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Full text of "Das römische Privatrecht und der Civilprozess bis in das erste Jahrhundert ..."

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1 






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Das 

Romische Privatrecht 

, 9 

u n d 

der Ci vilprozess 

bis in* das erste Jahrhandert der Kaia^rhemcliaft. 



Ein Hulfsbuch 

ziir ErklaruDg der alten Classiker, vorzugtich fur 

Phllolofren 

' nach den QneDoi beubeitet 

. t 

von 

Dr. Wilhelm Rein. 



Mit einer geschichtlichen Uebenicht der R^mischen 
Verfaflsungsgeschichte und der Rech^quellen bis auf 

Justinianiu. 



L e i p z i gy 

Verla^ von K. P. Koehler. 

18 3 6. 



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GIFT . 







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Seiifem Olieim * 



Dr. Johann August Nebe 



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und 



sefnein Vater 



Dr. August Got thilf Rein 



.in dankbarer Liebe gein^idmet. 






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V r r € d €• 



Wenn es die Au%abe der Phflqlogie ist y das gt- 
sammte Leben der alten Volker zur Erkenntniss 
der Mitwelt zu bringen und au3 den zerrissenen 
Fragmeiiteii der alten Zeit einen neuen Ban auf* 
zurichten, so wird Niemand bezweifeln , dass ¥pr 
Allem die rechtlidien Yerhaltnisse der Nationen 
yon den Phiiologen erforscht werden niiissen und 
als ein Theil ihres Eigenthunui, anzusehen isind^); 
denn abgesehen von dem diesem Gegenstand an 
sich eigenthiitniichen Interesse^ so ninunt derselbe 



f *) Weit entfemt davon^ dass die geleliitten Juristeh 
die Philologen als Laien Ton diesem Gebiet ailsscliliessen 
sollten, so ladeli ^ie sie vielmehr frenndlich ein, das gelnein- 
saine Eigenthum briiderlich zu ^Terwalten , s. Klenzes 
Vorrede zur a, Aufl. s. Lehrbuchs der Geschichte des 
Rom. RecktB< Beriin i855« S. XXII. > 



VI 



Jm Lehen einen yorziiglichen Platz &n und be- 
rechtigt wegen seines machtigen EinjOusses zu den 
Wichtigsten Schliissen auf die anderen Verbalt^ 
nisse und Leistungen der Yolker. Yornemlieh gilt 
diess von der Romischen Natiop , indem hier das 

^hausliche und offentiiche Leben, das Recht und 
die PrivatverhaUnisse so innig verwachsen und 
vel-geschwis^ert sind , dass sie nur gewaltsam ge- 
trennt zu wVirden ytrirmSgeiK Sehen wir nicht^ 
wie ein jeder gebildete Romer der republika- 
nischen Zeit ebensow6hl ein tiichtiger Hausvater 
Hii^ F^d^baii er^ ab SkiaalanBiann vbd ReJchtsgeldbr^i: 
WW und' wie ihre UrkuBdisn; selbst diejanigefl^ 
weic^a nkfat juristischoi oder- puhlicttlisich^ Iiit 
halts Bind, unzahlige Anspielungen uwl jpew^iv 
kmigen enttialten , zu deren Aufklanuig^ imd 
YerBtaBcTniss wur^ das Studium. der JuriiEqpradii^ttC 
nkht eatbebmn konncsbf Hierza kcimmt ebdjy^ 
noch , dafls heipBr Staats* od^ Reekisfantfivicfeliiilg 

ao ^mlend lihd Ehrfiunchter weekend: faervortrittt 
als die diMes jemfengt 8« uDbedeutcmieii Yotteisu . 
Wenn man die T^ahrheit dieser Bemerkung 
eingestehn muss, so isi auf der anderen; Seite s^hr 
zu verwundem, dass die Philologie trotz ihrer 
^ durcli F. A, WoUf erhaltnen-hoheren Richtung und 
Ausdebnung, in del* neueren Zeit so wenig an 
den Romisch-juristiscfaenStudienTheil genomm^a 



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hat, v^d swar van so weir, dft dme Mit ^iuff 

Rfttbe VJN^ JfdureB 4torpli die 0. g. A«>A»mc4f9 £krAfi/S^ 

luiter des gpomen Hugo imd Savignys Fuhning 

eiiieii neu^n gewaltigen Aufedhwung gewonnpn 

h^^n and den phiiologischen Bestrebiingen nahe 

getr^teQ siad. Mit grossler VoUfitandjgkeit fiind ' 

die ejnzelnen juriadschen Ehicheinungen zu- 

mmme^gesteUti mit grundlkher Scbarfe die Zei- 

tea von einander gesondert und mit leb^diger 

<]!oflibinatiQni^abe und liebl^oUer Anachaucmg daa 

Alterthum wi^er 2usaBapiengesetzt and das Alte 

^eidbisani von Neuem geboren ^). , 

Dass demungeachtet die Philologen diesen 

geigtroUea und cstfolg^eichen Be«farebungen iih 

llUgeiaeii|i0n so frerod blieben^ day op lag die 

^dkutd in der fiesehaffenheil; der jndstisGhen 

Biieher ; denn tbeiJs waren/iie su weitlauftig, Ter- 

lortep sic^ ia die wibedeatendsten Einzelheiten and 

adirecl^wd^diirch den Laien ab, theils nahmea 

jsie jsu iR(^<eiiig auf die friiheren Zeiten der Republik 

Biicksidit und wo es ^chah, war die ispateare 

Zeitnicht ¥0p der alteren getrennt, weshalb die 

ytiilolo^a oft picht wussten , wa3 der von ihnen 

|ieitra£btetea Peoriadie angdiorte » und wenn sale es 
' '■ ' ■'■■ " ' " • 

'*')Ueberdielii8torisclieBeliandlnngdes Rechts sprechen 
Savigny in -s. Zertschrifi I , S. 2 ff. , Buschke Sttidien I, ^ 
:fi. 337 f.^ SohiUing Reclitoge»c^chte , Lief. I^ S. 39 f. 



— VIB — 

/ 

aoch witsMen^ dturfek das andere FremdarlSgie 
gestort und in ihren Cnterauchungen gelielhint wur- 
den; 2um Theil waren die Werke auch so schwer 
zu versteheh, setzten so viele juristisehe Kennt- 
nisse vorans und waren nach einer wenn auch 
richtigen , aoer nichts weniger als iibersichtlichen 
systematisch^n . Anordiliing verfasst, dass es den 
Andern unnioglich war zu folgen und das Ganze 
au&u&ssen. Dazu kam noch, dass di^ Schriften 
fioWohl wegen ihres hohen Pteisses, als w^ es 
einzelne Aujfsatze in grosseren Zeitschriften oder 
Starke Monographien waren , den Philologen un^ 
zuganglich biieben. 

Diese Beobachtungen ftihrten den Verf, 
welcher seit langerer Zeit seine Mussestuhden mit 
grosser Yorliebe diem Studium des Roinisciien 
Rechts gewidmet hat, auf einen Gedanken, durch 
dessen Ausfiihrung er den Freunden dei* alt^n 
Literatur und (jterWissenschaft selbst einehDienst 
zu leisten hoffte , . den i^emiich , ein Mqmisches 
Recht fnr Philologen zu schreiben , ^welches- ill 
seinen Grundziigen zwar ein moglichst voIlstBU- 
diges System (dl h. der Ciceronianischen Zeit) j in^ 
der Ausfuhrung aber weder zu viel, noch zu wenig' 
enthielte und den Fehler der Dunkelheit ebenso 
vermiede, als den der lastigenBreite— knrz, wel- 
ches gerade so viel mittheilte^v ab zur Anschauung 






I 



— IX — 

des itiSmUichML rEi^«M»^ iiiMlidlcher Stti96h»% 

Ges^e und^Be9ditstekuilg€«i,'"vre}ehe er oluie Mine 
Absicht 2U verfohleh 5 'iiidit verletzen durfte nnd 
die in f 0lgenden Beziehungien hcrvortreten : 

1) mit Axe Zeii: t>a die classischen Scktift^ 
st^tfe^'mtt def Jttrisprudensir der spitewn Zeit 
nicht in Verbindung stehen/ so' btauchte 'Voin Y& 
anf di^£aiser2eit4eB 2. imd^der folgenden Jahr- 
hnnderte, welcKe bei den Jutisten fast die Haupt*- 
saehe ausmachen, nicht Rfteksidit genbnimeh 211 
werden. Zwar ist iiir den denkenden Freund der 
dresohiehte und d^ Menschheit auch die Zeit des 
ftinkei^en Beichs sehr interes8ant,'jedoch bietet 

ff 

gerade die Jurispriiiienz desselben fur die Nicht- 
jiiristen iwenig Anziehendes, dar. Die alte orga- 
nische, consequent ibrtselireitende Ausbildiing aiis 
dem Gei&te des Yblkes Kerails und mit dem Lebea 
desselben: parallel gehend, macbt einer \^lkur- 
lichen, wenn auch zum Theii sehr lobenswerthen^ 
von oben angeordneten Yerbesserungund der juris- 
dschen Interpretation Platz ; die alte Einfachheit 
mndStrenge verwandelt sich in.ein mannii^hfaches 
Gewebe TOti Spitzfindigkeiten ,' Controversen und 
Zweifeln^ so dass man den.Geist des Yplks und 
der Zeit in den spatereit Yerordnungen nicht .mehr 



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w» 0i^Mm^ ^Tium^f;, ;De9wiseeli Midbte diar VC 
f« jilidi cum Oesett, dm Ch^ommiMh^ Seitaltw 
ala Mittelpimkt keinor Par^telhing feittt^hallx^ 
(ohiie jedoch die Aii4m1wigm ails firfibw^rZ^— ^ 
wo SM warm — «u yerAachlaiekrfgeii) und dardi- 
^ngig im erstan jAhrbimdtof: der Kmerherrs^hiifl; 
abzufblrecheb, wodurchiiie der spateren Zcdit an- 
gehomfiden Gesetee , Recbte und V^fajmnrartoni 
gaiusUch aKagetcklonsen Wurdeft^^)* : Oft svar m 

^emsUnle zn finde^d und allentbaib^n den nie^t 
jEU iibeischreiteikde]! Funkt zu bc^ebadliten 9 und 



■■>*■■■ 



♦) Der Vt -mirde cine syfitematische Darstellung des 
Fiivatre^hta mid jswar iji. a ' Pefiodw' torfe^c^e^ hlJ»ei» 
(das altera imd nenere Recht , zum Untertchied yon dem 
neaesten der Kaiserzeit ». g. ) , wenn sich dieses in alien 
Theilen so gut , wie im Actionenrecht hatte thuii Ias8«n.. 
Uifir |^;d«0 Legisactioiien'- vnd FormukrYerfahren diese 
Trennung an die Hand , b^i den ^dem . DisQiplinen 
,Tv;are sie tuiausfiihrbar gewesen , •• S. 4o5. Schillings Be- 
nerk. zu Hugos R. G. S. 3 ff. u. s^. Rechtsgescli, 
JLiefc I, 49. 

♦*) An&iig^ wxJJte der Vf. die von den apateren 
Kai^ern., niunentlich yon Justinian ^emachten 'Hauptande- 
rungen kurz angeben; jedoch das oTben Ausgesprochene 
nnd die Befurchtun^ , dass dic«e MittJbeilmigen., yirenn eifi 
nidit tzu oberfl&chHeh verden soUtan , m yi&L Fktz ekv- 
nehmen.wurden, bewogen ihn, seinki Plan zu ^andera, 
so dass (mit Ausndhme dek Sacbenrechts ) nur selten die 
^Slere 'Zeit erwMlint iit. / 



■ \ 



— XI _ 

V 

Mttikehe iUa^ipn 4adiet glaiibe% dan Msadne Ihim 
au^oQplikinen M^n^ wdcke niir der spatercn 
Xeit wtif^hSkeni ilertVIL' Wllle war t^ vmenigsteni 
niclit,' «id weim esja soweilen geschJBhen itii, aa 
doFfte er woU in dem folgendeh einige Entachiil- 
diguBg finden. 

2) Ein andr^s OesetsB eigab sidi au8 den beatimin* 
ten Gireoizen fiar die Benutmmg der (lueUen^ die^ 
8CS nendkh, dass dei* V£ um nichts Fremdardget 
beiKnmischaa , wo moglii^ nur Zeugen der. von 
ihm behandelteti Zeit anwendete. Leider aber 
vmr ea unmoglick, au& blosden Quellen der fruberen 
Zeit ein ^Recbtssytem zusammenzostellen , . •weik 
wegen audi Ersseugnisse der KaiserKeit zu Ratbe 
geso^eii weiden iwissten^ jeddeh in so weit, ab 
der Yf. wiutste j oder ivcQigstens mit Wahrscbein- 
liebkeit yermutken kdnntey dass die in^ deAselben 
iiericbitetc^ Verbaltnisse una i^esetze aucb d^r 
fitibei'm Zeit angehorten. Bei. einigen Sebriftt 
stellem War. die Unterscbeidnng des Alten nnd 
Nenen leicbt, viirziiglicb bei &dlcben» wo-eino 
Ustoriscbe Toidehz bei Abfasisnng des Bucbs vor* 
waltetey wie bd de^ Insti(»ti6nen von Gains nnd 
tbeilweise bei dei^n Jtistinians; schwerer bei 
anderen, li^ spaiiidie Andeutuiigen der friUierett 
nnd hreitselkarsCrilungen del- sp&teren Z^it nnter 
einsaiderganaiseht sipd, z. E. ki den daai Pfailoldgeii 



s 



/ 



— Mr- 

utteitbchiMkliea nod Idcht ihigan^d^ii .Frc^^ 
menten des Ulpianus iknd Paulhtssowohl, ate Ih 
den neuentdeckten^ Vatikaniseheii Cebcprrestokb 
Aus der hsUifigen Anweoduiig dieser Schiiften 
kurinte sich wohl hm lind ¥iH[eder' etwas in den 
Text eingeschlicheh haben, was den Grenzen der 
bestihimten Periode' fern lag. — Was die Pan- 
dektenbetriffit^ so hat sie derVf.zwar nickt grundV 
lich stiidirt , aber sehr haufig hachgescftiagen und 
namendieh dann seine Zufiucht am ihnen ge* 
nonin^en, wa lille anderen Qoelien ^chwiegen 
und eihe Liicke im System unvermeidlich gewesen 
ware. . Da sie aber den Nichtjuristen weniger zur 
*Hand sindy so hat sie der Yf. mehi; b^utzt als 
citirt, welch^ Letztere ibm sehr leicht gewesen 
ware , wenn er iiberhaupt daran gedacht hatte^ - 
unniitze Citate zu haufen. Die eigentlichen philolo- 
gischen Qiieilen aber sind so vollstandigals mdglich 
bMehdtztwordenundderY&glaubt, dasskein, wenn 
auch scheinbar noch so unbedeutehdes Citat fiber* 
flfissig genannt werden ^rfe. Denn da das Buch 
einmal dazu dienen soUte, die Erkaruhg der aiten 
Autoren zu unterstiitzen, so mussteh die Stelien 
in grosser Yollstandigkeitangegeben werden. Dass 
indess hur wenige ders^beh ausfiihrlich erklart 
wordeii iund, glaubt der Yf. 'sowohi durch das 
leichte Yerstandniss der weniger beriicksichtigteny 






\ I 



— XIII — 

als dttroh^^ beirgiiSiserar'rWddfiuftigkdt 11^ 
sa . T^imeickkde ^ 1 Idfeilgrosse ^ SCwke % des i Bdohi 

iMrMlttirordeiK'^vSre. c ' »• 

Um nun. 3. Ton der Art ssa iprechen. wie,40r 
Tfrwwohl die Quelkn 9\s^^'Ut€rmri9^nmJIIMlf»> 
tmittei Jfenutast iind^ wie er nberbaupt g^arheitet 
baVs6^i^9»biiehAe ^mtqinem Jeden zu mac&ende 
AnftDtdem^g,^ dass er^aik ah>iftnbea9wcsil5vtt in den 
Q&etten Mltgetbetlte oAer als.mhtig vpn^deaneiw^ 
t^'B6asbeitern:^Anei4«nn(» ^orgfaltig c saauncitcr 
nud giltklAnt' vte dimi'Z wdfaHugiften und Dtnnkelii 
alt^'iiftbesEW^i^t hinstellte; denii dai Budi. soil 
kdh neues System- des Romisehen Rechts, ada^ 
dem <»i Sj^stem Myny wie eis sich in geineii6nn»i«* 
efigefti' iiiibestritteii aug^deh Studien iind Anidcfaten 
dcqr^ alten>und' )i€tt0i^ Zeit ergiebt Dtech eine 
siilcbo * * DaiisteHung - ^ea V6^andn«n . glaubte m: 
^Sneii bUfa^n'Qank zu vefdienen, als !wenn «r.das 
fOr ^WUhr gehaltetie mit gceptischeiii Sian ahge^ 
gi^en ddei* e)na^ ni^en PrttfungiiatOTwdrfen und 
neii^ C<injeetttti^ 4K{gegtelIt hatta Oligb^ich er 
eg dahidr nicht^ veriM^maht hat, eigenevVehnu'- 
thun^m^l I 'Beiaderkungem; ;und Ailgicblfeiii lieinza*- 
Wifeb^n;^^«o -liat-'er »ch docbauf dar andesnrSeite 
8eiir<*^wdKt gebiiUiet^ Diil(ge mitzuth^ilerij welche 
dw 1 1 g(^jAibIieh«si .Aix^bht * zu : fei^d' liegen und 






— XIV — 

f 

CfMi|ettiren aitfiiti8telleii» d«rai voIbM&ii^gfi B«^. 
Weiifiihrilng (ibatto ^n^dfelftaity «!» dflmllaiini 
dMiBttch« anatagemessengeweten iii^rct];<tegtdt«ik 
des verstorbnen C. Beier, welchti^ teiiiM ^iifct. j«r 
liiliMhem fitiUetmaiieh^ Eittdeckulig: gemadit zu 
b^w glaubte undnurizu^bald.za ijieiileiilQrantkuiig 
«nd Aergei^Mk^' wie wenig aeihe :^f eueriiiig^n'Aia 
Beifaflder Juriaten.cdaiigteii^ dM di«te skh yi«h 
melur. d^pagen asm ¥erwalmti. mid. daror nhrtMieli. 

9 

an munen ^aiibt^. Ucberhlmitt aber i4t jaft 
bemesken, dd«s ]nandle;3Mae AnsiehtenV >^lcb« 
sich euieih r Pfailolbgen . auf junirturchem : FMde ^^, 
drangeauiidihmbeideni ersten AnbUck aiietwhiit?» 
tcrlkh seheinen, demselben. niemab eingefallcitt 
seyB wiirden^ wimb ihm ein grosscrer Rfeiclithiiili 
von allgenidnen Re€htsb4%Fiffen utid KelmfmsMR 
so Gebote stande; dentt Manches, waa atifaytfi 
duiikel uHd zweideutig^ erschdat^ ' zu madkhr 
fachen Gonjokturen dialadend 9 gewinnt di«reh 
eiue . Ver^eichuiig tnit anderea Iniltitittea "mid aiir 
daen Zeiten aehr bald\8eiaeii ^nn uoid wfthre 
Bedeuttog , worailf die Hypothesea ^ in ^Niohta 
ZBifiiUeiik.'' Deswegen brauekte der Vf. doppelte 
Vonichtiiitd tial^ indem er manoheErorteriiog duat 
fl^alenm Zeit imd aiidreor Gdegeiriidt ai^fsparl^ 
iir der BiegBl die benraokeade ddifti^' wibnchdhi^ 
lidkate Aaiicht mitgetheilt 9 Aebst Nacbweiiiingea 



X 

« 



Tvsiren, W#teli<^ ^wi^r drhiibeti werden'kdtitieii; 
Had dadtttch hoflt er^ AoU ioiaiidbeivLes^^^^ 
lassmig trndtn^ tlefbr einim^riiig^ in dLMi^lSfiidkfli 
nnd alM Sb0itigkiditeM( dittofc iMttel}ft*«nHicilinijgMi 



%. 



oiifl jed^iT'^mii der WiMeAiM^liaft rtIug0nna««e^ 
Yertrolttt "Wird bald ^fk^tineti, dasft die aller- 
nidisteii der fiilcher nietit Mod eitift, sonden aock 
ge^tauclit iiMdrdeii iiad; bei einigen ^ar dicMM 
leid^r «bui6gUcl^, da trdts alter UntebstAlziinib 
welche man^elMiTat'- imd SffeiltliGhe KUiothek 
in der NMie iind^Feifiiedem VC angedeiheii lfei% 
dennoch einzelne Werke ihtl uriihiganglieh bliebei^ 
Wjekhe jediNshiriehtmitSdUMhwei^ fibergangen 
Werden ^ii]ff):eii; TheMs nettilkh war der V£ 
dttrch iAKdrer' Bfittbeiluiigeii Ton der Treffliekeit 
dieser JSiitlier t>ei|acliri<^tigt und miisste sie also 
neimeti)' iiltl Leiierj,^ die sich dieselben vielleicht 
m Venchaffen iiii Stande wareit, darauf aiifknerk* 
mb ^n maebdii; theils kannte er sie blofii dera 
Nameti nach (jcidoehttQri;v«nigte), ufiid diese asu 
fibei|;die!ii ware Unrecht gewesen, da sie vielleicht 



vw 



Ia^wuiqu irr I>i3 Sc)irifil»Qi Af» Yiorigeii J[«brbiUDH 
dimtsundnodi fjriUierm Juri$1]en.fig^ mejust^ tmsger 
s«biMU9ea> dn.'di? Art [ilurer BQipuhittigiih <)eiim 
wlwr^Zeit'Oft'^ unlitolid^ ist im4 waAiren^ «|€r 
ffitt:^jli.,^iimiitmlwn\ Janiite»,.iucht :9«lteB.:einjni 

hohen Werth haben , in historisdier RiiQla^d^t pj$ 
ga<kk iinbdl«vten4 «i44. QngegjBii mid <d^ nifueren 
lHrisl^.fleUilJg'4»wut8(^t naneqitiich dieJl ,tl #» 

Biedi:beiliingf«we9-.g|sefl«ett ^iilflussi 4U»ubl¥>n, \yn^ 
pxiideiU) twfoi* eiDiijbcing««>i;W}U« .Zugleifi^il^HiKqrJqt 
daftB0it)i^ellefihoml9lmt4illd.r'.: : il,, . 

f: ::ft?i der«y^p»<»?ac*^}Or4iM««!ff'war^irtgW9 

Hodi P4rm(»^if^tikUt« ^J^bersicjiit (S»^l?!,Q).d9i?? 
V£>tvail ^S9«m v^ivtiqf^^: d|^ ^ei3ich,«l|f»|p <Jurfih 
VitiUst^dJigikoifi »l«l:tJ^!M*Pfii«?htli€Wcejt;«iB5»gel»lt. 
J^atijtfliish (konn^: ^ie^e A»oi;^>H»g WiM aJten/tr 

Iil8titutionensy9tem enthcUt, soil dieses Buch 



■ — r" 



1 



— xvil — 

'eine sysitematische. DarsteUang des Romisclien 

Reehts in deiHetzten Zeiten der Republik seyn^ mit 

Andeutniigea atis der friiheren und spateren Zeit. 

Nofih sind einige Worte zur Entschuldigang 

dejc Emhitung hinzuzufugen: die Romische Stats- 

Yer&ssulig) welcheifiir den dgendicheh PUlologen 

nicht ausrdchea liikde, ist for die angehenden 

JHiisten gesdurieben^ welche etwa zu diesem Buch 

^^eii Bolltim . und die Hauptdata der ausseren 

Reehtegeschidite , ao weit sie ihrer bedurf(^n, 

. Jieimen m lemen wiinschten. Dagegen der fur 

den JteiMten iiberfliissige Abriss der Recb'tsqueilen 

ist tilas lur Pbiiologische Leser besrechnet, welche 

kema.'rvoUstandige Kenntiiiss dieses Gegenstands 

bediirfen^^/das fiattpts&cblichste aber aus diesem 

Bereich, Uild ihndn 'i^tvi&U Nothweddige als In- 

^masante/Jkenn^A. letnen mfithten, wasu tie 

a^^^rsiv^ Ifkht icddit Gelegenhei^ habesu 

^ EJl^ge KicSer Jlind dem Yf. bei Abfassung 
sdttf r $.chr|ft e^U^angen oder zu splU: ersdueneB) 
alsd^^;6ie nacih Katten beiiuAzt w«den: \kdiDn^i^ 
Dah^^ soli hiber eine Jkleine literariicheiNadhleflie 
f*}g^» wobwd der Vf. Gelegenhdt nehmeli. wird» 
«in|ge.y/Qrbie£tsa:un99n einzuschalten: 

Si 3 ff. F, A. BchiUings Lehrbuch fiir Institu- 
ti»toli iin^ Gcischiabte des Rom. Privalxechts. 
1- lief; EinleitUBg. Leipzig 1834. 



— xvm -^ 

.Si,tXB»iaA. C. KUnze iA flu irwaluuiii 
die 2.' Aufl. 8* Jbehrbuchs der Geschichte des Wkm. 
Kechts^ ein Grundriss^ Berlin 1835 (dnrili die 
verheii^eiie Ausarfaeitttng dieaen Abriss^s au einem 
Hiandbiioh \vird.»cb Hr. tLin Ubhein Grade ver*- 
di^ntuhaichen): Aiif iferselbeftSeiie istj. C.S^lU\ss 
Fro£ ih iiikticfa ^bekiuin^ diirch eniieine AnMtse 
imdhist. i«rift Ihmi.. fideaineiifmw £iMd. IS30) idii- 
suziifUgen , ebenio .A^ ^ l#!^ JHud^i^j^ ({ Vtot * im 
Berlin, & S. 239 >; WjFraMU ^Prbil ii» Jena), 
€{bssius (.Pro£ in JDe^at) nndinaiicbtf Aiid«r<s 
weiehe der Vf; weil cr raitf dimea Leistungcn und 
Yerdien$teA wenigqr bekannt war, ubergaagen^at^ 

. S.22uBd2&ist/>«rifrMmaficfordM»f&riynotli^ 
genommeB nvit lem curitda ife ^npmna* Gegeii 
d|«se NiehnhrigiAb Anfiidi* ist C'Sl T. Ehpergers 
Vxogvmtasm gerie&tet: de patribiur eraftitiorumRofift. 
auctoribufi^ €kibkbl822^ worin'auetoritas ffrr^die 
iiiatGcftiet Vfyrbimdene religidse Weibe 4^ 'Coini- 
(aeat gfiiAlteai \(njAi Skater my dUeselbe wdrthfois 
gewwden ilnd> dsbtait sie nidit gaiizUbh untep- 
giDge,. auf ' de& S^nai itbergetragen^ wc^en. — 
Pi* ft»l«»lfc»i»«g, d«. ..ter f-»« nich. dS. 
Patiicier, sondein dia Senatoren z» yerstehen 
Mijren, bewahrt noch P. £. Musehke in 2^ Abb. ^ 
iibev die Stella dea Ywro Ton den lieitaiern (dto 
r. i*. I, 2, 9) nebst eiiper Zugabe ilber Ffest vi 



f . 



I 

1 



S. <29 f/((to>1iH)» fttftWd^ ft; Ati8g, d(» InMMl: tiiML 
Maagi^iitafdttiA «< sa«iBi«l«ii<iitiite^^t> ielLpoiitC ini^ 
"^rhtisl. 1^39. S.>81'£) ohne jedodi lUiziidMitei^ 
db-ei^-dl^ Ansicht von der nt(4irthalii Wl^ideriiolte^ 
1»«e#M#«k^ ItilGli j«*^ <l«(ft Verthc^ge. 

9fTt^, 43 f. 8^9 Wii4 <W»r geitagt, 4aM dk 

SvnOf.sdCdfOiXIIlW.) ao^ J«»Vi«^'I!) 990 

Mi 'Wle^««riioKei' Um«i^ticlktiig Wk M^^l iA 
B^ivirfeisitielleil Mner VM t)«k^ Ayklif^n hei- 
s^fnikMii Mttnili ^ir' glavibt ^vldiiMle^, dain die 
Fre^la^ttto Ufiiipi^fiiiglidi -^ denn FieffasJStmgeA 
-waren anfan^ sehr aielten ■■ — publidstiiidi mit 
weit^ AAEMMihfiANia denelbeii Reebto ihe^aflig 
"W^i^ •lliri#ilu%']^(»»ifiy -vt^l^Nreild A'i {nrlvatredit- 
ti4^ dtt»«k^« Cli^td4eB(^tatnkt tirairtii Dienel^ £i. 
IV-j 18^.!% W». Vfum ^isAmnMk lit 'der Stedt 
!«t^«lttfMii«(deiiiit'sle ^atXOb ja k«iii^ GitttidbcisK!!), 

n^'Ok^ ij» dieMftMll^ae aufhehnf«il eii fessfeii, 
ir^diu'^'-ibr E^dhiss '^bcMiifisirig geftfe^cM wMd«. 

^9imm- ir&t 'A^]^« Cltt«dlM#iik gatr kebtd^ffKras^ also 

•*2 



\, 



m% (liiiwfi mflkl^nea spIchenSi^upgiwlAiibith^b^ 

solll)^: 'd(sr Siqn. ist vidmehr, d^ss sie^.ntott; ui 

4 tribQs von nun in alien, stinifnen sollten. Die 

bald darattf nach alter Weise eintretenden Be- 

schrankungen ( S. 43. ) wareii eine ,imi^yKe»d^ 

Folge der mit dem Sittaaverderben wa^hj90nden 

' Zalil der Fmlas^imgi^ii, 4^hii^ ^^ diie libert jemals 

wahre aerfir||;geworden wSr^i. (In diesen ausserst 

f^hwierigenVorbaltnisiien.d^T libert. aerar. u.s».w. 

scheintNiebubr ^sicb nicht gj^nz gteich geMiebeazu 

^seyn, yerg|.II, 359. 63. 1, 523. 661. HI, 346 jR, u.a.). 

S. 34, Zeile 2 ist ein sinnentstellender Druck^ 

fehler zUr :Terb€issern;, man Ifse statt Consul 

Cfftsus. . . ,., 

Jet^t ^i^Qrte^t >roa P. ^. iT^cA^^ 2 Abb. 1^ 30 £, 
.iil4eB[i erjfus Q/mr,,mehx Sir da^ Friyatstecht halt 
^dap Yei^haltnisET der ekizefaien Biirger .zaeinander, 
d$^^|)rg^rcxbt im JfoneratO* <«* ^Rw^Wfidagegen 
1^ j^9aiMm.'Mmm0iM «tt Gi?gensate m deaa 
,4W!laR4 U4«lf «Wi«sti|ic|ie, dieEhredesBamen 
^ Vj»rljji|ti>i^tl|it^iflJtilapfia»era").. Djw friofUichie 
.Q^f^ ■' $k J^atl^ijfgenechtlifAi^ ..iVeriialtniss *^ , . 4es 
,NaiB$ta rftfiiHt^ QrkaiuttiP aebmi K. J), ff^lmeftm 
,Gtvpdv!>ef^i^^ ^1 f,, wahrend erbei JRomamafi 
dWi ^laieg9genoss«na€^aftl]^ef^ |kfoni(»t d$U6k4e«, ,: 



» 



S* 45 E Ueber die Entstehung des tus Latiiy 
welches meist Hach Niebuhr und Savigny' darge* 
stelltist,.kat zttletzt C. A. v. Vangerhw (iibcr die 
Lat. Jun/S. 90 — IBS, s. S. 281) scharfsimuge 
Vntersuehangen mitgetheiit, deren Resuttat gegea 
d^^natfat^Dt Manner gerichtetist; dieses nemlich, 
dass die aiten iBewohner von Latinm bevorzugte 
socii Roms gewesen (durch Cas»os Vertrag), pri* 
vatrechtiieh aber als Peregrinen angeseben worden 
Tvaren, bis. sie durch depi Bundesgenossenkrieg 
Ciyitat erhalten hatten. Neben jenen socii hatten^ 
.die Laimi colomarii gestanden / staatsrechtlich 
den andern Latini gleich j privatrechttich mit dem 
Yorzug des commercium begabt; und diesem Yer- 
haltniss sey das der Latini Juniani nachgebildet 
worden, wenigstens in privatrechltlicher Beziehung. 

S. 52 f. ;Ueber ctmtates liberae s. H. JB. DfVt- 
gen in Vers. z. Kritik und Auslegung der Quelle 
des R- R. Leipzig 1823, wcrS. 137 — 202 das 
plebiscitum de Therniensibus nebst andereii Mo- 
' numenten mitg^theilt ist« S. 140 — '160 stehen 
Bemerk. liber lib. civ, im allgemeinen und die Libtf- 
tilt 4ler StHdt Th^ilimms 'insbisondere^ 

S; 92. l>eb€»die:Bekititen derKais€^i:e^ygI. 



J 

V 






— XXJI — - 

r^.$$. Ah iiiHieiiter V^rlMdigct 4« Aecht- 
1i?it ()er bei 4eB A^^fm.VQtUimmkm^m'itgfs 

Hepttl^lk (aiiPi ThcU gegen Jhtliaen^UtC.J^^rmA 
fmt^etretjen in frinfim Hamburger Progpramm : do 
Pfigjimbus bMitorine'Rain. 9^ 4e antiquisB. oarai^iiili 
bus hi^tv de Icgibits r^si (8: 11 >— 23) atqno do 
comqie^tariis ci^ia ( SJ 24 ^-^48 )• 1833 ; jedodb 
9md nicht alle fidia^ptungen hialani^idb^ be^ 
grJimdetf -^ Die Stelle d^ PompQii. ; ate|it h % 
1 ff. D. de orig. >iir« (ly 2). , 

S. 81* Die Stelie des Suet Calig. 34 df« iurfu 
quoque cett* , welcher ;^Uiblge der tyranmsehe 
Caligula den Junisten ab Yerfheidigern des Beehto^ 
deu Untergang d/ohtei indeqi er alleiu reitpon«^ 
diren (d« K dasi Reehtganslich i^ou «einer WiUkii^ 
abhangig machen) wolltei ist zuletet erklart von 
^^^gg^ de iumpradeiitiar apud Bom. eub primi« 
imperat^ Vratislav. 1827. 

Si 129.. Pie Aynomniisoben Be^timmimgeii Y4m 
praedium tfger etc. aiud au9 Mh Brnderhin^ Syuon^ 
undEtymoL III^ 8. 5 % (I^eipjEig 1S29) entlehnt, 
woselbst genauere Naebweiaungen au finden aind. 
/ SL 125 W. Die f cihwierige und vlelbestrittene 
Lebie ^ota ^mt^ , welcbe wemger auf QueHeii- 
interpretalioAy^Alti aufpbiloeopbtitf^htm JSeharfsinn 
basirt ist, hat manches neue Licht docdi MmM^ 



— XXUl — 

r 

oben cit^ 2. Abk^ gewbimen (namentifidi fi. S4 fr.)« 
Trefflkh idt div Erklarang des Fefttus^ die Enfe- 
widdung de lege agsaria ' iind yom ager publicus 
]]• Y. a« obgteicti iKuweileh im Eliiiiielheh Hq. H. sain 
attsserordentttebior Scharftinn etwas za weit ge^ 
liihrt haben mag. 

' ' S< 174'fil'Beitrage ^ Eherecht s. mLGitzler^ 
quaest. dcilege JiiL et £ap. Popp*. spec. L Hal. 1835> 
W0 ausser der ansa. Geschichte dieser leges eihige 
andere UnteESuchung^n mitgi^eilt imid , nemlick 
S. 41 — 53, dass durch diese lex die Elbe durch 
usus (S. 180)abge8chafft worden sey^ um die durdi 
die Unterbcechung der 3 Nachte zu. beivirkende 
Scheiduiig aufziiheben ; S. 54— 75 iiber das iudi^ 
cium, de moribus imd iiber 'das dmnit iiicht zu 
Tecwechselnde erste dprch L Jalia yon AtiguikC ein^ 
gefahcte. indicium publicum, bei welcher Geleged- 
heitGell^X, ^3(8. 192) so gelesen wird: vir^ quum 
divortmm fecei^t muHer ( d. b. wenn sic durch 
ihre Sclmld die Scbeidung yeranlMSt bat) » tpde^ 
etc. (1) — W. r. Tieg&rslroem9 rom. Dotelredit 
IterUn 1S32 II bat der Vf . nicbt a^ Geaddit b^ 

&235£ GemtiUtm ^ K^I>^ BulkMnmlk^ 
spriinge der Rom. Yerfassung^ B«ni 1835,^ Aainieht^ ' 
lich am Ende (wetere Ausfdhrm^ der sebeoi in s. 
Griindyerfassung mitgetbeilten Ansicbten). 



\ I 



. f 



• * 



— XXIV — 

I 

8. 244 wild der FamiUenrath erwaJint, je« 
doch nicht in dem strengen Sinn, wie ihn Rudorg^ 
gefasst hat, sondern bios als Sorge Aex Cognaten 
fiir die ^personlichen Bedtirfnisse des Unmudigen. 

4 

Siebe die 8. 239 in der Ahm.dtirte Recension von 
Bethman^ Hollweg 8. 217 ff. 

8, 258. Ulp. XI, 8 zufqige scheint in iure 
cessio auch bei der Vonnundschaft uirniiindiger 
Frauenzimmer ^estattet gewesen zu seyii, Jour 
n^cht bei mannlichen Unmiindigen. 



Alien Gonnern undFreunden, welche denVf^ 
hei Ausarbeitung dieser Schrift mit Bemerkungen, 
Yerbesserttngen und literarischen Utiifsniitteln so 
freundlich* und wohlwoliend unterstutzt haben, 
bier offentlich zu danken, ^st ihm sowohl Pfiicht 
als Freude, und ;indem er wiinscht^ dass das Buch 
den erstrebten Zweck erreichela moge, die Phi<- 
lologen einzuladenzu den juristischen Studien und 
ihnen den Beginn derselben zu erleichtem (denn 
eiilen andern Anspruch macbt es nicht), ubergiebt 
er ei d^r gelehrten Welt, mit der Bitte, es von 
diesem Gesichtspunkt aus zu betrachten und wohl* 
meinende Zurechtweisungen und Verbesserung^n 
ihm nicht zu versdgen. 

tlisenach im September 1835. 



N. 



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• i ^ . .. / , » . ■ . J 



''I 



Infaaltsubersicht. 

• • • ' 

. . ^.^ Einleitung. 

I. Begriff nnd Wichtigkeit-der Rom. Rechtsgesdliclit 5 • 

U. Behandlung omd Periodiflimng' • •- • .4 

III. Quellen / • ^ • • . . . .5 

IV» Literatur - . • . / • ^ . • .• ^ 



• • I 



B. Abriss der Rem. Staatsyerfassung. 

* 

Erste Peri Of 4 9^ Von Roms Ussprong bis anf die 
Decemvirii. 

I^ Rom im ersten Jahrhpudert •, • . • • i4 

II. Stande der Rom.^Katibn rom* a. labthvaiA^ an 

gentea, plel>eii,. clientes', s^rvl . • • l8 
in. Staatsverwadtung und deren Veranderungen bit 

auf die DecemTim 

A. bis auf Serr. Tullius : rex y senatas ; populas ao 

B. bis auf die Gonsuln (Census und Comitia) • 22 
C die Republik bis auf die Xll Tafeln. , 

Coss., Senatus, Dictator, Tribuni pL, AedileSi 

Quaest. . - . . . . « « a6 
Foputlus • . • • • '. • , . • ^, 3i 

Zweite Periode. Von den XII Taf. bis aur 

' >/ 

Monarchie. 

I. Stande der Rom. Nation: Senatus , Eqnites , Flebs 33 

II. Staatsverwaltung : Senatns , Ma^trat. ( Censori 

Praetor.) . . . -^ - • .35 
- YoIMverMminlpngen • . . ' • • 3g 
m. Staf tsrecbt 



/ . 



/ 



I 

1 



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^ 



Seite 

A. Ztutand der fireien Einwobner 

I. Civis ....... 43 

II. Latina». • • . • . • ' 45 

III. Feregrinns .. • • • . • ^7 
'B. Rechtliche Verhaltnisse der Stadte (miini- 

cipia, oppida^ coloniae^ praefecturae) • . 49 

C. ProTinciae ..•••«. 5i 

* 
Dritte Periods. Yon det* Mooarcliie his auf 

DiocIetianiiB. 

I. Stande • *•, « '« . .. . • • 55. 

II. Staatsverwaltang (ELaiser ^ praefectus urbi et prae- 

torio etc. ) . • ' . . , . • — ► 
Senatus , .Populns , • • . • .58 

III. Staatsrecht (Einwohner, Stadterecht^ ProYinzial- 

; recht). .... . . . . .^ . •59 

Vierte Periode. Von Diocletianiu bis Jnstiaiu Tod. 

% Standi • . i . ::i^ • . • • • 61 
11/ Staatsverfassnng und Verwaltung . . . — . 

III. Stftatnrecltt (Einwohner^ Italia^ Froy&iciae) .- 63 

. C Quellen des Rom* Rechts. 

£r8te Periode. Vp& Roma Ufsptang bis za den 
XII Trfelfl. 

A.. Rechtsquellen : 

|. Gewohnheitsrecht ^ . • • . • .65 

a. Gesetzgebung , , • » «« • ^7 
B. Quellen der Rechtswisaencbaft : 

. 1, XII Taf. ... . . . — 

• a. leges regiae • . • • • • .68 

Zweitd Feviode. VoB dea XII T. bisTO dem.Ende 

der Repnblik. 
A,« Recbtsquellen 

I, Gesetzgebung « . • • • • •69 

II. Gewohnheitsrecht ^ 

» • w • • 

.1, edict. praetorunL ^ •;^- . / . 70 

a. iuris peritorum auctoritas . . • -• 7a 



/ 



/ . 






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« • • 



III. Jnristische Biicher 



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. 1 



iSeite 

W W 

• 77 

• 78 



•. '< 



Dritte Periode. Von Augustus bis Diocletianus. 

A. Rechts^^uellen 

I. Ge8pt^h^Mgr'^ i . : ;j 

II. Edict, praetor. 
. III.. Jus civile 

B. Qiiellen der Rechtswissensch. 
I. Gesetze . .' ' \ '• 

. II. S^^U Xitsr*t«r (<Wi K«PP^m' U|pi«nj 

in, UrJI^u^diim, vo)i'}le«bts0esclil^teu • 



/ 



'" 79 
. 80 



8a 



83 
87 



Viette P.erio'de. yonDLocletianusbis'TustiniaiisTod, 

... . . , ■ •'..■' . ' - ♦■ - 

i. yor Jq«tinMUM Hc^eiw^ (Kiuscrlfi^ 

l^.f, fipd ins civile) %: • . . • .88 

II. , Justinians Gesetzg^upg im Pirient • • 90 

(R^chtsschulen) . . . . , ;., . • . • • 9^ 

. in., Justinians.Gesetzgebung im Qccid/ent • •— 

3* Quellen der Rechtswisafipschv 

. I. Gesetzbiicher (corp. iur.)]] • . ,; • .i; . * ' 98 

II. Schriften dfir Jujristen. • , ,. .. . . 99 



in. Urk^nden. von ^ec]i^t9ge«^aften. 



100 



1 » 



Das Romische Privatrecht 

Einleitnng. 

I. Von den Rechtssubjecten oder Personen . .103 

1, Ausdehnung de9 Beg^iffs 

2. B^schranktingen 

L Yerscbiedene Recht^fahigkeit d^ Persoheili 

(status, capitis defni^iit*, infa^ia 9fe.) • io5 
. II. .Verscbiodene Handlunga^igkeit (Alt^y 

Qeschleoht y Gesundheit^ R^i^po) ^r • 1 13 



llKVllt 



y • 



y- 



Seite 
U. lolultiind Anordnnng des Rechtssystems (Anord- 

- nnng der Rom. iind hentigen Juiisten) * . 116 
• nnd aUgem. Bemerk. uberina^gtator, i. gent.^ 

J, cmie . '•'.'.' . ■ • . 121 



Elites Bacb.- Saohenreeht 
Einleitong • • . .^ • . • . • 134 

Erste Abth. Vom Eigenthum. 

1 . Cap. Vom Beflitz als Grandlage s. Eigentham 
!!• • - Vom 'Eigenthum (daminitim legitiinum | 
' in bonis, bonae fidei poss*^ und ins' 
Quirii. ) , . • . 
2[. - Sachen woran es kein Eigenthum giebt 
' und a]}gem. EigentbnmsbeschrSnkungen 

4. •« Erwerbttngsarteii des Eigentbnms ' • • - ' 

' 1. -mancipatio (res niancipi u. nee m.) 

• a. in ivLT^ cessid 

/ ' 3« usncapio /• 

4. traditio . 

5. -adiudicatio 

6. • lex • 
J*' occupatio 
8. Erzengung 
g. accessio . 

10, specificatio 

Anhang: fiducia . • • • • i55 

5. - Hechte dee Eigentbums (E3agen) . ,156 

6. - Erloschen des Eigenthuins ... • i5j 



l!l5 



1^9^ 
i33 
i35 
^37 
i38 
142 
•i44 
i48 
149 
i5o 

i5i, 



Zweite Abth. Tnra in re. 

"* ' I. Servitutes /...••. iSg 

A. S. praediorum' urbanor. et mstie. . 160 

B. 8. persdnarnm >. • • • • ..165 
Rechte, Erwerb^, Verlust der Scrvituten • 166 

•II. Emphyteusis und Superficies • ^ •'. •> . 168 

lit. Pfandreeht /. . . . • . 169 



Zweitet Bach. Familienrecht. 

Erste Abth. 'Ehbteclit. f . ' ,' S«^*« 

1. Cap. Begriff und. Verscliiedeiilieit der Rdm.'EIie. 174 
' I. Arten. der iiutae' unptiae. . v 

1 . cam in vamv^^ conv^n^9n& ff^^oSai^.^ t 

coempjtio, usiu) . •; • ' • • • ,^1^ 
a, sine in manum conven;tipi|e • • 18a 
II. matrimonipm iniuatum .* . • . .184 

2..\- Griindung der Ehe, .^ • . .♦ • . -r- 
I. BedLngungen(Abspli|,relat.£heliindeniifl8e) -^ 
n. VeriobaisB und Eingehung der Ehe • 188 

5., - Jlechte in der Ehe ; .. 

I. JPersonliche Rechte (Familiengericht) • 190 
n. Einfluss der Ehe auf das Vermogen* « igS 

A. Dos. . . • . . ^ . ' , 194 

B. Bona rec^titia • • • ' • :a02 

C. Donatio ante (pi^opter) nupfias . • . •— 

D. Donatio inter yirom et uxorem ^ • aoS 
4^ - Anflosung der She (Ehes^ieidung) • ;'•'-*— 
5. - Folge^; der Aa|i980iig der Ehe 

I. Zeit der Traner • • . • .ail 

II. Zweite Yerhc^irathiing 'der Fxanen • -^ 
AnhajOg.. Ehe- und Kinderlosi^eit • . « • aia 

•►••••• 
Zweite Abth. VS'terlicb^ Gewait. 

'1. Cap. Entstehnng d|SF, ;^alerUchen G^twalt 

A. natiirlich • ,; • . ,r. • > . • stiS 
^ B. liinstlich* (adrog. adept.) .*. •.• .216 
a*, - Rechte der vat. Qew^alt 

A. .Per^tSnliche. . ; , 

I. iiber Leben mid Tod . • . ' .« - • ^^^ 

II. ins yendendi . • ^ ; • . . * ^^3 J 

III. andere persd^I, Rech^ie -i f • — 
. B. .Vermogensrechte. (Pecnlium) , .. • 22S 

3. . - Au&ebnng der v^t. Gewalt (Freilassniig) . aaj 
AAhsng*. Lehre von der yer;«randt#oha£t ^ . 

A* Verw4adtsch|ift t ; ... . a3o 

.■ ,1.. CojHiatio ,,.;i , V. ',:,,; 

,11. AffUiitas ••«-':• • , • . aSi 
B» Gentilitas . '>• • . a55 



^ 



1* • ' 



Seite 



Pritte Abth. Vormn&dsQba^ftsrf eht«- ,, 

, TheU.I. f^-tela, /. . , 

Erster Abschnitt^' .iTntela/iaipiibdnimt. 

, i.€ai^>Viii'86Si*ia^^Artdttaei*TtiteI ." . . 24o 

'''it.' - Fabigkeit und Pftidit mur UebeiTmhme der 

• Vornmiid^haft ' * i . • ,. . 243 
i. Gap. Die recbtlichen V^hSHliisd^ 

• A. Pers. -Rechte • . . . ^ * . " .-^44 
- ' B J^'^etmSgiengretihte . * . . 245 

' • O. Veitort^ottrteg d^t* Votihthlder »/ • 246 

4, - Ende der Vormunds'cbkflf ';' ' . .^ - .-1148 



J'. 



. Zweiter Ab&chnjtt, J4!iiUpbm/tute]a* 

1. Cap. Arten: derTutel • . - . • ' . 

2. • - Fabigkeit nnd Pfliclrl if. Uebei^ttabilfe . 
-3. • - Refcbt^' :• • ••'•.^' ." •.• • ' 'i- • ' 
• 4. ■ - EWte'- • . ' . ■' V- • w ■ • .- 

TheD II. Gti^a Oder Otfl'tft^tt. 

1. Cap. Entstebtmg tend efinis^e Aiteitt 

I. Cura furiosi, et pi*C>ffigl V^ V 

'*i • HI. - aiis aridi6kti'|j>mel^6ii '/ 

2. - Recbte und Erloscben der cura 



il 



.*25o 
. 253 



25/ 



I 



. 259 
. i6o 

. 263 



V^erte Abtb. . S dlaVet^f.' ' ' 
i. Cap. EiA^tefcufag diir ScrfeYeM^ . 



• * 



r. I 



2. 



> < I . 



» -J I 






- Recbtlicbe Verbaltnisse " 

I. PersoiilitlW' Reclit^ d^ fi^ttrtl 

II. yermSgensv^rhSfebisie^ . • 

III. Verpflicbtung ded> EImm .. 
3. - Ende iier Sclavcli^ '• 

A«-feierlicbe Preilawung. * ' ' ' 
' • I. ISdiRiumisSto' Ifftkdieii ' .^ ;- 

IJ. 'uriVL. = <M) <*ri*!«|f'-i'"., /""•'. •«• 

'•''.: Ill;- •' ■• ■ *^ ■• - •te6tai«e!iit»' • ' ' -i- ■ ' 
B. Unfeierliclk^ PifH6iksdtt]|fg \ ' i^ 
C.'Bescbrankungen'dei*^fH^iSat8tttingeii . 

- Recbtlicbe Wirkungen der PifeillAs^Qii^ und 
daraus entstandene- Classen dbi^ Frei- 
gelfssenen. 



'. .i64 

. 268 
.•^69 
. 270 



• C 



4. 



. 271 
.273 

i «Ji75 
. 276 



\ 



-*-, KXXI — 

Seite 

A. >&i«riitke^ treiliMt^g^ «) : : f V .279 

B. Unfeierliohe - . j^^tini Ji^^ftiMi) t 2280 

C. Statu Kbm ' . • . ' '\ '' . aSj 

D. Dediticu . • > . . / • • a85 
''•" IBi Putritiitttti*'" ■' "l ' i--' . * ^'*' . — 

Piinfte Abth. Manoipittfit. « ^ ■ • . > - 

1 . Cap. £kitstehnng diei6$ V^b9ltHi«te*'>^ ;^'i i- . :288 
a.- -i- 'Reclite -i' ^ .» ^u ^^j *!x -/i', .U • ^189 
5. .- A«fl»wiitg' • '^•l Ji«»:ii..v i' *. =« v'i -.ago 

Sfihte«i'Bdoh. -Ob^ligationenrecllt* 
1. Cap. Odg«^9CliiKl'tifid Inlialt der Oblig. • • agS 

fl. ^ Subjekte di Oik ' 2^5 

L iPShi^k«»k &VL'ivt^iM!l^imtii^''-^ > -i » 296 
II. Zulaaautig Ar Keprasentat. 
I III. XM^^iudg d^ Obi. aaf andere Pers. . 298 

3.Cap.Eiiteteli«i% «' ^ -'-' '■'''■' '' \ -^-'' ' .. ^ •' 
I. Ex cotttweW'itti **r. S.- "• » ■ * -- .299 
•A. eac contrftcfftt Mb e;- S.^ • ^ '* 

4. -- I. Realcontrakte t.'t^mmoi^xM ^ ' .^^ • 3oo 

a. DatAetofM^uClMrgAetze} 3oi 

• ■ . '3;!'i>ip«;««tti& ;'■"■ i •';-\'^5*a 

4. Pignus > ' ** ' / 3iS 

5. - II. Verbalcontrakte i.*nexiilii '. ^. • i ; A- 

» a. gtipnlatio ' ;^ .'^-^ '.'SiS 

6. - ' * "j^y^Mtnlloh^ift: fddit^gnqpb. iiy^^pttipb;)' 3^o 

7. - ly. CQi»«p3^fi^co^. ;.; epdo ©t rondi^ 3m 
^/ 2. locatio et conductio 333 

3.' soci^taft •• .'336 

• :-''^i;-^ '•' M - •; '4'.-maiidahHto^ '^'.* -. 338 

6. - <B« Andere yeitrMgief 1. constitutum . • 34o 

• " ' - Mi 2. donatio . • • — 
• '^•^■•'* ^•-••^ a. -iiitcrcesJBp -^ v^- -,341 

9. - n. Ex delicto. 1. fiirtam .... 345 

. /•: ; '>Mli;»iliria,:-.'>^ p'. "l. T 347 

3. damnniii ininria datmn • 35o 

• • • 

' • • 4. bona yn. rapta . .'•'.' ' • '. SSa' 

10. - 111. Ex Tariis cansamm fignns . ...^ 

A. quasi ex contractu . . • 354 

B. - -delicto.' / \ .^' J 'I .'355 
VI. - Auflofiuilg *t Ol*gv : . • i . '- 'J . 358 



v 



xxxn 



1 



.< 



' r _ Seite 

Viertesti Bo«bu . E r b y.f.ch. t. . . 

£r8te^Al>tl^. 'Ktefeditas. * '' * /''',' 

Erster Tieil. .Delation . . i . . . , 

- < . Erster Abschnitt. T^staip^iiiaEiscbe Eifbfdige* 
l« Cap. Slibjekte*. des Te.stament8 

A* Person d^s ErbJaasers • * .- 

B* diQ zn Erben f inge^etzten (lex Vocon.) 

3. .- Form dor Te^tameiit. i. test, calatuiv ./ 

.: il •) I : ';. ' \>\ \ -af. - ' in pro^iilotu 
r. . ; •: . 3* p^ a^ «t Jibram 

t. . . , . Co4i|BiilL ^ ^ , 

;^. - Cap. Inbalt -dfiT; T«j|t.. beredis inntiltatio . 

. leg^ftim . _, 

<:. - '. ^• . '\ 'I Lm:?" : . . ?fid^icoii^in|iijin . • * 

4. - Entkraftung der Giiltigkeit eines Test^ , ;. - 
^,|). . Zwpiter Abscbnitt.. Ii^^sla^erl^lol^d 

5. - I. des freigeborneii (B;oiip«]» < , 
,.(;.. II.. des S'reig^lasf^nafi^ ; ... 
:c : , nritftar I AbfcbniSt , 

(Bi; C^p. Jglrbfolge c^mtca tabuli^ 

-iZweitey TbeU . y . 

^, Cap. Acquisitio - ., .,, y ..^, . . 
^^jiP.ritter. Theil, . s /. 
off/ C^prf;B.^t^ .a^^ dax' ^o^bnen \re]rb^ve;i4diaft ^. Zj^ 

e^eHy-'Afctli.V'Bondrrfin poksesiio: '^^^^ 

g. Cap. (AIlgen>,.;]f^qmerk.) . . • '. .396 

40>, r ^^''^^^J^i'^^TYpA^I^ ^* b.. p. contra tabtilas • 598 
<,i . ! ! i.'ii. r;:iic.:(r .. K-r-.o-f '.P^WR^^fl - Tfr 

. lii.un .V. M-- - intestati . . 399 

- Art d^ j^f^e^myg nnd Folgen • • .401 

i Funftes Biich/'iA[«itiOnenrecbt 

'. Einleitimg ^, , ^^ ,,,,^y^ j . . . . 4o3 

E-fste Abth. • Von 4etf ^P^^tiWii 'de,B 'Fto-' 

zesses.'^v'-. ' ''i"'^-'*'- '";"*' *'• ••»' •' ' 

. i.^Cap. I. Magistratus . 4,5. /. * -• .Ci» • ^^ 
2. *- ll. Indices {richtende.jPnTatpors*).; ; '.. - 4*o 



363 
566 

372 

3/4 



- ^77 

.^79 
. 38x 

.^383 

. 384 
. 387 

. 388 
. 391 



11* 

' < 1 • 



Seite 

i# indiwi^ J . * ' . • . .411 

2^, arbitri *....>. ..■ . . 4i3 

^3;. decctoitdri UiUbos iuiliQuidk . « . 4i4 

^ ,. . 4, centumviri • . . *« *4 *-►- 

5. recuperatores. •' . . . ..;•*. Aao 
3. Cup. III.. Von denParteien n*. dareAStell^etftretem 

. (cognitoreSj prociinitovbs^ Mvocati etc.) • 4aa 
2{weite,Abth. Das eewoh^lich^ Prozcjas-. ,. 

''■ 'verfairfen^ ' ■"'■ ^ .-•=!.•.=' 

Erster Theil. Vorbemerk. liber leg. act.^fbi^m.'u. actiones. 
^i> >Cap. Legis acjtionea . . . y H i if i .. ^ . -. 437 
. , 1. saGra^eHito < , . ^^ 

• 3. p^.iu^icis postadalMiBBai ':A. • 428 

' 3. p..cond^tioiieni 

4. p. man. iniect. • # 4 . :. • 4jf9 
;5>.)». pigfBoris ^|>ioiirm 
s. r- Actionem in rchi nnd itupeiaonwA a. . v. 43i 
a. stiricti iuris, bonae.fidei vxid arbitrariae 434 
3. r FormuUe. Bestandtboile dAr'Foiamlfi^. • • 44o 
A. HavptbeatandtbeSe {<« ,. • • 443 

4^ Cap. B. Neb^nbestandllifiQe : \. ■ -. .\ . ■ 
1. Pyaescriptianes . , , : ^ 

1: ;^riift"tiddtendeijiaagiW V" ^ . \ 445 

' . 2. .- -H ^" ,h .B«klij|toiI^4'>.-,».' . ;.- 446 

. . JI..Exc^tione8 • . . .1 * !, .;;:'»;*' ^ 44S 

, . IIL Spojisiones. :, .. . ' .; i.^. .,.•/. ^ 4lk> 

IV. Condemnatio ... . , . 453 

Zweit. Theil. Einzelne Akte d^a gerichtlichen Ver- 

fiEkbrens. 

5. Cap. Oit tind Zeit desselben .... 454 

Legisaotionaprosl&dl'" **" ' 

6. - Verfahren vor dem Prator . . . 458 

7. - Verfahren vor dem Bichter .... 464 

Formularprooze8« 

8. ^ Einleitang . . "... . .466 

9. - Verfahren in iure (vadlmOn. , liir. contest.) . 467 

10. - ' - in iudicio (vor d. Richter, Beweis etc). 474 

11. - Urtheil mit litis aestim. n. coiupcnsatio . .478 

12. - Wirkui^en desUrtheils a,, d. absolvirende . 48i 

b.^ d. condemnirende — - 
iJ. - Mittel z.^Sicherstellong der Parteien 

, . »»» '' 

• \- 



— XXXIY — 

Seite 

A. z..Sicherheit d. SJMgert '■:• «,' . . 484 

B. z. Beaten d. .Beklagtea • • * — 

C. Mittel z. gegetuisit. Sicherbek , I 486 
i4. Cap. Contiimacialverfaliren « ' %^ . 489 
.i5. -* Executionsverfahren 

I I. manns iniectio- . « ^ * ^ .^it , J ^4gi 

IL Realexekntion • . . » ; • . 4^3 

Dritte Abth. Verfahren d, J^agUtr. ph'ne 

iudex . j; , ' , - 

1. Gap. L. Res cognitioiiia . ... . •«- . ' . .'495 

a. - II. Missiones (venditionis' cansa) • . '• • 496 

y Andere mUsiones • • .; . 5o2 

3. - ra. In inte^mm restitutio . . . - . — 
,4. - IV. Von dea Interdikten . , : . .^ 

1. restitntbria^ exhibit, tind pFebibit. • 5io 

.a. duplicia und simplicia • . •. i ^r^' 

3. possessoria 

A. poss- retinendae • • • -. -i -^ 

B. p. recuperandae . • • « . 5ii 

C. p. adipiscendae • • • •(• . ^.1536 

Vierte Abtb. Von den RjecUtsmittein. * 

1. Gap. Intercessio >der republ. Zeit • • . 5i8 

a. «- Appellatio der Slaiserzeit . ' • ••* . S20' 

Sr ^ AusBerordentl. Rechtsmittel .:• . . » i ,» 5^1 

, . • « , • . < •« • 

• • ■ • • ..J «^«> 

• • • «l ,«l ,• 



\ I, 

• • • • • I I 

i , 

I ■ .• • • 



/ 



Einleitung. 



Romische Verfassnngsgeschichte. 



Qaellen des Rechts 



VBd 



der Rechtswissensdiaft bis anf Justiiiiainu* 



I^inleitungi 



Via 1 III ■ 1 'i«^ 



Recl&tsgeschic^te. 

Unter poiiizvein Bechf im engem Sinn Tersteben wir 
^0 f oti Aem i^^kUM^ti Ot^ti ^e^eb6ti6H Gekkti^, jpoii^ 
tib^k A^tAt iiH icdteth SiHn xtmmt dits^^rdetft docb dlle 
K^6buW&Urh6iieirt , \cddie t)akfrin tthd fvtuU tiii^ dllg«- 

lAttCht tills di6 kedhUg^Uhichte bei^dnrit nnd ficbHdeit 
di^tt I6t^ndf^^h' ft^6i'fS2^iisf^M Vdtf ^1661" tdMprilnglichfeYk 
tiffif^cbbeiY bti^ >iif t^6ll^n(f(tff^. t)£( nutt i^ Hi^thi M\t 
He Spf'aeb^ ki6l( b\thi iiiMlli nM wiltkitrlfeb , iHond^rii 
icdi Am Itm^iti BedQrfni^dett d^d V6Ike^ atff 'eiW6 bfgdtri- 
scbe und notbwendige Weise entwickelt und da hienii 
das geistige Fortschreitea einer Nation am sicbersten er- 
kaont zu weiiden Termag, so ist die Recbtsgescbiobte last 
ier wicWgste Ineil der t^olkergeschiohte. . . 

. Von-^er gKossten tfedeutuiig aber isi die tiescbic^t^ 
ies luSmisc^^n Jtecbts^ ieun dd dietes Volk eines der 
i^eriwlirdiesien^ der Erde My uessen tlechi $ich Jabr-- 
^uhrte Mitidmck unter alien Venchiedenheiien von 
Juedtci^j Land und Ver/oisung id musieriqfi M^9ge'' 



hildet hai *) , moss es fur jeden denkenden Menschen idb 
Geschichte des mengchlichen Geistes das hochsfelntereise 
haben. Wie wandervoll ist dessen Einfachheit, Klarheit 
and Congequenz, wie gross dessen Beichthum an allffe- 
meinen Begriffen and Grands&tzen, an welche sich die 
weiterii Anwendnnff anf das leichteste anschliesst, so dass 
wir kein System kennen, welches trefflicher iiberein- 
stimme und leichter fiir alle sich tSglich bildenden Insti- 
tute geltend za machen ware* Die Kenntniss'desselben 
ist fiir den Jnristen von der grossten praktischen Wich- 
tigkeit, da er ohne zu den Quellen der Institute zuriick* 
zugehen, deren wahre Bedeutung nnd stetiges Fortschrei- 
ten nie erkennen wird. Doch anch libgesehen von der 
YortrefflichkeU dieses Itechts und. yoa der Nothwendig- 
keity welche den Juristen aiiferlegt ist, dabselbe za sta- 
diren-, so hat diese I^eniitniss auch fiir den Philologen 
hohenWerthy da dieser in so vielfacher Beziehung daraaf 
hingefiihrt wird and ihm ohne jene Bekanntschaft viele 
Einricbtonffen des altenLebens» Tiele Stellen der alien 
Classiker dankel bleiben miissen*. 

n. Behandiung und Periodisirung. 

Die eigenthche Geschichte des Rechts ist die soge* 
nannte innere faniiquitates juris) ^ welche die Lehren 
sowohl des offentlichen (Staats* and Criminal-), als dea 
Privatrechts entwickelt. Die au9sere BechtsgeschicAte 
(hiftoria jurii) steht ibr helfend zur Seite, indem sie 
die historischen Thatsachen erzahit, welche tnx £nt* 
wickelung des Rechts bei einer Nation wirkten und una 
mit den Quellen des Studiums bekannt macht. FreiUch 
wird iuaneheMaterie, welche dieaussereRechtsgeschichte 
behandeU, mit dem offentlichen Recht zusammenfalleni 



*) Hugo R,R.'6r S. 54* jf. C. Hbtouf, oratio de inrisRomani 
ttadio etiam port renoTatnm ins nostram legibos pernecessario in 
den Annalen der TTniyersitat Lowen Vly 1822 — 23. Leibnitz tipiaX. 
I, 119. L» VaUa elegant III praef.' FacdoJaHi oratio VII ad in- 
rispmd. in oratt. X de optimis stndiis 1725 p. 127, 17$1 p. 134 
K €• v» Savigny^ vbet den Bemf nnsrer Zeit znr Sesetzgebimg, 
S. '28 ff. Andre neue Schriften sind in ji» S^uttppeU Rechtige* 
fohichte S. 41 dtirt. S. anch Cio. da or. 1. 44. de leg. II, 10. 
de rep. I, 49« 



«• E. V«rfait«iigtTefSii4enitigeii , welebe bAMen Theil«ii 
aDgehoren a. s. w,; desshalb wird in unsrer DmteUmig 
eine Uebersicht der wichtigstenYerh&ltiiigse aas dem dffent- 
Hcben Recht und der Husseren Rechtsgeschichte vorange- 
hen I woran sich ein Abriss der Queflen schliessenseU* 

WaB die.MeihQde betriffti so kaon eine doppelte 
angewandt werden: 1) die iynchrontstiscke von Hugo 
eingefubrte, und nocb kurzlich ron Hottias befolgte, tbeilt 
die ganze Rechtegescbichte dem Yortrag der Staaten* 
gescbicbte analog in einzeloe Ferioden nnd atelk das zn 
gleicher Zeit geltende Recht heben einander ; 2) die ckrih 
nolo^iche von Haubold,. v* Savieny, Zimmern, Tbibanty 
Scbulinff u. A* vorgezogene Behandlung bat aUerdinga 
mancbe Vorzuge, namentlicb den der beqnemeren Ueber- 
Bcbanlicbkeity indem bei der ersten Methofle die Dar* 
Btellnng der stetig fortscfareitenden YerSndernngen oft 
aserrissen wird. Wie scbwierig pinss aber auch die An- 
nahme solcber allgeniein gultiger Perioden seyn , da sich 
nicbt alle Lebren m gleichem Scbritt fortgebildet baben. 
Aach ist der Zeitpunkt der Entstehang oder Yerftnderung 
eines Rechtsinstitats nicbt selten unbekannt, so dass es 

fraktiscber ^ejh diirfifcey die Darstellung der inneren ^ 
techtsverbtitnisse an einem Faden fortznfiibren. Da- 
gegen ist bei der ftusfiereii Recbtsgescbicbte eine Perio- 
disirang zweckmSssiger, nnd zwar sind vier Perioden 
anznnehmeD , welche vielleicbt anf folgende Weise am 
besten einzutbeilen sind: 

Erste Periode : die alteste Zeit bis zu den XD Tafein, 
Zweite — vOn den XII Tafein bis zur Monarcbie, 
Dfitte — von Bildnng der Monarcbie bis ^Dio-* 

cletianus, 
Yierte — von Piocletianus! bis Jnstinianos. 

m. Q tt e 1 1 e n. 

Bei den Quellea baben wir diejenigen zn nnterscbei- 
den 9 welcbe wir besitzen , denea wir unsre Recbtskunde 
verdanken (Quelleu der BecAUwissenicAqftJ ^ nnd die, 
aus welcben- die Recbtswissenscbaft der Alten bestand 
(RechUquellen)^ namlich die verschiednen Arten des 
Becht& nnd derG^etze, welcbe sie besassen, nebst>den 
Biicbern , worin sie ihre gesammten Kenntnisse nieder-* 
legten etcy woven wir freilicb nur eineq kleinenTbeil 



< 



\ 



fi^lUllpdigt i&eki tegneptaritdi umi 4m Meiste iAxm 

mi^fphea tlechta sfdipjifen, zerf^Uen ^ifA^nni ip !|w#» 
Classei^y je nachdem bei d(tren Abfa«$u^ sipk eifijuri- 
stiscl^er Zweck erkennen lasst, qder o)) sie bjos gele- 
gentliche Not|zea fur die BechtakepntnUs entha^te^ii. 

if. Mbmiicke Sohrifiitellff* 

Diet IKcbter, wie fforatiu^^ Perfi^s^ JuvWfUk^ ^^ A- 
i^Usseo wit erosfier YQiri|ic|it t^oputzt w«r4e|i, ^^jmeiV^t* 
Uch ahef soTcl^^i \Y^^<^i^^ au« gri^ch^stctien Yorbild^ii^ 
sohopfiea^ iivie JPlautm und Tere^tiuf. jMsiik^he ^icbl^ 
ttf ()i^26f^l haben (^ato de ,re rus^ ^ ^^ ^i« (^orrp 4? l^t 
T^s^U und de Uftg* hu ^ufb?walMrt; fl«<» t<J^hstep lUojl 
^immt M. TuUi^9 Cicero ein i welohfj: n^ctit bloi^ f q i^ir 
^ea Bed^Q, ^oodera au^h in a)\^n vA>j^ige^ S^l^ii^^^ 
VfrthvQlle Na^ipl^tfi^ ^nd 4nde^|^oge9 ^erJifiiC^rt h«V(f 
piinuilp SuetQ^im ^ad ^'^e s^f^4?f i^ Hii^oriJ^fgr f4o4 ^ 
§u^ti^echt uv\4 Sj(9i^ye]rfoisi^»g s^^ baiui^^, Fo^^v, 
ibtaa;t0i»» ^et^^t mciacbe i^tere»8i$u^t« £ii;^sieViei( 49Y» 
^ben so di^ b^idep Plif^itfig u^^ QumctilUwfi^i v^kv^ 
trefflich ist Tacitus j namentlic^ f^in ^W^ da c^wmi 
corrnptae eloo* Nicbt ^Qoiger nvich^ig iMnd di® Gr^m- 
natiker und ocholi^sten, v<to fenen Valerius Pratus 
(de i^iglb), Cornelius fronto, (qe ^iferentiia vertnofv^^ 
und epist), A. GelKus^ Nonius MarceUus (de varia 
significatione verbp^um), Festu^j Macrobius^ PristMr 
nusj tsidorus (orig. und etymol. leider etwas nnzaver- 
laasig) u. A.; von diesen Asconius und BoSthius zttm 
Cicero, Servius ^m Yicgil} Hiatus vum Terenz etc. 
Auch sind die sonst verachteten seriptores hist. Augusti 
und BjfzamU niobt zu vergessen , ^en to wenig %m- 
macius^ (oratt. «nd epist^). 

^« Oriechischf Stchriftsteller. 

IMonmfim von Haliluornass^ ist eiiia gala Qnalla, 
u: najT frMtaentarizch iin4 gaiada m aan Bnckem 
{(bfir 4i9 dtm Zeit erhalton, wa er nnbta zuFarlibMigea 



f 









le^entliche Notisten wn 4em B^misxAen Jt^cQt, wtbalt^Qy 
in den grossen la^cripliDnen^fiaiiplanji^Q und nQWisim^ 
tischen Werken zerstreut. Aus d'enen fur Romische An* 
tiquitaten im Allgemeinen wicbtigen hat der unermnd- 
liche J. C. Ov€lli dn« sehr pasMnde Answahl veran- 
stal^et: inscjr^t. latin, .select. Qollai;tio 1^ illasftraiidara 
jTomanae anU^Uatts disc}t»Iipam f^ccQiumodata. Tun^i 
1828. 11, 

2) JH% jumifymhm Q^^Um 

standig, znm Theil sehr fragmentarisch , sowobl dtt'Oh 
lofupJmfte^ al« diircb gelehvta Werke , Sammluviget et«. 

bq{ mwre 2i$itpn gdkwiweii 4a4i Vo^ dm Y^s- wd 

S^oatusoblvs^efi , i^o vie ym de« fcaUarUch^Q CanfiiiiiP' 
tVajpe^ii wdc4i^ nifsb puiMpjrb^H^ dec |{dKiis«ib«ii Bfiebis- 
bfi«h«ir ^lialtfM habf^An b^M^ der b^^riihwt^ C. Cft Aowh 

io/(dP eine Sammlung veranstaltei, \(relche nach dessen 
Tode £. Spangenberg heransgegeben hat, antiq. Rom. 
m^mvmM^ k^ift extra litMros iavis IUhb. spania. BeroL 
1830. . 

£« Uriumd0B i^en Re^htigeickSftenf vie 
Pi#t#ii«llei^ Te^tumentoy SebaBkoagm etc » Mralehe ab^n 
gaMQAl^r j^fNamgiNibi^rg* gasawBieU hat: inria Bern, ta- 
Maa naffotipt^mi aoU^mnuiHi. Lipsiae 1822, « 

€• <^ilfilt*>^i(tf £4cier, der Beiebraag wagea 
verfefst , vaU^be. fragaiaatarisch and ToUstaodig, eiaiela 
and la Saaualtiagaa arbaltaa wordea siiid« Ayaiet dea 
A^aaSgm in Jmttiaiaafii Paadeklea gab&rea vat 



»i . jH.^ t J B m i 



e) |la Bloayiio H. pneclpao hist^^riae liaris R^m. fonte icr. 
9« V. idMiliK. Heid«!b. 1^22, wwahnl diwdMraf aichtt roa dM 
Dioaft. iwbj i iiii te ffiagbea HaoM^teii.^ < 



— 8 — 

Allen kieilier die neQentdeekteii Schrifien dasrfecher. 
Joristen, wie Geias, Ulpianas v. A 9 die man sum TheiT 
in A. Schuliing , iorisprndentia anteiostinianea. AntTerp. 
1717. 1734; am Tolktandigsten aber in folgenden zwei 
nenen Ansgaben^findet, deren eine Hugo Teranstaltete^ 
iaa civile anteiustin.. Berol. 1815. 11. ; die andere ruhrt 
Ton mehren Bonner Professoren her| wle BetAmann 
Hottwegj Backing J Hasscj Puggi: corpns inris civilia 
anteinstin. Bonn. 1831. Die ein^elnen Schrifien s. nnter 
den Qnellen der 2.^ d* and 4. JPeriode. ^ 

IV. L i t e r a t u r. 

Erst mit dem Wiedererwachen der Wissenscbafien 
beginnt eine geistvollere Auffassnng des Rechts, and 
namentlich ist die nene Zeit reich an den zweckm^sig- 
aten Hulfsmitteln, denn die mittelalterlicben Glossatoren 
der Jnstinianeisoben Recbtebucher leisteten nar wenig. 
S. Hugo^ Lehrbnch der Geschicbte des R5m. Rechta 
aeit Justinian oder Lehrb. der jnrist and meist civilist. 
Gescbichte. Berlin 1830. 3. Aufl. Haubold institntt iur. 
Rom. hist. litterar. Lips. 1809. An der Spitze der neuen 
Periode steht 

Carl Sigoniui^ geb. 1519, "I* als Prof, za Bologna 
1584, welcher de antiqao iare »ciTiam Rom«, Italiae, 
provinc. a. y. A. schrieb, gesammelt in den von P. Ar- 
gelatns beransgegebenen Werken. Mediol.1732 — 37. VL 
loL, doch war er leider zn wenig Jurist *}• Weit gr5s- 



*) Zngleich dfirften noch folgende Manner za nennen seyn, 
welche dnrch Bearbeitnng der Romisclien Alterthnmer und Her- 
ausgabe der aften Ciasnker siolr weuigstens mittelbar nm die Jn- 
liapnidenz verdient macbten, nnter denen anch noeb einige be- 
dentende Jnristen Platz finden mogen: Fnm* HvUnmtam^ yon einer 
schlerischen Familie abatammend, geb. za Chalohs, nach Andem 
zn Paris, 1517, f in Basel 4571 (Commentare zn Gioero, Comm. 
za den Institat, r6m«Antiqait.) LaeUus TamreUug^ ansFano 1489^ 
1576 (Ansgabe des corp. ior.)* P>aul ManuihUf in Venedig 1512*- 
l574 (Abhandhing de legibns, de oomitiis, de Senata, commenta- 
rins in Cic orationes, nea t. Richter. Lips. 1783. 11., oonun. ia 
epist. ad dir*, acoed. scholia et Ragaxonii comment* Lips. 1779* 
II. , Ton dems* heransg. Mit dem Comm. za detf Reden sind' za 
Terbinden Marp. jbn. Fenatii episL libii VI, welcbe liir Cicero** 



— 9 -r- 

wr ist der geniale^ in Geidliehte und QoftnenkMiitidit 
einsige 



Reden, namentlioh fnristisch wichtig sind. Veaet. 1738.), Gregor 
Haloander^ ana Zwickan, j* 1531 inVenedig (Pandektenansg, 1529« 
Codex 1530), Onuphriiu PanviniuMf ana Verona, f 1568 (fast, ronu 
und comment, rei pitbL romOi Nicolaus Grucdunt^ ana Rouen, 
*{- 1573, ein grosser Feind dea Sigoniua (de comitiia), Simon B<^ 
aiiM, f 1582 (gelehrter jurist. Comment, zn Cio. ad Att], Mare^ 
jttL MuTti^ ein Franzoae, geb. 1526, ^ in Rom 1585 (opp. ed« 
Rnhnken. 1789. IV., nen Ton Frota<^er. lipa. 1834 II.) war ein 
groaaer Verehrer dea Rom. Rechto, AmmdiM ^ugustimUf in Sanif* 
gosaa 1517 geb., f ab Erzbischof Ton Tarragona 1586 (de legibns 
und Sconsultia, Ausgabe dea Fest. a, a. w., zuaammen 8Foliauten, 
ed. Majanaina. Lnccae 1765 — 74), Johann LeondatHus^ ana Weat* 
phalen, f in Wien 1593, war Philolog nnd Jnriat, Fulvius XTrsi^ 
niUf ana Rom, f 1600 (Zaaatze zn Ant Angnatina antiipiariaohen 
Schriften), Sieph» Pighius^ ana Campen, 1520 — 1604 (Annalea nr- 
bia Rom. nnd Fasti ma^stratnnm Rom« Antrerp. 15^9, ed. Schott. 
1615) , Ohertus Giphanius (Giffon), f 1604, ein feiner Lateiner nnd 
Jurist, Janu9 Gruier^ ana Antwerpen, geb. 1560, f 1627 in Heidel- 
berg (tlieaanr. inacriptt. Heidelb. 1601. Seine Werke MiL 1733. 
VI foL), ThomoM Dempster^ ein Schotte, 1579—1620, war fur Ro* 
jniache Alterthnmer aehr thatig (Bearbeitnng dea Rosin, antiqq.}, 
anch Jbit Meurtiui^ aua Loadnn, 1579—1639, Claudius SabnoiiuM^ 
1590 — 1653, ein ac^ mittelmassiger Jnrist, Johann Friedrich Gro^ 
nov, ana Hamburg (Vater Ton Jacob nnd Groasyater Abrahams 6.), 
1611 — 1671 (de sestertiis. Daventr. 1643. obas. libri III. Lugd« 
1639. libri IV. Dayentr. 1652. ed. Platner. Lipa. 1755, ed. Frot- 
•Cher. Lipa. 1831), Ezeduel «. Spanheim^ ana Genf, 1629 — 1710, 
ein groaaer Sammler (orbia Romanna 1697* HaL 1728. Nnmiamatt), 
Jacoh PerizoniuSf ana Dam, 1651— 1715. (animadyy. biat. Amat.1685* 
Altenb. 1771), Peter Burmaim der iUtere, 1668—1741, Prof, iii 
Utrecht (de yectigalibna), Carl Jndreas Duker^ f 1752 (joriat An- 
^merkk. zn den alten Ciaaaikern, z. £• znm Liyiua), Johann Jiugusi 
Emestif ana Tennatedt, 1707 geb., f in Leipzig 1781 (Giceron. opp* 
nnd dayia), David Ruhnken^ ana Fommem» 1723 geb., f 1798 ala 
FroCi in Leyden. Unter den neneaten Philologen haben aich fol« 
gende nm daa Rom. Recht yerdient gemacht: Heinrid% Carl Abra^ 
ham Eit^stddit GeK Hofrath nnd Prol^ in Jena, einer der beruhm- 
teaten Latiniaten (mehre Programme jnziat. Inhalta), nnd Carl 
Beier^ f alia Prof, in Leipzig 1825. (Einzelanagaben Cioero*f , d« 
oflio*» oratt. a a.) 



^ "10 ^ 

4 

. JuMG^ Cilf4$iU3 80b* lift Tbid04a« t»l^, ?rfl& m 
Paris und Bourges, "J* 1590, dessen Ausgabe I9pin9» 
Paris 1555, und Observationen, Halae 1737, TorsygUcbe 
Beachtup^ yerdieo^n., .Ueberjiaupt ^ndet fiich in dei| $ 
FoBanten aefper We^ke fd. Fab.rot. Pfiris 1658, nach- 
^edrudct ^u Neapel 1722 1 1757, yielerlei fiir die hii^o- 
tische Bechtsvvissenschaft. 

Barnab^a^f Britsonius^ geb. 1531) ak President in 
Paris vpn den A^tfrilhrern 15^1 hiog^ricb^t,, hinterliess 
folffende wichtise Schrlfiten: de verborum tf&riificaiione 
Prancof. 15^7, neu herausg. v. Heineccias. Hal. 1743, de 
formulis soIemnibHS popuK Rom. Paris 1583, nen ed. v, 
Conradi. Hal. 1731, v. Bach Lips. 1755, antiqnituiuris'se* 
lectae. Antverp. 1585, mitTrecKelis Anmerkungen. Lips* 
1741, und de rita nupttarum et iure oonnubiorum. Pa* 
lis 1564. 

Jacob QofhofreAus, geb. iS87, i* als Prof, in Oenf 

1652 (Sohn des Dionys. G., belcher 1549--1622 ^elebt 
und TieleAnsg. des' corpus inris besorgt hatte), machte 
sich durch seinen Commentar zum Codex Theodos.. zu- 
erst von Marviile 1665, und wiederhoh vonititter Lips. 
1736, in 6. Foliob^nden herau^gegeben , wehberuhmt. 
Trefflich ist die Ausgabe der Xll Tafeln und der lex 
Papia Poppaea in fonies quatuer iuris civilis. €renev. 

1653 (das Edikt uad die Sabin. Schriften wnrden nicht 
▼ollendet), auch das sogenannte manuale, eine Art 
Rechtsgeschichte und QueUennachrioht. Seine kleinern 
Schriften erschienen zuGenf 1654. 4. 

EverarAus Ottv, ein Deutseher, geb. 1689. "f 1756 aFs 
Syndieus zu Bremen, nachdem er 20 Jabre Professor zu 
Utrecht gewesen und daselbst mit P. Bupmann in Handel 
verwiekelt wojpden wap. Als eleganter Jurist berfihmt doreh 
mehre Monographien, eiuen tr^iehen Commenfar fiber 
die Institutionen und als Herausgebep des thesaurus Jur. 
rom., Ton wetchem es mehre Ausgaben giebt. 

AtU^n Schuti^gj geb. in Nymwegen 1659, <|'-1734 
als Prof, in L^ydeo, dureh seine gelehrten Bemerkuiigen 
stt den vorjustin. Rechtsquellen sehr bekannl. Ant¥. 1717. 
Mit ihm sind zwei seiner Landsleute >u verbiaden, Cor- 
nelius fmn Bynkersh^k^ 1673 — 1743, Prftsideat dea 
HoU&nd. JustizgeriehtSy inrelchmr observalt Luffd. 1710. 
Hal. 1733. und opujicHla varii argum. sebrieb. Hal. 17M. 
1753. Ausgabe samutlicher Werke: Lugd. Bat, 1767. 
2 Bde. FoL — und Gerhard van Meerm/m aua Leyden, 



— 11 —' 

17S2-»177I, welcker eiiiA wifhtm AbliandL tifatv 
muuapi verfessia iitiA eine jSamimaiig veil wi^tigen 
raohlBiiiatorisohen AnjUtzea abslellte: bovim ibeMunit 
iorfs civilis. VIII Fol. Hag. i7M. »9. §790. 

Jhhatm BMliek tteineedmr e^. 1^0, t ^ ^^* 
aui Halle if 41, erkannte den Mangel einer iniiextt Ro^obte'^ 
geachiekte, dean vovher kannte naa nor' die i&aaaere 
aaeh ensl dorekTbomaa|as ^ dee Lebeii genifiBne (firu* 
her waren bios fleissi^e Monograpfaien Torhaaden^ aaA 
kalf davch seine Elementa iaria dvilis secandam ordi*- 
Bem institutionani. Franc. 1725. ed. WaUeek. Goltingt 
ITiS) Bene unv^andepte Aasgabe t. Bienes. lipa. zii^. 
letzt 1925, und -daa Sjntagma antiqaitatom Reiit. iantt* 
prod. iUustr. Hal. 1719, aum 19. Mai von Haab^d« ed. 
Fuaneof. 1S22. Die Ausgabe der lex Papia Peppaea iat 
dban&lli trefflich. 

Johamm August MucJj^j geb. 1721, *f ^^ ^^^ 1^ 
Leipzig 1758, schrieb einej^eebv voUistiUidige tasaare 
Becnftsge&chiohte, bist. iurispradenliae Bom. Lip. 1754, 
znm 6. mal aufgelegt voa Aug. Corn. Stockmann 180& 
Nach ih^i trat ein langer StiHstaad ein and erst naeh*? 
dem sich Joh»,Friedrich Reitemeier das Yerdieast evv 
worben batt^, die Rephtsgeaehicbte ¥ob dem beadgen 
Reeht eu trejaaen and d^e evste selbatiUidig^ inneriO 
Becbtsgeschichte nach Zeitr&nmen zu verfasseji, ti»t dei 
baruhmle . * ' 

Oustav Hugo aaf, geb. 1744, Geb. Ju^zcath and 
Pref. in G^ttii^gen, welipber uh Bocenft and Bobriftsleller 
gleicb gefeiert wird. Seine sehr anvegeaden iBebiiibem 
Bind. pit sehenem Fleiss i|nd Hassesstet Sorgfinh veiCasst, 
Baaieadieb das Lebrbneb ^er Gescbicbte des BSm. Ileebti 
bis ai|f Jasdnian, wekbe Tom Jabve 1790'T*-i83i!2 Bieh| 
weniger sJs 11 Auflagen ei&bt iiat. 

eiHHim fhrn^l Haubold, geb. IfM, t ^ ^^ 
in Leipzig 1824, ymX' ebenfalls in Lebie and &dmft 
wabrbaft ausgezeicbnet Seine institott. histev. dogaiat 
liBeau. mit rmber Literator bat C.£. Otio. Lips. 1826 
Ton neuem edirt, die oben erwahnten institt. ^lur. Renu 
bis*, litt. essebienen i8U9. |p seiaen opaso. and vielen 
einzelnen Aufsatzen , so wie in der Sammlung des vot* 
Justin. Recbts ist vieles Vortrefiliche. 

Mriedrick Cwtl vm £etM^viy, gab* t779» se<t 1810 
^ef. a. Geb. O. Bevie.|Utii in Berlia, F&hYet dei 
sen sogenannten reehtsbistorischen. Sebule, ba^ si«b JiV^ 



12 



GeMhichte AeH B&m. Rechti im Mittelaltef (VL Hei^ 
ilelberg 1815-^1833 » nene Aufl. I--IIL 1834), woria 
die Fortdauer dea RSni* Rechtt anch in der Zeit aach 
der Volkerwandnuig bewieg^n ist, so wie darch die 
Theorie des Beatzes (zam ersten mal 1802, znm 5. mal 
1827) and viele Aufis&tze, welcke in den Memoiren der. 
Akademie der Wissenacliaften and in seiner rechtehi* 
storischen Zeitschiift niedergelegt sind, ansterbliehe Yer- 
dienste erworben* 

Unter den Zeitffenossen der letzten Jahre sind fol-^ 
gende Jaristen als beforderer des griindlichea histori- 
schen Studinms dankbar za erwahnen, welche sick theils 
dnrch grossere Werke bekandt gemacht haben, theils 
darch gelehrte AaCsatze *) etc. , von denen die meisten 
in folgendep trefflicben Zeitschriften enthalten sind: i^» 
C. V. Savigny^ C. F. Eichhovn and J. F. L. GoscA^m 
Zeitschrift fur geschichtliche Rechtswissenschaft.* Berlin^, 
Yll. 1815 — 1831. YIII. 1. 2. 1832 tt. 1833. Rheinisches 
Museum fiir Jarisprudenz. Bd. 1—V. Bonn 1827—1833. 
YI, 1 — 2. Gottingen 1833. 1834. G. Hugo^ civilistischeft 
Magazin. Berlin, Bd. I— Y. 1791 — 1825. YI, 1,2.3. 
1827 — 1832. 

Friedrich Blume^ geb. 1797, Ober-Appell. Rath ia 
Liibeck (Theorie der Pandektenanordnang and Zos&tze 
zu, Gains). 

August Bethnumn " Hottteeg , geb. 1794, Prot in 
Bonn (Civilprocess 1834). 

Antau mlkelm Cramer^ geb. 1760, f 1^3^ ^ 
Staatsrath in Kiel. 

Heinrieh Eduard Dirksen^ Prof, in KSnigsberg, fcr 
grundliehste Kenner nnd Beiurbeiter der alten Rechts* 

Jnellen, so der leges regiae a. Sr w. ^ S, s. BeitrSge zor 
Londe des R5m. nechts. Leipzig 1825. Civilistt Ah* 
handlangen. Berlin II, 1820. tlebersicht der bisherieen 
Yersache sor Kritik ond Herstellung des Textes der Sil. 
Tafelfragmente. Leipzig 1824. 

Eduard Ganif Pro£ in Berlin (Scholien sum Gains, 
Erbrecht). 

Joh. Friedrich Ludwig Goschen^ geb. 1778, Prof. 



*) Die Biioher nnd Au&at^ sind in dem PriTatrecbt an dea 
gehorigen Stellen angegebea wordea; biar nur dai AUgemeiiifCe, 
namentli<^ fiir die Fhilologen. 



— 13 — 

in Gottingen, weitberfihifit dorch die editio prinoeps 
des Gaius. 

Gmtav Friedrieh Hdnet, Prof, in Leipzig, grosser 
Kenner der jaristischen Mss., von dem die Qnellen nooh 
manche Bereiclierang und Berichtignng erWarCen. ' 

August Wilhelm H^er^ Prof, in Berlin (Comm. 
acu Gajus IVA 

Philipp kduard HuicAke, Prof, in Breslaa. 

Clemens August Carl Klenze , Prof, in Berlin. 

Eduard Plainer, geb. 1786, Prof, in Marbnrg (viele 
kleine 'Scliriften , die auch for Pliil^^logen selir werth- 
ToU sind). 

Friedrieh Adolph Schillings geb. 1792, Professor 
in Leipzig. . - . 

August Wilhelm non Schroter, Ober-Appelladons- 
Rath in Jena. 

Albrecht Schweppe, geb. 1783, -j-als Ober*AppeII.- 
Rath in Liibecit 1629 (Kdm. Rechtsgesch. und Rechts- 
alterthiimer. 3. Anfl. von Griindler. Goltingen 1832). 

Awton Fri^rich Justus Thihaui^ geb. 1772, Prot 
in Heidelberg, ist zwar ein Gegner deristrenghistorischen 
Schule, hat sich aber durch viele geistreiche Abliand- 
Inngen und Bearbeittingen des fidmisehen Rechts einen 
sehr beruhmten Namen erworben. 

Carl August Dominik Unterhohnerj Prof, in Breslan; 

Ferdinand WuHer^ Prof, in Bonn (Rcchteiresehiclite. 
Bonn 1834). 

Karl Salomon ZachariSj geb. 1769, Prof, in Hei- 
delberg (fur Philologen ist wichtig : L. Cornelius Sulla, 
ids Ordner des R5miiicben Freistaats. Heidelberg 1834. 
n., voll treflflicher Anfschlusse und Andeutnngen). 

Sigmund Wilhelm Zimt^erHy f als Ober-Appell.^ 
Bath in Jena 1830, dessen Geschichte des R5mischen 
Privatrechts bis auf Justinian (Bd. 1. Jena 1826. Quet« 
lenkunde und Personenrecht. Bd. 3. Civilprozess. Jena, 
J 829), eine ausserst fleissige und von gt-ossem Scharf* 
sinn gesichtete Sammlung, ihret Vollendung durch E« 
Buschke's Hadd entgegensieht. ^ . . 



i«M 



't 



A b r i s s 



der iKdmischefi iStaatsverfaSslutg. 



Ersts Period e« 

Vim Rmm Uriprmg ln» tmf die Deetmtirn* 

I 
I 

. L Rom im ei^teii jahrhundert ^)4 

Eiiif drei&dbe» Element idl Bdl det BiMnng dto BSmi- 
soli^ Yoiks nnd SlmMs iiieht zov^rkennen^ era grie- 
chisches, aldtalisches und etruscisches. Flor. UI^ 18 



^^ Ohner uns Ibei deti mytltifchen Bericht«n iifcet Kcniiv Ciit*. 
stehnng aufzahalteat^ Veginnen \nr 80g|«ick mit den ResalUten des 
gri1*4H<>he]i Unt^sui^hiiagen B* G. NUhuhrs in iw Rom« GeschicHte. 
B^^ltf, 1811* 1812. ISad/ (t aHim 3. Mai anfgelegt M2S» II. ziim Z^Mal 
IdSQt^ beiile gaozUch nmg6arbeitet}« Er tteht einzig da durch g9« 
-^s^i^ig^n Ui4atiirsft des^AHea «nd geistreichate Combiiiation einea 
iDtv^ii J^uefty der inv Ganzen ,iucht zn erschutterai' istf venn aaoh 
^z^eFleo|iiea u^d Mdngel at^epriffed werden koBntan, tn der 
mit ihm beginnenden neaen fraebtbar en Aera. der Admischen Fof-« 
scbuDgen sind namentlich f^Igende zn erwabnen: lff^ JFachtmuih^ 
welcher in seiner altesten Komis^chen Getchichte^ Halle 1819, 
mancbe Niebuhrsche Forschnng <nnt gntem Erfolg tadelte nnd bes- 
serte. JT* />• HuUmanns Romische Gmndyerfassimg , Bohn 1832, 
ist ein Werk der emsten Griindlichkeit and der regsten Phantasie, 
jedoch lassen sich nicht alle Combinationeii halten. F* ^aUer$ 



I 
% 



«. 15 ^ 

quipp€ 6um p^M MlHMn^is Btlittcbi MUM^ Sabi^ 

imqu^ Msment et nnnm e» omnibus tMguiw^ 4it€M^ 
imrpuifet^ eaf in^mbHs et M omnihii anus e$t. DaA 
gri«chfaidb6 £lemii0t (Cio. d«r tep^ It, f^> 20> inftn^n 
Mh PMtt^U iuidam e Gmeeia rMtha M kand ufbHk 
mt,^ tepfftil«iititeii die La tindf, l^khe litis deti idiM 
EiflW^hMM LdtlturiSf rfrriK^nis^b^n bA(et Delaiidsoheil 
QM45hleth«i litld dl«n »fobelrtid6fl Cffi9k($tn^6d6r KtekerA 
«litttl&ifd«ll (tK<ni. Ilal* I^ 9» 14. ii^ d.),- irMl zwaf Ver^ 
gii^lliii&lzeti Ato afigeaehlfnen Pela»g«i^ ftAh detl Cask^lTt 
^&bt«tid ^ A^rM«Mti in ein abhatlgigefi( Gllentdtet* 
Mtnifis f 1^16 A tnocbtCifi. DafSr spricht atnsitof d^i^ M^ 
sKitkeii^ti Zetig(*ti die gtosfie Aehfilichkeit der lat^iriisclieA 
Spradie \fM def grieohisoheti sowohl , ai» itv osclscbM^ 
M derm 8tMim Ht CMki»if tf^ifahU wdMen. Zti den 
allkalick^mi Ctmndbettatldfth^len gebort au^trer iii^eii 
Caidi«ni 0ltt fttwirer SfaMni) die braveii Sabin^r, voif 
ctM^n BdM sfeine kiadlobe Ltib^nsweiie tincl vielii. Citi^ 
riohtttfigfen , \i^e der Att^nl , der Clietiteii etcv , effaiek. 
Er^bMii^ Imiten ale 4Am von dto Apfnenntttefi, HAMn 
Udell ftfidetiy yerbreim^ indem eie vdtt dett mfttfbtigifetl 
«ll4 kiltlSfl^isteR Etrnskern Terd^ngf Wordifd Mraf^, 
weldie Nlc^bt in der erst^n Anflage seiner R9m. €f^ftclf» 
I^ %, 181 d»die drlfte Warzel d^ Rditiisehen Stfnkt&r M^ 
«ykeifii<$ tmbrefid 0r ftie ki d«n folg^ndeft Ans^ben ht^f 
itfttolbtf «ltt1Vltk«n la^ I^ 1^* iSf; Ditfse, tdn^t Pd 



MMMebie iies RSinisibffi RMkts bb tMitLf^ra^i^lx^y^titil^^ 
der Verfassiing, Bonn 1834, ist mit grossem Fleits und Grundlich-^ 
keit getchrieben. Die ergten Partien sind meistens nach Niebahr, 
id«h nMrt elQM eigentUttlkUe TdtboNerAde UHtersit^htiigeii* 
HochtC albeaieMittoh end wk% grbtfMr AnttoMitat g^eil KM«^ 
Uni d«vigiiy it* ^fe Wtek ¥Od 0^ L. JK» 5clhifft«y (^tfkktdlegiiirg » 
elMT gteefaieblk 8ta|i«BwfMteMoltr dor Ronm^^ geicltriebeflf ^f^l«&eA 
•tfur M'gdtklieh abgefertigl lit ^ren C;> ^ (SI Jt%m»i^, PbMitalleeil 
fliaee pnkliMMin StaatanaiiWs BerHa: idS4tf Atidv^ ^«^<gtttckfifieil 
awA .T0» JliTailHr OBfielndir niid adnOtz) tiM f.' Sthadeberg {fSfik 
Wardignng der Ton Schnltz abgefassten ScfarUt em* H idlef I634v h) 
tanrtMB t* .:**^ Bin iebr ^lubet Material iftc^ ftbjettt 6^e6stand 
totroldl^ IM: iilbee die gamdrSteatByerieisstti^ fihdw si«% in K ^^'MM 
aerv Jkitiff der Rdm. Antfqbitilett. htipi^ ntul HaMMtedt'lSOte 
BiimihflF Thdfld aiad^ Mlv gelciBgell in J* J^^ l^sr, e^ll^kttetf Re^ 
elfl^p^ndidf ^lirndta^' Cedfii 1U6# •' • 






-- 16 — 

Jiefabkommend, breiteten sich anf Kosten der alteiiTyr* 
rhener und Umbrer aus nnd bildeten ausser dem nord- 
lichen noch einen Stildtebnnd im SUfden mit aristokratischr 
hierardiischer Begieroji^, unter einem gemeinsameD, vom 
Adel gewahlten Konig. Der Adel aber stand zu den be^^ 
siegten Ureinwohn6rn in demselben Verh&Itnisi^, wie die 
giegenden Thessalier 2u den Penesten, die Achaer'zu den 
Perioken etc. , woraas die spateren Romischen Clienten 
hervorgingen* Fiir die Anpabme dieses Elements spre- 
dien seine Reprisentanten , die beiden Tarqninier mit 
ihren Rie^senbauten , so wie uberhanpt mancne Einrich- 
tangen von den Etrnskejn nach Rom iiberffegangen sind^ 
2. E. die Lictoren, die Triumphe, Spiele, Insignien^ 
Jakrsrechnung, der grosste Theu der Religion n. a* 

Das alteste Rom war vermuthlich eine pela^giiche 
Kolonie auf dem Palatinns, welche sich zu den Latinem 
hielt ; auf dem nahen Qairinalis and Capitolinus mogen 
sich sehr friih ^aheller angebaut haben (Fest. y. dici. 
Liv. I9 13. Cic. de rep. U, 7..}, woranf auch die Sage dea 
Sabinerraubti and des mit dem Sabinerkonig Titas Ta* 
lius.geschlossenen Friedeas bindeatet* Nun Tereinigtea 
sich Sabiner und Latiner oder Tyrrhener zd einem Staat, 
dessen Hauptstadt Rom wnrde (popolus Romanos et Qui* 
rites als eine gemischte Stadtgemeinde). Dann mogen 
sich auch Etrusker a^geschlossen haben, welche. den 
Colius einnahmen, ^ntweder schon zu Romulus Zeit (Cie. 
de rep. II, 8. Fest. v.Goelius mons.Varro de LLy,55) *), 
nach Andern aber spHter (Tac. Annal. IV, 65* Fest v. 
Toseum vicnm, p. 153« 276. ed. Lind.) ^), /wenigsteto 



*) J^* W* Th* Bggert iiber das Wesen der altrondfchen Ehe 
mit laaiins* Altpna 1833. S. 23 £E: ranmt den Etxmkeni eine zu 
groise Theilnahme an Roins fntttehnng ein, indem «r a imimm t^ 
dass schon nnter denRamnes daa etnucische Element Yorgehemciit 
habe, dnroh die hinzngekommaien Lnceres aber sowohl, alt die 
beiden Tarquinier sey der Sieg der Etniier ToUitandig gewMes, 
denn die Sabinei; la$ft er ztdetzt hinzntreten, was eben ao wenig 
bewieaen werden kann« 

**) Niebohr laast die Sabimsche nnd Latinisoho Stadt loigeZeit 
dnrcfai.'Maaem and Graben Ton einander getrennt beat^ea, bis 
^ne endliche Vereinigong beider erfolgt ware (Roma «• Qidrinm, 
1 9 S» 321 if.), wodnxch die Burger deraelben Tribnten zweior 
Stamme geworden. Die dritte Stadt auf dem CoUns nffurt fitebuhr 



— 17 — 

dnd ed drei Theile, welche sich in der titesten Einthei- 
Inng der ganzen Nation unterscfceiden lassen (tribas). 

i) hamnet oder Ramnenses, Latiner (Gefthrten des 
Romulus); 

2) Tttti oder Titienses, Sabiner (Genossen des Ti* 
tus Tatias); 

3) Lucerei oder Lucerenses, Etmsker (unter Lftlius 
Vibenaa? Fest. ▼• Luoeres). 

Jede dieser drei Tribus zerfiel in 10 curiae', deren 
jede ihre eignen sacra and Priester hatte^ denn ausser 
den gemeinsamen Gottheiten verehrten sie noch ihre be- 
sonderen in dem Curiengebliude, wo sich die znr Curie 
Gehorigen anch znr Resprechung weltlicher Angelegen- 
heiten versammelteii. Jede curia bestahd wieder aus 
10 gentes, deren Theilnehmer (gentiles) von ihrem Ep(>- 
liymus gemeinsameNarnen trugen, ohne durch Verwandt- 
schaft an einande^ geknupft zu seyn. Niebuhr I, 8. 349. 
Ihr Rindemitfel waren gemeinsame Religionsgebi^uche 
(sacra gentilicia), welche trotz ifarer L9stij?keit doch bis 
in die spate Zeit zum Theil mit grosser Pi^tSt bewahrt 
wurden. Diese Geschlechter der Altbiirger sind die Grund- 
bestandtheile des Sfaats, sie treten zusammeA znm Heep- 
bann, denn jede Curia stellt 10 Renter nnd lOO Foss* 

gnger ; der Ausschuss aus ihnen heisst Senatus, dessen 
itglieder patres, deren Sdhqe nnd Verwandte patricii 
genannt werden, ohne dass sie Senatoren zu seyn bran- 
chen. Neben den Geschlechtern stehen nur noch ihre 
Clienten, d. i. ein Theil der alten Ureinwohner (Abdti- 
gines), namentlich die Aermeren, welche mit den spSter 
Torkommenden Plebejern nicht zu verwechsein sind ; 
also waren im ersten Jahrhundert die Rewohner Roms ^ 
nur Akblirger nnd Clienten, nebst den kriegsgefangenen 
Sclaven* 



Lucemm S. 330, welche lange den beiden andern nntprthanig ;;a- 
wesen; doch dieses angeblich athangige nnd zuruckgesetzte Ver- 
haltniss ist nicht zu beweisen; Yiektiehr lassen sich alle Stellen, 
welcher dafdr zu spi^chen scheinen, nur dahin deuten, dass der, 
diitte Stamm ein spaterer Ankommling war ^ woher' anch die Ver- 
mehriing der Senatoren and Vestalinnen za erklaren ist* 



18 



IL Stande der Romischen Nation Von 

dem zweiten Jahrhundert nach deren 

Zusamni^nsetzung an. 

1) Die gentet, ^paiHcii oder Altburger beshzen 
einen AoMchuss io dem wenaiuwj welcher nach Vereini- ' 
gang der drei Stamiiu^ ans aOO Mitgliederh besteht, in- 
dem diese Zahl aowohl den 300 Geschlechtern , als den 
Tagen des cykluchen Jahres entspricht. Liv. I, 8. IV, 4. 
erw&hnt, dass sie Ton den ersten Kdnigen gewahlt wor* 
den seyen, wlihrend Andere, namentlich Dion. Hal. 11^ 
12. 13. 47. ihre Wahl den Cnrien nberlassen. Tarqni- 
nim Priscns ftoll die sehr verrainderte Zahl wilder auf 
300 gebracht haben, die NeaUnzagekommenen werden 
alg patres minomm gentium von den altesten nnterschie- 
den 9 and da^er entstdnd die Benennung patres cot^ 
' teriptu Eine abermalige Vermehrnng des Senate worde 
nacn Vertreibung der Konige darch Brutns angeordnet. — 
Viele der jiingeren Fatricier verrichteten Kriegsdienste 
ak Equitesj von denen jede Curie 10 stellt, jede Tribus 
also 100, d. i. eine Centurie, welche den Namen ibrer 
Tribus tr^ und dieselbe reprasentirt, zusammen 300: « 
Ramnes, Tities und Luceres. Sie dienten zwar zn Pferd, 
sind aber nicht mit der koniglichen Leibwache zn yer- 
wecbseln (Walter S. 17 richtiger als Mahlert de equit. 
Rom. Hildes. s. a.) und standen unter dem Befehl des 
iribunug celerum, welcher dem Eonig am nachsten 
standi und sowohl den Senat als das Volk versammeln 
durfte. (Als solcher berief Brutus nach Vertreibung der 
K5nige das Volk.) Die urspriingliche Zahl von^^ Bit- 
tern verdoppcdte TuUus Hostilius, als er die £inwoKner 
von Alba (Latiner) nach Roin fiihrte und 10 Tiirmen 
Ritter aus den vornehmen albanischen Geschlechtern 
hinzufngte. Diese Anzah| \vurde abermals von Tarqui- 
nius Priscus bis auf i200 verdoppelt, womit er sich 
begniigen musste, als er. den Plan gefasst hatte, die 
nenen Burger den alten gleichzustellen, was diese nicht * 
duldeten. ^ 

2) Plebeii. Durch Niebuhr (II, S.;452 «.) ist die fur die ge- 
sammte Romische Slaatsentwicklung wichtis^e Entdeckung 
gemacht worden, dass die Romische Gememde erst durch 



T™^ 



— 19 — 

£e Einwohner ladniseher Ortsehaften entetundy welehe 
Dach Bom gefiUtrt warden. TuUus Hoslilias wies nftm- 
lich den uaterjoeh^ Bewohnern von Alba anf dept Cd- 
lins^ ihre Sitze an , jedoch ofane ibnen das connnbiam 
mit-'den Akbiirffeni, nooh sonstige Rechte zn Terleihen. 
Dardi Aneas Mareins wueha^n die Plebejer unrnfissig, 
indent er drei ladnkche Siftdte dem Staat einverleibte 
nnd den Bewohnern derselben den Aventinus anm Anf- 
enthalt anwies, bis Tarquinius Priscos einen Theil in 
die Carien aufnahni, die als, jangere Geschlechter den 
ftlteren gegennber stehen, wahrend die iibriffen in dent 
alten VerhSlUniss bleiben, namlich als freie Ackerbiirger 
in lokale' Tribus vertheilt, die entweder ihren alten 
Gnindbesitz behalten haben, oder denen StUcke des ager 

tnbiicus gegeben sind. Dieses ist der einzig richtige 
Irsprnng der Plebejer, welchen nur noch Wenige in 
den Clienten der Fatricier siichen, was scbon deshalb 
verwerflich ist, weil die^Verscbmelzung der Plebejer and 
CHenlen erst spat erfolgte.- Trotz dem liat Schultt in 
seinem angefuhrten sonderbaren fiucbe dafiir gekampft, 
and vorher TF. Eisettdecher iti der Uebersetzahg des 
alten Dani (1764): iiber Entstebnng, Entwicklang and 
Ausbildnng des Burgerrechts im alten Rom. Hambarg 
1829. Strasier dagegen imVersuch iiber die Romischen 
Plebejer der Ultesten Zeit, Elberfeld 1832, kam nach 
nancnen Untersucbungen doch im Ganzen zu Niebuhrs 
Besultolen. 






•i 



. i) CUewies* Sehon oben warde erwahnt, dass sowohl die 
Etrasker akSabiner nach derEroberang einzelner Lander 
die daselbst fi&ch Torfindenden Urbewohner zur Bejbaaung 
ihrer Landereien anwandten , indem sie dieselben aas 
ebemaligen Eigenthiimern za P^obtern und Hinterisassen 
machten. Yon dort ging dieses Yerhslltniss nach Rom 
iiber, wo es auf eine eigendiiimliche Weise ansgebildet 
and zn 'einem innigen Piet&tsverhaltniss erhoben warde. 
Der Client mosste fiir seinen patronus die Waffen er* 
gpreifen, die Tochter desselben aasstatten, ihn anf den 
Markt begleiten, regelmstesige Aafwartangen and Ge* 
schenke maeben etc., wogegen derPatricier andereYei-^' 
l^cbtangen ' katfte ^ z. E« Yectretung des GKenteik v6k 
uericht, da^dieser-«eine Sstch^ nicht persdnlidi f&hven 
konnte, vu a»v ^m^ so keilig gebalten warde, * daissdie 
Yerletarang ^dieser PflidiUn d4m Hoehveirath glelefa be« 

2^ 



— 20 ~- 

.straft wqrde. Der NkbterfuUer.galt ifSr tader, .d^sMa 
TodtuBg war ongestraft) wie sdion iUniahisi^vocoriiiwl: 
babea uolL Niebuhr I, S. 361. 362. In dieges Clientele- 
Techaltniw traten auch die freigelasseaen Sclavea, indeni 
ibr ehemaMger Herr nan ihr patironna wwde; ebenso 
imuurte der in Rom verweilende Fremde sicb.einen Pa* 
Uon iv&hlen> um nicht g^Uudieh ackntz- iuid.recb|lo8 
isa seyn* 

4) Servu Die kriegsgefangenen Sclave%. natiirlich Aus- 
lander, waren irechtlos und ganzlich von deu Willen ibres 
Herrn abhangia; s. Darstelhing der SclaTenverhSdtfiisse 
im Familienrecbt; doch sind sie darchaus nicht .unserm 
BegiiS Sclave za vergleichen,indem dieServi eiabesserea 
Loos genossen, obgleipb sie wieder tiefer staoden, als 
der deutscbe Leibeigne. Aus den Freigelassenen aber 
entetanden oft sehr angesebene Familien; 

in. Staatsvcrwaltuug unji deren Ver- 
anderun^^n bis auf die Decemvirn. 

A) Bis auf Sfirvtus Jkillius. 

i) B e x. 

An der Spitze deg Ganzen steht der von den Caiiea 
gewabIte£oiit'^, welcber 1) die Taterlandisehen Gesetee, 
uewohnbeiten and Recbte gegen die fremden Staaten 
TOrtritt Dion. Hal. II, 14. Tac. Ann. Ill, 26. Niebahr 
I, S. 3gi. 382. Daber ist er sowohl 2) Oberpriester 
(obffleicb nicht A^rsteher deg geistUchen Roehts)/ ala 
3) rr^ident deg Senatg, der den Senat and das Yolk 
Tergammelt, und 4) Oberfeldherr im Krieg> mit der exe«« 
cutiven Gewalt im Frieden. Endlich ist er auch 5) Ober-« 
ricbter, gowohl in Criminal- als Civilprozessen. Dion. 
Hal. II, 14. sagt, Romulus babe verordnet, dass die wich* 
tiggten Verbrechen vor geinen Stuhl klLmen, das Minder- 
wiebtige golle der Senat bestrafen ; Tullug Hostilius abar 
gab DuiunTire und zwar geoundum le^m (Liv. 1 , 26.), 
am nber perdueilio za entgebeiden, ww^ pravocatip ge-> 
stattefc war. Darnach also ist das Yolk als Oberrichfer 
angegehejQ^ worden Liv. YI, 20. Dion. HaL JX, 44. Gio*. 
de rep. U, 31. Diege dnnrnviri heiggen.quaagtores, we-? 
werden liv. II, 41. YI, aO« ^qnaegtorta de per-» 



— 21 — 

dhiellidne gMiaont nod fur jeden Fall wurdeii betondr^ 
ernannt; denn Li v. I, 26. gehraneht den Amdruck CaoiO) 
,and ent spit warden diese richterlichen qnaestiones 
stehend. , Tarq^oinias Superbus aber hat allein sine con- 
siluB Reeht gesprocben Liv. 1, 49. Was die Privatpro- 
sesse betidfft, so ordnete Servius Tullins Richfer an, 
^orin Niebohr I, S. 472 die CentumTirn erkennt^ doch 
^elleicht waren fiir geringfugige Dinge schon frnher k5« 
nigliche Commissarien ernannt ivorden, obgleich- Dion* 
Hal. X, 1. und Cic. de rep. Y, 2. sagen, dass die K5- 
nige Tor Alters selbst zn Gericht gesessen bitten. 

In Abwesenheit des K5nigs and des tribnnns cele- 
mm ) so wie etpiter der 'Consuln , vertrat der erste Se- 
nator ibre Stelle in der Stadt.nfit dem Titel praefeciui 
urbtj urbzn ihn der Konig ernannte. £r ist namentlich 
for die Jorisdiktion sebr wicbtig. Nienubr II, S. 125. 

Nacb dein Tode des Kdnigs besorgten die zebn er- 
Bten des Senats einstweilen das kbnigliche Amt, inter-' 
reges genannt, ja sie wiblten unter sicb einen Nacb- 
folger und scblngen ibn dem Senat vor (rogare), dann 
aber im Fall der Zustimmung (sonatas, auctoritas) liessen 
aie die Curien dariiber abstimmen und die Bestitigang 
ertbeilen. (Diese Magistratur bielt sicb iibrigens aacn 
Dach Abscb^ung des Konigtbnms.) Cic. de rep. 11,12.17*. 

2) Senatut. 

Der Senat batte ^ 

1) die Berathung und Entscbeidnng iiber alios Tom 
Konig Vorffetragene; 

2) criminalricbterlicbe Gewalt, indem Commissarien 
untersucbten oder die ganze Sacbe imi Senat selbst 
Torgenommen wurde: 

3) viele administratiye Gescbifte. 

3) Popului. 

A) Altburger Curiae j welcbe in den Comitiis Curiatis^ 
stimmen. 

Unter die Yorrechte der Gescblet^bterversammlungen 
gehorens 

1) DieWahl derBeamten, sosar dic^ des K5nigs, doch 

nur aus den dazu vorsescnlagenen Personen; 
9) die Yerwerfung oder Bestitigang eines Senatsvor- 

trags; 
3) die Entsoheidung iiber Krieg und Frieden ; 



• 



. ■— 22 — 

. 4) die Enttebeidang in Capifalsacheii, auieBtiiehim 
Fall der Provokation; 

^ 5) die BestitigojDg mancher Familiengeiohafte, sc E. 
der Testameiite, Arrogationen u. s. w. naturticli 
bloe TOD den Patriciera* S. dasFamilien- a.Erb«- 
recht. Anch die detestado sacrorum musste vor 
den Cnrien Torgenommen urerden , d* i. das feier- 
liche Lossagen von einer gens. r. Savigny in 
Zeitechr. II , S. 399. 
Eine andre Formlichkeit war 
6) die sogenannte lex curiata de impirio^ wodorch 
die gewalilte Magistratsperson ihre BesCfttigung er* 
hielt, ohne welche sie weder Anfiihrer im Krieg, 
noch Richter im Frieden seyn konnte. ^Niebuhr I, S. 
374 halt diese lex far gleichbedeatend mit der pa- 
tram aiictoritas, welches wenigstens wahrschein- 
. licher ist, als eine doppelte, schnell nach einander 
folgende Bestatigung anzunehmen ( Walter R. ;6. 
S.26. Haschke incerti auctoris magistr. et sacerdott. 
p. R. expositt. Yratisl. 1829.). 

B) Von den Einrichtungen des Konigs^ Servius 
TuUius bis auf die Consuln. 

Bis anf Serving Tallius hielt sich diesc^ Verfassnng, 
welcher die Verschmelznng der Terschiedenen Nationen 
in Rem beabsichtigte und zagleich den Uebelstand anf- 
hob, dass eine so grosse Zahl Plebejer ohne Antheil 
am Staat und rechtlos in Rom lebte. Daher veranstal- 
tete er zuerst eine Organisation fur die Plebejer dnrch 
die Triluseiniheilung^ indem er das R5mische Gebiet in 
30 lokale Tribus zerlegte- (entsprechend den 30 patrici* 
schen Curien), von dcnen 4 auf. die Stadt, 26 auf das 
Land kamen^ jene hiessen tribus urbanae oder regiones, 
^iese trib. rusticae, welche stets geachteter waren als^ 
jene, da die Grundbesitzer zu ihnen gehorten und der 
A<;kerbau bei den Romern stets in honen Ehren stand. 
Jede Tribus hatte einen Yersammlungsort und ihre 
selbstgewahlten Yorsteher zu politischen und religiosen 
Zwecken *)• Nach dieser geographischen Eintheilulig 



*) W«nn spater nur von 21 Tribug gesprochen wird (Lit. 
II, 21.), A) erkl'ait sioh das tiarch den Verlust des dritten Theils 



— 23 — 

schrilt S«(vim Tdlhw za der poKtiichcrh Vereinigiiiif 
beider Standi, weldio er dnccb den mit dem Lostram 
▼erbttiidnen Census erreichte, denn das Fandaihent dcr 
ganzen Einrichtung war der Grondsatz , dass mut der 
Beskz and dei personliehe Kriegsdienst^ vrelche sick 
gegens«idg bedingtea, grossexen oder geringere» Tboii 
ajA Staate, d. h. an dem Stimmrecht der 'Comiden gebe* 
Ebenso war dritteas d^r Beitrag^u den directea Steuern (tri- 
butom) ganz allein von den V^rmogensamst&nden einea 
Jeden abhSogrg* Um diese ku nntersncben, TersammelteD 
sich s^ie Burger ais procincta clasais (Heer in Schlaebt- 
erdfiang)auf dem carapas Martins, wo Jeder hervdrtrat 
und sein Y^HiogeB mit Eideskr&ftigang scb&tcte. Die* 
ser Angabe gemfiss. zerfiel die ganze Biirgerscbaft in 
18 Rittercentnrien (denn Servius^ Tottias batte alis deii 
drei bestebenden ahpatricischen (1200 Mann) seehs ge- 
nadit, VL suffragia genannt, and aas den vornebntea 
und reichen Piebejern 12 ganz neue Ceatniien aasg««> 
hobea*) and 175 Ceaturien FnssTolk, welche fdgen- 
ctermassen stimHifea:f ^ 

Equites 18 Centuriae. 

Prima class. ^^ -^ mit einer Schfttz. fib. 100,000 Ass. 
Frfiri 2 — 

Seennda — 20 — _ — -;. -^ 75,000 — 
/Periia — 20 — — — — - — 50j000 — 
Qaarta ^ 20 — — — — ^ 25,000 — 
Qninia _ 30 — — — — — 19,000 — 
C«r»iciaes 2 • <— 

SexiM class. 1 — ^ aog. Aceensi, weMie nodv weniger, 

besitzen. 



193 Centurien. 



SbOten diese ak gesammte VolksTersammlang zn- 
aanrmentreten and einen Beschlnss fassen, so war- die 



de«- Boamclieii Staatsgebtets ah Etaronea , wo dass ntir 20 Tribns 
amiiokbliebea. 21 warden es wieder durch den Sal^iner Ap];ti^s 
dMfediaft, d^ mit enter grosses . Clieiiitenzahl noch Rom kam- und* 
miter diePatricier aufgenoBuneir wnrde* iVi>5uAr I, S. 621. Naoh nnd- 
iiaA wacbs dieZahl ^aeder avf 5Q, ja SdTriebns, wekhe daim fon«- 
wabseiid bUeb^ Hullmaim 8. 66 ff. OrelU InscripH. 11, p. tl. 

*) WaUer 8. 32 ff. Rein qnaestiones 1*1111181180. Cips. 1832* 
pag* 6- — II, 



— 24 — 

MajoHWftt mit 97 Centnrien enreieht und bei-nhte atso in 
der Hand der Wohlhabendsten, denii selten mochte die 
aweite Kldsse zum Stimmen kommen^ indem die 18,Rit<* 
tereeDtitrien und die erste Classe gewobniich sehon den 
Aasschlag eegeben batten* Also bestand von nun an eine 
tteSlicbe Verbindung der Timokratie und Aristokratie, 
ohne jedocb den Armen ailer Rechte . zu berauben. Cic« 
de rep. II, 20 ff. Uebrigens' bestanden die Centurien 
jeder Ciasse zar Halfte aus seniores und iuniores, voA 
denen jene iiber 45 Jahre alt zu Hause, die vom 17-^ 45* 
Jabre im Felde dienten. Die letzte Glasse aber war eine 
Geaammtstimme fur die Srmsten Biirger, ana drei Ab* 
theilungea bestebend, Accensi Velati, Proletarii, Ca<* 
pitecensi. S. GottUnff, die Yolksversammlungen der 
vomiachen Republik, Hermes XXVI, S. 98 ff. *)• 

Die Rechte der Centuria^*Coniitien v^aren 
meictena aolcbe, welche die Curiat*Comitien von nun 
an einbiis&ten, nemlich: 

1) die W^I /der bohen Magistratspersonen (Huli- 
mann S. 115); was die Wabl der Aedilen und QuaestO'* 

ren betrifft. so ist es noch zweifelbaft. Fuss, S. 168; 

' ' . \. 

. *) Mit diesen diirfen' die A^rarii nioht rerwecbseU iverd^, 

d, h. die yon den Tribnar und Centurien, dafaer anch yom Kriegs*^ 

' dienst und Stimmreoht Ansgeschlossenen, Velche einen. Handel und 

Gdwerbe trieben, also yiele Glienten (dean die ackerbanenden Clien-' 

' ' — . ' ' 

tea stimmten mit), die intam Erklarten, die laopoliten, welofae sick- 
in Rom niedergelasaen batten, naeh NUhuhr lOid JFdUer sogar die 
Freigelassenen (nach Nieb. bis aaf die XII Tal., wa aUe Aerarii 
in d. Tribus ^nfgenommen wordea waren, R. G* .II, 359 1« bit fL 
lil, 346 ff.; wahrend Walter 8. 118 ff. nmgekehrt die libert. seit 
den XII Taf. Aerar. wevden lasst — denn dadarch dass sie in 
keiner Tribus gewesen waren, hatten sie den Census yerloren — 
bb auf App. Claudius). Alle diese Leute standen nicht in den allge- 
meinen Census- und Steuerlisten 9 sondern gaben ein willkurliches. 
Kopfgpld (tributnm pro capite), daher wurden die, welche der Cen- 
sofi^ zur Strafe aus den Tribus stiess. (tribu inovere), haufig mit> 
etnem unverhaltnissmassigen Kopi^eld besteuert, und yerloren, .aus 
der Tribus - und Centurienverbindung gestossen , naturlich auch 
das Stimmrecht. Weil die Einwohner yon Care rdm*.Biirger ohne 
Stimmrecht waren, werden die Aerarier anch Caeriies genannt and. 
ihre Listen tahulae Caeriium^ in welchen die der Tribus ennangeln^ 
den I also «ach die tribu moti , aufgezeichnet werden. S. die. be* 
kannten Stellen Ps« Ascon* zu Cic. diy. in Caec* c. 3«'GelL XVI, 3* 



— 26 ~ 

2) B^titigvng. >pder Varwerfang ekes • Senatobe- 

schlusses; " ' ' 

S) EntBcheidmigf' fiber Krleg nnd Frieden; 

, 4) Bichteiamt uber CrimiDalverbrechen (caussae 
pubKcae). fodessU^fe und Landesverweisnng bestimm- 
ten diese Comitien, aber anch Zuriickb^rufang aus dem 
Exilianif Cic. de leg. III, 4. de capite civis nm* per 
maximum comitiatum — ne ferunto, p. red. in Sen. 11« 
p.Sext. 30. Liv.VI) 20. XXVI, 3. XLIII, 16. Val.Max. 
VI9 5, 3. Dirksen Uebersicht der XII TafeUragmente. 
S. 644 fiF. sTafel IX. 

Die CTariat'-Comitien behielten nun noch zwei 
Gerecbteame : 

1) durfien sie aus ibrer Mitte ein Gericbt bilden 
fiber solcbe, die sich an den Recbten der Curien (der 
Patricier) Tergangeh batten, aacb iiber patriqiscbe Gapi- 
talyerbreeber, wenn die beiden quaestores parricidii aof 
deren Besdtzongen antrngen. S. Li v. II, 41. Ill, 24^ 25. 
Dieses war ein Ueberbleibsel ibrer alten criminalricbter- 
licben Befngniss. 

. ^) Bebielten. sie' die BestSltjgang der bedentendsten 
Magistratspersonen durcb die Macbt Terleibende lex cu-- 
riata de imp.j welche sp&ter eine leere Form wurde^ 
indem sie nicbt gut verweigert werden konnte. Cic. adl 
div. I, 9. aid Qu. fr. Ill, 2. Synonym damit ist die aucttn 
ritas patrum^ denn patres sind nicht immer die Sena- 
toren, sondern auch die Patricier der Curien, so z. E« 
Cic. p. Plane. 3. S. C. F. Schulze von den Yoiksversamm- 
langen der Romer. Gotba 1815. Gottling im Hermes 
XXVI, S. 101 flf. 

Kaum war diese £inricbtung angeordnet, als sie 
aucb scbon wieder auf einige Zeit aufgehoben wurde, 
namlicb durcb Tarquinius Superbus, weicher die Gleicb- 
heit der biirgerlichen Rechte vernichtete , die alte un- 
billige Steuer erneuerte, und indem er wederVolk noeh 
Senat fragte, sieb die Herzen der Romer entfremdete. 
Daher benutzten die Aristokraten die erste Gelegenbeit, 
sicb des Konigs zu entledigen, obgleicb er sich um Roms 
Hussere VerhStnisse manpne Verdienste erworben batte^ 
nnd eine Republil^ zn proclamiren. 



26 



C. Die RepuhUh bis duf die XII Thfeln. 

Sogleich wurde die VerfassiiBg dei Kdnigs S^vim 
' Tullins wieder hergestellt^ nur mit dem Uptjerschied, 
'^dass statt des lebenslinglichen Konigs eine patrici^che 
'Wfihibare Regieriing mit weehselnden and allmalig sich 
VerTielfachenden Beamtenstellen eiiigeffihrt wurde, wobei 
die ]Plebejer den kaum gewonnenen Einflnss verloren. 
An der Spitze standen 

zwei Consules, 

ahfangs Praetores genannt, welche in denTonSemasTal- 
lias angeordneten Centcomitien (denn so ist dieStelle bei 
Liv. I^ 60 zu Terstehen, i^cht etwa, als wenn Servian Tol- 
lias zwei Consuln angeordnet hatte}, unter der Leitung eines 
hohen Be^mten, also des Interrex, spater ^es vorigen Con- 
s^I, gewahlt wurden and darauf von den Carien das impe- 
ridm erhielten. Sie waren anfangs mit der Gewalt and den 
Insignien der Konige aasgeriistet and batten die Kriegs- 
fuhrang, die Jarisdiktion , doch nicht iiber die den Ca- 
rien zufallenden Capital verbrechen der Patricier, das 
Strafrecht, im Milit&rdienst sogar das Recht uber Leben 
iind Tod, aad^die executive Gewalt, am desSenats und 
des Yolkes Befehle zu vollziehen. Ferner warea sie 
Prasidenten des Senats, hielten Yortrage an das Volky 
namentlich urn die leges in den Centuriat-Comitien vor- 
zuschlagen, hielten den Census, schlossen Vertrage ab, 
im Vorbehalt der Yolksgenehmigung, und leiteten als 
Senatsprasidenten die ganze Staatswirthschaft. Ihre ko- 
nigliche Gewalt wurde durch die einschrankende lex 
Yaleria de provocatione sehr geschmUert. S. 2. Periode 
ni Staatsrecht. 

8 e n a t u Sj / 

friiher ^usammengesetsft durch die Konige, * wird jelzt 
durch die Consuln gebildet, indem diese ausser den je- 
desmaligen Magistratspersonen und den alten Patriciern 
auch gewesene Magistratspersonen, ja sogar plebejische 

' Abgeordnete einberufen* Was die Wirksamkeit dieser 
Behorde betrifft, so hat sie nach Yertreibung der Kd- 
Bige an Ausdehnung und Wichtigkeit nngen^eiii gewon- 

^ nen; der Senat ward jetzt der oberste v orsteher und 
Yertheidiger, ja die Seele des ganzen Staats und die 
Beamten wurden Yollstrecker seines Willens', wie Cic. 
prq Sexf. 65 sagt: senatum rei publicae cuttodem prae* 



/ 



27 



fidem pr^ugnaiorem eattoeaveruni (maiora^): ^ im^ 
ordinu auctoritate uii magiitratU9 et quoH minMrOB 
gratutsmi comilii esse valuerunt: senaium autem if sum 
proximorum ordinum splendore co^firmari^ plebts Hher* 
totem et commoda tueri atque augere voluemnt* . Aiuuier 
dieser allgemeinen Sorge far das Ganie, womit aich di# 
Ordnungs- und Sicherheitspolisei verbindet, haite der 
Seaat ' 

2) die obere Leitnng des Beligionswefleng, xar An- 
ordnang der Feste, Befragimg der Weissagebucher etc* 
(far die besondere Venvaltung sorgte das collegiom pon-* 
tificam); 

3) die meisten Adininistrationsffegchftfte und ge- 
sammte Staatswirthsohaft, wie Ansscbreiben nnd Erfee- 

-ben der Steaern^ Vertheilang deg ager pab£cas> die 
Verwendung der Finanzen (io spaterer Zeit die £inrich- 
tang and Verwaltung der Provinzen, provinciam consti- 
tuere, Yerleihung derselben an die Consuln oder Pr&- 
toren, was am Ende der zWeiten Periode auch hftofig 
vom Yolke geschah), zugleich das Schiedsrichteramt 
zwischen abhangigen Staaten; 

4) die criminabichterliche Gewalt, namentlicb Qber 
Staatsverbrechen (wllhrend der Consul mehr die Privat- 
verbrecher richte) , z. E. Yerrath nn4 Menterei aosser* 
balb Rom, Treubrucb der Bgndesgenossen , Yerschwo* 
rnng, doch auch Mord, Giftraiscberei u. s. w. In sol- 
cben F^len ernannte der Senat meistens Commissarieny 
und wenn Provinzialmagistrate solcbe Yerbrechen nn«^ 
tersnchen, so £;eschieht es i(n Namen und Auftrag des 
Senats* Allmahlig freilich verier der Senat in dieser 
Beziehnng sehr viel, indem das Yolk seine Criminal- 
jurisdiktion erweiterte und immer mehr Yerbrecben den 
quaestionibus perpetnis zuwies. Auch ahndete der Se- 
nat,' was andeire competent^ Bebdrden stiUschweigend 
iibergangen batten. 8. Dirksen fiber Criininaljurisd. deg 
ll. Senats in s. civil. Abhandl. S. 93 — 191. Duk. ad 
Liv. XXXIX, 14. 

Die iibrigen Magistraturen. ^ * 

Dictator war eine ausserordentUche Magistrats-, 
person, welche in schweren Kriegen oder inneren Stur- 
men, zuweiieh auch nur, urn leere Foi^mlichkeiten zu ^ 
erfiillen, eine aussergew5hnliche Macfat anf kurze Z^it 
(hochstens 6 Monate) erhielt, gegen welche weder Pro- 






— 28 — 

Tokatioa^-^nocih. idas 'ftribiiiiiei«che Veto gait. So Nlaaga 
dft er gebot^ legtea alle Magistrate ihre Stellen nieder, 
einv.einsiger wurde dafSr eroanat, n&mlich der magiittr 
eqmtum 9 welchejK dem . Dictator am n&cbslea stand jmd 
ifan vertcat Sp&tererhtelten aach die ConsulD dictatoii* 
flcheiGewfdt^^eiui «inSenats8cliloss'dieForaiel ansspraeh: 
iMe§mico9^* Me mid detrimenti capiat retpubiica. Sail. 
Cat. 29. Liv. VI, 19. Ill, 4. Die fruher herrscheiide 

' Ansiehl^ jdasa die- Consaln d^n Dictator erjaaant batten, 
hat Ni^bftbr nmgiestoasen I , S. 630 , aucb Hiillmaan S. 

^ dMj .€r^jaa:ler S. 233$ docb kam aaf den Coosnl gewisa 
viel dabei an , denn^ er machte den Senatsbescbluss be«- 
kaanli)' Ja'i^ kam andh .vor, dass er sicb dem Willen 
deit Senats nidbt fiigte. Die Hauptstellen Cic. de leg. 
Ill, 3. Uv. H, 18. XXH, 8. 

Tribuni plebis. 

Di^ae yi^iditige Magistratar wurde von den Plebejern 
ertrOtKt, indem sie, dnrcb lange Kriege verarmt, zu bar- 
ten Stenern verpflicbtet, von patricischen Gl^ubigern ge- 
driickt die Stadt veriiessen und auf den heiligen Berg 
zogen^' Anfangs waren diese aus der Plebejer Alitte ge- 
w&blcen unverletzlicbeii Manner (zuerst j^wei, dann fiinf, 
snletzt zebn,' aus jeder Classe zwei) nOr plebejiscbe Ma- 
gistratspersotien, d. b. nur zum Scbutz der Einzelneh, 
der jedesmal bedrangten Burger; docb sie ^gewannen 
naob und nacb eine ganz andere Bedeutung, und T¥ur- 
den spater ReprHsentanten der ganzen Nation, ja zuletzt 
. wahre Tyj^annen {^^Nationalconvenf bei Niebubr I, 
18. 695; Z..E. Saturninus, Clodins und Consorten)^ Cic. 
de leg. Ill, 9. 10, denn dass ihnen SuU^ so Mancbes 
entzog (s. Zachari& u. Witticb), war'obne Bestand. Ibr 
eifgentlicbes Recfat biess anxilium^ und b|estand in steter 
AnWendung der proVocatio, welche das Volk zwar scbon 
vorber gebabt batte, die aber wobl nicbt immer beriick*- 
fticbtigt warden war. Sie durften daber Jeden ergreifea 
und vor die Tribnt-Comitien fiihren, um ibra eine Strafe 
diktiren zu lasseh. Hauptsachlicb zeigt sicb ibre bem- 
mende Kraft 

1) im veto gegen die Senatsconsulte (iniercessio 
€relL XIV, 7. XUI, 12), denn sie wobnten den Sitzun- 
gen des Seiiats bei, anfangs ante valvas, spater als Bei- 
sitzer der Versammlung selbst. Der^'Widersprucb einea 
einzigen Tribunen reicbte bin, eine Sacbe zu verwerfen 



~ 39 — 

olid aiiG£Qh«Ueii, moh< -bios im Senate '«oiiihNni'«Q<^ tffo* 
gen 3iTe eigeaenCollBgen. Liv, II,'44; Unutd vet kdbcn*^ 
9W9 omnes^ satis esse ete^ dell. YH^ 19^ Aaa- Lir^ivbd 
Polyb* sind viele Stellea gesliranielt von. WittichJ: !'!.;! 

2) in prahibifilo Aer Cooficriptiony'wtleliesl)^ Liv. 
11^43. 44.'Ziim enrsl^iinial viMrkommt, • Bci'HuIljnaii»:& 
212 s. Beispicile a«s Liv! und -DidRyA*' tialic. / i' !> 

3) vfird die riehlerliche Kyafifc erwSlbnt GelLXDI, 42^ 
tribum hnUquiius creabantur nom iwri dicumtlaf nef^ 
eaussis querettsque cett. Pomp, in Fr. 2.. •4»' ^4. D* de 
erig. iur. I, 2r Ergo eo) his omnibus X ZWi. pleb*-^ 
in civitaie jura reddebant (Wittich de reipubl. l(o«A.,pa 
forma, qua Salla diet, totam rem Rom. commutavit. Lips* 
1834. S. 3t ff.), doch waren si^ rich tiger ein A^ella- 
tionshof za nennen. Im Fall dass eine Parte! appelttrte, 
so warden beide vorgeladen (Liv. XLII, 33. XXXVIII, 
6a. XLII, 32. Ascon. ad Cic. p. Mil. 14) and ein Bei-« 
legungsveFsnch angestelli Cic. p. Qnint. 7* Gdbttg die<4 
ser nicht, so nntersnchten sie die Sache noeb einmal 
nnd erKessen dann ein Dekret, wobei freiliofa das ganxe 
Collegium iibdreinstimmen nnd sich deswegen dltetzeieh-^ 
nen masste, sogar die Grnnde, warum sie die frObere 
Sentenz verwSrfen. Das Dekret kam auf eine Tafely 
Yon welch er es ein Tribnn vortrng* Liv. XXXVIil^ 
52. 53. 60. Gcll. VII, 19. IV, 14. VaL Max. VI, l,r.7;: 
5, 4. Cic. Verr. II, 2, 41. Daher kam es, dass die^Tn'* 
biinen eiii formliches Edict erliessen ( Cit* Verr* h L )| 
ttnd sicb dariiber oft mit dem Pritor beriethen^ z. £J 
Livi XXXIX, 9 in Vormundschafts-, (ac. de otf. Illy 2Cf 
in ^eidsachen. Dieses Appellationsreoht boscbniit Sulla 
Cic. in Verr. I, 15, 43 and 1. 1. •> 

4) Wie alle Magistratspersonen batten aueb die Tri^ 
bunen das Recht, Concidnen zu versammeln (nnd ztt: 
entlassen (nicht so v. a. Gemitien, denn jene sind ohna^ 
Al>stimmung bios um den Leuten etwas bekannt zu lifia^ 
chen; Hiillmann S.'121), ja mehremale nber eine Sache*: 
Auch durften sie Menscben rafen lassen, nm.T^r dei)^ 
Volke aufzutreten (in concionem producere)^ sowobt 
▼orzntragen , als zn zeagen ,- als auch nm diese zu- bla-^ 
mireh. Liv. XX VII, 10. Der Ausdruck concionem 40r0 
keisst auch Andera- «rlauben zu spreohen, ddeb ifidhl^ 
auf den Rostris. Cio^ ad Att^ IV) 2. • -• • 

5) Aus dem Recbt, den Senat zu besnchen^ gestid- 
tete sich naeh and naeh die nnreshtm&ssige Befttgniisis,> 






I 

/ 



— 30 ^ 

den §Mftl m versammeln Cie. ad div. X, 28. XI, 6. de 
orat* in, 1 and ihm eioeii Vortrag za h^tea (ad eani 
/ Mforra GelL XIV, 7. 8. Cic de leg. Ill, 4.)^ natiklieh 
aach ihn za entlasseD (dUeeasianem facere a. demittere)* 
Die Wahl der Volkstribanea vurde arspriiogUch 
Ton den Centarien gehalten, die lex Pablilia^^ubertrug 
aie den Tribat-Comitien. Die lex Duillia verardnete, 
dass jeder Triban vor seinem Abgang far die Nacbfol- 
ger snrgen miiose, and Li Trebonias fdgte noch die Be- 
atimniang hinza, dags die Wahl so lange fortgesetzt 
weiden soUe, bis die Zabl der zehn Tribanen vollstlln- 
dig «C7>. 

Aediles (plehis genannt, im Gegensatz' der erst 

spater gewahlten aed* curnles) waren plebejische Beamte, 

-welche die Tribuneoy mit denen sie aach gleichzeitig 

entstanden, namentlich in polizeilicher Hinsicht anter* 

I stiitzen sollten. Ihren Namen erhielten sie wahrschein* 

; Bob Ton dem Tempel der Ceres, in welchen das Staats^ 

j archiv stand \ welches ihrer Aufsicht iibergeben war ; 

eben so rnhte die ganze Ban- and Medicinalpolizei iii. 

^ren Handen, z^ £• Feaerordnung, Strassenpflaster, der 

MarktTerkauf, namentlich des Oetreides, Aufsicht der 

Gemeindecasse, Anklage der yerbre(\ben and Frevel ge* 

Sen die Plebs o. s. w. Die Yerschoneruns; der dffent- 
cben Gebaade and die Sorge- fiir die 5ffendichen Spiele 

I kam spacer hiuza. Wegen der bedentenden, .damit ver- 
kniipften Kosten, denn der oftentliche ^chatz war dazu 
in dier Begel nicht gefdllt genug (Liv« XXX, 39. Dion. 
yil, 71) erboten sich die Patricier zur Theilnahme; was 
dijB Flebejer sich gern gifallen liessen (Liy. VI, 42.) and 
so wiltden aach zwei AedUes curules gewUhlt, welche 
zwar in hoherer Ehre. standen, wahrscheinlich aber die- 

.aelben Gescbafte besorgten. 8. Thibaut fiber Aedilen a. 
Mil. Edikte in s. civil. Abhandl. S. 131—145. Liv. IV, 
3i)» XXXIX, 14. Plin.a N.XV, 1. XVIU, 3. Beide 
konntto. p&nd8n Liy. XXXIII, 42. Tac. Ann. XIII, 2&» ' ^ 
Mach lex Herad. loosen die curul. and pleb. Aedilen 
nni die Stadtquartieire. Cicero erwahnt ebenfalls keinei% 
Untefschied, weder in der Hauptstelle in Verr. 11^ 5, 14 
nmnc $9m , d^9ignatu% aedilU — mihi lud6» aMiquis$i- 
mot — eue fdciundot; mihi sacrarum aedium procu^ 
r^tiimemy mihi totam urhem tuendam eae ^^mmina^ 

I cett; noch de leg. Ill, 3 9U$U0 aedHet^ curat ores urbitf 



k < 






- 31 — 

muMfUM ludAfumfUe s9Ue9mium ilUsque ad konorii mmr 
fliordi gradnm is primm adsceni^r erto. 8ie erli^ssen 
fornJicbe Edikte iiber ikcen^^Amtskreis, doch nnge\i?iMi 
ist es , wdche ,dies^lb?ll verfossten ader ob es gemAin- 
fichaftUch gQschah* : 

(luaestores^ Steaereinnehmer teit aker Z^t»| 
\inurden urspriinglieh vom Konig, dann vam Consiil, so*( 
dann in den Centuriat-Comitien erwabk, anfangs swei^j 
spfliter aber «ebr vermebrt (so von Solla), namentlichf 
«eitdesii sie aucb in die Provinzen reisen mnssten. Sie 
rind nieht atu verweehsein mit den criminabrichterlicheu 
QuSstoren ; s. HuUmann S. 143. Niebuhr U , S. 483. 
Falflchlidi Fnas. S. 230. Crenzer S. 219 ff. sehr voU* 
standig* 

• P o p u I u 9, 

Die Cnriat- und €enturiat-Coniitien befttanden noch 
fort, ^e rie S. 24. 25 beschrieben sind, doch aucb letz« 
teren' erhob. sich ein gefahrlieher Feind dorch die Co- 
mitia tributa. Diese alten, anfangs gsiinsUeh unbe- 
deafeoden, rein plebejischen Versamnuungen batten ur-, 
sprnoglich wohl keinen andern Zweck, als den Tribnt 
einzucassiren nnd die Landleute zu^den Wafien zu mr 
fen* Da sie lobal \^aren, batten anch wobl diePatricier 
Erlanbaiss., Antbeil zn nehmen (in sp&terer Zeit. stebl 
dieses fest), .docb ihre Anzahl war zu.klein, als dass 
ibr Besuoh etw^s gebolfen bSLtte, desshalb bli^ben sie 
meistens Tott seibst weg, ja die iibermQthigen Tribvnen 
seheueften ,siah nicht,;sie hinauszuw^isen^ sQ' wie fiber- 
baopt QKr die T ribunen es wareq , ^velcbe dies^ Comi? 
tien zn de)r. fprchtbaren Grbsse and allgemeinen Wicb* 
tigkejit erbpb^.9 an welche, in friiberer Zeit nicbt zu 
denken- war* Ab, aeht plebejische Versammlungen blubn 
ten. si0 empor. nnd ertangten durch riistiges Kftmpfenc 
nach nnd nach folgende Rechte: 

1) das Ricbteramt iU^Qc Verletznrig der jdebejischeai 
Re3Dbt0 und. des. Plebejerstandes , z. E. Coriolans Vefurr 
theilnag Liv. 11, 34.35. Dion. Hal. YII, 21—65.^ deg 
Tit* Menenins Liv. U, 52. 54. 61., . des ^'as. Qninctiog 
III, 11 — 13. 31. 

2) die Wahl gewisser niederer Magistratsperswe^ 
wi0 . der plebejischen AedUen , Priester and Tribmien 
(jspater auqh d^r Provlnzialqu^istoren) , was. exi^t. dorch 



— 32 — 

Vtdero Pablillii9 dnrchgesetzt Wttrd«, Niebifav-lf , S^ 
S46 ff. Hierzu gesetlte sieh im Verkaf Aet Zei^ nooh^ 

3) eine A{trVoii Gcsetzgebiitig, weteWe m*spfiinglick 
Btthv elufoch ttird nnbedeoteiid war, bis'^VbWo edwrcb- 
^ setzte, dass die Tribus so gut wie die'Guirjeii^beiraik^- 
schlagen and ibren Beschluss> dem Senat als eine Bill 
Tonrtragen kdhnten. Diese hiessen zam Untersdiidd von 
den in deii Centuiiat^Cojmitien- gefassten and popuiisetta 
genanntea Beschlussen plebiscita iind galten nicht eber^ 
ab bis der Senat dieselben von den Giirien faatfe besiSr 
tigenlagsen (nicht von den' Cemamt-Comitien <0. 'Nie^ 
babr II, S.253); jedoch sp&ter warden sie imhiet* wicb*' 
tiger nnd unbescfardnkter , so dass wir diese' Cbmitieii 
in der nftcbsten Periode als ein Hauptorgan der%!eaetz« 
gebung erblicken werden. S. Gottling im Hermes XXVI, 
S. 108 ff. 

Trotz des Tribnnats nnd der erweiterten Macbt- 
Tollkommenbeit der Tribut-Comitien, waren die I^trici« 
sdhen Vorrecbte imraer nocb sebr bedeutend, Vorziiglich 
aber dadnrch, dass die ganze Privatgericbtsbarkeit in 
ibren Handen lag, welcber Uebelstand die Plebejer viel-* 
facben Bedrilckongen und^Plackereien aussetfiste. Daber 
ttug der Yolkstribun Terentil|ias Arsa anf die Wabl 
Von zehn Mannern an, welche die Privatr^cbte sowobi, 
als das Staatsrecbt scbriftlicb aufsetzen sollten, am jener 
patricisoben Willkiir Sebranken za setzen^ • Einen drei* 
facben Zweck erkannte Niebubrs Scbarfsinn (li, S.314) 
bei diesen Rogationen 1) Verbindong and Gleichstellung 
der Stfiinde, denn die Kluft, welcbe Patricier, IHebejer, 
Clienten and Aerarier trennte, yfCLt gro^s. 2) Einschrlin- 
knng des ConsiilatEi oder Einsetzung einer andern Obrig^ 
keit (Liv. Ill, 9 legibuB de imperio conmhtri 9eribekdi»)^ 
damit je4er Missbraach delr hdchsten Gewak unmdglich 
sey. 3) Verfassanff eines allgemeinen Landrechts fai* 
alle Romer, denn iiber die Gesetze klagte das Yolk mebr 
als liiber die Yerfassong, indem die gr5sste Willkiir 
waltete and eine Menge der verscbiedensten Gesetze 
tmd GebrHaehe von den verscbiedenen Stsimmen vor- 
banden waren (Liv. lUy 9 uequundarut^ leg^m^ causta* 
56. 57). Nacb langem Karapf ging der Yorsehlag idkirch 
rtiild. Kftcb B^endigang aHer Yorbereitungen Wardien> sUinm t- 
Behef Magistraturen aafgehobeR'(Liv. Ill, 32. 3S ne quit 
eo anno aliu$ mag, esset) and zehn Mtoner Decern- 



^ u - 

4 , 

• • ^ _ 

viri, welehe in den C®ntiiriat-Cpiiiitien» aber ohne 
Provokation erwSihlt worden waren, traMn an deren 
Stelle^ Cic, 4e rep. I^^ 3$, 37. Die richterliche and 
executiTp (jfewaU aghmea isie 0r sicb, die berathead# 
und heftidiiie«&6nde liberiieiisen fiie dem Sen#^ and den 
Cejv^iiiBi)^ .ya4 arbeiteten sa fleis^ig a/»,dea Ge^^jtzKn, 
d^f^ action W er«ieQ Jabr zeha Taiein ;ia Stande ka- 
men^ wolche arival:- nqid q^ta^tsrechtliche BestioimuageB 
eathleijLfsn^ Nach Priifuog d^s ^oats wardea die Ta*- 
fela yor die CAoiariatrComiiiw gebrf^cbt und angeooiar 
men^ woraof im alLebateo.Jabre dureb die ae^ffew&blte^ 
Decafl^virp ^pf>b ^wih Ta£elfji Jbinaokamen , welcbe Man- 
chea j% .die J*le))ejer Driickeade jBBtbieltea {Cic de rep. 
11^ 37 duubus tabulis iniquarum legup^ atdditii); aament- 
Jpidb da9 wiederholt sanctionirte Verbot de« Connubiom 
^nisphea Patriciern and Plebejer^, wodaroii die Ver*- 
J8chinel,yn|ig beider Stande ^ben so &eh|r gebiadcfiqt wurde, 
«da 4^ch 4ie barten Schaldgeaje^se. ^in |l,ahr is^ter 
warde dies^e interimistisiche Yerff^suiig magestoseen, ip* 
denpi deir Ueberj(aatb der Deceaivirn anertr£^lich wary 
€oiisnlf;i upd TribiMuea warden ^eder giewdik, andb 
die Pr4^vokcMipn wfedexbergesfellt^ nur die 12 Tafeln, 
.¥4>^zugswei8e leges^ genanat, warden bebaken und darch 
o^ntU^bi^g Au&tell?|i zur allfffsineiaen Kenntniss ge- 
bTfMlbtt >^^s eine Grandl^e dar^oini^cJl^n Gegatsgebung 



Zweite Period e. 

Von den XII Tqfeln Us mef die Verwtmd- 
king der R^v^Kk m erne MonareJde. 

I. Stande der Romischen Nation. 

Die Stande der Torigen Periode bi^ben nch in die- 
sem Zeitranra mannicbfach ausgebildet und verschmpl- 
zen, namentlich kamen die altea patrieiscben t^amilien 
durcb Aussterben oadUebeitreteB derselben bu d^r Plebs, 
so wie durob die lex Canuleia und den neu entetaode- 
nen Anits<> and Cteldadel der Plebejar lehr heMWlen 



y 



- 34 



1) Seuatus. 

Bei den Senatoren kam es jet«t weniger anf die 
alte Gebart, als den CoimuI an, indem sie der Censor 
ordnnngsmisBig ausw&hlte, anfangs auar den gewesenen 
Magistratspersonon (Cic. de leg. in, 9. Liv. XXII, 49. 
Xxni, 23. Gell. Ill, 18b Liv. IV, 8, sogar ans 4en 
Qaftstoren Val. Max. II, .2, 1, Tribunen Liv. XLV, 15. 
Liv. XXXIV, 44*. XXXVni, 28) , spater mit vorherr- 
9cbender Rucksicht auf das Yermogen Fiin. hist. nat. 
prooem. XIV, senator censu legi coeptus. So geschah 
es tvenigstens nach der Cannensischen Scblacht, wo der 
Dictator Senatoren von alien ausgezeicbneten Bnrgern 
answ&hlte Liv. XXIII, 22. 23. HuUmann S. 397 ff. Eben 
so schloss der Censor auch Senatoren aus. Naturlich 
musste sich von nan der Unterschied zwischen patres 
maiorum and minoram gentiam verwischen qnd der Aus- 
ilruck paires con$cripti biess von nan an ^versaminelte 
Yllter^ (Cic. in Pbil. II, 16 pater conscriotas), wahrend 
es friifaerV&ttfr ider alten and neaenFamilien bedeatete. 
Auch die Zabl blieb nicbt dieselbe, zu Cicero's Zeit 
finden wir 400 and mebr, je nacb dem Reicbthum der 
Biirger and derWillkiir der Censoten. Ausser den Se-> 
natoren baben aacb die bdbern Magistratspersonen Sits 
find Stimme, welcbe man von den andern Senatoren 
durcb den Zusatz anterscbeidet quibus in Senatu se»' 
tentiam dicere licet Liv. XXIII, 32. XXXVI, 3. Gell. 
ni, 18. Daranf beziebt sich Cic. pro Sest. 65. inVerr. 
rV, 11. A. J. M. Molitor hist SenatusRom. Preisschrift 
der Universitftt Lowen, in den Annall. Lovan. 1822— >23. 
p. f— 268. Lovan. 1826. 


