiger Einheit aufgefasst, als solches „ens indivisum** (bei Thom. Aq.) 
in dem Sprachausdruck verkörpert, und indem dieser, aus der Lautauffiissung 
im socialen Verkehr, zur Mitwirkung in individueller Geistesthätigkeit zurück- 
kehrt, tritt mit menschlicher Wesenheit ein neues Agens in die Natur hinein. 



Digitized by 



Google 



IX 

als schöpferisch selbstgestaltendes. Ideas are resultants of thoagbt Operations 
(s. Clevenger), aber im sprachlichen Verkehr erst entspringt der Primus 
motor, am den Gedanken in Bewegung zu setzen (für seine Schöpfungen). 
Die Sprache ist bereits Voraussetzung menschlicher Entwicklung (s. Hum- 
boldt), und so die primitive Eunstphäre, denn die Kunst ist die Natur des 
Menschen (s. Joseph de Maistre). Alle Selbstständigkeit ist an das Zu- 
sammenfassen zu einem Ganzen gebunden (s. Cameri). ^Die Ursache jedes 
BedQr&isses eines lebendigen Organismus ist zugleich die Ursache der Be- 
friedigung des Bedürfnisses" (s. Pfluger), wobei jedoch die psychischen 
Regungen mit unendlichen Reihen ausverlaufen würden (in dem Befriedigung 
anstrebendem Sehnen der Ahnungen). Aus dem Einen nimmt Alles seinen 
Ursprung, und Alles ist zurückzuführen auf die Einheit, über der Vernunft 
stehend (bei Plotin), aber in der ^ewQia bewährt (wie in Asangkhara-Aya- 
tana), and stets ist das Eine (rd Sv) als Ausgangspunkt zu suchen (im 
logischen Rechnen). 

Die Sonne (Luft, Wasser, Gestein u. s. w.) wirkt, den physischen 
Kräften nach gleichmässig auf Pflanze und Thier, obwohl verschieden von 
diesen nicht nur, (sondern von jedem Einzelnen auch in deren Reichen), in 
der Empfindung (und ihren physischen Nachwirkungen) verspürt. Beim 
Menschen tritt ausserdem die Auflassung als Einheit hinzu, in dem sprach- 
lichen Aasdruck dafür, der nun als Factor zwischengreift ins Geistesleben 
zum Fortbau der Vorstellungen (auf gesellschaftlicher Sphäre). Die dialec- 
tische Methode, als die „Kunst, das viele der Erfahrung auf den Gattungs- 
begriff zurück und diesen hinwiederum in organischer Gliederung zum Ein- 
zelnen hinabzuführen" (s. Zeller), setzt die objective Durchforschung der 
Einzelnheiten voraus, um den Abschluss in (numerischer) Einheit der Ideen, als 
evadeg oder ^ovaöeg (bei Plato) zu gewinnen. „Das einfachste Reale, das 
erste Element aller Wirklichkeit ist der Punkt der Bewegung" (s. Lang- 
wieser), in mathematischer Aprioristik, da für Berechnung eines metaphysi- 
schen auf Unendlichkeitsreihen hinzuweisen wäre (im höhern Calcul der 
Psychologie). La notion d'infini se constitue par deux id^es qui unies la re- 
pr^entent adöqualement, la premi^re Tid^e de la perfection sans limites, la 
seconde l'id^e de simplicit^ ou d'unit^ absolue (de Vorges). „Eine Annäherung 
an das Unendliche ins Unendliche ist gar kein Fortschreiten, denn dann 
wäre die Unwissenheit immer noch unendlich, d. h. ebenso gross, wie vorher*' 
(s. Kirchner), ausser bei höherem Calcul (in psychologischer Ausrechnung 
unendlicher Gedankenreihen). , 

„Entweder sind die Universalbegriffe im Keime bei der Entwicklung 
vorhanden, und dann schafft diese sie nicht, sie entfaltet sie und die Formen 
des Gedankens haben einen absoluten Anfang, oder aber sie erscheinen auf 
irgend einer Stufe der Entwicklung, und dann ist ihr Anfang wieder ein 
absoluter** (s. Liard), wogegen beides gilt im organischen Wachstbum aus 
virtuell geschwängerten Keimen, die sich je nach den Etappen des Reife- 
stadiams zu Früchten entfalten (im dann dafür einsetzendem Beginn des 
Bewosstseins). 

Hier bleibt für den Ausgangspunkt des (logischen) Rechnens ein Anfang 



Digitized by 



Google 



za supponiren, den die Natarforschung dort jedesmal, aU vorläufige Einheit, 
entgegennimmt, wo im Zusammenklang Wechsel wirkender Gesetze soweit 
bewiesen. Unum nihil aliud significat, quam ens indivisum (s. Thom. Äq.) 
und „Primalitas est, unde ens primitus essentiatur"* (bei Campanella) mit an- 
dern Denkgebilden wie in Wortlauten verkörpert: L'homme pense sa parole, 
avant de parier sa pensee (s. Bonald). Sollte es sich etwa experimentell 
aufzeigen lassen, dass die Moneren „im Meer durch Urzeugung" entstanden, 
„analog den Kry stallen, welche sich in der Mutterlauge bilden**, so würde 
auch bei Weiterfolge dieser bis zu Atomen (bei Gassendi) oder Kraft-Centren 
(s. Ulrici), als „corpuscula teniuia" (s. Berigard) im kosmischen Urnebel 
hin, weiter Nichts gewonnen sein, als primäres Chaos, das als Coulissen- 
Hintcrgrund mythologischer Buhnen längst allzu sehr verbraucht ist, um 
einer Erneuerung fähig zu sein für das unbegrenzte Weltsystem, in dessen 
Unendlichkeit sich jede Grenze negirt, — obwohl auch im Ueberweltlichen 
durch den ^vQa^ev (bei Aristot.) oder iBwx^sv stehenden vov^ mancher 
Tonog vnT]Tog (bei Plato), als Ruhepunct erlangbar sein mag (für den reiflich 
darauf Bedachten)*). Gott, im Alles umfassenden BegriflP(fc«c navxn Xoyog)^ als 
Zahl, die den Ursprung der Harmonie ausmacht (bei Biotin), ist transcendent 
(ro i%io) und immanent (s. Richter), auch hörbar, je nach der Vervoll- 
kommnung des logischen Rechnens (in naturwissenschaftlicher Psychik). 

Nach Fehlschlagen aller der Versuche, welche zu allen Zeiten unter 
allen Völkern die Deduction unabgeschreckt wiederholte, das Räthsel des 
Seins metaphysisch zu lösen, bleibt, seit den jüngsten Fortschritten der In- 
duction, noch eine letzte Hoffnung eröffnet, auf dem in ihr zugänglichen 
Weg einer inductiv durchgebildeten Psychologie. Aber freilich: „Für eine 
naturwissenschaftliche Behandlung der seelischen Erscheinungen fehlt jeder 
Angriffspunkt, da sie sich unter keinen der naturwissenschattlichen Begriffe 
unterbringen lassen" (s. A. L. Hermann). Hier scheint nun neuerdings die 
Ethnologie hinzutreten zu können, mit ihrem Material des Völkergedankens 
(als primären, folgends der GescUschaftsnatur des Menschen). In der ethno- 
anthropologischen Zeitrichtung haben sich jene Prospecte eröffnet, welche 
die naturwissenschaftliche Behandlungsweise, wie im Individuum auf die 
Psycho-Physik gestützt, auch für die Psychologie des menschlichen Ge- 
sellschaftswesens anzubahnen versprechen (auf Unterlage des Völkergedankens). 
s. Der Papua, (S. 294 u. a. 0.). L'anthropologie, cette science si vaste et si 
f^conde, date ä peine de vingt-cinq ans (1885), „cette science d'origine 
absolument fran^aise" (für Prinz Roland Bonaparte) wurde besonders ge- 
fördert durch „la fondation de la Soci^tö d' Anthropologie en 1859, par 
Broca et les ouvrages de Darwin", in raschem Anwachsen der Sympathien, 
weil „toutes les sciences touchent plus ou moins ä l'homme", und indem bei 
einer Wissenschaft vom MenvSchen der Schwerpunkt in das Psychische fällt, 
erscheint als eigentliches Ziel inductive Durchbildung der Psychologie, wofür 
Tylor's Arbeiten festere Anhaltspunkte geliefert haben, (und die Vorarbeiten 
für den „Mensch in der Geschichte ** zurückdatiren bis auf 1856). 

Im vegetativen Zellprocess einer Actio immanens (statt Actio transiens 
im Anorganischen) werden zunächst die chemischen Substanzen des Aussen 



Digitized by 



Google 



XI 

in eine VerarbeitoDg und Assimilation durch ein nach Individualitat Stre- 
bendes hineiogez^^n. Bei Abscheidung materiell innerlichen Substrates aus 
dem anorganisch Aufgenommenen vermag sich dann ein individuell selbst- 
ständiger Mittelpunkt zu bilden, um Vielehen rotirend der Muskelreflex zu 
räerolicher Fortbewegung (in Orst Veränderung) fortschreitet. 

Bei fernerem Einfall rein physikalischer Kräfte (aus solch chemischen 
Substanzen) mittelst der Sinnesthore in das Zellenwachsthum hinein, pro- 
jieiren sich die Effecte • (mikrokosmisch) als Vorstellungen (in harmonischer 
Wechselwirkung mit dem Makrokosmos). Was „antea in sensu" bildet das 
Sabetrat zum Emporwachsen des Intellectus, als intellectus possibilis (^voZg 
dwifxei)^ einem gesetzlich gestecktem Ziel entgegen (per abstractionem 
specierum) im psychischen Zellprocess (des ethnischen Organismus), wie in 
der Pflanze die aus der Wurzel (in ratio seminalis) emporströmende Pro- 
ductionskraft aus der Aussen weit die Substrate einsaugt (för Ernährung und 
Fortbildung), denn „natura ubique organica est" (s. Leibnitz), üod so auch im 
Psychischen (mit seinem Wachsthumsprocess). Als q>vaig gefasst, würde 
die Natur die physischen Naturwissenschaften nur umgreifen, während auch 
die psychischen hinzuzutreten haben (im Kosmos). 

Wenn, während weder die Atome noch ihre Verbindungen entwickhmgs- 
&hig sind, das Protoplasma einer unaufhörlich innerlichen Bewegung aus- 
gesetzt ist durch ^verborgene Triebkräfte" (s. Perrier), so strömen hier im 
„Primus motor" die Keime virtuellen Seins zur Erfüllung im aktiven Sinne 
(far psychologisches Verständniss desselben). La mati^re n'engendre pas les 
ph^Dom^nes eile les manifeste (Claude Benaard), für geistige Auffassung 
(in W^echselwirkung). Als vnoxiifievov ist die vXtj (bei Aristot.) dasjenige, 
was etwas wird (i^ ov yiyvsrai) ^). Für Nama-Rupa regelt sich die Schöpfung 
in Earma (bei den Wiedergeburten, sowie bis zur Weltentstehung hin). 

Das geistig Absorbirte speichert sich auf, durch die „Memoria" als 
Intellectus possibilis oder Intellectus habitualis (bei Duns Scotus) im Ge- 
dächtnisse als „thesaurus inteotionum" (s. Thom. Aq.), und solches Schatz- 
haus hält die „essentias rerum", als Keime der Erinnerungen, welche (latent) 
dort liegen, bis bei der Erweck ung zu voller Ausgestaltung entfaltet. Im 
Gedächtniss liegt potentiell das Ganze der in zeitlicher Entwicklung abge- 
laufenen Persönlichkeit befangen, und obwohl mit zunehmendem Alter die 
einrostenden Thüren der Schatzkammer weniger häufig (und schwieriger) 
geöffnet werden mögen, wird doch, wenn im Tode das Gebäude zusammen- 
bricht, der angesammelte Schatz im Ganzen daliegen, offen und zugänglich 
(seinem Vollwerthe nach). 

Bei Unterscheidung der Anima, als ,.prima perfectio hominis" in cogi- 
tativa und inteüectiva (bei Averroes), würde der Intellect^) als Wesensform 
des Leibes, darüber hinauszugehen haben, wie die duftaushauchende Blume 
über den Pflanzenstock, der sie trägt, als intellective Seele (bei Jandunus) 
über den stofflichen Leib und dessen Capacität hinausragend (im psychischen 
Wachsthumsprocess). 

„Das ist es, was wir wissen wollen, wie es zugehe, dass dies neue Leben 
sein kann, durch welchen Zauber es dem schaffenden Weltgeist gelinge, in 



Digitized by 



Google 



xn 

der Mitte dieser wandelbaren Ereignisse etwas Unauflösliches, Festes zu 
gestalten, das sie alle in sich hegt, an sich trägt und ihnen den Halt des 
Daseins giebt, dem Gerippe äholich, an dessen Starrheit die blühende Fülle 
der Gestalt befestigt ist*' (s. Lotze), in schöpferischer Selbstgestaltung des 
Mikrokosmos (innerhalb Wechsel wirkender Harmonie). Noster intellectos nee 
a se ipso cognoscitur, quid sit secundum essentiam, nee ab alio praeter deas, 
qui solus novit, quae fecit (s. Erigena), und die „natura naturans^ tauscht 
sich mit „natura naturata" durch Objectivirung bei inductiver Behandlung 
(auch der Psychologie). Causa sensionis est extemum corpus, sive objectum 
(s. Hobbes), in Wechselwirkung (des Innen und Aussen). 

Ungelöst starrt noch immer das gleiche Räthsel entgegen, wie in ver- 
wunderlicher Ungestalt, (fragender Sphinx), dem Menscheo gestellt, und „ein 
Narr wartet auf Antwort" lässt es sich spotten, beim Durchblick der 
Probleme, woran sie herumgestümpert, die Idealisten sowohl, wie die Exacten, 
die ebenfalls aus unergründlichen Tiefen (gnostischen Bythos) ihre Weisheit 
zu schöpfen suchen, denn auf ^tiefstem Grunde des Meeres bildet jedes 
individuell lebende Stück strukturloser Masse ein Moner", als einfachstes 
Yorhandensein in dem auf chemischem Wege rein anorganischer Kohlensto£F- 
verbindungen entstandenem Urschleim oder Plasson, „ältesten materiellen 
Träger aller Lebenserscheinungen" (s. Häckel). Dass, nachdem der Macht- 
spruch eines schöpferischen Hirns sich über die Schwierigkeiten eines ersten 
Anfangs weggeholfen und diesen autokratisch postulirt hat, jetzt alle die in 
solchem Keimgedanken eingeschlossenen Möglichkeiten zur Auswirkung ge- 
langen müssen, (ob in logischer oder, für den gültigen Canon, auch unlogischer 
Folge vielleicht), ist in dem, das Denken gleichfalls organisch regierendem, 
Entwicklungsgesetze selbstgegeben, — ohne freilich Genüge zu gewähren, wenn 
statt subjectiver Aussprüche, mit welchen uns die Philosophen reichlichst 
beschenkt haben, der Naturforscher auf denjenigen Ausspruch lauscht, den 
ihm die Natur einstens wird gönnen wollen, bei objectiver Durchforschung 
und Detaillirung. Die Gläubigen schieben sich ihre Gottheit ins Unendlich- 
Grosse hinaus, wo jenseits deutlicher Sehweite Alles undeutlich durcheinander 
schwimmt, um einheitlichen Abschluss zu simuliren, und gens^ dieselbe 
Illusion oder Delusion täuscht denjenigen, der sich beim Unendlich-Kleinen 
mit einer Monas oder Moner beruhigt, die bis dahin für mikroskopische Ein- 
blicke oder chemische Zersetzung eine temporär provisorische Grenze limitiren 
möchte. Darunter liegt, unausgeöffnet noch, des Unendlich-Kleinen ganze 
Welt, wo ebensowenig wie im Unendlich-Grossen unendliche Reihen an ihr 
Ende gelangen können, so dass mit der Illusion eines optischen Horizontes 
jeder Erwartung zu entsagen ist, das Weltall eines Hoofiog vofjrog von der 
Peripherie aus construiren zu können. Erst im Centrum eigenen Bewusst- 
seins wird in kommenden Tagen die Menschheit erho£Pen dürfen, die 
„Harmonie der Sphären" erklingen zu hören, wenn wiederhallend im Einzel- 
gedanken aus den im Gesellschaftsgedanken verstandenen Gesetzlichkeiten 
(bei Krönung des den Naturwissenschaften errichteten Tempels mit der 
Psychologie, als letzter und jüngster ihrer Forschungszweige). Klar ist die 
Aufgabe gestellt: „Savoir, afin de pr^voir et de pouvoir", kraft naturwissen- 



Digitized by 



Google 



XIII 

schaftlicher Methode, welche zur Verschönerung des irdischen Lebens die 
physische Natur überall zu bemeistern beginnt, und schon zum Eindringen 
in die Geisteswelt jetzt gerüstet steht (mit dem Wappenzeug einer natur- 
wissenschaftlichen Psychologie). 

Aus der Nacht der Unwissenheit (in Avidya) führt der Weg zum 
schimmernden Gipfel aufwärts, herableuchtend von jeoen Höhen, die sich 
ofib und wiederholt als unnahbar bewiesen, die dennoch stets uud aufs Neue 
werden angestrebt werden; denn „le coeur a ses raisons, que la rabon ne 
connait pas^ (s. Pascal). Nachdem der Bann des Naturzustandes gebrochen, 
schreitet die Religion (von religare) in Erweiterung ihrer Bande fort zum 
practischen Eklecticismas (der „Religiosi ex relegendo") für den äusseren 
Cult, wogegen — gleich unstillbar mit dem Hang nach leiblicher Nahrung (für 
die physischen Bedörfoisse) — das religiöse Gefühl schwellender emporquillt 
im „Appetitus intellectivus^, denn ,.rappetit vient en mangeant^, so dass unter 
der Sättigung mit wissenschaftlichen Kenntnissen stürmischer die Sehnsucht 
drängt, in dem jedem Menschen herzen einwohnendem Zuge, der das Denken 
mit seinen Ahnungen durchweht. La religion (dtno) „dans le sens objectif 
(individualis^e comroe existant depuis le commencement avec dieu, nie avec 
Vohuman et la Sagesse) bezeichnet „aussi la religion subjective, la piöt^ 
ou Fesprit religieux* (s. Casartelli), and indem solche Personification dem 
Verstorbenen in schöner oder hässlicher Gestalt erscheint, subjectivirt sich 
wieder der objectiv entnomme Schutzgeist (in der Gottheit). 

Indem die Sprache, welche die Welt aus der psychischen Auffassung 
eines Mikrokosmos zurückzuspiegeln hat, für ihre Anfange auf lückenhafte 
Kenntniss jener Welt zurückgeht, hängen ihren Ausdrücken alle derartige 
Unbestimmtheiten an, welche in mythologischen Phantasien dann ihr Wesen 
treiben unter Stimulirung üppig wuchernden Wachsthums durch den Hang der 
Sprache zur „Homophonie und Polyonymie" (s. M. Möller)®). Auch in den 
subjectiv weiter entwickelten Systemen hat (trotz scholastischer Spitzfindig- 
keiten im Streit der Nominalisten und Realisten) Mancherlei ankleben zu 
bleiben, bis mit der Objectivirung naturwissenschaftlicher Induction die von 
ihr verwendeten Termini technici für jeden Fall mit derjenigen Bestimmt- 
heit der Begriffiäsphäre umschrieben werden, welche sie mit festem Stellenwerth 
der Ziffer für weitere Rechnungen verwendbar machen. Quodsi animam 
appellare libet, quidquid perceptionem et appetilum habet in sensu generali, 
onmes substantiae simplices aut monades creatae possunt appellari animae" 
(s. Leibnitz), und wenn so zu nennen beliebt (appellare libet), können sie in 
melanesischer Weltanschauung ebensogut Vui (s. Codrington) genannt werden, 
oder Innuae (bei den Eskimo), auch als Genius gefasst (wenn die Welt der 
Götter voll). In allem diesem bleibt eine gewisse Breite der Redeweisen er- 
laubt, so bald sich das Einzelne in den Zusammenhang des Ganzen einfügt, für 
die temporäre Gonception des All; sobald jedoch die Naturwissenschaft ein- 
tritt, hat sie für den Ausdruck „Seele" gleichfalls ihre fest umschriebene Be- 
deutung zu bewahren, um nicht ihrem eigenen Prinzipe den Hals zu brechen, 
mit der von der anorganischen „Molekul-Seele^ durch den Besitz das Gedächt- 
niss unterschiedenen „Plastidul-Seele** (neben der „Atom-Seele") und andern Un- 



Digitized by 



Google 



XIV 

geheuerliehkeiten (in der „Anthropogenie)^). Indem sich die Ontogenesis aos 
einer Palingenesis (Auszugsentwicklung) und Cenogenesis (Fälschungsent- 
wicklung) zusammensetzt (bei Haeckel), „lässt sich Alles beweisen** (s. Semper) 
in „Fälschung der Ontogenie** und „leichtfertigen Spiel mit Wort** (s. His). 
Statt mit Worten zu spielen, im magischen Abracadabra der Naturphilo- 
sophien, hat die Naturwissenschaft mit WortbegriflFen zu rechnen, und also 
zunächst die „Seele^ selbst festzustellen, in naturwissenschaftlicher Durch- 
bildung der Psychologie, — vom Völkergedanken aus, bei der Gesellschafts- 
natur des Menschen, der von sich an abwärts zu gehen hat, „um die Grenzen 
zu finden, wo das psychische Leben beginnt** (s. Wundt), und nach der 
Objectivirung erst zum subjectiven Centrum zurückzukehren die Befähigung 
fühlen wird (für das Gewissen des Naturforschers). 

Im Creatinismus Guinea s sendet Mavu die Seele * ^) (aus Nodsie) herab, 
in den Kerker des Leibes (bei Plato), aber im Wiedergeborenwerden der 
Stammesseele * ^) (als Bla) heisst es (bei Aristoteles), „animam sensitivam tra- 
duci cum semine", wogegen die intellective Seele, „ab extrinseco immissa'' 
(s. Thom. Aq.)? koixa ipo^VS yevog kce{fnv ehai^ ein der Abtrennung fähiges, 
ein x^Q*^^^^^ (s. Knauer). In der thierischen Seele des Menschen liegt 
bereits die epsQyeia sich zu der Entelechie eines jenseits Höherem zu voll- 
enden in dem, deshalb als x^vQax^ev (de foris) zugetreten betrachteten yotJg, 
und dann für solche Vollendung auf fortgeschrittenen Entwicklungsstufeo 
wird die niedere Lebensseele vorher zersetzt ((px^eiiisrai), Necesse est quod 
tam in homine, quam in aUis animalibus quando perfectior forma advenerit, 
fit corruptio prioris (s. Thom. Aq.) und so in letzter Schlussfolgerung 
XaLusTOL di tov vovv /invov x^vQa&ev inetoiivai xai xfeiov slvai fiopov (bei 
AristoteL), wobei das Göttliche hier dem (buddhistischen) Dhamma ent- 
spricht, aus dessen festgeschlosseoen Gesetzlichkeiten Asangkhara (aus dem 
Gegensatz zum zusammengesetzt Vergänglichen) als wahlverwandtschaftliches 
Aromana hinzutritt, für Vollendung zum Nirvana, im Wachsthumsprocess des 
psychischen Organismus (bei reifender Entfaltung). Intellectus est capax 
beatitudinis proprie (s. Duns Scotus). „Natura uniuscujusque rei ex ejus 
operatione ostenditur, propria autem operatio hominis, in quantum est homo, 
est intelligere" (s. Thom. Aq.), und so constituirt sich das „R^gne humain* 
(s. Quatrefages) des „Homo sapiens" (b. Linn^), mit dem Zielstreben ein- 
wohnender Keime über das Irdische hinausragend (in die Unendlichkeiten 
des Ewigen hinein). „Je höher die Rangordnung, der ein Object angehört, 
desto mehr ist die dynamische Manifestation desselben für die Erkenntniss 
entscheidend*^ (s. PfeiflFer), und so (neben anthropologischer Morphologie) 
fallt der Schwerpunct der Menschenwissenschaft in ein geistiges Reich (des 
Gesellschaftswesens). Auf das Ideale hingerichtet, überschreiten die mysti- 
schen Sehnungen „les bomes de la nature et de l'humanit^" (s. Ravaisson), 
aber nicht die Grenzen derjenigen Natur, die auch das im Menschen immanente 
Streben nach dem Unendlichen mitein begreift — , aus unendlichen Reihen 
berechenbar, nachdem ein höherer Calcul dafür gefunden sein wird (in natur- 
wissenschaftlicher Psychologie), im Denken als Rechnen. Computare est 
plurium rerum simul additarum summam colligere, vel una re ab alia de- 



Digitized by 



Google 



XV 

tracta cognoscere residuuro, ratiocinari igitor idem est, quod addere et sub- 
trahere (s. Hobbes), im Fortschritt aus den Elementar -Operationen (bis ins 
Transcendente). 

Quam cetera animalia non delectantur in sensibilibus nisi per ordinem 
ad eibos et venerea, solus homo delectatur in ipsa pulcbritudine sensibilium 
seenndom seipsam (Tbom. Aq.)? im ^appetitus intellectivus^ nach Befriedigung 
im Aesthetischen zu streben oder (bei mystischer angelegten Gemütbem) im 
Religiösen, bis zum klaren Verstandniss (bei Abtrennung des Wissens vom 
Glauben). Mit dem Denken als Grund des Seins (bei Descartes) ergiebt 
ach die Existenz des Geistes vertrauter als die des Körpers (s. Leibnitz), 
weil die Seele sich selbst am nächsten (als immanent). 

So lange in der Gedankenwelt dialectische Willkuhr herrschte, konnten 
die ärmlicben Denkerzeugnisse der Naturstämme keine Beachtung fordern, 
und lag das Mysterium (ivie bei den Zuni) über den Menschen hinaus, denn 
das „bewusstlose Geschehen in der lebendigen Natur offenbart ein viel tieferes 
Wissen, als dasjenige, bis zu dem die bewusstvoUe Forschung vorgedrungen 
ist" (s. Drobisch), bis mit inductiver Durchbildung der Psychologie auch 
dort die Naturgesetze zur geltenden Verwendung kommen werden, „eine 
Mechanik des menschlichen Geistes vor Augen zu legen" (s. Jacobi), im 
Völkergedanken (und dem psychischen Wachsthumsprocess desselben). 

Der Schwerpunct der Ethnologie fallt, für mancherlei Hinsicht, in die 
Mythologie vorzugsweise, weil hier das umfassendste Diorama der Volks- 
anschauung gewährend, und gleicher Name wurde durch die „Wissenschaft der 
Sprache** (im Unterschiede von „vergleichender Philologie**) ebenfalls bean- 
sprucht, aus „Mythos, Wort oder „Logos", die Rede" (s. M. MüUer). Bei 
der „Wissenschaft vom Menschen** würde es sich dagegen nicht so sehr um das 
Wortgerüst der Sprache * *) handeln, als „Niederschlag des Gedankens**, 
sondern vielmehr um diesen Gedanken selbst (im Völkergedanken), als verbum 
mentis (verkörpert). 

Die mythologische Vorstellung, wie am ethnischen Horizonte schwebend, 
bildet den unmittelbaren Ausdruck des schöpferischen Denkens, in dem dort 
hingeworfenen Projectionsbild, — ein für vergleichende Behandlung geeigneteres 
und reineres Studien-Object, als sein im Wortausdruck acceptirtes Aequivalent, 
das, weil von vielfachen Nebenbedingnissen ^ *) mitabhängig, in der jedesmal 
mehr weniger zufallig fixirten Lautform den einfach deutlichen Mythos der 
Volksseele in den Händen der Mythologen vielfach corrumpirt und künstlich 
entstellt hat. Das Suchen der Urworte verliert sich in den Ursprung der 
Sprache, und damit in das Incommensurable aller Ursprungsfragen, während 
für die Grenzmarken naturwissenschaftlicher Forschung zunächst eine Span- 
nungsreihe der Elementar- Gedanken aufzustellen wäre (zum primären Aus- 
gangspunct der Menschen Wesenheit, als gesellschaftlicher). Durch (magische) 
Kraft der Sympathien, auf der awac^rjoig beruhend, als inneren Sinn der 
Welt oder All-Empfindung (bei Plotin), ist aus dem Zusammenklang der 
Gesetze ihre Entwickelung zu verstehen (im harmonischen Kosmos). 

In dem seit drei Jahrhunderten ununterbrochenem Siegeszuge der In- 
duction ist sie jetzt allmählig von der Physiologie aus zur Grenzlinie der 



Digitized by 



Google 



XVI 

Psychologie gelangt, um auch diese ihrer naturwissenschaftlichen Behandlung 
zu unterwerfen. »Die Gründung der Socialphysik wird das System der 
Naturwissenschaften vervollständigen" (nach Comte), und da „das Studium 
des Menschen in der Gesellschaft das Studium des Menschen als eines 
Individuums zur nothwendigen Unterlage habe" (s. Littr^), soll die Sociologie 
der Biologie untergeordnet werden, während umgekehrt vielmehr, bei der 
socialen Katur des „Animal sociale" (^laov noXiTixov) der Yölkergedanke 
der Gesellschaft den primären Ausgangspunkt zu bilden hat, um diejenigen 
Gesetze festzustellen, aus welchen auf eine individuelle Psychologie zuruck- 
geschlossen werden könnte (im Durchblick des Selbst). Wie der lebende 
Körper eine Gesellschaft von Zellen, bildet die Gesellschaft ein System von 
Individuen (bei Claude Bernard), und für einen gesellschaftlichen Organismas 
ist der Yölkergedanke als Ausgangspunkt zu nehmen (inductiven Studium^s). 

„Die positive Erkenntnis» der Welt gründet sich nur auf rein objective 
Untersuchung" (bei Littr^) in der „Socialphysik" unter Vwzicht auf die 
Psychologie (s. Comte), während bei der objectiven Durchforschung der 
(gesellschaftlichen) Yölkergedanken die Wegerichtung eingeschlossen bleibt 
zur RQckkehr auf das Individuum und für eigene Psychologie (in den 
integrirenden Theilen des Ganzen). Wahre Freiheit ist Unterwerfung unter 
die Vemunftthätigkeit (s. Kirchner) nach kosmisch harmonischen Gesetzlich- 
keiten (eines Dhamma). 

„When we attain the ideal perfection of our nature, the Seif that is 
foreign to it, is foreign to us too, he has become lost and absorbed in that 
deeper, higher seif, with what our whole life and being is identified" (s. Caird). 
In der „socialen Moral" gewinnen die Normen objectiven Werth (bei Laas). 
Peccata et vitia hominum quoque non ex forma, sed ex materia oriuntur, 
virtutes autem tantum ex forma (s. Maimonides). In ihrem eigentlichen 
Wesen bleibt die einzelne Individualität stets ein Räthsel (s. Witte), weil der 
socialen Individualität immanent (uud nur durch Verhältnisswerthe aus dieser 
berechenbar). Die eigentliche Quelle der Lust des Ich an seiner Existenz 
ist nicht die räumliche und zeitliche Bestimmtheit, in welcher es sich findet, 
und aus welcher es seine unterscheidbare empirische Individualität hat, 
sondern das Bewusstsein als solches (s. Schuppe), im Zusammenhang also 
mit der Nebenwelt (nach der Gesellschaftsnatur des Menschen). 

In mechanischer Welterklärung Hesse sich bei der Formel, dass Nichts 
geschaflPen ist (und Nichts verloren geht), — wie bei „nihil in intellectu nisi in 
sensu" (bei Locke), excepto ipso intellectu (bei Leibnitz) — , die Zufügung 
ergänzen: ausser dem SchafiFen selbst, denn bei jeglicher Kraft auf Bewegung 
zurückgeführt, erübrigt die Frage nach dem, was die Bewegung in Bewegung 
setzt, vom primus motor her (seit Aristoteles), und über Verlust und Gewinn 
hätte sich der Mensch wenigstens, in jenem Jenseits erst abzufinden, wohin 
seine Gedankenreihen hinausstreben. Die subjective Auffassung eines Plans 
verwickelt sich (bei Hinneigung zum Occasionalismus) in teleologische Wider- 
spruche, welche einer Lösung erst bei Objectivirung anzunähern wären, im 
richtigen Durchblick der Gesetze (auch psychologischer). „Das gesammte 
Sein ist Bewegung, Regung, Aenderung, nichts als Aenderung" (s. Wiessner), 



Digitized by 



Google 



XVII 

aber für Ordnuog zugleich, beim Verschwinden der causa materialis in der 
causa efficiens, beim (organischen) Werden (mit dem Gesetz eines Dbamma 
supematuralistischer Trinität). Aus dem Weltgedanken (der Scholastiker) 
ist die „Mensuratio divina** (in den Urformen) mikrokosmisch nachzumessen 
durch den aus irdischer Bescbräuktheit zur Freiheit strebenden Geist (im 
Schnsuchtszuge zum Jenseits des Endlichen). „Was für unsem Verstand 
rein negativ, ein „In-finitum", ist, wird für unsere Vernunft positiv, das 
^Infinituni" (s. M. Muller), wurde aber (gleich ewig, statt zeitlos) ein dem 
Verständniss hoffnungslos unzugänglicher „flatus vocis" bleiben, wenn eben 
nicht von den festgelegten Schranken des „finitum" aus in ernstlichem An- 
griff zu nehmen (durch die Induction). 

Für die „zahlreichen unabänderlichen Ketten, durch welche die all- 
mächtige Natur an die Nothwendigkeit sich fesselt** (s. Ribot), bleibt die „Zahl 
ein zu grobes und zugleich zu schwaches Instrument, um in die complicirte 
und verschiedenartige Natur biologischer und so ciologischer Erscheinungen 
hineinzudringen" (s. V. Eger), so dass sich die an Abhängigkeit gebundene 
Freiheit erst aus den aQi^fxol eidijXixol oder Ideenzahlen einer Infinitesimal- 
rechnung zu erklären vermöglichen wird, beim Studium kleinster Differentiale 
an vorliegenden Thatsachen der Psychologie (auf naturwissenschaftlichem 
Standpunkt). Das Nebeneinander im Raum, durch das Zwischen der Be- 
wegung in Beziehungen gesetzt, wird aus dem Fühlsinn festgestellt, unter 
Auffassung der dem Körperlichen adäquaten Substantialität, während die 
räumliche Umgrenzung, am optischen Horizont, sich mit dem Sehen erst 
lernt, (wie durch Beobachtungen an blindgeboren Operirten, oder denen an 
Kindern, erwiesen), und hier können geometrische Constructionen, mit ihren 
Tangenten, dann weiter führen, in „series infinitae" hinaus (der Gedanken- 
reihen). In der Zeit lebt sich die Bewegung des Denkens, mit einer Ver- 
längerungsmöglichkeit über irdische Schranken hinaus (aber innerhalb dieser 
für den Fortgang vielleicht berechenbar schou). 

Neben einfacher Comprehensio (mit Rücksicht auf sein eigenes SeinJ 
begreift sich in Gott (bei Molina) eine supercomprehensio, vermittelst deren 
Er mehr weiss, als thatsächlich die Kreatur in sich enthält (C. M. Schneider), 
für die Willensfreiheit (innerhalb der Prädestination), wie für die „Scientia 
media" durch das „decretum futurum" (bei Suarez) ergänzt (oder objectiv aus 
der Gesetzlichkeit ergeben). Die Thatsache der* Freiheit widerspricht nicht 
einer allgemeinen Ordnung der Dinge (s. Sommer), sondern hat sich har- 
monisch einzufügen, für Vergangenheit und Zukunft, denn „la solidarit^ des 
hommes e^t ^ternelle"* (s. Lerout). Die aus der Vorzeit herübertönenden 
Weisen der Ahnen klingen zusammen im „Musikstück des eigenen Lebens" 
(bei Emerson), und hätten so im Gefüge der Accorde nachzuklingen für die 
Epigonen kommender Tage. Der Metaphysik gehört es an, wenn man den 
Gegensatz der Begriffe (Freiheit und Nothwendigkeit) in das Absolute, in 
das göttliche Wesen verfolgt, der Ethik hingegen, wenn dabei nur das 
sittliche Wesen des menschlichen Willens in Betracht gezogen wird (s. Peip.) 
aüs dem „Moral sense" (bei Shaftesbury). Der „Common sense" führt nur 
zu unsicheren Impulsen (s. Sidgwick), welche in principieller Vernünftigkeit 

Butiftn, Archipelago. IL b 



Digitized by 



Google 



XVIII 

gesicherter Basis entbehren (bis durch indactiven Aufbau der Psychologie 
gefestigt). Universa conferantur; quae autem ab omnibus tanquam vera 
agnoscuntur, communes notitiae habendae sunt (s. Herbert Gh.). Und so 
erweist sich allgemein gleichmässige Gesetzlichkeit in den Elementargedanken 
(der Völkerschöpfungen), für das organische Walten (in der Natur) bis zum 
Staatskörper, als „corpus civile" (in der „persona civilis"). Omne corpus, 
quod generari vel aliquam habere proprietatem intelligi potest (s. Hobbes), 
bei Zusammenhang des Physischen und Psychischen (im Kosmischen). 

Die Dinge stossen iidiuka ab, för die Sinne (bei Epicur), und die 
Species sensibilis wird dann zu einer Species intelligibilis vergeistigt (s. Duns 
Scotus), als (ferneres) Mittleres zwischen Sein und Intellect. Mit solch 
intelligibeln Species arbeitend, schafit der Intellect, als Intellectus agens 
(neben dem Intellectus passivus) weiter hinaus (in einem Koofiog vorjtog). 
Sicut sol perficit actiones virium inferiorum sie intellectus perficit praesens 
actiones omnium virium cognoscitivarum (s. Scotus). Die Uni Versalien ^*) sind 
nicht etwas objectiv in der Natur der Dinge „existentes" (bei den Nomi- 
nalisten) ^*). In der Wirklichkeit giebt es nur individuelle Dinge, so dass 
der Allgemeinbegri£P ausschliesslich auf Rechnung des Denkens zu setzen 
(bei Stöckel). Per nomen differentiae speciem ipsam volebat accipere 
(Wilhelm von Champeaux), während die Differenzen nur für die Typen 
der End- und Zielpunkte zu gelten haben (in vermittelnden Zwischenformen). 
Innerhalb des Allgemeinen erst erlangt das Einzelne seine Bestimmtheit des 
Verständnisses, und in der so bethätigten Denklebendigkeit brodelt es im 
Individuum aus dem das Ganze dnrchwogenden Wachsthumsprocess. Die 
„Species specialissima" kann erst gebildet werden im Herabsteigen von den 
allgemeinsten zu besonderen Begriffen (bei Occam). Die distinctive In- 
tellecti verkenn tniss des sinnlichen Einzelnobjects, als „Species specialissima", 
setzt die allgemeinste Wesensbestimmtheit desselben, als zuerst Erkanntes vor- 
aus (s. Werner), indem sich die (anfängliche) „cognitio confusa" zu „cognitio 
distincta" klärt (bei Duns Scotus). Es ist das Wort (in der Scholastik) eine 
durch das Wesen des Menschen gebotene Form, in der er das noch un- 
vollständig erkannte Sein ebenso unvollständig ausdrückt (s. Kaulich) und 
so zu mytholologischen Dämmerbildern gelangt (aus den „Krankheiten der 
Sprache"*) durch die „Virtus disserendi" (bei Petr. Ramus). Coneeptus 
sive passio animae naturaliter significat, quidquid significat (s. Occam), in 
den Vorstellungen oder Begriffen, als natürlichen Zeichen (im Unterschiede 
von dem mit menschlicher Freiheit veränderlichem Wort). Indem in jedem 
Urtheil eine allgemeine Idee enthalten ist (und um eine allgemeine Idee zu 
bilden, wieder ein Urtheil erforderlich ist), bildet die Idee des Seienden 
(idea Entis) als angeborene Idee das Grundprincip aller Erkenntniss (bei 
Rosmini), und die Gattung (die iveQyeia der Dinge) ist potentia ihre Arten 
(bei Plotin), so dass in solcher Einheit dann wieder die Bruchtheile in den 
Verhältnissen ihrer Relativ- Wert he auszurechnen sind (um für ihre absolute 
Bedeutung fixirt zu werden). 

Der gesehene Baum, im Auge gespiegelt, verschwindet wieder, und 
obwohl aus der „Species impressa" (als Abdruck der „Species expressa)" ein 



Digitized by 



Google 



XIX 

Nachbild im Gedächtniss fortzittert, gelangt die gedachte Form (bei forma 
specolaris) doch erst zur Absorption im geistigen Sein, also für das Indivi- 
duum bereits mit gesellschaftlicher Zuthat, aus dem in deckender Benennung 
gewonnenen AUgemeinbegriflF, unter Verschmelzung der Sehbilder mit den 
Hörbildern, wie im tönendem Laut der Spmche zum Ohre zurückkehrend und 
bei „mixtio perfecta" (chemischer Synthese) in physisch angeregter Arbeits- 
thätigkeit verstanden (zur Klärung des eigenen ßewusstseins in der Atmo- 
sphäre des socialen). Im Ausgehen von der Erfahrung leitet die Wissenschaft 
ihre Grunde durch Folgerungen ab (im doppelten Gange der Induction und 
Deduction). „Nachdem die Naturforschung Thatsachen gesammelt, die 
Classification sie ordentlich aufgestellt hat, fragt nun der Forscher, woher 
das Alles stamme und was es bedeute" (s. M. Müller j, wobei (auf der 
^theoretischen oder metaphysischen Stufe") sich die Antwort der Natur- 
philosophie als früh- oder unreife erweisen müsste, bis die Psychologie selbst 
^ine Naturwissenschaft geworden, — und nachdem das geschehen, wird die 
üeberführung der historisch-philosophischen Wissenschaften in die inductive 
Behandlungsweise der physischen durch die Ethnologie vermittelt werden. 

Indem jede Bewegung ihren Beweger (eine innerliche beim Animalischen) 
voraussetzt (in der äusseren Natur), wird nach der Ursache geforscht, und 
die Erklärung meistens falsch (im „post hoc ergo propter hoc") oder (bis zum 
deutlicheren Einblick) unsicher doch nur gegeben, während bei der Thätig- 
keit der dem Denken einwohnenden Processe sich die Causalität in den 
Verkettungen des Wachsthum's als noth wendige gliedert (und so die Folgerung 
aus ürsachwirkungen nach Aussen hin überträgt). 

Am zwingend entschiedensten liegt die ün zerstörbarkeit ^ ^) (eines „omne 
Individuum ineflfabile") im Fortbestehen der Kräfte im Werden, (wie auch 
naturwissenschaftlich festgehalten), nach philosophischer Fassung im Bud- 
dhismus ausgedrückt, wenn aus trügerischer Scheinwelt der Maya erst im 
Jenseits (des Nirwana) das wahre Sein erlangt wird, ein Ding an sich 
z6 TiQfoTOP stivnTjv axivTjTov (bei Aristotl.), als Gott (o ov xivof.i€vov xivei) im 
Dhamma (harmonischen Kosmos). 

Aehnliches sagt westliche Philosophie, denn der vovg (als Geist) finvnv 
li'iUxeiai xwQieatyai xa^dnsQ %6 aidiov %ov (fx^oLQxov (s. Aristotel.), und 
hier wird auch dem psychologischen Bedürfniss persönlichen Selbstbewusst- 
seins Rechnung getragen, im Einklang mit einer geographischen Provinz, die 
auf eigene Kraft in thätiger Arbeit hinweist, wogegen im contemplativen 
Orient, das Ichbewusstsein in der Gesammt-Natur verschwimmt, mit den 
Wanderungen der Seele unter wandelnden Körper- Erscheinungen während 
des Kreislaufs, und deshalb auch bei Errettung aus demselben, ohne Halt 
im Selbst. 

Freilich hätte zugleich, für die Seeligkeit, die „Auferstehung des Fleisches" 
hinzuzutreten, denn es wäre der abgetrennte Geist (wie Brentano zufügt) 
„keine vollendete Substanz mehr" („wenn der ganze leibliche Theil dem Tode 
anheimgefallen"), aber hier wird das künftige Schicksal von der Vorbereitung 
.zu demselben im irdischen Leben bedingt sein, und während die in sinnliche 
Begierden Versenkten mit der Scheidung von dem hier Befriedigung gewäh- 



Digitized by 



Google 



XX 

renden Körperlichen einen Ausfall verspüren mussten, würden gegentheils die- 
jeoigen, welche auf Erden bereits in geistigen Genüssen das höchste Behagen 
empfunden, solchem noch voller sich hingeben könneo, wenn jeder irdischen 
Fessel ledig. 