\ 

2) E quite 8. 

Nach Gracchus gestaltet sich ordo equester'als eia 
zwischen Senatoren und Plebejei'n in die Mitte getretife- 
ner Stand, dessen Mitglieder ein gewisses Yermogen 
besitzen mussten and nicbt mebr bios Kriegsdienste tha- 
ten, wie in der ersten Periode. Interessante Bemerknn- 
^en iiber diege von Cic. getadelte Trennung der Sen. 
und Eq. in einem Programm Madvigs: de Iocq Cic. 
libro IV. de rep. Hann. 1830. Die Mitglieder dieses 
Standes warden yni^a Censor sovifohl aos den Patriciern 
als Plebejern genommen, sobald sie genag Geld batten. 






— 35 - 

and als die reicbsten Capiitaligten nach d«i SenatonA 
trieben siei ausschliesalich da^ Gesc|h&fi der Pachtang der 
offendieben Einkiinfte, denn den Senatoren ^ar jeder 
Handel untergagt (Cic. Verr. 11, 5, IS.)) and batlen dea 
grossten Einflass auf den ganzen Freistaal selbat* Zii* 
charia's Sulla §. 42—47. 

3) P I e b s. 

Plebejer sind Alle, deren Censas den ritterlicben 
nicht erreicht, also umfassten sie auch manche ehema- 
lige Patricierfamilie,, die aus Armuth za ihnen uberge- 
gangen war. Dadurch sowohl, als durch did lexCanu- 
leia warde die gegenseftige Annllhetang der Patiicier 
nnd Plebejer sehr begnnstigt. Als die Pjfebejdr sich all* 
mahlig zu den h5cbsten Aemtern emporgeschwungen, der 
Religionsverwalmng sich bem^chtigjt batten nnd io die 
Gesetze eingeweiht worden waren, was friiher als Ei- 
genthnm der Geschlechter gait, bildete sich die nobilitai 
(Amts- Oder Verdienstadel) , wodnrch der Unterscbied 
beider Stande am meisten verwiscbt wnrde. Nobilis 
wurde jeder, der ein bedeatendes Amt verwaltete undl 
eriaogte das ius imaginam Cic. in Verr. V, 14. Sail. Sag. | 
85, auch wenn er weder. Senator noch Bitter werdeh 
konntie. Der erste nobilis in seiner Familie hiess navui 
homo. LiT. YII, 1. 15. XXXIX, 4t. Cic. in Bull. H, 1,2. 
p. Cluent. 40. Sail. Jug. 73. 

Aus vielen Tbeibiehmem der drei StSnde bildete i 
sich die aristokratische Partei der Optimaten Cic. p. 
Sest. 45 ff; , welche den allzueifrigen Volksfreunden ge* 

Seniiber die Wiirde des Staats und der StabilitSlt ver- 
leidigten. Doch ihr Yerh'&ltniss erhielt sich leider nicht 
rein , eine Schaar Ton Betriigereien nnd MissbrUuchen 
wurde von ihuen eingefiihrt, so dass sie selbst immer 
reicher, der grosse Hanfe immer ILrmer und yerworfener 
wurde, wodnrch die Grnndpfeiler des Boraischen Staats 
bald zu wanken anfingen. 

II. StaatsverwaltUng. 

i) Senatus 

begegaet uns immer noch ala Mittelpunkt aller Geschftfte 
uAd Seele des-Ganzen. Er hat von seiiwn'Reehtenf nicliit 
eingebQsBt, als den Einfluss auf dieVoUpsversammlangeii, 

SI* 



~ 36 — 

wt Mum ihM diireh mekiMa iiacfatliailigii Geteftsa nach 
mid aach {jftaaUeh entsogeii wardea war (s. VolksTer- 
aaavailaagen), and aof die Jorisdiktion. Friiher hatte 
aiqh der Seaat iibi^r Alles barathea, was dem Volk vor- 
gelegt) warden aollte, wfthrend das Volk dann geaeh* 
migte Oder rerwarf (Hullmann & 286) and ein SenatuS"^ 
eonsultum oder auctoritas warde gebildet, je nachdem 
die Mehrheit der Senatoren and die Hanpter in der Fas- 
aung einas Coos, ubereinstinunten oder bios die Mehr- 
heit aebst dem vortraffedden Magistrat etwas beschloss. 
dem der College desselben wideraprach, in welchem Fall 
bios auctoritas zu Stande kain, s. Liv. IV, 56. 57. si qnU 
inter cedat ienatusconsulto ^ aucforitaie si fore content 
turn. Liv, I, 22. 17. VII, 15. 16. VI, 39. 42. IV, 6. 49 
nullum plebiicilum hi$i ex auctorilaie senatus* Cic. de 
leg. III| 12. de rep. 32. 33. Eben so konnte der Seoal; 
friiher das, was das Volk in den Centurien oder Tribag 
schon angenommen hatte, verwerfen oder bestatigen, 
dioch Pablibus nnd Hortensias anderten dieses ah, indem 
van nan der Senat seine Auctoritas vor der Abstimmang 
geben musste, ohne- ^ie verweigern zu durfen, Gewis- 
serjnassan hatte der Senat^ friiher sogar die Vorwahl der 
MagistratsperaoBen, da keiner gewahit wurde, welcher 
nicbt mf «der Lis^e der Candi&ten stand , spater aber 
niusste jeder sich Meliiende in dieses Ver^eichaiss ge- 
bracht werden« Cic. Brut. 14. HuUmann S. 394.. Zu dem 
Verlaat, welchen der Senat durch das Siaken sein/ar 
Crimiaajyttrisdiktioa erlitt^ geaeUta sich ein abiedicher, 
'welcher die Ricbterstellen den Senatojiea nahm wad auf 
deh Bitterstand iibertrug« Appian. 1. c. I, £S2. Bafur ent- 
scbadigte Gracchus den Senat gewissernassen durch 
grossere Maehtvollkommenheit derProvinzialverwahuag, 
welcbe freilich ofter wieder angegiifl'en und erst durch 
SuUa wieder vollsttodig ernenert and bestatigt wurde, 
& Zachari&'s Sulla II, S. 114—116. Eine andereErweite- 
rung der Senatskraft bestand in einer gewissen legislativea 
.Gewalt, welche sich wahrscheinlich seit derjZeit bildete, 
als die Plebiscite allgemein bindende Kraft zu -liahen 
anfingen. Tbeo(A9. 1, 2. 4. 5. Hugo R. R. G. S. 406 ff. 
Von solchen privatrechtlichen Sena^qsconsuhis unterschcsj-/ 
den sich die iiber anderls Gegenst&nde abgefassten durch 
4^n Nmm€Kk.\deetf0la4 Hhgkfich die BaneinaiiagiBii tniohl 
akimil gaaaidenk aind* S^ilKjachtayiattan ^r MKeitoii 
jReiEiodfiu . .i. 



37 



2) Magistraturen. 

In dieserPeriode tteten mebrere neueMa^stratiiren 
aaf, welche darcb das conseqaenteStreben derGeschlech- 
fer entstanden, die Plebejer nicht aof einmal in den Be- 
sitz der hdcbsten Gewalt gelangen ZH lass^n, denn als 
ide jhpen den Za^ritt znm Consnlat nicbt Idnger verwet*- ^ 

fern konntefi, w^hlten sie wenigsteits den Ausweg, deki 
Itel Consul nnizuHndern in den untergeordneteren 3V»- 
humi militares cum congulaH potestafej welche die ganze 
consularische Gewalt behielten, mit Ausnahme der Cen- 
snr^ welche die Patricier abschlngen und ein nenes cn- 
rnlisches Amt griindeten Was die Zahl der trib. mil. 
betriiflft, 80 waren es anfangs dr'ei, spHter mebrere, sogar 
acht, nnter depen die zwei tleni^oren mitgezfthlt sind,^ 
Niebohr II, S.440. Fur die beidenHeere sind zweiTri-i 
bnnen nothig, einer foleibt als Statthalter zuruck nnd| 
einer befehligt gewShnlich die Kriegsreserre. Frcilichl 
wUhlten die Patricier oft wJeder Consuln und spielten* 
die ILrgsten Ranke, die Plebejer nicht einmal Tribunen 
werden zn lassen, bis sie sich nach 44Jabren una1)Ifis- 
sigen Ringens die Theilnsihme erkHmpften, 

Censoreif vom Conisnlat getrennt, als aueh pie- 
bejische Tribunen c. cons. pot. gewahlt warden ^ deren 
Amt urspriinglich ffinf^ dann II/3 Jahr dauerte. Ibr 
G^soh&ftskreia bestand 1 ) im Halten des Census un4 
Fiibrung der tahHlue eemoriacj sowohl Behufs der Aus-* 
hebung, als der Steuen Mach der Schatzung ernannten 
sie die Seoatoren utid die flitter, wo das Vermogen 
immer mehr eotseheidet, nahmen Vertodeningen ih den 
Classen und msneherlei Versetzungen ab- uud aufuHrts 
TO^. 2) Nach und nach bildete sich ein ffewisses Sitten- 
riehterthum/ eine Aufsicfat fiber den Leoenswandel deV 
Biirgert welcbe anfangs vielleicht nur in Rilgen bestan- 
den bat, wenn das Verm&gen einzelner Biirger seii dem 
letzten Census sich verminderthatte; dann abererstreckte 
sidi ihre Ruge iiber AUes, was gegen mos maiorum Ter* 
stosst, nam^ntlicb sittliche Unziemlichkeiten, sogar £he«* 
losigkifit, Lnxos u. s. w. Hullmann S. 354 ff« Diese eura 
morum Iieisst bei den Alien severitas, animadversio, ca- 
stigatio, notalio, %* Cie.vp. Ckieiit. 42. 47* Liv« X, 9. 
XAXUI, 44. XXXVUI, 28. Cie. de orat. U, 64. 

Reicbe Wideriipfestige versetzten die Censoren nicht 



V 



— 38 -^ 

i 

selten imter die Aerarier Liv. IV , 24. odapUcaio eemu 
o/^wr. feoerunt. 3) Die Censoren waren ansgerdeinh Fi- 
nanzbeamte, welche alle StaatsDutzongen verpachteten 

tLftDder, Zolle, Fischereien, Salzhandel a. s. w* Liv. 
I) 9*) and fiir AlifiahrnDg and Erhaltang der offent- 
lichen Baaten sorgten) indem sie die Unternehmangen 
an den mindest Fordernden vecdangen. Hollmann S. 
362 if. Liv. XLI, 27. Cic. in Roll. 1,3. 11, 21. Ueber 
die Hebaoff der Gelder massten die Censoren an den 
Sepat berichten, welcher sadann denQaastoren Zahlangs* 
anweisangen gab* 

' Praetores. Kaam war es nach 77jahr. Hinhalten 
darch die Licinischen Rogation^en so weit gekommen, dajsa 
die Plebejer Consain werden darften, ak sogleich die Pa* 
trieier mit schlaaer Politik wieder ein Stuck von dem Con- 
solat abschlagen, am za retten, was mSglich sey and dar- 
aas ein neues Amt fiir ihren Stand biloeten, wodnrch die 
richterliche Gewalt, welche sie eben so wie die Recbts- 
kande far ein Privilegiam ihres Standes bielten, von der 
Verwaltan^ ffetrennt warde. Pompon, de orig. ac successa 
magistr. iQu, 17 ed. Rap. sagt, dass der erste recht- 
sprechende Pr^tor (Romae iuri dicundi urhana tort) 
gew&hlt worden sey wegen der Abwesenheit der Con- 
sain im Kriege, daram heisst er aach Amtsgenosse and 
Stellvertreter der Consain Cic. ad div. X, 12. Zar Zeit 
des ersten punischen Kriegs machte sich die Wahl eines 
zweiteh Pr&tors n5thig, q«» inter civet ei peregrines 
iu9 dicit; lex Gall, cisalp. I, v. 24* 34. Tac. Ann. 1, 15. 
Liv. VI, 42. XXn, 35. 3LXXffl, 21. XXXIX, 8. XLV, 
IH. 21. u. s. w. (peregrina sors oder iarisdictio GelLX, 6. 
, Liv. XYIII, 30). Sp&ter worde die Zahl der Priltoren 
aaf sechs vermenrt (Cic^ de leg. HI, 3. Liv. XXXII, 27. 
XXXIX, 8), von denen ausser dem urbanut and soge- 
nannten neregrinut die vier andern uber die von Cal* 
j parnius Piso eingerichteten (Cic. Brat. 27) quaetiionet 
\ perpetfme loosten (Cic. Verr. I, 8 a. 10) , am die Crimi- 
nalverbrechen (repetandaram, maiestatis u. a.) zu unter- 
sochen, welche das Volk selbst f ruber gerichtet hatte,. 
deren Zahl aber so ffewachsen war, dass sich die Er- 
nennang solcher Volkscommissftre (qaaestores) n5thig 
machte. Sulla fiigte noeh mehrere st&ndige Criminalge- 
richte (quaestiones perpet.) hinzu, z. E. de false, de 
sicariis, de iniuriis, and vermehrte des wegen die &ahl 



— 39 — 

y 

der Pratoren von seehs aitf adiC (Cic ad div. Till, 8« p. 
Mil. 15. Yell. Pat 11, $9. Mad vig de Ai^con. Pediano p. 1 21 fr. 
Ziiinpt u. Garat. zu Cic. Verr. 11, 1, 61. [^Ueberhaapt 
erscheinc SfiUa als wahrer Ordner des Jl5in. Criminal* 
prozeases. Als solchen bezeichnet ihn Zacharift, welcher 
b^hauptet, dass E^eine Anordnnngen dem ganzen spateren 
Griminalverfahreh bis auf Justiniaq zu Grrnnde gelegen^ 
hitteni I, 56 ff. U, 17—22. 116—169. Die Reihenfolge 
seiner Gesetze sey auch in den Pandekten beobachtet 
worden. U, S. 35—44.] 

Der riehterliche Amlskreis der PrSLto^en lag in den 
drei Worten: do, dico, addico, s. Givilprozess, ebenda- 
selbst fiber Instruirung der Richter (describere iadicnm 
centarias).. Das Nothige uber das von den PrStoren. 
eriassene jahtiiche edictnm ist in den^Rechtsqnellen be- 
merkt. Andere Geschafte dieser Magistratnr war die 
mchtige Proyinzialverwaltung, woruber der Senat vorher 
za bestimmen hatte, Liv.XXXy,41. XLV, 16. XL,44|. 
so Vfie die cnra ludorum zu Ehren* Apollos u. s. w. 

\ 

Die AedileM treten in dieser Periode in ein ganz 
besonderes Yerhaltniss zu den Censoren, insofern beide 
Magistrate polizeiliche Sittenanfsi<;ht fiihren, jedoch ist 
die, Scheidung ihrer Geschafte s^hr schwiedg. S. Cic* 
Verr. I, 12, 

Ueber die untergeordneten Beamten (apparitores) 
^k scribae, aecensi u. a., s. Schlosser universalhistor. 
Uebers. U, 1, S. 464flf. ^ 

3) Volhsversammlungen. 

a) Cott^tia Curiaia bestanden als leere Schatten 
noch fort, indem sie bios dann bernfen wurden, wenn 
Religions- oder Privatangelegenheiten der Geschlecbter 
verhandelt, auch wenn durcb die lex cariata einer Ma- 
g^stratsperson das imperium ertheilt werden solite. Zu 
einer unwirksamen Form berabgewiirdigt, warden sie . 
spHter nicht einmal ordenftlich versammelt, sondern der 
Oberpriester nebst einer Curnliscfaen Magistratur waren 
allein zugegen, in Gesellschaft von 30 Lictoren als Stell-^ 
vertretern der 30 Curien. Cie. p. Plane. 3. in RuU. II, 
11. 12. ad Att.IV,18. Vm, 3. Lie. Mac. in Sail, fragm.3- 

^ b) Cahitia Centuriaia traten gegen die Tribus sehr 
zoruck, obgleich die lex Publilia auch sie vom patrici- 



' — 40 — 

■diM t^flnts fM geiiia«hl hdite (Liir<yUI,l2 «l /^iii 
qf$ae eomMi$ ceniuri€^t$ ferf^niuf ^ a0e iuUmm 9uff>a^ 
gium patre9 autiores Jiereni^ d^ h. die Gienehnitgviig 
90H4S den C€tiivrienbeschlfi8Ben vctrangeben) , ja sie faor-* 

I ten inteh dem Jahr :>13 in ibrer ahen Wirl^amkeit otid 
bcMhttSeflboit gans avf^ da sie mit den Tribnt-Glmkien 

\ veraebmolrten warden md naif^de perdaeilkAie wardeiii 
flle vldleicht noch ibrer iikeb OrganiatitioD geinass ala 

[tfrodneia elateia venftmiiidlt (Cie. de rep. II, ^64 de leg. 
m, 19. p. Sest. 34. 51). Perdudli^ ist nSmlroh dasVer* 
breehea d^seea^ n^elcber M^^ da^ Yaterland Krieg 
f9hrt, indem «r iiaefa Herrsehfttt trachtet ^er aaf Staatt- 
mntrlllflaag sinnt; ( Ueber dea vlelbesprodienea Uater- 
sebied des erimen perdueUioni$ and maiesiaiis s* jetat 
a«l«h Zddiariis teluir&innige Bcfhttaptaag) ifli SuUa II, 
S^ 129 IF., welcbet sie ibrer iaaerii Bedeatang naeh ftr 
^emlieb idetittseb bftit, mflieftUi§ n&y nar eia neaerer 
Ansdrack, weloher den alteH in dea laeisten Fftllen 
yerdrangt babe.) Dieflea Terbreebetfi war daa einzige^ 
welches vor des Volkes Forum biieb, denn die iibrigen 
Crilfliiililvaf breebeti wtftM weg0fi ibrer imnte# wft^^bsen- 
deil ZabI ridbterlicheti Coiiiinisslonen ( quaestid^es per* 
petuie) aur Entstbeliiaiig «ag^tbrilt worden^ Welcbe 
Caipnrfiiad Pisd eingetiehtet haite, so dascl das Yolk 
nnr selten selbst and hdchstens dann untersdehtef wenn 
die Volksiffibiliien anklagteit* C!i<$4 BMU 27. Ob aber 
die Centarien taeh ntteh 513 ef/vtra^en^ Welebe la Per-^ 
daellionsklagen dntschieden (so G^tlitig ini Hermes XXVI^ 
S. 125 f.), ist nicht ganz ausgemacbt, da manche Stellen, 
z. E. Polyb. VI, 14. Cic. in Verr. I, 5 auf die Tribat- 
Comitien auch in diesem Fall zu deaten scbeinen. So 
Tielist gewiss, dass die Anklag^ nicbt mebr durch die 
qaaestores pbrrieidii^ sondern dorch die praetores vor-* 
getriigen wurde. Liv. XXVI, 3. XLUI, 16. GelL VU, 9. 
Einen Torubergebenden Glanz erbielten die Centariat^ 
NCdtaitien abermals dureh Salla> welcher sie statt der 
sehr gesohmSderten Tribat^Comitien wieder erbob, docb 
die Freude war von kurzer Daaer. Appian. 1. c« I, 59. 
Wittich Sulla p. 99. Zweifelhaft ftassett sicb Zadiariel 
Slilla.n, S. g5» 86. 

e) Camitia Tribuia bibhen sicb in dieser Periode 
iillmer mehr tind . gewantiea nebeil dem Senat die wicb«> 
tigste Stelte im Staat. Sie behidten daS Recbt, ihre 
Abgistrate zu w&blen atid die za ridhten , welcbe iidi 



— 41 — 

an tttret Hofack leefgnoi'gen liliftsn^ i^^ceMicii mir ftekmi 
o4«r ga^ iiidit xbAt vetkaiit; ihre ifarittoBefugf^g abtt^ 
die 6egMzg^b«mg, .wtlrdiii bedeutend vc^atiirkt ond he* 
fesiigt. (Man denke nur on die leges agrarietey tabtilla 
rise, fnunentariae, iiber Krieg und Fr^den lu a. w.) 
Anfangs batten sie, wie schon erwibnty war dielnitin- 
tive gehabt) inden die plebisoita dem Sanat Tarffdcgt 
wevden misalen, weleber aie oaeh Befinden duron di0 
Gorkn zn leges bestStigen Uess {patre$ reptehenHftBi 
Cie. proPland. 3), Wabrsoheinlich sogar noeh tosh der, 
lex Valeria (Lir. III5 5^ ut quod tribuiim plebs HMiis^t 
populum ieneret; B7 seita plebi9 itnuMcia pairHk§^ 
Gall. XY , 27. Dion. HaL XI, 45 ) $ welob^r AnBahma 
znfolge dieae lex nichta^ ala die aBgemeia bitidende 
Kraft der Yolkdbeschlusse far daa gesaitimte Yolk a»8«- 
gesprochen hatte. Ganz andera gestaltete sich dies#s 
Verhlltniss nach der lex Publilia (Uv. YIII^ 12 Ui ple^ 
biseita osimv %Urtte9 teiiereni. 416 d. 8t. 338 V. €«) 
nod d^r lex Hortetisia (Gell. XY^ 27 ut eo iur€ qmi^ 
plebi 9iaim08et, omnes Quirites tekereniur^ Li v. epit» 
%L Plin. hist. n. XYI^ 10, 468 d. »U 2§6 v. C«), welobe 
am einfaichsten so zu deuteo wSlren^ dasa sehon die lex 
YtL di% Yolksbesdtlasse von der Qeaefalsofater Einflnsa 
befr^it babe^ docb da aieiaY^rge8satiheit.geratbeD, sey 
ein^ Em^aaf ung and ScfaHrfutig darcb die lex Publilia 
nnd Horitoaia nothi{^ geworden (1). Dagegen sieht Nieu 
bnhr II ^ S.412 in de» lex Publilia dne Yerordtiung, 
dasb iar BestlitigiiDg einea PL^biscits der Besohluss dea 
Senats genuge, die Curien-Bekraftigung aber unnbtbig 
sey, die lex Hortensia babe sogar das bis dahin eriaubte 
Veto des Senats aufgehoben * und den Tribut-Comitien 
coDstitnirende tiLraft gegeben ^ so sey durch die lex Pa* 
blilia der Senat an die Stelle der Curien, die Tribua 
an die der alten Burger, getreteo. Niebuhr III, S. 492. 
Trotz der hohen Macht der Tribut-Comitien, stan* 
den sie aber in einer Beziehunifi; noch immer hinter den 
timokratischen Centurien zuriick-, pSlmlich in der Wahl 
der ersten Magistratspersonen , welche jene von aristo- 
kratischem Einflusse abhangig vorzunehmen, batten. jLfm 
auch diese Wablen nacb dem demokratischen Princip 
leiten zn kornnen, Dion. lY, 21, wurde jene vielbespro- 
chen^ grosse Vereinigung dfer Centurien und Tribus 
vorgenommen, wodurch erstere den let^teren iinterge- 
ordnet mirden, welches etwa 513 d. St geschah, nach- 



y 



— 42 — 

V 

dem die Zalil der Tribu 35 mworden war. (Niebohr 

III, S. 374 — 413 setzt fiese VerftndeiUDg schoh nnter 
die Censor des Qn. Fahins a.~P. Decius 449. Zacharift 
Sulla n, S. 65 erst 595 d. St.) Diese neaen Comitien 
erhielten ansser der Wahl der hohen Magistrate auch 
die Entscheidiing uber Krieg ond Frieden, so dass den 
alten Centnriat- Comitien dasselbe Schicksal widerfafar, 
welches sie einst selbst den Cnriat - Comitien berettet 
batten. Die Unterordnang ist wegen der wenigen, dun- 
kein mid nor gelegentlichen Andeatnnffen, die wir dar- 
nber besitzen, sehr zweifelhafk; das Wahrscbeinlichste 
mbchte folgendes 'seyn : die Tbeilnehmer einer jeden 
Tribns sondern sich nach dem Census in funf Classen 
(Liv. YI, 21, XXV, 2. XL, 42. Cic de lege agr. II, 2. 
Varro r. r. Ill, 2, 17. Cic. pet. cons. 8. p. Plane S, Liv. 

IV, 30. V, 13. X,9), diese wieder in seniores und iunio^ 
res ( Cic. in Verr. V, 15. Liv. XXIV, 7. XXVI, 22. 
XXVII, 6), dass also jeder Tribns zebn Centnrien hat, 
alle znsammen 350 (70 der ersten, 70 der 2ten Classe 
u. s. f.). Dadnrch verier freilich die erste Classe ihren 
alten Einfluss nnd sie behielt kein weiteres Vorrecht, 
als dass man ans ihr die praerogativa anslooste , was 
Gracchus zwar auch abschi^en wollte, aber nicht veil- 
endete. Cic. Phil. U, 33. Sail, ad Caes. de rep. ord. 7 *)• 
Die Ritter blieben n^dirscheinlich in ihren ISCenturien, 
d. h. die wirklich Dienste thuenden, denn die Ritter^ 
dem Census nach, stimmten in der ersten Classe. Qn. 
Cic. de petit, cons. 8* ^^). Was die Freigelassenen (bisher 



*) So Octnr. Pantagathas be! Ursln. ad Liv. \\ 43, SarigHy 
in Hngo*8 ciyil.. Mag. Ill, S. 307, der noch 1 Cent. cap. censi 
hi!i2sufagt, HuUmann (Staatsr. S. 339) Grnndverf. S. 299—307, jiur 
in aofem abweichend , dass e^ die 4 trib. urb. den andern nicht 
gleichstellt, sondern ilinen nnr. eine Stimme ertheilt, wodurch 310 
Cent, pedit. entstehen nnd eine der Kopfsteuerpflichtigen , Kiebnhr 
fiber die Nachricht yon den Com. der Cent. S. 15. 26, Burchardi 
Bemerk. uber den Census der Homer S. 59, doch fiigt er noch 
2 cent. Musikanten, 1 accens. velat. bei, Gottling in Hermes XXVI, 
S. 116 ff., .welcher die Ansichten seiner Vorganger mittheilt nnd 
recensirt. 

^*) So Niebnhr a. a. 0., anch Gesch. Ill, S. 374 ff., die An- 
dern weiohen roeist ab, Pantagath nimmt 35 Rittercent an, also 
znsammen 385 Cent., Sayigny ebeniialls, Hiillmann nur 12 Cent., 



— 43 — 

Aerarier) betrifft, lo war doren Zahl and Raichthom lo 
gewachsen, dass man ihnen das Stimmrecht nicht Itager 
entziehen konnte, der Censor Appius nahm sie 441 se- 
gar in die landlichen Tribus auf. Qa. Fabias beschr&nkte 
sie auf vierTribas, Aemilius nnd'Flamininas ebenfalla 
(532), Gracchus gab ihnen gar nnr einen Tribos (Esqoi* 
hha Liv.XLY, 15); unter Cicero batten sie wieder vier, 
de orat. I, 9* Ob sie gleich in den Tribns'wareny so 
waren sie doch vom Kriegsdienst ausgeschlossen und 
hiessen immer nqch aerarii, Waher S. 123. Zogleich 
ist noch zu bemerken, dass die Clienten schon im An- 
fang dieser Periode immer mehr in den Flebejerstand 
iibergehen und beide Yerhfltnisse sich vermischen. . 

in. Staatsrecht. 

A. 2kistand der freien Einwohner des Momischen 
St€$at8 nach threr verschiedenen Theilnahme 

am Burgerrecht. 

L Civiiy der vollstftndigeBomisohe Burger, besitit 
in Beziehung auf das Sflfentliohe Lebeii folgeade Rechte: 
1) iui honorum^ d. b. jeder Burger hat anf alle Ehren** 
stellen deiche Anspruche, wenisstens war dieses aeit 
300 V. Chr. der Fall, in welcbem Jahr die Plebejer dnrcb 
Erlangung der Priesterwnrde die K&ropfe nm die Magi- 
stratar siegreieh beendiglen; 2) iu$ suffragit^ d. h. jeder 



Gotding erkeimt in den ion. der enten Glasse die Ritter, in den 
senior^s die Senatoren (also nnr 35Q Cent.)* 

Ganzlich abweichende Ansichten findet man anfjgestellt von JS^ 
Grachins in Graer* Thei. I, S« 601 , Welcher bios die Zahlen yer-^ 
grossert, wodnrch das demokratische Princip nicht herrortritt* 
JDenselben Fehler begeht Franck de trib. cor. atiine oent ratione 
p. 101 1 — denn dann war ja die neae EinrichtQDg gar nicht no- 
thig — , , Schidtze in d. Yolksrers. der Romer S. 73 theilt jede 
Tribos in 2 Cent, nnd rechnet dazu noch 1 cap* «enii n. mehrere 
eq[ait. Niebnhr Gesch. Ill, S. 374^413 andert seine Meinung 
dahin, dass im Ganzen 80 Centurien gewesen waren, namlich 6 
der patr«, 12 der pleb. Ritter, 54 der trib. rust, S der trib. arb. 
senior, and innior. Zadharia Snlla I[, S« 65 — 75 behatiptet eben- 
falls, dass jede Tribus in 2 Centurien getfaeilt gewesen und dass 
die Tribus eine n^e Zusammensetzung erhalten hatten* ' 



r- '44 - 

Bfirg«r hat als Tfaeil ddr YolksTersanimhiDg Th^nabine 
an Aet Staatsverwahang) mit folgenden Modificadoneo ^^^ 
dass dmr Patricier in alien drei Versammltingen stimmen 
darf) wILhrend demPlebejer nur die Centoriai- undTribat- 
Comiden — gerade die wichdgsten — o£fen ttefaen ; 3) iUM 
pravocationii i vermoge de«sen Leib und Leben der Bur- 
gar auBiterhalb der WiUkiir der Magistratspersonen steben, 
dann die oft erneuerten leges Valeriae verordneten , dasa 
jeder^ tvelcher sich beeintrachdgt glaobte, eine RechtsH 
Mrafodg an, das Yolk) urapriingUch die Cenlorien, spsiter 
die TribttS , anstellen konnte , wodarch er den Magd^rat 
aid Richter verwarf und des Yolks Entscheidang Teiv 
langte. Dlese Provokadon gait bei alien obrigkeidichca 
Personen , mit Ausnahme des Dictators und der Kriefi^s- 
befehlshaber im Feld, welcbe Becht iiber Leben und Tod 
der Soldaten batten. Liv. II, 8, 55. lY, 13. YIII, 33. 
X^ 9* Dion- Hal. Y, 19. 70. YI, 58. YII, 41. Cic. de 
orat. II, 48. < Cic. in Yerr. Y, 57 sqq. p. Babir. 3. 4. 
(Pseudo-Ascon. ad Yerr. I, 13, dass Sulla die Provokadon 
aufgeboben jiabe). Kein Romischer Burger durfte ohne 
Yolksurtbeil gepeiiicht oder hingerichtet Merden^ was^clie 
leges Pbrciae und Semproriiae verbieten Duk. ad Liv. 
X, 9. Cio. p. Babir. 3* 4. in Cadi. lY, 5. Plin. h. n praef. 
Conradi parerg. I, p. 57 — 71« Derselbe schrieb ius pro* 
▼ocationis in Colle<^ dissertt* p. 265 — 288* und s^ripta 
min. e^. Petnice I, HaL 1823, p. 3 — 80. Ja es konnte 
sieh jeder Angeklagte durchv ein freitvilliges Exil der 
Ycrurtheilung entzieben (Cic. in Cat. I, 11. lY, 5. Sail, 
^at. 51.52. Gell. X, 3.) und in eine fremde Stadt sich be- 

feben, wo er alter Uebereinkunft zufolge dorch sein^n 
leberzug Biirgerrecht er'warb. 

In Beziehung auf das Privatrecbt besitzt derjliiniische 
BSfger \) ins connubii^ d. b. er allein darf eine nacb Ro- 
mischen Rec))t giildgeEbe schliessen, woven die wichtigea 
Familienverhliltnisse, als patria potestas, manus, die Gen- 
dlitat, Erbrecht u. Sp w. abn&ngen. 2) iu9 commere$t\ d. h. 
ein Fremder ist niefat fahig, strong Rom.Eigenlhum.zu er- 
werben nnd zu iiberlraffen, er darf daber aacb kein Rom. 
Testament macben, noch in einem soldien alsErbe einge* 
setzt werden. Cic. pro Arcb. 5. Treckell anttq. sel. 1, 4, 39* 53* 
Inwiefern tir# civitatii verschieden sey von dem iuM 
Quiritium^ ist von vielen Gelehrten auf das Manaig* 
faldgste gezeigt worden, s. Zimmerns Rom. Recbtsgesim. 
'I, 8. 449 if. , PlatzflHano de milit. honesta dimissione in 



\ 



— 45 — ^ 

flmnbold opusc II, 8. 841 a. praef. Umah. p.LXXXUlBr. 
FoM Rom. «ntiqq; & 7S. Crenz^t 8, 309* Plin* epist 
X, 4. 6. 22. 23. lOS. 108^ So tM ist g«wis8, dass y«# 
onnrYaff # eth weit allgemeioerer AiHsdrook ist, wahrend 
«iiler 9tu quiritium eotweder oar die Kechte za ver^ 
stehen nnd, welche ein clTis mehr bat, ah ein natur*- 
rechtiieh freier Mann, ndmlieh eoamierciiim and conoa- 
binm (so Zhnmera), oder diej^nfgen, welche einem 
La^inea fidilen an der voUen Bom. Civitat, also conaa- 
biam, Baffraginm, ius honoruni (Haubold in der Epicria. 
m Heineoe* syntagma 8« 925 t). . 

n. Laiinui. EnUtehung iieie$ VerkaUnfaei. 
Sckon aben ist ar^vvfthnt ivorden^ das TuUas Hostilkia 
nnd Anous Marcius viele Latins* nach Roiu verpflkinzlen, 
"ivitoend die iibrigen latin. Stadte in etneiHi dardi Tar- 
qidbias Saperbiis befestigten and dnreh Sputriiis CassioB 
emeuerten Bnndniss mit Rom staaden. 30 lalki* Stiidte 
war die Griindzahl, welche ein lVfttioaaIse«al: von iW 
Mitgliodem (deren Satzangen ofane die HnzelnenVi^ka- 
versamoilangen nicht giiltig waren) nnd eiaen gei»ria- 
samen Dietator haaen. Das von ihnen mit Rom 
geschloasene ScSiBtz •» nnd Trutzbuadniss berahete aof 
v^dUiommen militariscber Gleichhrit, indeiii der jfthrliche 
Oberbefehl zwiaehen Latiuai und Bom wecbtoke nnd 
^eKriegs&icfaaar^B aus beiden Natio»ea boatsfflden. ^iaob 
beendigtem Krieg w«rde Rente and Erobernng getheilt; 
^brigens standen sie imVerhaltoissdasCotiaiibium (Iso^ 
politie) and wer sich in Rom ansiedelte, hBil» das cauft- 
merciiim. Dieser altlatin. Bund bestand bis asnm Galli- 
sefien Zug, beivwdicher Gelegenbeit die meiston StWte 
^m Terliessen and ;nn^r wenigo tren bliebon , so dass 
die moisten jetat selbst&idig anftraten, andero atbor w- 
einigten sich, «ad ai* logen zwiaoben BOmiaeliea Boh 
sitzi^gen friedlicb ditrcheinander. Voa 38l«-^,992, -VP 
sleh die Latin, und Rom. Fahnen wieder yieveinigteft^ 4«t 
der alte Bund unter deaselben VerUdtnisaen ernenei^, 
.nnr dasa an der fipitze der Latiner ymtA Pribtocan .-slaiir 
den , ihr Senat aber bestand noch aus Deputirten' der 
^nzelnen Stadtsenate, So blieb es bis sum £odo des 
ersten sannnitisehen Kjriegs, in weloheia die Latiner S>om 
.die besteo Dieaste Jejsteten, so me sie iiberliaupt im 
Kriegadienst mehr gngestrengt !i¥Ufdon, alsBom s^elhst. 
Deshalb verlangten die Latiner, dass ihnen an der Rd* 



z' 



I 



46 - 



misi^hen Regienrag Antheil gegehen and sowoU ein 
Consul, als der hsuibe Senat aos ihrer Mitte^genommen 
wurde. Als die stolzen B5mer diese rechtmassige For- 
derang nicht bewilligten^ eDtschied der Krieg, in \¥el* 
chem die Latiner unterlagen« Sogleich wnrde der Band 
gelost, wobei die B5mer mit so feiner Politik verfuhren, 
dass die einzelnen Glieder zerstreut and sich entfremdet 
warden, indem die Romer einigen Stftdten gleiche Rechte 
mit Rom verliehen (Lanavinum andAricia, spater mani- 
eipia genannt)', andere erhielten das cSiritische Biirger* 
reeht ohne suifragiam (Nomentam and Pedam), noch 
andere erhielten Komische Colonisten (Antium) a. s. w* 
Aach trennten die Romer den Bund dadurch sehr weis- 
lich, dass sie den Latinern nur in der einzigen Stadty^ 
wo sie lebten, connubiam and coramercium erlaubten 
and jede gemeinsame Yersammlung streng antersagten. 
Uebrigens mussten sie ein bestimmtes Contingent stellen 
and wenn sie sich anter einander stritten, so richtete 
der Romische Senat oder der Patron dieser Stadt in Rom, 
Diese VerhSdtnisse dauerten im AUgemeinen (manche 
St^dte erhielten nllmlich spater das halbe, andere das 
ganze Bargerrecht , viele latinische Colonien warden 
anffelegt a. s. w.) bis zam ^pwieiten punischen Krieg, in 
welchem 12 der von Rom abhilngigen latiaischen^^St^dte 
and Colonien abfielen, 18 dagegen treu blieben. Da 
bescbloss Rom, diese 18 za belonnen, 209 v. Chr^ 545 
d. St. , indem es einen ganz neuen Stand fiir di^selben 
stiftete, das ins Latii, wahrend die andern Abgefalle- 
nen hart b^steuert warden *). 

Es war dieses den treuen Latinern zar Belobnang 
ertheilte Rechtsverhaltniss , welches dann aach auf die 
andern Latiner a. a. Stildte iibergetragen warde and im 
Ve^laaf der Zeit manche Modifikationen erfitt, eine 
eigentliche Zwischenstafe zwischen de^ Rom. Biirger 
and dem Peregrinen, insofern es commercium verlieh, 
«o dass die Latiner qairitarisch.es Eigeathum . erwerben 
and abertragen, aach als Erben eingesetzt werden konn- 
ten a. s. w. Dagegen wiiren sie ohne oonnubium (Ulp* 

*) Diese seharfsinnigeHypotheseyerdaiiken wirSayigny „uber 
Entttehiifig nnd Fortbildiiog der Latinitat** in seiner S^eitsckrift V, 
S. 229—241, gestiitzt auf Cic p. Caeo. 7. Vgl. Niebohr I, S,17. 
38. II, S. 650. Ill, 102. 148. 620. u. s. w. Walter S. 61 — 66. 
110—113. 



\ 



¥,4)9 0lilie Jaffirf^(ilml 0» oboe ins honontm, genonseii 
abec manche Vorrechtey z« £• Freiheit von Z5Uen and 
Hafenstener^ wie die Rom^, freie sladdaohe Verwal* 
tnng, sie gaben einen billigeren Tribut etc, Zugleich 
standen ihnen mehre Wege offen, das voUe RomUche 
Biirgerrecht xn erwerben: 1) die in den latinr. Stadten 
gewahhen obrigkeitlichen Personen wnrden dadarch Rd- 
jnische cives; 2) jeder Ladner, Mirelcher eine Romische 
Magistratsperson vor Gericht uberfiihrte, sein Amt un- 
recht verwaltet za haben, wiirde Rom. Bikger; 3) jeder 
Latjner durite naeh Rom Ziehen and sich daselbst cen- 
siren lassen, wenn er einen Sprossling zuHaase zariick- 
liess, welches freilich oft beschrankt werden niasste,. 
indem die Latiner Wege fanden, das Geftetz zu urn- 

fehen, schaarenweise nach Rom zdgen and ibre eigenen 
tadte ver5deten. 

AIs die lex Jnlia nach dem Marsischen Krieff 664 
alien ladnischen Stadten die voile Givitat gegeben hatte, 
folgte bald darauf 665 lex Plaatia oder Silvani e't Car- 
bonis : Cic. p. Arch. 4 data e$t c$vitas — si qui foe' 
deraiii civitatibui adicripti fuistenty si turn cum. lex 
ftrebatur^ in Jialia domicilium Aabuiaent^ et si sexor 

finta diebjus apud Praetor em essent prqf'essi^ and p« 
alb. 8.9 so dass von nun an ganz Itaiien das Biirger- 
reeht besass. Natiirlich konnte das sogenannte t«;«Z^i«ltt 
nnn nieht mehr geographisch fur Latium gelten, sondern 
^ dieses Rechtsverhaltniss worde auf auswartige S tadte and 
Lander als eine besondere YergiinsHgung iibergetragen* 
So erwahnt Cic. ad ^tt. XIV, 12 die Latinitas der Insel 
SicUien, aueh das transalpinisc&e Gallien warde am Ende 
der Periode aaf diese Zwischenstafe gestellt, wahrend 
das eisalpinische die voile Civitat erhielt. 

in. Peregrinus. Der Nicfat-Romer besitzt keine 



*) Niebnhr II , 86. 89. Ill, 6^0 raomt dea Latiaem za vtel ^, 
wenu.er behdnptet, dass diejeiiigeii, welche gende ^ei den Comi- 
tien in Aom zngegen gewesen waren, tnilri^mm geiiabt hatlen, 
denn lAy, Xi^V, 3 ist hochstwahrscheinlich yerdorb^k, Dion«HaL 
VIII, ^72 zweifelhaft irnd dunk«l, Cic. p. Sext. 13 s^richt ron 
Latinern, welche nacb Rom gegangen waren, urn dort va leben, 
oicht nm mitziistimmen. Wie batten die Latins, die nidit einmal 
Biia^er waran, dieses Vorrecbt baben sollent wahrend so yiele 
Rom. Bnrger (mnnicipia sine snffiragio) dessen entbebrten? 



I 

Civimi^ wed6r in lpiiUicMftcb#r, rn^A ftlvatiPMhdkhcr 
HiDsknt and kt aar d«s Jus geDtiim ftkig, als^ nidbt 
etwa in einem rechtlosea Ziistand. Da ii«ter PereniBea 
Iceine nach Ramisekem Reeht ^Idge Elie istatt findea 
kanii, so werdea aacfc die Kuider FttvegiUMn, wena 
Vater oder Matter diesem Stand angehdrt, der andere 
Theil aber die Ci^iCat besitst, d. h. die Kinder gekea der 
schleefatern Hand naeb, ^nfelge der lex MeasialJlp.y, 8. 
Unt^r den verschiedenen Btafen des^ Peregrinea- 
standes bilden die hiedi^gste Stnfe die dediticti, welebe 
Imit dem Sohwert in der Hand erobert werden und da- 
ker ohiie Freiheit wid gemeines Wesen sind. Was sie 
behalten, haben srie als Geschenk des Romischen yoIloB 
2u betrachten, so wie sie aach darch eine von Rom <d^ 
liingeschiGlLteObrf^eit beberrsdbt \verden, welcfae ibnen 
harte Steuern undZoUe aafiegt. In diesem Knechtstaad 
iebten viele in der Cainpanischen S'etdinark , audi Brut- 
der,9 Lakaner «nd Picenter, welebe nach den sweiten 
Puniscfaen Krieg za schmaehvollen Dienslen im m Mii 
sphen Heer veiyfliohtet waren. 2) Hoher steh^ die 
90cn liberie welobe zwai^ aach besiegrf sind, denea idler 
der ISenat die A^itonomie wiedergegeben hat; sie siad 
gleiehsam Freig^lasseae , wabrend die dediticii nur mit 
Sclaven za vergleicben sind.- Obgleidi diesen socii ein 
eihseitig gewafart^s Reebt zustand, so wuvdea sie doek 
;im Kriegsdteosi; aasserordeatlich geschw&ebt oad att- 
mSliIig zu Unterthanen hwabgewiirdigt. ^8. Niebuhr iB, 
:S* ^14 tf. ' Nua foigea 3) socti feederati (wie Tfu«Bt, 
Neapel u. a.), welche bald mehr, l^ald minaer abhftneig 
sind, je nachdem das foedos (Traktat) Sihaea mehr odor 
weniger BeffiiAstigungen ertbeik hat. Sie bezahitea Tri-* 
but und stellten Hiilfstruppen (oder Schiffe, nMmendich 
fdie.jGrieiQhiich^n.)^ if^o \gut wie 4i§ ^ocij liberi. Anch 
erhielten sie noch ausserdem Tom Senat harte Befehle, 
welche die Ortsobrigkeit istreng ausfiihren musste und 
waren manchen Plackereiea vpn Seitea der Rdmischen 
Voraekniea aosgesetzt, so dass sie sich fast nur dem 
'Namea jsach von den dediticiis unterscheiden, wedn sie 
aicbt etwa privatrechtlicbe Yorrechte erhieken, wie die 
Campaiten, welche ohne die Civilat za bekommen das 
Connubium erwarben. Manche erbielten auch voiles 
Biirgerrecht^ Ueber die kltlgliche Lage der socii s.Liv. 
XX VII, 9. Schlosser U, 2, S. 175. 211. Eliemals epsach 
man von eiaem viertea ZmlMi i 



49 



P(r Z*^* /'«'«*«*> Jath ist dieses koin elrantlichAr 
^.rsanlicher Stand imSt^t, sond.rn ei„ pJSyZ 
Stadten g* Stadtrecht der Proviozen. 

5. Mechth'che Verhdltnisse der Studte im 

JRomischen JReich, 

Dti I^ma der Mittelpunkt d«s gewaltigen Ganzen 
ist, deren Verwaltung mit der des Staats zusimmenfa^II, 
so sipd tt«r noch die Verhaltnisse der ande n in und 
ausser Itahen liegenden Stadte zu betrachteh, wefche 
wieder besondere Unterabtheilnngen der so eben rfftr^h 
gflgangenen Einwohnerclassen aiSmachen! 
^ Italien , welches in dieser sanzen PeriodA anf J— . 
Priwip einer fireien Sadteverfalung b^ahi b^f " 

I. aag Stadten, welche fruber schon Torhandpn »<> 
«n, and in den R3n.ischen Staat,verba;dTu^:Jomr; 



1) Municipia (qaae manera oder mania eanfnnt ' 
welche Gerechfeame haben, gleiohsam GesehenirC-^ 
Oder, wie Niebuhr H, S. 64 I. vorzX ^.l?!. pI * 
^llen bekleiden koUn% siira^^ 
niit freier Verfessun^ und elgenea MagistraS^rsonen 
deren Einwohner Romische Burger sind inT/wtJ ?n 
eimgen cam suflfragio, in welchim Fall sie naJh^ Ro " 
gehen ond dort stimraen dGrfen, in andem. und zwa" 

V, 5, spSter viele andere lAv. Vfll, 14). welch a Ari» «!a 
ter das'ToUe Bargetrecht erhalten h'abei A„«erdi5^" 
beiden Arten von Municipien erwShnt P^^t J^^ 
pium und Gell. XVl, 13 5och eirdritte naml^h^r 

1 adte Mch vollkommen gleich stehen, so daLi ,ich d^n 
Einwohner gegenseitig im Genuss aUe^PriCiSte bSn 
den, sobald sie sich als Inquilinen oach dSnMdern Ort 
begeben,^Niebuhr II, S.58. 66. AUen MuSciDten .taii 

sSbeJ TW!; ^T:- n'?^**''" «^"-»- T?eile de " 
es Ml wanrscftmnhch , dass alle die es than amMtf.« 
wdche Je voile CivMt cum suffragio habe-nTol et 
jTo-i* f n * - '*^; Pv^**''' 8- Diese aber standen so- 
daua mit Rom, gleichsam ihrer zweiten Vate«iSt h, 



\ 



— 50 — 

I der innigslen Verbindnng* ' Cic. d« leg. II , 3« de lege 
/ agr. II, 32. 

2) Oppida L^tima sind Stftdte niic dem oben 
erwihnten Kecht der Latinitat, welches dem der inani'^ 
cipia sine saflfragio ziemlich nahe kam. Uebrigeiis geben 
sie Tribnt und Hulfstrnppen , eben so \i'ie 

3) Oppida foederata und uoeiorum^ welche*' 
foderirt und frei sind, je nachdem ihnen die R5mer 
gewogen sind. Dieser Untertehied aber dauert naturlich 
nur bis zur lex Julia- und Pladtia, wodurcb alle Itali:^. 
schen StSLdte dieselbe voile Civit&t erhielten» 

II. aus St^dten , welche T^n Rom . aus gegruadet 
warden, Coloniae *)• Ursprunglich waren die Colonea 
nichts als Rom. Besatzung einer eroberten Stadt^ welche 
den dritten Theil des Landes bekamen, wahrend die 
alten Einwoliner nur Unterthanen sind, ohne Gemeia-' 
schaft luit den jR5niern ; oder es' wurde nach Croberung 
eines Landes der ager publicns an Romische Rurger 
vertbeih, oder es waren die Einwohner einer Stadt 
' g&nzlieh vernichtet, so dass Romer hinziehen mussten* 

1) Coloniae civium sind solche, wo sich nur 
*Rom« Burger als Colonen melden konnten, welcbe die 

Stadt nach RSm. Recht frei verwalteten (denn sie heisst 
urbs, die Einwohner populus Varro 1. I. V, 40. Gell. 
XVI, 13), wie die Muoicipien, wenh tie nicht etwa Pr&- 
i fekturen waren. Die Einwohner^ blieben Biirger Roms, 
doch vor der lex Julia, ohne suffragiuni, wenn es nicht 
Etazelnen aus besonderer Vergunstigung von Rom ge-^ 
schenkt worden ist. Anch konnten sie als ursprunglicfae • 
. Besatzungen ihren Postbn nicht verlassen , um in Rom 
zu stimmen, la die wenigsten Colonen werden, so lange 
sie noeh zu Ilom lebten, das Stimmrecht gehabt haben, 
indeni sie seit dem vierten Jahrhundett meistens aus 
armen Plebejern genommen wurden, welche nur dent 
Namen nach sufiragium gehabt haben. 

2) Coloniae Latinae^ urspr&nglich v6n dem 
Romisch - Laitinischen Bund ausgesandt und fur Roms 
Ausbreitung von grossem Einfluss, waren solche, wo 
sich Burger und Latiner zu Colonen melden konnten; 
die dann aber Latiner wurden. Daher erlitten die Bur- 
ger, welche sich in latinische Colonien einschreibea lies* 



.Uwli 



*) Serv. ad Virg. Aen. 1, 12. Madyig de colon,' pop* *Kom» iure 
«l ooddit. P. I. II. Hattn.''l832. Waller S. 6§;'203. 



' X , — -51 — 

sen , capitis deminntio media , s. Cic. p. Caec. 33. Boelli. 
in Cic. Top. II, p. 39> denn sie verloren ihr BQrgerrechf, 
b'is aiif das Commercium. 

Als Italische Stadte werden ancb Praefectnrae , 
erwahnt, doch dieses ist nicht eine besondere Gattung j 
^Von St^dten^ sondern entweder Manicipieli oderCoIoniea j 
( ArpiDum ond Pateoli heissen bei Fesjt. praefect , bei | 
Cicero mnn)cip^ ad div. XIU, 2. p. CoeL 2. lex Gall. 
V, 6. praefectusve eins municipii ) mit eigener Yerwal* \ 
lung and cfi^enen Ma^stratspersdnen) welcbe aber statt 
der gew5hnlicben DuamTirn einen von Rom gesandtea 
Praefectns zur obersten Leitung nnd Juiisdikdon faaben^ 
der ihnen ineistenn zur Strafe nnd am die Stadt fester 
mit Rom zn verbinden geschickt warde. Bei* ad Cio. p. 
Scaur. 27. Marez* ad tab. HeracL v. 83. 84. 

Fora ufid conoiliabula sind Marktflecken, zwar 
mit eigenen Magistratspersonen (mit Ausnahme des Cen« 
sors, welcbeaRom dahin sandte, Liv.XXIX, 15^ XXV, 5. 
Marez. ad tab. Heracl. v. 142«— 158»)) aber weniger roil* 
stSLndig organi«|irt. 

C. Pr o. V i n € { a e^ 

Als die R5mer angefangen batten, fremde Lftnder 
En bekriegen nnd ihrer Herrschaft zu unterwerfen, so 
warden diese Lender nnter dem Namen provinciae zum 
Bomischen Reicbe binzugefugt nnd auf folgende Weise 
geordnet. Unmittelbar nacb der Eroberung kamen aus 
Kom zehn SenatOren, welche mit dem f'eldberrn eine 
Constitution (lex) ansarbeiteten, um der zur Rechti^pflege 
nnd Yerwaltting hingesandten Magistratsperson als In* 
strnction zu dienen. Cic. in Yerr. II, 2, l(i. 13. Phil. 
XII, 12. Liv. XLY, 29« Dieser nun folgende Statthalter 
(Prueies)^ der aus den rorjlihrigen Consoln nnd PrU- 
toreii genommen wurde (ihre Macht ivnr ganz dieselbe, 
die Consularptovinzen aber, welche freiUch anchzuweileo 
Pratoren erhielten, waren bedentender und die Yerthei- 
Inng geschah schon lange vorher bei derWahl), erliess 
bei seiner Anknnft ein Edict (formula frovinciae oAevedp- 
cium praetoriij J welchen er imLanf seiner Amtszeitstreng 
beobachtete. Cic. in Yerr. II, 2, 12. 1, 40. 41. 42. 43. 45.^ 

Qnaestores uniLegaii begleiten den Statthalter, um 
ihm bei seiner Civil- und MilitSLrTerwaltung beizustehen, 
erstere namentlich iki flnanzicUer Beziehung. CicinYat. 
15. Cic. in Yerr. II, 2^ 10. 11* 13 u. s. w* Das ganze 

4* 



__ 52 — 

Gefolge des Statihakers hiess di« prStorische Cohorle, 
welche onter seinem militsLrischen Befehl stand. ^ 

Alit dieser Cohorte darf das sogenaDnte consilium 
Ptaetorii nicbt verwechselt werden, d. i. die Rechts- 
verataadigen Freunde des Statthalters, Roraische Ritter 
\ nnd negotiatores, mit welchen er sowohl collegialisch 
- Rechtssachen entscheidet, als aach Eiozelnen Instiuktioa * 
giebt, nach ^welcher sie antersuchen UDd nrtheileD sul- 
len. Cic. in y err. an vielen Stellen. Yerres aber nahm 
Buweilen ans den Creaturen seiner Cohorte indices mid 
recnmeratores. Kommen Streitigkeiten unter Romischea 
Biirgem vor/ so vfivd das Rom. Recht zu Grand gelegt^ 
nnter Einheimischen dagegen das Landrecht und des Prft« ' 
tors Edikt. Die lokalen Rechte der verschiedenen Be^ 
wohner Siciliens s. Cic. in Verr. II, 2^ 13. Die meisteo 
Prozesse werden auf grossen Gerichutagen entschieden 
(eouventUM baufig bei Cicero, namentlich in den Yer- 
rinen), lyelche der Statthalter in Stkdten, za denen eia 
ganzer Sprengel gehort, im Winter ansschreibt. Hier' 
erscbeinen auch die in der Frovinz lebenden Barger, 
zasammen ebenfalls conventus genannt und das Rom. 
Yolk gleichsam reprSLsentirend. Cic. in Yerr. Y, 11 €on« 
ventas negotiatorura. Em. clav. Cic.. b. y. Auch aus 
di^sen . werden baufig die Ricbter genommen. Cic. ia 
Yerr. II, 2, 13 u. a. Die obere Leitnng der Provinzisd-. 
verwaltung liegt in den Hafiden des henats, welcber 
aucb eine bestimmte Geldsumme zur Ausstattung des 
Stattbalters fur die Truppen, Legaten u. s. w« anweist 
(ornare provinciam s. Ernesti clavis). Bei dem Senat 
luuss der znriickgekebrte Statthalter Recbenschaft ab-> 
legen, bei ibm laufen die Provinzialklagen gegen dessea 
Amtsfiifarang und Bedriickungen ein^ indem er ausser 
den gewohnlicben Steuern noch ausserordentliche auf^ 
legte und sicb ebenso wie die R&m. ZoUpiichter die 
schreiendsten Ungerechtigkeiten erlaubte, wodnrch man* 
che Provinz ganz verarmte. Schlosser 11, 2, S. 22 K 
483. in, 1, S. 139. 

Das Scbicksal der Provinzen und der einzelnen Pro« 
vinzialstadte war sebr^erscl^ieden, durch welcben Kdnst* 
gritt' die Romer sie za zerstrenen qnd sich gegenseitig 
zu entfremden wussten. Die Stadte lassen sich in drei 
Haoptclassen eintheilen : 

1. liberae civitates^ Welche von dem Romiscben 
Siatihalter in Yerwaltung und Jurisdiktion unabbSingig 



- 53 - \ . 

sind^ 1) cum foedere^ init efnem iohriftlichen Bundes* 
. Vertrag, in welchem die Verpflicbtungen derselbeir eoN 
halten sind, Verr. V, 19. 2) $inefoederey tbeils immnnes, 
tbeils liberae, jene sind frei von direoten Steuierii, obne 
Romiscbe Besatzting nnd geniessen Selbststdndidceit) 
diese haben die Freiheit zwar auob ziini Gescbenk er-» 
halten, doch ntcbt in einem so bohen Grad, wie erstere, 

II. veciigales^i zinspflichtige, alsounterthUnigeStadte, 
welche die eigentliche provincia ausmachc^n, von denen 
einige ittpehdiariae beissen, deren jlibrlicfae Abgabe in 
einer besdmiiitcn Suniine bestebt, aucb oensoriae ge^ 
nannt, well der Censor den fiuctus oder vectigal der 
dffentlicben Lander dieser Stadte gegen elne jabrlicbe 
Abgabe verpachtete, Cic. in Verr. II, 3, G. 5, 21. Ferrat., 
Manut., Zunipt zu diesen Stellen, Niebuhr II, S. 15Sif., 
andere beissen decumanUe^ welcbe seit alter Zeit den 
Zebnten an ibre Herrscber batten geben niilssen und- 
denselben nun ^n den Rdiniseben Sohatc zu vablen ver*- 
banden sind, indem er von den deoumanid gepaebtet 
wuirde. Aucb ' naussten sie jabrlicbe Frucbtlieferangen 
zu einer bestimmten Taxe an die Republik verabfolgea 
lassen. Dariiber cipricbt Zumpt zu den Yerrinen II, 
3, 6. 43. 

III. Stadie mit den Privilegien der lialiseien Land^ 
^iadtey 1) munictpia^ wenn sie das Rom. Biirgerrecbt 
erhalten batten^ wie mancbe in Kleinasien, z.E. Cyrene, 
natiirlicb obne iiis bonoruni, 2) oppida Latina^ denen 

« das Privilegitim der Latinitat geschenkt worden is( , 
3) coloniae civium uni, Latinae, welcbe, aus Italien 
naoh den Provinzen gefiibrt, das alte Recbt bebalten 
haben, und we^t selbststandiger dasteben, als die vecti* 
gales. Diese Colonien beissen zain Unterscbied vpfi den 
provinciales (Peregrinencolonien), namentiich in der spa- 
teren Zeit coloniae iuri» Ilalici (I4in. h. n. Ill, 3. 21), 
Welches nicbt bedeutet, als ob sie einer besondern Classe 
vottPersonen, Aie ita ItaUcum, von Sigonius de iure Ita- 
liae I, c. 21 als Mittelstofe zwiscben Peregrinen und La* 
tinea bezei($bnet , gebabt hdtten , angeborten , sondern 
dass rie von den andern Provinzialstadten die dreiVor-- 
ziigei voraus haben, welcbe Italien im Gegensatz zu den 
Provinzen besitzt, n&nilich 1) das Reoht freier Yerfas- 
sang, 2) Freiheit des Bodens von Grundstticken (tribu"> 
tarn — unerwMbnt von Fuss p. 131), 3) Fahigkeit de« 
Bodena imr quiritariscben £igenthum zu stehen. Savigay 



— 54-. — ' • 

liber das im Ital. uachte diese Entdeckung ia df r Zeik« 
scbrift f. gescb. Rechtswiss, Y. S. 242r-267«^ 

Wiobtig ist die Stelle des Simplic. bei Goesias «cript« 
rei raat. p« 67 nacb den scbarfsinnigen, Tvenig bekaiuitea 
yerbesseruogen Treckells (in dessen kl^nen AuJbHtzen, 
hef ausgeg. too Haabold S. 40 ff.) ac si ad provincia$ 
respidamuM^ hnbent agrot colomcosj $tipendiarii qui 
sunt et immunes, hahent et colonis stipendiarios (d. h. 
die Colonien beaitzen 1) LSindereien, die ziaspflicbtig 
siody 2) imtttanes vom Tribut frei, 3) Terpacl^tete). Ha-^ 
bent autem provinciae et municipaies aeros (in den Pro*< 
vinzen liegen Sjtadte init Rom.Burgerrecht) at{t civitatum 
veregrinarum (odev fieie) et stipendiarios {die eigenU 
lichen Provinzialstadte). Das Folgende ist oorrapt ; von 
den Provi^zialstftdten tieisst es nun: sed nee mancipatio 
eorum legitima potest esse^ possidere enim illis (sc« 
provincialibus } quasi fructns toUendi caussa et prae^* 
standi trihuti conditio cp^c^ssa est (die Provinzialen 
haben possessio, gleicbsain Erbpacht, kein quiritariscbes 
Eigenlbbin). Viudicant tamen inter se non minus, Jinest 
ex aequo (d. i. ius gentiuni) <tc 9i privatorum agrorum 
(aU vena rie im v51iigen ^igeptbum waren). — Vide-;* 
bimus tamen ^ an interdicere quis possit^ hoe est. a^, 
interdictum provocare de eiusmodi possession f. 



DrittePeriode* 

Von der Begriindung der MonarcMe bi9 

auf Diocletianus. 

Die Zerrissenbeit des Rdmisoben Lehens nnd Staata 
in alien aeinen Theilen, die ausgebreiteten £roberungeo» 
der darans bervorgegangene anermessliche Reicbtmim 
der Vornehmen neben der iinmer wachsenden Armutb 
der Geringen, die dffentlichen Kampfe der R9mig(oheii 
Burger, die Erbftrmlichkeit der Gerichtsverfagsung, das 
Yerscbwinden . der &chten Nationalbildnng und die Zer* 
atdrung aller Stittlicbkeift macbten daa Fortbeatehen der 
Republik unmdglicb und die^ Herrschaft eines Einzigea 
notbwendig, wie sich aucb schon in den letzten Zeilen 
dier Republik gezeigt hatte, wo. einzelne Mftnner^ dnrch 



— 53 , — 

Tfitfatigkeit vnd Cbartikterstiffke befdfaigt, dus Qanst 
M€h ibn^r WUlkiir Ukttm. Cic. oid Qu. fratr. lU, 6 
angor muHum eue rtmfublicam <% nulla iudicim etc. p» 
Sest. 15 iiii//ii# ^rai MenaiUMj nihil religui mmgi$trnim$i 
UfWf onmem cett* S. die schone Darstelluog in Schloft* 
ser» «iiiveffsaltH8t Uebers. VL iU. uod Ziacharili's Sulla 
S. 30. 62. 

I. Stande im Romis^hen Reich, 

Dieselben Stande besteben puch ns^ch Absobaflung 
der Bepublik auf die alte Weise fort; freilioh sterben 
die alten Gesohlecbter nacb und nach au&, dooh yon den 
Kaisern stets erganzt, baltea sie sicb nocb lange, Der 
Sen9t wird von Aiigu^t anf 600 gebraobt, welche ganx 
nach kaiserlicher Willkilr ernannt sind; die Kitter be-* 
h^lten ibre alte Wicbtigkeit als Staatspachtei: und Pflanz* 
ftobule des Senats u« s. w\ 

11. StaatsverwaUung, 

Mil Oetavianos AngQstns erfolgte die allmSlige 
Aiifl5snng der Repoblik, aber nicbt etwa durcb einen 
besonderen Act und feierliches Gesetz, wie manche 6e-* 
lehrte glanbten, sndein sie behaupteten, dass durcb die 
l^x regtaj deren Fragmente noch jetzt im Capttolini* 
gehen Museum zn .seben sind, das Volk dem Kaiser 
fl-eiwillig die hdebste Gewalt eingeraunit und dadurch 
die Monarcbie begrundet babe. Wenigslens \iird diese 
Ansicbt nicbt durcb die Pandektens telle Ulpians fr. 1: 
pr. D. I, 4 bewiesen: quod princifi plecuil legis balet 
mgorem^ tttpoie qjaum lege regia, quae de imperii eiu9 
lata e9ly populut ei €t in eum omne $unm imperikm ei 
poteilatem conferrety welche eben so gut dabin erklart 
werden kann, dass die sogenannte lex regia nicbts sey, 
als ein Senatscdnsult oder ein Cnriehbescbluss (? Walter 
S. 281. Niebohr 1, 8. 381. Hngo R. G. S. 720 ff.: dass 
jeder Kaiser theils durcb Yolks - , tbeils Senatsschlusse 
eine Menge von Reebten faekonimen babe), welches 
nicbt Meibend gegeben, sondern znin Anfang der Re* 
gierung eiiies jeden Kaisers wiederhelt wurde und stets 
TOO Nenem das iknperium' "ve^rtieb, wolilr auch Gaias 
spriebt ^Inst."' 1, 9''(iuif» ipse imperator per lege^ impe^ 
rium mccipie^. ' Will man moht etwa annebinen, dass 
das Wort regia ten emem spateren Abschreiber in Ul* 






— 56 — 

piima Text getetzt worden Ut, go miiM diesa lex dea 
Nsuaen f egia wenigstens erst su d«r Zeit erhalten habeo^ 
als man die KaiserregieraDg ganz ||;ewohnt war and darch 
diese.Beneoaung anf die bei dem Anfang einer jeden Kd«» 
nigsregierung gegebene lex hindeaten woUle. Aach die 
friiher beliebte Ansiobt isft uohakbar, dass diete lex dem 
Kaiser das Recht gegeben babe, Gesetze zn macheny was, 
noch oealicb in J. W. Lobells Aufsatz iiber August in 
'Kaamers bistor. Taschenb- V, S« 276 wenigstens nicbt 
verworfen worden ist. Die TolUt&ndige Literatur dar- 
iib^r findet man bei Ciirtius de senatu Rom* p. 19 flf* 
und P. V. Loon collatio institute Justin* cum' Gai« Gro- 
ning. 1823. 

Die ganze kaiserliche Gewalt war bios eioe kiinst- 
liche Combination aller republii^aniscben Aemt^r, denn 
der Kaiser besass 

1) imperium^ die hochste lebenslangliche Gewalt 
(also noch hoher als die alte consularische) , nmfassend 
den Kriegsbefehl, das Kecht iiber Krieg und Frieden, 
iiber Leben und Tod und Gese^zgebqng. 

2) tribnnicia petestas^ die tribunicischen Vprrechte 
der personlichen Unverletzbarkeit, das Recht, das Volk 
zu Yersamuieln und Yorschlftge zu machen, so wie Veto 
eiozulegen gegen die andern Magistratspersooen ; 

3) pvaefeciura marum' (die alte Censor), so dass er 
Mitglieder in den Scnat, Rltterscbaft und BilrgerstaQd 
willkiirlich aufnehmen und ausstossen konnte, voraus^ 
gesetzt, dass dasYermogen d^r vorgeschriebenen Census^ 
summe entsprach; 

4) oberrichterliche Gewalt, denn an ihn wird ap«> 
pellirt, ei: entscheidet auch Rechtshandel , tbeils allein, 
theils mit Zuziebong des Senats^ oder seines aus Se^ 
natoren, Juristen, Besunten bestehenden Consiliums (siehe 
vierte Periode); 

5) prQcomularii poHitas^ die oberherrliche Gewalt 
in alien Provin2;en, sowohl kaiserlichen , als Senatii- 
prbvinzen ; 

6) der Kaiser war aach yoniifex maxiwuu und 
fiihrte iiber das ganze Religionswesen Oberaufsiebt. Er 
batte den Titel Caemr Augustus ^ivA gemeinen Lebea 
hiess er Prineeps. Caesar beissen auch die kaiserlichen 
Thronfolger, sowohl Prinzen, ak Adoptivsohne als die 
vom Kaiser angenonimenen Amtsgehiilfen und Mitregen- 

•ten. S. Creuzei's Alterth. S. 294 ff. Wenn ein designirter 






— 57 «- 

aafien, a<Mh bald liialMi m 4m IiCgiakeB «« PfitorifMgi«r« 

/ 

V • ... 

Nea eingerichtete Magistratnreiu 

PraefeetU9 Urbi^ IHetm sdion m 4«s Zetten 
derBepatdik Torhandene aasserOrdentliclieStadtprftfektw 
wtirde ditrch August in eine onlendidw sdir ividitfge 
MagMiratar verwandelt^ welche bei Abwesenhelt des 
Kaisers demen Stelle verif at Die Haoptsorge des Prft- 
fekten war Atifrecblerhaltiiog der dff'entUohea Rake, n^ 
dano besass er auch Jurisdiktion iiber Criminalverbre^ 
efaen and PietStsverletxaDgea, endllch die Appellations*- 
entscheidni^ ilber stftdtisdie PiwEesseb Tao. Ann. VI» 
li. 12. Saet. Oct. 33. Als Poliaeidirektoren warden sm 
immer wichtiger, so wie als Criinloalrichter^ Welches 
aie seit dem dritten Idurhandert allein waien. 

PraefectUi praetorip (anter August zwel, 
unter, Tiberius ein^r, spater bald niehr, bald weniger) 
hattQ anfan&^s r^in riiilitSriscben Oberbefehl ilber di'elieib- 
ivache, erhielt aber durch Sejatis DieDStfUhrnog eine 
gr5ssere Macht (Herodian. V, 1. Tac. Ann. IV, %^y welche 
unter den folgenden Kaisern so wucfas, dasd ^ an alien 
Geschaften TonBedeutungAntbeil nehmen und initRecht 
]B5mischer Grossvei^ier genannt werden kann. Seine Yer- 
tvaltang war die ^usgedehn teste, yon seinen Erkennt- 
nissen in Civil- und Criminalsachen war nicht einmal 
Provokation an den Kaiser ni5gUch, welches Yerhaltnisa 
viele lafare dauerte, bis endlicH dieses gefahrlicbe Anit 
ii^ mebr^re andere zerscblagen wnrde* 

Alte Magistraturen. 

Dem Namen nacb waren die beiden C^nsulet 
noch immer die vornehmsteo JMI&noer des ^eicbs, doch 
aoQst ohne alle Bedeutung; aucji w«rde das Amt von 
den Kaisern sebr verkiirzt, urn recbt viele damit zu 
Belobnen pnd dann biessen die ersten Coif. ordmaru, 
die librigen suffeclu s Zuweilen batten sie geriobtliche 
Gewalt, zumal extra ordinem {%» ProzOi 9U®b sorgtea 
9ie fur die Fe^tliql^keiten zu Ebren des Kaisers^ was 
f riiher die Aedilen thaten« Suet. Claud. 12. 23. Taq. 
Ann. XUI, 4. Plin. Paneg. 77. / 

QuM$tQt^e$ ^itiA nicbt mebr Sehatzmeister, son- 
dern Hofbeaintp9.4aber ^icb eM4i40ti pfindpu genafint. 



- M - 

ansgeschickt wurdeii. Zp^leich , besorgtop sie die Gla* 

diatorenii^efe. * ; ' 

/i ,i'>Brmiift0re9 liri>e» ^och/CitiQiirMHcfloD (wenig-* 
iltiiB cnfii 'Ttieil). und warden an^ indioBroviincetii 
l^aMu/ BonpoMos ninint 16 an (1)^ & tocgten fiir «di» 
^aesiiofaei partietuae. Cbrtiws de ^eniiUi R. p. 40. 
-^ (^: C«^f»tor wiicluirdaDn irwbandto^ weon der Kaiger 
edar. «iaf Mkiageat dea . THal diMer Stelle besonders 
annhmw ..>.)-. 

''n^'Tr.ibf^i pik ea bis ia daa fUafite Jabrbuhderl mit 
bBichaHoktac'Ciewak and warev aiis der Mkle des Se-» 
Hats. gt»wttbltv- dobh baaasste iie noch die loiercettdoa 
ga^b SeqatasdiUsar. i ' ^ 

Aedil€s:fV[ex4mk,AQxdk dm ptaafeof^ arbi aehr 

fctychiii|lert and vefifcbwindea napb dem dri^n Jabf-. 

^ • Zj^ beiB^rken ist aoch, d£u» das Cones^ienweseQ 
ii^hii^ ip Aafnahiae kani) iodem die meisten MagistraUr 

S^rapaen eih ConBiUqm sioh hielten. liie der Kaiser. 
.Walter, S. 300- ; ' 

Q) Sif^aiui bahai awar noch an der Regierung 
iTb^t, aber in anderer .Wcise, als es ihm fruher ver- 
gonnt geiyesen war. Schon August begaan iha durch 
lurriohtuttg des en^ren Aussehusse^ (Qonsi^um) zut 
sofaw&cfaen und die andern Kaiser ranbten ibm immar 
inehr, so dass diese Behdrde sebr berunterkam. Sein 
Gesohartskreis drehte sich am folgende Eunktf : l)Wab]l 
der h5hern Magistratspersonen. Anfangs einpfanl der 
Kaiser die Candidfi(eii| splLter ernannte er die Magistrate 
sogleicb, w&hrend,der Senat nur das imperium verlieh^ 
jedoch obae es Jeihals ab^Easchlag^n. 2) Legislative Ge-* 
Walt,' welche vom Yojk aHm9hlig aaf den aenat uber-^ 
gegahgen war und zum Theil nur darin bestand, dasa 
ei* die torn Qu^stor rorgeiesenen kaiserlibhen Gesetz* 
vorsehlage'zu leges bestatigte. Ebenso' gabr der Senat 
de(h''Kaj5er Piritilegien , vergStterte den' verstorbenea 
K^is^^ ilcler Miste aiie. dessen Bescblitsse und Einiich'-* 
'tbt^gcHi' anf; * ifberbfiupt kam sebr vierauC des Kaisers 
fWsorilfiehkeit'ati, inwiefern er den Senat anerkennen 
Oder bintanstelien wollte. 3) Sorge fdr dier Proyinzen 
'des** Rllta/Volba ttfeid Abseaden der Pr6o6'Bs(rtn, so wie 
CNberaa&ieilt fibi&t ^n^^arlum* Siehe.'Pfovinzialrecbt. 



oalar«k}» \{0fgelning«& g»ge» Siaat u&d l^aiftBr^'^Ajiiiahiiw) 
van Afipelktioh ^ «• lar., 4Mh oadh. uni aach ioiariar 
weniger aelt»«Ptstllaiifgi:;ia(leai sieh'die Kaiser ste^ voft 
Neoem'*£ingriflii '«i£iufaftaD' niid die aeiialoriflclle J«m^ 
diktioii ,«<! eifier ieidiKn Fona ' herabwdrdi^eii. Dirkseoi 
a. B. S, X^2 — 191,.. 5), ii|4 Baor9rjaiii, dieBj^^orgung der 
religioseti Airgelef^eirlidten, des Cultus, der Priester* 
waU/BD^ wekhe d^n.Seiiat aueb in der Kaiserzieit ver^ 
Uieby obglBitih die.Harrackeff nainenctlioh aii Letateteiti 
auch Tbeil jaabaien* 

3)rd?aj^tt/»>, Untar dem Dietator C&mr baCtaa 
dieiGeaturiat^und Tribat-ComiUen nocfa daaWahlrecbt 
auag^Sbt, wobei amae £inpfebltiiig einen grosaen EUn-. 
iaaa aoaObte, ebeoiMi wnter .Aagastuav wa die WahU 
GoidUiaa kaom.dam'Naman nacb beataadeo* 1ut«X, 78* 
Uoter .'den folgeaden KaUero warden die tot beir Ernann^ 
ten. in den Coinilien nur angeiseigt und aasgerufea. Die 
legiilaiiv^- Gewak der'Gomitien erbielt sicb, bis aie Ti*% 
berios .entrissy* Tao. Aon. 1, 15 tu$$e fmmttm € caia^a 
con^Uia md paired tt^slata. Dia riobterUcheBefugiuaa 
ging. sdiiOfi durcb Aogiist Te^loren IMo* C LYI, 40^^ 
Alg traarige Sc.battenb^der der ehemaligen Grdsse er*« 
hielten sica die Comitl^n' forfnell nocb,' denn Caligulaa 
Absicbij ibnen die alte Gewalt wiederaugeb^n , wurde 
nieht ausgefiihrt*. Die Curiat «« Coioiden 'finden aur hei 
Arrogadonen and religidaea Angele^eviheitea atatt. 

*III. Staatareo h t. 

1) Einwohnerclaisen des RSmischen Beichs^ 

Cives^ Latinu Ptregrini btieben me in der vorigen 
Periode bia auf Caracaila, welcher die nvicbtige Veran** 
derung varnahm , data er den Einwahnern deg ganaea 
Reicbs ^ie gleiohe Givit&t ertheilte, was nieht ana Men<* 
scheofreuBdhchkeitySondern finaozieller ^olitik geschab; 
urn n&ralieh die Erbschaftsstener, der saJfolge jeder Rof* 
toische Bttirger 5 Prdcent von jeder Erbacbaft abgeben 
mosstey zu erbdhen, braucbte er nur die Zabl der B«r« 
garjsu yermebren. -Dadorch aber,. dasa Caraealla alien 
Freian./dia Civit&t gab, war dieLatink&l luid Peregriai^ 
tftt .nicbt etwa «ufgehob««,. denn ea enftalanden stets vnn 
Nepem Latiner, jb. lE^ daceb anvoUsOadig^ Fraitaasua^ 
ja eg bistandr anch die nana, erst in dieaer Periode aal^ 



'V 



-. CO ^ 

attkiiderie imterg^mrdiieto CbuMe d/ir Latiai Jftniaiii fort 
(b^ SelaFenreobt), ebea s0'weQn Frende einwaoderten, 
erhielten iditse nor Peregrinenreehte, ^bgleleh ihre Zahl 
kanftig v^rbtftnissmftgrig sekr klein -war. Haabold opaso* 
II 9 p. 369*^386 ex constitntiofie Ajit^nlni quantodd qui 
ifi orbe Roaiaao assent cives Bonam effeoti aintf 

2) Stadterecjit. S.Walter »• 303— 314, 

Italien blieb im -Beailk seiaer Grand- and Kop& 
atenerfreibeity wdbrend 'die iireie Yerfassang versebwand 
und allmlihliff trat eine Art ProvinzialrerwaltiiDg eiii) 
Ztt welcber Hadrian darob Erriebtung von 4 Coasulares 
iuri dioundo den Anfang machte Dadurcb sank der 
Werth der Italisdien MnnicifiaLverfagsaDg and sdaTiaeba 
UnterM^urfigkeit der Ueourionen ^egen die kaiierlicbe^ 
Itegierang trat an die Stelle der alten Unabbangfgkeir, 
so.dass £eser Stand nacb and nach gandick inVerfail 
gerietb) ja ^ber einer Strafe, als einer Auszeichnung 
aholicb sab*). Nicht weniger sind die Monicipalinagi-< 
stcate uBtergeordnet, und ibre Jurisdiktion gebt nnr bia 
anf eine bestiniinte Summe. Die alten Prafektnren abe^^^ 
verscbwanden ailmablig. OreU. Ineriptt. JI, cap* XYL 

3) Provinzialree/it. S. Walter S. 315 — 340. 

Die Provinzen -^ \velcbe unter August sebr ge-^ 
ivannen (Tao. Ann. I, 2), obgleicb aacb:spater £rpres-> 
Bungen genog vorkamen — ^ warden Ton Augnst in zwei 
Halften getbeilt, kaiserlicbe und Senatsprovinzen, welcbe 
Eintheilung. nach WiUkQr vom Kaiser oft gewecbselt 
wurde, bis endlich die meisten kaiserlich geworden wa-r 
ren. Der militelrische Befehl gebdrte ohneliin in alien 
,dem Kaiser, die Civiladministration war getrennt, denn 
in seine Provinzen scbickte der Senat nacb wie vor 
Stattbaher proc^nmleMj die er aiobt bios aus den ab-* 
gebenden Consuln und Pratoren, sondern aucb den Se« 
natoren auswsibite; die Adnunistration der kaiserliohen 
wurde durdiLegaten besorgt, aucb Propraetdres genannt, 
welcbe dnrch Procutatoren die Eiokiinfter beitriebea und 

«) MareeoU ad tab. HeracU V. 134. Wahlbai^keit, 8)Cz'tim 
Theater, TbeUttahme. aa offentlitfh^n' Gastmahlem n. •; >«(r. "Mi^n 
alfe Vorreclite diflfaesStandeB. F.-Ptattenberg de otdHie de^tirlo^ 
HOfifti* V^^kr, 1931,^ verbMkei «d^ TdUa^dig'Ikber alia ¥ar-> 



— 61 — 

I 

I 

in d^B JSicus Cwsmrii abli«ferteajf wliinnid iie Qnlgle* 

ren der Prooonsnln . ihre Einkunfte in die eigentliche 
Staatscaase (aerarium) eiDachickteo* Sp&ter floss Ailea 
In deh uDmittjelbar kaiserlicben Fiskas. Was die ver-* 
schiedenen Abstoldngeti der Stildte betrifft) so erhiehen 
Bie sich in dieser Periode noch, dean dorch Caracalla 
warden bios die Einwohner Burger, und die Stftdte er*« 
mangehen noch fortwihrend des oben ^rwtthoten ioa 
Italicam, zahlten also Kopf* und Grundsteuer^ welche 
letztere erst Marci Anrel eingefiihrt und damit die alteu 
Zehnten u. s. w. aufgeboben hatte* Diese CSelder er* 
hoben^ wie s^hon #rwahnt, die Procuratores , d. h* nut 
was -in denFiscus kam; oft thaten es auch die Statt- 
halter* Zuweilen baben diese kaiserlicben Einnehmec 
sogar Crifflinaljustiz* ^ 



Vierte Periode* 

Von DiQcletkmM his Jmtinians Tod. 

- \ 

L 8 t a n d e* 

Der alte tjnterschied der Senatores, Eqnites unj 
(Dives ist noch vorhanden, doch die Bedeutnng ist ver-* 
tschwunden. Die Senatoren sind die reichsten and mil 
BO vielen Xiasten iiberhaufty dass ihr Ehrenstand eher 
eine Unannelunliclikeit genannt warden kann/ 

Hi Staatsverfassung und YerwidtuDg* 

^ Die Regierung hat sich allmMhlig zur annmschr&nk* 
ten Monarchie gebildet, das Consalat ist nur noch eia 
vornehmer Titel, welcher nacfa Jastinian Niemand aosser 
dem Kaiser ertheilt wird; eben so der Senat Und die 
andern repablikaniscfaen Aemter und Warden sind theila 
nur noch Lasten, theils haben sie neuen Stellen Plat< 
machen miissen* Die Hauptveranderung der Verfassung 
wurde durch Diocletianus (284 n. Chr.) und Constantinua 
(306—337 h.ChrO herbeigefuhrt and bestand 1) in Their 
long des Reichs unter zwelKaiser, welche mit Diocletian 
beganni und seit Theodosius bestHndig statt fand, docb 



- fe2 ^ 

^ien Ib^^'HIlAei^ ftrmdl noch ab eiir GanzM^ ^ehn 
Jeder Kaiser schickte dem Andern glefchsam als Mit-> 
regenten setn^ Gesetse zn, 2} Yerlegang der Haaptstadt 
fiacb Constantinopel, welcbes dieselben Kechte nnd Ein- 
Hchttingen w^ nom erhielt^ z. E. einen Sehat, einen 
Coasal n. A.- Wemi zwei Kaiser regieren, dann ist Rbifl 
ftocb die Hamtstadt des einen. 3) GUnzliche Yerande- 
rtihg des Beamt^nsfandes , welche sicfa diircb die neae 
Bei6hseintl)eilunff Cot^stantins nottiig niaclite. Er bBdete 
Mmlich vler grSsse Prafelctaren, worin er Civil- Qnd 
MHiMrvertiraltan^ gftrizlicb tr^nnte, Ja fur letztere eine 
j^nr andere Eintneunng macbte, so dass beide Gewalten 
denselbeQ Ptersorieh nicnt leicbt anrertrant werden konn- 
ten. Prarfectui praetorio biess der hochste CiTilbeamte 
jeder Prilfektur, Tirelcber als des Kaisers Stellrertreter 
die Hai>ptprozesse selbst entscbied, in den unbedentenden 
Ricbter instniirte. Die Prafektnren zerfielen in Dioce- 
sen, diese in Frovinzen, in tvelcben die Unterstattbaker 
rector und prae^es biessen. Den oberen MilitSLrbefebl 
de^ PrIlfecturleHete der Mng^ter e^uitttmj nnter ibm 
konuna(i4irten .ducp$. Das Wort comes^ aber bezeiebnet 
kein Amt,* sondern vi^lmehr einen Titel far ein^elne 
Beamte, die ^egen treo'er Dienste einen boheren Rang 
nnd Auszeicbnnng.erhahen litollten.. Ueber diese und 
andere Beamten, sowie deren nacb strenger Hofetiqnette 
geordnete Rangfolge' (illastres, spectabiles , clarissimi - 
u. 8. w. ) li. die ton Crenzer p. 298 citirten Schriften, 
tiamentlicb notitia dignitatnm u, Laur. Lydais. ' Uin den 
Kaiser selbst befand sich ein conststorium, welcbes na6h 
seinem Willen Legislation, Jarisdiktion ''u. ' a*. GescbSfte 
besorgte. Dieses war ein von Hadrian weiter aosge- 
bildeteb Institttt, statt'des von Aagasttts und Tiberius 
ver^ainmelten Ratbs {auditorium odjer congiltum). Suet. 
Oct. 35. Tib. 55. Dio. Cass. LIII, 21. LVl, 28. LVII, 7-^ 
S. Haubold opusc. acad. ed.Wenck I, p. 187 — 312, wo ^1 

ein doppeltes Consilium unterschieden wird. 4) Erbe- !*! 

bung des Christentbums zur Staatsreligion , worauf das 



1* 



* 



I 



^oze Reicb in Episcopate getbeilt wurde, welcbe unter ^ 

Primaten standen. Auf diese Weise durchkreuzten sich . 

fiacb Constantins Anordnting die civile, milit^riscbe und ^ 

geistljcbe G^walt dcrgegtalt, dass sein misstrauisches Ge* ^ 

Iniitli vor jddfcr VerschwcJrung sicher tn seyn glaubtc. ^ ' 



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m S t a a t 8 r e c h t 

/ . ,. • . - » . , • 

ealla's Einrichtuag dM Zahi der Latineii und P^r^grioen 
sehr klein gftworden wacf so daaerle die Einth^ilimg 
doeh fort, big ihr Jiuitinianiis ein ctttizUchesEiid^ machte. 
Die Beneiinuagen Latiaer and dedliticii warden bi]%[6» 
faoben mid vait Civei and P^egrtM soUten noch foit 
exisdren, freilich mic dein alteli ate' erweiterten Uaterr 
schied der cives optimo und non optiiao itire^ welcher 
aber nicht viel ausmachte , da die Civit&t ihr altes An- 
sehn sowohl, alg ihre offentlichen und privatrechtlichen 
Vprzuge einffebusst hattte* Wichtig ist die Ansbildung 
eines nenen Ilomisclien Bauernstandes, Coloni genannt, 
welche man am beaten als Erbp&chler im abh&ngigei| 
Verh&ltniss bezeichnet* 

2) Italia hat seine alten Privileglen nicht mehr,^ 
denn seine freie Yerfassnng verlor es schon unter Tra* 
jan dnrch dib Einsetzung der Statthalter, welche ^p&ter 
auch index nnd rector iieissen. In den Sf&dten • wo 
fraher die- Volksversammlung souverSne Gewalt aus* 
geiibt hatte, ist die Demokratie in Aristokratie fiber- 
gegangen and der Senat {decuriones^ ordo, cnria) erhielt 
die g^nze innere Gewalt and die Wabl der Magistrats* 
personeii; doeh waren auf der anderi^ Seite' unertrlig* 
liche Lasten mit diesen Wiirden verkniipft, dass man 
sie eine Plage nennen kann. Savigny R. G. im Mittel* 
alter I, S. 49 ff. Walter & 392. S. oben S. 60. Anm. 
2) Das freie Grandeigenthnm ging durch Justinian) un- 
ter, welcher den Unterschied zwischen romischem und 
natiirlichem Eigenthum anfhob, obwohl er schon vorher 
factisch ohne Bedeutung gewesen seyn mochte. 3) Die 
Steaerfreiheit verlor Italien durch Diocletian, welcher 
da^ Reich zwischen sich und Maximian getheilt hatte. 
Yon nun an gilt iu9 Italicum nur noch fQr einzelne 
Stadte als besondere Stenerbegtinstigung , wie sie z. E« 
Constantinopel genoss* 

3) Pr ovinci ae gehSrten mit zur grossen Prft- 
fekteneintheilung des Reichs, s. oben, standen daher 
nicht mehr gegen Italien zuriick, obgleich einzelne be- 
sondere Eigentniimlichkeiten batten. AUe aber richteten 
sich nach dem Rdmischen Recht. 



64 



Ah das WeslrSmUehe Reich vden ABgriffen seiniftr 
Feinde Qbterlegen und oar Italien von Justinian, dem 
Herm des OgtromUchea Reichg, iwieder erobert wOrden 
war, erhielt dieses als neoe Erobening'^i^aas die Ver» 
fessang einer Provinz; jedoch aaf kurzeZeit, denn das 
Meiste ginr wieder an die Longobarden Terloreo, ond 
nnr das Ideine Exarchat blieb nocfa dein Oestlichen 
Katserthnm, welches in siecher Yerfassnng. noch nian^ 
ehes Jahrhandert uiu alterschweres lUiiipt dem Gbrabe 
entgegensehleppte* 



/ 



I ■< 



I 

Quelleii des Romischen Rechts. 



I / 



Erste Period e. 

Von dem Ursprung Rams bis zu den 

XII Tafeln. ^ 



I A. Rechtsquellen. 

In der ftltesten Zeit erblicken wir zwei Reobtsqoellen, 
das Gewo^Qheitsreoht und die Gesetzgebang* Am wich* 
tigsten ist ' 

1) da$ Grewohnheitirechi **), welches, aua dem Geist 
des Yolks hervorgegaogen, uber alle Na'chricbleji'fainaaf- 
reichty and oft besser, immer aber eben so giiltig ist, 
als das fSrmliche .Gesetz. Cic, tde inv. II, %2 canttietudi^ 
ni9 iui €i$e puialur id^ quod-'Wiluntaie omnium iine 
lege vetuiiai comprohavit^ II, 54. aaot. ad Hereon. 11, 13 
coMueiudine iuB ^e$t idy quod sine legej aegue ac si 
kgiiimum sitj usUatum est, Partit* orat 37« Dieses. 



*) Cofuuetudo^ quod more reoeptum estf ein Theil des spifAr so 
geoannten iiis non scriptum^ welohes thelU auf Volkssitte beriiht^t 
theik aof Grnndsatzen der jturistiaehen Schriften, theils auf richter-. 
lichen Eotscheidniigeii (res indicfifae), welche fiir andere JFalli» em 
praeiiidioian.geben QoiAt. J. 0« ,V. 2. Faendo^Ascoiu.ad Cic ii), 
CaetfdL §• lZ,p(L Orell. p. 104. Dagegea Tenteht man unter iiu 
a^ripvm das i^aittre Kcicht, insofern ea in bti^onderer Form her- 
TOrtritt; etf berimt anch z^^ Theil aof.oonsujptiido, welche dann 
nichi mehr deipiiif non acriptiim.angehdrt, sobald ue in da^ pra-, 
torisohe Edikt av^enommen ^f^prdf^n^Ut./ . :. 



I . i 



66 



-> . 



I 



dnreh Alter and Herkoniinen geheiligte Reehc oinfagrte 
urtprnnglich nar die Staminrecbte der Altborger, bis 
dnrch die spilter lumn^ekonuiieBea LatiBisdien Gtrt-- 
schaiitei^ wwa eia plebejiscbes Beeh* binzotvat; daber 
ist oicbt sii veiWQiideFD., daw die ihatkwicm Tiele Jabre 
bindnrch ak die einzigeD Becbtakondigeii dasteben. Sie 
torgen for Scbatz ond Erhaltung il^rer alten Recbte, sie 
wachen far die Bewabmng der aiten Symbole mit gross* 
ter Sttf ei|ge fmd TerbuIIen da9 Gana^e in eio. gobeiniiiiss- 
voHtes Diiolcrf, tirabrend die Rechte der Plebejer gewiss 
bekannter und mit weniger Forirfalitaten and Feierlicb* 
keiten verbnnden j also aucb weniger complicirt waren. 
Bei dem allmahligen. Znsaioinenschmelzeii dieser Ter- 
scbiedenen Eferaente ging iyi^ncbes darch das fortge- 
setzte Nebeaeinanderleoen ant^r, Anderes b^bauptete 
sicb lange, namentlich id den Familienverh&itnisseir, 
obne dass man an oin Ai|fxetcbneii gedacbt batte. Erst 
nach der Kdnige Yertreibung veranlassten die steten 
ParteikSimpfe die Niederschreibung der Gesetze > woriii 
man ein treffliches Mittel erkannte, diV Stande dei| Pa- 
tricier and Plebejer mit elnander zu verscbmelzen. Frei- 
Uch konote diese in den XII Tafela itierqpebte Vermitfr 
kmg nicbt voltstftodig geli|igen, indem, sicb Mancbeft 
fano, worin keine Partei nacngeben wollte, w^bresd sie 
sicb in andera Punkten. wiHig zaigten* Dbber kommt 
es, dasfr bet manchen Instituten die urspriioglicben jf9h 
trioiaefaen «nd plebejisdien Recbte nebea einander ste* 
beti*, z« E. doppehe Form der Ebe, des letzten. Will^a 
H.. a 9 wfthrencT in andem InstituteDi das ttespriiiiglifib 
plebejUdie oder patriciscbe Recbt von nun an gemetnr* 
saHmes Beisbt fiir beide Stttmme Wnrde^ s. E« das GeafiU 
4Mrbracbt gak .ton jetlat an aucb fiiir diaPlebejer «% Su mu. 
Gans Erbrecbt I, S. 22 bemerkte diesen Dualismus de& 
Bom. Rechts, gemissbilligt von Zimmern Rechtsgescb. 
I, 2, S. 511. Die XII Tafelii entbalten also nicbt will- 
kfirliche, noch auis Griecbenland entlehnte Gesetze, son- 
dern sie sind eine Redaction des GewohnheiUreckis^ 
wodarcb die bisher getrennten Institute verscbmolzen 
itnd gemeinsAmes Recbt warden, dessen Eat^okelang 
dnrch die Priltorischen Edikte^ jnristiscbe Idtet-prottftioo 
and wacbsende ZaM* d^r ricbterlicben ^ntsicbeidnogefi 
bis auf Justinian^ rifene Organisation fortscbrisitet; Mil 
hoben Lobs]irth;hen ierwftbnt die XII' Tafbln Gio« de 0r« 
II,' 13; 44, kfblioiheca$ omnium ph&oMpUemm mmw - 



I ^ 



— 67 -- 

miki videtw XH tiAmbamm Hhettu$^ #t fwfe hgum pm-\ 
pHa mc fante^ viderit^ et mf^^ritmiia pandere ei niiff- 
tatis uberiote superare, l^t.- Liv. lil^ 34. fom omm'i . 
puMici prieatique eii iuriw. GelL XX, 1. Tab. Ann. 
Ill, 27. Gic d6 rep. lY, 8 aas Non. ndmiror nee rerum > 
9ohim^ sed verbormm et^am eleganiiam. 

2) Die Gesetzgebung Ht zwar in der filtesten 
Zeit w^^o dea Torliernidienideii HerkommeBs nock (Siebr 
vBterffeordnet, jedoefa t^erdep aach positive Geiiet2€» iet 
kdni^icbea Periode nnter dem Namen l€ge9 regiue er- 
wtthi^t, wetehe nicbt einseifig vom Kenige gegeben wor- 
den Bind, soad^n v^ .dc'B^ g^s^mniten Volk af^genommen 
aeyn nmssteii.' Di^es Tersammeke sick anfangs in den 
Cwrieii, urn das vom Konig t^orgesehlagene Geselz zu 
bectfttigen, naoh Servius Tdllios aber in deti Centariat- 
Cioiftitieii) mid aneb der Senat inHMfe seine BiHigiing 
aoggprechen (adoietitas). Wir si^en abo Volk ttnd Re- 
gieimg im Recht der Ctesetalr^boiig btilderlich vei^wal- 
USAy Wekhea Verhtitniss vii^Ie ItAtt^ fortbestand, bis sich 
betde trennten nn4 jeder Theil auf eigene Hand diesea 
Bceki geltend laacbte ( 8enatu9tonmtt^ nnd plekigcita^ 
i^n erstes dif 1m Teventitta war, wcikhe in den tein- 
|M>^lsdbi»n Tribttt - Ceavitic« v6rgc«cblagea wai'de). 
iMinysiiis , Liv4Q6 «; A. iuAien RecktssStae dar l^arvg- 
Udieil Zeit anfbewaktt, wd^ha von ^erachiedeneii^ Qe^ 
kfkrtea iMiamniting^trth wONtan aind. ^. Qaelleri der 
Beehtsvriasebsohaft. 

It. Qtrelten der ftefchts wlsseiiscliAft. 

4} Die ITeh^nt^ite der XII Teffeiriy in dattan dai# 
sdte ! Gewobnfieiairechl; fiiedorgelegt tmr, sind fiicbt nn«^ 
beirftcbfUdi , demi eb^leioh im Gattisoban Bifaftd; die 
Taleln a^ib^ Yarniehtet werdM waran ^ so> wtA'den af# 
doch aui dto* aafalrefehan Abaebviftan^ und d^r Erinna- 
mag wii&der bargeateHt D^balb darf mafi «tucfc datt V 
CitarfM bat dan akeih^ Scfaiifi^tallei'n' n^abr^ frM#n , ata \ 
ear ionac dai^Eedl' vrilre, indem aioh di% RAtnar iff frQhar 
Jhqgand damii vartlMiit itaahDen tind bdHgcrSabeti davor 
bt^ej|« Qfs; df lejBf. .II, 4k ^4 

Die Ordnitf^ da^ Xil T»Mii is« aakr aattvivr i^4« 
dor Mfi^ffAdani jadtfiA wtftefia v^ii* jHiM Sftebartidlvlbi^M 
hwiikMg' 9i t1» W9 meat atb. aiaa Cici da lag. Hi 4' nfid 
ditf FoFtlMzmig tna GelL XX, i. In der vftotan TaCel^ 

5* ' 



>' 



- 1 



— 68. — 

war naeh Dioii. H. II, 27 die Be4e von des ^Hansvateni 
Verhaltniga xu geinen Kind^rn, in der xehnten von den 
Leichenbegftngtiissen nach Cic. de leg. II, 25, in den 
beiden letzten voa dem Verbot des Connubiam zi^i- 
Bcheo Plebejern and Patriciern 8. Cic. de rep. II, 57. 
Dion. Hal. X, 60. Trotz dieser Unsicherheit und der 
Unwahrsoheialichkeit, dass die Decemvirn fiberhaapl; ein 
strengwissenschafdiches System befolgt haben, hat Jacob 
Goihofredus eine Anordnuog aufgestellt, welchem Dirk- 
sen init wenig Ausnahmen gefolgt ist, und auvar enlhalt 
nach dieser Ansicht Tafel 1 nnd 2 den Civilprozess ; 
Tafel 3 und 4 Mancipation, Potestas und Manus; Tafel 
5 und 6 Yorinnndscbaft, Erbfolffe und EigentEum; Tafel 
7 und 8 Obligationenrecht; Tafel 9 und 10 Staats- und 
Sacralrecht ; Tafel 11 und 12 Supplemente xu alien 
iibrigen. Jac. Gothofredus war es auch, welcfaer eino 
Tortreffliche Zusammenstellung sMmmtlioher XII Tafel- 
friagmente in seinen quatuor fonte^ turii eivi/ii Genev. 
1653 yer^ucht hat^ (vorher schon Franz Balduin 1550), 
unter dessen -zahlreichen Nachfolgern keiner mit ihm 
vergliohen werden kann , als der verdiente Dirksen , 
welcher in seiner Uebersicht der bisherigen Versucbe 
zur Kritik und Hersteilung des Textes der XII Tafel*- 
fragmente,, Leipzig 1824, mit unsSglichem Fleiss and 
Sorgfalt alles Betreffende gesammdt und gesichtet hat* 
^ 2) Was die Restitutionsversuche der leges teniae 
betrifi't, so hatte Marlianus alle Gesetze aufgeschrieben, 
die er angeblich aus der l^oniglichen Zeit auf einer 
Marniortafel Torgefunden hatte (tabula Marliani)^ doch 
es war^ wie zuerst Contius nachgewiesen hat, ein gro* 
her Betrug und die Gesetze selbst ganz neue Produkte. 
Yon dem iua Papirianum^ welches zur Zeit des Tar- 
quinius Superbus durch den Juristea Papisius gesafumelt 
seynf soil, 4iaben wir eben so wenig etwas ubrig, als 
die alten Autoren, so dass es zweifelhaft ist, ^ob wir es 
fur ein Formularbuch der Priester (Dion. Hal. Ill, 36) 
oder .eina wahrhaft jdristische Sammlung halten sollea 
(Pompon, in den Pand.), oder ob von einem Mann dea« 
selben Namen^ swei Sammlungen ffeistlichen und juristi- 
schenylnhalts vorhanden waren* Hierliber so worn', als 
fiber die Gesetze der einzelnen Rdmischen K6nige han- 
dek mit gewohntem Fleiss und Scbarfsinn Dirksen in 
s. Yersuchen zur Kritik and Anslegpag der Qucjlen des 
Bomuebsn Reehtsi. Leipzig 1823, S. 234—258. *^* 



* 



— 69 — 

▼ollst&ndige Literatar findet man ebenfalh bei Bach 
hist iur. i, 1, 2. p. 8, und Zinunern i, iy S. 85 ff. 



Zweite Period e. 

Von d^n XII Tqfpln bis zu dem Ende der 

Republik. 

A. Rechtsquellen. 

Aach jetzt noch ist da« Gewohnheitsrecht, zn weU 
chem sich der veratftrkte Einfloss der Joristen ffesellt, 
am bedeulendsten und voUstlindiiniten » obgleich die an* 
deren Rechtsquellen in dieger Periode einen ungleich 
hdheren Plats einnehmen, als4n der ersten. 

, L Ge$et%gebung 

1) dei Volkf. ' Legei Ceniuriatae sind Beschludse 
des gesammten Yolks, welche der Senatsbestitignag be-*> 
dnrfen, bis Publilins verordneie, dass diese sehon Vor 
der Abstimmnnff eirfiplgen soUe. * ^ Lege» tribuiae oder 
plebi9eita ( auen vorzngsweiso leges sehannt , weiL sie 
die zahlreichsten waren) faingen sowohl init dem Privat- 
als dem 5ffentlichen Recht zusammen, and ebgleich sie 
anfangs nnr far die Flebejer galten, so warden sie doch 
darch die lex Hortensia and Publilia Gesetze fur die 
ganze Nation, s« oben S* 41, ohne der Senats- und Cu-^ 
rienlbest&tigung ^u bediirfen. Die reinpatricischen Be- 
schlnsse le^€9 curiaiae sind nur der (orm nach noch 
ubrig, bei Arrogation und Imperiumertbeilung* S. S. 39. 

2) de$ Senate. Die Senatu^comnlia wnrden an- 
fangs -^obl nnr in yerwaknngsgegensftoden mit vor- 
ubergehendetGultigkeit ertheilt, sie erhielten aber spftter \ 
voile allgemeine Gesetzeskraft im 5ffentlichen and Privat-I 
recht, ob observanzm&ssig oder streng gesetzlich, ist frei- / 
lich schwer zu entscheiden , wehigstens spricht Gai. 1, 4/ 
etwas zweifelhaft Senaiuiconmlium e$iy quod tenaiua 
imbet atque eoiiMtuii ; idque legi$ vicem »ohtinet^ quam" 
vi9 fuit quaesitum. Darum heisst es vom Senat auch 
nur aueioriias und cen^ef^ wtthrend vomVolk 4ubet ge- 



/ 



/ 



^— 70 — 

jUigt wir4. Dip. fir. 9. 4e leg. I, 3 sprichi nnzweideutiger 
non ambigii^r senatum ius Jfaeere po$$e^ doch wohl 
nicht erst sell; Tiberius Zeit, denn schon Horat. epist. 
I, 16, 41 sagt qui consulta patrum^ gut lege$ iuraque 
servat. 8. auch tab. HeracL 72. n. Cic Top; 5 #t qui» 
iu$ civile dicat id e$9e, auod in legibuf, senaiuacoMul- 
Hi — consiitat. Hugo n. G. S* 406 ff. Beispiele von 
privatrechtlichen Senatsconsulten lesen wir Cic. ad fLtU 
V, 21. (in Schuldsacheli) Liv. XXXIX, 19. (iiber die dem 
P. Aebutius und der Hispala Fescenia zu ertheifende Be- 
', lohnung); dagegen Liv. XXVI, 34. XXXIX, 3. XLI, 9 
sind anch auf ius publicum zu beziehen. Siehe Schilling 
Benlerk. za Hugo S. 116, Gans Schol. z. Gai. 8. 3 — 14, 

11^ Das GeufohnheitireeAt erscheipt 

t) alft Edictnm Praetorum^ w^dehes zu dem nt9 
konorarinm oder zn dam durch solche Obrigkeiten ge«* 
gebenen Recht gebort, welche hbnores bekteidmi ; den 
ausser den Pratoren erliessen aueb die Quistoren^ Acdi* 
len, Voll^stribunen , Censoren und Pontifices iiber die « 
tiegenstande ihrer amtlichen Wirksamkeii sogenannte 
•dicta (BekanntmachuDgen), Die Praioren' pflefften bei 
dem Anfang ibrerAmtsfuhrong die Grnndsatze bekaiin^ 
zu ma^^en, welche sie im Laiife det^ Jabres befolgem 
wi^rdeq^ UQi4 ^dche sie darcbau» nicht vedi^^n durf«- 
ten 9 wie aiieli lex Cornelia vo» JVetiem einAQbJbfte^ 
Ascon. in Cic. p, Cornelio ed. OrelL p. 5$. Die&es aUt^ 
(Cic. de inv. II, 22) InsuH^t bi^ss ^MCfii /ejt^ (Ciq. ift 
Yerr. {,42) Qder edictum p^rpetuum Asaon. a. a« Oi^^ 
ein Edikt, i9» sich aof das gans^e Jbbc bezieht, im (^ 
gefisal^ von nepjsutina, edfctfXt iiber Dinge prout re%in^, 
cidit,^ CiCf itk VerFv III, 14., Im Rdikt warei^ di«t mok^ 
a^elnen Falle aufgezfiblt, in JiFebsl^sii' eine Klagi^ Oh^c. 
Einred^ gesl^ttel; wap? ,. ^^obc^i di/^: l^orm^) gebrancbt; 
ivi^ji^d^. iudiciunk dukbuH. d^b^ be^ielten manob^l Klagen 
den Nan^n ibces. Stiftecft, %t £• ^bliciana act^o, Pan-^ 
Uwa u.,a. Wenn der Pi^toe daci^dikt sfHie«.VjdiKglMiH 

?ei» za Grunde legte, so biffss 9« edicUm- tr^Utieitum 
!ic. a4 d)v. HI , 8. Cicero; spriji^. a.i|cb vo* dem, edir 
dn^ , provincif;le.y .we]|ichfi9 nia^bi de^ii stMtiscbea odeii 
rmk fi^in des Yoj^tegeca im^k d^m StqfttJ^ber bekann^ 
ffeinacbt wqrde. Cic. ad^ AU< Vl, 1 zftWit die dreifa^tieii^' 
BiMt^ndihdde seines Provinziy9)edi|[ts wU in Yerr* I| 43*. 
46. Ui 13. Im Yerl^iil ;^0r Zpi^ ymrim die £dikte alt. 



- 71 — 



l»__I_^ _!■ 



- ,^^ aogeiebim (Cic. T«|u i*)f nmi sn CScero'jiX 

2eit gab eg ein wirklicbeB ias Pr«etortuiii , iiiit ^eaaeii i 

ErJeniHng die i^ii«beB st«tt mii den XIl TaMn fcegao- ) 

,060. Cicu de leg* I# & ' / 

Der Swedi: 4er £dikte ^ar ein dreifiidier, Bfiiriidi 

adntetmdij m§pplemdi mid corHrendi imria civiUa emtnuL^ 

VntentfitMiNiff, £rgtnaaRg md ViBrheMeruBg desReobis. 

€ie^ de lav. li, -2^ katt die conreotie in Sitto, indem ^er 

▼on der BeetMgpng eiiMi dorch das Gewohnheifsredit 

mcMlifieiiteii lleehtt gpfftelit. Dafaer kann naa Aieh die 

£dikte alg «ine ^J^arilatrfemde^ j&hrHck rwidirU^ hSchat 

fffokltkiUdge C^Mr^e de$ getammten bUrgerHohemRetMi 

^d ¥ro%e$9e^^ denioen % Die Quelle ane' der die PrII* 

toren eoin^ften^ war die Obaerraas nmA dag iug gentiiinif 

dean ala die Rdmigefae < Bersvcbiift' aidi innier . weiler 

i^eHlMreitete imd ihr^Charakegrsewohl ah daa Recht in 

elae wib mi i t Mnte Attgemeiaheit- ubergtag, ao nahnen 

sie der Premden weffen daa iag gendiim an nod eraann* 

tenr einen araeter itir 3ie Feregrinen. Spttter drdngte 

sidi dag A%eiaaicie aueh in deg atAdtiadken PrUtovi' 

Edikt ein and ein Kaiapf eotstaad awiachen dem Sta* 

bililg^princip dag Juriaieaalaadeg i^iid den Befonnen der 

^rAfeerea (dean eg ist eine Haapteigeathamlichlceit deg 

Rdaiisdhen Beclna, bei aHetn Fortsdireiten dag Abe nar 

langaaafr and bttehgt wid^gtrebend aafzagdben) , ein 

Kaalpf des Mateiiellen and Foriaellen, welclier viele 



*) Falsch lit die alte Ansicht ( Heinecci, Synt. Antirjq. 1 « ?i ^ 
24), als ob das iwi i^raetorium bis ztir lesTCorixelia oder nooh lan- 
ger i^iiiii^ssQiid erschliohea wordea gey, da die Pratoren ohna 
leg(9|atiT0 Gewalt g^wesea ;a]id nnr #iif dem krummen Wege der 
f^JMieiiea^ Possessionen a. #• w. unyermerkt zum Widerspmch 
gegea das gelte&de Reobt gelangt wareni wobei sie sioh anf Gi* 
«ero*g Yorvrfirfe ^gea Veeres; und naf die lex Cornelia gtiitzeir* 
JUobtig d^i^geii, ^«i<»b bigt. jar. ^*2t% und noobweit besserHnge 
d« ^1 fi Cioero ^raft ja. moht das Edikt selbst, aondam nor 
dea Vivreg ^^ iecaer bezw^elt keiner 4er alten Autoren dici 
Becbtmassigluiit dieser Kecbtsquelle, sondera Volksscbiisse und Ja» 
nrtea thaa ibrer oft Erwahaang, ja Cicero bielt es als StaMb^lto' 
€ut lor Feicdit, ein Edikt' za erlMsea i^dAtt, VI, i. Betnig.ko«iite 
•iMgen OeffeiHichkeit dec Terfahreas nicht yorkomme* and gegen 
WiUkiir sebittzte der jiilirliche WaGhael dto Fratpren and 4ie dem 
Tidfcanen aastebende InteioessiQa* 






— 72 — 

Jahre danerte, bis das Erste eioen vidlstSodig^n Sieg 
davoDtrog. S. vl Savigny's Gesch. des K. R. im Mittel* 
alter J, S»23. Die Erweitemng darcli das iasgentinm 
seigt sicli namentlich in den Fiktionen, d. b. dadurch, 
dass der Prator die alten Wirkangen unter andern Ver- 
baltnissen, welche er als wirklicb vorbanden annahm^ 
eintreCen Uess, aach in den Exceptionen, wodurcd das 
strenge Civilrecl^ eingeschrftnkt wurde, in der Restito* 
^ion, d. i. Aufbebong von gultigen Gescbiften und in 
Tielen freien Formen, welche eine grosse *Erleicbterung 
in Besitz , Ebe, Erbrecbt u. s. w. bervorbracbten* Eine 
eben so wichtige Qnelle des PrfttoriscHen Recbfs war 
die Gewobnheit and Observanz, denn Yieles, was im 
Yolksleben langst als licbtig anerkannt, aber nocb nicbt 
sanctionirt worden war, z. £• Umgebnngen des strengen 
CiFilrechts, nabm der Prator auf und schiitzte es gegen 
Willkur, so dass uns die Edikte als ein Organ des ewig 
fortscbreitenden Romiscben Recbts, als eine wabrbafte 
voof iuri9 civilii erscbeinen* Ibre Giiltigkeit berubte 
wabrscbeinlicb aoeb iiur aaf Gewobnbeit and still-^ 
scbweiffender Anerkennaog, sie konnen also ancb in 
dieser Beziebung Gewobnbeitsreebt genannt werden. S* 
Holtius, .oratio de iare praetorio cum apud Rcunanos 
turn apud Anglos ad ins civile supplendam etemendan- 
dam aptissimo, in Annall. Groning. 1820. %\. herausg. 
1822. J. Reddie de edictis PraetQrum* L Getting. 1825 
sucht den Ursprung der Edikte in der altesten Zeit; 
Huscbke ad in cert. auct. magistr. YratisLl829 p. 57 — 65 
in der lex Aebntia. 

2) Eine reicbe Quelle war die schon von Cicero 
sogenannte iurit p^ritorum auctoritat ( Cic. Top. 5. de 
inv. II, 22, oder ius civile im engsten Sinn), der Ein- 
flass der als Staatsmanner, Ricbter und Gelebrten gleich' 
bedeutenden Juristen auf die Gestaltniig des, Recbis. 
Vor Alters ' war die iuris scientia in den Handen der 
Pdester, also der Gescblecbter^ indem ius civile und 
sacrtim auf das Innigste verbunden wa^, ja sie wnrde 
sogar durch die XII Tafeln nicbt allgemeiner, da sowohi 
die dies fasti, als aucb die notbigen Fotmeln und sym- 
boliscben Handlungen , den Plebiejern ganz unbekannt 
waren. Zimniern 1, 1, S. 190. Mitdem zunebmenden 
Ansebn der Plebejer, mit der Trennung der Recbts- 
kenntniss von dem Gottesdienst und dem wacbsenden 
Einfluss des ius gentium blieb die Kenntniss des Recbts 



I 

1 






^ 73 _ 

nicht mehf Eiffentbam d«^ jmtriciiohen Kast^, ramal 
nachdem de^ Plebej^r Flaviusveine Sammlong' der dies 
fosti und legis actiones \iu9 Fiai^ianum) gemacht hatte. 
S. UDten. Die Rechtskunde erhob sich nun, zwar noch 
niebt zn einerWissenschaft, aber zu einem aHgemeilieii 
praktiscben Kenntnisszweig und ibre Bearbeiter htessen 
iuris, periti^ iur^ consmltiy aucb prudentea {veterea oder 
autiqui werden die Juristen der repnblikaniscben Zeit 
genannt, nm sie Ton den PandektenjurUten zu winter* 
sebeideui aucb iurii uuctores bei Cicero. DirksensBei- 
trage zdr Kunde des Rom. Recbts, Leipzig lSi25, 8. 
156 — 188. Cell. V, 19. Cic. de rep, V, 3- Die Pan- 
dekten versteben freilicb unter iuria auctorea Nacb-Au* 
gusteigebe Juristen). £s waren angbsebene Aomer, 
welcbe weder bobe Aemter bekleideten, nocb grosse 
Gelebrsamkeit besassen, sondern es waren Geschaftii* ' 
inanner mit griindlicb^r Kenntniss des ins civile, deren 
TbStigkeit ( urhana militia bei Cic. p. Mur. 9.) Cicero 
als reapondere^ acribere und cavere bezeichnfet /le* 
spondere biess auf besondere Anfragen (consulere ad 
suiquem) Gutacbten geben, welcbes entweder auf dent 
Markt, oder zu bestimmten Stonden im Hause gescbab« ( 
Cic. de or. I, 40. 45. 48. 56. Ill, 33. de leg. 1,3. de i 
oflEL II, 19. p. Mur. 9. Horat. Sat. II, 2, 192. Von dem, 
was die Jnristen festgestellt batten, biess es placuity 
reeeptum eat. F^st. v. receptum. Scribere unifasstVer* 
fertigen^ der Urkonden iiber alterlei Recbtsgescbl^fte, Ab^ 
&88ung von Klagen , Contracten , Testamenten u. s. 'w. 
Cic. ad div. VII, 14. ad Att. XV, 17. de leg. I, 4. 
de or. II, 6. I, 39. Suet. Neron. 32« Plaut. Epidie. II, 
SI, 107. Cavere bedeutet die Fassung von Cautions* 
formularen Cic. ad div. VUi li8. ll> 27. de or. Ill, 5. 
Dieses tbaten ^ vornebmen Rdmiscben Juristen unent- 
geldlich nncf beissen j^a/rojit; advocati nur insofern, als 
aie Ton den Farteien aucb persdnlicb zu Hiilfe gerufen 
iverden. Pf^eudo'^Ascon. ad Cic. in Caetcil. 4. ed. Or. 
104. Den uber sie von Cic. p. Mur. 11 — 13 reicb- 
icb ausgegossenen Spott dtirfen wir nicbt^ ernsllich 
nebmen. 

Einen * eigentlicben recbtswissenscbaftlichen UnVer- 
ricbt gab es in dieser Periode nocb nicbt und die jnn- 
gen Leute bildeten sicb nur dadurcb zu Juristen , dass 
sie bei einem iqris peritos, wenn er vrespondirte, zn- 
horten and sithbierbei sowobl, als bei Abftssung von 



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, — 74' — 

FornttilarM gel#geBdiok beUbrea lit i ti n Cic Brot M^ 
LaeL !• orat 42. de leg. I, 4. ,4e off* II, 13. Zugleioli 
fltudirteo m die XII Tafeln ond das Praioritcbe Edikl. 
Nach and nach wiirde am diesem reinpraktischea Stw- 
diam eine selbatftndige WisaeDschaft (ara) and die Juri* 
ateo stadirtaii Sgraohe und AntiqaitftteB, obgleich ziem- 
Ikb diirftig, namendich nacbcea aie i^r unglSckliche 
Elymolo^en und verf ufaren^ in den geschiektlicnen Nach*- 
richten zu uokridsch. Die Philoaephie d^r Stoiker war 
aach fSr die Juristen sehr einflaaBreieh, jedocb inichc in 
d^m Grade', wie man frnher glaabte. Zinmefn I, 1^ 
S. 232. Holtias Uneam. hist. iur. Rom. p. 191. An 
eiae Sdialdntheilnng war damals nocb aichl; zu deakeo, 
obgleich das i«s nicbt isdten controversum war. Cie. 
ad div. II , 50. 6eU. Xlt, 1). Hieruber ttowobl, als- 
liber die im Anfang noch sehr mangelhaften ' wissen*- 
achafdicben Beark^ungen des Rechts dutch Jurislen, 
ihre Sprach^ u. s. w. s. die folgehde Periode. Was 
aber die regulae iuris betrifft^ so waren sie schon in 
alter Zeit entstanden, als die Jurisprudenz nocb rein 
fomiell und symbolisch war und bezeichoen allgemeioe 
trackeae Regeln iiber Becbtsverbaltiiiss«, welcbe sowoU 
durch das ius scriptnm, als «uch die Juristen entstehen 
konnteo. Za den bekanntesten gehoren nemo pro ^parte 
ieiiaifM, pro parte i«ie9iatu$ fleceidere potest; partu$ 
ancillae non eH m fructu Aabendui; per ea^tnmfom 
personam niiH poieat 4icquiri; omnia iudMa auni ab* 
iolntoria; nemo Hhi ipse eannam posseiaionii mutare 
poieati die regula Caioniana u. a. H&afig sind sie v^n 
den Definitionea und Recbtsspriicbwdrtera kaum z« n»* 
terscheiden, Hugo S«.465. Schilling Bern. S. 130.. Das 
Neueste und Beste F. D. Sanio, de antiqais regiilis iaria 
originem atqi»e progce^ftsum diacipUnae ictorum Bomaao* 
ram optame declafianiibus. Regiom* 1833. II« 

Yon den einzelnen Juristen dieser Periode mogea 
Bur diid beriihmteiten bier Plat^ fiuden. 1) M^bre Ap* 
pii Claudii^ so der Decemvir und sein Ureokel €eiiti«^ 
manus, dessen ActionensammluDg Flavius berausgab* 
2) Tiber. Coruncaniuiy der erste plebejiscbe Pootifei^ 
maximus, 500 d. St., welcher ein grosser Respondent 
und Redner war, Cie. de or. UI,.15. 33* Brut. 14. 
Cato M. 9. de aat. deor. II, 66 Lael. 11. 3) P* vmd 
8. AeUui Paetusj ehm 560 d. St* Der aweiteibeisat 
boi CSic de rep. I, 18 egregie eordtUns. homo Cmtm 



\. 



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^ - -* M ^\ - 

/ 

AeUm $esFt$f$t 4er«iA»e t^lirieli eiii Ftomfairbo pk (iw . 
Aelii«[iiiin ) CU^ ^ l«g« II» 839 «ach comineiiUii ?ii Gie. / 
de or. I) 56, 4) Ihr Zettgen««8e ^ar. i>. Cmeiuy Ali^l 
'mentu9^ ein groiMer Amiqitar (Niebuhr Rdm.^Gl^iBeh. I, 
S. 3.0^) utid Jurist, welcher <lie oflbeio icti ^. o« ac sbciefa, 
9U0)i 4ie l^x Cincia verlRSsle. Zislmtoft I, I, &'&. SM. 
5 ) D#r b^cabmte ami atreiige M. P^rtim Caia , €00 
4' St., war aVa Feldbtrr, Redoer, StaatoniaaD vml JariaC 
gleick angesekefi/ £f achrieb de r^ rustica, origiaaa 
/m s, w. S. ^ehjD9«er uaiveraalhiat Uebera. IL 11. {• ijt^ 
ben and Si4a<* . Die regula Catoniana. ruhrt wahmi skai^- 
Ucb vaa aeinam aU^Jkariat bekanataa Sobti hejr. &) F* 
CumfHfif Seipio Nm^iWy Cato'a Haoptgegacw wm 1 Cao. 
de ar. Ill, 33 g^ruhmt. 7) M\ Mamtim verfaaftta 1 Kairf- 
MQtfaetsfonnalare Varro de r. r*- II, 3t. S. 7. Ciicu 4ft 
repL 1^, 12. 13. Ill, 10 vertbaidKgl er sain Fai^h ^^v'^gen 
allerlei Angriffe* 8^ M. Jumui Brutn^ \md'Cia« Brat. 
34. 6aIL Yli, 1&, XVII, 7. aehr gelobt. 9) Ana < einer 
fktht jttriaii^hea Familia stasiinte P. Muciut ^at^p^la 
Cy% de or.^ I, fO, II, di^^ wahber daa iua potitifii oiam 
abaa aa wla aeia Sob a baarbekele. Seine Bacher wer» 
den Cic. de or* I, 56 erwSlbnt and awal Fragai enla 
findea aich Top^. 4 a. $• Sein ¥on Crasaua ddopt irter 
Bruder L. Cratsu^ MwcimnuM wird aiebt wentger ala 
berabfldter Joriat erwfthni, ehen ao 12^ MuciuBy geti..aniii 
Augur ^ aia aehr einaiebts^<»tter Staatsmaan und da . 
Chraia Cieefto^i Lebrer* Ci^ Brat. 26» da leg. I, 4... p» | 
^belh. 20 a;, s. w^ Er iat einer der Ersten, voa dena ' 
sieb in deai fftedekton Aasziige findea. 10) P. RuU Uiut 
JBfffmf^ atwa 650, eia b^kannler Kriegamann und itttriiUy 
wdkber vjele Jahra im £?dl an "Smyrna lebta, wo. t|ka 
Ckero korte. Cie. Brnt^ 22. p. Balb. II. da rep. I , &. 
it) Mit Qnt^ Muetut Scaevoia (Pondfex maxiraui^), S laha 
.dea Pabl«> ba^at eine naue Bpocbe, denu er 8(b riab . 
eiaa .berabrnte syatematiacha Baarbeitang- dies Rditaist $bea 
Baebts ($us civile geaanat). Acron. ad Hoi-.^epiat.. 11, 
2, 87. Aach w^r-er naoh dea Aagnra Tad €i«Mro'a 
Ltkieir Cie. 6^ m* If 39^ Einer' aeinai kaFiibnMa\8taea 
Sahalet war lift) €..^«^aG)a/fe#, Cieero's^Prfttoriai eber 
College, w-elckar de dolo maIo'foi!inalae^d[>faaaias. wo nm* 
ter entweder FoTHHilaie b^C^^raataa adegRilatkmifana- 
klagen wegen dolaa zu veratehaa isdad^ baiida Aoaiol fatan 
vco^biodet Scbilling Bamerk. S.»i, watt Cic. de ofiL lU, 
14 Baidaa itn SKnoa gekabi hal^n mtiaata. Cfe. p.C laac. ' 



— 76 — 

27. p^. Bslb. SO. Top. 12. Brat 4% Nicht mtt ibm sa 
Terwechielnist 13) AeUus Oalluij wekher ein Werk 
«clirieb de verboram quae ad ios civile pertioelit signi* 
ficaticine Gell. XVI, 3. Yarro de L 1. V, 7. Fest. ^t. tri- 
rbanieiia rogat Seine Frarmente behandelte C. 6.' £• 
' Heimlmch de Ael. GaHo. Lips. 1823. 14) M. TuUiuB 
Cicero ist mehr ein Kenner dee Qechtt, ab ein Reehts-" 
gelebrter, obgleiob ihn Manche als solchen angesehea 
^ wissen woUen, z. E. Schnkinff, Olivier n. A., die be- 

^, ireffenden Streitichriflen sind Zimmern 1, 1, S. 289. Han* 

bold intC. iur. Rom. line^. p. 146/i47.. oidrt. Qninct. 
J. O. XII, 3 , Jf. Tmllius nom modo inter ugendum nun^ 
'guufki est destiiutu» scientia iuris teit. Seine Schriften 
eind ^als Rechtsqaellen von unseh&tzbarem Werth. 15) Serv. 
Sulpidus ilnfus^ Schiiler des AqaiL Galliis and Cicero*8 
TieljrAhriger Freond, anfangs bios Redner, dann auch Jn- 
rist, war noch weit aasgezeichneter, als der letzte Sefi- 
Tola. Seine Yerdienste de lore civili in arteoi redigendo 
virarfen ,gro^si 8. Gell. I, 22. Im Ganzen hinterliess er 
180 Bncher, darunte^ einen Commentar zo den XII Ta- 
feln , za dem Edikt a. 8. w. , woza er grnndliehe Yorstn- 
tlieni^in der Grammatik, namentlich in der Etymologie, 
! ffemacbt hatte. Cic. Brnt. 41. de leg. I, 5. Cic. Briefe an 
I urn. R. Schneider quaegt de ServioSulp.Rafo. Lip. 1834* 
' II. ist eine Tollst&ndige nnd sehr brauchbare SSchrift. 
16) A* Qfiliu9 als gelehrter Jarist genapnt Cic. ad div* 
yil, 21. ad Att XIII, 37. 17) P. Affenui Varu9, einep 
To» Snlpicins zablreichen Scbalern, gab za manclien 
/ , Streitigkeiten ^Yeranlassong. Er war nicbt ans einem 

Schmhniacher Jarist geworden (Acron ad Hor. Sat. I, 3, , 
130 ), wie scboa Wiehnd in der Uebersetzung des Horaz. 
I, i$. 118 nachgewiesen hat, vor Kurzem erst J. A. v. 
Eyk de P. Alf. Yaro. Lagd. B. 1831. -^ Hor. Sat. II, 1 unter- 
iledot er sich mit dem Dichter. S. Wielands Anmerk. 
' 18)' C Trebatiui Testa, an welchen Cicero, seine Topik 
richtete (s. aach ad div. YII, 5. 7— '22.) schrieb nach 
Porjphyr. za Horat. Sat. II, 1. de iare civili. EineEhren- 
rettung desselben enth§lt ein Eisenacher Scholprogramm 
Ton Eckbard , C. Treb. T. a maligna iocornili interpreta- 
tion e, qaibas Cicero cam eo agit, Tindicatas. 1792. 
Zim;mern 1, 1. S. 289. 19) A.' Caicefliui darch seinen 
repi iblikanischen Geist and gate Witze (benedicta) be- 
kaniit. YolistSndig ist die Abbandlnnff TOn E.H.Lage- 
mana de A. Caac. Lagd«B^ 1823. 20; Q. IWftero, An- 



/ 



\ 



»-*- 77 •*-«- 

« 

kttffer det ven, Cicero vertheMigteii Ligaria«. Qaitict. 
J. O. X; 1, 3. XI, 1, 80. XJe^jHgens ist er mit einem 
fruheren Tuber o akht za vwwoGhaeln , s» Zimm^rn I, 
1. S. 283. 301. 

Genauere Aaskanfit geben die von Zimraern I, I9 
S. 263 uDd 264 und Haobold inst. inris Rem. lineam. 
pag. 143 ff. citirten Schrlften tand Zimmern selbst S. 
264—305. Auch Bachii hist. ftur. Rom. p; 242.-r-269« 
and (1. L. Neuber , die jurist Classlker ( nur 9 ) , ein 
Beitrag zur , civil. Siographie. I. Berlin 1806. Die von 
Cicero genannten Juristen lindem sich beiZimmem, aucb 
in Ernesd elavis Ciceron. steiuiich- voUsl&ndig* 

* 

B. Quqlleii der Rechtswissenschaft. 

L Geaetz^ebung. Von VolkibetcAlUssen haben 
sich folgende erhalten: 1) Le^^ Servilia repeiundarum^ 
gegeben 648 — 654, deren Fragmente sich in Neapel 
nnd Wien befinden. Einige Tbeile roach te. zoerst 8i- 

fonios in seinem Werk de iudiciis bekannt II, c. 3T* 
tonon. 1574; worauf Ant. Augusfinus de legibns. et 
Sconsultis Rom. 1584 das Vorhandene vervollstftn^igte 
nnd von Nenem abdrucken liess. Eine treftlicfae Aus^ 
g$ibe mit nener GoUdtion nnd Anordnung ist von C. A. 
Klenze erschienen, fragmenta legis i^erviliae rep. pri- 
mnm conittnx. rest. ill. Berol. 1825, ivelcher im Ganzen 
Hanbold g^folgt^ ist in monnm. legaKa ed. Spangenberg 
p. 22 — 69. AnlF der andern Seite dieser Tafeln ist die 
ieJ7 Tkoria AgruHa^ gegeben 647 d. St., aber erst nach 
Yoliendnng der lex Servilia hinzngesehrieben vrorden. 
Haubold monum. p. 10 — 21 gab sie in neuer Anord* 
nung heraus, indem Ursinus die einzelnen Fragmente 
merkwurdig ^orch einander geworfen hatte. Gute Sup* 

{lemente zu einigen Stiicken Sigonius de inre Italiae 
I, 2. 3) Tabula Hetachenns^ 664 — 680 d. St. abge- 
fasst, ist eine metldleneTafel, vrelche 1734fragmentarisch 
bei Heraolea gefunden worde, nnd jetzt im Herculani-' 
zbhen Museum aufbewahrt wird , wohin auch ein Stiiek 
slangte, virelches lange Zeic in England gewesen war. 
lie enthSd^ Verffignngen uber die Polizei in Rom und 
nber die Italisehe Municipal verfassung, vielleicM war 
sie ein gemeinsames Monicipalgesetz fur alleLandsfftdle; 
dass sie aber die Gesetze eiKthalten h&tte, dnreh deren 
Annabme die Stftdte fondi mit Rdm. BUrgerrecht gi»- 



,f 



— 78 — 

wordM w'i«M» te MtlMnsdfcbi nMrt tawmekHteD, ilMit 
4aft bfltte ausdriiekljcfb fl fMgt aeyn miuMii. Yerschiedene 
ilnngaben depbeidon/ ff uh«r getreilalfQ Fragmenle ^nd 
e^schienen, auch von H . E. Dirksen in civflist« Abhinid^ 
Imgen 11 ,« S. 144—^23 (di« Englische ililfte) und ob- 
«ervaU. ad tabiibHi HeracU parlem alleram Beroj.>J817 
(die >keapoli(aai8«ire)^ ve rbuiiid<eil warden we zuet$t vm 
A^'^. i/ba^hifm, Cofnmtfiit. in Re^« Hercul. miisei 
Mneas tabolas. IS. Nefipo}, 17M« 55, herausgegebes) 
4ai)n ipon 6. Cbig0 in Ci viL Magaou HI, S. 340—88 lait 
demsclyiv Uebef setauAg, bierauf ven 6. T. L. Mara«#Il 
in fragm, legi» Rpnu UlL 6oUing« 1816^ endltch vod 
Haubold in monum. leg* p. 98 — 133. 4) Lea: Galliae 
Cifalpinae oder fea: Buoria (in Partna), gegeben nach 705 
d. St., nad^ Dirksen erstna.cb 713, einemetaneneTafel 1760 
in V^lej» ffefuoden y weiche eine Prozessardnimg Gal- 
liana anUittli, weleb^# friiher Provios war^ jelxl afaer 
-ein Theil Itaiiens* Sie orschien ziierst 1788 vfoi^ J. R« 
Carliy in DenCSicbland von Dirksen, observant. a4 Seleeta 
Ugia GalMae Ci^alp* oapita. BeroL 1812^ von Hugo im 
eiviL Magaa* 11^ Sv 431* — 496 inii Uebenrecarung vttd 
AniMrkuogen ,. suletst von^ P« de Latna. Pbrna 1820^$ 
and voA Haubold rooniini* leg. p.444-^15'7ii S.Haacbke^ 
de aetMHiara fanftaMa en l^ge Robria^ Vratialai^^ 1832. 

Von Senatsschliiss^H iatdas Sen&in$e9n9ulium di 
BacekmaUbuSi 566 d. St, vriebtig. Vgl. Liv. XXXIX« 
8---19* Hailbold monam. iiog^ p. 5^— 7. Pdmpoiua wottte 
4i6 Geaetso' sammeln bidorir opig. V, 1 , dock hidev 
kam dieaep Plan- ebon "SO' iveoig aur Auafiihrung^. dk dot! 
C&Nirs^ die RecbtsqueUeo an bearbeiten and nen wuseo^ 
ordMA Tac. Ann. Ill, 25 — !28« Suet. Caes* 44. Li v. Ill, 34* 

IL Ueber die nOoh vdriuHMteQenFragmentedfiB£€ftA/a 
a* ki der nacbaten Periode. . ^ ' 

IIL. Jtuti9ti0ch£ BUcker. Die lilteaten wart^ 
gewiss idcbt viel mahr, . ala» Foradtklaraaminlungen^. ad 
dfew M9 A. St eraoheiMa^e iH$, Flavianumj welobisa dei^ 
plebejsache Schreiber des App* Glaadtua avm; grosaoiri 
Aettger der Patrieier hetaaagab. Liv*.IX, 46; Cim p. 
Mqa 11. ad Att VI) 1. Niebuhr R. G. )iiv S.^ 369' f. 
SchiUing Banierfa. S. 1'24v Daa im AeUanum etrwftlMe 
€io^ del teg, II^ 23, uber ucUoMs MantiH a; oben, vbdfr 
ooHoiMSf UMiUi Cio. de dr. I^ 57. 58.. , Etna Fragment 
aamadung aolcber Jiiriat0ii| welabe nioht-in dier Juatinian^ 
a^n CoaifMlailon ateheh., bat DtdcaM varanataltet. 



— 79 -^ 



- ^ 



Ba»lmlSdEe ans de» 8ieliii&m der Rdiii» /oriHMK Kd- 
Higsiyerg 1814; die briJ^nstinkui vorkomneiidcft haf Hem^ 
mU nmoHt ihrea Fiag meatett au%eneniineii m s. palia* 
gsnesia iiiris. -. 



Dritte.Periade. 

Von Augustus^ Ms Diocletia§ma. 

X. AeehtsqiiielleR. 

I^ Ge9€t%gehung. 

1) Das VolK verliert seine geset^gebende Gewalt, 
'jedoch nichi; durc& ein Gesetz, sondern nach und nach, 

deaii: as kommen im Aafaag der Katsenregier ung immer 
Boeh ^liTairechdidb^ Volksschlosse vor. Dagegeft er* 
weiteM . v* . 

2) dar SeneEt seine legislalive Befngpiss^ abgleidi £e 
Seoatsconaalte sebr hatt% von den iwaisern varanlasal 
(qaaestoriseeatio) oder nor formelie Bestatigang dec ka** 
serliehenllex waren. Sie^ Jcommen seit Ajtgast outer diHtt 
Namen der Consaln (Scons. Silanianum.; VelleiailiiTa)* 
ede/dea vorschlagendjen Kaisers vor (daudiaaam, Ner<H 
ntaauiii), & SchilTiags Bem, & 349 ff.- Haufig wird> dei^ 
SeaatsiMBschluss mit der vorschlagenden. oratio verwech* 
sdt and diese sogar in £r£ eingegraben Pliuk ep. VIII, .6* 
Tac. Ann. XI, 24; ja ea fallen zm^eiien die Beschliisser 
mit derrkaiserKchen lex und dem Edikt zusammen* Dean 
iadieaerPemordeeiisobeiat neeh eine nane Quelle, naialieh 

3) die- kaiserlpehe Gje^etzgebung' oiet c^naitiutienep. 
prtMeymm^ welcbe aieht etwa eine Folge dec leglslaliveib 
Macht des Kaisens, sonderoi. seiner negativen Gewall 
waren 9 v^moga der er aUe Basclllusse des Magistratapr 
panione» iar ungiilttg erkl&fan und. etwas> Besserea iuh 
ihxe^St^le setaen kanntak Da das kaisariicfaeiYeto lebmsVt 
laag dauarte, so masate es. vpik grosser fiedentniifp »^yn^ 
and dicr kaisarliche Geselttaebun^g wurde iaimer* dareh- 
grei$BBidery zlami^ da.sie sich durdllieiebtigkeifc derFas-^ 
saag i^od' Anwendnng einpfahl. Sie eiaobeint aBl«tr 
folgenden Namen: 

a) eddatii priudfif^- aUgemeine legislative. Verord- 
noogeit,. wakbe. aiifaogs.eeken^ spfttc» immer 
voskaiiMii.; 



^— V 



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— 80 



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/ 



b) refcriptii, atich Uiierae genanm fanaloff den akfin 
retpon^a der Jarigten)) ErklSrangen aui einseine Anfia- 
ffien aber strittiges Becht, namentlich wenn Beamle tfn- 
fragten , welche fiber des Kaisers Ansicht in Zweifel 
schwebten, z. E. PUdm welcherin s* BriefenB.X« Traja^ 
nische Bescripte mittheilt; 

c) decreia^ kaiseVliche Entscheidangen in zweifel- 
haften BechtefdUen , welche an den Kaiser als hdchste 
InstansQ gelangt waren; 

d) mandata^ Instrnktionen an die Beamte9» welche 
erst allmSlig Gesetzeskraft erhielten. Die Ausfertignng 
der Constitutienen besorgte das S* 62 erw&hnte consi- 
storihm principis* 

IL Edicjtum' Praetydrum* 

Die friiher allgemein geltende Ansicht, dasf diese 
Controle des Gewohnlieitsrechts nur bis auf Hadrian fort- 
bestanden babe, indem dieser darch Salvias Julianas ein 
von nun an unver&nderliches Edikt als Form der neuen 
kaiserlicben Geset^gebung unter dem Namen edtctum 
perpetuum babe publiciren lassen , ist erst darch Hago's 
grandliche Untersuchungen beseitigt worden. Hago R. R. 
b. 796 if* Jener Irrthum^ wird dunch keihen der alten 
Schriftsteller besteltifft, welche aueh nach Hadrian aos- 
fiihrlicb davon sprecnen (Gai. I, 6) , so da^s wir an dem 
Fortbeste|;ien des veranderlichen , sich von Jahr zn Jabr 
fortentwickelnden Edikts nicht zweifeln diirfen, dean 
jionst h&tte ja mit Hadrian das Romische Reeht>stiILge- 
4.8(tanden , was doch nicht der Fall war. Wi^irsdbeinlich 
^at die falsch verstandene Bedeutung des Worts edictum. 
perpetuum (d* h. annudms. oben S. 70) Veranlassung zu 
der sonderbaren Idee gegeben, oder weil Hadrian an der, 
Arbeit Julians, welcher das^'Edikf genau revidirt and 
wissehschaftlich redigirt haben mag (es heisst wenigstens 
eompoiiiio edicti ntid perpetui edicti tubtUwimut con* 
ditor) Antheil genommen haUe, oder weil spftter dieVer- 
ILnderangen weniger bedeutend ffewesen seyn mdgen 
«. dgL m. Hago U. G. S. 798 ff. rioch ist zu beraerken>. 
dass die iiber das Edikt spHter erscheinenden Sehriften 
etna fast grdissere Autoritllt erhielten, als die Quelle selbst. 
Zimmern I^ 1, S. 130 if. ^ ^ , 

ni. Jus civile im speziellsten Sinn oder Einfluss der 
Juristen auf das Recht. Die Stellung der Juristen, welche 
sich darch ihre Sehriften and responsa am Schkisae dmr- 



— 81 7- 

vprigen Periode za einjer b^sondern Classe aiMgebildtt 
batten, ist jetzt ungleich angesehener und einflussreicbery 
als friiber, da sich die bedeatendsten Manner diesen Stu* 
dien zuwandten, was aus folgenden Grunden gescbab; 
1) Der juristische Stand war fast der einzige, vermittelst 
welcben man emporkommen, ja sogar eine Stelle im 
kaiserlichen Consiatoriuin erhalten konnte, denn die alte 
republikanische Beredtsamkeit war verstumuit und ver- 
dachtikte mehr, als dass sie enipfahL Tac. de causs. 
corr. eloq. 28. 2) Ihr Ansehn stieg sehr durch die neae 
Bedeutang, welche die responsa dutch Augusts Yer* 
ordnung gewannen, dass bei strittigen Recbtsfragen die 
responsa der vornehmen Juristeii vor Gericht Gesetzen 
gleich gelten sqllten , obgleicb sie nicht immer von An- 
gabe der GriUide begleitet waren. Gell. IV, 2. Sen. epi* 
94. Zimmern I, S. 204, (Sie waren von jetzt an gewohn* 
licb versiegelt.) — Lex 2 God. §. 47. de orig. ' PrimuM 
Augu9tu9 constituity ut ex eim aucioriiate responded 
rent 9 et ex illo tempore peti hoc pro benejicio eoepit» 
Gai. Inst. I, 7. Responsa prudentium sunt sententiae et 
opiniones eorum, ambus permissum est iura^ condere. 
(Docb ist darunter Iceine collegiaiiscbe Behorde zn ver* 
stehen, sondern es scheint, als batten die Juristen, um 
jene Gutacbten geben zu.konnen, nacbsucben miissen, 
unter die Zabl der patentirten oder privilegirten Juri- 
sten aufgenommen zu werden); quorum omnium si in 
unum sententiae concurrant, id quod ita sentiunt legis 
vicem obtinet; si vero dissentiunty iudici licet quam 
velit sententiam sequiy idque rescripto divi Haariani 
significatur. Der Sinn dieser Hadrian*scben Verordnung , 
ist sdso, dass je mebr gUnstige' Gutacbten eine Partei, 
beibringen konne, der Kicbter desto fester verbonden* 
sey, fur sie zu entscheideh, wabrend er, wenn die An- 
sichten der Juristen getbeilt seyen, seiner eignen Ansicbt 
folgen diirfe. Statt der von den Juristen personlicb ein- 

Sebolten responsa wurde bei der wacbsenden Literatur 
ieses Standes bald nur auf die betreffeqden Stellen 
ibrer Scbriften verwiesen, welcbe dieselbe Autorit&t bat- 
ten. Nocb andere Griinde gesellten sicb binzu, welcbe 
die jnristiscben Studien beleben mussten, nftmlich 3) weil 
sicb ini Romiscben Reebt so yieles Alte erbalten batte, 
wurden die alten acbten Homer leicht darauf ningefiibrt^ 
sich mit jenen ehrwiirdigen Ueberresten za beschftftigen 



. — 82 — , 

f . 

4) Dieiife Stamen wtireh liogar dtlrehaai nothw^ndig, iri^ 
die Meist^h hicfit lAi Standi waren , die QtieiUeti ohhtf 

S' ndttiflche EtkisLrtknffen bnd B^arbeitungen ztl reiistcft^ii 
nd AHtaifrinideti. Sd kmii M,- dasfit Mdfa tid^ tiidBtiM 
MSnil(0r ^em Rechi tu^kndtdfl ntld isich nm d^ssen m- 
irb^itang die hdcbftten VerdMnsM. ei*wdtb(e6, inA^iu tder 
tint selten^m Cleschick die alten dAd n^aeq Gt^lrefie i^ttr- 
legten uad etklstrteti (dehii die ffi^dstfe Klarheit MtA 
Sl^arfsinti iifkt ibr Eigettthnm) , tind das Mdhgdh&fte litlt 
deit strengsteti Cotrsequfebi rei^besserten. Die Eeit ihrer 
< Ii5ebsieti filathie fHIlt in das 2weite itnd diritte Jahfhiin- 
dert^ denii bald datatif vfsrfiel diesei^ frfibbr so lielbst^n* 
di^ Sttididm in geisdose Compilation uhd die Gesitz- 
gebuhg blieb allein 'tbSLHg, bis ih der nachsten Periode 
Mn taener ^bbr Tornbergeb^nd^lr Glanc dife Jurisien mh- 

IKe Zabl der jdristiscbeii Bucher t?ar ^oss, nnd 
ti9Vt b^Standen sie vorsilslieh ans Cottimentaren 3ber 
Alte latid ttene Gesetzd jeder Alt, fiber das Edikt mid 
andtere Jutisten, aus so^nannten regnlae, iresponsa^ 
Rechtssystemen u. s. w. Zimmern 1 , 1 , S. 209. Btigo 
S. 843 ff. i)eir Siyl War ^n den Zeiten der Repttblik 
ganz torttefflich, zn Ahfotig der Kaiserzeit "bis AUf die 
Antonine immer nocli vorzuglich, danh aber nimmt et 
die fibfen Eigenschaften der sinkenden LatitiitSt ab, ob- 

S' leich der Gfacismen , Nacfal&ssigkeiten eic. iti ai^dem 
iefariften mMti^t tioch tn^hr seyii tnocbteir. tiago S. 8!26. 
ScbiUiag S. S44 tf. Dife Kunstsprack^ wird iitttHlfer Yeir 
. eher, Welcb^ zu Cicero*s £eit noch sehr durftig gewesen 
WaV , und was die W^artitellmng betriffc , so beftiferkte 
Hugo im civil. Maga^. V, S. 29)— 318, da^s dad Wort 

S' ewbbnlith Torausgebe, welches den darauf folgWnden 
tegriff geOan bestiihiae , Wie legis aii^tiO , boiloftifti pos- 
sessib , In integrum restitutio ti. s. w. Dobh \^A sieh 
ein ednseqi^enter Sprachgebratlch nicht idtenthalben tiach* 
WeUeh. Schilling S. 404. 

ft. QUistten dsr Rechfswissettscli&lt. 

i) des Volki, iihter denen kx Papia Poppaea, 762 
d« Si. Ton August vorgeschlagen, von der grSssten Wich- 



» — 



ti|pMi« iowiDbl f&r iM Bk^ ife Ef W^lit Imu Iht •!»* 
gnisflieMft EbeIofligk«it xa steneni) wordMi IBr dl# L#r 
dfeen 8traf«o, ffir die, welcbe m^hre Kinder b«MurBm, 
Fivriieglefi antgetetaet anil xngleicfa strenge Standeflve^' 
iiiiMlieii dte Eheni anbefohlen. Kein Ebeloger 'srif^ 
EfWdMften antreten dfirfen, ein as war Teribcimtbecer 
aler Kkudevlogcnr ftolle nur dieHftlfto derselbeii erbalteit 
n* 0. w« Die letztere Bestimmnhg erbielc . skb bis JmA* 
nrbmii»t -Wghtend die €nt^ anter ConstaiMin iiir End^ 
Ofeichte* ' Urn die WiederberKtellang und BeafbeiiOB# 
dieecKT kx nMcble sieh GhMbofredas in seitieir qamnot 
footee eett ^rerdient, weit m^r aber Heinecdhia, fragm* 
legiii ^Mtoe et Papiae tmne primum eolh rest. iH# 
IMdelb* 16t7. Baeb. bke. i«r. p. 320— -347. Das Ge-^ 
nmtme %her diese lex n. a., wie Falcidlfei, Aelia Senda^ 
Fttsla Caitinla etc* s. im Privatpeobu 

2) d^ Sknati* Yon den •Seaatseonsulleii slad kider 
iMRf neirii sebr vtibedettteode Fragmente ftbrlg. Das be* 
kaiertilo cto Impefie Yegpasiani^ welebes anf dem Capifo* 
Ham anttil) hat L« Metastaslos heraasgeg'. fbiaa 17&7. 
HadMd moiiimt. legadiai p« 221 — 223. 

S) ife» Kmiier^ Auch htqii diesea Gesetaea isl »av 
wenigei aoidk fibrig, wekbes Huge S. 748<--794 Wit 
deft Y^Hcs- Qftd SeaatsscblOssen aatermisdit gesammelt 
bat; L9br die CenstitatioDeii der Kaiser voa Const, bis 
Joat. M^etzkr i^ll. etithdit ein sammarifiebes Inhaltsvers. 
im 4tt ideft codd« enfbaltenen Const 

4) JBdtefum Praelanm. Die Pandebtea sind reiek 
an Fraffmenten iles Edikts , aus welchen Ranebinos Paris 
1597 eiae Restitution versochte. Gothofredus steUte in 
s. qnatuor fontes nar eine Anordnung auf, Wieling aber 
sammelte alle Brnchstiicke in fragm. edicti perp. franeq. 
1733, nnd auch Heineccias iing an zu restituiren s; 
efifise. Msfili* 1774. Den aeaestenYergneh batC.G. L. 
AeWe)4ie gemaebt in libri III edicti s. de origins falls* 
^ae iaris^raidefitiae Rom. praeeertim edietoram praetoHs 
ae de forma edioti f^rpetsL CetL 1821* Baubolde Be«/ 
«ikiingetl ma 4s» Edilct Sb in Hugo tirSL Mag. B, & 
1»8 A iM«it«. fttt. p; 831. 

jfj*^ Juvisti^ehe Litermtur. 

Ufl«er Aogaetos bMsten sicfa zwdi Mtreantitf Sebaien 
deyJurisiMh trcdebe Pi-9<w/i^fi)Rr and MMMiM^r Uespeni 

6» 



— 8* — 

9 

^ 

Jene ■tammten ron Q,. Atiiiitiui Labeo ab, eiiiemMdir 
gelehrten Mann and altem Repnblikaner, welcher unter 
Tiberins starb und 406^iicher hinterliegs (Zimmem I,. 
S. 306 S.)j Brhielten aber ihren^ Nainen von Sempronius 
Proculufj dessen drittem Nachfolger, und zSblten iinter 
ihren Mitgliedern folgende.bejruhmte Manner: NerMiur 
Priicui (Zimmern I, S. 325), T. Ari$to (Zimmern I,/ 
S. 328 f. J. J. Enschede de T. Aristone Lugd. 1829 mit 
•iner voUstHndigen Fragmentensammlang) u. A« s. Zim- ' 
mern an den a. Ort. Die Sabinianer stammten Von 
Atejui Capita y einem AnhSnger des monarehisehen 
Princips, dessen Schiiler Masiuriui Salium der Sekte 
ihren Namen gab (Zimmern I, S. 307. 312 ffl), and habeft 
ebenfalls mehre sehr angesehene Milglieder, JavolenuM 
* Pr£$cuf (Zimmern 1, S. 323. 326 ff.) a. A. Ob diese 
' Schalen Terschiedenen Principien huldigten oder mehr 
durch persbnliche ControTersen getrennt waren, ist.sehr 
Bchwer zu entscheiden* Fur erstere Ansicht spraeh sich 
pirksen aus in s. BeitrSgen zar Kande des Rom. Rechts^ 
& 1 — 158, indem er behanptete, dass die S^inianer^ 
mit einseitiger Strenge an aen Buchstaben det ponti- 
ven Rechti gehalten batten u. 8« w., die Proculianer 
hsLtten der Spekulation freien Spielraum gelassen and 
UheraU airf die ratio jeder Oesetzvorfchfift gtithen^ 
seken zur Billjgkeit ihre Znflucht nehmend a.8«w. Zim- 
merp I, S. 236 ff. Diese Schulen erhielten sich langa 
Zeit, da sie Gains ausdriicklich erwahnt, obgleich giai 
auch andererseits nicht se lange dauerten, als einige 
Gejehrte v^ollen. 