Dies indess wären die Extreme nach beiden Seiten hin, und nach beiden 
Seiten wohl gewisse Schädigung einschliessend (das Eine im Hinblick aaf 
Künftiges, das Andere für das nicht vollgesund Vergangene) — , wogegen bei 
dem normal correcten Durchschnittstypus der Menschheit, in den abgeschie- 
denen Seelen ähnliche Fühlung mit der Körperwelt sich fortbewahrt, 
wie in den Gleichnissen und Bildern der Mythologien eine Aussprache 
suchend (bald mehr, bald weniger glücklich gewählt). Aus der Objectivation 
am ethnischen Horizont der Völkergedanken, kehrt dann für jeden Einzelnen 
das subjective Verständniss zu eigener Quelle zurück, und indem die That- 
sache des Bewusstseins „dem psychischen Leben, mit dem Hervortreten des- 
selben, inhärent isf (s. Bouillier), hat auch persönliches Selbst hinüberzuragen, 
aus dem Irdischen hinaus (wie für den Buddhisten stets neu geschlossen, im 
Nachbild des Lebens). 

„Geradeso wie man das Organ, das Gewebe und die Zelle erst ver- 
steht, wenn deren Genesis erforscht worden, kann die Function nur mittelst 
ihrer eigenen Geschichte verstanden werden. Freilich setzt diese die mor- 
phologische Entwicklungsgeschichte voraus und ist im engsten Zusammen- 
hang mit ihr zu behandeln. Sie behauptet aber gerade auch ihr gegenüber 
ihre Selbständigkeit sofern nicht bestritten werden kann, dass die Organ- 
bildung nach den Functionen sich richtet, nicht etwa nur die Function nach 
dem Organ, wie es bei ausgebildetem Organismus den Anschein hat" (s. 
Preiyer), und so hat die Ethnologie, neben engstem Anschluss an die Ergeb- 
nisse classischer Forschungen bei den Kulturvölkern, in den Naturstämmen die 
Embryologie auszuverfolgen (zum Eindringen in das Werden ethno-histo- 
rischer Schöpfungen), innerhalb der menschlichen Gesellschaft als ein „frei- 
williger Ort^anismus" (s. Fouillee), und das „sociale Bewusstsein ist ein indi- 
viduelles Bewusstsein" (bei Espinas), mit dem Völkergedanken als primären 
Ausgangspunct (in einer naturwissenschaftlichen Psychologie). Jede mensch- 
liche Gesellschaft, obwohl sie aus Individuen besteht, von denen jede eine 
Person ist und ihre besondere Bestimmung hat, bildet ein lebendiges Ganze, 
dessen ßestandtheile in einer und derselben Zeit und im Laufe der Geschichte 
zusammengehören (s. Marion). Si un son isol6 est sans valeur harmonique, 
l'homme individuel, egalement sans valeur, hors de la soci^t^, n'est pas 
meme T^gal de la brüte (s. Muiron), in einem Caspar Hauser, der erst mit 
und durch die Sprache zur Menschenwürde gelangt (als Gesellschaftswesen). 
Indem sich eine Einheit bildet in einer Mehrheit divergirender Theile, 
erscheint die organische Koordination als „eine intelligente Koordination mit 
Hinsicht auf ein Ziel*' (s. Janet), und mit einer Abweisung der „causae 
finales" wird damit Verzicht geleistet auf eine Erklärung des endlichen 
Zieles, unter Beschränkung auf die Mittelstufen mit ihrer mechanisch fest- 
geschlossenen Verkettung. Hier nun stellt sich das Problem, ob nach Zu- 
tritt der Psychologie unter die Naturwissenschaften, sich etwa im Endlichen 



Digitized by 



Google 



XXI 

schon Anhaltspuncte erlangen lassen möchten, zur Berechnung unendlicher 
Reihen (aus höherem Calcul). Wird aprioristisch eine Urzeugung zugelassen, 
weil durch „nüchternes Kausalitätsbedürfniss der menschlichen Vernunft ge- 
fordert** (s. Haeckel), so wird noch weniger jenes Bedürfniss ahnungsvoller 
Sehnungen ausser Acht gelassen werden können, wie in den Religionen 
überall zum unbewussten Ausdruck dringend, und bei inductiver Behandlung 
der Psychologie dem Verständniss vielleicht anzunähern. Auf naturwissen- 
schaftliche Basis gestützt, bleiben die Ideale auch für weitesten Schwung 
fest und sicher begründet, weil ihre Wurzeln eingeschlagen liegen, im sinn- 
hchen Sein (des körperlich Materiellen). Nostrae cognitionis origo in sensu 
est, eiiam de his, quae sensum excedunt (s. Thom. Aq.) so dass sich die 
mechanisch fassbaren Glieder verketten, bis zum letzten Ausläufer unend- 
licher Reihen (in der Welt der Ideen). Ein zielloses Summiren verläuft in 
die Endlosigkeiten der Zahl, wogegen in der Correlation des Wachsthums 
sich (bei dem aus den Divergenzen gewonnenem Resultat) das organische 
Band höherer Einheit schlingt (im Permanenzgesetz). Allem Naturwesen 
wohnt „Sensus" ein (bei Tilesius), während zum Spiritus (des thierischen) 
die (menschliche) Anima tritt (als („forma superaddita"). „Sobald die Be- 
wegung, welche auf die organische Natur einwirkt, die Empfindungsfähigkeit 
des Wesens erregt, tritt das lebende Wesen kraft seiner eigenen Spontaneität 
in Thätigkeit" (s. ChaufiFard), deren Wurzel aber wieder bis auf die ursprüng- 
liche Bewegung zurückreichen, und die „Unmöglichkeit, auf dem Wege der 
Analyse die höheren Formen aus den niederen hervorgehen zu lassen, weil 
sie Elemente enthalten, welche nicht auf die nicdem Elemente zurückzuführen 
sind" (s. Botroux), erledigt sich in (organischen) Voranlagen (virtueller Ent- 
wicklungsfähigkeit). 

„Was den Menschen wirklich gemeinsam ist, das ist ein gewisser Grund- 
stock von Erfahrungen und Thatsachen und weiterhin das, was auf dem 
gleichen Wege, nämlich durch die sinnliche Wahrnehmung, sei es die eigene 
oder fremde, und durch die innere Erfahrung zu ihrer Kenntniss gelangt. 
Darüber lasst sich mit Leichtigkeit eine Verständigung erzielen, oder viel- 
mehr sie ist von vornherein vorhanden, sobald etwas als Erfahrung oder 
Thatsache erkannt wird. W^as darüber hinausgeht, das sind Erzeugnisse des 
Denkens, die zu verschiedenen Zeiten und bei verschiedenen Völkern ver- 
schieden sind und häufig den Character der Willkürlichkeit an sich tragen. 
Das gilt zunächst von den AllgemeinbegrifiFen künstlicher Klassen und 
wo möglich in noch höherem Grade von den durch Induction gewonnenen 
künstlichen Ursachen. Ganz vorzüglich zeigt sich |aber die Wandelbarkeit 
beim Begriffe der Ursache und die Willkür bei dem des Dinges. Der 
Erkenntnisswerth aller dieser Bildungen ist gleich Null und kann bei ihrer 
Wandelbarkeit und Willkür kein grösserer sein" (s. Uphues), wogegen mit 
Durchbildung einer naturwissenschaftlichen Psychologie sich auch hier feste 
Gesetze markiren werden (im Völkergedanken). Immer wird der Ausgangs- 
panct, statt vom Individuum, vom Gesellschafkswesen zu nehmen sein, da 
in ihm erst menschliche Eigenthümlichkeit zu dem ihr characteristischen Aus- 
drack kommt, mit dem im Wechselverkehr geklärten Gedanken (eigenen 



Digitized by 



Google 



X XII 

Bewusstseins). „Der Mensch ist nur Mensch durch die Sprache, um aber 
die Sprache zu finden, musste er schon Mensch sein" (W. von Humboldt), 
und so bildet die Anthropologie weder einen Anhang zur Zoologie, noch 
deren Ergänzung, sondern da die Menschheit durch die ganze Weite des 
gesellschaftlichen Gebietes von der Thierwelt geschieden ist (s. Quinet), um- 
grenzt sich in der Ethnologie ein (im allgemeinen Zusammenhange der 
Naturwissenschaft) selbststandig abgeschlossener Forschungskreis (für natur- 
wissenschaftliche Behandlung der Psychologie). Für Spinoza ist der sociale 
Körper ein Individuum, das, selbst wieder aus Individuen zusammengesetzt, 
denselben Gesetzen untersteht, wie jedes andere Individuum in der Natur, 
und dessen Seele die Gemeinsamkeit der Rechte oder die üebereinstimmung 
des Willens ist (s. Schloesser) bei der Gesellschaftsnatur des Menschen (als 
Animal sociale). In dem Geschichtsgange der Induction gelangte dieselbe 
nach ihrer Eroberung der Physiologie an die Scheidungslinie der Psychologie, 
und obwohl es ihr, trotz der im „Kampf um die Seele" erlittenen Nieder- 
lagen, glücklich gelang auf dem mit der Philosophie streitigem Gebiet in der 
Psycho-Physik einen Vorposten zu errichten, konnte an methodische Inan- 
grififnahme einer naturwissenschaftlichen Psychologie doch erst gedacht werden, 
nachdem in den Völkergedanken der Ethnologie das für die Bausteine erfor- 
derliche Material beschafft worden. 

Hier liegt der langsam allmählifre Weg zunehmender Specialarbeit vor, 
der mit verschärfter Detaillirung sich mehrt, wogegen vorher die Generali- 
sationen so leicht erscheinen, um bis zur Hoffnung auf Bemeisterung durch 
„intellectuelle Anschauung" (bei Schelling) zu verführen. Solche Fortschritte 
in der Differenzirung und Specialisirung der anfangs in der Homogen eitat 
enthaltenen Elemente (bei Spencer), liegt allerdings auch ontogenetisch schon, 
bei dem Individuum, vor, würde aber für seine culturhistorische Bedeutung 
in dem Gesellschaftsmenschen erst zum Austrag kommen (und insofern für 
das Individuum nicht vor dem Erwachen des Bewusstseins bei den klimak- 
terischen Jahren herannahenden Pubertatsstadiums). Den primären Ausgangs- 
punct der Studien in inductiver Psychologie bildet der Gesellschaftsgedanke, 
für den Menschen als Zoon politikon. Nicht die Individuen sind es, welche 
die Gesellschaft bilden, sondern die Gesellschaft ist es, welche das Individuum 
bildet, weil die Individuen nur in und für die Gesellschaft existiren (s. 
Bonald), und so innerhalb dieser erst zum Bewusstsein kommen (bei Rück- 
kehr der Subjectivität zu sich selbst, aus objectiver Arbeit). Spes est una in 
inductione vera (auch für die Psychologie). 

In polynesischen Kosmogenien ' ^) kommt die physische Schöpfung zu 
ihrer Realisation erst im Gefolge einer physischen, die sich vorausspiegelt aus 
einem Koa^og vor^Tog^ der auch an Guinea's Schöpfungsmorgen (für die 
Seelen) dämmert. Wenn aber in der Materie selbst ein Geistiges wirkt, wurde 
der Hylozoismus (und Hylomorphismus im Unterschied der atomistischen 
Theorien über die Materie) wieder jener (religiös gefärbten) Zuthat moralischer 
Verantwortlichkeit bedürfen, wodurch dem Buddhismus seine Karma über die 
bei Ausfall der Seele klaffende Lücke hmweghilft. „Der menschliche Geist 
ist nichts anderes, als die höchste Entwickelung der geistigen Vorgänge, 



Digitized by 



Google 



XXIII 

welche die Natur überall beleben und bewegen" (s. Nägeli), aber im Stufen- 
gaoge der Entwicklung Phasen neuer Wendepunkte markirend, bis zu 
den Thatsachen gesellschaftlichen Bewusstseins hinauf, um dem eigenen 
Selbst die Basis seines Ausgangspunktes zu bereiten. Das Gebiet der 
geistigen Vorgänge ist da zu fixiren, wo „wirklich geistige Erscheinungen 
entgegentreten" (s. Virchow), und „unsere eigenen psychischen Lebens- 
äusserungcn müssen stets den Massstab abgeben, nach welchem wir die 
ähnlichen Leistungen anderer Wesen beurtheilen" (s. Wundt). Ln geistigen 
Leben des Menschen hört sich zuerst, und allein auf Erden, ein fernstes 
Echo wundersamer Klänge, die aus den Regionen unbekannten Jenseits 
heruberzutönen beginnen, — lauter und vernehmlicher, wenn auf verwandt- 
schafiHche Harmonien treffend (und so in der Wahlverwandtschaft zu sich 
emporziehend). 

Da es dem Geist wesentlich zu denken, werden eingeborene Ideen vor- 
ausgesetzt, aber zunächst virtuell nur, in potentieller Existenz, um sich zur 
Entelechie zu verwirklichen, aus Gott, als actus purus (bei Erigena). Toutes 
les pens^es et actions de notre äme viennent de son propre fond (s. Leibnitz), 
um sich aus dem Keimsamen zu entfalten, ernährt durch die auf der „tabula 
rasa" (bei Locke) aufgenommene Zufuhr (der Sinne), indem die allgemeinen 
Begriffe sich in Jedem „psychologisch entwickeln müssen" (s. Wundt), im 
psychischen Wachsthumsprocess (des Gesellschaftsgedankens als primären). 
Goedha yryrd swa hio scal (im Beowulf). Aus den apioristischen Begriffen, 
die im virtuellem Zustande vorhanden, hat die Geistesthätigkeit (in activ 
erweckter Vernunft) die absoluten Vorstellungen, welche darin enthalten sind, 
zu Urtheilen zu gestalten (s. Fressens^), und so fortzuschreiten bis zu den 
Grenzen der Denkfähigkeit (im Grenzbegriff). „Da nichts Endliches das 
Unendliche enthält, so muss das Unendliche schon deshalb sein, weil wir 
es inne werden ** (bei Malebranche), und da überall in den ethnischen 
Kreisen, je nach der Grösse oder Kleinheit in den* entsprechenden Proportions- 
verhältnissen, solche Ahnungen des Ewig-Unendlicben zum Ausdruck ge- 
langt sind, werden sie bei objectivem Ueberblick der Völkergedanken durch 
inductive Behandlungen in ihren gesetzlichen Wirkungen verstandbar sich 
erweisen müssen. 

Die Metaphysik („l'^tude des etres en tant qu'^tres**), als die „science 
etudiant T^tre dans toutes les choses, qnelles que soient ces choses** (s. Domet 
de Vorges), ist auf eine naturwissenschaftliche Psychologie zurückzuführen. 
Das Sein ist aus dem Werden zu erkennen, und bei der physischen Welt 
gelangen wir dann schliesslich stets auf unbekannten Urgrund (ob Gottheit 
oder Natur, je nach der Fassung). Formae substantiales nullo experimento 
cognosi possunt (s. Suarez). Solcher Urgrund im Psychischen wurde das 
Selbst bilden, und seine Erkenntniss also in Aussicht stehen, wenn statt des 
bisher subjectiven Weges der Betrachtung, der objective eingeschlagen wäre, 
im Studium des Gesellschaftsgedankons, in den Projectionen des (ieistes aus 
seinen Vorstellungen, wie die optischen Bilder des Auges, dessen Seh- 
Mechanismus sie dem Studium veranschaulichen und daraus also zu verstehen 
sind (nicht jedoch aus dialectischem Grübeln über das Auge, in der Nacht 



Digitized by 



Google 



XXIV 

der Versenkung) ^Kant fait de Tid^ologie, Aristote de la m^tÄphysique" 
(in den Kategorien), und dieser objective Standpunkt des Alterthum's ist 
aus der in moderner Schule des Subjectivismus gewonnenen üebung des 
Denkprocesses mit den Hrdfsmitteln empirischer Thatsachen wieder in die 
Hand zu nehmen (auch bei inductiver Behandlung der Psychologie). Das 
Erkennen setzt Congruenz zwischen der psychologischen Ordnung und der 
ontologischen Ordnung (nach Gioberti), in der Harmonie zwischen Denken 
und Sein (bei Parmenides). Das Ente ideale indeterminate, als mögliches 
Sein (in Gott), ist dem menschlichen Geiste einwohnend (bei Rosmini), das 
einfache „Was" der Seele ist völlig unbekannt und bleibt es auf immer, als 
kein Gegenstand der speculativen Forschung, — bei der empirischen Psychologie 
(s. Herbart), — sondern (ethnischer) Eidologie (um aus den Gesellschafts- 
gedanken die eigenen zu markiren). 

Der Ausgang ist in den factischen Beobachtungsobjecten zu nehmen, 
im Ueberblick der ethnischen Thatsachen, wobei sich manche der dedoctiv 
festgestellten Maximen durch die Induction in umgekehrter Richtung durch- 
laufen werden, ohne deshalb die Relativitäten selbst (soweit eine mittlere 
Grenze richtig begriflfen) zu alteriren. Wie sich die Vorstellungen von der 
Familie mit der Mutterfolge, die vom Eigenthum aus dem Communalismus, 
vielerlei staatsrechtliche (aus der durch die Ethnologie ermöglichten Ent- 
wicklungsgeschichte) unter anderer Beleuchtung zeigen, als der historischeo, 
so wird es sich ähnlich auch für moralische Folgerungen im Ethnisch- 
Religiösen mehrfach erweisen. La notion de Thumanite se d^gageant, resserre 
r^goisme et dilate Taltruisme (s. Littrö), wogegen, wenn die thatsächlicheo 
Beweisstücke befragt werden, die Antwort dahin lauten würde, dass die 
selbstständig in sich geschlossene Persönlichkeit erst als Geschenk der Natur 
entgegengenommen wird, der sie sich dann, von Dankgefühlcn erfüllt, fi-ei- 
willig unterordnet, bei richtigem Verständniss der in der Moral vorgeschrie- 
benen Principien religiös oder philosophisch (oder bei psychischen Studien 
auch in naturw^issenschaft lieber Auflassung). „Ohne religiöse Betrachtungen 
kann die Naturforschung zwar wohl angefangen, aber nicht vollendet werden** 
(s. Schoel). Wie jede Naturwisseuschaft sich bemeistert findet, nachdem die 
Inductions-Methode in ihr zur Geltung gebracht ist, hat es ähnlicher^eise 
auch bei der Psychologie zu geschehen, so dass die Wissenschaft in ihrem 
Fortschreiten zwar nicht ein „pouvoir infinie" (bei Coste) erlangen wird, 
aber Macht über die Gesetze des socialen Lebens (im ethnischen Ver- 
ständniss derselben). La necessit^ du jour oü eile est comprise, commencc 
ä ^tre vaincue, savoir comment les liens sont noues, c'est savoir aussi coniment 
on peut les dönouer (bei Fouill^e), und so, wie die irdische Wurzel eindringt 
in die Naturgesetze, für ihr Verständniss und ihre Bezwingung (wenn im 
Wachsihura zur Auswirkung gekommen), entfalten sich im kosmischen 
Werden die geistigen Blüthen, auch hier in unmittelbarer Wechselwirkung, 
die ebenfalls dann Aussichten eröff'net auf Wegerichtungen zur Identificirung, 
je nach dem Verständniss derselben durch das in psychischer Umgebung 
geklärte Bewusstsein des Selbst. 

Damit der Einzelngedanke zu eigener Klarheit gelange, im (individuellen) 



Digitized by 



Google 



XXV 

Selbst, muss das Verständniss des (gesellschaftlichea) Völkergedankens vor- 
ausgehen, indem jener als integrirender Theil in diesem aufgeht, und also 
erst aus Berechnung relativer Werthabschätzungen in absolute festgestellt 
werden könnte. 

Im Verhältniss zu geschichtlichen Schöpl'ungen, welche uns (in den 
Culturvölkem) die Physiologie ethnischer Organismen in lebenskräftig ge- 
wonnener Abgeschlossenheit vorfuhren, bieten die Beobachtungen bei den 
Naturstammen (in der Ethnologie) den Einblick in embryologische Vor- 
.stadien der Entwicklung, um so auf einen Anfang zurückzugehen, der sonst 
(historischer Weise) nicht zu gewinnen wäre. 

„Nicht nur ist aller Anfang klein, sondern der Gleichzeitige weiss auch 
nie, wovon es der Anfang ist, kaum beobachtet er es also, geschweige, dass 
er es dem Gedächtniss übergeben sollte. Nach Jahrhunderten erst, wenn 
das, was sich gebildet hat, wichtig oder anziehend geworden, fragt der 
Mensch nach Zeit und Art der Entstehung, und findet keine Belehrung. 
Aber diesen Mangel erträgt die Wissbegier nicht und füllt die leere Stelle 
mit einem Luftgebilde. Das Luftgebilde der neuen Forschungen besteht nur 
aus Hypothesen" (s. Buttmann), wogegen die „einfacheren Forscher des 
Alterthums" bei ihrer Vorzeit anfragten, „und was sie erhielten, ein Luft- 
gebilde war es auch, aber ein weit erfreulicheres und lehrreicheres; Sagen 
waren es" („durchzogen von historischen Adern"). Solche Luftgebilde der 
Hypothesen sind gegenwärtig mit dem inductiv hinzugezogenen Material, 
durch die Bausteine desselben in soliderer Fundamentirung aufzumauern, und 
für den architectonischen Plan des Grundrisses fällt ein leitender Lichtblick 
hinein aus den Sagen der Mythologie und archaistischer Ueberbleibsel, wie 
oftmals dargelegt (s. Der Papua, S. VII). Vorläufig hat also die Material- 
beschaffung weiter fortzugehen, bis mit zunehmender Ergänzung der Samm- 
lungen ein annähernd statistischer Ueberblick gewonnen sein wird (s. M. 
i. d. G. III, S. 428). Und in morahscher Solidarität, in der „solidarite 
humaine" (bei Leroux), indem „les soci^tös plus encore, que les individus 
se lient par chaque acte de leur histoire et engagent leur lendeniain" (s. 
Marion), fühlt sich in der Gegenwart (bei rapide zunehmendem Verschwinden 
ethnischer Originalitäten) die Verpflichtung, das zu sammeln und zu retten, 
was früher ausserhalb des Gesichtskreises lag, und später in denselben nicht 
mehr wird hineingezogen werden können (weil dann bereits verschwunden 
auf immer). 

Im Organischen (dem Producte des Pflanzen- oder Thierreiches) zeigt 
die Mesologie den Index der geographischen Provinz (auf dem Planeten unter 
seinen solaren Beziehungen), und so in der Wirksamkeit der Wechselwirkung 
eine Erklärungsmöglichkeit aus der Ursächlichkeit der Wirkungen auf den 
Effect, sowie der Abhängigkeit des im Effect Gewirkten von der Ursächlich- 
keit In seinen Aggregatzuständen wird das Wasser gasförmig als Dampf 
oder als Eis hart und fest bedingt, sowie in den nach der Temperatur ge- 
regelten Mittelzuständen, während mit alledem Nichts ausgesagt ist über die 
Entstehung der das Wesen des Wassers selbst unterliegenden „Essentia*^ o der 
etwaiger Ur- Atome, als „entia simplicia", denn „hypotheses non fingo", heisst 



Digitized by 



Google 



XXVI _ 

es in (Newton's) Sprache des Naturforschers (für Ursprungsfragen, über das 
relativ Nachweisbare hinaus). Wollte der Physiker im Sinne (jonisch) alter 
Philosophen das Wasser als Element construiren, hätte, unter heutiger Theilung 
der Arbeit, der Chemiker hineinzureden, unter Zersetzung des Wassers in Oxygen 
und Hydrogen, wobei für Hydor oder Oxys über das Genetische darin weiter 
speculirt werden könnte, bis i^ ol y^vstra (bei Aristotel.). Oder auch bis 
zum Kivetv und Kivnf^evov^ denn „die Kineten folgen in ihren Bewegungen 
nur einem Gesetz, und zwar dem der allgemeinen Gravitation** (bei Pfeil- 
stecker), bis zur „Bary Sphäre" etwa (im Centrum der Erde), oder hinauf zum 
solaren Gängelbande, und darüber hinaus, mit „actio in distans**, wenn die 
Gedanken sich versetzen, bis in fernste Fixsternräume hinaus „Üie Materie 
ist das Bewegliche, insofern es einen Kaum erfüllt** (bei Kant), aber „est 
aliquid praeter extensionem, imo extensione prius** (s. Leibniz), in der niateria 
prima (wenigstens materia absolute prima), das Naturding in Begabung „mit 
activen und passiven Princip** (s. Kedtenbacher), zu schaflFen aus Materie 
und Form * ^), in der Erscheinung und deren Bezeichnung, als Rupa und 
Nama, durch das Gesetzliche eines xnivhq Xoyog (bei Heraklit), von Dhamma 
regiert, und die Materie (,.Kraft, und nichts als Kraft**) „liegt im Gesetz** 
(s. Fechner). Ungeworden ist das Sein (bei Parmenides), ein anaiQov (der 
Eleaten), und so schreitet der vovq weiter, Hvqo^Up hinaus, bis zum religiös 
Geahnten, das, wenn in religiös - mythologischen Bildern nicht länger ver- 
körperbar, sich abgleichen mag in Asanghkara-Ayatana (des Nirwana). Den 
„Kegressus ad infinituoi** durch monistische Deduction abschneiden zu wollen, 
dürfte für „Plastidul-Seelen** selbst, „die molekularen Factoren des organischen 
Lebens" ^^), ein halsbrechender Versuch sein, und um Schöpfungshypothesen 
anzunähern, böte sich, innerhalb der Grenze induciiver Forschung, als einziger 
Ausgangspunct der der geographischen Provinz zum Studium des ihr ange- 
hörigen Organismus. Indem hier bei den Variationen*'^), (wie unter deu 
Ursina z. B. zwischen Ursus arktos, ferox, maritim us, malayus u. s. w.) 
Differenzen zu Tage treten, würde das minimal genaueste Studium dieser 
den ersten sichern Angriffspunct für naturwissenschaftliche Forschung bilden 
(mit der Möglichkeit einstiger Ausweitimg im Laufe der Jahrhunderte), und so 
ein Fussauftritt gewonnen sein dem Selbstbewusstsein, um sich selbst zu wissen 
als Ich: nov atw (innerhalb der, auch dieses Selbst einverkettenden, Welt). 
Die mit dem J dentitätssatz übereinstimmenden Denkformen darlegend, 
begreift die formale Logik, als Lehre vom Beweis (im Schliessen), Vor- 
stellungsgruppen, von Begriffen durch Urtbeile zum Schluss fortschreitend. 
Während nun die Mathematik für ihre Sätze die Raum Verhältnisse selbst, 
wie mit optischer Noth wendigkeit den Seh-Vorstelluögen eingeprägt, zur 
unveränderlichen Unterlage hat, bedarf die Logik für ihre Begriffe (und 
also für die Richtigkeit des daraus Gefolgerten) einer steten Controlle durch 
die objectiven Thatsachen, so dass der Gattungsbegriff nur dann als identisch 
belegter angenommen werden kann, wenn mit soweit gültiger Kenntnij^s von 
der Gattung, als identisch gedeckt, unter steter Erweiterung des Wissens 
(auf der durch die Induction gesicherten Bahn der Naturwissenschaften, den 
physischen sowohl, wie dann auch psychischen). 



Digitized by 



Google 



XXVII 

Als organisches Product der geojjfraphi sehen Provinz, ergiebt sich das 
vom Menschen als Artbegriff concipirte, und obwohl deshalb, nach meteoro- 
logiscben (und den zugehörigen) Ursächlichkeiten schwankende Wechsel 
innerhalb des jedesmaligen „Milieu" (und unter den Ergebnissen kreuzender 
Mischungen) Transmutationen innerhalb der Species — (jener Umbildungen, 
wie in Darwin s ursprunglicher Reform liir die Taubenrassen z. B. eingehendst 
nachgewiesen) — , statthaben mögen, bleibt doch die (in einen „Regressus ad 
infinitum'^ verlaufende) Abstammung einer Species von einer andern für die 
Naturforschung ausgeschlossen, da die Variationen um den gesetzmässigen 
Mittelpunct eigener Schwere zu oscilliren haben, und bei U eberschreiten der 
Peripherie sich selbstvemichten würden. ^Der Begriff der vollkommen selbst- 
ständigen und unveränderlichen Species" steht der Descendenzlehre im Wege 
(bei Wigand), d. h. dem Uebergang von Species in Species, aber nicht der 
Umbildung jeder Artsphäre (wie aus der Wechselwirkung mit der Umgebung, 
in nothwendiger Begründung, hergestellt). Each species is adapted to the 
climate of its own home (s. Darwän). So oft Kreuzungen (zwischen Bastarden) 
„zur Erzeugung von andauernd fortpflanzungstähigcn Mittelformen führen" 
(s. Rolle), würden solche, bei vorläufiger Einschiebung in das soweit gültige 
System zulässige, Uebergangsglieder, bei einer (periodisch, im Gange des 
Fortschrittes, erforderlichen) Revision desselben — (mit Rectificirung zugleich 
der dabei in Frage kommenden Bastard-Schwankungen) — -, ihren VoUwerth zu 
erhalten haben, indem die schöpferische Thätigkeit der Begriffs bildung in 
den Generalisationen sich aus sich selbst zu verstehen hätte, nicht in jener 
schwindlig im Kreise drehenden Veraunftigkeit, wie aus dialectischen Dis- 
enssionen durch idiosyncrasische Vorlieben erhaschbar, sondern wie im Laufe 
langsam bedächtiger Rechnung aus der Masse thatsächlich vorliegender Beweis- 
stucke abgeleitet, in sachgemässer Reform des Artbegriffs, als „caput mortuum 
der Abstraction" (s. Knauer), bei seiner Neubelebung zur „Art", nach gött- 
lichen Mensurationen (bei Thom. Aq.) umschrieben oder gesetzlich realisirt, 
in typischen Schöpfungsgedanken (s. Agassiz) geprägt (um zum Geist zu 
reden). Verführerisch locken allerdings die Bequemlichkeitstheorien monisti- 
scher Einerleihciten, aber in Wirklichkeit gilt's den harten Kampf, um unter 
den Wechseln bunt mannigfaltiger Vielfachheit dennoch stets das Gleich- 
gewicht in verständiger Auffassung der Natur (und des menschlichen Verhält- 
nisses zu derselben) zu bewahren. Une id^e ne vit que par la lutte (s. 
Stapfer). Une science, oü Ton ne discute pas, est une science morte (s. de 
Vorges). „Militia est vita hominis", in der Aufgabe steten Weiterstreben s 
(zur Vollendung und Besserung). L'activitö seule c'est Tetre de la personne 
(s. Cousin). Der Begriff ist das abstracto, relativ abgeschlossene Bild eines 
Gegenstandes, während das Urtheil den Lebensprocess desselben darstellt 
(s. Kirchner), im normalen Wachsthumsprocess (richtigen Denkens oder seiner 
pathologischen Störungen). 

In der Behandlung des erkenntnisstheoretischen Problems, stellt Nizolius 
(im Gegensatz zum Ens der Scholastiker, das seinen Gegensatz bedingt) den 
Begriff des Dinges oder „Res" (genus rerum) als Allgemeinsten hin. Nicht 
von den realen Universalien, aus unbekannt umgebendem Universum, ist der 



Digitized by 



Google 



XXVIII 

Ausgangspunct zu nehmen, sondern von dem deutlich fassbaren eines ding- 
lichen (individuell abstrahirt, als „Ding-an-sich"), und wenn das Elementare 
im Völkergedanken in primär Gesetztem angenommen wird, als schöpferisch 
Gestaltetes aus der Wechselwirkung mit geographisch-historischer Umgebung, 
so wurde sich der aus den „rationes scminales** des Gedankens aufstrebende 
Wachsthumsprocess im Bewusstsein gleichsam leben, in den Metamorphosen 
der Vorstellungen (wie der der Blattorgane in den Pflanzen). 

Auf das Anfangs- Axiom des Identitätsprincips, a,h des Ausdrucks eines 
Insichseiendes, wie subjectiv (im Cogito ergo sum) gefasst (bei Descartes), 
folgen (bei Kant) die Gesetze der Sensibilität, mit den Vorstellungen vo^ 
Raum und Zeit, der Substanz und der Causalität, wobei das Raumliche die 
mathematisch aprioristische Unterlage abgiebt, aus dem optischen Apparat 
des vorwiegend bedingenden Gesichtssinnes (in Verbindung mit dem Getast 
für das Körperliche), die Zeit die successive Folge im Organischen 
(lebendiger Bewegung), und die Causalität den Wachsthumsprocess als 
solchen, also für die Zellen, oder (bei Brücke) Elementarorganismen, die 
herrschenden Gesetze, die, wenn im Psychischen gesucht, ebenso sehr (wie 
in den übrigen Naturreichen) ihr äusseres Substrat bedürfen, und dieses nur 
im objectiv gesetzten Völkergedanken finden können (beim Menschen, als 
Gesellschaftswesen). Sonst geräth man in einen „Fluss, eine Summe von 
sinnlichen Empfindungen und Antworten, die, von einer oder andern Seite 
angesehen, auch einen Fluss und eine Summe von Nervenschwinguugen dar- 
stellen", was der „Geist" sein soll (bei Taine). Aber indem die „Kenntniss 
des üehims eine bewegte Materie" zeigt, ist in keiner Weise einzusehen, 
„wie aus dem Zusammenwirken der Atome Bewusstsein entstehen sollte* 
(s. A. Lange), und, zum Sieg „über zersplitternden Egoismus und der 
ertödtenden Kälte des Herzens" ist er zu erwarten, der „Fremdling aus einer 
andern Welt", wenn in naturwissenschaftlicher Psychologie auch das Ideale 
verstanden sein wird, nach den com parativ- genetischen Methoden der In- 
duction, im Messen und Wägen, und gedeihlich geförderter Anpflanzung der 
ethnischen Denkschöpfungen (über den Globus hin). „Niemals existiren 
Gesetze ausser, zwischen, neben oder über den Dingen, die ihnen gehorchen 
sollen" (s. Lotze), und so sind auch die psychischen nur in dem zu fassen, 
was sich psychisch geschaö'en hat (mit dem Gesellschaftsgedanken als pri- 
mären Ausgangspunkt im sprachlichen Verkehr). „La consid^ration de la 
nature des cho^es n'est autre chose, que la connaissance de la nature de 
notre esprit*^, und so liegt in der Seele selbst der Angelpunkt der Ent- 
wicklung (für ein Verständniss in naturwissenschaftlicher Psychologie). Die 
Natur verbirgt Gott (bei F. H. Jacobi), wird aber vertrauter werden, wenn 
zur materialistischen Naturforschung die Ergänzung der nach ihrer Methode 
behandelten Psychologie hinzugetreten sein wird. Si la devise de la science 
devant Tenigme des origines du monde est „Ignorabimus", la devise de la 
morale devant T^nigme des destin^es du monde peut ^tre: Sperabimus 
(s. Fouill^e), und zu solchen Hoflhungen wird die Naturwissenschaft dann 
berechtigt sein, wenn es ihr gelungen ist, auch die Psychologie in induc- 



Digitized by 



Google 



XXIX 

tive BehandluDgsweise hineingezogen zu haben (auf Grund des ethnischen 
Materials). 

Td ovnf.ia finv Davfiaavov iv rnig e^vBOi, spricht die Gottheit iu den 
diakoxT] xijjv diüdeyM'AnoaxoXwv^ und bei den Wilden beginnt der Eindruck 
des Göttlichen mit dem Staunen, im Atua, im Manitu, in Tu-pa u. s. w., 
nicht mit dem Erstaunen, dem Uebel und der Sünde gegenüber (s. Hart- 
mann), sondern mit dem (als psychologisch einwohnend, unbewusst er- 
zwungenen) Staunen über das Uiifassbare (das Unbegreifliche im Wakan). 
Dann, wenn beim Nähertreten das Leid des Lebens immer schmerzlicher 
zur Erapfindunjz; gelangt, schlägt die Furcht, im „timor**, (Primor in orbe deos 
feeit timor), in die Fesseln sclavischen Aberglaubens zunächst, und dann in die 
frommer Gottesfurcht, bewimdernden Staunens über den wunderbaren Kosmos, 
dessen Wunder sich wundersamer gestalten, je tiefer das Wissen in Kenntniss 
der Naturgesetze einzudringen strebt. Dass im Grunde Gott mehr des 
Menschen, als dieser seines bedürfe (bei Mill), mag in dem Grau dialectischer 
Logik gleichgültig erscheinen, aber im Kampf mit der Wirklichkeit, innerhalb 
ihrer ethnisch bunten Welt, bringt auch jeder Sieg das Abhängigkeitsgefühl 
desto schlagender zum Bewusstsein (im Räthselwuuder des Daseins). „Alle 
Geschöpfe sind Gott Alles schuldig, was sie haben, aber bei diesem Ge- 
schöpfe, das den Schöpfer geboren hat, geht es umgekehrt, der Schöpfer ist 
dem Geschöpfe schuldig, hat ihm Alles zu danken", heisst es (bei Kanonikus 
Weissenbach) von der Jungfrau (1787), in conceptio immaculata (nach 
päpstlichem Decret). Zum Bewundern kommt dann leicht ein Verwundem 
darüber, „quantilla prudentia mundus regatur"* (nicht nur in jener für Papst 
Leo einträglichen „fabula", sondern auch bei metaphysischer im Wolken- 
kukuksheim der Philosophen). 

Wie überall die Apostasie, wird sich ein Abfall von unverbrüchlichen 
Axiomen am schwersten in der Naturwissenschaft rächen müssea, weil bei 
ihrem logischen Rechnen die Fehler mathematisch nachweisbar erfolgen, 
and für Absurditäten keine Hinterthür bleibt, die Nachsicht und guter Wille 
zu öfinen geneigt sein möchten. Bei dem (in der Zwischenzeit vergipsten) 
Balhybius lag es, zur Zeit seines Ruhmes, nahe (für Häckel), „an Urzeugung 
zu denken ** (wie für Avicenna und naturwissenschaftliche Speculationen bis 
Oken), denn wer für diese ersten Anfänge des Lebens die Urzeugungs- 
hypothese verwerfen wollte, wäre „genöthigt, für die Entstehung der ältesten 
Moneren einen übernatürlichen Schöpfungsact anzunehmen", so dass, (damit 
,das Causalgesetz seine allgemeine Geltung" nicht verliere), die Hypothese der 
„Urzeugung" gerathener sei, als ein „ Wunderglaube", während (für C. v. ßaer) 
gerade die „Weltbildung ohne Plan" (oder Strebigkeit) ein „Wunder" wäre, 
das die Wissenschaft zurückzuweisen hätte, und in der „Vorbildung" (der 
Ursprungsfrage) ein „staunenswerthes, aber vernünftiges Wunder" liegt, eben 
jenes Wunder der Wunder, das sich stets als Problem gestellt hat, wie 
bisher der Religion und der Philosophie, so jetzt den Naturwissenschaften. 
Dass ihr erster Versuch mit solchem Fiasco einsetzte, folgt erklärlich, weil sie 
sich in obigen Sätzen doppelt verläugnete, einmal in einer (nicht nur nicht 
bewiesenen, sondern bis jetzt vielmehr direct widerlegten) „Hypothese" von 



Digitized by 



Google 



XXX 

der Urzeugung, und dann in der komischen Naivität, innerhalb anendlicher 
Reihen mit den vier Species ausreichen zu können. Wenn beim Zurück- 
schieben der Entstehung vom Organischen aut das Anorganische, für die Re- 
lativitäten des Causalgesetzes ein Schrittchen gewonnen sein könnte, so bliebe 
doch für die letzte Keimfrage die Problemstellung genau dieselbe, wie vorher 
(bis in das minimalste Tüttelchen hinaus). Wenn trotz solch eclatanter Nieder- 
lagen der gute Credit der Naturwissenschaften an der Bank der öfientlichen 
Meinung nur wenig erschüttert ist, so beweist dies am schlagendsten, wie 
sehr ihre Forschungsrichtung aus den Zeitbedürfnissen erwachsen, darin ein- 
gebettet ist, und darf desto vertrauensvoller die Hoffnung bewahrt werden, 
dass nach Hinzuziehung der Psychologie in die naturwissenschaftliche Be- 
handlungs weise solch' erste Miss^griffe baldigst werden gut gemacht sein. 

Die Naturwissenschaft wird gerne im ßekenntniss eines „Ignoramus'' 
ihr Noch-Nicht-Wissen eingestehen, so lange sie in gegenwärtigen Jugend- 
ahren noch keine letzte Hand hat legen können an Vollendung ihres Ge- 
bäudes, durch dessen Krönung mit der Psychologie, und auch dann für 
manche Fragestellungen ein „Ignorabimus** verbleiben wird bis zur Eutropie 
des Weltalls, je nach der Umgestaltung derselben unter den Geboten ihres 
Schöpfers, des Menschengedankens selbst (in Abfindung mit eigenem Be- 
wusstsein). Jede Hypothese soll, so lange sie noch Hypothese ist, im offen- 
kundigen Hypothcsengewande auftreten, und es muss gleichzeitig das Ziel 
des Forschers sein, durch fortgesetzte Ableitung von Consequenzen und Ein- 
sammlung von Thatsachen entweder die vorläufig aufgestellte Hypothese 
vollständig zu beseitigen oder sie zur Alleinraöglichkeit zu erheben, sie aus 
einer Hypothese in eine Theorie zu verwandeln (s. Kosman). Dem Ma- 
terialismus („ebensogut eine metaphysische Speculation oder Hypothese, wie 
der Spiritualismus") ist nicht das Recht einzuräumen, „in der Naturwissen- 
schaft über factische Verhältnisse ohne factische Grundlage entscheiden zu 
wollen" (s. Helmholtz), und so bedarf es der Materialbeschaffung (für den 
Völkergedanken). 

Indem die im „Kampfe ums Dasein" hergestellte „Auslese" (naturlicher 
Zuchtwahl) zwischen den Varietäten in der „Vererbung" durch die „An- 
passung" ihre „Dauermässigkeit" (s. Möbius) beweisend, Bestand gewinnt, 
so verläuft solcher Process mit schönster Ordnung innerhalb jedesmal 
geographischer Provinz, wogegen mit üeberschreiten solch gesetzlicher 
Schranken, der Naturforschung ihre Unterlage entzogen ist, und weitere 
Speculationen über Ursprungsfragen dem Gewissen metaphysischer Hypo- 
thesen zur Verantwortlichkeit für ihre Theorien zu überlassen sind, bis eine 
naturwissenschaftlich durchgebildete Psychologie auch in derartigem Schaffen 
Gesetzlichkeit nachzuweisen im Stande sein wird. Ohne solche ControUe 
verfiele die organische Naturwissenschaft auf den von der Chemie über- 
wundenen Standpunkt zurück, sofern sie, mit den constatirten Elementen 
nicht zufrieden, sich dem Nachjagen der Metallumwandlungen wieder hingeben 
wollte (mit allen den practisch schädlichen Folgen). 

Auf Hawaii symbolisirt sich die Schöpfung als ein Emporbluhen (Pua), 
und so in der Scholastik (bei Duns Scotus), wenn aus dem Seminarium der 



Digitized by 



Google 



XXXI 

Materia prima das Universum emporwächst, als Wunderbaum, mit dem ver- 
wehbaren Laub der Accidenzen, Zweigen und Blättern, als corruptible 
Geschöpfe, und den Blüthen in der rationalen Menschenseele (s. Werner). 
Aus „rationes seminales" (b. Thom. Aq ) bringt die Erez (geschafiFene Natur) 
die neuen Formen aus sich hervor (s. Knauer), das Organische (aus orga- 
nischem StofiF). AUe Dinge (bei Plotin), welche potentia (dwaftei) sind, 
gehen in den Zustand der Actualität {ive^ysia) dadurch über, dass sie Form 
(eldog) empfangen (s. Richter). Das Singulare als solches ist Ens actu 
perfectum (s. Scotus), als Substanz (bei Aristoteles). Während das Substrat 
(v7cox8ifievov) potentia, ist das aus dem Substrat und der Form Zusammen- 
gesetzte actu (bei Piotin). 

Unter solcher Strebensbethätigung sind „toti naturae principia propriorum 
actuum" eingedruckt, als Musterbilder (der Urformen) in den Idealen (bei 
Plato), denn „Mundus intelligibilis nihil aliud est, quam idea mundi (s. 
Thom. Aq.). Quidquid intelligitur, intelligitur sub ratione universalis (bei 
Duns Scotus), und indem eine vollkommene Definition des sinnlichen Einzeln- 
dinges bis auf die Gedanken des Seienden, als solches, zurückgreifen müsste 
(s. Werner); — denn „ens quod est universalissimum intrai definitionem 
omnium" — , so bleibt das Zielstreben hingerichtet auf harmonischen Ab- 
schluss des Ganzen (wie in Nirvana, als Aromana des Dhamma). 

In gesetzlich geordneter Wechselwirkung fallen Ursprungsfragen aus. 
„Es giebt kein anderes Leben, als das durch Erbfolge" (s. Virchow), und 
so hat die organische Wesenheit in der geopraphi sehen Provinz ihren Ansatz- 
punkt zu nehmen, für die Allgemeinheit (der Art oder Gattung) ^*^) und im 
Besondem (des Individuums) zu eigener Erkenntniss zu gelangen, in der 
Identität von Denken und Sein (nach mikrokosmischen Verhältnisswerthen). 
In hoc enim, quod cogitat, percipit se esse (Thom. Aq.), als Menschheit 
(der Mensch). Das Vermittelnde für die Erkenntniss der Dinge ist der 
Creationsact in Gott (nach Gioberti). L'Ente ciea l'existenze (für An- 
schauung Gottes im Schöpf ungsact), bei dem Schöpfungsgedanken (in der 
Natur). 

ürsprungsf ragen führen in die Metaphysik weg, und fort über den gesicherten 
Fussauf tritt exacter Naturwissenschaft hinaus, zurück in das alchymistische 
Stadium der Metall-Umwandlungen, während die Chemie sich jetzt mit ihren 
Elementen, so bunt sie auch in der Vielheit aussehen mögen, vorläufig ge- 
nügen lässt, und zum Besten practischer Verschönerungen und Verbesserungen 
des Lebens ruhig weiter arbeitet, in Aussicht auf fernere Aufklärungen, die 
kommen mögen und kommen werden. Die Ewigkeit einer Welt überhaupt „a 
parte ante und a parte post'' berührt nicht direct die sublunare Welt (im 
planetarischen Kosmos), für Abkunft des solaren Planetismus (mit solchen 
Fixstemsystemen etwa, für die sich bereits ein Abschluss ergiebt), und wenn 
den Experten eine ursprüngliche Nebelhypothese genügt, wäre sie ihnen zu 
belassen, für die weiteren Deductionen abwärts, während jenseitige Con- 
structionen, in ziel-, weil endlosen Regressus führen würde, mit dem kin- 
dischen Wunsch vielleicht, nach dem Mond zu greifen, während in 
Jahren der Mannheit erst der Mond sich verstehen wird mit Hülfe der 



Digitized by 



Google 



XXXII 

Teleskope, Spektralanalysen, Photogramme u. s. w. Jenseits der soweit jetzt 
übersehbaren Grenze des Fixsternhimmels dehnt sich noch das unendliche 
All, unendlich, unfassbar wie immer. „Welche Fackel wir auch anzünden 
und welchen Raum sie auch erleuchten mag, stets wird unser Horizont von 
tiefer Nacht umhüllt bleiben" (s. Schopenhauer), obwohl mit Hülfe elektrischen 
Licht's vielleicht, (in der Gegenw^art der rasch fördernden Electricität), noch 
im weitesten Umfange für unerwartete Aufklärungen zu erhellen (durch 
Zutritt der Psychologie in die Reihe der Naturwissenschaften). 

Ob sich statt des „Creator mundi extra mundum", der „ex necessitate 
naturae" oder „ex libertate voluntatis^ geschaffen, eine Entstehung setzt i^ 
aßOQfpov vXrjc: oder f.^ ^^^^ ovnovy aus (Plato's) ^itj op oder dem Köre (der 
Maori), bleibt leeres Wortgeklimper für die Naturwissenschaft innerhalb 
ihrer soweit umschriebenen Grenzen, die deshalb indess noch keine on- 
überschreitbare Schranke bilden. Vorwitzige Uebereilung dagegen straft 
sich selbst, und die bisher auf ihrem glänzenden Siegeszuge überall 
triumphirende Induction hat sich schmähliche Niederlagen gefallen lassen 
müssen, (im noch traurigeren Fiasco), als sie unbedacht gegen die Festen, 
in denen seit Olim's Zeit die Philosophen sich festgesetzt, anstürmen zu 
können meinte, ohne sich vorher mit dem erforderlichen Rüstzeug vorgesehen 
zu haben (aus naturwissenschaftlicher Psychologie). In seiner Frühgeburt 
gleicht der Materialismus einem prachtvollen Torso, trefflich vollendet aus- 
geführt, in der Symmetrie seiner Glieder, aus den Fächern der Natur- 
wissenschaften von überall her zusammengesetzt. Noch aber fehlt das 
denkende Haupt, das in einer naturwissenschaftlichen Psychologie erst hinzu- 
zufügen wäre. So lange dieser Torso kopflos dasteht, lässt er sich für 
Namensgebung nicht erkennen, und bleibt es soweit gleichgültig, wie man 
sagt (bei Buffon), deus sive Natura (s. Spinoza). Natural selection (,an 
active power or deity") „implies only the preservation of such varieties as 
occur and are beneficial to the being und er its conditions of life" (s. Darwin) 
personifying nature „the aggregate action and product of many natural luws**, 
(the sequence of events as assertained by us\ In Newton's Gravitation 
setzt sich die Bewegung al^ vorhandene Wechselwirkung, ohne Rücksicht 
auf einen Anfang (in Ursprungsfragen). Wohl drängt die Sehnsucht schon 
jetzt zu wissen, schon jetzt zu leben im klaren Schauen, aber der Wünsche 
gar Mancher hat seiner Erfüllung zu harren. Und genugsam ist gewonnen 
zunächst, unter sicherem Anhalt im harmonischen Kosmos, mit zuverlässiger 
Leitung der Gesetze, die mittelst einer naturwissenschaftlichen Psychologie 
bis in das Geisterreich hinauszuführen versprechen. Wie von jeher in den 
Religionen ihre Verheissungen dem Herzensbedürfnisse temporär genügt haben, 
mit Hinweis auf ein Jenseits, das die Phantasie geschaffen, so darf gewiss- 
lieh der Naturwissenschaft diejenige Verheissung Befriedigung gewähren, die 
aus eigener Denkarbeit des Menschen weiter zu klären und in Einzelnheiten 
auszuverfolgen, der Weg bereits geöffnet steht 

In dem „gemässigten^Realismus" (wie von Thomas Aq. begründet) suchte 
die Scholastik einen Mittelweg zwischen dem „Nominalismus, als Vater des 
skeptischen Kritizismus, und dem Formalismus, als Vater des Pantheismus*' 



Digitized by 



Google 



XXXIII 

(s. Pesch), und seit Einführung der Induction wird sich der naturwissen- 
schaftliche Unterbau psychologisch emporführen lassen (mit den daraus fol- 
genden Rectificntionen für metaphysische Weiterentwicklungen). 

Wenn die Form sich an der Unterlage des, Stützpunkte (gleich denen 
der Ayatana) gewährenden, Hypokeimenon bethätigt, wallt Hyle auf, wo- 
gegen die Form (iidog) ideeller Welt in der Seele lebt, als reine Thätigkeit 
oder Wirksamkeit (im Spielraum der Rupa- Welten). Während in der sinn- 
lichen Welt die Masse ((og vlrf)^ ist, was in der idealen Welt die Rolle der 
Materie spielt (bei Plotin) die Form, wie in der Seele (s. A. Richter). 
Omnis forma quae educitur in esse per transmutationem materiae, est forma 
edacta de potentia materiae (s. Thom. Aq.). Die Materie bedeutet Substanz 
„modo absolute, absque respectu positive ad aliud" (s. Duns Scotus). Die 
„Materia secundo prima** involvirt eine Determination der ^Mat^ria primo- 
prima** (als Mittleres zwischen Ens und Nihil), und die „Materia tertio 
prima** unterliegt (wie der Bildungsthätigkeit der Samenkräfte) auch der 
menschlichen Eunstthätigkeit (s. Werner), in Umgestaltung der Natur (und 
Rückwirkung wieder auf den Urheber selbst). Zunächst ruht im eigenen 
Auge nur der sichernde Halt, im schöpferisch gestaltenden Denken. '0 aQa 
xaXovu€vo(: T^g V^^fjs '^'ovg ovdev iartv iveQycKjc tcüv oi^wv tiqIv voeiv (bei 
Aristotl.). Aus gnostischem Bythos sprudelnde Quellen strömen dahin; 
t(p ov fiiv^ Tov nQiOTov xivovvxog, ov de f^ vXrj, eig o de %o etdoc (s. 
Aristotl.), und mit dei* Bewegung fühlt das Bewusstsein sein Ziel gesteckt, 
in unablässiger Arbeit (zur Verwerthung flüchtiger. Zeit), nach dem Wurd- 
giscapu oder Schicksalsbeschluss (als Reganogiscapu oder Regangiscapu) im 
Word (der Welt). 

Die zeitlich -historische Solidarität der Interessen füllt für die Ent- 
wickelung der Menschheit in den Gesellschaftsgedanken und den in seinen 
Vorrathshäusem angesammelten Wissensschatz. 

Für den Einzelngedanken können die in allmähliger Steigung zunehmen- 
den Transformationen, auch unter begünstigenden Verhältnissen natürlicher, 
oder künstlicher, Züchtung nur selten (oder gar nicht noch) zur Vollwirkung 
gelangen, indem sie zwar in Singularitäten des physischen Habitus (und zu- 
gleich f6r practische Erfolge in den Culturrassen der Landwirthe) hereditär 
stabil werden können, aber dann immer ein weiter Weg noch bleibt, durch 
eine lange Reihe von Mittelgliedern, ehe sich dies bereits in psychischer 
Folge zu äussern vermöchte (am ehesten noch psychiatrisch für erbliche 
Anlagen). Das in der Vererbung verknüpfende Band (bei Hume), »die 
organische Verbindung des gegenwärtigen Bewusstsein's mit dem vergangenen** 
(s. Mill), wird freilich, „zur Annäherung an den positiven Begriff* des Ich** 
bereits von den Naturvölkern gesucht, im Traducianismus der Stammesseele 
bei ihrer Wiedergeburt (in Guinea), und auch sie glauben dabei, aus (pla- 
tonischer) Anamnesis, individuelle Idiosynkrasien festhalten und nachweisen 
zu können, indem sie vor dem Kinde Angedenken des früheren Lebenslaufes 
auebreiten, aber die Durchschau kann nur auf höherer Stufe gegenwärtig 
sein, wie etwa in der Familie des Dalai-Lama (oder eines Pythagoras als 
Baddhaghosa). 

Bastian, Archipelago. II. C 



Digitized by 



Google 



XXXIV 

Für die Durchnittssätze tritt die Theilnahme an den angehäuften Wissens- 
schatz der Cultur erst mit der Erziehung ein, oder dann, wenn die psychische 
Atmosphäre, innerhalb weicher die Geburt stattgehabt zu ihren Einwirkungen 
gelangen kann, also der Gesellschaftsuatur des Menschen entsprechend, aas 
und durch den Gesellschaftsgedanken, während bei der physischen Gebort 
die elementar psychischen Anlagen in der Hauptsache gleichartiger bleiben, 
bei Negern, Ariern oder Indianern (wenn auch in jedem dieser Kreise nach 
der geographischen Provinz in eigenartiger Modification schon gefärbt), in 
„races ^thiques*' (s. Renouvier), mit Erneuerung und Vervollkommnung (auf 
den Wogen des Gesellschaftsstrom's). 

Wie der Egoismus aus der Ernährung, geht der Altruismus aus der 
Fortpflanzung hervor (im Positivismus), und der sociale Trieb entwickelt 
sich unter dem Trachten nach Lust (bei den Evoiutionisten), mit dem Streben 
nach Anpassung (in der Moral) bei erblicher Uebertragung (zur Vervoll- 
kommnung). Und wenn in der Entwickelung das sittliche Gefühl (als 
practische Vernunft) zum Durchbruch kommt, hätte dann der aus dem Ver- 
gnügen (im Eudämonismus) oder dem Nützlichen (des Utiliarismus) gegebenen 
Antrieb für die Auflassung zu verschwinden (als Minus im Plus). Nachdem 
in objectiver Herleitung durch die Analyse verständlich geworden, spricht 
dann das Resultat als Pflicht im Gewissen (bei subjectiver Rück- und Einkehr 
zu sich selbst). 

Während bei den Pflanzen^') in ihren unteren Wachsthumsstadien diese 
durch Anwendung von Dünger in richtig componirten Bestandtheilen, durch 
das Erdreich, Begiessen u. dgl. m. regulirt und verbessert werden, um wohl- 
schmeckende Früchte oder lieblich duftende Blumen in bunter Farbenpracht 
anzusetzen, fallt, nach der Entfaltung dieser, die Wirkungsweise solch' ein- 
facher Ingredenzien aus, >^ogegen vielleicht der harmonische Eindruck der 
Farben je nach dem in farbigen Gläsern durchfallenden Licht, verschönert 
werden mag. Mens sana in corpore sano, und wenn für das gesunde Denken 
ein gesunder Körper verlangt wird, sind doch die diätetischen Regeln, wie 
für diese Vorbedingung verlangt', völlig verschieden von denen, die sich in 
der Moral später stellen, für Gesundheit des Geistes, obwohl wenn auch bei 
naturgemäss bestehendem Zusammenhang innerliche Verkettungen mittelst 
detaillirender Untersuchung nachweisbar bleiben mögen (bis zu regulativer 
Kraft in feiner abgetheilten Messstäben). Aehnlich jedoch, wie die aus 
embryologischem Studium erlangten Resultate, erst nach einer langen (und 
kaum mehr ausfolgbaren) Reihe von Mittelgliedern mit den physiologischen 
Gesetze des ausgebildeten Organismus in Verknüpfung zu bringen sind, und 
diese gegentheils ihre selbstständig unabhängige Betrachtung verlangen, so 
wird eine solche für die Moral auch, imperativisch gefordert, trotz des auf- 
klärenden Entwickelungsganges , auf dessen Bahnen hinabgestiegen werden 
mag, bis zu niedrigst sinnlichen Wurzeln. Und wenn dann mikroskopisch 
verschärfter Einblick in derartig objectiven Beobachtungen mancherlei An- 
deutungen zu erlangen beginnt, über das Keimen später schädlicher Ab- 
weichungen, mag vielleicht bereits therapeutische Pflege ausgeübt werden, die 
der femer höheren Entwickelung zu Gute käme, obwohl dies in der Moral 



Digitized by 



Google 



XXXV 

<laDn Gate seinen eigenen Gesetzen anabhängig zu folgen bat im sittlicben 
Bewusstsein, als subjectives Verstandniss eines (objectiv durcbforscbten) 
Determinismus (kosmischer Harmonien). Ildvzeg avi^Qionoi %ov elöevai 
OQeyovtai (bei Aristl.), und für den anovdaiog (als sittlichgat Bestrebter) 
ist der vovg sein Dämon (s. Plotin), im Schauen des „Einen'' auf sich selbst 
gewendet (für die t^ewQia)^ bei der in geistiger Entfaltung dem Menschen 
gesteckten Bestimmung (bis zu den Sternen des Jenseits). Anima posita est 
super Stellas, quia per rationem animae transcendit homo Stellas et super 
eas reperit creatorem (Guiliaume de Conches), 6 &€6g '^fiiv ndnwv xQrifxaxiav 
fihgov (bei Plato), wenn auch „eine Offenbarung, die alle Menschen auf 
eine gegründete Art glauben könnten", eine unmögliche Sache ist (s. Reimarus). 

Innerhalb des Positivismus sucht die evolutionistische Schule Englands 
mehr psychologisch (im Hinweis auf Sympathien), die französische (bei Littr^), 
in physiologischen Vergleichungen den Fortschritt des Egoismus zur Gegen- 
seitigkeit nachzuweisen, wogegen die ethnischen Thatsachen vielmehr darlegen, 
dass die im körperlichen Organismus (soweit nicht Geschlcchtstrennungen in 
Frage kommen) abgeschlossene Individualität, für die geistige des Menschen, 
als Gesellschaftswesen, gerade auf der niedem Stufe völlig ausfällt, und um- 
gekehrt erst nach der Selbstständigkeit der Persönlichkeit tendirt, welche 
allerdings dann wieder (mit eintretendem Erwachen der Moralgefuhle) sich 
bewusst fortan (wie früherhin unbewusst) in höhere Ganzen freiwillig unter- 
ordnet, und dabei werden die im Wachsthumsprocess entfalteten Ideale, als 
entwickelnde Factoren ihrerseits eingreifen (s. Fouille^), aus gesetzlichem Ver- 
standniss des Zusammenhangs mit dem Ganzen (in naturwissenschaftlicher 
Psychologie), „üne fois produite par les faits, l'id^e modifie ä son tour les 
faits aux-m§mes, et devient un mobile capable de r^agir sur eux (s. Fouille6) ^*), 
bei Rückwirkung des Denkproducts der Gesellschaft auf das jedesmalige 
Einzeldenken, das darin aufgeht (zur Gegenseitigkeit). Nicht nur Vater der 
eigenen Handlungen ist der Mensch (bei Aristotel.), sondern auch dem der 
Nebenmenschen, „und zwar in einem Verhältniss, das wir selbst nicht ermessen 
können, denn unser Einfluss überlebt uns" (s. Fressens^). „Was, indem es 
unsere Vorgänger anklagt, uns zu entlasten scheint, klagt uns in dem 
Maasse an, als wir die böse Strömung gefördert und in der uns umgebenden 
Atmosphäre verderbliche Einflüsse verbreitet haben'', bei „Solidaritö morale" 
(s. Marion) für den Menschen (als Menschheit). Die menscUiche Vernunft 
kann nie als rein naturliche Kraft thätig s^in, sondern immer nur als histo- 
risch gebildete Vernunft (s. Frohschammer) für die „historisch-psychologische 
Metaphysik** (als subjectiv-objective), beim Aufwachsen des Völkergedankens 
(innerhalb der geistigen Atmosphäre jedesmaliger Gesellschaft). 

Die Moral ist die Hygiene des Volksbewusstseins, diejenigen Gesetze be- 
greifend, unter deren Geltung die Wachsthumsvorgäoge ihren gesund nor- 
malen Verlauf zu nehmen vermögen. Diese (soweit die Realisirung in 
Beobachtung kommt) immanenten Gesetze zu verstehen, bedarf es hier, wie 
bei andern Naturgegenständen (zu naturwissenschaftlichem Studium) Vorlagen 
der thatsächlichen Aussagen, also der ethnischen Weltanschauung, als die Ver- 
wirklichung der Menschheitskreisungen in den geographischen Provinzen. Wie 



Digitized by 



Google 



XXXVI 

die Pflanze unter verschiedenen Variationen emporwächst (im Anschlags an 
Standort und klimatischen Jahreszeit- Wechsel), aber dennoch in den all- 
gemein durchgehenden Gesetzen der Zellen twickelung Gleichartigkeit zeigt, 
so werden sich auch für die Moral-Gesetze Gleichartigkeiten allgemeiner Grund- 
principien ergeben, trotz der geographisch-anthropologischen Variation. Als 
den Mensch im Character das Gesellschaftswesen betreffend, kann die Moral 
nicht aus individueller Psychologie ihre Darlegung erhalten, obwohl nack 
dem aufgenommen Yerständniss des Volksbewusstseins in das der Individuen, 
dieses sich selbst als integrirend entwickelnder Theil fühlen wird, und also 
mit der Fähigkeit begabt, aus eigener Kraft regulirend einzugreifen. Die 
pflichtgemässe Bindung der Principien läuft dann in die gesellschaftliche (oder 
staatliche) Verwirklichung aus, während darüber hinaus (den individuellen 
Ahnungen zu genügen) Jeder „nach seiner Fa9on^ seelig werden mag, ob 
dem gottverlangeuen Ziel im religiösen Glauben entgegenstrebend, ob einem 
der Noumena, wie in der Metaphysik gesteckt (zum Grenzbegriff). 

Als höchstes Gut stellt sich das Gute, das aus subjectiver Empfindung 
seine Fesstellung in den Ueberblick. ethnischer Thattachen zu gewinnen hat 
Denn bei dem Menschen, an den das Moralgebot herantritt, handelt es sich 
nicht um dieses Individuum des Ich, auch nicht um denjenigen Menschen, 
wie in gesetzlicher Betrachtung eines Bruchtheils der Menschenwohnungen 
auf Erden construirt, sondern um den Menschen, als Ausdruck der Mensch- 
heit, für alle ihre Wandlungen über den Globus hin, im Detailstudinm 
Jeder der in Einzellebensfahigkeit gegebenen Variationen, (soweit sich ihrer 
zählen in den fünf Continenten). Une fois la nature humaine connue par 
Tobservation et Tanalyse, vous en deduirez la fin, le bien, la loi de Thomme 
par cons^quent^ car la nation du bien entraine forc^ment Tid^ d'obligation, 
de devoir et de loi pour la volonte. Tout revient donc ä connaitre Thomme 
(Yacherot). La vraye science est le vray estude de Thomme, c'est Thomme (s. 
Pierre Charron). The proper study of mankind is man (Paper) im r^w^i 
aeavTov. „Die Erkenn tniss ist erst das Setzen des Gegensatzes worin das Böse 
ist", und bei der Selbstsucht des Willens (als Natürlichkeit des Willens) „ent- 
gegengesetzt der Vemünftigkeit des zur Allgemeinheit gebildeten Willens* 
(s. Hegel), führt die volle Erkenntniss dann zum Guten (in gesetzlicher 
Harmonie). „Omnis peccans est ignorans", und so liegt in Avidya, als ür- 
prinzip der Schöpfung, die Schuld der Earma involvirt (aus früherer Existenz). 

In conceptu dicitur peccatum transmitti, non quia peccatum originale ibi 
sit, sed quia caro ibi cootrahit id, ex quo peccatum fit in anima, cum in- 
funditur (Petrus Lomb.), und dann hereditär unter atavistischen Rückschlägen 
(im Traducianismus). Wer die Tugend sich eigen gemacht, ist der Weise 
(bei Justus Lipsius). In der guten That begründet sich die wahre Freiheit 
(nach Deutinger). In hac autem intellectione, quae est sui ipsius, transitus 
continetur in intellectionem aeternam, quae est feUcitas (s. Caesalpinus). Und 
dann die Steigerung zur Extase (als Theosis): Anima in illo excessu deo 
innixa, osculo quodam deo unitur (s. Francesco Zorzi), den Körper halbtodt 
zurücklassend, gleich dem des Angekok (wenn die Seele ausgefahren) oder 
Odhin's (einstens) Bonum naturale, quum est voluntarium, fit bonum morale 



Digitized by 



Google 



XXXVII 

(bei Leibnitz), während Kant die Pflicht aufstellt, als „commandement 
militaire" (s. Janet), in subjectiver Fassung, oder anderseits das „Natoram 
sequi" objectiv zu fassen wäre, denn der Mensch „est sa loi ä lui mdme" (s. 
Bouillier), und die Natur ^ *), welcher gefolgt werden muss, ist nicht die sub- 
jectiver Launen und Idiosynkrasien, sondern die objectiv (aus ethnischen 
Beobachtungen und Erfahrungen) für den Menschen festgestellte, als Gesell- 
schaftswesen also zunächst innerhalb seines Gesellschaftskreises, über dessen 
Bestimmungen hinaus jede Abweichung das Moralgebot verletzen muss. Der 
Wilde, der den Fremden tödtet als Feind, handelt (weil im allgemein stetigem 
Kriegszustande) nicht unmoralischer als der Soldat, der, wenn sein Staat im 
Kriege liegt, die Waffen ergreift zur Vertheidignng eines Angriffs. 

Für den der das Recht des Stärkeren (auch seiner geistig-moralischen 
Macht nach) richtig versteht, sind die Verbote eines Decalog von selbst 
gegeben, weil stärker stets, als der Einzelwille, der Wille der Gesammtheit 
sich erweisen muss, und der Mensch im Vollgefühl des freien Willens, fühlt 
diesen von selbst durch die Schwankungen eigener Freiheiten umgrenzt. Zu 
der Persönlichkeit des Menschen, als hülflos und nackt (s. Plinius) auf 
die Welt gestellt, gehört bereits (von primären Vorbedingungen an) die 
KuDstphäre (wenigstens in einfachster Form des selbst geschnitzten Werk- 
zeugs), und innerhalb dieser vermag er hier zu schalten und walten, als über 
sein Eigen thum, das darüber hinaus in den Bereich der Gesellschaft fällt, 
und weiter in das der geheimnissvollen Welt eines „Numen". So wagt es der 
Wilde kaum, selbst denjenigen Naturgegenständen zu nahen, denen bereits ihr 
Besitzer (als Innuae der Eskimo) eignet, und auch da, wo er ihrer für Lebens- 
erhaltung zum Verbrauche bedarf, kann es nur unter Sühnungen und Busse 
geschehen (durch Uebemahme der Mokisso und anderer Gelübde). Wie 
also schon das Tödten des Thiers an sich nicht erlaubt wäre, könnte es weit 
weniger noch das der Mitmenschen sein, an welchem, wenn eignem Stamm 
augehörig, Hand zu legen, ebenso unnaturlich sich ergiebt, als Hand zu legen 
an sich selbst (was, wenn auch auf tieferen Stadien, im Selbstbegraben und 
Felsensprung geschehen mag, doch dann immer schon die Rückwirkung 
mythologisch-socialer Vorstellungen voraussetzt). Though not a fixed or 
final conception, the idea of social cell-being is sufficiently definite, in each 
generation, to act as a guide and inOeotive to conduct (s. Fowler). Der Ethiker 
Vor Allem muss ein ganzer Mensch sein, nichts Menschliches darf ihm völlig 
fremd sein (s. Gizycki), in der „solidarite mutuelle des hommes" (bei Leroux), 
um dem geistigen Bedürfnisse des Durchschnittsmenschen zu genügen (nicht 
dem verfeinerten Luxus der „Upper-Ten-Thousand" nur). 

Wie in jeder Naturschöpfung liegt in der menschlichen einwohnend, die 
VollentfaltuBfg aller virtuell vorhandenen Anlagen, also auch der geistigen 
in der Gesellschaftssphäre, dadurch eben, dass jeder ganz und voll diejenige 
Stelle ausfüllt, wohin durch seine Geburt (durch Erziehung und Erbschaft) 
gestellt, der Arbeiter jeder im Auftrag des Arbeitsgebers, der Beamte für 
das Gemeinwesen, das ihn verwendet, und in der Durchschnittsmenge Jeg- 
licher für die Familie, die ihn umgiebt, und für welche er als Geschäfts- 
mann oder nach der gewählten Erwerbsweise seine Thätigkeit zu productiver 



Digitized by 



Google 



_XXXVIII_ 

zu machen im Stande ist. Jeder hat zu wuchern mit dem Capital, das ihm 
gegeben, und so vor Allem derjenigen, der mit Glöcksgütem gesegnet, Frei- 
heit hat zu jfreier Thätigkeit im woblthätigen Wirken. Hier würde durch 
passive Moral am wenigsten dem Pflichtgebote genügt sein. Dass der Reiche 
nicht stehlen wird, und noch weniger das aufregende Risico eines Mordes 
laufen, verdenkt ihm Niemand, wird Niemand aber auch als Verdienst 
annehmeo, und ebensowenig, wenn er gelegentlich die abgeschnittenen Coupons 
(eines ihm selbst vielleicht lästigen Ueberflusses) der Kirche übersendet, eine 
Seelenmesse (und bequemen Ablass) oder Lobsprüche einzuernten. Nur in 
eigener Bewusstseinsbefriedigung, seine Pflicht erföllt zu haben, wird jeder 
davon durchdrungen sein müssen, von jener activen Liebe, im gläubigen 
Vertrauen auf Höheres, niaiig dl aydnrjg iveQyovfuivrj, Die Enthaltung von 
Sünde ist leicht genug für ihn, wenn kein Anreiz gegeben, und in solch 
unbescholtenem Wandel liegt deshalb kein Verdienst, so sehr er theologisch 
geltenden Maximen nach, auch als Frommer wandeln mag, oder als Heiliger 
gar benedicirt selbst werden. A la pauvret^ et ä la richesse correspondent des 
vertus diverses et des vices differents (s. Marion). Hierüber (unter den 
„conditions ^conomiques") hätte sich Jeder, im stillen Kämmerlein, mit sich 
selber abzufinden, (auch der Gelehrte, ob er für geistige Genüsse seine 
Schuld der Geistesarbeit abgetragen, welcher er sie verdankt), denn die 
Rechenschaftsablegung, wie einst zu fordern, wird Niemanden erspart sein, 
und wie man sich diese denken mag, oder will, bleibt dabei indiflerent. Das 
in Guiana und Aegypten auf Erde bereits abgehaltene Todtengericht, wird 
anderswo nach dem Thal Josaphat verlegt, oder in die Wolken hinauf, und 
wer für Aufstellung eines Richterstuhls dort die Fussunterlage vermisst, oder 
in seinem (vorläufigen) Verständnisse des Fixstemhimmels, wie „le doigt du 
dieu", auch den Thron eines Gottes nicht findet, mag sich dies Göttliche in der 
ihm zusagenden Formidirung denken, nie aber wird er sich dem Gefühl 
einstiger Rechenschaftsablegung entziehen können, wie vom Gesetzlichen des 
Dhamma in Karma gefordert, da. die Früchte, die gepflanzt sind, zu essen 
bleiben, im Güten oder Bösen. Prima et maxima peccantium poena est 
peccasse (s. Seneca). Da „rien ne pese tant, qu'un devoir qu'on a voulu 
rendre l^ger" (bei Vinet), hat Ernst und Ehrlichkeit als erste Forderung zu 
sprechen im kategorischen Imperativ. Mit practischer Moral freilich hätten 
gute Lehren ^^) Nichts oder Wenig zu thun, denn ihre Gebote sind fest und 
scharf markirt durch das Wohl der Gesammtheit, wenn das Einzelwesen, 
als integrirender Theil, mitwirkend aufgeht, in Solidarität der Liteiressen (aus 
gesetzlicher Vergangenheit her). Was darüber hinaus fallt, bleibt unmoralisch, 
wenn scheinbar auch, im Unterschiede „allgemeiner Tugend und sittlicher 
Virtuosität" (s. Hirscher), durch die edelste und idealische der Religionen 
verlangt, denn bei jedem derartigen Conflicte, würde der Einzelne, mit seinem 
subjectiven Meinen und Scheinen, der Gesammtheit gegenüber stehn, wie sich 
ihr Volkswille temporär ausgesprochen hat. In wieweit die Staatsverfassung 
dabei einem philosophischen (oder theologischen) Musterbilde entsprechen 
mag, mit individuell anziehenderen Reizen geschmückt, als die Wirklichkeit 
zeigt, giebt damit zur Störung dieser kein Recht, dh die actuelle Staatsform 



Digitized by 



Google 



XXXIX 

stets das nothwendige Product der historischen Gesamintbedingungen ist, und 
der Einzelne sich bescheiden muss, seine specielle Weisheit der aus Natur- 
gesetzen realisirten unterzuordnen. Wenu ein durch humanistische Culturideen 
getragener und durchwehter Staat dennoch bestandig Hunderttausende seiner 
Unterthanen auf das Mordhandwerk des Krieges vorbereitet, weil durch die 
poHtischen Verhältnisse aus Selbsterhaltungsprincipien dazu gezwungen, so 
fiele unter die Categorie schwerster Verbrechen der Widerstand des Einzelnen 
gegen Verlangen und Pflicht, die deshalb an ihn gestellt sind. Innerhalb 
eines national erwachsenen Staates erfüllen sich die moralischen Neigungen 
ans eigenem Antrieb, und obwohl sich Jeder ^ 7) Qber das Staatliche hinaus 
in die Geheimnisse des Seins versenken mag, um Herzensbedürfnisse im Auf- 
bau metaphysischer Systeme oder „in Hingabe an religiösen Glauben [sowie 
an den Cult, als instrumentum regni] zu befriedigen, dürfte deshalb Keiner 
doch sich berechtigt" (oder gar berufen) empfinden, diejenige weltbeglückende 
Reform, die seinem Gehirn ihr Dasein verdankt haben mag, nun auch den 
üebrigen anders aufdrängen zu wollen, als sich in dialectischem Streite Siege 
erringen lassen, da jedes Vorgehn bis zu Gewaltmassregeln, die das be- 
stehende Ganze zerrütten und stören, sich als Verbrechen stempelt, wenn 
etwa nicht durch den Erfolg gerechtfertigt. Ob dies geschehen wird oder 
nicht, hegt weder in subjectiver noch objectiver Entscheidung, und der natur- 
gemasse Gang regelt sich von selbst. Sobald in der That die Meinungs- 
abweichungen' ®) der Einzelnen in Majoritäten zu wachsen beginnen, dem 
bisherigen Ausdruck des Volkswillens gegenüber, so folgt von selbst, dass 
die Gebote desselben, obwohl noch heilig und unverbrüchlich wie immer, 
nicht mehr in voller Lust (des nationalen Einklangs), sondern nur wider- 
strebend und widerwillig werden erfüllt werden, da auf die Motive eines jeden, 
auch ihm unbewusst, (oder wider seinen Willen Fogar), die Gewalt seiner 
eigenen Ideale zurückwirken muss in Kräftigung oder Schwächung seiner 
eigenen Motive. „La conscience dun homme ne peut qu'inviter la conscience 
d'un autre, apr^s avoir constat^ ce qu'elle m^me constate, ä produire ce 
qu'elle m^me produit et ä determiner le vouloir en consequence (s. Renouvier), 
ond damit beginnen tief innerlich die minimalen Abweichungen beginnender 
Umgestaltungen, als „incipient changes" (bei Mivard), sich zu vollziehen, 
die nachdem in physiologischen Correlationen allseitig angewachsen, allmählig 
oder plötzlich den Staatsorganismus umgestaltet haben, im geschichtlichen 
Fortschritt der Culturentwicklung. So im parlamentarischen Leben werden 
die Partheien, obwohl in nationalen Fragen stets einheitlich zusammenstehend, 
in den Zwischenpausen (ans principieller Ueberzeugung) vom Standpunct ihrer 
Ansichten sich bekämpfen, und jede derselben trägt ihre Berechtigung**) 
mehr weniger in sich, ausser derjenigen, welche das staatliche Interesse einem 
fremden unterordnen will, — ein fremdes, das selbst als direct feindliches zu 
achten wäre, wenn religiöse Ergebenheit sich bis zur Schmach ultramontaner 
Sklaverei erniedrigt 

Wenn im Conflicte zwischen Kirche und Staat sich dem Einzelnen 
tiefcte und letzte der vitalsten Interessen für religiöse Bedürfnisse verkümmert 
finde, bis in die Sterbe-Sacramente hinein, so fällt die Schuld voll und 



Digitized by 



Google 



XL 

ganz auf diejenige Parthei, für welche solche Ceremonien die Kraft wirk- 
licher Bedeutung besitzen, ob die Untersagung nun ihrerseits selbst durch 
die Trübsal der Interdicte, (wie so oft in des Mittelalters trüben Tagen), oder 
dadurch verursacht ist, dass eigennütziger Bedacht auf hierarchische Vortheile 
die Zwangsroassregeln der Regierung, als nothgedrungene Gegenwehr, hervor- 
ruft. In beiden Fällen sind des Volkes arme Seelen ein Spielball in den 
Händen dessen, der auch in einem ,,ungeblich^ civilisirten Staat die Schlüssel 
fortzufuhren prätendirt, unter deren Symbolen mythologisch Gedichtetes die 
Langeweile einer Zeit vertrieb, welcher die ernsten Probleme der Gegenwart 
noch nicht entgegengetreten waren. Wohl verbleibt für heutige Cultur das mit 
ihrer Entwicklung im Geschichtsgange verknüpfte Christenthum der allgemein 
gültige Ausdruck des Cultus, und in ihm die katholische Form, als älteste 
schon, eine wohl berechtigte, aber als ihrem Wesen keineswegs erbeigen- 
thümlich, sondern aus fremdartiger Inoculation erst später hervorge wuchert, 
kann der hybride Auswuchs ultramontanen Papstthums unbeschadet auch 
wieder herausgeschnitten werden, und wird es müssen, früher oder später, 
wenn allzu schroff coUidirend mit dem göttlichen Walten, wie im staatlich 
nationalen Bewusstsein, als feste Gesetzlichkeit, manifestirt. 

Alle die schweren Bande, welche aus kirchlichem Aberglauben und 
atheistischem Nihilismus auf uns lasten, werden erst gebrochen werden im 
Durchbruch einer naturwissenschaftlichen Psychologie, im physiologischen 
Verständniss nämlich, und naturgemässer Diätetik, der Seele, um den im 
Laufe historischer Abweichuugen aufgekeimten Entwicklungskrankheiten des 
Volksbewusstseins eine rationell therapeutische Heilung zu gewähren, wenn 
aus vergleichend allgemeinem Ueberblick des menschlichen Seelenlebens in 
der Gesammtheit ethnischer Wandlungen, der normal gesunde Verlauf fest- 
stellbar sich ergeben wird, denn dass der Ausverfolg normaler Gesundheit 
dann auch zum Besten auszulaufen hat, bedingt sich aus den Vorbedingungen 
der Vemünftigkeit (wenn es um solche sich auf Erden überhaupt zu 
handeln hat). 

Hominis conatus ad bonum et cassi sunt, si a gratia non adjuvantur et 
nulli si non excitentur (s. Bemard von Clairveaux), indem der in den 
praktischen Aufgaben des Lebens absorbirte Durchschnittsmensch, dem keine 
Müsse bleibt, um den gesammten Gang der Meditation in allen Zwischen- 
stufen aus eigener Entwicklung zu durchlaufen, den aus den Spitzen auf 
ihn zurückströmenden Lichtestrost, als soweit jenseitiger Quelle einer ,,forma 
superaddita'' (bei Tilenius) entflossen, anzunehmen bereit sein wird, um 
durch dessen Stärkung wieder selbstthätige Kräftigung zum Entgegenstreben' ') 
zu gewinnen. Wenn jedoch innerhalb des jedesmal ethnischen Kreises, dem 
das Individuum angehört, das Nationalbewusstsein zu voller Entwicklung 
gelangt ist, dann, bei der historischen Solidarität menschlicher Gesellschaft, 
vermag ein Jeder, innerhalb des angewiesenen Wirkungskreises, ganz und 
unbeschränkt bereits, den höchsten Interessen durch seine Dienste zu ge- 
nügen, bei bewussier Mitarbeit an den gemeinsam der Humanität gestellten 
Aufgaben. 

Der für die GcseUschaft geschichtlich hergestellte Zusammenhang mit 



Digitized by 



Google 



XLI 

der Vergangenheit (unter Vorbereitung für die Zukunft) wiederholt sich bei 
bei dem Einzelnen in der (früher oder später aus der Familie an den 
Staat übergehenden) Erziehung. Die Kindesfreuden, im Elternhause genossen, 
sind aufgesogen in Fleisch und Blut, wie die Sonnenblicke vergangener Tage 
Dachschwellen in der als saftreiche Frucht erfreuenden Apricose (bei G. Eliot), 
and anzuerziehen ist jene, von menschlicher Bestimmung geheischte Natur, 
aus der „im Willen eine Neigung zum Guten, somit Tugend entsteht" (bei 
Leibnitz), im (stoischen) KaroQx^cjfjia (perfecta ratio), zu unbewusster Aus- 
übung durch die Schule der Gewohnheit erzwungen. „C'est ä la v^rite une 
violente et traitresse maitresse d'^schole, que la coutume" (s. Montaigne), 
von deren Meisterschaft so vieles abhängt, was im Guten oder Bösen, zum 
Heil oder Unheil ausschlagen mag. Und leicht ist jede Bemeisterung ver- 
loren, ohne Uebung in der Uebertragung: ßovksvov nolkä tiqo %nZ Xiyuv 
u ^ ngaTzeiv (bei Epict), ein wohl weiser Rath, leichter gegeben, als 
befolgt (wie so manch anderer). 

Im Pessimismus hoflFt man auf das Ruhekissen der Vernichtung, denn 
mit dem Tode ist „das Slrahlenbundel von Willensactionen des Unbewussten, 
welches dem Individualgeist die metaphysische Grundlage bot, gegenstands- 
los und dadurch die fortgesetzte Action unmöglich geworden** (s. von 
Hartmann). Das wäre sehr bequem, und da „der Wechsel auf das Jenseits" 
ein fingirter, der Einzelne seiner Verantwortlichkeiten damit überhoben. Aber 
nein! so leicht wird es nicht gemacht, denn die Verantwortlichkeit im Ver- 
schuldeten dauert fort, mit dem Uebrigbleiben der Karma, die weiter jagt, 
im unaufhörlich erneuerten Wechsel der Existenzen, bis zu der durch eigene 
Thatkraft errungenen Erlösung (im harmonischen Abgleich des Nirwana), 
s. Rlgsphlph. Probl., S. 11. Auch im Buddhismus verbleichen, im temporären 
Weltuntergange, die Farbenhimmel, aber bis auf einen, gleichsam anorganischen 
Kest, um den wieder auf's Neue die Resultate von Bun und Bab an- 
kristallisiren , zu organischer Fortzeugung, in neuer Individualschöpfung, 
durch gesetzliches Band mit der vorangegangenen verknöpft. Aus den 
„Bewusstseins-Concretionen", als Ergebnissen der Ideen thätigkeit in freier 
Willensschöpfung, bleibt ein concreter Rest, der sich in moralischer Rechen- 
schaftsablegung einstens nur wird annulliren können. Vor dem Tode ist Niemand 
glucklich zu preisen (nach Solon), aber selbst beim diesmaligen Tode noch 
nicht (für Gautaiuas Lehre), ausser wenn bereits die Megga betreten sind 
(welche in das Jenseits hinauszuführen haben). . 

Bei naturgemäss geregeltem Wachsthumsprocess hält sich der Körper 
innerhalb der Grenzen der Gesundheit, und sofern nicht. aus hereditärer 
Prädisposition erbliche Anlage zu Krankheit vorliegt, ist das Bemerktwerden 
solcher auf einfallende Störung (wie in schädlicher Veränderung des den 
Organismus in seinem specifischen Character bedingenden Milieu) zurück- 
zuführen. Aehnlich im psychischen Leben, v^o naturgemässe Entwiekelung 
zum Guten tendiren müsste aus „justiiia innata** (wie im Scholasticismus 
neben ,.justitia infusa sive gratuita"* und Justitia acquisita^ unterschieden). 
Das erste Beginnen störender Ablenkung (nach der Richtung des 
moralisch als Böses Gefassten) regt sich in dem Confliot, wodurch die dem 



Digitized by 



Google 



XLII 

Selbst als Ziel gesteckte Unabhängigkeit der Persönlichkeit mit dem Gesell- 
schaftskörper (während der UebergangsBtadien der Entwickelung) zu treten 
hat, in dessen Bewusstsein die Individuen, als integrirende Theile des Ganzen, 
eingeschlossen bleiben, und so gegenüber den aus ungeordneter Selbstliebe 
(ex immoderato amore sui) sündigenden Engeln wird für menschliche Sünde 
(als ursprüngliche, die im Traducianismns zur Erbsunde weiterfuhrt) die 
ungeordnete Liebe zur beigesellten Gefährtin, „immoderatus amor amicitiae 
uxoris" (s. August.) hingestellt (bei Duns Scotus), in dem dann fortspielenden 
Widerstreit der Interessen zwischen Egoismus und Altruismus, (bei dem aus 
Beiderseitigkeit erweiterten Kreise durch Stamm und Volk bis zur Menschheit), 
unter dem „allgegenwärtigen Gesammt-Interesse der Menschheit" (s. Laas), 
für den Menschen, Jeden und Alle (als Gesellschaftswesen). Im einfachen 
Naturzustande der Wilden fällt die Individualität aus, als unbewusst auf- 
gehend im Gesammtzusammenhange mit dem Stamm (in „summa rectitudo" 
der „Justitia originalis" gleichnissweise), und jedes Verbrechen wäre deshalb 
ein solidarisch verpflichtendes (wie auch in Ueberlebseln späterer Cultur 
vielfach noch nachweisbar), weil gleichsam gemeinsam begangenes. Bei den 
durch äusserste Reduction des Separatbesitzes fast gänzlich mangelnden 
Eigenihumsrechten (innerhalb der communalen) kommt es darüber zunächst 
zu keinem Streit, und die Verletzung oder Tödtung des Feindes im Fremden, 
bleibt, weil zum Besten der Gesammtheit begangen, deshalb auch in den 
Verantwortlichkeit dieser (die dann nach völkerrechtlicher Anerkennung des 
Gastrecht's unter den Satzungen über Commercium und Connubium ihren 
Austrag zu halten hat). 