Nach Hadrian werde^ funf Juristen vor alien, An* 
dern vorgezogen, von denen die vier ersten wahrhaft 
aa%ezeicnnet sind. £s sind folgende: 

1) Gaiui. Dieser wichtige, leider aber in seinea 
sonstigen Yerhaltnldsen sehr unbekannte Mann lebte 
unter beiden Antoninen und hiess wahrscheinUch GaiUM. 
(nicht Caiui)j wofiir auch Quint. J. O. I, 7, 28 spridit 
qttidf quae serihuntur aiiter quam enuntiantur? nam 
ei Gaiuf C littera notatur, nee Gneus earn litteram in 
praenominis not a accipit qua $onat'<, was Schneider ia 
der Blementarlehre der lat. Sprache S. 233 richtig so 
erkl&rt, dass :Gains als Nomen mit G, als Prfinomen mit 
C (sschrieben werde. Dittmar de nomine, netate, studiia 



- 85 - 

I 

«• Wttiptit Gail.. Lipt« iS!20. rHufo im chriL Mig; 11^ 
& .3ft6»-- 3^^ ^y Cajas eio Zci^nesse Caracallas M .(Mh^ 
HMUher). Seia Hanptwark imtiiuttonei ««rt# /toaiaii^ 
«ia Lehrbvohd^s.Rechts, handelt.im ersten Back ttif 
fermmarum ab,' !iin xweitea und dritien iu9 rernm 
(Saehen-Erb-Obligalionenrecht), im vierten ins ad^ta- 
iNMi*(Klagen iind Proaess) und ist an Staff nngemein 
wmAk^. wittirend fa in Beaiehiuig* auf seine Form etwfia 
4iinickittfllitL - Diesea Buch wurd& sehr stark benotzt un4 
laa; aowoU JustiniaBa Institntionen, als dem Weslgothi* 
aonaar G«Batabuek.zii Grimde. t. Loon coUatio Inst« Just, 
•da Gail Inat* Groning. 1823. v. Swinderen coUatio Inst 
Just, cum Gaii Inst., eine Groninger Preisschrift in den 
Annalen der Univers* 1822. Uiit die Entdeckang dieses 
aac^ filr tuns so wichtigen Bucks bat Niebuhr das ersta 
Yerdienst, indem er von einem auf der Bibliothek am 
Yerona ga&indenen Palimpsest einige Excerpte nacb' 
Berlin scnidkte^ woruber SaTigny in s. Zeitschrift III, 
S. .129 — 172. referirte. Schon diese wenigen BIfttter 
deateten fciuf den uater den Briefen des beil. Hieronymus 
Tecborgenen Gains hfti, so dass Gdschen und Betbinami- 
HoUweg sich nach Yerona begaben und die gtossts MQhe 
auf Lesbarmachungder 129Pergamentblatter verwandten, 
aoa'deneh das Manuscript besteht. Goeschen praef. Gaii 
p. YtU^XYUI. (Geschichte der Entdeckung). XIX~ 
jLXYin. (Basdireibung des Codex). 200 Seiten wurden 
lesbar f^emacht, 50 sind fast nicht zu entziffern, und 
auab Mtune, vrelcker sicb too Neuera nacb Yerona be- 
gab und in den andern Thnlen eine sehr dankenswertbe 
Ausbeute lieferte, konnte hier nichts zu Tage fordern. 
fioBcbens Editio-pri beeps, welche mit einer noch nie 
geseheneii diplouiatischen Genauigkeit abgefiEisst ist, er- 
acliien 1824 znm zweitenmal, von vielen trefflichen Re* 
i^tntionaversueben begleitet. ' Eine tiichtige Ausgabe 
■besorgten Klenze und Bocking, Justinians und Gains 
Ilistitutioneh neben einander stellend. Berol. 1829. 
Heffier gab das vierte Baoh beraiis Inst comm.IVusReCy 
rest.,.flnnott« perp. bbrumqne observatt.^ adiec. BeroL 
1827. 74 & Text, 118.S. wichtig^r Observatt uberden 
Prozess. Ueber denselben Gegenstand verbrejtete sich 
Torlier E. Diqpont) iquasnam debeamus Gain circa ius 
aetidnam, -^:notittaB;' eine Preisschrift der Universitttt 
Liiticky itt den An^^en ders. v. J. 1822. Aiidera Ba- 



\ 



y 



}' 

— - fl6 



dnnMa von E. ^hM SdviliMi jram Q^Smu Ifeffai 
1821. E^S-fifinkiMMi mIm nbitaa. ad Gmc» SdMric 
Ift^i. Hubold, ynt— ftwIiM <ocpeaft inrigp>niUlii| 
fisnw e Ciati loatitt. in Opasd i led. Wesek p. €6& ff. 
W«wk |m£ ^ag. LVH mil literadMhen ^eU^ 



^ AtmiliuM PwifimiauMM A^wk SjiJes !^ 
fifipliiii. Saversa,- iron CameattB Uageriofatec) igt 
d^iknte aHar Bdfltitcben Juristea, van dtisen taht ;BaU- 
aeidiM tBchnfibea leUcr mtr aoak ' iveai|^ Cdragaiiwaa 
ahrig aiail , ttwlohia Bu^s ^ladankenmebdiBaM; wagaai 
adiwer an v c raiehcn sind. Die Beopoaan war waam 
mchligstefi Wer k. 

^ 3) Dom4tiu9 Vlpdanms (ans%rienf), ^elUdtt 
dor groaste llieoretH^ar voter den Romifidiaii Jnriaica^ 
ran desson fiokrifken ein kleines Wefkolien itimti ew 
corpore Vipiani (TwUeidrt aas dem iiber ciagalaciB ro- 
gahriun ab^vleitea, wie aaefa A. Sebilling Irirauptat 4fc 
lUpiaAi fragin. Vratifllay. 1824. II. and wiederiMikJn.flL 
Bemerkongen S. 361 gegea Hugo's Amicfat) ifor ana 
vmtk dcr tgrdsstea Wiehligkeit iat £s oadiilt 99 SWl, 
iron denen 1 — 18 ios pefaoanram onil die ISh^ i^L If 
das Saohenreeht, lit. 2(1—29 das £rbr^cb: amfawim iudl 
lit in jeder Hiaaiokl; anageoeicfanet. Zwar nimantOMa 
in Seaiehnog auf den Stoff «inen hokercn Plata k\fi^ 
dagegen in der fipradbe ist Ojdan wegoo Clasrfaltlt 
and grosser Pracision bei weitem vorzuaiokflau 2iwol 
Manaa<)ripte, tod ^^elohen sehoa 1549 Awei .AiBcaiihwa 
dieses Bdofalrtns besocgt burden , atamnen, wte ilogio 
bewieaen bat, aas deu Vaticanisdien Codex! ( Hngd im 
civlL Magas. IV, 8. 112-*-132« 359---4Qr. Gaaokaai ^iai 
Sovig^'a ZeHadirift iy,xfi. 112— 132), weldbea Hago 
mh einem geaauen Facsimile abdcsH^en liass. 463diaiBm 
fottfteii mat Scfaulttags A. in der Jufispaad. iai <i(fif^ 
des vektben Comraentars yon Werth. Die abrigen Stlanli- 
lea Ulfians s. Ztmmem I, S. ^71. Hugo S. d92'^MML 
Tgl. aocfa Scfaimng. animadv. crit. ad IJlp. fr« apt l«^ll» 
L. 1S30. ff. G. F. Hdimback uber Ulp. .Eragai. • ow 
krk. Vers. L. 4634./ neue Annchten fiber dte Maa. 
oadialtond. 

4) Jul. JPauiut one Padua, <di^ yorigan SZaksaaMso 
ttHlor Soptf in. ^eveaas bis Alex. Seieama, iot duma rficter 
b^ 4»d Dunkdtbait gkach (bakannt Cator aaiod^MUr 



N 



\ 

/ 



- ^ - 

Schriften (ZinmierD I,-S. 374) ■iad die r€C^Btm0 
gentetUiae^ d. i. entschiedene Recbtsullley iiber die Kein 
Zweifel obwaltet, Bm bedeutendsten. Hugo gab sie 
lieraas and hitt kinder Vorr^de J alle Bearbeitungen and 
Aosgaben der jnrittisehen Schriften jener Zeit re^^psin. 
Bexfin 17%. B.i&»vfi:£8f^«tt; •eoeni ' Ajii««ba Ton 
Arendg* Bonn 1833. und daia eine Varianten - Samm- 
lang Ton 6. H&neL ib. 183^* 

5) Herenn. Modeitinui^ Ulpiani Sehiiler, der Un- 
bedeatendi|t# i^ di^ I^WP^ Uk 4m Peiia4^ dee daaai- 
■chen PandektenrecfaU. 

» ■* 

)p 4i«ll^ Zi»t gefeorep weimoMr^i^ SfobrifiM, 1) 4$ 
im0jim9 ^^V^ ^oe* grd«s«rro Bivshf , TiAlkichl raa 
P«idw« wieHugo yermiirtM^t. |t. ii, S* 96 1. XlagegM 

ma9mlm$ifi9^0f 9 w/^lchei^ SefaiUing anlejtz^ JberaMgab 
Lifi. 1819 !• i]o4 den DoHthemn fiir, den Vef&«aar nialf 
in 408»e«i 4'itteiiii fiiv^I^ e$ ^n^b Ed. Backing » fionn 
183^2. ^ 39 r-T 64. laieinwcb wai grieobi&cli JbmNwgab. 
Alias Vor^i^jtiniwiiic^e ist in den oben erwftbnien 
SanMQlungpn Hugo's uod der Banner Proff. m ^den* 
£inige l^emerkk. von 65schen in Savigny'a Z^it3|fibfUt 
li^ S.i248ff. ^ 

HI* Urkunden vqn RechifgefckHfteu. 

. Eip interessanter ,l5eberrest ist die zu Parnia be- 
fi^;idl}|(ihe tabula ^raiani alimentar^ia oder ohtigatio frae* 
diorum^ d^ Instru^ient einer milden Siiftui^g fiir !^1 
Kinder, wcncfhe inren Unterhalt diirch eine Art %x]}if^j^ 
ausgesetzt erhielten. Die erste Ausgabe erschien von 
L. A. Mnrateiii 1749, die leUte von P. de Lama, Parma 
jl819, welche&pangen^rg in t^bb* negotaoH. p. 307 -'^8 
wieder abgedruckt hat. 



« • 



_ 88 — 

J 1 \ I 

I 

Vierte Period e..: 

V&n Dioehtiamts Ms Jmtmians 

A. RiBchtsqueUen. . 

i. For Juttiniuns^ Begierung* - 

Die bish^rigen Rechtsquellen , Gesetze des Volksy 
des Senats uhd der Kaiser nebst dem Gewohnheitgrech^ 
welckeg durch gerichtliche Praxis gebildet wurde,,d0im 
das edictum Praetorum war schon in der Torigen Perlode 
weit'inehr in die Reihe der eigentlichen Gesetzgebnitg 
eingelreten^ galten der Theoi^e nach noch s&mintlich^ 
praktisch aber warden nnr die kaiserlichen Constitatio* 
nen and die jnristischen Sohriften (ius civile)) welehe di» 
Bea^rbeitnngen des Recbts enthielten, angewandt, wabrend 
die iibrigen antiquirt and wenig bekannt wareo.' 

1) pie Kaiserlichen Gesetze (vorziiglich in ]Foriii 
der.edicta gekleidet) warden vorzu^weise leget ge^ 
naniit) da der Kaiser fast das einzige Orgaii der Gesetz- 
gebunff war. Die Zasammenstellung dieser zerstreuten 
VerordnungeQ warde imifier. mebr ein allffenieii^e8 Be* 
diirfnissy seitdem das Romiscbe Burgerrecbt die grosso 
Ausdefanang gewann and das Romiscbe Recbt aucb ia 
denProvinzen eingefiibrt worden war, was, wieS^vi|gM' 
bebauptet, scbon vor Constantin gescbeben war« R. G. 
im Mittelalter I, S.3(X31. Folgende Sammlangen wer- 
den erwSbnt: 

1) Codex Gregorianus^ eine nnter Diocletian ver^ 
anstaltete Privatsammlang der kaiserlieben GesetMi 
welcbem - ^ 

2) Codex Hermogenianus etwa 370 folgte, indem 
ztt den friiberen Verordnungen die zaUreicbta neueren 
binzngefiigt warden. , 

3) Codex Theodosianus ist die erste nnter Staats- 
autoritSt gearbeitete and 438 pablicirteSammlung, welehe 
die Constitutionen von Constantin an enth&lt, dte wir 

/ 

I . 



— 89 — 

rrSssie^tlieS? ttcht'/ aber ineht imitter AMt^rkBrxt h^ 
mz^Q.^ ' Thebdositig 'ichiekte das Wefk aaelk'naGhltmi, 
tro der SdnAt fiber dessen AtftiehsA^ eiM Beratiii^la- 
ffung hielt'l welche nich im Pjr6tbk<otl erhdlteik hat 

tntionaD^ welche aU Supplemenl dea Theodosianischaii 
Codex .447 und 448 j^eswimelt wiiic4.w* 

, 2) Die Schriften der Juriiten fiu$ dmlej. Je we* 
fiiger ^e untvissenstihafidiche Seicntigkeit der neaera 
Jnristeii' den eigenthumlichen VoraiigM der frfihereft 
entsprach, jiBf treniger sie' im Stande wareti, ansekner 
K^nntniss und Nachdenken tfichtige responaa zn ermei- 
len, desto grosser mnsste d^r Einflass der ana der guten 
Zeit Torhandenen Schriften werden, welche an die SteUe 
der alten Giitachten traten , wie Gesetze galten and bald 
fast die Tjrrundlage des ganzen Rechts bildeten. Jedoch 
war ihreZahl so gross, derPreis ihrer Biicher so thenar, 
ihre Ansichten im Einzelnen oft so widersprechend, dass 
das Stadium derselben mit nicht geringen Schwierigkeiten 
Verbunden und die Rechtspflege manchen Unbequemlich^ 
keiten unterworfen war. Um diesen mehrfachen Uebel* 
atttnden tibzuhelfen und statt der neuen untiichtigea 
Arbeiten eiuig^ wenlge Ciassiker za autorisiren, erliess 
Valentinianug III. 426 eine Verordnung uber den Ge« 
brau6h - der juristischea Schriften , welche ffew5hnlich 
Citirgeiet^ genannt wird und aieh im Cod* Theodos. 1; 
tit. 4. befindet: Papiniuni^ Pauli^ Caii^ Vlpiani aiqu€ 
Modettini 9cripta nnivena Jirmamui^ i$a ut Caium 
atgue Paulum^ Ulpianum et eeterog comiieiur auctarv' 
ias rell. Diese f&nf Genannten haben nun Gesetzeskrafty 
doch soil Papinian den Vorzug besitzen , dass wenn bei 
Torkommenden Controversen die Stimmen gleich 8ind9 
Papinians Partei siegt, sonst soil Stimmenmehrheit ent* 
scneiden and erst wenn Papinian schweigt , soil der 
Riehter freien Spielraum haben. -Die von dem Kaiser 
nicht genannten Schriftsteller gelten nicht, mit Aus- 
nafame derer, welche von jenen citirt sind, jedoch so, 
dass nur die gerade angeffihrten Meinnneen gelten, ohne 
daas roan deren Schriften selbst nachzuschlagetf braueht» 
Savigny RR. im MA. I, S. 28. Pdchta uber das Citir* 
gegetz im Rhein. Mua. V, 2, S. 114-^160, mit einem 
Nachtrag von Blume, weldier in dieser Verordnung 



/ 



_ 00 _ 

jte 8mmImmib^ fit.dfe kiiittirlifilNi AatMlniiiui fldcfliiiiL 

M^r,'^ Ml»UAh^ imk.Mf t'^fF ft|>flphfiii^l|dw pQikt^cIl^ 

derBelJbeQ imrner mehr) so dass in dea sp&iern Samm- 
ittrigeil AM * tor jeM'tettf Sworxttgt«n ▼orkommfii. 

//• Juitiniant Oeieixtehuhg im 9rieht. * 

• ' • • • . 

tt • •• •. . • • 

ip^ Aufuuera Y^kf^tm^m qpd {iButiaid^ aiifiibre» l^iswei^ 
|i?«l(ch^ i^|i ^ar4#f bJ#iffibr99 iiuu»teii. E^ fao^d^n n^- 
i^eb in 4^1 jEU^bimi^upg 4«r ^irisliAcheii Literai;ar m^iiiicbe 
S«;bf(vi«rjgk#{(en fmt i) 4la9» die altea B§cbJtsgi|eI)^ 
IHMr jp iej^ Tbe^ia nber i^ic^^ ^ifilir praj^cb , g^en, 
U 4^1^ 4i9 /^i^tpli .ipipb^ Piehr ana ihn/ea z^ .(dbbpfe^ 
brwcbi^Q , soadern Ae^^n Qea^ beUunffen in andern jiirl- 
Hfclffcbi^n $i4^i£teii i^bcb«chlugeQ. ^2) iDie G.e^etz^ WSLf^ 
Z/^l^e^t w4 ^9bw^ ^ finden, aucii lyaren die 3 yor?* 
hftudepe^^I^ici^ vud 24 n^Tollstandig; 3} die juri^ti/sd^ 
I4l9r#tar war ^ ^haaer» ajs d^ jedar Juripit fie j8ic|[| 
pajfcj^ ^nftcjiaffea jfeooi^eM ^md diirch di^ yieleo ||> ibaw 
J4]^m4ne<l Cof^twvefm'^ wj»^d^ di<( Becbtsoflege §»kwif 
m4 ffOJ^HF^^iik^^ Diaft? Upvptapde exweckt^n deii .(^e^ 
fliailib;^, fii)# tiampi]pu^ 4^ YorhandDea anw^elt^ 
«0)l^i 4lf^ Qe^^e (l^C^) iiatiirUch nuf 4^ l^aifierU^ 
§i^M)a ^ *wb 4fif jipr^atiscbe^ Schrifteo (ius). J^p^ 

^9d*^^9« ^^be di^e ^ieoJicb au^ohaiii^e Arbeit def 
C04^3^ n»k JlLiei^igb^t yoUe/ideten^ vobai pde M^iD^ 
9^ W^g^trifibea uM fass^ode Var&a^erivigeA <«owobl 

$ic;b|wie|riffle^ w»r ^ie ewffite A«%abe^ die jurJA^^dNo 
$^s)N^e» A^W ^iWfi QOAaaqiic^Erteii P|^ ^|i einiejpd gf r 
j«i9Jg!kiW hM ?<erbi^ivier^e9 ^Oaijffep^ ;ni irararl^^eiten* ,^ 
]l^i)hH(te JVm^n WRT^Bfi ^xaarpi^f, ouich ^ Af «t(aFff» 
fm»«l4wt !(4ef99 ^ 4«iebt 49^ £;^Mltpeo WHMP FMC 



PwpM *ifcb. ,^1^ C911MIWMQP van |i7 I^}^er|^ .lM*»f 



■< ' 



/ 



— ■ 411 — ^ 

den XII Tqfeln,! 9]9iHim^\gjmfAe.fmiV9^^ 
Uebersicht des Rechts, dessen einselne Materien mii 
litaidirkNsilM -^einlcilnDpk mmnkiham mjhi mtkkm^ als 
^litfage'>ies:}iiilidicliflB<Upt»fUhto bft^nwiYiAf/M 
hgitimm Wiemiu€' * prdwm jelemmiim mbA^ Inn -fptoMp^ 
iMt.) 'tkiA^IH^ tioMitist^ijJSMUiMtini^tf^hai^ vro-sMH 
)iEWaPcfhuifiMiiii4tttli''ide0 IGaies: sttt.firanfelai 1«||IB. i(inM> 
nwdMb 4ii dMi ^MPdhicUlidiMi Pantim),; dbar ^tklih 

""^cfij^'diesen fclos. forpbeAlfeQ Ai1)eitc«'Verf<ilgt^' Jjt- 
a^inwp'^ea aRe Controverfi^' iin Re'difat 

^u&iuieben, — d^enn cfr hatte 4rtcb sdlon jfi:lib.6r ip ^11^9 
zweideutigen oder conlroversen Punkten die* Ent^did* 

iBeifi^ 2^^ ai);p»»api^i>j, ^ indem iianrejijHItrh 4a* : f^f ngf 
ia;die£ng^ (B?Af|eben wprd^a war, pfo ujgi^b Sgi|^;ig|| 

dieses Plans liegt in '50 emzelnen Cdnstitutionea. ^fif 
nns (L deciiiones Justintani oder liber L con- 
stil^ationuin ) , welobe sodann dem 534 erscheinenden 
Codex repetiiae fraelectionis (der 2* Auflage) 
einverleibt warden. Von* dem Jtihre 535 an ersdiienen 
wiederum viele einzelne Gesetze novellae const it u^ 
t tones, als Nacbtrllge der fruberen, die aber nicht 
offiziell gesammelt worden sind. 

Was die Ordnung betrifft, so waren die Jnristen 
bei Sammlang des Codex streng cbrondlogisch verfabren, 
dageffen bei den Pandekten batten sie einen ganz eig^n- 
tbumiicben Weg eingescblagen , welcben Blumes Scharf- 
sinn nnd Fleiss entdeckt hat. S. Savignys Zeitscbrift 
IV, S. 257 — 472. 17 Personen arbeiteten in a^Sektio- 
nen. Ton denen die erste di^ sog. Sabinusmasse, die 
zweite die Ediktsmasse, die dritte die Papiniansmasse 
(praktiscbe cas^nistiscbe Erorterungep ) za excerpirea 
hatt^. Darauf traten sie zusammen und setzten bei je- 
der Materie die dreifacbe Ausbeute mecbanisch anein* 
ander, indent gewdbnlicb die Sektion vorangestellt worde. 



— ea — 

Wri«li# Ami Mem* ted Wtek^gMe hiiM. ' fiU0 JSttbimig 
4w PaliidektJMtlliA^ Wihf^ ifrspriliiglicli^ Bettandtb^a^ 
liit iiaeh lAphabetudker Ordimng Hommel Tetwohts 
Pidibgtiiietia inrit. Lipi. ir67. 6». III. 

• . .1 

Ofe fjmuaamtB Awfibraaff dea Jiittiniaiieia«haii Plana 
ill ga^ma lehr an laben^ >aeiin obg^eieh §&e ant^r mih 
gBaatigen Verhftkniasen * begaBn^ wurda aia do^ mte 
grosser Liabe in anghwihltoh kairaar.Zeit aaflgefabrlnad 
«nt8pta<^ . f ait allanthalbeh daa iBadSi&iMieii; ^od dcNr 
ItttclngeBZ der damaligen Tkiu . Dtam abar die Alb^itair 
ttocb n^hr hfitten than kdanen, ja dass ne M^gar .Jpatir 
niaofl Plan nicht immer Mnaa balolgten and namao^dieh 
su oft die EigeDthumlichfceit der yon ihnen excerpirten 
Qnellen Ternichteten , das Historische verstummelten n. 
a. w* hat Dirksea nachgewiesen in civil. Abhandl. I, 
S. 192—241. 

Die Anordnnng der einselaen Bechtsmaterien war 
In Jostinians Werken fast ganz nach dent alten System 
der Xn Tafeln, des Edikts a. 8. w. s. F« 6, Ungeri de 
duomni praecipuorum iarisprndentiae apud Teteres ay- 
atematain tarn indole qoam origine libeUna. Hannor. 
1844. 



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Eigedutrilv 91Bm!fidi0 Recbowcbuteii tsnttUiiideii erst 
in apftterer Z^ky denft* bis atiif August mochte der^ Un- 
terricbt meist'nnrprirat and praktiscb f;ewesen ^eyn, 
wenigsteuf , dalf iflftn |Ris Ciei BHit. 89 qui (Sca^ola) 

J^uanquam nemini ie ad d^owdum dabat^ taMen ^imy- 
entiouB ri$MpoM€ikdo $tud0s^ audt'Mdo' Hodebqt'nicht 
ferade anf eiuen theoretischen Unterricbt schliessen. 
foter Antoninus Fius wurde offentlicher Unterricbt ge- 
geben Gell. XIII, ^13, docb wahrscheinlicb immec noch 
' exegetischer Art, erst.Ulpkin spricht von ordent|khea 
olffentlicheai juristtechcn Professoren mit Honorary die 
zuletzt waKre Fakultafen bilden und zwar waren die 3 
Torziiglichisten in Constantihopel, Rom und Beryi. S. 
Zimmern I| S..,254^ff* • Deir Lebcplan ^^eftenf ternea 
wir in einer Constitution Ja^tinians 'kentlbn^ worin er 
an die Professoren (anteceaoret) scbreibt, dass nach 
wie vor 4 regelmassige Lebr- und Unterrichtsjabr* statt 
finden solIten> jedocb mit ^inig^ ]Vladiftcatienen# - 

Im ei:steit Jahi* biessen die Sohuler friber Dup^nduj 
Ton nun Ju$tiniani$tae ^ deren friibere Hauptbesdbaifti- 

Eng in d^r ^xegese des Q^ius, jetzt in der der Justin • 
ititt. bestand. 

Die Scbiiler des zweiten Jahven Edtcialeg studirten 
friiber einen Tbeil des EdUtts, seit Justinian einzelne 
Tbeile derTandekten^ wie de iudiciis, de rebus ik s. w« 

Im dritten Jabr Wurden die noch iibrigen xbeile 
des Edikts and Fapinians responsa vorgeiommen, wober 
die Zoglinge Pap4^iani$tae biessen , fiaclk Justiniaft mils- 
sen sie aber mebte Tbeile der Fanddjiten stndiren. 

Das vierte Jabr terlieh denNamen Ivtwi das sind 
solcbe, die iMcbt mebr aiu bofien Wailcbett, sondern 
sicb fiir sicb bescbliftigen, namentlich mit Pauli responsa. 
Justinian gab ibnen den Namen liatimanutae und ge- 
bot ibnen abermaliges Stodium der Pandekten , doch 
der binteren Tbeile. Die letzteft Partien derselben und 
der Cedei.'constitutionum kamen im funften^abr ^aran, 
wenn die ScbSIer aushielteir^ in welcbem Tallo sie rr ^ o- 
Xvrat: biesseA» . ' 

lit: Siereiigehung im Oceid^mt. . 

^eichzeiflg mit Justinfams Wertcen €htstdnden drei 
SbnlifAe Dntesnebmiiiigeli ^ derea Wertk fieilich sehr 



BlM&pA#f^ kfOM MltOffeift AeMltto» iiNv^ Wto lie 

1) das Gesetxhuch der 0$tgothen^ Edietum Theo- 
doricij iUffSfM^^ Tb«o4orieh 500 in Rom publicirte, weil 
er seinen Zweck, die Crothen una Itomer zu einer Na- 
tion zu verbindeA^ piebt .leichtet zu erlangen boffte, 
als durch eia beiden NatioDen gemeinsames Gegetzbach, 
dMf) in d«h aDdem €leniian]«cheii Statatea behiek jede 
Ndtioii ibff besMd^rea Becbt. Dieste CreacftsbvA als 
das r#mte nnd unrbUkdmnteiiflte, in welebem raaii dia 
B^iiikchet] i|u«Beii kaum bemuszufibdeti vermocbld^ waiv 
sehtl^nd auib ami ftuhscen medc^^ S. Savignj^ BR^ koi 
Ma. ly a 334 11^ S. Ififf. Fol^nde 6dseubilch«ir gtf^ 
ten bios fitr die in deh Genm^iaofaeu Staalen lebwideB 
Rdiliei^ 

2} da^ Burgufifdiseh^ Oissett (lex ItMhana^ w^Miet 
Atik^Hiok Rdmisefa^s !Recht €betbavipt b#d«liist) d«irdl 
ein MlsirretAtghdhks ^fHket Pkpkmif Hker feipomwmik 
genannt, wurde zwistsh^n 517 nnd 534 veriaaet mid ISI 
nicht Tiel besser als das Ostbgothische , doch sind die 
Qaellen nicht sd ^etir V^talid^it tttid Mth dli$ Ordnung 
ist vorziiSiiehen. Savigiiys RR. Im MA. 11^ 8. 9-^36; 
Als die Franken JSurguiid eroberten, I)oben sie anch 
dieses Gesetz auf und fiihrteil stall desseii das fol^ende 
eia; ne^lich ^ 

3) AoaWestgotAuche, It^Of Bmmumii Aucb Imt 
Theodosiiy spater. erst breviarium Alaricianum genannt, 
Wttirde 506 vdh Alarich {Si* seine ftSmisisbNi UnlerlHanen 
^gefStirt nnd iit j^enfftHs das W^ttbvellste mil geb5«- 
rig^ OHfnttUg und So^deiriin^ i^ Qltslleii ( Cttnstitw- 
tionto nnd ^Hitii^chld Wi»irk«)^ ¥on dtneti ^inigo Mil 
.mir dnrch di«se Sntamhliig ei'hahen sifid4 Lelder kl 
UlpiM p& tiieht, Paplf^n Ho gM als nieM tnd €Mtiii 
nnbb ntir tffo-ftig btmnttt. ^avim^ RR. im IVbit II, Ik 
3r— er. Ats lAie FfMken das wesfgofbis^e Sikh te 
GilffiM zeiniedftein, behi^i^ sio di^sses VMtkt^ y/miMA 
es ^r6ss^ Tt^btt^nng feWiilin tmd *eb«ll JFntfnlMM 
QtoetzbS^teHk hifk M dfts 13. Ja^¥buiMert tbifbsMliA 
Difeiih ton da bt^gihnt dinrb die R^btssebnle *a ihUpi^ 
Uro def beir^fntli Refefatsl^feir ,iH»miM Miidst mm 
dHen LAodell^k niH sieh iNfthrnftiiuelle, }^b Mt^ gllln* 
zende Periodo des |l5mis€il^n Itetbts^ Oai WesiiffitMN 



1 1 



— 96 — 

•die.CfoietslMich nmsite wrichea mi, Spanient Franki* 
uriek, Deatichlanii Dabmen da« Hcbt^ tlomische Becht 
an y «• Savignys dassisches Werk dber d^s RR* im MA. 

B. Quellen der Reehtswissenschaft. 

J. Ge9ei%bUeher. 

w 

1) Codex Theodo9%awu9y dessen OriginalnlaQoscript 
von Niebuhr in der Vatikanischen Bibliothek entdecbt 
tirordan ist (6. Haenel praef. ad andqoa summaria cod« 
Theodos. Lips. 1834), hat eiae aoAgezeicbnete Bear- 
beitang durcn J. GoiAqfredus erfahren. Lugd. 1665. 
foL YL Lips. 1736 — 45 von Bitten iien aufgelegt Die 
neneste A. von J. L* W« Bec]f in Hago ins civ* anteiusU 
L n* Manche Fragmento sind in der jiingsten Zeit 
aufffefunden worden , so ; in der MailUnder Ambroa. 
Bibliothek von W. F. Clossius. Tubing. 1824, in dc^ 
Toriner v. £. Faggaeus. Bonn 1825. Die 5 ersten Bucher 
gab C. F. C. Wenck herans. Lips. 1825. 

2) Edictum Theoaortci, zuletzt herausffegeben von 
6. F. Bhon, conun. ad Edictum Theod. Hal. 1816. 

3) Lex Romdna Burgundionum von Cuiacius nnter 
dem falschen Titel Papian. lib. resp. herausgeg. 1566. 
1586,, von Biener in Hugo ius civ. anteinst. II., tuletzt 
von A. F. ^arkow. 1826. 

4) Breviarium Alaricianum erschien zuerst 1528 
von Sichard Basil, and mehremale vor dem Cod. Theodo^. 
In Hugos ius civ. antei. I hat Haubold einen trefflichen 
Abdruck besorgt Hanel hat fiir dieses Werk viele 
Mss. verglichen, 8. Savimys BR. im MA. II, 8. 63 ff. 
Stiebelii prae£ ad Hauboldii opusc. II, p.LXXXIV — 
CLXVIII. Es finden sich darin folgende Quellen, die 
nur dorch diese Sammlimg erhalten sind 1) Pauli tenn 
tentiae receptae, 2) Fragmente aus dem cod. Gregory 
nnd HermOg* 3) Ueberreste sins Papinian lib. I resp. 
Folgende Quellen sind nur zum Theil dadurch erhaltea 
1) Stucke des cod. Theodos. 2) Novellae mehrer Kai- 
ser, 3) Excerpte aus Gains Institutionen, welche werthlos 
tind. Sftmmtliche Schriften finden aich zuletzt in Hugo 
ina civ. antei. I. II. bearbeitet. 



— 97 — 

5) Juitiniani Werke^ erst sp&t als Gasstt 
corpus iuris genannt, wabreiid sie -sogar noch in Bo* 
logna^ als einzelae Schriften behandelt warden *)» 

A. BeuKbettungen der einzelnen Theile: 

1) Digesta (genannt Digestum veiu$ I — XXIV, 
inforUaium (d. i. vermehrtes) XXIV — XXXVIII, «o- 
v^Kfli XXXIX — L, erklart von Hugo im Civ, Mag. V, 
S. 1 — 53, 475 — 508) wurden von der Schule zu Bologna 
flelssig bearbeitet, welche einen besondren Text die soff. 
recensio Bononiensis construirte. Savigny RR« im MA. UL 
Aelter aber ist die^ beruhmte Handschrift in Florenz, 
die Matter vieler Mss. , obgleich nianche selbstandig ans 
andern UrMss. geflossen sind. Ed. princ. zu Rom 1 575, 
1576. Perus. 1576. G, Haloander verbesserte zaerst die 
Bologner Recension aus der Florentiner Handschrifi(* 
Noriii\b. 1529, dann Tmirdlus. Flor. 1553. 

2) Imtity,tiones baben sich in mebren zwar nicbt 
sehr alten, aber wenig verdorbnen Mss. erhalten, aus 
denen die Ed., princ. Mogunt. 1468 erschien ; von Hit* 
loander Norimb. 1529, von F. A. Biener Berol. 1812; 
welcher ein vollstandiges Verzeicbniss der AA. beifugte. 
Ganz vortrefflich ist E* Schraders A. (L Theil des von 
ibm, Tafel u. Maier bearbeitet. Corp. iur. civ.) BeroL 
1832, mit reichem Commentar. 

3) Codex ist zwar in vielen, aber nicbt gerade 
ausgezeichneten Mss. vorhanden. Ed. princ. Mogunt« 
1475. Von grossem Vexdienst ist Haloanders A. Norimb. 
1530; dessen Lob nebst ^charfer Critik der andern Her-* 
ausgeber s. von Cramer in Savignys Zeitschrift II, S. 
298 — 304. Die vollstandigsten iiterarischen Nachwei* 
sangen s. in Bieners Vorscblagen zur Revision des Just. 
Codex: Savignys Zeitscbrift VU, S 115 — 206. 343 — 
369, Leggi restit. v. K. Witte. Bresl. 1830. 

^ 4) Ifovellae existirten in«drei Sammlangen a) ein 



^) E. SpaBgenber^, Einleitnng in das R6bII. Jnst. Rechtsbnch, 
hi&delnd von dessen Quellen, Entst^nng, Flan — Ansgaben. 
Hannover XSXT^ E. Schrader, alte Druoke der Theile des corp. 
inr. cir. in s. civil. Abhandl. S. 357 — 540# Hanbold instit. inr. 
Kom. lineamm. p. 183 — l99. 

' Ueber die rerschiednen AA* der PAndekten ttnd Novellen t. 
Tbibauta Yerandie iiber mzelne TlH^e der T&eorie' des Rechts It 

S. 225 — 270. 

7 



/ 



— 9o p— 

Attraog von Jaliattm aat 12S(b«slefaeB4it b) eine grie- 
chiadie SammlaDfir von 168 Novellen (eig^entlich nww 
153 iicht Justin. Nov.) ond c) eine latefnische Ueber* 
setzung von 134 nrspriinglich griechischen Mov^llen, so 
dass manche in dreifacher Gestalt iibrig ist. Im Corp. 
iar. befinden sich jetzt zasammen 168 Novellen , von 
defeien 159 Jastinians, die andern Jitstins II. nnd Ti- 
bera II. sind. Ueber die zahlreiehen Codd. s. Cramer 
in Hugo's civ. Mag. HI, S. 26 — 50. 113 — 162. Savigny 
in s. Zeitscbrift II, i^. 100—136. Clacisisch ist die Un- 
tersochnng Bieners iiber die Geschichte der Novellen. 
Berlin 1824. Ed. princ. Rom. 1476. 
t Hier sind auch nocb die Basilica zn erwabnen, d. 

h* spatere grieebiscbe Bearbeitnngen des Jastinianeischen 
Rechts (etwa 900 n. C), welche fi!r die Kritik des la- 
teiniscben Textes nicht zu verachten sind. Anch wird 
der <iod. constit. nocb manche Bereicberiing darck diese 
Novei^n erfahren. Hopfner in Hugo's civil. Mag. II, 
S. 383 — 422. Haabold mannale basilicornm. Lip;a. 1819. 
C. G. E. Heimbach de basilicornm origine, ibntibus, 
hodierna conditione atqne nova, editione adoirnanda. 
Lips. 182&. Heimbach in Savigny^s Zeitschrift VIII, S. 
81 — 131. Von der nenen Ansgabe, welche derselbe 
beabsichtigt, ist Leipz. 1834. der I. Tb. erschienen. 

B. Gesammtausgaben det corpus iuris. 

(S. Mackeldey's Leturb. dei Rom. Rechts. 7teAufl« S. 133 ft) 

4 

1. Glossirte* 

Glossae sind Randbemerkungen der Scbnle zu Bo--' 
logna, einen voUstandigen Commentar zn alien Werken 
Justinians bildend, welche 1100 — 1250 gescbrieben nnd 
von Accnrsius ^esammelt worden sind (Glossen vor der 
Bologner Schnle, znlm Theil von grossem Worth hat* 
Savigny im RR. des MA.* II , S. 429—476 abgedruckt). 
Wegen ibres hoben Ansehens wurden ^je in die AA. 
naturlioh mit aufgenomnien, so in der 5 Fol. uuifassen- 
den Lyoner A. bei Senneton. 1549. 1550. von Contina 
Pari* 1576, zuletzt v. Febias Lugd. 1627. Yl. Fol. 

2. Nicht glossirte. 

Die Juriaten scb&tzen vorzaglich folgende hoch: v. L. 
Rnssardus« Lyon 1561 f. Aotv. 1566. 1570. v. A. Contins 
Lyon 1571. v. L. Charondas'Antv. 1575. v. J. Paciua 



-^ «9 — 

Qmbv. 1580; die nhbrfclMi d«i D. Ctolk&elM (LyM 
1583) uMtdlich ^t iri^detkoll. Di^ dorck gtmnm Ap* 
paarat and Fbraminisciie CoHatioo sehr irich&e A. tm 
Spangenbei^ a. Gebauer enckien m 2 (hntti CtottlBg* 
1776. 1791. Noeh ToIbtaBdinr sdll 'Aim A. tm SchtiM- 
der^ Tafel vnd Makr \f«r3m« Yon Hanikiiiitabeii 
Bind J. L. 6« Bedci. Lips. 1825 — 1433* 4 Bde« 8» vnd 
de8s« StereotTpamg. ibid. 1829« 1830. beld* l» auf dia 
Novellen ToUendet, nod Tornehmlioh wagea gMnmereit 
Recensiott des Textes dea Codex, and di« d«t Gdbrflder 
Kriegel Lips. 1828—1833., welcbe jedoch zur Z^ blosa 
Instiiatioim v. Pandektm enthlllt, w t guu Rudcweifong 
auf die Bagilica a* d«ren 8ch<diast0n 2a MttpiiUM. Yoil 
der giSMetn Ansg; dea oorp. ivr., walahe Ed* Sehrader 
oBtemamaiea bat, Bind bis jatct bl«M di« laortitatfonea 
mit eincat sdkiltabaran kritimieil «• exegtdioheB Cmh 
mentar efsckieiven s. S. 97. 

Ktine ErkUtrnne$$ehrift mit Aaatiahnar der Caoaai 
entreckt sich iiber aBe B8dler AatiniaBB^ ja aiebl eia<^ 
Rial uber -die Pandekten, denn sew^l \Mmi^# gaUlfia 
rationalia ad Pandectas, als Gl&cki reichbakigec Com-*' 
mentar (Erlangeti 1790—1830 XXXV, 1.) siild uAVotlen- 
det. Ueber einzcdne SleUen diirselbt» stud tiafflidke Un- 
tersQchottgen Tothanden, nanlendich vmt Coiaciaa and 
seiiief 8eh«le. Die nene Zeit, wdcba daa etegeilicbea 
Weg v«rlaasend ioffmaAuh Twfabr, InH. diiar Manga 
TOQ Lehrbuchern iiber JustiniaBa Reeiit av&mralaati* 
Bei den Institutionen wird der klare aber nnbistorische 
Commentar von Hopfner Frankfart 1785. 1818. 8. Aa£!« 
h&iidBig angewendet. ' 

IL Schrtft^u^^ds^r Jurist en* 

Sie sind im Allgenleinen werthlos, nur Excarpte 
oder spllter Erklftrungsschriften : 

1) Notitia dignitatum utriusque imperii ana der 
ersten Halfte dies funften Jabrhnnderts, dber die Wur- 
den u. das Gebiet des R5m. Reicbs. Eine neue Aasg. 
in der Bonner Sammlnng bat E. Backing Tersprocben, 
welcber scbon eine lit. hist. Abbandlnng Bonn 1834. 
darGber heransgeffeben hat. 

2) LeguM Motaicarum et Romanarum collatio^ eine 
Schrift, welche dia Uebereinstiitimung awiscben dem 
Rom. and Mosaiscben Gesetze zeigen soil and mancbe' 
wicbtige Constitution entb&lt. Die Ed. princ. aus einem 

7* 






/ 



— 100 — . 

Mhlaehtea Codex Parii 1573. ron Pithoenfl. Schalting 
'hat eiaen gaten Commeiitar daza geschricbcn; Dia 
Vorletzte A. ist von Biener in Hugo iar. dr. 11^ .enm 
kridsche .Bearbeitang von Blame "uoter dem Titel Lex 
Dei 8. L. M. et R. c. erschien Bonn 1833. 

3) fragmenta Vaticmna eine planlose Sammlong 
ans Jnristen nod Coaslitutionen, welche wahrscheinlich 
einen praktitchen Zweck hatte (namentlich liber Kauf, 
Uanslrttetns^ Schenkungen, Mitgift u. s. w.) and von 
Mai in der Vatikanischen Bibliotbek entdeckt wnrde. 
Ed« princ. v« A. MaL Rom. (BeroL) 1825. reeogn. comm. 
instr. A* A. de Buchholtz. Regiom. 1828. zoletzt die treff- 
licbe JBearbeitang von Bethtnana-Hollweg Bonn 1833. 

4) CorfU9 Jinium regundarum^ am die Feldiiiesser 
E!t belehren mil; einigen Constitationen. Die hierber ge** 

• horigen Schriftsteller , deFen.Textnoch sebr im Argen 
liegt', sind enthalten in W. Ooefdi rei agrariae antores 
Jegesque variae Amst. .1674. Eine neae A. wird von 
Bluite's Hand erwarftet. Rhein. Mus. V, S. 329— 384. 
Niebahrs Rom. Gesch. II, Anhang* 

III. Urkunden von R€chtsge$chaften. 

Man hat deren in Italien ans dem 5. u. 6. Jabr- 
hnndert auf Papyrus gescbrieben gefanden, welcbe frei« 
lich zam Theil sebr bescbadigt sind n. in. Spangenberg 
tabb. negot. wXL gelesen wecdea kdndeo (Testament. 
Schenkangsnrkuiden n. a*). . 



•/ 



J •• 



/ 



Das 



Bomische Privatrecht 



\ 



/ 



/ 



y 



/ 



Rumisches Privatrecht. 



- 1 



£inleitung. 

/• Lehr^ von den Rechfis$ubjeht$n 

odet Peruonen. 

If as Kecht ohne ein Rechtssubjekt oder Person, aaf 
seiche, es sich bezieht, hat keine Bedeiitungi daher . 
beginnen auch die alten Juristen mit den Personen und 
zwar mit den gewohnlichsten derselben, den Me^schen. 
TheopfaH. paraphr. I, 3. pr. de iure pers. oportet — 
depersoniif loqui, Frivola enim et inutiliit legnm e$t 
"cognitio, si piersmae a nobis ignorentur^ quarum gratia 
. leges inventae sunt. Hermog. 1. 2. D. de statu hoin. (1, 5) 
cum igitur hominum causa omne ius constiiulum sit: 
prima de personarum statu — dicemus. Der Begritf 
Person, jst in einer ausgedehnten und eingeschr&nkten 
Modification aufzufasscn : ^ 

I) Jusdehnung des Begriffs auf Wesen, die au^ser 
den einzelnen Menschen bestehen , nemlich Yerbindun-- 
gen von Menschen, welche juristische (auch nioralische) 
Personen oder Corporationen genannt werden. Als solche 
Rechtssitbjekte galten in Rom seit alter Zeit autorisirt« 
Zunfte u. religiose Briiderschaften*) {sodaliiates dev all- 
gemeinste Ausdruck, collegia, sodalitia, Fest. v. soda- 
les, Cic. Brut. 45., de sei). 13; ordo u. corpus ist spa- 
terer Sprachgebrauch), deren Mitglieder sodales hiessen 
nnd die ein fgrniliches Communalwesen , wie gemein- 
same Kasse u. s. w. batten. Dirksens iJebersicht der 



*) Nitbuhrs R<im. Gesch^ I, S. 337. 



\ I 



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— 104 — 

\ 

XII T. S. 625 — 629 iodales $unt^ qui eiuidem coUegii 
sunt. Hii potestalem faciL^eXj paciionem quam velint 
sibi Iferre ( beliebige Stataten za entwerfen ) , dum ne 
quid ex puhlica lege corrumpant, Auch erlassen sie 
decreta iiber Falle^ welche sie entscheiden konnen, %• 
E. Cic. p. Sest. 14. in Vatln. 3. Orell. Inscript. II, S** 
242 f. Ihr Ursprung hangt wahrscfaeiiilich insofern mit 
den sacra zusammen, als die andern collegia denen der 
PriestCF analog gebildet und di^rch gemeinsame vom ^ 
Staate erhaltene und «iach Auflosung derselben an den 
Staat ^nriickfallende sacra verbanden wurden, so dass 
erst durcb die il;nen verliehenen sacra Anerkennung 
Ton Seiten des Staats erfolgte *). Fest. v. popularia sacra. 
Ausser den alten Innangen der Handwerker und Kiinst- 
ler erhoben sich dann noeh viele ander^e Personen durch ^ 
gemeinsame sacra za juristischen Personen, z. E» mey- 
catorum collegia bei Li v. II, 27. u. a. Die vom Staat 
nicht auto risir ten sondern anfangs niir geduldeten war- 
den zu wiederholten malen verboten und aufgehoben, 
jedoch nicht alle, sondern bloss die dem Staate nach- 
theiligen (Cic. ad Qu. fratr. II, 3. Ascon. ad Cic. ia 
Corn. p. t5. in Pison. p. 7. 8. ed. Orell. Suet. Caes. 
42. Octav. 32.); voriibergehend wurden sie sogar ver- 
inehrt, z. E. durch CJodiu$, was Cicero ofters tadelt. 

Sainmtliche Corporationen a. Coramunen (res puhlica^ 
universitas) habei\ ihre Beamten, Yorsteber^ ^schiitzex " 
( magistri pagorum , virorum , collesiorum u. s. w. &( 
Dirksen S. 47 — 70, Orell, Inscript. II, cap. XVII, vor- 
ziiglich S. 245, s. auch vorher) u. stehen unter Aufsicht 
der Staatsmagistratuxen. Was die Vermogensrechte der 
juristischen Personen betrifft, so verwalteten sie ihre 
Besifzfhiimer in friiherer Zeit^ mit grosser Selbstandig- 
keit, spiiter waren sie abhangiger. Sie erwarben unge-* 
hindert Eigenthum, Tlin. ep. Yll, 18, wo Land eioer 



*) Dieses is t die Annahipe Dirksena iiber den Z^stand der jn- 
ristischen Persohen sach Rom. Recht in s. ciyilist Abhandl. ir, 
S. 1 — 143, Gierig ad Plin. epist X, 93, JUenze ad legem Send- 
Ham p. 16. 17. Die Cognaten und Affinen in Zeitschrift filr ^e- 
scliichl. Reghtswiss. VI, S. S. 9. Orellis Bemerkungen in s. In- 
scriptt. II, S* 243 ff. Mehr aiif die spatere Zeit beschrankt sich 
Rosshirk iiber forist. Personen im Ajrchir fiir oiriliil. Praxis X, 
S. 313-328. . 



I 



— 105 — 

Commune fiberlassen wird , Cic. ad div. XIII, 7, wo yon 
AtellS nnd Arpinum gesagt^vird, dass sie in Gallien 
grosse Vectigalgrnndstiick^ besiissen; und waren ^nnr 
insofern beschrelnkt, als sie nicht ailer Erwerbsarten 
fahig waren, nemlich aolcher, Vfo es einer feierlicben 
Vertretung der erwerbenden Person bedurfte, z. E* in 
iure cessio, mancipation denn in den andern FllUen wiir- 
den sie durch ihre Beam ten vertreten. Eben so wenig 
konnten sie direkt testanientarisch erwerben (IJlpian. 
XXII, 5), weit eher indirekt, denn es werden viele 
Legate an das^ Rqmische Yolk, namendich bei Stiet. 
Caes. u. Tiber, erwahnt. Plin. ep. V. 7 nee heredem 
instiiui , nee praecipere posse rempuhlieam : also waren 
Pr^ceptions- und Vindicationslegate ansgeschlossen. S. 
Erbrecht. . 

2. Beschrankungen. 

Eben so sind Beschrankungen des Begriffs Person 
Torhanden, denn manche Menschen haben entweder gar 
keine Rechtsfiihigkeit, wie der Sclave, oder wenigstens 
keine vollstandige, wie der Haussohn, andre ermangein 
der Haujdluqgs- (oder Willens) Fahigkeit, obgleich sie 

rechts&hig sind, z. E. das kleine Kind. 

f ■ \ 

/ 

I. Verschiedene Rechtsfahigkeit der 

Per^onen. 

Der verschiedene Zustand des Menschen , in wel- 
cbem er sich conventionell oder physisch befinden kann, 
heisst sein caputs sfMer stMus j worauf sich die ver- 
schiedene Rechtsfiihigkeit (conditio) griindet. Diese Vks&t 
sich in dreifacherRucksicht'nach einem mehr oder min- 
der hohfen Grad tinterscheiden : 

1) status libertaliSj der erste und hochste Unter* 
schied fsumma divisio), dem zufolge die Menschen 
entweder Jiheri oder servi ysind. Der freie, er mag 
freigeboren (ingenuus) oder aus dem Sclavenstand frei- 
gelassen 'wor3en seyn {liberHnus Gai. I, 11), besitzt 
vollstandige Rechtsfahigkeit, deren der Sclave ermangeU, 
also weder conniibium, noch codnmerciam^ noch sonst 
ein Recht besitzt. Nur nach dem Natnrrecht, dem zu- 
folge alle Menschen ffleich sind, kann er auf Scbntz 
Apspruch machen. Sobald eiii freler Mann Solave wird, 



/ 



I - 



— 106 — 

erleidct er die groaste Yerachlechterung sehiM Zostaods 
#tf4iMa capitis demnuiio*) genaoDt, welche die beiden 
folgenden in sich SanU Die hdchste meint Hon Od. 
m, 5, 42, wenn er too dem in Carthaginiensiscfae Ge- 
fangenschaft gerathenen Regulus capitis minor sagt, 
welcher' Mreder Gattin nocb Kinder beriihren woUte. 
Emrop. II, 14. 

2) status civiiatis^ Jeder im Romischen Reicb Ver- 
weilende iat entweder civis oder peregrinus (Cic. de or. 
1, 38),. Oder endiicb Laiinus^ welche Mittelklas^e erst 
spftter hinzatrat. S. S. 45 ft*. Der civis ist durchaus 
rechts&hig, der Latine nor ziir Halfte u. der Peregrine 
ist ivenigstens nach Romischen Recht schutzlos, indent 
er bios des ios gentium fahig ist. S. unten. Daher kann 
er wohl manche Geschafte, wie Kauf, Ehebiindniss u. a. 
abschliessen , doch sind diese nur nach ius gentium, 
nicht^nach dem Civilrecbt giiltig. (Urspriinglich hiessen 
alle Fremden hostes^ erst spater peregrini und wurdea 
erklart als Leate, die ihr eignes Kecnt baben. Cit. de 
off. 'I, 12 [aus den XU Tafeln] , Fest. v. bostis u. sta- 
tus dies; varro de I. 1. V, 3, Macrob. Sat. I, 16, Gell. 
XVI, 4). Ein romiscber Burger, welcber in den Stand 

, der Peregrinen iibergebt , z. £. indem er sicb in eine 
latiniscbe Colonic einschreiben lasst , erleidet capitis 
deminutio media . , — der nacbst grosse Verlust nacb 
ganzUcber Aufbebnng der Freibeit. 

3) status familiae. In Bezug auf das Familienlebeu 
ist der Mensch entweder sui oder alieni iuris (Gai. I, 
48 ff.). Sui iuris ist der Hausberr (pater Jamilias)^ 
ivelcbdr iiber Frau, Kinder, Slaven, Mancipia voUigei 
Gewalt besitzt (potestas pairia u. don^inica iiber Sobne 
und Sclaven ; manus iiber die Gattin ; mancipium iiber 
die Mancipia), docb ist iiberbaupt jeder unabbSngige 
Menscb sui iuris ^ wenn «r aucb ^iemand in seiner Ge- 
walt hat, z. E. ein. verwaistes Kind, welches keine 
Agnaten bat, in deren Gewalt es steben konnte. Ueber 
das eigeatbiMiilich uiiabbangige Yerb^ltniss der Fami* 
liengUeder^ namentlicb der Frau u. des filius familias, 
ivelcber bios das palblicistiscbe Biirgerrecbt besitzt, wab* 
read er des j^rivatrecbdiicben Theils ermangelt, s. das 



\ 



'*) drnnkmHo woh! richtigor aU dindnuUQ^ StbiMiiig fi«m4irk* S» 
4S ; die Mat. habtii Beiiet. 



— 107 — 

Familiaiuredit. SoMd ein illensch sai ioris licli in ai- \ 

BMi SMw fieiAUias Tanrandeltt Utit (durch Arrogadon), 

so eilridcC er eapMi demimuiio mtnma *), welche im 

VfdoM der Imhw gebabten Familienverbindung beitebu 

Eben so der ^ttvEntaneipireiide, obglaich geia niederer 

Zmtmnd inir ein angenblicklicber ist. tiaL I^ 130. 11, 

86 — 90. Ill, 114. 158. Boeth. ad Top. II, p. 302 ed. 

Orell. Capifii diminutio est priaris »tafU9 permutaiio. 

Jd mkUiw m9d<9 fieri eolet , vel maxima vei media vel ' 

mtinima. Maxima esi^ qmtm et HbertaM et dvitas amiU 

ti0ur^ Mi deporttdio; media verOj in qua civiiai amiU 

tajar , reiinetur l%beria9 , ut in Latinat colonias trans' 

migraiio; mimimaj quum nee eivitas nee libertas amit^ 

taar, $ed status prioris qualitatis immutaturj velut 

esdeptio etc. Gell. 1, 12 beriebtet, dam die Vestalinnen 

aas iter Gewalt des Vateni sine capitis minutione (nem» 

lioh nuBima) befreit wiirden, was *ekie Ansnabme von 

d«r Hegel war.' •*- Alao griindet eicb Veiiost und Yer* 

min Anrang der Beehtsffthigkeit auf die von dem drei- 

facben ^tatns abhftnffige capitis demiimtio, wosu eich 

nooh 4) gtatus exsstimaOenis geeeUt, d. h. ob einer 

im ToUen Bej»tK der bvrgerlicben Ebre sich befindet 

oder nickt **)• Zwar kann man schon im Allge^einen / 

bebanpfeen , dase exiatimalio dnrch capitis deijainatio 

imndnia ni media sesofamldert n. vemiditet werde. indem 

im Anspnieh aolEhre nack B5m»chei> Begriffen mit 

d«r Civitit anf das innsgste znsammenbing (so z. £« 

imiitt der Yerlust der Freibeit des servos poenae, des 

xe einer Capitalstrafe bder ad bestias and ad metalla \ 

y^erurtheflten , ferner der Verlust der Civitfit^ wie des 



*) €• ^. Gmalia de csp* dem* laia. Tobisg. 1807. L. H. d« 
Cell de e^. A m> J«a» Idia 

**) Den ficktigtn Pftd ssa cinsr nenen Anflohsnimg dieter 
TednltBisn {dsnlsle Hugnmeiiter pm: Untemobied zw. infam. u. 
EUes. Hn iiage's cML Mag« III, 8. iSh^iBl. Bnndumli de in- 
imds. Wiiifl#18i9. F. Wslter «ber filive and Inlnrie neoii Rom. 
lloeht la Kl^ntolirodt Kenopak n. Hittermsieni neaem Artshiv des 
Orimlnabiehls. 1821. IV, S. 146.-* 140. 241^308, und A. M. J. 
HMb99 de mioiita «gdfilDiatione. Loraa. 1624. bieten sammtlioh 
vM Iisfafreiofaea dar. Victit weniger tieftbeh iat Th. MarezoU, 
tiier die bHigeflicilie Bbfe, 9m gtba^e Enladuiiig n. tbeiiweise 
MunHenuig. GisMea 1834. Zimmetas ledhlsgeMdi. 1, 8.456--488» 



— 108 — . 

Depoirtirten n* i des dturch ConfiscatMii (proseripdo) Ba* 
Btraften ikeben der catpitia demtniitio auch g&nzUch»a 
Yeriust der existimalio nach sich aiiehen) ond mit-ihr 
aowohl entstaiid als verging, so ist existimado deniHick 
hier in einer engeren SSphare aufzufassen, iodam ddr 
' Ruf u. die burgerliche Ehre eiaes Mannes leiden kann; 
obfie dass er seinen status civitatis i>. libertatis einbusst; 
and zwar ist hier nicbt weniger auf die verschiedeniin 
Abstufungen, als^ ai^f die mannit^faltigen Arten des. Ur*- 
sprungs der Ebrenschmalerungea Riicksioht zn nefamea. 
1) In der offentlichen Meinang (fama^ opiniOy exi* 
iiimatiOj -welches sowohl das Urtbeil iiber eine Person 
wie Cic. Verr. V, 68 non iadta exittimatiQ -- ted P. 
K. iudidum^, als auch den Ruf bedeutet s. Forcell.) .wajp 
die alteste EhrenschmUlerung {ii^famia d. i. uble Nach** 
rede and bis Cicero noch ohne juristische Bedeutuog s. 
unten Anm. u. ForcelL) begrundet, welche urspriinglich 
dorchsius keinen jnristischen Werth hatte und erst in 
spclterer Zeit auf die Gesetze und den Staat Einfluss 
gewann. Gewisse Dinge, an sich zwar nicht schlechty 
aber mit dem Charakter eines redUchen Biirgers u. der 
Pietat eined feinfuhlen^en Menschen nicht zu vereinigen, 
wurden schon friih durch Asa Zartgefiihl u. den sicbern 
Takt des Yolks mit einem gewissen Makel belegt, wel- 
chen keine often tlicheAutorilat anfiegen oder verwischen 
konnte, z. E. Pietatsverletznngen, wie eine zweite Heir 
irath .Yor YoUendung des Trauerjahrs, doppeltes Ehever* 
lobniss u. s. w. Wie weit raehr aber musste. dieaea 
bei alndern Yergehungen und wahren Yerb^echen der 
iFall seyn; gewiss wurde der Betriiger, nameiitlich weir 
fremdes Yertrauen tauscht (s. unter 4), der Dieb^ der 
Morder, iiberhaupt jeder Criiningilverbrecher neben der 
erhaltenen offentlichen Strafe oder auch frei von derselben, 
durch des Yolks Stimme seines guten Namens beraubt. ' 
Wie sich' des Yol^s nacfatheilige Meinung iiber Yatinius 
pusspricht, schildert Cic. in Yat. 16. Aehnlich pro Clnent. 
14. Ebenso waren schon friih manche Stande u. Gewerbe 
bei dem Rom. Yolk iib^lberiicbtigt und Jiicht ohne-euie 
gewisse Ehrenschm&lerung auszuiiben, wie das der lie- 
derlichen Franen, Kuppler, Schauspielet j .caupianes u. 
B. w., sogar die Handwerker (gpificea u. merceimrii) 
galten fur vUei oder abiectae penonae^ ihr quaeiiue 
fur $ordidu$ (Cic. de atL I, 42. Sen. ^pist. 88.), Weil 
eigentlich nut Sclaven u. Freigelas«Qiie. diese jQtwerb* 



/ 



— 109 — 

betrieben. Notbriscli nnsiflliebe nnd sobst^iibeJberSdi* 
ti^e rLente nannlen toA turpes '( kumle$ bezeichnet nnr 
Staodesr^rsdhieiLenfaeit, MarezoU S»282flf.)9 welcherAus- 
dmdc auch gonst gains allgemeih far solche 'Yorkommt) 
dereipr existimBtie geschmiilert ist. Cic* de* or; I, 36. p. 
Caec« 3. p. Rosci. Am. 39. — AUinahli^ gewann des 
Yolk^ Urtheil: Einflass auf die GSesetzgebnng und die 
Gerichte, so dasg 'fur manche Personen, namendicl^ 
Verbrecher, aueh n&ch ihrer Strafe noch viele Unbe- 
qneraliekeiten in Bezug auf die gerichtliche Anerken- 
nang ifares gnten Nameiis folgten^s, unten ^ u. 4. An** 
dere Personen dagegen wurden von dem gesetzgeben^fl; 
Organ iticht beriickBichtigt und blieben mit der levis 
nota popuii behaftet, so dass sie hochatens Tor Geriobt 
nod im gemeinen Leben einige Znrucksetziung ^uhren^ 
bis Rueh; bier in den letzten Zeiten der Republik iind 
Ait Kaiserzrtt manche Bestimmnng erfolgte, z. E. Yer* 
bot des Connnbiam fiir Vornebme und Freigeborne^mit 
berocfatifften Franen darch die lex P&pia Foppaea, und 
gcbqn, fnlher stand es fest, dass keiAe turpu persona 
im ^enat silzen oder als Richter emannt werden dorfe. 
Cic. p. Cluenf. 43. ^ 

2) Die alteste durch das positive Gesetz aussespro- 
chene Ehrensobmalening findet sich in den XIl Tafeln, 
also jedenfalls aus. dem bisher ilblichen Geweiinheils-- 
recht aufgeuommen und sanotionirt. £s. biess neraUcix 
dort qui se iierti testarier, libripensve fuerit^ ni testis 
monium fariuiur , improhus tntestabiliique* esto GelL 
XV, 13. Dirksen's Uebersiciit >S. 607 ff. Wer sfeh also 
weigert^ beieinem Rechtsgeschaft ^ z. '£. Mancipation, 
bei Kauf, Testaihekit ti. s: w., ein frfih'er versprochen^s 
Zengtilss abzulegen, sdlt zdr Strafe ^alle FSlhigkeit, zeii^* 
gen '«tt' d^rfen, verliereh; denn diese B^dei^tung hat 
^tttUbiKs ^) niidvimprobns scheint keSnen speciellen' 
Sbn ehtlialten -^n haben. Einer andern Nachricht zu- 
folge'warifen atick Pasqntllantcitt mif dieser Stirafe be* 



r 



•1 



^ Marezoil S. 86. ft z«igt', dau ikU$iahUU HM^ts bedente, ds 
ftioeii der-zttnJ Zen^n'mcht zmgezo^ea werdea dMe. Bei GelL 
VI,^']iel8ft'«e«<a^^eio6r'der z«ageii darf Bad G^IL fiigt liiDca: 

gttii«iDea( Leben. tieht et freiiicfa oft all tyaonym yoa M#4l«<l% 
MiBtDttiob b«i improbuf t. Foroell. 



• , 



— 110 — 

lege, trekba rich fiberhanpt erweitert haben mag » 'ad 
daaa aie aach die Unfthigkeity uber aein Yermogan ei«e 
letztwiUige Dispoiifion xa macben, nmCniste. &baL u. 
Unterholsner za Hor. Sat. II, 3, 180 in Heindorfii Aliag* 
Welehe neae Beatiiamvagen biDsagetretan sind, wiaaeti 
wir niebt; nar io viel ist um bekannt, dass sich die* 
aea altelnstitat erhalten bat, aueh aachdem die'spdtere 
eiTilreohtlicbe iafamia entstanden war. 

3) Eiae fiidre Vermindervng dea guten Namens 
warde darch dea Censor ausgesprocben (tgnmnMa ecan 
toria^ aoch n^tac.J *), indem dieaer ais Sittenriafater 
'^lea was gegen das Herkomtnen, PieliU and gate ,Sie» 
ten sowohl im Staats- ak FanuHeaieben Teratieas,. li^fta 
and bfstrafte* 8. S* 37 f. Cie. de rep. lY, 6 ceamrtt 
iudicium nil fere damnato^ niii ruborem mfferU liu* 
que, ui omniii em iudieeUi^ 9er$atur tmntnmmodo^ ta no^ 
mine ,. animadveniw ilia ignaminia dkia ^i. Lit* IV, 
8 beaeicfanet die Cenanr als morum diicipUnae^^ Mo*' 
manae regimen^ Cic. in Pison. 4 ala t^e/wf magMra 
pudorit et modestiae p. Sest. 25 cen$9ria natio et gra-^ 
viisimum iudicium sanctisiimi nuigistratus a. s« w. Die 
Strafe bestand in Ai^sstossen aas dem Senat, ana dem 
Ritterstand, ja sogar ans den Tribus, in welcheai Fall 
die Bestraften nnter die Aerarier kamen and einer will-* 
kiirlicben Bestenerung nnteriagen s. S. 24. Die Wir** 
knng diesOT StI'afe ist aber vornbergebend , indem sie 



*) ignondnia ist der allgemeine Atisdrack in der repablikasisdhen 
Zeit fiir die dnrch das pesitive Recht (rbm Censor und Y(»n Pra-» 
tor) ansgesprochene Schmalemng der biirgerlichen Elira (auebi 
GaL IV, 182. II, 154), wabrend m/omia, weldies damals niaibm 
anderes biess , als nble Nachrede , in der Kaiseneit (gewiss exft, 
nach Gains oder gleichzeitig ) die Bedentnag der jgnominia m 0di9t0\ 
(praetona) erhielt, wie anch ans Fronto de diC Terb. p« 384 ed«' 
Nieb. zn .erkennen ist: ignominia imp0nHur ab «», qui p^HH w^ 
madversione noiare^ infamia ex muUorum iermone naiciiurM In die* 
aem Sinn stehen beide Worte neben einander Cic. de nat. deor* 
.n, 30. Tnsc. Qnaeit. IV^ 20. Tao. Ann. Ill, 52. — Utber ^ 
Censoriscbe Nota •• Jta^che Barstefl. des oenaorr 8ti«£ra«htt 4. 
Rom. QoBtt 1824. M0lii0r de minnta exist oap» !• d» aotatls.a 
csBtore. /• ^jL C» Rwers de censornm apad Ron. anolofitate aft 
exiatiBiatiene ex Tett jrenim pniilicamm aoaditi axplieaadak T*nm 
ad Rb. 1825. 



Ill 



der Bftchfolgende' Censor meistehfi, aofhob Cie. p. Clnent* 
33, Pieudo AscoQ. in Cic, Div. p« 103 ed« ,Orell., auch 
hifiderte sie den Bestraften nicht, Ricbter n. Magiitrat»* 
person zn werden Cic. p. Cluent* 42 quoi si HMd (das 
censorisefae Urtheil) imdicinm puiaretur, ut ceteri turpi 
wdicio damnati in perpetuum omni honors ae dignitaie 
privuniur: sic hominibus ignominia notatit^ neque ad 
konorem adiiutj neque in Curiam reditus eiset. 

4) Die letzte und Mrichdgste Art der EhrenschmS- 
lernng trat durch did viva vox iuris civilis des Pr&- 
tor hinsn , \velcher in seinem Edikt manche sehr 
naefatbeiiige Bestimmnngen fiir solehe Leute aufstellte, 
welohe bisher ohne rechtlicben Nachtheil zu empfinden, 
nur in der oft'entlicben Meinung gesunken waren, von nun 
an aber atich im Staats- and Privatleben hinter die un- 
bescbokenea Biirger znrckkgesetzt werden soUten. Diese 
itt der Kaiser^it it^amia genannte Ebrlogigkeit biess 
friiher ignominia ex edit^to sad iimfasste im AUgemei- 
nen folgende Personen: - 

1 ) Die in mekren indicia puhHea Vernrtbeiken^ 
Weil in diesen das Volk selbstt entschieden zii baben 
schien, nmnentlich in den vorziiglieh gebassigen Ycr« 
gehiingen, z. E. repetnndarum, vofi denen die lex Julia 
wiederbok einscharfte, dass die Vernrtbeiken weder 
Zengen nocb Ricbter seyn diirften nnd aus ibrem ordo 
aasgestossen werden miissten. Suet. Caes. 43. Otb« 2. 
Plin. ep. II, 11. 12- Tab. Herael. 117 (43), 119 (45> 

2) Die in andern Criminalpro%e$jten Yernrtheilt«fi, 
z. E. ininriamm, s. ObligatiofiMfiHreobt* 

3> Die in- einigcn PrivtOproxenen Coftdti^nitteif, 
nemlicb solcbe , welebe ' frerad^s Yertraiicm geftesoht 
oder gemissbraoobt baben (indicium ^ducimej^ welcbe 
ats iingetreii# VdrniiVnder erfitnden (i9ed. iutelae)^ ^ri* 
che in einef Ge8elh«b«iffs - ufirf M andatklage (iud* pttk 
*ocio mandati) vei^nrtbettt warden sind* Diese Centriafcte 
Warden besMKiitors beilig gebaken and deren dolose Yer^ 
letzang nieht bl^es d«rrcb die gewdbnliche, sonsi geofd^ 
nete d^entltefae Strafe eder civilrechtlieben IMaohtheile, 
sond^rn aticli dnreb diese Ehrenstrafe geahadet Dtole 
Vergeben contra Jidem werden er^abot vmi Gie. d# . 
nat. d. Ill, 30. a* p. Ca^« 3 als iudicia turpia {i^ L 
existimationis). p. Rose. 6 si qua enim sunt imh'oia: 
fummae existimationis (von deren Erfolg der gate Name 
sbhiingt) et paene dicam capitis (fast CapitalUagen 



112 



gleicb), trta haee MmUjJUueiae tmteUte sodeiaUs. Aegmk 
enim perjidioium et nefarium est, Jidem framgere gu&e 
eentmet vitam : et pupillum fraudare — et Bocium fal* 
lere, Ueber die Ueiligkeit des mandatum s. Cie. p* 
Rose. Am. 38. 3fi. Im Ailgemeinen s* aach Cic. de off* 
III, 17. Dahio gehort aucb, wenn einer anveriraate 
S^chen abscbwort* Tab. Heracl. 113 (39). Serv. ad Vir^ 
Aen. YlII, 363. Plaut. Pers. IV, 3, 7. Pseud, prol. 13) 
iiberhaupt jeglicber dolus. Tab. Heracl. 111. 112 (37. 
38), und Diebstahl Tab. Her. 110 (36). 

4) Die Personen, derea Yermdgen zu Besahluog 
der Scbulden aicht binreichte, so dass Concurs aud^rach 
(venditio bonorumj. Cic. p. Qniht. 8. 9. 13. 15. 17. 22." 
45. Gai. II, 154. IV, 182. Aucb vertragmassiges Ab^ 
treten der Gtiter an die Glaabiger (cessio bo»orum) war 
nach tab. Heracl. 113—117 (39—43) nichi: obne Nach- 
theile fur die existimatio. S. Marez. za dieser Stelle lu 
Aclionenrecbt im ausserord. Verfahren. 

5) Spldaten, welche durch nwsio ignominioga vom- 
Heere entfernt worden waren/ Tab. HeraoL 120, 121 
(46. 47). Ihre Restitution in Zeiten der Gefahr kam 
wohl Tor , denn Tac. Hist. I, 52 sagt redditi plerisque 
9rdin€8, remissa ignominia etc. 

6) Die. Leute, welche ein niedriges Gewerbe trie- 
ben, wie Knppler, Schauspieler, Gladiatoren u. A. Ob 
offeatlicbe Dirnen auch dazu gehorten, ist sehr zweifel- 
haft, indem erst 'durch ^ie lex Fapia Poppaea den faofae->- 
rei)i Standen das connubium mit ihnen untersagt wurde. 
Ulp. XIII, 1. Tab. Heracl. sagt 122. 123 (48. 49) qui 
corpore quaeitum fecit fecerit^ quive laniHuram artemve 
ludicram fecit fecerity quive lenodnium fadet. 

Die rechtlichen Folgen dieser pratorischen ignomi-* 
nia*) bestanden wohl anfongs dartn, dass den genanntea 
Personen das gerichtliche Auftreten yerwebrt wurde^ 
woniit sich die Unfahigkeit verband, Richter und 8ena- 
toren zu werden, oder andere Ehrenstdlen zu bekleiden 
Dio'Cass. XXXVI, 21. Ascon. ad Cic. p. Corn* ed« 
Orell. p. 78. Ulp. XIII, 2; es ist sogar nicht unwahr^ 
scheinlich, dass auch das ius suffragii verloren ging 
(dagegeh MarezoU S. 208, dafur BurchaKdi p;. 33). hxk 
privatrechtlichen Theil der Civitat entstanden auch man-- 
cbe naohth^ilige Folgen, namentUch in dism Vormund- 



*) MarezoU S. t205— 259. 



— 113 — 

sehafts-* nnd Erfarecbt (hieranf dentet eine Verordnnn^ 
Domitians, SnetJ Dom. 8) in der Fahigkeit tn- zengen 
vnd offentlich anzaklagen; dorh ist ein Kriteriiim hier 
6elir unsicher, indem sowohl die Zeit sehr scbwer zta 
unterseheiden ist, als die aas Terscbieden«^n Verbrechen 
oder atts Treubruch entspringenden verscbiedenen Ab« 
sttifnogen der Mgnominitu Die sicberste Quelle ist die 
tabula Heracleensis, wo die oben aafgez^blten Ursachen 
der ignorninia (iibereinsiimmend mit den in deh Paipdek- 
ten enthaltenen Ediktsfragmenten) als von der Stelle 
eines Municipal -Senator oder Magistrats auscbliessend 
angegeben werden. 

Die Hauptverschiedei\heiten dieser ignoininia und 
der censoriscben mocbten folgende seyn: 1 ) jene ist 
lebenslanglicb , diese voriibergehend , 2) jene hat Ein- 
iluss auf d^q privatrecbtlichen Tbeii. des Biirgerrechts, 
diese nicbt, 3) jene scbliesst vom Kriegsd^enste aus, • 
diese nicht Li v. XXVII, 11. XXI V^^ 18, 4) jene traf 
Frau^n, wenigstens seit August's Zeit, diese erstreckte 
sich za keiner Zeit aaf Frauen. 
i 

II. Verschiedene Handlungsfahigkeit 

der Personen. 

(Status naturalis.) 

Die Handlungsfahigkeit richtete sich nach Alter, 
Geschlecht und Gesundneit der Menschen. - 

1 ) Einflus9 des Alters. • a ) Das Kind von seiner 
Geburl> an bis zum 7. Jahr heisst infans, worauf die 
Zeit Ae» fari posse beginnt^ doch ohne Handlungsfdhig* 
keit, denn es bleibt b) unmiindig impubes bis "zam 
14. (Macrob. Sat. VII, If. somn. Scip. I, 6. Senec. eon- 
sol, ad Marc. 24), 15. (oder 17.) Jahre"^). Mit dem voll- 



*) Legal war der Pubertlitstenhia entweder g^r nickt genaa be- 
stimmt geii^sen oder spater ausser Gebrauch gekommen, so data 
die JnrittelDL Um iu den einzelnen Idstitnten besonders festsetzten 
nnd nnr bei Beeiidigimg der Vormondschaft zwe^fellUift waren, ob 
die puhertas mit einem bestimmten Jblir oder mit der Zeugnngs-* 
fahigkeit begiBoe. Fiir jene Annahme stimmten die Proculianer, ! 
fiir diese die Sabiojaner, die Ehe Tor Angen faabend, und iarole-^ 
una PrisGii» rerlangte aogar beides. Diese Controvef se erwahnen | 



\ 



J 



\ - U4 ~ 

eodelen 1{^ Jabr waxje die ^^a |^i/i> mptogt (fM^v 
cepg FesL h. Tv Ciell. Y, )9) , also Fie|}eicat «b d^sel- 
bra Zeit^ wenig9teii« nicbt writ d^von/^a w^lchesr 4^9 
MiiDdigkeit eintrat Comio. vetqsti in Juv. Sat. ed. Cra* 
mer 1823. p. 604. Juv. S^. 11^, 99. Ovid. Fast. Ill, 771 t 
^p^ter schwaokeqd Saet Calig. 10 Tac Aab- XII, 41> 
^i Madchen dauerte die UnmiiDdigkeit nar bia zami 
12. Jahr, Dio Cass. LIY, 16. Ilieses Alter beiaat aeia0 
pupillaris^ b6i Qainpt. Jnst. VII, 6 anui tutelae suae* 
&) Nach eriangter Miindigkeit erhielt der Jiiogling voUige 
pifivatrecbtliche Handlqngsfahigkeit, worde milUardieiist- 
pflichtig und erwarb das Stimmrecht (Niebuhr R. G. I^ 
^. 490 n.), jedoch za Terscbiedeoen TermineB^ bis durch 
les: Plaetoria {l^a; quinaviceunaria bei Flaut. Pseud. I9 
3, €8. Bud. y, 3, 24) eine neue Bescbrftukung biuButrat. 
Sie begriindete nemlich den Untersch. zwiscnen maiore^ 
(uber 25) n. minor es (unter 25 Jahren), welcher yorbef 
nicht stattgofunden hatte. Dadnrch wurde der Ternin dev . 
'Unmiindigkeit nicht verlangert, soqdern ein'naueir, der 
der Minderjahrigkeit hinzugefugt, bo dass zw^r in pq.- 
blicistischer Beziehunff keine Aenderung eintral, privat- 
rechtlicb aber besondere. Wirknngen an die legitime 
aeta9 (Volljlihrigkeit nach erreichtem 25. Jahr) ange- 
knupft warden. Das Gesetz verordnete: 1) Jedersegen 
einen Minderjahrigen begangene Betrug solle aiu das 
strengste bestraft werden, 2) der Minderjahrige solle 
dorch eine Ei&ceptien gegen des B^rugers Anklage ge- 
schiitzt seyn, 3) daher miisse, urn die nacbthejligen, 
Folgeu dieser lex abzuwenden, bei jedem Vertrag ein 
Yom FrUtor erbetener Curator des Minderjahrigep ziige- 
gen sQrn , vx^ welchem Fsdle das Qe&pbaft gUltig ^y *}• 



■■ ■ . 



Qui^^t. (bs^. lY, 2, 5 fuberim wwU <m haUiu eorpofsU af$timetHM? 
Fell. Y* pak^Bf, Gai. I, 196 (leider liickeiijaifl). Isicior. ong. ^I» 2b. 
Ulp. XJ, 28. Am G. Cramer de pnbertatis terfiiino ex disciplina 
Rom. tx\. 1804. Dirksens Beitrage S. 51. 155. 286 ff. Kudorffs Vor^ 
.mand«chafl8r. Ill, S. 210>-216. — Was die rom. Auadvijuoke llir 
dteie Attersstnfea betriffl, so war dev Spnchgetokuali noy iminer 
coMefOfiBt mud znu nnbestimmt ; TOnnglich warden die Awsdritefcy 
m Mtodigkelt n. GraMJahn^keit haa% Teiwechseit. & BirkMem 
B^trage S. 286 L 

*) tf. Sa^n^ TOO dem Sehote der Bfiadf rjilirigett im Bonaiolien 
Ke^t nad kisliesoiidera Ton der lez Fla^lom, Berlin 16a3. S. 
6<-^ If iMWiM wf das Uarstty daas die «m d^ Wwmwb aossar 



— 115 — 

8. Cie. do aff. III» 16. do nat. 4«m« ffi^ SO; Tub. Hfi- 
nid. ill* 112. (37. 3».} ndbst Dirksem (oImml ]k W.) 
nnii MarexoUs AnmeTkiiiigeB (p.' 139»). Daa Nfifibfe i^ 
ivt yjonpnadschaftsrecht* 

Was dag iohere Alier b«trtffty »o sfai4 nar iio^b 
ioB PiMlegiMi xa erwflhnen, welclie tchon s#{t aliM 
Zeit fur bejahrte lilftDaar beitao^en. MIt dein 50i ialiM 
wurdea die Attaaer, wdobe Nehon seit dem 46<r Jah^ 
Mfuarei hiesatn *), van der MilitftrdiaiMitpiicbl'beA'eit, s. 
Senec. de4>rev. Titae 20, u. mit dem 60. (senea^j ttfi^otui) 
TOD dea oflfentHdien Geiebifteii' n. a* w« Sanac. SO. 4. 
Aua iKtsant Gvmide soHtea aoeb die (Ojidirigea niebi 
an dan Cotnkian 'fheil nehaien, Varfo 4m vita pap. 

' ^ 1. Faan 



ap^ Non* p. 5&3. Cic. p. Rose. Am. 36% Ovid. 
¥, 633. 684. Fast v. sexageaanofl. Plul. i^ttoesl* Ro«i« 
32. Macrob. Sat. I, 5**). 

2} Einjluu de9 Oe9chlechU. Sehan Mt»b dem filte- 
ataa fiSnriMhaa Gebramh stand das waiUlclia €fesohleeb« 
steta infae Vocmoadsehaft, die Tocbtar ancat 4ar des 
Vaters odar ikssan Stdlvartreteps, 4ia Fraaaii ametf der 
des Mannes, so dass andere gesetalisfaa- Bescbrtokaagi^fl 
ibrer Handlangsfahigkeit ganz iiberfliissig waren. Erst 
spater, als dia.alte Zucht iind Sitte entschwunden , als 
das Taterlichey ebeliche ond vormundscbaftliche Verh&It- 
niai ni^ aiehf 4ie stseagaa Faiiielii 4?r fttbe? Ap Z«il 
/ anli^gte, wareq positive Bestiian^ungan nQtbig. Das .4^- 
trefen vor Gericht war deo Frauen ursprupglidi nicht 
Tersagt, dkwobt die alte Sitta ibnen TarVot, davon an- 
ders als in dringender Notb Gebraucb zumacben, d. b, 
wenn sie keinen Stellvertreter batten (was wohi selten^ 
der Fall nar), oder waon es sicb a^ ibra Ebre u. am 
das Wobl ibres Han^es bapdefte etc.. Y^iU Max. Ill , 8, 6 
(von Scipio's Gemablin Sempronia), 3, 3 (von Hortensia). 
Qjquipat. lQ«t. I, S« Aacb Cic. Yeriv I> 37 i$t mcbt dage- 



ol&igen BeftimmaDgen angenoxameneii Yerordiinn^eii i^r le^ J^la^ 
torn (alle von den Miiiderjahrigen gemaebten StipulatioDea und 
Sdralden seyen nngoltig ] nicht In der lex enthalten wareir. 

*> SenhHi war keia joviatls^lHBr ond sia uberbanpl nnbealiaimftr 
Aaiidraak, Ceaaorin. de die nati 14. Gall. X^ 116^ a. Tk»^i> ibiv 
tana^taa im Archir f. mvil. f^raxia VUj» $« 74-90. 

*0 '/* Pa WofptMri diss, fipaapfwr. 40U ait : y gxa y aa a ipia 4a 
poDte. Laaatabnw 19ZU 

'8* ' ^ 



. * 



— 116 — 

gad, indent er nnr dei^ Yerres Torwirft) dags er Franen 
gez^ungen habe, ror Gerieht za zeugen. Asc. ad Cic. 
p. Mil* argam. ed. Orell. p. 41 sprieht voa dem Offend. 
Zeugniss der Frauen fur die ihrigen ; auch Suet* Caes. 14. 
Ja sie darften sogar fiir andere klagend auftreten , bis es 
der PrUtor verbot, Yal Max. Vlfl, 3, 2, weii AfrAnia ei- 
aen onTerschamten Gebrauch'von dieser Erlaubniss ge* 
itt^^bt hatte*:> Bei Criminalprozessen sind s|e stets aki 
Zeiigen anfgetreten* Tai, Ann. II, 34. UI, 49. Suet* 

CUud. .40 *). . . : 

. Z). Einflu99 der G^iundheit, Dass Geisteskranke 
pod die in derselben Katfigorie stehenden Yerscbwendel: 
durch diis Cnra ihrer Agnateo und Gehtiien in ihrer Hand«- 
lunggf^bigkeit'sehr bescbraitkt seyn^sollten^ Tecordn^en 
die :&M Ta£eln. Dirksens Uebers. S. 369 — 380. Das 
Nahere «• im Yormundschaftsrecht. . : 

- '4) Min/hiss der Religion ant die Handlungsfahig;- 
keit war den alteii Romern fremd, indem die grdsste 
Toleraaz h^rschte. Cic. p; Flac. 2S. Besphranknngen g&* 
hore^i) erst der christlichen Zeit sin. S. Zimmems Hechts* 
gesch. I, S. 469—478. 



//• Jnhalt und Anordnung des Rechtsny- 
stemiy nebst Bemerhungen iiber (us natu- 
rahy tus gentium y ius cwUe. . 



A. Anordnung det Romischen. und' 

heutigen Juristen. 

Dfiis Sy stein des Privatrechts zerfi^l bei den Romi*- 
schen Juristen der Kaiserzeit — obgleich sie im Ganzen 
mehr den StofF als die Form beriicksichtigten und zix 
wenig nach dem AUgemeinen strebten -^ in drei Haupt- 



"^) Bies^n Uebei^ang yon der altidn Freiheit zn der Strenge der 
fftatemZeit liat IHriEsen ansser alleii' Ztreifel geselzt in s. Bei- 
tragen z. Kunde u. s. w. S. 285 — 247. ^ Die «ltere Ansicht war 
gerade umgekehrt, s. E. Spangenherg hist, fern; ior. Gott. 1806« Gm 
Donf" Seiffen iug feminarum apiid Rom, Tral. ad fth. 1818* 






— 117 — 

BMMten. Gfti. 1 , 9 •*# periimet wel ad ptnMm$ u4i md 
res vel ad aeiionei. Der ertte Hmipttheil im ke per^ 
0Otgii umfasste den status persoDarum qdcI das FamiueD- 
recht; der sweite, ius de rebut das Saclienrecht, also 
Sagenthmiif- und Erbrecht, in welchem die Sachen aas 
einer Hand in die andre fortschreitend su denken sind ; 
der dritte, iu9 de aetiombus das Obligationen- (dieReehte 
an gew^sen Handlnngen fremder Fersmien) uad Aetio- 
nenrecbt (Forderungen auf Scbutz der verietxten Rechte 
und die dazn g^eborigen Formen , abo Prosess^. \Diese 
£intheiliiog konnten die Romer nach den Recntsobjek- 
ten gemacbt baben , danh batten sie sieb 

1) personae als Objekte der Recbtsverb&Itnisse ge* 
dacbt, insofern scbon die Natur ein recbtlicbes Verb&lt- 
niiss zwiscben den Ebegatten und zwiscben Eltern und 
Kindern etc. aufgestellt hat. 

2) Ebenso konnten ret Rechtsobjecte seyn, da die 
ganze Natur mit ihren besondern Theilen dem \VilIen 
des Menscben unterworfen ist« 

3) noltofttf^ Forderungen sowobl, als die Handlnn- 
gen, um jene geltend zu macben, kdnnten ak Recbts- 
objekte^gedacbt werden. 

Obgleicb dieses ganz rich tig ist, so kann docb nicbt 
be^iesen werden, dass die Rbiner ati diese streng lo^i- 
sche Eintheilung dacbten, namentlicb widerspricht das 
Vorkommen des $tatus im ersten Tbeile, welcher nicbt 
unter den Recbtsobjekten , sondern bei den Reebtssub- 
jekten aufgezfthit werden darf. £s ist daher die An- 
nabme wabrscbeinlicber, dass sich die Romer das Gesetz 
als ein fiber den Menscben erbabenes disponirendes Sub- 
jekt dacbten, welches in drei Hanptrii^ksicbten Bestim- 
mnngen aufstellt. So entblill: 

der ertie Theil die recbdiebeti Bestiramangen fiber 

die. geistig belebten Wesen, die Menscben., 
der %weiie iiber die geistlose Natur, die Sacben, 
der drjitte iiber die Folgen der Handlungen u. Willebs- 
fiusserungen geistig belebter Wes^n (Forderungen), 
die Aotionen and Obligationett *)• 



^} Hugo hat tteto beliaaptelg ^ast Gaiof, Thtopbllqa and d«r 
Veifasser der Justinianeischen Institutionen jeaa £iiitb6i]x>o§ in Peiu 
•onen» Sachen und Begebenheite^ befolgt haUen; namisntlick hat 
«r xu wiederholtan Mal«n das iut atHonum und ohUgtkiHmum dtoi 



.^ — 118 — - 

^MCA eii^ge es mclie fir das RoaMebi^ aaerkMnilwiy 
aodere wi^n inoarer Mingel wit Tad«l ibeiliftaflcli, 
andere Hwr tbeUw^airVarbesaeniDgeB versacht^n. Qattt 
eigeathaailiek war tntHt Th%bmui9 Aaffatsoaf (YeMMba 
uber die Tbeorte det Rachts, Jeaa 1901 , II, S. 1 A), 
w^lebe tiQteff iu» pers^mantm die Yeracbiedenh^leii dar 
Persante^ oater im$ rermm die YenehiedeabeitifA da^ 
Saelien aaifiMSt, ioden er geliagiBet halle. da«l Perso^ 
BMk und Saahen ak Rachttobjakte aafgcmuMt werdeK 
kdnntea^ da aie Tjlelmahr nar Objekte der^ RediCsobj A^ 
Oder der Handlangen aejren. Diese Aasicbt bebaoptel 



dritten Theil det Systons yindicirt, s. cmk. Magaz. lY, S. 1—4^ 
daranf nock einmal nach Entdeckviig dea Gaiiu V, S. 38S— 431, 
ZHletzt Vr, S« 2B^ — 346. Aadi iat nicht za Terkeanea, dass Ao- 
tionen nnd Obligatioaett im Romiachten Reeht ateU ab zwei itaag 
yerbuDdene Begriffe encheinen, die aogar oioht aelt^n yeiwecbaell 
werden. Urspriinglich mag der Auadmok acHo (geiatige nnd kor- 
perlicbe Tb&tigkek nebat deren Folgen) in lifeiteater Biedeniiang bfi^ 
dea. Qinfasst haben, bia die Begriffe aicb apaltetea oad obUgaii^ 
ala diejenige Handlung anCtritt , wednroh man aick iibet Hand- 
Inngan firemder Peraonen Bechte erwirbt and ala die Aeokle aeibati 
die nur Folgen jener Handlnng aindi wakrend a^fta niokta ala die, 
Handlung b^euteti wodnrck men aowokl jene nla aadie Beidit^ 
YQX Geriehf g^tend raeckt* 

Ala lelaler Vertheidiger dea Romiacken Syatema iat K 6^ CTn-^ 
gar aufgetreten^ da daonim praecipaormn kirfaprndentiae apod- k** 
tetea ayatematnm tarn indole qnam engine Hanney. 1834; faaak 
wdobem dev efale Tketl yon dea Peraonen bandelt u. iawielBra aio 
Recbfe kaben konnen; der zweite yen den Saokea od* einaa lnaa 
|laoklen« weloke die Peraonen kaben (anokObl.); der diitte^ y. d. 
Actionen , welcke ein Band kiMea zwiaahea Fenonea n. Aieken, 
damit jene nicht ohne Sokntz ihrer Reckte daaCeben mfigea. Aebn- 
lich aprach aick G. P. Puehia (Rhem. Mtia. UI, S, 1 IS-- 134) ana, 
Weleher dea (fiaiqa Aaordnnag freilieh niebt ala S^atem , tMadem 
nur ala einen achonen Flaa der DaMtellnng gellen llwat, ia wel- 
ehem aick die Gtieder/gegenaeitig bedingen nnd yoranaaetzen; Der 
Anfang werde aebr paaaend mit den Peraonen gemackt, welcke 
enrerbea, daaa Iblgtea die Sachen^ weteke enrerbea werden, 
eadHek OMfigatioaea and Aefienen, ae daai lArenl^ akatatkta Far- 
Itimiig dieie Aaetdaaag geaokaffea, ala tiekndtf dki lat»tefaaa|pi* 
art der Reekie. 



/ 



— tl9 — -^ 

•r tmte ailea Kntgegiraagm Hvgos «• A. miMtt i«#li 
in di^r 8. Aofl* wrinm l^aii^ekieoKysteiiM 1834. S* 7. 

Eine neue Clattification stelite Unterkbimir Mrf 
( jarist. AbhandluDgvn Miincheii 1810, S. 103 -- IMH 
fiaohdeJii er die vorausgegangeDen' VersuChe, naniMtlicli 
HugdS) Hufelandsi Thit^uts Inregen ibrer ,^Um9olM9i^i 
digkeit und uuHektigen Bestimmunr der BegrifftB^^ n^ 
KMrit batle. lodem-er die abft ^en Ohjekteii des Remti 
ond' dem Uulfang der Rechuverbidtiiisie faemmehmtttdt 
EiDtbeilung^Gomblnirty'ergiebt kich folgeDde Classifika- 
ttOn: 1) Relative Fordeniiigareehte(ObligadotieD-,Klage*, 
Rxceptionsrechte), 2) Sachenreebte, 3) Absolute Ford^ 
rangsreehte (auf Nicbta&greifen , Niehtbindera ^ Nicbt- 
swiageD^ Leiden oder Tbun), 4) Peraonenrechte (Fani- ' 
lienvefb^ltniiae)^ - 

Eioen gaiiB Beuen Weg scblog G, C. Bufekardi 
ein (Graadzilige des Bec^toiyitems der R5mer ana ihreh 
Begri^en von offbntlieheai und Privatrecht, Bonn i§22)« 
Hveleher Von der Romisehen Eihtheilung in ius publicum 
nnd privatum auagehend^ dds geaammte fiecbt in Aret 
Theile E^rlegte: 1) iu9 ptiblicuv/^j entsprechetad dem id« 
teq Ausdruck^ iu9 perfinet adpertonai^ mit dem Grwild*^ 
priliaip honesi^ vivere, itefasst die Burger-, Aitett- und 
Fi^HKenrechte } 2) iui. privatum (veriatur cirea rt$i 
mit dem Princip nemi$^m laedere) enthalt Sacben- und 
ObligoiioiieBreeiit; 3) ius m<a;tum (venmiur eircM attie^ 
nei* mit dem pjaeceptilm : $uum eutqiie trihuete) be- 
gtein theiis offentlicbe, theils Privatrechte, je naobdeift 
flich dte Klagen^ Exeep^onen und Proze^s auf 4iece 
odor jene beaiehen. 

Obgleicb nicht gelaugnet werden kann, data mao«> 
eiMr Tftdel dea Romiaoheli Syatema nieht unbe^i^ndet 
Mil uAd daas dagegen nianehe YerbeiaerungavoriiteUage 
ml ficharfsion erfundiBH und bewieaeo viforden aind, ja 
dasa die neuen Classifikationen zum Theil auf Einlhei*- 
lunffagriinden beruhen, welche nicht aus su&lligen Merk- 
ma&n, aondern ana dem wahren Wesen des Rechtabe- 
griffii geaebdpft AM : ao iit dooh aueh atidreraeita daa 
Gezwungene, Unbeqiieme^ ja aogar Faisdte eidzelneiF 
Tb^ile nieht su ferkaiinj»n, ebenad^ daas dadtiirch fur 
den praktiiebeti Gebraaoh u«d bequemen Ueberbli^k 
wenig gevronnen iat« Deahdb wird ca am boaateii ieyo, 
trota maaeher iiber d*n alten Sohlondrian auageaprocb* 
nen Yerdammung die Romiacbe EiaAdlmg tait einigen 



/ ^ _ 120 — 

ModifikalioneD noch iiumer f est za halten.. So iverden 
wir die zusammengehdrenden Rechtsobjdite je in ein Buch 
zusantmenfasseDd im Ganzea Savigny s von Pernice *) 
mitgetheiiteh Plan folgen, welcher sicb darch grosse 
Beqaeuilicbkfeit und Uebersichdichkeit empfieblt. Die 
ganze Masse zerfallt in zwei Hauptpartien , von denen 

. die erste dije Kechte selb&t, die zweite diejenigen For- 
men in sich begreift, welche zum SchatZ der Rechte 

-angewandt werden konnen: 

2. Die Richie selb9L 

1) Seehenrechte, gegrnndet auf das Verhahniss der 
Personen za den Sachen, welche entweder der voli- 
fitdndigen absolaten WiUkiir eines Mensoben unterwor- 
fen sind oder nnr partieii eine'r Person angehoren, so 
fdass von dem Gesammteigentbum einer Sache gleichsam 
ein Stiick abgescblagen ist, woriiber ein Anderer als 
der Eigentbiiiner Verfiigangsrecht hat (VoUstandiges £i- 
genthum nnd las in re, ent&s Buck). 

2) Familienreckt^ aufNaturnothwendigheitberuhend 
nnd in Rom auf eigenthiinilicbe Weise ausgebildet (Ebe- 
recht, vSlterliche Oewait, Vormnndschaft, Sclavenver- 
hSltnisse, mancipium, zweites Buch). 

3) Obligattonenrecht^, basirt aaf das Recbt, welches 
man auf gewisse Handlungen fremder Personen haben 
kann, so dass diese dem Andern nicbt ^nterworfen, 
sondern nnr partieii verpflichtet sind (drift ef Buck). 

4) Erbrecht, auf JNaturzothwendigkeit gestiitzt, in- 
dem das Vermogen nach dem Tode des bisberigen Ei- 
genthumers in andre Hande iibergeben muss, woriiber 
g;esetzlicbe Bestimmungen aufzustellen waren (vier^ 
te9 Buchjf, 

IL Formen urn das Reckt geUend %u machen und 
zu sekUizen^ welche in der Lehre von den Klag^n 
und dem Civilprozess abgehandelt werden ffilnfte^ 
Buch) **)• 



*) L. Pernio^ Geschichte, Altesthumer aad Insdtutioiieii den R6- 
misohen Rechts im Grvndriwe. H4II9 1824. 

.^*) Bieser Thei|, welcben Savigny zaerst b^handelte, ^efat apa- 
leUt (so wie es auoh bei den R6mi•di^ik Jariften der Fall '^^Jt 
de et besser seyn diirfte, Torher. die Rechte eelbst tennen za 
leri&en, ehe-ioiaii zn den welterea.au» derea VerleUimg entoprin* 
l^endeo Reohtea ilbergtbt. . / . « - - .' 



-^ 121 — 

11. AUgemeine BemerkungeH iiber ius natarale, 
' ills gentium , ins civile *). 

Die gesammte Rechtswissenschaft' der Romer zerfiel 
in offentliches and Privatrecht. Jenes fad itatum ret-* 
puhlicae Romanae spectam) erhlelt den ^taat und seine 
Anstalten, dieses (ad sin^ulorum tiiilitatem spectans)^ 
. sorgte fur die einzelnen .Mitglieder desselben. Cic. de 
or. I, 46 publica tura^ quae sunt propria civitdti9 atr 
que imperii cett. Brut. 59. Partit. orat. 37. £s enthglt 
drei Bestandtheile (collectum est ex naturalibm prac" 
ceptiSy out gentium, aut civilibus. Just. Inst. I, 1.): 

1) iu9 naturale (Naturrecht). Darunter verstan- 
den die Romer den Inbegrift' derjenigen Bestimmungen 
iin Recht, welche aus Yerhaltnissen abgeleitet sind, die 
dem Menschen tnit dein ganzen Thierreich gemeinschaft- 
lich sind und im biirgerlichen Lebeh zur Ausiibung 
komnien. Just. Inst. I, 2 ius naturple est, quod natura 
omnia dnimalia docuit ; nam ius* istud non solum ku" 
mani generis proprium est; sed omnium animalium — . 
hinc descendit maris atque feminae coniunctio, quam 
nos matrimonium appellamus, hinc liherorum procreatio, 
hinc educatio, Ahi ^hnliche Weise spricht Cicero von 
der durch die Natur angeordneten Verbindung der 6e- 
schlechter und dem Trieb des geselHgen Zusammen- 
lebens de fin. Ill, 19. de off. I, 4. lU, 5. p. Mil. 4. - 
est haec non scripta sed nata lex, quam non didicimus, 
accepimus , legimus , verum ex natura ipsa arripuimus, - 
hausimus , expressimus; ad quam non docti sed facti, 
non instituti sed imbuti sumus. — de rep. Ill, 11 er- 
Avahnt er das auch gegen Thiere zu beobachtende ius \ 
naturale. de leg. I, a. ^y. O. O. S. auch Isidor. orig. / 
V, 4. 5. ---^ 

2) ius gentium umfasst die Bestimmtingen , von 
welchen die Komer glanbten j dass sie alien ihnen be- 
kannten gebildeten Yolkern gemeinschaftlich waren **}. 



*) Zimm^ns' R. G. I, ,S. 45 — 51. 

**) Diesen Gedaiiken hatte Hugo (R. G. S, 463 f. a. a.) nnr aii> 
gedeutet^ Dirkaen abeir erwarb aich das Verdienat, ilm ia einer 
gnindlichen Abh^ndluDg (Rhein. Mas. I/S* 1 — 50) zu erortem 
und die Institute des iu$ civile yoni denen des iu$ gentium genau 
zu flbndem, — Der Merkwordigkeit halber ist noch Sohnlu*s An- 



— i22 — 

fihiL I9 t^ Jiitl. iiM. t) 2 fflMil (Itu) JMlMraAk ra/i» 
•iil^ oMnet kmmh eB coiuiituiif id aprnd 0mne9 pojmlos 
peraeque euit^ditur vocaturque ius gentium^ quasi qua 
iure 9mne9 ^emiet uimniur^ Es hat aUo zwar eiiie fak* 
tische Gmiidiage, « ahl aber auch weffen der AUgemein* 
heii seiner Be«tiiiiniiHigen iiDd der TJebereiDfitimmang 
nit der aequHai auf der Bask der hociuten Billigkeit 
and Yernonft, ebenso wie das Natorrecbt, tod dem es 
sieh nar insofern uaterscfaeidet, als im iU9 gentium die 
geistige Natur des Menschea idlein and im Nalnrrecht 
die thierische Gemeinscbaft der Menschen unter sich 
nnd init den Tbieren berucksichtigt ist. Philosophisch 
sind'Sie daher nicht zu unterscheiden; beide sind ein 
billiges Vernanftrecht zu nennea (quod temper aequum 
it banum estj und erst in der Kaiserzeit warden sie 
dareb anndthige Spitzfindigkeit von einander getreant^). 
So scheint Cicero aoch keiae Trennong angenommen 
za haben* Tusc 1, 13 consensio omnium gentium le,x 
naturae putanda est; eben so wenig bemerkt man pro 
Sest. 42 fieque natur ali neque civiii iure descriptor 
Booh de off. Ill 9 5 natur a et iure gentium 9 17, oraL 
partit* 37. de inv* It, 53, eia^ii tJnterschied* Prsdctisch 
aber tritt die verschiedene j^edentuiig klar bervor *% 
indem ius naturale aaf alie Geschopfe, Thiere, Sclaven, 
fireie Menschen Aqwendang fiadet^ wabrend ius gentium 
nach Romiscben Begriff nur far Peregrinen gut, d. h. 
der praetor peregrinus wandte alle die ttecbtssatze, wel- 
che sieb bei den Rom bekannten Volkern Torfanden 
(leges et mores peregrinorumj , die sich freilich nach 
jedes Eigenthun^ichkeit tvieder besonders aosgebildet 
batten y bei solchen Personen an, welcbe des ius civile 
nicht f&hig waren* Albnalig aber gewann das ius gen- 
tium auch fur die Romer eine grdssere Bed^utung^ in* 
dem man sohon vor Alters im gemeinen Leben ange- 
fangen batte, einzelne Institute aus deniselbeo ifarer Be- 



ficht (Staatswistensch. der Romer f . 43.' 45) za erwahnen, welchec 
I'm gentium fnr dat aUe pdntiTe AwM der Geidileditelh hSlti tpater 
TMdHbigt' Yoiki l»t eifftlr der Gemeia^! 

*) A, B* Btnemm de iare geHtiini k hife aafttrsli aoa diteiiow 
IVai ad Rfa. 1918; dagegen G* F* JSieinackmt apologia IHplaal aire 
d* iiotiotte inria g. a UM A« aoeiurate diitliigtiendr, LifMi l€ftl« 

**) Bfrabaniftt Ante, so Qte^MH Rdaij Aatliiilkateii 8* l*^4i» 



• I 



— 123 — 

qa^mlichkeit halber anznwenden, bis endich der praetor 
nrbanns diesen Formen ^Is snppleiiientarhicheii Mtlde-* 
mngen des streiiffen Civilrechto geseCzlichen Schntx an- 
gedeihen liess. la die freieli Formen traten anf Kosten 
der strengen iinmer mehr^ hervor und gewaimen endlich 
einen TollstSndigen Sieg liber das atrenge Prinaip, s. £. 
die bonoram possessio, £igentham ifr DoniSi obligatio 
natnralis n. v. a« S. S* 71 i* , ' % ' 

3) i«9 civile im eigentlichen Sinn begreift^die 
dem RomisMlieD VoUc eigenttiiiHilicben Recbtowahrheiten 
and Entscheidungen fiber Bechtsverh&hnisse; welche ur-^ 
sprnnglich aus deii Stammrechten der Patricier und Ple- 
bejer zusammengesetzt waren und von ihrer formalen 
Strenge durch das allmftlig TorherrschendePrincip des tut 
gentinftk den grdssien Theil einbfissten. . In d^esem Sinn 
als das positive Recht eines Staats and vorzngsweisex 
lIcNi R5iili8ohen beg^net nns im$ civile am hftafigsten,* 
a«Mli bei Cic. de Mg. I, 4. 5. Topw 5. p. Caec 26* Gat. 
Uted Just. Infiit; a« a. O. quod quiiqU^ p^dfmlui itpie iiH, 
«%» cenMiuit^ id ipHu^ civHaiit proprimm t$t vacatw/^ 
fwe ims civHCj quasi ius pfoprium ip9iu$ civitaiis. Das, 
Won bat aber auch tioch andet'O Bedeatungen^ Je nacll^ 
(dtein man ddti Gegensatz rom ius eivile aaffast; so be^ 
gt^ift es iin Gegensats' des tut Aonarartvia die leges, 
plebiscila, senatasconsulta, atlctoritas prudentum a. eon«- 
aiitnfeioties prihcipum. In der Kaiserzeit bat man es hi 
einer noldl engeren Bedentntag au%efas8t, so dass man 
damnter die juHstiseheii Schriften, kurz Ai» gesalrtlUt^ 
andoritas prndentam tvk. verstehen hat. S. S. 80 ft ^ 



V. 



f • 



ErttetBuch. 

, f 

Sachenrecht. 



Ei»l.eituHg. 

Jjem Menschea als Rechtssubjekt steht die vernanftlas^ 
Schopfang oder die JVatnr als Rechtsobjekt gegenuber, 
welcne zu jenem in verschiedenen Yerhaltnissen stehen 
kann, nnter denen das wichtigste, alteste und mit der 
Nator selbst innig verbundene dieses ist, dass einzelne 
Stiicke der Natur (Sachen) sich in des Menschen Han- 
den befinden .und dessen Willkiir untergeordnet sind 
(Besitz), aus dem sich dann im Verlauf der Zeit bei 
fortscfareitender Bildang der Menschen ein rechtliches 
Yerhaltniss gestaltete. Docb vor genauerer Beleuchtung 
fragen ^ir billig, welche Sachen sind es denn, welche 
dem Menschen 4interworfen seyn konneni 

All6 wirklichen res sind entweder mobiles (beweg- 
liche Sachen) oder immohiles '^), unter denen man Grand 



I *) Bass nicht die Eintheilnng in res corporales iind incorporate* 
an die Spitze gestellt ist, hat seinen Grand darin, dass man sich 
nach altem Rom, Recht nnter Sachen immer etwas Korperlichet 
denken mnss. . Erst spat mogen die Juristen diese etwas unlogisobe 
Distinction Ton den Stoikem i^ntlehnt haben, s. Senec. epist; 58. 
^idquid esi^ aui eorporale eti aui ineorporale. 106. Qninct. Inst V, 
10 fin. Cic. Top* 5 (cemi iangive possuni cett)* Si» yerstanden 
nnter res ineorpordle$ alle Vermogensstiicke, welche nicht in Sachen 
bestehen, also in Rechten, ObIiga(ionen, Sohnldfordemngen, Ser- 
▼itnten^n. s. w. 6ai« II, 14, obwohl sie eigentlich nur einideaiet 
Dateyn haben und erst dnrch Abstraktion ein furistischer Begriff 
geiworden teyn foUten* Uebrigens ist der Begriff Eigenthnm ui&d 



— 125 — 

und Bodeii versCeht, Aebst den dario wurcelnden Bto- 
men uii*d AUem, ivag iirit der Erdoberflttche verbundea 
ist (so lange nemlkh ^die VerUndnng daaert). Praedinm 
ist die allgemetne jnristische Benenniing ilir unbiSwe^- 
Ilehe Sache. Pundut bbzeicbnet ein Feld- nnd L^atid- 
grundstuck nebst dem Gebftude , also Landgut (bei Cie. 
h&afig). Ager ist ein zu okonomisohen Zwecken be-- 
nutzter. Theii des Bodens. Aedeg ist Haus nebst dem 
daranter befindlichen > Boden , besteht also aus woium 
(iveicbes Fest. terra erklSrt) nnd aedijicium. Snptr" 
jficies ist AHes niit der Oberflgiche Verbnhdene, es sey 
Haus, Baum, Pflanze n. s. w. — Dieser Uiitersehiedl, 
war schoh in alter Zeit bei Usucapion nnd Mdh^ipatiOtt 
wiohtig (Cic. To^. 4.), spftter auch fur Besitz, Mitgift 
tt.'dgl. m. ' • ' 

Mit den Sacheti ist der Begriff von /ructui zu ver- 
birid^n, welches die organisehen Erzeugnisse einer Sdcb# 
bedeutet, also Feld* und BaiimfHlchte\ Wolie, Milch 
nnd Jnnge der Tbiere n. s. w. Doch fihdet sich auch 
eine Erweiterungvdes Begriffs atif uhorgaoische Erzeng- 
nisse elner Sache, z. E. die Ztnsen eines Capitals, das 
Pachtgeld fiir ein Grundstiick ti* A., welche als fractuiT 
betrachtet werden« Ebenso erieidet dieser Begriff dinfe 
alte Einschrlinkiing, ivelcbe Cic* de fin. I, 4 erwftbnt 
partU9 andillae sitM infrudwhahendus^ dass die Kin- 
der der Sclavinnen nicht als fructus betrachtet werden 
solien. 



Erste Abtheilung. 

V 

Lehre vom Ei genthum. 

Er9te9 CupiteL 
Lehre vom Besitz als Grundlage zum Eigenthuml 

Besitz d. h. dasjenige faktische Yerh&ltniss zwi« 
schen dem Menschen und einer Sache, vermoge dessen 



Besitz nor anf eine Art unkdiperiioher fladieii anzawenden,' nem* 
Uch die SerritQten, also siod anoh nor diese im Sachenredit ab-- 
cnhandelEu 8* Duroy Benerk* uber aodo in renr and aatio in per- 
sonam ete, im Arehif ilir ciyilist. Praxis- VI, ft. 278 ft 



I 



i 



m 



t^iM^a4 Mfiit den sU^^n SKiBi|$ii, for welehe 4}^ Qfi-^ 
^iclMifi weder N^nep, p^Db Zabieq hal^ Po9$€$ria lagf 
Ael. GaUf bei Fesi. €4t n$u$ (Bfisit^ im wibj^ktiven Sim) 
.a^ri mt aedifitii* Dkpi»a ftlteslen^ rein nn^lieb^li 
Pfs^tx oapnteR ^e Il$ioi«cbeii IniiMn epilier p9$9e$H9 
naturaluj zq dem sioh nooh keia RecbtAvefbLaltDiiyi ger 
«alk bat; dpcb lag e« fiebon in der Nativr d^ea Menaab0A»^ 
W()l g^S^H iMis/iere An^iffe «elb«t xu vectbeidigeii, yjf§vH 
84^ in dem enlwiekek^*^ StaatenlebeB pU Si«rrogat der 
$ebiit9 in die^ein Beaily d^reh daa Instilal d<ef Inteidibl? 
bwvorgings iv^lches den Menschea berechligt^ 6i<;b gtr 

fff^ S^ungea mmmk Beai^Ees zn aicb^rn wd wni^m 

dw widefrecbtlieb verlornen'Besitz wiQdefg:9bu Jente 
natnrliche Verh&ltniss zur Sache heisst bei den {t^^nierjn 
De^ml^l^ ( n^ur0liter f c$rp4Mral$ter pm90i4erjff , Unere 
II. At), die^ofi aber acblecblweg pai$€»ti» (von den Ju- 
rlM^Hi pa»9eH4o a4 inierddei^ geoannt). In dieter fM- 
tmAo daicbte inan nob ^ehon Faktnin and Beelit aaf 
den Seba^s getrennt, wm das Wiedererlangen aadeatei 
{^^^filipitvm reeapera«i4ae poflf^*)* Doob damit vap di^; 
^ei^e fUitwicidnng nooh ni.ebt aji^gen^loaBen , ismn 
ea gealaltam sidk abermfda eine neue Ast des Beailaee^ 
ijldoin ii»ap jsa <^m BeobtsveirbSknis^ dier poaaeasie (ad 
. iill^rdi«ia) Qtfcb eiiie,2eit bKiandaehto, ijiraluceiid web^r 
man in dam faktiacben Verbaltni^s slcb hef^ad, welcbe 
zur Idee des £>g^nthums fiihrte^ and po$$essto ad ir#tr* 
cajpioaem^ geoaDDt werden ,kann *). Hierbei aber ist 
notbi^endig, dass der Besitzer glauben muss, ein R^cht 
an der Sacbe zu babea C^oua Jide^J , nnd dass er eine 
vom Recht anerkannte oder wenigstens nicht verbotene 
Ursache (4wtu ^aum) bat. Dieaer UiuciqpiQnsbesilp wird 
mil: dem Interdiktenbesitz wegen des bei beiden siatt- 
findenden ciyilen Schatzea^ antap dei^L gemeinscbaftlicben 
Aasdruck na^f ^mo cipilis inbegrUten. 

Das VerhRltniss dieser 3 Arten von Besifz Iftsst 
si^Jbi aqcb «i^ fafsen: «der UsucapionsbcMsitz b|it ainige 



*) Der Yf. ist *Weit entfernt, diese Entwicklnng far dte eiozig 
rialilige aassBf^ben., i«4ei& m cAmi iO fj^ m&gikk ist, 4eas pQ»^ 
tomo. mi xus9mpi9mm i&cli em data by«Lete» ais 4ar Bagdlt 
EitaptJuua aabaa lam dw jsieilea Ai* won Beato (pomaiia ad 
interdicta) aaMaadaa ym. \ 



ebensowol^ fwfwilt 4^ 4i^ f«kt|«che J[)el^||tiw ft'fV 
naliirliisbeii BftsitpE. (W ]iitapMliMe^«k« Aigt «p^ der 
as|ti}rUcbep |KM|i|^«B|# die ^m dero prfil^M'iffnheA £dUU 
e9tpUll|4^l»^l> Recible, Die o^tfirlii^he Mmf^nfw einUicb 
iU VW9X itt jnristuiebeii e^eir ci?ilti| ]ui(ecdiktMi- xufA 
UsuMmpiuibe«U9s entbidte«.» aber^obne eii| JariatiiK^luNi 
VerhaiiiHM gewardea hq ieyp md oaaliiiciri weder nw 
U8vi»p|iin » noch begirUiidi^t aie die iMerdikie ^ 

Wiui d^Il Unprun^g de9 Be$$ize$ in Mom 404 4e«* 
sen Schiil;^ dureh loterdikte betrifft, so isl: die Unter* 
siicbiiilg dariiber nicbt ^boe $ob wierigkeit ; deon «/i leioht 
aueh bei cdnem Doch imi^iHigebildeteii Staatealeben 5 fii 
eioex Zeit, wo oech an keio EigeodHiinsr^ebi; su dmfcto^ 
is^ der Scbult diireb iQtejdikte erklUrt wei^den kmif^ 
(ft. Qben qqare wehr imliirreebtUQbe £QtwiGkIii|ig}, w 
schw«4r ist docb die Bea^lwartapg der Fr^ge: wurnw 
begtaiideiY in fion» latordikte noch zu der Zeit, ak ^boa 
das Re{))u des E^igentbunM stattfandy wem jene nkbf 
ganx aberfli}8sig eracKeinen scdJeQl Nii^bubr's Sfphaisfn 
blick (Rom: Gescb. II, S 146—176 2.AnS.) veiwoilM 
defi Rathaebi L^sang, welcber aein ff^mm FreuAd Sa- 
vigay*) beifitiminte, aaf folgende Weiiie. ^geq^^ni, 
gidt allein am ager privutmf 9 dagcigen. wuiede der ag4f. 
puhlicuM swer ae Eia^rine uberlaasen, jf^oeb bebpell 
wh der Siaat daa Becht vor, da^ liand wi^^erum eti^ 
zQsieheiu D&esee VerklJtnisa hiess pt^teui^ and lyfi^ 
4wcb lolerdik^e, g^^en Qewal||ba|}gMle» ge^ebvUd, wie 
die bn Niebuhr a* a« O. » namteniU^h $. . i61 > Abih. I?)* 
s^ag^fuhrtea Stelien kjlar bewei^en. J[>ie«ee Hacbtav^i?^ 
hiAtBisa debate man als aebr be^iieip apater aoeb ^^ 
Be^it? dei^aglMr privatop {fu £• der Previa^aitgi'iiodsiJiGke 
u. 8. w.) aiis^9 wiyburend die aike AnwendiiBg anl 9mr 
puMjioiiii aUaiftlig TeracbwMd* deesiui B^«e Fetm dfff. 
e^er v^tigalu iv«irde, we der Fa^kter ehmfoU^ BeailB 
aad PrBeblige«BS»» ohne £igMitbiiiB»}echl; bat. Niebipbf 
II, & 166.1, Aaeb gmg die BeMBVung voiv( Reehte aaf 
^ CiweMtaBd aelbat iiben ai9 d^iaa peinaea^io eia Grund* 
sta«k beamebuet* wekhei^ ]«#» niebt im iifimtmm3ift» 



^) Dm Aeoht daa Betitsat* te AiA ^eoea i6tt1!. 8c ITS^lftt 
IKhm Iwriihatli claM(tcbe Weri( ili«at iw* in det BriMiiMlhmg 
(iBa«v.Uhff« ak lrtm|oliae mhMv. v* 



■> 



J 



— 128 — 

■I 

Eigentbam hatte. Andere Bedeiitnngen der poaieflsio i • 
an ihrer Stelle, e. E. bei dem Erbrecht n. A. 

Der Erwerh de$ Beiiizei beroht 1) aiif einem kor- 
perlichen Handeln oder Factum fappreheniioj , dorch 
welches der kunftiffe Besitzer in die Lage versetzt wird, 
die Sache nach Willkiir za behandein (99 die physische 
Moglichkeit auf die Sache unmittelbar zu wirKen^' bei 
Sllvigny), 2) auf einem bestimmten Wollen, welches jene 
Handlung begleitet (animus posiidendi „das Bewnsst- 
seyn der physischen Hefrschaft"). Der abgeleiiete Be- 
$ilz besteht darin, dass der alte Besitzer sein ius pos* 
aess. iibertragt, ohne E^igentfaum zu iibertragen. Solche 
Uebertragung des Besitzes ohne Eigenthnm findet statt 
an Procuratoren , Com mod at are , ^Usufructnare , Emphy- 
teuten, Pfandglaublger , ebenso bei missio in possessio- 
nem' u. s. w. Durch Stellvertreter kann man wohl er- 
Werben, wenn diese Person fahig ist zu repras^ntiren 
und den Willen hat, fur einen Andern zu erwerbea. 
Der Besitz hort auf, wenn das korperliche Verhaltniss, 
oder der animus (Savigny S. 375), oder 1>eides zngleich 
aufhdrt und der Besitz ist verloren. ^ 

Die Reekie dei Bentzes bei^tehen in dem Schutz, 
welchen der Besitzer gegen Angriffe geniesst, indem 
das Gesetz dem , der faktisch besitzt, Schutz gegen 
St5rang zusichert* Daher hat jeder, sogar der unrecht* 
mSbsige Besitzer Schutz gegen Stdrung, sie mag in 
Gewait (vijf Hinterlist (clam) oder darin begtehen, dass 
mail den faktischen Besitz nach erfolgteni Widerruf 
nicht an denjenigen zuriickgiebt, welcher ihn bittweise 
nnd bis auf Widerruf gab (precario). Der Schutz aber, 
wdlcher den alten possessores des ager publicus vom 
Prfttor gegeben wnrde, bestand in den Interdict a ^ die 
einen unmittelbaren Befehl oder Verbot des Prators ent- 
hieken veto exhibeat restituas, Ueber dieses Institat 
im Aligemeineti s. Actionenrecht, hier ist nur kurz die 
Bede von d^nen, di^ sich auf den Besitz beziehen*^ Die 
Iftdmer stellten 3 interdieta als j^aeaoria neben einan- 
der, nemlich posietiionis adipiscendae ^ recuperandae^ 
retinendae^ welche richtiger int, rei J'amiliarif genannt 
werden, da, wie Savigny bewiesen hat, die int. adipisc. 
poss. mit dei| eigentlichen possessorischen recuperandae 
und^retinendae nichts gemein haben. Diese waren nem- 
Itoh Klagen auf Besitz begriindet und durch Delikte 
Anderer liervorgerufen , .wdche bei a besonderen Ver« 



T 



129 



lelnngeii bestimnite Formen hatten# Naeh Savigoj 
(S. 425) sind die hierhergehorigen folgende: 

1) Jnterd. retinendae pot$, , auf Beibehaltang des 
Besitzes gegea Angritfe. Das Charalsteristische dieses 
liiterdikts ist, dass der Besitz durch die Storung nicht 
aafgehoben, sondero nur angeffriffen seyn dar^ wSihrend 
bei N. 2. der Besitz aufgeboben ist und wiedererlangt 
werden soli, n^ Acdonenrecht 2) Jnterdd. recuperandae 
^potie9sionii : 

a) Interd. de viofenta po$$*^ gegen entzogenen Besite, 

b) Int. de clandettina p. gegen rverbeimlichten Besitz, 
g5 Int. de precaria p. gegen den, welcher das Ver« 

trauen des Andera missbraachend den einstweilea 

verstatteten Besitz nicht vieder herausgeben will *). 

Der Besitz findet sich nicht bios bei materiellen 

Sachen , sondern wird' anch auf abstrakte Rechtej Obli- 

gationen a. s* w. iibergetragen und wird in diesem Falle 

iurii quaii poaeaio genannt. 



\ I 



Zweitei Capitel 

#' 

Lelire vom Eiffenthum. 

* • *^ ^ . . . 

Schoa oben war angedentet, dass sich aos dem 
&ktischen Besitz ein hoheres Verhclltniss entwiekelte, 
Bobald als das Reeht sich mit demselben yerband, und 
dieses nennen wir Etgenthum, d. h. das ausschliessliehe, 
unb^schrankte Kecbt uber eine Sache, und zwar heissjt 

A) das achte alte^Eigenthum der Rom* BUrger 
dominium legifimumj iuHum^ ex iure Quirit^ quiritar. 
Eigenthuniy der Eigenthiimer aber doininus legitimui^ 
Varro r. r. II, 10 (Vor Alters waren die Benennungen 
ancl^r und auctoriiat gebrauchlich , Bei. ad Cic. oratt. 
p. Tullio p. 245 ff*. welche nach der Trennung des £i- 
genthnms bios von dem nudum ius Qniritium galtea). 
Gai. 11,-^ 30* quo iure popului Rom. olim utebafur: aut 
enim, ex iure Quiritium u^usqui^que dominut erat^ aut 
n(f» intellegebatur dominut. £s war also urspriinglicl^ 
nur ein Eigenthum ^ welches die 'beiden Hauptrechtq 



' I 
*) Diese Schutzmittei wnrden durch die kaiserlicben Constitn- 

tionen nicht anfgehoben, ja tie blieben in Justin, l^esetzgebuog.' 

Sarigny S. 517 — 524 






130 



itmfaatte 4) die BefngfUsa^ wiBkurlidi'iib^r die Sache 
zu verfSgen, 2) jedem Andern Stdrong zu untersageD. 

B. NatHrlichet Eigenthum. a) in bonis. 

Im Verlanf der Zeit sondeite sich aber uoeh ein 
andere« Eigendioni ab, nemlioh da9 nalurliche, wie Gai. 
U, 40 ensiblt: ted poitea aeeepii iiivisionem dominium^ 
ut mHut fontii ene tx iure Quiritium domiuui^ .alius 
in bonis habere. Dieses Recht bestand fiir dep Romer 
dario, dass er, so lang er eine ^che duf<$h 2jahrige 
Uauoapion noch nicht zu aeinem qniritarisehen Eigen- 
thum gemacht faatte, Schulz gegen alle Beeinlr^chtiffung, 
nameotUch gegen die Yindikation dea vorigen Uerrn 
fend. Dieser Sehuts ist identis^h init dem, welchen 
ein Peregrine in boHis hatte, denn man war schon in 
friifaer Zeit zn ;Rom veranlaast) die Peregriaen in ihrem 
•Beaita wel adiiitzen, was in freierer Foi*m gesebah und 
in bonis genannt wurde, dem alten atrengen quirir. Ei- 
genthum gegeniiber, dessen ein Peregrine nicht fahig 
war. Von den Peregrinen aber ist diese Art des Eigen- 
thnms aneh auf die Rom. Burser iibergegangen und hat 
als Surrogat des* alten Reobts Anerkennang des ius gen- 
tium gegeben ** • ' 



*) 6«gen diese Annalnne tiad la netietter Zeit Zhnmem (Rhein. 
Una, III, 8. ^11—964) und tTnteAolzBer (Rbeia. Mns. I, S. 129 
' — l45)^aiifgetieteii, welche in dievem gegen Vindikation gescbiilz- 
' fe^ Beaitz ein adit Rdm. Inilitat erblicken. Zimmem nennt In 
himt geradezn pratorischen Ursprangs, wahreQd Unterholzner man- 
cie FaUe dea in bonis ab pfatoriscb zwar nicbt Terkennt, aber 
gerade bei der altestea Art des in bonis , nemlich be! der Erwer- 
bnng einer res xnancipi dnrch Tradition nicht gelten lassea wiH, 
WO der Tradent zwar noch Eigenthnmer {dominus iure Quiriu) blelbt, 
aber den Besitz nicbt hat, dessen sich der EmpfSn^er erfreut , weU 
Cher die Sache seinem Vermogen znzahit oder in bonis hat. Doch 
▼ereinigen sich beide dahin, in boots sey Resultat einer SpaUung 
den Eigenthnms nnter den Rom. Bfirgern selbst. Freilich stimn\e 
dieser nach Kom. Recht geschiittte Besitz mit dem peregrin. Ei- 
genthnmznftltig "Oberelh, dilrfeaber nicht peregriniseh geAanntwer- 
den, denn in Rom. Hand sey es Rom. Eigenthnm, in etoes F r e md e n 
Hand firamdes; aach sej die mit in bon* yerbandene Usncapion 
den Peregrinen ganz fremd. Unterholzner geht insofern noch wel- 
ter, als er 8. 18 behanptet, die meislen in bom lebenden Auslander 



\ •^ 



-- t31 - 

\ 

Die Fftlle^ in dmen das dominium (dean als lolchei 
islfeg darch Gai. a. a. O. u* I, 54 gegen Ziramern ifom 
UaierbQhsiM^ mid Mayer in der Zeitschrift fiir geach. 
BecbtowisB. Vlil, S. i — • 80 hinlftiiglich gerechtfertigt) 
in bonit Torbaadeo war^ aind eiUweder Fo%e einer £r^' 
werbangsart, ex iure ffeotiuin, oder darch die Macht^ 
voUkominenheit einer Magistrataperaen veranlasstj von 
denen fol^^de in der claaMfehea ,Zeit am bfttdagatenf 
gewesen seyn mdgen: , 

A. epn iure genh ehne Magistrator entstanden, 

a) iradifia eiper res mandpi Gai. II, 2& 41* 204« 
Ulp. 1, 16. 

b) occupaiio einer berralesen Sacbe. 

Ueber beide iat bei den Erwerbungsarten nacbansebea* 

B. durcb Magistratspersonen veranlasst> 

a) bonorum passessio oder bonorum empiio^ wo der 
Prfttor den Nachfolger in die Re^bte jund Pflicbten sei- 
nes Vorg&Dgers einsetxt , obne dass derselbe dadurch 
voJIstandiges qairitaruches Eigentbiun eriangte Gai# {Y, 
34. 35. Hi, 80. 

b) Gerichtlicbe Zuweisnng einzelner Oinge, x. £• 
eines Sdaven in Noiudklagen (ducere seryum}| aneb 



-i 



batten Ydlkem angehort, die ihreVerhaltnisse daroh foe^a fect- 
gestellt batten. Zwar ware ibnen keine gleicbe Erwerbtfablgkei^ 
noch connubiom gegebem wordea, wohl aber Anei|Leiuuuig ihrer 
Vermogenurecbte , %6 dass tie siob ein mewn <j«r tx iure Qui^ 
batten beilegen konnen. Also sey zu Rom in alter Zeit nur eint 
lei Eigentbum geweseo,- entweder qii]rit«« dorcb legis acuones g< 
tend gemacbtes, oder gar keint. 

Doch mocbte die erstere und gewobnlicbe Ansicbt, dass daa 
peregrin* Recht aacb bei dem Eigentbnm als Sapplement u. Sur* 
rogat des Ciyibeefats eintxati wegen der TieUacben Analogie ricb* 
tigdr seyn, nm so mebr, da ein dominium peregrinarum in Rom 
aacb ins gentium nicbt zu laugnen ist, welches dem in honi$ de^ 
Rom* ^iirger zum Vorbild gedient baben konnte. Sollte dieses 
wegen der yon Unterbolzner aDgenommenen foedera fur unnotbig 
gebalten werden , so wiirden l) Tor Allem sol^be foedera zu be- 
weisen seyn, yon denen keine Spur slattfindet* 2) wiirde ja anob 
in den iibrigen Recbten kein Scbutz der Peregrines notbig gewe* 
sen, sondem allenthalben anf die Ibedera ziiyerweisen seyn. Der 
Praetor peregrin, ware aucb ganz dberfliissig, wenn diePeregr. ibre 
Klagen dnrcb acbt Rom.legis actiones batten geUend maohen kdnnen I 

9* 






/ — 132 — 

bei mittio wegen damnam infectuni) oder bei adiadi- 
'catio u. «. w. *) 

Yon den Bechten des In bonis ist zn erwShnen 
1) die Moglichkeit, Dinge die man in bonis besass, 
dorch '2jahrige Usncapion zu ^niritarischem Eigenthum 
su machen, 2) das Itecht, die Friichte zu geniessen, 
Gai. II, 8S. m, 106. Ulp. XIX, 20. Die Geltendmachang 
4er Bechte Mrird besonders begprochen werden. 

bj Bonae fidei poi$e$9io* 

Eine andere Erweiterung des ahen qairit. Eigen- 
thnms war die bonae fidei poss., welche zum Scbutz 
dessen angeordnet war, welcher ein bona Jide u. iuita 
eau9fi^ aber nicht vom Eig<^nthnmer envorbenes Gat 
noch nicht usucapirt hatte. Ein solcfaer Besitzer soUte, 
wenn er von dritten Personen angegriffen wiirde, ver- 
in5ge elAer Fiktion einstweilen so behandelt werden, 
als wenn er durcfa voliendete Usneapion schon Eigen- 
tbfiaier geworden wSlre. Eine Sache in solchem Besitz 
befindet sich im pr&torischen Eigentbuiii nnd geniesst 
eines besonderen cichatzes, der aciio Publiciana, s^ un- 
ten Cap. V , 4. Freilich wird diesov bonae fidei pon. 
mit dem iu bonis oft zusammenfallen, jedocb ist es nur 
zufftllig, denn der Unterschied ist klar, indein das na- 
turl^ehe Eigenthum oder . in bonis den ^chutz des ius 

fentium hat, das bonitarische Eigenthum dagegen oder 
onae fidei' poss. nur vermittelst einer Fiktion des civil- 
Jechtiichen Schutzes theilhaftig ist. Ulp. XIX, 20. 21. 
lebrigens giebt bon. fid. poss. Eigenthum an den Friich- 
en, denn der Besitzer ist ja nngirter Eigenthumer; 
auch fuhrt sie zum wirklichen dominium, wenn der Be- 
sitzer ftLhig ist und die^ Sache es zutesst 

. c/ Nudum ius Quiritium. 

Da das dominium Quiritarium aus dem faktischen 
Besitze und aus dem geschutzten VerhlQtniss zur Sache 
besteht (ex iufe Q,uiritiumjj so lasst sich der Fall einer 
Trennung beider denken^ gcrade so, wie bei dem Ci- 



"*) Nochmehre Falle zahit May^r aiif (dnpfex dominiiiin in d. 
Zeiuchrift f. gesch. Recfafswiss. VlII^ S. 57 £)| wdohe- der spa^ 
tern Zeit angehorenu -■ . " 



nlbeaitft: mB kann nemlich 4cr EIne den faktitcbmi Be-^ 
iitz , der Andere aber das mudum mt QuMimm odet ImI 
deal UesiU das ins pass, liab^ii. S. anten tradilio*). 

Dr%ite9 Capitel. 

Sachen woran es kein Eigentlium giebt und 
aligemeitie Beschrankungen des Eigeirthums. 

Mit der Entwicklong des Rbmischen Staaudebens 
n. einer verfeinerten Religioa musstea sich bald Sacbea 
ausscheiden', *welcbe nicht in dem Eigenthum "der Pri- 
vaten seyn konnten, ebenso Vie bet den sich fortbil- 
dendeh biirgerlicben YerhKltnissen manche Beschrlln- 
knngen entstanden, die sich der einzelne Eigentbiinier 
gefallen lassen miisste, um dadurch das allgemeine Beste 
Oder seinen Nachbar za unterstutzen* 

I. Zuerst ist die ftlteste allgemeine Eintbeilung der 
Sachen iiberhaapt in zwei Classen za erwahnen, toq^ 
dehen die eine die geweihten^.die andere die nicht ge- 
weihten umfasst. Die geweihten sind entweder ref 
sacraej zvLta Qottesdienst geweiht,.wie Teinpel, AU&re 
n« s. t¥. Fest v. sacen s. Dae* Anni* bei Lindem* p. 
689, Affgen. Urbic. bei Goes, scriptt rei agrar. p. 73.^ 
TreckelTs kleine Schriflten' von Haubold S. 56 ff., oder 
res relig%ota€j den niiterirdischen Gottern geweiht, \¥ie 
Graber u. A. Die ungeweihten Sachen sind entweder 
$ancta€j d. h« befriedet, dnrch besond^jere FeierUchkei- 
ten in, den Schutz der Gotter gestellti welche nicht uli- 
gestralt Terletzt werden k5nnen, z. E. Thore n. Mauern 
ein^r Stadt,'Fest« v. religiosos *'^}i oder sie sind gsinz- 



*y Justinian hob diese Spaltong des Eigenthnms ganzlich anf 
and dominittiff umfasst von nun an anch das Eigenthuim in bonis, 
denn der Untersohied war schon langst nnpraktiseli. Die bonae 
fid» poMU abJBT mit der actio Pablle* bebielt er noch bei. - 

**) Dieser Unferscbied zwischen aacer^ rJUgiosus and sanetuw 
wird T9n den Alten midit immer beachtet, s. Cic Fhiiipp. IX, 6 
sepu^9rum'saHciiia$f Calnll. VII, 6 $a6rum tepit^orum^ Cic. p. Plane. 
35. refigidsa uHarki^ p. Ralb.B Uca rtfiigitfta etc* Gal. II, 4.^ Heinecc^ 
synt ed. Haubold p. 364 sqq. Uebrigens diirfte obige Eintheilnttg 
YOU der gewoluilicheB tridurtomiaehen der re* dMtU iwu v^ taeraOi 



134 



In Beng mat das fiigenAmn dirfteH die Satken to sit 
ordneii adyot 1) SaohM, welebe.daa Eigfeathom aaa^ 
achliessen (re$ extra commerodum oder ea:tra paMmO' 
niumj sind die ffeweffafea (aowpU oacrae aU refigiosae); 
aach der zwiscnen zwei benachbarteo Grundstiicken au 

^ kip4»bacliti6iide |tta£f*iiu bi^eite GreoMireif ($u|iii) j#( tuiit 
Eiffentham aasgeschlosseQi^ deno «r ist dpm- Gceo^ljdtt 
(l%riiiinus) geweiht, s. l>ion« Hal. II, 74. Fest v. ter- 
mino. Yarfo auct. de limitibusi uad re$ communei d«^* 

' die alien Yolltern gemeinschaftlichen, wie Loft, Meer |](. a*. 
Just. Inst, 11, 1. Cic. de off. I, .7. 2) Sachen, welc^e 
Eigentbam zulassen fin commercio oder in pairimqm'd) 
sind' entwedev wirklich im Eigenthdm, oder nicht* Za 

\ jenen gehoren a) die, welche im dominium einer mo* 
ralischeo Person (s. Anm.) stehen, rei publicae^ welche 
Ton alien Eifiwohnern eines Staats zasamnien benutzt 
werden k5nnen, wie Flusse, Hafen, Landstrassen u. s. w. 
Cic. de off. I, 17; und re9 untvertitatit ^ welche alien 
Einwohnern einer Stadt oder Mitgliederp irgend einer 
Corporation gemeinsam sind, indem die Stadt als juri- 
stische Person Eigeqthiimerin ist, z. E« offentliche Ge- 
bslude, Strassen, auch res sanctae, wie'ATauern n«8..w, 
Plin« ep. X, 93. 94. b) Diejenigen, welqhe einer Pri- 
vatperson eigeiithiimlich sind. Andere Sachen , welche 
Eigehthum zwar nicht ausschliessen , aber sich nicht in 
dom^nio befinden, sind res nul/ius. Eine solctte herrn- 
lose Sache ist z* £• eine noch nicht angetretene flrb- 
schaft '*')• 

n* Von den Bigenthumsheschrankungen *^) heben 
wir diejenigen heraus, welche der classisj^hen Zeit an- 



tfmctae, religiosae deawegen den Vorzng yerdieneni weil sioh res 
sanctae doch im Eigenthum einer moraliscben Pei^fpii befanden. 

. *} Else andere Eintheilnng atellt 6aH II, 9 — It anf, date 
alle Saohen divinat oder kuman^ seyen, diese wiedevum entveder 
jmhlfeaci d. h, fiifHrn^ oder privatae (singolornneO* 

'^ Ueber dieten Gegenataad liandelt am beaten Diyksea (ZA-^ 
aofarifli %. geschiohtL Rechtavias. II, S« 405^431),, welebor im 
Homiatthen Be^ht daa atreng {nrittiacbePrinoip^Baohweiat^ indem 
Ifieniand in Anaubung aeines Eigenthmaaracbta dnrch Rtokaicbtett 
der BiUigkeit gegen aeinea NaoUiar geboadan war. 



nemlich als polizeiliclia uad.jdt okoiioiidiclle. 

.y f}! IM.' jedapi .«lidli«Qh» RaiM soil 91 Fqm askebmit 
Kiegcn, lo/dlHB.T^B.beideQ Tbeilte ziunnbinen derZvvi*- 
walwiiHMinr S.Fqmi b«tnig {Fmt. v% ambUMu h^M.dM^ 
rwM p^dmm €t9tmifsAu tid \circum9mniifmcMltatem re- 
ttefki^ Dt^e' \[or««brifi taMidt|«#. ttiamtiu9]^$ e$f9 
ttefti'sipll ^i Yarro .de L l» Y> 4» 9 xprnbifriteii^ ^(ptBltf 
worden sie wiederholt eingeseh&ft, aneh naob dam Nay 
sebivcftiiii Bmni l(Tao. Anb. ;&¥, 43. Reiim. Iittcr; VI^ 
|#), doob'-'wac lie btufig dturfib- dan neiMUvrJBaa naeb 
d«m.€kilk Brabttuniadgbdi gewdrden, .Liv^Vlt^£5. Tao» 
AiftB4 XY9 ^». Haabold opiiac. U, & 4flO»rb9|t{ daa Ga*^ 
aata .iUr. Etruamdiaa Uraprabgs. ; 

'•!S) 'Was diie Bobe' d^f Oebiode betrifft, bo satsta 
A^ifgfiiisft 7l> Fail! fb«f^ Saet. ^Ooear. 89, aiiicb Nero gab 
am Geseta, Tac. aw U. Traieiii bestlini&ie ntiif i60 ViiilQ 
Aor. Yicf. Trai. f 3. Die«a ¥i»rai*dnuDg ivar bloa wegeif 
desBrtiades, itiiefat etwa ziilti'B^ten deir Nachbani da"**). 
3) Um die Stadt liicht dupch Rulnen su Ontotallan,' 
s^ das alte Gesetz , welcbfes Pest. t. tignum deii' XII 
Tafela snsobreibt', tignum aedibrn iunetum ^nemequi 
€i concapet nts solvitOj d. h. der Eiffenthiin^er eines 
Tom Nacbbar widerrechtlich za seinem fiau verwendeten 
Balkens soil denselben nicht vindiciren diirfen, so hioge 
das Haus nicht abgerissea ist ^'^). 

4} Bei offentlicben Bauten natte der PrivateigenthS- 
mer die' VerpflichtUDg^ too seinem Bpden die notbige^' 



*) Bk Sarritiifen all* tolL m aon tolt sind aicht damit i^, y^-* 
w•Gh8^hl, da difwe Bar yertxag^maasiga £igeiitjiiiaia8bea42branl^iu»yea 
waf8B» welobe^ifo avs jdem aU^tigQH Pnadp entapriqg^dao Nach- 
iMie fo.4ei|}Ha«iibav)niideftn aolltiBnv 

*^) t7]if9r den yon Dirkaen Uebers. der XII Tafiftr-Fvagmnu 
S« 437 iL anfgazahlten HtoteilQngSfierfnabea ist ^«aligtts Con^ 
jektnr za hesneAien , w^loher trait «r em^apet in nenea Wozt Yor^ 
selaSgt ,' tbmrtipet zn yiaeae g«didrig. Dirka^n acllst: nitoipS mir 
grdsserer^'W^BBraobeinliclikeit' et eoncapei fBr AndeuOiii^, der iKlob 
fMdanemdeii''VerbiiidiHig, aaf welohe Bauer slas Retiht ^ev Via*-. 
wiftBiiVv ooavBraBKi' war* - • • ?• . »- it* .» * 



/ 



I 



•• 1 1 



> 



1 



— 13C — 

Hateridten g^Wni fiDiacfcftdignng^lieraiinmgvbent Beines. 
loser. YD, '7. Bfks. Urmm. D, if. 

5) Einen T<>dteD innerhalb der Stadt xa Terbren- 
nen,' war verboten) welcheg friiher baafig ^eg4^hab, als 
man dietelben oft fai deDHSatern baMatiete. UieJilcflegg. 
11, 23. 24. Imdor. orig. XV, it. ^SarT. :«d* Virff. Aenl 
XI, 206 erwftbnt die naae Eioaebftrfinig diasesi «Verb«l»« 

B. Masfregeln xmr B'^fSrA^rmmg d^r 
•La^ndwirthtehufti walcbib iMhon in dan XHTaf* 
gi^nden warden ; ao sagt PJin. H. N. XYU, 1 fuU €t 
arhorum euru legiiui friicii etc* \ ■ > 

1) Id der BewSaaemag der Graadatoeke aoff jedai 
daa iRagclDitaMaer anf natiirlicha Weiae aUarufen lassed) 
nm *dafl»eIKe/dim tiefer liegevden Nadibar< wader aa 
eataieUen^ (bbl& ilm anf einmal damit an Sberaehwen* 
men. Die Worte der Xli'Taf. tt ofua pluvia noeei 
bei Dlrk«eQ:VU9 8.'&i.486»Bobeinen daranf hiimideaten. 

2) )Sa«| .Geseta;UDter A. 3* Ugnmm etfu findet aueh 
zof BegaQStig«Qg dea Weinbaaes in d^i^ Weingarten Ao- 
wendong. Aooh Fest, quandoque sarpttfy . donee dempt^ 
erunt d«atet das Yerbot der Yiodikation an, so lang 
der Balken ipit der Weiobecke verboodeo isU ; 

^ . 3) Der Gmndbesitzer mafts dulden,' dass der Naeb- 
bar 4as beriibergefaUe&e ibm gehoreode Obst aaflese*). 



^ Doch nor fe am dritten Tag. Dirksen XII if'af. VII, 10. 
S. 494. vi glandem in dlienum fundum proddeniem Uceret eoJUgerg^ 
Plia. H. N. XVI, 5 tertin quoque die^ Die Beschranknag des Le- 
serechts ^uC mnen Tag nm den andem yertheidigen Thibant (ciyiL 
Abhandl. S. 1 — 6. ArchiT. f. ci?il. Praxis I, S. it6 n.)« Birksen 
(in einem Konigsberger Programm Nor. 1826). Dagegen fohrt 
Gnyet (Bemerkk. ana dem Rom. Oekonomierecht im Archir f» ci- 
▼il. Pras!. XVII, 8. 64—76) die aehoii yon Grimm (ia Zeitachrift 
f. geiieb. Rechtswiaii^ III, 8. 349 C) angedeatete Ansidit, <laas 
nicht der zwate, sondeni der dritle Tag gememt eejr, welter 
ana. Dass der Sprachgebranch fiir diese Ansiobt ist, ersieht maa 
aoa Cie. Verr. 11, 56, qidmio^ quoque aiiaa SfciUa oem$eiur (fedea 
fonfle Jahr mit Tier Zwischeojaluren), IM^ Att. Vl^ 1. irieedm^ gao- 
fme die (monatlioh, am lelzten Tage jedea Monato, also .aach ^ 
Tagen), SnetCaes. 40 tpiurio quoqut mmo (aUemal das yierte Jahr 
soli eiii Schaltfahr se]^, also drei Jahre 4azwischeii) ii./S» w* Da 
ba diesea Stellen aaf das ZabJen AU^s.ankonunt, , so aiad sie in 
grammalisclier ifinsicht Belegstellen, erlaat^ 4vMroh jdfp.GeiQlilcbla; 









— 137 — 

Wenii. aber dan anf dem Gnindstfidi;* weidande Yieh 
Torher da^.Qbst frisat, s<| bat der^ Eigeo^buin^jr. dea Ob^la 
Jkei9e//I(la0e g<^o den Hefi^ii. dejp Vieh^ iDirkses 
IMbensi^t der XII ,Tafeln, !^ $32— ^a9. 
( '. ^<^it)»r Siistionniunf i^foiffe si arbor in vichii fun^ 
'drnm imp^fkd^^* ^t§indejp(m pedes, a/iius... 0am $uil^c^tor 
k«9At<^tidar.BAPwaiMiUlMi>n^r.g^awaQgen werden, alle 
09i^reR Aesie., » jif^^e.aicb bU.zu.der fldhe von 15 Fasa 
kh dfaiNaehbavaLuftgabiet erboben, abziiaabneiden *> 

l^i^Hes CapUelr 

' , .111' {t •* • ' ' t • * «• 1 ' * « 

J Erw^rbung^airten dies £igenthums *^). 

. . Die Erwerbangsarten (dominium paratur Sltesfe]; 
Augdrucky'bei Yarro u. A., ^i^M^t acquiriiur) sind eiit- 



. ) 



aber auoli eben so sqharf beweisen .die Logik nnd die Regela der 
Anthinetik die Nothwendigkeit, -sozahlen, za.mussen/wie ^s 9A 
den a« 0. getohieht , denn die Diktion cles secundo , ieriio , quari6 
ipiogue die denXet aiif ein Aneinanderhangen yon imsher'S, 3^ 4 
Togen iiod die Arithmetik zahlt yorgeschriebene Suromen aiisU^ren 
einzelnea Zablen iinmer selbstandig wied'er zasammen ; ea mnssi^ 
daber eiae ausdriickli^he Yorackrift da aeyn, dass ntan den dritten 
Tag zngleich anch als ersten zahlen soUe^ wenn man sagenwoUtei^ 
daaa uoler ieriio qupque die ein Tag iim den andern zu yerstehen 
sey. Ware dieae Meinnng richtig , so miisste ans dissem Grand 
geeunio Oder aUero quoque die jeden Tag (alle Tage) bedentem 
Die UnMgliol^eit- aber, divis diese Redensart alia Tage heissen 
lidini».^> eiigjiebt siflh deranff, dnia der zweifa Tag .nicbt zagleioh 
amshAer erste ftejrn kann^ dean sonst ware es kein zweiter, es 
wurde deauiach awischen eiaa and zwei keia Uaterschied seya^ 
wat^JlteoiaBd behaaptea wird* 

*) Hago R. R. G. S. 206 behaaptet, dass die uber 16 Fiist 
ia des Nafhbars Laftsanle befiadlichea Baamzweige gemfiat veyea^ 
dock Thibaat and Pirk/iea bQweisen das Gegentheil^ indem d^ 
anterea Aeste veit a^abvAOhaden, ala der Schattea der Banmkroae* 
Aaoksprkbt der Aiisdmok whlucare (Fest. nunos svppuiare ei quasi 
tutius lueem miiiere) niebr fiir das Ausschneiden der unteren Aeste 
ab der Baaaikrone, yr^^ehes der Baaaikaltiir sehr aachtheilig ge-> 



**y^,^K HttoMfl^^miffir^ndo remm domiaio diss. Lips. 1817ii 
Rdnhardts Utacapioa. Stattg. 1832. S. 1-7 22* 



r 
/ 



•=- 138 -* 

'WeJer pcsltiVe auf 4bm Citilretht g«grflfidete nn4 T«r* 
Bclrofteo flfreng ^viiritarfsebes Eigenthutt, oder nstttr- 
. ficbe aaf ins genthinl und Prfttbr. Re<!fbt bailrle, wt^lie 
theils* xam Rdmtscfaen, theils sum natiirlicheii Efg^ii^ 
thnin (in bonis) Ohren *). Ein Hatiptuiit«rscbied ^beider 
Emerbungsarten lat, dam die civiien keinen Beaitx «t^ 
fordern, die natfirllchen dag^gen da^on aasgefaen. Amelk 
Ifka^t die civile Erwerbung keine StellVertrettmg diti^ 
and«re Penonen xn ,> i^rfthrend die natarNebfe ameb-ditrrfi 
andere beanftragte Personen vorgenommen werden kann. 
In der ftltesten Zeit. aber war WMik bei Ci viler werb Re- 
prUsentadon erlanbt, mit der n&heren Bestimmnnff, dasa 
flolch^ stellvertretende Personen hinder Ge^alt mn Er* 
werbeoden seyn inussen, also Sclaven ,nnd Hanssohne* 
Gai. IIj 95 per extraneam penonam nihU .acquiri poiwe^ 

Haupterw €r bung $f0r mem* , 

1) Eine ur^Ite nnd wichtigie Handlnng des R5ni. 
J^eqfats ist die mancipaf to**) (wortlich: Uebertrag^ung ia 
eines Andern Hand), welche sebr hiiufig angewandt 
'wurde^ so dass dieser Ausdruck im gemeinen Lebeii 
der ftpftteren Zeit fiir Erwerhung nberhanpt vorkomnit> 
z, £. Hor. Epist. II, 2, 158 mancipat usos. Ovid. 'ex 
l^bnto IV, 15, 42/ Es war ein symbolischer Kaaf (una- 
ginuria venditto yon Gai. I, 119 getiannt), welcbe die 
^ersonlicbe GegenwaH derer, swischen welchen Eigeii- 
thum liber tragen werden solite, jxni von ftlnf Zeugeri 



' *) Bie fnUiere aifoh.iioch jetzt tou lAifo nkiit gnn mi%0* 
geben^ Ansicht (Rota. R«chl«gesoh. 8. l!Wi) ^ii«r, ^tm^qaimttm 
ligenthnm nnr dnrch dMle ErwerbottgsaHea eatstefce anil 'naMIr^ 
ttch« ErwerbiiBg9ax<ei» aie qnirit. Eigeathim '^erw Mlvm ; docir 
gewichtige Stimmen erholren sich dfigeged, namentlioli Z ibunwtir 
kti lUi«in. Mus. III^ S. 320. 350. Unlerh61aner RlieiD. Mas. 1,8. 
132 ff. Sohining Bemerk. zn Htt^ 8, 58 a. A: Anc|i i«t noM' m 
Kognen, dasj schon in der altesten Zeit, als- ea mat eik modk 
angethfiltea dotniiiiiim gab, natnrlioite ta^cslMiDgaarleB , s. B. tf^ 
eetah , occupoHo hekrnioaer 8ache eto* 'qnlriU Eigentham gabea 
masaten* ^ 

' **) Ueber den UatersobiM deraioht aitTerweehaelBdeii^lVbffia 
nancipatio m nexmn a. nnten Obligatio^nreoht Ueber HNmaifMmv 
sotm diefolgende fai lore eeatio iu naiMapto •• Gini SebolieB 8« 
236—269. 



V 



/ 



13» -^ 

beaingi*:^ wdelM NMitbr ffitf BcpfiwiitBiilm d«r f8nf 
CliBsen 4m Rdm* Ydikg hftlt. JQaM 4am: noch ein 
ktr^^s^ w^her die Wage hiel^ , in welcke frfihef) 
li* das-CMd aoeb sf^ewogen werdea miMBte (wamint 
«; Niek Bovu ee«ch« I, 'S* IH«),'eiii Stick Knpfen, 

Slier, aber •» ^itiifs hineiagewoirfen .wwde«' EiM 
fttiiehe S6iiikkviin|[ 'deiganaeo Aeli'hat una GidL I^ 
4f 9 hinterkuiaeii r dJifM r«jr (manoipatio) t*i« lor^lirr- 'nif^: 
Arit^ldt - ii#ii i mi9m$itf9$t^ ^4mpa€ U$Hhu$ y cMbm Bo* 
ma^ pMeftibm lei prkeietea aiio Bimd^m ^^ondiHokif^ 
fui Iminnmnefmud^'^en^j qui apfielhiw Ubripehif 
i9 qui mandpia Miipiti rem^t&mM Urn didt: hune ego 
AoMinem\i^lAy^) 0^. mro ^niHijfum , mmm e$$e aiOj 
iSf^0 m^i0i^piui 09iMc a^re mem^mfpte libra: deinde 
afotf per^^uiiS iibramf, id%ue ae$ dgt. ei^ a mo manoipH 
meeipiij quasi jpretii hco. Kurz?r sagt LUf^ XiX, ft 
^uque (amnc) fit cef:iif f^erbU^ Hbripeude oi quimquo 
tetHi^HM prwH^nfibuf. Ausaer dt^aeii 6 Pe^onea wird 
l^pch ein anfertdt^t ^i:w&hiii;, welcheo .eUiige . far eina 
siebeate, bei fj^ili GesQhIlfl nothwendiffe Person baltea* 
n««h da iHMere)HaQpt<}uett.en Ulp. XiX.) 3., 6. Gai. I, 
Jbl9-T^.122, lU, 167 — 1/1 nirgends eine aiebente Peraoit 
Aasdriickj^eb anlubre^y so ist aatestatiie wobl richtigee 
for .4^a Afifiibrer der Zeogeo an bakeni der fiir die 
Uebrigfui qfricibtit, da . feie^Kcbe Wl>rte. bei dem g|^s«ia 
Y^rffiprjBa fge\vecfaaelt werdea* in w^elchen beide Theile 
ihre.||,e|li9guQ;gjBa fih^x jM/Lwipii au€b.»i«ar»jp»M0i gara^ 
dezn s. Beiei: a^u. <?ic^ off. Ill,: 16.) austprecben^ welche 
genau gehalten werden miissen. Cic. de orat« I, 57 quuM 
n^aum f^iet m^nc^tf^mquo ^ uti likif^mm mmcupmuit^ 
m$ Mf es(o. Feat, y. I^iipcupata. 

/Mfforderni$$e (hr StoM^ipoiion^ 1) Nur Rom. Biirn 
g^, \^ek)ie dea qidritarischen Eiffeat^atn^ fkhig sind^ 
eder Personeuy die ins conimercii iiabeil , konnea diese 
Handllang vornehinen^ Gai. 1, 119 quod et ipsum iuo 
proprium civium Bomanorum ett. Ulp. XIX, 3. 2) Nur 
■olche Dinge kdnnen durch Mancipation in Andrer £i« 
geatbum Sbergeben, welche im ilebht als dazu fSib^ 
Terieicbfiet sind und deshalb res mancipi genannt war- 
den. Felg^recht nennt man dann alle andem SacbeA, 
die ntobt in dieseni Verzeicbniss slefaee 9 res nee man^ 
dpi. Diese Bestimtnung erwSkhnt audi * Cic. Top. iO. 
fimgemfmdpio aiiquem deditfe idj quod mandpio dnri 
no» potest (d. b* wenn Jeuiand eine Sacfae neo ntancf 






tH) 



die der Abaeifffilnii iiidht ftUI^ ht^ . d«rdi MawqMtion 
jjb^rtrSge)* Sttm^idcirco id eius fadum etls ^qmi me* 
cepit f. ami imm %$ , ,qut maneipta dedti, oi earn rem we 
ulla re obUgaMf Cwiirde 4anii A« fibertnigwie Sadw 
dem gehorto, an. dep nfc roancipirt' wnrde^ oder- biqbv 
wenni die ganzeJIaiidlang als nkhtiff zoriickgeht, der, 
welc^ber mancipirte, Schadeneriats 'leisteh?). Dentlicift 
sagt dieses fiai..II, 31, wahrscbeiidich anch S 27, wo 
frellich dieLueken n gross, sindt im.osnit BestimsMtr 
heit t>ehauptOB xa kooiieo«r Doch.^kd es notliig -Soyo^ 
den Uaterschied dec -rew moMcipi tund' nee mameipi nebst 
dessen iiinerer Bedeatung .za entwickeln* 

We/eke- Dinge gehfren %u den rei meneipif • • . 

Ein VerkeScliiiiss der res niarieipi *) hat iiae Ulp. 
XIX, i aofbewahrt:- Jftfiurtpi re^ timt praediH iA I$m^ 
lico ioh tarn rmtica^ quatig 'e9t'{%i T£m.) fundvt^ fuam 
urhuMMj qualii demnt r iiem iura ^a^diorum rUsiicarwm^ 
velui (als da sind) vii^ iter^ a€tu9, aquaeductui: tiem 
term et quadrupedei^ quae dof^ col/e^e demantur^ 
vehit (als da stnd) bopei^ rnuli^ equi^ a$ini^ ceterae^ 
que rei nee mancipi wnt. Elepkmii ei tiMeli^ quam^ 
edf collo dortove apmentur, nee mancipi eunt, quantam 
beftiarum uumero $uni. Also res mancipi sind 

1) Grundstubke in ItalieA oder in den Pro^nzen, 
welcho Mff italicum haben. Cic. p« Flacco ZTt (s. Anm. 
p« 142.) Fest. V. censoi censendo. Cic. de orttt. li 39. 
de oIKc III; 16. Tac. Ann, I^ 73. Gai. 11^31. I, 120. 

2) Prddiakervituten s. Gai. II, 17. 29. ^ 

3) Sclaven. 

4) Zug. and Lastthiere^ s. Gsi. I, 120. 11, 10; Die 
Proculianer wichen insofern ab, als sie Stiere, Manlesel 
u. s. w. erst seit'ihrer ZfUimong als reis mancipi aner- 
kiannfen. Gai.^II, 15. Isiddr. orig. fl, $ 15. IX, c. 4. ^ 

Perlen durfen wir nicht flir res mancipi haltfeii, wie 
es Plin. H. N. IX, 35 zu thun scb^int, indem er dieso 



*) Cicero neant aie aiich re9 quae mancipi ntnty Top. f 5k pro 
Mar. 2. Schillings Bern, zu Hiigo S. 157* Mancipi ist msammenge^ 
zoi^es ans mandpii^^ daher heissen r. m. wortUch Saohen^-weloha 
der Mancipation falug Mnd. Dass dieserfTJntefacliied- schon in dea 
]!(I)[ TaCi Yorkaoit bezengt Gai. JI, 47, obgUich Hugo einen tpi- 
iMn Ur«pmng annimiiit. Gegen densalbea a. Sohillings Bemerk* 
8# ^Mt.Ueber ret mano. iia AUgom. «. Eeiabardts U$ao. S*23— 35* 



— 141 — 

^arch Mancipation Terkanfen ISsst, wag ^n der 3ama- 
ligen Zeit iricht itiehr fto genan genoinmen wurJe. Bein<- 
hardt (Usucapion S. 29 ft.) behauptet, aiif diese Stelle 
gesi^tzt, dass aach res nee inane, der Mancipation fahig 
gewesen,. was sicb wenigstens niclit von der Ultesten 
Zeit bebanpten Ilksst '^). 



*) Viele Gelebrte haben «ioh lange abgemnht, die ionen 
Griinde darfiber aofzafinden, wamm gerade dieienigen Dinge ia 
das Verzeichnia* der res inane aofgenomraen sind, die man darinf 
findet uad warum nicht noch'andere", die denkbare^ Weise eben 
so gut darin stehen Jionnten, so dass es nidlit nninteressant aeyn 
'wird^ die wichtigsten S(immen dariiber knrz anzufiUuren. 

1) Ser beriUunte Cuiacius halt die res mane, for Dinge Ton 
hoh^rem Werth, wcyfiir such TrtekeU (de orig. testam. p. 69. 70} 
eich ansspricM* Deswegen waren 'bei ihrem Verkaaf mehr SoUea- 
nitaten nothig gewesen, wie anch ZacAorio ^cooieot. de rebus manou 
diss. I, 11.-1802) anerkeont. Dieter nemlidi griindet den ganzMi 
Unl^vchied anf die doppelte Form der Uebergangscontrakte^ bei 
Verausserang der res mane, batten wegen Wichtigkeit der SacheA 
und wegen der Grosse ihres Nntzens Zengen zngegen Wyn mn*. 
sen. Doch ist diese anf die Hobe des Werths basirte Ansicht 
gewiss nicht absofnt anznnehmen« indem die alten Romer nocb 
Tiele andere Dinge batten, die eben so werthyoll waxen, ohae 
res mane, za sejn. 

2) Rossniiann (diss* de rebus m. 1741) be^anptet, dasA res 
mane* Dinge seyen , welche man- dnrch gewisse Zeichen yon an- 
dern nnterscheiden konne, wahrend res nee mane, nicht zu unfer^ 
echeiden, daher anch nicht durch Mancipation iiberzatragen waren, 
weil die Zeugen Jkeiqe gewissen Zeichen batten anfithren konnen* 
Doch wie .Tiele res hec mane, giebt es, die sich natiirlick unteiv. 
scheiden lassen, alle aber wenigstens durch kiinstliche Merkmale! 
Diese Ansicht yerband Hugo (Rom. Reohtsgesch. S« 513. CivHist. 
Magaz. II, 57 — 83, wo er eine Recension Treckells uber Conradi 
1739, Rossmann und Meermann mittheilt und mit Bemerkungen 
begleitet) mit der Treckellschen , indem er die res mane* fiir die 
kostbarsten und leicht zu unferscheidenden halt. Ihm stimmt BaU^ 
harh^Roten bei: uber dominium Lemgo 1822. S. Ill (in dem Ex- 
curs uber res niancipi S. 80—150). 

3) Vach Hommel (de orig. divis. rerum in mane. 1744) sind 
ires mane, die d^n Feind abgenommenen {manu capiat) und Gibbok 
(hist. Uebers* des Rdm. Rechls yon Hugo, Gottingen 1^89. 3. 109) 



V 



/ • 



— 142 — 

I 

%) Im ifdre ce$$i9 ist aine rtofaebero IIniAiiiig» 
welche darin betteiit, datt beide Parteien sich vor den 
Prfttor begebeo iind doit eioe (aebeinbare) Vindikatioa 
anslellen, wie nns deg Gai* Erzablang U, 24 sebr an- 
■chaulicb macht: In iure cestio hoc modo Jit: apud 
magiitratum populi Romania vel apud praeiortm^ vel 



stimiBt bd; dodi lastt ndi niobt abMken, tHe PrSdialterrHitteii 
Oder aUe GniMUtiieke dem Feiad abgeaonuiieii •eyn koimteii* 

4) Pufendorf (obserratt. inris tidit. II, c 79) snclit den Gnmd 
dieser EintheOiiDg im Censvt, denii aYle res mane, aejen in die 
offentfidken C^isiisliaten eingelrageii tind mit Feierliefakeiten yer* 
kauft worden, weil dem Staat daran .gelegen gewesen aey, Aus 
daa Eigenthmn der Rom. Bnrger nidit' nngewiis aey. Znm Be* 
weise soli Cic. p. Flacco 32 dieoeiu Cic. spricbt, als Dectanm, 
mn. Rom. Burger, ib Ljcien sich Gmndstncke erworben nnd ais 
jein Eigenthiim bei dem Ceusus hatte eintrageB lassen: iUud quaerm^ 
siiiMe i$ta praedia eensui cfusendo^ haheamt iuM mvUe : siut .neane dmi 
9tuuteipi: tmbng»an apud'aeranwn mjmd €em»orem potsmt? Praedia 
^me res mama, suni^ d. b. Italitche wetden freilicb in den Oensaa 
eingetragen and die jiraedia, welcbe nee mane sind, nicht, doeli 
folgt nicbt darans, wie Pufendorf im AUgemeinen schfiesst, dass 
nlte res man«. eingetragen wiirden. Cicero wirlt dem Dedanus 
lAetdrisch Tor, iene Giiter seyen als Frorin^a^rundstncke Eigen- 
tbum des Rom. Volks, sie seyen weder CiTileigenthum, noeb rem 
nancipiy nnd de^balb diirften sie bei dem Censor als Priyateigen- 
tbum nicht angegeben werden. Doeb liegt darin mcht, dass ub^r-r 
hanpt aidf dem Ceiisns der Unterscbied der res wbmmo, q* neo mane* 
b^griiiidet sey. £s wurden weder alle res. mailc. in dem Census 
angegeben, £• E. Senrituten, qnadrapedes, Sclayen unter 20 Jab- 
ren (Liy. XXXIX, 44), noeb waren die res nee mano. Vom Cen- 
fens ausgescblossen, wie Lit. a. a« O. sagt. 8o wnrde aucb Gold 
nnd Silber , obgleich res nee mane, bei dem Census angegeben. 
8. Niebubr Rom. Gescb« I, S. 503; iibrigens war ancb die Ein- 
tbeilnng iu res mano* u. nee mane, iilter, als* der fon Seryius an- 
geordnete Census. 

5) Manhayn^ weloher in seiner Scbrift ufaer den Urspnuig n* 
die Bedeutung der res m. n. nee m. 1823 eU^ sorgfaltige Ueber- 
sicht des ganzen Materials gegeben bat, neAnt res maoc. sokbe 
Dibge, die dnroh 6fientlichen Verkanf (yon Staatswegen) in die 
Hande der Einzelnen ubergingen , naehdem sie doreb Eroberung 
Kum Eigwtbuffl det Rom« Yolks gemacbt wordea waren; die res 



» V 



— 143 — 

t^d prmtidem prp^^tHeiae iij mi ret im imre cediiw^ 
rem tenent ita dicit: hune ego hominem ex iure Qui- 
riiiummeum e$$e aio (Vindikatioosformiel), deikde po$U 
quam ^hie vindicaverit ^ praetor itUerrogai eum^ qui 
.cedU^ OM contra mudicet^ quo negaute avt tacentty tunc 
ei qui mndicaterUy earn rem addicit^ idque legii actio 



I 



nee mane aber seyen im Krieg nnmittelbar dem znenl Zngrei- 
Tenden anheimgefallen. Daher nbenetat er res iiiano« Sadien duroh 
Em{K>iliebii]ig der Hand erworb«n und Schro«ter stimmt dim bei 
'(obserratt. inr. cit* p. 57. n. 13). Unter dieae ErUarang wollen 
sich die tervhuiei nuUeae nkht fugen, eben so wen^ die qnadnh> 
-pedes; wenigstens beweist Cic. de inr. If 45 niqhts. Endlich mfiiste 
man dann auch annehmen , dass jeder Beshz , Ja sogar die mitten 
in Rom liegenden Hanser friiher Volkseigenthnm durcb. Erobening 
gewesen seyen , ebe sie idurch Verkauf an den Einzelnen iiberge- 
gaDgeni waren. 

6) Eisendecher: (Entstehnng', Entwicklong nnd Ansbildnng des 
Bnrgerrechts im alten Rom 1829. S. 145— 158) halt res mancipi 
fur diejenigen ^ welche nrspriinglich allein von den Patriciem, als 
den eigentlichen Romischen Biirgern, besessen worden wliren, ia- 
dem die Flebejer erst 309 diirch das connubiom die wahre Civitiit 
mit mancipation patria potestas. n. s. w* erhalten hatten; vorher 
also waren^ sie von dem Eigenthum der res mancipi gahzlich ans* 
geschlossen gewesen nnd batten die andern Sachen liur iure gen- 
tium gehabt n. s« w. Doch wer mochte glaiiben, dass die Plebejer 

bis ^ oiine das Romische Civibecht gelebt batten? / 

7) Meerman (diss, de rebus mane. 1741) n. mit ibm Schweppe 

(Rom. Rechtsgesch. 3» Aufl. t. Griindler 8* 499) giebt den res mane* * y 

nnmittelbare Beziehung anf den Ackerban n. zngleich einen bohe- 

ren Werth, so dass sie durch Mancipation injdas Eigenthnm An- 

derer iibergegangen waren, indem er Bynker$hoek folgt (opnsc. var* 

argum. II, 8. 77 — 101 n. opp. Lngd. 1767. I, 8. 332—341), wel^ 

cber res mane, fitr den edeUten Tbeil der Rom* Reicht{iumer nnd , 

das Kostbarste der Landwirtlischaft hielt. Etwas Wabres ist jeden- 

falls an dieser Erklarung , so dass zwar nicht der hohe Werf h 

heryorzuheben ist, wohl aber die Beziebnng alter res matao. anf 

den Feldban. Die Hanser in Rom waren res mancipi , weil yon 

ibnen ana in den altesten Zeiten der Feldbau betrieben wurde, 

^radialseryituten dienen bios znr Unterstutzung der Oekonomie, 

Sdaren aber nnd Zng- nnd Laitthiere waren zum Landban nner- 

lasslich. Dass ab^r Ackerbau die alteste nnd Tornebmste Bescbaf- 

tigoBg der Romer wari wiirdoi wenn es nicht scbon ans man- ^ 



r 



— 144 — 

i>ocatvr. Ebenso Bbcfth. ad Cie. Top. IHi p. 321 edm 
OrelL Ulp. XIX, 9 driickt sich kfbrzer ho aas; quae Jit 
per ires penonag, in inre cedentit^ vindieantit, addp- 
ceniii. In iure cedtt daminu$, vindicat is^ cut ceditUTy 
addidii Praetor. Die Bedingangen de^ in itrre cessio 
sind 1) Civitftt a. personltche Geg^nwart beider Parteieity 
2) die Sache masste des qnirit. Eigenthums fahig seyoy 
also kein Provinzialgrandstiick Gat. 11, 31*, 3) das Ge« 
achaft musste in iare (yor einer Magistratsperson) veil- 
xogen werden, and war desbalb etwas weitlauftig. Gai. 
aagt II, 24^: /ere semper mancipationihuf utimury quod 
enim ipti per not praesentibuM amici$ agere poaumus^ 
hoc nofk^ est necesse aim maiore difficuHate apud prae^ 
tor em, aut apud praesidem provinciae qitaerere* 

3) Eine eben so ahe anf fortgesetzten Besitz begriin- 
dete civile Erwerbungsart y eingefiihrt um den strittigea 
Zustand iiber die Kecbte einer Sache nicht lang unbe- 
atitnnit zn lassen und die Rechtsstreitigkeiten ^^ zu ver«- 
mindern (Cic* p. Caec. 26 uiucupio finis sollicitudinum 
et periculi litium ) ist usus odei: usucapio (Cic. p. Caec* 
a* a. O. de leg* I, 21, auch usus capio Gell. n* att. YII, 
10. Plant. Aiuph. I, 1. usu suum facer e)*)^ iiber welche 



cher ErzahtuDg bei den Historikern, naxnentlich Liyins, au$ Lo- 
^beserhebnngen des Ackerbans (scriptt. rei rast. n. a.) geschlossen. 
' werden konnte , das bei Dion. Hal. IX , 25 anfbewahrte Verbot 
des Handels oder Handwerks fiir Freie nod die wegen Vemach^ 
lassignng des Landbaus veriiangte Censoriscbe Strafe (Gell. IV, 12* 
Plin. hist, n at. XVIII, 3) bezejigen. Auch sagt Cic. bei.Non. 
olim res erat in pectfre et locorum potsessionH)us^ ex quo pecuniod et 
loeupleles nominabcmiui^, Vgl. p. Rose. Am. 17. 18. n. a. Stelleii 
in K JBinkei de agriculturae prae mercatiira apud Rom; favore 
LugdB. 1819. . 

*) Das Yollstatidigste nnd beste TVerk iiber diesen Gegenstand 
ist Unterholzners Entwicklung der gesammten Verjahrangslehre, 
II. Leipzig 1828 9 wo I, S. 1 — 66 eine geschichtliche Uebersicht 
YOn den Rom. Verhaitnissen gegeben wird. Eine klare u. umfas* 
sende Zusammienstellang findet sich.in Reinhardts Bu'ch: die Usu- 
capion. Stuttgart 1832 , worin die nrspniogliche als Etganznng 
der mancipatiQ und in inre cessio nur gegen den I'radirend^n gill- 
tige Usucapion yon der spateren auch gegen den wiUiren Eigen- 
thiimer geltend zu m9chenden getrennt wird, Manche neue Meen 
finden sich auch in F. E. Engelbach iiber die Usucapion znr 2^t 



r 



sehon 4ie XII Tafdn dtii^ ndriii^n Votsdirifteii eftthat<^ 
ten. S.Dirlaieas>Uebensw8.407ft. CicTop. §4 quamam 
m$u9 auctariiai 'fundi bienuium esf^ sit etiam aedium* 
Att i% Itge- aedes noH appeliamiur ei sunt ceterarum 
rentm^ quorum ann^tUB est usus. Cic. p. Caec. 19 
Lew usum et auetoriiatem fundi iubet e$$e - bientiium^ 
at utimur ^ eodem* iure in aedibus , quae in lege non 
appeUaniur. Der Sinp ist sehr leicht sa verstehen: 
Uaus«r warden aaeh der Analogie der Grundsllicke (ak 
unbeweglich) erst in awei Jahren usucapirt, obgieich 
sife im Gesetz nicht ansdrilekUch genannt sind , alio 
Tielmebr va den ceterae rfii gebd^en soUteOy welcbe in 
einem Jabr usucapirt warden* So nimmt eg audi Gai. 
II, 42 Mokihum quidem rerum anno completur usucapion 
fundi vera et aedium. biennio : et ita lege XII tabu^' 
larum eautum est. s aucb §. 54* a. Ulp. XIX, 8 usus 
est dominii adepiio per j:qntinuationem possessionis 
anni vel 'hienniii; rerum mobiiium anmi, immobiimm 
biennis. Sdhwieriger dagegen ist die Untersucbung iiber 
die Worte usus and mteioritas, welcbe ehtw«der nacb 
der Stelle p* Caee. zo verbinden sind, als „Gebraucb 

und Besitz^S ^^^ ^^ ^°£? ^'^^^^ gethan batte. Oder 
besser nimmt man nach Top* usus als Genitiv u« iibei* 
setzt: das durcbusas sicb erzengende Eigentbum, ancto- 
ritas per asum acquisita (Pucbta civil. Abbandl. 8. 26 
„das dnrcb den Uisus^am Dinge erveugte recbtlicli ge« 
scblitzte Besnltat^'), denn nnter den fiedeiitungen von 
aueioritas ist die eines reehtlicben Scbutzes nicbt za 
verken^ien (UnterliolznerB Verf&brnng I, S. 35). S. aucb 
C. Beieri excurs. ad Cie. oratt; p* Toll. p. 249. Wabr^ 
scbeinlicb waren- usus auctori44iS' die Worte der XII 
TaSsla, wSlhrend sicb Cic« in der Rede p. €aec. erlftu* 



der Xil. Marbovg 1828, wekber die UBiicapion nxspriiiiglich aicht 
als eiae Eigenthninserwerbniig gelten lasst, ffondern als one ££• 
ganzong der ManaBpation, so.dass luir an die luterlassene Anwen- 
dong dieser detr Eiatritt der Usu'c. gekniipft sey, wodarch die 
Usac. freilich sebr beschrankt wird. Daher liabe sie anch nicht 
firuher entstehen konnen, als die Mancip. oder der UnterscUied* 
zwischen res mane. ti. nee manao. und die £intheiliui|( de» £igen«- 
thams ia das natiirliche und streng romisdie , da sie jenas in. die- 
sesrverwandelt Uabe; auctoriias aber heiais Erganzusg, VoUgnltig- 
machnngi die Wirkung {u$u9 die Ursache Oder Erforderniss). 

10 



\ 



~ 146 — 

lemd auidrtdkl rnim 0$ met^rOmiemi . welthet Aann iOt 
§¥ Sm ivoTy aafawiassen. Ut und mill dec vocigieo Erklib* 
roDg gani ubereiiutimjiit* Dieses iit rlchiigef^ aU wesa 
man mit BaUborn-Roten (iiber dominiinn. IjmgQ A^B^ 
S. 2a9«»-*296) erklftreo wolke, nmu der CiebraHch (nam*- 
lich der Friiehte von dem bonae fidei poesessnf ) und 
mueioritoi (das nudam ins Quicitiiiia des EigeAlhumeiia) 
soUil swei Jabre daaero. Uebrigens iat es gleicbgtiitig^ 
frit^. Yfik usua wie gewdhnlich fur Besilx^ ddeD/niit Dn-> 
l^rb^kaer fur ^utsungsrecbt. nebmen > weleher unt§ (et) 
muctoritai iibenetxt ^Nataaogsrecbt Und reobllicbe Ge- 
Weht (BeCestigung und Sifshernng des Beaitees. gegen 
i^nspriiebe Driltor)"^ 

Ueber die. Erfuilimg dor Usocapion gdt die, ajt^ 
BestimmuDg) daas der leuete Tag der Usucapien been- 
digt. seyn lausstei ,ywelcber dem wiedeckehrenden Tag 
des. aogefaogenen Besitcea voraogebt. ^^ Wer also am 
1. Febraar Mittags anfidg, eineSaohe zu besitzeni batte 
aie. am 31* Januar des n&chsten Jabres nocfa nicht Mil*«> 
tkga usttcapirti sondern erat^nacfa Mitteraacfat *). 

Diese. JBrwerbuogsart war bei res maneipt uod neo 
mane, obne Unterschied aowendbari Ulp. XIX, S. €»ai* 
ilf 439* freiltch nicht in den Pi'ovin^^en, da hier keia 
onirtlarisebes Eigeathum stattfand. Gai.. II, 46. Hogo 
^Rdnt« Reebtegesdi. S. 218) zeigt die doppelle Anweo"» 
dnog.der Usucapion l).um ans Eigentftum in boala 
ToUst&ndiges quiritar. zu^nacben^ was 6ai».]I,. 4 enft^. 
wickek ii iihi rem maneipi neeue mancipmvero negu» 
tB iure ceuerOj $ed ioMtmrn traiiderOy it^ honu guidem 
Mm eu re$ efficietur^ ex^ tare Qmritium ver9 ^ea per-^ 
manebity donee iu earn poisidendo usucapiai: $emei 
€ni^ impleta , usucapione proinde pleno iure incipH^ id 
s^9t et in bonii et ex iure Quirilium tua res eacy ac 
$i ea tibi mancipata vel in iure cessa esset. 'TL) ver- 
sohafl't die Usucapion dem bMae Jidei /ietve»0er voiles' 
Eigentbuim, obgleick dieser aie Saobe nvckt von dem. 
EigenlhUmer, sondern von einer anderen Person evbd- 
ten bat« Gai„ II, 4$ Ceterum etiam earum rerm u$w*^ 



*) Srb tber aanns civiliB der Ufntapion In Hiigo*s.vif. MAg. 
y, 8. i8»^2A5^ Unterhofonen Ver|<ihimag I, S. 295—312. Maaeho 
ftbweidietide Aariehtatt fiaden *iob ia F. Rtii^tHer^ aaaa* dtiHs 
del Rdm* Rsohts. 5tnttg. 1629. 



— 147 — 

e€tp(0 nabi$ ^^mpetity qufn nam n domino no^ IiW&m v 
/uerinty Mif>e munfiipi smi efter^s sdve nee mame^^ $i 
modo €09 boma jMe uficeperimut* (luod idea reeapium 
nidktnry ne rerum dominda diutiu9 in incerto etiemit 
cum f^i^eret dominie md infnirendam rem ^uam umri 
mui bieMfm tpatiumr quod tempua ad U9U9apineM pot* 
seuori tributum e^U Auch itt naoh im Allgiimeiaen zq 
eriiuieroi dass bei keioiBr Utftcapioft bona Jide^j JL i. 
Glaiibe der RechtmlUisigk^il: der £rwerbttiig'..aad.iatthvt 
t UuImm ffin giiUiger. Kechtagrnnd, der Am Saohe. gleicln 
^ain als Auishl^iigeschild dient^ fehlen darf. Nichi 
alle Dibge aber siitd usucapiongfabig (Gai. IF, 45 ff.) 
und zwar konnen 1) gestohlene oder dureh Gewalt he-t 
sewtene Saohen, aucn wenn der Uaucapient sie bona 
fide ¥om Dieb erhalten hat^ nichi iisuoapirt werdeo* 
Gai» vCfid; Dies^ Vorschrift rei furiipae atierna aucio^ 
riiat stand scbon in den XII Tafein, wurde aber >daiMi 
iu AeT lex Aiinia 557 d. St» (nacb Pighiusl) erneuerf^ 
a. Gelt. XYII, 7 legts veierit Atiniae verba sunt : quod 
gubreptnm erit *)» €iu9 rei aeterna ai$€tor^a9 esto; je-» 
dock Ulsst sicb aa$^.Cic. Yerr. I, 42 schliessea, data 
dieses ,init Modifikationen gegchah, weil Cicero ausdriick- 
lich sagt, die Gesetze, wie Atinia u* A. batten nicht 
ruck wirkende Kraft gehabt; also moss sie neiie Bestira- 
mangen enthalten haben. 2) Etn Peregrine darf nie 
usQcapiren, so dass der Rom* Eigenthfifuer die Saehe 
ztets vindicinen kann, Cic. de off* .1, 12 advenut ho^ 
stem aeterna uuctoritas. s. Bei. (das Eigentbamsrecht,^ 
des R5ni. danert ewig gegen den Pereginen) Dirksenil 
Uebers. S. 26^ ^) Der Ztigang au einem Begrfibniss'ta.' 
die 5 FiiBs an/der Grenze von zwei Grondst^cken kdnoetf 
als reii saerae u« rdigiosae (^ai. II, 48) nicht dsucapirtf. 
werden. Dirksens Uebers. S. 695—698. Cio.de leg. I 
II, 24 quod mutem forum i. e. veitibulum sepulcri bu-*^ 
#ltfmt;e (das Begrftbniss selbst, s. Fest. ¥. foram u. bastum 
usucupi vetai (sc. lex XII tabb.) tuetur ius sepulcrorum* / 
Dirksens Uebers. & 475* Cie. de leg. I, 21 Ufucapi&nem • 
XIITabulae intra quinque pedes esse noluerunt. Aggeii« ed; 



*) XSeket lex Atinia n. den Unlenobied zwifohen r^» fartivm 
und iuhrepia s. Reinhmrdis Usacapion S. 56 -^ 61 , wo ret subrepla 
Bwr Toa bewegiichen Dingen^ genommen wird , bei weleher der 
bose Glaabe des ersten Besifzers yoransgesetzt worden sey. 

10 ♦ 



'' , 



/ 



— 148 — 

GoSi. p^ 74. 69. 4) Re9 manet^i welehe einer nnt^v 
Vormnndschaft stehenden Fraa angehtSren, k5naen ohne 
Vorifissen des Vormundg nicht nsueapirt werdeo, welcbe 
BentimmaDg Gai« II, 47 aus den 'XII Taf. aafiibrt. Cie. 
nd Att. I^ S id mirakamur te ignorure^ de iutela /^ 
gdtima, in qua dicitur esse pueUa^ nihU ntucapi postem 
p. Fiacc. 34 Uiu non poUtU (dureh Usns koRDte di» 
Valeria nichi in des Mann^ Gewak koimnen). Nihil 
enim potest de tutela legUima sine omnium tuiorum 
aucioritule deminui (die Vormiinder miissen zu Allem 
ihre Einwilligang gegebeti haben, wodnrch ihr Miindei 
Oder deren Yermogen in ein geringeres V«rhaitmss odew 
Nachtheil komini^n konnte *)• 

' 4) Die traditio' war urftprungliob eine natiirlicbe 
Erwerbang, eine Tom taglichen Bediirfniss berrorge- 
rufene Yeraasserirngsform nnd verlieh bei res nee man* 
eipi quiritarisches , bei res luaneipi nur Eigenthnm ia 
bonis, Welches erst dnrcli Usucapion zu strengem Civil- 
eigenthnm warden konnte. In diesem Falle war in den 
beiden ersten Jabren der faktische Besitir ¥om Eigen* 
thttmsreeht getrennt , der Tradirende blieb d^mimns tas 



*) Diese Bestimmnngen eriitlen unter dei^ Kaiseri^ b^eatende 
Verai^eruDgen, indem ein doppeltes Sapplemeat hiiizvtrat . 1 ) 'ion^. 
iemporU prae^cripiio , eine Art Vei^almmg^ welcbe 4^111 Besitzer, 
cler nidit usncapionsfahig iat, z. E. c1eii\ Peregriii^n»,g^en.£igeii-> 
thniDA > nnd pfandrechtUche Anspriiche diirch. P^iraes^arifi^UQi^en oder 
Exoeptionen Scbntz giebt. Unf erholzners V/^abnutg, !» $^10, Arl(X 
Unter Gegenwartigen galten zehiiy vutea* Abii^sQitil^ .ein, Termiit 
Ton zwanzig Jahren , welcher natiirlich nidit W» m- Italiefi, son«. 
^ern auch in den FroTinzialgrjnndstucken angenommen war* S) Eine 
dreissigj&hnge .Klagreriahrang zu Tbeodosins nnd Honoiias Zeit, 
welche sogar dem nnredlicheo (ebne bona ides) nnldobue titnlna 
^eaitzenden ein g6Vi:i«ses Recht yerlteh. (Diese Klagverj^hrang ge- 
hort noch riclitiger in 4aB Obligationenrecht, als MHt^-ieiiitar Ob-^ 
ligatio ledig zu werden njid ist Mer bios wegen der snppiemeiiia^ 
rlsc^en Anw,endii|fg.erwahnt warden). Jnstinlaft' aber 'bob die 
longi lempoivs praescriptio ganzlich aiif und fiihrte Usucapion fiir 
alle Grundstiicke ein mit dem bisher g^setzlichen Termin yon 10 
«. 20 Jabren , jedoch sollton bei beweglidien Dingen 3 Jahre ge- 
Migen. Das Genanere fiber diese Falle katiu nacli^eseben iviar^ 
den in UnterbolzAers Yeriabniog II,' S, 74-^ 94* Reiahardtt Ubii« 
caplon S. 184 — 302, 



— 149 — 

$0h iure QmiriitUmj so laege der neve Betitzer' duirfe 
Usueapion noch.niehc EigeDihumer gewordenwar. Doch 
gingdieaer natiiHich dem aken Herrn tor,/dessen Ntime 
domin^0 nur ein leerier Sohein wan Ulp. I, 16. 19. .20. 
£s vereteht (dich vod selbst, dass der £i^enthfiniiiber^ 
tragende .Eigeothiiiner seyn milsgte und dass er nicht 
menr Keqlit iibertragen koonte) als er selbst hatte; also 
kaiin der dommus ex nuda iure, Quit;, nicht efwa Besitz 
ilbertragep* Atich darf eine ut$ta ctmm nicht iehlen, 
d* hf 9) die diirch eine die TradHb>ik Ibegletlende That- 
sache i^ai(ge»prochene Absicfat des Tradenten.** ' Diese 
BeweggrUiHie g^ben der YerSnssemng einen besondem 
Charfiikter>,z*£. Schenkaog, Taosch, Darlebn u^ a* w* 
nod dii^n^. aar 'Rechtfectigung des nea^n Besitzera *)^ 
YgU Qiai. U., 19 ff. Ulp. %l^y 7 Traditio propria eti 
alietuUio rerum »€^ mame$p4 (vrapriinglich nur fiir reit 
nee mancipi). B^rtfrn ^(ermt> domijdia ipsa iraditione 
adprekendimuff scilicet n es iusta causa IradOae sunt 
§l»bis. (Bei den libvigen no'ch ^olgenden' Erwerbsformen 
maoben retmaixeipi ^% n<se<inaiviripi keifted Lkitersdiied. 
Dip. XiX^ ;l^ to. 9. G^i* ar^. O.) .. :. 

5) ,A4i¥dic^tio.: Wenn mehre Personte an. einer. 
Sache gemctinscbafilichea EigetKhuni besaasen^ z. E.. ala 
MjyLecb^ajF^el^Qachbarn, jVIiteigi^Dihiuner^ n. einen Thei- 
iimg}sprpaei9i ^iistetUten, so ;gi|b. der Aoa^iich des Bicb^ 
les^^j w^chav Jedem. das.Ss^kK^ 9iuiheilte,:filpreiig.>civileB 
EigenthupQ. tJIp. XIX » i^\Adiitdty:atione^dQihwi^ nan- 
cw^imurperformulam/am^iUue ttidscunda^ quae locmH 
hahet^ inter coheredesj et per fyrmulam cmnmum ,di* 
pidundo]^ xui locus M inter* iodot^ et per forHhtlam 
fimum reguhd^umi quae e«t . intar .vieikos.' NaM'isi 
index, nn^ ex keredAns^ \aMt^ soiHiS'^ant^ .vidnitf rem 
4jdiqmam ad^udicaif^rit^ t$aJim\ilH\Mqttiritutif siveiman^ 
dpi sive nee m^fipipi #if.,Jii|yt. Infct. IV, i3'^\.'Xi ScHon 
in den XII .Tafeln kam iiB familial eioiscupdae actio 
^(Erbachaftstheili^ngsklage) vox 9 s. Diiksens -Uebers. & 



*) Dftse.Erklamn^ steiltegegen die friUi^ren tmf H^amftSnfg 
(Arcliiy fur oiviU Pxilxif VI, &. 111—134). S. aoch fT^nck optisc. 
acad. ed;. 8ilM>er p* . 126 -r^. tS4 de tiradttioiie inter ^tfsestioiifs et 
gHTOfirietalSs tramfoeiidae moduni fisctiiaate, wo ^ick -vtele trefF- 
lidie^B^mtrkangen vbec Betit& v. Etgenthiun, namckitlkh lihr Ver- 
hailtnias va eiaaoder finden. '. : 



150 



389*-* 397. Fctt v. Erehtm eiium{(jue} Jit ^fer eoiiMr* 
fevy lit is hbH9 lesum Rom. lepiur n. Lindetn. Anm. 
p. 419. Serr. ad Virg. Aen. VIII, 642 niifl Donafass 
ercio non ciio «*• e. patrimonio i>el kereditate n&n di^ 
vita^ n'am citut cum diviiut tignificat^ ci lon^a 
e$t. Dieselben Ausdrucke finden sich bei Cic. de orat* 
I, S6 qui qnibui verbis errtum cieri oportedt, neiciM^ 
idem erti^undae famiHete causam agere non potwtt. 
GelL 1, f, wo von den PythagorHern die Rede ist, heisst 
es: et eoihdiur toeiet^f inseparability tanquam ifftsM 
fuerit aniiqunm comoriium^ quod re atque verbo Ao-^ 
mMo uppeihAatur hereto non cito (mU iingetbeilf^m 
Etg^tham)^ Bei dein ^treit nnter F«ldnaeHbarn ge^ 
braucbeii die XII Taf. den Aasdruck iiirgare, s. Dirk-^ 
sens Uebers. 476 ff« Non. Marc, de propp. iseri^. e. 5, 
34. Cic. de rep. IV, 8 si Mrgtrnt, benefyolomm conc>r^ 
tatio. — Jnrgare igitur iM putat inter se vieinot^ non 

litignre, .*!'•' 

6) Ltex Ist eiii ganz tingemeiiMr Ansdrack fiir alte 
cvntkn Btwerbangsaiteb^ ' welobe eitien besond^n Nam^n 
nicht fiihrcn, wo ia Folge oilier lex (fie Magistratsper^ 
son Eigtatbnm zaspricht / Avie Utp. XtX, 17 -sagC lege 
nobis (tcquiritur^ velut eitdueum (eine herralOse Sache) 
vel erepiorium ex lege J^apia Poppaeu {wti^ Erbschaft^ 
' weibtie 4er. eigentliche Erbe nichi antr^t^n darf und 4fi^ 
deniBdl]^^)glei€h8ani entrl8«en ist), Hem le^Mnm ex lege 
XU tMflurum (auch 'das Legat sell sogleicb' iii das 
E*igehtham; des Andem db^rgeben), sive mtmeipi' re^ 
sAit seive nee mancipi. « 

.^ \ A 7) itccupat i4K Einie ber rnlose Sacbe' geht ih das 
natflfllche Eigenthnm^ dek 'Besitaergreifers iiber, mkch 
der« Kegel te^ nulthts cedit oeenpantij also gehSi^ta 
FiBche u. wilde TM«re dein^ der sie fkngt. Ancb d)fe 
Erbschaftenfiasse ist herrnlos^bis der Erbe sie besefst^ 
^ie'Gat.'ausdnickli^h sagt It, 11 nam res hereditariaej 
antequam aliquis heres exsistat — in nullius bonis essk . 
videntur. Nicht wenigcr sind die Giiter der Feinde oder 
derjenigen Yolker, init denen Rom Krieg fubrt, nach 
dem iua gentium herrnlos, daher findet ^inRi^cKt der 
freien Betit^e stalt, da ein solohes Volk in durcbaiiis 
keinem Reohtsyerbakniss mit Rom «teht AafFallend ist 
aber, dass diese naturlieke Efiii'erbnngsaH a«ch civihf 
Eigenthum begriindet uitd swar findet • di«si9s> bei- d«r 
Beute statt. Doch hat man bi«r die -Et^^inrbvni; dmi 



gmjBeB Heftf ta Im J^ri«fp» ) unfl '4ie rOc ou p p li oB dl^ 
xbheaidtm Fflind geh4irimii» in wiiMrcm Lwd iMfind- 
liflbeB;£a«licfl[ m ttntenlch«iden {Cels. in 4«nDig« Mgt 

0empumi^um fiuwt)* . JenM i«t glieichsavn Erim4> ins 
ganmi .tloni.' Vdks and mir dareh etee l«x lies Feld- 
bMrrn, ' welck«in albin Urn Disfwrition iiber di« Bente 
xnsiebt (Liv..W^&3^ V,2fi; {»0tyb#X,16; CicLagr.if) 
21)9 konnfte den fiinkieliie E^wis dfivon erbalten, MrdicfaM 
Juiffif-* (Tarra r.'ii* IL, 10 e praeda tub' e6 nmm emit) 
(Mier i^ertlidlungsweiBe (a. B. der lAhder^ieiA^ gBwArnhm^ 
Also diCc Ifex'^ Mt eto^ < wslsbe f)qiiintariseb<is £igeiMliani 
hmf90iimtMgt^ wcHt etwa 4lie ocenpatie, AemkfVfM eioer 
einveln DoeolMrt^ gehoit ibm jiar *ex inre gentMiin, ^a 
in lionis, bis/dia Usacapicin vallendet ist *). - 

.58) lUi £ftsetf^fi«i'g"a»» unserer 'Smeke gMii na? 
ftiiikhes<EigandHini, denn so wie die Saehe mir isttg6-> 
kJirt, SO: anSi Ailss,. was 4i6 Namr daraim tiarvorbringt/ 
z. £. die \aHrf vncKinn Of oadltt^ok waebseaden Bftuiii# 
nelist Erudfaiel]^, di0> WoUe u.Jtfilch der Thiere n. s. w;- 
Dass <^aa 'SeiAe oaf des AJaebi>6rs OraaAMuek binibtor«^ ' 
ggfsMsnett Friiahte aollssMi 4aif ^ s. Besebirftnjkungen des 
£|gc«tbiins;> S. 136. ./ . 

' §} Die) V^mr^im^umg yeimer fremiei^ Saeke mii 
der mi^f^ig^m {ucee$9ie) 1st ebenMls' eine natQrUcbe £t- 
werteirtganrtf B.r£« M^nrn das Wasser an mein Grttnd^ 
stjick -.neaeB £«lKtd amspiik^/jMi gebdlt diMes nrir.' itk 
Bogar., wenn' dar-Esgeathttiner einav Sachs eiae fremde 
domit yerUadet^ so doss, sie ein Ganass atistnacli^n^ 
daan hat 4tw..fisfr ma EigviitlmAisrecbt, votansgeselst^ 
dass sein«)8acbe V4m baidendie Hanptsaofae asy (actei* 
wormm sequiiur principale). Dalier Icann d^r Eigen* 
tirimer i^iies. fiaDeens, welchen ich z^a fiieif»eiti flattsbaa 
verwandl; liabe, nieht eb^ Anspriiebe aof denselben 
HMicben, bis ds&Gebaiide abgebrocbi^n ist. 8. obeli Be- 
achraafcttbgeft. 4es Eigentbums, S. 13S. • 

10) Specif icatio wird die naturlicbe Erwerbung 
durch Bearbeitjing einer Sactie genannt, woruber lang 
kestritten xvuj'de (Gai. li, 79), iadein Gassids ti. Sabinus 
Sebappteten^ die Beafheitang (cdna ^Sialue) gobora deid 



• ? 



*) 'Bme BeiMrkmif tndehte ^mutttt Meyir )ia 4fit Zeitichtift 
far gMohiditl. ReohtfwifseBiohaft Vllf, S. 73 ffv / 



1 



t 



— 152 — 

dem EigcalbiiiMer der Saehe (des Mannais), Uogf^Bmi ^ 
Pvoenloa sie dem Beatbeiter xospraoh, den Sisiiceni firi*. 
mnA^ welehe die Form for die Haofrtasehe hieken* 
Senee* epiitt. 8S lignaniiii uavlca$^erumty qmamim^iMm 
jUainam^ HneUgmit; non.ett, inquam^ euraltfm$4 p»^ 
te$ e$fi9 ad4utori0 fieri ^ $me quo Mm pote^ fieri*)m 
Uebeir die civilen Erwerbaagaarten des aitcn Roni* 
Becbis banddn mehre sehr meckwurdige. Stellen, Ton 
deoen drei der voraagusteischen Zeit aDgehor<Bn, deren 
abweichende Ai^gaben sich darch die ; ¥ar8€bied6ii«& 
2weeke der Sohriftsteller leicfat erklftren lasseii* D^ 
Ul^eKti befindet sich Vario 'de re. rust. II, c. 10, wo der 
Yerfasfier von dea Erfordernissen iind sedaaa Ton deaa 
Erwecb.der'HirteiifiGlaven handek; bei wekber Gelegen^ 
heit er sechs Artea des Erwerbs aafzayt, welehe den 
ytrkmifer sun EtgenthuraergeiBaeht faabeii kdanen, so 
dass.der Kaaf«r danacb zn benrtheilen faabe^ o3) er «ack 
\virklieb von etoem Eigentfamier jkaufc. tEir^sagU ^ 
^mptitmikus dommum legitimum Menu j^^rm rmfperficinni: 
4< heneckiaij^m iuttamadiit (wetm ec aiseCiidierheHerc: 
d4M( Selavfsn gQwordeo ist), n ui debwii i mancvpiQ tA 
^ aeeepU^ a quo iure dvilipotuU (wennet deaselbeft 
durch feierlicbe Mancipation von. einer dam. AlUgen 
VifiNCSOii, erhaUen bat), out $i in tkre cestii^ eti^'(Atidere 
liohUger gui) patuH cedere ei td uU ^poKiuti (weoflt 
eU^^ der in iure eessio fiUiige' Person dieiui Ael top 
ekicr. Magistratsperson vorgenommen liaA), aut^ ti utu 
e^pit (wenn er ein Jahr besessen ha^, aut-H e praeda 
fui. corona emit (tenner bei offend* BenteverateigeniBg 
den Solai^en erstanden hat), iumve cumiim hom$>$eciioneve 
cuius pubUce nenii (wenn der l^lave jofl'eodich dureh etne 
Magi3trsiiU|^ei:8on verkaoft worden ist)^ tlnter seetio ware 
{ni-f^il^li (iiyi. leiehlesten UniversaLverkauf wegen^Zahlui^gs* 
linJ^bigkeit (visndiiio emptio bofMrum) zu verstehen, dook 
dj)|f(e dieses ^icht angeben, da Gai. Ill, 80 nUsdrn^lieh 
sagt, der bonor.um empiar habe das arstandene Yer* 



•^ - 

^if *) Ettdliefa T€»tngte Justiniati, class der Efwerb- dtirob* Be&>- 
baitvng.dtim gelte, Wenu J^ein Zuffi«k^hren in d^' Qlte Gestsit 
moglich Bey. Also geliort die mannome Statue dem Bildlianer, 
wenn dec^ Marmor auch nioht sein war ; der Maler aber soU 
jtmmer Hei^ liet-Biida werdea, anob 'wenndie Lebievand nicht 
sein Eigentbum war;. ^ , r > ^i % / ' •« , .^ ' ^ 



153 



Htfi^iiSaiifiuigs nur'in* bonis gehabi d^.ersl darcb Ugd« 
eiipiflii'j^(«iritar.vEi0flnthiiin daraa ^rfirorben, Vavro abiu* 
sprioht mi0{ivo<ii«£ia lelslM> ;dah^r>«idg' tn baniB and 
|tfr0l«ai (ii.\A»etiiNiniiKdckA)>Ticbtig^ aaQfefaist /wenU>D a)« 
' Ai&tioii ' d» ( QAiitTti. ivejdie . protettturtan: odw criiniiiaW 
garioblltiik vertfarthiilMa: Personen i^ekteten; diese abev 
konnten avdi ^ilizebifweiikattft werileii^'iivaf EatrofK bverj 
kirt.^ R; VUIv 6 atfiiAbnt iVfTn^lMte r^giii' cmA«# tectim^ 
AMraXiA^'i' ^hf^wo' vim 4ie.>B«hte: CSa da inv. I^'4&^ 
Man kann also ebaa ao irobF^arJItO' «; .i(MM»ra»a.'vtnM* 
dUi^y fida vri'sohieUaiie Artfen de^ Tendttio iinteisoheidaB^ 
'WoratiC zoarat-Sdaber auftn^rksaali/gemaebt bat; :de ba^ 
nofom temf done apad^ vetiBres Radt. Lips* 18^» § 2. w 
Schilling Amayk. za ^aes R O. 8. 69' ff, stinnai ftm 
bei* > iWoMi .diasb .Sahaiainig der veaditio' uad aectio * 
Hochl aweifeUMft^aclitiot, imuss sieh^^mit einar Spattbiig 
der'^vsenUMtio libi^ime q^nblica a/ prisrata faelfan , . wie an 
Pbgg&'|[etbiia bfei|»i(|re«blBgeiicbicfatliirBaBaerk* im Rhein* 
Mtts< 1I,*&')87'^^)VI Mirifeber "anaininity dass .bei A«k<t 
tiOR ivagen. SdtaMev. an den Stslat sogleibb, qairitar. Ki<» 
geotbnm, we^ea PrivatschttUeB aiir aatu^Kobes JBagabaii 
'waadenu'saj^v ^▼o^'j^>>*vi>>'**P^<^ti'D Yan^o. a* & Oi^ tan 
diasaih Chili 111^80. 154. -.-^ Dooh atne.aiidj:6 Flraga.blailit 
BOch ntmg, . viiaruHV Yavro oder dar- 'voa - ibm banntzte i%^ 
tiik*m^Am lex^ nosh. M^tti dfuui/ta, mmhtradftto als oi'vib 
Er^arbangaartan . arwabnt babe ? . Dm^ baiden erstan sind 
aar^qpaziaUa FiSIe i(s« :aiban N. - 5.< 6.)y ivdkha ftai Sela<» 
Taai»Mrarbnng sabr baltan Torkamnan iiiocbt^n)'' die 
tradtt^ fiif^vA nicht)arar&bat, .wailraia bei res teanf 
tkfi^ wa^^docb^abii'die Solavea .gebateli, <nur aatait" 
liches Eigerithum v^iibebafit undwail <die darau^ bervor-^. 
gabiiildd^ Wirkungy di^ IJiocapian, aefadn gadannt worden 
wai^; i;'>Erabarung 4m >Kmg filbrt ev daswegan- nicht an, 
wail> dieae erst dnrch. eine lexMeSkFeldherrn civiles £i- 
gan^biini'versobatfita* Uebrigana^/batte ja-Varro sabon 
im iraraas angedeatat f^j«^ /erelrei^, dass er nicbt allef 
bur diahaippts6chl.ErwerbaBgBartfen nambaft machen wollew 
£ftna kurze' Notts ataht Cic. Tep» c. 5, 28< Abalie- 
nmiio ^M eius-rei quae mant^^ €m^ (die Veraussaraiig 
eitier res- mancipi ) aut iradiiio alttri %exu { gesebiebifc 
darck>ManoipatioH,^id» b*< fieiariicfaaiUabergabe wegaii 
sebeinUaten hAkSmy 4iUt in iwre ce§sdo^.i^ter^^oM ea^ 
4mrtihi9Ui\fi^ pifkiuM (odaa durch in i..€», wenn beida 
Coatrahmt^s nliaaar. Foraaien fahig mA)* S. Boeihr.i. . 



— 154 ~ 

III. ei. (H-^ p. *S2i C SeliilUng Befn^ aa Hiif^o :& IMt 
Dass Cieero our ftwetAvtes in tufie remtio.tu' mmc^^^ 
dnfihrt, sobeial faei deln entan ^nUkk ma,m aii^l^ 
kJoder^ da- er atn Beiapiel vim d^MUmuim dibuii^ gibek 
¥riU^ welche liekaaiillicli alle Species idea.Bagriffa aAt 
irellstaniiig umfaaateo; dock es kt.BMr idieaa fiesofadlB* 
kimgi iHo doppeher Gniad.TorliaBddQ:. 1) ilaas rer.nar 
T«n Veriiasseriuig uprichty welche' natidich aiif dai« 
freien Willen deg blsheitgdn Herrn beraht, nnd 2) daaa 
R«r YiMi jnea onanc. die.Kede ial^ DeinvegiNi :iiiii88te.#t 
lex^ ddmdicatio ctc;> .als nicht freiwiHige YeritMsiNnuig' 
ulM^rgehen, die fremittige Traditio ItS^t vmtt flit^ Be* 
sec ni^Dcipi am wicfatigst«i, da- aie; bei >^ immcapi 
cri^ dvich ihre Wirkjiag (UsacapUn) bcd«ti(end wiird^ 

Noeh uDgeaaner ist Cm dc off. 1, 7, wa .er jmt 
enrige Erwerusarteii' des Pfivatbetkhw imd iiigtatbkmia 
(denn beides ist bier vermiscbt) oniubrt <iiii4 'locholi 
durch das Asjiideton' za erkeimdn^giebt) idasB «s nkht 
aflft siod. £> sbgt tuwi auiemr pri4Ma 'muUa naiura^ 
§ed ^aut vetere occupaUonej mtqui qkoMdum if^ vaema 
n^nertfn/ (dnrck natmrrecbtliche itrake.BesilxergffcafitiiSf)| 
ant vifMoria^ut igras' bello poiHisuMi* (dorch ktiegt^riame 
0ccupatio S. N. 7.),'im^ lege (a«.N. 6.)/ ptictione i{dmfath 
emsetdgen Vertrag, me Schcnkiukg a. dgL)j,cO0MiMmi0 
(diiTch den natiklieben Zostand rad. states einet Slicli#| 
is. E. die Fruchte gehoren wegen ibrer naCiirliobeii Aiet- 
aehaffenhett alsZawachs einer andern Sache dem Henm 
digger Sache, das angespiike Land gebdrt wegen aeifter 
Begchaffenbeit dem Herrn das Aekera «• a. w%j so. dass 
dieses eine .Wort slinsmtliobe natiirlicbe Erwerbungtaf^ 
ten nmfasst), iar/e (daroh Erbsehaft)«' 

Am Yollstftodigstea spricht Op. fJr* XIX, 2 n^gu- 
iarum rermn dominia nobif adquiruuiuK'nHmcipaiiAU^^ 
iraditione^ mucapionej' in iure eeaione, odiuduMifiHe^ 
lege. Weil ec bios ton deir Erwerbunff etnaclaarr'Vef* 
mogensthetle spricht^ koonte er hertmUaa u. Conmir$r 
auction nicht nemien, denn in beiden. Fallen wnrde 4A9 
Vermbgen nur im Ganseh iibeigefragen* EmpU^ sub 
corona und $ect$o erwaknt Ulpiannicbt, da ualer den 
Kaisern die alte fete^Kcne Anstiansform dnrcb die dii*- 
bei addieirendea Magistratspecsbnbn.wabnHibaiaKcb vefv- 
icbwnnden. war^ deon die kaUeriiohenlljegaten komiiea 
nidit addiciFen. Den giinsen Titel bat BaUhorn^Wdea 
comncntirt, iber dorointom. Lea^ga 1823U 



155 



Anhang. Fiduedv^). Ei g«}> anck Ftile, dati 
der Eigenthiimer die ihm cogehdrtge Spohe zwar gchein* 
bar einem Andern fib^rtrag, wobei er sich aber Toa 
detn £nipfllng«r'»iia8 Ycraprcdhen leistenJiBat, die Sache 
stffttoktbcvfcMsen so wttUen^ meUkeM fidmeim gebanal 
iitrarde^ab^ein asf Trrae a< Gladben. gegrmdeter Yiet^ 
f ragv '6ai. II^ 6a jSdme$m ooniraUiuIr r*^ cum Smieoj §md 
HaiUi nosir^e r^$:\dpnd emmmnM. Vnn dem. ^insl* 
w^gisn Emfrfteger dcv'E^[entlHlItts sagte tnaa ^dmemf^ 
Miipit\ 60 iAt. Top. 10, 42, wo Boetli. 1. IV^ p. MO 
Oti: das Beispiel anftfavt^ iwtin etner Am Fareht Tb» 
M««n Zeften) einem mHolitigen Freunde. sein £igembiini 
stiaifiiipifi'ty^weldieB dtdter in rnbiigcs'Zeiten^uriid^eUt; 
Ul^bet die At^wendong* der fidueia im alten PfaAdteciitf 
s.'Unten Pfendredit Cap>. III. £i»enso fand sie bei Ema»« 
eipsrtiofneo stalt, wenn der Vater jteinen Sobn scbenibas 
TevkaafC, «nter der Bediligung, dass der Kftafer daa 
ibin gettcbenkte Vertraoen nicht Iftiisebeii^ sondem den 
Sobn Bogleieh wieder freilaisen-wende. Ueber diese in^ 
die analoge Scheioco^inption s. FainilientMiit^" liMk \ 
ErbsOfaaften warden mancipirt, imcer der Voraiissetsang, *. 
&mi der Sebeinerbe das yemtdgta nadi den Tode dee \ 
EAIasMfrs entweder gam oder sam Theil einer driueb' - 
PerAeo ilberlaeaeii w^de^ welcbe im Testament niebl 
bcfdaeht wcArden korinle/ Die Erfiillaiig einea aoIdMV 
Vei-g^cheas* gait als tieilige Pflieht, s. Cic Top. 1^ 
43" 9l futi^r Jid^m prtteaimre deiet, si socius, H cui • 
mandaris^ $i qui Jiauciam aecepii eett. Wer aber daa 
Vertranen aeioes Frenndes mt^sbraaeht, indem er die 
nbergebene Saobe aieht wieder berawmben will ' (€ic* 
pro Qaee. 3 qui per tmielam •-*- emt J^duciae rmiivweft^ \ 
j¥audmmt atiquem)^ wird dorch eine mdio fiducHie h^ ^ 
langt i^Gai. II, 62. Cio, de nat. deor. Ill, 30.), welobe zu deli ' 
jddicia bonae fideigehSrtCic. ad div.'VII, 12. de off. Ill, 17* 
n. im Fall der Vei^artheiliing wird er infamis, wie die tab; 
Heracl. t. Ill, aaffdriicklieh aiis»|Kricbt. Anch Cio. pr# / 
RofiTC. Com. 6 dealet daraof bin 9i qua Hfnt pritMa iu* ' 
ditim numfMte exiiiimati^nis ei paene dicam eetpih% 
tria Imtc iuni jfiduciae ^ tutelae^ iQdetatis. & & 111, 



*) Conrad exercitatt. II, de pacto fidnciae, in dess. script, 
inin. ed. Pemice I, p. 179 — 254. Sia$ de oontracta fidnciae. Leodii' 
1824. folgt jenem mdatent ^. A* Beit ad€ic. da o& III, 15. p. 293« 



y_ 



156 



\\ 



/\ . Rechte des Cigenthiiins. 

o^ .Der SQlRUa,rwelohen die Gesefze den £tge«lhlim«^ 
M|[^deiheQ. lessen , kt aowoU oach Art (.des fagekilbunM^ 
seki' versehieden, sfin auck von^ den:Ekig!riffeii,fibhariigigy' 
welehe in das Eigenthitmsrefiht genaofat.^worden siod^t 
*-> -1 ) Rei vindice^io ist die ana dem quiidt. Recht eoi-^ 

SNriogende Klag^ des Eigentkoinera geffeodea fiiktisCheA 
to&itxer.) wodurch der etittere Toia letzteren die An^ 
erkennnng setaes Eigentfanma 'Uad. die.Heraaggabu d^ 
Eigeotluiiiisgegeiistandes fordert^ .VmdicareifAii^Timxak 
klagenden Eigehtkuaieff gehrauchte Aasdmck^ wdoher 
kei Cie. de orat. 1^ 10 Torkomnit, physici ,mn4icu- 
rentj indent /die , Qebanpfeung . des Craasus,^ dass ein ;Red'* 
ner iiher alle Mateiiea sprechen* k&rnie^.iwiideiAegt ."wirdk 
vnd die Philosopbea. u. a* nambaft' geinadit . werd^n, 
welche ihr Eigentham in Aaspcni^ nefamen^ wiirdktaw 
IMe: Habere Beschtetbung des YindikatioDisiprozassei^ s. 
Actkinenrecht* 

.^ 2i) Jbctup ntgatorm *) *iHt ebenfalls eine Klage dest 
Eigenthumers, doch nnr gegen diejenige Stof ang, we^ebf^ 
eifizelne Tiieile dej^ JE^gehtbama trifft.; Die DaraleUuiig 
4es ganzen Ei^ntfaanisrechts ist d€»r Grand. dec Klage, 
ak petitio ab^ wirdhur ein Stiiok des Eig/^nlhain^reetttd 
g^fordert. Di^. Klage hatte ifarien Namen. van d^c ^e^ 

Stiv aafgefassten Formel, dass der Aodere IjLeia It^BcJil 
be, stocend einzuwirken. 

3) 'Der Schutz des natUrUchen EigemiiMmet:^. (iu 
,' boni^) besteht weder in einer Yindikation, nochi'^M''- 
^ ^ana adio , nod^ in irgend einer .eig^ntlicbcin Etgaa-; 
tbdinsldage, aonaern wahrscbeinltch in einer aaf Eig^K* 
fhiim (aaf menm) igeihchiet^^ fiirmula . peiitpria (von 
Z^mern gelajngnet, Rhein. Mu& III^ 8. 330 if*)? vf^he 
nach Unterholzner (Rbein. M us. I, Sv 139) ebeafaUs wie 
bei dem bonae fidei: possessor aaf der Fiktion . der voU- . 
endeten Usucapion b^uht. Der :Zasaiz ex iure Qwri- 
tiam, welchen wir bei der ibriti* petite sowohl vie. YpfX* 
]l, 12, als Gai. IV,..92 finden, si^igjfc ficeilich, daKs Im 
in bonis keine reine formula petUoria stattfinden konnte. 
In friiherer Zeit mochte d^m naturlichen Eigeathiimer 



^).8. AJihaadL «r..Pac]aa im fihf^in. QftfK I, 3. ?. 165-:1S|. 



>j 



_ 157 — 

^oM nibht direkt dureh eine KlagSf ^ Tielittehr 'diMT^li ' 
Exceptioaen geholfen \^ord#il sejn,/welche ffegen.4at 
starre niaterieUe Recht angewaodt wurden, una swari^t: 
nach.Gai, H, 120 di^ ^x^e^tio doli wahrscheinlichfii^^ 
b\h €a>€l rei vendilae et iruditae, welche Mayer (ZeU* 
sobffift fur gesch, Becbtsiwiss. YIU, 1, 8. 15 ft. 35 ft.) 
als zu besehr&ukt geg^n Zimmern und Uoterholzn^r 
dairstellt/ 

* .' 4) PuhHdana actio *y. Schon oben (S. 1 32.) saben wir, 
dass einefiogirte YoUeadangder Usucapion die Basis dieser 
Kksige ist, w^darch der honae Jidei poisessor j welcbjBr 
seioeo Beaitz eingebusst bat, gegen dea Schutz erh^elt^ 
welobfr ein sehwacbere^ Recbt.nat, nicht aber gema 
den.'EigenUiiimef;^ dean das Edikt des Prator, (wahjf<» 
aoheinlicb Pablicius^ we^cber von Pigbius in das Jahr 
685 gesetzt wird) sagte ausdrucklicb ii gui$ — non a 
dam$mo petetjiuddcium dabo. Dagegen der natiirlicbe 
Eigentbiimer ( in bonis ) konnte ^'ohl gegen den Eigea- 
j tbiimer klagen^ docb nicbt init der Pabliciana actio, ob- 

I wobl Zimmern (Rbein. Mii^ a« a. O,) dieses sebr ge« 

lebrt vertbeidigt bat. Obgleicb die f . A. eigentlicb nur 
deni redlicben Beaitzer zastand, so bediente sicb spatec 
^ aaeh der Eigenfhumer derselben, weil der Beweis weit 
leicbter war. Es wird nemlicb nicbt der Beweis ver- 
langt, dass jd^r Klager recbttiiassiger Besitzer sey odor 
dass der, von dem er die Saclie erbalten, recbtm&ssig 
tradiren konnte, sondern nnr dass er durch eiaen recbt« 
massigi^n ^Titel (Kauf, Scbenkung) und bona fide die 
Sache an aioh gebracht babe"*"). 

Seckiies' CapiteL 
Erioschen des Eigcntbiims. 

Das Eigenthuin an einer Sacbe kann verloren gebcn, 
1),wenn die Sache selbst aufge]5st wird , z. E. ein vom 
Fluss weggerisscnes Stiick Land; 2) ebenso, wenn der 
Eigentbiiinct init Absicht dielSache aufgiebt (derelictio); 
3)\vehn ein Anderer Eigentbumsrepht an der Sacbe 



^) Die nenestQH 3chnflen iiber die Fnbl. act. sind tod A/a«-> 
$ow (Lips. 1821) u. Ton Guyei (H^deib. 1823}. 



— 158 — 

arwirbt; 4) wieiMi etwas im Kriege erobert wirS^ saxge* 
li5rt es demEroberer, mit einer im iu$ poitlSmnn tut* 
baltenen Ausnahme. Es war nemltch ein nraltes Her* 
komtnen , dass, wenn sich ein Kriegsgefangner vor kb* 
vehluss des Friedens frei za machen wusste und in seine 
Heimath zuriickkehrte (poit ad Hmen redii naeh Scae-i 
volas Ableitung), er seine bisb^r nur suspendirten 
Rechte sSlmmtlich wiedererwarb, indem man die Fiiction 
gelten liess, als sey et gar niebt abwesend gewesen. 
SSobald aber der Friede gescblossen ist, dann ist alle 
Beute rechtliches Eigentbum des Erobernden. Ebenad 
bebaupfete Mancinus , welcber den Namantinern aur 
Strafe zwar iibergeben, aber Ton denselben nicbt'ange* 
nommen worden war und dabeir wieder zurii^kkam, die 
Yortbeile dieses Rectus (Cic. de or* I, 40, 181. i»fL 
Top. 8.)^ obgleich seine Feinde in Rom es nicht gefeen 
lassen woUten. Von den Personen trug man dieses 
Yerhliltniss auf die Sachen iiber und N^war fielen alle 
nnbeweglichen Sacben ibren alien Herren wiederum* an* 
beim, sobald der Feind seinen Abziig aas dem Lande 
genommen hatte, von beweglichen aberfand dieses nnr 
bei Sclaven, Pferden, Mauleseln u, Schitten statt, wie 
uns Cic. Top. 8, 36. 37. mit Boeth. IV, ed. Or, p. 336. 
337. h. Fest. v. postliminium iiberliefert baben. Siehe die 
Anmerkk* der Herausgg. b. Lindemann p. 574 u« Heim- 
bacb exc. II. ad Ael. Gall. p. 59—63. Dasselbe Reobt 
liessen die Romer umgekebrt auch bei den Feinden gel- 
ten, vfie Fest. auii Ael. Gallus sagt: quae genera rerum 
ab hostibus ad nog postliminio redeunt , eadem genera 
a nobit ad hostes red^ire p689unt. Doch war es nicbt 
bei Allen der Fall, wie aus mehren Pandektenstellen er- 
hellt. Cicr pro Balbo 11 u. 12 gebraucbt postlimtnium 
abgeseben von der eigentlichen Bedeutung dieses Worts 
ganz allgemein fiir Riickkebr in die Heiiiiatb u. in die 
alten Verhaltnisse. Denn er sagt, nach Romidchem Ge- 
setz dtirfe Niemand Burger von zwei Stadten seyn, son- 
dern indem man Burgerrecht in einer andern Stadt sicb 
erwerbe, verliere man das in der Heimath, doch nicbt 
auf ewigy denn wenn man zuriickkebre und das neue 
Recht dadurch aufgebe, erwerbe man das alte wieder, 
was gleichsam postliminium sey. Darauf beziehen sich 
die worte quod $i eivi Romano licet esse Gaditanumy 
iive exsilio , me pbstliminio ( wenn er nemlicfa schon 



I I 



iinliet BirgAT vnA Gbdles war , aber Qaob Rom aiiiM^ 
wandert war u. durch seine Rufkkehr too Neuejn si«h 
Bdrgerieekt.in Gades erwarb) celt. Ebenso i2.- 



Zweite Abtheilong. 

Vpn den Rechten (xn Aachen ande- 
. rer Migenfliumer. 

(iura in re). 

Neben dem Eigenthum als der Totalitlit aller ding- 
lichen Rechte existiren noch andere^ welche in spftterer 
Zelt iura in re genannt wurden u. in der Absonderung 
einiger Bestandtheile des Eigenthums bestehen, so dass 
der Eigenthumer nur ein beschr&nktes Recht an seiner 
Sache hat. DIese Rechte k5nnen in drei Hauptbezie- 
hongcfn aufgefasst werden , 1 ) wenn ein Theil der Ei- ' 
genthnmsrechte dritten Personen angehSrt, 2) wen n die 
Verftigangsrechte fiber eine Sache nicht dem Eigen- 
thiimer zustehen, sondern eineiii Andern, welcher als 
quasi dominus angesehen wird, 3) wenn eine Sache 
lur gewisse Anspriiche Sicherheit, aber keinen GenusS 
geben soil, 

I 

J. S^rviiutes. 

SchoD ira alteii Civilrecht kommen Beschrtinkungen 
des Eigenthuins vor, mit einem dinglichen, nicht etwa 
obltgatorischen Charal^er, sertitutes genannt, vermoge 
deren der Eigenthumer nicht die aosschliessliche Yer-^ 
fiigung iiber seine Sache hat, - sondern gezwungen werden 
kann, Handlungen zu unterlassen, die er sonst g^thani 
oder Handlungen zn gestatten, die ef sonst gehindert 
haben wiiirde. Schon das alte Recht unterscheidet zwt- 
schen tervUutes prmediarum u. pergoncurumjAi^iie nitid 
etwas aieuer und stehen einer Person als solcfaer su,. 
jenoi sind alter, wahrscheiolich dur^h die Lage der, 
Grnndstiicke nothwendig gewor^i^n, so dass einuraod*. 
«tiick gegen eia benacbbar tea Rechte hat, die zuni Yor- ' 
theil dea einen, welches man das dowinirende ^daa^aD- 



r 



— 160 — 

dere irervirt (Sc.)* nennt, ntcht etwa-bloft doi Hmm ik9^ 
nelbeft dienen *). . ' 

A.. Servitutei fraediar^m^ dingliehe Sem^ 
tuten. Zwei GrandstiicKe mussen da seyn,, zwischen 
Virelchen das Verhaltnigs begteht und beide miissen im 
qnirit. Eigenthum stehen, denn in den ProTiozen gab 
es keine wahrhaften Servituten, spndern als Surrogat 
eine possessio $ervitutum **). Die von keiner Servitat 
belasteten Grundstiicke erwahot Cic. de lege agr. Ill, 
2. Optimo enim iure ea sunt prqfecto praediuj quae 
optima conditione mnt. Libera meliore iure $unt quam 
8'erva. . 

J. Servitutes praediorum urbanorum 

^finden dann statt, wenn auf dem GrundstUck ein Ge- 
baude steht, welche Yon Cicero zweimal erwahnt wer- 
den: de off. Ill, 16, eae (aedes) s^rxnelant (das Haus 
war mit Servitut belastet)' und de .orat. I, 39 , ser- 
vire quandam eariim aedium partem. Gai. 11^ 3 niacht 
folgeiijle umaAi^h praediorum urbanorum /«^ra (synonym 
mit servitutes, so auch Cic. pro Caec. 26 decenlissime 
descripta a maioribus iura) sunt stillicidia^ Jenestrae^ 
cloacae J alttus erigendae domus aut non erigendaCy 
aut luminum ut ita quis fdbricety ut vicinae domui lu- 
men non tollat. Ausser diesen giebt es noch. vicle 
andere, von denen die wichtigsten folgen: 1} ius tigni 
immittendi Recht, dass mein Balken bei der nachbar- 
lichen Sache ruht; 2) onus ferendi^ dass der Nachbar 
den das nachbarliche Haus stiitzenden Balken od. Wand 
sogar im Stand erhalten muss ; 3) proiiciendi Recht ein 
Stuck des Gebaudes bis in die Luftsaule des Nacbbars 
auszudebnen, z. £. einen Erker^ Wetterdach etc.; 4) stil- 
licidii nniJlumim'Sy Recht ^ dass ich meine Dachtrattfe 
Oder ^ie am Dache befindliche Rinne so anlegen darf, 
dass das Wasser auf ^des Nacbbars . GrundstQck &Ht. 



*) Das Yollstandigste Werk fiber die Serv. i«t vop H^estphal 
de libertate et servitun. praed. Lips. 1773. (C. £* Mi'mier, Kaiinover 
1806. 16l0. II. ist unbedeiitend) , aiich d\Avezan serritatom liber 
\ in Meerman thes. IV. Merill. de servitt. thes. III. 

**) Lesenswerth isi^adkariaM wisaenschaftl. Enfwickliuig der 
Lehre von den dingUchen Servit. in Hugos ciyilist. Magaz* II « 5. 
327 — 356. • ' ' 



f 

V«fro^ Uw- i^« V, 27 Flut)iu$ quikdJluU item ^ 
mWj A 9UQ lege (Forme)) praettiorum urioMorum teri^ 
Utuv: ^ilNcidia fiuminaque ut jluant ita cadantque 
(DficbAraufe ii. Riane ftoUeo bleiben^ ^ie sie jetzt .giDd^ 
d. h. 2um Nachbar hiniiberlaufea)* Inter Aaec. Aoc in-- 
teretty quod \ttillicidium eo quod ttillutim cadat^ Jlumen 
m^ Jluit contiuue. ^ Auf die beideti letztea Servitaten 
bezieht sich .die etwai kor^ g^fasste Stelle bei .Cic. Top. 
4^ 24) tvo ala ein BeUpiel eiaejr kuftfttloiiea Arg:uineo- 
tation folgeiider Fall angefiihrjt wird: %t. ii ,iiu retpon-t 
dem: qUQmam P. Scaevoia id solum €$siltMmbiiu$ aedium 
dixerity quo ,{nach dem Cod. Sangall. besser ah 'quod 
Qr.) parieti$' communis tegendi caussa. tectum proiice- 
retutf ex quo tecto in eius ^aedes qui protexissei 
(nacb.dem EinsiedL Or.) aqua deftaeret^ idxtibi iu§ 
videru Die geseul. Bedeutung des ambitus war nach 
dem Gall* Brand bei sebr vieien Hfiosem ivegen veian* 
derler Baustatte verlorea gegangen; daher mag Scfivola 
gefragt worden seyn, wie weit der ambitus f;ene, wena 
man mit dem Nachbar eine gejneinsam^ Gren^wand 
habe. £r erwiederte , dasg obgleicb die Qig6ntliehe Be*- 
deutung verloren gegangen, doch znm Besten des einen 
Nachbar die Spur znriiGkgeblieben sey., dass er sein ^ 
Dach iiber die Wand hioausbauen diirfe^ ^ta& 8a weit 
also der ambitus gehe^ jedoch niit dec einsschrilnkeiideii 
Bedingnngy er diirfe das Dach zwar weiteir biaansbaben 
in des Nacbbars Luftranm (was wohl des offentlichen 
JVatzens wegen erlaubt war^ damit die Grenzwand uber* 
dacht sey), jedoch so, dass das Wasser nichthinuber* 
fiele; denn es konne dem. Nachbar, nicht ohhe dessen 
Zustimmnog^gleiobsam eine neue Servitut aufgelegt wer^ 
den , sonjdero das Wasser miisse wieder auf ein dndreg 
Dach pder> aucfa in eiae riick^&rtsfuhrende Riane deg 
Eigenthiimers fallen,' wodarch dem Nachbar 'kein Scha-* 
den Kngefugt werde *)• . 5 u« 6) serviius luminum and 
ne luminibus officiatur^ welche von einigen Gelehrten 



*) Die Meinungen der Gelelirten iiber diese Stelle fidden sich 
in Haubold opnsc. II, p. 387 — 442 exeraitatt. Vilruy. quibiis iura 
pariet. commim. illustrai^Mr.- Spea 1 — 3, wo sowoiil die Stelle 
selbst , His aoc)i die Bedentimg yon GdJtuniinift .{Muries uad ambitus 
genmi eroftezt. werdea* 

ii 



/I 



_ tea ~ 

Pit idcnlisdh, von lUidern for v«rschied#n*^ erUKrf wev- 
rfen"*)^ beslehen im Allgemeiaen daring dasc^ <k» Mm> 
virendeo 'Haihieil EigenthUmer Terepncht, niehfci intk Ho* 
d#rn, wodnrtch' daci dominirende Li^ht tind A««irtcht 
yerlieren kdnnie flumina uii iuni itu wM). Der im 
B«8onclerii fetattfindende Untergcbted ist voii Fab^r^ Yin- 
niti», Corasio^ u* Eichstadt wohl am mhtig^steft so «mf^ 
gpfasstv^OYdeti) Am^ #en?» ne htmm. 6ff. btoft verbietlBii^ 
^iAtissrlcht diil-cii «rbahteh Bav zvt bescbrSitfkea , di^ 
gitg^ii> 9Bre, lumm.' verbiete jegliche YcMnderang des 
MdibarKobeVi Lk^hts (Maekeldej II, f 389 niiiiffit lets^ 
tore TBr das R^cht, in eiiier fremden Wand Funster aol^ 
kgen «ii diirfei^); Niche ohiie Sebwierigkeift in Cie; 
de orat« I,^ 39 qito eitidem in genere (bei Abfa^simg 
dBs Kanfb«iefi») /aminafis nosier^ M. Bu6euleiusj Awmo 
neque meo' iuditio tiultus ei iuo ^aide iapi^M et a 
tuKi9 simUo^n^n ahhorrem^ iimili in re ^uodam m6db 
nupe'r erruoit* NaM qunm aedet L> Fujto vendbref^ 
in nmncip^ (Kaufbrief) lumina uti turn e^ieni iPut re^ 
cepit. Vujim auiemy umul at que aed^cetri e^epiuilk 
est in qAudum parte urbis, quae modo ex illU aedihi$ 
congpioipo^iet^' egit vtatim cum Buccuteio^ ^uod cui-^ 
amque pariiculae coeli officer etui^^ quamviii essei pte^ 
culy mutari ' lumiha putaiat. Der Verkaafer Buccuieios 
befikztt.eini'ilaiiB^ init der Servitut, dass der Nacb^ar 
kein« V>c«ifibderangen Tornebmen diirfe, tvodnrcb die 
Aiiiksichtdes ersteren gefttdrt wiirde (denn wozu, soHteti 
wir mit'^Elichstadt, dessen Eirklarang iibrigeoa gaii2' vor- 
Irefflichiist, annehmen, dasis Bnoc^ ztvei> Haaser beses- 
sen^ uod «m das mne ziim Verkaof annehmbar 211 
machep/ dasatid^ere, was er behalteh, mifc eiMr Ser^ 
vitiit belastet babe?) n. bedient sieh daher im Kaitfbrief 
deb Worte lumina uli turn essent (i^c. tit ita esd^nt), obne 
bftsoiideiis.za urgir^v d^s» si«h dieees -Verhftltniss blod 
attf t des diactUbar^ Mufis bezi^he, so dass e» h^ranskaiti, 
al« babe ^esrivn Allgemeineh f(ir die AiHsftbi^hl gut gesagi* 
Diesen Feh]er benutzend tritt der schlaue KUufer Fufius 
bei der ersten entfernten Veranderung der Aussicbt auf 



*> Unlet 4f)iien) aia bedeut^nd^ten l(euerhnch clrlh Yerftiiehe Fi 
S4. 3 ffi L4 k Gr^sin^r.U^. Igl9, M. 6. Ffesn l^M. 1824. 

*♦) H. C. A, Eiclitiadt 'pr. I. II. de serr* luiii, cet. Jeniie ii^ 
fdl. «• 4. 1 1 






t68 — 

mid 1ege> j«ne Woile nactfrlkh to ana* ds kabe Buoeu- 



I«hn fur aUeYarfthdernngeif der Anstientstehen irolleti*). 

7) Sereins altim noi^ UUtfidi (zileM ton Dirksi^ii 
in Sa^gilV'fl Zeitftehrift i^ gesebfehtl. RcchtswiMs. 11, 
9. 4t9 ttontig tirklitt) bMH^ht darin, dass d«r Nacbbar 
aeiR edAade tiiehc^ber ^e Hohe, we(ch« ««' jetzt haL 
aaflfihlen'darf; dag^Mif ^erv. Qder tW <i/if^t^» Mlenai 
4«t die Wted^rhiBKteiionff dei^ natQrliicheti FreHii^it deft 
Naehbart, ^velche; den pfamen einer Servk. eigentlick 
akbt verdlent **)• 

8) 8erv. cloacae^ dass man seine Cldake durcb des 
Nachbard Grnndttiick naeh eirier Offentl. Cloakf leiten 
darf , and a^i^ar war dieseg naeh dent Gallischen firandq 
B&fbig geword«n, LiT. V, 55 ni vetert9 c/oacttey primo 
per fubUemm dutatae^ nunc privaia paiHm subeant Ueta. 

II. Stfifi'tutek prttedioYum ruiiicorum/ , 

Diese gtehen in nnmitt^^lbarer Beziebong snr Land- 
Wirtbscbaft nnd.niiid deshalb res maneipi; das donrinf- 
vendv Gmnds^fitcfc aber bann mif einem Gebdnd^ Ver^ 
iehen'iiejin'oder aucb tiicht. Zu den Rh^isten u. wicb*- 
•^^en gebSren die von Cic. pro Caec '26> 75 genann- 
4mn aquaeUuciuij haustm, itet^ acim**% yieXm^ § 74 
divra aquarum itinerumque genannt werden; ' Die klaVsfe 
Aaakvnfe daruber giebt Jnsn Inst. II, tit. 3. Ttei^,iigt 
im9 etmdi ambulandi kominiij Hon eftani hmenti agetidi 
bel peAieulum. Adtl^i etf ins agtndi vel iumetitum 
vel veiiewlum; Uaque qkii iter keb^t^ actutb hoh haheij 



' I*) BilveiJ^ist ift Tieltoichi >elmigetoftl angeWandt ift^eri^dmi i ib 
dasi in der Kaiserzeit die Bestimmnag' nicht fiir f]b«rfl^stg 'gebar-^ 
%«i wMoi dae'SeipTittit'dcRr Auiaicht kohne nnr n^dt'dlieii brnaoh* 
bwlett'H^ilserK atattfinden, id dasa dne Mdgt(chkeit'deA Yerdiiili 
JftibM aed Eiiieii' tlmrdi das Andere yorliandeii ae)^. {yadnrclv war 
l«de faiaflhe Adilegndg des himlba Btl tiAh ess^nt b/sakigt* ^1. id; 
l>* d« «eM ^aed.oiirb^ (Vlft, 3; atia Patil.) • ' » 

V)'^Die^ane Bk^liirtmg^ def zht6\ge aerV« aftr tiotl toll; dak 
Kceht istdtdher za. bauen,' al^ ea* jkach de'n^Oeftetzeii cder G)»4 
W«hidie9(e«l eiuM 6rt^^afatfef tst ,>"reftKeidi^ SbhltliH^ ih a. B^f 
Hitifcfc«rai©ttligia, 8.il0iiiil5e/«rf«in«co. Syni?.' p^: 36^. ' • * ' 

^.* •♦*•) JP'^^^.'-mtner d« ditbrtnt.-ltmeris, actiw ef viae. lApt^ 
iab4 «;» >li:FillM« d« idtt^t^i aottt^'vki ErUiig/i^^O. 

If 



n 



— 164 — 

jjfui neium hahei , ei iter habet €oqn§ Mti fete$t etiUm 
tine iumente. Via est ins eundi et agendi ei ambu^ 
landij mam et iter et actuin in 9e via continet. Des- 
■en ungeachtet wurden zuweilen xwei dieser Gerechtig- 
keiteo neben einaDder genaDiit, wo nur' eiite ndtbig 

fewesen wdr«, ao z. E. auf der Inschrift faei Oruter p^ 
)CI, nr. 3. per hanc viam fundo C. Marci C* L. Phi* 
ieronii iter actus debetur. (Fiir die ^r eite' der via ver* 
jOrdn^ten soHon die XII Taf. acht Fihm, fitr an^radms 
aber sechzehn Fuss. Varro de ling. lat. Yl) 2* Dirksea 
XIl. Taf. S; 481). 

Juir aquaeductus ifit das Recht, Toft etnem 4r€mAm 
^Fundstuck Wasser naeh.fteinem veriniftelit llcihren xu 
Jeitei^; ius aquae iaustuSj ans dem Broanen des Nach<- 
,bars Wasser bolen zu diirfen. Beide zusammeD werden 
ius aquae genannt^ das Recht, sich des Wassers des 
Nftchb^irs j^u bedieoen, welches Cie* eipi^lhiit. ad Qfi. 
fratr. Ill, 1. c. 2. Fundum audio te nunc Bavillanum 
.veUe retinere*' J)^ eo quid videatur^ ipse eonstitues: 
.Calvus aiebat^ aqua dempiu et eits aquae iure eoniti^ 
Juio et servitute fundo illi imposita^ tamen not pretium 
^ervare possje., sivendete vellemus* Cicero roeMet s^ 
jiem Brud^Fj dass et so eben> fiir/ihii das sdhone-Fofr- 
fltanischi^.tl/andgut gek^uft babe und fugt binsu, .4a«« 
je^ da^ BoxiIl^i|isGhe nicbt zu bebalten braucbe, sonderii 
zu einesa gntep Preisa rerkaitfen konne^ wenn er dem 
andern dio S^rvitut des Washers aufleg^. ; Dbss aber 
|>eide.Guter benacbbart sindf seben- wir.aos kunc, ui|(i 
illi; der Sinn von aqua u.. s; w. ist daiui: wenn man 
das Wasser nahme n. ein Wasserrecht constitnirte (ttr^ 
im Bezng auf das dominirende BoTillan.) and jenem die 
Wi|ssei!servst* aoflegte {servit. ita Bezug qnf diis servi- 
r^de FufidiaUir) u> s. w. 

bas ius arborum caedendarum und da» splHer so 
bedeuteode iuf paseendi kommt in unsern olasiiselieii 
Scbriftslellerp nioht vor; was aber die 8lell«' bei Gie, 
ad At(. kKVi 26 b^trifl^t , so ist dort nioht etwa ein« 
eigenUiche Servitut gemeint: M. Aelium.curif liberabir^ 
fit me paufim specus iHi extremo fundo- et eos quidem 
subterraneos ; serviiutis putat aliquid habiiuros: id m^ 
ia^iam nolle, jo^lt. Aalips >^ar wabrscheiolick CieeriM 
Nachbar ond war wegen der nahe an -der GrenzO) be-i 
findlichenunterirdiscben Grl^n: Ciceroa besorgty welche 
ibm als l^a^bbar. Nachtheil bripgen nuisaftaa und gleiclK 



— 16V — 

aam eiiie Art Servitut iVerden wUrden. Voo dieser Sdrf(e 
will CiCk jenen befreien u. «• w« ^ 

B. SertitMie» penouarum. 

Diese lediglich einer bestiinmten Ferson^ einger&um* 
fen Servitaten Bind nicht zahlreich und nur zwei davon 
sind fur una wichtig 1) Usutfrucius das Becht des 
I Gebrauchs und Fruchtgenusses eiuer S3che , welche da- 

diircb aber nicht schlechter werden darf (Jiist. Inst* II, 
tit. 4. Ulp. XXIV9 26. salva iuhslantia. Donat ad Ter. 
Andr. proL), denn der Usufructuar hat kein Eigenthuins* 
recht Gai. 11,30 dominus proprieiatii alii uiun^frucium 
4n iure cedere poteitj ut ille usu^fructum habeat^ et 
ipse nudam proprietatem retineai. E^ejses Verhaltniss 
nndet in alien loovinzen statt, denn das Rom. Yolk ist 
allein dominus, der Einzelne ist nur posietsor u« l]su- 
fractuar GaL II^ 7. Der Ususfructus konnte nicht bios 
TOD Sachen , sondern auch von Sclaven ilbertragen wer- 
clen, nanientlich geschah dieses oft im Testament. So 
erwahnt Cic. Tpp. 4 , 21 dass der Gattin ancillarum 
u»urfructu9 vermacht worden say. Haoptsiichlich sind 
^larunter die operae nervorum zu verstehen Gai. 11, 91, 
ja der Usnfructoav^ kann die Sclaven yermiethen. Da- 
gegen sind ihm die vbn den Sclavinnen gebornen I^in- 
der ab'gesprochen , Cic. de fin.i I, 4, 12 ancHlae partus 
sitne in fructu hahendus? wabrscheialich weil es gegen 
die dem Menschen gebiihrende Achtung scbien, ihn. eine 
Fracfat zd nennen. Thibaut civil.. Abhandl. S. 35. Dass^ 
vsmtfructus fur in bonis steben kdiiiie, wie Hugo Bv 
R. ,G. S. 479. lOte Aufl. bei Cici M fam« YII, 30 be- 
hadptete, hat Schilling in s» Bemerkk. zu Hugo S. 164 
jait Bedbt ahgegriffen. Denn wenn Gicero an den Cu- 
pas schreibt : , cif»1tf« (Attici) quoniam proprium ie esse 
scribis mancipio et nexu^ meum autem mu et fructu, 
contentus ista sum, so bezieht er sich auf den vori^en 
Brief, worin Curius an Cic. schrieb: sum enim XQriati 
(liv tuus, xjtjaai Si Attiei nostri: ergo fructus est tuus, 
mancipifim illius^ und will nichts anders sagen, als dass 
er sich mit dem Niessbrauch des Curias begnuge, das 
Eigenthumsrecht aber gern dem Atticus lassen wolle, 
denn in der That babe der Eigenthum, welcher Frucht- 
. gennss besitze,, wie er ausdriicklich hinzufiigt in .den 
Worten id enim est cuiusqueproprium^ quo quisqne 



1 ' 



y 



^ 166 — 

fnitut 0iqu0 uiiiurj welchei anf in (Mtt gar nidit 
passen wurde. , 

Noch ist za beroerken, dass der wahre usu^ructkg 
nicht im Aufbranehen einer Sache bestehen sollte and 
dass erst durch ein Senatsconsah ,der s. g. quasi uiuS" 
fructui an verbranchbaren Sachen gestattet wurde. Ulp. 
XXIV, 27 Senatusconmlto cautum est^ ut etiam si earum 
rerum^^ quae in abusu continentur, ut puta vini, olei^ 
Iritici usurfructus legalns sit cett. Gewohnlich setzt 
mah diese Eilaubniss uiiter Augusts Regierung, indein 
man sich auf Cic. 'Fop. 3^ 17 beriift, doch Puchta (Rhein. 
Mus. ni,.S. 83) hSlt si^ far ^Iter and erkl&rt die Stelle 
abweicbend so : Non debet ea mulier^ cui vir ienoru^ 
nsun^ructum legavit^ cellis vinariis et oleariis plenis 
refictiSf putare id (Wein n. Oel) ad se pertinere (zu 
ihrem IJsnsfr. gehor^, als h^tte sie selbst diese Friichte 
gewonoen); usus enim non abusus legatus est (sie darf 
diese Sachen^ zwar brauchen als Gegeostand des Ususfr., 
aber sie gehoren ihr nicht absolut zu, darf also nicht' 
aufbrauchen). 

2) Usus (Just. Inst. II, tit. 5.) Gebraach eiaer Skieha 
ohne^ Genuss der Friichte, vorausgesetzt, dass d^r Ge*^ 
branch der Sache nicht im Genusse der Friichte besteht^ 
z. £. eines Fischteichs; s. Thibaut Versuche aber Theo- 
rien des R» S. 33 — 58, welcher iiberhaupt mehra Er«- 
weiternngen des. usus in sp^terer Zeit annimmt. Der 
Usuar darf die Sache zwar gebrauchen, aber nicht au&- 
zehren und Uos fur sicl\ anwenden. EIne AnspWang 
liegt vielleicht in Hor. epist. II, 2, 190 utar €t exi aio- 
dico quantum res poscet acervo tollam. Auch Seneaa 
de vita bc^ata c. 10 zeigt die geringern Rechte des usus 
im Vergleich %inn fructns: tu. vohiptaiem compleetet^s^ 
ego compesco: tu voiuptqte Jrueris ^ ego tclarw 

Rechte der Servitnten. 

Die verletzten Servituten wurden durch eine Klaga 
geltend geroacht, we^cbe cat^essoria actio hiass, daraa 
als einer in rem actio Gai. IV, 3 Erwahnuag thut Der 
Klagier hat darzustellen^ dass er die Servitut reehtUch 
erworben hat, er bittet urn die Anerkannung der&elbea 
and urn EinrlLomaag. 



~ 167 ~ 

Erwerb <ler ServUuien, 

Nach dem altcyn Recht warden die ServU^ten eb^nsp 
jubertrageo I wle das Eigeolhum selbst^ qenilicb durch 
in iure cewo,, welche bei alien Serv., gah, Qai II> 2^, 
durch manoiputiouh^i Serv. praed. rufitic. als rcB ma&/- 
cipi Gai. II, 28. 29, und diirch Usucapion* Letzt^ 
wnrde jedoch durch die lex Scribonia, deren Zeit iibri- 
gens ganz anbekanpt ist, aufgehoben. Unterholznen^ 
Verjahrung II, S. Ill ff. Wenn die Gelehrten aus der 
Stelle Cic. p. Caec. 26 den Schluss ziehen, dass die lex 
Scribonia nach Ciceiro gegeben worden sey, und dosp 
f radialservituten noch damals durch Usucapion h&tten 
erworben werden konneii, so ist dieses unrichtig, da 
rata auctoriias nicht mit u»U9 synonym ist und Cicero 
ilbeihaopt bios von der rechtlichen Befestigung des Be- 
sitzes durch die Gesetze spricht; usucapio aber nennt 
Cicero bei dein Eigentfaum, well der Eigenthumsbeweis 
vorziiglich dadurch gefiibrt wurde. S. 144 ^^ 

Statt der in iure cessio soil spater. die traditia auf- 
^ekonimen seyn, welches die Quellen nicht ausdriick- 
lich isagen, spndern vielmebr Serviiutenbestelluog durcji 
blosen Vertrag erwahnen, was Basse (Bhein. Mus* I, 
2* S. 64 — 1^) laugaet und nu|: bei Provinzialgrund- 
atiicken Servituten dnroh pactiones u. Stipulationen gel- 
ten lasst (wirklich gehrancbt Gai. II, 31 diese Worte^ 
WQ er von ProTinzen^spricLt), sonst aber erkennt er 
auch eine Quasitradition fiir das b(>oitarische £igenihui|i 
an , geschiitzt durch Interdikte und Piibliciana actio **)» 

1^trlu$t der &eririiuten. 

1) AUe Si^v^ erioschen durch langen Nicbtgebraucb, 
wofiir wabrscheinlidi der Ausdruck gait 4i»u amitt^^ 
wenigstens konimi er bei Cic. p. Fiaoc. 34 in einer Erb-' 



*) Htigo R. R. G. S. 536. UnterholztteiP V^rffiKrang II, S. 140. 
BosteU AnfsatK in Genglert Airchir XfH, «3S0 S. ' 

**) 'Wer ikher die«e der tpatern Zeit angelidreude' StreJtIrnge 
•ich Belehmng-yerschaffeB /wilt, lehe die Abhandlnrtgen iiA Archiv 
fiir ^yil. Praxis yob Zimmem VIC, 308, Ton MicheUen Vfif, 362, 
wotk St^imidaHH IX, t45, ron WanOanig XII , 52 it. A. Franeke 
^hril* Abfiandl. 8t 19(^-— 171 n. 5. w. 



r- 168 — 

tchaftssache ror. 2 ) Mit dem^ Untergang der serTirett- 
den Sache. 3) Die Servituten kdnnen von dem Inhaber 
eriassen ^verden, ivelches auf dteselbe Weise geschiebt, 
wie die Erwerbnng, alsy diirch in iare ces^o oder manr- 
ei patio oder letztwillige Disposition n. s. w. 4) Die 
persdnlichen Serv. erlSschen mit dem Tod oder Capitis^^ 
deminutioD des Inhabers. 

■ / 

Ji. Emphyteutit nnd Superficies. 

Schon bei der bon. fid. poss. saben nirir, dass man 
ohne Eigenthumsrecht za besitapen, doch als Eigenthn- 
mer behandelt werden konnte, und ein ahnliches Recbt 
hat der Provinziale an seinem Boden, iiber welchen das 
ivabre Eigenthumsrecht dem Rom. Volke znsteht; eben- 
80 hat der pouessor agri /^ifi/tct nnumschrankte Befiig- 
niss, ist aber einer Steuer und dem Etgenthnmsreebte 
des Rdm. Yolks unterworfen. Damit kann das Ve^^halt- 
niss verglicben werden, welches zwischen den Italischefi 
Stftdten u;id den' Pach tern deren Grundstiicke stattfand, 
denn schon Tor Alters wnrden die Stadt- nnd Staats- 
Idndereien verjpachtet, wobei man freilich adders Ter- 
fuhr, als bei Privatverpachtungen... la Rom wenigstens 
pilegte dieser Pacht anf die Erben uberzugehen u. gal> 
sugar ein ius in re. Das Land hiess ager vectigaiig 
(Cic,. ad fam. XIII, 11 erzahlt, dass das Hauptvermogen 
der Arpinaten im Gallischen ager vect. bestehe), von 
dem vectigul (Steuer), in Geld oder Friichten ent- 
richtet wnrde. Hygin. de limitibus agrornm I, p. 198. 
205. ed. GoSs. Auch Plin. ep. Vll, 18 schreibt, dass 
er, um den Comensern eine gewisse jahrlicbe Einnahme 
za sichern , Lander einem actor puhlicut gegen ein 
jfthrliches billiges veetigal libergeben babe. Wenn der 
Pachter, Welcher auch conductor perpetuari«s genvLnnt 
wurde, das veetigal nieht ordetitlich entrichtete, so konnte 
der Pacht eingezogen werden frevocatioj, sonst aber 
komiht es nicht vor. Gai. Ill, 145 si qua res in per^ 
fetunm locata sit : quod- evenit in praediis munieipum^ 
quae ea lege iocantur, ut quamdiu id veetigal prae- 
stetury neque ipsi conductori neque heredi eius prae^ 
dium avferatur. VgL P. Burmaon de vectig* pop. Horn. 
, c. 1 — 3. Niebuhrs Rom. Gesch* II, S. 166 f. 

In der Kaiserzeit verwandelte sich der Aasdruck 
ager vectigalis in emphyteusis j(Domaine oder Fiaccdgfi- 



\ 



> ~ 169 - 

fef), welches VerhidtniM nach und nach anth aiif Pri* 
▼atpersonen iibergieng und dem deutechen Worte JSrb^ 
pacht entspricht. Emphyteuiii ist der Erbpacfat T<^n 
GruDdstiicken , tuperficies der von Wohngehftuden, der 
Empbyteute hat aber weit mehr Bechte ai9 der Supe^- 
fidarias, welche YerhSLltniss^ jedoch aumer unserem 
Kreise liegen; 

IIL Pf a n d r € c h t *). 

DaS' Pfandrecht ist insofern eia dingliches Becht, 
als ea daza dient, eine Obligation za Ganstea des Glao- 
bigers dorch Beziehung auf eiae Sache des Scbuldneira 
siehec zu stellen, d. h» es verschafft bios Realkredit. 
Dieser warde in der altestea Zeit auf eine hoehst nm- 
st&ndliche Weise erreicht, welches Gesehaft^i/ircta hieas 
nnd darin bestahdy dass der Schuldner. dem Glaubiger 
das L.andgut oder was es sonst war, diirch Mancipation 
iiberliess, mit dem Nebenvertrag, , die Sache zuruok- 
mancipirt zu erhalten^, sobald er sejne Schuld abgetragen 
haben wurde. Str&abt sich dann der Schuldner, die 
Sache wieder herzogeben, so stebt dem Glaubiger eine 
actio Jidudaria zu, s. oben S. 155. Wenn der Glau- 
biger die Sache nicht zuriickmancipirt, sondern etnfach 
tradirt, so wird der bisherige Schuldner erst durch eine 
eiilj&hrige Usureceptio 'Herr derselben quia id quod 
aliquando habuimusy recipimus per utucapionem* Gi^i. 
II, 59. 60« III, 201. Noch ist zu bemerken, dass der 
Glftubiger, dem das Haus etc. mancipirt war^ anch die 
Abgaben darauf bezablen musste, und das ist der Grund, 
warura Seryius TuUius bei dem Census das Capitalver— 
mogen eben so wenig, als die Schulden anzngeben be- 
fab], d^nn sonst warent die Gruiidstiicke oft doppelt ver- 
steii^rt worden. Cicero erwahnt dieses altelnstitut pro 
Flacco 21 pecUniam adoleseentulo grandi foenore^ Jidu^ 
da tamen aceepta, oceupavisti (du hast Geld geliehen 

fegen hohe Interessen u. indem du zur Sioherfieit eine 
ache erhieltest). Hanc Jiduciam commissam tibi dieis 
(diese Sache sey dir Terfallen, dei|n der Termin, binnen 
welchem er hatte bezablen woUen, sey verstrichen): 



*) Gttsterding Lehr^ Tom Pfandrecht. Greifs^'ald i8^U 2. AoA* 
i«t daa aene^e and ToHstandt^e Werk. 



„ \ 



170 



temei kadie ac f^nide*. Anaser den en^HUmtM Sae^ 
len del €iai. ist noeh aexufuhren Isider. orig. V, 25 mA. 
€loth<rfr. p. 932 Jidueia esi^ qmum reg aliqua ntmemdtw 
mutuae pecuniae graim wl mmneipatur vel in iure 
eeditur. 

Mit diesem Privatgesehftft ist Aw Sffendicbe Mu«- 
reff$l analog^ dass derjenige, welcher dtfeatliche Eth- 
nanmen jpacfatete, dafnr dem Staat darch Landereien n. 
BiirgeB oicherheit steUen miisate. Feat, sagt praef eft 
is, qui populo se ohligat interrogatusque a magiftratu^ 
si praes aU^ ille r^spondett praes. S. aticll compraes u. 
die Anmerlc. bei Lindemann p. 579. Geil. XVI, 16 $ed 
qn^niam re9 pecuniaque fdmiliarit oMdif vieempign^' 
iri$que esse apud rempuhl, videbatur cett. DiejeDigeo 
Leute, welche sicii ein Geschftffc daraus machteD, solcbe 
Terpf&ndete Grundgtucke dnrch Kauf Cfiducia, doch hat 
bei diesem Kauf der Verpfftndete stets den Yorzag, wie 
Cic. in Yen*. I, 54, 142 sagt (vgl. Psendo Ase. ed. Or. 
p. 196): nbi ilia eonsuetudo in bonis praedib^s praediis^ 
que f>endehdis omnium consmlum -^ ut optima condiiione 
sit is y cuia res sity cuium perieuium? gegen welcfaes 
Herkommen Yerres sundigte) an $ich zn bringen, hies- 
sen praediatores (Gai. II, 61 qui -mercatur a populOy 
pruediator appellatur)^ welche dann-diese Lander dem 
wahren Eigenthnmer gegen Bezahlung des Capitals nnd 
der Zinsea znriickTer&usserten. Im Fall keine feierliche 
Bemancipation, son<iern einfache Bestitution erfolgt 'war, 
erwarb sicb der ahe Eigenthiimer dnrch eine sweij&hrige 
Usnrec^tion nenes* Eigenthumsrecht. Diese Yerhalt* 
Bisse umfasste das s. g. ius praediatorium (C-ic pro 
Balbo 20 Q. Soaevola ille augur , quum de iure prae- 
diatorio consuleretWj homo iuris peritissimus ^ consul'- 
tores SU08 nonnunquam ad Furium et Cascellium prae^- 
diaiores reiiciebatjj iiber welches der ber^hmte Scftvola 
dfe Anfrasenden an Fr&diatoren verwi^s , weil diese 
die Yerh^tnisse am besten kennen ninssten. S. Cic. ad 
Atl. XII, '13. 14. 15. 17, wo wir lesen, dass Cioero 
sich vor 25 Jahren al4 Barge fur Cornificius nnterxeich- 
net hatto, w^ches izt der Pr&diator Appalejns geltend 
macbt. Cicero scheint es vergessen su naben nnd hat 
dnrchaus keine Lnst sich zn stellen , obgleich Cornifi- 
cius solvent ist; daher lasst er sich mit Krankheit ent- 
schuldigen und beauftragt drei andere Ml&nner. Doch 
sehen wir im 18. Brief, dass es manche Schwierij^n- 



T ■'" — 

I 



1 

I 



ttB gekftht habea iio^hte* Cio^ |id fam* -V, 29 gitte ans 
Jceinen besmdvrn Aufftoblnvt » da der Brief suminarisck 
an eioen aUei' VeHialtnbse Kandigen gerichlet ift#. Si 
noeh Yal. Max. VIII, 12. laiptt ad Suei. Claiid. 9. SaL- 
mfeui. mod. usqr. c. 16. 

Weil aber beide Arten der JidUcia mil vielen Weit- 
lMa^gkeit9a verkniipfc waren and keiner Partei gebd- 
rigen Schutz getvahrten, so entstand danebfin ein Beaes 
tticht so verwiekrites Verbttltniss , pignut ^) geoannt, 
wedarch nicht Eigenthani, me bei der fidaoia, sendem 
mux Beskz iibertragea warde uad rait deat Rechte, 
im Fall der Niehleahluogi das pignui verSaissem u* sieb 
aas dem Erloa bezabit machen za konaen , wodarck 
sum deo Zwieck des lastituts ohne dessea Naobtheile 
arreichte. Charakteristiseh iat fiir pignut aoch ' noi^ 
tflass es in die Hand des Gl£iabigers gelegt wird (Fausl>- 
pfand)) wahrend bei eiaem andern Pfandreebt, kgpothecm 
genaantf kein faktischer Besitz, aber ebeaiaUs Verkai|fiBtr 
rechfc im NicbtzahhingsfaU gegeben wird. Sonst stini'- 
in^n sie in den meisten Beziehungen iiberein, wie schoii 
Graev. ad Cic. ad fam. XIII, 56 sagt, in welchem Brief 
Cicero dem PrKtor .Tbermus' in Asieii seinen Frennd 
Clavius enipfiehU, welcher von seinea Schuldnern in 
jener Provinz Geld beitreiben wolke, wo (^\owo screibt 
Fhilades Alahandemis vno&^xag Cluvio dediL Eae 
committae $unt (die Zahlnngsfrist ist verstrichen). Velim 
eurei ut aut de^ hypothecu decedat eatque proeuraio^ 
ribuf Cluvii tradat aut pecuniam solvat (entweder soil 
Philocles die Hypotheken dem Clavius zarn Yerkauf 
iibergeben, oder die Schnld bezahlen). Wc^hrscbeinlich 
war tes der Prator peregrinus, welcher dieses, auslftndi- 
ache, anfangs nur in den Provinzen geltende Institut 
auch nach Rom verpflanzte^ dessen weitere, sehr wich-* 
tige Entwicklang in das Pandektentecht gehort. 

Nur noch einige Worte iiber die Bestellung dea 
Pfands and der Hypotbek* £s konnte Tom Schuldner 
freiwillig'und rertragsmtissig errichtet seyn, wie es in 
der eben angefiihrten Stelle der Fall war, dder 2) koante 
der Richter Pfandrecht geben, pignut prqetorium ge- 
nannt, welcbes eine mannichfache Anwendung batte, 
z* £• als mi$9io in possemonem gegen Ungeborsame 



I 



*) 8. Tluerha^h hist. ior. ciy; de pignoribnf* Lipi. 1814. 



> 



172 



(gleichsam Execotion) a. s. w.^ wo vielleteht der A 
drnck gait jngnoribus ablatit coHrcere^ desHeo'sich Cic» 
de *.orat.xIir, 1 in anderer Beziehang bedient. 3) Ein 
8. g.stillschweigeDdes Pfandrecht entspringt aus aUffe«> 
nieinen Rechtsregeln, z. £. des Fmcus am Steaerschmd* 
ner ^Gai« IV, 28), der Mandel am Vormund u. s. w., 
welraes gewiss sehr alt ist, in den philologischen Quel- 
len aber nicht erwfibnt wird *)• 

Wenn der Schnldner das Fanstpfand hichl einldst, 
oder bei der Hypothek die Schnld nicbt bezablt, so hat 
der PfandgUubiger das Recht, die Sache zu verftussem 
fGai. U, -64), doch musste im Fall der 'YerausseruDg 
diese proicriptio pignaris wiederholt dem ^chuldner an- 
gezeifft II* wenn es endlich dazn gekommen war, diesem 
der Alehrerlds heransgegeben werden. — Das Ffandreeht 
als iU8 in re charakterisirt sich besonders danh, wenn 
der Pfandgegenstand in die Hand eines dritten Besitserg 

felangt war uiid alsdann der PfandglUnbiger eine Klage 
atte, die Sache von diesem herausznfordern , um sie 
, zu Terkauf en **). 



*) Meissner TQJIst. Darstell. des Lehre yom stillschweig. Pfand* 
recht If. Leipzig f803 n. 1804. 

**) Die Joristeny welchen die Darstelluiig dieser nad der 
friih^reu. Lehre kurz und oberfiaohlich erscheinen soUte, bittet der 
Yerfi^ fiber den Zweck and Tendenz dieses Bnchs in der Vorrede 
nachzusehen* 



/ 



/ 






/ 



Z w e i t e s B a c^h. 

* * - * . > 

F.;a m i I i e n r e c h t *). 






Das Familienrecht ist naturlichen tTrsprnng^ ^ indem 
sich das Verh^ltniss zwischen den Ehegatten ^ zwischen 
Eltern and Kindern u. s. w. auf die thierisehe Natar 
des Menschen ffrundet. Cic. de fin. V,' 23. de off. I, 17. 
Das Bomische Volk aber hat klaraus ein ganz eio^n- 
thliiBliches Recht geschafTen u. manche jiif istische Yer- 
hiiltnisse hipzugefugt, die nur auf pollitiver Basis he^ 
ruhen, oeihlich die patriarch alischife luacbt des Hausva* 
ters' fiber Fran' und Kinder, Agnatiop|^ Vorinundschaft, 
"Sclavenverh^ltniss , mancipium \i. is. w. Nach diesem 
Hecht ist jeder Mensch selbstSndig (miiuris) cdet von 
eineiil Andern abhSngig (alieni iurii) und zWar Uanii 
das Batid dieser Abhangigkeit ein dreifaches se^n, je 
nachdem eine Person entweder ih der potettas, vie 
Sobn nnd Sclate, odei* maniif, vrie die Gattin, odeic 
mancipium einer kndern P^erson stehtj docb TVerden 
diese Aasdnicke atich' in erweiterrer Bedeutung gefun- 
den , s.< Dirksehs SeitfHg^ S. 285. Ndr derjenige, Vel- 
cb^r i^ keinem dieser 3 VerbSlltnisse lebt, heisst aii 
iurig audi pater famiKui **) 



♦) Zhhmem* R. G. I, S^ 480— 956, JT. J. Ktentn de pttrift 
potettate et statu familiar, principfotnm iuris Romant fdnte piijke- 
eipQO«' Amstelod.' 1^31. 

**) JPhmilia i. w. S. hezekhnet die Gesammthcit des eiaer Peh* 
son Onterworfeneii {famuJan K. nemlich Herten) a]s ein gescYilos*-' 
senes Ganze» s. J^luMenhruch de vett. R6ih. geniibiis et faniilifB.^ ' 



— 174 —, ' 

V - 

Erste Abtheilnng. 

D a 9 E h e r e c % f "*)• 



Er$tei CapiteL 

I Ueber Begriff und Yerschiedenheit der 

Romischen £he. 

•» 

Die natiirliche Yerbindung der beiden Geschlechter 
gestahet sick ^ durch ^e Ehe zn ^inem menschliehen, 
flhtlieheit Yerhtftnif^, wodtirch das lieben n. Scbic&sale 



Rostoch. 1807. p. 60. Lit. Ill, 55. XLV, 50 iXQtKMf b. Dion. 
HaL), namentlich danp, wean die Verlassei^schaft einer Person alf 
Oanzes betrachtet wir^, wie. in den XII Tafeln familiae ercUcundae 
Cic. de or. 1 , 56. p. Caec 7. familiae emptor xu 8. w. UIp. a. a. 0. 
Biese allgemeine Bedeutung zerlegt sich inihre besonderen Gat- 
Inngen, jo nachdem' diese oder* jene Bezeiebnuiig TOrharrscbt, 
welohe die ubngen aiissdiliesst , so dass wir familia theils bios 
-pertonlich iinden flls allj^meinen Ansdmck f&r alle zn einem Haose 
jgehorenden (einem piter lain« unteirworfen^n ) freien F^rspnen a* 
i^layen, wi^, Cic* de iny. 11^50, Di Feft. y. sacratae .leges, wp 
famitia' die PersbneB , pecunia dagegen die SacHen. bezeichnet, d^ 
Barm, ad' Suei -lier, 4. 5. Ulp. 195. D« de yerb. sign. (^0,16); 
Oder . fiir alle durcn Gewalt des j^ater 'Cam. $&ii einem Han^e yer- 
bundenen freiea MitgUeder, weigher Bi?gniF ^odann auf dje'Agna- 
tetx^ did yon einem, pate^fcumi. aMax^^n, undsqg^ nqcb>w^i^r' 

^ftuf di^ g^nze g^ns auisgedehnt wordeti^ift. C^<v. in ;PhiI. 1X^2^ p*^ 
Itfur* 8*. flip* a^ a, O. Fes^ y. familia tmieain Uheria homm^vM di- 
tehatuTu t^orum d\tx et.princeps gepep^ vpcf^aiur p^r .et^,ift}iif!r /p; 
rniliaf* ffnde familia nobilium]PompiUoniijt^ l^aleriomm^- Oom^Uoi^iijff^ 

, ^familiarea ex eadem familia; Oder endU^h ii^ ^ie zn Qinc^ ^f^^ 
gehorenden Sclayen Cic. p. Tull., 4ff. pi CaeQ. 4^ ad ^y.Xiy,.4t 
Bmt. 22. Tnsc. V, 20. de off. Ill, 23.' LiV. VlII , 15. VamiUae et 
liberti bei Orell. Inscriptt. I, n. 2981. UIp. u. Fest a. a. O. ; theibr 
MciJi^A b|los als Bezei^linung des V^i^ogenf, wie agnails' fami-^ 
2iam habeio in dan XII Tafelo n. s. w« .^ . 

* ) Noch immer sebr branchbar ist C.\ XJ»i Otupen d^ ijabM^ 
Bpina«a» Hannoy. 1727. V^n de^ Nei^eren-ye^difnt J^d Ifa$$e*$ 
Giit^rrecht dervEi^egatteiiy Berlin 18114 besoodare Krwiknvi^ ,(l«idftr 
Istininr Tbejil I« erfchieaen). .i . 



I 

I 



— 175 — 

' ' / 

l)»id|Br E^beji^tten Aich ' ara der innigsten Gdm^itiacliafe 
Terschmslzen ) daher die Ehe von den R5iniscbeii Jo* 
tHit«fi definirt wird vM et muNeHi coniunetio indivi^ 
dvam viiM dMiuetndinem eontinen$ oder omni9 vitM 
€»nsoriium oder divini et humani iurU cofkmwniomti^ 
(Gell. I, 6. IV,, 3. Dio Cass. LVI, 8). Die in einer 
solehen Verbindnng erzeugten Kinder — denn das war 
ein Theil ihre^- Zwecks, wenigstens lautete die ake bei < 
Eingehnng der Ehe und bei dent Census Qbliche For- 
inel liber^mm quaerendorum caiissa *) Plant. Aul. II, 
i, «6. Capt. IV, 2^ 109. Fest. v. cfnaeso. Gai. I, 29; 
BrissoB. de formulis VI, 122, ed. Franoof. p. 542 «*-^ 
haben einen Vater, wahrend die in einem and^rn Yer- 
b&Itnisse dem c^ncubinatui ersengten dessen ermangein 
(Gai. I, M^qui ex eoitn naicuntur^ matrem auideM 
Mkere ^dentur, pafrem v€ro non utique:. nee o% id in 
petertmie Hmf mnt^ fed qualef mnt iij qnoi mater vttlgb 
^^mcepit), denn Concnbinat war bids eik gesehleehtlicheil 
Zasammenleben, ohne dass die Fran mit dem Mann aai 
derselben Stnfe stand. Beide in einem solehen nftkiiii'^ 
schen Verh^lfniss lebenden Personen hiessen peltex^ ancb 
war es e^eriei, ob die Franensperson mit ieinem nnver^ 
Ii^ilraUyeten oder vereheKebten Mann' znsammenlebte^ s. 
Feat. T/ pelK^s mlienii tuceumhei^et non ^um femimt^ 
Med etiam mates. Antiqmi proprie earn peHicem nomi^ 
nttiantyqnae uxorem htJ^enti nnhehat. Aehnlich Gell. 
IV^Sv Cpnehhina n. amiea sind neuereAusdrtieke. Dureh 
die lex Papia Poppaea wnrde dto Concnbinat (inaequtcl^ 
eeniugium) gewissermassen anerk^anift, nemlibh mit sol- 
ehen Fmnenspersonen , welche einer s<aadesgem&s£ten 
Ehe niohe ffthig sind; die Kinder bliftiben natUrlich iifii-' 
ehelieh spwH. Manches f&gte ilex Jnlia de ad^iif^iis^ ^ 
et stupris hjnzn , welche den Concnbinat mit Fraiieny 
20 denen nicht viel ist (in quos stuprum non commiU 
tUur) ohne wekeres erlanbte**); der Concnbinat mit 
dMstindigeii Frani^^ mnsste voi4ier ange^eigt werden, 
Mtffi4 gait es aM ituprum*^% Vermllchtniase d'orften ^'i^ 

' '*> Sa^H^y im f. Zeiti«fcrift V, S. 2tl #. 

***) Polizeiltch konnt« d^r Addilift fi^ilich isiiii^t* «{iigir«if^, 
Lit. X, 31* XXV, 2^» anslser wenn er more apud veterih reeept^ 
def Frftvieiitpenoa eitt Patent ertlief It hatt«* Tac. Ann* II, 65. Lips, 
ad h. 1. n. Exicttrg, 0; ed« Bek^* II) p»,5'T4« 

***) S. Bimhavtfis Zusatze iu Crenzers Antiepiiit. 8. 484*^ 



— 176 -^ 

oneheliehen Kifidern zugewendet werden, dwh enehie^ 
nen dariiber in spaterer Zeit viele bescbrinkende Be- 
stiinmungen. £in anderer ebea so scbroffer GegeMata 
2inr Romiscben £he war coniubemtum^ die mil Bewii^ 
ligang dest Herrn eingegangene gescblechtliche Yerbitt— 
duDg eines ScIaTen aad einer Selavin, welche bios nach 
dem Naturrecht bestand. Plant, Cas; prol. 66 — 74 *er- 
vile^ nuptiae. im Gegensatz der Uberales. ^ 

Verschied^nheit der ultrdmisehen Ehe. 

Die R^iyier unterschieden ein matrimonium imium 
(iu9tae nuptiae bei Gal. L, 55. f) Cic» de rep* V; 5' 
iustii f^ptiis) u. iniustum. Jene Ehe setzte von beiden 
Seiten .coonabium voi^aus (d. b. vor Alters Standesgteicb- 
beit, nacb lex CSinuleia Civitat, s. S. 44.), war vom Ci* 
^vilrei^bt sanctionirt und mit vielen Wirkungen begleitet; 
die^e war zwar eben so ebrbar, aber isie enlbebrte die 
civilrecbtlichen'Yiortbeile. In dem Verbaltniss zu den 
Kindern tritt der praktiscbe Unterscbied deutlich bervor, 
indem die in dem iustum matrimonium gebomen u.. iu§ti 
liberi (Li v. XXXIII, 37. Gai. I, 77. Suet, Vespas. t) 
oder legitimi (Cic.de rep. V, 5) genannten Kinder. 4em 
Yater folgen und unter dessen stronger potestas stehen. 
GaL I, 67. qnia non aliter qmsquam ad patrii candi-' 
tionem accedit, quam si inter pattern et mairem ei»» ' 
^pnnubinm iit, §. 80. Semper connubium efficit^ ui qui 
nascitur patris conditioni acceddt, aliter vero contracto 
matrimonio eum qui nascitur^ iure gentium mairig con- 
diiionem sequi* Ulp. Y, 1. 2. »ogar dahn, wenn 
del: Yater (ein Peregrine) ausnahmsweiso- conhubiam 
ei^balten hat, besitzt er weder patcia potestas, nocb kanii 
er eine Romische Familie griinden, weil dazu vollstiin-' 
dige Civitat erforderlich ist. Ulp. X, 3. Gai. I, 67. 

J. Arten der iustae nuptiae. 

luitum matrimonium ist entweder eum in manum 
conpendqne oder »ine t. fli. c, **), je nachdem di^ FruH' 

* ) nuptiae tu mttfrimonium ist glmehbefteatend , trotz der von 
Eue^det^r in Entstehnng , Entwickkng «. Aiubildung den BiU'ge'r- 
r^chts Hambnrg 1819. S. 43 — 53 ftttfgettelitea Behaiiptiuigen. 

**) F. W. Th. Eggers iiber das Wese* ¥-^die Eigenlkumliolfc^ ^ 
keiten der altrom. £he nut manus;;eine philol. histor. ],iuad«. Exox- 
tenutg. Altona 1833* ^ 



1/ 



^ _. 177 — 

der Gewalt n. Dispoiifioii (manui) 4es^ Mannes anter- 
worfen iAt, so dass geyetiliche Besiiminungen umiothig 
sind (denn dw Maimdvt ihr Rickter), oder nieht. Cio. 
Top. 3 Qenui e$i umor^^eiui dmae formme^ una mairum 
familiar, quae in manum convenerunt, alierum earum 
quae taniumm^do uxorei kabentur. Qaiaet. last. orat. 
V, 10 quae in^ manum nan convenerit^ quonuim duae 
farmae »unt m^irimi^iorum. Die tn manum conveniio^ 
"wird durch 3 Fornten hervorgebracht confarreatio, coSm- 
ptio, usos. Gai. I, 110 olim itaque tribu» modii rn 
manum conveniebant : usujfarreo', co9mpUone. 

1 ) Coi\farreaiio (urtpranglich nor patricisch und 
etrnsciioh , a. WHofatera Ehescheidangen, 8. 32 — 44) bo- 
stand aus religidgen Ceremonien) bei welcben Torge* 
sebfiebene Formeln angewandt warden und 10 Zeugen 
iiebfit einen^ Oberpriester' xogegen seyn massten. Gai. I, 
112 farre9 in manum eonfoeniunt per quoddam genu$ 
sacrificii, in quo farreuf panif adhibeiur: unde etiam 
eoftf. didiur. Sed complura pr^eierea huius iurig or^ 

. dinandi gratia cum certie et iolennibu^ verbis, prae^ 
sentibus decern teeiibus, aguntur et fiunt. D^selbe 

^sagt Ulp. IX, 1, doch kiirzer. TlinJ b. n. XVIII, 3 
qwin et in sacris nihil religionuf eo^farreationit vin^ 
culoerat: novaeque nuptiae farreum pra^erebant. Eio 
Bild der oonfarreatio aiif eioer Insctu-ift b. OreU. I, n% 
2650 mk Hagenbocbs u. OroUis Annierknng. Dion. Hal. 
II, 25 j'ofio; uma tin); l^fibg vifiov^ u. s. w. Serr. 
ad Virg. Goorg. I^ 31. Naofadem die Braot ans dem 
elterHcnen Haus foierlieii geholt wordan war, be*' 
gann in des BrftiUigams Haase der ejgefitlicbo religidse 
AktOB und die tor bnden volkogene Berfihrung des 
Watsers and Feoera, VMHtnxd aio sieh auf einem mie 
SehaaffeHen bedeokfen Jocbseasel nioderlieasen und die 
Fran den Mann kaiifte (nach Itidor. orig. V, 24 sogar 
gegenseitig). Serv. ad Virg^ Aen. IV, 103. 374 *> &e 
ana aolehM Ebon geboraen Kinder hiesaen >pfitrimi n. 
matrimi (von Yarro ingenui wld^tf s. Tae. Hiat. IV, 
53. Ann. IV, Id. GeH. I, 12. Fest t. piUrimi et m. 
9err. ad Virg* Cteorg. I^ 31) **) nnd warea al|ein fthig, 

*) AUes zam Ceremonieli Gehorige hat £^ger« iorgfaltig ge- 
sammelt S. 66 — 78* 

**) Kieler Vmtfgognam t8$^ too. 2>. X G0 Cmmtr^ taest 
ad Gellium.exGpisas (foultut (I| 12j% 

12 



\ 



-. 178 — 

flaminei maiorei (Didei, Martidesy QatriDales) aa wer- 
den. Gai. I, 112. Tao. Ann. IV, 16 ^dass die flaminea 
Mfur aua aolchen Eban genommen warden solitea (imter 
Aogustiis), obgleidi die Zahl denelben gar sehr abge- 
nomnien hatte.^^ 
^^ 2) C^emptio igt eine ei^flreehtlidie SoUennitat (nicht 

religios), welche manos liervorhraehte, indent die alte 
Mancipation dee SacbearechU anf die ehelicfaea Ver- 
hfiknisse ubergettagen worden war; GaL I, 113 Co^m- 
ptione in manum conveniunt per maueipationem^ u e. per 
quandam imaginmriam venditianem, adhibiiu nan mi- 
nus quam quinque tesiibus cMbui Romahis puberibusj 
item libripende . • • Der gleichsam kaufende Mann hiesa 
coSmptionutor^ XJlp. XI, 5. Gai, 1, 115. 118. 123. 166. Ill, 
^83. 84. und war eben so sugegen, wie der verkaufende 
Yater oder Vormund. Uebef die dabei iiblichen* For- 
malitaten sprechen SerV. ad Virg. Georg. I, 31. Aen. 
IVy 103. 214. Non. de propriet. sermon. XII, 50. Boelh. 
ad Cic Top. 3. ed. OrelL p. 299. *), obgleich diese nur 
eine mangeUiafte and verwirrte Kenntniss jen^s aken 
Instituts besassen. Fur die Anwendung bestimmter For* 
meln spricht auch Cic. de orat. I, 56 wo er di^ Patrone ^ 
verspottet, welche ohne juristiscbe Kenntnisse . Prozesse 
ann^men nnd folgendes als das erste Beispiel anfiihrt: 
nam neque illud est mtrandum^ qui quibus verbis co- 
gmpiio jiainesciatj eundem eius. muUeris quoje co^m^ 
ptionem feeerit, causmm posse d^endere. Nicht allcin 
' aor ScbUessung der Eben wurde die eoempiio ange^ 
wandt, sondem aach bei Verindemagen der Vormund- 
acbaft, namentlich wenn sich eine Fran, der , lUsug^n 
7<>^l ^^^ Agnaten and des Patron entzieben wollte, in 
welcbem FaU sie eine Sckeineie mit einem Mann scblosa, 
der sie an den leraaneipiiie, welchen sie ,als Yorinuiid 
mn haben wnnscble. GaL 1, 137. 19&^ 114 j^esi antem 
eoimpiionem /aeere mmUer «a«i solum eum mariio suo^ 
sed €tHtm emm estrmneo — mmi wmtrimanii causa facia, 
eoempiio didiur out Jidfsetma causa* tlaae enim.cum 
mariia suo faeii — diciiur matrimonii causa fe--. 
cisse c. ;^ quae vera aUorius rei causa/aoii co9mptUm^m 
facit^ cum exiraneo^ . velui iuielae eviiandae causa^ 



*) K <?. •• Lyndeu tpeo. iofM. exhlb. tBterpvetatioaem inrit* 
prndeatiss TuU. in Cio. Top. expoaiiaa. Lsgi. B* 100$. p. 21 ff* 



\ 



, _ 179 — 

fiduciae cama r« Qu6d 0$i tale: $i qua 
vela quQi habet tuiaref reponere ut alium nanci$eat«r^ 
€. f. deinde . a co^mpHonatare remana^aia ei (Von 
ihjrem Scheinmaon ait den remancipirt), cui ipsa velit 
(welchen sie zu haben wiinscht) ei ab eo vindicta ma- 
numista imdpit eum habere inioremj a quo manumtssa 
est, qui tutor Jidudarius didtur (und von diesem wie* 
derum freigelasgen , erhlilt sie ihn alsx neoeo Vormnnd), 
Solche Vormundschaften meint Cic. pro Mur. 12 (s, Vor- 
mundschaftsrecht II, €ap. 1.) and erwShn^ dann hoch eine 
andere Anwendung der cogmptiOj wenn Frauen ^um die 
sacra privata ihrer Familie/ios zu werden, durch scliein- 
bare Mancipation aus der Familie heraustralen : sacra 
interire iUi noluerunt (die Vorfahren) horum (der Juri- 
9tBn) ingenio senes ad co^mptiones faciendas, interi-. 
mendorum sacrorum causa reperti sunt. Die Frauen 
mancipirten liich aber am liebsten an alte kinderlose 
Greise, welche die sacra ubernahmen, die sodann nach 
deren Tode erloschen ; das Vermdgen aber erhielten die 
Frauen von diesem Scheinmann einzeln zuriick, weii 
an dessen (jesammlmasse (uniyersitas) die sacra haften 
wiirden*) 6ai. I, 136. In der spateren Zeit kommt 
Boch anderer Missbrauch dieser Form vor. 

^as den Ursprung dieser Eheform betrifft, so ist 
sie wahrscheinlich die alte plebejische, wenigstens die 
nach lex Cannleia gebraucnliche Form fiir geraischte 
Ehen, welehe dann auch als weit bequemer von den 
Fatriciern unter einander angewandt werden mochte, 
wahrend die Confarreation immer seltner wurde. S. Tac.^ 
Ann. IV, 16. 

' 3) IJsus. Yen dieser Usacapion, die als Erganzung 
einer eivilrechtiiehen SoUetinit&t von dem Eigenthums* 
erwerb auf die Ehe iibergetragen worden ist,^sagt Gai. 
I9 111 usu in manum conveniebat, quae anno continuo 
nupta perseverabat J nxim velut annua possessione usu» 
capiebatur, in fmmitiam mri transibat, ^iateque locum 
obtinebat (gewann die Rechte etser Techier}, itaque lege 
XII tabularum cauUun erat, si qua nollet eo modo in 
massmm mariti eonvenu^, ut quatannis trisiociio abesset 



<, 



*), DiQse ErkUmtag der Stelle hat^nerst ^Savi^fny.aafgest^llt: 

fiber die sacm priyata der komer in s.Zeitochrift IT/S. di87*-399t 

wo auch ,dle lrHl\ere^ Aosichtc^ a^gegebeu.siiid.. « ^ 

12* 



V 



— 180 — 

aique ita u$nm , cmusque anmf ini e r rmmp erei ( welcfae 
also dnrcb Usas nicht in die strenge Ehe gerathen woUte, 
muMe sich ia jedem Jahr 3108124 Stunden aos ibres 
Maanes Hanse eDtfernen). Sed koc totum tus (die ganze 
Usacapioa; partim legibus $ublatum eii, partim ipsa 
desuefudine oblMeratum est. Wichtig ist Gell. ID, 2 
Q,u. Mucium iuriicon$ultum dicere solitum^ lege non 
esse usurpaiam muUerem (sey nicht frey von des 
Mannes manus geworden), quae Kalendis Jannariit apud 
virum causa matrimonii esse coepissei et ante diem guar- 
turn Kalendas Januarias sequentes usurpmtvm issei 
(welche am dritten Tag vor dem neuep Jahr die Usa> 
capion unterbrochen hILtte). Non enim posse impleri 
trinoctium^ quod ahesse a viro usurpandi causa ex XII 
iab^lis deberetj quo^iam tertiae nocHs post eriores sex 
horae alterius anni essentj qui inciperet eiv Kalendis 
(dennsie babe nicht' voile Sinal 24 Stunden ausserhalb 
des Mannes Hause zugebracbt, da die letzten 6 Standen 
der dritten Nacbt schon zum neuen Jahr geborten — 
die Romer rechneten nemlich wie wir von Mittemacht 
zu Mitternacht — )• Dieselbe Stelle bat Macrob. Saturn* 
I, 3 nur mit dem Unterschied , dass er lege non isse 
usurpatum liest, was aach wahr&cheinlicher ist, denn 
dann bat usurpare im ganzen Satz dieselbe Bodeutung, 
nemlich interpellare usueapionem *). Diese Eheform 
kommt auch bei Cic. pro Flacco 34 vor, wo Cicero gegen 
M« Andro Sextilias spricht, welcher seine ohne Testa^ 
ment verstorbene Gattin Valeria beerben woUte.: In ma- 
num inquit (sast der Gatte von der Gattin) convenerat. ' 
Nunc audio, oed quaeso usu an co'^mptione? Usunon 
potuit% Nihil enim potest de tuiela legitima sine^ 
omnium tutorum auetaritaie deminui .dnrch Usucapimi 
konnte iie nicht in der strengen Ehe seyn, denn sie 
stand in der Intela legitima, welche nur dnrch die Au< 
'otoritas aller Tntoren gescbmalert werden kann. 'Weil 
aber die Usucapion kein Reehtsgeschlift war, das in 
einem ^inzelnien Aki bestand (Burehardi GrundsSge S«f 
27), konnte die Auocoritas bet dieser Ehe nicbt einmal 
stattfinden n« die Gewi^k der Tqloten danerte also nooh 



*) S. K. £r5 in Hugos ciril. Mag. V, S. 213 fr. n. 2>iH«#if« 
XIITaf. 5.421 ff. Eine neue ErklSrang dieser Stelle hat F. Hein^ 
ftHer im annus eivilis aufgestettt. Stnttg. 102^1 9/169^176/ 



1 



/ 



— i8i — 

fert)., C^^mptianef omnihu9 erg^ aucfaribuf^ in qmthui ' 
eerie Flaccum. (der gesetzliche Erbe der Valeria und 
ihr^ Iticbr legitimas) jnUse non dicei (co^mpdo "vhre 
swar «iog1ica gewesen, fand aber nieht statt, weil nicht 
alle .Tutojen , . weaigsteius Flacpug nioht, ibre unerlllss* 
licbe £in>villigung gegeben baben) *). Daraug ist zu er- . 
seben, dass streiig^ Ebe daro^ Hsas nkbt bei einer 
Frau, die unt^r tutela Jegitima gtand , hervorgebracht 
werden konnte, sondern titir bei einer solchen, die 
Hiiter ihreg Vaterg dewall, oder unter einem tutor te- 
sCauieblaring^ optivog,. datiFag etc* 'oder alg gftnilich 
e«iancipirt gelebt hatte. Auch dann mochte ugafe zur 
streDgeji Ebe fufaren, wenn die Form der coSmptio un- 
Tollgt&ndig oder fehlerfaaft ToUzogen worden war, go 
dass die Ebe nur alg freie gelten konnte, big die Ugu« 
capion jene MSlngel ergetzt batte **)• 

Folgen der in man^m conveniio*^*). 

Die Fran, welcbe in die manug deg M annee kommty 
gebt aiis der Ge^alt ihreg Vaterg oder Vormiindg her- 
aug (Tac. Ann. IV, 16 quando exirei e iure pairio; 
Serv. ad Yirg. Aen. II, 155) and tritt dagegen in deg 
Manneg Faroilie iiber mit dent Tollgt&ndigen Agnationh* 
recht (favMia mutatur GiKt. I, 111. Qell. XVIII, 6)* 
8ie iet ihrem Mann wie eine Toehter lintergeben, g* 
T^r. Andr. I, 5 ife inti vimm do amtomm tutor em pa^ 
trem^ auch Dion. Hal. II, 25, Caeg. bell. Gall. VI, 19^ 
Gell. X,23, Gal II, 139. 15d. I, 136. HI, 114; go>dagg 
wag gie erwirbt, ibreni Manne gebort v. gie gelbst kein 
Eigentbum besitzt , s. Gai. II , 86. 90. 98. Plaut. Cas. 
II, 2, 29 Ao<; viri censeo eise omne ^uidquid tuum est. 
S. nnteo.' ^Der Mann durfte sie an einen Dritten man- 
cipiren (vielleicht sogar zi^ einer neiien Ebe, z. E. Pint. 
Cat. min. 25, wo Cato seine Frau dem Hbrtensius abtritt), 
Gai. i, 115. 118. 166, im Testamenf ihr einen Vormund 



*) ErUfarnngen dieser Stille findea sich in ffa$ses Giiterrecht 
8. 09. 70: I^ers Wesen n. Bigenlhwml. S. 95 ff. 

**) Diesen ^nd noch einen andern Fall der Ahwendung hat 
Tafel de diyortiis apud Rom. p. 48 ff. behandelt. 

f**) Mdsses GiHerr^cKt I, S. 80—8^. Bggef^s^ Wesen u. Eigen- 
thiimlichk^ n. s. w..^S«>5S^ff« « ^ 



' V 



— 181 — 

bestellen €ai. I, 148 — 150 n. s. w. Starb d^r Mann 
f ruber, so erbte die Frau filiae loco, die Kinder aber 
folgten alle dem VaCer und standen in dessen potestas, 
doch geschah letzleres auch in 4er Romischen £he ohne 
in manum convention Ulp« V, 8« 6ai» I, 56* 57. 67. 80. 

2) Die Ramiiche freiere Ehe ohne in manum 

conventio. 

Wahrscheinlich stand neben jener strengen £be* 
form von Alters her eine freie, nacb welcher beide £be* 
gatten sich gleich^tanden, indem die Fran in der Ge- 
wah ihres Vaters, oder anch sai iaris, oder unter ihrem 
Yorinund blieb, so dass die Annahme sehr wahrschein- 
lich ist, die in matiain conventio diirch confarreatio sey 
die iirspriingliche Eheform fiir die Patricier, die 'freiere 
dagegen fiir die Plebejer gewesen und beide Formen 
seyen sodann in den XII Tafeln zar beliebigen Auswafal 
fiir den Einzelnen neben einander gestellt .worden. Um 
den Plebejern aber auch Zugang zu der strengen in 
maaum conventio zu verschaffeA' and gemiscbte Ehen. 
in strenger Form m5glicb zu raachen, erfand man fiir 
diese die aus dem Sacfaenrecbt iibergetragene manci*- 
patio n. usus *)• Nacb und naeb wurde die Zabl der 
strengen Ehen iramer Ideiner, so dass unter Tiberius 
wenig confarreirte Priestereben zu finden waren, vroran 
nach ,Tac. Ann. IV, 16 ceremoniae difficultates, der 
Leichtsinn der Manner u. Frauen und die Scbeu, aus 
der vaterlichen Gewalt in die des Mannes iiberzutreten 
Schuld waren. Endlicb waren bios nocb freie Ehen 
ohne in manum conventio iibrig. ' 

Was die Benennungen der Frauen betrifft, so war 
materfamilias der achte Ausdruck fiir die Gattin in 
inanu mariti (Serv. ad Virg. Aen. XI, 476. Qiiinct. Inst. 
V, 10. Boeth. ad Top. 3, p. 299 ed. OrelL n^n eng fiir 
die'durch coSmptio verbeiratheten Frauen); der allge- 
meine Name fiir alle war uxor (Cic. Top. 3. Boeth. IV. 
p. 350. ed. Or.), fiir die der laxen Ehe matrona (Gell. 
XVIII, 6. Serv. a. a. O. sagt, dass matrona von einigen 
fiir patricische oder iiberhaupt edle Jungfrau gehalten 



*) Wdchiers Ehescheidtingen S. 44 ff. Schrada- in Hugos civil. 
Mag. V, S. 140—148. Ilasset Guterrecht u. s. w. S. 76 ff. 



\ 



— 183 — 

nvbrden tejr). EotgegeDgoselste MdnniigeQ ffiideii aich 
Im I^ider. orig. IX, -8 » welcher die Fraaeo der ^reien 
£lie maieifamiiiai n%nnij doch iit auf diese Stelle eiaev 
9|»fttero Zeit eben so wenig Werth xa«legen, als auf 
Setr.y Boetb, b. Nod* de diff.,verb. IV, p. 242, i^elche 
damab andre Aoiichten begten oder jineb mit den Aus- 
drucken der classischen Zeit unbekaiittt wareD nnd da- 
herniohfs gegen die Aoetoritftt des Cicero n. Gellios Ter- 
mogen. Daber wftre es ein^ iiadankbare «• vergeblicbe 
Mane , alle Aiumbtea sa Tereliiigen *)• 

Amwer diesmi beiden Formen der im Rdmischen 
Civibp^t geltendenEhe, gab es nocb eine Art, welcbe. 
Uos Bacb ins geoliBm gait, weil die Gatten kein cod*- 
nubiam batten u. mairimomimfi^ inimtum genannt wurde. 
Yor Alters nannte inan so die zwiscben Patriciern und 
Plebejern, sp&ter, ein durcb lex Canuleia den Plebejern 
das connubium mit deo Patriciern gestattet worden Wm-, 
die Kwiscben Peregrinen oder xwiscben RSmero a* Pe- 
regrinen oder Latinen |[esclilossenen Ehebundnisse. In 
den gemiscbten Eben der fruberen Zeit folgten die Kin- 
der . entweder dem Yater ( dafur spricbt Li v. lY, 4 ) **) 
oder vielleicbt nocb rii^btiger der scblecbtereii Htfnd; in 
deo geioisohten Eben der Bdmer und Peregrinen gait 
in spaterer Seit dag Gesetas, dass die Kinder der Mut- 
ter .nacharten si^ltei^r Gai. I, 67. Ulp. Y, 8. 9. nur 
weAn . die Matter Bomlscbe Biirgerin und d^r Yater Pe- 
regrine war, soUe (so befabl lex Mensia) das Kind den 
Vater (also immer der Urgeren Hand) nachichlechien. 
Uebrigens sta^nden die in matrimonium iniustum erzeugten 
Kinder niebt in des Yalters Gewcdt, denn dazu gebort 
connubiuni, d. i. Civitat beider Eltern. Gai. I, 66. M. 

Uiezu gesellt sicb nocb eine andere Art von mairi- 



*) Dieses hat Eggert Twsiicht (Wesen n. EigftnthuiiiL a. s. w. 
S. 9 — 14), welcher matrona «. uxor als gleichbedeutetid der maier^ 
famiUas entgegensteUt, -vne avcb Tqfel da diTortiis, <^ad Rom. p* 
29 gethan hat. ^ * ^ 

**) Reeht gat eridart Bat»e im Guterrecht S. 42 ff. die Stelle 
aas Ganiileiiis Rede quid iuri* tandem muiatur? nempe pairem Bt-^ 
quuntur Uheri n. s. w. (In dea Rechten selbst solle nichts anders 
werden, denn die Kinder folgten schon vorfie? dem Vater), wel- 
dies Liyias nicht sagen konntei wenn die Kinder yorhor der Mat- 
tef gefolgt wiren, \ 



184 



ikoninm iHiU$iMmj aemlieb aolobe Ehe^ wtldi* nidbt 
einmal nach dem iusgentiam galt» also dmrnm^m atd* 
tus; n^ariae, inceiiae nmtuie b«i Gal I, 59, 64,- laa* 
teitu0 mairimi^ium bet Ulp. Y, 7* cL h. U.quii eam^ 
quam non licei^ uxorem duaerU (Blat8cband<»)<r ide^que 
libeti in potegtaie eiui nan Jiuni^ fed 9 qua§i vmfg^ 
conceptij ipurii mni* 

ts ergiebt «ich also folgeade Abfltafaog in dm 
Ronuscheo Eke.Terh&ltnuiaeBS 

1) iustum matrimonittm cam 10 nan«iii eonvenUone, 

2) iustum BoftitrimoDiiim sine in maniim oonvantione,' 

3) iftiustnm ^nmlrimonium (oaeb ius gentium gi^tig), 

4) iniustum matrimonium (alcbt ekum nach ioa gM** 
tium erlanbt). • «. 



Zwettei Capttel. 

Griindung der Ehe. • < 

... .» 

/. Bedingung^n der Ehe. 

Einige Bedingungen sind snr Gukigkeit einer E^e 
absolut nothwendig, andere-fiur relativ, iadem die Ebe 
trotz ihrer Erinati^ung gegchleeseo, nidit angftltig wird 
(ubri^ens ist dieses^ ein von den RSmern nicnt gekann'^ 
ter Unterschied)^ welcbe am leiohtesten zu benandein 
sind, wenn man sie als Hindernisse der Eke anffasst*). 

» 

i. Absolute Ehehiadernisse. 

» 

1) Verweigerung der MierUchen EinwiUigungj 
Ulp. V9 2 imtum matrimonium esty si — * utrique coU" 
sentiant, si sui iuris sint, aut eiiam parenies eorum^ 
si in poiestate sinU AppuL IVtetamorph. VI, 115 (p. 397 
ed. Oudend.) Impares enim nuptiae -^ et poire non 
censentienie factue^ legitimae nan possunt videri, ac 
per hoc spufius isie nasceiur. Stand die Frau unter 
Vormundschaft, so tirar bei strenger Ehe des Vormunds 
auctoritas unerlasslich, wahrend sie bei< Schliessung der 
freien Ehe nioht n5thig war* Cic. p. Flace.34« s. 'S.IM* 



*) Zlmmems Q, G. I, S. 537 — 558. 



— 16* -- 

Sdlte dta*¥«lelr olm* 4^w |[«Wlcbligeii drttnil seine 
Zesliiaiiiuirg vcrsagen y eo yn^ or oaoh lex Julia et 
Papia (1.^1. o. 35) dttroh de0 .FritiOr da:pa gendthigU 

2) VnrtifeB Alter ^ \l\^.Yf2^nMum mairimonium 
e$lj $i '^ iav^ magadm fmei,, q$tad feitina potem sit. 
Dio Ca»t. LVI, 16. . , ., . 

3) Wenu €ine.P€r$on MokoU verheifaihei wwr^ fiai* 
I) 63 ne^t eadem dmffUs fwpia €##8 p9ieH^ neque 
idem duu$ uatores hkbere.' Dafur spricbc auch der too 
Geli. X, 93 «• MacfOb. Sat* J, 6 erzahlla Scherz des 
jangenPapifiiM* -« Frvher hatteiaati in Rom die Rechta- 
irage aafgeworfen ^ ob nUbt in der Schliessuag einer 
sweiten Heiratb die Sehetdimg von der ertten Frai| 
liege (dem atirei Fnmen » kolinte ram zn gleicher Zeit 
dniehana nioht haben), oder ob eine ordendiche Erldft- 
rung Q. geuriaae Formeln ndthig wftren. t)ie EnUcfaei- 
dnng ist ans, Cic* de or* I, 40. 46 oichl lu erkennen, 
uro er ala. Reispiel einen Mann.anfBbrty der Ton 2^* 
nien nach Rem gegMigen sey nnd obgleieh er * zu Havae, 
eine achwangere Fran zurui^gelasaen , dennocb in Rom 
eine zweite Ehe geacUdaaen babe^ ohne . sich Ton. der 
ersten Fran ' zu trennen. Schwierig war nemlicb die 
Fmge) ob, wean et obiie Teatament veratorben ii^rfire, 
der Soha der craten oder zweiten Frau erben masse, 
-welehea ganz davmi abbiag, eb man die erate £fae obne 
ceriie qmbufdmm verbis -n*^ nam remiefo nuntio fur auf- 
gehoben, oder im entgegengesetzten Fall die zweite Ehe 
als Coneubinat betracbtele ^). Dnreh Augustus wurde 
dieaer Strait eriedigt , indem er besondere Formen der 
Scbeidong Torscbrieb «nd Scblieasuag einer zweiten 
Ebe ohne Trenming der ersten als Crirainalverbrechen 
zu bestrafen befahl. (Dass der Yollcstribun Helvius Cinna 
unter Casars Regiinstiguog die Polygamie Torschlagen 
wollte (Snet Caes. 52), war nur ein voriibergehender 
Gedanke.) 

2. Relative Hindernisse. 

1) ITugleichheit der oMsseren Verh&Unisse. A. In 
der altesten Zeit gait die Ehe zwischen Patriciern nnd 
Plebejern nicht als instum matrimoniuni , wie die De- 



*) HoMMn Gnterreckt S. 28* Ww^ert Ehesdieidangen S. 109. 



^ 



186 



but 



ceniTirn in den XII Tafeln uriciAerbok elnichSfAiiB. C^« 
de rep. II, 37 qui (Xviri) 4Muhu$ tabuiii ifUquamm le- 
$m additi$^ fuiku$ etiam Mae di$iuneii9 pojmlig iri^ 
\i tolent conmuiimj haecilH mt ne plebei eum patrt- 
bus esient, imiumanifiima^ lege $miu:erunt^ auae po$iea 
plehiicito Canuleio obrogata eft. Li v. Iv, 4. Dion. 
Hal. X, 60. XI, 28^ NieEahrs R5m. Gescli. II) S. 380. 
435. Dirkseifti Uebenkht Sv 701. 703. Sogar nacb der 
lex Caaoleia Hahen die Palricier die gemischten Eben 
{enubere e pairibui Liv* X^ 23)bdebct nngern. B. Eben 
¥on Burg^rn n. Niebtrdmern waren niciit iusta (Senec. 
de benef. IV, 35 promisi tibi Jiliam in mairimeniumj. 
poitea peregrinuM apparu$$ti, non eft niihi eum ^Mrm* 
neo eonnubium)j sondern batten mir aaf Scbots'des ins 
geptiiim Ahspraebe) bia etoEelne StSdte (iiuerat Liv, 
Yin, 14),.daravf gauze Staaten das cooBubinmerbieU 
ten. ^ Noch in der Kaiterzeit erbriten einzelne Fersonen 
cannubimn, so die'ellrenToH enthsaenen Krieger. Oretl. 
Inser. I, n. 2652. Die Efae mit Sdaven gait sogar nur 
nach dem ins naturale o. biem oontnberniam. S. S; 176. 
Ulp. y^ 4 Connubium habent eifee$ Honmmi cum dv^f 
Romanis: cum Latinii 'auten^ et peregrinie ita, it 
concetium fit, Cumiservie nullum e$i connubium *). 
C. Stand^sungleiche Eben ivaren dareb das Herkom- 
men untersagt, z. E. eines Freigebornen u; einer Frei- 
selassenen, wekbe nocb daza sieb nvr in der gens 
[fares Patrons verheiratben darfte, wie ancb ans Liv. 
XXXIX, 19 za erl^ennen ist, vro die Freigelassene 
Fescennia Hispala zor Belobnung von diesem Verbet 
dispensirt wird (gentii enuptio -^ utigue ei ingenuo 
nuoere liceret) ** )• Gicero wirft dem A.ntonius sogar 
die Ehe mit der Tocbter einei| Freigelassenen (Fadias) 
vor, Cic. Phil. II, 2. 36. Ill, 6. ad Att XVI, 2. 11. 
Senec. controv. Ill, 21. Ein eigentliches gesetzlicbes 
Yerbot solcher Eben wurde erst in lex Julia et Papi» 
Poppaea ausgesprocbeh , , z. E. dass Senatoren u. deren 
Nacnkommen sich nicbt mit freigelassenen Schauspiele- 
rinnen u. a. zweideutigen Frauen verheiratben soUen. 
Ulp. XIII, 1. XYI, 2. Ferner, dass kein Freigeborner 
eine lena oder ^sonstige mlilier famosa (Ebebrecberin, 



*) Birnbaumt Anm; za Creazers Antlqq. S. 486 f. 

**) P. E. Huschke de privaegtis Feso. Hiip. Gotling. 1622. 



187 



^ 



criminell YenmhdHte etc.) ehelfeheb nMh. dip. a. a. O. 
u. XI1I> 2. . » 

2) Ht'nderungen dnfrei^ verwandiBckqfiiicke Ver^ 
halinweyvrelch^ nach R5niilsebeiii Reeht sehr weitans- 
ge^ehnt waren : A. Eheliche Verbindang nnter Asqen- 
detiten und Desoendenten gilt als BlatscnaDde (so wird 
der Umgang Augasfs init deinef Tochter Jnlia 'Suet. 
Calig. 23 bezeichnet), sogar nnter denen/welche nnr 
deren^telle einnehmen oder eingenommen haben (gtiae 
parentum Hberarumve locum inter $e ohtinent Gai. I* 
&8, wie Stiefeltern n. Stiefkinder^ Schwiegereltern nnd 
Schwiegerkinder , Adoptivvater n. Adopdvtochter). Mit - 
harten ^orten ^irft Cic. pro Clnent. 5. 6. n. a. dem 
Melifins die Verheirathung mit der Mutter seiner ersten 
von ihm yerstossenen Frau vor. Eine ges^tzlich be- 
stimrate Yorsehrift gab wofal auch bier erst die lex Jii- 
lia et Papia, Gai. I, 58. 59. 63. Uipi V, 6 inter paren-^ 
i€8 et Uberoi injinite cuiuscunque gradns connubinm 
non eit cett.. B. Unter Geschwistern, Stiefgeschwistem 
nnd sogar \nnter Adoptivgeschtristern (wenn nicht die 
Adoption Torher aufgeiioben wurde) warilie Ehe unzu- 
lassig, Gai; I, 60. 61. (CScei^o watf dem Clodios Blut- 
schandemit seinen Schwestern eiiHgemal ^or , nament- 
lich pro domo ad pont. Suet. Calig. 24 wird des CaK- 
gnla Umgang mit seinen Schwestern als Blutschande 
erwahnt). C. Ebenso waren auch die Ehen nnter den 
Kindern der Geschwister bis zum vierten Grade eine 
Zeit^lang niierlanbt. In der Konigszeit fand man darin 
noph niehts Anst5ssiges, Lir. I, 42. Dion. Hal. IV, 28. 
Doch bald darauf muss es doch der Fall gewesen seyn^ 
da UIp. V, 6 sagt: Inter tognatos ex transverso gradu 
olim quidem tuque ad quarlum gradum matrimonia 
contruhi non poterant, Jedoch miissen sie in den sp&- 
tern Zeiten der-Republik schon wieder gestattet gewe*- 
sen.seyn, wie Pint, quaest. Rom. 6. erz&Mt, indem er 
einen dije Eheverbote bescKrS^nkenden Velksbescfaluss (?) 
anfiihrt. Dafiir spricht auch Glaudkis ^in seiner RjBde 
bei Tac. Ann. XII, 6 sobrinarum dm ignorata (matri- 
monia) tempore (tddito percrebuisse (s.Lips.) Liv^XLII, 
34 ISsst den Sp. Ligu^tinus s^lbst sagen pater mihi uxo- 
rem fratrin filiam dedit. Wenn Gatte od. Gattin einen 
Grad hoher stand, als die andre Partei, so war die £h^ 
streng untei^sagt, mit der einzigen wegen des Kaisers 
Claudins besiimmten Au^ilahme, dass der Mann seines 



— t9$ — 

I 

Brnders TaeU^ heiratj^Mi' dflrC^ Tm^ Aim. .XII» S— 7. 
Saet. Claud. 26. Gai. I, 62. tllp. V, 5. Schqt. Jav. Sat 
If 9 29. D. Sebv^eittcbaft (f^initas) in der gleichen 
Seitenlinie wurde in der ftltesteti Zeit als Ehel^indernisa 
betraehtet, Dion. Hal. IV, 70, docb sp&te'r kamefi sol- 
chef Ehen viele vor , Liv, 1 , 46. Plut. Crass, i ; dage- 
gen in der. ungleicben Linie bat sie wobl nie gebindert. 
Cic. de div. J, 46* Yal. Max. I, 5, 4. 