Die erste Rechtsfrage, welche für interne Verhältnisse zur Controverse 
gelangt, ist die der Blutschuld, in Folge nämlich eines Mordes, der aus 
Anhänglichkeit an den engeren Gesellschaftskreis, (dem das Individuum in 
der Familie angehört), verbrochen, sich jetzt mit den Interessen der Ge- 
sammtheit, (also mit der die concentrischen Kreisungen im erweiterten Sinne 
umschliessenden Peripherie), in Ausgleich zu setzen hat (durch Busse, Wehr- 
geld und andere Rechtsfictionen, die Einheitlichkeit der Friedensgenossenschaft 
wieder herzustellen). 

Je mehr dann, beim Uebergang der Mutterfolge zur Vatergewalt, die 
Eigenheit ^elbstständige^ Persönlichkeit zur Üurchgeltung kommt, für arrogirte 
(und stückweis mehr und mehr, sowie unbeschadet möglich, concedirte) 
Privatrechte, desto öfter werden sich über Gut oder Schlecht im jedesmaligen 
Falle die Entscheidungen erschweren, und ebenso später (bei humanistischer 
Ausdehnung dea Gesichtskreises) über Gut oder Böse (im moralischen Sinne), 
bis das (nach temporär anerkannter Weltanschauung) deckende Tertium 
comparationis gefunden ist, oder, als rationell der Menschennatur allgemein 
entsprechendes, aus naturwissenschaftlicher Behandlung der Psychologie (auf 
Grundlage des Völkergedankens) nachweisbar erwiesen sein wird. 

Sofern sich im Ueberblick menschlicher Entwickelungsgeschichte eher 
eine Verminderung der guten Zuneigungen erkennen Hesse, wird moralischer 
Fortschritt geleugnet (bei Bouillief), während die in den primären Friedens- 
genossenschaften ^^) unbewusst (durch die Noth des Lebens für die Existenz- 



Digitized by 



Google 



X LIII 

bediDgungen desselben) erhaltene Eintracht erst wenn im Kampf errungen 
imd gefestigt im Bewusstsein ihres Werthes die entsprechende VoUwurdigung 
gewinnt (als Verdi enstesthat). Die ursprungliche Einheit gleicher Willens- 
neigungen wird veredelt dann auf höherer Stufe der Fortentwickelung zur 
Wiederholung kommen, denn „toutes les vertus se tiennent et son coinpa- 
tibles entre eux, et non tous les vices" (s. Vinet), so dass die Disharmonien 
dieser sich abzugleichen haben, in den den Gesammtkörper organisch um- 
fassenden Banden, um den Zustand normaler Gesundheit zu wahren. 

Unter Theilung der Arbeit, (wobei naturwissenschaftliche Weltanschauung, 
für die ihr entsprechende Behandlungsweise, der Psychologie gleichfalls ein 
selbststandiges Plätzchen einzuräumen hätte), stellt dem Determinismus gegen- 
über die Willensfreiheit ein berechtigtes Verlangen darin, dass die Auctorität 
der Erfahrung, wie für die sinnlich- mechanischen Thatsachen auch für die 
sittllichen anerkannt werde. Der Mensch fühlt sich frei und abhängig 
(s. Secretan), und desto vollkommener sich selbst, je mehr er innerhalb der 
Abhängigkeit eigene Freiheit zu verstehen lernen wird. Obwohl aus Um- 
setzung der Bewegung Wärme und dann das Liebt zu erklären sei, bliebe 
doch die Wärme in jeder practischen Hinsicht eine besondere Aufgabe, für 
die Wohlbehäbigkeit der Existenz durch Heizapparate zu gewinnen, da das 
Wannlaufen, in gesteigerter Bewegung, durchschnittlich nicht ausreichen wird, 
und ob für das Licht die Emamissions oder Undulationstheorie adoptirt ist, 
wird dadurch das Urtheil des Aesthetikers über Farbenharmonie ebensowenig 
beeinträchtigt werden, wie das der Moral über moralische Verantwortlichkeit. 
Im Fortschritt der Empfindungen mag direct aus Bewegung Licht hervor- 
gerufen werden, und der Mensch sich in dem Dunkel irdischer Existenz 
manch aushelfendes Lichtchen erzeugen, aber die grosse Quelle des Lichtes 
strömt für ihn aus solarem Jenseits, wie aus geistigem der Ideen die Gesetze 
der Uoral (im Gewissen und der Pflicht). Da das Böse die Ausgaben und 
das Gute die Ginnahmen darstellt, sind die Vergnügen abschätzbar (bei 
Bentham), im Verdienst und Verlust (des Bun und Bab), aber dazwischen 
als mitredender Factor, in der Stimme des Gbesi (bei Guineern), — der 
guten Geleitschaft, die mit dem Schilde reinen Bewusstsein's unversehrt 
erhält (bei Dante) — , spricht das Gefühl, den Gewissenszeugen nicht los- 
zuwerden, nocte dieque.suum gcstare in pectore testem (bei Juvenal), der, 
wenn er seine Thaten nicht aufgeschrieben meint durch Jama's Boten (auf 
den „Tafeln des Himmels", im „Buche des Lebens"), mit sich selbst Ab- 
findung zu treffen hat (für den Rechenschaftsbericht). Vor Allem bleibt sie 
auszunutzen, die flüchtige Zeit, für Entfaltung einwohnender Anlagen, und 
„indem die gewollte Anstrengung die Individualität constituirt, das Ich, die 
ürthat des inneren Sinnes", schliesst sich auch die geistige Thätigkeit der 
Bewegung an (in allgemeiner Durchdringung des Sein's). 

Der in subjectiver Psychologie heraus empfundene Vervollkommnungs- 
oder Glückseligkeitstrieb lässt sich objectiv als der Wachsthumstrieb normal 
gesander Entwickelung auffassen, und indem sich in der ^Conscientia" die für 
die besonderen Fälle der Willensentscheidung abgeleiteten „Dictamina" vor- 
schreiben (bei Duns Scotus), liegt es als Aufgabe vor, die ihre „Principia 



Digitized by 



Google 



XLIV 

recte agendi" einschliesseode Synderesis, als „intellectaeller Habitus** (s. 
Werner), durch die Denkkraft des vovg loyiarixov /nigog (bei Plato), in der 
Seele, als uotQa x^bov (bei Joseph) richtig zu verstehen (im Ausgleich des 
Selbstbewusstsein's mit der Welt, welcher es angehört). 

„Die Religion ist ein allgemeines, die Seele beherrschendes Streben, 
welches die fföttlichen Elemente der specnlaüven und practischen Vernunft, 
sowie des Gefubrs angreift, und sie nicht in der Isolirung lässt, sondern zu 
einem Ganzen, zu einer Anstrengung vereinigt, deren Ergebniss eben das 
Leben in Gott ist" (s. Fressens^), das Leben in dem anderswo als Dhamma 
Gefassten, — in jenen Gesetzlichkeiten, die sich nicht in den irdisch darch- 
forschbaren Naturgesetzen erfüllen, sondern weiter wallen in einem auch für 
die Moral -Gebote, harmonisch empfundenen Kosmos (dessen soweitige ün- 
übersehbarkeit, zwar deutlich umschriebene Anschauungsformen verbietet, 
aber nicht die in hoffnungsvoller Sehnsucht quellenden Ahnungen derselben). 
„Nur das kann des Menschen Herz und Geist erheben, was über ihm steht; 
darum wird auch immer nur ein Höheres, als die Menschheit ist, der Gegen- 
stand der Religion für den Menschen sein können** (s. Hemann), im Gefühls- 
schauer, um geheimnissvoll aus den herantretenden Ahnungen, io den einen 
harmonischen Kosmos durch waltenden Gesetzlichkeiten, die Verstandniss- 
möglichkeit anzunähern. 

Indem ein jedes Naturproduct sich als Verwirklichung der Schöpfungs- 
gedanken ergiebt, so wirkt im organischen zugleich die Ausentwickelung 
eines Willens, der beim animalischen zu derartiger Loslösung aus materieller 
Bindung gelangt, um auf die Reflex -Actionen des Körpers, (nicht indessen 
bis auf dessen vegetative Processe hinein), selbstständige Bestimmung aus- 
üben zu können, und beim Menschen, unter Ordnung der aus der Gedanken- 
thätigkeit projicirten Vorstellungen zu eigenem Bewusstsein zu gelangen 
vermag. „Das Sehen besteht erst im Verständniss der Lichtempfindung" 
(s. Helmholtz), indem der organische Wachsthumsprocess (in der Denk- 
thätigkeit emportreibend) das sinnliche Substrat assimilirt (zu Erkenntniss 
der Aussenwelt), oti t6 vobIv ovx €§w, all* Iv €avT(p (s. Parmenides) in 
selbstgeschlossener Spirale aufwärts strebend (nach jenseiligem Ziel). 

* „Wie kann Etwas, das denkt und empfindet, gedacht w^erden, ohne ein 
denkendes und empfindendes Subject''? fragt Kirchnel-, aber mit solchem 
Subject stände man erst wieder am Anfang aller Fragestellung, während wir 
uns eben in einem Netzgewebe eingesponnen fühlen, wo aus den Wechsel- 
wirkungen ein Anhalt zum Ausgangspunkt herzustellen sein würde, und 
obwohl die Gedanken, als Bewegungen feinster Materie (bei Holbach) oder 
aus dem Functioniren des Gehirnes (s. Vogt) die Natur durch Ausschluss 
ihrer mächtigsten Hälfte (im Psychischen) verkürzen, Hesse sich doch im 
vorläufigen Anschluss an das Physische (als soweit Bekannterem) zu gesell- 
schafilicher Geistesschöpfung später vielleicht weiterschreiten. 

In hawaiischer Kosmogonie werden in der fünften Schöpfungsperiode 
(unter Po-kano-kano und Po-laluli) die Vorbedingungen gesellschaftlicher 
Existenz früher ins Dasein gerufen, als der Mensch selbst, in achter Schöpfungs- 
periode, wo mit der Geburt Lalai's das Licht (Ao)* hervorbricht (Hlg. Sg. 



Digitized by 



Google 



XLV 
dr. Plnsr., S. 73). Aeholich bei den Maori (in Schöpfongen eines Koofiog 

Der Identitatssatz beweist sich in der „inneren Augenblickserfahrung'^ 
selbst, als gültig, weil wenn nicht mit solcher üeberzeagung in der Auf- 
fassung entgegengenommen, dann für falsch beurtheilt, mit folgenden Ver- 
sachen, das Warum der Abweichung zu erkennen. Im Causalsatz vollzieht 
sich die Denkthätigkeit, für eigene Richtigkeit durch innerliches Bewusstsein 
derselben aprioristisch gerechtfertigt, wogegen die der empirischen Zulässig- 
keit, je nach den Erfahrungen zu coutrolliren, und daraus also festzustellen 
oder zu verwerfen ist. „Ueber das, was man durch Experimente erfahrt 
kann man kein apodiktisches Urthcil bilden^' (so dass „die Seele ihre Er- 
kenntnisse nicht aus der Erfahrung erlangt^^). Unser Glaube an die Richtig- 
keit der Ansichten wird nicht durch Belehrung wahr gemacht, sonst würde 
sich ein endloser Eettenschluss ergeben (s. Jehuda Hallewy), bis auf 
gesetzb'ch geschlossene Ereuzungspunkte (im harmonischen Kosmos) allje, als 
Anhalte zum Weiterrechnen (auch in unendliche Reihen hinaus), %6 yaq 
avzn vobIv eoji te xai elvai (bei Parmenides), um aus dem Sein das Denken 
zu verstehen, soweit irdisch zugänglich (und in den Keimen die Ahnungen 
fernerer Entwickelung, zum Jenseitigen hinaus). 

Zur Erfahrung kommt (in den Realwissenschaften) der Causalsatz oder 
Identitatssatz, (die Voraussetzung, dass die Zukunft ihrem Wesen nach der 
Vergangenheit gleich bleibt, und dass die Dinge ein constantes Verhalten 
haben), als Postulat oder Princip, mit einem aprioristischen Element, das der 
Naturwissenschaft zutritt (s. Eroman). Hierin waltet organische Lebens- 
thätigkeit, und obwohl „formae substantiales nullo experimento cognosci 
possunt" (s. Suarez), mögen sie doch zu berechnen sein (im psychologischen. 
Calcul). 

Die Causalität (in der Thätigkeit des Denkens als sein VVerdeprocess 
verwirklicht) ist, wieweit in den Vorgängen der Aussen weit vernünftig be- 
gröndbar, experimentell ebenfalls für Identität (quantitativ und qualitativ) zu 
eroiren. Beim Organischen realisirt sich solche Wirkung im Wachsthun, als 
pflanzlichem aufstrebend, wogegen das Denken, auf sinnlicher Unterlage 
(zunächst der optischen) ruhend, bereits mit gesellschaftlichem Elemente 
aus den Lautbildem des Sprachverkehr's verquickt ist, in den Gedanken- 
schöpfungen, die als Völkergedanke am ethnischen Horizonte schwebend, 
dort in ihrem eigenartigen Leben weiterweben, ebenfalls wachsend unter 
der Herrschaft organisch festgeschlossener Gesetze und entfaltet in das Un- 
endliche hinaus für höhere Zwecke. „Zweck und Causalität bedingen sich 
gegenseitig" (s. Eirchner), und gerade eine „natural selection** hätte für 
objective Betrachtung ihren Bestehungsgrund in dem jedesmaligen Zweck zu 
suchen. „Verunglückte Versuche der Natur" (bei Büchner) sind nur für 
menschliche Erklärung verunglückt, oder vielmehr diese an ihnen (in subjectiver 
Teleologie). 

Alles Wissen kommt zustande durch die beiden Factoren Anschauung 
und Identitätssatz (s. Eroman), und was von der Welt gewusst wird, sind 
nur Zustände und Veränderungen des eigenen Selbst (bei Eant). Aus der 



Digitized by 



Google 



X LVI 

ihr angeborenen Activität erkennt sich die Seele als Ursache, in instinctiver 
Erkenntniss des Causalitätsprincip's (nach Royer-CoUard). Die Materie ist 
die objectiv raumerfüllend angeschaote Causalität (bei Schopenhauer). Der 
vovg ist der Seele gegenüber ro eldog, die Seele seine vlrj, cjg to ÖBxofiBvov 
(bei Plotin), nach Art der Existenz verschieden (s. Richter). Yle coecitatis 
sub aeterno quae jacuerat obvoluta, vultus vestivit alios idearum signaculis 
circumscripta (Beruh. Chartr.), und aus verdunkelnder Unwissenheit (in 
Avidya) arbeitet es empor zur Allschau des Bodhi (für Nirvana), in der 
Natur, als Schauen und Wirkung aus dem Schauen (bei Plotin) im Schöpfungs- 
gedanken (soweit verstandlich). 

Da Jeder nur die eigene Seele kennt, die anderen Monaden^*) also nur 
aus Analogie, bleibt die innere Erfahrung der äusseren vorzuziehen (nach 
Leibniz), bis zur vergleichenden Uebersicht der Gesammtheit (bei der in 
gesellschaftliehen Schöpfungen ermöglichten Objectivirung), und dann werden 
auch die metaphysischen Bestimmungen, die nur die menschliche Auffassung 
ausdrücken (nach Kant), in objectiver Betrachtung das Sein zu begreifen 
anstreben mögen. Für das (logische) Rechnen im Denken hat die Logik 
die Normen festzustellen, welche dann im Studium des Völkergedankens die 
Entwickelungsvorgänge organischen "Wachsthumsprocesses im psychischen 
Bereiche aufzuhellen durch die Induction (in comparativ-genetischer Methode), 
die geeigneten Anhaltspunkte zu erhalten werden hoffen dürfen. 

Die Voretellungen bedürfen des durch die Sinne aus der Aussenwelt 
entnommenen Substrates, um in Thätigkeit zu treten; in dieser Thätigkeit 
dagegen, in ihnen selbst, liegt die eigenkraftige Reaction des Mikrokosmos, 
die Beantwortung auf die Fragestellung, welche herangetreten ist, — wie die 
Säure, wenn im Contact mit dem Alkali, dieses zu reagiren zwingt, fQr 
Neuschöpfung in dem resultirenden Crystall (und so wächst aus organiscben 
Gesetzen die Geisteswelt empor). Das Vermögen, Vorstellungen zu bilden, 
giebt nicht genaue Copien des Object's, sondern nur Symbole dafür, „und 
unser unmittelbares Weltbild ist also ein subjectiv gefärbtes** (s. Kroman) 
mit Einschluss eines gesellschaftlichen Element's (das im sprachlichen 
Austausch weiter zu klären bleibt). Des lois ^temelles gouvernent le monde 
moral, comme elles gouvernent le monde physique (s. Gracia), wie vom 
vovg^ das „Eine** schauend (bei Plotin), zu verstehen (im Dhamma). 

Die ewige Wahrheit producirt der Geist als ihm angeboren, „de son 
propre fonds" (s. Leibniz) aus virtuell geschwängerter Keimanlage der Seele, 
die nicht „als empfindungs- und vernunftlos praeexistirend*^ durch die Zeugung 
erwacht, sondern unter den mit dieser in Thätigkeit gesetzten Entwickelungs- 
Processen sich den physischen (im Psychischen) zufugt (mit ihrer eigenen 
Weiter-Entwickelungsfähigkeit). 

Mit Bewusstsein vorstellen meint „wissen" (nach Leibniz) im Selbst- 
bewusstsein, als „Weltbewusstsein" und objectiv versteht sich erst das Selbst 
bei Rückkehr aus objectiver Betrachtung (in der „Monde ambiante**). 

Insofern, für ihre specifische Definition, kann die Seele für ihr selb- 
eigenes Leben im Bewusstsein, weder bei der Zeugung (wenn die physischen 
Voranlagen in erste Bewegung gesetzt werden), noch auch bei der Gebart 



Digitized by 



Google 



XLVII 

(wo das Individaam zur Einfügung in den Gesellschaftsorganismus fertig 
steht), als bereits einwohnend gesetzt werden, sondern erst im Reifezustand 
der Mannheit, wann das Sonder-Denken in Verwebung mit der psychischen 
Atmosphäre gesellschaftlicher Umgebung zur Klärung gekommen ist, und 
dann die für die Seele eigenthümliche Thätigkeit einsetzt, also, weil bereits 
mit geistigen Elementen durchschwängert, aus dem auf den Boden eines 
Geistesreiches gesäeten (oder eingepflanzten) Samen sprossend (zur Voll- 
entfaltung der Ideen). 

Dem Bösen, als pathologischer Verirrung gegenüber, drückt (im geistigen 
Leben) das Gute die normal gesunde Entwicklang aus, wie sie bei dem 
Henschen als Gesellschaftswesen nur innerhalb des ihm jedesmal zugehörigen 
Gesellschaftskreises, (der Familie, des Stammes, des Staates oder, in äusser- 
ster Ausweitung, der Menschheit), rein und voll sich entfalten kann. Wer 
im Guten sein Princip und Ziel hat, ist wahrhaft frei (bei Plotin), und die 
Entfernung vom Guten ist unfreiwillig (bei freier Folge des Guten aus 
Nothwendigkeit) , wobei sich das Böse als krankhafte Abweichung ergiebt 
vom physiologisch correcten Wachsthumsprocess (im tS eivai a^T<p), indem 
die Welt der Wille Gottes (den der menschliche anzustreben hat). 

Weil mit den Ideen eines Ewig- Unendlichen durchtränkt, haben die Gedan- 
ken, der ihnen immanenten Natur bereits nach, über das Körperlich-Sinnliche 
hinaus, fortzugehen und zu streben, in ein jenseitiges Reich hinüber. Um- 
fasst sind auch sie von Klängen jener Gesetzlichkeit, die einen harmonischen 
Kosmos durchwaltend, im Einklang zusammentönen, — Gesetzlichkeiten, die 
im Körperlich -Sinnlichen als Naturgesetze sich verstehen, die im Ewigen 
und Unendlichen sich ahnen darin, dass innerhalb gesetzlicher Gebundenheit 
dem Willen seine Freiheit, in immanenter Eigenheit, selbstthätig zu erringen, 
als Fassung und Aufgabe gestellt bleibt. 

So oft eine Entwickelung einsetzt in Gliederung der Homogenität in 
Heterogenität, unter Umsetzung des quantitativen Seins in seine qualitativen 
Werthe beim Werden, ist damit (in Coordination oder Integration für Ueber- 
einstimmung zwischen den differenten Elementen) ein Zielsireben für jedes- 
malige Zweckbestimmung gesetzt, die bei heranbildender Auswahl implicite 
involvirt liegt, krafl der aus Eigenartigkeilen des Milieu folgenden Anhäng- 
lichkeiten für das normale Gleichgewicht des innerhalb solcher Peripherie 
aufwachsenden Organismus (zur Anpassung oder Adaption an das Medium). 

Die Versuche teleologischer System atisirung mussten sich, sobald durch 
die Induction eine objective Betrachtung erlangt war, in subjectiven Con- 
stmctionen als haltlose erweisen^ welche den befriedigenden Abschluss erst 
wieder erlangen können bei Ausdehnung ihrer Methoden auf die Psychologie 
(wie grunds des im Völkergedanken allmählich angesammelten Material aus- 
sichtlich, und hoffentlich wenigstens, zu ermöglichen sein wird). 

Hierfür wird eine naturwissenschaftliche Psychologie in doppelter Hin- 
sicht verlangt, einmal um neben den übrigen Wachsthumsprocessen in der 
Natur auch den psychischen, (wie im Menschheitswesen zur Entfaltung 
gelangt) ihre naturgemässe Zielrichtung anzuweisen, und dann weil solche 
Zielrichtung im Eigenen und im Andern, (für das soweit überschaubare 



Digitized by 



Google 



XLVIII 

Ganze also), nur psychisch eben verständlich, nämlich subjectiv wieder bei 
Rückkehr aas objectiver Projection (mit allgemein harmonisch darchwalten- 
der Schöpfungsthätigkeit). 

„Die EntwickeluDg ist eine Veränderung, die von einer minder zu- 
sammenhängenden Form aus, zu einer zusammenhängenden übergeht, in Folge 
des Verschwindens der Bewegung und der Integration und Concentrirang 
des StoflFes" (s. Herbert Spencer), und das hier waltende. Gesetz lässt sich 
für klarfassliche Anschauungen, (ohne welche die auf solche Vorbedingungen 
hingewiesenen Methoden der Induction nicht zur Anwendung kommen können), 
nur im jedesmaligen Falle minutiöser DetailHrung ^ *) ableiten, also wie für 
jedes Naturreich in getrennter Behandlung, so auch für das Psychische. Erst 
nachdem solche Gesammtmasse der Einzelheiten über die constituirenden Theil- 
ganzen separat durchforscht ist, lässt sich ein gemeinsamer Ueberblick des 
Ganzen gewinnen, der nach dem momentanen Stande der Naturforschung, 
(wie aus der Geschichte der Induction an sich ersichtlich), vorläufig noch 
ausgeschlossen bleibt, und zwar aus doppeltem Grunde, weil einmal die 
Psychologie überhaupt noch nicht ihre eigentliche naturwissenschaftliche 
Durchbildung hat erhalten können, und dann weil nach Erfüllung solcher 
Vorbedingung erst das aus der Objectivirung im Denken zurückgespiegelte 
All sich seinen immanenten Gesetzen nach für das menschliche Verständniss 
(soweit diesem zugänglich) würde auseinanderlegen und im Rythmus eines 
harmonischen Kosmos seine Räthselslösung verkünden können. Wer vorher 
mittelst erlaubter, oder unerlaubter, Kunst den Geheimnamen zu erhaschen 
sucht, wird sinnloses Abracadabra reden, ob aus den Gedankenfiügen durch 
metaphysische Regionen herab, ob in der Rocken philosop hie eines materia- 
listischen Monismus seine Gedankenfaden spinnend, die ebenfalls nur aus 
Luft gewebt bleiben, so lange mit dem Mangel einer naturwissenschafUichen 
Psychologie das materielle Substrat selbst ausfallt. 

L'ame et le corps ne fönt ensemble qu'un tout naturel (bei Bossaet). 
La personne morale, c'est ce tout (s. Marion), und indem dieses Gunze un- 
auflöslich verwebt sich zeigt mit der Umgebung, wird innerhalb der Gesell- 
schaft erst die Persönlichkeit zur Erkenntniss gelangen, zum Be¥ni8stsein 
eigenen Selbst's. 

Die Psychologie bildet Grundlage und Voraussetzung der Metaphysik 
nicht nur, sondern der ganzen Philosophie und alle übrigen Theile der 
Philosophie erscheinen nur als angewandte Psychologie (nach Beneke), wobei 
die Methode der Psychologie der der Naturwissenschaft zu gleichen hat, von 
inneren Erfahrungen ausgehend (mit der Induction), unter den objecti- 
virten Vorstellungs bilde m (zur Rückkehr ins Subjective). Die in Blüthen- 
pracht duftende Rose liegt virtuell im Keime eingeschlossen, aber nicht etwa 
präformirt, mit Blüthe und Duft, so wenig wie die Seele in den Voranlagen 
des Menschen, der indess, als Gesellschaltswesen auf primären Stufen geistig 
bereits umkleidet erscheint (in Kunstsphäre und Sprache). 

Den dunkeln Schooss der Erde durchwühlend treibt die Pflanze auf- 
wärts im Tageslicht die Früchte zu zeitigen, die (unter Aufhebung des bis 
dahin continuirlichen Zusammenhangs) andern Zwecken dann dienen, ona 
so werden in einem Jenseits erst reifen die geistigen Fruchte, welche auf 



Digitized by 



Google 



XLIX 

einem körperlichen Stamm, aus darin verwebten Sinnen-Netzen, zu reinen 
und erhabenen Schöpfungen emporgewachsen sind. Und hier, weil durch 
eine Absorption coUateraler Kräfte, im Sprachaustansch gesellschaftlichen 
Verkehrs, die Grundlage erst geläutert wird, für bewusste Persönlichkeit, 
entfaltet sich diese in einer dem Irdischen bereits fremden Atmosphäre 
geistiger Agentien, nach diesen immanenten Zwecken hinaus. So lange es 
sich nur um das Einzelwesen handelte, lag dem Gemüth das Festklammem 
nahe, an der „Auferstehung des Fleisches", wie im Trost der Religionen 
geboten, 'denn „l'äme et le corps composent un meme suppöt, ou ce qu'on 
appelle une personne" (s. Leibnitz). Nachdem dagegen im Durcheinander- 
kreuzen psychischer Schöpfungsthätigkeit für die neue Wesenheit eine rein 
geistige Unterlage sich gebreitet findet, ist der physische Zusammenhang ab- 
gebrochen, für das innerhalb der Gesellschaft einst zu unabhängiger Selbst- 
existenz gelangende Wesen der Persönlichkeit (in seinem geistigen Weiter- 
wirken). 

Wenn mit dem allmorgendlichen Erwachen zu den Plagen und Qualen 
des neuen Tages, die sorglos frohgestimmten Götter Epicurs, — im „type 
de bonheur et de s^renite id&le" (s. Guyau), — sich verabschieden, heisst 
es nun wiederum die TCQonona^eia eines Besseren und Schöneren zum 
psychologischen Verständniss zu bringen, mit denjenigen Waffen heutiger 
Zeit, die ihr als mächtige gegeben, nämlich der naturwissenschaftlichen In- 
duction (und Anwendung ihrer Behandlungsweise auf die Psychologie). 

Wenn aus dem Spielplatz auf den Metakosmien zurückkehrend, verblei- 
ben der Seele noch dauernde Erinnerungen an die Belustigungen in der 
Heimath, dem Geisterhain der Ahnen, wo auf antillischen Inseln die ver- 
botenen Früchte wachsen, und vielleicht, wenn vom „Baum der Erkennt- 
nisse genascht war, empfindet sichs so schwer, als sei es Sünde, in un- 
stillbar erwecktem Sehnen. Dabei mag in melanischem Traum - Verkehr 
mit den Vorfahren in schärferer Sinnlichkeit jene feinere Auffassung sich 
erleichtern, wie sie Tertullian für körperliche Sichtbarwerdung göttlicher 
Wesenheit voraussetzte, während diese aus ihren psychischen Eindrücken zu 
verstehen gestrebt wird, bei philosophischer Ergründung der Psychologie, um 
ihr eine naturwissenschaftliche Basis zu breiten (für gesicherten Fortgang der 
Stadien). Tous nos biens ne sont qu'en songe (s. Montaigne), wenn nicht 
gesichert in gesetzlichem Verständniss der Schöpferkraft, die in der Seelen- 
thätigkeit auch waltet. „Les ^tres sont les forccs et les forces sont les 
etres** (s. Maine de Biran), und auf geistigem Gebiete dem Studium zu 
unterwerfen, in den Verkörperungen des Völkergedankens (nach den Methoden 
der Induction). Der Seele wachsen beständig neue „Urvermögen" an (s. 
Beneke), im Wachsthumsprocess (als „Strebungen ** gefühlt), wenn auf den 
Sinnes^ebieten weidend (im Abhidhamma), bis die Bodhi erlangt ist. „Scientia 
est rei perfecta cognitio*' (s. Sanchez) in Durchschau (des Verständnisses). 
Anima habet apud se rerum species et excitatur tan tum ab extrinsecis rebus 
{^. Pico), mit dem Reflex der Darstellungsbilder an der Horizont-Linie der 
Weltanschauung. Lumen intellectus agentis non est agens separatum sed est 
perfectio phantasmatis (s. Zaborella). 

BMtUo, Archipelago. 11. (1 

Digitized by VjOOQIC 



Als objectives Princip dem ganzen Weltgestaltangsprocesse zu. Grunde 
liegend, beginnt die Phantasie (als allgemeines Form-Princip), in der Menschen- 
natar sich subjectiv schöpferisch zu erweisen, für selbststandige Productionen, 
und so ein neues Gebiet (im Psychischen des EQstorischen) zu schaffen, über 
dem Naturgebiet aufgebaut (s. Frohscbammer) mit der Yorstellungswelt der 
Völkergedanken, wodurch im Echo der den Kosmos allgemein durchklingen- 
den Gesetze, diese im Verstandniss des Mikrokosmos wiedertönen mög^ 
(auf eigenes Bewusstsein zurück): 

Von Royer-Collard wird die Au%abe der Philosophie dahin verlegt, 
^dass der Mensch auf dem Wege innerer Beobachtung die Grundbegriffe, 
die Grundprinzipien des Verstandes suche und ansammle'' (durch Induction), 
während die objective Beobachtung sich zunächst dem nach Aussen pro- 
jicirten Vorstellungsbild wird zuwenden müssen (im Völkergedanken). 

Die dem Selbst gestellten Fragen über das Erkennen in dem als „Mensch^ 
ausgesprochenen Schöpfungsgedanken schliessen bereits ihre Anticipation ein, 
und in Cartesius* Satz vom Denken und Sein, schwanken noch auf der 
Meinungswelle die Vorfragen selbst, vom Denken und Sein. Nee unum 
hoc scio, me nihil scire (Fr. Sanchez). Toutes choses produites par notre 
propre discours et sufficance, autant vrayes que fausses, sont sujettes a 
l'incertitude et debat (s. Montaigne), in der Skepsis, die, wenn nicht in 
mystische Umhüllung des Glaubens geflüchtet, sich seit den Pyrrhonikem 
im Nihilismus verflüchtigen muss. 

üeber Kant's Unterscheidung empirischer und aprioriatischer Urtheile 
schwankt die vorherige Unsicherheit in Definition des ürtheiles selbst, das 
erst aus dem Denken wieder im Verstandniss zu fixiren wäre. 

Fasst sich im Denken die psychische Hälfte der Menschen, so 
tritt jenes zu dieser, als ihre Entelechie, die potentia vorhanden, 
sich actu zu verwirklichen hat. Les semences de toutes les sciences et 
vertus sont naturellement esparses et insinu^s dans nos esprits (s. Pierre 
Charron). 

Auch der physische Körper wird äwaf^ei nur geboren, sich aus den 
embryonal bereits vorliegenden Möglichkeiten zu vollenden, bis zur vor- 
gesteckten Akme hin, im Kreislauf eines Entstehens und Veigehens. Mit 
ihm tritt die psychische Haltte in's Dasein, ebenfalls (und mehr noch) in 
Vor-Existenz gewissermassen nur, ihren einwohnenden Keimen nach, die, 
wenn zur vollen Entfaltung gelangend, jenen für das Physische abgeschlossenen 
Kreislauf durchbrechen, in das Strebeziel eines Unendlich-Ewigen hinaus. 
Was darin waltet, als bewegende Thätigkeit, ergiebt sich eben, als die (zur 
Ausbildung eigener Vollkraft drängende) Entelechie des Denkens, ein or- 
ganischer Wachsthumsprocess gleichsam, der (aufwachsend aus psycho- 
psychischer Wurzel) sich in seinen Schlüssen, in aufsteigender Reibe der 
Schlussfolgerungen (syllogistischer Demonstrationen) realisirt, wie der der 
Pflanze, nach dem Zellgesetz, in Laub-, Nieder-, Hochblättern u. s. w., je nach 
den Stadien des Enlwickelungsganges, bis zu dem der Reife, wenn der 
Zeitpunkt der Blüthe gekommen ist. Die Vernunft enthält in sich öwa^ii 
die anderen Intelligenzen und die individuellen Intelligenzen enthalten wieder 



Digitized by 



Google 



LI 

btgyeiq, was in jener dvvafisi enthalten (bei Plotin), aus der Einen Seele 
geht eine Verschiedenheit vieler einzelnen Seelen hervor (s. Richter), in der 
Entwickelung (psychischen Wachsthumsprocesses). In ihren Vermögen 
reagirt die Seele aaf die Anregangen, wie die Pflanzen mit Zertheilung der 
Stengelblätter in Luftverdünnung, durch Haarigkeit gegen Kälte geschützt, 
unter Verstachelung die Dürre der Umgebung beantwortend (und in anderen 
Manifestationen der geographischen Provinzen bei Anpassung stationär). 

Die Ausentwickelung in dem Denkprocess manifestirt sich in den 
Operationen eines logischen Rechnens, das, einfachsten Ausdruckes nach (in 
der Mathematik), auf ein Addiren und Substrahiren zu reduciren wäre, im 
Aufsteigen vom Besonderen, oder Niedersteigen vom Allgemeinen, in syn- 
thetischen oder analytischen Urtheilen, die insofern sämmtlich aprioristisch 
sich für ihre Richtigkeit nach statistisch gewährter Controlle (in ViTahr- 
scheinlichkeitsrechnungen zunächst) entscheiden würden, und während der 
Wachsthumsdauer, die dafür bedürftige Ernährung, aus den (sinnlich ver- 
mittelten) Aufnahmen empirischer Erfahrung an sich ziehen und absorbiren, 
venn die Sinne weiden (gochara) gehen (im Abbidhamma). 

Dabei wird, wie im Datum der Mathematik, für ersten Ansatzpunl^ 
weiterer Operationen überhaupt, ein Gegebenes vorausgesetzt, eine Einheit, die 
je nachdem mit erkennbarem Inhalte bereits gefüllt, (und eben nur dann), 
em analytisches Zerlegen gestattet, im Uebrigen dagegen eines der Item 
onter denjenigen Einheiten liefert, mit welchen Bausteinen die Induction 
ihre Gonstructionen vorzunehmen hat, von den Thatsachen aus, ob in 
physischer Natur, bei dem mehr weniger sinnlich (direct oder indirect) 
er£assbarem Dinge, ob in psychischer in den entgegentretenden Anschauungs- 
büdem der Vorstellungswelt, mit den (aus der Gesellschaftswesenheit des 
Menschen stets bereits ein gemeinsames Element einschliessenden) Aussprüchen 
des Völkergedankens (wie in naturwissenschaftlicher Behandlung der Psycho- 
logie, auf Grundlage ethnischen Materiales, zu erforschen). Die Cognitio 
(als „rei apprehensio") bleibt „imperfecta", weil in unendliche Reihen ver- 
laufend, erhält indess in nothwendig gegliederter Verkettung der Rechnungs- 
operationen ihre sicher begründete Unterlage, um nach AufiBndung der 
Methoden eines infinitesimalen Calculs manch unbekanntes X künftig lösen 
zu können, die innere Yerbeissung fühlen zu dürfen (im systematischen 
Fortschritt der exacten Wissenschaften, mit ihrer Ausdehnung auf das Gebiet 
der Geistesschöpfungen). „Allmählig baut sich in uns auf Grund der W^ahr- 
nehmangcn eine ganze Vorstellungswelt auf; denn Vorstellungen sind nur 
Repristinationen früherer Eindrücke, diese stehen in unserem Gedächtniss 
als Totalbilder, als Totalitäten im Raum" (s. Kirchner), an den ethnischen 
Horizont projicirt (bei SchaflFung von „Beziehungsformen" aus den Ab- 
stractionen) unter Aufnahme eines socialen Elementes aus den Sprach- 
verkörperungen und Verinnlichung desselben in der Empfindung oder „Innen- 
FinduDg" durch Mano (den sechsten Sinn des Abhidhamma), um hieraus 
<ianii wieder auf ein subjectives Integral zurückzugelangen (im Bewussssein). 

Das animalische Denken beharrt auf dem Sehen, auf Vorstellungen in 
Raambilder, die durch das Tastgefühl mit dem eigenen Körperlichen (der 



Digitized by 



Google 



LII 

SiDDesauffassnng adäquat gesetzt werden. Beim Menschen treten dano, aa& 
dem Optischen in Sprach Verkörperungen umgesetzt, die Lautbilder hinza, 
im gesellschaftlichen Yerstandniss der Individuen unter sieb. 

Die abstracte Zahl veranschaulicht sich in der geschriebenen Ziffer^ 
während, wenn nur lautlich existirend, immer ein memorirendes Zählen 
vorherzugehen hat, um sie für ihren Inhalt zu begreifen, weshalb Natur- 
stamme anfangs nicht zählen, sondern, gleich den Bantu, die Zahl ihrer 
Heerdenstücke in räumlicher Erfüllung auffassen, oder das malayische Pancha 
im Fünf der Hand sich begreift, das Zwanzig der Eskimo im Mensch (beim 
Zählen der Finger und Zehen), während später die numerischen Adjective 
zur Verdeutlichimg hinzutreten (in Indo-China). 

Das Denken kann erst in Thätigkeit treten, wenn ein ihm entsprechen- 
des Objeet in der Idee gegeben ist, die (wie der Einzelne aus der Kind- 
heit) mit der Bewusstseinsreife aufwächst för den Menschen in semer 
Oesellschafts Wesenheit, und so aus dieser mit dem Sprachband gemeinsamen 
Wechselverkehr's bereits durchzogen. 

„Die Analysis ist diejenige Methode, wenn man von dem Gesuchten, 
als zugestanden angenommen, durch die daraus gezogenen Folgerungen auf 
etwas Gegebenes kommt, welches zu der Synthesis^®) fuhrt" (s. Pappus). 
So wird (bei der „problematischen Analysis") in der "yorstellungsmöglichkeit 
eines noQiOToy das erlangt, „was die Mathematiker ein Datum nennen*^ 
(s. Elugel), um dann den Weg rückwärts durchmessen zu lassen (zum 
Beweis). 

Wenn so auf eine Einheit (im primär Gegebenen) gelangend, von der 
wir uns nach jeder Richtung hin Rechenschaft zu geben vermögen, so hat 
sich dieselbe fQr (logisches) Rechnen verwendbar zu erweisen (im natur- 
wissenschaftlichen Sinne). Das Bedingende liegt in dem einheitlichen 
Abschluss als Ganzes, ob nun der Inhalt reich oder arm sei, und wie der 
Pfennig, bildet der Thaler eine Eins, wenn auch 60 Pfennige umschliessend^ 
Die im Niedersteigen aus der Idealität auf die sinnliche Wurzel stossende 
Denkthätigkeit beginnt dort die Aussendinge zu erfassen, die wenn sie in 
allen Relationen för die daraus möglichen Fragestellungen erkannt sind, — 
(der Stein für chemisch-crystallinische Beziehungen, das Organische in seinen 
physiologischen, das Physikalische aus seinen Kräften, die Pflanze und das 
Thier im Netze systematischer Classificirung) — , wenn also im Verständniss 
dem Denken selbst congruent geworden, von ihm als feste Ziffer nun wieder 
verwandt werden mögen, in denjenigen Operationen logischen Rechnens, worin 
das Denken sein selbsteigenes Leben eben lebt (als Denkendes), die 
Schöpfungen desselben, wie aus den Vorstellungen emporgequollen, nach 
Aussen projicirend, an den Horizont jedesmaliger Weltanschauung. So 
stehen hier, in den Einkörperungen des Völkergedankens, neben den physi- 
schen Natur- Objecten auch psychische dem Geist gegenüber, um ebenfalk 
nach den Methoden der Induction verarbeitet zu werden, nachdem that- 
sächliches MateriaP^) in Genüge beschafft ist, um einen Aufbau zu unter- 
nehmen, der den „Luftbaumeistern blosser Gedankenwelten" (s. Kant) miss- 
glücken musste, mit dem „Creator mundi extra mundum" (jenseits der 



Digitized by 



Google 



LIII 

^Grenzen meDSchlicher Vernunft''). Auch in der Psychologie wird eia 
höherer Galcül (im „Methodus fluxiorum") verlangt für ihre Infinitesimal- 
recbnangen des synkategorematischen Unendlichen oder „Infinitum potentia'^ 
(neben„ Infinitum actu"), mit seinen „Series infinitae" (der Gedankenreiche), 
fär Gott (bei Spinoza), „sab attributo extensionis" (im unendlichen Raum), 
und die Bezeichnung „imendlich" darf nur ein Infinitum (bestimmt -unend- 
liches), nicht ein Indefinitum (unbestimmt-unendliches) bedeuten (s. Kirchner). 
Tovto yaQ iaxiv 6 XQovogt oQi^nog xivi^aewg xata to tiqotbqov xai vatsQov 
(bei Aristoteles), die Zeit „als Zahl an der Bewegung und die Zahl nichts 
ohne die zahlende Seele^, wie der Raum nichts^ ohne die nach den Gesetzen 
der Optik sehend aufi^assende Linse (im menschlichen Auge). 

Plotin macht die Einheit (to ev) zum Grunde der Welt (in Gott), als 
das Eins (aus dem sich die Vielheit erst erklärt). Für uns verschwindet das 
Letzte und Erste im Unendlichen (für das Weltsystem schon), aber inmier 
bleibt beim Ausgangspunkt des Rechnens die Eins festzuhalten, mit der 
Aussicht, nachdem die Elementar-Operationen bemeistert sind, auch bis auf 
einen unendlichen Calcul zu gelangen (in naturwissenschaftlicher Psychologie). 
Dem Buddhismus fällt die Seele aus, weil für individuelle Geltung nur 
als Toröbersch webende Fuge mitklingend, und mittönend in den symphonischen 
Klängen eines Concert's der Weltharmonien. Der .Positivismus negirt die 
Psychologie, da bei ihr das beobachtete und das beobachtende Organ identisch 
ist, und deshalb eine Beobachtung nicht statthaben könne (s. Comte). An 
Stelle solch individueller Psyche, weil für inductive Behandlungen unmögliche, 
tritt bei gesellschaftlicher Natur des Menschen der Völkergedanke, als 
primärer Ausgangspunkt der Studien, die, wenn aus der Objectivirung (der 
an den ethnischen Horizont projicirten Vorstellungen) in das mikrokosmische 
Centrum zurückkehrend, im subjectiven Bewusstsein, dieses, bei der Persön- 
lichkeit des Einzelwesens auch, für seinen Zusammenhang einstens verstehen 
mögen, — im Einklang mit dem All und Ganzen der Natur nicht nur, sondern 
zugleich jenes harmonischen Kosmos' ringsum (nach den durch walten den 
Gesetzlichkeiten desselben in transcendente hinaus). 

Im Geist, weil bekannter als der Körper, gewinnt Cartesius seinen 
Ausgangspunkt, „wobei die Erkenntniss des wahrgenommenen Dinges von 
dem Dinge selbst zu Stande gebracht wird" (s. OUö-Lapune), in der Evidenz 
(der Intuition), wogegen auch hier gestrebt werden muss, zu dem die Natur 
des Dinges einschliessenden BegriflF zu gelangen, in Objectivirung für natur- 
vissenscbafüiche Behandlung (des Gesellschaftsgedankens). „Was da ist, 
geht den Naturforscher nur an, insofern es in die Erscheinung tritt" (s. Pesch), 
und als solche Erscheinungen treten die deutlich fassbaren Vorstellungs- 
formen des Völkergedankens gegenüber (für inductive Behandlung). Der 
Versuch, „die Naturerscheinungen zu begreifen", fordert nicht den Stand- 
punkt, „von dem aus der Blick des Geistes in die reale Welt der Meta- 
physik schweift", sondern Ansammlung und Ueberblick der psychischen 
Thatsachen (gesellschaftlicher Schöpfung), und wenn die Metaphysik „ein 
Problem für Naturforscher, eine Wissenschaft für Philosophen", so werden 
^ Unterschiede der deductiven Wissenschaft dieser, jene ihr „Problem" im 



Digitized by 



Google 



LIV 

iDductiven Sinne lösen (durch eine naturwissenschaftliche Psychologie). „La 
morale, naturaliste et positiviste ä sa base, vient par son sommet se sas- 
pcndre a une libre m^taphysique** (s. Guyau), wenn nicht von der Basis ah 
inductiv aufgebaut (bis zur Metaphysik). 

Auf dem irdischen Stamm, unter Heranziehen sinnlicher Nahrung^ 
emporgewachsen, entfalten sich die Früchte des Denkeos beim Herannahen 
ihres Reifezustandes in einem Jenseits, das über das Irdische und Siunliche 
hinausliegt. Und so „imaginationis vis judicativa pars est animi immortahs^ 
(s. Bovillus). „Facultas rationalis de sua essentia est incorporea" (bei Cre- 
morinus). Freilich liegt das Transcendente über die Auffassung des im Sinn- 
lich-Irdischen noch befangenen Auge hinaus, so lange auf dem langsameD 
Wege organischen Wachsthum's die, — deshalb lieber mystisch, in einer „mentis 
alienatio" (bei Eichard de St. Victor) gesuchte, — ylUuminatio*' nicht gekommen 
ist. Ehe deshalb für den, der „penetrans transcendit" (bei Hugo de St Victor), 
das Licht (s. Tauler) in die „ewige Finstemiss des göttlichen Wesens" (bei 
Eckhardt) gefallen, schrecken in der Todesfurcht „tbe deepest midnight 
glooms" (s. Bain), obwohl 6 d-avarog ovdiv nQog ^fiag (bei Epikur). 

Das Jenseitige, indem es in das Unendliche, also ausserhalb irdischer 
Schranken fällt, würde damit auch die Schauder eines ewigen Lebens (bei 
Strauss) zu negiren haben, obwohl die Todesfurcht in Abhängigkeit 
verbliebe von der Stimmung im Leben, da, wer im Einklang sich fühlt, 
solchen zu bewahren hätte, wogegen der Schmerz der Gewissensbisse mit 
künftigem Zwiespalt bedroht (bis der gesetzliche Ausgleich hergestellt). 

Immer bliebe mit einer /letoßaaig elg akXn yevog der ZusammenhaDg 
continuirlichen FHessens, im „Seelenfluidum" (bei Ulrici), xmterbrochen, ob- 
wohl nicht die Möglichkeit einer Wiederherstellung abgeschnitten, wo 
überleitende Brücke zu schlagen wäre. Wenn unter verschiedenen A^regat- 
zuständen die Bewegung sich in Wärme umsetzt, diese in Licht^ so ist mit 
der Wirkungsweise die Wesenheit selbst geändert, und obwohl durch 
Strömungen in den für eine galvanische Batterie vereinigten Metallplatten 
vorbedingt, triflft doch der electrische Strom für seine Effecte nach Zielen 
und Zweckrichtungen hin, die, als von der Erzeugungsweise völlig unabhängig, 
damit, ihrem eigenen Wesen nach^ auch nichts zu thun haben. In den 
Entwickelungsstadien geistigen Aufwachsens überraschen beständig die in 
den Momenten der Reife, (beim plötzlichen Aufbrechen der bis dahin all- 
mählig gezeitigten Knospen), der Seele neu entgegentretenden Gedanken- 
Schöpfungen, und für sie bleibt deren Neuheit dadurch un verkümmert, weil 
sie sie früher selbst bereits im latenten Zustande in sich eingeschlossen. 
Das, was hier selbstständig sich abschiiesst, hat sein selbst ständiges Fort- 
bestehen zu wahren, auch im Nachbild des Körpers, „ut corpus tanium 
immortale^ (bei Caesalpinus), durch eine „Resumptio memoriae^, wenn es so 
zusagte, aber jedenfalls unter Einschluss eines bewussten Elementes, weil 
mit Zuthat persönlichen Bewusstsein's (oder vielmehr durch eigentliche 
Kraft desselben) überhaupt erst geschaiBFen und ins Dasein gerufen (im Ein- 
klang mit kosmisch dnrchwaltenden Gesetzes). Die Materie oder (bei Plato) 
ktBQOTTig ist allo (aXXa) im Anderssein (bei Plot.). „Intellectus humanus est 



Digitized by 



Google 



LV 

actas corporis organici, ut objecti, et sie non separatur, oon autem nt sab- 
jecti, et sie separatur" (s. Pomponatius), wenn aus objecti ver Forschuog 
da8 Yerstandniss zum Aasgangspan kt zaruckkehrt (im subjectiv geklärten 
Bewusstsein). 

Wenn auch eine sog. vegetative Seele (pflanzlicher Bildung) sich als die 
(aus der dvpa^tig im Keime entfialtete) Entelechie des Körpers auffassen 
liesse^ so fällt doch bei der denkenden Seele, als vnvg (aus den Empfindungen 
der fpvxfj aia^rjTixfj ernährt), solche Beziehung fort, indem sie auf dem 
Körper selbst erst keimt, um sich dann in der Entelechie eines in das Un- 
endliche hinausragenden Organismus zu entfalten, mit den Gedankenschöpfungen 
(wie sie organisch emporwachsen aus dem psychischen Leben). Insofern ist 
die Seele, als ovala (bei Plot.) nicht eldog des Körpers irdischer Leiblichkeit 
(im ^tüov^ als Mischung der Seele in ihrem begehrlichem Theil mit dem 
aiü^a\ sondern eines jenseitigen Geistesreiches (durch Ahnungen annäherbar). 
Mit der Grenze der sinnlichen Er&hrung ist auch die Grenze des Denkens 
gegeben (nach Vogt), wogegen umgekehrt mit der sinnlichen Erfahrung 
der Boden erst gebreitet ist für das Keimen des Denkens, im Anfang psy- 
chischer Schöpfungen (des Völkergedankens). Der gefahrlichste Dogmatismus 
ist der materialistische (nach Virchow), weil er „die Grenzen der Natur- 
forschong an Orten aufrichten will, wo letztere offenbar noch nicht competent 
ist", ehe die Psychologie in naturwissenschaftliche Behandlung gezogen worden, 
deren sie fähig sich beweist, indem wir auch hier „Körper haben und Eigen- 
schaften von Körpern'', psychische nämlich, nach eisern nothwendigen Gesetzen 
regiert (und also logisch zu berechnen, bis in das Transcendente hinaus). 

Im Vegetativen gehen die Lebensprocesse mit unbedingt gesetzter Noth- 
wendigkeit vor sich, während die Seele, wenn unter Aufhebung des auf 
animalischen Berührungspunkten gegebenen Zusammenhanges, im rein Psychi- 
schen für sich abgeschlossen, damit auch eigene Selbstständigkeit gewinnt, 
indem die in Erinnerung an die Vergangenheit (mit keimfähigen Denkanlagen 
f&r die Zukunft) gegebene Geschlossenheit, eine Unabhängigkeit von den 
Momentan-Existenzen (im Entstehen und Vergehen) beweist, obwohl eine 
im Irdischen nur temporäre, weil bei jedesmaligem Erwachen aus dem Schlaf 
jene Bindung mit dem Körper stets wieder eintritt, die nur nach Zerfall 
desselben auch dauernd wegfallen kann (unter Gewinnung eines innerlich 
neuen Mittelpunktes, wenn der bisherige entzogen ist). Dieses im Psychi- 
schen für selbstische Unabhängigkeit entwickelte Leben ruht indess, seiner 
Wurzel nach, eingebettet im Materiellen, woraus die Substrate eigener Aus- 
bildung entnommen werden, so dass die Seele, wenn im Fürsichsein auf sich 
hingewiesen, dasjenige sein wird, wozu sie sich, während der Verbindung 
mit dem Leibe (und der durch ihn aus sinnlicher Thätigkeit gezogenen 
Erkenntniss) selbsteigen gemacht haben wird, weshalb eine mit mühenden 
Sorgen und den (im Vergänglichen unausbleiblichen) Qualen durchsetzte 
Existenz zu vollendeterer Läuterung führen mag, sofern die gestellte Aufgabe 
tapfer hindurcbgekämpft wurde. In Augenblicken, wo die Seele sich freier 
fühlt, kommt die Sehnsucht zu (mystischer) Einigung mit der Gottheit, 
deren sie sich indess noch nicht würdig fühlen darf, so lange keimfähige 



Digitized by 



Google 



LVI 

Aolagen zu eutwickeln bleiben, und zwar mit Hülfe des soweit angewiesenen 
Körpers, — nicht eine Gruft oder ein Grab, sondern vielmehr ein gedeihliches 
Fruchtbett (wenn richtig bebaut in günstiger Cultur). Wie von der Geburt 
an eine „Auswickelung" des Bewusstsein's, tritt mit dem Tode eine „Ein- 
wickelung" ein (s. Leibnitz) im Selbst (der Bodhi). Das menschliche Denkeo 
lebt von der Anschauung uud es stirbt, wenn es von seinen eigenen Ein- 
geweiden leben soll, den Hungertod (s. Trendelenburg), wogegen es fröhlich 
gedeiht auf naturwissenschaftlicher Weide (in fortgehender Erforschung neuer 
Gesetze). 

Sobald im Zwange des Denkens, aus dem „Post hoc ergo propter hoc* 
der täglichen Erfahrung das Causalgesetz sich festgestellt hat, — sobald 
dass der Fall des Glases sein Zerbrechen bedingt, schon für die Einsicht 
des Kindes sicher steht, da es Prügel setzt (oder für die des Erwachsenen 
aus unangenehmen Nachwirkungen auf den Geldbeutel im Wiederankaaf), 
sobald aus dem Umschütten des Tinten- statt des Sandfasses auf dieses Papier- 
blatt die Nothwendigkeit lästiger Nachschrift sich lehrt, — sobald „le premier 
pas qui coute*' geschehen, folgt unabänderlich die Verkettung weiter, im 
„Quidquid est causa causae est causa causati*' (bei Alanus) bis zur letzten Ur- 
sächlichkeit, für Deus sive Natura'®) (bei Spinoza), und bei ferner geforderter 
Auflösung fortbestehender DiflFerenzen im Zusammengesetzten für die 
„Quiddilas", — da „necesse est, ut illa omnia non plura, sed unum sint" (bei 
Anselm Gant.), demnach die Einheit verlangt wird, als (monistische) Entität, 
„et Unum (liceat ita fari) est Un-Onmia'' (s. Patricius), (nebst sonstigen 
Termini technici metaphysischer Geheimrede) — , so verbleibt das alte Problem 
einer Gültigkeit des innerhalb der Relativitäten manifestirten Causalgesetzes 
im Absoluten, wenn aus den Schranken von Raum und Zeit hinaus den 
Gedanken bewegungen die Empfindung kommt, in unendliche Reihen zu ver- 
laufen. Indem nun aber für Unendliches ein höherer Calcul^^) sich nicht 
völlig machtlos fühlt, manches Unbekannte bei mathematischen Au^ben zu 
lösen, bleibt für psychologische ebenfalls HofiFnung, unter inductiver Durch- 
bildung eioes den Naturwissenschaften hinzugewonuenen Zweiges auf geistigem 
Gebiet (sofern die gesicherte Unterlage des Material's, in den Ansammlangen 
des Gesellschaftsgedankens, gefunden sein sollte). 

Seit dem Entdeckungsalter erst, mit Abrundung des Globus, ist die 
Grundlage objectiver Ueberschau gegeben für ein naturwissenschaftliches 
Studium des Menschen, im „Schauen und Wirkung aus dem Schauen*' (bei 
Plotin). Die schöpferische Natur, weil der Begriff in ihr das Schöpferische, 
der Begriff selbst aber empfangen und geboren aus der ^BWQia ist, ist des 
Schauens somit theilhaftig (s. Richter). Allmälig im Gange der Cultur, 
beginnt die Horizontlinie der Weltgeschichte sich auszuweiten, von un- 
scheinbar kleinen Anfangen an, denn für die Geschichte bildet die des 
eigenen Volkes (eines von fremd-feindlichen Wogen umflutheten und bedrohten 
Stammes) den Mittelpunkt des Gesichtskreises. Wenn sie in den ereigniss- 
reichen Epochen ihrer kritischen Perioden temporär hinausgeführt wird über 
den gezogenen Rahmen, wenn zur Zeit der Perserkriege, (wie im mythischen 
Kampfe um Troja schon), die Blicke der Griechen auf den Orient gerichtet 



Digitized by 



Google 



LVII 

worden, wenn macedoDische Feldzüge nach soweit unbekannten Regionen 
gelangten, nach Indien und drüber hinaus, wenn die Ausdehnung römischer 
Eroberungen den Norden Europa s in ihren Bereich zogen, wenn die Fluth- 
wellen der Völkerwanderung die Grenzen unseres Coutinentes überschreitend, 
auf ihre Quellen im fernen Osten zurückwiesen, wenn bei den Kreuzzögen 
in Syrien's Eüstenlande ebenfalls dorthin die Aufmerksamkeit gelenkt ward, 
wenn in den Hundeisbeziehungen, mit Serer und Siner, millionäre Mähren 
eines Marco Polo im Geschäftsprofite auch die Neugier stärkten, so kam 
bei all solchen Gelegenheiten vorübergehende Erkenntniss, dass auch hinter 
den Bergen noch Leute wohnten, aber die Geschichte, mit den wichtigen 
nabeliegenden Arbeiten ihre eigentliche Aufgabe vollauf beansprucht, konnte 
solch vorübergehend, an fernster Peripherie deutlicher Sehweite auftauchen- 
den Schattenbildern exotischer Völker kurze Seitenblicke nur schenken. 
„Was sollte das für eine Wahrheit sein, welche die Berge begrenzen und 
jenseits derselben eine Luge ist", fragt Montaigne, so dass sich der üeber- 
blick geographisch erst abzuschliessen hätte (in der Ethnologie). Dann 
nach Ansammlung des Materiales hat die Induction ihre Arbeiten zu be- 
ginnen, nach comparativer und genetischer Methode, welche jener glänzenden 
Erfolge, wie von der Linguistik bereits errungen, um so sicherer sein darf, 
wenn statt mit dem sprachlichen Ausdruck des Gedankens, mit seiner 
geistigen Seele operirend (mit dem Völkergedanken selbst). 

In der durch das Christenthum vermittelten Uebemahme semitischer 
Stammes -Tradition, — (ähnlich der von Hellen, als Sohn Deucalion's aus 
göttlichem Ursprung, wie Targitaus, als Sohn des Zeus mit Tochter des 
Borysthenes entsprossen oder Jarbas der Erde, u. s. w , im Anschluss an soviele, 
die von den Naturstämmen jetzt bekannt werden) — , durch die auf classischer 
Unterlage beruhende Wissenschaft, gelangten in diese mit den Theorien über 
den Ursprung *<>) des Menschengeschlechts alle jene Verschiebungen, welche 
jetzt in der Ethnologie wieder zurecht zu rücken sein werden, in ob- 
jectiver Ueberschau (zunächst im Anschluss an die geographischen Provinzen). 

In ionischer Philosophie, beim theoretischen Ausgang von Einzel- 
Elementen (im Wasser seit Thaies), kam in Mehrung derselben die factische 
Anerkennung soweit unbestimmbarer Vielheit, in der Häufung der Principien 
ursprünglicher Mischung, unter Ordnung durch den Nous (bei Anaxagoras), 
auf den Vorstufen späterer Atomistik (bei Leucipp.). Bei den Eleaten dann 
suchte das dialectische Denken, in Abkehr von der Wirklichkeit, von den 
Sinneswahmehmungen als täuschendem Schein (bei Melissus), selbsteigenes 
Genüge für sich allein, indem statt des in den Sinneswahrnehmungen ge- 
leiteten Vorstellen nur das erwägende Nachdenken zur Erkenntniss des 
Seines führen sollte (bei Parmenides), und als so Zeno El., (Parmenides 
Schüler), auf seine Trugschlüsse gerieth, konnten die skeptischen Bedenken 
der Sophisten nicht ausbleiben. Der damit in den Unsicherheiten eines 
Kelativismus verlorenen Philosophie suchte Socrates feste Erkenntnissformen 
aa£zustecken, in solchen Begriffsformen, wie sie sich aus Hinwendung auf 
die Realitäten im ethischen Leben der Gesellschaft, aus dunkelm Vorgefühl 
ästhetischer und moralischer Normen, dem davon ergriffenen Bewusstsein zu 



Digitized by 



Google 



LVIII 

ergeben schienen, und wie sie fernerhin als Unterlagen för Rechtsphilosophie, 
moralisches Naturrecht, Aesthetik und andere Generalisationen gedient haben, 
welche allerdings bei emstgesinnter Ausfolge der Untersuchungen Gesetzes- 
richtungen anzudeuten vermochten, aber, — in diesen mehr intuitiven Erah- 
nungen aus dem die complicirten Culturschöpfungen einer beschränkten Welt- 
geschichte Durch waltenden, — der objectiven Basis noch entbehrten, wie sie 
sich, bei üeberblick des Gesaramt-Globus in der Ethnologie erst zu breiten 
beginnt, und zwar comparativ nicht nur, sondern in den einfachen Natur- 
stammen auch für Anwendung der genetischen Methode, beim Aufsteigen vom 
Besonderen zum Allgemeinen, wie von Aristoteles bereits angedeutet, obwohl 
der Skeptiker sich lieber aller assertorischen und apodiktischen Behauptungen 
enthalten wollte (seit Pyrrho). 

Ira Christenthum vermittelt sich eine Ueberwallung tieferer Gefühlsregun- 
gen, — von denen bereits im Stoicismus (seit Zeno Citt^) und im Epikuräismus 
einiges Wellengekräusel bemerkbar gewesen war, — aus dem contemplativen 
Orient nach realistisch nüchternem Westen, anfangs im Gegensatz der 
Religion zur heidnischen Wissenschaft, bis, als die Schulen dieser in Athen 
geschlossen und die letzten Jünger zum persischen Königshof gefluchtet 
waren, den hauslos gewordenen Wissensdurstigen für fortbestehende Be- 
dür&isse ein neues Heim gewährt werden musste, unter dem Dache 
herrschender Theologie, für die „Philosophia Theologiae ancilla**, wie dann 
von den Scholastikern, im Anschluss an die Patristik, — von den an die 
äussersten Grenzen des Kömerreiches in Spanien (mit Isidor's Sammel- 
schriften in Sevilla) und England-Irland (in den Klöstern Banger) geretteten 
Resten her, — durch die Scholastiker (mittelst der aus Aristoteles' System 
entnommenen Hülfsmittel) in Schematisirungen ausgebaut 

Seitdem nun mit der die Neuzeit einleitenden Reform die Grundlage 
objectiven Umschaues gebreitet ist, hat die naturwissenschaftliche Richtung 
einzusetzen, im Anschluss an die Elemente und Atome sowohl für physische 
Kraftäusserungen, wie auch in inductiver Durchbildung der psychischen 
Erscheinungswelt in der Religions-Philosophie unter ihrer Umgestaltung zu 
einer naturwissenschaftlichen Psychologie (durch ethnische Thatsachen con- 
trollirt), an Stelle der in hastigen Gonstructionen überstürzten Metaphysik, 
der bei Vernachlässigung des Geschichtsfadens *^) in der Cidtur-Entwickelung 
der naturgemässe Zusammenhang verloren gegangen war. Die Causalitat 
ergiebt sich als die organisch gegliederte Verkettung im psychischen Wachs- 
thimi des Denkens, und gleicher Zusammenhang wird deshalb zunächst dann 
überall und jedesmalig nach Aussen hin übertragen (in den zu magischen 
Sympathien und Symmetrien weiter führenden Zusammenwürfelungen des 
Fetichismus* 2)), während bei zunehmendem Einblick des Verständnisses die 
causale Verknüpfung, in einer beschränkten Kreisziehung, dort nur zuzulassen 
ist, wo durch wiederholte (und controllirbaie) Erfahrungen (in dem Schluss 
aus Analogie) gegeben (um so rückwirkend das logische Causalgesetz zu 
klären). Alle Schlüsse auf Grund der Erfahrung sind die Wirkungen der 
Gewohnheiten und nicht des Verstandes (bei Hume), und indem die Causalitat 
kein logischer, sondern ein Erfahrungsbegriff, lässt sich der Causalnexus im 



Digitized by 



Google 



LIX 

Causal begriff nur durch Erfahruae;, nicht durch Vemunftschluss erkennen 
(bei Eant), ehe nicht die Merkmale der Dinge aufgesucht sind, um dadurch 
dann zu Definitionen geführt zu werden, welche, wenn in den objectiven 
Projectionen des Yölkergedankens für die Vorstellungen gewonoen, sich für 
das psychische Reich ebenso fruchtbringend erweisen werden, wie in physi- 
scher Natur für die übrigen Reihen inductiver Wissenschaften, bei Zurück- 
führen auf kleinste Differentiale (im „Calculus Variation um"), mit dem Aus- 
gangspunkt der geographischen Provinzen unter ihrem jedesmal historischen 
Horizont (auch für die psychische Natur). 

Der „rechte Glaube" (bei Luther) ist „ein lauteres Gotteswerk", auf 
der diaxoavvrj niaxBwq (durch XOQig) beruhend, in der Bindung des Gelöb- 
nisses, als Mokisso (für ro kgyov Trjg niaTecoc) mit der Predigt an die 
„erschreckten Gewissen" (s. Harless) bis zu „Revivals" bei imyvajaig 
dfiagtiag (ethisch), für „Ruhe der Gerechten in Gott" (s. Eckhardt). Et 
ut somnus perfectus perfecta quies spiritibus, ita quies perfecta mentis 
(s. Cardanus), der öixaioi ta dixaia nQaiTovxag (bei Aristotl.). 1q der 
Mystik der Ssufi unterscheidet sich eine Ideation (Eingottung oder Ein- 
wohnung in Gott), eine Indeification oder Unification (Einsmachung oder 
Umwandlung des Menschen in Gott) und eine Union (ein vollständiges 
Einssein mit Gott der Substanz nach). lila, quae de deo divinitus di- 
cnntur, credibilia quidem sunt simul et intelligibilia, sed nisi credantur 
prius, nunquam intelUguntur (s. Kadbertus), und so, mittelst der von Natur 
der Seele einwohnenden „Vis fidei** (bei Taurellus), packt die individuell 
aufbrechende Offenbarung, in Erkenntniss des Totem oder Fetisch (unter 
schützender Bindung des naturnoth wendig verbundenen Edro in Guinea). 
Nur Gott wird erkannt, als Ziel des sich selber WoUens (s. Male- 
branche) im Glauben als „Unterwerfung der Vernunft (sacrificium in- 
tellectus) und damit der ganzen Persönlichkeit" (s. Linsenmann). Nequö 
enim quaerere intelligere, ut credam, sed credo, ut intelligam, nara et hoc 
Credo, quia nisi credidero, non intelligam (s. Anselm Cant). Tout ce que 
nous voyons sans la lampe de la grace de dieu, ce nest que varitö et folie 
(s. Montaigne). In religione prima est fides, quae est veritatis cujuslibet 
rci cum assensione percepta (s. Gilbert de la Porr^). „Glauben" drückt, 
ähnlich wie das englische „believe" (belauben statt gelauben), manche sehr 
verschiedene Arten der Zustimmung aus (s. M. Müller). 

Das gläubige Vertrauen liegt (englisch) dann in faith, mit der weiteren 
Verzweigung durch feudum und feodh (zum Vieh) auf fides führend aus 
gleicher Wurzel 'mit niOTig, während das „Geloben" des „Gelöbniss" oder 
„Gelübde" (nach „kanonistischem Sinne verschieden", aber nicht etymologisch) 
im „Glauben" mit „vow" auf „vovere", und somit (im Sehnen und Haben) 
auf „aveo" (für ei'xij und riQoivxijr als oratio zum „votum"). Dagegen 
würde credo (im Einschloss von cresco), wenn nicht suf (sanscrit) da (diöcjfii) 
oder (Zend.) da (lat. do), auf dhiä, und also in Tix^rjfnL die für i^eoc aus- 
gefolgte Beziehung, mit den weiteren der Ahnenopfer (Qraddha) und das 
Hören in Qru (bis Qrat), wogegen in Tapti die Busse brannte und vom 
Zntheilen (im Essen) Bhakti (wie bhaj)*^) der Moira entspricht (in 



Digitized by 



Google 



LX 

Gotteseinigung), mit Weiterfuhrung zur Mystik (und deren Excessen). Für 
die nüchternen Chinesen dagegen ist die Religion nur Sache des Kopfes 
als Lehre (Kiao) der Gelehrten (Yü-Khiao), der Vernunft (Tao-Khiao) oder 
Fu-Khiao (im Buddhismus). 

Die üeberzeugungskraft des Glaubens wird von der geistigen Stimmung 
abhängig bleiben, und je voller mit vrissenschaftlichem Inhalt die Cultur sich 
gesättigt hat, desto reineren und höheren Glaubens bedarf es, um die Nach- 
frage aus dem Herzensbedürfnisse zu sättigen. Unde et in Ecclesiaticoscriptum 
est: „Qui cito credit, levis est corde et minorabitur* (s. Abälard), gleich 
jenem Fetisch-Anbeter z. B., der sich bereits mit dem ersten besten Gelöbniss 
(im Bilde des Mokisso) genügen lässt, als „absolutes Gelübde" (s. Bellarmin), 
für seinen Glauben, während der Erlösungssehnsüchtige innerhalb des 
weitesten Glaubens- Utofanges sich der Gelöbnisse, beim Besonderen im „Ver- 
sprechen einer Opferlei stung" (zur Verstärkung des Gebetes), noch gar viele 
auferlegen mag, indem nicht nur das Gerathene, sondern auch das Gebotene 
Gegenstand des Gelübdes werden kann (bei Lessius). Eidliches Gelübde 
(agf. ädgehät) ist ein Sicherheitseid ; altn. sagte man „heit strengja**, feierlich 
geloben (s. Grimm). „Das ist eben der Glaube im Menschen, dass er der 
Selbstheit abstirbt, als der eigenen Begierde, und seine Begierde in allen 
seinen Anfangen und Vorhaben in Gottes Willen einführt'' (s. Böhme), 
indem der Fetischdiener (in seinem engeren Kreise) sich sei bstge wählte 
Entbehrungen auferlegt, deren Bruch (als des mit dem Göttlichen geschlossenen 
Vertrages) ihn verderben würde (zunächst in zeitlichem Tod). „Der Wahr- 
heil sinhalt der natürlichen Erkenntniss ist in die höhere OflFenbarung mit- 
aufgenommen" (s. Linsenniann), wenn in dem kritischen Wendepunkte der 
Cultur die unruhig die psychische Atmosphäre durchwogenden Ideen, — in der 
S'ewQlay als Schauen (bei Biotin), — eines berufenen Geistes zu neuem Abschluss 
sich umrahmen, und aus prophetischem Munde verkünden, als „Glaubens- 
pflicht". Dadurch bedingt sich dann auch (in der fides charitate firmata) 
das ethische Element im Glauben, das auf den niederen Stadien der Rohheit, 
trotz fatalistischer Kraft des bindenden Gelübdes, dennoch völlig ausfallen 
mag, wogegen das in den Cultur- Errungenschaften geläuterte Gemüth, in 
der Tugenderfüllung, wie durch den Glauben geboten, eben sein Genüge erst 
zu finden vermag. Es ist das „Postulat der practischen Vernunft", das den 
Fetischanbeter bereits zum Beugen vor seiner Gottheit führt, und wenn das 
Gefühl absoluter Abhängigkeit von der Welt sich (s. Schleier m acher) mit 
zunehmender Erkenntniss (und also mehrender Bewältigung) derselben zu 
lockern beginnt, bleibt das moralische Ideal (bei Baumann) "oder das trans- 
cendentale Ideal (s. Apelt), als unendlich Erhabenes (und somit Allmächtiges). 

Der Character, als „Ausdruck der ethischen Vergangenheit des Menschen" 
(s. Ulrici), hat sich in ethischer Ueberschau aus dem Gesammtergebniss der 
Gesellschaftskreise zu bestimmen, um den objectiven Massstab des Sittlichen 
zu gewinnen. Beim Eintritt in's Leben fast völlig determinirt, bleibt der 
Wilde solchem Naturzwang „mehr weniger zeitlebens unterworfen", während 
der Mensch im Fortschreiten an Vernunft und Character desto selbstständiger 
und also freier wird, desto mehr „zum Herrn seiner selbst (sui juris), und 



Digitized by 



Google 



LXI 

dadurch zum Herrn der Natur" (s. Kirchner). Es handelt sich bei der 
naturwissenschaftlichen Behandlung des Völkergedankens deshalb darum 
eben, während jener Vorstadien des Naturzwanges, bereits das Wirken all- 
gemein gültiger Gesetze, in ihren Folgen auf individuelle Rückwirkung zu 
erkennen, um diese dann auch auf den höheren Entwicklungsstufen freier 
Thätigkeit festhalten zu können (im Bewusstsein des Selbst). 

Im Willen liegt die Selbstbestimmung des Ich, die bei normal gesundem 
Wachsthumsproccss auf das Gute sich richtet (innerhalb der für ihre Gesetz- 
lichkeiten soweit überschaubaren Welt), und obwohl auch der Schlechte „sub 
ratione boni** handelt, denn „il est impossible d'etre dötach^ du bien propre" 
(s. Leibnitz), determinirt sich doch das Gute, in der Zeitrichtung (aus all- 
gemeiner Harmonie). 

Unruhig bang bewegt von einer, ziellos scheinbar, in enden tbehreu de 
Oeden hinausstrebenden Wachsthumsrichtung, sucht das Denken den Anhalt 
eines Vastu (der üpanishad) und findet ihn (bei den Sioux) dort, „where 
the god has stopped" (s. Fletcher), der „laufende" Gott (bei Plato), in dem- 
jenigen unter der bunten Mannigfaltigkeit der Naturgegenstände, welcher 
fortan als Totem durch das Leben begleiten soll, im Bossum gewählt ist, 
(als Fetisch), für individuelle Auffassung des Morimo (bei den Betchuanen). 
Wenn in mystischer Macht hingezogen zu einem Stein, so erkennt der 
Korjake (s. Erman), dass dieser für ihn beseelt ist, aus Prädestination 
zuertheilter Aisa und auch bei der Geburt als Geschick im Verhängniss (hinter 
des Himmels Vorhang her auf Halmahera) schon gesungen, durch Carmenta, 
oder bei dem Ojibbewä (s. Kohl) von den über seine Zukunft berathenden 
Greisen aus lichten Höhe^ vernommen, auch (s. Schoolcraft) im blauen 
Glanzhimmel (Oshau-wau-e-gheeghik), während sensitiver Empfanglich - 
fähigkeit der Pubertätsjahre (im Lebenstraum). „Es ist das innerste Bewusst- 
sein seines Selbst, seiner Freiheit und ihres unveräusserlichen Rechtes, dessen 
Reaction gegen die Schranke und den Druck der Welt sich dadurch geltend 
macht, dass er eine Ergänzung seines gehemmten machtlosen Willens in der 
höheren Macht eines unbeschränkten Willens sucht, der nicht ebenso eine 
Schranke seines Willens am Können fände, sondern bei dem das Wollen zu- 
gleich das Wirken wäre. Unwillkürlich sucht der Mensch diese höhere 
Macht" (s. Pfleiderer) im Glaubensinhalt (fides quae creditur) je nach der 
Glaubensform (fides qua creditur). 

In der mit dem Fortschritt der Cultur angeregten Denkthätigkeit mag 
aus dieser selbst der f^vataycoyog tov ßiov gewährt werden, im ^K^og dv&Q(bn(fi 
daifiCDv (bei Herakl.), oder der vovg (bei Plotin), als assiduus observator 
adpositus im Genius (bei Censorinus) von der Geburt her, ein daif^iwv 
yeve&liog, gleich den Fravashi zur Begleitung mitgeboren, am Dsogbe des' 
Geburtstages**) (in Guinea). 

Ein solcher nait der Seele selbst, wie Okra (der Ga), identificirter 
Schutzgeist,**) mag in das Ohr flüstern (gleich Socrates' Daimonion), und 
philosophischen Gemüthem für stillen Hausgebrauch genügen, wogegen die 
Durchschnittsmasse dahin streben wird, in der grossen Natur ringsum ein 
Ideal zu erkennen und sinnlich aufzufassen, wie es bei dem einem Natur- 



Digitized by 



Google 



L XII 

gegeDstande einwobnenden Edro bescheidenen Ansprücben möglieb wäre, 
neben dem von der Seele (Luwo) in Doppelung (&gyptiscber) Ka abgescbiedenen 
Aklama (bei den Eweem). 

Der Polynesier mag auf dem Todtenbette durch die körperliche Er- 
scheinung seines Atua, in der Form des heiligen Thieres begnadigt werden, 
um, in seine Esseo/. aufgenommen, mit ihm geeinigt zu sein, in Unio 
mystica (durch Indeation oder Indeification) , und aus Indien sind Beispiele 
bekannt, dass die Bildsäule des Gottes auseinandergeklappt, um den frommen 
Verehrer leibhaftig in sich aufzunehmen, wie er geht und steht, mit Haut 
und Haar, wogegen die Kanaka (aus anthropologischer Praxis) die Knochen 
rein schaben lassen, beim Seelenfressen der Atua (im Seitenstück des Eu- 
rynomosj. In Erwiderung solcher Liebesdienste wird dann für magische 
Bindungen (bei den Fantih) der Gott seinerseits vom Verehrer gegessen, 
und auch gekaut (nach Ansicht der Azteken), zu Ehren Huitzilopochtli's 
(im Teoqualo genanntem Sacrament). 

Bei geläuterterer AufPassung der Religionsbedürfoisse wird ebenfalls der 
gleiche Drang verbleiben, mit Hinerstrebung einer letzten Ursache,**) (bei 
welcher gläubig abzuschliessen , die Verstandesarbeit vergeblich sich mübt), 
im nahegelegten Anschluss an denjenigen Vorstellungskreis, der, mit den Er- 
innerungen geschichtlicher Vergangenheit durchwebt, in der religiösen Um- 
gebung des Tageslebens am vertrautesteo zum Herzen spricht. 

Wenn dann, bei anachronistischer Verknöcherung der Dogmen, allzu 
schrill der Missklang gellt, für das« (zum Einklang mit dem wissenschaftlich 
gewonnenen Verständniss der Welt), der inneren Stimme lauschendem Denken, 
so treten in den kritischen Perioden der Geschichte jene umgestaltenden 
Reformen ein, von deren vielen die Annalen des Menschengeschlechtes im 
Laufe der Jahrhunderte bereits zu erzählen haben (und in denen der kom- 
menden gleichfalls zählen werden). Hier gilt es zu kämpfen für Jeden mit der 
zugetheilten Kraft, zum innerlichen Abgleich, denn „Skepticismus, der trübe, 
kleinliche Skepticismus des Weitlings, ist Schwäche" (s. Feuchtersieben). 
Sofern das Denken selbstmuthig auf einen „stator stabilitorque" (s. Seoeca) 
im Göttlichen (dest„Primum movens immobile") verzichten zu können meint, 
und in der Kunst der vdrjaig vntjaecog genügenden Ersatz sich zu schaffen, 
80 wird es die Arbeit nicht scheuen dürfen, im psychologischen Calcul die 
unendlichen Reihen seines Ausverlauf *s zu bemeistem, um in den Gleichungen 
höherer Grrade mit den Problemen zu ringen, die, sobald dem Geiste einmal 
gestellt, keine Rast noch Ruhe lassen, bis sie gelöst sein sollten, unter der 
im Sphinxräthsel schon herangetretenen Alternative (um Leben, oder um Tod). 



Anmerkungen. 



1) Ohne Zeitverlust, weil im letzten Augenblick ebeo, wo noch Mancherlei zu retten. 
Schmerzlichste Verluste sind bereits zu beklagen, und desto eifriger muss deshalb vor 
fernerer Versäumniss gehütet werden. Wie viele Flecke im weiten Ocean verloren, liegt 



Digitized by 



Google 



LXIII 

vor Augen, und das Glänzendste in den massgebenden Centren ist dahin. Noch aber 
bleibt manche Nachlese auf abgelegeneren Feldern, und gerade weil sie bleibt, müssen die 
Klagen stets wiederholt werden, während sonst, wenn Alles schou unwiederbringlich dahin, 
auch sie keinen ferneren Nutzen hätten. Zugleich bedarf es systematisch -methodischen 
Sammeins für den normalen Durchschnittstypus, im unterschied von aussergewöhnlichen 
Schaustücken, obwohl allerdings diejenigen derselben, die den einheimischen Typus in 
gesunder Entwickelung unter seinen allervoUendetsten Formen darstellen, dahingegen wieder 
besondere Berücksichtigung erheischen würden. 

2) ol loyot ol oTto itüp aQX^y (o avlloyiauoi) neben ol loyot 0/ fnl rag OQ/dc (»? 
fnaytoyij). „Wissenschaft (kritisch gesucht und methodisch eingeleitet) ist die enge Pforte, 
die zur Weisheitslehre führt" und ^in Ermangelung der Mathematik" ist ein der Chemie 
ähnliches Verfahren einzuschlagen, um die „Elementarbegriffe zu zergliedern" (s. Kant). 

3) Ratio syllogizat, et nescit, quid syllogizet, sed mens informat et dilucidat, et 
perficit ratiocinationem, ut sciat, quid syllogizet (s. De Cusa), indem aus der objectiven 
Durchforschung das Verständniss mit den Resultaten derselben in's eigene Bewusstsein 
zurückkehrt (für subjective Klärung desselben). Die Seele (unkörperlich) ist ein tlSog 
(8. Richter), die erzeugten Seelen sind rqi (tSn (bei Plotin), für Objectivirung der Ideen 
(im Gesellschaftsgedanken). 

4) Die scholastische Controverse entscheidet sich (bei Albertus M.) dahin, dass die 
Universalien sowohl ante rem, als auch in re und post rem seien (s. Stöckl), und die 
Controverse über das ^Primum cognitum", ob die Sprache mit Aufstellung von Sonder- 
namen (s. Ad. Smith) oder Allgemein -Namen (bei Leibnitz) beginnt, erledigt sich durch 
die Beobachtungen an Wilden und Kindern, im Beginne mit dem „unbestimmt Ver- 
worrenen" (bei Hamilton). „Das erste, wirklich erkannte Object ist das allgemeine; ver- 
möge dieses Object's erkennen und nennen wir später individuelle Objecto, von welchen 
irgend eine aUgemeine Idee ausgesagt werden kann, und erst auf der dritten Stufe werden 
diese so erkannten und genannten individuellen Objecte wieder zu Repräsentanten ganzer 
Klassen und ihre Namen oder Eigennamen werden zur Appellativen erhoben" (s. M. Müller) 
für Abstractionen aus anfanglich concreter Bedeutung (bei Locke) mit bildlicher Er- 
weiterung (in Metaphern). Das sog. „reine Denken", das Denken ohne Anschauung ist 
ein Gespenst, welches nirgendwo Heimathrecht hat, jedenfalls nicht im Tageslicht (s. 
Kroman), so dass auch das Psychische an Bilder der Gedankenverkörperungen (aus 
gesellschaftlichen Schöpfungen) anzuknüpfen hat (wie am ethnischen Horizont erscheinend). 
Das reine Denken, als „reine Unmittelbarkeit des reinen Denkens" (s Erdmann) ist das 
reine Sein (bei Hegel), als Nichtsein (in buddhistischer Negation). Unter einem Dämon 
wird die in Wirksamkeit tretende Seelenkraft verstanden (bei Plotin), die Kraft, die un- 
mittelbar höher ist, als die, welche wir ausüben (s. Richter), im (sittlichen) Ideal (bei 
Steinhart), also ebenfalls in Personifikation, wie im Fetischismus für die niederen, so hier 
für die höhemn Geisteswirkungen (in der, bei organischem Wachsthum directer Be- 
herrschung mehr und mehr entzogenen, Freiheit gewollten Vorstellens im Denken). 

ö) Die Forschung kann den Weg zum Unbedingten nicht durchmessen, aber die 
Dichtung vermag es (s. Wemicke) , voranfliegend über die Bahn , auf welcher in schritt- 
weis messender Arbeit die Induction zu folgen hat (dauernde Resultate für die Wissen- 
schaft zu gewinnen). Das Universum ist ein Gedanke von uns, in diesem Gedanken lebt 
das Universum ein ewig ideelles Leben (s. Silberstein}, aber ein wirkliches erst im ob- 
jectiven Verständniss (durch die Inductionsarbeit). L'id^e de Tetre en g^n^ral se trouve 
implicitement dans toutes nos pens6es, dans toutes nos affirmations; or Tidee de l'ctre 
dans toute son ^tendue est Tidöe de dien, Petre est son nom (s. Maret). Die Idee des 
Seienden (als das ideale Sein) gilt dem Geiste eingeboren (bei Rosmini Serbati). Alles, 
was der Mensch durch seine Intelligenz geworden ist, das hat der Hunger bewirkt 
(6. H. Schneider), „der Mensch ist, was er isst", (tQX*i *"^ ^'^^ narros aya&ov ij irjs 
yttOTQot Tj^ori, doch „stehet geschrieben: der Mensch lebt nicht vom Brode allein" (und 
„Wasser thut's freilich nicht"), obwohl „Kunst gehet nach Brod" (1590). Meta autem 
scientiarum vera et legitima non alia est, quam ut dotetur vita humana novis inventis 
et copüs (s. Bacon), und so beginnt auch die Ethnologie üppiger zu treiben, seit sie 



Digitized by 



Google 



LXIV 

practische Wurzeln eingeschlagen hat, (in internationaler Colonialpolitik). „Nor diejenige 
Wissenschaft gelangt zur Blüthe, welche irgendwie zugleich den practischen Interessen 
der Gesellschaft dient" (s. M. Müller), und so aus realen Wurzeln, wie den Futterkrftutern 
die Botanik, der Feldmesskunst die Geometrie, erwuchs aus den Arzneien die Medicin und 
aus ihr femer „der Gipfelpunkt aller Naturwissenschaft* (in der Anthropologie). Der 
Mensch kann sich nun einmal hei einem hlos tMerischen Dasein mit thierischen Idealen, 
mögen die Lebensformen auch im Uebrigen noch so verfeinert sein, unmöglich zufrieden 
geben (s. Pesch), und so, nachdem alle Surrogate fehlgeschlagen, aus religiösen oder 
philosophischen Rüsthäusem, bleibt nur das naturwissenschaftliche (wenn daraus eine, 
inductiver Methode genügende, Psychologie zurecht zu schneiden sein wird, für Schatz 
und Trutz). 

6) Ipsa materia, carens forma atque colore, omnino invisibilis sit et incorporea 
(s. Erigena). Materia non invenitur, nisi cum forma, nam si sine forma reperiretur, tone 
id, quod non esset, esset (bei Averroös). Qualiter deus et quae dicta est primordialis 
materia non possunt intelligi (s. Gilbert de la Porree). Cuncta ex entitate a deo data et 
ex non entitat« a nihilo contracta componuntur (s. Campanella) in der Privation eines 
fuij 6> (bei Plato) oder Köre (der Maori). Penitus iners, ignava et veluti demortua, obscura 
invisibilisque, nigra (s. Tilesius) die Materie (den Kraftwirkungen der Wärme und Kilte 
ausgesetzt). „Coelum ens nimirum constitutum est calidissimum'' („frigus contra^ in der 
Erde), und so der primordiale Gegensatz von Uranus und Gäa, in Rangi und Papa (poly- 
nesischer Kosmogenie). Zum voüg, als denkendem Subject, gehört das povitoy (bei Plotin). 
Mentis opificum, quo ex sensibili mundo in intellectualem scandit (s. Bovillus) liegt ^for 
das Transcendente) in der „forma rationalis*^ oder „forma intellectiva^ des Menschen 
in seiner kleinen Welt, als halbmitten zwischen geistiger und materieUer (und ihrer 
Seele). 