. It. Verlobni$$,nnd Eingeiung der Eke, 

Eine feierlicbe Scbliessung des Ehebunds *) war ^u 
einem'giijtigen matrimanium durobaus unnothig (niit Ans- 
nahme der ziir Bewirkung der in mannra conventio no- 
thigen reljgiosen od. civilrecbtltchen SoIlenniislCen\ son- 
dern gegenseitige Einwilligung (comemut) d. i. beider- 
seitiges freiwilliges Zusammentreten , wobei einige alte 
Iformeln lilerorum quaerendorum eausoy domum ducere 
d. i. if^i/tfcere gebrftucblicbgeweaen seyn mocbten, waren 
Tollkoninien binreicbend. Hftufig ging der Ebe ein Fer- 
lohniii veraus, welcbes aber zum /(\^ortbalten nicbt ver- 
pflicbtete, sondern beiden Tfaeilen erlaubte, ibre Mei- 
nuDg zu ftndern'^). Damit Lit nicbt zu verwecbseln 



«-!. 



*) Weder nuptiae^ noch feierlicbe in domnm dedaclio, uoch 
•chriftliche Ehekontrakte oder Vertrage waren nothig^ obgleich 
sie gewobblich angewandt wiurden. Uel>er die Hocbzeitsgebqancbe 
' 8. Briuanius^ de ritu nnptiarnm. Antyerp. 1585. Lngd. B. 1641. u. 
in Graeyii' Tbea. antig. Rom. YIII^- wo ancb Hoiomans Abh* aicb 
befindet CmsaUus aber atebt in Grenoy. Tbes. VIII. Crenzera An- 
iiqq. S. 100 ff. 

**) GelJ. IV, 4 aus Serr. Sulpicina de dotibiis n. Neratina de 
nnptiia: Sponsalia in ea parte IlaUae^ quae Laiium. appeUaiur^ 
hoc more aique iure wUta fieri — ' qui uxorem duoiurus trai^ ah ea 
vnde ducenda erai^ $lipulabaiur tarn in mairimonium du^m iri; eui 
daturus erai , iii/dem spondehtxi daiurum, Zs/ coniraciua stipvlationwm 
sponsionumque dicehaiur MponsaUa,' 7Vm quae promisaa erat^ sponsa 
appellabaiur y qui spoponderai du€iurum^ spof^sus. Sed 4 p€ftt eaa 
Miipiilaiiones u^or non dabaiur tmi non ducehttiur^ qui ttipulahatur ex 
gponan agehai (stelite eine SttpiUationafclage an). Ivdivea cogifseC" 
bani, ludex quatnobrem data accepiave nun esset uxor quaerehaU Si 
nHul iuslae causae videbatur^ litem peeunia aesiimahat: quaniique in' 
ierfuerat earn uxorem accipi aui darif eum qui upopcmderat eui qui 



— 489 - 

primUi $ermo de nupiii$ ( Fest* v. conventae conditio. 
Juv, Sat.' "Vr, 25 conventum i^men et pactum et gpon- 
9alia noitra -— paras)' a. i. die erste Besprechnng iiber 
Grosse der Mitgift, Einwilligting u. dgl.; dann erst folgte 
das eigentUche feierliche Verlobniss (mit dem Vater odr 
dem Madcheo selbst), welches von der dabei ubiichen 
Stipulationsform (spondere) den Nanien tponsalta eijial- 
len hat, s. Gell. IV, 4. und keinen Theii obligirte. Juv. 
Sat. VI, 200—202 

St iibi legilimis pai^iam iunciamque idhellis 
Noji eg ametturusy dncendi nulla videtur 
Causa. — (Plant, Aul. IV, 10, 53 ff'. triti der Branti- 
gam zuriidik, als die Hocbzeit schon nahe war (renuntiare 
repudium). — Die Stipulationsform ist zu erkennen Plant. 
Poen. V, 2, 3<> — 38^ wo aof die Frage des zuklinftigen 
Schwiegersohns spondesne f der Vater antwortet spondedu 
Ebenso Trin. V, 2, 33. 34. wo der Schwiegervater zu- 
gleich die Summe der dog bestimmt, auch Anl. II, 2, .78. 
Cure V> 2, 74. Die Aasdfiicke ipondeo n« detpondeo kom- 
men aach noch vor Aul. II, 2, 28. Ter. Andr. I, 1, 72 — 75. 
Plant. Poen. V, 4, 97. Trin. 11^ 4, 101. Die gewdhn- 
lichen Benennungeh fiir die Verlobte waren $perata (die 
Zukiinftige), pacta (die Versprochene), sponsa (die! feier- 
lich Vel-lobte), spSLter aiich destinata^ und wurden ab- 
wechselnd gebraucbt, wenigstens ist an keinen juristi- 
-lichen Unterschied mit Eggers zu denken, weicher im 
a. B. S. 15 ft*, jene Worte auf die drei verschiedenen 
Arten die Ehe einzugehen bezogen hat. Aua Noti. de 
ditr. verb. IV, p. 439 ist kein Unterschied nachzuwei- 
sen, duch sehen wir Plaut. Poen.* V, 8, 32—34, 4, 97. 
Trin. II, 4, ^ o. s. w. keine Verscbiedenheit der Be- 
deutung. Destinata aber ist wohl eben so viel. Plant. 
Bad. prolog. 45. Pers. IV , 4, 114. Suet. Caes.i 27. 
Plin. ep. in, 16« * 



sUpulatus erai condemnahat (Welchef Theil also atis nichfiger Vr- 
sache znnickgetrefen war, wnrde yon dem Richter auf das I&« 
teresse yerurtheilt). Doch als latiam 'die roUe Civitat erhalten 
hatte, erlosch dieses Lokalrecht. 

Ueber die Gebraoche bei feiei;Jichep Verlobnng'S. Brisson. de 
ritn nnpt. ,ti. die von Dirksen za Crenzers AQtiqq. S. 110 f. citir- 
ten Schrilteiu 



/ 



— 190 — 

Drittti Capiiel. 
R e, c h t e in d e r E h e. 

J.' Perfonliche Rechte. 

Das Recht ist an Bestimniong^D iiber die pensonlichen 
VerbiiltQisse zwischen den Ehegatten sehr arm, Weil die 
Ehe.an sicfa nicht ein rechtliches, goAdern ein edleres, 
hoheres Institut ist, eine freiwillige Yereinigung zweier 
Personen zu ganzlicher Lebensgemeinschaft Hier kon- 
nen weder einzelne Rechte genau bestimnit werden, 
noch kann bei vorkommender Storong der Richter un- 
tersachen, wer Unrecbt habe, nnd Strafe v^hangen, so 
me das Gesetz iiberhaupt bios mit der grossten Scho- 
nung in den Familien eingreifen kann : nar das Gewis-^ 
sen and die offentliche Meinang erlanbt sich in solchen 
Yerhaltnissen eine Entscheidnng. Auch kamen in der 
guten alten Zeit Roms keine Ehestandsklagen vor. Die* 
jenige Partei, Welche von der sftidern Unrecbt litt — 
und Tyrannei konnte bei in nianam -conventio wohl 
vorkommen, wo der Mann strengen Gehorsain focdern 
koni^te — erklarte die Ehe als aufgehoben und somi^ 
war alle Unterdriickung beendigt. Bei der freien Ebe 
konnte von Unterdriickung w^eniger die Rede seyn, da 
beide Gatten mit gleichen Recbten neben einander stan- 
den and auch hier war ja die Scheiduifg erlaubt. 

Ueber Vergehungen der Frau steht dem Mann das 
Straf recht zu (Cic. de rep. IV, 6 nee vero mulieribus 
pra^ectu9 praeponatur^ qui apud GraecQB crearisolet; 
ged sit eemor^ mi virOM doceut moderari uxoribu9 aus 
Non., d. b. der Censor muss den Ma^n daran erinnern, 
Seine Frau in Ordnung zu balten), sowohl in strenger 
als freier Ebe, denn in beiden Fallen hatte die Frau 
gegen Ahn Mann gesiindigt; docb wSBtr dieses Recht durch 
ein uraltes JFantiliengericht*) beschrHnkt u. die Partei- 
Uchkeit des Mannes geziigelt. Der Mann kbnnte die 
Frau nicht verdammen, ohne dass die^dabei anwesen- 
dea Verwandten die Schuld derselben anerkannt batten/ 



*) liaises Giiterrecht I, S. 172 — 180. KXenxt in d. ZeiUchrift 
fur gQsch. Rechtowiss. VI, S. 21 — 32. 



\ 



— 191 — 

Dion. HdL II, 25 o! ifvyytr^^ ft€r& tov ivS^hg iSlxa^oPf 
YaL May. II, 9, 2 wird erzahk, dass L. Antoniasvon 
den CenAoreo aui^ dem Senat , geslossen worden sey, 
Avetl er seine Fran nuUo amicorum consilio adhibito ver- 
stossen babe. Tac.Ann. XIII, 32 wird von riantiiis 
gesagt $i priico msiituio propingms coram de capife 
famaque coniugis cognovit et imontem nuntiavii. GelL 
l\y 23 indicium viri pr^pinquorumque. Wenn der Mann 
seine Fran todtete, ofane dieses Gericbt gefragt zu baben, 
so gait es fiir Mord, wie ans Plin. h. uat. XIV, 14 
zu. foigern is^t, wo Egnatius Mecenius dafur Begnadigung 
eirbielt. Dass der Mann allein Gericbt gebalten babe, 
lasst sicb.nur aus d^r missverstandenen Stelle bei Gell. 
X, 23 schliessen und ist eben so unwahrsebeinlicb, als 
dass die -Yerwandten allein zu Geriebt gesessen batten, 
welchen Irrtbum nnr ungenaiie Darstcdlung der altea 
Autoren veranlassen konnte, nendicb des Plin. a. a. O., 
w'O es beisst, eine Matrone sey a suii inedip mori co^ 
actam^ u. Suet. Tib. 35 ut propinqui more maiorum de 
communi ^nteutia coercereni, Nocb weniger ist an 
eine Alternative zu denizen, wie aus Li v. XXXIX, 18 
gefolgej't worden ist: mulieres damnatas cognatii dut 
in quorum manu etient tradebant^ ut ip$i tn private 
janimadverierent in easj denn das beisst nicbts welter, 
als dass die scbuldigen Frauen den Mannern, oder, wenn 
diese nicbt anwesend, ja, wenn jene vielleicbt sobon 
verwiHwet- gewesen waren, den Cognaten iibergeben 
warden. Der Mann durfte nie einseitig entscheiden, nur 
wenn er seine Frau iin Ebebruch ertappte^ wo ibm die 
Todtung derselben zustand tine iudicio impune Gell. X, 
23. Andre Strafen Hor. Sat J, 2,38ff. Yal. Max. Yl, 1,13.. 

£ine andere Frage ist, aus welcben Verwandten 
das Gericbt bestanden babe ; Gell. Snet. u. Tac nennen 
sie propinqui f Plin. $ui^ Yal. Max. nece$$arii, amid, 
cognati (Polyb. n. Dion* cvffBv^o) und letzteres ist das 
wahrscbeinlicbste, wie aucb aus Yal. Max. YI, 3, 7, 
Liv. XXXIX, 18 u. epit. XLYIII eibellt Und zwar 
inogen es die beiderseiti^n Cognateii gewesen seyn, 
nicbt die des Mannes, noch die der Frau allein, denn 
in beiden Fallen wiirde der Zweck des Geriebts , d. i. 
mSglichste Unparteilicbkeit, verfebit worden seyn. 

In der Kaiserzeit erloscib dieses Gericbt und nur 
auf besondere obrid^eitlicbe Erm&cbtigung trat es zu- 
sammen, so Suet. Tib. 35, um liber Juederlipbe Frauen 



t 



I 



-- 192 ~ 

ra richten. * In der ^rcpubttkanisclMD Zeit wbrilen alle 
Vergehen der Fran hier vorgebracbc n. gerligt* Gell. X, 
23 aa« des M. Cato Rede de dote: mr^ iuquii, cum di-- 
vortmtm fecit muiieri, index pro cemore eft (wenn sich 
der Gatte von seiner Frau scheidet, 8o erkennt iiber sie 
der Richter gleich eioem Censor, d. h. ausser der ver 
dein Familiengerioht darckgegangenen Scbeidung erhftU 
sie von dem Civilriehter^ der ids Sittenriehter auftriti, 
noch eine Strafe, z. £• Yerlust an der dos u. s. w.) 
imperium quod mdetur kalet (er bat Gewalt, nach be*- 
8ter Ueberzeagung za entscheideo). Si quid perverse 
tetreque factum est amuliere, mulciatur^ si vinum 
bibiij ^ii cum alieno viro probri quid fecit ^ condemna- 
tur (beging sie etwas Schlechtes , so erh&lt sie Strafe 
fur ihre Sittenlosigkeit, hat sie aber sogar Wl^in ge- 
trunken nnd mit einem Andern sich vergangen, so wird 
sie vemrtheilt — * denn dieses waren die schlimmstea 
Verbreeben einer Fraa i— • s. anten Ehescbeidang) *)• 



*) Die.erste And«atnng zar richtigen Erklamog dieser Stelie 
geib Pirmez de mariti tori violati Tindiee 1822 'p. 35, indem er das 
iudidum de moribns des Ciyilrichters darin erkanikte* Noch mebr 
aber thaten der Recensent Ton Ha$»e» Gaterreoht in der Hall. Lit. 
Zeit. 1824. No. 185, weleher nach fecU ein Semikolon setzte, 
wodnrch iudex yon dem roranagegangenen tnV getrennt wnrde «. 
Hasse selbst billigte dief e Interpnnktionsreranderang im Rhein* Mag. 
II, S* 106*— 111* FrOher Terband man vir mit Uidex^ welches €ral- 
Uch nicht paasen woUte; daher nahm JTSckier (Ehetoheidang. 8. 
106 ft) die Yon Hoffmann T0i^<»8chlagene Oonjektar indeot^ d. I. der 
Anklager, statt index in Schotz. Doch index wnrde d^ Mann erat 
In tpaterer ZeiL Klenze (die Cognaten a. AlBneii in der Zeitschrift 
£. geiefa« Aechtawits. VI« S. 25. 26) erklart, dasf ein Mann,'wel* 
«h«r seine Wsn in mann hatte, tieh yon ihr trennte and nach 
der Scheidnng, aber ror ao^hobener manus, Familieagericht ge- 
halteh babe. Et iit fedoch nicht erwieaen, eb man Trenanng der 
Ehe and Anfhebtmg der manna for einen doppellen Akt ansehen 
dilrfe, eben ao wenig iat die anffaOende Ericheinung nachzuweiaen, . 
daat der Mann seine Fran zweimal bestrafi, einmal dnroh Schei- 
dnng, was doch anoh nicht ohne FamilieDgericht geschehen sollte, 
und das zweitemal dnroh eine Tor dem Fami%ngericfat anszn- 
maohende Straff, Aehnlich ist Bggen Erklamng (Rdm» Ehe mit 
manus 5* 57 ff.)f weleher erst nach index interpnngirt a. erklart, 
ni<Shdem der Mann als Richter dos in Scheidnng bestehende Straf- 



- 193 — 

Zd A^h Rechten ie$ Mannei gehSren t g«gen Frem- 
ie auBzafibdnde i) actio iniuriaruH^^ elne Klage geffen 
ikolche, welcbe ihn in der Person seiner Frau Deleidigt 
liabeii, Gai.. IV, 220. 221 paii iHiuriam videmur — per 
mxwew noMiras etc 2) eine Klage adf Ausliefernng der 
Fran de uxore exhihtnda et ducenda^ welcbe gogar ge- 
gen den Yater der Frau, der sie dem Mann vorenthielt| 
angestettt werd^n Iconnte. 

II. Einfluii der £he auf dai VermSgen *}• 

Da dicT Ebe die innigste Yereinignng iweier Per- 
sonen ist, so versteht sich von selbst, dass beide Gat* 
ten ihre Guter zusammenwarfen, obwohl rechtliche Be-< 
stimmungen far den Fall einer Trenniing iinmer nddbig 
waren, and bier ist wiederam die freie Ebe von der 
Mrengen Form za onterscbeiden* 

1 ) Bel der Ehe mit in manum conveniio gebSrte 
^em Mann das ganze Verm5gen der Fran, ja sogar, 

was sie sicb wUhr-end der Ebe erwarb. Cic, Top. 4 mum 
mulier y$ro in inemum convenity omnia quae muiierie 
fueruniy f>iri fiunt doti9 nomine (gleicbsam wie eine 
dos d. i« Mitgift). Ulp. XIX^ 18. 19. 

2) Jn der freien Ehe bebieli die Fran willkiirlidie 
Disposition iiber ibr Verni5gen, mit Ausnabme der dos^ 
docn ko^te sie obne Einwilligang ibres Yaters oder 
Yormonds nichts Wicbtiees vornehmen. Eine gKuIicbe 
faktisebe Treniiung ist aoer nicbt ^i zu depken, denii 
dies wiirde gegen das Wesen der Ehe verstdssen. . 



wtbeil mit Znzieliiiiig det Familiengerichtt fiber teiae Fran aiu- 
g«sprocbeB, babe' er in dem Gentilgerichte noch einmal ala Cenaor 
tie fill* die verletzte Sittlichkeit zuchtigen muaseiu Von dieaein 
doppelten Strafreckt des Mannea findet ai6h koine Spur, nnd wena 
daa Gentilgerieht wirklicb noch einmal atrafte, ao batte der Mana 
darin doch nor eine «Stimme nnd kann nicht mit Recht Censor ge- 
nannt werden* Si aneh Rec« in Schancka Jahrbiioh* III) 1, 1, 
1834. S. 27. 28. 

*) £« Schfnkt Kecbt der doa vor Jnatioi^n. Landalu 1812* /• 
C. Baste* Giiterrecht der Eiiegatten naoh Rom. Reoht. I. Berlin 
1824. Zimmgnu R. 6* I, S. 571—630. 

13 





A* Reekie tn Bezieiung auf Dog, \ 
Dog (von SiSovai Fest. dotem) ist das derii Maime. 
TOD der Fraa zugebrachte Yermogen, um den Unterhalt 
der Familie za eileichtern, Yarro de 1. i. V, i75 do9^ 
(pecunia), 9i nuptiarum causa daiay und ist also eia 
vorziigUches Befordef ungsniittel der Ehen , denn Mad- 
chen ohne dos nennt schon Plaatus illocabilet Tj^ia. IH^ 
^, 63. 199. Aul. II, 2, 13. Deswegea lag s^ch deja 
Staat viel daran, dass die Fraaen eine dos erhielten^ 
Ten Phorm. II » 3, 64; 65 quid est? num iniauum po^ 
itulof an ne Koc quidem ego adipiscar, qfioa ius pu- 
blicum *gl? Daher \yurde es spater (seit lex Jolia et 
, Papia) einc) Zwangspfiicht fur die Dach^teo Angehorig^^o^ 
eine dos zu bestellen , wahrend es in der altpren /^eit 
nor ein Sittlichkeilsgesetz war. Dies ist aach aus Plaut* 
Trin. Ill, 2 za erkennen, wo der Qruder irotz allejc 
Diirftigkeit seiner Schwester durcbaus eine dos ffebei^ 
will and anfiihrt, er wurde i^famia auf sich laden, 
v^enn' ev germanam iuam gororem ohne dos Terbeirathe^ 
bbgleich der Brslut]g;am nicfats annehmen \^ill; Ter. 
Phorra. II, 1', 66 ia quod lex intet^ dotem' dari^thi 
Wenn die dos von dem Vater der Frau gegeben* tvird, 
so heisst sie pro/ectitta (vom Familienvermogefi'Busge- 
gangen), wird sie von einem Andem oder dfer 'Frao^ 
sdbst bestellt, so wird fide advehtitia (von.aussen her) 
genannt. Ulp. VI, 3. Die eininal aasgemachte dos,^usfi((e 
wenigstens binnen einem Jahr, nemlich einem cyklischea 
von 10 Monaten, wenigstens in Beziebungaiif ibsiHAHiS*- 
ger^the , g^gebep , das Geld kohnte in 3 BiTlbn binnen 
3 riOmonatlieben) Jahren entrichtet werden. GaOz deiilr 
lien spricht Tolyb. XXXII, 13. Niebahrs Rom. Gesch. 
Ill, S 69. Cic. ad Att. XI, 4, wo er den Attrcns ^m 
Rath fragt, ob er seinem Schwiegersohn Dolabella se- 
cundam pensionem geben soUe. Ein Jahr darauf (TOt) 
l^dauert er, s^e bezahlt zu baben, in pennons }ecUnda 
caeci fuimus ep. 25, 'da ev bezweifelt, dass zvvischen 
Dolabella und seiner Tutlia eine Yersohnung zii "Stande' 
kommen werde. ' Bald darauf ep. 23, wo die S<;beiduitg 
so gut wie gewiss war, befurchtet er, dass Dolabella 
die dritte Rate verlangen werde und fiigt hinzu considera 
igitur^ tumne quum ah ipso nasdetur (sc. divortium) a» 
prius. (Uebrigens waren dem Dolab. von der ersten 
penslo '60,000 Sest abgezogen worden, obgleich Cic 
selbst da von nichts wusste. ad Att. XI, 2, 24;) '' 



195 



. Siiliwlftrig isl die Entadkeidtitig Aer Tielbestrittonen 

Frage^ ob die Bestellnng eioer do$ auch bei der stren^ 

gen Eh^ fltattfand, o4er ob sie nur bei der freten Form 

oboe in manum coaVieotia mdglich war. Man Icdnnte 

die Moglichkeit der.dos-bei strenger Ehe tangnen, in« 

dem bier ipso iure AUes was die Fraii besass, in des 

Mannes Hand iiberging*). Daiin^ wurde die von den 

Alten bei stronger Ebe erw&hnte dos als Ansstattung 

im Sio0t des gemeinen liebens ( wie man von jeder Frau 

Silken kann 9 die nocb giir nkbt Brant ist) erklilrt wer^ 

den .mSssen. So kdonen die Beweisstdlen von beiden 

l?ai*tei^p oboe Scbwierfgkeit ansgelegt werden u. spre- 

eben dir^kt Sir keine; Cic top* 4 quum mulier viro in 

mff^mm convenit^ omnm -quae mulierii fuerunt ^ viri 

Jiunt doti9 nomine (der Mann erbftlt das ganze Vermo-^ 

gen entweder gleiehsam aU da$ oder ah wirUiche dos)* 

p. FhoCf 34. 35. ' Sextll. Andro fubrte^ um sein Erbrecht 

^nl die G|iter «etner obne Testament verstorbnen Gattin 

Valeria za I>ewei8en, jswei Gr&ode an: in mmmum can^ 

vefierut «• doH .Valeria, pee^niam omnem auam dixerat. 

Hierauf gestiit^t, Uonojlainail behaupten, dass aucb bM 

stronger lEhc^.dietiq'-dcidys moglicb sey, wenn man niebt 

eben %q gut annebmen konpte, doss Valeria vor der 

Hocbzeit ode£ ver der durch: uius entstehenden con- 

yeAtio die.dos veraprochen babe« Weil dieses Verspre- 

chen .von ihr' iiiicht ^ufiickgenommen werden konnte, 

die £he .mpch^ eine strenge oder eine freie seyn, fiigte 

.Andro di^isen: Qrund nocb binzu und aacb Cicero laug- 

QCt vA^t^ dasd bei conventio keine dos hatte stattfiodea 

kdniien^ sondern er beantwortet den zweiten Gmnd wie 

den ersten;, 4ianit nemlicb>, dass Valeria ohne Auctori* 

tat ibr^ Vprmiinder keine dos zu besteUen im ^ande 

gewesea sey^ so wenig wie sie eine strenge Ehe babe 

eingehen konnen. Frag^i. Vat § 115. Venim est, quod 

^ quibt^udqmdicitnr^ omnia in dofem dari posse ^ air^ 

gumento esse fn manum conventionemy welcbes entweder 



*) Do9 im strengen Sinn bei strenger Ehe wird von /« C jkaste 
(Gnterreoht I, 3. 220 £E:297) durdiaus gelangnet, wiederhok im 
Rhein. Mus. II, S« 75 — 86, nachdiem der S. 192 erwahnte Halli-r 
8che Recensent sich dagegen erklart hatte* Nicht minder sprioht 
aich SchilUng (Bemeirk* S. 174 -^ 179) gegen die Haasesche Annah- 
me ans , zuleizt ' Eggers (Ehe mit mauus S* 70 — 73). 

. 13* 



— 196 — 

•O'sn v^nteben isC, dofs He Frati ihir gUti^es Verroau 
|i(eii als doi hdbe geben k^anani well es bei ile^ in 
Diannin conventio so der Pali sey, oder di<>* Fiiao hab<» 
sich mit; alien ibren Giitemi aassfiatten kdnneti) wie die- 
ses auch auf eine Fraa passe, welche eine strenge Ebe 
eineebe und obne dotis constilutio das Ganxe dem Mafeine 
darbnnge, 

Seben wir aUf die prakHsobe Bedentang' di^^r 
Frage, so war sie jedeafalls sehf tin^iebtig<y detin fen 
der Zeii als uber die dos gesetsliehe Beitttmiiiungen'aft- 
fingeii gegebcn va werdeii (iini .diese kamen erst -sp'dt^ 
s. GelU IV, 3, die m^isieth erst in der Kaiserteit), war 
die ia maama eoaventio .sehr selfen- geipvi>rden, ta fast 
erloschea. Sojlten aber doch neeh einselae Fftlw vor- 
gekmnmeii seyn, so kdnnten fblgebde Pankce' niebt ge^, 
Iftagnet werden, nvo troti der strengen £he Bestellang. 
der dos mog^idi- gewesen seyn dfirite: 1) wenh- beidii 
Piwteien aooh iricht darGbev elnvei'Stiifideri WBre»> ob 
eine strevge oder freie Ebe gesebiossen werdefti solke *); 
2> wenn erst nsiui die in maaan^ eonventid bewirkte^ 
eder liberba^t wenn conftirrtati^ nnd eotimptio itoeb 
nicbt^ vollzogen waren, in welbbiM Falle der Mann 
dut^h Beatellung det' des in deli sofortigen -B^itz deii 
Vermdgens der Fran irat; 3) wenn der Mknfn gegeii die 
Besorgniss dec bona reeepittia sicber gesteltt werden 
soUte **) , s* nnten. Namentlick mochfe Be#telln6g' der 
dos aneh bei atrenger Ehe M i^ Zeit iii^bt ganjE iiber^^ 
fliissig seyn, als die Ebesebeidangen in Rom b&nfiger 
geworden waren and die FamiUe der Frau schon vor 
der Yerbeiratbnag an eine m^gliehe Trennnng ( a.- £# 
Sobeidang) dacbte and sich das RlK^ht derZai-lk^fbr^ 
demng sicberri woHie ; denn ^ konMien ja rei us^riae^ 
d. i. doiti ttett9ne9 hei strenger u. freier Ehe tor nnd 
Wttren nicht obne dos nidglich gewesen. Ads aflltiM 
diesen lisst sieh wohl mit Beebt die Wahrbeil>felgendefi 
Sntses behaupten: dos> ist dlis dem MMHe vcfit der Fran 
zugebrachte Verm5gen, welches in der freien Ehe in 
einer mit einem besonderen Akt vollzogenen Uebergabe 
Ton lauter Einaelnbeifien bestefat, wahrefnd bef strenger 
Form die doe eine sueeewsiid in nniversum ist (als Gi$- 



♦) S. Ha$$e S.7ff7, • , ' 

**) Zoerst Ton StMUing (Bemerk. S. 172 ff.) nitgethdiln 



^ 197 ~ 

flMii«Hbeii),«ikd<ipso lure (qIim btoonikftf Uebcu^be) 

. ^ VerscUedene Et^iithmg der 40$**). Up. VI« i. 
.dh># ««# itafirr, aut dieitur^ amt promHUiur. . Dos tnJIr 
Bteht also , • . . , 

1) dnrch formliches Geben oder Uebertragen daiio^ 
nendi(Bh Manqipatio pod In ivre ^es^io der^res jynancipi 
mit besonderen Fornieln , oft auch mit der fidacia der 
BetaMDtipalion (mit dem V^^trag, . nbt^r ge«isse» eintre- 
te&dea mdiiigiingegi die 4os: suviidc zn erbalten), und 
^ur^eb Tradition^ welch^ snr Ueaca^pion iiibrt. €ai. II^ 
fig, £r^liJbot fiodim wir dies« Art bei T*n Phorm. U, 
1» 67. y, 8, 36. lY, §, 11. Piaut. Ciet. II, 3, 19. Aos 
in^. Sat %9 336 a. Suet. Cknid* 26 kdnnte man scblies- 
jmh, data die dos am Tag voir der Hoobseit bei deo 
-Aaapices -oiedergelegt umI am Hecfasetobg dem Manne 
Sbergebeo word«n sey. 

2) I>iircb das VerapreeheB, die duM ^eban mi mok- 
jtaa: a) dotu pirwmtno eihe Mailiobe' 8^Milati6n^ wie 
m» Ptaat. Trin. V, % 34 dArgesteUt wird -tfrntden' tuam 
^mtam mstnrem mihif $p0mdea et mtile uum PhUippwm 
d^fii^ Ulp. VI ^ 2 dmre^ promiitere d0tem mm^$ po9~ 
^nt (ftUa Patsonett darfien ^eine dos £ar eine Fraa geben 
^er mi gebcys verspracben'. b) doiii dietio mde.aebr 
einfacbe in bergebracbte Worte gekleidete AnkiUidjgnag 
der dos, welche mit der feieriichen Stipulation nichts 

gemeinsmn bat^ als dieselbea bin4ejPideR , f'^^lg^* ?*^ 
beroerken aber ist, dass die dietio nor von der Frau 
aelbat {die natSrIieb mt iuri$ keyn imi^y oder vpo dem 
dnrch sie Beaoftragleii vollaogea w«rdea komita. Ulp* 
VI, 2 dotem dieere p^tett mu^er quae nupiftru ett etc. 
Vatic, firagm. I 99* £in Beispiel derselben lesm wir 
Ter. Andr. V, 4, 47. 48, wo der BrSntigam aaf di0 
Ankiindigung do^ PampJUle e$t decern talenta, nur an^fr- 
wortet accipio. Der Gegensat? das dicere^ and d0re s. 
J^aut Aal. II, 2,61 nihil e^t dMi$ qmdtibi dem (n<»a- 
liob sogleieh), 73 aber illit legibuf /sum ilia dote quam 
tibi dia;i. Sonstige Erwlbnongeni finden aich Ter. He<- 
aut. V, i, 64. 69. Plin. ep. II, 4 praeter earn summAmjf 
quam pater iuu9 quasi de meo dioeit^ erat enim sfilvenda 



*) S. SiidUiagB Bemerk. S. 178 f. 

'^) Hasm t^ilemclil S. 250*^319. Zimm^n$ R. G. I, 9. 577 ff. 



. ' 



:— 198 ~ 

d0 mea* Corant* ad Ptora. Sat. II, 14. Sctiee. ttmimt, 
I, 5 quidam dietoi non aceepere doiei^ Dass nitter al- 
nem Yormaiid stabanda Fraxieii oboe denan Aoctoritas 
kaina dictio dotis TOrDabmaD darften, sagt Cia« p. FJaea. 
34. 35. s. S. 180. 195. pro Caac. 25. 

' Beehte an der dot w&hrend der Ehe^ 

Dar Mann wird TaHat&iidigar Eigaatbiimar dar doa, 
walcba ar sogar ▼erftasfarn dan ; rah der dareh dia lax' 
Jnlia fainaagefugtan Aasnahaaa, dass er bai dam Ver^ 
kauf von GrandstiiGken dar Fran EinwOIigaiig bedni^e. 
Gai. U, 63. Becbtlich also geb5rt die dos dam Mand, 
&ktisch abar der Fran, dann dar Mann erbalt ate nur 
deswagen, am dia Filcbte dar doa fiir dia Fran am rar- 
"Wendan , so data er gkicbsam als Venvaltar oder ala 
Scboldner der Fran an betrachten ist, iadem er die doa 
iwar anfbawahrt, abar in gawiiaan Fallen sie rastitoiren 
mawB. Ja adion Tirfiirend ^ der £ha mdgen- aicb r^fi 
dotirte FrMan ainan nbannMasigen Einilass auf die Var» 
walinng der dos arlanbt haban , tfornbar roanche Kla- 

Sm bei den idten Classikern geftihrt werden. Plan& 
sin. 1,1, 74 atgenium accept: d^ie imperinm t^efi- 
didi. Sen. GontroT. I, 6 ommet usores d$viie$ ^ervitu^ 
Um cxiguni. 

Schickiale det do$ nach getrennter Ehe* 

1) Wird dia Efae dnrch den Tad des Mannes ga- 
trennt, ao i&llt cUa doa an die Fran anruck. 

2) Sdrbt dia Fran znerst, so gah5rt die dos nach 
aliem Recbt dera Mann (Mrann nicht besondere Scipala- 
tionen, pacta doiuUa genannt,, das Gegentheil bestimm* 
tan), ^f War dia Eha nicht Hlerarum quaerendorum causa 
gescblassen^ so dnrfta dar Mann die dos nicht behal* 
ten — so entscbied wanigstens'Atigust. Yal. Max* YII, 
7, 4* In der Kaiserzeit wnrde jene Strenge ffasetzllch 
gemildert, womit schon Augbstns begann. Ulp. VI, 4 

' moriua in matrimonio muiiere , da a patre prqfecia 
ad pattern revertitur^ quiniit in Hnguloi liheros in inh 
Jinitum relictii penei virUm (indem der Mann fiir jedes 
Kind ein Fiinfiel der dos behieit). 'ftuod si pater non 
sit^ remanet apud maritum. Adtyentitia auttm dos 
semper penes mariium remanei , praeterquam si is qui 



— 199 >- , 

tfaifti , Ht Hhi redderelurj $i^latui ftUfrU^ qkae thi 
9p€ciatiter recepiiiia diciiur (r#ceptitia al$o b. die dos, 
d«€fi Zuriickgabe an den Geber speciell atipnlirt wor« 
den war\ 

' S) Wenn Eheteheidnng eintrat, sa ivaren doppeUe 
Begtimmongen Torhandeii). je niTchdem der Mann pder 
aie Fran an der Trenanng Schnld war, 

i) Betrug sich der Mann so, dass die Fran sich tor 
ib«n trennen musste, C ad Att. ]SU, 23, ao erhielt er sswar 
keine besondere Strafe, batte aber insofern Nacbtbei], ala 
er die dosy welche er nnter anderen Umsttoden in drei 
Jahren b&tte' zurnckzablen mussen *), in secbanionat-^ 
licben Terminen nebsC einein dreijfthrigen Zinsertrag 
(bei geringen Vergehen) oder augenblicklich (bei groben 
Yergehen) erlegen mnaste. Niebtrtirs Rdm. Geg^« UF^ 
S. 69» Cie. Top^ 4 H viri culpa factum eaf divortium^ 
etn muHer ndniium remiiitj tameu pro liberu manere 
nihil oportei (,obgIeich die Fran anfkiindigt, muss der 
Mailn, weil er eg selbst verschiildet hat, die dos her* 
ausgeben nad darf fur die Kinder nichts xnriick behal- 
ten, d. h. er moss die Sorge fur sie allein iibernehnien). 
Boeth. U. ed. Or. p. 303. Ulp. VI, 13 mariti mores 
puniuniHr m ea quidem daie^ quae a die reddi debet 
(des Mannels scblechtes Betragen wird durch sofortigea 
Zuruckzablen der dos bestraft) ita: propter maiorei mo^ 
t€i (Ehebruch) praeseniem reddit, propter minoret ie- 
num men$um die (von 6 zu. 6 Monaten) etc.'*'*). Ge* 
wohnlich sicherten sich die Frauen durch einen Vertrag 
(cautio rei uxoriae) die Restitution der dos,^Qp wel^ 
chetn Gell. lY, 3^ erzllhlt, dass er nach der vielbespro- 
ehenen ersten Ehescheidung zu Rom znerst Torgekom- 
men sey. Als die Scheidungen baufiger warden, ent- 
standen actioke$ rei uxoriae^ so dass die Franen, anck 



*) Daniiif bezieht sich CIc ad dir* VI, 18 teneor^ Jam a Do-i 
Uibdlae (Ciceros SchwiegersohnSy durch Scheidung yon der TuHia 
getrennt) procuratorihus exigam primam pensiouem^ ad Att. XII, Ql 
sted de prima pentione videamus: adefl enim dies €i ^iSc curriK Ink 
folgenden Jahr (710) schreibt Cic. ad div.XVI, 24 DoltAeUae pro^ 
euToiores fae »i adn^necmlur, ad Att. XVf, 15« ' 

**) Niehithrti R. G. Ill, S. 69 f. S^railer ipji <?ir. Mag. V, S. 
180 — 184 erklart senum mensum die Yiir einen einxigeii Zahlungfr- 
termin 6 Monate nach der, Scheidung.^ 



— 200 — 

wwa dkr Ibmi^kelM baioMre Veri^ciitwg spr8«k^ 
soaahlen eiMegaagen war, gerichdich darfnu 4<'Uigttii 
konnteo, Uebrigens nvar diese Klage eine 9^iQ iM«0 
^d^', Cic de off. Ill, 15. Top. 17, wo der Bicbtw 
«inen freteo Spielraom batte and naeh Erwigang aller 
/ NebeniHDslSade aaf so viel coaderoiiurle ^ ab - er aacii 
Recht u. Billigkeit glaobce begtimmen su durfea. War 
die Fran «elbst{Uidig , so atehle uie aelbst diese Klage 
an, im entgeffengefetsten Fall that es ibr Vatei. Ulf. 

2) War nicbt der Mann an der Sebeidiing sebuld^ 
sondern a) Leichtoinn der Fran, oder war aie dureh 
den Yater der Fran veranla«^, so erhielt die«e atebt 
die ganse doi^ snruck, sondern es wurdfa voa 4em 
Manne fiir die Kinder AbxQge (reteutio propter liber^g) 
Vorgenofuinen. • Cic. Top. 4 n muKer^ quum fmissei 
nupia ewm eo^ quicum counubium noB eint^ mmHmm 
remisit^ quoniam^qui naii «iia/, patrem Hon tequnnim^ 
pro Uberu manere nihil oporiet ( wenn eine Fraa mif 
einem Fremden oder Andern, welcher nicbt ios oon^ 
nnbii mit ibr besass, verheirathet war und sicji Tea 
diesem trennte, so eriitt die gewoholicbe Beg^l^ daas 
fik die Kinder von dero Yater Retentionen gemacbt war- 
den dorften, eine Ausnabme, weil diese als in ongleioher 
Ebe geboren nicbt dem Yater folgten a. S<18%f.). UIp* 
YI, 10 Propter liberof retentiojit^ n culpa mulieriei 
ant patrigf cuiui in poteftate esty divortium factum 
iit: tuncenim iingulorum liberorum nomine 9extae re*. 
tinentur ex dote (fiir jedes Kind wurde eio Sechstbeil 
der dos sariickbehalten) : non plure$ tamen^ quam trcB 
eextae^ in retentione mnt^ non in petUione (dbch darfte 
der Mann nicbt iiber drei Sechstheile, d. i* die Halfte 
der ^os bebalten, soost hatte er eine Klage aastellea 
miissen}, b) w^np die Frau ihrer scblechten Sitten we-* 

fen zar Ehescbeidnng Yeranlassung gegeben hatte, so 
rahchte der Mann iiir nicbt die ganse dos loriickzu- 
geben, sondern es statad ihm frei retentio propter smh 
res voriunebmen. War Ehebrucb oder Weintrinkent 
der Frau an der Scheidung schuld gewesen, so dnrfte 
in der ahen ^Zeit der Mann wabrsebeinlicb die ganse 
dos bebalten. Eine Milderung dleser alten strengea 



*) Haue$ GiHenreoht I, $. 58 ff. 



— 20t — 

Bagel trat vidktdlt eivl ^birob }0% Jidia nnd Papia ei 
Pojgpaea ein, welebe Sirafen der Scbnld a. genaue Be- 
•ibiiiiaBMa CrtiN0r die doa ftstsetste. Dime ?etentio aber 
trat nor dami ein^ Wenn keine Kinder vorbanden wareb, 
dean Abatige aos doppelteiti Cfrnnde waren nicbt erlanbt; 
so lama weatgstent Ulp. ¥1^ 11 Terstandeii werdeni doij 
mme iemeljmncta €sif ampKui fungi non pote$i^). I}}p, 
^f^ 12 ffthrt ferti fMnfm nomine ^ ffrmeimrum quidem 
testm f^U^Htr (wegea sebwerer Vergebea, aemlick 
Ehebrodi, vv«irde efai Secbsthell der dos xarfickbebaltea) ; 
htiormm auiem oci«iva(^9gen leicbterer nur eia Achubeil)* 
Aaf dieses Recbt beaiebt sicb die Erzttblong von Titinius 
(bei Val.Max. VIl^, 2, 3^ Plat. Mar. 38), welcher eitie in 
sebleehieia Raf st^hende ITrao absiohtHch heiratbete, am 
sicb iMdd von ibr trenaen a. einen Tbeil ilirer dos Cdoie 
$p6liare) bebalten zu konnen. Um aber der Parteilicb* 
keit und WiUkik 4*^ Manaes Sohtankeil aa setsen, er- 
ricbtete Angustus ein iudidum de moribus, damit der 
Kchter in aweifelbafeen FoNea aasmittle, aaf wessen 
Selte die Scbald gey (Qoinct, last. VII, 4 cum quaeriiut 
uMui ^Uipa dwortium factum $ii) and darnacb die Bcbick- 
sale der d^ bestimnie. Dieses ittdiciuin, nicbt zu ver- 
i?eohsd[a mil dem FamiUengeriebt, kann anch scbon vor 
Aagast existirt and durcb diesen nur einige Verftnde- 
mngen erlitten babea. Wenigstens wird scbon in des 
AL Oato Rede (GelL X^ 23, s. S. 192) darauf binge- 
dentet, ^wo mult«iur nor Ton der in ^nem Abyug der 
dos bestebenden Geldst^afe za versteben ist, ebenso 
der vorhergebende 8atK aon^ 99lum exittimatas^ $ed 
muHqius quoque m iudice muKcra rrfert {Cato) nou 
minu^i 9i vinum in 9e^ quam Hpmhrum et adulterium 
admisiitem (der Richter nabe nichfc U09 l^ber das Fak-^ 
torn entscbieden, wie ein ffewohnlicber Civilricbter, son- 
dern er babe anch eine Art von Geldstrafe ansgespro- 
eben). Aas friiber Zeit rubrt aocb das von Plin* hist, 
nat. Xiy, 13 erztthlte Beispiel ber Cn. Domitiui iudex 
pronufi$iavii, mulierem tideri plui vini bibisie, quam 
vahiudinis causa viro imciente^ et dote mulct avitn 



*) jSugo ciT« Msg. IV, 8. S9e. B. Gesch. S. 629. Auch'lTaueB 
GiHerreeht I, B. Id9 fi^ Doppelte retentlo niinmt SishUUng (Bemerk* 
8« 309— tT6) on, iadem er Uipiens Worten eine andere Deatnng 
giebl. 



— 302 — 

' • :■ B. B9»a reeeptititi. 

* I > 

$0 nennt man cli« YermSgeiuHitucke der Fjraut. wdche 
nicht dotal md, — sie mag ausserdeia «iiie do9 faaben 
Oder nicht — namendich gdt der Ausdroek von gokhen 
Gutern^ welche sich die Fran bei Bestellang der doe^ 
ganz beBonders votbehielt *)• Gell. XYII, 6 quando mu^ 
Her deiem marUo dabui^ turn quae ex $ui$ bimi$ ret^ 
kebat^ n^que ad virum irammiitebaif ea^rectp^re di^ 
cebatuf , neuii nunc quoque in vwdUianibMs rec$p% 
dicuntur, quae excipiuntur neque venerunt* Deashaib 
Monnen diese Guter nioht nnpaasend miit dem^peeafium 
der Hanssobne yergliehen werden (Hugo B^ G* S. 235)9 
wie achoa bei Plant. Caain» II» 2, 26 eioer Fruu gefagit 
\irird pemli ptobam nihil habere addecet clam t}fVif|». **)^ 

ۥ Donatio ante (oder propter) nupiiaim , 

w 

Einem alten Herkommen zufolge, welches erst unter 
4en ^christlichen Kaisern gesetzlich eiogetuhirt Svurd^, 
schenkle der Mann vor Anfang Jier Ebe aeiner ankiinf- 
tigen Fran eine SammeGeldea (anch doi genannt, s,Barlb 
n* Drakenb. ad SiL XVII, 75', um ihr dadufch ini WiUr 
wenstand zngleich mit der dos ein Eorgenfreies Auskom^ 
roep zu sichern. Dieses Capital behielt der.^annnebst 
deq Friichten desselben in seinem E^genthnm und erst 
nach . dessen Tod fiel es an die Fran« A^hnlich^s er- 
zSLhIt Caes. B. G. YI, 19 von den Galliern: viri quof^, 
tas pecunias ah nxoribui dotis nomine acceperunt^ tanr 
tas ex $uii. bonis ^ aestimation^ /acta, cu$n ,4otilm^ 
communicant* Huiui omni$ pecuniae coniunctim ratio 
habetur frucfusque $ervantfir ( die ganze , Summe wird 



I 

*} In diesem letztea tpezieOen Sinn niaimt ihn SokiWng (B^ 
merk. 8» 173 f.) nndr vwar fand dieter Gebranch Uun zufolge nor 
bei strenger Elie atatt, well sonst der VoarbebaH der Fran vannti 
geweaen ware. Zimmem (R. G. I» S. 573. 592.) nimmt den Ana- 
dmck allgemein nnd laaat ihn nnr bei freielr Ehe gelten* 

**) Der apjitere Anadruck ist paraphernal doch liegt Lierin die 
Kebenbedeatang^ daaa der Mann diete'Gdter zor Aofbewahrong 
nnd Vemraltnng erhielt* jSimmem* R. G. I» S« 592. SehiiUmg da- 
gegen trennt bona recept* ala einen Gebrauoh der alten Zeit ganzc 
Uch von parapherna* 



— 203 — 

susammen renndtet' imjb ifo Zibsen aolbevahrt): tilar 
ewnm viia supermrii^ ad turn fan virtu9aue,cmm'fru^ 
rtihUi iuperiorum femporum pertenH (dor tJebeiiebeiid« 
erhfllt Capital und Ziosen). 

D* Donatio inter virum'et uxorem. 

I 

Schon nach dem titc^ten Redit waren Sefaenknnffeii 

zwiscben Ehegatten streng untersagt und xwar morwu$ 

(nach dem Herkommen) , vA^ CTIpian in den Pandekten 

sagt und den Grand hinzafiijg^tr ne mutuato amore invi^ 

eem fpoliarentur , donationibui non temperantes, ted 

profuia erga te facilitate. Diireh Sd^enkungen wird 

nemlieh die eine Person immer firmer, die andere a«f' 

jener Unkosten reieher und macht sich einer egoistischen 

Spekulation yerdftchtig, welehe das Gemeinsame zerslort 

und dem Geist der Ehe ^hirehans enrgdgen ist» Deon 

obgleich eine joristiscbe Trennung der Gater noChwen-* 

dig wt, so mnss doch faktisch die inaigste Gemeinsckaft 

Btatifinden und diese Wird diirch die Schenktingen ge« 

stort. So fasste es Pint, coning, praec. (ed« Reisk. vl^ 

p. 539; 540) auf, yio er zu dem Verbot der Schtoknn** 

gen folgenden Grand hinsbafSgc ov/ iVa ftrjisvog fipta^ 

XaftjSdpwatv , &XK 7pa nivra xotv&^ vOf.i[C,(aatv. Ebenfalls 

qnaest. Rom. (ed. B. VII, p. 78. j zeigt er, wie dnrch 

Gescheoke die Gemeinschaft atifgehoben iverde *)• Spiiter 

warden einige FftUe von dem Yerbot aasgenoramen, z. E. 

dass eine Schenkang gnltig seyn solle, wenn der Schen* 

kende^eher sterbe (d. mortis causa). Ulp* YIII, 1 u. A» 



J Yiertes Capitel 

Auflosung der Ehe* 

IKe Ehe konnte anfhdren : 1) durch deil Tod eines 
der beiden Gatten, Gai. II, 143. Ill, 5. 2) durch die 
wahrend der Ehe entstandene Standesangleichheit des 
;einen Gatten, wodarch er das connubium Yerllert, nem- 



\ 



*} Ha$8f Giltenrred&t I, 8»228ff.9 befiig bekimpfl yon £. Gwn 
Erbreoht U, 8. 289 £, aamentlich Bemerkiug za S. 291 a« ff. 



— a» — 

^ / Bdi woBtt einltr von bildM 4fmkfai AH^imitio ntfuinn 
Oder media erleidet* s« £^ dajroh KrMgygefaogeDSchafl;, 
Exil etc SobiUd dai ^<Ni9ubiiiin verioren 191, «o wird 
ana der bisher als Rdmisch/gellMd^n Ebe eiae iarki 

Jentinm X matrinnoniam iniustum), nvelche von dem an- 
ef n. Theil aufgel5st werdeo koonte. Daber gab Co- 
riolanas, indent er in das Exil ging (capitis dem* media), 
•eioer Fran deo Rath^ aicb aa einen GUicklicbnren zu 
Terheirathen. 

I 3) Die wiebligite Art der Anflesuog ist die ^^rA 
8cie$dung*), Ueber die Scheidungen der akenZeif^*) 
Iftsst Mch nichfta Gewisses sagen , denn' ob man gleien 
bisher der Meiauog war, dass es beiden Tbeilen frei*- 
gestanden babe, die Ehe aufasnlosen, — was aueh von 
der Zeit des aweitto panischea Krieges an feststeht — « 
io ist I diases voa der friibera Zeit doeh nicht durchaits 
sasugeben and xwar ist <N( am besten *^*% die Verschie*^ ^ 
denheit der strengen oad freien Ehe gelt^nd zu machen 
nad za behadpten, dass bei jener urspriinglieh Uamog- 
lichkeit der boheidung, bei dieser von jeher vdllige 
Freiheit siattgefunden babe. Zwei ^iuriftsteUer reden 
Ton der Ehe zn Romubti' Zeii (die also nocb dared 
confarreatio entslanden war), deren Bericbte schwer za 

Jrereinigen sind. Dion. Hal. II, 25 spricht v(hi der Con- 
arreatio, welcbe die Ehegatten unaufloslicb verbnnden 
faabe und sag:t ausdriicklioh xal to Sim^f}o(yv Tttvg ya^ovg 
zovtovi; idfih ^v (diese Ehe ist nnauf Idslich ). Daraaf 
erwftfant er aach, dass im Fidl eines Vergebens dejf 



*) Repudiwm^ efgentlieh vat rom Manne Oder Tom Branttgam 
geaagt, welcher zuriicktritt (Ter. Fiionn. IV, 3, 72. 69* Plant Aiil. 
IV, 10, 53. Suet, pom, S 4^|c.7t <^orfJiim von der Fran, welche 
sioh trennt (Cic« aid dix« Vni» 7. Phil. II, 28), doch-warde der 
dp)rachgebraach spater yermischt (Gic. ad Alt. XIII, 7), femere Ans- 
drucke dtscidium (Martial. X, 41, 8. Tap. Ann. XII, 40. II, 86. Snet. 
Dom. 3. Tib. 7. Ond. if. Lex.), renuniiatio^ nutbimonii distoluiio, Ab- 
weichende Ansichten a. Wdi^iers Ehescheidungen S. 58 ff. n. DUder>~ 
Uins Synonym, a. Etym. IV, S. 4l f. 

. **) JNT. ITdchttrs Eheacheidnngen be! den Romern, Stnttg. 1822. 
ffoMset Giiterrecht, S. 129. 197. Zimmemt R. 6. I, S. 561 ^570. 
Klenzet Freiheit der Ehescheidung in Zeitsch* f. gesch. Rechtswisa. 
Vn, 4. 21^4^ >; A. Tafei de dfyortiis apnd Bom. 1832. 

'> Kkuze (8. 36. S7.)» JUtlmkn R. G. I, S. 257. Aum* 635. , 



J05^ 



^ ««> ' 



ir oTg (Vergehen) ^y ^p&trfA cwfxatog {YetUttnns der 
Keni^cfab^t) xal — iingolvov ^ged-ehj TrroSora ytn^ ( Wein- 
fritikeii), beides geyen die hocfatiteti weibL- Verbrecben 
Qiid ainr strengsten zu bestrafen; dieses Romulischd 6e- 
Oes^tz aber babe lange gegolten; Dagegen Pint. Roiq. 
22 erkentit zwar atij &sn die Fran sich nictrt vom 
Manri babe tr^nnen kbnnen, der Mann aber babe seine 
Fran rerstossen dnrfen (Jx^^aXc?^) aus felgenden Qrunden 
inl ffCLQfidxda jixwrnv ^ ytkitf&^ vnofioXij xal fiOiX^vd'iTaav *),' 
wer anil amdern Grihden seine Fran Tierstdsseh babe, 
. dessen YerraBgen solle zur H&lfte €eres, ^nir H&Mfte 
die te^rosseri'e Frait ^rbalten* Wer aber seine Fran 
▼erkanfe (rbv 9 anoSofiivov YwaTxa)^ sey den mtterir-* 
discben Gdttern geweiht '^*). Eide nngezwiingene Yer- 



*> WSrtlSilli Wfirdfj to Si^ia teya ! wegea Todtang, der KiiiJer 
(deiitt fta ehi^Afctreil^eik derlS^burt mit ff^Hehter B. 24'ht in jener 
Zelt-iiichI z6 denke* nnd ^#8^ w8fe der Grand diefle^Terinrech^tf 
bei einer Te^beimthetea '^rati ?y^ Untencln^ben der Sohlnssel (z; E^ 
ZQin Weinkeller, d^tfi dtePl'ttn cikfat i'th Yerschlnss haf te, deim linafloXy^ 
Ver«^hl«Mehi def Sckliisiel, d. h NachlMigkeit ia der Hausver'^ 
waltangi wie I&Dgtt con}7ciit nnd tou JF&ekitfr 9* !^S wieder Yer-*' 
tiieidigt'wordenist, ergiebtalch ana mancben Griindea sis nnwahr-^ 
<cheiiilic&) d, £bebnich# Reiske stiess an ipagfsa*eitf rdnp^p an nnd 
fchob 9UA dazwischen, 2ndefn er das eratere aflgemein da Gift- 
mischerei nifhm und xifMv nebat uXuBiS^ mit vjtop^X^' verband altf 
Unterachiebeii von Kind^rh tind IScbtflsselii . weliihe Zitaami^enatel* f 
htng sonderbar gef^dg iat ; so dasa itlettze ef ne aene Oo^fektor Tet- 
ancbt^, W(/dii^h ni^blf allein' die Von Relake g^flbvhlet^, indent 
ancb uodi hndere SchwiengkeiteA g^hobeii werd^A'. Ef H«at ikem- 
lidi ikl iftt\^fAa*ilf^ tB na\ olvwvoi ^InB&v vnofialfl ^wegen 6ifl- 
mbdhcirM tind Wemtiidkena , denb dieses i^rt der Sinn dea nnter- 
gescbobenen. Weinkellerschl^saels). Dafih* spiricht aueh die ErzSh- 
long dea Fab. Pictor bei Plin. hist. nat. XIV, 13, dass erne Fraa 
ziuA Tode Vernrtheilt wooden sey, i^eli aie das Siege! erbrochen; 
nnter weldiem der Welnkellerschliis^ei anfbewahrt gewesen aey* 
S. Klenxe S. 28 ff. Kassei Giiferi*echf I, 8. 481. PTdt^ien Eheschei- 
dangen S. 21 d; 

**)'IHe Plebefer dnrftea ibre Franen Andem sbwohl TOr&ber-^ 
gehead, tJa anch aaf Lebenszeit ntancipiren and verkanfea, wah* 
rend ei bei deir patriciaehen ^nfarreatio Mreng yerboten war. 
Auf dieae gehen die Textea^orte ansachlietalicli and zwar die Ao^ , 



' J 



- 20ft ^ 

•ioim^hcU iif8|^chy.iiidenrD{oiiy9 

tt« Piiitqirfih sich die Sacb^ versebiedeQ dacbtea in beidci^ 
yerschiedeoe Quellea batten, iiber derea Wer||i od^r 
Uawerth wir am so weniger entscbeidea konneD^t 4i9i 
voQ einer 80. ^tfernte^ .Zeh iind fabelbaften Persop d^ 
Rede ist, Nl|iiml man urspriingUcb dag Uoac^flosUch- 
J^itspriiidip der Coofeurreatioaa- (damals eiozigen) Ehea 
jdJXi so folgt daraas Doch oicbt dessen stetes Foi-tbesteheDy 
i|ohdern auch bier erkeont man eii^ Eingreifep des ple^ 
bejischea lElecbts in die Stammrechte der Patricier, eiaft 
MUderung der altpatriciscben Strenge durcb der Plebejec 
t'reibeity so dass die diffarreatio.(SQheidnng de|^ confar<>- 
reatio) Tieileicbt nicht eber gekend wurde, als die re- 
mancipatio (Auflosung der durcb Mancipation geJi^ildeten 
nr^prili^lich; plebejischea und gemiscbten fiben). . Doch 
ist die Ehescbeidungsfreibeit 'der Plebejer nicbt mit vol- 
liger Wilikur zu verwecbsein, indem die Ehe fiir so 
heilig gebalten ivurde, dass die Ebescbeidimgialy g^en 
Religion a. SjiUeMverstossend, nnr im Falle der streng- 
sten Notbwendigkeit vorkommen mochte* Ja wir finden 
besondere Wackter der Heiligkeit d^s Ebebandea in den 
Priesterji, Faniiliengericbten und 4en Censoren. So er- 
zablt.VaL Max. II, 9, 2 dass L. Antonius von 4<^Q C!en- 
soren aus 4ism Senat ge^ossen worden sey^ weil er 
seine Fran obne eines Freundes Ratb ( wabrscbeinlich 

Familienge^chO ^'^^^^P^^^^ babe* Qieser Fall kam 440 
d* St. vor u. i>eweist die (freiiich. ein^escbrankte). Frei- 
beit der Ebescheidung vor d^n. P'unischen Kriegen. Ob 
, Bestimmungen daruber schon in 4en XJI Taf. vofka-> 
men,, ist sebr zweifelbaft, wenigstens ist Cic PbiU 11, 28 
kein.^Sjchlagend^r Beweis, wo Cicero den Antonius init 
feiner Ironie aufziebt, dass er sicb von seipeir, MaiUesse, 
einer Scbauspielerin, ^ben ^o feierlich^ wie, vpp einer 
Gattingeschieden babe: illam auam sua» ret silt habere 
iuiiity ea; duodecim.tabulu: [causam addidit] *) claves 



malische, , welcher die spatere Zelt leiies Verbot zu»fh]»elN Vgl. 
Klenz0 S. 37. Uaise S. 486, ff. A.M. int JTachier S. 2U , 

*) Die. eiogeschloasenen Yforti^ hat nur ein sehr mit^elmassiger 
Oxf. God. , sie fehlen ancli in dem Citat dieser Stqlle l^^ei Non» 
iy,>152^ pt 291* .and warden, eben so wenig durch. den Sinn in 
Schutz g.eiioinii\^. Dip i%nmm« xler H^rausg. sind TQlUtandig ,ge-> 
«dnun^t in Wecnsdorfs Ausg, I, p. 447— 45t2. S, AucIi: Bauea jGu- 
enrecht I, S. 135—140. 



t^ormel tuof ret UH haieto^f^ rateii} 'natiia ibrdio. 

Schlu8|iel ab und hiess sie das H^ug I'^laatmi). Noa 

kon^iHt sphf: vkl darauf an, ob man es XII t abulia m 

de^ ei-^fen .o^der; zvi^eUen.AbtliQUuDg den t^kim^ «ieht| 

zoif er^itfn gta^ogpUf wiicde i^s nur ,bew«iseK , - da^s ia 

dejv Xll( .Tf^Ceiiii dip Ehess^heidi^g mit j^ g/^Bxkmi&sk 

foxtnel ervjfikhni wordea sey^ za d^r .swieileiis ^W^ b^ 

ftooder^ Feierlicbkeiten, .erford^rlieb sejM. DaW/ab^l^ 

voa Aomb^ d^ir ^cbeiduagsgriinde die. B^de g^tvifseiiy 

fasst j^^n wei^r.diplpmalisebirf^c^tfertigep^ 'DOpb i^v-e^ 

SOQSt w^brscbeifilicb ]09(i ei|i updarchdiiuagliGjUeEi D.qnKejl 

rabt iibef^ die«e St^ie der XUTafelo. lUebrig^nfi fiiidet 

si^hinit Ai^s^ahme d^ ang yaU Max. «o eben ^r^^blr 

tei^ Failg Jbein .weitereg Benspiel ^n^r ^or den paaigcben 

Kfi^geil' vorgenon^menen Eb^fM^idqpg^ qlme. d«ss>wir 

4^jMK(eg^^«n ibfeia wenn. B/^h gejiiteiien ;VWkQininf9fl 

zwfJ^l|i.:dHrftep;. ^dean y^et^ wir ^m^h k?iii ein^igw 

jpei^pii^I^ pfich .|9A^. £(WfibniHlgt der XlI.T^ftlQ<be^SM»T 

li^J9 9:)^^.i;4e». wk doqii .^iibi^re Seheltengen fniitehff^ 

li|gs$ef){y ,:ii^e^ es ,eine k£|uni denkbar«^ 'S^iu^lli^inbcjft 

¥(MraY/s$eUen ..^lirdQ, wenn; man d^m ^eiAci^t- wehiT'et 

in. Rf>)n T0|'^e]c9m^eii..$(ey, Glpiubfiii scbenken i«oUt% 
Afft fUfiJfRhrii^hs^^ 0eM.iy,.3 d^cjiberf:,, ija^r 

deia ff ^i^abnt hat, dasf <5Q() Jahre h|Hdfii5?fa:fiy«4^f 
reiiu^firiiu qctioues nopb^CKtanfio/fe^' pplbJg gewesen^ 
indeiiij- I^ine lihescheidange.ii vorgiM«niiiiaen #eyei^., . ,1^^^ 
dai;^ ioiSLtiep . ^i^h qaufioneg erforfi^rjiqb |;e#ii^l^< ff#ftf^ 
$p. C^r^ifg$ fiift il«g4f cag^Qmen^um fmt vir l»o W# 

vitio non gignerentur, anno urlis e, DXXIII M. Ati- 
lio P. Vaierio Cost, atque is Carvilius iraditur nxtf^ 
Ti^. 9I¥W tlmmt . egreg4^;.4H€X^iM$e. ^arissmamque 
PMTjuim^^ €m$ griffin .imuiMMei ied iuritiunaudi religion 
nem -anmo -. atque amori praeverime , . quhdaiurare. a 
c^n$orihm, coaciu$ erat uxorem, fe, liberarum yitaeref^ 
dorum gratia £aii/i<riri» (Sp.^Carviliuai babejdea^Ceii^os 
f^^^ 9b !er verheiratbet sey, uni KiDder;';zv ^riengen^ 
^ diese Foimel bede^t^t aber nicbts- welder, aU 'ob e^. 
eina tr^u^ babe, g. 8. 175 .>-^ bejabt und (^en lUohtigr. 
keit besebwqren -r- so wie vor dem CengojP: ein. jedpf 
Censirte schworeii niuss^te — • X>anniaber .babe er be^ 
ha^pt^ti pisken falscben Eid . abgdegt zu babc»» do «ein«^ 






I 



20^ 



FHitHmfrMMkir «dy Md^iiAi ffl^h foil dMlllrfiitfa ctt 
frinig^h, di« Eh6 g^Preiint). fciirz^r XXVII, ^1. Die« 
ft«lbe ErsMilonl^ fitidet fAth bei IMdn. Hal. II, 25. Val. 
Max. II I 1 ) 4. Plut. e6mp, Thed; cam Roih. 6. eotdp. 
Lycarg. earn Niini. 3. quaest. Rom. 14 imi^ mit ' ver^ 
iehkMliier Keitanffabd; utid es ist ii^ohl nidit atf deren 
Ifthalt iH zwetfela> intent ii«fa wohl denken^ftsst, das« 
\ itt MiMf kifideriot^n Fraa fibe^dhlsafge 6ar1^iQs jane 

aIia caMdris^Af^ F4>rinel badiatftbltch aafgefairst md mit 
■ohaliibliret lialig[iositftt die Seheidnng bescfaSnifft fajAfe, 
tvelbHe Ullgerfi^o ffemiasbilKgt Wfirde, VaLJMax* 11, 
i, 4. [Km. Hid. It, 25. Dto iaber ist mit Reaht be- 
f cw^fekwd^denr*)^ ob dieae Eheschddanrg wirklich did 
I erata ge#aa6n imd iilan hat Tialmalir dariii ^^n Mfilsver^ 
l^itindniiia der alien Scbriftoteller g^onden, welebe did 
erste ^llkUrHchi^ SekeiSuhg (defan in irgead eilier Be^ 
aiehmig liiass erie die et%^ gawesea aeynyflir'die erx^i^ 
. MbeiHkoHpi aasgab^. Vi^Hei^ht iia<ta CarviKoi^ snerat 
das tiogaateiig^riehl i^n fiiigen y^sMmt'ttnd iie Cen- 
(MMaebe Strafe dadorch ydn sick abge'wSlz^, dasaertnil 
ttet gtfOatften GeMrisseiihaftigkeit terfafaten 211 haiben be* 
hauptete (Klence^8.41). Durch diesen LeichtsinniiVardi 
d6r gati2 freien eiflse^tigen ficheidiing diftr Weg gisbuhnt 
und elne entBetzliohe Wlllkur trdt an die Stelle' der d^« 
tM Zackt tl. ^tte^ so dass namentlich be} derfirdieji 
Ek^ 6i^MdiMhiat bfesondere Farmalitftten n^Btiiig Heaven. 
Ntir die cSonfar^e)rte<i Pri^stereheh waren ahanfidslieh, 
Fedt. v. Flamed a. Flamihicik, woron em Dbmittap- An«-^ 
liahmeii ertaabt^^. Pint, qdrae^t. Rom. 50. Serv. ad Virg. 
Aimf. IV) 29^ ^ Fiir die iib defi andern Ehen mh der 
Wfttehiiefid^li ShtenverderbHias' t^Hor. Od. HI, 6^ 17 sqq.) 



^>m 



*) a. A. d^ JTaUr d^ AiraHiO Ctnritiaiio i HardeidVii 1801« 
>9. SmtigHy abdl^ die «rtte Ehes'chieldtfog in Rom ib den AhhisoidL 
der Btirlime^ Akadeittie, 181^ -15» 5. 61-^66 utidii^ seiner Zeh* 
leMfl V, a^. .see ^279. S* S^mmtm ftber d. er^e^ EhesoK. tut H. 
kk IMMeMl il« ZitotBLerns rom. rechth Unteraiietkatfgett. L Heidel* 
bMg 18SI^ S. 332—335. I^aehtera Ehesoheidnngen 6. 19 fL 1^0^ 
$ti eatett^kt h ^* 133 ffi Zimmems R. G. I, S. 5B^fL kltnze^ 
dl# V'^ilieH -det EUefcbeidnn^ ill Zeittchrift f. geschi tleciit8V^M« 
Til, 8. 23 A 41 i Niebi^w R^m/Gesdi^ UI, S. 4l4. 4t5. Bug^ n. 
Cr. 11« AtrfL S. 148. 149 tndit den Grand dies^r ErzaMtmg in cnneT 
IkdiifaivtandaBm Nadm<)iiliamr (fie Einfift^ 



209 — 



WiHkiir sprecben viele Befaipiele, so erzftMt 
Tal. Max. YI, 3, 10 — 12 drei Ftile: ein Mann babe 
sich Von seiner Fraa gescbieden, weil sie anbedeckten 
Kopfs (wie M^dcben pflegten) ausgerongen war, ein 
andeler, weii sie niit einmr zweideutigen Weibsperson 
allein gesprocben batte, ein dritter, weil sie oboe Vdr- 
wissen des Mannes im Scbanspiel gewesen. Pint Cic. 
41 sagt, dass sicb Cicero von seiner ersten Fraa«ge- 
trennt babe, weii sie angeblicb (aus Geiz oder wirk- 
licbem Mangel?) keine Sorge fur ibn getragen babe. 
Ton der zweiten, weil sie iiber den Tod seiner laeb- 
littgstoehter Taliia nieht tranrig genag war. Cfisar ver- 
sliess die Pompeja ans Verdacht des Ebebrucbs, Suet. 
Caes. 75. Pint. Caes. 10. Obne Qrund trennte sieb 
Aemil. Panllas von der. Papiria, Pint. Aem. PattlL\5. 
Auefe die>S. 185 besprocbene Stelle Cit. de orat. I, 40. 
56 spriefat fur grosso Willkilr, denn obne diese hatte 
eine solebe Diaonssion gar nicbt vorkommen konnen. 
liinter deo Kaisem nabm diese Unsitte zn, obg^eicb sie 
aelbstBescbriakongen der freten Sebridnngen aufstelhen; 
X. E* Augustas durcb die lex Fapia Poppaea (Suet. Aug* 
74 di^9ri4i$'modwm imposmt) und docb siindigten ge- 
rade diese am meisteo. So verstiess August die Scri- 
bonia u. Claudia obne Weiteres (Suet. Aug. 62) uv die 
andern Kaiser erlaubten sicb die scbandlicbste l^Ukur, 
wie Caligula, Claudius, Elogabalns u. A., wetcbem Bei* 
spiel die Romer folgten und sicb sogar wegen boben 
Alters v<iti der Frau scbieden, Juv. Sat VI, 144ff. Schoa 
Mftcens Frau jammerte uber die quoiid4a»a repudia^ 
Sen. de provid. 3; de belief* III, 16 sagt er sogar nuM" 
quid tarn ulla repudio eruheicit; exeunt m0trimoHii 
eaum^ nubunt repudiL Hierin liest aucb die Andeu- 
tung, dass sicb die Franen von den M&nuern obn^ Wei- 
teres trennlen, welcbes zwa^ frQber aucb scbon vorkam 
(Plant. Ampb. Ill, 2, 47 .sagt Alkniene za Jupiter va- 
lemty tibi habeas res iuas, reddas m^us etc«)9 jedoeh 
mit grdsstfren Umsttoden verknupft seyn musste, wie 
sicb aus PL Merb. IV, 6, 1 sqq. scbliessen l£Ust, wo 
die Frau bitter iiber ibr Scbicksal klagt , im Gegensatz 
su den Freibeiten der Manner und dfe Worte ansruft 
Uiindm lex etset eadem quae uxori est viro. Wicbtige 
Andeutnngen der Trennungsursacben, welche Frauen an- 
fubren konnten s.Cic.adAtt»XI,23. Beispieledergrossten 
Freib. dagegen bat Cic. ad div. VIII, 7 u. Martial, epigr.^ VI, 7 

14' 



210 



Ei nrnba dftiw^ 4am Tlele$it^a v&0. 
8, noeh X, 41. ^^ Spaute Kaik^f beaehftfiigt^n aiqIi 
damU, 6ri»4^ aMUgeben^ Q^iev weloheo di« Scheidaog 
sulaMif Mjn soile, s. £. wegea UnfjrucbtbiurM^it (Quiopi, 
deel ill.) ttod ihre Bedingun^o wurdeo inimer h&rter; 
doch waien sie tleU iumt vna voriibarffeb#iM)er GullUfk^iiU 
.J^ormem mt i(rAtf«cAirf€itfj^. Ur9|^iiDgt|Qh iwg bet 
der TrenDUDg #in dam bal det £iagebiiog aaf awa^4taii 
ahoiichaf Rkw staUgefiind^a baben< 8q ivuirde die dnv^b 
eaafarreatia gasf hWsaeiia £he darch die aoM|^f eobandan 
Faierlichkeiten gelreani, walcha diffiufr0ati0. hiewQnf 
Feat. gemmM 90crificiij f#a ifittr nirum ef mHli^mm 
fitbai diuoluti^ Dicta diffarrtatia^ quia Jiebat farrw 
Ubo adhibiim. Orell. laaer, I, n. 3648 smeerihti cot^ 
farreati^num et digfhrreaiiimum t^^ Yoa dan dab^ 
QbUchea sohauerlicbaR Foraiaa (MoXla f^xiAifj n^ aU(»n 
xoTa aoi axvS-^ua) spriohl Pliit quaaaU Roni^ &0U £Ha 
darob manoipaiio (vieUeicbl aacb durcb uaaa) ea/to(taadaa# 
£be wofda darob remandpatiQ aa%ajiaa(9 vialaba Aii% 
Gall, bei Feat, erwftbat (t d« Liad. i^ 339) fttmmi^a^m 
eney $niae w^aacipatu $it ab a^, e^i i» moi mm iWiHm0raf^ 
& aaoh GaL 1» 137, erganaft vqq Hmohka (St^ea 1% 
S. 216 ff.). Ffir die Traoavag dair f^eiaft Che bildeiiaai 
sieh ebenfaUa laandia Faf man *)« a» EU dan aj^abalia^^ 
Zarbrachea der tabulae nutptialeff wafobfSa' Jav. Sal« 
IX, 75, TacAnn. XI, 30. Cic. ia Varr. IL !2S an|«b-^ 
aan ; aoeh aine formliche Erklftruag Hr«4 rai /lifei?. A«iif I'a 
u. ag^fla (Plaat Amph. UI, 2, 47. Tria, lUt.U sq«. 
Cio. PbiL II, 28, Martial, epigr* X, 41* QaiAOt, daclam. 
262. Saaae. eaatrov. If, 13), waaiit viellaiebt aia aaa^ 
driieklichef Balahl an die Fran, aaa dam tiaasa m 
gehen , varbnadaa war. & Cia. Pbil>, Quiaat, Ph Tria.; 
a. a. O. 0. Juv, Sat. Vt, 147. Uebav da^ Varkammaat 
vaa ForfMJi iiberbaup^ scHaiat Aogh Cip* da.orat* U 4Q* 
56, a. S. 16&, sa apracliea. EhX AagfMf^an fcbfi^h «i^ 
ki dsr lax Julia da adaltefiis coaraaadis var^ %. S, Aaftr. 
snrechan dar Soheideforwel darch eijaea abgao^daeta^ 
Fraigalafaeoao in GegeawaH vaa aiaben Jt^n^g^ ti|. ^ 
JaT. Sat. VI, 147. 



*) Wiiekkw$ l%«MheidaBgeB &. lOt ff. 



— 2Ji 



»' • » f 






Trwer dec WUlwe lim ibrea gcHAarben^en G^- 
teil w^ urak und daoerte eia 9yklische« Jafar. (10 IVto- 
Bale, Macirob. Sat I, 12), binnen weldier Zeit ^e mckt 
9;« finer xweiten Heicat^ scbreiten diiifte. Qvid. Fast 
^ 2(7 fiftticbt tqh RpunuliU. Zeiteiptheilmig, luU fogt afr 

Susimei m mdua triMa $i^tHf dofw^ 
Dieses auch jon Nama aosgesprochene Yerbot erwllh- 
nen Flat. Num. 12. Anton. 31, n. Senec. epist. 63 sagt 
aUgemein : annum/eminit ad lugendum consMuere maiO' 
res — virit nullum legiiimnm tmnput ett (Eine davon 
gemacbte Aasnahme nach der Sclacht bei GannH berich- 
tet ¥a|, Aiani. \ 1,. 16.)., At^ llelj^inr^fung diesep Ge- 
seizes ruhte Ebrlosigkeit (infamia ex edicto praetoris), 
ifj^nn, nicht. vQi4>er pifp^imtfQa iKin d«m ^nat erlangt 
worden/wan |)ie|ies gescba^i jlJft ^Wrp Scbwe^tej 
•Octavia, dia nAch von ihreia ersten Mapii Marcellii^ 
ac&waogec wai;, mit Af^onioa vevheiralh^t .i^ojrdeb ^lut. 
Antoo. 31.^ August verordnete, dass FMu^a erst 3 Jab>re 
mwl^ ibpes. Ikitannes Tpd eine ^ zweite Eb^ eingehen durf- 
len Suet* Aug, 34 vu4 milcUple diesen Ter^in 8p{U«ir 
biji ^i|f jf^wei J^hire > Dm Cass, LTI, 72. Caligula er- 
Unkie^ AM iiiffi^^nj; Gebuctsti^e ,^ da^a sijoh dip Wittwen 
if^ voKeodetof^k Ti^Herjahr iicieder ierbeiiratliei^ durfteq, 
Wf^Md bW niqhtr sck^rAfger waren (wegeu tujrbfitio sap- 

41t Zw0itf V0ftAeipaiiu,ng dep Strmu^^iU < 

Qbgleji^i den Fftau^ fine ^weitf PiMf^tb. ftic^bi W- 
I9^(pagt fioek pit .jui^f^sfibfQ. NachUieilau verJk^iiDJ^t ijifAc^ 
HA sind dwell lueht. uif raU#flh« NaebtJ^eUf zm i^mfmBIU^i 
IjM^be ficb Fraoea. dufch fine zw^e l^hf^ Wfog^ 
Pf sfb^lb acUug Cifvif^f^ dw ^apcb^ Mpttif jc jiMen Ajgi- 
tog: 9|i|i yis^ Tib- %l|cl>^ tvdfiMihfJb iijurde Polliy 
TocWr V««|j^i|« ^nil ibff mm. iW .«WWWi v.wrh«- 

14 



^'\ 



— 212 — 

1 rathei war ( in eodem eoniugio manebat Tac. Ann. II, 

% 86.) and am der bei iUiiies. XIV, 73 mitgetheilten Grab- 

^ schrift ist univirae et ca$t%$9imae kein. leerer' ZnsataE, 

' eb^n so wenig auf den bei: OrelK nr« 2742 (incomparahiU 

', univiriae) n. nr. 4530 (unihyria) za findenden. S. auoh 

* Plut. qnaest. Rom. 105« Die Bildsaule der pudicitia za 

Horn durfte nur von solchen Frauen beriihrt u. bekrSnzt 

werden, welche einmal verb^irathet waren. Fast. v. pu- 

dicidae signum p. 129. 211 ed. Lind. Serv. ad ^irg. 

Aen. IV, 19. 

Auch in den Slussern FormalitSten bei Eingebanr 
der zweiten Ehe lag eine gewisse Zuriicksetzung, z. E. 
die Fran war ohne corona, Serv, ad Virg. Aen. XI, 47tf. 
Non. Marc. 11', 1^ 3 , d^as Brautbett musste umgestellt 
werden PrOpert. IV, 11, 85 — 88. IV, 8, 27—28. 



V 



Anhang. 

. '.. . ' . . 

Ehe- und Kinderlosigkeit; 



/" 



Ehe- u; kindetlose Personen wurden Ton den Cen- 
soreh mit Nachtheilen belegt; schon 350 d. St. wnrdeii 
die muthwilligen caelibes unter die Aercrrier rersettt 
(Val. Max. 11,9,1) n. das Volk warde dnrch die Censoren 
VOT Ebelosigkeit gewarnt n. ziim Kinderzengen ermnhnt. 
Cic. leg. HI, 3. Gell. I, 6. Die bier erwilhnte Rede d^ 
Censor Metellus de prole augenda machte 'spater Angnst 
wiederbolt bekannt. Snet. Ang. 89. Auf die zu bezah- 
lende Strafe bezieht sich Fest. t. iiXQrium ptpjendh^e 
diciy qui quod uxor em non hahuerit^ atf populo dedii, 
Pagegen warden die Verheiratbeten und tnit Kindern 
Gesegneten bei manchen Gelegeiiheiten vor^zogeri', z. 
E. Lit. XLV, 15 heisst es, dass alle Freigelassene in 
tribrns nrbanae gestellt worden iirftren , praeter eos qui- 
bus Jiliui quinquennia maior ex scio euei. . Auch C^sar 
'it6\vhaiS{di &9^Xa irti^xev (Di6 Cass. XLIII, 25), in- 
difm er die^ irelcbe drei und tn^re Kinder' batten, niit 
Lftbdem der Campaoiscben Mark ' bescbenkte Snet. Caes. 
20]. App. belL civ. 11^ 10. Augustas aber that noch 
ihefat^ indent er der zunebihenden Ebelosigkeitund o^ 
Sit^/^S^n. eonsbl. \9f balber die lex Julia fle marilan* 
dis ordinilfns 'und bald darauf 1. Papia etPoppaea^iekfie^s, 






; 



^ 213 — 

nachdem die alui' BedeutiaQff der - CeiUKtr: ricertchwimdeii 
y^wr^ «. S. 83. Tae. Ann. Ill, 25 reUdnm demde dm 
modermia Pajma Foppaeii^ guam gemot AMgmtu$^^po$t 
JuUai togatione9j 4ncitandi$ caelibum paeni9 (Vermeh- 
riing der Strafen fiir Ehelose) ei augendo aerfirio («• 
iiDten) sanxerat^ Lips, excurs* ed« Bekk* II, p. 567 sqq. 
Dieae Gesetxe verordoieten , dass M&nner anjt^r 60 und 
Frauen Qoter 50 ^atiren Terheirathet , ferner dass Man- 
ner, uber 25, Frauen iibier .20 Jahr Kinder haben goUten* 
Ulp. XVI, f. Wer dagegen fehle, erleide Strafe, die 
man aber dureh eine binpen 100 Tagei^ xa vellziehende 
Heirath vermeiden konnte, Ulpv XVI{| 1. XXII, 3*_ 
Unwidermitich (perpetua) sey die Strafe, i¥enn die 
Manner bis zara 60., die Frauen bis xum 50. Jahr nicht 
geheirathet h&tten^ Ulp. XVI, 3 (ex senatus cons. Per- 
niciano). Claudius eriaubte' 60jSlhrigen Mannern Frauen 
unter 50 Jahcen zu heirathen und so der Strafe zd ent- 
gehen ; wenn aber eiae Frau uber 50 Jahren einen Mann 
nnfcer 60 Jafaren heirathe, so entgeh<en sie der Strafe der 
Ehelosigkeit nicht (ex Scons. Calvitiano), Ulp. XVI, 3. 4V 
Die von August in* jenen tiesetzen bestimmten Stra^ 
fen ivaren folgende: keinEheloser kann zum Erbenein- 
gesetzt werden oder Legate erwerben^ sondern er erhalt 

5^X nichtS) wahrend der verheirathete Kioderlose (orbu$) 
och weoigstens diellalfte bekommt. ^/? die Stelle der 
Ausgeschiosseneo treten andere im '''' uinent genannte 
^^ersooen, welche Kinder haben uul olUei^ diese nicht 
da seyn, so fallt die Erbschaft an das Aerarium (here-- 
ditas caduca). Flin. Paneg. 42. Gai. II, 111. 144. 286. 
Tac. Ann. lU^ 28 til 9% a privilegiit parentum cefsa- 
retur^ velut par em omnium populus vacantia* teneret 
(dasa .wei^n Niemand da wUre, welcher Kinder hiitte, 
das Volk dafur^an die Stelle trfite). Dio C. LIV, 16. Jov. 
Sat« IX, 8Q» iam pater esy 87 

Jura parentis hahes^ proptet^ me scriberis heres, 
Legatum omne capis netyiion et dulce caducumetc, 
Oiese Stelle zeigt, dass der Mann um den erbr^chtlichen 
BestimmuDgen jener leges zu geniigen, nur ein Kind z^ 
haben brauchte, Frauen dagegen 3, freigelassene Frauen 4, 
Suet. Claud. 19. (Allg. AnspieT. Hor.^carm. s. 19. Prop. II, 7.) 
Ausser diesen erbrechtlichen Vorschriften waAn in 
diesen leges, noch andere Bestimmungen enthalten, welche 
Priviiegifn an den Besitz inehrer Kinder kniipften (ios 
trium liberoruni), z« £. Bepreiung vopi Tutel, vom Rich- 



y' 



/ 



^ 114 ^ 

Vorftog %6i AMMbew^biMig fMs. Aiili^ I^ 51^ niidl h¥i 
Vr^viflicii^iBJNliefkiM (fW» AM. XY , 19). V*cti ^iiM^ 
det letAe Sl^lfo Mcb, iMis di«ffe Arivfli^fr, «tebi «lil^ 
mal dto (MrbtwhlUchen VoirtSg^ •dareh f«8t%^ A4o)fM'» 
neti, wekhe sdnr ^ingiBrifNMi^h wat«ti,>^ii^ weH«tt 
kdhntefi. Bte KiiiMr ihnften ^iaie ifthra ItfyerMtiYii wi 
Per»oii«tt ertltfeilfeii, trsAcAito gat teine txht nicht 4i6 
soi<«ichetlAe tahl t«ii Kftttfe^n %«isas«efi« Plm. epttt^ H^ 
f3. VII, i«; X, !2. 9&. !lVl«i«iad. ^pigr. It,*91. 92* IK, 
96. IX, «7. 9B. Dfo Cms. LV) t. LX^ 24. Or«U. in* 



Sw'^ite A'btli^!lutig« 

• • . ■ . 

Der RSmische Vater , Hiii liemeh^r hi vcfiirem iAl^ 
ii«n Famifi^smate, Hatt« von alter l!i^ Ireir Ittifel* iieitie 
Ktndet mtfmnsthrdnkte ^feWait, ^eldie iiidit mit i|^lii 
Eig«intham8TH;hti» verwfedi^eh werdien Vlatf. If&miMKm 
kommt in pertt^holicbet B^aSehiing iiur 1>«i SohVM Wt 
tmi ist ein jenem Recht dordiatn frfemdes VerhfiltniflfsV 
Sclavetei iremlich betulit Kuf tde^m iaS gfentimi, %&ht€fift4 
pktriu foiekm attt nadi IMinisclyem Cii^lrecbt gfAri|; 
I8t. Weder dtei alte Romiillsebe Befsttmmung, ^ans 4^ 
Vaftw «bw Leben und Ftrfhieit pettier Khidet Verf&gen 
kihitie j noch di« atidern 1j!«s«^« biewei»efi die IdetatMt 
der patria potestas und des EigeilYhtilM^^. lD%nihalb sAgt 



*) Gant Schotifen S. 65 —13% Zimmenh U. 15. I, S. «54 IT. 
^. J^. JTo^nen de patria potest, et statu fami1)&<3. AitiSliBl* 1B31. J^ 
E. Stassold jsyuopsis Tariarnm immntatiolinm et <imbittis et acqtii- 
ftft)<>fii| «olutioni8qn6 patriae lU>manoruiii jj^test^tid. OboMi 19)^. 

**) S. Zimmem* (R. ^. % S. 686 IT.) grundRche Beweisfiih- 
miQg gegieii Bynkershoek de lure occicTeDidi Vendeiiidi et expdnendi 
ftbiwroh «ip*d vett. ftom. (Lugd. B. 1719. chrae sec. i'^53;'^pu»C. 
Var. "arg. Hal. 17i9. it, p. ItS— 175). ' 



- 21^ ^ 

^ocmifim'* Dm BiM «ilkM ftditen RambKbeh pilter fii^- 
Miltcis mit itiiHig^iii HaatH^iiMiit (impeHnm in tMt^ 
AHin tttadh 4te ^f^nMiftenelk BIIim woknten telten aniMr 
4l«ii VAteM BehAustttigf) Hie Hot dem detil Calius f^ 
wMchttn mid Vdtl Cie. pi C!a«l. 7 Widerlegten V^i'Wttrft 
MAdiloMi^ll WMPdeii kniiti) 8t«Ht Cie; i$ een. 11 In der 
Person des App. ClaudiiiB aof. 



.Midi* 



fintitvhiriig der yatvrliolieii Oewalt. 



Die vftterliche GeWldl Mtdtehl Attf natfirliche odei; 
kiDfllliehe Weiset 

A) fUaUrlith dutch JStzwK^ng ki Rdmischer Ebe 
nttd I^Ar I) sogleieh mit der Geburt dea Kindest) Gai. 
I) 65 in p0teitate wtf^ifm wwmt Jiheri no$tti^ quos tm 
it^Mi muptiii proeneavimui. I, 76. Ulp. V^ 1.7 2) die 
Kiader g&laag«n erst spttier in die pdtria potestM, 6ai. I, 
M Mt4qmtmdo amtem etiendi^ nt Hheri stBiim Ut mmii nM^ 
ptirentum iin p^tewtttie nom Jiant^ at postern Psmen r#* 
digtmiur in potestatem / a ) wenn die Elie der Eltem 
inre geniiaiii oiine yDeMmbiaim geeelilossea wordra war 
(i. %. 18^) Qiid dieses dareh die Givit&t erst sp9iei: liiQ- 



*P\ J$ith«t dis iMt der Zeogiibg Warea 4ie Meinvngen d«^ 
Qrfedh^H a. Rdaiei^ sebr getheiic aad erst ip&t trtflen ^ste BMiioi- 
aMHl|ett ixiasa. Mi' 7 Moaste sprschea die Griedibni uad narii 
Stat Bdsi« Jaristea tMraa wegea Hippokrates a. Pythtgorst aiolrt 
dlq^gea, dber 8dieasflich# Gebactea WaiMea roa dea Remera fir 
aaSDitSg geHidtea^ obgteicb es aa Beispielea dagegea aidil feUte. 
¥^I«D a. CaMsil. h. GelL Ili^ 16. riia« h. a^ VII, 9 (Sen, cum 
a&Nife ^iMi«(fifm aon parfut viderttur menwh oeiavi iempeHlftifiHii)* 
9 aad 10 M)i>tiate gait bat dea Rdaiera fBr die eigeoflkhe Zeil« 
Weaigsteai -araMa 10 in dea XII Taf, Birkseaa tcfben. S< 229 f* 
Seii^^toa Oell< lll^ te. Vmf6 b. Hoa* lr. tpissoiiK Ptattt. Ciat !« 
3, 15* Eiaige SteUea sprechea sogar dafiir, dast Gebmiea in 11, 
12 u. 13 Moaat for zeitig gebaltea wordea aeyea t. Geli. a« Plia. a. 
•• 0« (DaQh Hadrlaas Beatiaiaiaiig ffir eiae ilmoaatllche Sebart)* 
nudorft Recht der Vormaadtehafl llli 8; 206 -> 906, 



' , 



— 216 -: 

wtrat. Dieses geschuh aosser dem ds Privilegiiwi gm^ 
sen Yolkera ;ragestandeneii cooDubium , wodiircn auoh die 
friiher geborneo Kinder iusii liberi keredetque worde^ 
(Liv. XXXVIIIy 37 voD den Campanern), aucb bei den 
Ehen, welche die Gatten geschlossen batten in dem 
Glaaben, dass sie cives s^jen und doch nioht waren, 
flobald,sie diesea Lrrthum vor Gericht bewiesen battea 
(cautam probare) *). 

Ebenso, wenn ein Ladne unter 30 Jahren eine Bd- 
mische Biirgerin geheirathet battel neinlich mit der feier- 
licben Forniel liberorum quaerendorum causa, und nadi 
der Geburl eines Kindes , sobald dieses ein Jabr alt 

Seworden war , vor dem PrSltor erscbien nnd Obiges 
eweisen bonnte (eaufum probare)^ so erbiek er die 
Civitat nebdt seiner Nacbkommenscbaft und dadurcb auch 
die pairia potestai iiber letztere. 

b) Wenn die Eltern obne £he gewesen warcfn, so 
konnten die Kitider durcb eine splitere Verb^iratbung 
der Eltern legitiinirt werden und waren dana ia deir 
patria potestas. Diese Verordnuag staaimt aber.erst ans 
sp&terer >2eit, viel|eicbt von den cbrisdich^a Kaisera« 
B) Die kUnUliche Vaiergchqfiy welcbe* mit d^s^U 
bea Bechten und Wirkangen w.ie. die oaliirli^be^b^abl 
war (Cic. pro 4oni. 29; aucb in erbreebtlicher • B^i;ier 
bang Val. Max. VU, 7, 2), konnte durcb die jurisliseba 
Handkng der Annabme an Kindesstatt (adopliiO ini> w; 
S«) begriiodet werden. Dieses gescbab durcb ud^ptio 
im w. S. und adrogatio, iiber welcbe sich Ulp. VlU, 
1 — 4 im Allgemeinen ausspricbt: non iantum naturalet 
liberi in poiestate parentum $u»t ^ed eiiam . ad^tivu 
Adoptio Jit aut per popuium mut per praeiomm v^l 
praesidem proviuciae. Ilia adoptio^ quae per papubum 
jfity gpedaliter adrogatio dicitur. Per papulum qui 
nui iurts sunt adrogantur^ per praetorem au^em^lii 
Jamiliae a parentibus dantur in adaptionem. Adro- 
gatio Romae iantum^t, adoptio autem etlam inpno* 
vincia apud praesidem etc. Wenn der an Kindesstatt 
I Anzunebmende anderen Stand^is, als der Vater war, so 
ging' er durcb die Handlung der- Adoption oder Arro* 
gallon in des Vaters Stand iiber; so z. K liess sicb Clo*- 



\ 



1 



*) A, Bethmdnn-HoUweg de oaiuae prck]>atioiie. Beiplt 18^ tu 
Vangeruw iibQr Latin* Jun. 8/ imten SdarereL €ap« 4. v 



2- 217 — 

Miem Plebejar arn^tofO) nm Volkslribiia werdeo zu 
Isftiiiien. Cic..pr<^ domo 13^--* 16. 29. p. Stest 7 trmdit^ 
€4ione ad phtem. Saet TU^. 2. Die GaM« XXXVIUy 2. 
XUI, 2ft. ^ 

L A d r g a t i o. 

Arrogirt konnteo nur anabh&ogige PerBonen tnaoii- 
lichen Geschleebteg werden (Ulp. VlII, 5)^ deon weii 
«6 T^ff Aen\ Volke gesehah, Fraaen and Unm8Adige aber 
Tor demselben niebt aaftretea kotmten. ( cum jem%ni$ 
fmUa comiiiorum communio ett Gell. Y, 19)9 ^aren diese 
Ton der Arrogation ausgeschlossen. Die Handlang wurde 
in delta Ci»iateomilien vorffenommen (denn wo Gic. ad 
Att. I, 18| umversuM popwus, also die Tiibutcomide% 
gMemit bat, ww entweder auf angesetslicfae Weise von 
der Regel abgewichen worden, oder Cic. driickte sick 
angenau aus, denn p. Sest 7 sagt er lege curiata\ 
Hachdem der jprlbsidirende pontifex maximus nntersucht 
kttlte, ob niebt etwa saera gentilicia (2. £. wenii der 
letste Sproasfing einer gens arrogirt werden sollte) oder 
das Erbreeht der Genlilen (denn der Arrogirte wurde 
im TodesfaU von seinem nevcm Vater, • nicbt von seiner 
^iameUges gens beerbt) in Gefabr k&me und eb fiber* 
liaapt eine iusta cansa vorhanden sev (2. £• ob Jemand 
arrogirte, um einen Erben seines Namens, Yerindgens 
nnd sacra su hinterlassen etc., oder ob fraas und dolus 
y^raoladsuilg gegeben babe, wie Cic. p. dom. 13. 14* 
dem arrogirten Clodius vorwirft Andere verbotene Ur- 
sacben eiaer Scheioadoption s. Tac Ann. XV, 19). Dana 
erst trog der Pontifex die Sache dent Yolk (als puren$ 
omnium Tac. Ann. Ill, 2i) vor.(/?Qp«/fff rogatur^ un id 
Jieri\inbemi Gai. I, 99), aucb wurden Yater und Sobii 
gefragt (i$ qui ddopiat ragaiur i. e. interroffatur ^ a» 
vein eum que^ adoptaturut 9itj iusium Hhi^lium is$e^ 
tt 4$ qui Mdoptatur^, rogatur, .an id ^eri patiaiur). 
Dessb.alb sagt Gell. Y, 19 init. Recht adrogationet non 
iemere nee inexploraie committuntur ^ nam comitia ar^ 
bitrig pontijicibut praebentur^ quae curiaia appellantur^ 
aetatque eiusy qui adrogare vuU an liberie poiiu$ gir 
gnendis idonea ait , bonaque eius qui adragatur ne in-^ 
iidiose appetita sint^ consideraiur, Darauf theilt er die 
Formel der gewohnlicken Rogation mit: veiiiis i^b€ati$ 



• % 



/ 



— 218 -^ 

j^iwi iAi 90, ^mm a bm eo fatn wolf ffire famiUm 
ifim-Uaiui «#tef| Mti^ et t^lYM WBcit^e in eo potm- 
4iaM Ht^ mt pmtfi &Mo JlttB est: fc«« 0u ^ti dUN^m 
Quirites rogo, Diese Comitien warden gpftter.tikie keH^ 
Formlichkeit (Cic. de leg. agr. II, 11. 12. g..S. 22. 39. 
59.) , uod dieser Privotzweckf halber JMhrlich zweimal 
angestellt, wo die Priester die einzige bedeutende Rolle 
wfn^ten, Docli WOtdtt dte StdhnttitiU nicht veriftumt, 
ftMt. Odfei 66 Tik^fftium adoptwvH i(n ftro lege tmiuim. 
All die Kalie^ tiMtiiMi walrdeti , latf die ArrogatieA 
ki Arer Hted^ WMk die Bache kam kloa i^hcinbar em 
tfan y<4k^ naekdetn ftie Von dem kataerlicheft CoimkM- 
riufii uttt^Miiebt wurd^ii vmt^ Endlioh war bloa dimb 
Iniit^hche in rineitt Reseript aasgegproeheiie fij-kl&niifg' 
ttMiiif) Oder mandKch wle M Suett Galb. 17 u* TMk 
Hiftt. I, 15k tS (MftiUM (ttidit iege cttHttta »jmd penh 

J/i A d p i i d. 

: Dilreb AdoptiM |g;ebeB Uii«elbetftifd]g0^ wie FiUMH 
latid Utimiitidige, in afidere Gewalt Hber, oftne dAs« ihr4 
Sttftilfnittting d»ku n^thif ware mid iiwar mina der Attt 
vtft einisr Magtstratsperfion voegeneiiitneii werd^n. tiebet 
^ For^ ^ieser Handlafig sagt Gell. V, 19 udepi4tfa» 
eum a parents J ifi cnim poie$ttLte euHf, tertia imm^ 
Hpmtimt in iuvif teduntWTi atqme ni eo qui adept m 
apud etm^ apud quern iegin ueHo etH^ vindieaniut^ (nacli 
9maltger Mtindpatioti Hkid Maiiififilaiidtt vindioirt deUr 
AA)ptirrater d^n Kobn von deM natfirliehtftn Vaief) iii^ 
«hei* keifle Oegenangptliche macbt nnd dai Ganae let 
¥or einer MagistraMperson Vorzanebnieo) *). Noeh gv* 
naner driickt ftich Giri« I, 134 aas (dreintalin Mandpn^ 
tion)' ae intercedeniei ManmmissiMei proinde Jtunt^ oft 
fieri eolenti cum iia enm pfidet de pete»imte dimittit^ 
mi $ui i/urii tffieintw>t deinde mlf pmri remmi^p^t» 
tt ab eo i$ qui unloptut tiMi'dnl apud prneforfmfihtm 
iuum eeeet et Ulo eontf^ non pindieaMe « prmet4H 



it iihram impfet A pcOre Jgftppaeil^ tflese Itegel idofat nM, deha 
da Octar. die hdchkttf Ma^su^tipei^toa wtt, konate er ptflntiin 
am gaA2ett AJkt irecfatttkaMig vdb&i«h«ft« v 



MiAttimiitipilt WtitA^ Hhd der fidtt »^we$^t, W(yrtitiff^Mr 
PklltoritetiSolinjenefti Rddidrt) ; ttftf tWfg j^i mc^j p tt hw' jyAWV 
; . . . mdHtcTt^mlt'oiM tpff / ^rf Wrue <?oi»iffH»<I»to tA^ p9!tfV 
^tifj^tttfa^Gf^ , \6i91t dl^ Solm \vird 'otefti vindtt^itiEJtiwii 
Ado^tSvvate^ im-ej A. h. detn R^bt g^mUfs, >(m ^tMi^ 
MAMh matidpftt, b^i inrekhem d«r "Sohn ill det tfitk^ 
fton Mancipcitton Mt, d. 3. A&t Sttreinkftttfet^^e^ SdlM^ 
Ton tvtAdieiii dto Vmi^ vntfiet lrtiflibtefiaA|g|tMi iiatti^i aiM 
^ den S0ID1 deM Adoptivvartef lib^rti^ fi»r& tutMlv^ 
Mr«^; %oratif d€r Fttttor wMiciei*). hmtHeim tkttt Wait 
tthhe^em^y w^l liif die dtitte Stftii«!|i/lflitiMi tiiHik ekik 
Vtrae^ rersiyh nMii^ tfar^ Uti ^^(^iQTOlrfe der* iwiftiii4itnj^ 
VaI^f lft«ificipii1!l»« 1&fi« tmbtsstiitiAit spileht Cit. de fNk 
1 , 7 l>x>il tii«seifi Afct jf tr'eisi il» nd^iiifHkm D. Saanib 
tmamcpmetut fTdr^afttA). B^ disr Adopth>ti veto Eti^ 
Mft tiDd iireibK^heb Pet^nM Wat ntit ^hi« ^nfectfie 
MaitcititHlioti Yioth^teiii|!^9 bei dto BMyneA ^M^e drenacli^j 
^nffl deir «u Adoptitende s^nst in dh^ fthi^ <^tv<alt ^ 
l^kig^faltett W»te. G«i. I, 134. 

©le geboh^ voir August iind itLtOi hlu^ehtlich lrtrti«r 
den ersten Kaisern iiblichie test&miiBntarische Ailoptiioik 
init Erbeinsetzung (Cic Briit 5S von Crassus, Cortt« 
Nep. Att. 5 Vbn Atticus, Siiet. tiaes, B3. Liv. ep CxVXelC. 
von Octavianus} ist identlsch mit dei* Erbeinsetzunff, welctie 
.taiit der Bedingung verbanden ist, dass der Bedac^tfe 
des Testators Name annehrae theredis iustitutto stA 
tondifione nomtnts jferendi^ z. E* tTic de oft. lit, i% 
cum Basilus M, Satrium^ 90ror%$ JiUumj Uomen iUuM 
ferre voluis^et euMdue /ecisset hereden^ and Ovid. Mt6- 

| p|< I I I —■»■% ■ ■ II ■ H I 

* ) JTftfcMi^ ShidiMi 9. 204 «^ ltt« «fm«AIM% >«lelie ^Al«lte HHt 
iMth tlf^ l>«Me Cridi^nifig d«t Ittre tiiahcilplMo 4n{%. AitflrM^ M. «ihd 

^»iw^ fti <;.' I, s. ill f. 

Miniidft lilllMttdi ^nltitttti "^tAtllitKfilMi trtl8<iiiptau|^tk i^^^'ti 4^ Mr- 
gemeinen Btisll g«toIgt to. ^dtn fitbreCli!! 11, ^. 99^1$^ 



— J22P — 

tam. XV, 837)^ to ^ais- derjiam^ adaptio afu* mbuh- 
brftachlich aogewandt wird. Wenn m eioe wahre. Adopr 
tion y/}Bure, sa miisste der Adoptirte nicht bios den Fa- 
inilienoainen des Erblassers annehvien, ^pndero, aucb 
die Familienrechte, AgDation a. s. w. erbalten, was 
aber nicht der Fall i^ar,, denn wenn aucb einigemal der 
Ausdruck Torkommt adopiare in nomen etfamiliam 
(Suet. Caes. 83^ Tac* Ann. I, 8), so ist doch non^en die 
jiauptsache uiid obne Zweifel mit familia (Familiei^name 
yivog bei Die 'iCass. XL, 51) igrnonym. Auch^heisst es 
gewohnlich nur adoptare oder adsumere in nomen , s. 
(Cic. ad Att. XV, 12) Veil. Pat. II, 60. Win. ep. VIII, 
18. Sen* de brev. v. 15. Tac. Ann. XI, 11. XII, ^ 
i26, oder in bona et nomen y wie Snet Galb. 17. Eg 
kann aucb. keine ordentliche Adoption sey|i, weil Au- 
gust seine Fran Li via* so adoptirte (nacb Suet Aug. 
101 \ denn wie konnte bier eine Annabme an Kindes* 
atatt gedacbt werden? ebensowenig Tac. Ann. I, 8» 14. 
V, 1. Aucb koHimen einige Beispi^e Tor, dsss, obgleich 
testamentariscbe Adoption vorausgegangen ^ar, der £rb^ 
docb noch ordentlich adoptirt wurde , was sonst/ ganz 
uberflussig gewesen wllre. So war es der Fall mit Ti? 
berius (Suet Tib. 15) und Biso, welcher von Galba 
feierlicb arrogict wurde , ohgleicb die testamentariscbe 
scbon vorausgegangen war (Suet. Galb. 17 pro condone 
adoptavit). jDass durcb diese s. g. Adoption ein melur 
ftusseres Band, als eine wabre juristische Faniilienver- 
bindung entstand, sagt aucb Plin. bist nat. XXXY, 2, 
und iMsst sicb aucb darans schliessen, dass der Adop- 
tirte sicb des Erblassers Namen enthalten konnte, wenn 
derselbe iibelberiichtigt war Suet l^ib. 6, dieses diirfte 
bei wabrer Adoption nicbt stattfinden. Dass audi Frauen 
so adoptiren durften, sehen wir aus Suet. Galb. 4. u. Cic* 
ad Att VII, 8, wo Cicero die Frage aufwirft, obes 
passend sey, dass ein adolacens nobiliij wie Dolabella, 
der durcb das Testament einer Fran den Befebl erbal- 
ten Muiare nomen ^ demselb^n Folge leiste. Dass sicb 
Octavian die in Casars Testament ausgesprocbene Adopr 
tion Ton den Curien bestsltigen liess, ist ein ausserge- 
w5bnlicber Fall (Appian. beU. civ. ijl, 14. 94. Dio Cass. 
XLV, 3. 4* XL VI, 47), ein spesielles Privilegium, obne 
dass man darans auf die Erja^bniss schliessen diirfte^ 
durcb Bestatigung der testamentariscfaen Adoption sicb 
die Familienrechte des Testators zu erwerben« 



221 






i. 



• « • • 



:l 



/ 



ZitHtSif Capitel. 
Eechte dec. yaterlichen GQwalt. 

A., Per$dniich€^ ,B.^chte^ ^ 
. L Recht iiber Leben und Tod« 

N 

Der' Vater hatte rermoge des alten einem jedeh 
Herm seiher Fftiuilie zitstfeh'enden Zuchr-. und Straf- 
rechts, uber LebenVund Tod. det Kinder unbcfschr&nkte 
6e wait , sd dass el: iiiit ' Recbt dpmesticuM iudex oder 
magisiratUB (Sen. controV. II, 3. benef. Ill, 11) nnd JUH 

, censor (Suet. Claad. 16) genannt werden kann. Wahr-. 
scheinlich aber mu^ste in Fallen auf Leben und Tod 
Ton dem Vater ein Fawiliengericht zusammfenberufen ' 
tirerden, wienigstens ^ird dieses Consilium an folgenden 

* Stellen erwabnt Val. Max. Ill, 5, 1. V, 8, 2. V, 9, 1. 
Sen. de ckm* I; IS '^)« Das Recht des Yaters^ Uber 
Leben und Freiheit seiner Kinder zu verfSgen, wat 
nralt, denn tehon Romulus soli das Gesetz gegeben und 
die XH Tafdh wii^derbblt (Dirksens Ucbersicht S. 27< 
— ^278) habeh, daSs ie/ dem Vater freistehe, seinen ^ 
Sohn in Fessein zu scbla^en, zu znchtigen, gefessell 
zur Feldarbeit zu gebrauchen und zu tddten, sogar weim 
der Sohn sicfl um den Staat Verdienste u. hohe Aemtet 
erworben* haben soUte und zwar dauerte dieses Recht 
das gauze Leben hindurch. Dion II, 26. 27. VIII, 91. 
(Nur in publicist. Beziehung war der Sohn frei, €reU; 

. n,; 2, so dass dex Sohn amtlieh Kogar iiber 'seinen Va» 
ter G^Hdhl halten kontite). Dass es auch in den spft- 
teren Keiten w^nig^teps d^m Bhchstaben nacb noch gah^ 
ersehen'wit aus der Arrogatlonsformel bei Gell. V, 19 
und Cic. '^« domo 29 ei (dem Vater) vitae necisqne ^H 
eo (Addptivsohn) potestas siet^^iiti patri ^nda jfilto esU 
Folgendie BiBispiele finden sich bei c^n alten Classikern: 
Sp. Cass« Vi3cellinus todtete seid^n Sohn,' welchrer die 



* f \ *m 



^) kltnte (Cogn«[ten nnd Aflinen ill d. ZehfirdHrifk f. gMC&. 
Kechtswi«s. yi, 8. 29) behauptet, dass der Vw^r ein familie*- 
gerichf habe berbfen musseh, sonst ware er parriti^il genatant 
und gestraft worden,' z. £. Qn. Fabius Ma^tiinns b^i'Oros. iHr 
9. V, 16;" - •' • ' " ,..'-': 



\ 



lex agriuria mgeben, weil to naoh der KSnigawfirde 
strebe, Liv. II, 41 ^ .^Pffh^ 9Agi JUMtlV8 , man wijufe nicht 
geaau,^ ob er perduellion. iudido publico verurtbeilt 
word«n sey, odei: eoffldta domi cHiwa ini4 duvoli ein 
domeitieum indicium. Mebr fiir eiae offendiche Ver* 
urtheilang spridrt siok IKto. HaK ¥tlI,-79 aas, dage^ 

fen Yal. Max* V/, 8, % ecw&bnt ein, Fafpiliengericht; 
;ic. de rep. II, SScedentepopulo marie maetavit^ in* 
i^va, di« Qa^storen die Anklage vorgebra^bi^ batten. 
8. aach Flor. U ^. PUui. hi^fc, iia*. XXXIV, 4.. Cia 
andcMret Fall \yud. tou T^ lMklQl|^s TQr^uatiia Cic*. i» 
Si/lt 1f,y^ May. V^ 8,3 ^nd Diqa. Hal. H, %$ 
fxaaUt.,. da»s nf uber seinra l^ng^t. vqq ibia aiaocmii:- 
t^H m^ vafli Silana^ .adoptirtea Soba, we^ober ^:©pe^aj({aar 
irHi9 Yeirklagt ^as, Geri«b* gebaltQa mi ihn aasiaftimw 
Aageaicli^t vwbwnt babe, worauC sfpb d«r S^ba (odt^t^ 
jti^d^fallf Tuusrta' Wejj yofl^ 4e«i Volka denx Vatiwr dip 

^rvsb^bark^it iibertragea^ seyb^^ da jeaejr niciht, m»m 
im $i^sit«i d#r vfi^edicbM G^wak war,, liy.^i epii lilY- 
W^gei), iojQjf^cbti^Qr .^uiSUbraQg/ todtet^ Fabims J£b^|Qanf( 
feinej^t &>bii\> Q^uui^t, d^cf, JJI, 17 ^ F#bJ^a Ma;rimuiSw- 
TiUan,«a exiUf*Q ihn bloa. Yrfv M^^. VI> 4, 4.,- JSp 
^jraiskpreobqpg 4bs Spbna von, dera vorwwf */igf^« et 

Crri^idii, przablt Val, Max^ Y, 9,, 1 (Dier Yati^r bi^^a 
.Qeljias). Pei^i^lbe eiryi^ahnt YI, 1,. dass ewi«fT.«tebtJ^ 
^mgfitk n$^jfmnx vom Yat^ ^^ei^dtet WQrd«a 9eF« Dar 
^jd^atoir 4.: Fujvius todtet^, seinen Sobn ^9 fjer! patUinar 
rpschaa, Ve*$chwormg; vafda.Qbtjg» Sail. ' Cat^ 39^ UW 
(j^ ^XYIU 36. \al. Mftsi: T,,^, 5. Da^ Erw 
ai^ijieA Sajiii za Tode ge|.^cbt baha uad da^w^geiv vap 
B^q, ai*zj}ri\tea Eltera uberfaU^a wordan cjay,. auk 4<^^ 
P^nd^^ ef durqb Aagu^Uis mit MUbe- geirettei w^rd^iu 

SzllUt Seq. da aleiu. I.. 14, wd in>, folgaadeB . C^pit^l 
iri,<^t ar,t da^s T. A"'** »eijpen Sobn w^g^n Wdr 
ttdfu^ fi>wlirt baba^ aacbdem, !^,?w (Jaricbt IgeW^i?^ 
9W^ 9» %v| dam aucb Aaga^l;u< ^in^ehi^n W0i^<^ apf 
ioillLomnftp sey (jw privMoijfm^t^i}^ f 

Diese Beispiele beweigen, dass sich das Recbt der 
unumschrftnkten vkterlicben Gewalt lange erbi^iafrbal, 
m^tm as apffb uamar s^Uoaf ang^wf^^df^t; wvi:det bi^ ^s in 
4fK? Kai^a^zeijt wohl eb^R durcb. 4ia S^Ue,. a^Sr d^ Qaa^t^s 

i^Ucb. abkani* Dass di^se^ Bacbt mAxon m% 4^ 
inifl dai: Hoi^tiaK aAd Gui:iati6f ^in Kada gehdmmm 

nabe^ lyeil der Yater iiber setneii Sohn, den Scl|„^e«i^er!- 



I 



- m - 

Sohu Tb»t einv«rMw4o9 ^Hf » iM^ 4ms 4«ui Volk eia^ 

27. JEan KiU kopiint 9<W^ ^^^^^ v^^ Ner9 w^^ wie 
Tac. Attttk ^VI, 93 mold^ Jf^^uma puiri c$mie9$us 
eft J — j^ek ipit eifu^v £iii«€h eft nkiUig > 4«ivi w iolgt 
praedicto ne in rf pt^^lfca huherel^. 

n. Jus V. eB4*^At» 

P«^ ^te dqrck mc) Stireog^ 4«« Bi^chttabwf dem 
Yot^r 99g^prp^heD^ YeFk^ufarafbt 4^nes S^haff lit in 
^eUipiel^n iHcht naqh^uwei^en, |b^ <U«« «a nicht imwakr* 
MhMtUck \»U Mvunebmea.^ die^iMi R9Qkt «•; Q9r aimem 
pKkeji ^nd ywBlia^lur sckop &iik iw^ apgewond^tvorr 
4^ni 4ei|ii SoJHie die Freil^fit z^ ver^chaiS'eii *}« Am| 
#iA« »b Ff eihatt TfifichafEf qd^ wichtige I'onii d«i Veiw* 
kimHi d^Qlea die/VV^ti^ der ]^I T^felqi kin 4i pater 
Jl/iHm ler pfn^m duity ^lm$ a p^tre liber etto^ 1)1]^, 
lU.i< 6»i. I^ 139. IV> 79* Qirkm^ Ueb^ir^icht «. %7^ 

^ Si&3U l>{ui Reobt ifelb^ gfdt id Roiii ^r RooMiJiscI)! 
4mii 4ie Sokrifuidlw erwwneo ^e voi^ NoJiMi kiiau5r 
MiUgt^ £ip«^^nikpM d»gf(elb#n, .4as8 4^ Yliter s^Idod 
S«(k» Qiobl;: m^br yerkwfe^ dSrfe, aob^ld er ihw 4i0 
firlMbBisn gfteb.Qn bf^Q» «icb .m vej^keU^tbeuu Dioif* 
H^I.. n, 27. ¥\^^ IVum^ 17.. Sia Tolk^^Qd^ gec|^, 
IvskQ» y wiMt «^«|gte, erit ^flRMr . dMf f l^^sHi^lsu / 



I k 



HL Ao4irr^ pa^rsAttlioke jRfflkt#i . 

Mll8i|#41ig#.G9W9k d4f|Vat^i» i^ j94^r Q^iMUQg 8cbUe«T 
sM» j^dAQk.iM n#cki ieiijg^ ^01^ 4ei^ 4Ueo bem^vklf 

kab#. 9wiJ9m[ei| k^v^^n^ ^Wi^.>^S^\ ikoi £efiaii«cblf 
Eke 9q 8dbiUe««M^».,ift nk^b^ 4)iA(^h)fm|irfk|jpp, 1^^ |I| 7; 
kd«bc(t«iis wf die T^cht«« kAtt^. ^ m«)^r jginjfibvfts f^Q4 



. *) Schon GoihcfreduM deutete auf die imaginariae Tenditfonet 
(ad Xn Tabb. p. 73 fL). Bymker$Mf^ 4« 4li^ ^Qi4« X^^* eeiU 
opiiSG* var. arg. II, p. 132 ff. 



/ 



- / 



— 1^4 - 

f 

morihuM vel turpem'tponfumpaier ti tKga$ (UI|k ^0* 
Dagegen konnte er die line mana eingegttmene Ehe 
seiner Tocbter auflosen. S. Eton, fri^fm. Cres]^/7. 
Iniurta obi ie €pfficwr indigna pater. 
Nam si improbum Cresphontem existimameras^ 
Cur me Ruie locahas nuptiisf $in ««/ pr^uij 
Cur ialem invitum invitam eogi$ Hnqueret 
Plant. Stich. I, 1, 14 If. n. 2, 73. 74. 

— out olim nisi tibi placehant^ non daia$ opariuii^ 
Aut nunc non aequum e$t abduci pater — 
In keiner von beiden Stellen l3|gnet die Tocbter das 
T&terlicbe Recht^ sondern sie batten die Trennunff nnr 
far unbilHg % Das Reeht des Vaters, ira Todesfcdi fur 
seine' Kinder testam^ntariscbe Vormunder zu besteliiBn^ 
ist scbon in den XII Tafeln ausgespr^cben : uti tegasnt 
super pecunia tutelave suae reij ita ius esto. Ulp^ Xl, 
14. Gai. II, 224. Cic de inv. II , 50. anct. ad Her. I, 
. 13. Dirks^ns Uebersicbt S. 320—342. Endlich ist noch 
das Recbt des Vaters zu erwftbnen, das neugebM^ne 
Kind auszusetzen und zu tSdten, jedocb mit der deia. 
Romulus zugescbriebenen Besckrankung, das Kind vor- 
ber funf Nachbarn zu zeigen und deren ZnstiiBihanj^ 
einzubolen, welcbe sie geml^s versagten, wenn es nicht 
partus drformis war. Ebenso befahl Romulus , nicht 
Sobne,* nocb erstgeborne Tocbter, njocb Kinder water 
3 Jabren zu tddten. Dion. Hal. 11, 15. Diese Ausnah- 
men steben nicht im Widerspruch mit der oben im 
AUgemeinen von Dion. Hal. U, 27 ansgesprochenen Ei^ 
lanbniss, die Kinder zu todten, sondern sind als gans 
besondere <7esetze zn betraebten, welcbe deih Miss- 
brauch des Aussetzens und friiben Tddtens Schranken 
setzeti sollt^Ui obne dass sie mit der wabren patria 

Sotestas zusammenbftngen **)• Die Wiedelrbolung des - 
lecbts Oder sogar de^ Pfliebt, die Missgeburteh zu tdd* 
\ ten, ist in den XII Tafeln ausgesprocben, Cic. lie leg* 
' Hi, 8 Deinde quum esset cHo Jegatus (se. tributtatis -^ 
statt legatus Tielleiebt necqtus)^ tanquam esF XII ta* 
' hulis insignis ad drfarmitaieim puery brevi tempore, 
recreatus multoque taetrior et foedior natus est. Dirk* 
\ sens Uel|ersicbt S. 264 — 270. Ein Beispiel erzftblt 



*) fFdchiertr ^entAkeidangen S. 97. « * 

**) BoMsoJd synqprn p.' 14 sqq. 

- / 



/ 



— 2Q5 — 

Lii^ XXVtl, 37 und allgeraeine ErwShnnngen der ein- 
Teissenden 'willkiirliche^ Todtung finden sich Sen. de 
ira I, 15. Macrob. Sat. VU, 16. Erst in der spfiteren 
Kaiserzeit wurde diese ISitte streng verboten. 

J3. VermogiengrecAte* 

Im alten Recfat gait ^as Priacip der vollstandigen 
Yermogenseinheit, indem das ganze Eigenthum (famiUa 
jS. 173J in der Hand des pater familias ruhte und das Haus 
civilr«ch(lich stets )iur fiif eins angesehen wnrde, ivenn 
der Yater seinem Sohn auch alle Freiheit faktisch ge- 
geben hatte (et domu9 u^a et nnus dominm nominatur 
Lact. inst* div. IV, 29). Aus dieser unttas zwischen 
Yater und Sohn folgt natilrlich 

1^ dass zwischen beiden kein juristisches GeschMft, 
wie oUigatio oder actio stattfinden kann, ebensowenig 
ais zwischbn Greschwistern , weiche nnter einer potestas 
stehen ; Gai. lY, 78 nnlla (inter) me et enm , qui in po- 
testate mea est, obligatid nascitur cett. 

2) dass Alles, was der in patria potestas stehende 
Sohn erwitbt, nicht ihm-, sondc^rn seinem Yater gehSrt, 
es mag im Auftrag desselben oder auf eigtie Hand ge- 
schehen. Dion. Hal. YIII, 79 ^Fcofialoig yotg oviiv idtov 
iaxi rxrifxa ^wvrwv hi riov naxlQuiv. Suet. Tib. 15 heisst 
esiom Tiberius^ tiachdem er adoptirt worden war, nee 
quidqnam postea, pro patre familias egit , aut ins quod 
(adoptione) amiserat, ex ulla parte retinuit. Nam «e- 
que donavit, neque manumisit; ne hereditatem quidem 
aut legata percepit ulla aliter^ quam ut peculio refer-- 
ret accepta (er ToUzog kein civilrechtliches Gesch&ft, 
tind was er erwarb , war nicht sein Eigenthum , sondern 
pecniiam s. unten). Sencc. de benef. VII, 4 omnia pa^ 
iris sunt , ^uae in liierorum manu sunt, Ulp. XIX, 18. 
19. €iai. II, 86. 87. acquiritur nobis non solum per 
nosmet ipsos^ sed eiiam per eos quos in potestate^ — • 
habemus. Jgitur quod liberi nostri, quos in pot estate 
AabemuSj idem quod serf)i nostri maficipio accipiunty 
vel ex traditione nanciscuntur sive quid stipulentur, vel 
ex alia qualibet causa acquirant, id nobis acquiritur.* 
ipse enimqui in potest ate nostra est, nihil suum habere 
potest. Et ideo si heres institutus sit , *nisi nostro iussu 
hereditatem adire non potest; et si jubentibus nobis 
adierit, hereditatem nobis acquiritj proinde atque si 
wfs ipsi heredes instituti essemus epiU III,. 163. Doch 

15 



; ' 



226 



'« 



gebt AieBMiBepr&ientaiianfverkaUniit' zvnMtk%n Sohn 
nnd Vater nur so weit, dags jener des Yaters Yermogeo 
durch seine Haadlongen vermehren^ aber nicht vermm- 
dern kaim. Darans £olgt 

3) dass ivean der ^ohn Schutden machte, der Vater 

2a deren Bezablung nicbt TerpflichteC war. Ter. Pborm. 

II, 1» 70 ff., wo der Vater den RaCb giebt,' der Soba 

bftite borgen soUen, antworlet G*: hui^ dixti pulchre: 

$i quidem qui$quam crederet te vwi. Cic. p. CaeL 7. 

erwiedert anf 4mi dem Caelins geniachten Vorwarf, grosse 

Schalden gemacht zu baben, tabuloiy qui $n patrii pa~. 

f estate est^ nullai co^ficit. Da es aber bei dem al^e- 

laeinen SittenTerderbniss gleichwohl vorkam, dass Sobne 

namentlich auf den Tod ibres Vaters borgten (Hor. 

Sat. I, 2 9 16 f*), erliesa Claudius ein Gesets gegen solcbe 

Darleben, Tac. Ann. XI, 13 lege lata $aevitiam (Hab- 

sncht) creditorum coercuit, ne in mortem parentum pe- 

cuma$ Jilii$ familiarum fenori darent. Gieichen Inbalts 

^war ein Senatasconsi|lt (Macedonianum) unterVespa- 

rianas bei Saet. Vesp. 11. ne JiUorum fam. feneratari^ 

hu$ exigendi crediti iui unquam efset^ Schillings Bemerk. 

S. 320—322. Diejenigen Falle, in wdcben dejr Vater 

fur seinen Sohn zu hafiten gezwungen ist, z. £. wegen 

Delikt oder anderer Geschafte, s. im Obligationenrecbt, 

Cap. IL — £s verstebt sieh endlich von selbst 

I 4) dass der Sohn das Erworbene nicbt verschenken 

;BOcb testamentarisch daruber verfiigen kann, Ulp. XX, 

'; 10 Jiliu9 fam. testamentum facere non poieit , quoniam 

j niiil 9uum habet^ ut teitari de eo poait. Cic. de leg. 

^H, 20. 

Eine besondrte Modifikation erlitt die Bestimmung, 
dass die S^hne nichts fur 9icb, sondern nur fur den 
Hausvater erwerben^ konnten , in dem alten Institut des 

Peoulium (Deminulivum von pecuniae ^ yerwandt 
mU pecui^ als dem Haapttbeil des alten Bomiscben 
Reiphtbums Fest. v, peculium und abgregare p. 130. 214. 
20. ed. Lind. Colum. de re r. VI praef. Isidor. V, 25. 
XVI, 17). So nannte man namlicn diejenigen Vermo- 
gensstiicke, welche der pater fam. seinem Sobn oder 
seinem ScLsven zur eigpen Verwaltung in die Hande 
gab , so dass diese bei Lebzeiten nach Willkiir daruber 
verfugen, ja sogar Schulden darauf machen durften (in 
welchem Falle nicht der Sohn, sondern der Vater von 
dem Gl&ubiger zur Zahlung angehalten wurde). Dock 



' — 227 — 

HtBnA dem Vater am jedar Zdt ZQi^ucknahme dieses Be« 
sitzes za , so wie eg aoch im Falle des Todes, a& den 
Yater zuruckfiel, denn eiiie lestameattfische Yerfiiffiing 
war dem lohaber nieht erlaubt. Diis dorch Handel nut 
Bewilliffang des Yaters erwerbene pecnljiua .erwfthot 
Plant. Merc, I » 1 , 95. Mebre Beispiele s^ im Sdl^ 
Trarecht. Fragm. Yatk. §, 255 £ 260 » 26t, 

Das von den Hanssftknen im Kcieg oder dnreb £rb- 
scbe^ .Ton Freanden im Felde erworbene Gut biess 
peculium caiireme *) , . weldies scbon vor Altera doreh 
das Herkommen als eine Art Eigenthum des Sohns gegol- 
ten baben mochte; wenigstens sagt Jav. Sat. XYI, 51 ff. 
Soli$ pra^ierea teitandji mUitihus iui 
Vivo poire dttimr: nam quae eufU porta labore 
MtWiae, plaemi nen e9$e'in cerp&re cemuf^ 
Omne tenet cuiu$ regimen pater* 
GesetzUcb wurde das Recht der testameatarischen Yer- 
fugnng erst dnrch Auffiist nnd wiederhqlt durch Nerva 
und Traian ansgesprochen UIp. XX § 10. 



Dritte$. CapiteL 

Aufhebun^ der vaterlichen Gewalt. 

Die Tftterliehe Gewalt wird anfgeldst 
1) dnrcb den Ted de^ Sohnf eder dee Vat ere. 
Kinder des Haussobos , welche bisher unter' ihrem Gross- 
crater standen, kommen, sofaald ibr Yater dnrch dessen 
Tod frei wii^d , in des eignen Yaters potestaei. , Ulp. X, 
2 morte patris Jiliue et Jilia sui iuris fiunt: morte 
auiem api nepeiee iia demum mi iuris jSvuif , si post 
marjtem 0»i in poUstaie patris Juturi non «tt|il cM* 
£bm«« GaL I» m. 



*) Ate dai Princip der Venaogenselnheit fn der KaisMzeh 
Itniner mdir erschHtteit irorden war , so entstand ans fenen das 
quasf easirense peculium^ d. h. ein Verm6gen des Haossohns, wel- 
ches er sich aaf Velieblge Weise erworben hatte , wobei nnr die 
Fiktion gait , als bb er pater fam. ware nnd alle Frivilegien det 
^gendtchen peculiam genoss. Auch adv^tUium pecuUum i^t eine 
spatere Erweitening des alteu peculiam, Indem der Sohn Erlanbniss 
erhidlty yon der Mutter Vermdgen zn ererben nnd nnabhangig yom 
Yater zn yerwalteiu ^Smmerns R. 6. I, & 669—698. 
' 15 » 



# 



— 228 — 

2) dnrch Verlust deir CMi&t des Sohna oder des 
Vaters, denn das Yerhfiltnisg der patria petestas ist nor 
bei Rdmiscben cives anzawenden, mniss daber alsobald 
verldscben , Mrenn Yater oder Sobn der Ctvit&t' oder gar 
der Freibeit verlustig geben^ z. E. darcb Exit, Deporta- 
tion u. s. w. €lai. 1, 128 nee enim ratio patitur^ ntpere^ 
grinae homo condiiioms (z. E. ein Exilirter) eivem Romar 
num in potentate habeat — tieque ratio non patiiur, ut 
peregrinae conditionif homo in p^testate sit eivis Bo- 
mani parentii. Aehnlick Ulp. X, 3. Im Fall der Kriegs- 
geifangenscbaft bleibt das Verbfiltniss snspendirt, weil 
der Gqfangene vermoge des ins posdiminii zarackkebrea 
' nnd seine alten Recbte wieder erbaken kann. S. S. 158. 
Ulp. X, 4. Eine ftbnlicbe Ausnabme sebeint bei der 
Relegation gemacbt worden za seyn, Ond. trist. V, 2/2i 

Nee viiam nep opes nee ins mihi civis ademit; 
Ipse (Augustus) relegaii non exulis ntiiur in me 
Nomine cett 

3) in dem einzelnen Falle, wenn der Sohn fiamen 
dialiSy die Tocbter Vestalin wurde, Tac. Annt iV, 16 
quando exiret e iure pairio qui id flaminium adipiscO'- 
retur. Ulp; X^, 5 in potestate parentumycsse desinunt 
et hi, quiflamit^es divales inauguraniur et quae vir.gines 
Vestae capiuntur. Gai. I, 130. Ill, 114. Gell. 1, 1^. 

4 4) die bisberige Taterlicbe Gewalt erloscb durcb Ar^ 
rogation des Vaters und Adoption des Sobns (S. S. 218)9 
aowie durcb strense Yerbeiratbung der Tocbter (S. 
S. 181), und die Kinder treten in eine andre potestas, 
entweder des v&terlicben oder des eignen AdoptiFvaters, 
oder ;de8 Ebemannes. 

5) Freilassung des Sohns aus vILterlicher Gewalt 
(mandpatio) gescbab 1) bei' datio in adoptionem, wo- 
durcb der Sobn nacb der Freilassung in andre Gewalt 
iiberging Plin. ep. YIII, 1 8, s. ob. 2) bei der reinen Freilas- 
sung, welcEe emandpatio*^ biess. Dieser Akt ist wie die 
Adoption aus Mancipationen und Manumissionen zusam* 
mengesetzt, init dem Unterscbied, dass diese mit Ueber- 
lieferung in eine andre Gewak (vindicatio in potestatem) 
sebloss, die Emancipation dagegen mit voUst&ndiger.Ma- 

*) Unierholxner yon den Formen der mtfnamisslo per yindiotam 
und der emancipatio in'd. Zeitschrift f. gesch. Rechtswiss* II, Sk 
157—164 (dber emanc). Zimmems R« 6. 1, S, 823— 827» 



/ 

► 



— 229 — 

\ 

namission (Freilassang). Sonst war es rank dasselb^ 
Yerfahren , bei welchent aucfa dieselben rersoben zo- 
gegen aeyn. mussten* Der naturliche Yater mancipirte 
nftmlich seineb Sobn Sinal an den pater fidaciarins (s. g. 
veil er in dem vorausgegangenen Yertrag oder fidacia 
versprochen hatte, d^Q, Sobn 20 mannmittiren ; — ge- 
wohnlicbwc^r.eB bei alien 3 Mancipationen dieselbe Per- 
son, obgleich es nicht gerade nothig war, 6ai. I^ 132 
iunc iertio eum pater mancipat vel etdem vel alii; ted 
hoc in U8U est ^ ut eideti/i tnancipet); dieser (der pater 
fidalcifttius faemlich) itianumittirte den Sohn nach der ersten 
nnd zweiten Mancipation , nach der dritten aber reman- 
cipirte er ihn dem natiirlicben Yater (auch dieses'^war 
Torber aasgemacfat worden, denn Wenn der pater fidu- 
dariqs den Sohn fireigelassen batte, so wurde er, hicht 
der Yater Patron^ des Sohns geworden seyn, ^Gi^i. \, 140 
lioiBi' quodammodo tunc pater potestatem prQpriam re- 
tervare sibt .videtur eo ipso ^ quod mandpio recfpit)^ 
welcber ibn nun felerlich in \ UEfrtatem manumittktei* 
wodarch er sich iiber seinen freigelassenen Sohn Patro- 
natsrechte erwarb, welche im Erb- nnd Yorraandschafts- 
recht nicht ohne Bedeufung Waren. Dreinialige Manci- 
pation wait Dfothwendig (Gai. II, 141r Ulp. XXilll^ 3), 
well' d^durch erst die V^erliche Gewalt erlosch. 4nd di^ 
t&terlii^e Freilassitng mnsatc^ ^folgen, damit deriS^oilili 
w^hrhaft unabhftDgig vqd A^m. Vater werde« XJI^. ]Sji',: !«« 
Uberi pare^tum ff^estaicxliberantur emuhcip^ifome y Jdi 
€stj H p0stea quam mancipati fuerinf'y. m^huinissi) 
sint*. &tdjiliuf quidem ter mancipatus ter fHtm^mi$s^.s 
$»i iuris.Jit: id.enim Uan duodecim tabulariim iuhfif bis 
xfttbis: si pater Jilium ter venumdavii, Jilins a patre. 
Mkm est^^ Ceteri autem fiberi praeter filiwm,^ torn 
mascuii quttmfeminae (l^kel und Tochter) una^ mancir 
paHona manumissigneqfte sui inris Jiunt*)^ Den oben 
neschriebenen Akt .vcbildert noch geiiauer Gai..I^ 132;. 
der leider luckenfaafte Schln^s ist erginzt ' von Hu64()pk«. 
(fitadien d. R«m. Reikis ^.203 t), jBin alt«i9 .Bei^pjiel ' 
ime Emancipation erwabnt liv. Vll, 16 von (Q-LiciniiM 
Stolo emaucipando Jilium cett. , doch ohn« weitere An- 
dentung^D. ' . : 

> ^ : • " \ • •• 

' /.. - < •■> .1 ■ . . f « i. li^ 2 f' i t 

*) pie KMs^ hqbwi di^ Weiflaal^ig^eitep dipses (^s^j^u aof 
niidijgteV^nfi^ii, TQllguUlg^iJlmaiidpatioa dvrch' em R^fliftipt Jo4^ 
itertfcJWilUt %hlar?iDg^ yqr dm Riohtei? 






^ 



230 



\ 



A n h a fk g. 
. Irehre tob der Yerwandtschaft. 

A. Ve fib unit $tkafi. 

... I)a8 aach im Civilrecht sehr eiDflussreiclie RBmiscbe 
Faiiiilienband lasst sich in zwei Hauptbeziehnngen nach- 
iveisen, iokdem as eotweder auf Geburt oder auf Heirath 
beiuhte.,!;{«nes Uiegg cog-iia/to im weitenten Sibn^ die- 
ses qjyinuai. 

I. Cogaf^tio L w> S.. 

Die BSmistbe Bfutsverti^andtscliraft war enmeder 
IeibUch:'iittd'juir}stisch zagteich (a^natio, doixh Oebnrt 
be^rflfndet), bdifer alkiti jdristisch {^agHatio ixttth ji^-^ 
dwc^jB lf<tit(l?uiiFei» btrVorgebracbt)^ odet endlith allein 
leibfich {cognano im ten^^h Sionej. 

i, Agnatio. 

• .' • ' • * 

So heisst die civtlreeKtli^ibe Ypirwatnllgelialll, ge^n^ 
d»b kni das dorch' Erzeugntig (Idblich^ ) oder Adopdonr 
Mfirkltische) entstandene Veri^ltiii^ irwiscben Vtfter ttn^ 
Sbhn ffniria' p^testaifj J und'tifnfilsst nar solehe Perso- 
Aen^ "iRHfeleh^ Msamrfiidii in eiAer'pOfe^tas stelien, gestann 
de^ bateti odfef stebenr v^iird^n , wetin nichi det '^d ^e», 
paler familias sie gefreant httt^e. Gai^III, 10* tftkanivr- 
agnaf$^' qui legitima (civitreeh%)iche) eognati9miim€t4' 
Htht, , Leg^ima amtem co^atio est ea^ qu^e'^erf>M^ 
AV 8€xn$ penonas cmiimgttut. Ituque qui eoMit^ptt^ 
nati $unt /ranges aghati sili^unt^ qui eMm^ i^tmsan^ 
^ guinei tdcaktur; nee t^quititfKr , «ii #MnN mmitem 
40ndem hateani. IttmfoirUns fruarU jHHo ^Himieem 
i* iUi dgWBdui e$t. Eodem i^fhnei^ i^na 'fru^et pa^ 
'iru(^9 iMiP' s9 i. e* j^i ex dMiUi fpufrihui pfogeke^ 
tfHH 9untii^qHn% pIeriq«e*e$4aM e^m&bffiidf wMnt, jifJb 
rutione ioOioit 4tium ai phtres groMi agntUiemif pe^ 
venire poierimus. Gai. 1, 156. Ulp. XXVi, 1,'WO 
erwfihnt wird, dass Bruder and Sch wester die nftchsteii 
Agnateh w&ren^ denn aucb Friiaen sind Agnatinnen; 
d^ stnd si^ nicbt in alien Graden den mftnnUcben 
gleich berecbtigt Gai. Ill, 14. Libertim. sieti habeii 



— 231 — 

keine Agnaten, welche sie nur durch Adoption erhalcen* 
Man kdnnte sie zwar auch' als Agna^en ihr;es Freilasserisi 
(Patrons) denken, doch sie stehen gegen densdben in 
etneiii untoigieordnfiten Yerhiiltniss , kdnnen also jenen 
nicht ak Agnaten betraohtem Duroh juristisefae Hand- 
Ivngen, wie adoptio, in manam conventio schiedon die 
Romer aus der bisherigen Agnatiom heraas, und kamen 
dadarch in eine neue; nnr'cognatlo im o. S« blieb amrlfcck. 
A|s Folge dieses Familienbands steht den Agnaten 
nnr Erbrecbt and Tutel fiber die linmiindigen Agnaten 
zn. Ulp. XXVI, 1. Gai. Ill, il ff. S. Erb- und Yor- 
nmndschaflnreoht* • 

2. Cognatio. 

Daneben bestehl nock eine auf gemeinsame Abstam- 
mnng begrnndete naturliche Yerwandtifcbaft, welcbe in ' 
aofern viel weiter ist^ 9k sie ansser den jpristiscben 
Agnaten auch noch folgende Personen nrnfasst: 1) ehe- 
ra^dige agnaiij weldie dutch eine ji^ristische Handlung 
ana der agnatio ausgeschieden sindy 2) NiekibUrger ^ 
(peregrin! und servi , welobe der Agnation unfahig sind) 
und capitis deminuti , 3) Abkommluage der Fraueo, also 
auch die unehelichen Kinder, Halbgeschwister u. s. w. 
Qai. I, 1,56 qui per feminini $exm personas agnatione 
iungwUur^ non sunt agnatic sed alia$ naturali iure 
eogkati^ itaque iwter avumculum et sororis Jiliam non 
agnatio €$t J $ed cognatio, 158 agnatianis im capitis 
4sminutione perimitur^ cog^atianis vero ius cap, dem* 
non commutatur, quia c^vilis ratio ^ civilia quidem iura 
corrumpere potest y naturalia vero non potest^ Doch 
gehldiese Yerwandtschaft nur bis in das 5* 6. oder 
7. Glied, weil man annahm, dass das Blut mit jedem 
Grad imilier weniger gemeiaschaftlich werden miisse'i'); 
Die Geschwisterkinder hiessen consobrini, die JCnkel 
der Geschwister soBrinu 



I 



IL Affinitas. ' 

. , Wean sicb awei vorher nicht verwandte Peraoneii 
ehelich verbinden, so entsteht dadurch :;wischen ihren 
beiderseUigeiv Famjlien dn ver wandtschafiUehes Yerhalt- 



i ' 1 11 i j i I < I 



*) S. HusMes StadieA I, S. 117 ff. 



/ 



— 232 — 

« 

niss qffinUjat geoannt, and sowohl Sch wager omfasseDJ, 
als Schwieg- and Sliefehern nebst den Kuidern u.^s. Vf- 

Die Bedeuiung der cognaii und ^ffinei im alten 
Borbiscfaen Recfat war von den Gelehrten nicfat beachtet 
worden, indem man bios die in der Kaiserzeit anf Ko- 
sten der nach und nach verdrlLngten agnati bervortre- 
tende Geltendmachang der cognatio im £rb- und Vor- 
mundschflftsrecht anerkannt batte, bis sich Klenze^) das 
Yerdienst erwarb, dieser Vetwandtscbaft ihr altes Recht 
zu 'Vindiciren. Die Gemeinscbaft dieser Familienglieder^ 
fur welcbe die Namen nece9$arii^ propinquiy carif 
HffiiW vorkommen (Gell. XIII, 3. Ve^U'^ necestarii $uni 
ut AeliuB 6 alius ait, qui aut cognati aut affines sunt, 
in quos necessaria qfjieia co^feruntur praeter ceteros 
- n.-A.), war uralt, enger als die der Agnaten und wabr- 
scbeinlich religioser Natur (earistia bei 6vid. Fast. II, 
617~r638. Yal. Max. II, 1, 8 u. a. Stellen bei Klen^^ 
S. 14 ff.; vielleicht dei^fen ancfa die von Fest v. publics 
0kcra ausser den gentilicischen genannten sacra pro fa^ 
milHs daranf bin). . Ibre alte Verbindnng zeigt sich 
ausser den Berecbtigungen der Familienglieder in m^^ 
rern alten Sitten und Gebraucben, wobin das zwiscben 
Cognaten und Afiinen bestehende Ebeverbot ( S. S. 167) 
Klenzb S. 17 — 21), so wie das den nacbsten Cognaten 
zustebende ius osculi, welcbes Polybius (fragm. bei^ 
Atben. XI ^ p. 440.) mit Recbt als Symbol des Famiiieii'* 
kreises aufstellt (Klenz4 S. 18 f.)) ferner die Trauer^ 
pflicbt der Cognaten, das aus den Cognaten zusslmmen^ 
jesetzte Familiengericbt iiber Fraueri und Kinder **y 
[S. S. 190 ff.) u. A. zu recbnen ist. '^^ 

Rechtlich aber«tritt die innere Geschlossenbeit 4^s^ 
Cognaten- und Affinenkreises in elner doppelfen R^tik- 
sicbt bervor, I. in mehren' von dem Staateikfien dvf- 
erlegten Beschr&nkungen*^); so 'war es den Cogpaten 
bis zu den Sobrinen nicbt erlaubt, als Ankli[g6r auf- 



*) Die Cognaten und Affio^n naeh R6tDischem Rechte in Ver- 
gleichnng mit andern verwandten Rechten, in der Zeitscbrift f. 
gbsdMchtL Recbtswissensoh. *'VB, 8. 1—200' (die Horn. >Verhalt- 
Ase 8. 1 — 114). ' . 1 « • .. > 

**) Todttag der Frau oder der Kinder ohne^ Zii^^mmnng des 
Hausgerichts gait als parricidium und wurde als soldies bestraft.- • 

♦*♦)' jnCT!*e S. 35 — 40. ' -...'' 



s 



—- 233 V . ^ , 

zatreten, welcbtf m dcrr lex Servilia rf peCandaniQi Wfk 
drucklich gesagt wird , wahrscheinlich aber von ml^ 
iadicia pubnca gait (lex Serv. cap. IV. ed. Klenz. S. 14, 
ed. Haabold S. 30.) , ^bensowenig durften des Klagers 
Cognaten Richter seyn (lex Serv. cap. VIU. ed. Kl. S. 38^ 
Etaub. 39), und kein Cognate kohnte zu einem Gegenr^ 
zeogniss gezwungen werden (nach lex Julia L 10. D« de 

trad, et aflF. XXXVIII, 10. 1. 4. D. de test. XXII, 5.), 
Indllch bestand auch noch das in lex Licinia u. Aebntia 
ausgesprochene Yerbot, dass wenn in einer Rogai^n 
ein nejies Aint oder sonstige Commission vorgescUagan^ 
-wiirde,' kein Cognate oder Affine des Vorschlagendeaza! 
dieser ^telle erwabit Werden dilrfe. Deshalb tadelt Ci^ 
cero den Rullus, welch ex das Ackergesetz vorgescblagen 
i;ndsichzam. Decemvir agris dividuddis batte wahlea 
lessen, undsagt'^a RuU. II, 8 Licinia eit lex atque 
Qlier,a Aebutia^ quae^nou modo eum^ qui tulerit de 
al^ua curatione ae poiestute^ sed eiiam cqllegas eius^ 
cognates ^.yaffines excip.it ^ nf eis potestas curatiovq 
We/«r ^ ./■„, . . j .; 

11. in Ber^chtigungen der ramUiengheder unUr 
einander* 1) In Bezi^nung* auf VhmUnaige und di^ 
Schutzes Bediirftige^, z. £. Wahniinnige, batten, diy 
^ognaten und Affinen, welche zu einem Familienralihe 
Tusammentralen , alien ander<i Personen gegenub^r Aov-^ 
'SpruLcb auf deren ErhaUung. und bildeten gleicbsam:ein'^i). 
i)bef;vormundscb9ftsrath. Hor. Epist^ II, 2, l36. 2)', Ein^' 
gewfsse GescJUoss^enheit ^des" ]p amilienvermogens zeigt^ 
sipb • ia mancben einzelnep bevorzugten Ansprucb^a^ 
welcfi^r Cogna^n. und Affinen' auf das yerraogen.,dep 
yerv^m^dtejir/inachen Jurjftep, so in der Erlaubaiss^^d^f^ 
Cogn9Ltej|.u.. Affinen, nacb Belieben bescbenken zu djGiri; 
fen, yofape.durQh diejjSestimmungen der^ lex Cinoia .ger 
b|iM<^^..^u kefu. Dieselben Verwandten g^^osfien,ijacB[ 
lex^4ina manche erbrecbdicbe Beguns0gungeii undl.wufy 
i^n ^ch.^r/^. August^ vpn der £ibscb;itts^te'uf4r 'aus- 
ffenonm'en, wefcbe dieseir ' exrichtet (5..-pro. .v^nt,' Dio 
Lass. ^ V, 23.^ e^^arr^v twv za xArjQoiv -rr xaiWT^caT.o.^ 
und Caracalla' auf 10 pro Cent erbobet batte Dio Cas^ 
Il^^J^VlI, 9'*)« jDie .Ai^nabipie d'eV Vej wandten, bfi'lch- 

*) Die spateren: Verandemngen and abennalige Herabselzoii^ 
$iiX^enz^ S4 69 f. ;I7ekec 4ie.;St^e boi' ]Pii%:P«#i9g. d7*««^'t« S. 



■ I 



— 234 — 

I 

fet VUn. Paneg. 37 — 40^9 wo aaeh evbellt, daas die iurd 
cognationii an neiie fidiiiitch« BSrger nocb maz be- 
fonders ertheiit werdea mnsBten, urn der Fremeit too 
der Erbsdiaftssteuer dadnrch theHhaftigzawerden. Nieht 
weniger erfaielten Cognaten mid Affinen dnrch lex Jfnlia 
et Pama so got wie Ehemann and CSattin $oMi cqtpaci" 
ta$ (iJlp* X^ 1 Mer $e solidunt capere ptmunt Fragm. 
Vat« § t58) 8. Erbrecht. Ansser diesen den Verwand- 
ten zQBtehenden Ausnahmen Ton manchen dispositTonsbe- 
tfchrftnfcendenBestunmangen , batten sie nocb einen an- 
dem Anspmcb an das Terwandtschaftlicbe Vermdffen,' 
nemlicb ein gewisses Vorkattfsrecht (n&cbst den €Hta« 
bigero}, urenn das Yemidgen eines verscbnldeten Yer- 
wandten ^nm offentl. Verkanf gekommen war. Klenze 
S; 73 f. Diese An^prirche ' warden im Verlaaf der Zeit 
immer mehr^ anerkannt , so dass im Prlitorischen Recht 
die Cognaten and Affinen sogar als Erben benifen war-r 
den, iiacbdem die Gentilltftt m^ in den Hintergnind . 
getreten war (wena? ist onbekannt^ s. Klenze * S. 76 ff^ 
and dass dieselben zugleich aacb zar Vornrandschaft 
Verpflichtet waren, jedocb nar in den drei nachsten 
6raden *)• 3) Eine Beriicksicbtigang des Cognaten -* and 
Affinenkrdises erscbeint in der gerichtlichen Stellver- 
tretungy, wekhe in dem Sltesten Legisactionenprozess 
eifi^endicb gar nicht zulSUsig war. Dennocb bestanden 
Awb 'bier ^ Gunist^n. der Verwandten Aasnabmen/ z. E. 
dass" wegen dines Mords die Venirandten des Gemorde- 
teh'Vor all^ti Andern das B»dit, za 'Uagei^ baben sedTjleii 
tpro 'papula Gm,1V, 82), daiis die Verwandten in Frel- 
n^lsprozessen {de liheftate 6ai* a. a. O.) Tor allien An- 
liein' stdhrertreten bollten, - wie dieses ans dem Prozess 
det'Yirginia erhellt, in welchem die Yerwandteti 'sieb 
devselben annabmen und die Sponsion leisteten (Liy. lU, 
46 ipondeniibut propinquii). Als im Formularpr<|zesif 
(s. Actionenrecbtf'^eHvertretnng aberhaoft znlaiBsi^' war, 
warden die cognitores and procuratorec^ Vor^uglidi aas 
Aem Verwdndtenkreise genommen. C^. Yerr. II^^4^ 
togniiar&H adscribii SihehiQ^ guemf cognkhim Mi^ueik 
aut j^apinquumf nan* 

JDass von diesen Yethtttbissen and Reebtei/- iM 



. ' 



bios Cognaten and Affinen als Erben and Vormunder. '" ■ 



4 
I 



235 



Eh^TCtbot, die Hmigtol^^hte, die Trauer^klit «der Hile^ 
Bten Periods atigeh5renj fin tfeleher ^e StaBimreelttd der 
Patrkier ls0eh alleiii g«ltig waren« iiit nieht ttnwalir- 
sbheiitlieh *), wlkkfeiid die andern Besthfttnttiigenf ii» i^r 
folgem^en Zeit, Wd das Pkbejisehe Kebhe und sMtar* 
dtts BUIlgkettfitikystMi 4m iud geittianf ^^ QbeFhaMd gen*- 
wann,' hinEufrlftaii,. ». £. sftmiHllkbe PiraKidsbbe Vi^-! 