7) Intellectus agens et possibilis sunt omnino idem re ac actione (s. Occam). Homo 
est notio quaedam intellectualis iu mente divina altemaliter facta (s. Erigena). Der 
Mensch ist zwar unheilig genug, die Menschheit in seiner Person aber muss ihm heilig 
sein (s. Kant). Gijato t« /uky (fva^i Ifyofitva nonind^ui &tt(f tix^O (^' Pl**^)« 

8) „Ausdrücke, wie Natur, Gesetz, Freiheit, Nothwendigkeit, Körper, Substanz, Materie, 
Kirche, Staat, Offenbanmg, Eingebung, Erkenntniss, Glaube, werden in den Wortkriegen 
hin- und hergeschleudert, wie wenn Jeder sie kennte und in demselben Sinne gebrauchte, 
während doch die meisten Menschen und ganz besonders die, welche die öffentliche 
Meinung repräsentiren, diese complicirten Ausdrücke in ihrer Kindheit auflesen, indem sie 
mit den unbestimmtesten Begriffen anfangen, dann von Zeit zu Zeit etwas mehr hinem- 
legen, vielleicht auch ebenfalls auf's Gerathewohl einige ihrer unwillkürlichen Irrthümer 
verbessern, aber niemals sich, so zu sagen, ein sicher angelegtes Wortcapital bilden, 
niemals geschichtliche Forschungen über die Ausdrücke anstellen, mit denen sie so frei 
herumspringen, und sich auch nie ihrer Bedeutungen, ihrer ganzen Fülle und ihrem 
Umfange nach, den genauen Regeln logischer Definition gemäss, versichern" (s. M. Müller), 
und eine Psychologie, für welche „die Ausdrücke „idea**, „conception", „notion" so wenig ge- 
schieden sind, dass sie fast mit einander vertauscht werden können" (s. Hamilton), bedarf 
gewiss naturwissenschaftlicher Massregelung (oft mehr in anderer Sprache, noch als im 
Englischen). La parole est le corps de la pens^e, Tintelligence prend donc un corps dans 
la parole (s. Bonald), und verkörpert sich so unter derjenigen Form, welche bei den 
mehr weniger zufällig gegebenen Umständen des jedesmalig geraden linguistischen 
Verkehrs am bequemsten nahe liegt, so dass sich für weitere Verarbeitung derselben in 
culturhistorischer Entwickelung complicirte Berechnungen nöthig machen (bei der Adoptirung 
von neu entstehenden Ideen). Durch Benutzung der „natürlichen Sprache" (bei Absehen 
von einer Kunstsprache) ist in der Logik ein grammatisches Element eingeführt, das die 
Sache nichts angeht, sich indess mit dem logischen so eng verschlungen hat, dass die 
verschiedenen Eintheilungen der Urtheile auf einer verwirrten Mischung von logischen, 
grammatischen und realen Principien basiren, wie auch die der Schlüsse (s. Kroman), 
während die unter Mitwirkung der Sprache zur Ausübung gelangende Denkthätigkeit an 
den Thatsachen der Aussenwelt controllirt werden muss (objectiv). 



Digitized by 



Google 



LXV 

9) Les savant mat^rialistes , qai sontiennent Forigine simienne de rhomme, ont M 
devances, daos leur opinions par certains sauvages de Madagascar, qui ^pretendent des- 
cendre da singe a courte queue, dont le cri ressemble a la voix de rhomme, qai appelle, 
et en cons^qaeiic ils rendent les honnears fanebres aax singes de cette espece, qu^ils ren- 
contrent morts" (s. Loadun). Le singe, l'oars et le negre sont group^s ensemble, comme 
des races hamaines dögradees issnes da commerce entre des hommes et des esprits 
maavais, deos, drujs et pariks (s. Casartelli). Die Bewohner von Formosa (Pi-she-yeh-kao 
or the land of vampire demons). ^like wild beast«, not belonging to the species of man** 
speak an inintelligible language, (fond of ironware), nach dem Wen-Uson Tang Kao 
(XIII. Jrhdt.). Die Orang Binna vervollkommnen sich aas den Affen, in Ascendenz, wo- 
gegen die Descendenz der Tibeter abw&rts geführt hat, von der Frömmigkeit äffischer 
VorfiJiren (mit der Reliquie des heiligen Zahnes in Lanka-Dwipa). 

10) Non animam de anima creat Dens, sed singillatim de nihilo eas facit (Hilderberi 
Lav.), während der Tradux die an den Kindern gestraften Sünden der Väter rechtfertigt 
(mit der Erbsünde). 

11) Betreffs der Lehre über die „Influences jnatemelles" pendant la gestation sur les 
predispositions morales et intellectuels des enfants (bei de Frariere), toute femme devrait 
s'en p^netrer et „du jour oü eile a Tespoir d'etre mere, redoubler de vigilance morale" 
(1883), ein Problem, woran auch die Indianer am Orinoco (s. In Thurm) ihren Scharfsinn 
erproben, zum Besten der Paternität (in der Couvade).- Indem die Seele des Kindes, im 
Act der Zeugung, von den Seelen der Eltern geschaffen wird (per creationem secundariam), 
wirken diese in der gottlich mitgetheilten Macht (nach Frohschammer) , und obwohl in 
(nigritischen) Stammesvererbungen wiedererkannt, gilt Dsogbe als von Mawu aus dem 
Seelenhimmel gesandt (bei den Eweem). Die Liebe beruht auf der Einheit der Seelen 
(bei Plotin); nur weil es eine Seeleneinheit giebt, vermögen die Zaubergesänge und 
magischen Künste die getrennten Seelen zusammenzuführen und sympathisch zu machen 
(s. Richter), im organischen Zusammenhang (des Kosmos). 

12) Mit „phonetischer Corruption" (lautlichem Verfall) „wird nicht nur die Form, 
sondern die ganze Natur der Sprache zerstört** (s. M. Müller), für höhere Zwecke indess, 
indem die im mächtigen Schwünge über alle Schablonen -Umfassung hinauswachsende 
Gedankenentwickelung, wenn durch die Cultur gezeitigt, die Reduction des Hülfsinstrument's 
auf möglichst einfache Form verlangt (im Gegensatz zur unbehülflich coraplicirten 
Sprache der Naturstämme). 

13) Rem concipit intellectus, intellectum voces designant, voces autem litterae signi- 
ficant; rnrsus horum quatuor duo sunt naturalia, id est; res et intellectus, duo secundum 
positionem hominum, h. c. voces et litterae (s. Heiricus Aux.). Eine Anordnung der Merk- 
male eines Begriff's ist eine Permutation dieser Merkmale oder des Begriff's, und sämmt- 
liche Permutationen bilden heisst permutiren (s. Bartholomäi). Unum quodque sicut 
custodit suum esse ita custodit suam unitatem (Thom. Aq.). Die Wahrheit der Verstandes- 
erkenntniss beruht auf einer Gleichung (adäquatio) der Erkenntniss mit dem Erkannten 
(s. Helmont), in psychologischer Behandlung (für die Induction). 

14) Si res consideres, eidem essentiae et generis et speciei et individui nomina im- 
posita sunt (s. Ad^lard de Bath). Universale dicitur perpetuum, eo quod abstrahit a 
tempore (s. Suarez). Als Lehre von der „Grösse** (aus gleichartigen Theilen zusammen- 
gesetzt) in der qnantitas eitensiva (neben intensiva), fasst die Mathematik diese (als 
Vielheit des Gleichartigen im Eins) auf der Grenze (zwischen Negation und Position). 
Die Schwere muss von einem Agens hervorgebracht werden, welche nach einer beständigen 
und bestimmten Gesetzen entsprechenden Weise wirkt (s. Newton). Titta^a elpai twv 
oriMF cjoij^titt, lehrte Xenophanes (s. Diog. Laert.); jsaaaga rcui' jtayiior ^i^oi^ntra (bei 
Empedokl.). Der Uebergang aus dem Zustande der dvvafii^ in den der iyigyeia ist nicht 
als älXoüooi€ zu bezeichnen (s. Plotin), weil eine Entwickelung (organischer Kraft). 

16) NuHatenus inteUigit hominem nisi humanam personam (Roscellinns). Das Einzelne 
ist des Allgemeinen, nicht das Allgemeine des Einzelnen wegen da (s. Plethon). Im 
Individuations-Princip der Materia signata (quantitativ abgegrenzt in der „materia com- 
munis") ist die Quiddität (als allgemeine Wesenheit) individuirt (bei Thom. Aq.). Die 

BastiaDf ArcbipeUgo. II. 6 



Digitized by 



Google 



LXVI 

Wesenheit des Menschen (humanitas, anunal rationale) ist aUen einzehien Menschen 
gemeinsam (s. Stöckl). Essentiae vel quidditates generum vel speciernm individaaotnr 
secnndnm materiam signatam hujus vel illius individui (in definitio hominis, in quantnm 
ponitnr homo, materia non signata). Jedes Ding, welches ein Gegenstand des Wissens 
ist, hat Zahl, Ordnung der Lage, und diese bilden die ersten Grandlinien für einen üeber- 
blick des Weltall's (s. Spottiswoode). Unterschieden wird nur, was getrennt wahrgenommen 
worden ist (s. Stumpf). Das Bewusstsein (in Unterscheidung von räumlich -zeitlichen 
Concretionen) erweist sich „als absolut identisch in allen Menschen-Individuen" (s. Schuppe). 
Das Bewusstsein vom Wirklichen ist das unumgänglich nothwendige Mittel aUer Erkenntniss 
eines Wirklichen (s. Uphues) in der Vorstellung (als Bewusstseins-Inhalt von einem körper- 
lich Wirklichen) neben Begriffen (als einfache). Das Weltganze zu erkennen, haben wir 
berechtigte Hoffnung, denn unsere auf das Allgemeine gerichtete Vernunft findet ihre 
eigenen Gesetze in den Dingen wieder (s. Kirchner), und wird in Wachsthumsprocessen 
selbst den der Existenz verstehen, nachdem auch die Realitäten des Völkergedankens nator- 
wissenschaftlich durchforscht sind (in psychologischer Induction). 

16) „Es giebt ein unzerstörbares. Allem zu Grunde liegendes Sein, das, vielleicht an 
sich unerkennbar, sich fortwährend als höchste Wirklichkeit bezeugt Es ist aber nicht 
nur die Grundlage des Stoffes und der Bewegung in der Aussenwelt, sondern auch die 
Bedingung für die Möglichkeit unseres eigenen Bewusstsein's** (s. Kirchner) und Fort- 
dauer persönlichen Elementes (in den Gedankenschöpfungen). Der Maori lebt fort im 
Nachruhm (s. Hlg. Sg. d. Pin., S. 54), ]a vraie immortalit^ de Pame (für Napoleon le 
Grand). Relinquamus aliquid, quo nos viiisse testemur, im Ruhm „des Schweisses der Edlen 
werth" (bei Klopstock). 

17) Et tenebrae erant super faciem abyssi, die kreisenden Umächte (der Po) übei 
Kumulipo (als Abgrund eines Bythos). Aus dem Köre tritt bei den Maori die schöpierische 
Entwickelung her^'or, gleich den Nidana (aus Avidya), die Materie setzend, als vnoxtifiipor 
II xal vTtoSoxrjy ilSajy (bei Plotin). 

18) Et formae quidem sunt perfectiones, per eas enim complentur et perficiuntor 
essentiae rerum (s. Avicenna). Ex superessentialitate suae naturae, in qua dicitur non 
esse, descendens, in primordalibus causis a seipso creatur (s. Erigena), in ngtororuna oder 
ngoogiofiata (»ita n'^tlrifAtna). Im Buddhismus überschlägt sich das Sein in Nichtsein 
zur Realität (aus dem Gegensatz mit Maya). 

19) L'honmie est une machine, qui, mise en mouvement par la sensibilite physiqae, 
doit faire tout ce qu'elle execute (s. Helvetius), wofür das mit der Psychophysik ansetzende 
Verständniss sich im Gesellschaft^gedanken zu entfalten hat (ethnologisch). 

20) Im Unterschiede von der individuellen begreift die formale Einheit (der Scho- 
lastiker) die Art in der Schwankungfsweite ihrer Varietäten für die Distinctio formalis (als 
distinctio ex natura rei). 

21) Die Anpassung einer Organisations- Einrichtung macht sich meist erst im aus- 
gebildeten Zustand des betreffenden Organes geltend (s. Wigand), denn „ein im ersten 
Hervorsprossen begriffenes Flügelpaar leistet nicht mehr, als ein in der letzten Ver- 
kümmerung begriffenes, es macht seinen Träger nicht geschickter zum Flug" (s. Henle), nnd 
jeder unfertige Uebergangszustand hätte sich selbst zu negiren (durch eigene Vernichtung). 
Die „Auswickelimgen" (der Art^n, als „Abartungen und Rassen in derselben Gattung") 
erscheinen „vorgebildet" (s. Kant). L'id^e de cause est puisöe dans notre äme (s. Dornet 
de Vorges). „Der Zufall aus allgemein mechanischen Gesetzen könnte solche Zusammen- 
passungen nicht hervorbringen" (indem in der „Zusammenpassung" das Gesetz eines 
Zusammenhang's eo ipso involvirt trägt). 

22) Quaedam species cum suis generibus simul naturaliter existunt, ut nullatenns 
genus sine illis sicut nee ipsae sine genere esse potuerint (s. Abälard). Neben dem Gcnns 
im „Praedicabile de pluribus species differentibus** ist die Species im ^Praedicabile de 
pluribus numero differentibus" (s. Scotus). Universale est illud, quod solet praedicari de 
pluribus (s. Averroes). Jede Gattung ist (in der Mineralogie) eine besondere Substani 
oder sie ist eine besondere Crystallisation derselben Substanz (s. Tschermak). 

23) Die Erklärungsmöglichkeit bedingt sich nach dem Standpunkt der Betrachtung. 



Digitized by 



Google 



LX VII 

Ffir den Chemiker bleibt in der Pflanze Vieles unerklärt, alles Dasjenige eben, was über 
die von ihm durchforschten und beherrschten Wirkungen chemischer Substanzen hinaus- 
Mt Für den Botaniker dagegen (der die von dem Chemiker, auch für das vegetabilische 
Reich, überlieferten Resultate als gegeben entgegenninmit) , ist aus dem vergleichenden 
üeberblick der cellularen Wachsthumsprocesse im Pflanzenreich, ein allgemein gültiges 
Gesetz derselben für die Pflanze selbst abstrahirbar, und insofern (nach seiner Auffassungs- 
weise) erklärt. Erklärt nämlich innerhalb der relativen Verhältnisse (folgends einer Be- 
rechnnngsmöglichkeit partieller Werthgrössen) , während im Absoluten hier ebensowohl 
wie beim Chemiker (wenn über die Wechselwirkung der Elemente hinaus die von diesen 
gezogenen Schranken überschreitend), eine Erklärung ausfällt, und über ihre Möglichkeit 
selbst jede Aussage ermangeln muss, so lange nicht eine naturwissenschaftliche Durch- 
bildung der Psychologie die Rückkehr aus objectiver Betrachtung zu subjectivem Ver- 
stindniss anbahnen wird. Jeder Lehrsatz enthält Svvafiu die ganze Wissenschaft (bei 
Plotin) im logischen Rechnen organischer Entwickelnng, und so entfaltet sich o xagnog^ 
too nvivfjittiog (ict l^yo i^g aaQxog gegenübergestellt), beim steten Fortstreben, denn 
fitraßdkloy uvanaviiai (s. Herakl.), in Erholung durch Wechsel der Beschäftigung, 
während einförmiges Fortverharren in gleicher Thätigkeit zur Ermüdung führt {xafAttJog 
toti loiq avtoTg fAOX^'iiv x«i ay/€«T*at). 

24) En transposant pour ainsi dire les conceptions supranaturelles dans les termes de 
la natnre et de la conscience, on peut ä quelques-unes laisser une certaine place en 
morale. Le point de depart est alors ce fait experimental que nous avons conscience de 
nous-memes, et que nous concevons cepeildant les autres consciences et l'univers, mais 
Sans pouvoir nous expliquer d'une maniere adäquate ni le sujet conscient, ni l'objet pensö, 
ni la transition du sujet a Tobjet Qu'est-elle en realit^, cette conscience qui se pense 
en pensant le reste, cette conscience sur laquelle on a fait taut d'hypoth^ses, indivisible 
pour ceux-ci, divisible et composee pour ceux-la, fermee selon les uns, ouverte et pen6- 
trable selon les autres, radicalement individuelle selon les uns, capable selon les autres 
de s'6tendre a des societes entieres, ä des groupes de plus en plus vastes, et de se fondre 
ainsi avec les autres consciences elementaires dans une conscience commune et sociale? 
C'est lä le grand probleme, car la conscience est sui generis, incomparable: 6tant le fond 
et la condition universelle de toute pensee par laquelle nous reduisons une chose k une 
aatre pour Texpliquer, la conscience est elle-meme irreductible. On ne peut pas la faire 
rentrer dans un genre sup^rieur, on ne peut pas non plus en marquer la difference propre 
avec d^autres choses du meme genre, eile echappe aux fontions essentielles de la com- 
prehensibilite scientifique; eile est donc la bome non pas transcendante, mais immanente 
de la connaissance scientiflque: an lieu de l%Inconnaissable'* , nous donnons pour limite 
a la connaissance meme. De la le principe de la relativite des connaissances. De 14 
anssi Tid^al que nous nous formons d^une conscience universelle qui envelopperait toutes 
les autres, d^une soci^t^ universelle des consciences (s. Fouillee). Um indess hier einen 
gesicherten Ausgangspunct der Forschungen zu gewinnen, wird es sich zunächst um 
scharfe deutliche Anschauungsbilder handeln (in den gesellschaftlichen Schöpfungen des 
Völiergedankens) , um nach den Methoden der Induction die Bearbeitung beginnen zu 
können, bei wahlverwandtschaftlich gesetzlicher Wechselwirkung (wie zwischen den Aro- 
mana zu ihren Ayatana). Veras perfectusque cognoscendi modus modum sequitur essendt 
(s. Ficinus). Der Character der Existenz besteht darin, dass sie die unmittelbare Einheit 
der Reflexion-in-sich und der Reflexion-in-Anderes darstellt (s. Hegel). Indem die Dinge 
durch ein göttliches Denken entstanden sind, können sie wieder gedacht werden (nach 
Wilhelm Rosenkrantz) im Mikrokosmos (des Menschen). 

25) Tutum iter est, jucundum est, ad quod natura te instruxit (s. Seneca). Omnis 
cognitio fit secundum similitudinera cogniti in cognoscente (s* Thom. Aq), in harmonisch 
begründeter Wechselwirkung (zwischen inneren und äusseren Ayatana). Die Art ist ein 
Sammelbegriff, der die Individuen gleichartiger Natur, in eine Einheit zusammenfasst 
(bei Abälard). Das Universale (als Praedicabile de Pluribus) ist ^Unum in multis et de 
multis** (bei Duns Scotus), in der Einheit (für logisches Rechnen auch). Le fini appelle 
de tous cot^s Tinfini, mais par des qualites, qu'il possede en lui-mcme: il suffit donc de 

e* 



Digitized by 



Google 



Lxvni 

coimaitre ses qualit^s pour en indaire rinfini (s. Dornet de Vorge8\ and so ans Bekanntem 
das Unbekannte zu finden (im psychologischen Rechnen). 

26) „II est aussi ridicule de se mettre en col^re poor les fantes et les bizarreries 
des autres, que de s'offenser de ce qu'il fait mauvait temps" (s. Nicole). Nicht freilich 
kann machtloser Zorn hier helfen, sondern die Macht verständiger Massregeln zu bessern 
(oder doch vorherzusagen), wenn „measures, not men" keine ^heuchlerische Phrase*" (bei 
Burke). Mit den von der Natur eingegebenen Principien des ^common sense*" darf die 
„speculative Vernunft und Philosophie** nie in Gegensatz treten (nach Thomas Reid), nm 
die Durchschnittsnorm im Volksleben zu wahren (unter dem Gleichgewicht statistischer 
Controllen). Deorum injuriae Diis curae (bei Tiberius). Verum est quod illa humanitas 
quae ante mille annos fuit vel quae heri, non est illa quae hodie est, sed tamen est 
eadem cum illa (creationis non dissimilis). 

27) Le point de vue immanent (c'est-ä-dire psjchologique , social et cosmologique) 
est le seul vrai, au moins le seul intelligible et le seul utile. Le reste est affaire de foi 
individuelle (s. Fouill^e). Die Religion erscheint als höchste Zweckbestimmung, indem es 
keinen höheren Zweck giebt, als die freie Rückkehr des Erschaffenen zum Unerschaffenen, 
zum Göttlichen (s. Pressense) , und indem das positive Dasein des Absoluten ein noth- 
wendiger Gegenstand des Bewusstsein's (s. Spencer) ist, wird es sich aus diesem wissen- 
schaftlich ann&hem lassen, bei Rückkelir zum subjectiven Bewusstsein (Descart^s's) aus 
der Objectivirung (im Gesellschaftsgedanken). Dass die Empfindungen auf gewisse Zustände 
des Leibes sich richten, kommt her von der Einwirkung einer subtilen Materie des Leibes 
auf die Substanz der Seele oder umgekehrt von der Einwirkung der Substanz der Seele 
auf eine subtile Materie des Leibes (nach Crusius), im Sjstema influxus physici (s. Stöckl) 
der Wechselwirkung (für menschlichen Mikrokosmos). 

28) Die neue Form tritt mit einem Schlage, vollendet in ihrer weiten Abweichung 
von der Stammform in die Erscheinung (s. Hofmeister), nach dem Summiren kleiner 
Differenzen, Generationen hindurch, wenn eben der Moment der Reife gekommen f&r 
organische Entfaltung (und indem der Mechanismus vom Bande einer Gesetzlichkeit um- 
schlungen, sogestalt beherrscht wird, begründet sich darauf gerade der Unterschied des 
Organismus). Le Present est plein du Passe et gros de l'Avenir (bei Leibnitz) im histo- 
rischen Wachsthum (des Geschichtsorganismus). Tempus in cogitatione animi reperitor 
(s. Aug.), von der Seele abhängig (bei Aristoti.), als Zahl (motus secundum prius et 
posterius). Die Null ist die Negation der Position der Eins (s. Bartholomäi). Ens prope 
nihil (als Materie). 

29) Les aptitudes d'imitation acquierent une energie plus vive k mesure que les elements 
g^uerateurs capables de les enfanter sont plus abondants, que la masse humaine est plus 
compacte et que le milieu oü elles s'exercent est plus dense (s. Luys), bei legitim re- 
ligiöser Begeisterung pathologischen Verirrungen ausgesetzt (in psychischen Epidemien etc.). 

30) Jeder Fortschritt in den menschlichen Verhältnissen ist das Werk der unzufriedenen 
Geister (s. Stuart Mill). Toute manifestation des instincts de Tame, des sentiments et 
des passions de toute nature, excite des sentiments et des passions semblables chez les 
individus qui sont susceptibles et de les eprouver a un certain degr^ (s. Despine) und das 
uormal Gesunde wird schliesslich dominiren (als Stärkstes). Die sociale Tugend liegt 
darin, dass der Mensch sein Vergnügen zum Opfer bringt, nm, dem Interesse Anderer 
dienend, die grösste Summe des Vergnügens für sich selbst zu erlangen (s. Bentham), 
wobei die Werthschätzung von der Richtigkeit des Verständnisses abhängig blieb, wie 
bei dem Recht des Stärkeren, das aus brutalem Fausthandwerk sich veredelt bis zur 
Gesetzeskraft. Sitzt die Kraft irgendwo, so sitzt sie nur im Gesetz, das zugleich Gesetzes- 
kraft ist {ß. Fechner}, im psychologischen Verständniss auch (aus ethnischen Thatsachen). 

31) Intellectus agens (qui infinit in animas nostras, illuminans ad scientiam et vir- 
tutem) non est pars animae, sed est substantiae intellectiva alia et separata per essentiam 
ab intellectu possibili (^ Roger Bacon), ein (^vQa&tv zutretender rovs^ dessen natürlicher 
Zusammenhang mit den im Bewusstsein empfundenen Regungen ei-st durch eine Infinitesimal- 
rechnung fixirt werden kann (im psychologischen Oalcul). 

32) Sobald nur dem aus wälschem Pfafi'euthum, vou jenseits der Berge her, seit 



Digitized by 



Google 



LXIX 

Jahrhmiderteii Deutschland eingebohrten Stachel die vergiftende Spitze abgebrochen ist, 
wird kein confessioneller Hader läDger Zwietracht säen zwischen den katholischen und 
protestantischen Brüdern des grossen Vaterlandes. National wallt unser Leben zu deut- 
scher Einheit hin, unter der Führung der in ihren geschichtlichen Schöpfungen verehrten 
Führer, frei von den Fesseln kirchlichen Zwanges, und geeint mit den Stammesverwandten 
gleicher Culturaufgaben. Und doppelt willkommen für fernere Blüthe, wenn ein auf 
anthropologischer Grundlage geeinigt^r Yolksstamm sich mit dem unseren auch in fürst- 
licher Verschw&gerung verbindet, wogegen künstlich geschürzte Allianzen (oder Mesallianzen) 
m des Unheirs Tagen das Unheil beschleunigt haben. Manchmal schon hat laut und ent- 
scheidend sich des Volkes Stimme erhoben, um das monarchische Princip zu stürzen, das 
im particularistischen Interesse die Macht der Massen zu verachten wagte, verblendet und 
eingelullt dnrch hündische Schwanzwedeleien (gleich Speichelleckerei an weifischen Thrones- 
stufen). Nicht weil in goldener Wiege geboren, ehrt den König der Freie, aber frei giebt 
er sich hin, als Sclave seines Königs und Kaisers, in dem sich der geschichtlich berufene 
Hort des Vaterlandes erkennt. Schön und erhaben das Schauspiel, wenn über der staat- 
lichen Basilika sich die kirchliche wölbt, wenn das religiöse Leben im gleichlautenden Ein- 
klänge hinwallt mit dem nationalen, in frischer Förderung eines aus naturgesunden 
Wurzeln aufblühenden St^atsorganismus. Sein Interesse möge in idealistischer Verklärung 
dann zurückstrahlen aus dem der Religion, wogegen diese, wenn in selbstsüchtigen Wider- 
streit tretend, sich damit als falsche erklären und ihre Zertrümmerung zur Pflicht machen 
würde. 

33) Prima autem et fundamentalis lex naturae est, quaerendam esse pacem (s. Hobbes) 
in der Friedensgenossenschaft (der Naturstämme), im A4)schluss mit historischer Umgebung 
(»uf anthropologischer Grundlage in der Topik). Wie Luft-, Land- und Wasserthiere den 
Einfluss der Milieu beweisen, so die botanische und zoologische Physiognomie der geogra- 
phischen Provinz, deren Index der jedesmalige Organismus bildet, für feinere Detail- 
betrachtungen seiner Variationen (mit entsprechenden Vicarirungen) für die Gattung in 
den Arten (oder innerhalb dieser). Saepe idea (tiS^a) redditur Genus, sicut tl^oe (s. Stph. 
Bjz.). In der Theilnahme des Endlichen an den Ideen, besteht sein Wesen (s. Plato). 

34) Monas seu substantia simplex in genere contiuet perceptionem et appetitum 
(s, Leibnitz). Les etres sont les forces et les forces sont les etres (s. Maine de Biran) in 
den Molekülen, als Dynamiden cbei Redtenbacher). Hoc, quod ipsa sunt intellecta in 
effectu, et quod ipse est inteUectus in effectu, unum et idem est (nach Alfarabi), in 
Reflexactionen wechselwirkend. 

35) Nichts ist leichter, als im Allgemeinen und mit allgemeinen Federstrichen eine 
Beglaubigung der Descendenz- Theorie durch die paläontologische Forschung zu zeichnen 
(s. Jürgens). „Die Schwierigkeit beginnt erst, sobald wir unsere Aufmerksamkeit dem 
Einzelnen zuwenden" (1883). Und da die bisher, so lange sie ihr Princip bewahrte, un- 
unterbroche siegreiche Naturforschung, ihm untreu wurde, in Urtheilen über das Geistige, 
ehe noch dessen Domäne in naturwissenschaftlicher Psychologie gleichfalls hätte bemeistert 
werden können, muss es hingenommen werden, wenn es heisst: En presence de tant de 
Süffisance, de si peu de premier et de tant d'ignorance, on hesite entre le d^dain et 
1 indignation** (s. Loudun). So werden die treuen Zeugen der Natur lieber treu am natur- 
wissenschaftlichen Princip festhalten (auch für die Psychologie). „Es giebt wohl kein 
System, dessen Beweisführung so elend und erbarmungswürdig ist, wie die des materia- 
listischen System's'* (s. Stöckl), das in der den Adepten selbst schwerverständlichen Kunst- 
sprache der Metaphysik zu reden sucht, ohne das Alphabet noch gelernt zu haben, wie es 
der Physik und zugehörigen Naturwissenschaften, in der Psychologie nur zugänglich 
sein kann. - 

36) Alles wirklich Leere ist synthetisches Urtheil (nach Sigwart). Duo sunt modi 
cognoscendi per argumentam et experientiam (s. Bacon). Freilich existiren für den ersten 
Anblick nur Einzelndinge, und von ihnen allein können wir die Allgemeinbegri£[e ab- 
strahiren, aber jene gewinnen wiederum erst aus dem Allgemeinen Licht und Zusammen- 
hang (s. Kirchner). Das Universale (bei Duns Scotus) subjectivirt in den Dingen, existirt 
aber als Erkanntes im Intellect, der es denkend hervorbringt, und auf den Gegenstand 



Digitized by 



Google 



LXX 

zorückbezieht, dessen Einwirkung die Bildung des universale veranlasst (s. Wemei). 
Scientia et potentia humana in idem coinciduut (^Bacon). Je weiter der denkende Geist 
in seiner Forschung vordringt, desto mehr erkennt er, dass es noch unendlich viele Wahr- 
heiten giebt, die er nicht weiss (s. Pascal), ^in heaven and earth" (bei Shakespeare). 

87) ^Das Studium der Sprachen darf keineswegs von anderen Grundsätzen geleitet 
werden, als von denen der exacten Wissenschaften. Warum mit dem Unbekannten statt 
mit dem Bekannten anfangen. Es ist doch offenbar, dass wir zuerst die neuen Sprachen, 
die uns zugänglich sind, studiren müssen, um sie mit einander zu vergleichen und so ihre 
Verschiedenheiten und ihre Verwandtschaft zu entdecken, dass wir darnach zu denen 
weitergehen, welche ihnen in früheren Zeiten vorangingen, um ihre Abkunft und ihren 
Ursprung nachzuweisen und dass wir endlich Schritt für Schritt zu den ältesten Sprachen 
aufsteigen, deren Analyse uns zu den allein zuverlässigen Schlüssen führen muss*" (s. 
Leibnitz). Und so wird von den einfachen Organismen der Naturstämme der ünter- 
suchungsfaden weiter leiten, um unter den verschlungenen Labyrinthen der Cultur- 
schöpfungen gleichfalls orientirende Landmarken aufstecken zu können (für gesetzliches 
Walten). Dann, statt am einförmigen Faden eintönigen Monismus zu drehen, hat sich in 
breiter Ueberschau die Einheit erst herzustellen aus harmonischem Zusammenklingen (im 
Kosmos), und so mag in den teleologischen oder teleophobischen Hypothesen (über Ver- 
besserung oder Verschlechterung der Welt), neben der des Parallellogranmies (bei 
Averrhoes) oder des Kreislaufs (bei Heraklit), die der Hyperbel (ohne Erreichung der 
Asymptote) gestellt werden (bei Leibnitz) oder der Spirale (s. Kirchner) im Fortstreben 
(organischen Wachsthum's in den psychischen Bereich des Unendlich-Ewigen hinaus; um 
seine Früchte zu reifen, aus der Denkthätigkeit). 

38) „In knabenhafter Unreife der Philosophen" (s. Cuvier), ^welche die Natur so 
darstellen, als ob sie vermöge ihrer eigenen Kraft und Vernunft auf die Materie einwirken 
können" (wogegen von Vernunft für sie erst die Rede sein könnte nach ihrer adäquaten, 
nämlich naturwissenschaftlichen Behandlung der Psychologie) Vorher ist deutlich genug, 
dass „ein Wirrwarr nothwendigerweise daraus entstehen muss, wenn die Menschen, ohne 
die Bedeutung der Natur klar ergriffen zu haben, ohne unter einander über die Grenx- 
bestimmnngen dieses Wortes einig geworden zu sein, an eine Untersuchung des Ueber- 
natürlichen gehen" (s. M. Müller), denn erst nach Ausdehnung inductiver Behandlung auf 
das bis dahin, weil als übernatürliches, der Metaphysik angehörig betrachtetes Gebiet 
kann auch dieses einem wissenschaftlichen Verständniss allmählig erobert werden (Schritt 
vor Schritt in methodischem Vorgehen, beim Uebertritt aus den Berührungspunkten 
zwischen Physiologie und Psychologie auf dem der letzteren erbeigenthümlich reichenden 
Terrain des Gesellschaftsgedankens). Unter Abweichung von der natürlichen Ausdrucks- 
weise sind die Dialektiker durch ihre barbarischen Kunstwörter zu Sophisten geworden 
(nach Laurentius Valla) oder selbst auf eine Drehscheibe gerathen, in der „Ars magna", 
als „doctrina sive sapientia kabbalistica'* (bei Raym. Lullus). Im Gallimathias (der specu- 
lativen Philosophen) unterschied sich (beim Kantianismus) ein einfacherer, wo der Verfasser 
den Lesern freilich unverständlich blieb, aber doch sich selbst noch verstanden hat, und 
ein doppelter, „wo der Verfasser selbst nicht weiss, was er eigentlich sagen will* 
(8, C. J. Weber). Und so bedarf es objectiv gesicherter Unterlagen (für die ControUe im 
logischen Rechnen). 

39) Als nächster Versuch breitet sich die Bemeisteruug der Zweiheit^ in dualistischer 
Weltanschauung, dann die der Trinität, um unbeschadet der untheilbaren Einheit der 
Personen (s. Stöckl) aufzuzwingen (bei Abälard) in allen Phasen scholastischer Gedanken- 
verehrung, aber über die drei hinaus muss mit dem Viel der Vier (wenn die Pythagoräer 
am Quatemären noch festzuhalten strebten, wie ägyptische und indianische Theorien) die 
Hoffnungslosigkeit sich allzu lebhaft aufdrängen, um nicht zunächst, bei elementarem 
Rechnen wieder zur Eins zurückzukehren, bis jener höhere Calcul seine Einleitung gefunden 
haben möchte. Die Art und Weise, wie durch Wiederholung identischer Setzungen eme 
Grösse erzeugt werden kann, ist die Zahl, sie ist die Bestimmung, wie oft die Einheit 
gesetzt werden muss, um die Grösse zu erzeugen, oder die Zahl ist das Wieviel (s. ßar- 
tholomäi). Je grösser die Zahl (unter Verminderung der Quadratzahlen), desto entfernter 



Digitized by 



Google 



IXXI 

die unendliche Zahl (bei GalileiV Unendlich ist nur eine Zahl, die grösser ist, als jede 
gegebene Zahl (s. Plotin). Das Absolute ist das Sein (bei Hegel), als Einheit (zum Aus- 
gangspunkt des Eechnens im Denken). 

40) Das hat weiter geführt in der Ethnologie zu den Theorien der Monogenisten und 
Polygenisten, deren Ballast je eher über Bord geworfen, desto besser, denn auf's Gerathe- 
wohl einen Ausgangsheerd des Mensch würdigen zu setzen, ist ein Phantasiren in's Blaue 
hinein, da sich solche Fragen secundär erst anfassen lassen auf bereits vorher geschicht- 
lich verbreiteten und gesicherten Bahnen, während jeder Schritt über festen Pussauftritt 
hinaus aus den exacten Naturwissenschaften hinausführt (in metaphysische Leere). Wenn 
die Linguistik nach Gewinnung einer indogermanischen Sprachfamilie, für diese einen Aus- 
gang im Osten (auf den Pamir oder sonst) oder im Westen (in wolhynischen Sümpfen oder 
im hohen Norden) anzunehmen für gut findet, mögen ihr solche Hypothesen, so lange im 
Kreise der Mitarbeiterschaft gerechtfertigt, denjenigen Nutzen schaffen, den sie sich davon 
verspricht, und bliebe also ihrem eigenen Gutdünken soweit überlassen, w&rend die absolute 
Gültigkeit auch für die übrigen Wissenskreise sich erst nach gegenseitiger ControUe der, 
jeder derselben gewissen, Resultate zur Entscheidung bringen wird. In Aufstellung der 
Kassen-Eintheüung verführte die Selbsttäuschung, in den Femsichten allgemeiner Umrisse 
schon das Ganze verstehen zu meinen, während sich beim Nähertreten das Detail erst 
auseinander zu gliedern beginnt (unter accumulirender Arbeitshäufung). 

41) So weit differiren in der Auslegung des Heuaklit zwei unserer bedeutenden 
Philosophen, dass der eine in ihm schon das Ende aller philosophischen Speculation 
aufspürt, während der andere ihm noch nicht einmal metaphysisches Denken, sondern 
nackten Empirismus zuspricht (s. Bolliger). Wenn das für die Koryphäen gilt (Hegel 
und Herbert), wie wird es dann bei dem Nachwuchs aussehen (unter dem Schwören auf 
ein ai^To; i(pa). 

42) Bei dreidimensionaler Welt als Projection einer vierdimensionalen (bei Kant) mit 
Wiederannäherung der Atome in endlichen Intervallen (s. Zöllner), bedarf es eines etwas 
umständlichen Apparates für den tischverrückenden Spiritismus unserer Universität«- 
Professoren, während es der Neger bequemer hat für seine Materialisationen, die ihn aus 
nächster Nähe im tÄglichen Leben umgeben (für geistige und geistliche Communicationen). 

43) Zrvan (Z«^ouo/u), ov xal Tvxh^ xaXel, (s. Theod. Mops.), wurde mit Bakht 
identificirt (Bagho-bakt im Minoi-i-Khard), als „fortune ou gloire** (s. Casartelli) in Zamanah 
(der Schahnameh), „le destin" (le temps illimite), neben „FEspace" Thwäscha (in Qadhäta 
mit der Zeit). Alles Wissen muss auf einem Glauben ruhen, der selbst nicht aus einem 
Andern bewiesen werden kann, sondern nur aufgewiesen werden kann (s. J B. Meyer). 
Jede Vorstellung des Göttlichen ist durch das nothwendige Wesen der Religion berechtigt, 
und nmss historisch gewürdigt werden (s. Haym). Sumus igitur modi mentis, si auferas 
modum, remanet Dens (s. Geulinx). Gott als Führer der Natur, lenkt Alles nach Gesetzen 
(s. Cleanthes). 

44) Apres la mort, Vkme du d^funt (consideree comme un jeune homme) rencontre 
une jeune fille, extremement belle, si sa vie a et6 bonne, laide et abominable, s'il a mal 
vecu; cette fille en reponse ä ses questions lui declare qu'elle est sa propre religion 
(dtno) et ses actions, bonnes ou mauvaises selon le cas (s. Casartelli), als Fravähar (bei 
Hang), in Geschlechtstheilung (wie Dsogbe Guinea's), und so wird der Gute belohnt durch 
Houri im Paradies (des Islam). Die noch nicht geborenen Fravähar (azaränotäno frohär) 
wohnen im Himmel Garotmano (mit Auharmazd und die Ameshaspend, sowie den übrigen 
Yazd), wie die Seelen in Nodsie mit Mawu (bei den Eweem). Jeder leidet nur das 
Unrecht, das er ausgeübt, wenn welche im vergangenen Leben Herren gewesen, die ihre 
Gewalt missbraucht, zu Sclaven werden, arm, wer den Reichthum falsch verwandt (bei 
Plotin), nach Kraft der Karma (im Buddhismus), bei dem Bühnenspiel der Schatten (des 
inneren Menschen im äusseren), und einzig ernste Beschäftigung ist die ^ca>^/a, wogegen 
aUe auf das äussere gerichteten Bestrebungen des Menschen nur als Kinderspiele gelten 
in den Augen Gottes (gleich dem Tanz der Prakriti, in täuschender Maya). 

4ö) „Verehre deinen Schutzengel in allen deinen Handlungen", lehrt der Archimandrit 
Dorotheus (f 630 p. d). Die Engel stehen Völkern und Orten vor, wie es ihnen von dem 



Digitized by 



Google 



LXXII 

Schöpfer befohlen ist, und besorgen unsere Angelegenheiten, uns helfend (s. Job. Damisc). 
Les esprit« existent, comme les ISem platoniqaes, avant la cr^ation des individus ponr 
lesqneis ils sont destin^s (als Fravahars), c'est par leur propre volonte quMls entre dans 
le Corps (tanu). Pendant la.vie, ils sont intimement li^s avec Tarne (rüb&n on nismo). 
Le Fravahar a le devoir de purifier Tair dans le corps, au moyen du feu, et ainsi d'entre- 
tenir la vie (s. Casartelli). Der Siamese hat sich Reinb'chkeit des Körpers zu befleissigen, 
um seinem Schutzgeist Ehre zu beweisen (der auf dem Scheitel residirt). Toucher la tete 
d'un Lari est repute crime (s. (>ourdioux) in Porto Novo, und für die Danw6 „perdre le 
fetiche- (s. Bouche). Aehnlich in Birma (s. Vlkr. d. östl. As. 11, S. 256). 

46) Quoniam quamlibet causam (earum scib'cet infinito ordine posito) et aliud definire 
ab alioque definiri necesse est, eani, quae immense magis finita fnerit, ab alia se superiori 
definiri consequetur, quamque diximus infinite minus esse finitum, inferiorem definire, qua 
re nihil absurdius esse potest, ut nimirum, quod nihil est, alterius causa sit, et quod est 
omnia perfectissime, alio minus finitum sit et imperfectius (s. Taurellus). Scientia humsna 
et naturalis non potest attingere snbstantias immat^riales nisi incipiens a rationibns, 
quae communes sint illis substantiis et aliis rebus (Suarez), zum Unendlichen strebend 
als „Infinitum in potentia*^, ohne Erreichen des ^.Infinitum in actn^ (bis zum Jenseitsl 
In der Intuition idealer Welt, wo das Früher oder Später nicht als Zeit, sondern in der 
Ordnung erfasst wird, erlischt, mit dem übrigen Lebensprocesse, die Selbsterinnerung (bei 
Plotin), doch hat der das Ganze anschauende Geist auch dasjenige zu schauen, was er 
aus eigenem Selbst am Ganzen mitgewirkt (während individueller Existenz). Indem das 
Denken die ihm gültige Auffassung der Welt als Seiendes setzt, ergiebt sich zugleich 
deren Bestand, dessen Gegensatz das Denken, (in derjenigen Thätigkeitsform, welche jene 
Vorstellung geschaffen hat), ebenlalls bedingen müsste. Im Fortfall des Zeitbegriffes 
involvirt sich die innere Beziehung oder Nichtbeziehung zur Ewigkeit, indem inneriialb 
der Relativ -Verhältnisse des Werdens der Kreislauf des Entstehens und Vergehens stets 
von derjenigen Grenze umfangen bleibt, welche das Denken sich selbst zu ziehen hätte, 
(so dass dieses sein innerliches Selbst erbeigenthümlich nur im Hinübergehen zum Jenseite 
auszuwirken vermöchte) Granting the nebnla and its potential life, the question, whence 
came they? would still remain to bewilder and baffle us (s. TyndaU), und der im Un- 
endlichen an der Peripherie vergebens versuchte Abschluss (zum Anfang), könnte sich 
central nur herstellen in den Kreuzungspunkten harmonischer Gesetze, als erster Anhalt 
für das Denkrechnen (naturwissenschaftlicher Psychologie). 



Digitized by 



Google 



In gegenwärtiger Lieferung folgt im Anschluss an die vorangegangene 
dne Reihe von Inseln, die zum Theil, während der Reisen im Archipel, 
persönlich besucht wurden. Verschiedene Mittheilungen stammen somit 
aus eigenen Aufzeichnungen, andere aus ihrer Zerstreuung in der Literatur 
unter beigefugtem Hinweis. Die Anmerkungen, sofern nicht unter dem Text 
stehend, haben mit diesem einen nur losen, oft fast keinen Zusammenhang, 
weil als Zweck der Ergänzungen geliefert zu den früheren Werken, für 
statistische Uebersicht der ethnischen Thatsachen in dem dafür vorzubereiten- 
den Register. Bis dahin handelt es sich als Hauptaufgabe noch um das Zu- 
sammentragen des Arbeitsmateriars selbst, und bei solchen Sammelbüchem 
gilt für die Leser „ne perlegant, sed ut quisque desiderabit aliquid, id 
tantum quaerat" (bei Plinius). 