4 - 

ifigdDjgfen n. a. ' ' •" 



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I* * * 



- WIcM^ (dud di(» altt»n< €teMs«fe<i^«Aaii der gmK^ 

g^miaoi)^ ^9Mm tdten $a dan Xlt Tafcln ids Erbba^ 
re^tigfa''giaiiaoni linden ^Itti' Fall daiw atmr a«s IIh^' 
ge^ obA^ llfiid«riJMd(A|iiataii T^ttiU^be, 6ai. Ifl, f7«' 
Trottt iMm il«it^^^la- Jabra ai^ij grbs»a Uag^'urisih^ft' 
lAair A#aan fie^Ur gawakat ^ dann^^di^ ifrcibere^fisiebti' 

ffir ama wiq|ara "Vafi^miidtisahrft «i^ '*^) , isi* sahr rnyber 
stMttit und durtfh ^i Qoailan nioht «irta«btfenlgan, da 
dia BeaaMrfftgM^e^'ift. /aatl)Mtf nfditiMkan t^ai'WaclE* 
self %#f dM J). 'M^nrtftb weifig iiit eki* andf e Sbhffnp-^' 
tang, 'dass ^9»# «ina^aoldia 'ti^i^irndtadhaft-bazi^liMba^ 
wakba aich tticb»>fiiebr durah danStamitibaani^^aQ^ani' 
Vkm durch den gahililitfsameti 'Nlsnfan}imd aa^ra gattdKeifii^ 
Bildhwaftm' tesa#/ sinMnabmian' '^% wdH ^keine ^^dan^ 
%iallai» v«M^ eiuar Va^#mid«i^af^ i^rlbfet ^nd wail, '^e^ 
. die ' J^ntilaa tft^pHkiglidbtnerwandi gawaatea "Wftran; siel^ 
diaaas a^r «8air dar^iXil IMebi, ill tviiSchea '^i« aeho\[» 

nr '"'^ ' ' .• -l . / ■ . ' ■, -r ^." - '■ ' 1 

^ **)C^',P*Jmfaiii$>uih 'd%,^rer* Hoaic-'g^tiaw at 4luiiili{8.<' RoM, 
1907. JVifrftfifti't'ltaDu'tGMelk. M& SS9--d59; J^iD; C >^ft€}i' de 
antiqid' ^ofdlonim .iaH»<4ieV6dla!ftt »a)£a mim «pAiitt itatn ^i^rilil 
Hann. 4824. d«. tl-^l. 4^>iUirM>^ ReehQ^g^Mfh. I,. 6. 847-'— ^501 

potentate et statu famifiae. Amst. 1831. S, 19—26. 93 f^ j 

'***) Bemecc. synt. ed. Hanlbold S. 494 f.' Koenen S. 20 S» ge^ 

gai'MelMdtf*.. . '.; < ■-': ':' .-; -'. i ■ - '■ ,t v ^.^ / 
'q->AlKiT* fl, 49.^V^ 40. m-SMgtir iklam 4h Mt&la f^Wvta ili 

Zt^mism i^ gmmMl. Redi««iHM. il| d. 384 t > - • ' ,r 

ft) Hu4cAii;et Studieil S, 196 ff«' . . : 



^ 236 -. 

eriyfthiit wer Jeo, gewtes noch aaeJtweUen lai0i^ mvmt0f, 
Vi^Un m sp^ter aud^ nicht mehr mdglieb geMQi^|0n ttl^re* 
Erst Niebuhr war eg vorbehalt^n^ wie in Tii^n andero 
Diiigea, BO aach hier ein neues.Lioht au vetlMrehen. • 
£r griindet G^ntilitat nicht auf Y^rwandt^^haft^V wohl. 
aber auf et^as Aem AnaIo|;es, peii^Uf^, da»9 di^ gentte 
(Abtheilnngen der grdsMren Tfibiis,,ifi.rW^lobe derRo- 
mische Staat nach nralter Einrichtqng zepfie.! s«:SwJI7) 
wiUkUrlich oder %t{fallig mit der Ve^oimng selbit ge^ 
hildeie genossetucia^Uche^^ Verei»0^ i^n J^umilien gewe- 
aen, welche sich Wie Verwandte angesehen hatten, deren 
dwcb .eiiien g^ioj^inaameii viHir ^b^m'taboibaffleii-E^ny- 
ipu9 ejrhaltenen Namen bcsseicbnjBt^ Qelneji|«chaft •^o'siiobt . 
in religioften (nacra gentilicia} #i«f' 4|rh«obafdipheB Vi^i 
h^taissen bervorgetieeten ware, ^. /jQ^r Kern eioe^ 
4^ gen8/bestandaiW^AUbui'gerni4»it'iToUe^ A.asSbfiipg 
def *^g€Sg^«eitigsn^ ^cireel^aniei iittd:d^ai|^hftrMi mpeh 
nocb d^ren Fr^gda^seM pdet . Clienievr^ wjelphe dejl^i 
plai^en der Faitiitier i^res PatrQn«!'tr«g(^''.i]|i4> deswegen 
ebenfalls gentilei hiessen, ohne jed^iA l^tW4;MtiBpiacb0'i 
9c)cb4e zu .geni^pi^^, welche bjoa g<ig^ jif abi ltlnt(»t^. 

ff^ene ^pdJE^bunt^rtbanige geltiend' gemaobt'iwucdeo ^,)., 
liQse {>kl^tlli9fdQr;;4l(eti. achtsn(t4jl$titiIeQ paMt^ilreff- 
hfJ^iim dfin; Stolen. deniUten', '^ntcor: 'wekben Cic. Top. 
^r<)4>eiEi:^n8teht; genlif^ ^ant qui int^r 8€ eodem mo*. 
mpft ^uni (welche d^n«i«}ben Naioenr ^gen). Non 4?itr! 
4^l>.. Qui ab ingfinuis qriundi-iunt: (yon fi^ier QebilD^* 
if^'ifl quid^m ^fSii ^^ i(luorumini^/H*um nfimo ^erifi^ 
tUllitem $€rvii>ii (i^qa fr^ien Ahnen abstammend)* t^eit 
etiam nun^*^ Q^p \o$Lpite nf^n ^smtzdemitaiti {ymich^ 
nicht dorch cap. dem. min. wie Adoption aus ihrer bis- 
jherigen gens heraus und in nene^Vernaltnisse einffefjn^teif 
sind ). Hoc fortas^e $ati» est. Effi Versteht sieh von 
selbst, da^fi ' untef ' di^eaer Definition die minder' b^ech- 
tigCen Hiirigen nicht beriidLsiehtigl< nod, welche nnr .tin-^ 
fqgentlich zur patricisohen gen« gehoft^n. Nioht wtiBigtw 
pasBtFeat. v. gena: geu$ Aelia didiur^ quae ex muttii 
jamlOs c0t^citw\ . Gentilit dicttur z^ ex eeulam' ge-^. 



•1 •/ 






*) Cio, Yen*. I, 45 ( Gentilerbrecht gegen den QiiiiM^iilifoia«| 

I, S. 35a f. J^iMciJfcM ^Stadiea S. lASiff. Hii^iA.^ Sia87.^lAn^S 
%€n de antiq. pop. inr* heredit* ne^il S Idi ::!3 ■ ..v 






237 



nere oriu$ j ut it qui t^nUi ndmine appeUaiur ^ ut tat 
€inc4u$: gentilfs mihi iunt^ qu^ meo nomine appellai^ 
^ffr, wo bios aaf die Fubrnn^ des gleichen Namens 
Riicksicht genommeti wird^ Cincins Alimentus aber war ' 
einer Ton den wcfnigen gHindliob^ Jteniifrn des Romi- 
sehen Aherthmns. 

£s war eia alt^r Streit in Rom, pb auch die Phh 
bejer gentes hdttenf Gewiss ist, dass die Patricier di^' 
6es Recht fiir sich alleiain Anspmioh cabmen (Liv. X, % 
temper i»ta audita sunt .eadem, ^penes ves au$picia^ esse, 
vos solos gent em habere j vos solos iustum imperium et 
auspicium domi militiaeque und viele* a. Stellen, Wo 
'sich gens stets mit patricia verbunden findet wie Liv* 
VIII, 18. Niebuhrs Rom. Gesch. I, S. 357, n. 821.), 
obgleich die Piebejer in ihren alien StSldten feben so gut 
gentes gehabt ' haben. Dooh haben wir keinen Grund 
m bezweifeln, dass die Piebejer ihre alten Einrichtongen 
den Geschlechtern der Patricier analog bei ifarer Auf- 
nahme in Rom,. nicht Jl>eibehalten haben, wenn sie det 
Staat aneh nicht anerkannte und ihre Rechte den patri-^ 
cischen gentes gleichstellte (doch konnte dieses auch in ^ 
^en XII Tafeln geschehen seyn), so dass sie z. E. wohl 
Erb- u. Yormundschaftsrecbt nnter sich ausiibten^ aber 
>der Auspicien und der Theilnahme an den Cnrien entr 
1)ehrten. Auch werden Plebejische gentes von den All- 
ien genaiint, so gens Aelia b. Fest. fa. v. Niebuhrs R. 
G. I, S. 357. gens Fonteia b. Cie. p. dom. 44. Plin. 
H. N. XIX, 2 aus Yarro in Sarmn'orum familia gen^ 
tHitium esse cet,, die Sarraner aber gehbrten zu den pie- 
bejischen Attiliern. S. Huscbkes Stadien S. 142 ff. Dasu 
Plebejische Familien nicht selten Unterabtheilangen pth 
tricischer gentes \iiraren, steht fest und ^ainentlich mogen 
solche Familien dorch Missbeiratben zu den Plebejern 
ubergegangen seyn *) , obgleich sie noch immer zu der 
alten patricischen gens gerechnet wurden. Ein Reispiel 
Ton einer plebejischen Familie in einer patricischen gens 
erhelit aus der schwierigen, Stelle bei Cic. de orat. I, 
39 quid^ qua de re inter Marcellos (Plebejische Fa- 
milie der Patricischen gens Claudia) et Cl€mdios patri* 



*^) Niebuhrs R. G. it, S, 380 fL Ueber diese ron Cic^ BtnU 
16 s. g. iramiiiohes ad flebem a. anch die Anin. QrelUs zu dieser. 



Steile. 



~ 238 — 

doi eentumeiri iudieanmt^ quum Mweetti ah l^erlijilio^ 
Bfirpcj Ckmdii patrien eiuidem hominis hereditatem 
gente ad $e redii$$e dicer ent; nonne in ea c^usafuii 
orai0ribu$ de toto stirpis ac gentilitatis iure dicendum^ 
Hier yerlaDg^n die Patrieisdien Claudier die Erbsehaft 
des Sohos eines von den Maircellern Freigela$8enen» wel- 
eher okne^Nii and agnati TerBtorben war^ g€nti$ nomine^ 
dieMarceller dagea stirpi$. Die erslen Terlangten nadi 
4em Gentilitatsrechte , daas die Erbsoiaft dea zu ibrer 

¥>ns ab Untertfataigen gefadreadea untor sftmmtUeben 
heilnehmera der geaa verlheik werden soUe^ w&hrend 
die letzieren aUein daraaf Anspriiefae macbten , indeia 
der Voter des Yen^oribeaen tou ibrer 9tirp9 freigelas- 
ifen sey ^« ' Hier i|t iiirp$ die Bezefa^hanag der spa- 
cielien Marcelliacben GeicUecditvffenasgenscbaity also lait 
fisuailia (wie aqch aonsi; nieht sexten) syoooymand das 
eogaoraen andeatend (Sigon. ad Liv* IV,l},.'obgIeich 
stirps aicht immer diese Bedeiitung bal: and im AUge- 
meinea aur die Yefwandt»chafit uad gemeinsame Ab- 
atammung bezeicbnet, abo nicht sq speeieU wie famSia 
im e. S- ist**). ' 

In der Kwerzeit warden gentes zwar noch erwahnt 
(Saet Octav. 1. Claud. 24. PUa. Paneff. 37\ jedbeh nicht 
mebr in der alten Bedeatung, denn der Name wird mit 
familia moistens Torwecbselt (s. S. 235) nnd mit den 
alten Gentilreebten verscbwinden auch die G^os^en- 
Bchaften selbsjt. Gai. Ill, 17 qui iint gentiles primo com* 
meniario (die Btelle ist leid^ verloren) retulimfssy et 
quum illic odmQnuerimus ^ toium gentilicium iu$ in de^' 
euetudinem abii$9e, supervacuum at hoc quoque loco de 
ea re eurionus tractate, Hugos B* 6. S. i40» 



*) Die beste Erklarang dieser Stelle s* Hus^Ma Studies S» 
149—154. Andeatungen bei Niehuhr^ R. G« I, S. 357 nnd Hugo 
R. G. S. 140. 577, 

**") Cic. p* Rab. .1 scheint sUrps allgemeiner zn seyii alt faml' 
Jia^ m^em es heisst ^a in ftunilia taut aliqtia forte fioruerit^ Jumo 
fere^ qui guni Hut tdrpit^ eupidUdme periteguuntur, Anch Cic. de 
leg. II, 1 sprioh^ nicht fiir Sigons Ansichti dasa atiips aich allemal. 
aof das Cogaonien beziebe* 



\ 



239 






Dritte Abtheiliing. 

f^ormundsckaj^tsr ech if*). 



( • 



Dio YoriBUDcUchaft ist ein uralles RdmUcbes In^ 
■titut,^ wqdurch diajeiiigen Beitftand trhielten, wekhe 
sich .i^iobt selbst berathcn konnten. Die Heifer .and 
'Vertrelsf heissea YormunievftuioresJ^ wekhe deD 
Hiilfsbediirftigen und Handlaogsiinfiifaigfm (d. h« die deg 
Familieoschntzes nntet dea Vatera oder Maanea Geiwalt 
eotbehrtea , dso die VnmUndigeu and die FraueW' 
$immer^ beistaadea. Andre Falie der Hiilfsbedirftigkeit 
warden unter dam Naaien eura oder curaiio begriffen* 
Saimntliche Vertret^d atehen unter Anfaicht einer Ober- 
vorinundscbaft , d«- i* der Obrigkeit (der Contain, 
Pr&toren a. s. w. deren Controie arapranglich aehr aD-» 
tergeordnet war, a. Cic. Yerr. I, 56 cuiu$ (popilli) 
aetatem et iolitudtnkm, etiamH tutaret non eueni^ 
d^endere praetor debuit^ Diod. Sic. frag^m* ed. Dindf. 
Vly S. 242 vom Siciliscl^en Prfttor L. Aselliua %(av 
yaq aXXcav ajQarfffuiv dtad'OTcav iiiovai nQoajarctg ToTi 
oQipavotg, xal yvvai^tv iQtjfiotg cvyyipuiy, oviog iawhv 



Bnier Theil 
u t e 1 



a. 



< < . > 

Dieaen Begriff definirt der beriihmte Servina mil 
folgenden Worten vis ac poiesias in capiie libera (d. h. 
eine Peraon sui luria, welche weder in einea Andern 



*) Zmmem R. 6. I, S. 861 -r 956. Gcmt SchoUn S. 178—226. 
Erne Groningw PreiMSchrift (1826) too F.-Minguet bist. iur. Rom 
de tutelis. Das neneste and auch for das Rom* Reoht ToUstandigste 
Werk ist Ton A. A. F. Rudorff^ das Recht der Vonnoiidschaft 
axL8 den gemeinen in Deutscfaland gehenden Rechten entwfckelt. 
III. Berlin 1832, 33, 34. Eine Recens. des 1. Th. tob ji. Beihmann 
ffoUweg lindet sich im Rhein. Mus» VI , 8. 206 — 2^ 



A^XIV. iind vom Buchbindcr aehoriaen Orta exnzubinden. 



, • 



f 



potestas, nooh liianiiS| ooeh mandpuim tteht s. Cie* in 
Verr. II, 32. p. dom. 29. Gell. Y, 19} ai2 tuendum turn 
qui propter aetatem 9uam ifonte $e drfendere ^equity, 
iure dvili data ac permis^a, welche wahrs'cheialich 
nach dem Wort 9uam yerstiimmeU sind iind noch den 
Gedankenenthielten eamve quae propter $esum*) eetu 
Die Ejalbeikuiff aber war aenr versdiiedeBi, inde a einige 
Jnriaten zwei (wia Labeo bei Gai» I, 18d}/ midere dnii 
(wk ServiuB) , nock andere vior. (Bocfth; ad Tap* 8. ed. 
Of. p. 334. 335) nnd sogar fiiaf genara annahmen. 
Cioeroa Aiskhftli^ nnbakannt, "^dtnn wedar ana der Hedn 
prO/ Mar. l^^'wo er>vos genera iutorumrBptbdai ^ jaodk 
ana Top. 8 kaaa etwaa gescUoasen werdao, da w bier 
Uoa sagty Partkionen miisaltn volktandig aeiy^, • nod 
zum Beiapiel die Voff muadaehaft an/uhrt* Partitiome' a$e 
ute^dum £$t, nuilam nt partem reUnquasj utsi pantiri 
^fA(f iuteloi y insdemter faciaay 9% uUam praetermMmtm 
Die allgemeinste Eintheibinff ist in die VerMOMbcbaA 
iber ilomiinitige ilnd iibeiiifrraneny weloke aa«h mir zm 
Gniad iegea. 



^ Erster Abacb^itti . 

Tutela impuberum oder pupiUaris **)• 



Erstes Capitel. 
' Die verschiedenen Arten der Tutel, 

Der UnmSndige (iiber das sogleich mit der Geburt 
beginaehde und bis zam 14. oder 15* lahre^ danernde 
' r Alter desselben s. S. 113 L) iat vec alien andern Personen 
\pehrloa (Gai I, 189 9ed impuberet quidem in tutela 
esse omnium civitatium iure contingit, quia id naturali 
rationi conveniens esty ut is qui perfectae aetatis non 
, sit, alterius tutetu regatur, nee fere utlu cimtas estj 
tht qua non liceat parentibus , liberis suis impuberibus 
testamento tntorum dare: quamvis ut supra diximus. 



*) S; Rud^i VorDamlaoli. I , S. 24 — 30. 

**> So GelL V» 13. pueHn* ^ Macroh. Soma. Scip«. I, «. 



i 

\ 



- 241 — 

•oib* cih0$ Rowuini mdeamimr tanimm kbetu^g wn poiewiaie 
i/aher$) mA kann auf dreifiichd Weise einen VornitiBd 
erbalten : 

f1) Dureh 'Testament de$ Vaters *) (teHamenio pa-" 

iri9 tuittr eHgitur Boeth» 1. 1.), woriiber Gai. I, 144 

M9 4ais Nahere mittheilt ond diese Befagniss ^es Va* 
tetikf iuptt peeunia 4utelabe $ua zxk dnspoiliren ( Cic. de 
ii)v^ U,. 50. ad Hen I) 13. Ulp. XI, 14) schon den 
XII Tafein 2Eoschreibt. Dirksens Uebersiclu 8. 320^-^ 
342. Die Fdffffiel latitete L. Titium liberi$ mei$ tuio^ 
rem do^ oder libeHs meit T$ttu$ tutor esto (GaL I, 149). 
Diese testamentarische VormundsGhaft erwdhnt Liv. jj^ 
34, wer TarqaiDia^ Priscug flir die Kinder des Anc. Mar* 
oi|i8 eingesetBt ivird ; eine blosse rbetorische Am^ielun^ 
findet «ich Ovid. Triat III, 14, 13 ff. Cic* de or. I, 53. 
Bfwt. .%• de Ten. 2. nnd einzelne Andeutungen Cic. 
Verr, I, 68. defin. 111,2. Plin. ep. II, 1. Dass es eine 
grease BeflN^himpfang war, wenn der nacbste Verwandte 
im Testament als Vormand ^r- hinterlasseneh Kinder 
nbergangen wurde, sagtCic. za wiederholten malen: p. 
Sest 52^ te 9orori$ filiu9 *— • notavity quum in magna 
numero tutorem liberis non inatituit. p. Ciuent. 12. 14. 
p. dom. 19* cum L. Papirii sui fratri$ estet tettamenta 
et iudicio improbatu»j welches sich wahrscheinlich anch 
anf unscire Bemerkiing bezieht. 

^ . 2) Legitima tutela **) trat dann ein, wenn der Va* 
ter in seinem Testament keine Verfugang getroffen Jiatte, 
nnd war die gesetzliche Vormundschaft des nSchstea 
Agnaten, welcher, wenn der Unmiindige jetzt sterben 
sollte , Erbe' desselben seyn wiirde. Pers. Sat. U, 12, IJ 
pupilkimve utinam quern prosimus heres ImpeUo^ . ex^ 
pungam t Cic. Brat. 52 tutor heres pupilli. Da diesem 
wegen seiner sp&tefen Erbschaftsanspriiche an der £r^ 
kaltung desFaroilienvermogens arameisten liegen musste, ' 
ao'war diese Tutelnicht wenfger einBecht als einePflicbt« 
6ai. I,' 155 qiiibus testamento qmdem tutor datu» Hom 
sity iis ex lege XJI agnaii sunt tutor es qui vocantur 
legitimi. Ulp. XI, 3 IS. Dirksens Uebersicht S. 302 — 
309. 364 — 369. Die Bangordnung der Agnaten war, 
bier dieselbe wie bei dem Erbrecht und erst dunn kaia 



*) Rudorffs Vormnndschaftsr. I, S. 267-^322.^ 

**) Budojffi Vormundsolia^r. I, S. 186—226! 

, 16 



/ . 



/ 



_ 242 — 

et an die ^iitlbNittiwi , i««bii keioe oShereti da IrarM^ 
ja an mehM sngleichi aobaU dieiie g^che Ansprachs 
hatten. Jn Ermanglung aller Agnaten warden die .Gen^ 
tilen berofen and erst nachdan diese £inrichtniigen mlt 
dem Aoisterben der patricischen GescUechtctr veraheten, 
kamen aocE die Cogsaten zor Vormandaehaiit Gai III, 
17. Legitima heisst aoch die Talel dea Patrops. oder 
jieiner Familie iiber den hiil&bedJjrftigen Freigelassenen 
Gai. I, 165. Ulp. XI, 3. 

Damit iat He Jiducictria tutela *) txl vecbindeo, wel- 
che sich suif Endasrang aos dem Mancipiam sriindete 
and wahrscbeinlidi aach scbon in dm Xll Tafeln eiii«* 
gefiihrt war. Ulp,. XI, 5 qui liberum caput mta»cifpat$sm 
Hbi vel a parente vel a eo^mpitonatore manmmtmt^ per 
nmilitudinem patrouiiutor effidtur^ quiJiduciariuHvamr. 
appellaiur* Gai, 1, 166* Der Name kam daher, .weil 
die Manamigsion in dem irorangegangenen Tertrag Cfidu^ 
da) ansbedang^n war and dieses daraus edtspdngeade 
Yerbaltniss liei^s sich railreiner wahren yermundschaft 
eigendieb nicbt Tergleicben. Es wurde iibrigens aach 
aiu andere iibergetragen, namentlich anf die Fraaen (s. 
anten) and fand uneigendiche Anwehdung, z^E. anf 
den Vater, welcher sein Kind freiliess, das er^ nach 
Smaligem scbeinbaren Yerkaaf sicb batte zUriickmanci-? 
piren lassen, and nacb des Vaters Tod warden die er-« 
wachsenen Sobne tutoreg Jidudarii der jungeren Ge- 
scbwister Gai, I, 175. . , 

3) Dativa tuiela**)^ die von der Obrigkeit ernannte 
Vormandscbaft trat ein, wenn weder ein testamentari*^ 
scher^ Vovmand bestimmt, nocb ein Agnat vorbanden 
war. Gai. I, 185 n cm nuttus ovlnine tutor tit^ d doh 
tur in urhe iloma ex hgje Atilia a praetare urbano] 
et maiore parte trihunorum plebis, qui Atilianus iutor 
vocatur; in provindis vero a pra€9idibu9 provinciarum 
ex ^ lege Julia et Tilia. Ufp. XI, 18. Diese lex vei^ 
erdnete, dass die Tribnnen and der Prator, welcbe aucb 



*) /{niloifs Vornmndschaftsr. I, S. 327—241, V orhex ThSbaut 
ill 8. civil. AbhaBdl. Heidelb. 1814. $. 285 -^ 304. Zimm&n fiber 
fid. tut. in Nenstetel's and Zimmems Rom. reclitl. Untersach. S. 
142 — 154. SchnUng dagegen in a. Bemerk. S. 49 ff. betrachtet fid. 
tutf ala eine eigantbiindtche Art di^r Vormnndschaft, 

**) Rudorffs VoimundtGhafiar. t, 5. 338— 367« 



/ 
/ 



I 

( 



— 243 — 

in andern Angdegmheiten coBsgialitch verftthren^ (Oie. 
de off. in, 20) einen YormuDd ernenn^n sollteii, ubmI 
ist (40 d. St.?) rw »66 d. St. ffegeben. Liv. XXXIX, 9. 
Anderer ausserordentliofae Vornmiider bei cSineltieA 
Zweckeii gfibder Pr&tor Qrbaniu, vreldies wakFScfaehi- 
Hell whonvcftA^ lex Atilia ffesdiah; soielre hictsM 
fraetm^i, GaL I, 184. UIp. Xl, M. -^ In den Iial»- 
scheiir Mutiiripien wuFde die Eraemtung dorcb die Mn- 
aicipalkimiiten, in den Praviasen dnreh die Provinsial^ 
vef«teber besorgt (Oaii I, 200)-; M in SieUien ' dni>eh 
4eti Pritor Cie. ia Verr. I, 56, Died. Ska; XXX¥( 
Mgm. ed. IMnd* YIvS. 242. naelidtem lex Jtf lia Hi fRitia 
Ae ' BestimnmngeB der Atilia aocb imf die' Pi^iiiisea 
ausgedehnt hatten ^\ In der Kaiserzeit wurden die Yor- 
miinder von den Consain ernannt, wahrscheinlich erst 
seit Claudius, Suet..^ Claud. 23 ut ^pupillis extra ordi' 
nem tuterei a eo99. ^ar^ntur, PUn. ep. IX» 13. Gai^ I, 
200. EiB^^gaax a|]asei!ordendi€iie;Fr<irepaHog diurcli den 

Kaiser berichtet Suet. Oct. 4S. , ' • 

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Zw'eitei Capilel. . 

Fahigkeit und Pflicht zur Ueberiiahme 

der Yormundschaft.^ ' 

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Nicht jede Person ist befahigt.^ Yo^mund zu seyn 
und eine seiche darf nicht ernannt werden. Andere 
PersQnen dagegen sind zwar befahigt, kSnnen aber aus 
besondern Griinden die Uebernahme ablehnen, yon Wei- 
chem Becht sie n^nentlich dann Gebrauch machten, 
ivenn dip Yormundscbaft nicht . zu ihrem eign^n Yor- 
tbeil gereichte, wie die legitima, sondern ala eine drii- 
ckehde Last zu betracElen war. 

. 1) GanzlicAe Ur(fdhigkeit. Aus der Natur der Sache 
g^bt hei:vor^ dass der, >vc|chef selbsjt der Hiilfe bedarj^ 
nicbt Andrer Yormund seyn kann, also die .Uniniindjgen, 
Wabnsinnigen und Frauepspersoneh sind j^an^Iich aus- 
gescfalpssen. Auch. kann der hicht zi|in Vormund ev- 
nannt werden, mit welchem der Erblassef keine testa* 



♦) Rudoiff I, S. 357 ft 

16» 



^ ,244^ - 

a 
\ 

m^nti facUo hat , s. E. 4et Peregrine, Latiniis Jdnianiift 
u. A. Gai. I, 23. Ulp. XI, 16. 

2) EnUchuldigung$^r&nde*)i V9e\ehe die Ablehnnng 
r^ohtfertigen, sipd nameDtlich in der Ktiserieit eotetan- 
den, s. £• das durch die lex Pa|na (?) verliehene Privile^ 
giani spkher Persoaen, welche 3^,^ Kinder noeh an 
Ijeben oder im Kampfe fur das Vaterland verloren hat- 
ten (Heiaecc ad leg. Jol. et Pap. Popp. II, 8.), wegen 
hoben Alters, wegen der Zabl der VormuadftchafteDt 
wegen Abwegenheit, wegen ToUeadeter Militftrdienat- 
pflioht, vegen Fohmng von Aemtern, wie Prieetersehaft^ 
rrofeasnr u. •» w. IHe Hanptquelle fiber diese Bestim- 
aiiiBgeD iat fragm. Vatic tit.de excnaatibne 1 123 — 247» 



Driitei Capitel. 

. Die re€litli€heii Verhaltnisse. 

Die Rechte des Yormands konnten sicb anf die 
Person nnd auf das Yermogen des Mundels berieben; 
doch sind eigentliche 

A. Personliche Rechte nicht vorbanden , indem der 
Yormnnd nicbt fiir die Person des Miindels. zn sorgen 
batte. Wenn es dessen ungeachtet gescbah , so T^aren 
wobl nocb habere Bestimmilngen vorhanden, welche 
dazn Teranlassten , z. £• wenn es von Cato und Cicero 
den Yormundern des nnmiindigen Luknllas beisst (Cic. 
de ;fin. Ill, 2), dass sie fur dessen geistige Aasbildang 

fewissenhaft gesorgt batten. In derRegel wnrde dieErzie* 
unff des Mundels (custodia) yon dem Familiepratb einem 
der Coghatenubertragen, vor Allen der Mutter, oder wenn 
diese schon Terstorben war, einem andern des Familien- 
kreises. Darauf bezieht sicb Hor. Epist I, 1, 21. 22 
piger annus Puptllu, guo9 dura premit custodia matruni. 
Liv. IV, 9 wird erzanit, dass die unmundige Tocbter 
bei der Mutter gewobnt babe und dass, als die Mutter 
mit den Yormundern uber die Yerheiratbung des Mild- 
cbens nicbt. babe einig werden konnen, in diesem Falle 
"" die Obrigkeit zu Gunsten der Mutter entschieden babe 



*) ZimiiMnw R. G. -T, S. 903—914. Rudorgk Vormondfcbalfsr* 
II, 8. 1—210. ^ 



^ 245 — 

fmmgiftrdiuf ieeund^m petrentis arhitrium dant iu$ if ir* 
ptiarum)j Ein anderes Beisplel der mutterlichen ErziehuD^ 
ibres SohilB «• bei Sen. oonsol. ad Marc. 24.' Liv. XXXIX, 
9. Cicj^in Verr. I, M. 36. Gic. Verr. I, 52. Phil. II, 8. 
wird iKMl^n der Mutter aach der Stiefvater erw&fant. 

' B. Veirmdgen$reehte '^). Der Unmiindige kann niohc 
Sber sein Veriiiigeti bestimmen , so dasg enie YerriDgte^ 
rting desselben hervorgebracht ,wurde, wShrend er eine 
Yerme^iruilg de«selbeti anch ohne seineii VormuDd vor- 
tttfhmen A^ti. Daher gelten ObKgarionen^ dnreh welcbe 
der Mand^leiaen AnderR obligirt falium nhi oblig»re 
Hne tHtoris aUet^ritate p0tett) , aber ntcbt Qitigefcehrtl 
Fik des YorHiunds Handlangen gibt es EWei Foi'men 
(Ulp. XI, 25 tutorett ei negbtia gerunt et auctorttatem 
intetpMnunVy nemli«h 1-) auctoritns, d; i. das bestiinmte 
Tom Vormund freivi^illig aasgesprochene „ Vottwori^ u>o^ 
dur^k die ungUUige Willenserkldrung de» MUndeh 
reck49gMli4e tpird^^ {ui^VMmvtkt auttor praesenf Cic* p. 
Caec. 19 <M»glBich in anderer'AnwenduDg vdr^ anch p* 
dom. 29). Beide also sind zogegen,'der Mikidel ba^- 
delt selb$t, ypransgesetzt, dass er iiber 7 Jabre ah ist^ 
and der Vprnmnd gibt nur seine Zosthnmungp sonst 
sind die Gescbdfte ungultig. . Dieses ist der Fau 1) bei 
alien feierlichen civilen Handlangen, wie Abfatssung etttes 
^^staments, Manamissionen u. s« w., 2) bei den vbliga* 
tionen Gai. II, m — M. Ill, 107., 3) bei dem- Arilreten 
einerErbscbaft, 4) beiVeraasserungen Gai^ 11^ 80? 1]1;P XI, 
27**)^ £k> dass: der Miindel nicbt scbenken, nericaufen, 
noeh Geld einnebmen durfte (denn mir die dem:^Vor'« 
innnd g^^lc^eten Zahlungen warden fur giiltig an^eseheii 
^ai. II, 84. Cic; Top. 11) u. s. w. Als daber die" GlMu- 
b>iger de« unitiundigen Cato anf Zablong drangen, so 
Tertrostete sie Cie. (als Vormund) brieflii£ auf seine und 
der andern Vorniunder Znriickkunft. Cic. ad' Att. XIII^ 
% ioitiudinemVaioms^ — Cor^Mn igitur comtituemui etc. 
2) OestiOj das unabbfogige Verrahren des ^Vprraonda 
ift des Mindels YerindgensVerwaltung tritt dann eib, 



r^r 



*) 2Simmenu B* 6. I, S. 926 <- 936. Rudorffi Vormaadschaftsr. 
n, S. 277—283. 292— 471,. / 

***) BauhM opnso. acad. H, ed. Sllaber p* 159—^0 hTttoria 
de rebus eOronit qui tab^fntels vel 'cars fuati ^ae dacfeto miam 
atienandii rel rapponendis. 



» 



-. 246 — 

w«pB 4er Mfiadcl nodi wt^r 7 JUhiw J|li.9 •V irwidl 
odcyr wahDMnnig ift, so daM dar Vonaniid alias ihoB 
dnf, gleicb aUthftte ^ et far tidi selb$t. Seine f flidit 
bestebt dario, das Venndgen an erbalten, an vergtoiH 
aern and an verweBden, ,z. E. die Capiude assiplegen 
(Liv* XXIV 9 IS.niiami daa Aeraciom Mwdelotpitale 
an )9 die netbigen Proaease an fiibren (Pliau ep« llCy 13^ 
16), an T^naserQ Gai. II, 64. a* a. w« 

,;. C« Vtrantw^rtwng der VwrmUnder gegem dieJUMmr 
deL /Klagea nber niMfetreiie Verwakong dec VorniteT 
dec varea ia Bom niebt selien (Senec. de benel IV, 27# 
Cia p* Rose. Com. 6. Verr, I, Anspielung bei.Hor» 
Epist U, 1, n% 123. Jar. Sat I,. 46 C VI, 629. X, 223. 
XV, 135, Peri. Sat. II, 121), welcbeaok Uebelataad doreb 
Cautio^sieiatilng yor Antrjitt der Vomondvcbaft am leicb- 
testen^hlUl^^gebMfen werden kdnoeo; docb dieses Mit*^ 
lei waI^de - ecst fcnra tqi Trajaa im Prfttocisehen £dik| 
ergriffen (6ai« 1, 199..200i9e Umenr ^^ pvpOt^nm — 
n^goHa iif iutaribu$ cunatarHUMque toniUmtmiur aut di* 
mnuantmr^ curat praetor, ut et tutored et curatares ea 
^,mihe satis dent. Sed hoe non est perpetuum (nicht 
IQ alien Fallen); nam et tutor es tesiamento. dati sUfis 
dare non coguntur , quia Jldes eorum et diligentia ak 
ipso tesi€Ubre probata est et^» Dagegen gab es schpfi 
in dem alt^len Recht Klagen gegen die treolpseil 
Vormuodar.t* welche , da aus jeder Verwaltong fremdei 
GeschUft^ fmandatuvtj Verbiadrichkeiten bervorgiagen^ 

Eregeoder Heiligkeit diesecPflicfat mit besoadrer Strenge 
ehandelt W0rden soUteD^ ]>ie aUesle in ^en XII Ta* 
fell! aufgestellte denkMiiadelzustebende Klage bie$8 nc- 
eusatio suspecti*)^ woduroh uraprii^gMch nnr Absi^ting 
des ireulesen Vorihuddsibctzw^^kt worde. Dirksen^U^berr 
ui^bt S. 599*--604.: tOlk^ €io. di) oS III, 1& dolus maius 
ft leg (bus erat vindXeatUs^ ut tntitlm XXJ-tabulis^ qu^ 
(mmsormtio: adolescentium .yge Fb^etori^ /9to,;8ich..«»if 
dteafii&lagc^'bezaBhci ^)^yt isf; .fitebir. a weifejibaft ; ricbtiger 
fiifid du»^ Worte • :viallf^tb|;r yoi^ dev zwt^iteni^Klage m 
verstehen^ welcbe ebeofalls in den XII Tafeln entbal- 
ten und wabrscbeinlicb aus jeqer abgeleiteC war. Sto 

; - . . v .' 11 

X h .tf^y JMojs^ YarpmaOM. JSi, ,K 476^804 and JP.^ ^Httttw de 

, siup9oU« latonbus etusuisiorihiift. Bfag* IS25* ,f. •<- 



■M. 



0* 



) Rudorff III, S. 178. 



~ 247 — 

^Mar tlcli a«f die Verwdtnng dw VermBgem mid ging 
Mf £riflinig dm Deppdun, was d«r Yonmiiid vnter- 
soblagen- hatte. Ob ein Name mid waleher far diese 
Stag* 'vodbandea war, ist nnbekanat, spftter kommt sie 
mtttBP dmn Namen aeito rati0nHu$ aiiti^ukeHdit vor 
fw^Sitfiich: am aicb auaeinander bu aetaE^n *), die jed<MA 
-rtMh'^ dahin erweitert ist, ^ dasa aiiob Radinangsablage 
-odair- vMmehr RevisioB eraielt wird. Diese Klage meliii 
•Cic* de orat. I, 36^ we £e ^i^Msmikaiidigeii Redner 
vc^pottet werdeii) ven deaea eiaer Hyps&us eine^ Vbr- 
nAindscbaibklage aastelltY^f^*' tmielM iudic9&)^ aber 
y^Bgen pfu$ petiiio (an grease ^Ferderaiig) den Process 
«igeatK<5b verKeren mvam (quod miter plU9 lege •agendo 
peieittiy quam ijuofgium leaf in XII tAuNi perm4$ermt': 

Sod quum impetroiset^ eauia caderetj , wftbrtejid seia 
^gnerOotaviuS' diese Bestimmang ntcbteiiinial kenat 
•ntid'^ich.bles iiber die> UnbUligkeit besebwert,* dass der 
■Aaidre iiiebr fordere, als die Klage edaube Mter int' 
fjfimm' p^abat J plus $ecum agi^ quam quod esiit 4n 
^BKiiione^ fieqme inteUigehaty »t ita eaet a^ua^y* litem 
4i^9tf*sierium perditurum). Wenn diese Klage nicbt ge^ 
saeliit ^fiire , k5iinte von einer Mebrfdrderung gar iii<^C 
die Rede, seyn, da diefolg^nde und letzte veritiand* 
schaftsldage aof ein incertum ging. Neben der accii- 
satio suspecti and actid rat. dflstr. entwickelte sich bin- 
sicbtlich der gestio (denn der Vormund, welcber bios 
seine anctoritas gegeben batte, konnte gar nicbt belangt 
warden) im R5m. Kecbt noch 3) ein iudidum tutelaoj 
welcbes in die actio tutelae iirecfa **) and contraria 
zerfiel and so wie actio rat. distr. nar am Ende der 
YormaiMsehaft anffestellt werden konnte. Die actio tat, 
dir..ging auf Recbnungsablegang, Heraasgabe des ge- 
sammten Verm5fi:ens and Ersatz AIIIbs dessen, was in 
mr VerwaltnTig des Yormnnds doreb dessen Scbnld rer- 
loren gegtingen war Gai. I, 191. Wegea der dem Man- 
det schtildi^en Pietftt (Cic: Verr. I, ,36: 37. p. Rose. C. 
6. €(ell. Y) 13) mosste der Angekbgie iiicbt bios far 
den durcb dohis maids (Gi«. Top. 10. 9f tutor Jidewf' 



*) Rudoijfk Vormandsohaflsrecht III, S. 1 — 4. 

**) Rudofffa Vemiuiiiisch. Ill, 3* 4—8. Dat dissea Klagea 
•cfmsiosohaftliohe iiber PerBonen, Zeit, VerCedireB u. s. w. S. 
13-* 116. 



X 



~ 24^ -• 

£6egeiMHits von dolot] prae$tare Hehit^ d^i HU 
procur0ior)j sondern. aiicb fSr deB . dorch Schiild mid 
NaeblUMigkeU berv(»PgebraciReD ScbadeD JiaitM^' S. afioh 
QuLficU ioBt< YII, 4* Der Richler. hatte^ da duHNs Klag4( 
aui den actiones bonae fidei gehorte (s« Actton^r^cht^i^ 
heien Splebaunr and darfte daher 4i^ gefordeiste Skuam* 
aowobl erin%s»igea ak erhoben uod musste Bxd die G#r 
g0nfordeniogen des yormuiida RUcksifcht n^biamd Comr 
p^asation eintret^n kussen ($. S^;2Q.0)« Ala aolcbe Klar 
^Hi wetden sie charakteriwi: Qi€« de off. Ill, 17. |>r« 
ila^.. 3. p. Ros<s«.Coni. & Gai. IV, 62. Worde der Yoj> 
jmmd pondenmirl, ao tcaf ibn aiiaser der Riiekgabe des 
<IJAterachla|^neki die fidkierliche ignominia (s. S» 111)) 
•wie sowp^ atis deni Ausdruck turpe indicium , ala^ ana 
andern ausdrucklichen Bericbteo erjielll. Cic.de. ov, I, 
36. p. Cae^; 3. p; Roac. C. 6. Top« 10. Juv. Sal. I, 4S 
—48. X,.32SL XV, 135. p. Rose, Am. 38. 39* 6m.IVl^ 
182. Deui yWitiwd Ms^d dagegea/aclta iut€laeiC!$ntr0n 
ria *) auf Sehadlosbaltung wegeo' AuslageD u* ^ Keaten 
,2a , ebeaaa^ eiii calumniae indicium in dem besonderii 
Falle, weno er den Verdacht.hegtei dass der biabeiige 
jVtiindel aus Boawilligkeit und Cbikane geklagt hliM* 
S. Aotionenrecbt u. Gal. lYy 174 ff. 



> « 



_ > 

; Yiertei CapiteL 

Ende der VarniiindscTiaft *?V 



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'f 



Das .vormundschaftliche Verhaltniss konni^ aufga- 
Idst werden: 

J . 1) Durch ;patarlicben pdec civilen Tod 4^s Vorr 
miinds ( d. i. d.urf^h cap. deminutio inaxima und medj^ 
8. S. 105 f.). yiip, XI, 7. Wenn der Vormuad in &i^dr 
licfae Gefapgenschaft. fiei, ap wufde wegea defit.ijiia i|un 
atefaenden ius, postliminii nur einstweilen ein anderer 
Yorinund, uqd z^ar der At^lianus erna^nt. <3ai.I| ^87, 
Der tutor legitimus verier seine Vormundschaft aucb 



*) il»do>^ Vormaadsch* III, S^.-Utn-lSOk ' •; ^^* 

III, S. 205 — 248. .dH --.' .^ 



\- 



390 



\ 



V 



dmeb tep« vdenbiiftto iriininiii, irril.•p^«ar ah CMM 
ciM g' bfestimulMf FaoRlie Vormniid-lvflry aus w^AcMt 
#ft.dardii'diiw etsp, d«m«^ lieraiistvat*^ Gab I, ^W. Uif^ 
XI,;9^I3. .•'. -. ;•-'■'.' ■ ■ ' u. ' •.-•;^ . !> - <• • 
.r.fi) Qasch' d^ft Tadidas Miibd^ uwA duflA 4illa> S 
ca^tia^dauiiiiiiliones) dea^et k»ai durchidla mkiinia te 
dteCfemdi einaB^neaaitVateni odar daaMliaefoen ia dia 
itUKnoa eiaas Maaoea; GM. V, t9/ ' ' ' ^" 

:3> Dar^li Jlfiih»<%t»eirilm vdaa' SabatsbedOrfUg«nt 

das ¥6rniQad8; I)ai^.«fatafe gasehab*^ W]^n"^ar sicbAaiH 
xfareibbanden Extu^adonetii zurackaog, . 1¥B8 der «iMer 
legkaaiaa .mcb Moiclit erlauben dafta* i^Ip.* 1. L Uebar 
dm'^iMmiB aowohkafeiiiber das ^rate sagt €fan I,^SSi 
smmiikt ceMmtU^ ut^ wt tutor' piqi&ii pupUlueve gtatpee^k 
4t iut^la remotms tti ( vermdge der ac^dsailo sasp^etii) 
fMrstto^ va^a eoMnm-fuerit excusatm^ 4n Ueuik eiu$ 
abki^%ii^^'^0t^n,fiiordato prior tutor tmHitt tnteiami 

•■ r«. •' "N ••. ^ ^ •. i« -.-»'.'...",• . - .'.1 

, V. Zweijt.e> Abschnitti .;/) 

. J!f t^ I i e b^ r * «. tu t e la *)• .. ^ 

,. * . ■ . . . ■ • . 

J Jada \Pefsm Tveiblicben Gescblediar Hi iebaiuslang 
'webrlas,' d^her bedilrfeb • s6wobl dia^'Fraaansfarsonan 
ledigm ' Sondes .auchi naoh ibrer MiMl^^t, als dia 
WkMrab (beide Jieiasen w'ifara, Cic. d^^tap; II,« 20. t^tV 
duaf ^tpupillos Li v. epit LIX. Sohmid Stt^Hor. £pist> 
I, 1, 7^), eines Vormunds (Li v. XXXIV , 2 maiores 
nostri nuUam ne privatam quidem rem Ugere femiiiaB 
sine ,au€(ore polueruntj in .man» esse parentum [in 
der Gewalt des Yaters], frairum [des Bruders als des 

' ' r . , . , \ 

^ _ I 

. ^iii Fl.L.'^Hffgnuahu Yerraoh «iiift.i)tdtle..inr Ooi/topiL 4 za 
iscfcliros; ift der Zeitscbiift t geseh. Reolitsivisi^ IlI^Sj 30»--aaa. 
Dazu als Verbessertaig mM ^ErganaQuig tK SwigMyt: BeMig. znt 
fiend^tB dftr Gdsdilecktstately^S, d28««^d48.. /. ^« a* JIfaaiim de 
amiieii^ in maua .«t in; tnteltf tecnndam 6il»>|liii»<jipia^ Lngd«&, 






m) 



N 



lriMbiMi.A#wrtw];«i^orir«'[ilire»-Man waduirilk.Ar 
•diil-.^NiifaQbe Gin¥Mt{>be»riolihet| in vi^ldmBidi^f>a«ttai»^ 
liersoii'm. fi^^hj^a JcQiuieinfi #eUbeir in IU«i'*a«lch hock 
aus einem speciellen , Grand nothig war. ...Die AJIcn 
watfte ^Sbtit 4h>j liin^^ m^htheiliigplmol'mmi^ f^e. p. 
Mot* 42:* m^iettti'. : ^mmei prapM/n ft^niMmieml' emt^i 
milii9re§ intut6rui^p9i€$tui€ eiseinobtetmrni^ Gai^ '1^144 
veteres voluerunt /emirtm etii^i prnffiectaeiaeimiU sMt, 

minis (tutores cOnstitnuntiir) fdid .i^ifulftMb^^^^'fkf' 
^jm/mM.M^pnopktitha1m^ iti/irmikgim^et proffer' JtHren^ 
'^Mm >t€rnmn'ignoi^4»tiam^ ^Bichligeii' dagfegev. isl diur 
Wf^Mre Urspruiig . 4er B5ittiacben:iii«k"ttit^ in .demiJLeofat 
^f»l'/pat€^falniBa$ za. sticheo, watchii^jaticlijiiBGlif^dcBseil 
SEVtd . die- rid&imUchjQB Agnaten fortabcdbn nnd daaatrea^i 
Prlnoip der Verroogeiwic^iabeit.be^alir^. IMaiaa «fklHMiia^ 
^JbelitvoUstaDdig GaL I9 19^, obwohLar Tcnr dervU^rich* 
ligkek. det ¥origen Eridarndg.ilfienengt war^ : fiBm1 m in 
mrQpe$'f0Ct^9e^^aet((tii in iutela.ene',.Jiete'mkUa:§uh* 
tiosa ratio suasisSe videtur; nam quae vulgo crediiur^ 
quia levitate animi plerumque decipiuntur^ et aequum 
eratj eas tut arum auctoritate regi, magis speciosa vi' 
detur, quam vera* Mulierek eiHm^ qUae perfectae acta- 
ti9 sunt, ip^a sijfi negotia tvactani: et in quibusdam 
causitydicif grdtia tutor in^erponiit auctdritaiem tuam* 
Aus diestim Grund hab^n anfih Jiur die agnatischen ^/e- 
gitimij Yormiinder sine wiikliche Auctoritat, so dass 
^as; gaoze Geffl:^ nur s6n ihren 'Gnnsten /gembfen zu 
aejin ajcbaintv/Mi'l dem Erlosehen der Agna&dban Vor^ 
jpe€hl^{VerscbtvH«det anch. dier:weibliohe< VormtindhqBUaft 
ist der Kaiseirzeifc .allmalig, obno'dass siegesetalinht^aaf- 



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Art en der Tutel. 



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Ota wjiibUdie^rViH'iftiiflrdfiieiiaff eatotaYid 1) itirih Te- 
jiiammi deqfiVaMw-ndietides Maanes, wekhelp aeiiie Fika 
in. ctfrengfev J^e'haftte^. Ciai« I, 148. 149* Y .. i. ..^ 

2.).D«ccfa ,eigen0 Wahl list Fran (tuiur 6fiivm)^ 
ift .dem Ealfoyidiisa imtTeataaiant des MaDneaidie Saib8l>- 
wahl dail ¥oxnMinds*4er.Wittweiiih6rbuiaenr wnrde (denn 



/ 
/ 
/ • 



— 261 — 

seiner TocWr * oder Sohwiegertochtef' konnte der Erb- 
lai^r niohl tutoris. optio legiren). Diese opt$0 hieM 
plena y weiin die Fran naekdem Ablsterben de» jerstea 
VcHTinaods sieh einen andera u. a. f. wftUen dnifte^ kn^, 
gu$ta9 wenh die.WaU aaf eiae gewhse iZabi (1, 2^^ 
«¥ V^i^X bescbrtaist -war. ^Gai. I, 1&0' — 154^ wo aaeh>. die 
teatanientatiacbe Forrael angefobrt /wird: Tittae uxori 
m04e dumtaoMiiuloru optionem iemel (bis) do' oder 
T^iae i$xori meae htforf> opi4(m$m d(K Eine Ans^^fc 
lnog anf diese Yormnndschaft fiinde*^ sich Plant. Tnioi 
IV,.4, 6, wo sicb ein Mftdchen m^t einem sokh«a srihi^ 

Swahllen VonnniMt vergleicbt, iiidem. ibr ibr GeliebMr 
»wak iiher sfdh Ycsmidgeii gegeben &atte video ecemm^ 
qm maustutorem me adoptavit boni9 (adopt* fi|r '<^ii« 
mi)* Die Wahb: Bines solchen Voriminds erhilslt.Fesqe^ 
"iBa Hi&pala tibi Pirivilegiutii ■ diirch - ein ' Senatsconcialt ) Liy« 
XXXIX, 19 ^uasii ei-yvir testawmhto^ded^set (saiipl^ 
nem intorit^ nUAki.)tuiorem) ^ ibbgleibb aieisicb' friiher 
anil ein Testament maoben za konnen, vbn^'der'Obrig** 
keit schon einen Tutor batte geben lassen Liv. XKXIX) 
9« Dieser aber konnte scbon gestopben oder datfob^daa 
nea ertbeilte Privit^iam eo ipso entlassen seyn*^ WciH 
dieses <Privilegiaili 566 d« St entahnt. wicd, musS' dfib 
optica ttttela also nocb &Iter seyn. S. S. 248 1 . 

3) Legitima tutela ist die gesetzli<ebe' Vorniiindi^ 
sebaft der n&cbsten Agnaten dbi nftcfasten IfcteataterUen^ 
wenn kaine testamentariscbe Yerfiigiuig iiber die Ydr^ 
mun^boblift vorbaoden war, Gai. l, 157" olim quidem qtikii^ 
turn ad legekA XII tabwlarum attinet, etiam femintm 
itgmaios hab'ebhnt tutor es. JSedj^oitea iesp ClauHa heim 
e9t<f quae quod: -ad feminas aiiin^Jagnaiorum^tutefoi 
tu$iuliti ' Daaa dieser driidLenden TatiBi der Agnateb 'dii 
mnndigen Frauen erst duceh Claudias ehtsogea worAen 
sind, oezeugt ausser Gai. I, 171 auch Ulp. XI^-8 ,/i^ 
minarum \auiim legtiimai tideiar^ lex ^Ciaudta austulit 
(so lieakCaw.^SSm\m8Hnet) excepiay'iwiela paHfohirum ; 
dia.andern Yocmiiiider da^g^n'^bUeben, ja .aog^ii^aina 
besondere Art der legitima tutela, der Patrone Ober die 
freigelassenen Frauen (Gai. I, 165) bielt sich hocb'^.^ 
..,' ,yi0ela:Ji4uo9ariai'^*) erscbeiatnalaMMn bMftofterer 

-«• , .! i » i-'t', • \ .* *i ^ f . ' •»! .» ■■' •!/ tf^'r . / 

, / .\ . • '« . ' ■■ »\ ',.',[ f ■ -^pH ^y.•\•|^\ 

. *) Sp^gt^ ia s. Zeitichzin ID, S* 3jl2 & Und ybrlite 3d&.ir«> 
**) 9l die S. 252 dtirt^ Sduriften mid i^oemptio S.47a 



_ 252 — V 

Awrwegv ^^m^h Aawendnng die Jarimen wffttidefi; 'tifil 
die Fraaen der Hftite der legitinii tuh zn entziebed; 
Cic. p» Mar. 12 fuim quum permultu prueelare le-- 
gibui e9$eni can$tituia^ €u iureconndtomm ingeniis 
pleraque corrupta uc d^pranafa sunt. Mulieres tOmnes 
^^mtaioref in tutorum pot Estate eHe eoluertmt: ^(^ in^ 
vemerunt genera tmtorumy quae potesfaie muliermm eon* 
tinerentut (die Jarisieii erfanden Vormfinder, welehe 
VOB den Frauen ablitogen , nemlieh tutcNres fidueiarniB 
und 6ptiros) ^)^ - Sacra interire iUi noluerunt: hormn 
ingema genes tsd eo^Mtiones faciendas iMerhnendorum 
€ausa rtpeHi sunL S* 8. 179* Die Fraaen 'sefalosneii 
fidtie Sclieinehe rak einem Mann (anter dem Yerspreclien 
remandpirt za werden),welGber sie einem An'derii inan«^ 
eipirte, damit dieeer durch ihre Freilassnng Patronats* 
rechte iiber sie erlangte. Gai* I, 114. 115. 195. So wat 
eie aa» ibrer Familie heraosgetreten and die ebemaligen 
Agiiafen konnten sie niokt.mebr faiiidem, nacb Belieben 
liber jiieh and ibr Vermogen za disponiren , denn der 
tutor fiduciarias hatte gewiss nicbt eine idee Ton Aacto- 
rilit nber seine Pflegi>Moblene , da, wenn er 'seine Za- 
Stimmang Terweigern woUte , ibn die^ Fran durch den 
Prater daz^ zwingen konnte. Gai. I, 190* II, 122. 

4) 'Ein ohrigkeitUcher Vormund (*dativus tut4r) 
ilfordeernaDnt, wenn keine testamentarische Veriagiuig 
nnd keine Agnaten T.orbanden ifraren; zufolge der lex 
Aiilia s. S. 242. Liv. XXXIX, 9. Gai. I, 154. 184. Ulp. 
XI, 18* Ausser diesem tutor Atiliahvs gt^bt der Pf ^tor 
allein nocb bq^ondere.Tutoren'fur sipezieUe Falle, z. E. 
wenn der eigentlicbe Vormund abwesend ist, wenn er 
abgesetzt ist, wenn die dos bestimmt werden soil (ira 
FaU dass das MlUicben aosserdem nocb einen legitiums 
tttlor hat). Gai. I, 173. 174. 178. 180. 182* UIp. XI, 
2a~23. 

Ausnahmen von der weiiticken TuteL ^ 

1). Seit alter Zeit Bind die Vesti£toen ohae Vor^ 
Bmiid Plttt. Num. 10 ^ daher sie auch aneingescbrSnkte 



' ^)'Anf beide'AfMn beaiehea es anoh VSkr fan Mag. f. Reditt* 
wisi. u. Gei. Ill, S. 425. Husehke de priyiL Feie. p. 53 f., Zfm- 
mems Rechtigeich. I, S. 919. Anf optic allein «• Savigny Zeitschr.^ 
I|i;,'S. 328 f.^ anS ooSmj^id anelD Goim Sobolitli a* <7ai. 8. iSoT 
188 I. .5. 5cAJttp«^f jB^miark. 8. 138 iL 



~ 253 — 

tettioMiiti (actio : hBben iin3 bei CeierlicheD Geidiftfieii 
ZeugniBS ablegen. diiffen. Gell. YI, 7. I, 12"^). Cic. de 
rep. Ill, 10. Difkseas Uebersicht & 315 f. 

2) Durch Aogo^t warden die Frauen di&peneirl, 
wdebe mehre Kinder geboren batten. Gai* I, 145 ton- 
tum ex lege Julia ei Fmpia Poppaea iure liberorum a 
tuiela. liberantur femiuae. Lofuimur uuiem excepUs 
virginibus Vefta/ibus , quat etiam veteres in^ hanorem 
iucerdotii Uberm» e»$e volueruni: ,iiaque etiam lege 
XJI tabulwmmcantum est. 1 ,194^ tutela nutem libe-- 
ramtmr ingenuae quidem fHum liberorum iurej si in 
iegUima tutelu $intj Ubertinae vere quatuor^ $i iu 
ptitraMoruM tutela sint. 

;3) Besondere Diapensationsfiille werden erat nntei 
den i^iiaern erwtthnt, Dio Cass. XLIX, 38. 



ZwHtei Capitel. 

Fahigkeit und Pflicht zur Uebernahme 

der Yormundsckaft. 

Unfthig sihd dieselben Personen , vrelche S. 243 f. 
genanlit sind, mit Ausnahme Unmandig^r mftnnlicben 
Geschleehts arid der Wahnsinnigen'*'*), welche die Yor« 
mandscbaft nber Fraaen za fiihren berechtigt sind. Ex* 
casationen aber waren durcbaasangiiltig. 



/ 



Drittes Capitel. 
Re c h t 



e. 



Die Fraaen stehen weit hoher als die UnmiiQdigen, 
indem sie ihr Yermogen stets selbst verwalten and nnr 
in gewissen F&llen an des tator aactoritas gebonden 
sind. Ulp. XI, 25 pupillorum pupillarumque tutoree 
et negotia gerunt (administriren) et auctoritatem iaier-^ 
ponunt ; mt^ierum autem tutor es auctoritatem dumtaxai 



*) Ueber Gell. I, 12 handelt G, E» Crameri ad Gell* excnmii 
qoartiis. GebnrUtagtprogr. d. Uiut. Kiel 1832* ' 

. . **) 2Smmeim R. 6. I, S. 8d8 f. Schmmg$ Bemerk. S. 53 & * 



— 254 ^ 

I 

Merf^mmnt. Dock audi diete Beadfaianing igt wmr bdi 
der legitima tutela TOU/Wicbtigk^it nnd Bedeutang^ ki^ 
dem die andern Yorinilnder sfimmtliok znr Eiiiwilligaiig 
geswQQgen urerdeii konneii) ako nur d$ci$ causa Tor- 
hadden sind. Gai. II, 122. 121. Zwar koante aach der 
legitimoa aur EinwittgipBg obrigkeklieh mzwaogeii uper* 
den 9 dach noi m wenigen Fallen una in dnngendet 
Neth. GaL I^. 192 pair^nmmm ei parmium hgHma^ 
tuielae vim aHfuam habere inteUigumiwr* eoy food ki 
neqnead tesiamentmn facteHdum^ nequm.ad rm mam^ 
eipl aUenaadoMy nkque ad. oiMgoHoMs nudpiendoi 
mucUre9 Jiiiri eogamiury peaeier qnam la. magna 000^ 
alienandarum'res mahcipi obligdiianisjttB'^iwtetpiemlm^ 
jMerveniaU Eaque Mmia ipsarum causa €»niUtuta 
suniy ut quia ad eos ifUeitamm wwriuarumieredUates 
pertinent y neque per testamentum exdudantur ab Ae- 
reditate^ neque aiienatis pretiosioribm rebus suscepto-^ 
que acre alieno minus loeupl^adeos hereditas perve^ 
niat (damit das Yermogen unverkleinert bei derFamilie 
bleibe nind uavepkOrlit an die AgnsMA <ibergehe)« Hik 
sp^ziellen Falle, wean aactoritpfli des Yarmunds nothig 
isty 9&hlt Ulp. XI^ 27 aof tutoris auctoritas necessaria 
0^i mulieribus quidem in his rebus: si leg^ mt iudicio 
legitimsL agant (bei Klagen in alter atrenger Arty wie 
legis actions a. $• w.) si se obligent, si civUe nego^ 
tium, gerant (Geschafte, welche wegen der strengen 
Form des aken Rechts den Frauen nnzog^glich siod, 
wie Mancipation, Civilerbschaft u. s* w.), fi libertae 
suae permittant in contubernio alieni servi morari (das 
Patronatsrecht diirfen sie also niclit aufgeben) , si rem 
moficipi alienent* Pupillis autem his amplius etiam in 
rerum nee mancipi alienations tutoris auctoritate opus 
est. Die Frauen soUen also 

1). weder eines legitimum iudieium fahig seyn, noch 
aonst eines strengen civile negotium^ wo Tor allem die 
Besehrankungen deS Tesiirens zu erwahnen sind. Kein 
weihliches Testament soil ohne des Yormunds Einwil-^ 
ligiiag' gelten 9 weil die alteste Fo^m derselben FF.anea 
die.j&fassung unmogUch mACilUe) w«lfiib«s nebr-wichtig 
war, indem dadurch die agnatischen Yormiinder vor 
•alien Beeintrachtigungen in Kiicksicht auf das Familien- 
vetmwen gesichert waren* 8. oben Qai. 1, 192. II, 121. 
dp. aX, 15 feminae post duodeeimum annum aetatis 
testamenta facete possunt tutors auctore^ donee in 



\ ! 



' I 



— 25$ — 

uiiter.-Aiietiwitfw thves putroaatiftcbeD Yormvikfe ein fpA* 
ligM.TestNnneitt oafiwtsen 6aL HI, 48 in boniw^ liberty 
narum nuttam iniuriam avUiquo iure puiiebfXMimr pairmii. 
Omi mEmt Kme 'in patronorum legitimm tutela eswentj 
nanatliiiersciKe^ iestamenium /acere paierant ^ quam 

Sarfrmm duciare cett & auch III, 52. iJlp. XXIX, 3. -^ 
^ar-toniaeh' bei den'Alten Tiele Beiapide von Fraaeii* 
teslaiaaalen var («• Erbr.), judoeh bewaiaen diese nichta 
gegan die ansgesprocbtne Bagal, deaa eatweder waren 
, sia 'init des Agnatisckea YorniaDds Einwilli^ng abge» 
faast, Oder die Fitauea 'Waf^n doreh eotimptio aus ihrer 
EamiMe berausgetreteb (mit; eiaer cap« deminatio mta.) 
iind -hatli^ dadarck aar eiaen ScheinTormuad erbaltaa, 
dicker feeiqe '•aaotoritas aiebt versagea koaate* Daraaf 
keaiebc' slab- die TialkeBproebeae SteDe aas Cic* Top* 4« 
•• fjrbfeabt; and deadich sagt es Gai^ I, 115 olim eiiam 
teitamenii fneniMi gratia jfiduciaria fiebai co^mptio. 
!IWac emm nan dlHer feminae t€$iamenti faciendi iti$ 
IMebanii Mceptii quibusdam perfaniij quam sicoSmptio^ 
nem feci$sent ' remanQipaiaeqae ef manumiisa^ fui»9eni'* 
Sed hancnecewsitatem coimptionig fadendae €X auei'a^ 
riiate divt Hadriaini senatus rempiit. 118* S« S. IZ^.f; 
Nar^'die Yestaliaaea begasaea Tei^laiaeatsffthigkailt (S. 
& 251^ 1)« Geli* I, 12. Ob aber Frauea, die aicbt in ' 
eiaer le^tiiha tntehi stehea, obae dea aadera Varmnnds 
Zastimmimg ein giiltrges Testaaieat machea koanen, iKsst 
6ai. II, 121. 122 uiibeantwortet; Der Fall mag aeken 
▼orgekoHiinea aeya, da die aadern Vortaiiader aa anelo- 
ritas gezwuBgen werden konntea. S. oben a. Erbr. Cap^ L 
. EJbeaso warea den Franen die andara Btrengen Ci* 
Tilformefi« uaxagSiaglicb, a. £• acceptilatio ^. Obligatib- 
neiirecht Cap. XL. Gai. 11, 83. 85 muli^ribus — sitte^ 
tutor e auctore reete solvi potest^ nam qui wolvit, libe-^^^ 
ratur obUgatione, quia rei nee mancipi -r- a 4e dimit^ 
tere muiier et sine tut, auct. potest, Quanquam ioe 
ita est J si accipiat pecuniam: at si non aceipiat^ sed 
acceptam haiere se dicat et per ifcceptilationem ^elit ' 
debitorem sine tut. auet* liberare^ non potest* HI, 171.^ 
Niebt weniger war die feierlicbe manumissio (Uipv I, ' 
i7. Cic. p* Qi'el. 29 heisst es, dass die beriichtigte Clodiii 
Sclaven freigelassen babe, aber aasdriicklich de cogna-r 
torum sententia and de propinquorum fortissimorum 
virorum sententia atque auctoritate-^ also wabrscKein- 



y 



25ft 



lioh Mit Aatoritft ihlrer v^mniliAaldklieii Yomualcr), 
im iure cet#t« (s. & 142,ff«) camvemii0 m.mun$tm.{B* S. 179) 
doi$9 coiutitutia u. s* iv.. der Forn twegea deaFraiiigin 
uaanwendbar. .. /> . 

. . 2) Verausieruagen der rer mancdni obne (ki Yolr* 
nmnds Anctoritas aind nogiihig;. .Kelchc! Besliiiiin«|ig 
uchon 4ie XII Tafeln enthielten.. Gai. II , 47 nmiieru 
quae $H agnat^rum tuteiu erai^ re$ mat$e$p$ uaueapi 
nan poierani^ prueterquam si .ab ip$o tutore nuciare 
iradiiae ewent: id it a lege Xlliabniarum cautum eraf, 
Nioht bios / von Usucapion, sondern nberhanpt von ver- 
botfBtier Alienation der res mancipi apricfatGai^ II, 80 
und Ulp. XI, 27. Dicksena Uebameht S. 317 tL Damit 
scheincn einige Stellen Ciceros in WidenfHruehxn atebQii# 
welcher aich viel allgemeiner. ausdrikkt, p« FIaea.'34 
nihil potest de tutela legUima sine owmium tmiarum 
auctoriiate deminui and ad Att. I, 5 id mirmbatm^ te 
ignorare^ de iuiela legitima^ in qjua didimr, esse puellay 
nihil usucapi posse* £s iat keine andere^&elle ;Vorban;« 
den, welche eine Aend^rung des alteil Recbtezastandea 
andedt^t"^, so dass es ain besten sejrn wird ansnnehmen; 
die XII Tafeln verboten nurNdie Usaeapion der xes maq^ 
dpi voxk Frauen, welches freilich fqr dviler Erwerk 
gteht, denn mancipatio und in iure cessio konnten dia 
Fraoed der Form wegen ohnehin nicbt.anwenden, na^ 
tnrlicher.Erwerb aber der eiuerFrau zugehoiigen Sacheni 
^ar niemals gehindert *)• Auch driickt sich Cieero aa 
jenen Stellen ungenau ans, da es ihm nicht darauf .an"* 
kam, eine griindliche juristische Entwicklung jener Ver* 
hSUtnisae zu liefern. Res nee mancipi konnen die Frauen 
be^ebig veraussern, ebenso Geld einnehmen : Cic. Top. 
11 noUj ^uemadmodum quod mulieri debeasj reete ipsi 
mulieri sine tutore auctore solvas: item .quod pupillo 
aut pupillme debeas, recte possis eodem modo solvere* 
Den Grund giebt Gai. II, 83 an quoniam meliorem con- 
ditionem suum facere iis . etiam sine tutore auctjorelbon^ 
cessum est* S. die oben cit. Stellea. . , 

3) Des Tutors Auctorita$ war zur Eingehung pas- 
sivih: Obligationen nothwendig, .wabrend active Obliga- 
tionen, wodureh die Frau reicher wird, derselben niebt 
bedurften. Gai. Ill, 107. 108. 1, 192. Ulp. XI, 27. Darauf 



*) ZimmerHM K 6. I,^ 8« 921 fL 



i 



— 257 ^ 

bexiehl sich Ciceros AjuMpruch we Caec. 2£s daw man 
den Richter nicht angeh^n d^m zu emscbaiden guod 
muHer sine tutore auctore promiterit^ deberi^ Nament- 
lich ivar bei Yeraprechangen der dos Zastimmnngdes 
Yoriiiands unerlfisslicb. Cic. p. Flacc. 35* Doii inquit 
(sc. der die Erbscbaft in Ansprucb nehmende Ebemann) 
Valeria pecuniam omnem $uam' dia^erai. -^ Cicero ent* 
gegnet aber: nihil istorum explicari pote9t ^ niii osten^ 
derisy illam in tutela Flacd ni9l» fui$9e. Si fuitj quae^ 
cunque iine h9c auctore eH dicta da$y nulla eiU 8« S. 
148. Weon der agnatische Yormund noch unmundig 
war, 80 sollte sich, verordnete lex Julia, die Frau einen 
pr&tbrischen Yormund ior diesen einzelnen Fall der Dos- 
bestimmung geben lassen Gai. I, 178. Ulp. XI, 20. — 
Dass die Fran durch Geldansleihen auch ohne den Yor- 
mund ein^ Obligation contrahire, bezeugt Gai. 11^ 81. 

4) Znm Antreten civiler Erbschaften (dei* eigent- 
licben here^itas) bedorften die Frauen der vormund- 
^ schafdicben auctoritas, Gai. I, 176, und wenn der Yor- 
mund abwesend ivar, so erhiellen sie fur diesenf beson- 
dern Fall einen andern. 

Was aber die Rechte der Frau gegen ihren Yor* 
mund betrifft, so war weder an Klagen, noch an irgend 
eine Yerantwortlichkeit des Yormunds zu denken, da 
er keine Yerwaltung, sbndern nur Auctoritas hatte. 



Vieriei CapiteL 

, Ende dieser Yormundschaft 

Die Tutel erliscbt in folgenden Fallen: 1) durcb 
den Tod des Yormunds oder der ' bevormundeten Frau, 
2) durch strenge Verheirathung der Frau, indent sie 
dadurch in des Mannes Gewalt iibergeht, 3) durch das 
Privilegium mehrer Kinder (S. S. 253) Gai. I, 194. Ill, 
44. UIp. XXIX, 3, wobei es gleichviel ist, ob die Frau 
sie wirlflich geboren oder nur das Privilegium erhalten 
hat, s. S 213 f., 4) durch abdicatio u. in rure cessio. Ulp. 
XI, 17 abdicare autem est dii^ere noUe we tutor em esse^ 
welches nur dem testamentariscben , nicht dem agnati- 
schen Yormund gestattet war. Gai. I, 168 — 172 agnatis 
qui legitimi tutore* sunt^ item manumissoribuw permissum 
est , feminarum tutelam alii itt iure cedere : pupillorum 

17 , 



^^■" t 



— 258 — 

amiem tuteiam man ett permiiium eedercj qniu n^n 
videiut onerota, eum iemppre puberUfiig jiniatur. Ib 
autem, cui ceditnr ini.eh(,^ ce$$ieiuB tutor vocMWK 
fluo Mtortuo aut cmpite d^minute, revertitnr 4t4 isum 
iutorem tutela^ qmi cesHt etc. Ulp. XI, 8 quantum ad 
agnmtOM periinet h^die eesiitia tutela non procedit (di^ 
ce«. tat. isc nicht m^hr yorhanden): quanium petftdtmti 
erat in iure cedere tutehtm feminarum tanium, non etiam 
masetilorum: feminarum autem legitimar tutelai tosB 
Claudia sustulit, ea^cepta tutela patronorum (i^eil K^l^ 
aer Claadius die game leg. tut. absehaffte). ulp. XIX, 
fl» XI 9 17*)* Diese beiden Arten also beendigen nieht 
die Vormandsehaft selbst, soDdern Teranlassea bios einett 
Weebsel der Vormunder* 



^ Zweiter TheiL 

Cura ode^ Curatio **). 

Def Unterschied a\¥i8ehen tutela und cura beruht 
nicht dariDy dass dem tutor nebeo der Sorge fur dan 
Vermogen aach die fur die Person des Pfiegbefohlaen 
oblieg^f wahiend cura nar s^uf das Vermogen g^he**") 
'u. 8. w., sondern allein darin, dass w&hrend es cha- 
rakteristisch ist, dass bei der tutela impub. auctoritas 
voricommen kann, bei der tut mul. vorkomraen, muss, 



*) S<^Uing9 Bemerk. S. 51. 
> *^ /• G, Seger breyii onrarmn historia* Lips. 1763 (opnsc ed. 
Kliiber 1788. I, 5. 111 — 141). /. C Brandenhurg comm. exp. dif* 
ferentias ims Rom. inter pupilloa et minores, tntores et curat. 
HannOT. 1793* /• F «• Meyer Unterschied zwi9chen Tntel n, Gnr* 
Frsnkf. 1803. JB. v. Lohr iiber die Rom. Begriffe Ton Tutel lu Cor. 
in s.^;iu Grolmanns Magaz. I, 1820. S. 1 — 71 nnd abermals Jj^* 
454—477 (gegen Sthweppe im Jurist. Mag. Altona 1818. I, S. 97 
— 117). F, ExU$ de differentia tatelae et corae apnd Rom. Utr. 1821 « 
Audor^ji RAdit der Vormandadiaft I, S. 71 — 163. 

***) Dieto Q. andera.alte Ansichten finden sich in den Schrif- 
ten bis aof lMr9 Untersnchnngeni sogar noch in ReUa de diff. 
O0tt« S*. dagegen ZMnmmM Unteraadi* ia s* Reohtsgesch. l^ S. 86S fF. 
«» BMdvig I» S. 35 ff. 47 ff. 



— \259 .— 

bei iit eirrd hingegeihl von Auctoritas hie die Rede ist, 
84^ dasit diesen Unterschied dbgetechfiet, die Hauptreqni- 
sit^ der fatelft a. cura zosammenfaillefi. 



Ersiei Capitel. 

Eiitstehung und einzeln^ Arteti der cura. 

/ A. Entstehung der cura. 

1) Die alfeste and sehon in den XII Tafeinf enthal- 
tene Cura ist die legitima Aei Agnaten oder nSLchsten « 
£rben , denen am meisten an der Erlialtung des Ver- . 
Hi5gens bei der Familie gelegen seyil mursste. S. unten. 
D^za geseQte sich 550 d. St. 2) die Prdtorische^ wenn 
der Pra^or dem tinier 25 Jahr Alten einen Curator^ 
tofangs nor fur einzelne Geschafte, spater fur <iie sanze 
Dauer seiner Minderja))rigkeit ertheilt. UPp^ Xll, 1 
Cnratores ant legititAi sunt i. e. qui ex lege XII ta" 
hularum dantnr, aut honoxarii if. e. qui a Praetore 
const iiuuntur. 3) Daztr kam er^t sp§t die testamentari- 
scbe Cura. 

J m 

S^/ Einzelne Arten der curatio. 

L Cura furiosi et prodigi* 

Die XII Tafehi «jteHteii den^ nieht iftehr nnmundigen 
Vernunftlosen in die Curatio seiner Agnaten und in 
deren Ermanglung in , die der Genfilen. Dirksens Ueber- . 
sieht S. 3^9—380. UIp. XII, 2. Cic. Tusc. Ill, 5 $i 
furiosus esse incipit etc. ad Her. I, 13 sifuriosus ex^ 
sistit etc. de inv. II, 50 si furiosus est, agnaiorum 
gentiliumque in eo peeuniaque eius pofestas esto, Varro, 
de r. r. I, 2 sagt dagegen mente est cdptus aique ^d 
agnatos et gentiles est deducendus und ebenso Colum. 
de r. r. I, 3. Doch ist auf dtese Ausdriicke kein grosser 
WeHh zu legen , denn sie haben in juristischer Bezi^- 
hung keine Bedeutuilg, indem jeder Vei'rinnfllose sowohl 
demens (der irn stiilen Wahilsinn Begrifti^nift) als furiosus 
(der Wtithende) unter Ciiratel steben muss. Yon dieser 
mentis ad omnid caecitds (Cic. Tusc. Ill, 5) ist dagegen - 
der zu unterscheiden^ Welcher bios einen nnvollstftndigen. 

'17* . 



•- 260 — 

Gebranch der Verniioft besitst in$anu» oier stuliMM (der 
Blddsinnige), welcher wohl einen Carator erhieit, aber 
Tom Prator , nicht den XII Tafeln zuColge. Hor. EpisC 

I, 101 — 103* FOr diesen Unterechied '^j spricht Cic. 
Tnsc. Ill, 5, Lact. de Tita'beata YU, 12, Fest. t. mente 
captus, Qninct. declam. 348. Eg versteht sich tod selbst, 
dasg der Prator die Angabe der Yenvandten gewissen- 
baft untersuchen mosste* ^ f 

Detn Wahnsinnigen analog wiirde der Verschwet^ 
der **) behandelt, welcher von dem Prator alg ein solcher 
erklUrt wnrde, sobald die Yerwandten daranf antrugen 
{poiiulare s. Yal. Max. YIII, 6, 1), wodurch derseibe 
die Yerwaltnng seines Yerraogens verlor nnd ans dem 
Kreise der Yerwandten einen Carator erhieit. Wenn 
man bedenkt^ wte sehr die Romer fih: die Erhaltung 
des Famitienvermogens sorgten and wie hoch der Buhm 
eines guten Haushalters gait, so wird man es nicht un- 
wahrscheinlich finden, dass diese Bestimmnng schon in 
den XII Tafeln enthalten war. Dirksens Uebersicht S. 
304. 377 ff. Cic. de sen. 7 nostra . more male rem ge- 
rentihuM patrisj bonis inierdici i^voin Prator). Hor. Sat. 

II, 3, 214 — 217. Quinct. Inst. XI, 1. Sen. controv. II, 
14. Yal. Max.^IlI, 5, 2 dolentes enim homines ferehanty 
pecuniam quae Fahiae gentis spletrdori servire debc" 
bat y flagiUis disiici^ UIp. XII, 2. Die Yerschwendang 
selbst wird von Gell. YU, 11 nequitiUy von Capitolin. 
Marc. 10 lascivia genannt. 

I 

IL Cura minorum ***). 

biese ist neaeren Ursprungs, denn in den ftltesten 
Zeiten trat mit der Pubertat voUst&ndige Handlangsfahig^ 



*) i). Sapigny Schutz der Minderjahrigen 8. 21 f. Rudorjf Vor- 
mundichaftsrecht I, S. 118 -« 128 stellt demens nicht dem furiosus^ 
*soudern dem iniani^$ gleich and versteht damntei^ den Blodsinnigen, 
welchei gegen obige Stellen spricht. 

**) Rudorffi Vonimndsch. I, 8. 128— -141 ; tmd yorher G. T. 
/• Wickerlink de cara prodigomm* Lngd. B. 1821. 

***) 5. ^. Nykerk de praecipuis modis prospiciendi minoribiia 
apad Rom. Amstel. 1823. C H. S. v. Boelen$ de lege LaetorUu 
droning. 1828i SchiUinga Bern. 8. iOSr-'lt2.ijludorff8 Reoht der Vor- 
mundschaft, I, 8.90-107. 11, 8.283—2921 <r« Savigtty Ton dem Scb^tz 



I 



- 261 - , , 

keit ein, otid erst die lex Plaetoria*) (vor 670 d, St 
gegeben) traf, um die Uebervortheilungen derer^ "weicfae 
zwar nnlndig aber noch nicht 25 Jahre alt Tvaren (iHino- 
ties XXV anmsj ssu verbindern, folgende Bestimmungen: 
1) die ^ses Bebrugs Ueberwie^en^ii soUen mit Geld- 
und Criminalstrafe (Ehrlosigkeit s. S. Ill) belegt wer^- 
deh , 2) die Minderjdhrigen sollen gegen dJe Klagen, 
i^elcbe aus einem Vertrag mit ihneii entspriiigen, eine 
exceptio legis Plaetoriae vorscbiitzen diirfen, 3} die Ver- 
trUge der Minores sind aber gultig nnd geben keiae 
exceptio^ wehn sie im Beiseyn eines vomrrator erbe* 
tenen Curator abgeschlossea sind **), Diese Caratoren 
erwahnt Fest. v. curatorei dicuntur^ qui pupillii (den 
Miindiggewordenen ) Ipco tutorum dantur^ tind Anden- 
tangen der lex uberhaupt hat Cic. de off. Ill, 15 circum^ 
scripiio adoleBcentium lege Plaetorta, sc. erat vindica^a, 
und Plaut. Bad. V, 3, 24, s. S. 114 f. 

Diese lex scbien aber nicht genng Schutz zu ge- 
withren, so dass der Preltor durch in integrum reititutio 
(s. Actionenrecht), welche die nachtheiligen Handlungen 
der minores als nicht geschehen ansah , ein dnrchgrei- 
fendes Schutzmittel geben zu raiissen ghinbte. Hierdurch 
Bowohl, als dnrch die allgemein gestattete doli edceptio 
kam die lex Piaetori^ allmalig in Yergessenfaeit, obgleich 
hin nnd wieder cnratores gewfihlt warden (eio Beispiel 
hat JDio Cass. LII, 20), bis das Institut durch den Kaiser 
Marc. AureHus eine neue Gestalt erhielt* Er verord- 
hete nemlich, dasi^ die Minderjahrigen manche Geschafte 



• N 



I 

der Minderjahrigen im Rom. Recht n. insbesondere toU derlexPlae- 
toria. Berlin 1833, dessen Hauptresultate oben mitgetheilt werden. 

*) Nicht Laeioria^^ sondern Plaeioria^ wie tab. Heracl. v. 111. 
112. (37. 38) hat, denn die Mas. yariiren. Dirkstns (obss. p. 90] n. 
MarezoUa -(S. 139) Bemerkk. zu dieser lex. Cio. de nat* D« III, 30. 

**) Bie andern Termeintlichen Bestimmnngea dieser lex, z. E. 
dass alle Stipniationen nnd Gelddarlehn der minores imgiiltig seyen, 
hat T. Sayigny scharfsinnig beseitigt S. 14 — 17, indem Snet. bei 
Prise. XVIII, 19 nnd VIII « 4 vttat (lex Plaetoria) minorem annis 
XXy siijmlari'mcht als ein mit Ungiiltigkeit , sondern als ein 
mit einem andern Nachtheil drohendes Verbot zn nehmen und 
ans Plant. Pseud. I, 3. 69 metuuni credere omnes — metuo eredere 
nichts zu beweisen ist, als dass man Minderjahrigen ohne curator 
wegen der Bettimn^uogen de^ lex Plaet« nidit gern borgeii wollte. 



— 262 — 

ohne Carator nicht Temohten kSnnteii, 2» E. we4er 
Prozesse fubren , noch SchiudiahlaDgen annebmeii u. a* 
w* and dass jeder minor, wenn er sich nicht fruh^r 
schon bei Yollendung der Vorrounds^haft vom Praler 
einen Curator freiwillig erbeten bab^, ^r b^i' den er- 
wahhten Geschllften vom Prator einen unfretwiUigeJi 
erbalten w?rde. Uih dieseg zn vermeiden mogen siicli 
die meisten minores von freien Stiicken einen Curator 
vom Prator erbetea haben, obgleich mancbe Andere ea 
nicbt tbaten, s. £• wepn sie wegen unbedeutenden Ver- 
mpgens eineq golch^n nicbt notbig batten u« 9*-w« *)• 
Sehr diirftig sind die Nachricbten bei GaL J, 197. 198. 
Ulp* XU) 4 praeterea dat curatorem ei etiamy qui nuper 
puoes /actus, idontse negotia iua iueri wm pote$ty 
welcbe« nacb Savigpy auf den Fall sn . beziehen ist, 
wenn eii| miindiger Sobn aus der p^tria poteata« getre* 
ten ist und einen Curator notbig h^t. Capitolin. Mare« 
10 de curatortbuS' verg, quum aute uonnisi ea lege 
fla,etoria (Mipderjabrigen) vel propter lascivia^k (Ver- 
se)! wendern). vel propter dementiam ( Wabnsinnigen) 
darentur, it^ statuit (M. Aurel), ut omnes adulti cura^. 
tores acciper^ut nan redditis causis (ohne Weiteres, 
denn bei den eben angefuhrten Fallen dea Wahn^inas 
und der Versehwendung* mussten die Verwandten . die 
(Ir§ach^ ihres Verlangen^ besonders nacbweiseq) '*'^\ 

IIL Cura ,aui anderen JJrsiicheu ***)• 

Der Prater ertbeilte auch bei andern Yeranlassungen 
Curatoren, deren Zahl sich nach und nacb mebrte, z. 
£» wegen langer Abwesenheit, langer I^rankbeit, aucb 
wenn ein Mann st^rb und eine schwangere Frau hinter- > 
liQ^s (cura ventris), sogar in^ Concurs (curabonorum s* 
Actionenrecht) u« h, w« 



*) Die Ute Ansicht, nach welch^r M. Anrelf Coiratel mo 
Zwangsanstalt war, widerlegt «• Savigny S, 27 fif. 

**) Gegen die amderen Interpretationen dieter Stelle s, v» So- 
vigny 8. 19 ff. und Rudorff* Yomiundsch. I, S» 95-- 101. 

***) Zimmems R« Q. (, S. 894. Rudorfft YonniiJiLdscliaftfr. I, 
S. 75 ff. 145— 16a. 



563/ 



' ZwHte* 
. R^chte und Erloschen d^r cura. 

A^ H e c h t €. ^ 

Der Curator hatte in alien F&llen eine vollstSndige 
VerniBgengverwaltung, wie der Vormund,' ali$o auch 
ganz (ti«selbe Verantwortlichkeit; s. S. 246 ff. Was die 
pers5nltcben Reehte bietrifll , so hatte er in manchen 
FSlleti aach die Sorge fiir dag leibliche Wohl des unter 
seiner Oqi^a Stehehden (der^ Minor 1st aber in seiner 
pers5nlicben Handlungsfdhlgkeit dnrchaus nicht geb tin- 
den J; in andern Mos Yerwdtang oder nur custodta des 
Vermbgens. 

B. ErlSichen der CurU. 

Die Cura erlangt ihr Ende, sobald die Ursachen 
ihrer Giiinduag erlosc^eii^ «ilso die curt minorum mit 
erlangter YoIIjahrigkeit, cura furiosorum mit wiederher- 
gest^ker GefWjQdh^it n» s. w. , 



Vier tcf Abtheilaag. 

S € I « V e> r e i. 
Sc^rvitns *). 



Wahren* die Gewalt des Vaters fiber seine Kinder 
etn Hctitromfsches Institut vnxt und potestas hiess , war 
die des Herm uher seine Sclaven den alten Vttlkern 
gemelrischaftlieh und gehorte. in das Gebiet des Eigen- 
thnms (donnninfn)\ ^enn der Sclave war dem Herrn 
wie eine Sacbe unterworfen (daher corpu$ u. maneip^m^ 
auch res mancipi). Andrerseits war der Sclave aucb 
eine Person! und ein Theil der fafnilia (Gell. lY, 1), der 
nicht bios im dominium, sondern auch in der potestas 
seines Herrn und in vielen Dingen neben dem filios 



*) Gan9 Erbredit II, S. 3ft2-;a5a 



C 'i U 



■ t\.\ ' 



~ 264 — 

familias stand *). Denn trotz der vor Alters dorch kein 
Gesetz beschraiikten Gewalt.de;^ Herrn iiber seiiie Scla- 
ven, wiirde doch nie das Recht des Menschen verkannt 
und auf seine Personlichkeit stets eine geivisse Riick- 
sicht genommen, bis die spatere Sitteriverderbniss auch 
hierin eine Aenderung verursachte und gesetxlicbe Be- 
stimntungen dea Sclavlsn als Menschen gegen seiden 
Herrn in Schutz nehmen mnssten. Sen. epist, 47 »« 
iUud quide^m mdetis^ quamomnem invidiam muioreinostri 
domimSf omnem coniumeliam servis detrt^s^erintf domi* 
num pairem, familiae appetlav^runi : servos familiaret 
etc. de benef. Ill,' 20 ff. de clem^ I, 18 ct» in servum 
omnia^ Hceanty est aliquid quod in hominem licere comC 
mune ius vetet. 



., Erstes CapiteL 

Entfitehung der Sclaverei **). 

Die Arten wie der Sclavenzustand eines Menschen 
entsteht, sind von der Art, dass wir sie entweder bei 
den Yolkern der alten Welt als gemeinschafdiche £nt- 
stehnngsgriinde finden , oder dass sie den Romern ans* 
schliesslich angehoren. 

A* Nach ius gentium: 1) durch Geburt von einer 

Sclavin, deren Kinder in die 'Gewalt des Herrn der 

e^-Uv.«r Mutter fielen (vernae hiessen -diese im Hanse gebornen 

Sclaven), jedoch ohne dass sie kU fructus angesehen 

warden. S. S. 125. 

2) Durch Kriegsge/afigenschqft , indem der ffefan«* 
gene Felnd sab hasta verkauft wurde (GelL Vu, 4» 
aubv corona Liv. Y, 22). Dieses Recht batten verm5ge 
de& ills , gentium natUrlich auch dieFeinde, so dass der 
von ihnen gefangene Romer Sclave wurde, wenn er 
nicht vor dem Friedensschlass nach Rom zurudckehrte, 
in welchem Falle die Fiktion gait, als sey er nie ana 



*) Dieses doppelte Element des Romisohen Sdayenyerhaltiussef » 
das sachliche und personliche, hat JBurchardi in 8. Qnindziigen des 
Rechtssyst. deir Romer .8* 114 — 130 nacbgewiesen^ anerkannt von 
Kangerow (iiber die Latini Janiani S» 66)« 
. *♦) Zimmentf R, G. S. 716^735. 



/ 



— 265 -^ 

\ 

seinen ' Verhftltniasen als lUlinl Bnrger heransgetreten. 
Ueber dieses ins postliihinli s. S. 158« Gai; I, 129. Ulp. 
X , 4. Plttt. qdaest. R6tn. V. ij^ Wy ttenb. Anm. Wer 
in der GefaDgeaschaft starb, hatte kein<^ letzt^illige 
YerfiigiiAg Hber sein ehemaliges in Rom befindliches 
Yerindgen, ' bis Sulla dorcb lea; Cornelia ein frSher im 
Zustan'd der-Freiheit ^bgefasstes Testament afls g6itig 
anefkannte (Cie. in Verr. I, 42 lex Cornelia testamen-' 
taria nummaria) tgique si in einiiate deces9i$9ei. Ulp. 
XXIII^ 6, ^ 

~ B. Selaverei entstaad dnrch das Civilrecht in fbl- 
ffendeii FnHen: 1) wenn der Gl&ubiger seinen ihm zu* 
gesprochenen insolventen Sebnldner verkaufte Gell. XX^ 
1. Dirksens Uebersicht S. 234 — 257 (das ganze Verfabren 
der Glllub^er niich den XII Taf. enth.),^ s. Obligationen* 
und Actionenrecht Dieser Yerkauf aber musst& in das 
Ausland (trans Tiberim) gescbeben. Vielleicbt warde 
in deralten Zeit ebenso der manifestas far dem Be- 
stotilnen addieirt, welcher nach Belieben mit ibm ver- 
fabren konnte. Gai. Ill, 189 poena manifesiifurli ex 
lege XII tixAiilarum capitali^ erat; nam liber verbera^ 
tu$ addijkebatur eij cui /urtum /ecerai* Utrum^ atttem 
$ervu$ (ffJUereiur ex addictionej an adiftdicaW lo,co 
eonstituer^iur^ veteres quaerebant, Spftter wurde diese 
Bestimmung aafgeboben, s. Obligatr. Cap.IX^l. 2) Wet 
sich denr- Census und Kriegsdienst entzog (auf das er- 
folgte Vorrufen magistratui non respondere) wurde vom 
Staat f'als Sdave in das' Aasland verkauft. Li v. I>, 44 
m^tu legii de incemis iaUkf cum vineulorum minis mor^. 
Usque., tiif. XI, 11. Die Bestrafong des Militftrdienst- 
pflicbtigeh, welcher sicb nicbt stellte oder desertirte, 
erwftfant Yal. Max. YI, 3, 4 et bona et ipsum vendidii 
(Consul) Liv. epit. L Y. Ein solcher, welcber gleicbsam im 
Namen des Yolks Terkauft ist (quem populus vendidii 
Cie. de or. I, 40 p. Caec. 34) ist ohne ius pestliminii^ 
ebenso wie der , welcher von seinem Yater in da's Aus- 
land verkauft worden ist. Bei dem dagegen waif es 
zweifelbaft, welcber wegen eines mit dem Feind ab^ 
seschlossenen, aber vom R5m. Yolk nicbt ratificirten 
Yertrags dem Feind ausgeUefert wvrde , s. Cie a. a. O. 
a. S. 158. 

3) Difrzum Tod oder Bergban (metalla) Yemr- 
tbeilten warden dadurch servipoenae^ welehe iau Recht 
behielten ein Testament an machen und der Intestaterb* 



\ 



— aae — 

jblge aicbft verlofl% l^ngM* Cit. de idt. II, SO vrigd dit 
Frage nufgeworfen) ob ein tntik Tode ¥(dr«rth#flter Ge^^ 
faogener ein . giiltigot Testament gemaoht li«ibe, d<H)h 
, uDeiit^eliied^i gelasaea, ebenso ad Her. 1 9 13« (In der 
jKaifi(er:eeit komileQ aoeh wirkliche Sdav^n , aJber aiur 
servi poblif^y in eine scdcbe Stmfe veffdUen^ wornbar 
Piinius ii« Trajanns nnterhandeln* Plin. ep. X 9 40. 41«) 

4) WelchQ sich iim des GewinncM wiUea (md pr€h 
tiuM pwtMpmidum) im einen aoleben v^rHoMef n Uegsesy 
welcner mit ihrer Freiheit nnbekani^t war, Tetloceo 4^^ 
durch die Freikeit, wenn sie das Geld dafiir emp&ngen 
batten and liber 20 Jahre alt wareii. Wenn diese Be* 
dingungen wegfielen , kotinte der Verkanfte jeder Zeil 
in die Frriheit zuriiekgefiihrt werden (ad lOeriatem 
preclamare)* Einen solehen Fall erzaUt Plant* Pers. I» 
3, 55. m 1, 10. 70, IV, 3, 9. 

5) £iae Yerordaang des Kaisers Claiidias befaU, 
dass wenn eine Freie mit einem fremden Selaten widet 
seines He? ra Willea im eontnbernium lebe , sie mil 
ibvem ganxen Yermogen de^ Herrn des Sclaven geb^en 
s«lle ; wabrend sie naeh der lex Aelia SemiaL frei ge^ ^ 
Uieben war, ^ber ^layen, geberen hatte '^). Wenn dae 
Herr des' Sclaven sQine Einwilligong «a diesem 2bi« 
sammeiileben segebeq balte^ , se bfieb die Fra« frei uinl 
gebar bios SeUven, bis Hadrian aegar die in diesmi 
Zosammdnleben Gebornen als Freie ansnseheik befakh 
Gu, I, S4/ ««. 91. 160. Ulp,^ XI, lU SMt Yesp. 11 ' 
Mnqt Vespasian a)« Ulrheber jener Vereirdaimg, weleb« 
Tae^ Ann. XU, 53 b^ Ckmdios erw&bnt iwier ?M# 
p^ert md paired de p^enm feminatumy quae ^enU 
conimgerentur ; ^t0tmtf$r§Uf «cl tgmaroi domino {ohwm 
{Unwilligiing des Heffru) ad id prolapme (in duBsens 
CeiAtuberniani lebeiid) im ^ervHute, <#^ con^ouitnei pro 
Uberiitt hahereniur ( ancb w()na der Herr ea erlaubt 
babe , so solle sie wie seine Freig^laasene aRg0sehe0 
werden , w^gen ctes an ihr haflenden Makels). 

' 6) In 9erviiutem revocatio (Zuruckfiihrang des Frei<^ 
gelassenen in die Selawerei, id&o eine neae Entstehuhgs- 
art) gait nac^ eineii YeFordnimg des Kaisers Clandina 
nur dann , wenn der Freigdassene ttioh sa wett gegen . 
seinen Patron verging^ dass er dessen status verdachtigea 



*> HmcMm Stadien des Hem. Reobtt I,,S. tdl^ld^i. C. T. 
I>ifto? ds S«. CIsiidiaBD. Bardie IdSd. 



' / 



I 



-r- 267 

» 

woUte, ^0^ Claadt 25, )f| andern F&IIaq bidsst m mt^4^ 
fefo^t n|iir das Reqht die^ IJerrD, d^ vpa s^iQ^mvFreir 
g^ajS|i|aQeB wMhi end der Freila^aog ErworhenQ akdaan 
in' Ansprucb za. nehmen, weqa sieh der^elbe durcb 
schlecht^ Aufiiihrung der Wohltbat der Freilassung un* 
\vurdig gemacht batte, vorausgesetzt , dass es keine 
feierliche Freilassung gewesen war* Da dieses Becbt 
in den Quellen in servitutem revocatio genannt wir^, 
so ist vogn zander Aaqahioe gekommen^ als ^mstebe. ui 
diesem Fall von Neuem Sclaverei , was aber keineswegs 
richtig ,|i|ft; ja sogar dia^. Clmidiuf Varprdnunff fcbeint nur 
vorijbergehend gewesen zu seyn ; denn unter Nero batte der 
Patron kein weiteries Recbt , ak den tindankbaren Frei- 
gelassenea zo* verbannen (Tac Ann* XIII, 26 quid enim 
aliud laesa patrona coneeesum, quam ui vicenmum ultra 
iapidem i» ot^m Campania^ lihertum relegetf) und als 
4em Senat der Varschjag einer wirkliobei^ in servitelem 
revocatio geniaebt wnrde^ am die Klagen nber eioge* 
rissena Schieohtigkeit der Fraigelassenen aa . beendigen, 
so .nafani ihn der Seoat nicbt an and £in Grand der 
Zuriiokweisung war anter anderen folgender von Tac 
Ann. XIII, 27 angegebener* iVion Jrustma maiore$ cum 
dignitaiem opdinum dividereni^ liber iaiem id commmmi 
poMuisie. Qpin ei manumitUndi dua$ 9peeie$ in$t4ttitu$ 
(sie> batten zwei Artea der Freilassung, eiae feierlicb^ 
uad uafeierliebe eiagafubrt), ut rehuquer^tur peeniieu* 
tiae out u»t» benqjSeio /octft (damit wean man dea 
Sclavea das erstMaalaafeierliob freigelassen biUle, w^ 
dttreb #r nun ia die Classa der Latipi Juniani kftaW) 
maa eatweder, im Falle man aber die Freilassung .Reua 
eiapfaade,, iba in diesem Staade lassea, oder dureh 
Iteration d. b. Hinzufiiguag der neaen Wobltbat aav 
alt^s, ibn voUig frei macnen koane). QaiM mudiiia 
puironut ni^n iiheraveritj velut mnculo iervitutii atiineri 
(wenn.man dem znm etateninal anfeierlich Freigelasse« 
nen die zweite feierlicbe Freilassung versage, so wiirde 
er dadurcb ge^^issermassen in dem Sclavenzustand zu- 
riickgebalten , da er nicbts mebr wunscben masste, ida 
durcb wiederbolte Freilassung ganz frei zu werden) *)• 



*> Diese voa Bm€9ii gegep die friiheren ErkL aafgettollte Ia« 
terpretaUon hM Gosn^ weit^r amgefiUut nnd begrilndel m SMU 
schrift f. gesch. RechtswiM.m» S. 27$ -^284. »• Kwgmow iOu ± 






— 268 — 

ditfieeret quisque merita^ tardeque eoneederei^ quod 
datum non adimereiur (Aefk%hxAh k5nne man vorher 
genaii iiberlegen und das Niehtzunicknehmbare erst sp§t 
ubd voFsichtig ertfaeileo)* ^ , 



/ 



Zwettes CapiteL 
Rechtliche Yerhaltnisse des Herrn und Sclaven. 

L Per$4nliche Rechte des H^rrn. 

Die alte Strenge, vermoge welcher dem Herrn das 
Becht liber Leben und Tod des Scl^ven znstand, wurde 
darch die Sitte gemildert, so' dass in alter Zeit weniger 
Klagen tiber personlicHe Harte vorkamen , als in den 
Zeiten der gesnnkenen Moralitat ( schreckliche- Zuchti- 
gupgen der Sclaven er\Vlihnen Plant. A.sin. Ill, 2. Jav* , 
Vl, 219-223. 222 Q demens, ita senms homo est? nil 
fecerit esid; Hoc tolo^ sic iubeo ceit. Hor. Epist. I^ 
16, 47 f. II, 2, 15. S^n. de clem. I, 18. epist. 47. de 
ira III^ 40 (Yorwcffen den Fischen) ebenso Plin. Iiist* 
nat IX, 23. Gell. V, 14. ?lut. Coriol. 24. ~ Verkauf ' 
der Sclaven bedarf keines Beweises , s. Cato de r* r* II, ^ 
10. Gell. YII, 4 u. s. w.). Gesetzliche Mildemng und 
Beschrllnkung der dominica potestas erfolgte zuerst unter 
August durcn lex Peironia (?), Nwelche aber sebr un*^ 
nsivollst&ndig gewesen seyn mag^ so dass Antoninus Pius 
TtarOrdnete *), wer seine Sdaven ohne gerecbte IJrsache 
todte, 86lle ebenso bestraft werden, *nls wer ^inen frem- 
den Sclaven tddte , iiberhaupt soUe jede Grausamkeit 
des Herrn bestraft werden n. s. w. Gai. I, 53. Diese 
Untersuchungen besorgte der Praefectus urbi, welchea 
schon August als Aufseher der Sclavenverh&hnisse be- 
stimmt hatte (Tac* Ann* YI^ 11), von welchem Senec. 



Lat. Jan. S. 8^ f. rersteht unter senntniU t^mcwlo das foridauernie 
qviriiarische Eigenihum» » 

*} ۥ Fm C. Wencldi opnsc. acad. ed. F. C. G. Stieber. Lips. 
1834. Diyns Pius sire ad legem Imp. T. A. Antonii comment, 
•pec. I, S. l«i-66« I(, S« 67 — 127, worm dch mandie< Unter- 
sackangen and Anfschliisse iiber das Romisohe Mavenverhaltnits 
fiadeiH iiber lex Petronia S. 44. 49 £ 



— 269 — 

de bemf. Ill, 22 sagt de ifduriii domin^rum in servo$ 
qui audiat positus €9tj qui et saevitiam et libidinem 
et in praebendis ad victum necegsariis avariiiam com-- 
pescai. Lips, ad Sen. Ill, 21, Eine andere Milderung 
natte schon Claadius eintreten lassen, indem er verord* 
nete^ dass jeder wegen sfeioes Alters verstoi^sene Sclave 
frei seyn soUe (Suel. Claud. 25, Dio Caiss. LX, 2^., ja 
er soil aach die. Todtung der Sclaven wie Mord bestraft 
haben fcaedis crimine te^erijn So seheo wir ein friiher 
ungewohnliches Eingreifen des Staats in die Familien- 
verhaltnisse , so dass die Sclaveo sich iiber ihre Herxn 
bescbweren durften tind dass die Yerbrechen dies Scla- 
Ten von der Obrigkeit untersucht warden (schon unter . 
Hadrian, s. Gell. V, 14). 

//• Vermogensverhdltnisfe. 

Was der Sclave erwarb, gehorte dem Herrn', ab 
wenn er filius familias w&re, ,aiid zwar erwarb er nicht 
hlos Eigentham und Obligadonen , sondern auch Besits 
und gab dadarch dem Herrn die Moglichkeit zu usn* 
capiren. Gai. I, 52 quodcunque per servum acquirifur^ 
id domino acquiritur, II, 86* 87 quod servi noitri man^ 
eipio accipiunt (dur6h Mancipation), vel ex iraditione 
nanciscuntur^ sive quid stipulentur^ vel ex alia qualibet 
causa acquiranty id nobis acquiriiur cett. 89. Ulp. XIX, 
18 — 20. Hat einer iibdr den Sclaven jMt nudum ins 
Quiritium (dem Namen nach), ein anderer aber Eigen- 
thorn in bonis (s. S. 130 f.), so erwirbt nur dieser durch 
denselben Gai. I, 54. II, 88. UI, 166. Wer einen frem- 
den Sclaven bios in bonae fidei possessio oder als Usu- 
fructuar hat, erwirbt nur in zwei Fcillen durch ihn, 
nemlich quidquid ex re nostra (aus dem was man ihm 
selbst iibergeben hat) vel ex operis suis acquirant (aus 
dessen Diensten) ; das Andere h\\t an den wahren domi- 
nus des Sclaven. Gai. II, 91—95. 86. lU, 164. 165*). 

Die Un&higkeit des Slaven, Yermdffen zu erwerben 
und zu haben erlitt dann eine Ausnanme, wenn der 
Herr dem Sclaven (analog dem filius familias s. S. 22&f.) 
ein eignes Vermdgen gab (peculium)^ welches dieser 



*) O. G^eiohen^ per enm hominemy ^i serriat, quemadmodnm 
nobis acqniratnr, Gotting. 1852 bescbaftigt siott blot mit d«ii 9a- 
•tin. Reoht. 



-. 27X) — 

flelbst vef(mlkiM darfte Md ^it» hlMlg 4ie Fi^faalt 
erkanfte. Lips, ad Tae. Aiiii. JLIV ^ 4t2. Yi»^ Eel. I, 
33 fi^c ir|>e# libertaW er«ty nee 4:ur€i pteuli. A^hhlict^ 
Aitspielengeii Plaut. Rud. lY^ 2, 23 Cas. 11^ 5, 7; am 
deyiliehsten Sen* ep. 80 mtmcipHu '^ p^6uliun$ rmiiH, quod 
comparavtrunt 'tentre /raudaiio pro capite nfHnetant. 
Dass sieh die Sclaven durch allerlei SchS^ndliehkeiteti 
Vermdgen erwarb^a and sodann loskauft^tt, erzahit 
Dion. HaL IV^ 24. Ausserdem wird das peeulium der 
Scla^en noefa erwSihnt von Plant* Asin. II, 4, 91 (Wo 
tich der Sclave Leonida seines grossen Besitzes rnjimt). 
Most. I, 3) W. Varro de r. r* I, f 7 u. bei Cid. in Verr. 
I, 36^ wo Verres von eiBet unrecbtKcfa arngemassten 
Erbschaft die Sclaven theils ztirnckgiebt, tfaeils bebalt, 
aber peculia omnium vicariique (Stellvertreter der Scla- 
Ten, zu deren pecutium sie als Sclaven gehorten, Hor* 
Sat* II, 7, 79 vte» est, qui servo paret. Plant. Asin* U, 
4, 28) retfnentur. Ill, 38 hie Biognotus ^— tficaNum 
nullum hahet ^ nihil omnino peeulii. Reicbe Setaven », 
bei Plin. h* n-. XXXlIIy 10. Manebe Herrn gaben ihreB 
Selaveii t^inefi reg^lniassigeii Gehalt, nm sicb dur<ib fipar- 
same Yefij^alinng einVermogen zu erwerbcH'Tef.Fbormw 
I, I5 9 ^od' iile uneiaiim vix de demem^ #«# -^ eom^ 
pwiii misep eett. Lips, eleet I, 22. ' 

///. Verpftibhtung des Serrn dufch seinen Sclaven. 

Der M^l> haftet fBr den ScIaT<l^ iii denselben FiAIen, 
wie fihr defi Hanssobn, nemlieb 1) Wegen Delikte and 
2) vregen ertailbtei* OescbUftle, woriiber das' Erforderliehe 
im Obligafiottenr^bt nsichflias^dhen' iat (Cap. II.). 



Dttms Chpiiel 



A; 



Sett der lUtes«en^ 8ei« fciatfe* der Hert* das Recht^ 
seinen Scfaten frei^otasseki, w«I«bt»r nd^h Dion; Hal. 
IV, 24 von Servius Tullius bestatigt wurde* Der Frei- 
gebssene hiess libertusj in Bezag auf seinen Patron, 



*) Zimmtnu R. 6. I, S. 736 -- 776. Oan$ SohoUen 8; 25—84. 



X 



^hre^d tih^timti (vor Alters Sobn des FreigetaiSfletieii, 
der noeh in maneher B^ziehong zur Familie des Frei- 
lassers seines Vaters stand Saet. Claud. 24. Wolf, ad h. 
L Casaiib. ad c«*25. Isidor. orig. IX, 4» Dnk. ad Liv. 
IX, 46. Botticher. lex. Taeit) einen Freigelassenen iiber- 
haupt seinem Stande nach bezeichnete, nemlich von der 
Zeit an, als die Sohne der -Freigelassenen immer mehr 
ata den Freigebornen gerechnet lytirden. Die Freila»- 
snng geschah etitweder feierlich nnd verschaifte dent 
Freigelassenen das vollst&ndige Recht des Freilassers 
(Civitat), oder unfeierlich, in welchem Fall bios ein 
faklischer Zuf&tand der Freiheit entstand, dessen Fort- 
datier vem Herrn abhing. S. 267 u. unten. Tac. Atin. 
XlII, 27 manumittendi dua» species tmtitutas. Plant. 
Menaechm* V, 9, 88. Ter. Andr. V, 9, 13. 

' A. Feietliche Freilaiittngsformen*), 

Es gab 3 Arten der feierlichen Freilassnng (Plant 
Cas. II, 8, 68 iter lihertutes^ Scfaol. Crnq. ad Hor. Sat. 
n, 7, 76. Bbeth. ad Cic. Top. II, p. 288 ed; Or. faciendi 
liheri ttes sunt partes^ Gai I, 17< 

/. Manumissio vindicta **) ( Pers. V, 88 vindietu 
f^Stqnetm mens a praeiore recessi)^ welche aof einer 
fingirten in lihertatem vindicaiio des Sdaven durch 
eineh Dritten and einer Freilassung von Seiten des 
Herrn *'^*) vor einer Magistratsperson bferubte. Der 



** *) C. A. o. Vangerow iiber die Latioi Jnniani. MarBorg' 1833, 
8. 76—81. Hier und 8. 68 fasat v. V. die Freilassmig als Uebexw 
tragnng des Eigenthnnil (eine Veraassemiig ) an den bisherigen 
Sclaven (an ihn selbst) auf« 

**) Unierholzner TOn den Spimen der manumissio per yith* 
dictam nnd der emancipatio jn d. Zeitschrift f.- gesch. Re«htswis«. 
II, 8. 139 — 157 (iiber mannm.) nnd kHrzer gefasst in Heindorfs 
A. der Hor. Sat Ilg 7, 76 f. BaMom- Rosens dommitnn 8. 151 ff« 
162 ff. 195 & 

***) Schweppe R. 6. Si 641 nennt djese Freilassnng von Sei- 
ten des Herrn io inre cessio (!) ; doch in inre" oessio enthalt wohl 
die Tindicado in sich , aber nmg^^urt die yind. niobt die in inre 
eessio. 8^ 8. 142. Daher behanptete Unierholzngr S. 143, dass diese 
mannmissio vind. ihrer Gmndform naoh ein/ in inre cessio ge- 
wesen, nnd ^regen der. Aehnliohkeit beider Handlongen wtirde diese 



/ 



— 272 — 

I 
I 

Solav^ warde nemlich von einem tn libertatem unertvr, 
welchies sp&ter immer ein Lictor war^ vindieirt mit den 
WorCen hunc hommem liberum esse aio secundum suam 
causam, sicut dixi, ecce tihi vindictam imposui (Gai. 
IV, 16) indem er dabei einen Schlag aaf.dag Haupt mit 
der virga oder vindicta (aucb /esiuca), spater einen 
Backenstreich erhielt *) (Plaut. mil, glor. IV, 1, 15 ean* 
ingenua an festuca facta e serva libera est? Sidoo. 
ad Anthem* II, 545 verbefa^ Claudian. cons. I V. Honor. 
613 ictus), worauf der Herr ihn im Kreise herumdrehie 
(Pers. V, 75 £ una Quiritem Vertigo facit , 78 Verterit 
Aunc dominuSj momenta turbinis exit Marcus Dama 
ein Burger ans einem Sclaven, SchoL Cornut. h. L 
Isidor. orjg. IX, 4, Quinct* decl. 242) nnd mit fplgen- 
den Worten aus seiner Hand liess (denn bisher ha^e 
er ein Glied seines KSrpers gehalten, Fest. manumitti) 
hunc komiuem liberum esse tolp (Fest. 1. L), worauf die 
Magistratsperson die Freiheit oes Sclaven erklarte (Ulp* 
1, 7. Liv. XLI, 9. Cic. ad Att. VII, 2 addicere). 

Was den Namen betriftt, so kam er gewiss nicht 
Ton dem Namen des Sclaven Vindicius, welcher zur 
Belohnung fur die naofa der Konige Yertreibung ent- 
4eckt9 Verschworung anf diese Weise frei geworden 
seyn sollte l^Liv. II, 5) , sondern von den fingirten vin^ 
diciae (GeU. XX, 10. Fest b. v. S. 279. 748 . ed. Lind.) 
her , nur dass hier eine Person in die Freihejt, bei den 
wahren vindiciae eine Sache als Eigenthum viodicirt 



Ansicht ricbtig seyn, sobald sich iiberhaupt nacbweisen liesse, d^ss 

Freilassnng durch in iure cessio geschelien ware. So lange solcbe 

Stellen nicht bekannt sind , mi^ss man dj^se Freilassving wie ge> 

w6hnlich geschiebt (s. aucb Zimmerns R. G. I, S. 743] durcb die 

legis actio pei* vindio. erklaren nnd in lure cessio damit .nicht in 

Verbindung bringen. S. Actton^nrecbt. S ' 

•) Dieser Schlag sollte, wie UnierhcHzner S,45l vernlutbet, 

! den G^ensatz zwiscben Sclaverei nnd Freiheit anschaulich 

; macben, indem der Herr seinen Sclayea zum letztenmale gescbla* 

\ gen babe; dann miissle aber dei^ Heyr, nicht der vindicireude 

f Liotor den Schlag yoilzogen haben ; docb jenes gescbab stets durch 

I den Lictor, imr Qolnct. decl. 242 nennt missversltebend den Herrn, 

\ SohoL adPers, V, 88 sogar den Frator* Diese. Handlupg ist nichU 

I welter, als die der Vindication des Sachenrecbts entlehnte yis oi« 

yilis des Vindioanten* S. Actionenrecbt. 



X 



— 273 — , 

vr^den sollte. Dafor spricht anch Li v. XLI, 9, wo 
ma»Um$ttere darch tVi tibertaiem vindicare umschrieben 
wird* £s ifit die Tielbesprocbene Stelle, welche den 
8enatsbe8cbli»38 enthalt, dass die socii ibre Kinder Bo-^ 
miaeheii Gives nicht mancipiren soll^en, wenigstens nicbt 
HAter der Bedingung, von ihnen fr^igelasseri nnd da* 
durcb Romisebe cives za werden *). » Spater fielen dip 
Vindikatioflsfeierlicbk'eiten weg nnd die Mannmission 
* konnte an jedeijEi Orte vollzogen vrerden. Gai, I, 20. 

Eine seltner vorkommende, vielleicbt mit besonderh 
Feterlicbkeiten verbundene Art dieser Freilassang >var 
die s. g. mannmissio sacrorum causa, welcbe Fest. v. 
manumitti u. v. puri erw&bnt p. 13i). 173 f. 21Q ed. 
Lind. Manumitti dicehatur servus sacrorum causa, cum 
dominus eius tenens modo caput modo membrum aliufl 
eiusdem serai, ita edicit: T^unc hominem liberum esse 
voio, ac pro eo auri XX puri, probi, prof ant mei 
solvo (Abgabe der Vicesima) ut priusquam digrediar, 
ejjiciatur turif sui cett. **). Sie wurde wabrscbeinlich 
deswegen vorgenommen , danitl: gewisse religiose Feier- 
lichkeiten, die^^durch Freigelassene verricntet werden 
mussten , vorgenommen werden konnten *^^), 

11. Manumissio censwj^). 

Bei jedem Census darfte der Herr seinen freiza- 
laasenden Sclaven in den Censorischen Listen als civis* 



*") Die Emendatiotis- nnd ErklamiigsTersache dieser despera* 
ten Stella a. G. L. JFdlch^ emendationea Liviajiae. Berol. 1815. p. 
218—225. Vnierhelzner 8. 140--143 Anm. Sefullinga Bern. S. 116 f. 

**)'Di«se Bd^ckreiboDg iat der maanm. p. yind. sehr alinlich 
nnd e^kubt ans nioh^ hierin eine andere Art der feierlichen Frei- 
lassang (Creuzers Antiq. 6. 72) zn erlcennen, zumal da in den 
Qiiellen allentkalbett nur von drei feierlichen Freiiassangen die 
Rede ist. ^ 

***) V. Savigny in s. Zeitsohrift III, S. 402 f. Seal, ad Fest. 
p. 614 erklart diese mannm. als ein ^nfgeben der bislierigen 
Familien- sacra , ohne an eine wirlLliche Freilassang zn denken* 
Dacier erkennt zwar diese an^ docli sacht er den sonderbaren 
Ziftnpck derselben anf, dass der Freigelassene in die sacra der 
Familie babe iibergehen sollen. 

f ) V* Vangerow uber die Lat. Jan. S. 79^ ff. 

18 



— 274 — 

einschreiben und im Lustrum bestSdgen lassen. Boeth. 
Top. II, p. 288 ed. On UIp. I, 8 'cettsu manumittebantur 
alimj qui lusflrali censu Romae iuisu dominorum inter 
cives Rom. cenmm projitebaniur. Hi^rkonnte die Frage 
aofgeworfen ^erden (Cic. de or. I, 40 ex ture civiH 
potest esse contention cum quaeritur^ i» qui domini 
voluutate census sity continuone an ubi lustrum condi^ 
turn liber sit), ob der Sclave erst mit dem Lustrum, 
oder schon mit dem Einschreiben in die Steuerlistea 
frei wurde, welches fur das Eigenthum des ^claven nicht 
ohne Bedeutung war; denn ini ersten Fall gehorte alles 
* von ihm auch seit dem Einschreiben Erworbne dem 
Herrn , im entgegengesetzten Fall war der Erwerb voa 
der professio an Eigenthum des ehemaligen Sclaven *)• 
Ueber den census im Allgemcinen s. Cic. p. Gaec. 34. 
Das Lustrum verschwand allmalig (Censorin. de d. nat. 
18), aber die manumissio censu kam noch immer Tor« 
Gai. I, 17. 44. _ 

IIL • Manumissio tesiamento **). 

Der Herr konnte im letzten Willen seinem Sclaven 
die Freiheit geben (Boelh. Top. 11, p. 289. Ulp. I,. 9 ut 
tesiamento manumissi sint^ lex XII tabularum fdcit, 
quae conjirmat . . ., Dion. Hal. IV, 24 dass es,haufig 
aus Eitelkeit geschehen sey, damit dem Sarge viele 
Freigelassenen folgen mochten), welches entweder un- 
roittelbar {verbis directis: servus fneus Stichus liber esio, 
Gai, II, 266. 267 liber sit, liberum esse iubeo Ulp. II, 7 
— manumissio directa — ), oder mittelbar (verbis pre^ 
cativis) geschab, indem der Erbe darum ersucht wUrde 
(manumissio Jideicommissa) **♦) und die Freilassung erst 
spater voUzog, Gai, II, 268. 269. Ulp. 11/7: rogo, Jidei 
commifto heredis mei, tit iste eum servum manumittat, 

( 8. /?, q^i directo liber esse iussus est, orcinusjit liber^ 
tus (Nieiiiandes Freigelassener) .* is autem, cui per Jidei- 

) commissum data est libertas, nbn testatoris^ sed manu^ 

missoris Jit libertus. Gai. II, 266. Sie heissen liberti 

futuri Orell. Inscriptt. U, n. 2980. 5006. Wenn der 



\ 



*) GosckeH in Zeitschr. f. gesch. Rechtswiss. Ill, S. 269—273, 

**) ^immerns R. G. I, S. 746 — 754. 

♦**) G'o$chen ia Zeilschrift III, S. 284-288. 






.^ 



- 275 — 

Herr den Sclaven znm Erben einsetzen woUfe, bo musste 
er ihn aach ausdfiicklich iih TestameDt freilassen, ' denn 
9ine Hbertnte instttutus (heres), omnino non comistii 
insiitutio. tflp. XXII, 12. 7. Gai. II, 186. 187. Plin. (ep. 
IV, 10) brauchte als Elbe der Sabina das Legat nicht 
aoznerkennen , welches jene ihrem 8claven Madestus 
Verinacht batte, Weil sie ihn itiemals freigelassen , ob- 
gleich sie es sich eiivgebiidet und geschrieben hatte 

Suem liberum eaeiussi (bei meinen Lebzeiten). AUe 
uristen sagten zwar nee libertatem .debert , ^quta nori 
nt data\ nee legatum, quia ^rvo mo dederit; Plinius 
aber vol! Pietat bestimrat: moreinr in libertate (fakti* 
•cher Ziistand der Freiheit) sinentibus nobis ^ fruatur 
legato celt* 

B. Unfeierliche Freilassung. * 

« 

So nentit man die blosse Willenserklarung des Herrn, 
dass der Sclave frei seyn isolle , welche sich auf man- 
nichfache Weise aussprach; a) manumissio inter amicos *) 
(d. i. Zeugen, nicht etwa Fainilienrath, wie an vielen 
andern Stellen, s. Dirksen unten S. 92 , Doiiat. ad Ten 
Phorm. 11, 1, 81 amicos et proiestibus et pro ddvO" 
catii veteres posuerunt ,, Gai, II, 25 amici als Manci- 
pationszeugen), erwahnt von Plin^ ep. VII, 16. Gai. J[, 
41. 44. UIp. I, 10. 18. — Sen. de vita beata 24 steht diese 
manumissio fur unfeierliche iSberbanpt, weil sie die ge- 
wohnlichste seyn mochte iustae libertatis (homo) an 
inter amicos datae^ h) per epistolam weqn der^ Sclave 
abwesend war, c) per mensam stillscfaweigende Willens* 
erklSirung, ^indem der Herr den Sclaven an seirien Tisch 
zog , d ) adoptione ^"^ ) deutliche Willenserkliirnng des 
eignen Herrn oder eines fremden Adoptivvaters, ^^elcher 



*) Dhisena Versnche ^ur Kritik elc. 8. 91 — 95. v. P^angero'w 
iaher die Latini Joniani. S. 53 — 59. S. anch Peyron in Cic. oratt. 
fragmm. Stuttg. 1824. p. 223 — 234. 

**) Dirhsens Versuche S. 85. 86. Zimmems R. G. I, S. 739. 
ScT^lings Bemerk. S. 36 f. n. 57, wo diese Art mit, Unrecht als 
eine feierliche aber etwas uogewohnliche Freilassnng aufgefasst 
ist* Huschke in s. Stndien 8* 212 f.' nimmt einen zosammengesetz- 
tenAkt an, welcbes yon v* Vangerow nb« d. L^t. Jun* 8. 59 — 65 
gebilligt woRien ist. 

18- 



— 27$ — 

swei Akte zatammeoscbmoU, die Manumisflio a. Adopti^f 
QuiQct. decl. 340. 342. GelL V^ 19 etiam fenms a de^ 
mito per praetorem dari in ad^ptionem p9ie$t (indem 
der Adpptivvater vindicirt upd der Prafor als frei addi* 
cirt). e) Freilassung aaf dem Ste^bebett (des Sclaveu) 
MartisA. I, 102* (auf dem des Herrn) Appion. bell. eiv« 
IV, 135. Zweifelhafit iat es, ob »m folgenden von Quinet. 
declam. 340. 342 mitgetheilfea FalLFreilassu/ig statfge* 
fanden hat* Eio Mann hat seine Sclavin fur seine Toch- 
ter ansffegeben und einem Seerauber verheirathet, nack 
dessen Tode jene .snriickkemmt und ihre Freifaeit be- 
|ianptet (sie beruft sich auf lex Jania: qui wluntale 
domini in lihertate fu^it , liber sit)^ wahrend der Herr 
sie als Sclavin zufuckverlangt, da ef sie nicht liviridtch 
freigela^en babe. 



V 



C Betchrankungen der Freilaaungen *). 

Da in der altesten Zeit kein Missbraueh mit deili 
Recht der Freilassung getrieben \vurde> so waren aueh 
keine Beschrankungen nothig Dion. Hal. IV, 26, denn 
die Abgabe der vicesima von freigelassenen Sclaven, 
welche-Cn. Manlius 398 Won den Tributcoiaiti^n be«* 
statigen liess, war keine Beschrankung, sondem eiae 
finanzielle Massregel. Li v. ^VII, 16. XXVJI, 10 aumm 
vicesimarium^ quod in sancti^re aerario ad ultimes c«im$ 
servabalur. August .erbob diese Abgabe auf 50 pro C. 
Dib Cass. LV, 31 ; unter Nero heisst es wieder veciigal 
quinine et vicesimae Tac. Ann. XIII, 31 mit Lips. u. 
Ern. exc. C. Burmann de vectigal. Ram, €.5* £bigen** 
bueh. Anin. in Orell Inscr. II,' n. 3333 ff. — Ats bet 
wachsendem Sittenverderben die Zafal der Freilassungen 
in^ stetem Zunebmen begrifien war (Liv. XLI, 9* Dion, 
flal. IV, 24 u. a.)) so hielt es August fiir nothig, die- 
sem Uebelstand durch Gesetze zu steuiern (Suet. Oct. 40 
manumUtendi modum terminavit) und' vor seinem Tod 
gab er seinem Naehfolger und dem. Senat den Batby 
dasselbe zu thun. Dio Cass. LVI, 33. Augusts Geseta 
hiess lex Aelia Sentia *^) (757 d. St.), welcbe folgende 



*) Zimmema R. 6. I, S. 758—770* 

**)'£ine ZusammensteUiuig der Theile dieaes Gesetzei rer* 
8«chta Htineoc, Synt, ed. Haub. pt 102—110, & V. Vrnm/arm lU ▲• 



277 



yi»ro»^fiuAgi0n entkielt: 1) wenn d^r FNiisiulag8«ii4# 
^i^regen seiner Verbrecheii im SclavmislaQde sehimpflicht 
fitrarfen erdtildet hiitte, so soHe ibm die. FrdilassQng den 
fttts^erst beseiiritilcten Grad der Ff eilieit , wie ihn ' die 
ftl^egrini deditieii liftften , eiArlhiirien s. S. 48, S»eli 
Oct. ^0tik 40 ne ^inetui^ unquam tartmive qutii ullo libera 
Uai9 g^nere dtfitaiem adifiicereiur. Gal. I, 13 legt 
itaquB J^liu SenUa emvetur, «t qui 9erm adomiOii 
j^enme n^4$i^ iineti Hut^ guiiusve itigmata in9cripim 
0Mj devequHw ob noxwm quaesti^ ifirmentif haoiH 
mt ef iv^a noscm fuiisi^ con^eti $ini^ quique ut f^tr^ 
nut 0Um hMiii depugnmrent ^ iraditi sint tnve tudum 
cuHodiami>^ coni^oH ^uerint^ et postea vel ah eadem 
domino fel ob alio manumi$9ii eiusdem conditionii Uberi 
Jkent, cuiu9 eon^i^nu sunt peregrini deditidi, 14. 15^ 
16. HI, 74— 76. Ulp. t, \U 2) ^as das Alter betr^fe, 
so SoUe der H^rr seiti • 20ste8 Jahr zanickgekgt baben, 
(tfffi 'freilassen zu kdnnen. Voif diesetii Termin «olle er 
liuir^Bdicta und wenn eg das eongHium gebilligt babe, 
freilassen konnen. Gai. t, 38 mit Hnschkes Emendation 
(Stiiitien 6. i69^172)/40. 41. Dieses consilium, welcbes 
in Rom aus 5 Senaloren ti, 5 Rittern, in den Provinzen 
aos 20 eives (recuperartores) bestand, untersuohte, ob 
Injs^e causae der Freilassiing vorhanden wftren. Gai. I, 
20. 39. Ulp. I, 13a. Orell. Iriscr. I, n. 2676. Ebei^so 
wkr bestimmt, dass ' wenn der freiznlasse^de Sclave sein 
30stes Jahr noeh nicht zuriiekgelegt bfttte, er nicht civis 
werden konne^ er infiisste denn vindicta und wenn der 
Grand vom consilium gebiiligt ware, freigelassen i(voi'«^ 
den seyn. Gai.* I^ 48. Der oboe conftiliam Freigelassene 
hBgt Ulpian I, 12 9epvum manere(f)^)* Der durch Te- 
stament Freigelassene tsoUe als ein unfeierlich t^'reige* 
lassener betr^chtet werden Ulp. I, 12; durch Census 



*) Mit Recht tritt t^. Vangerow iib. d« Lat. Jnn. als Gegner 
,dieser bisber yertheidigten Ansicht auf und behauptet dngegen, 
dikss : 4er otii^e coo^iiiUm noch ludU SO lahre alte Freigelassene 
sd betrttchlet werde, M'ie ei^a nnfeierlich FreigeUssener, indeiii er 
4ie ohne Zweifel comi{ite:3teile UlpUoct freilieji efvas gewaltsam 
^ber nioht • new^brsoheialicli dor^j^ yertilgugg deApnzen 8atze» 
itUo $me i:on»ti(h manumiswm CaesarU ^ervum itmnere, puiat ^meudilit 
und seiner Ansicht aupasst S. 23 — 35 , woselbst auch die Versuche 
aller fruheren Kritiker durdig^gang.^ sind* 



278 



abet kondte keider vor dem 30« Jahre ' frei iNrden, 
ebensoweniff darch eine unfeierliche Mamiinksion'^?) *)L 
3) Diese Verfugongen s'oUten dann eine Aasoahiiie er- 
leiden , uod die Civitit des Freigelassenen solUe voli- 
sdindig seyo , wenn ein inselventer Schuldner. . seiiiea 
Sclaven frei and zu seinem Erben mache^ witil dadurek 
die Glaubiger gewannen oder weil, wenn es zn ^era 
infaipirenden Concurs (Cic p. Quinct g. Obligationen- 
nnd Actionenrecht ) kain, die ignarainia oicbt .dw Te- 
gtater, sondern'den als Erben Eingetretenen traf. .Ciai. 
I, 21. Ulp. I, 14. FreilaBSungen in fraudem credii^rum 
und patrom dagegen sollten ganz unzulassig n. ungultig 
seyn Ulp. I, 15. Gai. I, 37. 47. Ein Beispiel erz&hU 
Tac. Ann. XV^ 55, wo es Tom Scavinus heisst pecunias 
et Ubertatef $ervi9 ei ante dono datas, $€d ideo t$mc 
largiusj quia tenui iam rejamiliari et instantibm xrer 
ditoribus tegtamento difjideret d^w^il er.glaubte, dasa 
wenn er seine Sclaven im Testament bedacbt uhd frei- 
gelassen hatte, wegen der Glaubiger- dieses nicbt.erfUUt 
werden wiirde). , . 

Bald darauf folgte lex Furia Caninta **) (761 d« 
St.}^ welcfae auch die Zahl der im Testament fr^izulais- 
senden Sclaven bescbrankte, welche Suet. Oct. 40.,ebehr 
sowofal im Sinn bat, als lex Aelia S. , indem er aagt 
guum et de numero et de c0»dil$one et de differentia 
eorum^ qui mauuniitterentur ^ curi^se cavmet eettl Die 
Cass. LY» 13. Genauer Gai* I, 42. 43 (mit Hnschkea 
Erganzung in ijtadien S. 172-^174). 45. II, 228. Ulp. 
I, 24. Ueber 1 u. 2 war keine Beschrankung Torhan* 
den , Ton 3 — 10 aber soliten nicht iiber die Halfte^ 
von lO-r-30 nut der driue Tbeil, von 30 — 100 nicbk 
iiber ein Yiertbeil, von 100 — 500 nur der funfte.Tfaeil, 
iiberhajiipt aber: pie mehr als 100 freigelassen werden 
diirfen. Auch sollte im Testament jeder tiamentlich 
aufgefiihrt werden Ulp. I, 25 ; seit dem Scons. Orfitianum 



I 



*) So Gbsdhen (gegftn Trekeil sell, anliqcj. p. 74. 75) itf Zeit- 
schrift f. gesch. R. W. Ill, S. 242—246; v^ F'angerow aber (i*. 
Let. Jim. S. 1<5»-^iJ5) glaubt, dMss^'jeder top dem ao. JaJir Freige* 
lasseiie so b^t/achtet werde, «H sey er unfeierlidi nianamittift, 
gteicbviel ob es durob Testament Oder auf andere Weisd geschehen 
ley. S. imten. 

»») Jleinehcii synt. ed. Haub. p. Ill ff. ^ 



279 



s 



mehte demtmstratio (Bezeichnung ohne^ Natnenangabe) 
bill' *). \ 

Endlich erschien anch lex Junta oder le^ Junta 
Norbana (wahrscheinlich um das Jahr 772 d. St.) *•), 
welche nicht '^owohl die Freilassungeh beschrfinkte, dls 
vielmehr/ die Reohte der Freigelassenen, Vjornemlicb der 
tinffeierlich Fireigelassenen oder derer, welche der Frei- 
lasser iMir in bonis besessen hatte, ^nllher besdmmte nnd 
fUr diese einen ganz eigenthiimlichea Stand, nemlich 
der Latini Juniani schuf. S. unten. 



Viertes Capitel. 

Rechtliche Wirkungen der Freilassung iind daraus 
entstandene Classen der Freige^assenen.. 

' A- F^ierKche Freilmmng erzeugte nach altestem 
R^cht Civitat ***), wenn der Herr selbst civis war 
iind den Sclaven ini vollstandigen Eigienthnm (ex iure 
Quir. s, "8/129) besass ( Freigelassene der Peregrinen 
"werden nur Peregrinen Plin. ep. X, 4 eit enim peregri- 
jiae conditionis mantimissus a peregHna), Dion. Hal IV, 
22 (.mt/Hv Tijg iaonoTitteiag durch Servius Tullius u. s. 
w. 23 Antheil am sufi^agiain. Naclh den XII Taf/ aber 
warden sie Aerarier, da sie keine Tribus batten und 
daher nicht censirt werden konnten, bis si« Appius 
Claudius 441 wieder in die Tribus ;setzte. S. 24. Trotz 
mancher Veranderungen ihrer Lage behieltjBn sie nachher 
stets die Civitat (S. 43) s. Cic. p. Balbo 9 dass die 



*) Ueber diese u. a. Nspatere Veranderungen s. Dirksen in s. 
Beitragen 8. 265 — 269. 

**; Dieses isl die wahrscheinlichste Angabe (von AnU^Augu- 
siinus\ weigher Haubold in Ifeinecc. synt. S. 919 f. Zimmem R, G. 
I, S. 72. 739 ff. Belhmann-Holhveg de causae prob. S. 78 ff. Gans " 
Scholien 59 — 71. Hugo R. G. S. 772. v. yangerow iib. Lat. Jun. 
S'. 5 •- 10 beig^treten sind. Dagegegen Nordkerk de lege Petronia 
8. 91 stellte sie in das J. 671 di St., welcbes v. Savigny u* Pernice 
annalunen.- — ' 

***) Nach Niehuhr R. Gesch. I, 8. 660 nur Libertat and weiter 
9ichtS"^ doch ist dieses ganz unbewieseli* 



— -282 — 

Vermdgeii seiner Latinisi^en Freigelaeseliett ', weh^es 
aber erst niit dem Tod der Latinen ffoHtlg ist) miki 
reliquit*)^ Was die Kinder der Latinen l>etHffk, so 
urnrden die Kinder der Latina stets Latinen, die Matter 
mochte heirathen, wen sie wollte Gai. I, 67^ UIp. Y, 9 
(wenn nieht connobiam^ ertheiit worden war Ciai. I, 57); 
bei dem Latinos aber kam es sehr aof die Fran an. 
Heiratfaete er eine peregrina, so warden die Kinder 
peregrini, heirathete er eine liatina, so warden die 
Kinder Latiiii mit ToUstandiger Latinttat Gai«. I^ 66. 
Ulp. Ill, 3; heirathete er eine Burgerin, so konnten 
die Kinder leicht CivitSt erhalten, s. unten. 

Vehergang von der Laitnitat zur CivitUt **). 

Den Lat. Jan. war es . keineswegs Tersagt, voll- 
siaiidige cives zu werden (UIp. Ill, 1), und zwar gab 
es einen doppplten Weg 1) darch iteratio^ d. h. dureh 
nacbfolgende feierliche Entlassnng (Gai. I, 35. UIp. llf, 
4), welche der vornehmen dnrfte, dem das qtiirkariscbe 
Eigentham iiber sie zastand ***), Plin. ep. VII, W si 
voles vindicta liber are.^ quos proxime inter amicos ma- 
numisisti , nihil est qiiod, verearis cett. Tac. Ann. XIII, 
26 novum 2e»^cmJ!» (Iteration) s* S. 267. 

2) Dorch coMsae probatio "[*), nejnlich a) wenn der 
Latinns eine Fran von gleichem oder Hoherem Stand 
(Latina oder civis) unter besonderen Formalitaten gehei-^ 
rathet und ein Kind gezeugt batte , welches ein Jabr 
alt war, so erhielten sie die Civitiit (oder das ihnen 
zar Civit&t iiiangelnde ins Quiritioni) Gai. I, 29 (dass" 



^) Ueber diese Verordnimg nnd flputere Modifikationen s. ^•^ 
P^angerow S. 129—146. 

**) V. yangerow S. 147— 20:^. 

***) V. ycmgerow S. 152 — 158. Dagegeo glanbte man friiher. 
Iteration halte von dem ersten Mannmissor rorgenonimen warden 
miissen, welcher damals voiles Eigentlram gehabt hab«. Beihmemn^ 
tiolhveg de causae probat. S« 88 & Zimmerma R. G. I, S. 778 ff. 
HuscJikea Studien S. 209 f. n. 43. Im Allgemeinen. G'dai^en in 
Zeitschr. Ill, S. 273 — 284. . , 

*j*) A» Bethmann-HoUweg de causae probatione Berol. 1820. Zim- 
mems R. 6. I, S. 779. Gan$ Scholiea 8. 56 £. v. Vangerow S. 163 
— 199. S. oben S. 215 f« 



\ 



— 283 — 

* 

^e Kinder Am solchifen Elien nnbedingt cives yg^rien 
sollten!^ 'verordnete erst Hadrian 'Gai. I, 'SO). Dieses 
hiess mmtcuh probrntio- und war durcfa lex Aelia Sentia 
f»r :die eingefiinrt, wdche vor.ifapem 30. Ji^hf inamimit* 
tift.worden waren^ (dann Latinen genannt) und sp&ter 
auf alle .Latinen ausgedehnt worden Gai; I, 31. 34. 

b) Weit umfassender ist causae probatio erroris 
causa (per errorem contracto matrimonio inter disparis 
Gondiiionisi personas, durcfa ein Scons, vor Hadrian ge- 
geben?), wetche denen zustand, die im Irrlhum eine 
ungleiche fur sie nachtheilige Ehe eingegaiigen und ein 
Kind gezeugt batten, Sobald sie dieses bevviesen bat- 
ten, wurden Ehegatten und Kinder ciVes und erhielten 
so gut Mie durch annicuG probatio patria potestas *} 
(Gai. Ill, 5. I, 66. 67) iustae nuptiae u. s. w. Gai. I, 
59 ff. 67 ff. II, 142. Ulp. m^ 3. VII, 4**;. Gaius I, 
67 — . 71 fuhrt nur folgende Falle auf: wenn ein civis 
eine Lalina, oder eine BGrgerin einen Peregrinen oder 
Latinen, wenn ein Latinus eine Peregrina, eine Latina 
einen Peregrinus, oder^Tvenn ein civis ini Glauben et 
sey *Latine oder Peregrine eine Latina oder Peregrina 
^eneirathet hatte^ doch es lassen sich npch mehre Falle 
aenken. ' '^ 

' / 'Autyh waren 3 ) nocb einige spezielle "Wege zur 
CivitSt vorhanden, z. E. durch Edikt des Kaisers Plin. 
ep. X, 4. 105. Ulp. Ill, 2, durch 6- spater Sjahrige 
militUi (als vigiles) Ulp. Ill, 5, durch Hausbau (Suet. 
Claud. 18; 19.) ***), 

' C; Kierher gehort; auch die Erw^bnung einef eigen- 



*) tf. yangerow 8. 190 — 198 (nicht schon vor der probatio). 

••) Ueber die vielfachen Emendatioosyersncbe der letzten cor- 
nipten Stelle s. v. Tangerow S. 176 ff; In poiestaie parenium sunt 
eiiam hi liberie qnorum causa probata est y per errorem eottirado ma" 
ftimowo inter disparis condiiionis perionasi nam seu civis Homanus 
lAXtindm out peregrinam vel earn quae dediticiorum numero est quasi 
"[cirem] per fgnoraniiam uxorem duxerit, sive civis jRomana per erro- 
rem peregrino vel H qui dediiiciorum numero est [qtiasi ciTi Romano] 
«tt< eiiam quasi Latino ex lege Aelia Sentia nupta fuerii^ causa pro- 
hata dvitas reddiiur cett. ist der )etzt ziemlich allgemein ange- 
nommene Text; 

***) Die dpateren Veranderungen im Recjit der Lat. Jim. & 
V, Vangerow S. 203 — 210.' 



— 284 ~ 

^f^iplljDh^fi.- find (ilieil Ben^kaung^ iiemttdk .^taJLk iik 
i^fi *)'.' So ki^Men diejmgeo .Scbveo, wel<;heil!i]« 
Testanu^4 die Freibeit nntec gewissen Bedisgimgeii zvA 
gesic^etrt WvOrden war, z. £. durch anfgele^es Bealihfeii 
ciner Geldsamme oder bedingttfn Ablaitf einea bmutkmmk 
ten Tf^rmiDs. Fest. siatuUber ett^ qui iesiamenUi^c&i^a 



,^) 'Zfmmerfts R. G. 1, S. 770—772. 5cAi7/fng« Bemerkk. *S.^ 3 1-^35l 
Man9he C^elehrte b6haiip^eu, dass der Ausdruck statu liberl i« de^ 
Xli Taf&ln eine andere und viel weitere Bedealnng gehabt liabe^ 
"als die ob6n mitgetlieilte und allein in den ' Qii^Hen begriindeteV ^ 
'Hugo R. G. S. 125. 479 versteht daninfer ia der allesLteii Zeit 
hpxae dati, nexi, solclie, die nach Zabjiung des Geldes frei wec- 
tfpn' n. 8. w. ScTiweppe R. G. S. 638 f. halt sie fiir die freien icj 
fi^aucipiunt Lebenden/ r7rt/er7»oZ-s/7er tiu Zeitsclirift f. gesch R. W. 1I| 
S' 158 vorziiglich fiir nexi u, s. w. Am ausfiihrlichst^^n ist die ^ 
Adsicht, dass statu liberi die im Mancipinm lebenden "Freien ge* ' 
Wesen und dass diese Benennung nach Untergang de3 ,m*ngipium 
Auf die obige Weise angewiandt worden sey, verlkeidigt von C, 0. 
r, Madai, die statuliberi des Rom, Rechts. Halle 1834. '^ Xiex 
Ausdruck selbst ist sebr schwer zu erklaren: 1] Statu als ^l^l^iiV 
von status in dem S. 105 bezeichneten Sinn zu nebmen, i«t sebr* 
gezwungen, denn da ein statu liber seinem Status nacli nocb gair 
niclit frei ist , sondern servut est quamdiu pendet cond^tiB, (jJlp ), sO 
jniisste es heissen : frei zufol£[e eines finj^irten nod alter recbdicben 
Wirkungen ermangelnden status, also noch ga; melt [rti. Besae^ 
wiirde es seyn, status nicht in diesem gewohnlicben jurist. Sinn 
aufzufassen, sondern als eine gewisse gegebene Bestimraung oder 
Bedingnng , also statu liber der unter einer Bestimmung Freie; 
welcher nur im Besitz einer Bedingnng iaij^ fre.i zu werdeiii ,(li6er- 
iatis conditionem secum iraJdi)* 2) Wollte man statu aU Noininat. 
^artic. nehiQen« so daas s yor I berausgeworfen , wprd^en wiit^t 
\yie in ille^ und sicUu liher iiberset^en : der aU irei diemlioU 
unter «iner Bedingnng)^ JBestimmte , so wiirde der Plni;ali3 ^a<# 
tiberiy welcber siati Uberi habjen miisste, aufallen, indem ma|L 
aukser dem niedicioischen oius airum und dem spaterj^ ro« marifiim 
{s. Schneiders Formenl. S. 573 £, Freand# Worterb- Vorri S. 8^) 
Itein weitpres Beispiel der bei zusammeiigeset^en Worten im &r9^ 
Wort vernachl^ssjgten Flexion aui^uweisen hat. Fiif die adj^ktir 
Tische Abstammung spricht sich Hugo R. G. S. ^^ ,aas, jedoci^ 
;ohua seine Ansicht geawlier «|i^igeben» wog^g^i^. ^W^^Z Bern. 
S. 35 statu als Supinum erklart. 



— 385 — 

_ ~ \ 

emitUitohe'ipmpo^iia iuhe^f ^m tiher teih Aetmlich' 
Qai. 11^ 200, UIp. If, 1---6) welchei" aui^drliekKch atre^ 
spriohtv dass ^ese Beaitlmmting schon itt(Ken XII Taf* 
▼orkant. Dir k»eAs Ueb^sicht S. 503 ^ 507. SdUte der 
3tata liber diirch dolus (ctilpa od^r mora) des Herrn (s. 
Obligatr. Cap. I. ) daran Terhiiidert wetden \ so tvnrde 
er BiGnts desto weniger frei, ebenso als wenn et 'seiiver 
Yerbindlichkeit ToUkommen Genilge geleistet hatte. 

D. I) t 4it i ^ ii. 

So wird die unterste Classe der Freigelasseoeti. 
genaont, welohe, well sie als Sclaveti eiiie entebrenda 
Strafe erlitten batten, durcb.FreilassiiDg deii niedrigs^ea 
Grad der.Freibeit erhielten, deren die ireinden Vdlker, 
welcbe sicb im Kriege exgeben batten, tbeiUiaftig waren. 
S. S. 48 u. 277. Sie konnten nie zor Civit&t gela^gea 
und durften sicb nicbt in Rom aufbalten , bet Strafe in 
die Sclaverei zuriickzaverfallen ; deren Nacbkommea 
dagegea durften ibren Anfentbaltsori nacb Belieben 
nebmen und konnten als freigeborne Peregrinen auC 
die erlaubte Weise cur Civit&t gelangen.- Isidon orig.. 
IX, 4. Gai. I, 13 — 15. 25 — 27. 68. Ill, 74. 75. Ulp* 
I, 11- 

Obgl^ich der ebemalige Selave auf vielfache Weisa 
zur Freibeit und Civitat gelangen* konote, so war ibn^ 
docb die Ingenuitat (Recbt der freien GeburtJ uner- 
reiobbar *) , ja sogar der adoptirte Fraigelasseoe konnte 
nicht ingenum werden Gell. Y, 19. Ausnabmsweise 
ertbeiltea die Kaiser dieses Becfat sawobl uovollst&idig 
durcbid^sitf^f annu forum aureorum (iiber deren Verretibte 
8. Piini b. n, XXXIII, !• 4, einzelne Vertbeilungen b* 
Suet. Galb. 14. Tac. Hist. I, 13. Suet. YiteU. 12. Tac. 
bist. n, 57) als (spater) voUstMndig durcb natalium resH^ 
iutiOf wodurcb der Freigelassene als Freigeborner^galt. 

JS. VeirhaUnus der Freigelassenen zu ihrem Freilaatr 

(PatrdnatusJ **). ' . . 

Daa Ybrbaltniss zwiscbendtfm FreigelaBsencm qnd 
seinem maanmisBor war etne iingtrte Sobotltvaterscfaaft) 



») Zimmema R. G. T, 8- 785 — 788. 

•*) Zrimrrarvi^ll. C. I» $, 798-^001. Bu^Mf 8ttodieade«R. R* 



r 



— 286 — 

velcbie «dem Yerliiyitniss zwischen Vater and Sohn, 
zwischen Patron and Clienten nicht unShnfich war* 
Daher ruhrt anch der alte Name pairl>nu9^ welcher 
schon in den XU Tafeln*) Torkam. Dirksens Ueber- 
gicht S. 380 — 388. Fiir djese Quasiverwandtischaft zeagt 
auch der, Name des Freigelasaeneii , welcher das.g^nti- 
licische nonien (nichx das cognomen) seines Patroiis an* 
nahiii j^Ciceros fr^igelasseoer Tiro beisst vollstandig M. 
Tullius Tiro etc. s. Orell. Inscr. II, n. 2989); dock 
erlosch dieses Yerbaltnissf mh des Libert4is Tod, denn 
geine Kinder waren iogenui, die Kinder des Patrons 
aber getzten das Patronatarich nack ihres Yaters Tod 
bis zum Hinscbeiden des libertus fort* Die ILlteste, in 
den Xll Taf. enthaitene rechtliche Bestimmnng, welche 
ebenfalls die FamilienTerbindung des Patrons nnd Li- 
bertus bestatigt, war, dass weun der Libertus obne sui 
odet obne Testament verstarb, der Patron oder dessen 
Kinder die Giiter desselben erben sollten und diesem 
analog war auch das Yormundschaftsrecht des Patrons 
iiber die von dem Libertus bioterlassenen Kinder gebll- 
det warden. Dion. Hal. XI, 36. Gai. Ill, 40. 49. 43. 
Ulp. XXIX, 1. 4. 6. Dirksens Uebersicht S. 380-388. 
S, Erbrecht. 

Ausser diesem Recht batte der Patron ndch' 2) 
wegen der diesem Ye^-baltniss beiwohnenden Piet^t An- 
spruch auf Gehorsam u. Achtung von Seiten des Frei- 
gelassenen, welches der Prator wiederholt. im Edikt 
bestatigte. Als Beispiel mag das Yerbot dienen, dass 
der Libertus obne Erlaubniss des Prators seinen Patron 
nicht verklagen dnrfte **) Gai TV, 46. 183. 187. Im 
Fall eines undank1)aren Betragenrs von Seiten des Pa- 
trons stand ihm das-S. 266 f. erw^hnte freilich nicht voU- 
st^ndige ius revocandi in servitutem zu. Yal. Max. IV, 1, 
14. Libera impii b. Orell. InscriptJ;. II, n. 3032—3034, 

3) Der Freigelassene war verpflichtet, AUcs, was 



S. 94 ff. 136. Manches hierher Geliorige findet sich anch in 7f^» 
J?. D. Surmgar de Patronatas et clientelae in Koin. dv. ratione in 
den Annal^n.der Groninger Univers. y. J. 1821 u. 22» 

*) Hvgo R. G. S* 138 f. bezweifelt gegen die ausdriickliche 
Angabe der Qnellen, dass jtaironus in. den XII Tafeln fiir monu- 
mi$sor Torgekommen sey* 

**) Bimbauma Anm. zu Greiizer« An^kiuitt, 6* 79 U 



!•- 



- 287 - 

er Tor der Freilassung versprochen I^atte {dona^ munera^ ^ 
bona auch operaej getren za halten, ja er musste nach 
der Freilassung die Yersprechungen eidlich wi'ederholen, 
(nur gegea die allerdriickendsten , welche sie sich uin 
die Freiheit zu erhalten, eingegangen Avaren, hatte aer 
Prator Riililius in den letzten Zeiten der Repablik Hijlfe 
versprochen), sonst war die ganze Freilassung ungiihig 
(TJnentgeltliche und erkaufte Freilassungen d. OrelL In* 
scriptt. II, n. 2983 f.). Cic ad Au. VII, 2, wo Cicero 
fiber die Flucht seines gelehrten Freigelassenen Chry- 
80gonqs Sirgerlich *) , deni er vor der Abreise seinen 
Sonn anvertraut hatte, folgendes schreibt: Mitto furta^ 
fugam non fero* Itaque usurpavi veins illud Drusi 
ut ferunt Praeioris^ IN eo, Wl eadem liber NOif 
JXJRARET (ijch berufe mich auf des Drusus Aussprtich, 
beginnenH* uiit den Worten IN eo qxii etc. — denn 
liierin haben wir sicherlich den Yordersatz der Pra^o- 
rischen Formel, deren Nachsatz Cic. nicht fiir nothig 
hielt weiter anzufiihren, keinesvvegs Ciceros Worte, 
wogegen die Grammatik streitet — dass der Freigelas- 
sene nach seiner Freilaifeung dasselbe beschw5ren miisse, 
was er als Sclave seinem Herrn versprachen, widrigen- 
falls die manumissio nicht giiltig sey), me istos liberos 
nou addixtsse , praesertim cum adesset nemo a quo 
rede vindicarentur (diese Freilassung aber ist um so 
weniger giiltig, weil ich den'Chrysogonus und den an- 
dern genannten nicht feierlich freigesprochen habe und 
Nieinand sie vindicirt hat; ich kann sie alsQ init Recht 
in die Sclaverei zuriickfordern )• Cic. ad. div. XIV, 4, 
Spater kam ein anderer Gebrauch auf, dass der Patron 
z war nicht das vom Freigelassenen Versprochene ver- 
langen, dafiir aber nach dem Tod des Freigelassenen 
auf die Halfte von dessen Gutern Anspruch madhen 
konnte. Gai. Ill, 41. 42. UIp. XXIX, 1. 3. — Nur in 
2 Fallen wurde der Libertus der Erfiillnng seiner Zusage 
ledig, 1) wenn der Patronns eine capitis deminutio erlitt 
Gai. Ill, 82. 83., 2) wenn der Libertus 2 Kinder oder 
«ins von 5 Jahren hatte (durch lex Papia et Poppaea). 



*) Wie' vie! ein gelehrter Sclaye werth gewesen, lasst sich 
ans der ungeheuren Snmme schliesseu , welche M. Scanms far 
einen solcheo gab. Flih. h. n. VII^ 39. 



— 288 — 

FuDfte Abtheilnng* 

Mancip, ium •). 



Keben den and^ren Yerhaltni^sen der Abhangigk«it 
(manus und potestas) wird noch ein drittes erwahnt 
mancipium^ welches der poiestas des Herrn analog kt 
und den Zustand von freien Persoiien bezeichnet, weiche 
du^ch capitis deminutio mininia aus der Hand des Ei* 
genthlimers, namentlich des Vaters und des Mannes, in 
die Gewalt und Dienste einer anderen Person iiberge- 
;angen sind (nianus u. mancipium nicht selten verbunden 
JelL IV, 3. Serv. ad Virg. Aen. XI, 476). Fest. v. de^. 
minutu^ capite appellabaiur — qui liber alteri mancipi^ 
datm est. Li v. aLI^ 8 dass Romische socii ibre Kinder 
Romischen Biirgern zura Mancipium gegeben batten, 
damit diese freigelassen und Burger wiirden* Gai. I, 
116. 117. 118 fiihrt nnr den Fall der Mancipation des 
Sohns Yom Yater an und sagt, solche mancipia seyen 
nervorum loco gewesen I, 123. 138. Ill, 114, oder fai»- 
guam servus II, 160. 



g 



Erstes Capitel. 

EntstehUng^ dieses Yerhaltnisses. 

l) Sehi* haufige aber anch nur momentaoe Anwen- 
dni^ fand die Eingehnng des maneijuum bei EmaiH 
cipationen, wo der Yaiter seinep Sohn dreimal durck 
scneinbaren Verkanf in diesen Zustand verset^te, um 
seiner Gewalt ledig zu werd«n, daher sagt Gai. I, 141 
ac ne diu quidem in eo iure detinentur homines y sed 
V p!erumque hoc Jit jdicis gratia nno momento^ nisi $ci^ 
licet €X noxali causa mancipeniur. 2) Diese obener*^ 
wahnte noxae datio erfolgte dann , wenn der^ Vater 



*) Gan$ ScholieB znm G,aittt 8. 151 -* 163. v» Assen adnott. ad 
Gai. p. 118 — 123. BbcJdng de manciini cauais* BeroL 182^6* JSm-^ 
mem$ R. G. I, S. 827 -.833. IJI, S. 124 — 130. 