Trotz der von Jahr zu Jahr drückender gefühlten Ermüdung solch' 
monotoner Handlangerarbeit, darf sie bei den, unter dem rascher geförderten 
Fortgang der Entdeckungen, unablässig neu ^) hinzutretenden Gesichtspunkten, 
deshalb eben am wenigsten abgewiesen werden, da ohne zuverlässig ge- 
sicherte Bemeisterung der thatsächlichen Aussagen, die Berechtigung aus- 
fallen würde, eine naturwissenschaftliche Behandlung psychischer Phaenomene 
zu proclamiren. Indem jedoch unter all den mit tagtäglichen Ueberraschun- 
gen aufgeöffneten Perspectiven ein völlig unbekannnter Fremdling nirgends 
mehr sich zeigt, sondern von überallher, (bei Entfernung äusserlich täuschender 



1) Gerade im indischen Archipel ist unser Kenntnissschatz ethnologischer That- 
sachen seit den letzt verflossenen Jahren im rapiden] Wachsen begriffen, nicht nur in 
Folge zunehmender Vermehrung durch die Detailstudien der Colonialbeamten an Ort und 
Stelle, sondern auch durch systematisch angelegte Behandlimgen, in belehrenden Beiträgen, 
wie sie Wilken z. B. in rascher Aufeinanderfolge geliefert hat. Ausserdem steht ein Funda- 
mental- Werk in Aussicht, von der Hand eines besten Kenners dortiger Inselwelt, indem der 
Resident Riedel, bei der im vorigen Jahre erfolgten Rückkehr nach Europa, die Ergebnisse 
seiner langjährigen Forschungen for die Veröffentlichung vorbereitet, und uns die Erstlinge 
bereits hat zu Gute konmien lass^-n (s. Vrhdl. d. G. f. E., März 1885). In derartig auf 
sorgfältigem Specialstudium und langjähriger Localkenntniss beruhonden Werken, werden 
sich dann auch gesicherte Anhalte für gleichmässige Schreibart der Fremdworte feststellen, 
während bei der hier cursorisch gebotenen Uebersicht, die Orthographie oft beibehalten 
ist, wie bei jedesmaliger Autorität (besonders unter der holländischen) angetroffen, unter 
vorgezogener Enthaltung von Rectificationen, da die wenige Müsse, welche überhaupt nur 
XU Gebote stand, für den Inhalt beansprucht war, und die äussere Form deshalb meistens 
bleiben musste, wie gerade vorliegend. 



Digitized by 



Google 



LXXIV 

Masken), altvertxaate Gesichter nur grüssen, verstärkt sich die Hoffnung aut 
die Richtigkeit jener elementaren Grundzuge, wie sie bei erstem Beginn 
dieses Studium sich abzuzeichnen begannen und damals in allgemeinen 
Umrissen dargelegt wurden. Indem die darauf folgende Reihe der Ve^ 
öffentlicbungen in ihrem Zusammenhange als ein Ganzes*) zu betrachten 
ist, wird die beim Schluss des gegenwärtigen Werkes beabsichtigte üeber- 
sicht sich gleichfalls anzuschliessen haben. 

Die Aufiiahme der Tafeln ist in dieser Lieferung, ebenso wie in der 
vorigen, durch Herrn A. Krause, Conservator des Ethnologischen Museum's, 
besorgt worden. 



1) Bei der Unmöglichkeit, in jedem Einzelfalle den G^sammt-Umfang des Zugehörigen 
zu wiederholen, bleibt solch selbstverstandener Hinweis in Erinnerung zu behalten, und 
hätte ich so u. A. bei der Besprechung ^des Fetisch" (Berlin 1884) in der „Histoire des 
rehgions" etc. meinen verehrten Herrn Recensenten für die von ihm gefühlte Lücke auf 
vorangegangene Publicationen, z. B. ^Ein Besuch in S. Salvador*", Berlin 1859 (S. 300) in 
verweisen, (u. a. a. 0.). Bei den allgemeinen Zusammenfassungen hat sich dann 
Jedes in seiner Art einzuordnen, wie für die religiösen Vorstellungen, auch für die socialen 
Einrichtungen (im Gesammtbild der Weltanschauung). 



Inhalt. 

Seh* 

Vorwort (Metaphysische Prolegomena für die Psychologie als Naturwissenschaft) . v 

Timor 1 

Tanah-Papua 31 

Rotti. Kisser, Savai u. s. w 60 

Tenimber 90 

Aaru 93 

Key 98 

Beispiele ethnischer Annäherungen in ihren Aussagen 99 



Inhalt der ersten Lieferung. 

Seit« 

Vorwort v 

Halmahera 8 

Vergleichende Zusammenstellung 23 

Temate 61 

Alfuren 107 

Vocabnlarien .120 

Buru 134 

Ceram 142 

Ambon 159 

Banda J64 



Digitized by 



Google 



In einem eigenartigen Character unter den Inseln des indischen Arcbipelagos 
TOD den übrigen abgeschieden, weist Timor weniger in die Richtung der polyne- 
siscben Gruppen (für malayiscbe Beziehungen), noch auch in die der melanesischen 
(von Alfuren zu Papua), sondern eher nach dem australischen Continente Oceanien's 
oder nach ferneren Küsten selbst. 

Der Aufenthalt auf dieser, im Innern fast noch unerforschten, Insel bb'eb ein 
leider kurz beschrankter, auf wenige Tage nur; in Delli (Aug. 14. und 15) 
und Kupang (Aug. 1 1 und 1 2). Doch hatte ich besonders am letzten Orte Gelegen- 
heit, mich der schätzbaren Unterstützung eines verdienten Förderers ethnologischer 
Stadien freuen zu können, des Hrn. Residenten Riedel, dem ich für die mir bei 
den Sammelzwecken gewährten Erleichterungen sowohl, wie für seine gastliche 
Aa&ahme zu schuldigem Dank verpflichtet bleibe. 

Den nachfolgenden Aufzeichnungen, die aus den beiden Anlaufplätzen der 
Postdampfer stammen, sind anderen Berichterstattungen entnommene beigefugt 
(und darauf bezüglich dann vorgemerkt): 

Das Feuer wurde durch Üsi-Neno auf die Erde geworfen, und Ton den Vor- 
fahren der Menschen gefunden (und so in Tasmanien, wo die Stemgeister Castor 
und Pollux das Feuer herabwarfen). 

An den Pachä-wahan (Wurzeln der Erde)') wohnt die Göttin Üsi-Pa, wie 
Mangaia's (gleich einem Kronos) gebückte Greisin (Varimatetakere). 

Die Timorezen beugen sich vor grossen Steinen, um die Gottheit Maromak zu 
verehren, wie Phönizier vor den Bätylien oder (nach Sanchuniathon) Bethels 
(himmlischer Leiter). 

Auf die Frage: „Wer schuf die Sonne?**, folgte die Antwort: Maromak ma- 
kialloh ^ch weiss es nicht, oder Gott machte sie). Quien sabe? Bei allgemeinen 
Sentenzen, im Abschiednehmen, Begrüssen etc., wird (in Delli) das Wort') Maromak 
verwendet, wie auch auf Fragen (in dem Sinne: „Das weiss Gott**). 

Neben der Sonne') (Manas) oder Neno (Oesi-Neno) wird als einziger Gefährte 
(weiblicher Wandlung) der Mond (Foenan) verehrt (schöpferisch in Fiji's Ove). — 
Die Tobor (oder Priester) verehren Usi-Neno in der Sonne und Tatuhan in der 
Erde, als Pomalie (wie Tuma-Pomalie). — Die Sonne taucht Abends in das Meer 
ein, um hinter der Erde hindurch, auf der andern Seite wieder aufzugehen. — Der 
Mond beginnt sich in periodischen Krankheiten zu vermindern, und wächst dann 
wieder (in der Reconvalescenz). — Wie Neno, die Sonne, heisst Usi-Neno (Usi 
der Herr) die Gottheit. 

Der Obergott Oesi-Neno, der Herr des Lichts (in der Sonne weilend) ist 
mit Foenan (Mond) vermählt und die Sterne (Kfoen) sind Sitz der niederen 
Götter, die durch Vermittlung der Nitoe (Geister der Abgeschiedenen) angerufen 
werden. Von den bösen Geistern in der Erde*) (in verschiedenen Gestalten er- 

Bastian, Archipelago. II. 1 



Digitized by 



Google 



scheineod, als Riesen, Eulen a. s. w.) ist Oesi paha (Herr der Erde) das Haupt 
neben Atois. Ausser den Priestern (Tabor) und (den Eingeweideschau übenden) 
Zauberern (Aoteh naoes) finden sich die Beschwörer oder Ana paha (Land- 
beschwörer), welche auf bestimmte Punkte das Leo (Pomali) auflegen und im 
Oeme (Uma oder Ruma) leo oder Oeme pomali (heiliges Haus oder Tempel) opfern. 

— Sonne heisst Manas (in Balu und Timol), Laelo (in Eoepang oder Hfilo), der 
Himmel Neno, und Üsi-Neno (Herr des Himmels) steht gegenüber Usi-Pa (Herr 
der Erde), wie (weiblich) Pa pa in Hawaii. 

Den Dämonen (Nieto oder Nitu) opfernd, blickt der Timoreze auf die Sonne 
und den (mächtigen) Mond, als gute Geister (in Urubatu und Laraula angerufen). 

— Für die bösen Geister (in der Erde) opfert man schwarze Thiere, für die guten 
(in der Höhe) rothe, indem (nachdem ihnen die Aussentheile, Ohren, Schwanz- 
spitze, Nase u. s. w. hingeworfen sind) die Eingeweide untersucht und dann das 
Fleisch gegessen wird (in dem Oemoe leoe oder Tempel, aus welchem die Ver- 
fechter für den Krieg geweihte Wurzeln mitnehmen). 

Wie die Flecken des Mondes zeigen, spinnt der Mann Bilano unter dem Baam 
Nunuk (in Timor). Der Mann im Monde webt, als Wächter der Erde, Fäden 
spinnend, um das Weltall zusammenzuhalten (im Auftrage Usi-Neno's). Die 
Göttin Werjeja spinnt die (an den Sternen endenden) Lebensfäden, am Himmel 
sitzend (in Litthauen), in magischer Sympathie der Astrologen, aber Favorinos 
schon ^mirabatur, id cuiquam pro percepto liquere, Stellas istas, quas a Chaldaeis 
et Babjloniis sive Aegyptiis observatas ferunt, quas multi „erraticaÄ**, Nigidius 
^errones^ Yocat, non esse plures, quam Tulgo dicerentur, posse enim fieri existi- 
mabat, ut et alii quidam planetes pari potestate essent, sine quibus recta atqoe 
perpetua observatio perfici non quiret, neque eos tamen ceruere homines possent 
propter exuperantiam vel splendoris vel altitudinis (homines non quod dicitor 
Xo7ixfl^ Cuiot, sed ludicra et ridenda quaedam ueurospasta). 

Die Gfunen-noa (Sternschnuppen) werden, vom Speerwerfen (Noa) genannt, 
wenn in das Meer fallend, zu Schlangen (auf Timor). Mit Gfunen-itu werden die 
Schwanzsteme bezeichnet (als Kometen). Der Gfung-näno (Abendstem) heisst der 
frühaufgehende (näno) Stern (Gfung oder Kefun), Fafel-momel der Morgenstern 
(Hitu das Siebengestirn). Neno sendet Gewitter (im Donner- oder Blitzstein, als 
Keraunit, von Gelten bis Japaner und Birmesen u. A. m.). — Der Regenbogen 
(Enös) beendet den Regen. Beim Donner oder Lotos (mit Blitz oder Limat) fiült 
der Fatu-mätang, als runder Stein. 

Zur Zeit der Aussaat wird zuerst ein zusammengefaltetes Tuch mit Reis daraaf 
nach dem Feld gebracht, und dort von dem Meo (oder Priester) ein entsprechender 
Stein gesucht. Ist dieser gefunden, unter dem Ausruf, dass der Usi-Näno gekonmieD 
sei, so legt man das Tuch unter den Stein und Reiskörner auf diesen. Dann 
streuen die Dorfbewohner Reis ringsumher, während von dem Meo Gebete 
gesprochen werden, gerichtet zunächst an Üsi-Neno, dann an Usi-Pa und weiter 
an alle die Nitu (quis quis es). Wird unter dem Stein eine Schlange gesehen, so 
ist es ein gutes Vorzeichen für Fruchtbarkeit. 

Usi-neno erhielt (bei der Aussaat) Reis gestreut, weil als Gott der Gewitter, 
Fruchtbarkeit bringend, wenn er auf Erden herniederkonmit. — Den an dem Hsupt- 
pfeiler des Hauses aufgehangenen Läuh oder Leao, (als Amuletten) wird bei 
der Ernte Reis dargebracht. — Bei dem Sällalah genannten Fest trägt man 
nur die abgeschnittenen Reisähren zum Austreten. — Die Belonezen erhielten 
den Reis durch Emor Woroe (Woronezen), als Bewohner von Solor und Allor 
(aus Gilolo stammend). — Bei Ernte (und Aussaat) werden auf Steinen (liob) 



Digitized by 



Google 



oder unter B&umen^) (besonders von der Feigenart Nunuk) Opfer (von Schweinen, 
Hfihnem, Reis u. s. w.) dargebracht, an den Himmelsgott und an die Erdgöttinnen 
(wie in China). 

Bei Erdbeben ruft man: Amsä ihenne (wir sind noch hier) in Delli (auf 
Timor), und auch in Halmahera: »Hier sind wir noch.** In Tonga wurde auf den 
Fussboden geschlagen (zur Benachrichtigung). — Das Erdbeben (als schüttelnd) 
beisst Tai-nunus on Nai-nunus (schütteln). Usi-Fa schüttelt gelegentlich die Erde, 
um zu wissen, ob Menschen noch lebendig sind, weshalb Lärm gemacht wird, 
ihm Nachricht darüber zugehen zu lassen. — Wenn »Amsä ihenne^ (wir sind noch 
hier) rufend, pflegen die Timorezen (bei einem Erdbeben), durch Klopfen auf den 
Boden zu lärmen, um den Seelen (Matabiang), die aus dem Todtenlande dann nach 
Oben zu kommen streben, wissen zu lassen, dass noch kein Platz für sie übrig 
sei (wie es dem im Berg eingeschlossenen Uralten schlechte Nachricht, wenn 
hörend, dass noch Menschen geboren werden). 

Raiteruti oder das Geräusch (teruti) der Erde (rai) heisst der Donner (wie 
Kilab der Blitz) und Rai-nedhloko, oder das Zittern (Nedhloko) der Erde (Rai), 
das Erdbeben. — Beim Erdbeben muss man laut schreien, um dem Riesen, der 
die auf den Schultern getragene Erde schüttelt, das Dasein von Menschen 
anzuzeigen. 

Im Pomali-Haus *) (Roema-Soengoe netto) oder Omee leo werden (auf Timor) 
die Hörner und Knochen aufbewahrt (aus den Opfern für die Nitu und Swangie), 
und dort opfern die Priester (Tobor), unter den Speiseverboten oder Pomali (als 
geheimen). Das Leo (oder Verbot eines Tabu) wird von den Landbeschwörem 
(Anahpaha) auferlegt. — Bei den Belonezen (auf Timor) fungiren die Radja Pomali 
oder Datoe-toeli (als Priester). — Die heiligen Plätze (leo oder pomali) sind es von 
Alters her (als Steine, Bäume u. s. w.), oder sie werden durch den (unter dem 
Fürsten stehenden) Anaha-pah oder Landesbeschwörer (erblicher Würde und im 



1) The shade of all dark, far-spreading trees, especiallj of the figs, is considered 
lulik; offerings are made under them of rioe and flesh, and the heads of their sacriflced 
goats and buffaloes are deposited under it Before going awaj on a long joumej they 
almost invariablj visit such a spot in the vicinity of their own homes, and make a smaU 
offering The summits of the highest mountains, and of rugged and singolarlj formed 
peaks, are all lulik, and no man woold dare to break a branch of a tree growing on 
them, and onlj öfter dne ceremony would he ascend them. Other spots associated with 
▼arioos traditions are also sacred; and in every such tabooed place offerings are made, 
and one gets such a reply to his inquiring »Why there?" as: „Oh, our forefathers had 
there their buffalo enclosures and gardens^ (s. Forbes). 

2) Auf dem Yato- lulik genannten Stein im Uma lulik (Pomali-House), mit besonderer 
Eingangsthür für den Dato-lulik, werden Opfergaben niedergelegt (in Timor). Durch 
den Tuno (usto tuno), als (wissender oder weiser) Zauberer wird der Bewohner des Gurt 
Kuala (gurt-knala-utis), sowie der Hainpriester oder Lud-utis (badzim lud-ntis) ernannt, 
und ausserdem heilt der Pellaskis durch Besprechen (bei den Wotjakeu). The Dato-lulik, 
dressed in all the vestmeat« of his office, proceeds (in the kingdom of Bibi^u^u) to the 
top of the curious Peak of Fatunarock, where a flat stone exists, which is supposed to be 
the most sacred altar in the kingdom. Behind him foUow all the people — men, women 
and children. The older men seat themselves on the ground nearer to the Dato; the 
women, children, and younger men keeping at a respectfol distance. The Dato-lulik 
then in front of the great stone adresses the spirits of the dead, then the Maromak of 
the heavens, and Him of the earth. All then retum to their homes, where each kills a 
fowl or a small pig, and offers to the lulik of his own house, acting as his own «house 
priest", and proceeds to the river, whose soucces are rigidly lulik (in Timor). 

!♦ 



Digitized by 



Google 



Besitz einer Geheimwissenscbaft) dazu erhoben. Der dato-toeli als Pomali- König 
vererbt die priesteriiche Würde. 

In dem Oeme-nitoe (Geisterbans) oder Oeme-leoe (heiliges Haus) genannten 
Roema-Pomali») (auf Timor) unterbält eine alte Frau das Feuer für Opfer (und 
eine Jungfrau bei den Damara, wie in Cuzeo und Rom). 

Umel-tuang oder Umeh-tuang (Herr des Hauses) weilt als Nitu im Hause gleich 
dem Kobold oder Heinzelmann *). Tbe Stichio is good or evil, inoffensive or barmful, 
every dwelb'ng has its inevitable Sticbio (in Griechenland). Der Kalikantzari wird 
durch die Pappas ausgetrieben (s. d'Estournelles). Die Schlangen (Kauna) und (üe 
Schmetterlinge (Napan) sind Boten der Nitu, ebenso Vögel (Rolo) und Centaaren 
(Mislaöng). Dem Kaffir erscheint die Seele des Vorfahren in Schlangenform (wie 
der Genius) und der Schmetterling flattert geisterhaft von Litthauen bis Birma. — 
In den Sette comm. ist Schrata oder Schretele ein Schmetterling (Srat oder Schretel, 
als pilosus), sonst als Hexe (oder Seele in Psyche). 

Moni-fa heisst Auferstehung und Tod (bei Apoplexie u. s. w.) auf Timor 
(Atoni-honii, Leben). — Ni-itu als „Das oder Es" entsprach dem Etwas (in Tad), 
und so in Nitu (als Negation). — Die Erde schwimmt auf dem Wasser (nach den 
Timorezen). 

Die Smanang (Seele) hat ihren Sitz im Blut (auf Timor), aC juih ydp yJAJXou 
xoivujq S^iyl/iS<riv oLljuLdroq (ocfipot), und 80 Verbot des Blutessens (semitisch). Die Seelen 
(Matabiang) erhalten Speisen (im Opfer). 

Wie die Seele des Fürsten, der im Kampfe föllt, wandeln sich die Seelen der 
Krieger in Bienen (Fani). Aus Bienen gehen sie dann in Erdwürmer (Mai) über, 
und weiter in Termiten (Nain), womit die Seelen Wanderung (Tikau) abgeschlossen 
ist (auf Timor), wie die Seele der Maori, im abschwächenden Herabsinken durch 
die Stufengrade des Reinga bis Meto, noch einmal als Wurm auf Erden erscheint 
und dann abstirbt für immer (ohne die Weihe*) des Vai-Ora oder Lebenswasser). 

In Timor durfte die Leiche des Schuldners nicht begraben werden, bis zur 
Befiriedigung der Gläubiger (und so an Afrika's Westküste). Nam si plures forent, 
quibus reus esset judicatus, secare si vellent, atque partiri corpus addicti sibi 
hominis permiserunt (die Zwölftafelgesetze). Tertiis nundinis partis secanto; si plas 
minusve secuerunt, se fraude esto (ohne gleiches Benefiz für den Juden Shylock). 

Im Verkehr mit den Seelen ist am vertrautesten der mit den jüngst Abgeschie- 
denen, weil noch aus der Erinnerung genugsam in jenen sympathischen Mitgefühlen 



1) The lulik house can be at once recognised, were it by nothing eise than by die 
buffalo crania with which it is desorated on the outside. An officer who holds one of the 
highest, and certainly the most inflnential position in the kingdom has charge of the 
buildings, and presides over the sacred rites, which are conducted in them. He is known 
as the Dato -lulik, or Rai- lulik. In times of peace, and on all ordinaiy occasions, 
an old man or woman lives in the bnilding, as a sort of care-taker; such a person is 
named the Lnliata. Sometimes an old man and his wife reside ail day in it, but they 
may not both (being of opposite sex) stay all night (s. Forbes). In the smaller part are 
preversed different articles of veneration — the cranimn of an buffalo, a spear, a shield, 
a chopper, a gun (almost falling to pieces, and of an old, old pattem, my guide told me, 
„yet it is more powerful than any other gun, howewer new*); besides these there is » 
bag containing the vestments of the priest, which are a broad band of scarlet cloth for 
his head, a circular breast plate of gold, wom suspended on the neck; two gold discs, 
about 15 centimetres in diameter, to cover the ears, a broad crown of gold, with two 
long buffalo-like homs of the same material projecting from it, and gold armlets and 
earrings (in Timor). 



Digitized by 



Google 



empfaDden, wofür sie später angerufen werden mögen, wenn nicht, weil bereits als 
feindliche dahingegangen, jetzt auch im Zurückkommen so gefürchtet, und*deshalb 
durch Yorsichtsmassregeln sorglich fern gehalten. Die über die dritte Generation 
hinaus, in das Dunkel unbestimmter Vorzeit entschwindenden Ahnenseelen, enthalten 
damit jenen unbestimmt, in Luft und Nebel verschwindenden Character, der sie nun 
in den Tritopatores als ^^kosmogenische Windgütter** (s. Preller) zu meteorologischen 
Processen befähigt (auf Tucopia auch), und so im herabfahrenden Blitz des Donner- 
strahls manchen Schrecken verursachen mag. Indem nun zugleich der Gedanke 
kommt, dass diese, früher guten, Alten, in den auf ihr Conto abnehmenden Opfer- 
gaben, eigentlich nicht mehr die vollen ^justa** erhalten, schliesst sich die Vorstellung 
an von einem Rechten (zurückgeschobener Kroniden), von Rache, Neid und Hass 
sogar der Götter (t^bovoq beuSv), so dass die zweifelhafte Natur des Kakiroba leicht 
auch in eine direct böswillig feindliche übergehen mag (je nachdem der Dualismus 
sich in den Localformen dann weiterhin gestaltet). 

Die Pagwaler oder bösen Geister sind älter, als die guten Geister, unter den 
Nitu (mit Napan als Lotu). Die Pagwaler wurden böswillig verstimmt, weil sie 
(als zurückgeschobene Geister") keine Opfer mehr erlangten, und deshalb suchen 
sie jetzt aus Rache die Menschen krank zu machen. Die Wotjäken bereiten des- 
halb den „Geistern der Längst verschiedenen** (Cyke pöresjos) ihr Jahres fest 
(s. Buch)'), mit der Bitte, nicht zu zürnen (und Unheil zu senden). 

Die Pachoil, als die im Wasser (Oil) lebenden Nitu (oder Geister) des Meeres 
werfen (auf Timor) die Böte um (wie caribische Meeresdämone). Die Pachnoi 
(noi oder Fluss) bewohnen die Flusse (als Nitu oder Geister). — Von den bösen 
Geistern erscheint Oesi-paha (Herr der Erde) aus dem Boden, gross wie ein 
Casuarinenbaum (zu schrecken) *»), während Atois in Gestalt einer Eule (Roeteroehi 
oder Goeteroehi) umherfliegt. — 

Treten Landplagen ein durch Regenwetter, Rattenfrass (besonders in den 
Monaten April und August, wenn Schaaren aus den Bergen kommen, um Alles 
abzufressen) oder sonst, so wenden sich die Christen (in Delli) bittend an die 
Padres, um Abhaltung einer Procession, während den heidnischen Timorezen, die 
solche Unglücksfälle als Pomali betrachten, entsprechende Ceremonien, um Abhülfe 
zu schaffen, unbekannt sind (als „benighted natives^). 

Der von einem Unglück Betroffene ^) (in Schiffbruch, Fall vom Baum u. s. w.) 
gilt Pomali (als sacer) und darf nicht angerührt werden. — Auf Unglück bringende 
Plätze streuen die Timorezen Reiskörner. 

Wenn durch einen Feind schädliche Substanzen in den Körper des Kranken 
bineingezaubert sind, müssen sie durch den Manani oder Meo ausgesogen werden 
(massi oder Saugen), in der überall in America und Australien bekannten Operation. 
— Die Suangi oder Sabalai (Manait oder Atata) genannten Zauberer sprühen 
»packend ihr Betelgekau über den Kranken unter Schlachten eines Huhn's, das 
nach Umhersprinkeln des Blutes gegessen wird. 

Die Manani genannten Priester heilen die durch die Pagwaler (Dämone) 
verursachte Krankheit, indem sie ihre Erleuchtung im Traum (Tamnai) erhalten^ 
und solche Träume werden von Usi-Nitu, dem Oberherm der Nitu, gesendet. — 
Die Zauberseher oder Aote-naoes prophezeien theils aus einem gegen das Licht 
gehaltenen Ei (sowie aus den Huhn einge weiden), theils .aus Messen der Lanze 
(unter Nennung der Dämone, die krank gemacht, sowie der Thiere, von welcher 
Art zu opfern). 

Die Buang genannten Zauberer verursachen Krankheiten (gleich den Massait 
oder Atata). Die Dok verschlingen die Eingeweide. — Zauberer, welche mit Hülfe 



Digitized by 



Google 



6 

der Swangi die Seele des Fürsten gefressen haben, werden an einen Baum gebunden 
und du9ch Umhauen desselben getödtet (in Timor). Der als Sanang oder Zauberer 
(Swangi) Angeklagte verfällt mit seiner Familie dem König (zur Ausrottung, wie 
in Peru u. s. w.). — In Eulen (Athene guteruhi) gehen solche Seelen über, die 
später durch Zauberkünste zu schaden yermögen (auf Timor). 

Die Alau (Hexen) gehen durch den Anus ein, das Herz des Menschen za 
fressen (auf Timor). Damit nicht etwas Böses durch den Mund einfährt, moss 
man sich beim Gähnen im Namen der Dreieinigkeit bekreuzen (in Tirol). Gott 
Haulili schützt die Lippe (in Hawaii). 

Neben den kräuterkundigen Aerzten finden sich (bei Delli in Timor) die 
Zauberer (Buang in Tietu) oder (in Gallole) Masahet (Sabela in Firaku). Bei 
Krankheiten werden Opfergaben von Hühnern, Schweinen, Büffeln (sonst von Areca, 
Reis, Fleischstücke u. s. w.) in den (den Luli geweihten) Capellen des Pomali 
niedergelegt (bei Delli). — Der Name Tobor für Priester (auf Timor) wird vom 
(holländischen) tooverar (Zauberer) hergeleitet (wie fetisch vom portugiesischen 
feticeiro). 

Auf Timor wird Oessenenoe in den Soengo-netto (Roema pomali, als verboten) 
genannten Häusern verehrt durch Tobor oder Priester, welche, bei der Songo (Ein- 
geweideschau) , den Nieto (Dämonen) opfern, im Ruma-Songo (Zauberhaus) der 
Mana Songo (Zauberer) und Mana Sanga (der den Zauberer Verwendenden). — Jeder 
Timoreze besitzt seinen Schutzgott. — Die Nitu (Dämone) werden vom Tobor 
(Zauberer) gesühnt. — Die Manani (Priester) gewinnen Tamnai (Erleuchtimg) für 
Heilung von Krankheiten. 

Die Priester (der Masai) müssen durch ihre Zaubermittel Glück im Kriege 
bringen, das Land vor Unglück und bösen Mächten beschützen, Regen erwirken. 
Ein Ober-Leibön existirt für das ganze Massai-Gebiet, sein Titel ist Mbatian, der 
sich meist in dem District Easongo aufhält und bei dem sich auch die Wakuavi 
Raths holen. Seine Aufgabe ist es hauptsächlich, den günstigen Augenblick zur 
Unternehmung von Raubzügen zu bestimmen und durch seine geheimen Künste den 
Kriegern Sieg und Glück zu verleihen (s. Fischer). 

Beim Begräbniss eines Fürsten (in Timor) wird die Leiche monatelang auf 
dem Schoosse von Frauen gehalten, bis sie verwest, imd dann in eine Kiste gelegt, 
um im Hause aufbewahrt zu werden, bis bei grosser Ernte*®) alle Verwandte sich 
zum Fest versanmielt haben. Die Leiche wird mit dem Gesicht nach oben gel^, 
um Usi neni zu sühnen, und nach Zufugung von Eigenthum werden Steine darauf 
gethürmt. Leichen") aus dem Volk werden in Baumrinde eingewickelt begraben, 
und auf das Grab legt man Reis und Feldfrüchte für die Nitu (auf Timor). — Das 
Haupt des Todten wird nach Westen, das Gesicht also dem Sonnenaufgang g^en- 
über gestellt. — Beim Tode eines Fürsten in Atapoepoe werden auf das Grab 
(wohin alles Eigenthum mitgegeben ist) schwere Steine gewälzt (bis zur Höhe von 
6 Fuss). 

Der Weg, auf welchem die Leiche aus dem Hause nach dem Grabe getragen 
ist, wird später mit Bambus versperrt, damit die Nitu nicht zum Krankmachen 
zurückkehren können (in Timor). Die Neger streuen Domen hinauf (am Gongo 
u. s. w.). — Die Seelen der Abgeschiedenen verwandeln sich in Nitu oder (Dämonen) 
Geister (auf Timor). 

Beim Tode legt man die im Besitz befindlichen Sachen >') mit in das 
Grab, und Pferde werden geschlachtet, damit die Nitu der Gegenstände, der 
Thiere u. s. w., den Nitu des Abgeschiedenen in*s Jenseits begleiten. Früher worden 
auch Sklaven geopfert (zur Bedienung). — Nachdem die Todten begraben sind (in 



Digitized by 



Google 



Delli auf Timor), erhalten die Matabiang oder (abgeschiedenen) Seelen ihre Speisen 
hingesetzt (sowie Mitgabe des £igenthums). 

Die Eüngeweideschau oder Taif-ate (Untersuchung der Leber) wird von 
dem Manani genannten Priester**) geübt, sowie von dem Meo oder Vorfechter 
(bei Schweinen, Büffel u. s. w.). Auch beim Schlachten von Hühner werden die 
Eingeweide beschaut. Die Dok, welche die Eingeweide (besonders die Leber) der 
Opferthiere vor wichtigen Unternehmungen zu durchsuchen haben, gehören meist 
zu den Hochbejahrten. Die Litatio zum günstigen Opfern (als von der Inspection 
der Exta abhängig) fand sich bereits im Ritu Romano, ehe der Senat „decrevit, 
at de principum filiis sex singulis Etruriae populis in disciplinam traderentur^ , seit 
„Haruspices ex Etruria acciti^ (mit den von Tages den Lucumonen gesungenen 
Lehren). 

Von den Thieren (auf Timor) bringen Sakatu (Ameise) und Kibitis (Scorpion) 
böse Vorzeichen (alle übrigen gute). Vor der Ernte wird ein Thier geopfert, im 
öffentlichen Uma-lulik sowohl, wie in der des eigenen Hauses (s. Forbes), und bei 
Ernten folgt ein Fest (wie Opfer beim Regenmangel). An, Matu genannten, 
Häufchen am Wege werden in Timor Gaben von den Vorübergehenden nieder- 
gelegt (s. Forbes), wie bei den Obo u. s. w. (in Sumatra neben einen Stein im 
Walde). 

Die Anapa (Kinder der Erde ")) oder Priester bewahren alte Gesänge, wie sie 
von Zeit zu Zeit auftauchen, um den Hinmielsgott **) und die Erdgöttin anzurufen 
in den Mangkenet genannten Gebete. So singt der erdentstiegene Tages seine 
Lehren den Lucumonen, und Mannus erscheint als Sohn der Erde (mit vielen 
Genossen überall). 

Dem Usi-Neno wird ein Büffel geopfert, der Usi-Pa ein ausgeloostes Schwein, 
und die dabei gesprochenen Gebete werden durch die Nitu überbracht (in den bei 
den Eweem durch die Wong geleisteten Diensten, und anderen Mittlem anderswo). 

Pamali (tabu) heisst Nunihs (auf Timor) und (auf Rotti) Luli (Verbot ") in der 
Sprache von Nord-Celebes). Lilu (Mäs in der gewöhnlichen Sprache) bedeutet 
Reis in der alten Gebetssprache auf Timor. Gebete wurden in der Ununuken 
genannten Sprache (alter Ueberlieferung) gesprochen (als heilig-geheim). Maromak 
knows (as form of oath). 

Die Timorezen heissen Ema-Dawan (Javanen")) bei den Belonezen (Beloe 
oder Freund, als Bundesgenossen), in Allgemeinbezeichnung der Namen (bei 
Malayen u. s. w.). Wie Makassaren handelten Bugis in Oikusi (XVI. Jahrh.) auf 
Timor (s. S. MüUer). 

Auf Timor (früher von Liorai oder Kaiser beherrscht), wohnen die Ema- 
Weloe oder Belonezen (mit den Reichen Loeka und Waiwiekoewaihalie) im Osten, 
die Tah-Timor im Westen, die Atoeli koepang auf der Insel Samau (Semeo ).t — 
Neben den Belonezen in Waiminko Waihalle (und Luka) fanden sich die Timoresen 
in Sonobai *) (und dann Kupang). — Die Auswanderer von Belo (bei Unabhängig- 
keit von Amanubang und Amarassi) setzten sich in Kupang fest. 

1) Beim Zerfall von Sonabai gründeten sich die Reiche Amafuang (sowie dann Tabeno) 
mid Amobie. II j a des rojamnes, dont les autorit^s ont le caract^re du sacerdoce. 
Celui qui reierce est appel^ roi pomale (in Timor), oder (anderswo) un Datto, nomm6 
Datto-loli, qui fonctionne comme roi pomale (s. Alfonso de Castro). Les rojanmes sont 
gonvem^ par des chefs (colonel-roi on colonel-reine), les Succo's sont gouvem^s par des 
Datto^s (il y a 47 rojanmes). In Afrika zeigen die Juju- Könige die priesterkönigliche 
Vorstufe. In Timor bilden Uma Klara (middle class people) and Uma Eüki (little 
hoQses), the lowest classes. In other districts thej put sometimes in the case of a 



Digitized by 



Google 



. 8 

Nach Anlangen der Flächtlinge von Rotti auf Timor wurde von Ceram aas 
ein Reich gestiftet (s. Heymering). Die Belonezen (aus Gilolo) vertrieben die aus 
Ceram gekommenen Timorezen (bei Oosterling). 

An der Spitze der Raja in Amarassi oder Neirassie steht der Neidjoefa-naikh 
(grosser Fürst) und unter ihm die beiden Nei-Djoefa. Das in Ambene direct 
durch die Fürsten (mit dem Mofefo oder Sprecher) regierte Land heisst Bakie. 
Der Geschlechtsname des Fürsten von Amfoang ist Taif-woko (Dickbauch). 
Der neben dem Häuptling in Amabie herrschende Kriegsfürst (Nei-djoefa-pael) 
wohnt in Oifetto (als Grenzfestung gegen Amanoebang). Die Bewohner von Uikusi 
(der schwarzen Portugiesen) stammen'^) von Belonesen (aus Adonare auf Solor 
gemischt). In Folge der Dienste als bewaffnete Sclaven wurden die Mardeiko* 
(mardahejka, frei) von den Holländern freigelassen (in Timor und Ambon). Koepang 
wurde durch Einwandern aus Amarassi erobert, nachdem die Herrschaft Bela*s 
gestürzt war. 

Die Belonesen sollen von Gilolo, die Timorezen von Ceram nach Timor ge- 
kommen sein. Die Bewohner von Savoe und Daaw werden von Celebes her- 
geleitet (und von Java). Die Rottinezen fuhren auf Ceram zurück (sowie nach 
Temate und Tidore). — Die Fürsten von Timor heissen Nena-Anak (Kinder der 
Sonne). — Die von Rotti nach Timor Uebergesiedelten blieben in der Hörigkeit 
ihres früheren Fürsten. — In Rotti wurde eine von Solor und Syak aus dem 
Alterthum heilige Kupfertrommel ausgegraben, sowie kupferne Ceremonial -Waffen. 
Auf Rotti (mit Tuan Tonah oder Herrn des Landes, als Priester) wird der Krieg 
durch den Meo (oder Vorfechter) eröffnet. 

Auf Timor ist Waiwieko-Waihalle (mit Luka) von den Belonezen (Ema-Welu) 
bewohnt, Senabait unter dem Grosskaiser (Takaip oder Liorai) von Timoresen 
und Koepang oder Klaiba von den Koepanger (in Samauw). Auf dem Klaiba 
oder Opferplatz der Timoresen (bei Koepang befindlich) wurde (bei ThronbesteiguDg 
eines neuen Kaisers) ein Mädchen den Kaimanen dargebracht, die, wenn sie keine 
Jungfrau mehr, das Opfer zurückbrachten. Die Fürsten Timor's (ausser den von 
Kaiman, Fischen u. s. w. abstammenden) kamen mit einem Lontar-Blatt (der Tua- 
Palme) vom Himmel, und so entstanden Menschen und Bäume. 

Timor- laut ist Nordost zu Timor (als Ost). — Mantator wird im östlichen 
Timor geredet. Tätu-Delli, Galloli-Motel, Kinäru-Lukotum, Manumäru-Kurahili. 

Der erste Vorfahre der Lio-Rai k«m zu Baihala aus der Erde hervor 
(mit Weib und Kind). — Der Liorai Sonebait stammt vom Himmel (als 
Kaiser von Timor). — In Timor dürfen die Fürsten, als Söhne der Sonne, nicht 
angeblickt werden. Die Gesandten verkehren in Wechselreden vor dem König. 
Die Sonne oder Manas (de bitte gevende) heisst (im religiösen Sinne) Neno (de 
licht voortbrengende) auf Timor (s. Temmink). When a king dies, tbe 
Chief officers of the household ore called together in order to declare the king 
is dead; until this declaration is made the whole family preserves complete silence 
(in Timor). Das üma-tulik (in Timor) „is kept open during the whole time of 

vacancj one of their own number to be rajah. K the choice should fall on a man who 
helongs to the üma Eiiki, the people must pay a large amount to his familj to constitote 
or, as it were, raise bim to a member of the üma Boot, of which, when once a member, 
he remains always a member. If their choice should fall on a member of the üma KU» 
a less sum in gold, buffaloes, or cloths is necessary to constitute him a member of Üie 
highest class. So if a man belonging to the üma Klara wish to marry a woman of tiie 
üma Küki he has comparativily less to pay for her Ihan if she belonged to the Um» 
Klara (s. Forbes). 



Digitized by 



Google 



9 

war** (s. Forbes), wie der Janus -Tempel. Als das bei Nacht gesehene Feuer am 
Morgen gesucht wurde (in Amarassie) vonden zij den jougling, geheel met gouden 
en zilveren platen en andere Toorwerpsen van groote waarde omhangen, betgeen 
hunne verbazing ten top deed rijzen (door Oesi-neno gezonden en van den hemel 
nedergedaald). 

Auf dem gesellschaftlich gleichartigen Niveau markirt sich als erster Unter- 
schied der naturgemäss gegebene der Altersstufen, unter welchen nach dem Recht 
des Stärkeren die (indianische) Soldatenbande (der Jünglinge oder vollgewachsenen 
Männer) zu herrschen pflegen, bis ihre (durch den Nachwuchs ersetzten) Glieder 
in das gebrechliche Greisenalter versinken (oder selbst dorthin ausgestossen werden). 
Wenn dann diese (kirgischen) Weissbärte auch als die Weisen und in (geistiger) 
Kraft üeberlegenen erkannt werden, im Gnekbade (der Kru), als Geronten eines 
Senatus, mag ihrem erfahrenen Rath auch andere Art der Unterscheidungszeichen 
zu danken sein, wie im Vermögensunterschied (der Orang kaya u. s. w.). 

Indess bleibt Alles dies in wechselndem Schwanken, und ohne stete Erneuerung 
in den Geschenken des Potleach-Fest (bei den Haidah) würde der Häuptling seinen 
Einfluss bald verlieren (bei den Beluchen u. s. w.). 

Allerdings mag der, als „dux ex virtute** an die Spitze gestellte Tua (der 
Maori) aus jenen Raub- oder Raubzügen, zu denen sich, wie Scythen (zu Lucian's 
Zeit), die Jugend der Masai zu vereinigen pflegt, auch im Frieden die Gewohnhei 
das Commando fortzuführen geneigt sein, aber dies gleichfalls würde in der Haupt- 
sache individuell verbleiben, und in dem Vasu-Recht der Neflenfolge für gesicherte 
Fortpflanzung gleicher Würde noch keine genügende Garantie erhalten, so dass erst 
nach dem Verschwinden des Matriarchates vor. der Patria potestas das in dieser 
gebietende Haupt der Familie, vom Patriarchen th um zum Fürsten aufgestiegen, 
erbliche Fortpflanzung zu sichern vermag. 

Bei der Auswanderung führte der Sonebait (in Timor) die von seinen (aus 
Ambon stammenden) Vorfahren, von Ternate her mitgebrachten Regalien des Kris 
und der Beteldose mit sich (s. Heijmering). — In das Land des am Berg 
Timave herrschenden Fürsten Nai-Kone kommend, vermählt sich der Sonibait 
mit dessen am Brunnen angetroffenen Tochter (auf Timor). — Fürst Tirman aus 
Beloc stiftete das Reich Amatirang (im Bunde mit Nafi-Rassie von Amarassie). — 
Die Bewohner von Amanoebang (auf Timor) waren früher dem Fürsten von 
Nikiniki unterworfen. — Der Fürst von Amanoebang (auf Timor) residirte in 
Niki-niki (bis zum Verfall). 

Zu Delli (auf Timor) herrschen die Liurai betitelten Fürsten mit ihren Adeligen, 
als Datu (Dato) oder Tumungang. Die Succo der Staaten (auf Timor-Delli) 
stehen unter Datto (s, Castro). Die Fürsten (Nei-Dzofa) heissen (auf Timor) 
Neno-ana (Kind des Himmels) oder Oeri-leeoe (erhabener Gebieter), sowie Oesi- 
(Oes-) Koko, nach der Koko genannten Schlange, deren Kopf mit einem goldenen 
Kamm verziert ist. Unter den Nei-Djoefa (oder Radja) stehen (auf Timor) die 
Sieko (oder Fettor). Nei oder Nai wird den Fürstentiteln vorgesetzt (auf Timor), 
wogegen in Siam zu niederen Graden herabgestiegen (als Titel). Der Fürst von 
Sorbiean (auf Timor) führte den l'itel Molo-oesi oder gelber (Molo) Herr (Oesi). — 
Der Radja -Pomali (heiliger Fürst) oder Datoluli galt auf Timor als Herr des 
Bodens, die Häuptlinge bei Kopang (auf Timor) führen den Titel Pang-Liorei. 
The Leorai is judge as well as king (s. Forbes). 

Die Reiche der Raja oder Leoreis (in Ost-Timor) zerfallen in Suku unter 
Dato, mit den Cabo und Tenente als Gehülfen (s. Forbes), aus den portugiesischen ") 
Bezeichnungen (des Captain und Lieutenant wie auch Oberst). — Neben den Kauf- 



Digitized by 



Google 



10 

sclaven finden sich (in Timor) die Latuun (Leibeigenen). — Die Sclaven (Ata) 
recrutiren sich aus Blriegsgefangenen oder aus Armen, die sich nicht ernähren 
können (Witt wen, Waisen u. s. w.). Die Timorezen sipd durch den Poni genannten 
Dienst verpflichtet, die Ländereien des Fürsten zu bebauen. Sandelholz (Haa 
meni) darf in Timor nur für den Fürsten gehauen werden und wird ihm abgeliefert. 
— Das aus dem Wald stammende Volk (von Nemnoenie, Sohn Nei AkoeneFs be- 
herrscht) in Labalaba (oder Molo in Timor) flüchtete nach Pasie, bei dem EinM 
der Belonezen aus Waiwekoe-waihahe unter den drei Söhnen der Fürstin (Lieorai), 
von welcher Fai-wele zum Fürst von Sonabai (als Lieorai) eingesetzt wurde. 