— 289 — 

» * 

seineB 8oha einem durch dengelben Bftnaehtheiligteii 
iibtergab. S. Obligationenrecht Cap. IL Gai. I, 140 nunc 
(.den Sohn) actor (der beleidigte Klager) pro pecunia 
habet. IV. 79, wo der Schulenstreit daruber erwahnt 
wird, ob in diesem Falle eine ein- oder dreimalige 
"Mancipation statf^efanden babe. Lfir.VlII, 28. 3) Nicht 
zu beweisen ist aber, dass derZustand dessen, welcber 
wegen Insolvenz seinem GISlubiger s^ugesprochen iat adiu^\ 
dtcaiiis, nexus ^ addictU9*)y inancipiam genannt werden 
diirfe, indent diese Ausdrucke den unbestimmten Zustapd 
einerfaktiscben Knechtschaft bezeichneteD, welche dem 
mancipiani zwar nicht nnShnlich war, aber manchea Ab- 
weichende enthielt. Scheinbar spricht dafar CicParad. 
y, 1, 35. 



Zweiiei Capitel 

R e c h t e. 

1 ) Des Herm gegen $e%n mancipium. Die man* 
cipia bringen ihr ganzes Eigentbom in die Gewall des 
Herrn und erwerben nnr fur ihren- Herrn , so gul wie 
die Sclaven and Haussohne. Gai. II, 86. 90. 96 ^dasa 
sie der Erwerbnng durch in iure cessio nicht ifthig 
wSlren)« Ulp. XIX, 18. Verpflichtung aber Ton Seiten 
der Herrn, wie fur Sohne and Sclaven (actiones noxa- 
les, de pecalio a. a. s. Obligj-.) fand nicht statt. 

2) Des maucipium. Die n^incipia diirfen nicht 
ungestraft geniissbandelt und beleidigt, viel weniger 
getddtet werden, da ihr Yerhldtniss nor ein Zustand 



*y Ihren Znstand nnd Unterschied s. im Obttgatidnenrecht* 
Booking im a* B. n. Rudorff iiber das Edikt des Tiber. Jul. Alex, 
im Rhein. Miis. f. Fhilol. IT, S. 161 IF. nennen diese Scbnldknechte 
xnancipia, Zimmern R. G. Ill, S. 124 — 130 zalilt zwar den Zustand 
des nexus zum mancipium , addicius aber spricht er demselben ab^ 
and widerlegt die Radorffsphen Griinde S. 127. v* Sitvigny (das alt- 
rom. Schnldrecht S. 26 ff.) lasst keinen yofi beidea fur mancipium 
gelten, indem das Vermogen des Schuldknechts seinem Herrn nicht. 
als Eigenthiun anheimfiel , wie bei . m^cipium , anch bei Schuldhaft 
nicht Ton Manumission , noch tou Fatronat die Rede war etc 

19 



— 290 — 

beschrSokter Freibeit ^ar. GaL 1, 141 admonendi mmmt^ 
adveriuf e09^ quoi tin mancipio kabemm^, nihil nobi» 
cantumeUote facere licere , idio^uin iniuriarum actiane 
ienebimun 



JDrittes Cmpitel. 

« 

Auflosung. 

Das mancipiuin erlosck mcht dnrch den Tod deii 
Herrn, sondern nur durch manumigsio (vindicta, censu, 
testaiiiento Gai. I, 138), welche durch keine Bestimniunr 
gen der lex Aelia Sentia oder Faria Caninia beschrankt 
War. Gai* I, 139. Erwahnang bei Li v. XLI, 8. Aucb 
konnte durch Bezahiung der Schuld (bei noxae datio) 
V die manuniissio sogar erzi^iitigen werden. Gai. I, 140. 
Der Freigelassene wurde dann ivieder fyigenuu9j als sey 
nichts vorgefallen nnd trat zu seihem Freilasser in eia 
Patronataverhiltniss. 



r 



. \ 



Drittei Buch. 



Obligationenreeht '*). 



>*M>«MriMkk.wrfk* 



fjbUgatio bezeichnet ein Verh^tniss zwischeil zwei 
Personen , von deneii die eine ein Recht gegen die 
andere bat. Die berechtigte Person heisst creditor^ die 
zu einer Handlung verpllichtete ^ird debitor genannti 
Die altesten Romischen Obligationen sind binfiichtlich 
ihrer Wirl^iingen epg und *heissen streng jroniische (obL 
civilis), deren Entstehung and Folgen durch gemessene 
Eingekungsformen bedingt sind. Diese Folgen bestanden 
1) darin, dass man die obL civ, dufch Klage geltend 
machen konnte oder 2) dass eine bestehende obi. eiv. 
durch eine darauf Bezug habende andere obi. civ. ipso 
iure getilgjf; wurde. Da nun die o. c* urspriinglich nut 
von fiojn* civea eingegangen Wjerden konnte and niur 



*) Htinfee. synt. ecL Haub. S. 5?S — 657. Gmm Scholien S; 
3S6 ^ 445. — Zilerat bezeichnete oWgatic (ein m den spatern 2^i« 
ten des Rom. Freistaats .fiir das walirscbeinlieh frfiher gebraach'^' 
liche Wort nexus aufgekonimener Aiisdrnck] die Begebenheit oder 
die Handlung, wodurch das obligatoriscbe Verhaltniss yeranlasst 
worden ist (Cio. ad Bnit. 18 pecuniae obligatio) ; daraus entsprang 
die Bedevtnng des zweiseitigen Verbaltnissesi so dass es ron Seilen 
des Schmldners Pfticht oder VerhindUdikeU ^ Ton Seiten des Glan- 
bigers Reohi oder. Forderung bezeichnete. Endlioh stebt okU anctk 
iiir die ilber jenes YeihtUtmss aiisgest«U|e Urknnde (oUigatio prae^ 
4^oriiiB). Hugw ^esch. des latein. Wovts obligatio iai Cir^ Mag^ill^ 
S. 389—422. Biedeh obligatio im Civ. Mag. Y, S. 99 — 117« 



19* 



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— 292 — 

far diese Folgen hatte, so waren die Peregrinen ib Rom 
ohne Obligationenrecht, gie bedienten sich daher des 
iiis gentium und die R5mer erkannten dieses Tar jene 
an* Diese Peregrinenobligationen waren hinsicfatiich 
ihrer Entstehuifg nicht an die strengromische Form ge- 
bunden, sondern za ihrer Eingehung reichte i^uda pacdo 
bin and sie hiessen J>IL naturalit. Ihre Folgen liefen 
parallel mit den Folgen deir obi. civ., indem die obi. 
nat. Klagen gab'(aber keine civilrechlKchen ) und eine^ 
obi. n« wurde durch eine andere daraaf Bezng habende 
o* n. vernichtet. Diese freiere Form des Obligationen- 
rechts der Peregrinen war wegen des geringen Formen- 
zwangs dem Verkelir angemessener und sebr bald flossen, 
sobald^die R5mer dies fuhlten, Grandsfttze des Peregri* 
nenobligalionenrecbts in das strengrdmische Obligation 
nenrecht und der Prator rerSali dieses freiere Recht 
gegeniiber dem ius civile mit Schutzniiiteln. Der Grander 
zug des Peregrinenrechts im Gegensatz des romischen 
ist aequitai und daher seiii Name ius aequuM (S. 122)% 
Da die G^ltendmachung dieser aequitas aus dem vom 
PrSitor verliehenen Schutz her verging, so nennt man die 
aus dem freieren Recht iibergegangenen obi. praetoriae 
oder honorartae. — Hier ist auch ein anderer Unter- 
schied 2^u erwSlhneix, n^ralieh obi, strieti iuris u. honae 
Jidei*). Bei jener fand aeauitas keine Berucksichtigung, 
sondern das alte unwandelbare ins civ. gait allein (der 
Inhalt ist stets ein certum) und den Erfolg desselben 
bezeichnete man mit dem Ausdruck ipsa iure, Bei ver- 
schiedenen GeschlLften aber schob sich ein leitendes 
Princip fiir Billigkeit ein, was entweder uralt, oder 
neueren prator. Ursprungs war. Uralte Spuren der Rom. 
Biiligkeitsberucksichtignng findet man sowohl in dem 
Institut der arbitri, welche in manchen Fallen freiere 
Befugniss als die iudices batten (s. Actionenr.), als auch 
^bei einigen GeschlLften , welche wegen ihrer Heiligkeit 



«)^E. Gans iib. Rom. Oblig. R. Heidelberg 1819, Abb. f, S. 
1*^135 banete auf den Unterscbied der obi, strieti inr. und bon. 
fid. eine neu^ Classifikation der Ctbligationen , indem er die Rom* 
in obi. ex contractu, ex delictis n. s. w. ali ein^ -ansserliche and 
zufallige g&azlich yerwarf. — Diese Eintbeilang aber ist nicht 
-all^mein, indem sie bios die obi. aus Verabredung (ex contr.) 
nmfasst. 



— 293 -r 

V 

s 

tsmH Wiphrfgkelt idfte Namen tmM ifidH ^Thielien (In- 

-ahronr* tequitas gdiellte sieh spSterdie Tielw«iteretEieqni- 
taff (des ins gent. , velehe viela nene Obligationen schaf 
nnd jnehren derselben anch den Nam en bon. fid. beilegte, 
"weil sie besondere Treue and Glaaben voranssetzten 
and erforderten; z. Et fidacia, Yormundschaft , Mandat 
«» ar Gai. IV, 16^ Cie. de off. Ill, 15. Die ans beiden 
Arten von Obi. ehtspringenden Klagen h. act. stricti 
inr. u. bon. fid. s« Acdonenr. 



Erstet CapiteL 

Gegenstand und Inhalt /ler Obligation. 

Das Ohjeki der Obi. ist entweder dare oder fmere. 
Jenes Wort im e. S. beisst einen zam quiritarischen < 
Eigentbiimer ihm iibergebener Dinge inachen, also durch 
mancipatio und in iare cessio (Gai. II, 204), im w. S. 
dagegen nmfasst eg alle Handlungen, wodurch das Ver- 
fiiogen einer andern Person lergrossert wird. Alle 
anderen Arten von Leistungen, welche nicht ini Ueber- 
geben zum quiritar. Eigenthum bestehen, werden mit 
dem Namen yifcere, i^rae^f^re bezeichnet *). 



*) Theils Natur, fheils Moral gebieteii den Menschen Beachran* 
knngen des freien Willens in der Bestimmniig des Gegenstandes 
der Obligationen , und Obi. , deren Inhalt pbysiach oder moralisch 
Qtimdglich Q. unerlaubt ist, yerpfiicbten^nicht zar ^rfullnng. Unter 
diesen Fallen, welche die Wirksamkeit der Obi. hemmen, sind 
zu nennen: 1) wenn der Gegenstand des Vertrags zar Zeitder 
Eingehung bbjektiv unn^oglich war (Gai* III, 97), oder wenn der 
Yertrag unter einer unmogL Zeitbestimmnng abgeschlossen war^ 

« z. £. zwei Tage vor meinem Tode etc. Gai. Ill, 1Q0 (Ueberhanpt 
soil Niexnand eine ObK abschliessen , welche erst mit dem Tod 
wirksam und gegen den Erben klagbar wird. -Gai. Ill, 100 f. 117. 
119. 158. JLu%clike% Studien S. 279-^285); 2] wenn der Gegenstand 
des Vertrags schimpflich oder contra bonos mores war; 3} wenn 
Jemand durch Gewalt (vis), JBetrng (dolus), Irrthum (error) zum 

^ Abschluss bewogen worden war. Der Uebervortheilte hatte eine 
Exception , fiber deren Abfassung im Provincialedikt Cic. acf Att. 
VI, 1> 15 schrcibt. 



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Iht Jfog^AteMlf Jdbff ObL kt ErfftUntig, to ibm 
4ai9 wm 4 w » ii«btwg dto OU, wrpflkhtct^ rolhlftiidig 
.(Igtbrn o4tr fethan w«rde (darej fueerej. Wmb d«r 
verpfliohieif ilieht in dieaer Weifie sein Versprecbeii 
erfullty 90 tritt auf Seiten des Berechtigten , wemi der 
Gegenataod nkht an sich scbon peomma ist, Anspmcb 
auf Geld ein und as wird5'weDn asanr Klage kommt, 
aobald dec Gegenatand niobi Tor der eondemnatio galei^ 
stet wird^ niir auf peconia eondeniDirt. Kann aber der 
Schaldner wegen Unzureicbenheit aeinea Yermdgeng nidit 
so \iel leisten, als er soil (Insolvenz), so kann der Glaa* 
biger Altes nehmen, was der Schaldner besitzt. Warea 
mehre Glaubiger da, so trat.eia besonderes Yerfahren 
ein, conca^sns creditoram s. Actionenr. Der Obliga- 
tionsgegenstand kann in eiozelnen Fallen noch bescmders 
inodmcirt seyn, nemlich in Beziehung auf Qualitat, Iden- 
titat. Ort und Zeit. So oft eine solcbe Modifikation 
eintriU> so muss in Genii&ssbeit derselben geleistet wer* 

. den; geschleht dieses nicht, so subsdtuirt sich pecunia 
und beditogt wenn es aur Klage kommt aestimatio das 
Interesse des Bercjcbligten {^uod intereit im w. S« Ge* 
sammtheift des Sohadens) *). Bei alien diesen Fallen 
muss Torher die Frage ansgeinriuek werden, ivodiirch 
die Erfullung der in der Obligation begriindeten Pflicht 
uninoglich geworden ist. 1st der Schuldner selbst daran 
Schuld und zwar gefligsentlich (dolus Cie. p. Rose. Ain. 
38. 39) , so muss er in alien obligatorischen Yerhalt- 
nissen Ersats leisten (jedoch erst seit Cic, fri^her nur 

^ ansnabmsweise , z. E. in obi. bon. fid. Cic. de off. III9 
15); wenn er unverscbuldet dutch ein zufllUiges Ere1g-> 
niss (casus) in diesen Zustand wersefzt worden ist, 
braucht er nicht zu baften; wenn, er unabsiebtlicb bus 
NachlH^sigkeit oder Unbesonnenbeit seine Yerpfiichtung 
nicht erfiUlea kann (culpa) '^^)^ so ist er nur in einigen 



*) K ScMmunus Lehre Tom Sflhadeaersatz. Giessen u. Wetzlar 
1806. I culpa II doliui, mora etc. Htt$$es und Lbhrs «»ten citirto 
Schriften. * 

**) Culpa I w. S. aU jede iiii«tUlche und reehtsTerietzefida 
tiandlung (wie Gio. p. Rofl<^. A« ^} umfasst freUioh aiich dolus, 
doch im a. S. unteracheidet sich onlpa von dolna durch dea'anunai 
nocendi ^^ Has9e§ calpa S. 97 ff* Hdnelt Sehadenersats 8* 18 M- Di« 
Romer unterschi^den lata culpa grobe Nachlaaaigkait, daetduroh 



— 295 — 

OUigation^n verantwi^rtllcbi fA atodemlM (Cia p. Roie* 
Am. 39 ^n mi9%Mit pri^titqne ret^i eiiam ne^ligenlia 
Ml ertmen iudMique it^'amiaik revoeatmr *>— qui nan 
n^gligeniia privatum aliquod commodum laeterit etc.). 
Best^t diete culpa dariti , dass der Sehaldner seine 
Vetbiodlicbk^it hinsichilich der Zeit nicht gehorig er- 
fallt ^ so komnit fur diese Art der culpa der Ausdrock 
Mora vor Scaev. 1. 13. pr. D. de usnris (XXII, 1) nnd 
yt^nn aus dom Gruad dieser speziellen culpa bei Geld* 
eobnlden Ersats geleistet werden moaste, gO heisst dieser 
UMurae , ispater usurae morae, deren Qnanrtitllt von dem 
Zinsfnss bei den stipulirten Zinaen abbing. S. Cap. IV, 2. 
(Condict de eo, quod certo loco etc soheint spslter. Urspr.). 



Zweiies Cap^eL 
Siibjekte der Obligation. 

Bei jeder Obligation sind wenigstens 2 Personen 
erforderlich , die Yerpflichtete nnd die Verpilichtende 
(debitor and creditor). Jedes dieser Snbjekte besteht 
nun entweder aus einer person oder aus mehren. 1st 
das ^rechtigte Sabjejct eine Anzahl berechtigter Indi- 
viduen, so ist jedes Einzelne zum Obligationsgegenstand 
pro parte berechtigt {pro rata virili bei den Icten ) nnd 
umgekehrt bei dem I^alle, wo das ver|^ichtete Subjekt 
aus mehren Individuen besteht, ein Jedes' verpflichtet, 
zur Zahlung des Ganzen pro parte beizutk'agen (jeder 



I - 



die al]g0mc4otte Spr^alt tu.rerliiJLteB W9r, ronievU oder ievitMima 
00 «. 8. w*. Die Theorie dieter feiaen YerhiiltiiiMe bat dea nieiiera 
Jiixiateii .ttiobts^enig z^ »ohaffea geraaoht, wi9 4uch die.Menge 
nnd Verschiedenheit der Bearbeitangen zeigt. Nach Schdmann aiiid 
zu neADen i^ i>. tbhra Tbeorie der ciilp^ Gies^eu iBdS nnd idessen 
.Beitrage zii d* Tbeorie d. c Gietsen u. Dannst. 1806L C H. Mauet^ 
Qolpi des K.R. Kiel 1816 (sehr M^ichtig und nu^hnnalB aagegiiffeB, 
J, CU'GemHeri e:isercitt inn ciT. ad doetr. deculp*. Jen. 1813, dess* 
Beitr. z. Lehre r. d. Diligenz n. ealp^ Heidelb. I8t9i, C. JP. Elvn-B 
doctr. inr. oit* rom. de culpa lioeamm. Getting. 1822 , P. L. KrUm 
iiber d. cnlpatnach^R. R* Leipzig 1823 (dass lata culpa nnd dolus 
nnr verschiedene Bezeich&nngen eines absichtlichen widerrecht- 
UobenBenehmens warea), F^VdntUyeiwwiti y. Scbadentrsatz Lefpz. 
1823. S. 1 —66. (mehr von prakt. Tendenz), 



— 296 — 

steht nnr t6r seinen TheO, nicht fSr die Anderii). Das 
Recht Iftsst aber anch zd, dass dine OUig. \n der Weiss 
eingegangen werde, wornach ein Jedes der Individaen^ 
tvelche zasammea den Creditor repr&sentiren, berechtigt 
ist , den ganzen Gegenstand der Oblig. zu forderil oder 
umgekehrt, wornach e^n Jedes der Individiien, welche 
zusaintnen den debitor repr^sentiren , verpflieiitet ist, 
das Ganze ztL leisten (obL plurium creditorum oder de^ 
hitorum in iolidum) "^y Dabei ii^t jedoch charakteristisch, 
dass wenn von den verpfliehteten Debitoren etner die 
Schnld an Alle oder an Einen der m^hren Creditoren 
jgeleistet hat, die vibrigen Debitoren liberirt sind. 

In Bezug auf die Subjekte sind aoch noch folgende 
Punkte zu erortern : 

I) Pahigkeit Ohligationen zu tchUe$9€n. Der civis 
gniioris ist natiirlicher Weise' alter Ohligationen fahig, 
jedoch konnte er nur sich selbst obligiren, nur yfiir sich 
selbst obligirt werden nnd nur selbst Ohligationen gel- 
tend machen Gai. II, 35. 38. Ill, 85.' Frauen nnd Un- 
jniindige konnten ohne Einwilligung des Vormunds nidit 
debitor, wohl aber creditor werden (S. 256 f.). Minder- 
jShrige durften zwar alle Obi. eingehen, batten aber 
inanche Vortheile gegen den> welcber sie ubervortheilt 
haben sollte (8. 114), Was die Teregrinen betrifi't, so 
batten sie zwar urspriinglich ihr Ohiigationenrecht fiir 
9ich und besa8s,en einige Arten von Obi. ganz eigen- 
tburolich {chtrQgraphum, syngrapha n. a. Gai. Ill, 134), 
waren aber dessenangeachtet von der Eipgehung civiler 
Obi. spllter nicht ausgeschlossen, indem sie durch den 
Praetor peregr. zu deren ErfuIIung angehalten werden 
konnten. Gai. HI) 94. 93. 95. 133. IV, 37. BeschrSnknng 
trat bios bei den Sponsionen ein, Gai. Ill, 93 verborum 
obKg.: dart $poHde$i spondeo propria eivium Romano^ 
rum est. 

II ) Zula$iung der Beprdfenlaiian lei Schliesfung 
der ObL Die alte ftegel^ dass Stellvertretung bei Ein- 
gehung von ObU ganz , unznllissrg sey, fand in so fern 
elne Ausnahme, als der Haasvater durch seinen Sohn 
und Sclaven Hechte erwerben,- nicht verlieren, also wohl 
obligiren, aber nioht obligirt werden konnt^. Nur in 



*ni^^l» ••■-■■^wr 



*}(?./!. BOibenirop zur Lehre voa den CorreftlobUgatioaeiia 
Gdldngen 1831. 



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— 297 — 

s 

wenigen Fftllen imisste der HansTaf er f3ff die V4>n seinem 
Sohn oder Sclaven eirigegangnen Obligaiionen and an- 
ternommenen Geschafte faaften : . 

\yWegen De/ikte^ itidmi er gezwnngen war, die 
Schuld zu bezahlen, wenn sein Sohaoder Sclave eineii 
Schaden angerichtet hatte, sobslld er nicht vorsog, dea 
Schnldigen dem Verletzten oder Benachtbeiligten aas- 
ziiliefern (noxae dare) *)* Die XII T. sagten n^ervui 
furtum faxit \ spez. Fall) noxiamve nocuii . • • . Dirk* 
sens Uebers. S- 708 — 714. Gai. IV, 75 — 79. Dasa 
Noxalklage nnr dann stattfinden kann, Tvenn der Sohn 
odier. Sclave einem andern , nicht dem eignen Herra 
Schaden zugefugt hat, liegt in der Sache and wird auch 
ausserdem von Gai. lY, 77 f. versichert 

2) Bei erlaulten Geschaften ist der Herr odet 
Tater nicht immer, sondern nur aosnahmsweise ver- 
pflichtet, woriiber wahrscheinlich schon im pr^tor. Edikt 
zur Zeit der Rep. Bestimmungen vorhanden waren Gai* 
IV, 69 — 74. Es bildeten sidi nemlich aus ^inigen Ge- 
schaften des Sohns oder Sclaven Obligationsverhaltnisse 
fiir den Herrn, welche durch folgende spezielle Elagen 
" geltend gemacbt werden konnten: 1) actio quod iunuj 
der H^usvater musste haften, wenn er seinem Unter- 
gebenen aasdrucklichen Befehl gegeben faatte Gai IV^ 
70; 2) actio de peculio^ wenn dieser ein peculium er- 
batten nnd damit gehandelt hatte, so mnsste der Herr 
nnd Vater soweit biirgen, als <ia8 peculinm reichte^ 
denn das Uebrige nahin er fur sicfa (verraoge einer dii^ 
tributio). SoUte er aber eine ungerechte Theilung 
Tornehroen, so batten die Glanbiger eine actio iribu-- 
ioria'Gsiu IV, 72 f. Hierzn kam spdter noch 3) actio 
de in rem veno, so dass er fur das Ganze haften 



*) Noxia allgeiii. Ansdmck fSr jeden angerichteten Scbadea 
fdamnum)^ aber noxa bezeichnet aicht bios Schaden, sondern auch 
die Strafe dafiir. Fest. t« noxa n. noxia S. 109. 183 Lind. n. Annu 
537. Zimmem (System der Rqm. Noxalklagen Heidelbg. 1818) be^ 
hanptet (S. 36 — 78. 118— 166) | dass die Verantwortlkhkeit nur 
den Thater treffe and der Herr n. Vater nicht als Eigenthumer (ge« 
wohnliche Annahme), sondern als dtfensor seines Sohns n. Sclayen 
bafte. Die Princ^pien der andem ErUarer sind S. 17-* 35 ab* 
gehandelt. 



\ 



796 



fdksiMy aber dBQ'Herrn nnd Vater dnroh aeine contra- 
irtc ObL reicher g^macht hatte. .: " 

Alsdas PriDctpdor verbolisqea Stellvertrelabg ftpater 
umgestossea und Dei natiirlicbeo Geschaften jed^j Re; 
prft&entatioo gestattet Tvnrde (nicht bei civilen)) so dehnte 
sich natiirlicn die Yerpflichtang des Herrn auch aiif die 
JNicfatsclaven aus, welche in seinem Aaftrag bahdelten 
und wahrscheinlieh eiiiielten 2 ObligationsTerbaltnisse, 
ana dec Sclavenreprisentation etitspringend, von nun an 
allgemeine Wirksamkeit (dieses hatte nemlich nicht so 
seyn konnen, wenn man das Mandatverhaltniss ins Adge 
gefasst hStte, indent es dort nrspriinglich nurKlage gegen 
denBeauftragtengabCap«VII,.4.): 1) wenn derSchift'sherr 
(exercitor) einen andern als Verwalter (magisterj iiber 
das Scfaiff geisetzt iiatte, so mnsste er fiir die von dem- 
selben eingegangenen dhh YerhSLltnisse haften und dem- 

{*enigen, uelcher mit dem mag. Gescbafte abgescblossen 
latte, war eine Klage gegen den exerc. gegeben, welche 
actio exerdtoria hiess; ebenso 2) wenn der Herr ehies 
Gesch^fts einen andern als seinen Verwalter angestellt 
faatte (mit einer actio imtitoria Ton institor d. h. Fak- 
tor^ der uber eine Bade etc. Gesetzte) Gai. IV, 71. 

' » , III) Vebergang der ObL a%f andere Pertonen. Die 
Bestimmnng, dass die betechtigte Person nur persdnlich 
die aus der Oblig. hervorgehende Klage anstellen durfd 
und die VerpflicmiBte persdnlich als Verklagte dastehen 
Hiiisse, erlitt dorch die Ueberftragung der Obi. auf an- 
dere Snbjekte eine Abandecung* Dieses war a) moglich 
darch per universitaiem mccetiio^ wenn ein Vermogen 
in seiner Gesainmtfaeitaaf einen Nachfolgertibergeht, in 
welchem.Fall auch die ObL mit forterben, jk. £• Sehuld* 
fordernngen, mit Ausnahme der Strafoblig., welche der 
Naihfolger nicht iibernimmt Gai. IV, 112. (Erbr) b) durch 
Singularsuccemon^ wenn eine Person im Gegensati; von 
Uebergang ihres gesammten Vormogens n^r eine oder 
einzeloe Obligationen als Glaubiger oder als Schuldner 
iibertriigt. Um diese eigentlich nicht gestattete Ueb.er- 
tragung moglich zn machen, hatte man den Weg ein- 
geschlagen, dass. der Schuldoer (oder auch der Glaubiger) 
mit einer aaderen Person eine neue Oblig. erricjitete, 
und, die bisher be^teh^nde dabei aufliob (qovaUo cap. 
XI). Auch geschah es durch cet$io (nicht mit in iw^ 



i/va T«fW«diidb) % wmq der ^Slftnbiger di« Forderang 
•inem Andorn ate SteUvertnMtf'^beriarttg und ihm die 
VortheUe da von x« ^berlacAsen vVerspracti' Gui. II)'39. 
NatOrlkh war dieses ktztere ef fit danti nioglioh , afs 
geriohtUche Stelirertretifng tiberhaiipt gMtattet wur, also 
Aicht cur Zeit der legis aotidnes, sondeira des Fo^mular* 
f roxeMes. Qai. IV, 82. S. Action^nr. 



•t 



Drittet CapileL 

Entste)iUQg der Oblig&tioneii und die einzelnen 
' Obligationen selbst. 

Die Hauptentstehungsgriinde siad gegenseitige Ver- 
abredung des Creditor u. Oebitox (Yertrag oder CoiUrakt 
im w* S.) und wider rechtliche Verletzung oder Beein- 
trachdgung (Delikt) Gai. UI, 8S omnis enim ohligatio 
vel ex contractu natciturj vel ex delicto* Die noch 
iibrigen Obligationen veranlassenden Griinde (variae 
causae) theiUe man eio in ^olche,, welcbe obligationei 
quasi ex delicto u. o. quasi ex contractu hervorbrach- 
ten, je nachdem sie sich mehr auf diese oder jene Seite 
hinneigten. 

L Obligationen aus Yerabredung {ex con* 

iractu i. w. S.) 

A. Von den Contrakten. ^ 

^ Contractus i. e. S. *^) iat eine Uebereinkunft zwi* 

scb^n inebreli daza fahigen Personen, die dureh cine 



*) C. F» Mvihlenhrucka Lehre Y* d. Cession des Fordenuigs* 
rechts. Greifswalde (1817) 1826. 

**) CQ%irwtu9 (seit d« Kaiserzeit gebranehL Wort) be Stekhnet einea 
f5mU. niich Cmlrecbt klagbarea Yertrag, poefio eine erst nadi jeneia 
diircb das Pratorische RechC in 8chnte genommene'Verabredung Cap. 
Till. Paeium (Plant Anl. HI, 2, 81 ad Her. 11, 13. Cio. de iny. 
II, 22) und ooiuTMilio, nieht selten anch pactio (Cic, p. Rosa, c 9) 
•ind allgtoraeine Aosdrilcke, deriA SpraohgeWanch niekt streng 
geschieden war. Cie. ad.Att* TI, S ^x paeto «< eoKOtfnlo, orat. part. 
37 p« c« Sen. de ben. Ill, 15 pacta wavmUnpte^ Ein Anszng ani 



\ 



1 



I 



-_> 300 — 

beatiiBmt^ ErkULnmg eim RftchtBTerhftltDite Jimoken aich 
iestsetsen,. dessen £rftllii0g vor der ObrigkeH.eifcwfingett 
werden kann Gell. XX, 1. Man theilt me in eims^itige 
Yertrige,)Wo der eine^Theil znsagt (dehitwr)^ ^fthrend 
der andere annimmt (creditor)^ und zweHeitigej wo beid^ 
Theile zusiigen, beide ako eredttor u« debitor werden^ 
80 dass beide Klagen auf Erfiillang haben (acUwiei di^ 
rectae uw contrariae. Cic. de off. Ill, 17). 

Zur gerichtlichen Gultigkeit des Vertrags ist Tor 
AUem notnig, dass der Wille der Personeir in eine Form 
eingekleidet sey, sich also unzweideutig aasspreche ^) 
(sonst wSlre es ein nudum pactum), nnd dieses ist moglicb 
durch die That, denn dann ist kein Zweifel nioglich 
(rej, Oder durch' Worte ; dieses kann wieder geschehcn 
miindlich (verhii)^ schriftlich (Uteris) oder enduch durch 
blosen Consens (consemuj. In diese 4 Classen theilten 
die Romer ihre ContraJ^te Gai. Ill, 89* / 



Viertes CapiteL 

I. Realcontrakte 

beruhen auf der Uebertragung (re) einer Sache an eine 
Person, welche im Yertrag deren Zariickgabe Terspricht. 
£s sind folgende: 

1) Commodatum ^^) ist d^s unentgeltliche Hingeben 
einer Sache, welche die andere Person zwar gebrauchen 
darf, aber unversehrt wieder zu.riickgeben muss, wobei 
sie jRir dolus u* culpa, aber nicht fur casus zu haften 
braucht Edict* praetor, iiber commod. u. depos. bei Ulp. ; 
in £r. 1. D. de commod. (XIII, !•) Cic. Verr.IV, 3 von 
geliehenen Bildsaulen ut illig (Mamertiner) benignii U8U9 
est ad commodandumj sic ipse (Gaudius) diltgeus fuit 



Longsdorf — r de pactis et oonEractibnt Rom* Manhem* 1772. findet 
sich nehst yielen Anmnu Hugos im Civ. Mag* I, S. 142 — 210. Jager 
' de orig. et progreM. disorim. contract, et pact, apad Rom* 1827* 
*\ Ueber die sinnliobe Anschanlichkeit der alten Rechtshand- 
lungen apricht v* Savigny Tom Benif a. a* w* S. 10. 11. 
^ **) Bieser Aaadrock towohl als andere, wie dtpoiHum^ pig»uM 

u/f. w« bezeichnet nicht nnr das Gosohaft, aondton auoh die dache 
•elbst} welche ubergeben wird* 



-i 301 — 

ad repwriemdumJ Cie. p* Cael. 13. 21' aurum tumpHi 
(Cdlias von cler Clodia — 13* 14 commodaae) A. i. kem 
Geld, sondem goldene GerSthschaften (21), da es Tom 
Geld matunm heissen musste* , 

2) Darlehen (mutui. datiOy ret crediioj muiuoy mv* 
tuo daia^ pecunia certa crediia) ^) von Sachen (nament- 
lich solcher, quae ponder e^ numerd^ memura constant^ 
wie Geld, Wein, Getreidd, Oel, Metall n* s* w. Gai. 
Ill, 90, Fische bei Yarro r. r. HI, 17. Plin. h. n. i:!t, 
65), wdche nicht selbst iviedergegeben , sondem darcb 
Sachen derselben Qaandtftt.nnd QualitlU; ersetct werden. 
Yarro de 1. 1. Y, 179 si datum quod reddatur^ mutuumj 
. quod Siculi fiotrov *^)^ Dem Dahrlehnsvertrag znfolgo 

, ist nichts za thnn, als xviederzngeben und war das Em- 
pfangene Geld, so brauchte man auch nur^diese Summe 
vi'iederzageben, ohne Zinsen za entrichten; daher sagt 

. Non* Marc* 5, 70 niit Recht, mutuum nej stets sine 
usuris. Doch dnrch die Rdmische Habsncht entstand 
schon friih' die Sitte, bei ausgeliehenem Geld einen Ge- 

, brauchswerth dafiir za vorlaogen und der Glaubiget 
stipnlirte sich schon in den ftltesten Zeiten in dem 
Darlebnsver^rag nebea der Zanickgabe der Sache auch 
Zinsen (usura^ fenus) ^^^). Die QuantitSlt dieser Zinsea 
faing zwar inimer von gegenseitiger Uebereinkunft ab, 
jedoch um den Armen vor iibermassigen Zinsendruck in 
Schutz za nehwen, gab der Staat Gesetze't'), jedoch 



*) Gxonov. de sestert. Amst. 1568. 8, 251 ff* 

*♦ ) pecuniam solhcare und ponere h. Geld ausleihen , dagegen 
^peo* colh Oder ponere in praedio h. Geld auf Gitter anlegen, Cic* 
p. Caeo. 5 f. Bei* ad Gio. p. Tnll. 15. 

***) Dinge, welche aosser ilirem ^gentlichen Kaufwtrih auch 
', nbch einen GebraMcJuwerih haben (ujiira), trageii gleichsam Frttchte 
{fenus yon feo, ronoe yon t/ktiu)* l/sura. (Zinsen , Interessen) ist 
also die Zulage, welche man zu dem Hanptgegenstand (gew6hnli6h 
ein Geldkapital sors) als Yergutung for dessen Gebrauch erlegt« 
Yarro 1. 1. Y, 183 a quo (pondere) usura^ quod in torte aecedehai^ 
impendiutn i\ppeUa1um; quae quum accederei ad soriem^ Utu UMura 
dieta* Fest. y. fenu$ — > a feiu — quod crediii nummi aJios pariani^ 
«l apud Graeco* eadem res tosco^ dieitur. Gell. ^YI| 12. Non. Maro« 
5, 70. 

f) Ueber die Rom* Zinsyerbote Heinecc. synt. ed. Hanb. S« 
544—556, Niehuhf R.^G. 111, & 50—78. Suhraden Beitrag za 



— 3(tt — 

gMckab diMM alfer WahftfcheinUchkeU nidi tAdkt vor 
4eD XII.Tafela; dena obgleich schoa froh die Plebejer 
vebaarenweise io den Patricuchtn SchQldthuraieii saasea 
(Liv. II, 23 f. Erwslhnung der Sdmldgefangeiitohaft ao9 
der KoDigBzeU bei Dioo. Hal.. IV, II, sagkieh darauf 
V, 53. Yl, 23 ff. 70 ffO, obgleieh wfthrend sie im Felde 
kftmpften, ihr hauslicher WohlstaMl %n Grande giog 
vnd die Patricier allein voq den erfochtenen Siegen 
Yortheil sogen (Liv. II, 23 f. V, 10. Dion. Hal. VI, 26. 
VIvlU CorioL 5}» obgleich scbonr in fruher Zeit die lan-» 
tegten Klagen daruber ecaehoUen (Liv. a* O. und Dion. 
IV n. VI a. O.) nnd maneher Anfrnfar ftO.W<^l ak Se- 
cession erfolgte, sownrde dochkeineZinsenbeechrinknttg 
vom StaaCe ausgesprochen und trotz maneher Y'orschlage 
(Dion. Hal. IV, 9. V, 09 a. A.) vnrden bios Toriiber- 
gehende Massregeln angenommen *), Den XII Tafeln 
war es vorbehahen, dorch das ersie Wuciergesetz den 
Drnck der Armen zu hemmen , obgleich es an nnd fiiv 
si^b immer' noch' hart genog war (s. nnten nexum) **)« 
Tao. Ann. YI, 16 sane vetu^ nrbi foenebre malum ^t 
$editionum ducordtarumqne creherrima causa j eoque 
coktbebatur ufUiquii quoque et minus eorruptii moribus* 
Nam prima Xll Tabulit sanctum^ ne quit ui^ 
eiario /enore amplius exere^eretf quum antea 



Niebnhrs Erorfernngen in Hugos ciyiL Mag. V, S. 160 — 184. /• 
Mutter hist, et ratio odii qao foenos habitam est cett. Gottiqg. 18i^l* 
S. 26 — 57. 

*) Z, £• Lir* IT, 24, wo das Volk ma dorch Freilasstrng der 
Schnldgefangenen nnd dnroh dai Versprechen, d«M die Giiter oder 
Familie keines Abwesenden augegriifen werden tollten, ztuii Kriegs-* 
dieast bestimmt wetdeii koante, oder als das, Volk bewogen wer- 
den tollte, ana der Seoesaion znrackznkeliieti Biom. HaL YI, 4& 

--80 TSL tL^ 

**) Trotz dea Tacit^a Tollwichtigein Zengniaae apraeh maa 
firnher die Beatimmnng dea /. unoiurium den XII Tafeln ab, weir 
dieaelbe BestimnMuig bei Liy. erst 398 nnter dem Vamen lex Dnilia 
Maenia TOrkommt* Anch Niehthr in der !• Anag* a. R. G. II, S* 
431, MMer do odio cett. S. 34' fi, znletst noeh SuUmaim Gnind-» 
Yer&asong S. 172. Booh ea konnen >a beide Reoht haben, Liyin* 
Bowohl ala Tacitna, wenn daa in den XII Taf. gegebene Geaetx 
anfgehoben oder in Vergwaenhdt gerafhen war nnd apater eine 
Emenecwg notfaig maohte. NkbiAf lU 6« 2« A. II, S* 383* §74» 



— a03 — 

eir 7»^»)i« iocupletium agit»et9r eto* Vor ^Alltel iti 
ZQ nnterftucheb, was man unter y*eiitft iffiCMrr^irJI^ zsTers^ 
gtehen babe, woriiber dieJMeinongen sebr getheilt Bind* 
Nacb der llltesten Aasicht '^) bezeichneto'dieser Ansdruck 
t Procent jlihrlich/ von 100 Asses jahrlich t As oder 
12 'Uacen, d. fa., monatlich 1 Unce oder ri As (daher 
unciarium f. 1 Unce vnn 100 Ass.) and st^tzen sichanf 
die Analogie des sp&teren 8prachgebraaohs,'dem zufolge 
U9urU€ fuincuncei 5 p. C. semities 'S p. C. u. 8« w* be* 
zeich net babe, nndariom also nur 1 p« C« Dieses za« 
gegeben, so ist doch nicht abznseben, wle Liv* VII^ 
27 sagen konnte, dass an^h nocb bei diesem Zins die 
Plebis sehr gelitteii babe, was^ bei 1 p. C. ganz undenk- 
bar ist. Ebenso kann man sich nicbt erkla^en, wie die 
spatere Herabsetzung dieses Zinsfbsstes anf die Halfta 
fiir die Reste des Capitals, also aaf i p. C. far eine 
Erleichternng gelten konnte, wenn bionen 3 Jahrea dac 
Capital abgezahlt werden soUte '^l'). Andere ***) nehmea 
ZH dem entgegengesetzten Extrem ihre Znflacht und 
halten unciariumfenui fur ^ des ganzen Capitals (unda 
^ des* As, welches s. V. a» Capital heissen solI,_dahet 
kame^auch der Name u« f.), welches mii jedem Monatf 
babe als Zins erlegt werden* mussen. Dieses maefaii 8f 
p. C. fiir den Monat, oder 100 p. C. fur das Jakr ans« 
Doch wie unrichtig diese Conjektur sey — denn dordi 
Stellen der Alten wird sie nicht bestfttigt — kdnnen wir 
schon daraus sehliessen, dass, weil unciarinm f. als eina 
Erleichterung angesehen wnrde (Lir. VII , 16), vorber 
ein noch weit hoherer Ziasfass existiren musste, welches 
ganz undenkbar ist. Und hach dem Li<»nisGhen Gesetze 
(s. nnten), welches den Abzug der Zinsen vom Capil^il 
anordnete, musste naturlioh «in noch ni^ht bezi^ter 



* ) Murti n* Emegti zmn Tac. a« a* 0* > Sigon» da antiq* inre 
pop* ^\ Lip*. 1715. S« 329 f» C. SafmasiuiJde modo nsq^ahun Lngdi 
B. 1639. p. 291. /. Fk Gronov de sestert* j^mtU 165&-S.. 484 ff. 
495 fL u. antexeg. I de centesimis nsnrlf et foenore undarioy p* 
03 ft (gegen Schook 1661), ffeineodus synt. ed. Haiib« p. 555« 
Schlosseri nniyersalhtst. Uebers. II , 2. 8. ^18* S€^Uz$ Staatswis-* 
Bensch. der Roraer S* 272^—402* 

**) Niehuhrs R. S. ffl, S. 64 ff. , 

***) HuUnuauu Ron. GnmdterCaffliiZff 9. 172 ff. Dagegea JViV'* 
huhrt R. G. Ill, S* 63 i^ 



, — 304 — 

Best defl Capitals, fibrig bleiben ; dieses aber ist bd dem 
too p. C. Zinsfass weder moglich, noch oothig gewesen, 
denn daan hatte ein Jahr Zioszahlung das gaoze Capital 
abgetragen. Zwar konnte die Rede des verscholdeten 
Cenlurio bei Liv. YI, 14 aU Beweis fur diese Ansicht 
anffefuhrt werden, in4em dies^r sagt, er habe einige-* 
mal das Capital an Zinsen abgetragen, welches, da er 
ein junger Manh gewesen, nur bei einem 100 p. C. Zins- 
' fuss denkbar ware; doch wer kennt nicht die Unzuver* 
lassigkeit der Livianischen Reden, zamal aus jener Zeit, 
wo wir nicht die Menschen, sondern den Schriftsteller , 
sprechen hdipen, wer wird die Uebertreibung jener Worte 
verkennen? und auch zugegeben, dass das Capital 2-^ 

I 'a fast 3mal abgetragen worden ware^ so gehorte auch 
»ei massigem Zins dazu keine lange Reihe von Jahren, 
sondern es war bei einem Ziniifuss von 10 p. C, in 1\^ 
Ton 5 p. C. in 14f Jahren moglich, wenn die Zinsen. 
nicht bezahlt, also selbst auch verzinst worden wajren. 
' Zwischen beiden Extremen befindet sich Niebuhrs 
Annahnie *) in der Mitte, welcher zufolge das Capital 
als Einheit (a^ angenommen nnd davon der zw5lfte , 
Theil jahrlich (uncia sortis, daher der Name n. f.) als 
Zins bezahlt wnrde. Die Zinsen nemlich seyen in alterer 
Zeit nicht nach Monaten , sondern nach Jahren berechnet 
worden, und zwar nicht nacb dem nenen 12monat|ichen 
Jahr,. sondern dem alten lOmonatlichen Romulischen^ 
80 dass unciarium fenu9 fiir das lOuionatliche Jahr 8| 

£, C, fur das 12monatliche aber 10 p. C. betragen babe, 
^iese Ansicht hat einen hohen Grad von Wahrschein- 
lichkeit, denn dass dieSchulden ursprnnglich nur jahr- 
liche Gultigkeit hatten, ist nicht zu verkennen, indem 
darauf die in manchen Schuldentilgungsgesetzen ausge- 
sprochnen jahrlichen Termine eben so sehr hindeuten, 
als andere jahrliche Zahlungstermine, wie der dos, der* 
verkauften Trauben, Oliven u. s. w«. Nach Ablauf des 
Jahres wurde die Schuld mit Interessen entweder getilgt. 



*) Niehuhr$ B. G. I« S. 646. HI, S. 66 ff. MuHer de odio cett. 
$. 29. Hugos R. G. S. 249 ff. Schon friih war diese Ansicht yon 
einem' Theologen angedeutet worden, wie Salmaa. in s«^praef* de 
foenore trapez. bericbtet nnd auch Siroih ad Liy.'VlI, 16. ed. Doer. 
U, S* 149 hatte dieselbe Id6e , jedoch ohile an ein lOmonatlicbes 
Jahr za denken* 



\ 



< \ 



— 305 ~ 

» 

oder aus beiden zusammen ein^e neue gemacht, woclarch 
die ake Scbuldforderung ungiikig Wurde^oder der Schald- 
ner suchte. einen neuen'/Giaubiger, welcher die j^brliehe 
Schuld bezahlte und mit deni er nuD in ein ilhnlicbes 
auf ein Jahjr bestimmtes Yerhalthisus trat. Auf einen 
solchen nach Jahresablauf gemacbten Wecbsel des Glau- 
bigers bezieht sich Fest. v. versura: venuram facere 
muiuam pecnniam sumere ex eo dictum eHj quod initio 
qui mutuahantur ab aliis non ut domum ferrentj 9ed ut 
aiiis folverentj velut verterent creditorem* Die Proeent- 
bestimmung aber wird^bestatigt durch ^\p bei Ehescbei- 
dungen iibUche Strafe gegen den, weleher Yeranlassung ' 
dazn gegeben hatte s. S. 199 f. Ulp. Yf , 12. 13*). Den I 
sicheraten Beweis wiirde Fest. liefern, wenn er nicht ' 
verstummelt ware v. unciaria lex did coepta ett^ quam ' 
L. Sulla et Qu. Pompeius tujerunt^ qua ianctum esti \ 
Ht debitores •-decimam partem ( d* h. 10 p. C. ) • • sc. 
sortis .annuis usuris pendcrent ( Niebahrs Erganzang), ' 
worin der Gedanke zu liegen scbeint, dass Sulla, jener \ 
grosse Yerebrer der alten Zeit und der alten Einrich- | 
tungen auch das alte Zinsverhaltniss wieder eingefuhrt j 
und 10 p. C. auf das biirgerliche Jabr torn Capital zu I 
bezahlen verordnet babe. — ^ Dass diese firklarung Nie- \ 
buhrs dera Spracbgebranch der spllteren Zeit nicht ent* 
sprecbe, lllsst 6icb zwar nicbt abl&ngnen, jedoch es febit 
ja auch nicht an andern Beispielen eines durchaus ver- 
ftnderten Spracbgebrauchs und die Scbriftsteller bedienten 
isich des A'usdrucks unciarium fenus obne Bedenken, in- 
■ dem jeder des Alterthums nnr einigermassen Kundige 
den richtigen Begriff damit verbunden haben wird, ohne 
die spater gebildeten uiurae. quincuncet u. s* w. damit 
zu verwechseln **). ' 

Man mag aber das Gesetz auf diese oder jene Weise 
erklSLren, so viel ist gewiss, dass es seinem .Zwecke 
entsprach, indem vor dem Gallischen Brand keine weiteren - 
Klagen des Rdmischen Yolks vorkommen. Unmittelbar 



/ 



^) NiehuAra R. G. Ill, S. 69. 70. Schroder in Hngos eiy. Mag. 
V, S. 180 — 184. MtiUer de odio cett. p. 41 ff. / 

**) FreUich finden wir« dass Manui, comm, Cio. ad diy. V, " 
6^ unc. f* fiir identisoh mit us. centos, bielt , ebenso J. Scaliger, J* 
Gothofredus und M. Sohook; jedoch. fand ihre falsohe Annadime . 
keine weiteren Nachfolger. Grmnv* de seat. S. 468 ff. . 

20 



— 306 -^ , 

jedodi naoli demselben mvss da« Cteseli aiitgehobe» 
worden geyn (vielleicht wnrde es bei Erneveraiig de» 
XII Tafelgesetzes ausgelassen)) dean die Klagen Degio- 
nen zu jener Zeit und der Yolksfrennd Maolius fiel bei 
den Veri^uchen^ dem vom Wucher gedruckten Yolk eiii 
besseres Loo» zq verschaffen, als Opfer seiner Menschen-* 
freundlicbkeit LiF. VI , 14 — 20» App. de reb. itaK 9. 
Niebahrs R. G. U, S. 677 ff. Die aUffemeine Noth des 
gemeinen Mannes erweckte zwei grogse Better, die Volks- 
tribnnen CLidimis Stolo u. L. Sextine, durefal welche 
aneh eine Milderung des Zinsendrncks erfolgte. Diese 
lex ISexiia Lidnia (379) verordnete nemlicb^ daas- der 
Betraff der bezahlten Zinsen von dem Capital abgezogen 
and der noch ubrige Rest in 3 Theilen binnen 3 Jabrea 
erlegt werden soUte *), dock eine Zinsenverordnaog ent* 
hieken sie nicht lAx. YI, 35. 36. 39. Daber warden 
_bald neue Klagen horbar, zamal da, an jene Reste za 
' b^ahlen , nene Schulden batten gemacbt werden jniis- 
sen. Dessbalb warde in der driickenden Noth dareh 
lex Duilia Maenia (398) der in den XII Tafein be* 
stimmt gewesene UncialzinsFuss wieder bergestellt and 
ffegen den sundigenden Wucherer eine Basse auf dae 
Vierfaebe festgesetzt, woriiber .die Aedtlen zu wacben 
batten. Cato r. r. prooem. maiores nostrt tic kabuerunij 
eondemnari /eneratorem qmadruph. hiv, Yli , 28. X, 
23. XXXY, 41. Plin. h. n. XXXIII, 6. Ascoii. in Cic. 
div. 7. ed. Or. p. 110 f. Das Gesetz selbst nennt Liv. 
Vll 16: haud aeqne lata Palribut insequenti ammo C. 
" Mareio Cn* Manlio cosr. de unciario fenore a M, 
Duilio Lm Maeuio, irAunie pi. rogatw est perlaia , et > 
plehi aliquanto earn empidius scivit aeeepiique* i)och 
die Klagen borten noch nicht auf Liv. Vll, 19 nam 
eiii unciarie fenore fado levaia usura erat , 9orte 
ipia (darch die alien Capitale^ welche die daza gescbla* i 



*) Niehvkrs R. 6. Ill, S. i3*-26 zeigt die Trefflicbkeit dieses 
Gesetzes daring dass es die personl. Freiheit der Rom. Biii^er be- 
wahrt habe (denn vielb waren sonst als Sclayen y^rkavll worden) 
uDd dass das Capitah nie durch die abgezablten Zinsen biitte weg* 
g^rechnet werden k)6ntien, weil die Scbnidcontrakte nrspnltiglicb 
nnr auf 1 Jabr gingen. ]>aher rerloren die Glanbiger am Capital 
nichts and bnssten Uos die Zinsen ron einigen Jahren etUi Weil 
der Rest des Capitals obne Zinsen abgeaahh wnrde. 



I 



— 307 — 

9 

genea ZinMn v«rgt%sseH hatlMi) oini^€miur in^pu 
ne:tumque inibanti daber wurde 40^ aUgemeine Schul- 
denl^nidi^ioii aBgeprdnet Liv. VII, 21 navi coss.Jhe^ 
nebrem quo^ue rem^ quae distmere unamm^ tndebuiurf 
hvare aggresii^ soluttaneM aliem aeris in publicam 
curtim verterunt; quinqueviri* creates ^ quos memarta 
ab ditpensatione pecuniae appellarunt etc (die Schald* 
Bar tr^ten theils ihre Giiter jden Glaubigero ab, theils 
bezahhe der Staat fitr sie, sobald es ihnen nicJbi »d siche* 
ren.Blirgen mangelte). Noch dorchgreifender aber half 
eina oeue Zinsenberabsetarang und abermalige Anefub* 
rong der lex Lie. (40S) Liv» Vll, 27 iemunciarium tat^* 
turn ex unciario fenus /actum (5 p. C.) et i» pemiQuee 
aequaf triennii^ ita ui quarta (d. h« ein Viertheil) 
prae$eni es^et (sogleicb bezablt Mriirde), sobiiiiik aerie 
alieni dispensata est, Diegea sagt aucb Tac^ Anow Y^ 
16 dein togatione tribunicia ad semuncias redacta^ 
postremo vetita vertura. wwliieque ptebiidtie ob^am 
Hum fraudibusj quae toties repreuae miras per artee 
oriebaniur. Dieses bier ausgesprocbene Yerbot jeder 
Zinsverleibung ecfolgte, so unnatiirlich es aucb war, 413 
durcb die lex Geuucia *} LI v. YU, ^Zi^vemo, apud 
quosddmy L^ Genucium tr. pL tukae ad popufum, fw 
jenerare liceret^ App! b. civ. I, 54. ^Da^s dieses Yerbot 
bald wieder aofgehoben worden seya mass oder oicbt 
gebahen warde, beweisst die karz Tor der lex Hor^eosia 
(8. & 41. 46S d. St.) erfolgte Secession aaf deQ Jaoiealos 
(Liv. epat XL Plin, b. n. XYI, 10), wo die Tribunen 
den GlUubisem die AlternatiTe stellten, eo^tweder allge- 
mein'e Scbuldefitilgiuig vorsuBebmen oder eioe Bene Aus- 
labraiig d<es Liciniscbeii Gesetzes zu gestatten '*''*') uttd 
spStere stete ErwSlbnang des Wncbers* Dass zwar bo- 
acbr&nkende Gesetze (1) nocb existirten ***)y isi gowiss, 



*} Friiher ron NiehuTur ir^ S. 452 nicht anerkaunt, s. dagegen 
m, S* 78. MuUer de odio etc. 8. 43 f. 

. **) 8. Niebuhrg scharfsinnige Erganzong nnd Erklarang dea 
anaaent maag^haften Fragmenta dea Dio Caaa. p. 166. n. XLII/ 
(ed. Rom.) im Rheiiu Mna. L Phil. II, S. 588 --597. 

***) Eine lex Jnnia erwa^nen Feat. t. proraua : Cato de fene^ 
raihne legii Juiuae etc.* Kon. Colo de dis$^a9ione de fenermtion^; 
dooh iat die Leaart im Ganzea nioht weoiger zweifelhaft « ala der 
Name der lex. ^ Gai. IV, 23 aagt lex Marcia adver$u$ feneraio^ 

20* 



— 308 — 

I 

eben «o gewks aber anch, dass manche Schleicbwege 
eingeschlagen warden , dieselben za umgehen , wie Liv. 
XXXV, 7 erzahit quum multii foenehribus legibm$ 
constricta avaritia esset, via fraudii fnita erat, ui 
$n tociot^ qui non tenerentur iis legibui, nominajrans-' 
scriberenl (dass sie unter dem Namen von Latinischen 
Bnndesgenossen Geld verliehen, welcfae nicht an die 
Il5m. Zinsg^setze gebunden waren). Darauf^ nachdem 
diese Schulden dedarirt und gericfadich abgemacbt wor- 
den wiiren M. Sempronius tr. pi. ex auctoritate Patrum 
plebem rognvtt ple&esque 9civit, ut cum sociis ac nomine 
Latini pecunine credit ae ins idem , quod cum civibus ' 
Romanis esict {A\e%e\)>^n Schaldgesetze, welche unter 
den Roraern galten, soilten auch zwischen Romern nnd 
Peregrinen angewendet werden)* Dieses geschab im J. 
562 d. St., jedoch obne Erfolg, denn von vielen Ueber- 
tretungen der Gesetze spricbt Liv. XXXV, 4t. und der 
Wucher blieb ein fdrniliches Gewcrbe Plant. Care. IV, 
I, 19. Epid. I, 1, 50. Cic. off. I, 42. $. unten. 

Einp neue gewaltsame Erleicbterung verscbaffte die 
lex Valeria (668 d. St.), woriiber Veil. Pat. 11^ 23 sagt 
Vtf/. Flaccus, inrpisHmae legit auctor^ qua creditoribus 
quadrant em solvi tutgeraty so dass die Capitalisten f 
des Capitals einbilssten and nur | erbielten. Einige 
Jahre liielt sich diese lex, wie %vir aus Cic. p. Font. 1 ^ 
sehen (Nieb. ed. Rom. 1820. p. 53), w<i anch Einiges 
fiber die tabu{ae dodrantariae u. quadrantariae , welche 
durch jene lex fiir die alten ,und die neuen Scbulden 
sich notbig machten , erwabnt wird *)• 

Unterdessen war nach und nach ein aaslftndiscber 
Zinsfuss, wekher in Kleinasien a. Griechenland ublick 
war**), in Rom eingefuhrt word'en, welcher den alien 
ganz verdrangte (so warde der Priitor Sempronins von 
den Wuchjerern get5dtet, als er nach den alten Gesetzen * 



res , vi »i uMuras exegissent , de his reddendis per manus iniedionem 
cum eis agerelur n. s. W. 

*) Gronov. de sest. p. 633 f. Cort. ad Sail. Cat. 33. S. 204. 
nnd Puleanus ad Veil. 1. I. gegen Aid. Manuiius ^ welcber einen 
herabgesetzten Zihsfuss in d6r lex erkennen wollte; ebenso Schuliz 
Staatswi^s. 8. 391 t u. A. NUhuhra R. G. I, S. 678. • 

**) Bqckhs Staatshanshalt der Athener I, Cap. 22 rj tnl S^xf^S' 
Dto Cam. LI, 21. 



V 



_ 309 — 

Becbt sprftch Liy. epit LX^IY. App. b. C4 1/54) and 
.Ka Ciceros Zeit der allgemein gtiltige war. Diedeg ist 
die &• g. centenmHy d. h. worlHch ein p. C.-, welches 
aber nicht jabrlicb , se^dern an jedem ersten Monats^ 
tage entrichtet wurde, so dass es jabrlicb 12 p« C. be- 
trug. * Die Halfte semiiseg war also 6 p. C. Cic. ad 
div. y, 6. ColuHi. r. r. Ill, 9. Plin. h. n. XtV) 4 civilis 
ac modica. ep. X , (53 dimidia ve,l semiis. . Sen. de ben. 
YII, 10. Orell. Inscr. II, n. 3678. 4068. iluitoer diesen 
gab es auch deunces 11 p. C. Pers, V, 150. lessee 8 
p. C Gjc. ad Att. IV) 15. ad Qu. Fr. II, 14. quincunc^^ 
% p. C. oblig. praed. Pers. V , 149 quincunce modesio^ 
quadrant^9 (| As) niir 3 p..C. trifintea (^ des As) betrug 
4;p. C, {miniwii usurts Cic. ad Au, IV, 15. ad Qu. Fr. 
II, 14). — Zwar woUte Sulla den alten Zinsfuss wieder 
^infiihren (lea: Cornelia 673J s. Pfest., doch er bielt sich 
nicht und die neumodische centesima (693 d. St. erwahnt 
Ton Cic. ad Att. I, 12) wuifde soger durch ein Scons. 
(Scorn, de centeaimis umris 704 d. St. Cic. ad Att. V, 
21. §,13) bestatigt und zum iiblichen Zinsfuss erhoben, 
welcher fiir' immer die Qrundlage blieb, wenn auch 
einzelne Abweichungen vorkamen, welche uns die Ge- 
fichichte erzablt, z. £.: fieispiele der furchtbarsten Schul- 
denlasten , sogar der ;vornehmsten Romer ( wie^ Casars, 
der Catilinarischen Verschwornen u. A.), welche ohne 
den scbslndlichsten Wucher nicht denkbar waren Sail. 
Cat* 33 *). 



*) Hochst interdssant ist Ciceros Erzahlong ron clem Wucher 
des Bnitus, Ad Att. V,21* VI, 1. 2. 3. ». Savigny iiber den Zi^s- 
wucher des M. Brutus in den Abh. der Berliner Akad. der Wiss. 
Hist, phitol. Classe v. Jabr 1818 u; 1819 (Berlin 1820) S.' 179 — 
188. . 5cA2o5«rra^niTersaihi8t. Uebersicht II , 2. S. 5^4 — 537. Einzel- 
heiten bei Bos. ad Att. p.70 ff. Die Stadt Salamis hatte von Brutus, 
veichcr sich unter den Namen des Scaptius u. Matioiiis Tersteckt 
haltp, ein Capital gegen .48 p. C. Zinsen aufgenommen. Zwar 
Terbot die 687 gegebene lex Gcibinia mit den Provinzialen ^erglei- 
^6n GeldgesQhafte zn machen und gestatteten den ^Isiubigern 
g«gen sie kein KLagerecht ' ( dass in der lex Gabinia nichts yom 
Zinsfuss selbst enihalt en >Yar, hat Savigny a. a. O. S. 182 ff. zur 
Geniige beiyiesen, auch <?. Noodt de foenore et usuris Lugd. B. 
1698. 11, 4 p. 269; a. M. sind Sclmtz^ Km^sfiiad Cic. u. SdUosser 
a. a. Q. Einzelne treffliche Bemerkuiigea dariibev hal Gronov de 



\ 



/■ 



^ 



~ 310 — 

ADdentongcB n* Aoaptelcu^ii auf dm Wiioli«r 
cntktilteB die ahen SchrifbteHer; «o Cic. adAtt. IX, 9. 
VlU, 7. Vn, 436. uber Att.Wiioker, welokier sich daka 
der Oppii, seiiKMr HiadsgeiiOMeffi bedieote. p. Coei 18 
itasa die. Jugeod mthtfen0re trucidetnt; isfd Att. XVI9 
IS iHiquiitimo fenore 'cersutam facere , de off. fi^ 25. 
Verr. Ill, 70 i$nis ceuie$tMi$ feneraiui eH ( Yerres liek 
2a 24 p. C.)- Hor. Sat. I, 2, 13 f. sprielit Ton einem 
Waeherer, Welcher ftiina$ capUi mensedii exieoai^itnwX 
i2, algo 60 p. €.)• 6, 75 erzfthlt «r, dass stbon die 
Kimben die WochernkJiniitiff^ erlernteii. Ep» f, 19, 8 
werden die Wuefaerer als Zunft erwfthnt. Das Geld 
derselben hiess cmenfa Yal. Max. IV, 8, 3 u. A. {hifkoe 
-centtiimae Miurae kommen auch Or. Inser^II, 4405 vor^ 



oeiit«k. Qsiiris antexeg* II, 96. (1664) p. 162 f« Bot. ad Att« p«f70f. 
halt lex ^ab. flogar fnr ein Verbot det Verimra, welahe er zn-eiii- 
•eitig dem Anatocisraos ziemlich gleieh erklart), doch aaa Ritckticht 
anf Bnitns batte der Senat 2 CoDsiilte eiiassea, data es fiir dietea 
mal erlatibt nnd dass diese Schnld so gvt wie eine andre lilagbar 
seyn soUe (ad. Att. V, 21. f 12. YI, 2. 4 7)* AU nutt Cicero 
Statthalter Ton Cilicien wurde, so wiess «r alle trngerechteii Ait* ■ 
mnthuDgeii des Scaptina yon aieh ab (ad Att V. 21. § 10. VI, 1, 
§ 6)> nnd sprach Tiefmebr Tor aainem Tribnaal dam Edict zofolgei 
deiii Scaptins nor 12 p. G. Zinsea za (00 LuonlU Pint. Lao. 20), 
nebst eiojahrigen Zinaen yon den Zinsc^n (cmn onaitKnsnHt wmi^ 
ver»ario % 11). ^ Die Salaminier woUen zablen, jedoch nach ihrer 
richtigen Rechnnng nnr 106 Talente,' wahrend nach des Scaptina 
Rechnung die Schald 200 Talente betrng. Oioero war natiirlich 
in fataler Lage, dean weder wollte er nagerechit gagea seine Pro-* 
yinz seyn, noch eiaea so oiachtigen Mloin^wie Brutos beleidigea; 
daherliess er Alles aikeatichieden; er aprach weder dem Scaptios 
48 p. C. zn, noch aahm er die Schnld der Salaminier aU Depo* 
sitnm im Tenype! anf, was diese wiinschteA (danu warea aemlidi 
keine fntere^en mehr bezahlt wordea %• Cap. XF, 1), ao dass nativ 
Ciceros Nachfolger Brntna die Sache wohl noch eiamal yersncfat 
haben wird. Aehntich wie Bnitns yerftihr Pdmpefus gegen Ario* 
barzanes, welcher jeaem moaatlich 35 Taleate Interessen bezahlea 
ninsste , welche kanm binreiohteii , so dass aoch wait weaiger aa 
eine Bezahlung des Bratas za deakeaVar, wekhem Axiobarz. 
ebenfalls 6Md sohuldete. Cio. ad Att. VI, 1. $ S. Yf , 2. $ 5. 
(Ueber die Schnldenlast in Aaiea iibethanpt and Laknlls Veibot^ 
iber 12 p. C. Ziasea za aehmea s. Plot. Lae. 20 ) > 



I' 



— 311 - 

r 
\ < 

j«do|$h alsBinM der verleuten 4PiHftc imn B^uUn ^nar 
milden StiftuDg). 

Da$ letzte 6ese(2 aiis der Republikanischen Zei% 
ist lea: Julia de aere alieno (706), welche don Schnld- 
nern priaubte , diejenigen Iiiteressen vom Capital abzu- 
ziehen, die sie vom Anfang des Burgetkriegs an f^eit 
2 Jahren) bezahit batten (Suet, Caes. 42) nnd den Rest 
durch Grundstiicke zn tilgen (Saet. u. Caes. b. c. Ill, 1 
nach einer Taxation des vor detn fiiirgerkriege geltenjden 
Wterthsl. Dadurch verloren die Glaabiger d«ti vierten 
iTheii ihires Capitals, indem der Krieg 2 Jahre gedanert 
hatte and 2mal 12 p. C. Zinsen, also beinahe der vierte 
Theil des Hundert abgetragen worden ivar. Siiet, Caes. 
42. Der Pr^tor Coelius aber ging in CUsars Abweseo- 
heit noch welter, was sich leiUer aus den corrupten 
Worten Casars.b. f. HI, 20 nicht erkennen Itlsst *)• AIs 
novae tabulae be^eichnet diese EinrichtungVelL Fat. II, 
6S. — Obgleich die Vermehrung des nac^ Koin strdtnen- 
den Geldes den Zinsfuss herabgedruckt hatte Suet. Oct. 
41 , so erhoben sich docb grosse Klagen unter TiheriUif 
jnamentlich dariiber, dass die Reichen^ vorzuglich die 
Senatoren, ^les Geld aufZins legten, ohne Grundstiicke 
zu kaufen, wodurch den Grundbesitze^n schwer wurde, 
ihre Schulden zu bezablen^ denn jene woUten die Be-' 
sitzungen nur zu den niedrigsten Preissen annehmen 
(schon Casar hatte deswegen den Besitz allzuTielen 
baaren Geldes verboten Dio Cass. XLL 37. Tac. Ann. 
YI, 1()), so dass in dieser Noth Tiberius aus dem 
Aerarium vorzustrecken befahl (Tac. Ann. YI, 17. Suet. 
Tib. 4S) und Casars Gesetz iiber den baaren Geldbesitz 
immer noch festhielt. Tac, 1. 1. Suet. Tib. 49. Was 
den Zinsfuss selbst betrifft,* so hat weder Tiberius noch 
ein anderer Kaiser eine Verdnderung mit den iiblichen 







*} Die Y^ncAtiedenen Le^arten der aus einer Qaelle geflosse- 
nen Mss. geben keinen Sinn; die Vulg, hat legem promuigavii.^ ui 
$€xie9 seni dies siite utwis crediiae pecuniae $olvantur» Unter den 
Cpniektareh Ist die ron Niebnhr yertheidigte (Rhein. Mui. f. Philol. 
II, S. 597 ff.) §exis semesk'i c2ie\,ia 6 Eaten TOn 6 Monaten zu 6 
MoBaten'* die wahrs^b^nlicbste , well sie mit.der alten 3jahrigen 
Zahkiag ubereiDStinunt. S« Heriogs Anai. za^eser Stelle (Leipzig. 
1834). — GronoT. de sest. S. 635 ff. 

A 



— 312 — 

12 p. C. ▼orgBoorameil , bk ihn Jortiman aiif 6 p. C. 
herabsetzte. 
\/ Endlich ist auch ' noch za bemerken , dass es nach 
dem Rpmiscben Recht nicbt Terboten war, die Zinsen 
zura Capital za sc^Iagen und eben falls verziosen za 
lassen (^uaiocUmui)^ welches nach einera Jahre geschah, 
weon die Zinsen monatlich nicht entrichlet worden warea 
fantoczimui annivenariui) Orell. Inscr. II, n, 4405 *). 
Eihe forrnliche Abrc^chnung wurde gehalten, die Zinsen 
zum Capital addirt und das Ganze zinstrag^od gemacfat. 
Das nennt Cic. ad' Att. YI, 1, § 5 renovatio iingnlorum 
annorum u. praxima syngrapha h. YI, 2, § 7 die im 
letzten Jahre dariiber abgefasste Handschrift s. S. 310. 

Wenn die Zahlung des mutuum nicht zuruck er- 
folgte **)y so etwuchs dem Glaabiger condictio ex mutuo 
gegen den Saamseligen s. Actionenr. 

3) Depositum ist Uebergabe einer Sache zur uifent- 
geltlichen Aufbewahrung^ so dass dieselbe nach einiger 
Zeit zuriic^egeben-werden muss {reddere depogttumsey 
' philosophiscn nicht inimer zu enipfehlert sagt Cic^ de off* 
I, 10. Ill, 25), wobei fiir dolus zu haften ist. Gai. Ill, 
207. Wer das Depositunl ablaugnet (Juv. XIII, 60 si 
deposilum non injiiietury^ Plin. ep. X, 97 abnegent), 
muss nach Yerordnung der XII Tafeln das Doppelte 
entrichten Paul. II, 12, 11. Diiksens Uebers. S. 597 f. 
Die actio depositi wird von Gai. lY, 62 s^ bonae Jidei 
bezeichneU 



*) Ernestis falsclie Erklarung^ in Cic. clav, wird yon Savigny 
iiber /den Zinswnclier etc. S. 187 yerbessert und die Ciceroniani- 
ffchen Stellen erklart. 

**) Gewohnlich war in der Obligation die AufkiindiguDg, Zah- 
lungsterinin u. A. bestiniint, wo nicht , so konnte der Glaubiger 
sofortige Erfillliing der Obi., d. h. augenblickliche Zahlung yer- 
langen. Gewohnlich wurde an den Kalenden gezahlt, an den Idus 
yorher meistens gekiindigt Hor. epod. II, 69 f. Cic. Cat. 1, 6, die 
Jnteressen wurden aber iinmer an die^em Tag entrichtet. Hor. .Sati 
I, 3, 87 trisies KaUndae, Or. rem. am. 56 celerea K, Cic ad Att. XII, 
5^K\viiandae%Y}f 1 f. n. a. — Hor. Sat. 1, 6,75 spricM ycm octonis 
idibus etc. (Die Sckulkuaben berechiieteii die Ziiuen fiir 8 idus, 
d. h. 8 Mpnate). Ueber das harte Verfahren ^egeniG^ldschuldaer 
8. folg. Cap. — Dass ein Haussohn imfahig ist, zu l^iheai s. S* 
226. Die Frauensyerhaltnisse s. S. 256« Cat 11 » 81. 



V / 



4) Pigf^^ ^cui Mitid, ^eldbes Beal|uredi4 veftehaffi^n 
SoUtei muss dem Eigenthumer zuruckgegeben werd^n^ 
sobald die Ursache des Pfaodrechts erloi^t; sonst darf 
er den P£andinhaber in der actio pignor^Mia belangen. 
S. S. 171 f- (Gai, II, 60). 

Ausser diesen Contraktem (nomtnult genannt) giebt'^ 
es aach tnttominati *) ^ welche sich anf dare n. facere 
uberhaupt grunden, indem die eine Partei etwas giebt 
oder leistet onter der Bedingnng, dass die andere Etwas 
Anderes geben eder leisten solle (do ut de$y do ut fa^ 
ciaij fdcio ut dei, facio ut Jacia$). Sie sind wenig be- 
Icaant, vielleicht neueren Ursprungs and gpben eine actio 
praescriptis verbis oder in /'actum civilis. s. Actionenr. 



Filnften Capitel. 

II. Verbalcontraktc 

beruben auf isinem miindlichen Yersprechen zwiscben 
zwei Personen, ohne dass eine gegenseitige Leistung 
stattfindeR muss. Die Sllteste Form d|eser ObIiga(ionl^« 
begrundung war 

\).I^exum oder contractus per aes et libram, eine 
feierlichein Gegenwart vonZeugen vorgenommene Hand- 
lung, indeni die eine Person der andern eine Zahlung 
zuwog, so dass dieses symbolische Darlehn eben so 
feierlieh nnd gultig seyn sollte , als ob ein wirklicfaea 
baares Darlehn auf die dabei genannte Summe ^ Stande 
gekommen wftre **y Gelddarlehen lyurden yon jeher in 



*) F* G* Retnecke sing, cpiaedam ad coBtract. Roilk. iflnom. 
Francofk 1810. C. JR. St^oulz ab uischeraden de Contract. Rom. in-/ 
nom. Cryph. 1818. E, Gans iiber ^oxn. Obligationeiir. 3. AbhandL , 
S* 169*— 213. M. PbKh Darstell. d. Lehre y. den InnominatconHr. 
Heidelb. 1821. 

, **) Urspriinglich hiess nexum ein jedes feiorlicbe Gesdiaft per 
Q€» €i Ubram, weichet bei wirklichem a. Scheinyerkanf, bei wirk- 
Hchem n. Scbeindarlehn, bei wirkMch^ u. Sdieinb^zahlwig (nex^ 
solatio) angewandt wnrde* Cio. de or. Ill, 40 nexum quod per 
Uhram geriiuu Varro de 1. 1. VI I, 105 nexum MmuUiSu8''scnbU^ omne ^ 
^uod pet Hbroftt et aes geriiur ^ in quo tint mandpia (Kiuf). WesU 
nexum est ufaii GaUug AeUue^ fuodcUnque per aes et Ubram geritiir 



" V 



/ 



— 314 — 

Amii •^kr ftretigg^MMfJieti'fGftHiXX, 1 Mi«€0)|^eMr, 
iix QM: 2^. 22 pedtmiai^ma er^iim^^h. Herad. 37 
^45, Cic p. Roso. €om. 4. 5. Llr.Vl, 14. XXniyi4; 
YUI) iS)*) «fid die Form-des n^xam dienie daz«, die 



idque necH diciiur; quo in genere sunt haeo iestamenii f actio (AjiWen- 
dnog der maucip. bef dem Testament p. aes at libram), nexi daiio^ 
next Itberaiio (Eiiigehung nnd Anflosung eines Obligationsyerhalf- 
nisses). Spater aber achied sich mancipaiio von nexum und anf diese 
Zeit bezieht sich des M. Scavola Definition be! Varro: Muiius: 
quae per aes et lihram fiant ui olligeniur (nexnm sey Obtigationsbe- 
griindung) , praeler quae mancipio Ueniur (stehe aber nicht far Man- 
cipation)./ 'Die Anwendungen des nexum in w. B. baben sich nnn 
gespalten in nexum im e. S, (Eingehung eii^es Obligationsrerhalt- 
nisses) nnd mancipaiio (spezielle Anwendong der SoUennitat des 
nexum im w. S. auf wahren n. Scheinkanf). Die doppelte Periode 
In der Bedeutung des Worts nexum dentete JViehuhr R. 6. I, S. 
639 f. an, obgleich er in der Erkliirung selbst abweicht nnd folgt« 
im Ganzen Gronor. s. folg. Anm. Heimbach exc. 1. ad Ael. Galium 
p* 49 — 58. O. Mutters etjmol. Erorterungen im Kbein. Mus. V, 
S, 197 — 200 (nexum bezeichne die Handlung des Verkniipfens, 
nexus den aus nexum entstandenen Znstand und Verhaltniss) — 
doch lasst sich nicht allenthalben consetiuente Beobachtung des 
Sprachgebranchs nachweisen. Cic. Top. 5. 

*) S* 9. Savigny iiber das altromische Schnldrecht. Berlin 1834. 
S. 4 -^ a Hugos R. 6. S. 286 ff; und zur lex GalL im Cir. Mag. 
II, S. 484 ff. In erwiihnter ansserit interessanten Vorle^nng zelgt 
r* '^mrigny znerst die wahre Bedeatung des nexum gegen die bis- 
herige von C Salmasius (de nsuris p. 206., de modo usnramm p« 
580. 838 £) n, /. F, Gronovius an Salmasius (Bnrmann. syH. epist. 

II, p. 549) nnd roki Niebnhr welter entwickelte u. eigentlich erst 
liegdiiidiete Ansioht (Rom. Gesch. I, 637^645. II, S. 667—673.- 

III, S. 178—181). Niebnhr hielt nexrnni mrsprttnglieh fitr wirkliAh«B 
Verkaaf, spater fii^ ein Mittel, wpdnrch sioh der dch1ildn«r samint 
seiner Familie nnd seinem Vermogen rerpfande, so dass er is 
des GUiabigers manoiiMnm gerathe, TorlSafig aber so fauig Irey 
sey, Im er wegen InsolreBz dnrch die riohteriiche qMcHo in die 
Wirkliohe Sohiil&dechti(pheft eeines SchiMherm kfAnme^ £ben*> 
•o Zinmerm R. G. lU, S. r24*-130. O. MMer a. a. O. BMrnam- 
ffoUweg Cir. Fros. I, 1. S. 301. — Dooh elne SelbstverpfaMkug 
1st oaoh IU>m. Reokt tawndglich, ebea so wenig ist eia Gmad 
4ieaer VerpfaadoBg (mmum) aafxviuideB, Wean jeder InsolTeate 



X- 






— 3*5 — 

l^atioAMt vl^tsiiDiageii, sobiald anr jeae fcfierlicbe FonA 
angewandt »w«nleil war*. Qell. XX, 1 •rfl&hlt die gtr^iige 
SchuMv^folgusg der«r^ welchi^ 6ick dorch Jie^ffM dem 

^ tiiMbiger VecpfliQblft batten (Liy. YU, 19 nea;um inibant)j 
ftoi-wie^esr di^^XII Tafiela. sanctioairt batten^ (Ditkaene 
UebeMicht 8. S34 -r262). Weliil der Scbuldn^r ntcbt 
zahlte, aber seine Sahuld (jin iiire) eiageeCanden oder vom 

' Ilicbter sur ZaUtmg teturtbeilt Worden war (u^ri$ ca.}i- 
^iii.rehisque iure iudicatujj so erbielter iioeb 30 Ts^ 
Frist. Wenn l^r'avioh n^abrend diescir seine VerbindUeb* 
keU sii^t eifiilltev so durfte der Gllkabiger Hand an iba 
legen imanui inieetio Gai. Ill, 78» IV^ 21) nnd vor Ge- 
richt fulir^i^ wo er^ aob^d er keineb vtiMfe^ auftreibeo 
konnte, der ibn vertfaeidigte (Cic* de or. II, 63. Sen. 
ben. Ill, 8. Feat v. vindex ,; ^oetb. T^ip. 2. p. 29t 
ed. Or. Gai. IV, 21 f.), dem Glilubiger Tom Prfitito au- 
genprodven 'ivurde {addictu$i aaeh newu^ geliannt, d^ b^ 
in Folge des nexnm addiciil and schnldgefangen Liir. 11^ 
23 nea;u pindi. Liv. Vill, 28. Val. Max. VI, 1, 9. Varro 
de 1. 1. VU , ' 105 ^ /i6er 'qni^its opetaf in servituiem 
fro pecunia quad&m dehebtU^.dtm iBlveret^.ntxm vo^ 
ottiurj ut ah aere abueratus, Ter. Pherm. II, 2, 20ftl). 
60 Tage mnstle ibn der ScbuMherr in Fesseln bei sidi 
lassen und w&hrend dieser Zeit an 3 Markttaffen 5ifent> 
licb ausstellen und seine Schuld ausrufen , on ibn Tiel- 
leicbt Jemand lose, dann aber durfte er ibn binricbten 
oder in fremde Sclaverei Terkaufen. Ja, wenn mehre 
Glaubiger waren, so durften sie nacfa dem Buchstaben 
des Gesetzes den Schuldknecht verbllltnilssmassig in eben 
so viele Stiicke scfaneiden *). So wenig sicb die Rich- 



* auch oliae Jtexnin ffobnldkneoht ( ad^et, ) werden niiisste and wie 
endlich ist en za deateti, dass die AbschafPdng des nexnm den 
Plebej^ra (Lir. Vlt¥, 28) so segensreich gewesen w&re, wenn 
doch die addictio blieb, die anch ohne nexnni h&tte erfolgen kon- 
■en (nnd dan diase Web ist aicht sn laagneii) ? «. Savigtvy S. 2—4. 
Gegea N. faatte rich anoh ^f. S. Mayer ad Lit. in, 44 --48 diss. 
8Cattg. 1828. 8. 16 — 22 aasgesproohea , welcher nnsekahri ant 

' d^ addicti erst nexiwerdea lasst. 

* ) JSvOmamu Rdm. GrandveiPfessnag S. 178 f. erUfiit ioniU 
nundinis -partit »eeanf9^ m -plut minuwt seeutruni^ se fraude e«ifo der 
XII Tafeln gegen GelK Qtiiaet.'Inst. Ill, 0. Dio Cass. (ttd.'Mai. 



— 346 — 

iigkeh dieser BestimmiMig aUAognen Hbuit, eben m liebW 
kann man behaupteD , dass Di<B etn SokaMbeirr Tfn^ diaser 
tIrlaabniM Gebraneh ffemacht bat,> wie atteh <]raU. XX, 
1 versichert. Der Glaubfiger behaiidell» vielinebr den 
ibm Zugesprocboeo als einen Kn^cbt, .ivelcber seine 
Schald abarbeiten mniiifte (Varro I. 1. Lit. VI, 27. 34 
qaum iam ex re nihil dari posiei, fama ei epnore 
iudieaii atque adfUeti credHwribm $aiirfaeiebant. Tiioiu 
Hal. VI, 79) and gfinzlicb den Misshandlongteo* des bar- 
ten GIflubigers ausgesetst war. VaL Max. VI, 1. 9. Liv» 
VIII, 28. Sail. Gat. 33. — So danerte der Znstand bis 
%nx lex Poetelia (424 od. 428 d. St.), welcbe den Zn* 
stand der Scholdgefangenen milderte, Sie verordnete 
nemlicby 1) dass alle nexi frei seyn soUien C\^ da rep. 
II, 34. Liv. YlII, 28; 2) dass das nexath aoch in der 
Zakvaft aufgeboben seyn- solle (Cic. n. Liv.) , d. h. die 
nachtbeiligen Folgen des- nexum sollten nictft niebt mit 
andern Obligationen verknupft werden, Yerhaftang nnd 
Knechtscbaft solle^log bei Wirklichen Gelddarlefaen nnd 
bei actia depensf (des: kponsar gegen den Verburgten 
Cap. YlII, 3) nocb stattfinden diirfen Gai. lY, 25 ; 3) die 
\iregen solcher Schuld kuirfdg zugesprocbnen Schald* 
kneebte sollten nichi mehr in sehwere Fesseln gelegt* 
werden*) Liv. Yon der lex Poetelia an werden also 



p. 217, scripU. Vett nova colL p. 144) u. Tertull, Apol. 4. (ahn- 
lich wie Bynkershoek obs. I, 1 a. A ) ftir Theilung^ der aus dem 
p,ersonIichen Verkanf gelostei^ Snmme. bann wiir^e der Ziisatz 
si etc. ganz unniitz seyn^ wodurqb das Gesetz dem Id Sbakespeares 
Kaufmaiiii von Venedig gemachten EiDwiirf schon im yoraus be- 
geghete. Die friilieren Vertbeidiger (|er strengen Afisicht (Sigo-. 
nioa, .Spanheim, Salmasius etq.) und der figiirlicben AiMicbt zahit 
Zimmern auf R, G. Ill , 5. 134 f* Dass die Verordnai^g <dem Geist 

des altesten Rechts entsprechei h^\i9^x^iei hnc^ Beihtntmn-Hollwes 
Civilproz. I, 1. S. 300. 

*) Data erst dtircS diese lex Vermogenaexecution gegen dtin 
Scbvldner eingefiihri worden sey . ( Niehuhrs R. G. II , 670 f. Ill, 
179 f. Ztmmemi R. G. Ill, S. 129. Bethmaim-HoUwegt Civilproz^ 
I^ 1. S. 305 f.], laugnet v. Savigny 3. 29 ff. mit Recbt, da die 
Magistratspersoji jedeii Ungebors^aten pfjiadeo und ibm eine Mult 
auflegen durfte. Vielai«Iir fand oeben der peraonlicben Haft des 
Scbttldners yob jeher Realexeoiitioii statt lAvm II, 24* A. M* 



— 317 — . ^ 

die Beispiele der Beholdhaft weU seltner, komifi^ aber 
noch vor, wie Liv. selbst versichert X.XIII9 14, obgleich 
er YIII, 28 zu glauben iScfaien, dass die personliche 
Addiktion seit der lex Poetelia nicht mehr stattgefunden 
habe *). And^re Beweise s. SalL Clit' 33. u. Cic. p« 
Flacc. 20, wo es vom Heraklideg heisst, der von seiaem 
Biirgeri Uermippus mit actio depensi belangt wurde ad^ 
diciui Hermippo et ah eo ductus est* p. Rose. Com. 14. 
de or: II, 63. Quinct. Inst. Ytl, 3. Plin. ep. Ill, 19. 
Gell. XX, 1. Val. Max. VII, 6, 1. Gai. Ill, 199, Vor- 
ziiglieh wichtig ist lex Gall, cisalp. c. 21. 22'^'*'), wo 
wegen anderer Klagen nur Beschlagnahme der Giif^r 
(possessio bonorum) wegen Darlehnsklagen aber person* 
liche Schuldgefangenschaft gestattet wird. Dass aber 
die Schuldhaft iihmer seltener wurd^, lag adch zumTheil 
an der dnrch lex Julia den Schuldnern gestatteten Er- 
laabniss,' freiwillig ihr Yerniogen abzufreten (bonorum 
cessio s. Actionenr.) und ifi andern Zeitumst^nden. 

Was das personliche Verhaltniss^Br spStern addicti 
betrifft, so giebt Quinct Inst. VII, 3^, 10. Ill, 6 die 
beste Aaskunft. Er sagt nemlich , dass der befreite 
addictus ingenuus werde, also ganz in seinen alten Zn- 
stand zwrijcktrefe, dass er sogar gegen Wunsch seines 
Herrn durch Zahlang frei werde, dass er vor Injnrien 
seines Herrn geschiitzt sey {add. legem hahet ; deiitlich 
Gai. I, 141) und dass er Namen und Tribns behalte 
(Letzteres ist autfallend, da er doch jedenfalls ehrlos 
wurde ). Dass sie in der Gefangenschaft vo^ ihrem 
eignen Verniogen leben durften, bestijnniten sohon die 
XII Tafeln Gell. XX, 1. Aus diesem *also lasst sich 



' ist Beihrnann-HoUweg S. 298. B02 , welcher di^ manns ioiectio, ein 
. zwar indirekt6s Zwangsmittel, aber als wirksam gemig yertheidigt, 

bis Vermogensexecntioa end^ch durch die prator. xnissio in poss. 

boiu erfolgt ^are S. 303 ff. S. Actionenr. 

*) HvUmanna Rom. Grnndyerfass. S. 280 glanbt ebenfalls^ 
dass mit dieser l^x die personliche Schuldhorigkeit anfgehort habe 
und das Halten bios auf das Vermogen beschrankt worden sey ; 
wogegen obige Beispiele^ sprechen. Das Richtige erka^nte aueh' 
Hugo zar lex Gall, im Gir. Mag. II, S. 491 ff. Zimmeru R. G. 111^ 
8« 1S6 ff. 

♦♦) Tpefflich eriautfert V. Sawgny.S. 19— 25. ' ^. 



h 



— 318 — 

f I 

nieht folgern, dass die addiettin dem YerbtitniM des 
maneiptam gestanden bfttten. S* 289'^). 
I 2) SiipuUttio '^) bemhtauf ein«r bettimmten Frag% 
lies Glftubigers ($tipulati^) find einer dieser Frage ge- 
natt entsprechenden Antwort des Schnldners (spontt^ 
respon9i0\ promisno Gic. p. Rose. Com. 5). Jetier, wel- 
cher sieb etwas verspreeben liess', frug dmfi ipande^ 
(inille eto.1?, woranf der Scfauldner antwortete : dof^ 
/ ipondeB oder promiiiO' nnd z'war baodelio es sicb ge- 
Tvobnlich um etwas Getvisses (certain), daker^ Cie. p. Rose. 
Com. 5 imter den£alleii der petitio certir anch pecuma 
itipulata auflBhrt. Frage ii. Antwort mussten nrsprung* 
licb in R5nl4seher Spraebe ansgedriickt seyn niid warea 
niir far R5m. Burger galtig, bis sp&ter aach die Pere- 



! *) Was die Kindier der addicU betrifft» so ist ihr Zostand 
zweifeUiait. Quinct. Inst. Ill, 6. Ur. 11^ 24. Niehuhr» R* G. I. $. 
^3 lasst die Kinde^^pit in die Scbnldgefangenschaft . gehen. 

**) Ueber des^'orts Bedeutang waren schon die Alten nn^ 
•inig* Isidon orig. IV, 24 sagt dicta tUpulatio a aiipulam Veiere$ 
enim quanda »ihi aUquid promiiiehani^ siipulam ienentes frangfhatU^ 
quam iterum iungentea gponsiones $u€u agnoscehanU Ricbtiger als mit 
dieser aonderbaren Halmzerbrechung erklart Varro de L I. V, 182 
stipendium ab stipe Sctum^ quod aes quoque siipem dicebetni; nam 
quod a9$es Ubrcdes pondo erani^ qui aeceperant maiorem numerum iten 
i» arc^ ponebaui ^ aed in aliqua cella siipahant , i* e. tomponehant^ 
quo minu4 lod ocouparet ; ah Miipando siipem dicere eoeperuni (?)• 
Siibs flb QTOhfirj f^rtasu Graeco verbom Id apparet^ quod^ ui ium 
instifutum^ wtiiun nunc dni cum ihe»auris as9e$ dani^ siipem dicunt^ 
ei qui pecuniam aXUgai , stipulari el resiipularu Aehnlich Fest. p. 
140. 240. ed. Lind. y. siipem ease nummum signatum (Geldstdck), 
tesiim^nio est , ef id quod daiur ' sHpendium miUli et quum spondetur 
pecunia^ quod stipulari dicitur, p. 246 siipem dieehant pecuniam tigna^ 
iam^ qubd aiipareiur; ideo aiipulari dicitur i>, qui inlerrogatua apondei 
stipem c. e, aea, S. Linderoanns etymol. Bern. p. 665 f. Also wird ^ 
stipnlatio am beaten dnrch t^Geldgeachdfl^* zv iibersetzen seyn, welche 
alle Obligdtionen so bindend raaoht , als 'vrenn certa pecnnia die 
Gnindlage derselben ware.' Abweichend erklart PanL V, 7,4 sti>- 
pulum duirch firmum nnd den Namen stipulation quod per eaa iirmi^ 
iaa ohUgaHonum constringifur. So Heinnec* synt. ed. Haiib* p. 560. 
St^ader (reclitsgeseh. Bern, in Hogos Mag. V, S. 174«-160} socht 
darin eine Andeatnng Rom. Kerbholzer. *• Beisp. Briss. de Form. 
VI, p. 559 ff. 



. » 



'^ 



— 319 — « 

v. 

grinen daranTheil neboiondarfNsiiy Welche Jedocfa immer 
Yon der Stipnlaitionsform dari spondes? d, s. au^ge- 
schlossen bli«beii» y^ktefkd Jhciesf Jaeiamj promittikf 
promitto bei ihnen voile Giilligkeit hatte. Gai. Ill, 93. 
94k 138* Die Stipotatioi^n, obgleicb alt, (gchoi» bei 
Pfout Pseud. IV, 6, 14. 1, 1, 112 if. pagmre und promittm^^ 
dabi»iie? d»bo Trin.Y, 2, 39f.)'^aren doch neuer, ak da» 
nexttm, ja viellekht waren sie nur eine freiere Fdlw 
far dasaelbe, indem die symboliseben Haadlcrngeii' a» a^ 
Weitllkttftigkeiieii wegiieleo and bios die Frage u* A»t«>^ 
wert der beiden Cotttrahenten iibrig blieb* yVielleioh^ 
beziefaen sich aaek< auf dieges mgndiiehe Y^rgpreeheHf 
di* Worte der XII Tafejn uti lingua nuncupnait^ iim 
iu9 egt» Eest. aanoopata peettnia*^ oder nu^ auf da» 
jiextiia (I) Cic. de otK III, 16. Uebdgeae konn^e dt# 
StifHiliBtion sowoiil ein selb^tSmdigeev Gesobftft geyo, 
^U acwk bei anderiivGefiehftfiten Anwendtmg fiadei», um 
dieselben zn bestftrigen und nS^€ir zu bestimaiea (bei 
Kaaf Yarro r. r. Y, 2, 5; Pkrat. C^k IV, 2, 118, bei/ 
Yerlobnissen s. S. 189) nnd di^ voP ihrem Erfinder 
Gallas Aquilius s. g. Aquilische Stipulation war nichtg 
weiter als eine Form, wodarcb atte Geschaffte in eine 
Stiputation verwandelt warden , so dass sie auch darcb 
die den Stipulationen eigentbumliebe aeeepti lacie wiedep 
aufgehoben werden konnten *) (gleicUsarn Form einer 
QeneralqniiivHg) lust. Inst. Ill, 29, 2. S. Cap. XI, 2. — 
Formea der StipaL standen im, Edikt des Praters, s^ 
lex Galli 20* Dem GIftabiger entsprang dhraos die com* 
dictie ex itipulatu; Gai. lY, 116. 

Hanfig nahin bei diesem GesohSfl der Stipulator 
noch eine Person hinzu (adstipulatorjj welebe ^m Fall 
dass jener starb, oder dass er Auitrag erbiek, die Zah- 
long einklagen und annehmen durfte (doch nur far den 
eigentlicfaefi stipulator) Gai. Ill, 110— '114. 117. 2i5« 
lY, 113. Fest. V. reus stipalando p. 135. 227. ed. Lidd. 
ErwlUim wird diese Person bei Cic. p. Qaint^ 18 (bei 
Gelegenheit eines Tadimonium) n. in Pison. 9. Die Ge* 
Bosseu des Obligirtea- biessen adpromissores , correi 
debendi etc. 



*) Hugo aber die Arrailifehe Stipultttioii im Ctr. Mag. II, S. 
42S- — 430. ffaubold fragm. de obligat. caaftit et sohttionibiu ^ jn^ 
prim, de ttipul. Aqnih ab>A. Maio iii' hio. protr. Lipa. 1817, 



I 



\ 



-r- 320 — 

Seehiiei Capiiel. 

III. Literalcontrakt 

Die Literalobligation wurde von Vielen fiir eiae 
eigentbumlicbe Yertragsurkunde oder Contrakt ange- 
seben '^), ^ahrend Andere als Grundwesea des LUerai- 
contrakts ^as Eintragell der Romischen HausvSter in ihr 
Hausbucfa vertheidigten "*"*), bis in der nenes^n Z^it die 
letastere Meinong den Sieg davon getraffen n. allgemeia 
als die richtige anerkannt ist **'^y — Jeder Homer fiibrte- 
nemlich sein Hausbncb {codex aos mehren tabulae be- 
stehend Sen. de brev. vit 13 plurium tahularum conr- 
ieoatus codex apud antiquos appellabatnr^ Yarro b. Non*, 
docb stebt aucn tabulae fiir codex selbst, z« £• Cic. p* 
Rose. Com. 2 codex expeuii et api^epti und. dkrauf 
tabulae) 'y in welches er seine gesammt^ Einnahme and 
Ansgaj^e, "seine ausgeliebenen Capitalien n« seine Scbol^ 
den eintrag "t"). Mabet befanden sich im Bache zwei 

*) Diase alte gewohniiche Ansidit faiid nocli einen Vertli«^ 
diger in- Unierholznert Abh. iiber die Rede Cic« fiir Qn. Roscius 
u« iib. die litt. oblig, in ZeiUchr. f* geschicfatl* Rechtswias. I, S. 
248—269. . ' N * . ' ■ ' 

**) BrissaniiM de formulis soil. Vl, p. 536. 541. Salma»iu$ de nsiir. 
€• 6. u.* 17. de modo, QsurarDm o. 1Q« ll» (heftig angegqffea Ton 
D. Heraldui in obss. ad ins Att et Rom. Paris 1650. o. 11. 12) 
Sigon, de indiis p, 408. — Heinee. synt. ed. Haob* p. 681 — 587 
nimmt Eintragen in das JIausbuch n. Abfassnng einer Handsdirift 
znsammen ao* 

«t«} Dieses geschah seit der Entdeckung des Gains n. Savignyt 
Abh. uber d« Literalcontr. der Rom in d. Abh* der Berl, Akad* 
hist. phil. CI. 1816. 1817. Berlin 181& S. 289—306 mit einem 
iienen Zusatz. Ihm folgen im Ganzen bei mancher Abweichun^ 
jm Einzelnen C. Beier in exc. iy« de litt.. obi. ad Cic. oe off. 11, 
14 (Lips. 1821), II, p. 432—435. E. Gans Scfaolien zn Gai. S, 
419 — 427. A. Z^Hanlo de nominnm oblig. Amst. 1825. N, Mun^ 
ehen M. Tull. Cic, or. p. Rose* Com» iurid. expos. Colon. 1829. 
S. 15—30. Hugos R. G. S. 625 f. Ai JTuhderUch de antiqua litt. 
obligatione. Gotting. 1832. 

i*) L. Harscher ti. Almendingen iib. d. rationes domesticae d. Romer 
ZtjSeit der freien Repnbh in K. GrolmannsM^. f. Pfailos. u.Gesch. 
d. Rechts. Giessen 1807, If. Ft. Aso. ad Cic. Verr. I, 23. p. 175 f. 



/ 

( 



321 



, \ 



Bnbriken^ fiir Einnahme un4 Aasg^be, jene hiess ffoV 
cepium, diese expentum, Piin. h. n. II, 7. Die grdsste 
Voitetirndigkeit in Fitbrung dieses Buchs \var beilige 
Pflioht*) (Cu5..p, Resc. C. 2. Verr. I, 23. p. Clu. 30) 
uad nicht eingetragene Suininen (exlraordinariae pecu* 
m'^e^^'bezeUhnet Cicero als schiiitpflich (entweder un* 
^uioraliseher Gewifini oder sehUndliche V&rwendiing von 
nicbt geoannten Siunmen, welcbe ein^iitragen man sich ' 
geficbamt babe) Verr. I, 23. 39. p. Rose. C. L « 

Das Eintragen eines Eapitals aus den Adrersarien 
in da;3 voUgulti^e Hauptbach ist das Wesen der Literal- 
obligation ^ doch wer(jen die baaren Darleben nicht za 
den Lit. pbl. gereebnet , obgleicb sie der Vtflistandigkeit 
wegen aucb mit irn\HauptDUQh stehen miissten **) Cic. 
pv Flacc. 19. Die wabre Literaloblig, besteht darin, 
dass man eine Person, die man als Sebuldner beseicb- 
nen wolite, nebst der scfauldigen Snmme (Posten nomen) 
gteicbsara als ein aasgdiebenes Kap^taLauf die SSeite 
ier Aasgabe eintriig (encpemi latio GelL XIV, 2. Cic. 
ad Alt. X, 15, VII, 9) und durcb das Eintragen so 
Terpfiicbtete, als wenn sie ein ceartum empfapgen hatte. 



Or. morii auiem fuU unumquemque domesHcam > raHonem Mi ioiiuM 
ffiiae suae -per dies singulos seribere , ex "quo apparerel , qmd quisque ^ 
ds reditibus suis , quid de arte fenore 4uerove seposuiss^ qaoque di0 
ei quid idem sumius damnive fedaset* 

*) Das Eintragea geschah regelmassig inonatlich, inde^Di die I 
Posten aus dem gericfatlich nngiiltigen BrouiNon (Kladde, Slrazze, 
adversaria und calendaria) , WO AUes Mogliche ohne Ordnimg tag- 
tagllch eiogeschrieben wordeh war , in das Hanptbach hiniiberge* 
tragen wurden. Qio, p. Rose. C. 2. Prop. eleg. Ill , 22 , 20. 

**) Diese kiessen ex area Cic. Top. 3^ ad Att. I, 9, Bonat. 
ad Ter. Phorm. V, 6, 29, ad.Adelph If, 4,^13 ,'$chol. ad Utrt. 
Sat.. II, 3, 66 — 76. Epist. II, Ij 105. Serv. ad Virg. Aen. YII, 
422. Gai III, 131 aMa causa est eorum nomiitum, quae arcaria v^ 
eaniur^ In his enim rerum^ non verborum ohligaiio eonsisiii: quippe 
non aliler valent^ quam ^. numerata sit pecnnia ; numeraiio auiem p^ 
cuniae iure naiurali faoit ohligaiionem. Qua de causa rede dibemus^ 
arcaria nomina nullcm facere ohUgaiionem , sed qhUgaiicinis faciae le<* 
siimonium prasbere* Beispiele Plant. Cure. V, 3, 7, Lir. VI i 20i 
Hor. epist. 1. U mit den Erkl.|, Sei|» ep. 26. ^ 

/ 21 



— 322 — 

Dieve HandlaDg dea SchnldDera fcien nwnen faeere *)» 
II. icribere und pencribere (einen Posten eintragen, 
bnciien) auoh icn'pturm. Dagegem aceeptum \ferre and 
referre**) istdie Handlnng des Gltobigerv, wodnrch er , 
die Sckald als erloscheti bezeichnet , indem er den Po*. 
sten auf der Seite des EmpfaDffenhabens cintrilgt. *-^ 
Der Haaptbeweis fur diese Aqsicht uber die LiteralobL . 
liegt in Gai. Ill, 128 — 134 ***) u. a. classischen Stellen, 
aus denen sich ergiebt, 1) dass nomina faeere , wctlcheg 
ala Eingehung dieger ObL bezeichnet wird, nur durch 



*) Dass nomen facere auch vom Debitor gesagtvWerden koiine^ 
scLeint qus zwei Stellen Cic. iieryorzngeheii , nemlich de off* III, 
14 nomina facit ^ negotium conficit and Verr. I, 36 nomen — fecH 
cett. ; doch diese Stellen beweisen eben so weni^, als.andere yon 
BeL ad off. citirte; denn de off. konnte wohl ein Wecbsel des 
Sabjekts angenommen werden, Verr. aber ist nicht yoa einer 
Literalobl.y sondera von einev baareh ZalUnng die B,ede und no- 
men in Uiura fecit ist im gewobnlicben Simi zu nehmen ^ dass dec 
unterste Fosten auf der letzten Seite diirch Corrfgiren sebr iin$i«» 
cher gemacbt -^orden sey. — Perscribere wird auch yon tUlem Ein-^ 
tragen in das Mausbach gesagt. , < 

**) Accepium ferre scheint das einfache absolute Einfragen zn 
bedeuten, ace, referrf dagegen, wenn man dabei denkt, dassi der-< 
selbe Po^en schon in dem Bach eines Andern (des Creditor) ein« 
.gescbrieben ^e^y* Wunderlich S. 21. — Ueber die trop. Anwen-» 
dung des ace, ferr^ (jemand etwas yerdanken) s. Sdimid zn Hor* 
Epist. 11, 1, 234. Plin, b. n. II, 7. 

***) GaL HI, 128 — 130 Utt, oil. fa veluti in nominibua iranscH^ 
piiciis (L. O. entstebt durch iibergetragene Posten), fit auiem, nomen , 
iranscHpiJcium duplici modo: vel a re in personam ^ vel a persona in 
rem (die Umschreibung findet entweder statt yon Gegenstanden auf. 
eine Person, oder yon einer Person auf eine andere). A re in 
personam iransscripiio fit veluii $i iJ, quod ex emptionis causa ^ aui 
eonduciionis ^ aut socieiaiiM mihi debeas^ id expensum iihi iulero (das 
aus Kauf, Miethe oder sonst schaldige Capital wird wie eine 
baare Schnld aaf eine bestimmte Person eingesobrieben , z. E. Ctc* 
de off. Ill, 14 f.). A persona in personam iranscripiio fit veiuii si 
i4% quod mihi Titius dehet^ Ubi id expensum iulero ^ id est, si Ti/ins 
1^ delegaverii mihi (die Schnld wird yon der einen Person auf die 
ftndere geschrieben, wodorch-die eine frei, die andere aber obli- 
girt wird , yorausgesetzt dass der Gliiabiger nut dieser Umwandlung 
zofrieden ist, z. E. Cic. ad Att. IVi^ 18}« 



— 323 — 

Eiiitragen ia das Hausbuch geschah Cic. de offllH, 14. 
ad Att. IV^ 18 Q. A. 

2) Cic. p. Rose. C. 5* nennt drei Contrakte, welcfae 
eine peiitio certae pecuniae begriinden, mutui dati^ 
(Darlehn), stipnlaiio (feierliches Versprechen einer be* 
sfimmten Summe), expensi latioi (Eintragen in den Co- 
dex), worunter nichts weiter als unsere LitcralobL za 
yerstehen ist. Auf diese bauend hatte Fannius dea 
Scbaaspieler Roscias verklagt, doch ,er kennte kein 
Hansbiich , sondern bios drei Jabr ake adversaria vox* 
iegen, deren Gultigkdt Cicr qicht anerkelint ^)^ \ 



*) Puchta iiber d. d. Rede p. R. C. za Grande liegeiidea Recht8« 
fall im Rhein. Mns. V, 8. dl6--328 verwirft die Anoahme, ale 
sey die Kiage anf die Adyersaria (rorgebliche Lit: obi.) gestatzt 
gewesen ; vielmehr liege der eigentliche Klaggnind in der yor dem 
Arbiter friiher getroffenen tJebereinkiinflfc , dass siclk Fannins nsd 
lloscras gegenseitfg die Haltte der alu EntseH&digiiifg ^roit Flayhu 
in erhaltenden Snmme. geben soUten (Cap. VII, 3. IX, 3.), dieses 
Vertrag babe der Klager ais Stipulation MKge^be* tmd dafri^ 
seine Adyers. und das Societatsyerbaltniss als Bewefel aafgeffthft' 
nnd so werde Revciiis, welcher nicht gezahH hatte^ wetl er evfab-' 
ren , • dass Fann. 100000 Sest seiner Seita anoh Tom Ftar. erhatfea 
habe, anf die Zablung seiner Halfte yerklagt. Sq scbarfsinnig 
auch die ganze Entwickelung P. ist, so siebt man dennoch nicbt 
eih, wie eine petitio certae pec. auf jenes vom Arbiter pur yor- 
gescblagene (cap. 13) yielleicht gar. nicbt gescbiossene Abkommen, 
welcbes Tom Klager Stipnl. genannt worden, angestellt worden 
sey ; denn wenn er wirklich eine Stipul. yorge^cbutzt batte , so 
hatte Cic. nicbt notbig gebabt, sich so lange bei der Lit. obi. aufzu- 
halten (cap. 1 ff.) , wabrend er nur so kurz yon der Stip. spricht, 
indem er sagt, die iSengen schwiegen daruber o. 5. Cic. bat^e die 
Adyers. als Zeugen der Stipnl. Vnderlegen miissen ; doch er spricbt 
yon ihnen nur als Stellyertretern der Lit. obi. Auch giebt Cic. nie 
zu, dass ein Vertrag (pac/io yon Cic. 9«, nicbt nipuh genannt) 
wirklich geschlossen worden sey. Darum ist die ^nnabme einer 
Stipulatklage nicbt wahrscbeinlich und gewinnt durch die Fntgeg* 
nung keine Starke, dass es doch zu thoricbt gewesen sey, wenn 
einer eine Lit. obi. anf Adyers. gebauet habe, denn es ist nicbt Iho- 
ricbter, als wenn einer eine Stipul. obne Zeugen nod Beweise 
yorschutzK Auch feblt es ja nicht an Beispielen grober Rechts- 
nnkenntniss bei den alfen Sachwaltern und Rednern, die Cic. wie- 
derholt yerspottet. — Wie aber N* Afunchen (M. TiUI. Cic. prO 

21 • 



/ 



/, 



— .324 — 

Beispiele ein'ei^ aolchen Uebertragens (delegatio) 
finden sich bei den alten Klassikern nicht sehen : Liv. 
XXIV, 18, wo 68 beisst, dass wegen Diirftigkeit des 
Aerariuin die Gelder der Unniiindigen and Wiltweo 
hinein gelegt worden waren^ tind wenn diese etwas 
kaufien, a quaeitore pencribebatur (bezablten sie diircb 
Anweisung auf den Staatsqiiaestor). Siebe Dukers Anm. 
Graev. ad Cic. ad Att. XVI, 2, Barm, ad Suet. Caes. 
42. iiber perscribere wnd Has blinfige perscriplio. Cic. 
aft Att. Xll, 51. IV, 8. ad div. Vll, 23. Eben so wurde 
igare ab aliguo gesagt, d. h. 'so anweisen, dass von 
qiesem aliquis gezahit wurde^ Cic. p. Cluent. 12. Top« 
3. 4. Cic. {)• Plane. 42. an die Richter iinite me^ quod 
vobis fretus huic (>dem Flacius) $a€pe promiii, id a 
Tobig ei penolvere (den Plancins auf eucn anzuweisen). 
Bentl. ad Hor. Epist. II, 1, 105. Hot. ad Cic. p. Caec. 6. 
Am h&uiigsten liess man dnrch einen Wecti/er aus- 
xahleii, welche schon friih aus Griechenland nach Rom 
gekommen zu seyn scheinen. ' SoIche.Leute biessea 
urgenturii mensarii (nrspriinglich nor fur Staatsgeschafte, 
dann aueh fiir Privatangelegenbeiten) trapeziiae u. s. w. "^j* 
Terf Pborm. V. 8, 28—30. iube rescribi (zariickzahlen 
darch den Wechsler) Hor. SsH. II 9 3, 76. quod tu nun-^ 
quam re$cribere poaii **)• Plant. Asin. II , 4 , 30 sqq. 



Q. Rose. C. orat. iurid. expos. Colon. 1810) ron einer condidio 
'' ex aocio (?) als Klagbegriimlung fprechen koimte (S. 65 ff.), ist nicbt 
abziiseken. 1 

*] U^ber Nameiiy Gescbafte, Rechnmigeii n. s. w. dieser Lente 
ist die TOllsiandigste Sammlnng von /^. T, Kraut yerfasst, de ar- 
gentariis et nummuiariis Gotting. 1826. EiD€ gnteSTorarbeit ist H. 
Hubert de arg. vett. (praes. E, Ottone) diss. II Trai. ad Rh. 1739i 
40. (in ttye). diss, inrid. in acad. Belgic. IF, 1. Brem. 1769. S. 
1 — 136.) Ibre MarktbudeQ neben Castors Tempel iinter dem Ja- 
nus werden bei dbn Alten oft erwahnt, s, Heindorf zu Hor. Sat. 
8. 284. 294. Schmid zu Hor. Epist. T, 8. 25 f.^ 

*♦) Der Sinn dieser Stelle ist leicht zu fassen, indem Horaz 
den leic!)tsinnigen Wucherer als den thoricbtsten Menschen darsteU 
len^will, selir zweifelhaft aber, ob man y. 70 labulai als Schuld- 
yerschreibiiDgen oder al^ Recbnungsbuch zu denken liat^ in wel- 
ches der Posten eingetragen wird und eine LiteralobL entsteht. 
Fiir jenes spricht Heindorf, dieses yertheidigt Wunderlich p. 28 f., 
jedoch aicbt ^beczengend genng. 



> 



. f 



— 325 — 

Capt. II, 3 y 89. Epid. I, 2, 40. Care. II, 3, 65—69. 
Ill, 66. iV, 3, 3 f. V, 2, 20. iolvi ab trapezito Cic. 
de off. III., 14. Yiele batten fast fbr ganzes Vernidgeii 
bei dem Wechsler stehen, ^elcher fiir sie aasgab und ' 
einnahin^ so beriift sioh Aebatius bei Cic p. Caec 6. 
auf des Wechslers Biicher in quibu9 sibi espensa lata 
sit acceptaque relata. tironov. obss. IV,- c. 24. 

Das Eintragen in das Hauptbucb, wodurch die 
liiteralobK enfstand, konnte* natiirlich nur nach gegen* 
sei^Kg^ Uebereinknnft gescbehen, indem es doch za 
[ahtljch gewesen ware, einsoilig ein so wichtiges G^ 
scfiftfr vornehmen zu lassen; dass aber beide, sowoh) 
Debitor als Creditor den Posten' batten eintragen inus- 
sen (wie Savigny u.. A. bebaupten) und dass \orlegung 
beider Hausbiicher zur gerichtlichen Giiltigkeit * noth- 
"wendig gewesen sey, ist sebr zweiTelbaft, denn wie 
mancher schlechte 8chnldner ^iirde durch betriigliches 
Nichteintragen die Obligation ganz nnsicher geinacht 
haben. Mam darf vielniehr annebmen, dass aiicb ^in 
,einseitiges Einschreiben des Glaiibigers binreichte, so- 
bald der Sehuldner seine Ein willigung, sey es schrift- 
licb Oder iniindlich, zu erk^nnen gegeben hatte. Gai. 
Ill, 136. (per epistolam aut p. internuntium) 138. Da- 
fur sprechen auth Cic. p. Scaur. 18. p. Cluent. 14. 
(Oppianicus) cum ed (Clodius) duobus millibus HS^ id 
quod ipsius tabulis' turn est demonstratum ( also bios 
einseitiges Eintragen) transigit, und dip wicbtige, viel-. 
besprocbene .Stelle bei Tbeophilus *) , denn die ersteA . 
Capp# Cic. pro Rose. Com. sind viel zu rhetoriscb, als 
dass der Redner allentbalben jurvstische Strenge vo^ 
Augen gebabt haben soUte; und man kann in denselben 
fur beide Ansichten Belegstellen findet^, z. E. 1. scri'* 
psisset ille, si non inssu huius expensum tultssetf etc. 
Nur so viel lasst sicK mit Gewissbeit erkennen. dass in 
streitigen Fallen der Gegner aus seinem Hausbuch eineti 
Gegenbeweis fiibren kbnnte, welches nicht sehen seyn 
inochte,^als in den verdorbenen Zeiten des Rom. Staats 
die alte Gewissenhaftigkeit der Rechnunffsbticber abge- 
noimnen batte. S. auch Verr. I, 49. taoulas prptufitj 
quibus pecuniam se dedisse osfendit etc. Auch vaL 



- '*) ' Bid manmohf acl^n Emeidatioiis - und Erklarangsyersnche 
nebst den for fiiisre Annahme giuutigatea 8»Wiinderlicfap. 36— 42« 



\ 



-^ 326 — 

/ 

Max^VIII) 2, 2 sagt von Visellius Varro , welcher sich 
;ium Scheinschuldner der Otacilia machen lassen wolhe, 
irecenta millia nummnm — expenita ferri$ibi pasitu €9i 
yUnA trotz dem^ wurde spater vom Prdtor, in Beriick* 
sicbtigung der Umstande^ die Klagbarkeit der Schuld 
nicht dnerkannt, wenn auch die Obligation formell noch 
so richtig war. Ob der grosseren Ktchtigkeit und der 
sp&teren leichteren Beweisfiihrnng wegeo der scbuldige 
Poslen 2uweilen nicht bios in des Creditors und Debi- 
tors, soodern auch andrer Leute Hausbuche eingetragen 
worden sey, ist zwar aus einigen Stellen ^eschlossen 
worden, doch lassen diese auch'eine andere Erklarung 
zu *). 



*) £s sagt nemli'ch Cic. ad Att. IV, 18, dass die beiden Con- 
snlsrbewerber Memmias und Domitias mit den Consuli^ einen 
Bestechungsvertrag geschlossen batten, in welcbem jene im Fall 
ihrer Wahl zu Consuln den jetzigen Consuin HS quadragena yer- 
sprochen batten, wenn es ibnen nicht grange, drei Angurn, welche 
Torgeben sollten, bei der jenen Coss. yerliebenen lex' curiata ge- 
genwartig gewesen zu seyn und 2 Consularen zu stellen, welche 
angeblich bei der Austheilung der Proyinzen im Senat zugegen 
gewesen waren (die Consnlarcandidaten yersprachen also im Fall 
ihrer Wafal den Coss. entweder. jene grosse Geldsurome oder reiche 
Proyinzen zu yerschaifen). Ein dritter Consolarbewerber Cn..Pom- 
pejus bringt (aus leicht erklarlichen Bewegungsgriinden) den Mem> 
xnius dahin, jenen Bestechnngsyertrag dem Senat yorznlegen, Haee 
pactio non verbis sed ndminibus et persdriptionibus , muJtorum idbulia 
quum esse facia dicer etur^ prolaia a Mefnmio esi nominihus induciis^^ 
auciore Pompeio* . Nach diesen Worten konnte es freHich so schei- 
^ nen, als sey dieser Vertrag zu gros^erer Bekraftigung in die Hans- 
biicher yieler Fersonen (n^uli. tdb.) eingetragen worden (s. Graey* 
upd Hanut. Erklarung und Sayignys Beweisfiihruug), doch mit _ 
eben so grosser ^ahrsoheinlich^eit lassen sia wh so erklaren, 
dass die Goss. die ihnen in jenem Vertrag yersprochene Summe 
in ihre Hatisbiicher als Anweisnng auf die beiden Caudidaten an , 
yiel^ iblrer Schuldner eingetragen hatten (^dnrch delegatio 'bnd no- 
znioa transscripticia), um ibre Sohujden dadurch zu decken. Dann 
heisst nominibus induciis „niit faUchlich oder betriiglich eingesclirie- 
benen Posten^'. Eine andere Beweisstelle Cic. p. Rose. Com. 1. ist 
critisch nicht constatirt, also ohne beweisende Kr&ft und Sen. de ^ 
benef. III, 15* spricht nur yon Zeugen und Mittelspersonen (pa- 
ram)| in deren Beiseyn das Eintragea mehrer Schuldpo$ten vor* 



T 



— 327 — 

Diese in denietsten Zeiten der Repnblik sehr ge- 
wohnliche LiterarobL erlogch ia der Kaiseraeit allmalig, 
als die Biicher nicht inehr mit der alten-GewisseDhaf- 
tigkeit gefubrt, sondern za jedera Missbrauch angewandt * 
ivurdeo ; jedoch obgleich sie bei den Privatpersonen 
ausser Gebrauch kamen, hielten sie sich nocb einige 
Zeit bei den Wechslern, bis sie auch bier verschwan- 
den. Ps. Asc. ad Cic. Yerr. I, 2^« p. 175 Or. ad nostrum 
memormm tot a haec vetu» consuetudo cessavit (iin vier- 
ten oder fiinften Jahrhundert der christL Zeitrechnung). 

So vi\^ die nomina iranscripticia die eigehtlichen 
Literalobl. fiir Rom. cives^waren (denn ob spater nicht 
auch Peregrineo s&ur Eingehung derselben befabigt wa- 
ren, gait auch bei den Uoin. Juristen nicht fiir ausge- 
macht Gai. Ill, 133, wenigstens wurden sie nicht durch 
transscriptio a persona in personam obligirt)^ so batten 
die Peregrinen dafiir, -namentlich in den Provinzen , die 
syngrapha (syngraphum bei Plant. Asin. IV, 1, 1), 
welche eine-^von Creditor und Debitor sowohl unter- 
sehriebene als besiegelte Urkunde war*), die nicht 
weniger auf empfangenes Geld, als auf jede andere 
Forderung basirt seyn konnte. Ps. Asc. ad Cic. Verr. T, 
36. p. 184 Or. s. unten: Zumpt ad h. 1. und IV, 13; 
Schqn Plaut nennt sie mehremale Asin. IV, 1 , 57. I, ^ 
3, 73. Mil. glor. I, 1, 72. Cic. ad Att. V, 21. VI, 1. 2. ; 
ad div. VII, 17. VIII, 4. p. Rabir. 4. Phil. II, 37. p. | '^ 
dom. 50. de leg. Ill, 8. p. Mqr. 17. Di6 Cass. XLVIII, j 
2. 11. Gai III, 134 quod genus olligationis propriufh 
peregrinorum est. Trotz dieser Worte ist nicht un- 
wahrscheinlich, dass bei der gescfawundenen Treue der 
Hausbiicher auch Romische cives «ich veranlasst sahen, 
diese Syngrapha zur Eingghung einer Literalobl. anzu- 
wenden, zumal da Cic. p. Mur. 17. und Tnsc. V, 11 
nur von Rdmiscbep Contrahenten die Rede ist, wenn 



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^ 



genommen worden sey. WunderUoh S* 70—73 (uber €io. ad AU.) 
31 f. 61. 

*) Wahrscheinlich synonym mit idbulae ohsignatae Cic. Tasc* 
V, 11. de or. I, 38. Phil. V, 4. Venr. I, 52. IV, 13. Gell. XIY, 2 
iahuleemnt ohiignaiione Y, 21. VI, 2. nomina Hor. Sat. I, 2, 16* 
Epist. II, 1, 105. (s. Intptt.) Sen. ben. II, 23. UI, 15. 



- 328 — 

BQcb die andern Beispiele bios aaf Pefegrinen oder aaf 
PeregHnen jind Rdtiier hindeuten *)• 

Mit diesen beideri Arten der Literal obi. ist das 
'l Chirographum (caniio p. dom 50) nicht zu verwecbsein, 
I welches eine blosie Handschrift des Debitor, ein Scbuld- 
\ schein, ^ein Ueweismittel, aber kein Kechtsgeschaft, keine 
^Literalobl. war**).. Ps. Ascon. ad Verr. I, 36. pag. 
'184 Or, tttter syngraphas et cetera cliirographa hoc 
inlerest^ quod in ceteris tantitm quae gesta suM scribi 
^ ' solent^ in syngraphis etiam contra Jidem v€ritatis pactio 
xenil; et non numerata quoque pecunia aut non integre 
' numerata pro temporaria voiuntate hominum scribi so- 
lent morq imtitntoque Graecorum. Et ceterqe tabulae 
- (Schuldschejne) ab una parte servari solent: syngra^ 
pken utriusque manu (signatam) utrique parti servant 
dam tradnnt. Abram ad Cic, Phil* U, 37. Cic. ad div, 
VII, 18. GelL XIV, 2. S^iet. Caes. 17- Calig. 12. 



Siebenies CapiteL 

IV; Consensualcontrakte 

entsteheQ, wenn die Contrahenten ein gewisses Ueber- 
einkommen treffen, in welcbem Falle die forinlose Ver- 
abjedung und das blosse Einigseyn (nudus consensus) 
znr gerichtlichen Giiltigkeit hinreichte, d. h. Klage und 
Gegenklage aiif Erfullung gab. Jedoch konnte keine der 
beiden Parteien gegen die andere eher klagen , bis siQ 
die andere bereits befriedigt hatte oder bereit war, iii 
dem Augenblicke, wo jene erfiillte* ihrer Seits zu er- 
fiilten. War das nicht der Fall, so stand dem Klager 



*) Die ^fwendong der syDgrapha fiir Bom. LiteraloM. lang* 
nen v, Savigny S. 292. 297 f. Hanlo de nom. oblig. 74—82. 
Hugo RG. S. 626/ A. M. si^d Gana Scholien S. 421 — 424. IFun-- 
derlich ]^. 52 — 64. 

**) GlAichwohl hat A» E. Endemann de chirographo et ex- 
cepiione fion numeratae pecuniae Marbnrg 18S2. Keliauptet, dass 
Cliirographum a t. a. eine Lit. obi.- sey, dass es ebep so gut 'eine 
condietio und petitio certi vhervorbringe n. s. w. , wogegea aber 
•owohl die Stellen der Alten ala die Geschichte spricht. 

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/ , 



\ 



— 329 ^ 

die aiis der aequitfts . herTorgegangene Einrede anf 
ErfulIuQg des Coi>tfakta von der andern Seite entgegen 
( jetzt exceptio non iinpleti contractus gen.)* ' Yarro r. 
' r. II » 2 (speciell vom Kauf). 

1) Emtio ei venditio 

Vertrag, in wclchem ^von ifer einen Seite Ueber-^ 
tragung eines Rechts (nafnentlich Eigenthum, ius in ' 
re a. a,)'Yon der andern '.Sefte Zahlung einer be» 
stimnhen Summe (preiium cerium eige debet Gai. Ill, 
140) versprochen wird^ Gai. Ill, '139 emtio et v. co^ . 
trakituTy qufim de prettd convenerit, quamvi^ nohdum^ 
pretinm uumeratum sit^ ac ne ,urra quidem data 
fuerit; nam quod arrae nomine dafur^ arsumentum 
est emtionis et venditionis contractue. Varro 1. L 
V, 175 arrabo Isidor. V, 25. XI, 8. Der Verkaufer 
muss seinem'Verspreehen geiqass den Besitz der ver-* 
sprochenen Sache oder das Recht dem Kaufer iibertra* 
gen (trader ej, welcheit bei res mancipi durch'mancipa* 
tio (dariim heisst aifch Cic. p. Miir. 2. der Verfcanfer 
qui 9e nexu obligmvit) in iare cessio oder traditio (Gai. 
ly, 131) geschah S. S, 139 flf. Die zu ubertragendov 
Sache (nemlich die unbeweglich^) mnsste vacua seyn, 
d. h. keinen Besitzer haben Huschke ad Cic. p. TuU. 17 
in Anall. p. 124 ff. de or. Ill, ^5. ad Her. IV, 29. p. Rose. 
A. 9. p. TuU. 17. fines Acerronio demonsfravit (das war 
eine nothwendige Handla^g des bisherigen Eigenthiiitiers 
Tor, bei odeir nach der tiebergaba) neque tamen hane 
centuriam Vopilianam vacuam tradidit (das Land war 
nicbt vacaa, wenn es Fab. auch ubergeben hatte, denn 
er war nicht Besitzer nnd hatte sich doch so gerirt^ als 
wenn es sein verkaufliches Eigenthum w^re) Huschke in 
Anal. S. 276 — 286. — Sowohl Kaufer als Verkaufer 
batten auf Erfiillung des Versprechens eine Klage, welche 
actio emti oder venditi hiess, je nachdem sie von dem 
Kaufet auf Uebergabe der Sache, von dem Verkaufer auf 
das Kaufgeld angestellt wurde. 

Es li^gt in d^r Natur ^er Sache, dass die Bescbaf- 
fenheit des verkauften Gegenstandes «o abnorm ^seyn, 
konnt^, dass Verletzong des K&ufers in Sprache kam. 
Daher sehen wir, dass man sich nebeh der durch nVt* 
dus consensus abgescblossenen emtio vend, auch noch 
in Stipulationsfocm dariiber cavirte, dass die vejrkauften 
Dinge gewisse Eigenschs^ten haben soUten. Eioige 

J • 



V » 



— 330 — 

tolch^ Stipulatiooen hat una Yarro de r* r« II, 2 — 9 
aus dem Viehhandel aufbewahrt (leges genaaat bei Varro 
gowpbl als Cic. de or. 1 , 58 JUanilianas venalium ven-^ 
dendorum leges) j so dass der Yerkaufer fur sanit^s^ 
noxa u. a. der za verkanfenden Thiere gut seyn mnsste; 
und das alte Civilrecht verordnete / dass der Yerkaufer 
Bur fiir die im Kaufcontrakt (lex^ mancipiumj verspro- 
cheae Qualifikation der Dinge haften miisse, und dass, 
wenn die Sache nicht so beschaflen sey, er poena dupli 
leiden soUe"'). Cic. de off. Ill, 16 cum ex XII iabulis 
satis esset ea praesiartj quae essent lingua nuncupata^ 
quae qui i^fitiatus esset, dupli poena subiret, Fest.^* 
nunciipata : cum nexum faciei mancipiumque , nti lin- 
gua nuncupasset, ita ius esto; iia uti nominarit locu- 
tusve erity ita ius esto {promittere Cic. p. Quint. 5.)* 
Dirksens Uebers. S. 397 — 406. Diese Bestimmung war 
in dem alten Rom wohl^hinreichend, keinesii'egs aber 
bei einreiss^nder Unmoralitat, welche durch Yerschwei- 
gen der Fehler und Lobpreisen der vorhandenen Yor-^ 
znge an den yerkSiuflichen Gegen^ftnden dem Kaufer, 
"welcher sich durch keine Caution (stipul.) gedeckt hatte, 
manche Nachtheile bereiten 'musste **). Durch die Ge- 
schllfte, bei denen dergl. Cautionen vorkamen, iso wie 
uberhaupt durch die BegrifTe , welche man von der tia- 
tnrgemassen Beschaffenneit der Dinge haben musste, 
Teranlasst, bildete die jurist. Pmxis das Kaufs- und 
Yerkaufsgeschaft auf den Grnnd der aequitas rechtlich 
weiter aus und legte als Grundsatz dabei bin , es miiss* 
ten verkaufte Dinge iiberhaopt in einer naturgemassen 
Beschaffenheit iibergeben Werden, denn es erscheinen 
nun nach und nach eine Reihe Bestimmungen daruber, 



*) Ueber die nach Civilrecht n. aediL Edikf zu leistende Pra- 
station des Yerkaofers handelten folgende Schriftsteller : E. Gan9 
im Arch. f. civ. Prax. II, S. 1X2-:- 118 behanptete, dass das Ed, 
eine Ansdehnung des Giyihrechts sey und nicht auf alle Dinge 
(nur Sqlayen, Thiere* Landgnter) sich beziehe, (dagegen Neusieiel 
in folg, Abh. S. 209—216). £.. /• NeusteteU Bemerkongen znm 
adilitiscben Edikte in Nenstetels nnd Zimmerns romischrechtlichen 
Untersnchnagen. Heidelberg 1821. S. 155 — 254. Dayon wejcht 
im Einzelnen Vnittholzners Anfsatz yon dem Verkanf mangelhafter 
Sao hen im Archly f. dyU. Praads yi» S. GO-^-llO wesentlich ab. 

♦*) JVeusWel S. 157. . .. , 



/ 



^ 331 — 

wie geleifitet werden solle uhd Yerzeichnisse der noth- 
Tvendigea Eigenschaften werden spelter aufgezahlt. Der 
Yerkaufer musste von. nan auch ohne Stipulation fiir 
die ihtn bekannten 4ind bei dem Yerkauf verschwiege- 
nen Fehler Entschadigung leisten, wie Cic* a. a. O. sagt: 
a iure consultis etiam retieentiae poena est constttula^. 
Quidquid enim esset in praedio vitii (doch mag dieses 
nicht allein fiir Grandstiicke, sondern auch i^ie beweg* 
lichen Sacben gegolten baben), id^ statueru)itj si ven^ 
ditor sciret^ nisi uominatim dictum esset, praestari 
oportere (Hor. Sat, II , 3 , 285 f. mentem - eocciperet do- 
minus cum venderet s. Heindf.) ; jedpch wurde . die 
Einschrankung hinzugefugt, dass der Yerkaufer nich£ 
^iejeliigen Fehler zu nennen brauche , welche dem Kau* 
fer schon bekannt waren *), Ob der Yerkaufer nach 
gtrengem Civilrecht auch fiir die Fehler Gewahr leisten 
musste, welche er selbst nicht kannte, ist sebr zu be- 
zweifeln, sondern dieses wurde wohl erst sp&ter im 
Edikt der Aedilen bestimmt. 

'Dieses Edikt enthielt schon fruh neben dem Civil- 
recht Bestimmungen iiber GewShrleistung und zwar fiir 
die auf dem Markte gekauften Gegenstande , namentlich 
SclaVen und Yieh^. , Zuerst war wohl in diesem alten 
Mairktgesetz genau bestimmt, dass der Yerkliufer AUes 
einzeln auf das speziellste anzugeben habe und fiir d^a 
von ihm Yerschwiegene Entschadigung geben musse. 
Die verkauflichen Sclaven soUten Yignetten (titulus 
Propert. lY, 5. Suet. ill. gramm. 4.) tragen, worauf die 
dem Herrn bekannten Eigenschaften genau verzeichnet 
wSren. Giell. lY, 2 in edicto aedilium cur. — scriptnm 
sicjuit: titulus scriptorum singulorum utt scriptus sit 
curato ita uti int^Uigi recte possit^ quid marbi vitii- 
ve **) cuique sit , quis fugitivus errove sit ndxave so^ 
lutus non sit. Das Edikt ging sogar noch weiter ukid 

*) Neusieiel S. 158 f. 

**) Biese Worte beziehen slch nur auf den korperlichen Zu- 
stand und werden von den alten Jnristen verschieden erklart, Je- 
doch immer so , dass viiium morbus mit in sich fasst* Cal. Sabinns 
sagte morbus est habitus cuinsque corporis contra natnram, qui 
usum eius facit deteriorem. Diese u. a. Andeutungen, z. £. DiHum 
perpeiuumy morbus cum accessu discessuque 6, bei Gell. IV, 2, WO 
auch mehre spezielle Falle erdrtert werden. Abweichend ist CicL 
Tufo* IV, 13. V 



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I 



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— 332 — 

fetellte das Princip der nnbedingten Verantwortlichkeit 
auf, anch wenn der b^herige Ilerr nicbt genaa von den 
Eigenschaften des zu verkaufenden Sclaven unterrichtet 
sey, indent derHerr einige Eigenschaften wissen tniisse. 
Diese nennt ans Cic. de off. Ill, 17 qui enim (neinlich 
der Verkaufer) scire debuit de sanitate (ob er friiher 
eine Krankheit gehabt bat) de fuga (ob er schon ein- 
mal entiaufen sey) de furtis (d. b. nicht etwa, ob er 
diebisch sey, sondern ob er nicht etwa diircb Diebsfabl 
oder sonstige UnbTll (noxa) irgend einer Person obligirt 

]sey^ \^Icher man denselben nachher ansliefern niiisse), 
praestat edicio aedilium. Heredum alia cQusa est (die 
Erben des Verkanfers brauchen fBr denselben nicht zu 
baften, d. b. die Entschadigungsklag^n geben nicht auf 
die Erben des Verk^ufers iiber). 

Das Yerhaltniss zwischen dem Civilrecbt und dem 
Aedil. Edikt ist eben so «cbwer zu bestimmen , als die 
aui^ beiden entspringenden Klagen, nbter denen der 
Uebervortbeilte nach seinem Gutdiinken die Auswahl 
batte. Die tiltest^- civilrechtliche Klage ist actio emtiy 
"welcbe einen allgemeinen Charakter bat und iiberbaupt 
auf den durch den Yerkaufer vernrsachten Schaden geht 
(id quod interest) , so\vob| bei falschen Zusicberungen 
als Bei bdswilligem Verschweigen der dem Kaufer be- 
kannten Mangel. Da aber dem Kaufer, wenn er keine 
Stipulation gemacbt und den Kaufpreiss schon bezablt, 
batte, keinKechtsmittel zustand (so lange er nocb nicht 
bezabit batte , konnte er sich mit exceptio doli schiitzen), 
woriiber Cic. de off. Uf., 15 klagt, wo der Kaufer zu 
schuell ei|ie Lit, obi. abgescblossen , d. b. s. v. a. scboa 
bezahlt batte , so wurde diese Lucke- durch zwei Klagen 
ausgefiiUt: 1) a. qua^nti minoris^ welcbe weit spezieller 
ist und bios den Ersatz dessen verlangt, was der Kau- 
fer, wenn er von der wabren Beschafienheit des gekauf-, 
ten Gegenstandes unterrichtet worden ware, weniger 
^egeben haben wiirde (also Klage auf Preisverminde- 
rung) Gell. IV, 2. 2) act, redliibitoria. Eine rein adi- 
licische Klage, welche von 4^en beiden andern duf Ent- 
schadigung gericbteten insofetn ganz verschieden ist, 
als sie auf ganzliche Aufhebung und Iliickg^gigmachung 
des gescblossenen Handels geht. Gell. I v, 2. • 

Eine ganz andere Art von Gewftbrleistuqg fand dann 
statt, wenn die Sache dei^ Fehler batte, dass sie einem 

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~ 333 — 

Andern gebSrte/also nicl^t racna war.(wie Ciq* p. TtilL 
17.) > so class der Kaufer gehindert wnrde, die. gekaufte- 
Sache za erweiben oder gezwungen wordea \¥ar, die 
faktisch schon besessene Sache dem wahifen Eigenfhu- 
mer wiener berauszugeben Murch kviciio). Der beoach-, 
theiligte Kaufer forderte aisdann vom Verkaufer prae^ 
Mtatio evict ionis und das Doppelte, wemi di^^, Sache eine 
res mane, oder durch mancip. schoQ tibergeben worden 
war (Paul, II, 1,7, 1 It). Nicht immer pflegte der Ver- 
kaufer fiir 4ie Eviction zu stehen. Plaut* Fers. IV, 3, 55 
ruo periculo is ematy qui earn mercabitur etc. 61 if. 
PL Curc,lV,2,8f. 

2) Locatio et c^nductio. (GaLDI, 142-147.) 

In diesem Vertrag versprictit der Eine dem A^derii 
Etwas zu ffebrauchen oder za machen (locare anbrin- 
gen), der Andere ubernimmt dieses (conducere davon- 
fiihren) und verspricht im Fallo des Gebrauchs eine be- 
stimmte Geldsumme (certa p.) oder iMsst sich eine solche 
versprechen. Der Uebergebende heisst locator j der 
Empfanger der Sache conductor, D^e Hauptanwendimg 
dieses VertraffSf findet in zwei Fallen statt: 

1) locatw rerum (Mieth vertrag), indem der Herr 
einer Sache sie einem andern iibergiebt, um da von Ge* 
branch zu machen (utiy frui) und dafur Geld empfangt 
{merces Varro Y, 44* 178, anch pernio praef. Colum. 
r. r* I, 7 genannt\ wobei jener stets Eigenthiimer bleibt, 
dieser aber nur Yerwalter ist and fiir Verschlechteronr 
gen der Sache, welche durch dolus uhd culpa hervor- 

febracht werden, stehen muss. Verpachtungen von 
'rivatlandereieh waren sehr helulig Cdic Pelchter heissen 
eploni Varro r, r. II praef.) *) Colum. r. r. 1 , 7. Plant* 
Capt. IV, 2, 38^ Cic. p. Caec. 6. 32. ad div. XVI, 18, 
von Hjiusern Cic. jp. Cael. 7. ad Att. XIII, 23 (von 
Cic. saumigen Miethsmann) Saet. Caes. 38 {kabitatio) 
Sen. de ben. VII, 5 conduxi domum a te,, -in hoc aliquia' 
luum, aliquid meum, res tua esty ums rei iuae ^eui 
est, Orell. Inscr. II, 4323 f. ; von otfentlichen Grund- 
Slacken und vectigalia Li v. XXVII, 3. XXXIX, 44. 



*) Ueber den Stand der Colonic friiher freie FacMer, in der 
spateren Kaiserzeit eine ganz. eigenthuinliche Classe yon Haibfreieii 
s. Savigny in s. ZeiUclir. VI, S, ;173^320. 



— 334 -^ 

I 

\ 

XLIli, 1ft. Cic. de inv. I, 30, i. 1. agr. I, 3. tab. HeracL 
7^3 if. -^ Hieher gehoren auch die Contrakte mit Dienst- 
boten (Plaui. Anf. II, 4, i t Trin. IV, 2, 2. Asin. prol. 3. 
Gdl. Ill, 3) tind Tagelohnern (mercenariij *j , indem 
diese nichts als ihre Arbeit vermiethen. Anch kann der Herr 
die Arbeit seiner Sclavf n Terniiethen {Loc, cond,'operarum). 
2) Locatio oplsrum ♦*) (auch operis — opus locatum, gar^ 
ia tecta) ist der Contrakt, durch welchen der Eine die Fer- 
tigang eioer Sacbe eiQem Andern gegen einen best'iininten 
Lohn verakkordirt. Jener heisst locator^ dieser conductor j 
auch martceps (Cic.Verr. I, 54. Ill, 7 Fest. t.), redemptor 
opeHs (Cic. Verr. I, 5. PhU. IX, 7. de div. II, 21. ad 
Qa.fr.II, 6. HI, 1. Hor. Epist.I, 1, 77. II, 2, 72. Od. 
Ill , 1 , 3. 35. tab. Heracl. 49. Orell. Ins. II, 40J4. 3237. 
1,-1523) m^ceptor (J<istift VIII , 3). Die Verakkordirun- 
gen der off'entlichen Bauten (Tenipel, Briicken, Cioaken, 
Wege etc.) und Transporte (gewohnlich von den Cen* 
soren besorgt), werden oft erwahnt Liv. V, 23. XXIU, 
48. XXIV, 18. XXVII, 10 (Montirung des Heeres), 
XXXIV, 6. XXXIX, 44. XL, 34. XLI, 32. XLII, 3. 
Gic- Phil IX, 7. Verr. I, 54 if. II, 67. de div. II, 21. 
ad div. IV, 1,2. Plant- Pers; I, 3, 80^ Veil. Pat. 1, 13. tab. 
HeracL 24 '-^49. Privatakkorde werden ^eltner erwahnt, 
docb auch sie konnen nicht selten gewesen aeyn (^ber 
den Bau einer Villa Cato r. r. 14). 

Wenn die Attsfiibrung eitier offentlichen Arbeit 
verakkordirt werden sollle, so wurde vorher ein Anktions- 
tag bestimint (proscripta et edicta die Cic. Verr, I ^ 54. 
sehriftlich und miindlich bekannt gemacht), welchen 
oflentlich aufgestellte T^feln enthielten , in denen auch 
der Termin ' bestimint war. binnen welchem der Baa 
voUendet seyn miisse^ Cic. Verr. Ill, 7. praefinire Verr. 

*) Varro r. r. I, 17. mercenariis (sc colunttir agri) cum «o»w 
dfucticiU Uberorum operis res maiores aui vindemias ao foenificia ad" 
minisirant: iique qwis obaerarios (richiiger operarios , "wie auch nach-' 
her folgl) nosiri vociiarunjt etc- , WO di^ freien mercenarii von dea 
Sclaven streng gesondett werden. Cic. p. Caec. 22. de off. I » 13 
sfrvis-—Ua iuhent nii ui mercenariis^ operam exigendam^ iusia prae* 
henda. Sen. de ben. Ill, 22. ' 

*•) C w<. Ilaase de opere locato et conducto. Lips. 1814. IF. 
F. G, B^ Host de locat. conduct, ad Plant, capt. IV, 2, 38 — 40. 
Lips. 1810 (fiber die nicht am verwechselnde BedeutuDg von loo; 
und cond*). t « • 



335 



I, 56. , diem praestUuit 0peri faciundo Kidtndoi Dec. 
1,. 57)*' In der anzusteUebdea Auktion (ddgitum tiriJere 
Cic. Yerr. 1. L) wofde dem niiodest Bietenden das Werk 
za besorgen [tueri Cic. Yerr. I, 55.) iiberlassM {addi-' 
oere)^ nach dessen. YoUciulaiig Magistratspersooen oder 
Commissare de& Senate nncersachen mussten {exigere 
Yerr. 1 , 49) ^ ob auch Alles akkordmaaaig ansgefiibrt 
sey {integer y und iibergeben werden konne {iradere^ 
traditia Y'err. I, 49')* Dieses Gatheissen h. opus in 
meeeptmm rrferre nder probare. Yerr. i, 57. lex futeoL 
ed. Spangenberg p. 73. Dieser vorher zu , machetade 
Akkord hiess lex operi fmcitmdo (Yerr. Ill, 7 cemoriae. , 
leges in Partis tectis txigendisi)^ welche ein stehendes 
Formular batten und . nur nacb ymstanden verandert 
wurden; doch begannen sie in der Regel mit dem Na- 
tmen der Censoren and . • . « addiderunt *). Eine ord- 
nungsmassige Jex operi fac. .enthalt der Pnteolan. Mar« 
mor v. J. 549 d. St in Spangenberg monuram. legalia 
p. 70 — 73, wo AUes big aof das Kleinste und auch der 
Termin der YoUendnng angegeben ist, s. Garaton. zu 
Cic. Yerr. (ed. Nebp. p. 346 ft.) , und ein kleines Frag- 



*) Vejpres (55. 56) begaiin qaae pnpilU Junii*,^, C. Verres pr, 
urb, addidiU In der yon Cic. gelassenen Liicke stand wahrschein- 
lich, dass auf Kosten des unmiiDdig^n Junias die Saoleu des Tem- 
pels, welche dessen Yater zu bauen nbemommenv aber jene San- 
len nicht richtig nach dem Perpendikel gestellt babe (I, 49 ff.), 
nmgestellt werden soUten. Dann fblgen in der lex des Verres- die 
Worte ^ui de L. Marcio M, Perperna ixnsoribus [redemerif^ ^"'"J 
iecium ne admiilHo : neve [«'] partem daio^ neve [«*] redimUo . . . 
(d. h. der Entreprei^eiir solle den friiheren nicbt zum Tfaeilnehmer 
niachen, noch ihm die Ansfiifaning liberlassen ). Si quid opens 
causa rescideris reficiio (w'enn Etwas verletzt wiirde bei dei; YOii 
ihm vorznhebmenden, YerandeniDg^ so solle er es wieder.berstel- 
ten). Qui redemerii,^ sails dei dantni infecti ei^ qui a vetere Tedem- 
piore acceperii (der Uebernehmer solle fiir den etwa von ihm zn 
machenden Scbaden dem, welcber von dem friiheren Entrepre- 
neur das Werk albernommen babe , Biirgschaft leisten). Pecunia 
praesens solviiur (die Bezahlnng werde sogleich awsgezahU). Hoc 
hpu8 honum suo ouique faciio (so gnf wie es sich gebort)^. Rediviva 
sibi littbeio ( die alten Baumaterialien, welche er bei dei^ Verande- 
rang wegznnehmen sicl^ yeranlasst sehe,. Bolle e# fiir sich behal- 
ten diirfen)* 



— 336 — 

mem hBtW99i^v.prodw%i parr& dederttj ut €$i in lege 
flent&ria: pariicum^ iartam iectnmque hebeto prodito 
(der Uebernehfiier' soil den Pocticas zor Yollendimg er- 
bi^lten and &odann .iibergeben, nenilich sur Prufaiig.)* 
S» Dae. a.^cal. Anni; b. Liiiid. p^ "SS?*. In aolcben Fal-*> 
len, wie der voo Cicero initgelheille, haUe* derjeoige, 
atif desseo Kosten eine Arbeit von Staatsw^gen verak- 
kordict .wird (z. E. tab. Heracl. 32 ftl), ein Yorrecbt 
Yor den iibrigen Mitbietenden , da diesem aiki meisten 
daran gelegen 8eyn inus&le, biUig das Werk za vollen^ 
dea (dass es aber von diesem nicht etwa scfalecbter ge- 
macht worde, Terhiitete die Uoterstichung der Magistrats* 
personen); welebes Herkommea Verr^s auf das scband- 
licfaste verletzte, indem er dea am meisten In terWsirten 
Toni Bieten ganz ausschloss and andera die Arbeit ge- 
gen eiae \teit bohere Summe znschlag, als wekhe der 
Betheiligte geboten he^tte , I, 54 ubi iila ^onsueludo m 
bonis praedibus praedii$que tiendendis omnium coss^cens. 
praeiarum quaestorum denique^ at opitma condiiione 
Mtt if 9 cuia res sit^ cuuim peHculum,^ etc. Ill, 7. (der 
Itesitzer soil bei Verkauf seiner . Besitzungen dergestalt 
im YorCheil se;^n, dass Niemand aiedriger kaufe , als er, 
ebenso bei Yetdingungen u. s. w. I, 55). Eih anderes 
Beispiel des Zuschlagens an einen boher Bieteaden s. 
Verr. I, 59*): 

a) Societas (Gai. Ill, 148 — 154) 

ft . 

ist die Yereinbarung mehrer Personen, am gemeinschaft- 
liche (namentlich pekuniare) Zwecke mit vereinten Kr^- 
ten (durch personliche Leistungen oder Geldeinlage opera 
pro pecunia Plant, Asin. I, 3, 20. GaL III, 149) zu er- 
reichen. War der Zweck des Contrakts GeWinn , so 
hing die Yertheilung des Gewions von d^r Einlage eincs 
Jeden ab, Cic, p. Rose. C 18 socius ex ea (sc. parte 
petit) qua societatem coiitj sonst nennt man.sie socien 
tat em captiosam ^t indignam 10* Keine soil also elnei^ 



* ) Eii^e eif;enthninliche Anwendung dieses M iethvertrags' •• 
Verr. I, 16., wo Verres die Bestechiing der Richter yerdungea 
hatta (redempiiQ est huius iudicU facia) und nach dereii: VerwerCUog 
den Handel wieder riickgangig machte (renuniiaia est iota conduction 
S. auch I, 11 acU 2. ' 



\ 



•^ 337 -- 

ViorMf habeti GaiVlD, 14d f.; nnr Seryias Salpicitt* be« 
hiAiptetej man niiisae die Verabredang gestatten, Gewinb 
nnd yedaat uogkicb zu th^ilen^ s* E./'dass der, welcher 
arbeUe, inebr gewinne, ala der, wdcher bids G^ld b«i^ 
ateore tiDd dles6 Meinung trug den Sieg davon* Soiche 
Gesellsobafuvertrage warden i)be4r niannichfaefae Ailige- 
legenheiten geschlossetiy 2. E. zwisishen dem Schaaspie- 
ler Rc^cius und Fannius fiber eitieti zam Sohaa^pieler 
za bildenden Sdaven « . zwischen Qaintiag und N^vius 
dber ^Galti^cbes Griindeigenthttm a. s. W. Die widbtig- , 
ate und fallafigste Anwendang aber faifd bei deaen statt, 
'welche geiheinsam Staatsgiiler^ and Staafflteinnahmen 

Kacbteien {gocim C0ndu€tioni9 Li v. XLII) 16)* Ibre 
jatnen. waren nacb den GelSchaften sehr manniefafach 
Ps. Asoon. in div. 10. ed. Or. p« \\t mmncipe$ sunt 
pubitcanorum prineipef^ Romani hominef j qui quaesiui 
iui caUffa n decumae redimunt [decumani uppeilaH^ 
tur\^ ii p0rtum aut peeua piiilica^ portitore9 au$ 
pecuariiy quorum r*aito scriptura - diciiur. Hi enim 
ea^igenda a soeiis suo periculo "exigunt et rei pubi* 
repraesentant i provident es etiam in ilia redenjptione 
eommodis suit, ad Verr. I, 5. p. 190 Or. Dass manceps 
den Handel im Namen der. Gompagnie absobljesst (spk- 
ter vielleicDt magister genatint Cic. ad Ai\. X, 10. ad 
div. XIII, 9.), und praedeB, diejenigen der Gesellscbaft 
sind (gewdbnlicbe socii^ meistens Ditter), tvelche fiir did 
Pacbtaamine dem, Staat Bilrgsebafl; lelstea, bericfatet aticb 
Fesl. T. manceps. Ueber die Verhftltafitee dieser Staat8-< 
pacbter sind die Yerrin. Beden unerschopfliche Fund- 
gruben, namentlicb 11, 3. 61. 62. ^9. 70. 71 ff. 77. Ill, 
10 f. .20. 27. 30. 39. 70. 76 u. s. w. p. Plane. 13. p. 
legef Man. 2. 7. 

" D^t SocietatsTertrag bort aof dbrch detiTod oderCap« 
dem. aiioh nnr eines der Mitglied^r, ao wie durcb Aufsa? 
gang {Awkl. Metam.X, 220. ed. Oud. p. 704) Gai. Ill, 151 
!['. — ' Die ftua. demsrib^n entapringefide Klage heissi 
actio, pro socio ^ nvelebe ^ie socii aowobi untereitiander, 
als gegen dritte Personen anstellen konnen, und zwar 
.^ben so gut wllhrend der Societas, als nacb deren Auf-, 
losung. A) Ein soc. kaiin gegen die andern klagen^ um 
gemeinsames Trag«in der Lasten iind des Gewinhs zu 
jBrlangen (insofern dieser in Forderangen — nomina — 
bestebt. Paul. 23. ad Ed. 1. L D. de cei«im. divid. X^ 3);^ 
er kanii also 1 ) klagen , dm seine Aaspiuehe auf die 

22 



s 



t 



— 338 — 

erworbenen Bechta diurchEiisetzen , \^elcha Giimniigiif 
aUer socii seyn soUen (Cic. p. Rogc C, 12« 17» €fm^. 
niune socieUUtM factum eswe — aegualiter owm^ paHi- 
reutur etc.)*); 2) um Auslagea j^itruck0tterhal(teB, di^e 
fiir die societas von einem Einsc^lnen gemachl worden 
sind; 3) um fiir den von Einzelnen verursadbien Scba- 
den Vergiitung za erhalten, in ;i¥elcheni Fall dor soctus 
nicht minder fiir dolus (Cic. p. Quinct 3. p. Rq96. C. 9.' 
fraus) , als wabrscheinlich auch fur culpa, baften moss. 
B) Der Einzeloe, welcher aus Gesellschaftsansprfichea 
eine dri,Ue Person verklagt, kann dieses commum oder 
8U0 nemino thun (de tota re oder de sua parte). Im 
ersten Fall mui^s 6r sodann init den iibrigen socii tbei- 
len, im zweiten nicht, denn die ai^ern baben an den 
Dritten dieselben Anspriiche gekend zu machra, unab- 
bangig von dem, welcher seinen Tbeil scbon einge* 
klagt hat. Dieses seben wir in der interessanten Klage 
des- Fannins gegen den Scbaqspieler Roscius, wo beide. 
(suo nomine) gegen einen Oritten zu verschiede^en Zei- 
ten geklagt batten Cic. p. Rose. c. 11 f. 17. IS«, Und 
dessenungeachiet Fannius spater noch die Halfte des. 
von Koscius Eingeklagten baben woUte. — Klagte ein 
Diitter gegen die Societat, so waren die Tbeilnehmer 
in solidum verantvvortlich und einer baftete fiir den an- 
dern. ad Her. II, 13. (bei Argentarien )• Der dos Be- 
trngs Ueberwiesene wird der Heiligkeit des Socielatsver- 
haltnisses wegen mit Infamie belegt Cic. p. Quinct 15 ft. 
p. Rose. A. 40. tab. Heracl. 111. (37). Gai. IV, 182. 