Nachdem Nemnoenie (Bruder von Pitai, Fenai und Nessi mnaha) seinem Vater 
Nei Akoenel heette gefolgt war, wurde sein Volk (hetwelk zijnen oorsprong uit 
eene wildemes afleidde) durch Einwanderer der Belonezen unterworfen, unter Faiwele 
oder Sonabai (Bruder Lieoe-wele's und Lato-wele's) , Sohn der Fürstin (oder 
Liorai) von Waiwiekoe-waihalie (s. Temminck). 

Unter dem Fürsten Bässi-Nissi (Nachkomme des ersten Fürsten Bässi-Nissi) 
zogen die Koepangesen nach der unbewohnten Insel Samao. — Unter den Fürsten 
Susang (in Koepang) unterwarfen sich ihm die Rottinezen (auf der Insel Lotti). — 
Die Bälu aus Ceram (oder Säla) landeten an der Ostküste Timor*8 unter dem 
Fürsten Läli, Vater der Brüder Pom-Läli und Patu-Läli. Die Fürsten von 
Timor wanderten aus Bälu ein. 

Die Fürsten von Amfoang betiteln sich im Geschlechtsnamen als Taif woko oder 
Dickbauch (gleich jenem Carolus). Bei den Wenden musste der zu ei'wahlende König 
den Sitz zweier Stühle ausfüllen (s. Suhm) und in Polynesien schwemmt der Grosse 
auf bis zur unförmlichen Bewegungslosigkeit (gleich einem Daibut in Stein oder 
MetalP®)). — Drei Brüder zogen von Bälu nach Koepang und Hessen einen Bruder, 
(Bässi-manas mit Namen) seiner Hautkrankheit wegen im Wasser zurück, wo er, 
einen Schwanz ansetzend, sich in ein Crocodil verwandelte, und seitdem an dem 
Nisi-bässi genannten Platz (hinter dem Fort von Koepang) residirt. 

Ein Sclavenjunge aus Rolti (Nachts Feuerflammen auf dem Kopf der Pferde 
oder anderer Hausthiere spielen sehend und aus diesem Traume Glück pro- 
phezeiend) beraubte seinen Herrn, den Radja Abineno von Hounieen (in Amarassi), 
seiner Schätze und flüchtete ostwärts nach Banama oder Amanoebang, wo er 
Nachts in der Nähe eines Dorfes auf einer Höhe ein grosses Feuer entzündete. 
Als die überraschten Einwohner Morgens nach der Ursache zu suchen kamen, 
trafen sie ihn mit den Kostbarkeiten goldener und silberner Platten ausgeziert (in 
der Sonne glitzernd),*) und erfuhren, dass er von Oesi-neno aus dem Himmel 



1) The Dato-lulik, (in Timor) appears at the door of the great lulik house in all 
the glittering inrestments of his office, with the sacred spear and the gon and the 
shield beside him, and before them all he sacrifices a buffalo. After placing a piece of 
its flesh, along with siri and pinang, on the vatululik, or altar-stone, he calls on the 
spirits of their dead forefathers, then on Maromak of the heavens, — in other distiicts the 
deity is known by the name Urubatu and Laraula, signifying smi and moon, — and with 
Him of the earth. Then in tum he calls out every man present singly, who, advandng to 
the high priest each with a fowl in his hand, gives it to the Dato-lulik, who slays it 
in presence of the assembled Company. According as the animal dies with its right foot 
or its left foot elevated, and according as the colour of the siri juice which t<he Dato 
expectorates on the brow and breast of the man before him, is bright scarlet or dark, 
does the Maromak indicate whether he is chosen to fight for his kinglom or destined to 
stay at home and guard the women. If the right leg of the fowl is elevated, and the siii 
apittle is bright scarlet, the omens are in favour of the consnltor, who then, toming from 



Digitized by 



Google 



11 

herabgesadt sei, ndas Land zu beherrschen, wo er an Stelle des gehassten Fürsten 
auf den Thron erhoben wurde als Ahn des Herrscherhauses in Amanoebang, (wo 
es Pomali bleibt, Hounieen zu besuchen). Für f nga-Roca oder (bei Balbao) Sinchi- 
Roca wurde der eines Sonnenkindes würdige Kriegsschmuck aus dem Titicaca-See 
Terschafft, durch seine Mutter Mama-Ciboka (s. Montesinos). 

Bässi-mnas (Krokodilen-Fürst) erhielt die Gattin des Fürsten Lai-Kopang (als 
Tasi-Lepar). An den Elaiba genannten Plätzen opferten die Timoresen- Mädchen 
dem Crocodil (das See -ungeheuer Andromeda's vertretend). — Bei festlichen Ge- 
legenheiten wird ein neugeborenes Mädchen (in Koepang) dem Crocodil geweiht 
(anter Anerbieten an dasselbe), und dann, unter ceremonieller Heiligung, auferzogen 
für die Ehe mit einem Priester aus der Klasse der Anapa (unter den Töchtern 
der Anapa). — Die Fürsten von Koepang stammen von Nawäs (Crocodil) mit dem 
ersten Fürsten'') Lissu-Bässu. — Als Bässi-Manas (der Crocodilenfürst von Bäla) 
nach Kupang kam, gab ihm Lai-Kopan, Fürst der eingeborenen Tasi-Lepar, seine 
Frau zur Ehe und von ihr wurde Laskodat (der Gut verbreitende) geboren. Mit 
ihrem Vater Bässi-nmassi verblieben die Söhne**) Sao-bässi und Nisi-bässi gleich- 
Mls in Kupan. 

Ist der Tod des Rajah unter allgemeiner Stille von den Hof beamten angesagt, 
folgt Aufschrei und Klage und die Familie verlässt das Haus, wo die Leiche ver- 
bleibt, und bis zum Begräbniss ^the king is supposed to be asleep, and no succesor 
with reigning powers takes bis place* (in Timor). Da wegen der den Verwandten 
aufliegenden Kosten die Beisetzung sich lange (^even a Century*) hinziehen mag, 
geht die Pflicht des Sohnes, wenn vor der Erfüllung sterbend, auf seinen Nach- 
folger über, imd währenddem wird die zusammengebündelte Leiche in einer Hütte 
(„on the top of trees") aufbewahrt (wogegen die der Fürsten zu Truxillo in ihrem 
vermauerten Palast). So lange die gekrönten Könige Loango^s nicht begraben 
waren, blieb der Thron vacant (s. D. E. a. d. Lngkst. I, S. 266). In Gongo wurde 
bei dem unter tiefem Schweigen im Lande erfolgenden Tode der König (bis zum 
Begräbniss) durch eine Figur repräsentirt (s. B. i. S. S., S. 164), wie der Inca 
mit sich führt (C. d. a. A. I, S. 542). 

Bei Wahl des Raja aus dem Uma-Klara muss für Erhebung unter den Uma- 
Boot gezahlt werden (und mehr noch, wenn aus den Uma-Kiiki). Stirbt der 
Raja von Bibi9U9u kinderlos, so wird der Nachfolger aus Manufahi erbeten, for 
»the payment of a certain sum to his kingdom as a hire* (s. Forbes),*') im 
Uebergang zum Abschluss tabuirter Klassen (in Solar oder Lunar-Dynastien u. s. w.). 
Der (für den festgesetzten Preis) freigelassene Sclave steigt zu dem Rang seines 
früheren Herrn auf (ausser beim Raja, indem dann nur Dato bleibend), nach 
fictiver Verwandtschaft (des Clan's u. s. w.). 

In Sonebait und Waiwikoe-Waihali regieren (auf Timor) Lioraioder Riorai (und 
in Loeka). Früher herrschte der Fürst von Sonebait über Timor. Der Fürst der 
Tietu residirte bei Delli, der Likusu in Kailaku, der von Beluz in Ambino (Am- 
bänu), der der Firaka in Luka. Im Osten finden sich Gallole und Firaku, im 
Süden Caladi, im Südwesten Liksa, Lamkitu, Suaai, Waikenu. Der Fürst Laka 
herrscht über den Osten (bei Delli). Die von den Malayen stammenden Hocussy 
sprechen malayisch (in Delli). Die Häuser der Timorezen (bei Delli) stehen auf 
vier Pfosten. Auf der Insel Kambing wird Gallole geredet (unter dem Raja der 



tbe Dato-lulik, draws his sword, aad braadishing it wildly in the air, exclaims: „Pm a 
man; Pm a brave," and takes his place on the hiUside apart, along with the chosen 
(8. Porbes). 



Digitized by 



Google 



12 

Tietu bei Delli). Unter den verschiedenen Sprachen auf Timor dient das Tieta 
als Sprache des Verkehres. — Maromak ist Name für die Gottheit bei Delli (auf 
Timor). Nachdem die Leiche im Haus bewahrt ist, werden über den mit Kleidern 
begrabenen Todten Steine im Viereck gestellt. Die Meoh oder Vorfechter, welche 
för den Raja Köpfe jagen, üben zugleich priesterliche Ceremonien. Die Latum 
genannten Sclaven sind Öffentlich. 

Neben den Meoh (Katze) oder Vorfechter werden Asu-Paha von den Fürsten 
unterhalten (auf Timor). Die Belonezen herrschten in den Reichen von Waiwiko, 
Waihali und Loeka auf Timor. — Loro Sonne, Foz Reis, Mane Mann, Feito Frau, 
Achi Feuer, Karau Büffel, Pachi Schwein, Ai Baum, Lafaik Kliman, Inur Nase, 
Nehang Zähne, Tasi Meer. Wasser heisst Bäh (bei Tietu), ira (in Firaka), bfih 
(in Liksa), bah (bei den Caladi), wuaih (bei den Waikenu). — Ano Sonne, Bulan 
Mond, Ai Wasser, Api Feuer, Otak Kopf, Ischit Zahn, Jangan Fisch. Sai, daa, 
tiga u. s. w. (1, 2, 3 ). 

In Timor heisst die Insel Neno oder (bei den Bellonezen) Loro. Aes-lam, 
Lua-lam, Tol-lam, Tailae, Ungkun, Maduen, Santae, Tutae, Bawae, Koihs (1—10), 
Aes, nua, taen, ha, nim, nä, hitu, fang, säo, boäs (1 — 10) auf Timor (in Koepang). 

„Besteht eine Familien • Behausung aus mehreren Häusern, so befindet sich 
regelmässig eines davon in einiger Entfernung, welches Uma-lulik heisst; bei der 
Residenz eines Rajah ist immer ein grösseres, das Uma-lulik des Königreichs. 
Das Stammes-Uma-lulik ist meist von zwei oder mehreren anderen flankirt, wenn 
das Königreich gross ist. Sie stehen fast regelmässig auf einem gesäuberten Ort, 
in einem Hain, auf einer Anhöhe und von einer starken Umzäunung umgeben. 
Innerhalb derselben darf kein Zweig oder Ast gebrochen oder geschnitten, kein 
Blatt gepflückt, kein Stein gehoben werden, aus Furcht Tor der Rache des Lulik. 
Kein Tabak darf über die heilige Grenze gebracht werden, kein Pferd oder Büffel 
dort weiden. Die Baulichkeiten selbst sind gross, sorgfältig in Bambus ausgeführt, 
auf Pfeilern ruhend und mit zwei Thüren versehen, eine zur Seite und eine am 
Ende. Das Lulik-Haus würde schon allein an den Büffel-Schädeln kenntlich sein, 
mit denen es auf der Aussenseite geschmückt ist. Ein Beamter, welcher eine der 
höchsten und sicherlich die einflussreichste Stelle im Königreich inne hat, ist mit 
der Aufsicht über die Häuser betraut und leitet die heiligen Gebräuche in ihnen. 
Er ist als Dato-lulik oder Roi-lulik bekannt. In Friedenszeiten und für gewöhnlich 
wohnt in dem Hause ein alter Mann oder eine alte Frau, als eine Art Aufseher; 
solche Person heisst Luliata« Zuweilen wohnen ein alter Mann und seine Frau 
beständig am Tage darin, doch dürfen sie, als von verschiedenem Geschlecht, 
Nachts nicht beide darin bleiben. Es ist nicht ganz leicht, eine richtige Vorstellung 
von den inneren Einrichtungen des Uma-lulik zu bekommen, da es Ketzern un- 
möglich ist, hineinzukommen, ja oft nur in die Nähe zu kommen. Selbst Ein- 
geborene von Timor, welche nominell Sireni (Christen) geworden sind, dürfen nicht 
hinein; doch gelang es mir durch beständiges Ausfragen eingeweihter Personen 
herauszubekommen, dass von den beiden Thüren (deren Richtung und Lage nicht 
von Wichtigkeit zu sein scheint) die eine für den Dato-lulik oder Oberpriester 
bestimmt ist, und die andere für die Personen, welche die kommenden Ereignisse 
zu wissen wünschen. Durch die Thür des Dato-lulik darf nur er allein eintreten; 
sie führt in einen Raum, der durch omamentirte Holzpfeiler von der grösseren 
Hälfte des Hauses, welche dem Volke zugänglich ist, abgetrennt ist In dem 
kleineren Theile werden verschiedene Kultusgegenstände aufbewahrt — ein Büffel- 
schädel, ein Speer, ein Schild, ein Hackmesser, eine Flinte (die beinahe in Stücke 
zerfällt und nach einem uralten System, aber, wie mein Führer sagte: sie ist 



Digitized by 



Google 



13 

furchtbarer als irgend eine andere, wenn auch ganz neue Flinte); ausserdem ist 
dort ein Sack mit der Priesterkleiduug, welche aus einem breiten Scbarlachband 
für den Kopf, einer runden goldenen, um den Hals gebängten Brustplatte, zwei 
goldener, etwa 15 cm im Durchmesser grosser Scheiben zum Bedecken der Ohren, 
einer breiten Goldkrone mit zwei davon ausgehenden Büffelhömem aus demselben 
Metall, und goldenen Arm- und Ohrringen besteht. In diesem Raum ist ausserdem 
das beiligste Object von allen, der vatu-lulik oder der Stein, auf welchem die 
Opfei^aben für den unsichtbaren Gott niedergelegt werden. Dieser Stein wurde 
dem Volke von Timor zu diesem Zwecke bei Erschaffung der Welt verliehen. In 
der grösseren Abtheilung des Hauses ist eine Feuerstätte nebst Kesseln und ge- 
weihten Eochutensilien zum Gebrauch des Uma-Iulik*' (s. Forbes). In Irland 
war der heilige Krönungsstein von Alters her überkommen (wie in Schottland u. s. w.). 
A Spot is always railed off for the lulik spear, knife and gun, before which the 
head of the house makes a propriatory offering to speed his particular undertakings 
(dorch dii penates, als privati). In gewöhnlichen Erankheitsföllen wendet man 
sich an den Lulik der eigenen Wohnung, wogegen, wenn mehrere Familienglieder 
sterben, der Hausvater sich nach dem öffentlichen begiebt („he must speak with 
the lulik^), und dann das Uma-lulik zusammen mit dem Dato betritt, der die Opfer 
auf dem Vato-lulik darbringt (und dabei „converses with the lulik**), gleich dem 
Wulomo (der seinen Wong bedient). Bei tödtlichem Ausgang der Krankheit wird 
pthe supposed Swangi** als Zauberer, den man nach dem (mosaischen) Gesetz (der 
hiquisition) nicht leben lassen soll, ausgerottet, „with his whole family** (wie in 
Peru durch die Inca). 

Nachdem die Asoe-paha (Hunde des Landes) oder Herolde (in Timor) das 
Volk im Auftrage des Fürsten zu den Waffen gerufen, bringen die Meo (Vorfechter) 
einen schwarzen Hund auf die Grenze, um den dort abgeschlagenen Kopf, der 
durch Einstopfen geweihter Wurzeln im Mund, Nase und Ohren bezaubert ist,'*) 
auf das feindliche Gebiet zu werfen (zur Kriegserklärung). Fetialem populi Romani 
bellum indicentem hostibns telumque in agrum eorum jacentem (welcher Worte er 
sich bedient) scripsit (C. Cincius Alimentus). Auf Timor werden (neben den 
Fürstenfamilien) unterschieden: die Orang Brani oder Meo (Krieger), Orang mardika 
(Freie) und Boedak (Sclaven). Die Djoemblang (auf Sumatra) oder Vorfechter 
heissen Orang Brani (auf Timor) oder Monobani (auf Savoe). 

Ehe es im Kriege zum Angriff kommt, schickt jede der Partheien (auf Timor) 
ihren Taux genannten Gesandten, unter welchen beiden dann die Sache gegenseitig 
gerechtfertigt wird. Während der Kampf stattfindet, tanzen die Frauen einen 
Tabedae genannten Reigen. Von den Assuai (Tapferen) werden den Gefallenen 
die Köpfe abgeschlagen. In Bakanase (auf Timor) werden die Schädel der Feinde 
auf Piken gesteckt. Die Vorfechter (Meo) werden von den Otta-Paka (Vertheidigern 
des Landes) angeführt (auf Timor). — Vor dem Kriege rufen die Timorezen die 
Ahnen (Nitoe) an den Gräbern an. — Like the Australians, the Timoreze do not 
Bee, why any one should ever die unless he is killed, so they attribute both 
sickness and death to the evil influence of a spirit or swangi (s. Forbes), und 
ahnlich die Abiponen (bei Dobrizhoffer), oder sonst (wie oft ausgeführt). 

Nachdem der Dato-lulik „den Kranken aufmerksam betrachtet, um den Zauber 
der Swangi zu erkennen, verfertigt er zu Hause seine Medicin aus Kräutern in 
einem (mit einliegendem Stein) weggeworfenen Bündel, aus welchem der Stein mit 
einem Theil anhängender Eingeweide des Swangi zurückkehren wird, und durch 
Essen dieser wird der Kranke geheilt, unter späterem Tragen am Halse für 
ferneren Schutz**. Disease (in Timor) is believed to be the result of sorcery and 



Digitized by 



Google 



14 

they cany in their coi herbe and other remedies or charms, to drive away the 
Swangi (s. Forbes) und andere D&mone (anderswo). For every person that dies 
somebody is made Ndokki (am Congo). 

Nachdem der Kopf abgeschnitten ist, wird die Zunge mit den Augen heraus- 
genommen, das Gehirn gereinigt, und dann, nach Einschneiden yon Löchern, der 
Kopf über den Rauch gehängt, um später unter dem Dach verwahrt zu werden. — 
Die Köpfeschneller werden auf Timor gefuttert (bis sie sich gereinigt haben). — 
Das Leichenbegängniss schliesst mit dem Tabedu genannten Tanz. — Die Timo- 
rezen schlagen womöglich ihren Getödteten den Kopf ab, um ihn nicht den 
Feinden zu überlassen. — Nach der Festlichkeit auf Gewinnung von Menschen- 
köpfen (denen Reis vorgesetzt wird, um die Landsleute zum Mitessen zu rofen), 
darf der Tödter einige Monate sein Haus nicht besuchen und muss durch andere 
Hände gefüttert werden, bis er sich (nach Bestreuung seines Schwertes mit Ras) 
gereinigt hat. — Die Hoenoe Kieve, Hoeuoe Benani und Nel Leoe genannten 
Gesänge dienen bei Erbeutung eines Menschenkopfes. Der geschnellte Kopf wird 
nach dem Trocknen und Festabhalten in eine der Knochenhöhlen geworfen (in 
Kaimani). In Katan (auf Neu-Guinea) wird die Unterkinnlade des geschnellten 
Schädels bewahrt. In Atapoepoe (auf Timor) werden Köpfe**) geschnellt (von 
Kraushaarigen). 

Von den Dialekten auf Timor werden gesprochen (s. Forbes): Membia or 
Kaladi in Turstain, Motael, Hermera, Kaimauk, Hera, Laicor. Tetu in Barigoi, 
Bibi9U9u, Alias, Suai, Hera, Saluki, Laolubar, Bailoba, Ck>tubaba. Idate in Caimi, 
Lacloibar, Mantutu, Yiqueque. Lakale in Bibi^u^u, Kimauk, Vemasse, Bariqoe, 
Alias, Lamoro. Haukenke in Lalea, Vemasse, Mantutu, Fatumarto, Vinilale. 
Veke in Bailoba. Vaiqueno in Cova, Suai. Calolo in Hera, Laculo, Motael, 
Lalea, Mantuto, Luga, Vemasse. Marai in Manufahi, Rameau, Rolule. Manobai 
in Alias, Samoro, Tituluru, Turseain. Kemak in Bailobo, Cora, Sanir, Cutohabe, 
Kailakuk, Attesabe, Boibau, Diribate, Lameian, Maheibo. Tocudade in Boibao, 
Liquica, Maubara. Dagada in Lalea, Faturo Sarou. Macassai in Luga, Vemasse. 
Naubete in Luca. Meadik in Faturo, Luga, Sarou. 

Die Timorezen legten die Zähne mit Gold aus (wie die Goldzähnigen Tunan's 
oder Yucatan's). In Doutranha-Bay (auf Timor) sind die Vorderzähne mit Silber- 
platten belegt (s. Bennett). In Ombay werden die Zähne ausgehöhlt und mit Gold 
ausgelegt. Heimdadr heisst Gullintanni, von den Goldzähnen, die Marut sind 
erzzahnig (ayodanshtrah), und Indra wird mit goldenen Kinnbacken (an den Zähnen) 
dargestellt (s. Röscher). Die Gorgonen (im Sinne von Apotropäen, als nur rompf- 
lose Gesichter oder Köpfe dargestellt) zeigen (bei Apollod.), gewaltige Schweinshauer 
(fjisyaXoyjq o&ovroig wg avm), wie die Rakhasa (Birma's). Die Asoepaha (Hunde 
des Landes) genannten Meo oder Vorfecbter (als Botschafter des Fürsten) tragen 
Goldplatten an den Zähnen (in Timor). Auf den Allor- Inseln werden in die vier 
unteren Vorderzähne Löcher gebohrt, um Gold einzufügen. In Timor geschieht 
das Begrüssen durch Nasen reiben (wie unter Maori). 

Das Tättowiren^') (auf Timor, Flores, Rotti u. s. w.) geschieht mit einem Dom 
(unter Einreiben von Indigo). Das Feilen der Zähne geschieht (in Timor) mit einem 
Stein, oft in solcher Form, dass sie, wenn durch Siri roth gefärbt, wie Granat- 
kömer erscheinen. Weisse Zähne (als den Affen gehörig) sind nicht passend für 
Menschen *'). Auf Timor zeigen die Männer blaue Verzierungen auf dem einen 
Arm und Frauen abwärts laufende Tättowirung auf der Brust. — Tättowiren heisst 
(auf Timor) nulat, zeichnen. — Während auf Gelebes viel Gel (aus Cocos) für das 
Haar verbraucht wird, lässt man dies trocken auf Timor (und so struppig). Wie 



Digitized by 



Google 



15 

<üe Mädchen auf der Stirn, werden die Frauen (bei den Tayal in Formosa) für 
die Heirath auf Lippen und Backen t&ttowirt (s. Guerin). Unter den Dualla wird 
das Tättowiren, wenn für die Männer allmählich ausser Gebrauch kommend, unter 
den Frauen länger bewahrt (s. Rutherford). 

Neben dem Calian genannten Heirathsbrauch **) findet sich (auf Timor) der 
Haafoli unter Zahlung eines Kaufpreises von der Braut oder vom Bräutigam (je 
nachdem der Wohnsitz gewonnen wird'*)). Die Timorezen begraben mit der 
Leiche einen Hund, damit derselbe als Leiter in's Todtenreich diene (s. Veth), 
wie Eskimo (Indianer u. s. w.). Wenn das Blind bereits kräftig zu schreien vermag, 
erhält es seinen Namen, '°) indem man die Namen verschiedener Nitu ausspricht, 
und denjenigen wählt, bei welchem es aufhorcht. In Lauteng the old people live 
separatelj from the younger generation, having assigned to them dwelling places 
«part (in Timor), wie es Wissmann in Central- Afrika fand. Unter der zwerghaften 
Rasse (der Fatumatutua- Berge) herrscht der Gebrauch „for the sons to compel 
their fathers when they become very old, to join some war or robber expedition, 
while they attach themselves to the opposite side, and singling out their own father 
slay him (s. Forbes), wie in Brasilien der vorher vom Vater geknechtete Sohn, 
wenn stärker aufwachsend, dann ihn seinerseits niederwirft (s. Martins). 

In Atapoepoe (auf Timor) müssen für die Erlaubniss zur Heirath sieben Kopfe 
geschnellt werden, welche man an einen Pfahl vor dem Hause (um von den 
Ameisen rein gefressen zu werden) aufsteckt, um dann den Haarbusch an das 
Schwert zu binden. — Auf Timor folgt '^ da» Kind der Mutter,»») wenn die Mit- 
gift nicht bezahlt ist, sonst dem Vater. — 

Bei der unter elastischem Stammesband schwankenden Horde (mit mütterlicher 
Folge) markirt sich eine Umschreibung bereits bei der (auch im Jagdzustand zu- 
gewiesenen) Oertlichkeit, welche als Gegenstand von Willensrichtungen, in Ver- 
werthung durch geistig geleitete Arbeit (wie beim Ackerbau) zur Verdrängung des 
Neffen durch den Sohn führen wird, im Interesse des Vaters, und dann, ^when a 
tribe has adopted father -right, and forbids its local clans to marry within them- 
seWes, a law which prevents marriage within the clan, no totem whose males have 
become extinct, either by war or natural decay, can ever revive" (so dass die Viel- 
heit der Totem sich schliesslich auf einheitliches National wappen reduciren wird), 
und bei Ausgestossenen, gleich den beiden Narrinyeri- Jägern (bei Taplin) „the 
old law of exogamy must be disobeyed in the second generation and uterine 
succession be at least partially discontinued (s. Howitt). Bei Anreizung zum Raptus 
mag spätere Versöhnung (im Connubium) der mütterlichen Seite wieder ihr Vor- 
recht cediren (oder eben die Elassenscheidung für die Wechselheirathen einleiten), 
wogegen bei feindlich fortdauernder Abtrennung die dem Vater als Werthobject 
zar Verfügung stehenden Mädchen schon bei dem Fortverkauf ein deminutio capitis 
zu erleiden hätten, weil in die Gens des Mannes als Eigenthum übernommen (wie 
in gleicher Anticipation für die Nachkommenschaft dann ebenfalls). 

Die Gattin des Rajah (auf Timor) „is selected by the people of the kingdom 
from among the best-looking daughters of some neighbouring Rajah (s. Forbes). 
Die Frau (unter den Mundombes) is constituted carrier, labourer, and hard-worker 
in general, and this energetic life has so strengthened her muscular System that 
ihe women are in many cas'es stronger and finer then the men (s. Johnston), und 
dann folgt aus der Knechtung selbst die Gjmaikokratie, wie unter den Balunda (bei 
Liivingstone), im Gegensatz zum Despotismus eines Mumbo-Yumbo in Senegambien, 
bis herab zur Scheidelinie am Gabun, wo männliche und weibliche Geheimbünde 
sich die Waage halten, mit Ueberwiegen der letzteren nach Süden weiter, so 



Digitized by 



Google 



16 

dass auch Herrschaften der Amazonen folgen mögen, gleich jener (Cyrus be- 
kämpfenden) Tomyris (als Königin in Angola), und die Anknüpfung solcher Sagen 
an die des Maranon führt auf die durch Arbeit die Männer an Starke übertreffenden 
Frauen Guyana's (s. In Thurm). 

Zu Timor darf nur das für den Unterhalt Benöthigte geemtet werden, indem 
aus Ueberschuss £[rankheit und Unglück folgt. Die Tainoesa genannten Kleider 
wechseln in den Landschaften Timor*8 nach den Verzierungen. For every bead 
the fortunate warrior brings back he receives a present from the Rajah and a 
circular disk or lua of gold (in Timor). Die Timorezen bezeichnen Büffel*) und 
anderes Eigenthum mit Merkzeichen oder Malah, die nach den Landschaften za 
unterscheiden sind. • — Die Inoe genannten Halskugeln (korallenartig, aber ge- 
schmolzen), sollen in alter Zeit in Timor eingeführt sein und stehen sehr hoch im 
Preis (wie die Agrie-Perle in Afrika u. s. w.). 



1) Even ZOO als op Ceylon tot het temmen van olifanten worden op Timor ver- 
scheidene plaatsen door omheinige ingesloten en de buffels zoo lang gejaagd tot dat zij 
binnen de opening der omheinde plaats zijn, die daarop ommidielijk wordt afgesloten. 
Naderhand worden er eenige tamme buffels bijgelaten (s. Eysinga). 



ABinerkiingen. 



1) In der Mandjurei ist Bergbau verboten, um nicht die Erde zu unterwühlen, an 
der die Vorfahren der herrschenden Dynastie geboren sind. Die Mammuth- Knochen am 
Kuskokwin stammen von Riesen -Rennthieren, die durch einen Zauberer ausgerottet 
wurden (s. Wrangeil). 

2) Die Masai bitten vor dem Kampfe zuweilen „Ngai*, ihnen Glück zu verleihen 
(mit religiösen Vorstellungen verknüpft). „Wenn es donnerte, riefen sie „Ngai", den 
Vulkan nennen sie Döngo-Ngai; wenn ich Raketen steigen Hess, schrieen sie ngai, 
ngai und viele sagten, als sie mich zuerst erblickten: ngai, besonders immer, wenn ich 
Streichhölzer anzündete. Wenn man will, kann man ja dieses Wort mit „Gotf übersetzen 
(s. Fischer). Die Guarauno (mit dem Guicidatu als Priester) verehren Gebu (s. Plassard^ 

3) Aurelian, Sohn eines Sonnenpriesters in Sirmium, erkennt in dem Sonnenbilde aut 
der Schaale des persischen Königs seinen Vater und dann nach dem Siege über Zcnobia 
die göttliche Erscheinung, die dazu geholfen, in der Sonne des Elagabal- Tempels von 
Emesa (in Rom einen Sonnentempel erbauend). Sundu mmnmy (Mutter Sonne) wird 
bei den Wotj&ken gegen Krankheit angerufen (s. Rytschkow). Bei den Bayansi wird der 
Gott Ikurn verehrt (als Himmel). 

4) Zur Erde wird als Mukylun oder Mumai gebetet (bei Wotj&ken). Dis Pater, qui 
est conjunctus terrae, ubi omnia. oriuntur vel aboriuntur, quorum quod finis ortum, Orcps 
dicitur (b. Varro). 

5) Der Vorsud (Hausgeist) wird als Büd in den Kasten des Opferbrettes gestellt (bei 
den Wotjäken). Gott heisst Getüut (bei Mundrucus), Teufel Cäuschi (s. Spix.). yiyotto, 
y^yotjo (idest fiat, fiat) finis librorum, pro quo in hebraeo legitur „Amen, amen" (in den 
Psalmen), apud Septaginta interpretes (bei Hieronym.). Monteiro's Esel wurde verehrt 
und um seine Meinung befragt (in Südafrika), wie Cortez' Pferd Opfer erhielt (in Ynkatan). 
Le Litthuanien nommait ses dieux (devas, prononcez dievas, deux) avec les diminntefs du 
pere, du dieu, par exemple tßvele (prononcer tievelö), dimin du tevas, pere; dßvaStis, 
dimin de ddvas, quoique devaitis signifi6 aussi fils du dieu (s. Mierzinski). I Noaide 



Digitized by 



Google 



17 

cadeyaBO in niia specie di somno magnetico, dnranti il qaale la loro amma yeniva coii^ 
dotta da im saürognolle <5 nn sairrojodde (nn pesce 6 nn uccello del regno dei morti) la 
dare riceverano i responsi desiderati (s. Mantegazza). Als Boss in Lebetsoba, in der Mann 
ein in dem Lanfbninnen eingemauertes Relief mit den Dioskuren wollte ausheben lassen, 
am es nach Sparta zu schafifen, widersetzten sich die Bauem mit grossem Eifer, da die 
Figvren die Schutzgeister (aiotxi'te) ihres Dorfes seien (s. B. Schmidt) und als das Fragment 
der Demeter-Statue von Eleusis weggenommen wurde, (zur Aufstellung in Cambridge) weh* 
klagten die Einwohner, da die Fruchtbarkeit der Umgegend von dem Dasein dies^ Statue 
abJOLuge. Der Wehrwolf hat zwei Wirbel auf dem Kopf (in Ostpreussen). 

6) The mudji is swung in the gloom of the forest (bei der Pubertätsweihe in Australien); 
tbe mudji is held to have been first made and used by Daramulan, when in the beginning 
of tlimgs, he instituted these ceremonies, and constituted he aboriginal society, as it ensta; 
the noise made bj it is the voice of the Daramulun, ealling together the initiated, and 
moreover, it also represents the muttering of thunder, which is said to be bis yoiee 
(s. Howitt). Und so die Ceremonien der Mandan (auf den Anfang des Ersten Mensdien 
zurückgehend). Im Pomali-Haus (des LuÜk) there is, besides, the most sacred objeet 
of all the yatu-lulik, or stone on which the offerings are laid to the inyisible deity. 
This stone thej believe to haye been giren to the people of Timor for this purpose when 
the nniverse was made (s. Forbes), als Ombilicus (auch in Guzco). 

7) Bei den Wotjäken wird gebetet: „Ihr Längstverschiedenen, möge dar Opfer 
Yor euch niederfallen, ob ihr nun anwesend seid oder nicht Zürnet nicht und saget 
nicht, wir hätten euch [keine Opfer gebracht. Erhaltet eure überlebenden (Ver* 
wandten) bei Gesundheit, sucht sie nicht mit Eriebelkrankheit heim, erzeugt keine Krähen 
nnd Elstern, macht das Vieh und die Pferde fett, gebt den Kindern Gesundheit I'^ Nach- 
dem er solche Worte gesprochen, wirft der Betende, unter ehrfürchtigem Lüften des Hutes 
sich verbeugend, einen Theil des Fleisches in den Trog und isst schweigend den Rest 
ielbst Dasselbe wiederholt er dann der Reihe nach mit den übrigen Yorräthen. Ihm 
macben es die übrigen Familienglieder nach. Nach Beendigung des Opfers wird in einigen 
Gegenden der Inhalt des Troges den Hunden vorgeworfen. Reissen sie sieh darum, so 
gilt das als gutes Zeichen (n. Aminoff). Wenn man zu den Geistern derjenigen Ver- 
storbenen betet, welche der Opfernde gekannt hat, werden in dem Gebet statt der Anrede 
Cjrke poresjos (der Längstverschiedenen) die Namen genannt (s. Buch). 

8) Skohlst oder 6atfz6ptoy (b. Ulfilas) als Skogsnerte (in Schweden) und Schentai 
(Skaohisal). Daemones quos dusios Galli nuncupant (b. August). Pilosi, qui graece panitae, 
kidne incubi vocantur (b. Isid.). — Fantasia, quod in libris gentilium faunus solet appellari 
(MabiUon). 

9) Der durch die Druiden unter Entziehung des Opfems Bestrafte ward allgemein 
vermieden, um Mitbetroffensein von seinem Unglück zu meiden (s. Caesar), und der blut- 
bleckte Mörder war verbannt, bis zur Reinigung (bei den Griechen). 

10) When the com is ripe in the ear, the Bechuana chief holds a public assemblj, 
when the people proceed with axes to the field, and each man brings home on bis Shoulder 
a brauch of the sacred hack-thom, with which thej repair the cattle enclosure belonging 
to tihe town (s. Mackenzie). Bei den Sebetieles (in Moletlane) haben die Hirten die Rinder 
so abgerichtet, dass sie dem flötenden Ton eines Homes in schnellster Gangart folgen 
(8. Merenskj), durch Gewöhnung zur Tränke (um dann, wenn geraubt, zurückgerufen 
werden zu können). Die unverbesserlich wilden Stücke einer jeden Heerde entspringen 
gewöhnlich und sind vollständig verloren, die wilderen von den zurückbleibenden werden 
sicherlich immer zum Schlachten ausgewählt, so oft man gezwungen ist, Eines von der 
Heerde zu tödten. Das zahmst« Vieh, welches selten wegläuft, die Heerde zusanmienhält 
und sie auf dem Heimwege anführt, lässt man länger am Leben als das übrige, d^ei* 
werden diese Thiere hauptsächlich die Eltern des Stammes und vermachen ihre zahmen 
Keigongen der künftigen Heerde (s. Galton). Die Plumarii übten die Kunst des Stickens 
mit Vogelfedem, wie die Indianer Amerika^s (s. Semper). oi *Aiiixol rag ^tuftytts axeoigia^ 
xnXovat, nagä to axtia&at xal vyiTj tiouIv ja Ifiaria (s. Erotian.). Ogetsu-hime (the 
godd^s of food) wird von Susano erschlagen (als Tochter Izanami's). WJÜirend bei Hotten-^ 

Bastian, Archipelago. II. 



Digitized by 



Google 



18 ■ 

totten undEorana die Frauen melken, ist ihnen bei den Eaifern nnd Bechnanen selbst 
der Eingang in die Heerden-Ümzftunnng schon verboten (s. Mackenzie). Kai xigofidi 
xtQafiii xorUi xcel lixiovi lixittv (bei Hesiod.). Die L&ndereien des Koro (der Gemeinde) 
begreifen Yavu (town lot), Quele (arable land) und Veikau (forest) in Piji (s. Fison). 

11) Beim Tode des Königs (bei den Barotze) on creuse une fosse profonde au centre 
du Kraal (enclos) des beoufs, on j d^pose le corps plac^ sur son s^eant, et Ton trene 
autour de lui une enveloppe en osier (s Depelchin). Da bei den Bauten in Tiberias (dnrcli 
Herodes Antipas) eine alte Begrftbnissstätte aufgedeckt war, yermieden die Juden, wegen 
der Verunreinigung durch (jhrftber (nach Mischna Ohaloth) eine Ansiedelung (wofür Fremde 
herbeigezogen wurden). Nach den Dustan (neben Kushan bei Masudi) des Dositiieos 
(Vorgänger des Magier Simon) war unrein, wessen Schatten auf ein Gh'ab gefallen (s. Abnl- 
feda). Bei den MaJlemuten hat der Sohn das Grab in Ordnung zu halten, bis zum Er- 
innerungsfeste in Jahresfrist, (und dann ist der Name nicht weiter zu erw&hnen). oi *ma 
xpgvyaq xakov/ntyoi (s. Epiph.) mortuos baptizant (bei Philast.). In der Apoljtrosis der 
Markosier (unter Salben mit Balsamduft) erh&lt der Verstorbene die Formeln for die 
(jewalten (wie im ägyptischen Todtenbuch). Pendant un certain temps apr^s la mort du 
chef de famille, de trois semaines ä un mois, les femmes ne changent rien ä leurs habi- 
tudes et agissent comme si leur seigneur et maitre existait encore (s. Jardin), dann setzen 
sie sich an die Strasse, um Ton Vorübergehenden misshandelt zu werden (bei den Pahonin). 
Für den Nitu des Verstorbenen wird Speise aufgeh&ngt (in Timorlaut). Als Chat werden 
die Wappenpfeiler für die Todten aufgerichtet (bei den Haidah), w&hrend sie als Kecken 
vor den Häusern stehen (s. Dawson). Die Jarawas und die Adamanen tragen die Kinnlade 
der Verwandten (s. Portmann). Die Steine, in Gabeln der Baumzweige, bei Eintritt der 
Städte (der Bechuana) have been placed there by men entering the town on some im- 
portant matter, and who y^hye performed this act as the means of procuring for themselres 
success in the business, which they had in band (s. Mackenzie). Die Amalosi oder Izituta 
(Geister der Verstorbenen) wohnen in Schlangen (bei den Zulu). Nach dem Begraben 
verbrennen die Teheenika (der Tahgane) die Gebeine (bei Cap Hom). Nach Herodot 
vereinigte sich die absterbende Seele mit einem Wesen, das gerade entsteht (bei den 
Aegyptem). Die von den Göttern zur Oberwelt Zurückgesandten gelangen, nachdem sie 
dreimal ein schuldloses Leben geführt, nach Kronos' seligen Inseln (bei Pindar). The Casa 
blanca and all the ruins south of the Gila were the abodes of the forefathers of the Pirnas, 
designated by them as „Vipiset" (greatgrandparents) or Ho-ho-qom (the extinct ones). 
One of their chiefs, Civano built the Casa Grande (s. Bandelier). The stars were lamps 
hung by the departed spirits to light the way for those that should come after 0^ 
Neu -Britannien). Im jSeptember, nach Beendigung aller Feldarbeiten, wird an einem 
durch die Volksversammlung bestimmten Tage das gemeinsame Todtenopfer des guiien 
Dorfes gefeiert (gurto Kalyken Küton), In allen Hütten wird an diesem Tage der Tisch 
festlich gedeckt und mit Essvorräthen reichlich versehen. Am Nachmittage versammeln 
sich alle Bewohner des Dorfes mit Ausschluss der verheiratheten Weiber und gehen aus 
einem Haus in's andere, kein einziges auslassend, und in jedem Hause wirft jeder Besucher 
etwas von den Essvorräthen in den beschriebenen Troog, dabei die Worte sprechend: 
y,6yke pöre^os adzäd med uioe Küton Karkomf^. .Ihr Geister der Längstverschiedenen, 
möge die Libation, die wir spenden, vor euch niederfallen^ (bei den Wotjäken). In den 
Tumulus werden „grosse mit Wasser und Esswaren gefüllte Urnen ausgegraben" (bei den 
Papel (für die Leiche hingestellt (s. Doelter). Die Oganga (im Okandoland) haben xwei 
oder auch drei Namen, einen gewöhnlichen oder bürgerlichen und einen, „wenn er Medicin 
macht'' (s. Lenz). 

12) Regelmässige Todtenopfer werden (bei Wotjäken) gebracht: zunächst am dritten 
Tage nach dem Tode eines Menschen, kuin ui, von hän, drei und ut, Nacht, denn diese 
Libationen werden in der Regel gegen Mittemacht vorgenommen — wie es scheint, 
streichen auch die wotjäkischen Gespenster am liebsten um Mittemacht umher — femer 
am siebenten Tage, Hzyen, m, am vierzigsten Tage, nyldon m, und am Jahrestage des 
Todes, arei küton. Jährlich werden aUen Manen, den öyke poresfos, d. h. den längst ter- 
storbenen öyke, Opfer vollbracht Im Frühling, in der Woche vor Palmsonntag, opfert 



Digitized by 



Google 



19 

jede Familie zu Hanse gegen Mitternacht anf folgende Weise: der Tisch wird mit Ess- 
Torräthen, Fleisch, Brot oder Kuchen, kumyska nnd Bier besetzt. Neben dem Tische anf 
der Diele steht ein Trog {6umon) ans Birken- oder Lindenrinde, anf dessen Band eine 
brennende Wachskerze geklebt ist. Der Hausherr bedeckt sich das Haupt mit dem Hute, 
nimmt ein Stuck Fleisch in die Hand und spricht* yt6yke poresfo», dzeö ut vordy; urod 
e^kare; öervylen ^n-kuke dzez juez-t^ätietj vinoj Mfd-^n itudaityty'^, „Ihr Geister der L&ngst- 
Tersehiedenen, wohl hütet und erhaltet; macht keine Krüppel (aus uns), werft keine Seuchen 
(anf uns); das Korn, den Wein, die Speise lasst uns wohl gelingen!^ (s. Buch). The 
Pet-chie-ri (the mention of the dead relative's name) is a deadlj insnlt to the survivors 
(bei den Karok), the highest crime one can commit (s. Powers). Nach dem Todtenfest 
(in Jahresfrist der Beerdigung folgend) darf (bei den Kenayer) der Name des Verstorbenen 
nicht länger ausgesprochen werden (s. Wrangell). Yon "Ogo^ erhftlt die Sophia das mysti- 
sche Jao (bei Ptolem.). 

13) During the absence of the ambassadors, the heavens had been as brass, and 
Bcarcely a passing clond obscured the skj, which blazed with the dazzling rajs of a 
Tertical snn. Bnt, stränge to relate, the yery day that the approach of the rain-maker 
was announced, the clouds began to gather thickly, the lightning darted and the thnnder 
roUed in awful grandeur, accompanied by a few drops of rain. The deluded multitude 
were wild with delight; they rent the sky with their acclamations of joy; and the earth 
rang with their exulting and maddening shonts. Previously to entering the town, the 
rain-maker sent a peremptory order to all the inhabitants to wash their feet. Scarcely 
was the message delivered, before every soul, young and old, noble and ignoble, flew to 
the adjoining river to obey the command of the man whom they imagined was now 
coUecting, in the heavens, all bis s