4) M«»rfa/w«i (<3ai. Ill, 155 — 162) 

* ft 

ist das' in einen Vertrag gekleidete Versprechen einer 
Person, fur eine andere abwesende oder verhtnderte 
- Person ein GeschSift (Prozessfiibrung, Kauf, Verkauf, 
Yermogensverwaltung) unentgeltlicb besorgen zn wdllen. 
Plaut. Capt. II, 3,, 82 ff. Jene heisst jTroct^ra^or auch 
mandatariuSi und kann fiir den mandans Besitz erwer- 



*) Von dieser rein personlichen Klage ist a. communi dividundo 
in sofem yerschieden, Ms sie stets anf Theilnng des -gemeinsamen 
Eigenthams (nemlich korperlicher Sacben) geht npd gewohnlich- 
bei oder nacb Aufldsnng der Societat angestellt wird. P.Mayr de 
divisione boiionim societ. Landsb. 1825* 



y 



r 



' — 339 — ' 

hen, welches ssuin Eigentham fiihrt, durch in itlre cessio 
dber und mancipatiO'kann er nur fiir sich selbst erwer- 
ben und das Erfaaltene sodann dem Auftraggeber wie- ^ 

derum iibertragen. . Urspriihglich konnte kein Freier fiir 
einen . Andern G^schafte auf dessen Namen besorgen, 
sondern in seinem eigenen. Daher entsianden die Oblig.- 
Terhaltnisse des ^Beauftragten nur zwischen ihm und 
Drittei), nicht zwischen dem mandans und Dritten. Da- 
gegen war das Yerhaltniss des m. u. m. von der Art, dass 
beide ein^ actio mandati anstellen/ konnten (actio instit. 
u. s. w. S. 298) *)• Die actio mandjati des mandans geht 
auf Ausfiihrung des Mandats und Auslieferiing des dem 

, Tom mandans und von Dritten Gegebenen , (mit Haftung 
fiir dolus und culpa), wogegen der mandans durch acU 
mandf eoniraria gezwungen \i'erden kanp, die von dem 
BevoUmachtigten gemachten Aus^agen, Kosten und er- 
fiillten Leistungen zu vergtiten. Letztere Klage kann 
sc^ar gegen die. Erben des mandans angestellt werden, 
wahrend die. Erben des Be^uftragten von a|Ien Klagan- 

, spriichen befreit sind. Anders war das Yerhaltniss , 
zwischen m. und m. , wenn der Mandatar ifi patria 
(patrim. oder domin.) des Mandans war, s. S. 297 f. In 
diesem Falle wurde der Qeauftragende selbst verpflichtet, 
s. S. 297. Diesem analog wurden im spateren I^echt auch 
beim Mandatsverhaltniss die zwischen dem Beauftragten 
und dem DritteU' entstandenen Obligationen so betrach- 
te^, als waren sie direkt von dem Beauftragenden mit 
dem Dritten selbst geschlossen, und alle diese Klageii, 
wehjhe Mandatar und Dritte gegen einander batten, / 
wurden utiliter deitl Mandans und wider ihn gegeben* 
— Die Verurtheilung in dieser Klage machte infam 
Cic. b. Rose. A. 38. 39. in privatis rebus si qui rem 
mandatam non modo malitiosius gessisset , sui quaestus 
aut commodi causa^ verum etiqm negligentius, eum ma* 
tores summufn admisisse dedecus existimdbant* Ita- ' 
que mandati 'constiiuium est iudicium^ non minus furpe 
quam fwrti etc. etc. p. Caec. 3. tab. HeracL 111 (37). 
Gkii. IV, 182. 



^) A* V* d, Siraaien de mondato litigd. B. 1809. 



' / 



22 * 



( ' 



^ — 340 — 

I 

I 

Achtei Capitel. 

B. Andere Vcrtrage. 

BlosseVertrSge (pacfom, pactio S. 299 f., wozu anch 
derVergleich — spliter transactio genanift — gehort) sind 
nicht klagbar, Paul. rec. sent. 11, 14, 1 ew nndo pacta 
int^er cives Rom. actio non nascitur. Not einige sind nach 
nnd naeh ausnahmsweise klagbar geworden und gelten 
' nun eben so gat als Contrakte, obgleich sie den Namen 
pacta beibehielten und erst in der spatesten Zeit Con-* 
trakte genannt Warden. Einige dieser Vertragtf sind* 
durch das Civilr^cht aner^annt worden und biesden des- . 
wegen pacta legitima (sie unteischeiden sich bios hi- 
storisch von den Consensnalcontriikten),^ andere durch 
das Prlitorische j^dikt und wurden p. praetoria genannt 
(ad Her. 11, 13 pacta sunt^ quae le gibus observanda 
sunt — sunt item pacta , quae sine legibus observantur 
ex conventu, quae iure praestare dicunlury Viele 
andere Vertrage haben eine geriebtliche Giiltigkeit er- 
halten und sind bios nnter den Peregrinen klagbar ge- 
' wesen. 

1) Constitutum ist ein Yertrag, iri \velchem eine ' 
scbon bestehende Schuld zu bezahlen versprochen wird. 
In,diesem Sinne sckreibt Cic. ad Att XVI, 15 scis nos 
pridem iam constituisse Montani nomine 6S XXV 
dis9olver€ (weilsich Cic, Sohn Terburgt hatte, Sr Xil, 
52; ad Att. I, 7 p. Quinct. ?• *). 

2) Donatio heisst j^des Reehtsgeschslft , wodurch 
eine Person lediglich aus Freigeblgkeit , nicht aas recht- 
licher Verpflichtung ihr Vcrinogen oder Theile dessel- 
ben auf Andere iibertragt Wird die ^henkang sogleieh 
Tollzogen , dann ist eine Klage nich^ nothig **) ; sollte 



*) Sehr selten hat conat^ bei den SchriftsteUern diese prist, 
Bedentung ; haufig dagegen heisst es verspreehejn und zwar gewohn^ 
lich mit einer festen Zeitbestimmung ; s. Lex. Gronov. obss« I, 1 • 
CorU ad Sail. J«g. 66. 6. 717. Buhnk. ad VeU. 11, ilO. 

**) Verschwendung des Vermogens durch Geschenke war 

*dem Romischen Nationalcharakter zuwider (Folyb. XXXII, 13. 

Cic. de .off. II, 15. de rep. IV, 7."^ Serr. ad Virg. Aen. VI, 611. 

Flin* ep. IT, 4.)) und sogar der Staat hielt auf das Friocip der 

Vermogenserhalttiiig bei den FamilieOi wie die 550 d. St. gegebene 



> <• 



— 341 , — 

aber ein Verspechen geltend gemaeht warden, so ge- 
.horte hathrlich daza eine klagbare Rechtsfornoi (Con- 
trakt, z. E. Stipulation). Dagegen formlose SchenknngS"- 
Versprechen findet man nicht yor der Kaiserzeit als ein 
besonders ausgezeichnetes und mit Klage versehedes 
Rechtsgescbaft ; denn zu Ciceros Zeit waren si^ nocb 
obne idle Wicfatigkeit p. Rose. C 6. pecuniam petis -» 
an quae ex liheraUtate huiui promism sit ^t oitentataf 
— leviua et facilius e^c. 

3) Intereessio (Bilrgschqft, Gai. Ill, 115—127) *) ist 
das in Stif>ul. gekleidete Verspreclien, fur die Schnld eines 
Andern zii haften, so dass diesem entweder dieSchuld ganz 
eninommen wird (privatise Biirgschaft), oder dass d^r 
.Biirge iioch nebendem Andern Schuldner seyn soU (cumn- 



fex Cincia zeigt, welche die Geschevike ad causam oranJam yerhot 
Liv. XXX IV, 4. 8. Actioaenrecht I Cap. 3 nnd uber andre Pri- 
vcfischenkungen folgende? verordnete: 1) Schenkangen liber eine 
gewisse Samme hinaiis {iustus modus?) werden so gemrssbilligt, 
dass, wer dariiber hinans gesfchenkt hat, dieses zitriickfordern 
kann; 2) nur die nachsten Verwandten sind von dieser Beschran- - 
knng aasgenommen (personae excepiai)y nud diirfen luit Summea 
beschenkt werden, welche grosser, sind als jenes gesetzliclie Haass. 
Ueber die Formen der Schenkongen wurden erst in der Kaiser- 
zeit Bestimmnngen hinzugefugt, denn friilier musste jede Sohen- 
kung diircli Mancip. (Anspielung liei Hor« Sat. H, 4, lOd nufnmo 
ie addicere d. h. mancipatione donare und Orell. Inscr. 11, 4425. 
4421.4358. Plin. X, 3. dass bei Schenkung der res mane. Mancip. - 
nothig gewesen sey), in i. cessio, traditio sogleich vollzogen wer- 
den, wenn sie Giiltigkeit habeu sollte. — Die Nachrichten der 
Alten iiber diese lex sind sehr diirftig, Cic. de or. 11, 71. ad 
Att. 1 , 20. Cato M. 4. Fest. t. muneralis. Liv; XXXIV, 4. Vat. ^ 
fragm. 266—316.' Unter den neueren Bearbeitern sind yorziiglich 
zu nennen Savigny in s. Zeitscrift- IV, S. 1 — 5&. Rudorff de 1. C. 
Beroi: 1825. W. Franche civiL Abhandl. I, S. l — 54. Hasse im 
Rbein. Mus. 1, S. 185 — 248. Unierholzner ebendas. II, S. 436 — 
462. Ill, S. 153 — 174. G. Rein quaest. Tull. ad ius civ. spect 
Isenac. 1834. S. 17—29. 



/ 



*) Heineccm sjnU ed. Haub. p. 573 — 581. Gans Scholiea 
S. 406— •4l8» A* G, de Schrbter de sponsortbna lidepromistoribus 
^et fideiussoribns spec. Jenae 1822 mit Entwiokelung ihrerGe- 
scbjclite und der |edett eigenthiimlicheD EigeiiBcbafteii* 



\ 



— , 342 — 

lative B.); Es giebt drei Hanptarten der soUennen Bfirg- 
gctiaft: 1) Spon$io^ die akeste von alien, mit der nnr 
bei Rom. Biirgern erlaubten und in Rom. Sprache ein« 
zakleidenden Stipoladonsformel 'idem dart 8ponde$% 
ySrrol. L VI, 69 ff. Gai.'IU, 119. Anspielong Cic. ad 
div. VII 9 5. 1 , 9. Sie war nar bei Verbalobligationen 
anzuwenden, eben so wie 2) Jidepromimo, welche ia 
die Forniel idem Jide promittis eingekleidet nnd trotz 
ihrer civilen Natur aach bei Peregrineii gestattet war 
Gai. Ill, 93. 119. Hierza gesellte sich 3i die neneste 
Art Jideiuiiio mit der Formel idem Jide tua esse iubesf 
(Cic. ad Att. XVI, i5 Jide sua)j welche aas dem i. gen- 
tium staiKtmend , bei alien GreschSiften anzawenden war, 
sie mochten aas dem Civilrecht, oder dem i. g. entsprin- 
gen. Wenn mehre Personen gemeinsam eine Burgschaft 
elngehen, so hei«sen sie consponsores Cic a/i. div.Vl^ 18. 
ad Att. XII, 17. oder adpromissor Fest. v. u. Anm. pc 
321 ed. Lind. Cic. p. Rose. Am. 9. Plant. Trin. V, 2, 39 
li*.. Beispiele der sponsio Cic. ad Att. XII, 13 ff. 17.19^ 
•XIII, 10. Ueber adstipulator s. S.319. Damit aber Nie- 
mand durcl\ leichtsmnige Biirgschaft sein Vermogen ver- 
schieudere, so beschrankte die lex Cornelia di^ Summe, 
fur welche sich ein Burger fiir eiwc Person bei demsel- 
ben Gliiubiger im Lauf eines Jahrs iierbiirgen diirfe, 
auf 20000 Sest. , mil zwei bei dos und Erbschaften ge- 
statteten Ausnahmen. Gai. Ill, 124 f. 

Was die rechtlichen Folgen der Burgschajt betrifft, 
so muss der Biirge fiir den Schuldner haften , gleich als 
wenn er selbst Schuldn^r ware und es stand dem Gliiu- 
biger jederzeit frei , ibn zu belangen ; appellare Cic. ad 
Att. I, 8. 10. agere ex sponsu Varro 1. 1. VI, 72. ohpe 
vorher den eigentlichen Schuldner verklagt zu haben, 
doch war, wenn er gegen den einen von beiden geklagt 
hatte , die Klage consumirt (durch ea^ceptio rei in iudi-» 
cium deductae Cic. ad Att. XVI, 15 **J. s, Actionenr.). 



*) Andere Arten von Biirgen vindex vas unci praes nnd deren 
prozessualische Bedeutung s. Actionenrecht. Praedes kommen iibri- 
gen$ aiich im gemeinen Lejben als Biirgen vor, znmal bei Kanf- 
nnd ]Miethgeschaften, so die von Cic. ad A<t. V, 1 erwahnten 
saiisdaiiones secundum ynancipium d. i, Burga(chaft fiir Bezahlung des 
Kanfgeldes. XIII, 3* Fest. v. praes, aucb iiber manceps s. S. 170 f. 

** } In dieser darch KeUer ( iiber litis contest, und UrUieil S« 



J 



— 343 ^ 

Wenn der Burge bezafalen tnusste {dependere Cic« ad 
Att. 1,8, ad div. I, 9), so durfte^r voih Schnldner did 
Snmme zorackfordern Surch actio mandati und negotioram 
gest. Gai. Ill, 127 ud d der sponsor liat vermoge der stren- 
g^n actio depenst durch die lex Publilia die besondre Be- 
fagniss, das Doppelte ^a verlangen, sobald der Verbiirgte 
laugnet, Gai. IV, 9. 171. Ill, 127. Paul 1, 19, 1 *). 



463^478) trefflic^ erklarten Stelle firagt Cic. Hen Att. am Rath, 
was «r mit Dolabella anfangen soUe, wjelcher ibm eine anch i^IV, 
18. XVI, 3. ad diy. XVI, 24 erwabnte dumme schuldig ist. Die 
Schakl ist. neinUch durch Sponspren rerfoiirgt , und es ware daher 
das Leicbteste gewesen, sich wegen der nicht erlqlgten Zabluog 
an die Biirgen zn halten. {Ei si sponsores appellare videiiir habere 
quandiim Svawniav ^ iamen hoe quale sit eonsiderea velim d. h. da^ 
Belasgen der Btlrgen habe aber dvamniav^ welohes yielleicht so 
am foesten genommen werden diirfte, dass es auf den Forderndeii 
bezogen und erklart wiirde: ^ werfe auf den Glaubiger ein iibles 
Licht, sogleich zu dem Aeussersten zu schreiten und sich obne 
Weiteres an die biirgen zn halten ; andre Ansicbien s* Kefler S. 
471 if). Es stehe aber noch ein anderer Weg oifen, Dolabellas 
Prokuratoren ( BeTQlknachtigte , denn 'Dolab. war abwesend) zur 
Zahlung anfzxilordern und Cic. sagt pos$umus enim ut, sponsores 
non appellehlur procuratores iniroducere (belangen); neque enim illi 
litem cdniesiabuniur^ quo facto non sum nescius sponsores Uberari d. h. 
Liessen sich die Prokuratoren auf jene Summe yerklagen, so wiirde 
es zur litis contestatio (Schlnssakt des Verfahres in iure s. Actio- 
nenr.) kommen, wodurch die Sponsoren auf immer liberirt wiirden. 
Jedoch Cic. glaubt nicht, dass sie sich auf die Forderung yerkla- 
gen lessen werden, weil sie nach dem auf die lit. cont. *zti be- 
grundenden Urtheil, 'welches auf ihre Person gehen wiirde, fiir 
Dolab. haften und zahlen mussteuy entweder ans eigenen Mitteln, 
X)der aus Dolab. Kasse (welche in den Handen der Prok. war); 
Jenes^ aber wollten sie nicht (denn Dolab. ist kein guter Zahler),^ 
dieses konnten sie nicht (denn Dolab. Kasse ist zu klein), so dass 
sie nicht mit sich prozessiren lassen wiirden; die Sponsoren ka- 
men also noch nicht los. — Lasst man das allerdings nicht durch 
C6d(|. geschtitzte non weg^, so heisst es : urn die Biirgen spater 
, zur Zahlung aufzufordern , konne man erst die Prokuratoren be- 
langen ; diese wiirden ear aber nicht zur Klage kommen lassen und 
so wurden die Sponsoren nicht Hberirt. 

'^) Poena dupli als Strafe des Laugnens war hi mebren Fallei^ 
eing^filhrt ; s. Actionenr.^ , ' ' 



( ' 



-^ 344 r- 

Wenn roebre Bargen zmammen bafteted , io^ innsg* 

ten 910 in seliduiQ ^einer fur den Andera steben; dock 

/Wfir» W<^nn der Glanbiger gegen einen^derselben gekla'gl 

batte, die'Klage ^egeri die Andef n oonsnmirt LeUtere 

Hilrte kennte dadorcb yei^mieden werden , dass der Glan- 

btger ^ip^^ jed^n fiif seinen Tbeil oder Alia jiusaniHiea 

belangte iiad die erstexe Harte vi nrde dprcb^ mebra lege^ 

gemiidert. So erlaabte die lex Apu/eia dem sponsor a. 

^deproiuissor nacb geleisteter Bezahlung die Uebrigeii^ 

aaf das zu verkiagen , was sie iiber ihren Tbeil gezafalt 

batten. Gail III, 122. 127. IV, 22. Nocb mebr geschah 

durch lex Furia^ welche die sponsores nnd fideprcrniis- 

sores nur filr ihren Tbeil baften liess, so ilass sle nicbt 

mebr fiir die Andern mil bezablen mnssten imd. be- 

schriinkte die Dauer ibrer Biirgschaftsverbindlicbkeit anf 

zwei Jahre; docb gali diese lex nnr in Italien, Gai. Ill, 

1 21 und keine von beiden kam dem fideinssor, zti Gute. 

Dieser erhielt erst dnrcb Hadrian die Lindernng, dass 

der Glaubiger bei ihm so wiaf bei alien andern Biirgen 

nacb der Litiscontestation (s. Actionehr«cbt) die 0bli« 

gation zwischen ihm und den andern solventen Mitbur*- 

gen theilen niiisie. Gai. Ill, 121. 122. Panl. I, 20. — 

Wenn der ^igen^liche Burge starb, so musste der 

, Erbe desselben baften , vorausgesetzt , dass es eiiie iide- 

iussio war, dagegen die Erben des sponsor u. fide pro- 

inissor waren von aller VerantwortUchkeit frei. Gai. Ill, 

120. IV, 113. 

BUrgsehaft der Frauen fiir die Gatten,, welcbe trotz 
dem, dass die Frauen von alien Civilgeschaften rechtlicb 
ausgeschlossen waren, den^ocb missbraacblicb eingeris- 
sen seyn moohle , verbot August auf das strenffste und 
alle weibliche Bilrgscbaft untersagte Claudius durcb 
Scons* Velleiauum* Paul U, 11. 



-r-r«- 



I 

II. . Obligationen aus Delikten. 

Widerrechtliche -P^gp^adigange^ bewirkep insofern 

( > Obligationen , als auf ^ie Klag^n gegriipdet werden kon-> 

nen, welcbe tbeils auf Ersatz, tbeils auf Strafe, theils 

auf Beides gebei^ {rem^persequimur odar persotmm oder 



,-. ■ _ 345 — > ., » . 

rem et penonam. Qai. IV, ^^ 9). ' Solche Obligatio- 
nen eotapringen sogar aus Delikteii ^er Peregrinen gegen 
Burger 9 denn in ^olcben Fallen werden sie als ciyeg 
fingirt^ Gaip IV, 37; nie gehep dieselben auf die Erbeii 
iibei^ und. g^ken bei Delikteo solcher, welche in frejiw 
der potestas atehen, gegep die Herrn derseiben* Uides- 
sen bewirken nicht alle Delikte Obiigationen, sondera 
es waren nur vier, weldie . das alte Civilrecfat als. Be- 
eintrachtigungen anerkannte (die andern fallen dem Cri- 
minalreqht anheim), und durch Obiigationen die tier* 
Btellung deg Nahen von ihnen gestorten Znstands SYcher 
stelhe, iiemli9h Diebstahl (furtum)^ gewaltaamer Raub 
(rapina) , personliehe Beleidigung (iniuria) und wider* 
rechtlicfa^ Beschad^gung (d^eimnum iniuria datum) Gai. 
Ill, 182. Cic^ p. Rose. C. 8. *). 

1) Firtum**). (Gai.III, 183—208). 

Diebstahl mnfesst alles Anmassen oder Entfremden 
einer fremden Sache ( wozu aucK Gebrauehsrechte ge- * 
horen — Jurtum usus) gegen des Eigenthiimers Willen 
(Sabinus bei Gell. XI, 18 qui aliena^m rem attreciavit^ 
quum id se invito domino facer e iudicare deheret , furti 
tenetur etc. Gai. 111,1.95 — 198). Onbewegliche Sachen 
konnen nicht gestoblen werden GelLXI, 18, obwohl 
Sabinus es* behauptete und Gai. II, 51 dafiir zu sprechen 
scheint, wohl aber konnen Sclaven gestoblen werden. 
Gai. Ill, 199. Cic. p. Rabir. 3. de servis aiienis contra 
legem Fabiam retentis. Nach alter Bestiminung ist 
furtum entweder manifestiim (wenn iler Dicb auf der 
- That ertappt wird, oder vielleicht anch,* wenn er seinen 
Raub nocb nicht in Sicherheit gebra<%t hat Gai^ III, 
183 ff.) oder ?iec manifestum Isidor. V, 26. Gell. XI, 18. 
Serv. ad Virg. Aen. VII, 205. und Bucol. Ill, 17 If. 
Als y. manifestum wnrde auch betrachtet, wenn der Dieb 
durch eine nach dem altesten Reciit gelt^nde besbndre 

*) H. de Bosch Kemper de indole inris criminalis apud Rom* 
Lugd. B. 1830. S. 12 — 26. , ' \ 

**) Heinecc, synt. ed. Hanb. p. 616 — 632. Hoashirt iiber den 
Begriff des ronu furtam und des dents^lien Diebstahls , in Klein-> 
schrod, Konopack and Mittermaiers n. Archiy f. Grim. R« Halle* 
III (1820) S. 73^ 101. G. G. B. v. Imhaff de fortis ftd XII tabb. 
et Institt. turn Gjui turn Insk Gron. 1825* 



t 

/ 



\ 



"^.^ 



— 346 — 

Art; von Hansnchnng entdeckt worden war , wd^he dariit 
bestand, dags der Bestofalne nackend nor roit eraem 
Giirtel und Scbussel versehen in das verdSchtige Haas , 
trat. Dieses h. furti (der entwandten Saohe selbst, 
wie Sen. ben. II, 21. Ovid. Fast. I, 560) per lancem et 
licium cenceptio ♦), Gai. Ill, 192 — 194. Isidor. XII, a. 
Fest. lance et licio (dafar hat Gat. Hnteo vinctut) Gell. 
II, 1. XI, 18. XVI, 10. Dirksens Uebers. S^. 582 — 584. 
Die Sh^sten gesetzlichen Bestimmungen uber die 
Strafen des Diebstahls enthalten die XII Tafeln , welche 
dem Eigenihiimer gestatteten , den bei Nacht einbrechen- 
den Dieb ffur mantfiestufj impune za^todten und sogar 
bei Tage, wenn er sich gegen den Herrn Tertheidigte 
{cum ielo mit jeder Art von Watte) Dirksens libers. 
S. 564 — 77. Plaut. Men. V, 7, 17. Cic. p. Tull. 47— 50. 
Top. 17 p. Milon. 3. Sen. controv. X, 6. f. Gell. XI, 18. 
VIII, 1. Quint Inst. V, 10. 14. Maerob. Saturn. I, 4. 
Wenn sich der Dieb nicht vertheidigte , so nahm. ihn 
der Herr gefangen und batte das Recht zu der Capital* 
strafe , ihn peitschen und sich zusprechen lassen zu diir- 
fen, in welchem Fall er ihn gefesselt halten konnte 
tjedoch schwerlich als Sclaven)**) GelL XI, 18. VU, 15. 
Gai. Ill, 189. Dirksens Uebers. S. 577 — 581. S. 265. 
Fiir den fur nee mantfestus bestimmten die XII Tafeln 
den doppelten Ersatz als Strafe. Gai. Ill, 190. Fest. y. 
nee. Cato r. r. prooem. Gell. XI, 18. Dirksens tJebers. 
S. 585 — 588. Doch erlaubten sie auch , dass der Dieb 

und Bestohlekie sich yerglichen (de furto pacifcij Dirks. 

• . « 

*) Die Schiissel, sagt Gai., sey geboten gewesen, v< manibus 
occupantia nihi^ suhUciaiur, oder nm das Gefundene daranf zu legen, 
doch fiigt er selbst hinzu neutrum eorum procedit^ Fest. sie sey 
vor die Aogen gehalten worden propter matrum familiae aui virgin 
num. praeseniiam (dann konnte er aber nicht sehen?! und der Giir- 
tel (licium) war ja schon deswegen da » urn die Gesetze der ScHaam- 
hafligkeit nicht zu verletzen ; denn nackend musste der Siichende 
seyn, nm Nichts mit in das Haus briDgen und einen Unschaldigen 
ins Verderben bringen zu konnen). Die Analogic des griech. (Plat, 
de leg. XII, p. 202 St. Aristoph. Nub, 497 ff.) u. nordisehen Rechts 
beroerkt Grimm* von d. Poesie im Redit, in Zeitschrift f. gesch. 
Rwis. II, »S. 91 f. ui. irieUng de furto — concepto. Marp. 1719 
(noch brauchbar). > 

*♦) Imhojg' de furlis S. 59 f. nimmt wirkliche Sclaverei an, 
welche bis auf lex Poroia gedauert habe. S^ 67 f. 



/ " 



— 347 — 

Uebers. S. 215—218, welches sowohl in diesem^als aach 
in' dem andern Fajl vorkommen mochfe, wenn der dem 
Bestohlnen zugesprochene Dieb seine Freiheit wieder zu 
haben wanscbte. Ferner bestimmten die XII Taf^lii 
noch eine actio furti coiicepti auf eine dreifache Zah- 
lang des Werths^gegen den, bei welchem sich die Sache 
lindet, obgleich er sie nicht selbst gestoblen hatte (Gai, 
III, 186. 191. Dirksens Uebers. S. 582 — 584) u. actio f. 
ohlati gegen den, welcher die gestohlene Sach,e einem 
Andern zusteckte, damit dieser, wenn jene bei ihm ge- 
fanden wurde, in die act. cone, verfallen ni^ge. GaL 

III, 187. 191. 

Bei weiterer Recbtsentwickelung warden jehe alten 
Yerordnungen nur zum Theil beibehalten und durch 
andre gemildert und ^rganzt. So setzte der Prator an 
die Stelle der alten strengen actio furti auf korperliches 
Zusprechen des Diebs eine Ponalklage, welche bei dem 
fur. manif sich auf das Vierfache erstreckte, bei dem 
necm. wie auch sonst, auf das Doppelte gTng. Gai. Ill, 
189/ IV, 111. Gell. XI, 18. Anspielungen darauf s. Plant. 
Pers. I, 2, 10 tl*. Diese Klage konnten auch Personen 
anstellen, welche nicht Eigenthiimer waren, sondern 
dcnen nur daran liegen Inusste, rem salvam esse z. £• 
der Pfandglaubiger. Gai. Ill, 203— 2Q6. Weit milder war 
condictiofurtiva, welche auf einfaches Zuriickzahlen oder 
Ersetzen.des Gestohlnen ging, ohne weitere Strafe zu ver- 
langen. Nur der bisher Besitzerkonnte sie anstellen (auch 
gegen dieErben des Diebs). Ausser actio furti cone. u. obL 
wurde noch eine Pratorische a. f prohibiti eingefuhrt 
gegen den, welcher die Haussuchung verweigerte und 
auf vierfachen Ersatz ging. Gai. Ill, 188. 192. Di6 Ver- 
urtheilung in solchen Klagen zog Infamie nach sich. Gai. 

IV, 182, mit Ausnahme der condictiof. 

2) Injuria*) (Gai. Ill, 220 — 225) 

bezeicjinet im weiteren Sinne jede widerrechtliche gegen 
eine Person veriibte Handloqg (Unbill — Unbilligkeit), so 
dass jedes Delikt eine injuria in d. S. in sich fasst, in 



*) Jleinecc. synt. ed. H. p. 643— 653. F. Jf alter fiber Ehre 
und Injiirie nach Rom. Recht in Kleinschrod, Mittermaier n. Koho« 
packg H. Archiv: fiir Crim. Ke6hU IV, S. 108 — 140* 241 — 308. 
Surchardis Grundziige S. 274—285. 



— ^ 348 — 

e. S. aber eiae Widerrecbtliehk^it, welehe in penSnUeieir 
Beleidigtmg nnd Ehrtnkrankung besteht *). Die existi- 

' matio einer Person wird verletst (wena der Siaat oder 
eine dtfentliche Person so angegrifien Mrird, w^ geht diet 
Vertetaang nicbt anf existimaiio, soadern anf mutef la#. 
Quint. Inst. V, 10 iniuriamfedsii^ sed quia magistratut\ 
maieiiattM actio eii Tac. Ann. XIV, 48. 49) and zwar 
geschieht dieses nicht bios durch Verletznng der eignen 
Person, sondern aucb der Frau in roanu, des Kindea 
nnd der Sclaven (insofern diese aucb in potestate, nichi 
bios in domiiiinm sind^, dorch deren Bpscbimpfung der 
Herr und Vater zugleicb mit angegriffen wird. Gai. Ill, 
221. 222. Diese personlichen Verletzungen mochten sich 
in folgende Falle zusaninienfassen lassen: 1) Verletznng 
der Person in Beziehung aaf deren pbysischen (z. £. 
stup'ram) und geistigen Zustand, Cic. de in v. H, 20 
agit ii cui manu$ praecisa €Mt, iniur. Verr. II, 27 $i 
quis eum puhavitj sete' indicium iniftriarum non daiu- 
rum ( Verr^ wolhe > keine Iniurienklage >dem Her. gestat- 
ten), 2) Verletzung der schuldigen Treue, z. E. durcb 
^en ungetreuen Depositarius , Verrathen anvertranter 
Dinge, Cic. Phil. It, 4, p. Rose. C. 6., 3) Verletzung 
in Beziehung auf persdnliche Freiheit,^ ius honoruin, 
status libertatis a. a., 4) Verletzung des Rechts auf 
Ehre dureh niiiodliches oder schriftliches Schimpfen, 
ehrenriihriges Verlaumden u. s. w. ad Her. i, 14. II, 13., 
5) Verletzung in dem Verhaltniss der Person zu den 
8acben,. z. E. Storung in der Wohnung (Ci«. p. dom. 

^41 f.), im Besitz, iin Gebrauch der res communes (Cic. 
de off. 1, 7. 28) u. s. w. Gai. Ill, 220 (doch wird hier durch- 
ans nicht auf den eriitlenen Verniogensschaden Riick- 
sicbt genommen, sondern allein die niit solchen Unbil* 
den verbundene Ehrenkrankuna). Der auf solche Weise 
Verletzte kann gegen den Uebehhater eine actio iniu- 
riarum anstelien, wenn er nicht vorzieht (und dieses 
war das Bequemere ) , sich einer anderen fur den Fall . 

/ speziell erlaubfen Klage zu bedienen. Sebr kiar spricht 
sich hieriiber Cic. p. Caec. 12 aus, wo er auf den etw'a 
zn machenden Einwurf, dass man sich bei Besitzessto- 
rungen der d. iniur. bedienen solle., erwiedert a. enim 
iuiuriarnm non ins possessionig astequitur^ sed dolor em 
imminutae libertatis iudicio poeuaque mitigat. 



I 



^ 



*) Haue$ onlpa S. 56 — 64. 



I ' 



— 349 ,— 

Die altestea Rdin. JBeitiiirimttg^n in d«n XU Tafelm 
waroD sehr eiafaeh: 1) bei Realmjurien gait das Beebt 
der Wiedervergehung, si membrum • rupU ^ ni cum eo 
pacitj itxUo esto {talio s. v. a. par viudicia b. Fesi* timu 
litudo vindicta$ b. Isidor. V, 27) Fest. v. taliQ. G0IL XX, 

I. XV[, 10. Gai. Ill, 223. Cato orig.fr. b. Prise, p. 710. 
Dirksens Uebers. S. 516 — 511. Gewiss war das Unter- 
handeln und Abkaufieir der talio das Geivohnlicbe, doch 
wisseti wir nicht, 6b jenes privadm oder Yor ein^jn iu- 
dex geschah. Dieses aber gait nicht in alien Fallen, 
denn Gai. a. a. 0« (aach Gell.) sagte: propter os vera 
frdcium aut collisum treceniorum asiium poena erat^ 
nelut si Hbero os fractum erai;- at si servo ^ centum et 
quinquaginta. Pirksens Uebers. S.'521 -— r525. PauLY, 
4, 6. 2) gegen die Pasquillanten aber war cjne scbwere 
Criminalstrafe festgesetst, wie Cic.de rep. IV, 10 nnd 
Augustin. de.ctv. dei II ^ 9 aafbewahrt haben: nostrae 
contra XII tabulae cum perpaucas res capite sanxissent^ 

, in his hanc quoque sanciendam putaverunt: ft quis oc^ 
centavisset ^) (otfentlicbe Scbm&hnng) sivt carmen cqn^ 
didissetj quod infamiam facer et flagitiumve alteri (jede 
andere ehrenruhrige Schinahung, namentlich in Spott* 
gedichten , welcfae auch Cio. Tusc. IV, 2 und Hor. Sat. 

II, 1 , 80 if. als von den XII Taf. verboten bezeicbnen ; 
mala carmtna nennt sie Hor., Panl. V, 4, 6famosa c.) 
etc. Dirksens Uebers. S. 507 — 516**)* Die Strafe war 
das' ztt Tode Geisflieln, wie Porpb. zn Hor. Epist. II, 1, 
152 if. und Cornut. zu f^efs. Sat. I, 137 angeben. 3) AUe 
anderen nicbt besonders fi^efiannten Ininri^n wurden mit 
26 Ass bestraft. Gell. XX, 1. Gai- 111, 223. Fest. t. vi- 
gintiquinque poen^e. .Dirkseas Uebersk S« 525 — 529.- 

Ini Verlauf der Zelt erlitten diese Bestinimungen 

,als unztfreichend dorch die Pratorent manche Verande* 

Fungen; so trat an die Stelle der itAio nnd der Geld- 



*) Dafdr gait spater der Ansdmck convicium (aiis convocium^ 
welches nrspriii^glich nur lautes Geschrei hiess nnd erst ^pat die 
BedeutUng des offentliplieii Sohmahens annahm) Fest. y. occentare 
nnd occenicutint aniiqiu dicebant^ guos nunc oonuicium fecerini dicimus ; 
quod id dare et cum quodam canore fit , ut procul exaudiri possii etc, 
S. F6rceU. Lex. nnd WdUer iibex Ehre und iDJurie 6. 298 ff. 

**) A* C. Siockmam de famosis libellif* lips* 1799* 



— t 350 — 

gtrafen eioe 'mH6 inimtiarum aeiiimaioriaj Termoge 
weicher der KIdger eine Somme erhielt, auf welche die 
erliuene BeleUigang geschatzt warde; denn bei dent 
geringen Geldsitrafea , welcbe bar far die Armnth der 
fruheren Zeit pagste, mochte sich mancher Muthwillige 
nicht in Acht genommea baben, wov4>a Gell. XX, 1 
ein ergotzlicbes Beigpiel erzabit Gai. Ill, 224* Auch 
ivardea .za den in den Xlf X^if^ln aafgefnhrten Fallen 
der iniaria und za der Prator. Klage nocb mancbe an-* 
dere oben erwSLhnte Falle hinzqgefugt; nnd die lex Cor* 
nelia de iniuriis *) (673 d. St.) erlaubte anch bei Kor- 
perverletzungen eine Criminalklage anzustellen', Termoge 
welcber Vemrtbeilung ad metalla, ins Exil n. s. w. er- 
folgte. Panl. Y, 4, 8. Tac. Ann. XIV, 50. Jedoch stand 
es dem Verletzten eben so gat frei , privat za klagen und 
aach diese Sallanische Yerfugung erlitt durch spatere 
Senatsconsaite mancbe Modifikation. Endlich ist nocb 
au bemerken, dass die ia Injurienprozessen Verartheil- 
» ten mit Infamie belegt warden (Cic. Verr. II, 8 homo 
deterrimus — condemnatus iniuriarum und dass die Klage 
(fX& Ponalklage) nicht auf die Erben iibergeben konnte* 

3) Damnum iniurih datum (Gai. Ill, 211 — 219). 

Widerrechtliche Yerlelzung der einer andern Person 
angehorenden korperlichen Sachen war schon in den 
]&II Tafeln verpont, wie wir aus Fest. v. rupitia und 
rupitias, welche Worte er durch dahmum erklart und 
den XII Tafeln zuscbreibt , u. v. garcito (d. h. damnum 
praestato) schliessen durfei^. Dirksens Uebers. S. 529 — 
53*2. Diese uns ubrigejns. nicht bekannten Bestimmun-* 
gen wurden durch die lea: Aquilia (vielleicht 468 oder 
572 d« St. gegeben) '^*) anfgehoben, welche ^us folgenden 
drei Capiteln bestand: 1) Todtung oder Verletzung eines 
Sclaven oder Yierfiissigen Hausthieres, welche iniuria 
d. h. dolo aut culpa (Gai. Ill, 211) geschehen ist, giebt 



*) SchilUnga Bemerk. S. 287—291. 

**) Heinecc. synt. ed. H. p. 634—642. Lbhrs Theorie der 
Culpa S. 81—132. jras$e$ Culpa S. 21 — 95. Elvers de culpa 
S. 118—165. Kriiz^$ Culpa S. 50 — 66. CKoUgraf de lege Aqui- 
lia. Marburg 1820. S. anch Cramer za Cic* p. TolL p. 67. Biier- 
' und Uuichke zu Cic p.;.TiiIL $• 11. 



V 



jem Herrn des verletizten Gegenstands Klage anf Stohaden-> 
ersatz un4 zwai: ^ach der.WerthberechnHng des letzten 
Jahrs yon der Zei^ der Vevletzung an zuruck gerechnet 
(quanU in €0- tmno piurimi ea res fuerit)^ Gai. 111,210 
— 214. Diese HJage ex leg. Aq. stelhen Roscius |ind 
Fannin s gegen den an, welcher einen ihnen beiden ge- 
meinschaftKchen ^claven getodtet hatte, Cic. p. R6sc. 
G..11. iuditi.6 damni ifiiuHa constitiita etc* An,dre Er- 
Wafaimngen der lex Aquiiia . s^ Cic. Brut. 34. p. TulL 8. 
42. Etwas abwfeichend ist das vielbesprpchene 2. Cap., 
dass wenn der adstipulator doloser Wc;ise eine Schuld 
eriasse, dem Glaubiger, dessen Aidstipnlator er war, eine 
Klage aiif Schadenersatz znstehen soUe. Gai III, 215 f. 
3) Jede andere korperliche Verletzung an Thieren u. a. 
einer fremdeli Persoh eigenthiimlichen Sachen verpflichtet 
den Verletzenden zum Schadenersatz nach der Werth- 
berechnung des letzten Monats. Gai. Ill, 217 if. {si quid 
usium aut ruptnm mit fraclum fuerit. Gai, et«.)*). Die 
aus alien drei Gapiteln entspi;ingenden Klagen gehen 
auf dolus des Yerletzers, 1 und 3 auch auf culpa, was ■ 
bei dem 2. nicht der Fall ist. Gai. Ill, 211. AUmalig 
erweiterten sich die Bestimmungen dieser lex auch auf 
die durch dolus und culpa bewirkfen Besohadigungen, 
welche nicht jkorperlich , sondern nur mittelbar zugefiigt 
worden, und dann entstebt ein actio legis Aquiliae uti^ 
lis; Gai. DI, 219 (z. E. wenn einer einen fremdeti Scla- 
Ten oder Thier bei sich einsplerrt und Hungers sterben ' 
lasst u. «. w.)« Der ablaugntende Schuldige muss das 
Doppelte zur Strafe erlegen. Gai. IV, 171. 



*) Obgleich lex Aquiiia alle friiheren Bestimntuogen iiber 
dammim aafhob , so, erliielten sich denuocli eicige alte Vorschrif- 
ten in Bezug auf landwirihschaftliche Delikte^ wie sie in den XII 
Taff. gefasst waren. So musslen fiir jeden abgehauenen fremden 
Fruchtbaum 25 As erlegt werden (Plin. h. n. XVII, 1, Gai. IV, 
It; Dirksens Uebers. S. 557^ — 563.) und wer bei Nachtzeit frem- 
des Getraide abmahete, verfiel der Ceres und wnrde gehangt; der 
Unmiindige musste das Doppelte ersc^tzen und wnrde gepeitscbt* 
Plin. h. n. XVIII, 3. Dirksens Uebers. S. 545—551. Dahin ge- 
hort auch gewissermassen das Verbot, den fremden Balken mit 
seinem Hause zu verbinden (S. 135} und die actio de pasta so- 
wohl als gegen aciuaplnyi^ nocens. 



> • \ 



I . 



352 



4) S««« vi r 0/1/ a (GaL 111,209).*) 

Da in. den burgerlichen Kriegen rlioberische Eio- 

friffe in ireindes Eigenthoni mit ganzen Schaaren von 
claven a* a. gemieibeten Lctuten nicht selten waren, 
so snchte der Prator M. LucuUus (677 d» fit.) diesem 
Unwesen durcb eiae besonderg strenge Noxalklage za 
steoern actio bonorum m rapiorum^ mit dem Zusaiz ka^ 
minibui arm'ai49 coactiive oder que GaLIV,8.}, ^elcbe aof 
Riickerstattung dej: bescbadigien u. geraubten Sacben **) 
nebst einem dreifachen Schadenersatz ging (also in qua^ 
druplum Gai. Cic. p. Tall. 7. 41). Fruber hatte in ^ sol- 
ch^n Fallen actio farti oder danni iniuria (nach lex 
Aquilia) oder^ das Interdiktenverfahren angewandt wer- 
den inussen, ivelche dem Verletzten nicbt die Yortheile 
darboten, wie die neue actio bon. vi rapt., fiber welche ' 
Qns Cic. p» Tull. die beste Aosknnft giebt, indem sie. 
Tullius gegen Fabias anstellt, ^elcber die Schiven dea 
Tullius auf dessen Grundstiick ermordet, so wie ancb 
den U&asern Schaden zugefiigt hattiB. 21. 22. Das Wort 
iniuria, welches in der lex Aquilia stand, batte der Bi*a- ' 
tor weggelassen , um dem Uebelthater alle Mittel zu neh-^ 
men , sick durcb das Vorgeben zu scbiitzen , als babe er 



*) Die Ansdritcke bei Cic. sind sehr yerschieden : armaiis co^ 
aciisve p. Caec. 31. p. Tull. 9. 39. iind anigekehrt coacth armatisve 
p. Tull. 12. p. Caec. . 21. 32. •— in convocandis hontitiThus et armandis 
findet sich p. Caeo. 1. und convocati liomines ei armati 12. vi homini-' 
hus armaiis ad diy. VH , 13. p. Caec. 8. und de vi coaciia armatis" 
que p. Caec* 9. 

**) Cramer ad Cic. p. Toll. p. 66 ff. behauptet, da«s nrsprfing- 
licb 2 Edikte fiir Entzlehung (rapina) und Beschadigung {damnum) 
existirt batten , welche erst spat znsammengeschmoli&en wareb, 
doch Savigny {nher Cic. p. Tull. in' s.'Zeitschrift V, S. 125—130) 
beweist die' Einbeit des Edikts unwiderleglich , und wenn Cic. p. 
Tull. 7* nur damnum nennt, so kommt dieses daher,.das8 in jenem 
Fallkein Raub veriibt worden war — In der Kaiserzeit aber 
warde . das Edikt sehr yerandert , denn der Zusatz armaii blieb 
weg und coacii behielt seinen Platz nnr noch beispielsweise , auch 
trat damnum immer melir zurdck und Raub, d. h. gewaltsamer 
Diebstahl, war die Hauptsache geworden. S« Cramer n. Sayigny. 



\. 



- 353 -- 

den Ueberfall inre ansgeiibt , denn eine solehe ^entliche 
Gewaltthat sey nie iure zu denken. 12. 38. 39. 42. 43. 
Auch war jeder falschen Auslegung des Edikts durch 
den Zusatz dolo malo familie^e (p. TuU. 7. 27 — 36) 
yorgebeugt worden. Ueber den Ursprung dieser Klage 
wlihrend der Bur&;erkriege etpricht sich Cic. p. Tull. 
8 — 12 auf das deutlichste aus und ebenso iiber den 
Begriff der t;i> 42 aedificiorum expugnationet ^ agri 
vastattones y hominum trucidationes, incendtaj rapinai^ 
sanguinem etc. s. Huschkes Anm.iu. exc. 1. in Anal. Ut. 
S. 183 — 208 (auch gegen Beier$ Anm). 



Andere Bechtsverletzungen. 

Yon diesen sind hier folgende HanptffiUe zu en^vUhaen: 

i) de dolo actio Klage a«f Schadenersatz gegen 
die Person, welche einen nachtheiligen Irrthum in einem 
Anderen absichtlich erzeugt hatte^ uih dadarch fiir sick 
oder eine dritte Person Vortheil za erzielen. , . . / 

2) quodmeius cautaactio (restitut.) Klage auf Ersatz toii 
Seiten dessen , ivelcber dur^h Drohungen zu irgend eiiier; 
ihm nachtheiligen Handlung gezwiuigen worc^n war.,, 

3) Possesorische Interdikte^ welche den Besitze^. 
als solchen in seinem Besitz sicherten, er.mochte in 
demselben gestort oder desselben ganzlicb berauht wi>r«> 
den seyn. Ueber diese iuterd* recuperandae und re/V- 
nendae po99e99ionii s. Actionenr. ^ 



I . 



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Zehnte9 CapiteU 
III. Obligationes ex variis causarum figinris. ^ 

Unter dieser Benennnng werden solehe ObligHtiotiini 
Verstanden , welche wedei* auf einem wirklichen Yer- 
trag, noch auf einem wahren Delikt beruhen, sich 
aber theils an diese , theils an jeae Entdtehunfi[sweise 
n^her anscfaliessen und daher aueb ghnlicbci WirKQDfi^en 
haben, gerade als wenn ein Yertrag oder ein Verr 
brechen Torausgegangen wiire. ' 

23 . 



— 354 — 

/ 

A. OUigmii^nes quan ex e^ntradm *)• 

Unter diesen Obligationen , iwelebe denen aus Yer«; 
trigen entepriogenden am nSchsten stehen) siad folgepde 
zu aeonen* 

1) Mebre condictioues (Klagen auf Zuruckgabe^,'*'*) 
i^.Qh cfiu$dm datorum oder cau$a (s. v. a. re) data cautu 
nou 9€cuiaj AV«nn der Geber iiber das Gegebene Rene 
ejnpfindet, b) fine cama, wenn der Eine die Obligation 
geiner Setts erfullt ' hatte , der Aodere abc^r nic^t die 
Gegenleistung erfuUte; Gai. Ill, 91. Unter die^eo ist 
die condictio ihdehiti am Wichtigsten, wenn man in Hem 
Wabn, dem Andern etwas schuldig zu seyn, diese 
Nicht9chu]ld irrig auagezafak hatte. c) ob iurpem vel in- 
iustam camam^ wenn man aus einer schimpflicheii Ur- 
sacbe Etivas gegeben batte. 

2) Obligationen in Bezng aqf eine Gemeioscbaft 
(eommuhfo)^ welche sicd durcb Zufall aiif mannichfache 
Weise bildet und dem Einzelnen immer das Kecht 
Terleiht , Tbeilung des Geraeinsamen >zu verlangen : 
^familiae erciscuudae actio Klage des Miterben, welcber 
Tbeilung der trbschaft fordert. S. S. 149 f. 2) communi 
dimdunao a, Klage des Miteigenthumers, welcher Auf- 
bebung der Gemeii\scbaft verlangt, s. ob. tJneigentfieh aiicb 
$) finium regundorum a. Klage des Feldnachbarn aaf 
fichlichtang der^rcqzvferwirrung (dejinibus controversia 
Cic: Top. 10^ , wobei inrgare^ oicht litigare gebriiuchlich 
war>, in welchem f all den Xn Tafeln zufolge 3 ArbHtri 
untersachten, und dann durcb die Tbeilung feinem Jedeh 
sein Eigentbum zuspracben s. S. 149 vf. Diricsens Uebers. 
8.475 — 481. SpSiter, wabrscbeinlicb seit lex Mamilia 
untersacbt^ nar ein arbiter* Cic. de leg. I, 21. Brut. 34. 

3) Aucb auf negotiorum ^estio d. b. Besorgung von 
Gescbftften, wozn de^^ ivr wekhen besorgt wnrde, keinen 
Anftrag gegeben batte, z. E. des Vormunds (s. S. 245 ff.) 
ffrjtB^t si^ eine Obfigalion und Klage Pnul. J, 4. 
Cic. p. Caec. 6. voluntariui amicus Brut. 5. vol. pro- 



^ ShMiK^^t Bem. a !3t35 if. 

***) Yon diAsen melstens wohl der spatetn 2^it anheioifalleii^ 
den Beitlmmv^gen » handelt Tfdbayii m yers. ub. Theorie d. R« II,' 
8. 132— 151, 






\ 



-— 355 — 

4) Aciia ad exhihendumKlage anf AasUnf^niog 
Ton Sachen, weilc^eein Andrer zuruckgebalten odor 

^wenigatens raLnmlich gebindert liaUe» 

5) Alimewien^hligation d* b., die Fordeniiig dar 
Kinder gegen den Vater und der Fran gegeit den Maiui 
Q. 8. vf.y ihnen die ndtbigen Mittel zum Lebensanl^rbdit 
(Kleidang, Wobnnng ete.)^zu reiehen. 

6) Obligation mu9 lex Rhodia de iudu ( merdum 
Panl. 11^ 7. Von vielen recfatlii^en Bestimnrangen ttber 
die VerhSiltnfase der Seefahrer^ welche von &r Inaal 
Rbodas ausgegangen und znm Theil in Rom recipiri 
worden ivaren , hat sich die gt^nannte ferbaken ^ daai 
wenn bei grosser Gefabr Waaren ana dem Scbitte gB«- 
worfen werden miissen^ niohl der Ei^^tfaomer dieser 
Waaren den Scbaden allein trage, sonderxi daws der 
Sehaden berecbnet und von Allen denati oetragen werdm 
solle, welche Waaren anf dem Schiffe batten, (w6 
actio locati gegen den Schiffer tk* a« cdnducti gegen den 
Bigentbumer des geretteten Gutg von dem Scbiffor an* 
gewendet werden' vkann)* 

B) Obligation's quasi €X delicto*)* 

1) Obligatio iuditis litem suam faeientii, A* b/dev 
Richter darf wegen eines parteiiscben utid nnger^chten 
Urtbeils, andi wenn er nur seine Funktion dberschreitet) 
(litem suam Jac. den Streit «a .dem seinigen machen; 
ihn dnrch falsche Entscheidang ge^en siefa selbst. wen- 
den Cic. de. or. 11% 75) bei dem hobern Jlicbter belangt 
werden und muss sowobl Scbadenersatz leisten all 
Sffentlicbe Strafe bussen. Gai. IV, 52. C. Titiua Rede 
bei Maerob. Sat II, 12. Aebnlich ist die (eb'emals aucb 
"pmBtB) B^etundenklagej s. Klenze prolog, ad leg. ServiL 

2) Obligationen aus- dem Sehaden^ welcien eine 
/remde Saeke verursacbt, entspring^id: 

1) Damnuminfectumh* derSchaden, wek^ber dnrch den 
drohenden Eibsturz beiiachbarter Baulicfakeiten z. £. Mauer, 
Hauses etc. entstehen kann, in welcbe» Fail der Eigen^ 
thiimerdesbedrohten Grundstucks von denlNadibar eautio 
damni ifrfecU {nttisdari im Edickt promHttre- Cic 
Top. 4.) verlangen kann. Erfolgte die Cautionsleistiuig 
nicnt, BO liess slcfa der KU^er vom Pratpr die Erlanbnias 
ertbeilen, die scbadbafle Sache in Besitz zn nefamen 



•***. 



• I »,^ 



.*) ^chmng* Bern. S. 24» — 255. 

23* 



— 356 — 

(til fOMieisiontm ire) mit dem Rechte der cuitod4a ztir 
BewabruDff, das beiist mit dem Recht, -den S<;h^den 
Yon sich abzawendea, and wenn aach< daaa die Caadodf 
noch nt€ht erfolgte, so erbielt erjpratoriscbes Eigenthum 
an jener Sache (poaidere). Wean der Eigentburoer 
^dieaes nicht zugab, so gab der Pritor eine Klage danuii 
infecti gerade als wean Cautionsleistung erfolgt wire. 
Von^diesem Itomiscben Verfabren anterschied sicfa das 
proviazielle d^r lex Rubria 20 zafolge insofern, als la 
den Provinzen keine missio, sondern augenblicklich 
indicinm de damno infecto gegeben wnrde*) and dass 
in Rom der Prator allein misno nnd jndicinm geben 
konnte , wShrend die Mnnidpalmagistr^te der Provinzen 
\17egen der grossen Entfernung von Rom Alles vornehmei^ 
konnten. jDamnum infectum wird von Cic. Vern I, 56 
in der lex operi faciundo erwabnt, so wie anch Top. 
4, wo der Nachbar fiir den dnrcfa die an der^eraeinsamen 
Wand yorzunehmende Banverftnderung zu befiirchtenden 
^baden za haften verspricbt* Dieser, sagt Cic. non 
debebit praestare, quod fornix (das Gewolbe) vitii 
fecerii. Non enim eiut parietis vitio^ qui demoliius 
etty damnum Jacium esi^ Fed efk$ operii hiiiOy quod 
Ha dedificatum est, ut sutpendi non posset* 

2) Noa^a des Sclaven, von welcher Verantwortlicbkeit 
der Herr sich durch Noxae datio befreien konnte. S. 297. 

3) De pauperie nnd de pastu actio. Nicht weniger 
mass der Eigenthiimer fiir den Schaden haften, welcben 
aein Thier einer andern Person vernrsacbt bat d. li* 
nar fiir den Schaden contra Aaturam "^^ ) j so 



*) P, E. Hunchke de acti^niim formnlis/ cpiae in lege RnJbicift 
ezstant « YratislaY. 1832* p. 9. sncht den Grand des in dieser 
Beziehnng' obwaltenden Untenchieds, zwisoken sfadtischen and 
J^royincialedikt nicht bios in der allgemeinen Verschiedenheit des 
Edikts des Praet orb.' n. peregr.^ sondern darin, dass fiach'dem 
fUtesten Romischen Recht die schadende Sache dem Yerletzteii 
znr Entschadigang iabergeben worde (noxae datio), was yennittelst 
einer legis actio geschah-, welches in den Proyinzen freilich nicht 
moglich war* Daher konnte der Prator peregr. keine missio die 
jener noxae datio analog war, anordnen sondern mnsste sogkidli 
ein indicinm anfstellen, um die Sache za entscheiden. 

**) Nach HuAauU Versnchen iiber Theorie d. A. II, S« 
185 "^ 200. ware damn, c nat» der angewohnliche 9 z« E. dnrch 
Beissen and Aosschlagen yerorsachte Schadea Ztmmcnis Syst* de. 



— 357 — 

a 

dosift' esr ibni fr«i stand , d&i; THier entlreder noxae dare 
^oJer eine aestimatoriscfae I^lage Bifaabieten, wie schon 
die XII Tafeln TerordneleD. Dirkiens Uebers^ Si 
532 -^ 539. Wegen de« der Landwirthschaft im Rom. 
Recht verliehenen Schulzes bestand noch eine besondere 
Klage de pastu d. h, yirenn eln Tbier auf ein fremdes 
Gmndstiick getrieben ^wurde*), wo der Hen' desselben 
Torn Eigentbiimer dea Yiefas das ThieV selbst |oder 
Entschadignng fordern konnte. 

4) Klage gegen ama pluma nocem f actio aquae 
p. areendae 8. 186). Der durch das vom Grandstuck 
des Nachbars herabfliessende Regenwasser benach^ 
tbeiligte oder noch zu benachtheiligende Eigenthumer 

, kann einen arbiter zur Besichtigung fordern , wel'cher, 
wenn der Nachbar das Wasser aas irgend einem Grund 
kunstlich leitet und dadarcb dem Andern schadet oder 
schaden wird , jenen anhalt Massregeln zu treffen, 
(co^rcere) d. h. das Wasser so in Scfaranken zu baltea 
und so zu leiten, dass es keinen Schaden thue. Wenn 
das Wasser dnrcb seineii natiirlichen Lauf und Fall 
scfaadiet^' dann freilich kann der Benacbtheiligte ntcht 
rerlangea, dass der Naohbar durch Dlimmeoider sonsi 
deitt Schaden v.orbeuge. Cic. Top. 9. genu9 eft aqua 
j^uvia nocem; eiu$ generie formae loci vitio et mauU 
nocemsy quarum aiterum (welches durch kunstlicha 
'Anlligen.sohadet) iuhetur ab arbiiro coerceriy aiterum 

* (das natilrlicbe) non iubetur s. auch Top. 10. Ob diese 
B^tinimung schon in den XII Tafeln stand , ist wenig* 
■tenanichtzubeweisen. Dirksens Uebers. S. 486 -—490^.- — 
Wenn eine Wasserleitung fiber dfientlichenBoden gefiihrt 
wird und einem Privateigenthumer Schaden bringt oder 
bringen wird, so hat dieser gegen den Leitenden eine 
Klage auf Kautioasleistung. JDirksens a. a« O, 



Rom. Noxalklagen 8. 79 — 117 erklart dagegen damnum contra 
nai, datum for den durch aoiseren Antrieb und Reiz Teranlassten, 
wahrend d, aecund, naU ana der natnrlicheii Thierheit (Instinkt) 
entapringt, 80 dasa ea aich nut darnm handle , ^as bei den ein* 
zelnen Thierarten aeo. u« contra nat. aey. 

*) So Zimme^n 8.103 — 117 gegen die fnihere Ansichty dass 
dieae Kla^ anch -gegen den gehe, desiseu Vieh ana eignem Instinkt 
fremdes Land abgeweidet habe. SchuUing ad PauL I, 15, 1. 
Heinecc. synt ed H. 8. 70^ ff*' 



^ 358 — 

S) Naeh dem Prftlorischen Edikt vfmnn diejenigen, 
ana derea Haas etwaa aof die Vorubergehenden gew<»fen 
oder geschiittet worden iivar, zu eioem doppelien Scha- 
denersaiv vex f&icht»t^( defectum vel ^uium) Ulp« 23 
ad £d 1. 1 tt. 5 D« de his qui effud. (IX , 3). 

i4) Die Wirtbe, Schiffer a. s. w. waren xor yoU- 
ptandigen Hefausgabe der ibnea anTeflcaoteo, Beisenden 
angebdrigeo Gbgeostaade verpfliclitel and die Pratorische 
Klage (de recepto actio) gegea sie war am so slreeger, 
weil der Ruf jeaer C3aase v^ii Leutea schlecht ivar. 
Hor, Sat« I, &, 3. Ulp* 14 ad Ed. 1. 1 D. naatae^ 
caupones etc. (IV> 9.) 



Etft€$ Capitel 
Auflosung der Obligationen ' 

iflt huf verschledeiie Weise mOglieh : 

1) Dur<^ etn9€4tige Sandhtng deiScbaldners, iAdem 
er seine Verbindliehkeit erftllt (ikuUa) Gai. 11^ S&. HI, 
168. B. Bri9$oniu$ de solut* et libevat. L Isl er mehtias 
Stand, den eigentlichen Gegeastand der Schold n leielem 
wid er giebt dafUr mit Bewilljgiiiiff des GItobigers etwaa 
anderes (aeMmmiio Cia Verr« UI, 8i, 89 ff, 9. Les^) wtk 
ist auch sblutio erfolgt, (Cie. ad div. XIII, 56), dodi 
nnbestimmt ob ^90 iwre (nach altem Jtecht) oder cjM 

LexcepHomf (so dass der SchoMner gegen eine etwaigist 
^ sp^tere Forderung des Glaubtgers eine Exception hat -^ 
pratorisches Erloscben) Gai. Wenn der Schnldner Sm 
Zablung seiner Sehuld dem Gl&abiger angebbten undi 
dleser sie nicht aBgenommen hat oder nioht anaehniea 
konnte, so wird jener dadurch von aller Verbindlicbkeit 
frei (ipso iure und ope except.), dass er seine Scfauld 
mit Erlaubniss des Richters in einem Tesipel (sp&ter 
yor Gericht) d^poairt, voo wo sie der Glllabiger abholen 
kaan. Cie. ad Att< V, 21. ad £v. V. 2(iu XIU, 56 
(nntiirlich brauehen dann keine Interessen inebr gegebeo 
zu^werden). 

2) DttTch gemeitumme^t Uandebi^^ des Giaubigers und 
Schvddners, indem sie . 

A) einen auft&senden Vertrag absehliessen, weloher die 
fruhere Obligation per exceptionem aufiiebt. Die Form 



— 969 — 

dieses Vertrags entspiicbt meisteiiB der iei Eliigehmige- 
(Vertraes nenalich ■ - 

a) ^nexi libert^i9, per ira^ 9t litrnmn ^rck feier- 
lidtes . symbeliscbee Zunrfigen def MhoMtgen Samme^ 
iii deoi* Eall, dass die Sebald aaf eiiter solche Weise 
i^atitandaii (nexum) oddr Vi^ttn der Scfauldtier* eia 
vennrriieiker Gelds^uldaer war. (Li v. V), 14 lihraque 
^et ae^e liberuium emit tit, QeA. Ili^ 173**^ 175)*) odet 
^wenii die Sckiild ohne Zaftfcmg erlaesen worden war, i 
endliefa weno der Legatav dien Evbea voli eifteni aasw : 
isueablenden Legate befrefte Cic. de leg* li^: 20 f. ' ' \ 

h) aceeptHatto teietliche EriaeHting einer durch 
Stipulaiiefn entetandaen Schnld , fndem^anf die Frage 
des ^bm\dner»yersn0 uccepium 1 der GISlnbiger aitlwor- 
tete acceptum fero. Aaek ist damnter die Tilgnng einer 
Literalobiigatfoti darcb Eiatrageti* der Samme in das 
Haaebttch atrf die Seife' des Einpfaageahabens za ver- 
atehen. Ulese Farm konnte daaii auch bei der Theilang 
alle'r Ob)igi^tk>nen angewrindt werden, sobaM sie itar 
Torhe^i ia eine Verbalobligalion uingewandelt Warden 
war«i. Gaiw III, iW ff. Eia Fermalar, wodnrch eine 
Oblr aU in eine Yerbalobl, amgewaiideh and darch 
aocepeitatin aafgeboben erkllirt warde, hiess A^uilianm 
■giipvlatio (Generalqnictong) , S. S. 31 9v 

e) Con«ensualeontrakte Wtird^n darch di$ienm» (con- 
trariua conseneus) aafgeboben and alle Obligationen 
iiberhanpt Amch pacta de nen peienda. 

B) darch novuiio d. h. Aaflosung der bisher be- 
standnen Obligation and Umwandlung derselben in eine 
neae, indent ein Wech^el des Gl&ubigers oder Schuld- 
ners sfattiindet , oder'sonst etwas Neues hinzntritt. Gai. 
Ill, 176 -^ 179. II, 38 f. S. 298. Damit ist die Aafhebnng 
einer Obligation darch litis contestatio (s. Ajctionenrecfat) 
za verbinden , mit welcher jede Klage aas der alten 
Obligation eriischt and eine neae Verpnichtnng entsteht. 
Gai. Ill, 180 £ 

3) Durch au$9ere JJmsiande. a) Darch Verjahntng. 
JJsucapio als Eigenthamserwerbang gab Klagen and 
gegen Angriffe Exceptionen, welche in der Formel in 
Form der Praescriptionen abgefasst warden. Insofern 
darch solche Prascr. die Klage des vorigen Eigenthiimers 
vernichtet warde, so schloss usac^ die Verjahrang der 

^ *) Husdhkea Studictn 5. 292 — 298. 



/ 



— 360 — 

Etflenlkonukla^ eo ipso ia iich, mit Aamdime der 
Erbscbafts - Tpeilaogs « und Grenzstreitigkeitsklageii, 
welche nichterlos^beo. Was die aus Oblig* enuprin- 
genden CivilUagen ia personam betrifft, so war keine 
eigentliohe VerjKbroag derselben vorbanden, sondern 
sie Hvareo perpetuae*) (Gai« IV^ 110), ebenso aoch 
einige Pr&torigcbe, wenn sie dem ias civ. nacbgeahmt 
waren (act udl., furti manif. u. boa. possess. Gai. 111.) 
Die andern prator. waren bios annuaej weil des Prftt« 
iiaperiani ubd Edikt nicbt Iftager daaevten. Das Erloschen 
derselben aach einem Jabre darf also nicbt mit der 
wabreti VerjUbrttog verwecbselt werden. Manche auf 
ein edict repent gestutsten Klagen (s* S. 70) batten 
Qur momentane Dauer. b) Durcb Todetfall erloscben 
alle Strafoblig., denn diese erben nicbt fort s. S. 298. 

c) Darcb Capitiideminutiou erldscben nicbt alle Obli- 
gationen, z. £. nicbt die aus Delikt entspringenden. 
Verliert einer dadorcb seia Vermogen, sokonnendieObli- 
gatiooen auf den Erwerber desselben iibergeben 8. 298. 

d) dnrcb cot^utio erloscben alleObL d .b. wenn Scbofdoer 
und Qlaabiger in einer Person zusammenfallen z« Et durcb 
Erbscbaft e) Erloscben durcb compensation d. b. wenn 
eine Scliuld durcb eine gleicbartige Gegenforderung des 
Schuldhers gegen den GUlubiger (sp&ter durcb Gegen? 
forderungen jeder Art) getilgt wird. Dieses fand im 
geinjeinen Leben sebr baufig bei den argenturii An- 
wendung Gai. IV, 61 — 68. S. Actionenr. . 



*) Erst darch Theodonus trat die 8. 148 erwab^ite aPgemeine 
KlagYerjahnuig ein. -^ Thibaui uber Besitz und Verjjahnmg 
Jena 1803. S. 67 ff. UnUrkolxner Yerjahr. I, 8. .46 — 49, II, 
Bach 6. RHnk»dU osac. S. 232 fL 



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Viertes Bu c.h* 



E r b r e ch t *). 



Der Eigenthumsbesitz ist in Rom an gewisse Be^ingungen 

geknnpft unci es konnen Verhaltnisse eintreten, welcfae 
einer Person rechtlich nicht gestatteU; lang*er Eigenthiimer 
zu seyn, z. E. cap. dem, max., Arrogation, in man. 
conv. und Concurs (bononim venditio), das Vermogea 
aber ging alsdann in andereHande iiber. Eine andereUn- 
f&higKeit, llingeir'EigenthSmi^r zu seyn, ist anf Natur- 
nothw^odigkeit gegruiidet und tritt am hanfigsten ein, 
nenilich 'Wenn der Herr stirbt, in welchem Fall dad 
Yerifiogea aucfa in andre Hande iibergeht , woruber das 
Rom. Recht inanche ganz eigenthumliche Bestimmnngea 



*) Heheeo* 8}mt. ed» Haab*. S. 4^2 ^ 532* J>. C. Z>* PauUem 
de aBtiqid popolomm ioris hereditarii nexn coin eomm statu ciyill 
Hann. 1820. 1824. II, ( eine fiberaichtliche Vergleichang des ErV- 
Teohte der.' rersohiedjieii alien Nationen, namentlidi der Romer 
lud 4^* German. Stamina. Das ganze Rdm» Erbrecht vnxd anf 
^Be patria pot. ^ii« anf das davans heryorgehende Familienband 
basirt) £. Gans d. Erbrecht in weltgesohichtl. Entwickelnng , II: 
das rom. Erbr. in s. Stellnng z. yor n^ nachrom. Berlin 182$ 
(das Ganze im Geist der Hegelschen Plulosophie gesohriebene Bnch 
stellt die patrioisch strenge Intestaterbfolge (1. Peiiode} dem Frindp 
des freien pleb. Test gegennber (2. Peiiodie) nnd bdde yer- 
sohmolzen im Notherlienrecht (3. Per. fjoaeneit)* ScUOUen SL 
276 — 377. 



362 



aafgestellt hat Vornemlicji gehdrt dahln das nrsprilng- 
lich geltende Princip der Vermogenseinheit, dam zufolge 
eine Vermogensmasse als juri8tische8.Ganze8 angesehen 
wurde and in seiner Gesammtheit anf den Erben ufaer- 

Sing Cper univergitaiem successioj. Wenn dieses nach 
en GrundsSitzen des strengen Civilrecfats geschah, so 
hiess die Erbschaft hereditai (Cic. Top.' 6. Boetfa. 

{>. 328 ff. ed. Or. aach iusta hereditas b. Varro n r. 
I, 10.) iiad der Erbe (Jiera verwandt mit hems) fofgte 
dem Verblichenen in .seinem vollen Eigentbumsrecht. 
War aber das Erbrecht auf das neuere, Pratorische 
Recht basirt, so hiess es honorum possessto und ist von 
deni civilreclTtlicheTi streng zu sondern. Das Princip 
der Universalsuoeession wurde soger* dann festgehalten, 
wenn mehre Erben waren, denn dann sollte Jeder Haqpt- 
erbe seyn , indem Jeder einen arithmedschen Theil 
oder eine Quote der ganzen- Erbschaftsmasse el'hielt* 
Daneben entwickelte sicb jedocfa anch die weit seiteaere 
Singularsuccenion^ welcbe in der Uebertragung voo 
einzeinen Rechten des Erblassers als Einzelheiten besteht 
und darcb specielle Yermacbtnisse einzelner Vermogens-; 
stiicke (legata) mpglich wurde *J, 

Eine andere eben so ake positive Rechtsbestimmung 

\Var, dass Jeder noch bei Lebzeiten iiber sein Yernogea 

im tall seines Todes Verfiigen diirfe d. h. durch Einsetzung 

eines oder laehrer Universalerben. Die XII Tafein sagen 

uti legai^it super pecuniam tutetumve suae m, iia 

ius estQ ) und fiigen hinzu, dass wenn eine letztwillig« 

Yetordnung nicht vorhanden sey, die dem Yerblichenen 

am nachstea stehenden erben soUten ( Jntestaterbfolge, 

I successio legitima d. h. die nach den lestehenden 

ReefatsFegeln anzuwendende ) : si intestate meriiur, cut 

I suus heres nee sit adgnatus proximus familiam kabet9 

' etc Dirksens Uebers. S. ^20 — 355» Es gak aber die 

alte Reehtsregel nemo pro parte testatus , r pr^ pmri9 

int$siattm decedere pt^esi 4* b. dje Jntestaterbfelge ist 

dnrbb die Ceslanientactscbe ansgescUossen and dem Tesia* 



*) J« C, SoMC' iiber universitaa Juris et rjenim u, vlter Uiii-^ 

tveraiEiU u* SittgjatosnjQoeMion dm- Arcb* f. civ. PrA3K« V»S» 1-^68. 

- **) Die Udadb^ek; dev Cicftron. Lesurt paierfiEmiUtu nM Ug^ 

etc«> liat Brh auf dai 6ifltein>fciteBd«te geseigt iili oit&I* Magtiz. IV, 

S. 462 - 484. 



— 163 - 

Ham AUds JMnheiiyi'^leiij niFUnir^fler ErUasser 

aach Bicht darober T'^rfi^fi bait; ao dasa c^e Art yon 

Zwang atait faiid> entwadar aber allaa za * dispimmni, 

^ oder.ubev niefaia ohd in diesem FaH trat voUatSiiidige 

jDlesiataaoaeaaioii ein"^). > ' . 



V 



I wiipi 



V Ei^ste Abtkeiiung. . 

\Mte QhilrechiJic^e JBrhfolge. 

H e r e d i t a 8. 
Er%ter TheiL 

Delation (Anerbieten tier Erbs\:haft). 



Erster Abschnitt. 
Testamentartsche j^rbfolge^.) 

. Erstei C a pit el. 



K. 



Subjekte des Testaments. 
-4. Person des Erllassers {testator Suet. Nen 17). 

^ ^ ' • 

Eiii Haupterforderniss ist, dasa der Testator ver* 
moge des commercium daa Keteht eiaes testameotariscbea 



*) Die IPrwscheii dieaea de !«▼» II » 21 in ^Igg* Worteo 
i|B«g9(irik$kt6i^ BQohUsatzes uniu^-'peciaiae .{s, t. a. hereditatis) 
■piwtt* difisimUhu$'^de eausU here4€» erne non po$sunt^ neo iinquam 
fadum eai^ ui.eiu^detmp0(mnhe alius iestamenio ^alius lege heres esset^ 
]»Aben di^ Ge^ellirteA %a erfor^pb^Ht ge9tLcl).t« s. ThihauU ciy. Abh.i 
S. 65 T^ 7& i JBv «elbat erkaiial .da]im, eloA faloa ppsitiye dnrch 
da9 Al^rthnxn: gelteiUg^ 2^iifSiW^eit imd Hauioja: reine Willkur« 
(^aso< «mid. ed, W^ntk 1^.6.: 31^5: f^. ]iu^:lit.Nachweke r. l/t^nqk 
praef. S. XXVII fiTO ^^ms Erbrepl^t. S> 4dl — ^ 462. 

*♦) ^I?*; 3>«][p<« de.Ofigt el prQ|pras8« test, fact, l|ip«. 1739 



V » 



— 864 ' — 

4iK Vn, 21), Wekhes; in: d«r E§higkcitiieiii ipiltigcs 
TMtanifiii zn machen (aktive t t) tiodcselbsl ma eibein 
(piuishre!t«'fO.We«i»lkt. Dieses R«cbt kahen mat BMl. 
seibslandige Burger. Daher sind ohne Teataiaeiit it) alle 
diejenigen, welcbe in einer firemden potestas, manns, man- 
cipium stehen, alsoSclaven nndHausgohne. Ulp. XX, 10. 
Cic. Top. 4. 2) die Peregrinem , welcbe nicfat nacb Bom. 
Recht, sondern nacb dem ibres Vaterlands beerbt werden, 
Ulp. XX, 14. Cic. p. Arch. 5. Latini Jan. sind ebenfalls 
des Testaments nnfabig Gai. I, 23. lU, 56* II, 110. 
Ulp. XX ^ 14. 3) die Urimiindigen, welcbe nur mit 
des Vormundes auctoritas testiren dGrfen (Cic. Top. 4. 
Gai II, 113. Ulp. XX, 12. 15), jedoch mnssten die 
Knaben das 14., die Madcben das 12. Jabr znrnckgeiegt 
haben. 4) Die Stummen, Tanben, Wabnsinnigen nnd 
Yerschwender Ulp. XX, 13. 5) Fraaen, welcbe Tor 
Alters schon darch die Form der Testamente (s. Cap. 2.) 
ganzlicb ausgeschlossen waren nnd spater nur mit ibres 
vormunds auctoritas testiren durften, d. b. die ledigen 
Frauenzimmer nacb des Yaters Tod und die Frauen 



(noch immer selir branchbar). /• H. Dernburg Beitr. z. Gesch. 
der rom. Testam. Bonn 1821. Gan9 Erbr. nnd Scholien. S. 278 ff. 
TetUxmenium di/ feierllche Erbeinsetznng ' war yon jeher ein Akt 
der grossten Heiligkeit und Ebrwiirdigkeit (Ulp. XX, 1. test, egt 
mentis nostrae iusia contesiatio — feierliches Zengenablegen in eigner 
Sache. declaratio, professio «— • in id aoUenniler factum^ ui poti 
vtoriem nostram vdleai) , welche nicht yon dem Zengenrerlangen 
n&d Zengenanfiriifen wie Dernbarg S. 16 £^ n. a. behanpten , ge- 
nannt word^ fiat, denn dieses kommt zwar bei dem-Test yckr, iat 
aber nicht ^o charakteristisch , dass dayon der ganze Act seinen 
Namen erhalten hatte). Tesiari feierlich erklaren h. s. y. a. legare 
Im w. S. hefehlen^ wer Erie seyn $ott (XII Taf.) (wahrend leg. im 
e. S. ein singiilar^s Vcrtn'achtniss bezeicbnet) tuid War yon jel^er 
in Rom 'Bblich, denn schon ans myth. Zeit werden Beisfwale 
erzahlt ( Lir. I, 34; Pint. Rom. 5. Num. 10. Cell. VI, 7. Macrob. 
I 10.), welcbe wenn aneh an sieh ganz nnyerbnrgt doch die 
eigne Ansicbt der Romer yon dem Alter dieses Institnts nns mit- 
theilen. Hochstens waren die Fatricier yor den XII Taf. be- 
schrankt nnd erhielfen dnroh dieses Gesetz eine grdssere,^ den 
Flebe)em ^leiche Freiheit. Cap. II. — Ueber die Unyerletzfichkeit 
find UnparfeUicUkeit dtr Test. s. Gc. Fhfl. U, 47. Sen, bto. .IV, 2« 



— 365 -A 

/ 

'«iid Wittwen aaii ffeier Ehc nach des Vhti 1*;^ iro^WI* 
*die Whtwen i^s strenger Ehe, denn «o lange der YateV 
'4ebtc» hafteti^ jiene kein VermSgen^ eben so wenlg'ak 
di€ Frau in strenger Ehe. Einige Arten von Yormun^ 
-iiern gab es, \velche ihre auctoritas nicht verweigern 
konnt«n nnd woUten, da es ihnen gleichgiikig war 
(Gai. II, 122), neniKch tutores dativi, optivi, iidaciarii, 
liv&hrend die iegitimi als Agnaten nnd nachste . Intestat- 
erben ihre Zustimniung gewiss nur ^nsserst selten gabenf, 
to dass es hie/ss: Frauen unter legitima tutela konnen 
gar kein Testament machen. Gai. 1, 192. Daher musste 
den Frauen sehr viel daran liegen, jener Tutel za 
^ntgehen, was jedoch n(ir durch Aofgeben ihrer bis- 
faerigen Familienbande, also cap. dem. min. nioglich war, 
'und dieses geschah dorch fidnciariscbe coSmptio (s. S. 
178 f. 25. Gai. I, 115 ), sobald sie nicht schon darch 
das Testament ihres Mannes (in strenger Ehe) «ineii 
selbst gewahlten oder auch einen obrjgkeitlicheu Yor^- 
tnund besassen. Daher sagt Cic. Top. 4. eine Frau 
konne.kein giiltiges Testament machen, quae $e capite 
nunquam dtmnuerit *)• Boeth/ed. Or. p. 302. Ganz 
allgemein aber driickt sich Ulp. XX, 15 sluh /i^minae 



*) Die Erklaning dieser Stelle hat seit des Gai. Auffindnng 
keine Scli\rierigkeit melur, waJwend sie friiher die aonderbarsten 
AnslegiiDgen erfahren hatte. Den ersten richtigen Weg schlug 
K L* Hofmann eia (Zeitsch. f. gesch. Rwss. Ill, S. 309 — 327), 
welcher nur den Irthum beging , . dass er eine Aendemng de« 
Yommnd^chaftsrecbts zwischen Cicero und Ulpian annahm. (Fiir 
eine ahiiliche:UmgestaUaQg..erkJart sich Dernhurg Beilr. z» Cesoh. 
d, rom.. Te$ti Bonn 1821. S. 266.^ 3Q1. doch isVdiilse Annahmi^ 
nnnothig nnd durch die 6tellen nicht zU erweisen). Savigny rer- 
yollstandi^te nnd berlcbtigte (S. 328 — 348) die £rklaning H. nnd 
«etzte die Stelle mit Recht in VerbindnDg niit Gic p. Mar. 12. 
t. S. 179. P. E. iru8(Me (de cansa Siliana S. 17—24) zieht 
AHch Cic. ad diy. VII, 21 bierher, wo die Gegoer des Trebatins 
behanpten, dass Silius als Testamentaerbe der Tnrpilia mit Un- 
recht die prator. possessio ihfer Giiter erbalten babe, wahrschein- 
lich also , weil sie nnterlassen batte , durch coemptio ans der 
Familie ihrer Agnaten heraoszutreten und mit des neuen Tutors* 
Anctoritas ein Testament zn machen, so dass die Agnaten als 
legit, hered. Torgegangen waren. ITuschke folgert, sogar darans 
eine gleicfazeitige AbDawsong diesei Biiefii n* der Topik (710 d. St.) 



po$t 4updec, annum aeiatii tettasdenin fneere Minmi 
tuiore uuctore. -^ Eben so bedurfteo £reigei«us6«iie 
{"rauen der AuctorUat ihres- Yormunds d. )i* ihr^s Patronii 
und nach dessen Tod eine^t obrigkeitUchen Tutors i wie 
Liv. X,XXIX, 9. erzahlt, s. S. 251 f. Gai. Ill, 43 £. 
^2. Ulp; XXIX, ^. Die mit dem Privilege inehrer 
Kinder versehenen durften zwar nuch ohne Aactorhas 
testiteQ, jedoch allemal hatte daDn der Patron AnspjTuch 
auf Kindestheil (seit lex. Pap* Popp* Gai. Ill , 44f Ulp* 
XXIX, 3.) s. Abscb. JI, 11. Nar die Yestalinneii 
waren testamentsfahig da sie aus der Agnatschaft (aber 
ohne cap. dem.) hefausgetreten waren S. 2£|2. — 
An Beispielen von Frauentestamenten febit ' e$ b^i den 
alten Schriftstellern nicht, wo >vir naturlioh .die Beo- 
bachtai^g der nothjgen Formalitaten anzunehmen haben 
Cic. Verr. I, 43. p Claent. 7. p. Caec. ^. ad Att. VII, 
8. V. Max. VII, 8, % Plin. ep. II, 20, etc. / 

-I 

B. Diezu Erben Eingesetxten^ 

Alle Personen, Welche das Rom. commerciura be- 
sitzen^ konnen als Erben eingesetzt werden, also alle 
cives, nnd sogar die Sclaveii und im mancipiumLebenden, 
sobald ihre Freilassung im Testament ausdriicklich an-^ 
gegeben ist. Auch fremde Sclaven konnen Erben werd^n, 
tvenn es ihr Herr zugiebt, fiir den sie Alles also auch die 
Erbschaft erwerben. Gai. II, 185 — 190. 276. Ulp. 
XXII, 7 — 13. Unfehig dagegen sind 1) die Pere- 
grinenj wehn sie nicht etwa das commerciuin ausnahms- 
weise erhalten haben. Cic. p. Caec. 35. Latin! Jun. sind 
unfahig. Gai. I, 2 J. II, 110. 275. Ulp. XXII, 2, 3. 
XVII, 1. Fideikommisse aber konnen sie erwerben 
(seit Augustus) Gai. II, 2t^5. 285, bis Hadrian diese 
Erlaubniss aufhob. 2) Ungewisse Personen (Gai. II, 
238. incerta videtur persona , quam per incertam opi" 
nionem animo suo testator subiicit etc.) Gai. a. a. O. 287 
(nur fideicomniiss.) Ulp. XXII, 4. XXIV, 18. XXV, 13. 
3) Juristische Personen ( universitates , S. 103 ff.)*}- 
Zwar erbte der B^m. Staat inehremale von iremden 
Konigen, wie Attains, PtoFem^us u. a. Liv. ep. LVIII. 
LIX. LXX. CXIIL Cic. leg. agr. II, 15 f. Plin. h* n. 
XXXnt, 11., doch dieses geschah iure gentium, denn 



*) DirkignM dvilist. Abhandl. II, S, 129 -*- 143. 



\ 



— 867 — 

Bfteh Bftm. Becht war en anziilftMiff Flin. ep. V, 7* 
Ulp. 'XXIi, 5. Nar •ffiBadich F^etgehsaene darften ihre 
Bcadt su £cben einaetzeo Ulp., anter andern VerhHlt- 
HiMcii X warm nur Fideikoroniisse nnd Tielleicht . aach 
DaamatMMislegate erlaabt Dafiir spricht Plin'. epv V, 7 
8. 105. Had nuiure Beispiele Tlin. h. n. XXXIII, 2^ 
Ta€. Ann. II, 41. I^ 8. Soet Caes« 83* Oct. 101* Tib* 
76. 37. Dio. Cass. XLIV, 35. LVJ, 32. LIX, 1.' XL^'III, 
32. l^IV, 29; bis spater miter Nerva und Hadrian alle 
Legato gestattet warden Ulp* XXIV, 28. Beispiele 
solcber Vermdchtnisae s. auch Spangenberg inonani<» 
a 64 u. buelL Jntcr. II, h. 3678. 4360. 4) Tempel% 
ausstfr denen T4Sm Sen at. and Kaisern aasgenommeneii 
Ulp. XXII, 6. Dio. C. LV, 2. IV, 16. . 5) Naehgeborne 
{poitumi) doch niir aUeni^^ nicht die eignen, welche zwar 
nach dein Tode des Testators geboren aber wenn er leben 
geblieben ware, in dessen Gewalt stehen, Gai. II, 
240 — 242. oder welcbe nocb bei Lebzeiten des Testators 
nacb Abfassung d«s Testaments sni ^wiir den x(zafolge 
der lex Jania Velleia 763 .d St. **) z. E. dnrch Adoption, 
in man. conv. n. s. w. Ulp. XXII, 19. Cic. de or. I^ 
39. 6) Frauen. Ob in den Siltesten Zeiten die Frauen 
vom Erbrecht ausgeschlossen gewesen sind oder nicht, 
ist sehr zweifelhaft ***) und mochte aach auf das neaere 
Verbot des Frauenerbrechts ohne Einflass gewesen seyn* 
So Tiel ist gewiss, dass der Triban -Qu, Vocomus Saxa 
(C^c. p. Balb. 8) durch die lex yoconiw^) dem uber<* 



^ 



*) DMbtM «• a. O. 8. 137 f. nnd IriibeY F. C. Conradi do 
dHs heradifevt ex tettanento apad Rom. (Lips. 1725} in acripU 
mio.v«4. Ptomiee Hal. 1623. I-, p. 89 — 138. 

^) C O. Whidkltr d^ lege Jan. Ydl. in opp. min. Llpt. 1798; 
I, p. 257 ff. Uebar die Arteh der postumi s* Foerster de bon. posa. 
S. 92 ^ 106. 

^*) Hugo *fn C^y; Mag. II. Nachlrage TOn Berickt. £a Glucka 
Com. S.^ ffi beJia«iptet, daas die Franen in der alteaten Zeiten TOin 
Erb>ecbl aai^eschlQssen gewesen, nnd A. sind ihm darfnn gefolgt, 
indem'sie nameotlioh an die die Fraoen ansschliessende Form der 
alten Teataraeiite dachten, z. E. znletzt n^och Has$e Kh. Mus. Ill, 
8. 108. wahrend fiaanche das Erbrecht derselben sehr in Schntz 
■ahmen, was anch wobl das Ricbtigere ist. 

f) />K Gronoviiu de sest. Ill, c. 16 einfacher nnd r^ch* 
i^t iil» K PerizmhiB de L V. in diss, trias. DaTentr. 1679* neu r* 



— 368 — 

Imnd nehmenden Reicbtfabm nod VeradkwMideii dcr 
Franen^ so wie dem Uebertnigen des Verm^ens in 
andere Familien dadnrch za steaern sncbte, dass er eine 
Torzugliche Quelle des Franen - Reichtbams (die testa* 
inentarische Erbfolge) bedeatend scfamdlerte. Unb^stritten 
laatete das 1. Cap. der lex, dass keiner, welcber im 
letzten Census auf 100,000 Sest. censirt vrfkre (also nur 
Wohlhabender pecuniosus Cic. Verr* I, 4.) ein Frauen- 
zimmer zur Erbin machen konne* Cic. Verr. I, 42 
$anxit in posierum (lex), qui pest eos censores census 
eiset^ ne qui$ heredem virginem neve mulierem /acerei 
nod 43pecunio*a mulier^ quod eema nan eratj testor 
mento jecU ker€dem Jiliam. In der Sflmme stimmt Ps* 
Ascon. ed. Or. p« 188 mit GaL U, 274 and Dio. C. 
LV, 10 (25000 Drachmen s. t. a. 100000 Sest.)*) uberein 



Heinecc. HaL 1722 n. in diss. VII ed Heinecc Lagd B. 1740* 
A. WieUng in lectt. lor. ciTV II, cap. 19 •— 27. nnd TOrber .]• 
2 Prog. Franeqc 1730. M. Kind de lege Voc. L^a. 1820. mit grossem 
Fleiss [nber census p. 19 — 32.] obwohl ancb mit manchen ui^ 
haltbaren BehanptuDgen) fF, Zimmem iiber die L V. in Nensfetds 
nnd Zimmerns rom. rechtL Unlersnch. Heidelb. 1821. S*311«--3dl« 
neue Vertheidignog von Perizon. Meinong, dass nnter censns ieder 
Burger zn verstehen sey, nod dass eine Fran wobl nnter, aber 
Bicht iiber 100,000 Seat testam. babe erben konnen; darans folge, 
dass nnr der auf 100,000 Censirte in weibL Erbeinsetznng bescbrankt 
sey. V. Savigny nber d. .L V. in den Abb. der Akad« d. Wiss. zti 
Berlin (hist, pbilol. Classe) 1821. 8. 1 — * 20. geht mit gewohnter 
Klarheit nnd Scharfsinn anf die nrspriinglicbe Einfacbbnt der le± 
zuriick, seine Vorjgaoger berichtigend nnd einige 8tellen der Alten 
trefflich erklarend. Schillings Bern., 8. 105 — 108. ZX v.. de-^yn* 
persse fideicomm. Rom, hist, hugfi. B. 1830* 8* 24 — 32* Nasse znr 
1. V. (scbarfsibnige Erklarung der 8telle Cic» de iep« QI, 10.) im 
Rhein. Mns. Ill, 8. 183 — 214. Hugos R. 6* S« 386 — 393. 561. 
Ueber das Alter dieses Gesetzes sind die Meinnngen sebr getheilt; 
ans hW. epit. XLI folgert Kind, das Jahr 576 d. 8t; (8; 5.^ 9), 
fiir 580 spricht sich Zumpt ad Verr. p. 189 nnd JT. Mfycr • oratt. 
Rom fragmm. Turic. 1832 p. 46 f. ans , FerraU epist. 'p« 218 £• 
auebt 581 TOt nnd Guratoni ad Verr. "p, 300. 302. ed Keapi;. nebst 
Savigny stellen ttacb einer anf Cic. de sen. 15 gestiitzten Lebens^ 
berechnung des M. Cato (als snasor der lex,^ GeU. VII, 6) das 
J« '585 anf. 

*) Denn dass diese SteUe anf die Legate der Franen. imd eine 



/ 
\ 



f 



— 369 — 

und da8S sie Cic. weder 41^ nbch 42 nemn, darf vikht 
anffallen ; da es in jetiem Fall auf die Samme gar nicht 
ankam. Cic. tadelt bios den Verres deswegen, xdasft 
erin «einem Edikt eiae Aenderang geinacbt utid der 
Tochter eiaes nicht Cennrten, auf die also die lex Vde, 
ar nicht passe, die recfatiniissige Erbschaft entzogen 
iabe« 41. — Dass, wenn der Erblasger niir eine 
Tochter gehabt, ihm die besondere Yergunstigung zn- 
gestanden babe, diese als Erbin einzoseizen, ist, nicht 
aus CIc. Verr. I, 41 (quum haberet fMcam Jiliam) 
noch de rep. Ill, zn folgern, dean in der emten Stella 
will Cicero bios das Vergeben des VerrcfS erbdbeo nnd 
in der zweiten, wo sich Philas iiber die Ungerecbtigkeit 
der 1. v. beschwert nnd zuletzt sagt cur antem^ $i 
pecuniae 'modus iiaiuendus Juit feminism P. Crasni 
Jilui pouet habere , si unica patri esset aeris milliens 
$aha lege; mea iriciens nan posset • • so heisst dieses 
bios : Crassus Tochter kann intestate ein ungeheares 
Vermdgen i^on 100 Mill. Sest. erben , weil sie als 
einziges Kin^ mit Keinem zn tbeilen braiicht, wSlhrend 
ich meiner Tochter nicht einroal 3 Mill. Sest. yererben 
kann , denn wollte ich ein Testament niachen, so wurde 
die Erbeinsetzung nicht gelten nnd wollte ich keins 
machen, so -wird sie mit den andern G^sehwistern 
tbeilen miissen, dass ich also nicht im Stande bin 
n. s. w. Aucfa spricht August, de civ. dei III, '21 ganz 
klar nee unicam jiliam nnd die AnssprGche der andern 
Zeugen lanten imtner ganz allgemein ne juis etc. Eine 
anderox angenommene Ausnahme, dass es dem Erblasser 
unverwehrt gewesen , ' diejetiigen Frauenziinmer als 
Testamentserben einzusetzen, welche auch ohne Testa- 
ment geerbt haben wiirden (suae nnd consanguineae ) 
nnd dass nur diejenigen, welche intestato nichts erhielten, 
anch von der test. Erbfolge ansgeschlossen sbyn soil ten 
(also adoptirte und in stronger Ebe verheiratbete Tochter 
im Verb&hniss zur Mutter), ist . bei dem ganzlichen 



b^stimmte Snmme derselben oder gar auf eine ErbscUaft«qiiaD(nin 
(Perizon. p. 104 ff. ) za cfenten sey , wird nach Kinds ^nnd Sa- 
Tignys Erklarnng Niemand mebr glanben und %»&' ov (Voc. Geaetz) 
#v^i/»/^ ^vtwv (Fratien) ovSwit vni^ S%9 ^ftiov fi$^i«idas vvoiai 
ulfj(f9vo/jtuv iit^y hefsst nichts "Vfeiter, als dass sie keines, welcbet 
100000 Seat, babe (lo Jioch censirt sey) Erbita seyn ^iirften. 

• 24 



^^ 



370 



picht wahMcbeiolieher *). Di« einxiga bestefaende Aoa- 
nahme war die, da«i e« den VeaMinnen frei.. stand* 
Frauen als Ecbinoen einxasetzeii nod dieaes w^r^ ab* 
geaehen yon inrer religM«en Wnrde^ damni notbwendig, 
weil aie aoa Uirer Familie heranagetreten waren and 
nicht iotesuto beerbt warden* Cic. de rep. III, 10. 
Ge}L I, 12. 

Daa 2. Cap. heiaat: ein anf 100000 Cena. soUe 
einer Fran nicht mehr ala dte'Halfte aeinea Vermogena 
ala Legat vermachea diirfen '*"*'); denn daaa aueh apeaieil 
von Franeolegaten die Rede gewesen, zeigt Cic. do 
rep. de mul^erum /egatts tt her&id. Qoioct. decl. 264 
ne licettl mnlieri plu$:,quam dimidiam pdriem bonofum 
relmquer^ luid die Uraache. iiegt nafae, weil man.sonat 
darch Ertheiluog von Legaten die lex Yoc. aof daa 
leichteste hatte umgehen konnen. Quinot. lasist iibrigena 
aeinea Advokaten daa 1. Cap. der lex ignoriren and aaf 
daa 2. geatutsEt den Beweis fiihren , daas ein Testament, 
welches % Fraaen jeder die Hliifte dea ganzen Vec- 
mogens aU Legal vermacke , nioht nngoltig sey. Dieses 
Capitel>atte Fad. Gallna bei Cic. de fin 11, 17 dadurch 
umgehen woJUepi^ dasa er den Sextil. Anfos sum Erben 
einsetste, mit der Bitte, die Erbschaft seiner Tochter 



*) Jiufro (R. G, S. 388) »nd Savigny S. 18. Laben diese Au«- 
nahme aafgestellti nm der laconsequenz derlex» dass eine Tochter 
ab intefltato AUes erben konnte und testaQient^rjsch gar nicht ein* 
gesetzt werden soUte abzuhelfen, mrahrend sich Ha%se in 9. g« scharf- 
sinnigen Anfsatz S. 19Q ff« dagegen erklarte, wo er jenen Uebelstand 
mehr scheinbar in der strengen RechtscobseguenZi als in dem 
praktischen Resultat gelten lasst. 

**) Kind S. 41 ff. und Hmse S. 201 ff. Terthei<SgeA 4ie An^ 
Bahm« dietes 2. ^Qap*» enento SehilUng S. 607 ; Samigmy erkennt ea 
nicht an. Wenn man fra^^t, warnm %» s|oht erUnbt g«we8fii« 
Franen das halbe Vermogen als Erbschaft zu yermachen, wohl 
aber als Legat , 90 lag Tielleictit der Gnind darin , dass die 
Frauen yon. dem Accrescenzreclit ausgesohlosien werden sollten, 
wodnrch sie im Fall des Todes Oder Aqsschlagens ihres Miterban 
idle ganze Erbschaft hatten erlangen^konnen. JIaaae S« 204* Anch 
war.noch ein bespndrer Vortheil ' darin , dass das LegM von dem 
reinen Vermogen susgezshlt wufde und die Erben aUeia dia 
/ Schnlden ubernahmen. ' 



' ■» 






I 



— 371 — 

I 

\ 

absdtret0tt» was iieter ans hettchlcriflelMr Gewinen- 
baftigkeit (am' lex Y. nichl sa umgehen) unterlaMt und 
wobei es ¥on seiocD Freanden hemt n^ao censuitplus 
Fadiue dandum^ ^am jM^set ad earn lege Voe^ per-' 
venire (alao doch efcwaa^, vielleicht die eriaobie lega* 
tarkcbe Halfte det Ganzen). 

Ein3.Cap*,eiitfaieIt nichl ein voUatfiiuiiges Verbot des- 
Integftaterhrecnta A^t Fraaea *), sondera Bestimaiungetf iiber 
die Grome der Legate im aalgemeinen a, unU Cap. IIL 

Die.sp&teren Scbickaale der lex V. sind ebenfalla 
aehr sehwierig aazageben, denn wfthrend Plin. Paneg. 42 
Gal. .II) 274 aie noch als gultig erwftbnen,. aagt Gell. 
XX y U Miieraia et opertasunt. weicher Widersprucb 
aawohl voa dea veraehiedoen Alodifikationen - de^ lex 
'herruhren, ala auch darin seinen Grand haben kann, 
daas der Censua oar in der Idee fortdauerte^ faktisch 
laogst aiifgebort batte. Darch die lex Jolia und Pap. 
Popp. wurde unaer Gesetz sehr beschrankt; denn fidei- 
commissarisch konnten ^ie Frauen nur | der Erbschaft 
erhalten and darch die neuen aaf ehe- Und kitiderlose 
Frauen gesetzten Strafen, war lex Voc« nur noch bei 
denen giiltig, die nicht der lex Jul. unterworfen waren, 
nemlich bei denen, Welche zu jting oder zq alt, und 
welche .kinderlos waren , denn auf die Verbeiratbeten 
und init ius liberornm Yersehenen war 1. Yoc. nicht 
mebr anzuwenden **)* 

7) Ab unfahige Testaiaentaerben warden nocb 
endlicn darch lex Pap. Popp. (a^ S. 83. 2f 3*) die Ehe- und 
Kinder] osen Personen bezeichnet**'^). JeniB waren g&nzlich 



*) Diese yon Perizoains avfgestelUe unci zuletet ron Kind*^ 
S» 54 ff. yertheidigte Ansicht entstand dnrch MiMyerstandikiaf eiaer 
8lelle des PadL IV, 8, 22, wo nachden die Anssdiliessang der 
etrtferaten Agnattniien yon der Intestaterbfolge berichtet ist, hinzu- 
geftigt wird idfue iure eiviU VQConiana raliwe videtmw ejfectum^ 
was nichta welter heisst ala: dieses sej dnrch Interpretation der 
Jnxjsten geschehen, welohe das Frinctp nod die Griinde der I. Voe. 
yor Angen geliabt' batten , also nm der Franen Reichthnni nnd 
Versohwenduttg zn beschrinken. 

' **) Schiainglf Bem. 8. 304 — 309. am ansfnhrlichsten , tbeiU 
weise schon yorher bei Kind 8. 70 & 8ayigny n. Fenzonins. 

***) Die anIEbe-* nnd Kinderlosigkeit geietzten Strafen haben 
erst Cotiatatttin und Theodosins II. aufgehoben. 

24* 



— 372 — 

nnfthig, di^te ^arften die Htifte des Vennftehtiiisset 
emrpfangen Gai. II, 111. 286. Die Ansnahmen ^kvon a. 
S. 213. Der kinderlose Wittwer oder Wittwe konntett 
Aiir den Ususfructus des drilten Theik nikt^deit zebitteii 
Theii der dem Terstorbnen Gatten zugdhorigen Guter 
erhalten Ulp. XV. Sind Kinder verbanden^ aber aus 
einer fruberen Ebe, so kann die fiberlebende Halfte 
ffir jedes Kind -f^ der Gnter in Angpracb nebnten. 
Hatten die Gatten zusammen Kinder und wa^en diese 
scbon verstorben , 'so erbielt der nberlebende Gatte for 
jedes derselben ^V Vp- ^^ Waren die Kinder noch 
am Leben, so batte der Ueberlebende $olidi eapacita$ 
d b er war fabig das ganze Vermacbtmsi anzutreten* 
So Cic. p. Caec. 4 erball die Fran den Usuafraclus dea 

fanzen Vermogens, weil sie einen Sobn batte n. a. 
bs Genaiiere tbeili Ulp. XV. XVI mit. Anspieions; bei 
Pbacdr. Fab. Ill, 10, 37. 



Tktettei Capttel. f 

Form der Testament e. 



AIs die altesten Testamentsforinen warden 3 genannt 

1) l€9t* calatum oder calaiii (d. i? curiatis) 

comitiii factum *) , welcbes die Patricier den CuCrien, 



*) Ueber dieses and das folg. Test. /. M» QehwoJff ( praes. 
Thomas.) initia snooess. testam, up. Rom. Hal* 1705 (bis auf die 
XII Taf.) /. H. Dernburg Beitrage z. Gesch. d. rdni. Test. S. 
9 •— 78. £. Oana, Erbredit S^ aS -* 75. Hoi^inB in bijdragen tot 
Regtsgeleebrdheid 1628. S. 558 fF. K- D, HulbMom Urspriinge der 
Rom. VerfassuDg Bona 1835 , S» 143 C und' yorher Ghmdver- 
fasstiDg S. 154 ff. Demburg basirt dieses Testament auf die 
Willlrur des Indiridtiums , itidem das Volk bios det .8oUenDilat u. 
des S^ngnisses wegen, obne gefragt z« verden iu»d ohne. zu 
slimmer, yersammelt gewesenLsey.~ Dodb e^ nnterscbeidet weder 
die Zeiten noch die Gomitien gehorig, delin fiir die spatere.Zeit 
steht zwar fest ^ dass die Comitien* bios zum Scbein gehalten 
wurden^ doch in der iiltesten Zeit war ihre VersammlnBg gewisa 
DieJeere Formalilat^ am Tienigsten bei den to wichtigen Fami^ 






— 373 — 

welcbe ca di^eit Befanf bis in anno (Gail II, 101) 
Teiteaiiiinelt wujrden, vorlegten ond Una dessea/BesCEitir 

fung baten. Gell. XV, 27. Die Freiheit der teitameDlar, 
rbeinselzang war also insofern gezugeh, alpi die Za- 
stimindiig der geiites, welche bei der Vefwendung qp4 
Udbertragoog des FatnilienverintSgens sehr bemeiligt 
^res^ ( als Erbverbraderte), nitbl iveniger nothig"^9iv 
fk% die EiDWiUigoiig der praesidirenden Fontifices, :den«|b 
di^ Sorge.mn die l&stigen Familiensacra oblag, taji4 
ako i;v^seh mossteO) wer sie nacb deni Tod des bis* 
bertgeii Fainilienbauptes Bbernehine *)• Mit 4em spStHrcfil 



)i«49i)^«)egenli^eii der G^lphlechter Cic. p* doiq* .14, ^n«>diig€(gi^ 
gf)M iiic8it- weAiger zq ureit* indem er (S. 49 — 72) i»idie4elca'!r^9lf 
Aiir eiii jadof^liTAs VeriHiltiusa zwisohen , dem TeslatQr ^oil ¥H)ffl| 
erkeqnet Rlc|l]ig^ Apdentmngen ^ Niehuhrs IL Gr'I, S^.iill^%^ 
Scftrbdffr» Bern, io Hugos Mag. V^ S. 153 fL K*Di Jmi»iaum 
Ansickteo iiber das' Aom. Erbrecht (GnrndTerfasiUDg .8« lEi^ ft 
Urspriinge der Aom. VerrassoDg 18^5, 6. 141 ff.v) sind folgepd^i 
urspntnglfcb: habei in Rom das Princip der VermogeiisantheiUMrkeit 
ttnd der Intesbterbfolge gegolten, dess^ Umstucz erst ^krch di^ 
Eihtiihrnng korintbisoli etrasoischer £iiirichtaii^en . (yoiv' DamaralQf 
tnitgebraclit?) erfolgt sejl Nun' erst sey es rechUfc^ im)glif3ii 
gewesen^ ein Testament zu machen and das Yermogeti z3k tiieiibsii* 
Das * test» calat. sey . eine Igtezliche Willenscsk|ari^agt vbr den 
Curipn (als Oberaufsicht der den to Curiea gehomen Grai^dslilcia^ 
getresen , von der bestrlienden Inteslaterbfolgei 'abweicheniisni 
woUen, und das test, in procinctn sey diesem gleicbj nnr- nnform- 
lidi' uAd' Yor wenig Zengen. Daneben stehe das MancipatibtTst^'t^ 
ans d^m kanfmahnischen Geist ^eines handeltreibenden Volks ' lier*- 
Torgegangen (?}, welches nicht Cnrialen, wohl alber Tribitfeli 
gemacht batten , mdern Jeder nnbesclirSnkter 'Elgenlbntner tier 
nicht in der nrspriinglichen Rom. H'eldmark gelegeoen Griiect* 
"slncke nnd keiner Aufsicht nntelrworfen gewesen sey. Dieses 
^^wohnheitsrecht der tetsani. Erbfdlge batten aber erst d(e 
XH Tafeln (?) znm Gesetz erhoben n. s. w. — Eine PrSriibg ii. 
•tlieilweise Widerlegnng dieser .Manches Giite tind Seharf^iDnige 
enthaltenden Entviickelnng wiirde zu vreit fiihren. ledenfalls ist 
das Gmndprtncip dieser Ansiobt, die nrspriingliche^ Intestaterbfolge 
in Rom ganzlicb unerwiesen* 

•) Desshalb 'Hennt GelL XV, 27. VI, 12 die Te8t;.iieben 
tacrorum deiestatio , weswegen pemlurg sie a1« Vorbereitung zu 
den Testam/aiifstellt^ indem c^ insofern Savtgny (i!b. 4. saora 



^ 
N 



_ ^74 — 

VenehMnAen 4^ Gentilrechte nnkeB ditee Condtfoa 
xa ScfaeinTersaiiimluiigeii faerab, io denen AUes aof deo 
Pontifex ankam. 8. 8. 39. 

2) Teit. iuprocinciu *). Ein nich^weaiger altesTest* 
war das der 8eldateo, wel Ae tror der Sehlacht («» froemetm 
a, h. €;r ea$tri$ ausriickend and volltt&adig geriistet FesJU 
▼•endo proeinctn and ▼• procincta) testiren durften, aobald 
dl^-Aaspicieft des Fetdherrn vor der Sehlacht, wodorcii 
aiMlh dia Testam* raligioiie Weihe erfaieken, Tollandet 
warea. > (Sai. U, d<M« Intp. ad Virg. Aen. X, 241 ed. 
MbL JEIaffos^n* 6. 8. 246 L DNua diate Auspieiea 
mit deo Test, in Verbindung standen, seben wir aus 
Cic. (^de n. d. II, 3, vgl. de div. I, 16. H, 36), 
tfralcher erziftilty dass inil dem Aofhdrea der Aaspieien 
ftir Feide aaeh diese Test, arloschen wSran, and wena 
aaeh* gegetv das Eode der Hep. npch BeispMe erw&hnt 
^erdeh (Veil. P^t. 11, 5, Caes* fc. G. I, 39. Ftor. III^ 
fO)^, so' WAren dieses keine eigeatBchea mebr, scmdera 
^ofal- bios ' Milltiirtestaiii^ite , die - naaienlKch in der 
Kaiacraseit voo alien civilrechlliahen SoUennitMten befreit 
^aren, woao wahrscbeinlich Cftsar den Grimd gelegt 
batte* GaL II, 109 fEL Ein unbezweifeltes altea Beispiel 
ist Plat CorioL 9; eine Anspielong findet sich Cic de 
arv I, Ar3y welche fiir die Erhaltung dies^r Test, za 
jeneiiZeitnichts beweist. 

' 3/ H^iU per aa ei libramfaeimn**)^ besteht iniCiner 
Abweindaag *der mancip. des ISachenveohta (S. )38 ff.) 
au£ dieErbfolge; denn imt Ei:blasser verkaufle seio 

""» I' l ii i ' l i n t ^ i .: ^ 

jirlv*4i;t Rower) iu Zeitaohr. f. gefch^ Ewim. II, S. 4Q1 f. folgt 
j\% er . 0, d* tiir eive feierliclxe Lottagung tod dea sacra lialt 
i{3»K70f.} d/ h* von Seilieii des Erben, so dass dio sacra mit 
•£slaiibiiiji9 ,.der Vn^%w ipua erloschea waran. K, D« Wullmawi 
Jl^ Gmn^VQif, 8. 1^ fi^ glaubt nmgekehrt, dass s. d« eit^ offetit;- 
,J}ohe Er)darti|}g des Testators iib^r die Person des zn den sacra 
. yerpfiichteteii gewesen, woranf die Bitte .um ^estatignqg des 

Tesr. ig^^igVi^y. . / 

*) ir. K! Ha^el diss. 1. de test, inilit. Lips. ISlj^, Niebuhr IL Q. 
I, S. 634. ! .... 

•*) Sokfoier Bem. in Hugos dr. ftjag. V, 8. Ig2 — 162 halt 
dieses Test, fiir eine Vertragsform , urn die Corn-:.<iur. zu urn- 
gflhen ; J}£m}mrg & 79 •*;- 143 fipirt die ander^|i .Versuche iiber 
dit) Knll^bUQg dieses Test, an und Termehrt sie durch einen eigiien 
, Mrbi snwahrsdieiuliohen , Gan» Erbr. $. 78 -r 90, .ip8. ffn Ho&wj 



— 37& - 

Vermligenl torn Sobeis^ md^ erkttrte ^en.KSnfer sn 
fleineni ErbMi, wobei tv ibm mancbe mdndlicbe AuftiHgte 
ertbeike (lib^r VofmoUdscbaift, ttiier eiozeliie Yermd-* 
MMMitSckf «• «. w. 6ai. II, 102.) Spftt^ diebt« diesMr 
Kftafer (emfiiar famUiae peeui^aeque Saet, N^r. 4) niir 
zur Beglanblgong der Erbeiasetxong, welche der Testa* 
tor mlindlicb atMspracb oder gehriftlich detn Ktefer 
uberret^hte, 3a man es in der verdoi'bnfit Zeit- dat 
Rdm. Seiohs fSv beaser bielt, den Erben gebeim xu bahen 
(Wegen Nacbfitettangen Cio. o. Cla« 13)''). Diage Scbrift 
moebte scbon- ftilh versiegeit worden geyn , o%leich 
dieses ebeaaowemg ndtbig war , als sefaoriftllehea 



a. a. 6., /f. Klein'' de test, per aes et L Amstel. 1830. (nfcht 
ohne einzelne Irthiimer). Niehuhrs R. G. It» S.^ 319. 381 t lasst 
diesea UrspruDgKch pleb« Test, dem patncisohen analog in den 
Gent, com, beatatigen » ao daaa di^ 5 Zeugen apater nnr Repras. . 
der 5 Classen gewesnn aey^n. ^ (8o aneh. K. A. Splmti^er de Cyir. 
iqd. Host i835« $.. 72« JQ2 f) Booh wena dieaea Teat, fla pleb, 
Toa der Gemeinde hatte beatatjgt werden sollen, as hatte dieaes 
znerat nnr in den dea Pleb* ^igenlhumlichen Tribatco9i.,,aicht in 
der Nat|on«l?ersammhing der Cent, gesclnehen mnsaens erst aeit dea 
Xll Taf. Mrare Bestatigang darch die Cent, denkbar^. veii daniala 
emtdieaeaTeatem. alien Romern geaiattetwarde« Dieae Mancipations- . 
Zetigefnijiber siod nioht nxxe alter als die Decemviralgeaet^ebungi : 
aondern auoh ais Serr* Tallins , . konnen also schwerlich mit den 
C^Dtcdm. in Verbindimg gebracbt werdea« Ber ganze.Akt, z«<-, 
aamn^engasetzl abs dem ScbeinyerktfoC and Willenserklarung, wird , 
fUA . deutliqhaten yon Ulp. XX, 2 M. beschrieben : his duohus'Uaia-- \ 
nf0nit$ (oaL. n^Jn proo.) abolitis Tndie $4»lum in umu est giioci per' 
qffi et,X fii^ {iest pty mancipaii(mem imaginanqm* /» fu<i tewtametUo^' 
Ijhrip0n9 a^dbetpr d famHat tmpior et n(m minus^ quam fuinque \ 
<f«lM| d»m ^uihuMiestamenii fdofio «4f..3 — 8 (Erfordernisse dieael^ 
Eeiaonen « a* Gai, U » .105 — * 107). 9 in ie*U quod per ae$ et h 
J^tt duae re9 ifguwijiK fymilige mqneipalio et muncupaiio testumentim 
i(^no^pai^r iesiqmenium in hunc modum: iqbulas lettamenii lettaior 
lenejff.Ua dieiir.haeo ni 14 his. iahiiMa fieyisve scripla sunt^ iiii do^ 
iia,kf^'*'.iio-*ettpr ; <Uaqt^ V09 quirite$ tesiipiimiutn perVbeioie ^ quof 

iWAfHfHiiiff ci iifsi^tip n^eafur^ £rw:abntmgen: a. JS^n^h* a. XI Y, 22. 
Qninct4 decl. 303. . FluU de aeva iAin« Tiadiet. p» ^ ad. Xyl^nd. 
Uidor. IV, 24. . 

^) Umli« w* Gaiat. ad Glo. Phil. XIV » 3 tatt« iatemaoinam 
b. Feat. 



I «• 



— 376 ^ 

£hiselsen fiberlbaiipi^), da fs aQdi spMec an flMM- 
Ikbeo TesL' liioht feUu Swet Catig. 38- Smt* vit. Hw* 
fiQ. .Wahracheiolich wardieaesTeal^ his aaf die XIITafela 
eiA £^aiiibaiii der Piebejar (worailt die .diesem Stamn 
seit: ttnvard^oklieher Zeit geborige MaQci|Nittoniiforni 
hindcnret) ^^ welc^e in der VevCiigiuig fiber ihr . Verinogea 
dttf bb'vkQin0. abidieben Rticksicbten ^ wie die Patricier 
gttbi»iii»t wa»en uod warde d)ureb diesi XU Tafela Ge- 
meiogirftider |fal^zen Natioo, (s. S.364)^ to dtes e« voa aan 
aaiih :deti Patiiciern frei staad, mit ^ollkoaiiaener Wilikar 
zu feid^en, sobald lie diese Form aaMfenden ivollteiu 
Da yersehwanden die andera . beiden Formea allm&hlig 
und das Maiicipa^ionstest stand alleia da als das civil- 
rechtlicbe Test., ja esv erhielt sich noch lange, auch 



• *) Da« Mchfiftlhhe TeaiameM a&f Waobs* oder Holztafeln (Cic* 
p. Oil. 14. Hor. Sat. II, 5| 53 Sdet* Caes. 83 Ner. 17.) theiU 
vom leetator selbst (Suet. Aug. 101. Tib. 76. Plin. ep. II, 20.) 
ihmia voft design Sclaven, FreigefasveDeo und FreundHi (Piin. ep.- 
VI, 22 Suet. Octw 101. Tib. 767 "^i"^ «»<«■ !""»*. Beirtand (Cio. 
iJf* or. U,' 6. Terr. I, 42. Suet.- Ner. 32) mtt gik>s8er Sorgfalt- 
(Tu9c. I, 24.) in latein. Sprach^ (Ulp. XXV, 19) ge»cbriebeD, 
wurde schon Irub versiegelt (niobt zur Beglaubignng untei^iegelt, 
sondero von anssen verscblosseD nebst des Zengen Naneiisscbxifl) 
Suet Oot, 101. Tib. 23. 76. Mer. 4. Feat, signare p. 149. 261. ed« 
lind. Cic. ad Att XII, 18 a. Vil, 2. p. Cln. 13. 14. p. Mil. 18. 
Liy. XXVU, 30. (auch obsigHare) Plin. ep. II, 20. P&ul. V, 26, 6, 
Mart, epig.'^ V, .39. Gew6hnlich Wiirden sie bei Freundeo', ia 
eiaem Tempel, bei- den Vestalinnen dep(!nirt (Lips, ad Tac. Amu 
I, 8. Suef Ctfea. 83. Oct. *101) und nach des Testatcnrs Tode 
obrigkeitlicb eroffnet {resignare Hor. £p. I, 7, 9 Dio. Caas. LV, 
25. Paul. I\% 6.).' Ein ProtokoU der Prilf^g aos spat. Zeit ha^ 
Spangenbergtab p. 90 ff. Fiir die liussere Beschaffenbeit der Testamento 
vergl. die von Platzmann mitgetbeilten testimouia de i&ilitum ho« 
nesta missione in Haubold opuso. 11, S. 825 fL (Bern, uber 
Testam.] und in Spemgenberg tabb. negot. Manohe ■ Bemerknngett 
audi tiber die friibere Zeit finden sicli in Spangenhergg Beitiv *2 
d. Lehre r. Test ( Arohiy f. «ir. Prax. V , 8. 144 ^ 176 ) «id. 
V. Lohr in deiiie. Arobiy VII, 8. 328 — 341. Km Teiltamenf atts 
Trajana Z<Bit (fragmentariscfa) hat Puggi im Rbein. ^ Mns. I, ml^ 
Bern. 8. 249 — 256 abdracken lassen n. a, fragm. slnd ia Sptmgtm^ 
berg tabb. negot* ^ doeb TOnciigliob ams tftatsr aad der apateaten 
Zeit. » . 



in: 4tr J^ais^i^it, obgkieh sich, isB^ befttenner^ undi 
yfemget fosiuelle prlitori«ehe tegu na<«h iiaoiibeii.> ent* 
widkeltef. bis si^ f ndlicb beide za einejc Forra siisammw^ 
Aebwolaien, s. Abtb*,2) (!ap. 1, It. 

., Nebea deia Testan^enl; i^t Boch eine andexe fornilosa 
yefyordnu^g des£rblasi»ers.xu etv/ikhnewcadiciili genanntir 
u^eli^be in Form ^ii)^s Briff^ (cod. hi^s^,«^lbst ein BiUejt 
8. Lex. Manut. ad.. Cic* dir. JX^ 26.) s^b dc^ d^reinstjgeA 
Erben gefi^tet \Ynrde' und di^t QitU/enthidt, war 
einaelne Tbeilor. der. Efbdchaft nach .dera * Wunsch der 
i^f bl«iMar^ ,zu verf^g-en., «».£, -eii:^ Fidei^omniiss anazurv 
z«i»len..u.' su w« KU^baf wur^n ai^' ni^ht, gondern Jiex, 
Willkur des ,(l4pbefi ,anb«imgealelU, bis August auck 
ibixan geriebtlipbe Gi^itigkeit veijieh. Spater sind siesafar 
baufig Plin. ep. H, 16. 20. VI, 31. 16. X^ 3. Tac. Xfi 
^Vr 64. Vlf. XXVr 3, .' . . \., 



■ ii ^ 



4 £ r ^ 



Drittei. Gapiteh 

> • • • ' ' 

i n^h sk I t des T e s.t a m e n t^-ii / 



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Der iwiesentliobe Jfnlnk * igt die Ernennung einei^ 
Erben {heredtm^ iMi$iiuerel -msribere , /acere^ Cic. de> «r# 
I, 391 a. Lex.), welcUeamk den'Worlengifegchah.^. Aet^ 
r»/o ( Suet. : Tib^ 28i Gai. II, 117* Ulp, XXt), ©d^e 
T. Aeredem esse'iubko Ulp. Diests*koRnte ganz ein&bb 
eder aqch untergewissen Bedingnngv^n gesbneheo^ ZmE* 
dass Aev Erbe ScLuIen aetzen solle . Gtc. Verr. II , %• 
9. 14. (Scherzhaft Hor. Sat. II, 5, 84 f. 3, W «;), 
jeddch waren nur nidglich«^ aristindi^ ond rriobt "gegen 
das^43es6tz aufgelegteBedingUn^n zulSssig)* Gdi. IlVOfe 
Entvteder war nur >«ineif> ( heres 'est; aese Spangeaberga 
tab. Mg. p. 67 ) Oder mebre Univen^aleirben: (i?o%ef^^ei 
CtcLadlAtt. XllW 10;«Hor. Sat/II, 5, 107^ S|)angAib; 
tab^ neg. 1. test.) d. h. das Yerniogen Mat in Quoten 
aufgelost, indem das as als Einheit der Masse unS'lSie 
invcM^ *(2wdlfty-SHMre)'*als Theile angehomifteit lifiren. 
So ^jkliren sieb'^^i^ Ausdriieke hereiet ' «sr ^ttifBmiB 
(Erbenvdes 3. Theilst Cicf. ad Att. Xffl, 48. VU^ 8i 
^^<j»ar/€ «ffw«Vf««^ Stiet: Tib. 23. qnmrtM patii^'h^lA^^ 
Sat. II, 5, 100 f; FacH^ h. e» deunce {H) et^mumiu 



^ 37d 



(7^; ztisammen l)$) Caeeiffam: ex dualm9 9€setul4$ (2 mal 
defi 6.Theil einerilncalflo ifjr As) JKf. Fuhinimm: Aebvii^ 
iextmhm % Utic. oder 7*7 As) Cie. p. Caee. 6. e^ fi^iM?fVr 
(Vk), Test, im Rhein Mas. I, S. 2&1. tin. 9. 10. Fr^^tMl 
war eine sdlebe Theilong^ nicht elme Schwierigkeit und 
kStfe leicht dnrch L^gaf nmgangen. werden k9nneii) 
wemi' Erbeinsetzang bei den I^mera nicbt als Ebren** 
sache gegolten hiitte €ic. p. Quint 4 iummns kones etc. 
I»h». I(, 16. ad- An. I, fb. ad div. XIII, 6t. SHet. Aug. 66. 
Tac. Ann. Ill, 78. Val Max VII, 7# 'Wonn eiaer von 
mebren ErbM selnen Aniheil i^ebt antreten konnle 
i3i^ 'wollte, 80' tbeillen «tok, yoransgesetzk das9 kein 
ahblAitiftaa an 'seiner Stelle ernanat tel, dte andem 
M^erben hinein (ios a«cre$cendt)' Utp. I, 2t. S^# 
hfx Papia Poppaea erKu die%er ieAducum genannt^ [vef^ 
luii quod eeciderit Ulp.) Theil besend^TerlindeningeR, 
denn das Recht des Zuwachsens wurde niit Ausnahme 
der Ascendenten und Descendenten bis in den 3. Grad, 
ganzlich aafgehoben UIp. XVII, 2 XVIIL, und dagegen 
bestimmt, dass die erblosen Theile denen vein den 
Erben zufallen soUten (dur<;h Vindication), welche ira 
Sinn der lex durch Kindei^ und Ehe dazu b^rjechtigt 
wartSn; Jur. IKy 85 — 9B. Taef. Ann. HI-, '28^ Oat. 
II, 286. 207 f. UI|). XIX, 17. XXV, 17. I, 21. Wenn 
kaiM solchen Erben- voi^andba.fAriirchi^'danffisQllU das 
caducuQi an das Aefariutn fallen (Tac^ .Anfl.. Ill, 25. 2S. 
SuetANerv. 60 Sen; ben. Vir, 6. Gati II, 2g6v Plin. pan; 
34*^ 36)4Ap%ter !ah dski Fiscus (dena'Aaefar. .and f is^uis 
acbanolzen.zusannnen) UIp. XX VII ^ .^..FUn. pan. 421 
Op. XXVIIL^ J ^populo) S. S 213.*'). . Mit den Le^ 
^teo war es jeidl^rzeit. dasselbe YerhJIItntss Gai II, 206. 
Ulfw XXlV,.\illf. . t : . \ . . :f .: 
1 ^lyabeii' der niM^JSsslichea iniHtuiio heredirriiknA > 
aich.audh hvkxAg 'tuhviitnt^o d. b-.^ eihe: .erentaaHb 
£ribeia«etBHflg auC den Fait, datiStkleir eigcntlichb* henea 
die Eilischsift htcht erwerbenlkafin ^toder will. €bi.. U, 
174, -i> fT8u UIp. XXII,:33. f. Pauh IH, tf 4 ^ Siehiess 
u'>\o.\) .'■ ' / •\ ' ■ '' .' .■! .!» '/i-'r . •' 
oii> i)!»;i r. , / i- • . ' ": ; "■: %\\ i'.*-h nr .*.'. i ^ •- !.'.« 

.'' >'i?;)/ *'»i¥aw .*bdr;.dM 4|fw4i4iB0.n<iiifM*^! ipild^eM 
^iim&^Yn9.f9inf.,9fi|^. I, $. 89 -r 10l»^iG<y|i^i;5clR»lietei:i(€a^(hK 
jntaOiP. 372 ^,377. Ert»recht B.A2^ -t^hIM^ (Hib^ rAccnwnM* 
JMfrff.^tffir die j«9lHi9QniiQ Tia4icfitiQ (fiHiili)'J^'«corf»aceii)i} bi' d^ 



I 



379 



\ 



( 



M^Af^ f* (liirter VoiyilM^en) md Imtte den 2i9«dc; 

diW^die niom imgetretene ErhKfaaflaniMse yon andem 

nftohslb^reditiffleii Personen f tvdche >der Testator nidit 

Mfilfischte, riKbt in Besits geiMMmnok metien iMdite* 

Der 8Q einge8etsst0« hiess. Me^undn*^ hv 'Cic .Yerr^ JI> 

41i4,43<. Aodier^ . UeHlpiele p. Cla^ II. Taa Aan. h Sv 

(in Mem^ecHmdaA -^ tertifk gradi^ ^c^) Sn^U Aag; , 

lC>!i;C;iaiid.'6.. her»du /^r^.Appian fau c, II, 143. Spangeiiw 

]^rg tab. p».63. T«aC« im RlieiD. Mas. I. — ^ Noefa^weiter 

giog die ftieh^^aUmdhlig' btldende und aafiingsbastirillane 

pupi/larif $• {Citu de in v. II, 21 >. wo d|i8 Erbredbfl der 

Agna^n des unmundig Gestorbeiiett als nftohsten JInta<< 

Btaterben vor dent seeeiidiis beret dargeslelk wird)^ 

welcfaiB daHn; bestendi tlaas der Vaiter, welcher seinekv 

mmiundigenvfiohn; zoiii Erben ieinselBte, .»2iiffleiob aufi 

^teO'Fldlrdasi^ daa Kiad .unmundig sterben some,- eiaen 

Aadei'n ernaante Ch*. U, 179.^ ^1> 184. Ulp. XXllI, 

7 _ 9.J JStne'Anspiolaa^' sr Hor} Sat. 11^' 5^44 % wo 

sogar mehre Ecben ««b«tituirt wenlea;. Aaeh fir den 

naoh \]ngeh0ruen*(p0$4umuM) (ftonnte .diese Mbflt ekn^ 

treten (Cic* p. €bi«4'l..f.); jedoeh; war es eoatrirve^y 

ob i^enn gar liein Sohii gebbren warded -der substiAiirlo 

der £rbe des Teslatiiiis werde. Ciic..t()erinir;.li^ '42''f« 

m^i.Jiiius geM^B'Vnm pluretne^ ..iti mifti Aeret €Mt0j 

Si Jiliui ante moriiur^ quam in tutefam 9uam venerit, 

iu mihi — secundus heret efto. Den uber M.' Curias 

• zwischcn L. CrassQS und Qii.^c^vo]lia^'gefuhrteii Streit 

berichfep Cic. de, or.. I, ^^ 57. II,. 6. 32. Brut.. 3di. 

52L 7a. p. CaecJS., Top. 10. Quiet. Inst, VII, 6,. 9, ., 

.> Zu, . dei^ . unwQpiehtlicb^n .Inbalt des Test, z^i* K^ 

Freila^sung von .Sola ven (Te«t. im Khein. Mus. 1. 3ft --^S&t 

S* St7^ f. 9 Yerordnungeu ;iiber yormjandscbAJ't s*. & 

J^4]. 2^fb L) gehprt vor alien andern, das Legatum*)^ 

welphes io Forin eines dem Erben aufgelegtea Befebls, 

welch^jr s^ts naplv der heredis ins^^it uad zwar in laleiHf ' 

Spfache folgen musste dllp. XXIV,,1$« Gai, U, ,929, 

2kiX*), eixxQ^ Singularsuccessiqu enlhsdt, wo4urch t.dcm 



. ..■■fill ^. - mf ( ■ ^ >•»»»..■ V • t 

3, .330 — 347. Erl?recht. 8.165 — 2ta. — Paul. UI, & X^^ 
.XXt V. l^aium eU quod lcgi$^ modo ,U «< > impera4i$e te$iame»H 
reUnqvUur, Schol. ad H^r. Sat. II, i^ 9. legarg b«fahl0« JNavU 
Cas* I, 12, t^st.^ Torfiigea im Wy 3>t ^iQgalar. auocy ma^bta^i 
e. S. Hor. Spi. II, 6, 67 ff. 



/ ' 



— 380 — 

EAm Et waft en teogeh wirit. Dkae Legate iMler Vermftdrt** 
BiasewaMQ oft sehr gross, z. E^ die Hsilfte der •Efffci' 
scbaftd^i. pMrtiiSo'{de. de leg« II, M^ in weklienit 
Faiie idcr Legalarkn 's«r Mitdbornahfrito der s^eta ^r«' 
pfficbtfit war, dem er^ dadtirch zn ientMhen *pfiegtc, dasv 
en etwas weaiger (Is die Hdlfte ni|lririlllv^i9.>21.), odd# 
ein/DriMel, oder^andere bedentende* Theile Cie. p; 
Cfi6Q.4, Ulp. XXIV, 25. Gai. 11, iM.^ Dureli s6icfhe 
nntnassige Legftte.masste.natarliob Hume nom^nkeredii, 
urtffAsA odd nundie Erbsthaft wardo aiis*'F«F«)it t^pt 

.de^ grossen Legaten auesgeschlagen. Gai. 11, 224; li\9^. 

;sefn!^ebel8t8nd zu steoern, gab der Staait mehre die 
QitantitSt der Legate beschrSnlcende €iesetae , outer 
deneo die unpassende lex Furiu die !•- ist (^f^l d. St.)-*)' 
ihit der YerordiraDg, dass Niemand<' ilb^' fOd§ Asar 

i legtren solie, uad %weiin der Erl>e eiiie grdssere SomilMr 

' betMAt habe, so dorfe or sie mi^ poemn qnadrupli 
wiedar ctaruckforderif Cic. p. Bsik 8. 'Gai. IV, 23. 109. 
Niir b^ den nlichsten Verwandteik sollte die Strenge' 

; des Gesetzes elne. Aosnahme erieiden {pertonae ex-* 
eeptae) frogm. Yat 301. Ulp. XXVIll, t. Daraaf folgte 
iea^ Voeonia, welcbe ansser den & 3M tf, lerwSbnlen Yor* 
ttehriften aucli iioch nBe entbielt, 4bss kein Legatar inehr 
eriialten solIe, als' der Erbe oder aHo Erbea, zosanimen^ 



' r » 



^) Schraden Bett^. la Hugos cir. Mug. V', S. 162 — ^ 174. • 
Si^aingg Bern. 8. 103 — 105. Sehr klar ist 6ai. 11, 224 -^ 227* 
oUm tfuidem Uctbai ■ ioium pairimonium legali$ alque $iberfai^u9 
(FreiMss*) eregare , nee quidquam heredi relinquere pfaetet-quitnt inane 
nomen^heredis; idque lex XII t, permittere vidd>a1ur ^ qua eavetnr^ 
vi quod quisque de re sua hstalut esset^ id ratum habefehnr Ids 
verbis: uH iegassit suae rei^ itd ius e»io; quart qui ttrijpii hertdee 
trani^ a5 heredHaie s«f ^ahsiinehani ei Idcirco pleHque ihirsiail inori- 
e^antnr, fidque iaia esi lex Furia^ qua ex^epHt j^rtcnfs quibnsdam, 
celertt -plua mile asi^buf legatorum nomine moriisve causa capere per. 
Hd^nm non ewl, Sed ei haee lex non perfecii quod vohtit'^ qui enim ^ 
verid gratia quinque milium aeris palrimonium hahehat^ pof erat qum* ^ 
ifue komin^9 9inguli$ milenot asset- legando ioium palrimonium 
efogar^i ' Itleo posieo lata esi l^x Voe', -^ sed lamen fere vhium 
timite nmahatur ^ nam in muUas legatandrum personam dislrihuio 
paltimomo potef'ai adeo heredi minimum reVnquere iesktior^ uf non 
4»pMirH heredi^ Indus lueri gratia loitua hereditaiis > onera susli* . 
nert etc. 



— 381 ^ 



T<»rai]8geget8t , dms der Testatdr cehsns war Cic« Y^rr*. 
I^. Gai. 226. Endlich kam lea; Faleidia (714.di.St)J 
wekhe befaM, dags dorch Legate .ale mehr ak ^ (.ifaK 
dram) der Erbachaft entfrekndet werdt n and d«iii £rbeii 
allemal 1 yepbleibc^n solle. Dieses Viertel sell der Edbe 
'bei dem Auszableii der Legate ohne weiteres abeiebeii 
Dio. Cass. XL VIII, 33. Gai. II, 228v UIp. XXIV, 32, 
Paal. Ill, 8. Alle dem Erblasser gehorigen Sachen konntea 
dorch Legal vermacht werden, also Geld, Gnindstiicke^ 
usBsfraetus einer Sache, Sclaven u. %* w. und Kuweilen 
war dem Legatarius die Wahl (optio legate) fmgesteUt 
worden ^ welche Sache von mehren er answ&blen woUe. 
Ulp; XXIV, 14. Die* Form der Legate, aber warvier- 
fach (Ulp. XXIV, 2 V- 13. Gai. II, 192 — 223.) 1) p^P 
vindicaiionem, wenn eiiife bestimmte Sache legirt wird^ 
die der Legator vindiciren darf, wobei die Ausdriioke 
angewandt warden do^ i^Oj capita , ammiio, nbi 
iaieto, 2) per damnatienemj Vfenn dem Erben eine 
Pelftstig^ng aafgelegt wird , gleich als wean ein gecicbt*' 
behes IJrtheil gefallt wftre^ mit der Jormel damnUM 
eMto dare Quinct Inst. VII, 9. Spangenberg tab., .p. 70; 
Test, im Rbein. Mas. I, 1. 13 ~ 28. {legure ah atiqua 
Gic. p. CIu. 12) oder dato^facito; auch keredem meum 
dare iubeo-^ in welchen Falle keine Vipdikation gegea 
den Erbien, sondern bios eine personliche Klage ange-» 
stelit werden konnte. 3) iinendi modo,^ wenn. d^m 
ErJben. aufgelegt wurde zn erlauben, dass der Legatar 
iKon der Erbschaft etwas wegnehme {damnas eito Hnere 
jL. Tiiium iumere illam rem ^bique habere) 4) per 
praeeeptionem ^ wodtirch ein Erbe (oder auch andre 
Personen? Gai. II, 217. 221.) vor alien andern den 
Vorzng erhlilt, eioe Sache vor der Erbschaftstheilung; 
Torweg nehmen zn diirfen (illam rem praecipiiojj 
welche Sache praecipuum hiess, oder praelegatum. 
Fest. V, ex^sipuam. Vai. Max. -VII, 8, 4. Plin. ep. V, T* 
Znm unwesentlichen Inhalt des Test, gehort femer 
das Fideicommi99um*)^ Gai. II, 246 — 289. 



^] D. V. ^€ TFynperase de ficleicommissornm Rom. liisloria. Lngd. 
B««.;i822. Gan9 Scholien S. 347 — 355* Erbrecht S. 214 — 231. 
Ulp. XXV, i, fid. est quod non civilihvs verhis^ ied precdiive relin^ 
quitur^ Hee ex r^gbre tuna eiviUs preficiscitur^ ied ex vplunlaie datur / 
reiinqueniis, ' ' - 



-^ 



^ 382 — 

Ulp. XXV. Paul. lY, I.), welches «»» in eiii^ Bitte 
an den Erben gekleidela Verfiigang uber eiiie Sache 
emhftk, die der Erblasser gem einer dritten Person 
flaweaden mochte^ Daaa bedient er sich der Worte 
^dei tommMo (Spaogeoberg tabl p. 62. Test, im Rbeitt. 
Miis. I, 1. 29.) peto (Spangenberg tab. p. 66.) volo dm4 
(UIp. XXY, 2.), uod stellt sie also der fides des Erben 
itnheim, da es kein Zwangirecht gab, wenn er nicht 
etwa luU de^n Erben einen Vertrag gescblossea imd 
ihn batte achworen lassen (fiducia &< 1&5.) Aasaerdem 
batten seiche meist; im Codicillen und in jeder Sprach* 
(Gai. II, 281. Ulp. XXV, 9.) nrederplegte Bitten keine 
geriehtlicheGuitigkeit, bisAagnstus die Coss* beauftragte, 
in vorkommenden FSllen zu untersuchen, aher nicht die 
indices entscheiden zn lassen. Unter Ciaadins .warden 
die Prtttoren ,und Provinzialstatthalter mit Untersuchung 
der fideicoinm. Sacben beauftragt und die Coss. ent«- 
schieden nnr iiber grdssere Snmmen Quinct. In&t. lU, 6, 
allemal aber extra ordinem. Gai. II, 278 f. Ulp. XXV, 
12. — Die fid. waren erfunden worden , um soleben 
Personen .etwas zuanwenden, welehe naeh strengen^ 
Girilrecht . gar nicht bedaoht werden oder wenigstens 
dnrcb Erbschaft oder Legat nicht so viel erbalten 
dnrften,' als man- wiinschte (z. E. wenn man die ganze 
Erbschaft einem hinterlassen wollte. Ulp. XXV, 11« 
Gai« II, 248 ff.) und sie biessen urspriingKch cfrnmen* 
datienei mortuerum Cic. de fin. II, 17 f. Ill, 20. SineC 
Claud. 6. Sie kommen am haafigst^n Tor/ bei J^'rauen 
(also um lex Voc. zu uAigehen) Gai. II, 274. Cic' da 
fin. II, 17 f. Plut. Cic. 41. Cat. 52. (von Horteosius, 
wo gewiss ein fid. zu rerstehen ist, da Val. Max V, 
9, 2 von einem Erben die Rede ist, welcher das fid* 
vollstrecken konnte Quinct. Inst. IX, 2.). Falle bei 
Proicribirten erwahnen Cic. Verr. I, 47 (wo Cic den 
Verr. wegen seinirr . den Proscribirten naebtlieiligen 
Strenge heftig tadelt) und Val Max IV, 2, 7. Eben so 
mochten iucertae personae (GaL il, 287. 238.) Latmi 
Jun. (Gai. L 24. II, 275. UId. XXV, 7. XXII, 3. 
XI, 6.) peregrinij coelibes^ orbi (Gai. II, 284 — 286) 
niit Umgehung mancher Ge^tze fid. erbalten, und Frei- 
lassungen durch fid. waren nicht selten (wegen lex Fun 
Canin. S. 278. Gai. II, 263 ff". 276. Ulp. XXV, 18. S. 274. 
bis unter Hadrian . u. a. Kaisern mancbe Ausnahmen 
und Beschrankungen erfoIgten« Gai. II, 285 — 287. 



-383 ^ 

Ulp. XXY, 16/ Paul IV, 3, 4. Za denen if> derKai- 
^^^seitgemachtefiyeraiulerBhgepg^boft namentUch SeoMS. 
TrehelUanum (unter ryei:o), welches dem Fid^ikominiaAar 
alle . ErhfiK^haftsklagen ertb^ilt, als wean er Elbe warei 
das «Sc^»«. Pegananum (unler Vespas.)) welches dem 
Erbeii bei dem Auszahlen der fid. der lex Falcidia 
analog, den Abzugeines Viertels der Erbschaft gestattete* 
Ueber beide Gai. II, 551 — 259. tllp. XXV, 14 — 16. 
8eQn$. .Aprb04a»Um gab die ErlaubnUs , ^allen jurist. 
Personen^ Fid* za vermacbea* Plin ep. V, 7« Ulp» 

XXlIiy &• 



Viertes CapiUL 

Entkriiftung der GUltigkeit einer let^t* 
willigen VerfQgung. Gai. H, 138 — 146. 

Pp. XXI^, 1 - 5. 

Ein Testament kann ungultig werden 

I) durch die Person des Testators, welches insofern 
gesichieht, 1) als der Testator eine Veranderung seines sta- 
tus erlc^idet (capitis deminutio Gai. II, 145 f.) und in eine 
Lage gerath, welche ihm nicht erlaubt, ein gtiltiges Test, 
zu machen tllp. XXIII, 4. z. £• Wenn er in feindlicher Ge- 
fangenschaft stirbt, in welchemFall erst durcb lex Cornelia 
eine Aenderung dahin geniacht wurde, dass bei einem 
soIchenddrchFiktion angenommen werden soiled als sey er 
in freiem Zustande gestorben und dass sein Test, gultigi 
bleibe. Ulp. XXIU, 5. Gai. I, 129^ Paul. Ill, 4 a, 8. 
2) duch veranderte Anordnung und Widern(f (mutajio 
Cjc. p. jClu. 11, 64. de or. I, 38. 57.) dehn das neuere 
Testament heb( d£|s alte auf {rumpit de or. 1, 57. VaLMax^ 
yn, 8, 4. Plin. ip. VIII, 18. Gai. II, 144. Ulp. XXIII, 2. 

II) durch &\e Person des Honorirten kann ein 
Test, ungultig werden, 1) wenn der berufene Elrbe die 
Erbschaft nicht annehmen will oder kann , da das Aus- 
schlagen der Erbschaft (repudiare, abstinere) jedem 
freistand, mit Ausnahme des eingesetzen Sclaven Gai. 
n, 160. 144. Ulp. -XXIII, 4. XXVI, 5. Sobald keiner 
annehmen will oder kann, wird die Erbschaft von Neuem 
deferirt un,d zwar entweder den Erben des eingesetzten 
Erben, wenn dieser vor Antreten der Erbschaft gestorben 



. 1 . ■ 



• - 384 _ ' 

* 

■«ya flollte ( trammitiio ) , oder den^D , wdcbe Tom 
Testator sabstitnirt sind, undwenn diese nielit woUen, 
den Intestaterben. Gai. Ill, 12. Ulp; XXVI, 5. Paol. 
I V , 8 , 23. 2) darch Agnation eines anas heres %. £• 
eines postumns etc., weicber im Test* nieht bedachr, 
nocb enterbt ist, wird das Test, angultig {rumpUur Ulp.) 
Bifd Intestaterbfolge tritt ein s. imten. — GaL 11, 
138 — 143. Ulp. XXIII, 2 £ 

Was die Legate betriflt, so Terstebt sich von selbt, 
dass mit UngGltigkeit des Test, aucb die Legate auf- 
boren; ancb konnen sie Tom Testator jederzeit widwrofen 
werden (Ulp. XXIII, 29) and haben vermoge der voa 
M. Pore. Cato (gest. 600 d. St.) benanntea reeula Car 
ioniana*) nur daon Giiltigkeit, wenn zur Zeit der 
Testainentserricbtnng das Legat sogleicb hdtte angetretea 
werden kdonen d. b. der Erblassermusste EigenthiUner 
der legirten Saehe seyn, er mosste ebenso v/ie der 
Bedachte test, factio haben z. E. kein Sclave konnte ein 
Xiegat erhalten , vrenn man ihm nicbt aagteicb die f rei- 
heit mit vermachte u. s. w. 



Zweiter Absehnitt. 
FUnftei CapiteL 

In t e s taterhfolge **)* 

I. Des freigebornen Rdmers. 



- i 



Wer ohne Testament verstarb, wurde nach alten 
^ gesetzlichen Bestimungen beerbt (legiiima hereditaif 

f) Der Grand dieser Kegel lag wohl dariiit .dass die alten 
Test, als gegenwartige Verftignngen angesehen wnrden, welche 
also nur dann giiltig seyn konnten, wenn die Verhaltnisse sofor* 
tiges Uebertragen erlanbten. Hieriiber sowohl als tiber den alten 
Streit , ob xliese Kegel . im Rom. K. ganz nnpraklisch gewesen und 
Ton Just, ganz aufgehoben worden sey s. Arndu Abh. im Rhein. 
Sins. V, S. 204 — 254. Ihfe nur durch wenige Mod^fikationen 
eingeschrankte Giiltigkeit bis Just, behanptet Homier de reg. Oaf. 

•*) Hullmanna Hypothese, die Intestaterbfolge sey die alteste 
in Rom geltende gewesen, ist schon S. 373. mltgetheiU« 



y 
> 



— 385 — 

ft 

im Gegensatz der teat iufia Mnannten ) , naeh deren 
AnordnuDg der Nlichste immer den Entfernteren aus- \ 
schloss. Zoerst kommen diejenigen 9^ welche in des 
Erblassers Gewalt standen (pot€$tas von Kindern, manuf 
YOn Fran in strenger Ebe ) als er starb , oder seiche, , 
wenn er noch lebte, in derselben steheri wiirden. I)iese i 
hiessen 9ui*) und umfassen Sohne, Tochter, Enkel \ 
nnd FVaa in manu Gai. HI , 2 — 6. Ulp. XXII, 14 f« 
Dion. Hal. II, 25- Plut. quaest. Rom. 35. Macr. Sat. I, 
10.*(freilich unter Ancus Reg.) Gell. XVIII, 6. s. S« 
181 f*; nicht aber diejenigen, welche durch cap. dem. ^ 
ans der Familie ausgetreten waren, wie die in strenger ; 
Ebe verheiratfaete Tochter, und der an ;ejnen Fremden j 
in Adoption gegebene Sobn. Ulp. XXVI, 1 ' tbeilt die) 
Worte der Xll Tafeln mit: si Jntestato moritur^ cui 1 
9UU9 keres nee eicitj agnatus proximus familiam (die \ 
Erbscbaft) habeto. Cic. de inv. II, 50. ad Hef. I, 13. > 
Gai. HI, 1. 9. Dirksens Uebers. S.-343 — 355. Das 
Yermogen wurde nach StSlmmen f stirpes) ^ nicbt nach \ 
den Kopfen (capita) vertbeilt Gai. Ill, f f. Ulp. XXVI, \ 
2, so dass, wenn der Erblasser einen Sobn nnd von 
einem scbbn verstoirbenen Sobn 2 Enkel ninterliess, 
der Sobn die eine und die Enkel die andre Halfte der 
Erbscbaft erbielten ; aequum est enim nepotes in patris 
sui locum succedere et earn partem habere, quam pater 
eorwn si viveret habiturus esset. Ulp. ' 



*) L» F, Griesinger (Gesch. and none Theorie der ^aitat* 
Stattg. 1807) behanptet, dass im Sinn der XII Taf. nur filii fami- 
lias (nicht Tochter) sni gewesen seyen (jHes Ifaiera gehomer natur- 
Ucher Erhe), Erst 4l8 d. St. hatten die Juristen die in natiirlicher 
Gewalt sich befindenden Tochter fiir suae beredes erklart nnd 
noch friiher die orsphiDglich ebenfalls ansgeschlossenen Enkel als 
sni angeno'mmen. Diese Hypolhese ermangelt der Beweise nnd 
ist ailch langst von dem grossen Hngo, welcfaer sie friiher yer- 
theidigl hatte, znriickgenommen. B. 6. S. 269. .Ueber die sui 
iiberhanpt Foersier de bon. poss. etc. S. 27 — 39. — Man darf 
iui and neoessarii heredfs nicht yerwechseln, denn die sai sind 
zwar immer necess. , aber nicht nmgekehrt. Necess* h. diejenigen 
Erbeii, welche ipso iare ohne eine besondere Handlnng erben, 
wie es bios bei denen der Fall ist, welche in der Gewalt des 
Erblassers stehen, d. b. Kinder nnd Sdaven-; jene h. sui et necess,^ 
diese aber bios necas. Gai. JI, 160. 166 f, 153. Ulp. XXII, 24. 

2fi 



— 386 — 

InfirmaiitiriiiBg 4er nd folgtMi 2) agnmii fvmiwH 
g. oben JLII T. Gai. IH, 9 — 16. Ulp. XXVl, 3 M. 
Der NcictMte scbloss alTemal deD Eatfernteren ass («» 
legiiimiB heredHniibmi 9Wcee$tio non e$i Ulp. XXVI, 5w 
Gai. Ill, 11 — 13. 15 f. PauL IV, 8, 23) aad alle 
die gleidi nidie sldien, erben nach K&pfen, friiher Tiel<^ 
leicht oaeh Stamnien Gai. Ill, 16. Ulp. XXVi, 4, so 
dasa wenn ein Bruder nur einen, eiti andrer alyer mehre 
Sohne hinterlassen hatte, alle diese Vetlern gleicbe 
Tbeile empfangen. Was die'Fraaen betrifit^ so uvurd^b 
nach den XII Tafeln die Agnatinn^n mit Aasnahme tder 
eonsanguineae von der Intestatsttcc^psston avisgescblossett ; 
welche Beschraakung dutch die ErklSrung der Joristett 
and deren nene die Frauen mit Ansnabnie tier eonsan*^ 
guineae aumchliessende Definition der Agnaten*) enl- 
standen war, da in der filtesteii 2eit nioht darim gifedaclrt 
worde .nnd mannlicbe and weibltohe Agnaten gleick 
berechtigt warett. Gai. Ill) 14. 23l Ulp. XXVI, & 
XXIX, 4. Paul. IV, 8, 2^ 

3) Waren nveder snt, no«b agaati da (denii cognatl 
batten nrsprnnglicb keine Berechtigiing H. S. 234), so 
erbten die gtniilet nnd' zwar alle Familien , wel'cbe 
tn einer gens g^h^rfen, wahrstheinlich tn gleichM 
Theilefr. ^ In den XII Tat «fand $i agnatvt nee €$cH 
geHiilisfitmiliam netntitor. Dirkiens Uebers. S. 356 — 364. 
Gai. HI, 17. Seiche Erbschafren (fefwibnl Cic. Verf. 
I, 45. Soet Caes. 1.) innssten mit dem allmsiligen 
JCrloschen der ganzen Gentilverhilltnisse immer seltner 
werden, brs der Staat endlicb an die Slelle der gent, trat 
nnd die Giirer erbte, sobald keine sni und Agnaten 
Torbanden waren^ Tac. Ann. II, 48. Gai. II, 150. Plin. 
ep. II, 16. IV, 12. Paneg. 42. — Dasd sich einmal 



•4-^i 



*) Pms die Frauen ubei^iipt Tom jdier Ton dom fatesUt<- 
erbrecht aBilfesdilossefi gewesen, also anch die consangnin^ae, 
nnd dass erilt io apat«rer Zeit Mildemngen dicises atrengen Princips 
«fiigetr«teii aey^eii, behanptete Hugo hi a. ciy. Mag. 11, S* 105 — 124, 
haX aber seitie.Mehiuiig wilder ziiriikgenonimeB R. G. S. 2f>9. -^ 
Dte im Tex| aiisgeapfochetie nnd ziemlich allgeiBein angenommene 
Absidht begriisdte zuerst M. L Euler iifber die Betchrankuiig des 
iMteataterbr, d. Weiber b. d« Horn, ma BurdkardU GnmdziigeB d. 
BechOsyj^ S, 298 ^' 318^ 



mn B^tnghf t/k GtmAfmsg^^MSo babe, w&ftAt VaL 
Mali. IX,: IS, 5.*>. » 

n. -JDe* yre«>e/a**d*ie^**\ Gai. Ill, 39 — 63. 
(54 — 76 ubet Lat. JaiiO Ulp. XXVII. XXIX. 

Start) ein libertos ohae Test. , denn er hatte test, 
factio unabhangig voni Patron (Cic« Verr. I, 48. Gai. ./ 
Ill, 40), so beerbtien ihn die sut^ und wenn solche nicht' ; 
da waren, der Patron^ da ein Freigelassener keine ^ 
Agnaten und Gentilen besass ; denn wenn er aujch ztk \ 
deg Patrons gens gehorte, so war er doch jiur Minder- 
bereehtigter und hatte keine eigentlichen Gentilen S. 236^ 
Ulp. XXIX9 6. 1/ War der Palrdn schon gestorben, so 
£el die Erbschaft an die Patrona und die Kinder den 
Patrons. Ulp. XXYH, 1. XXIX, 4 f. Fragni. Vat. 
308. Dirksens Ueber^. der XII. T, §. 380 — 388. 
Starl> eine Liberia ohne Test, (iiber die Beschrankting 
bei dessen Abfassung ». ^. 366.), so erbte der Patron 
od€r dessen Gattin und Kinder ohne weiteres, da eine 
FrgH keine sui heredes haben konnte Gai. Ill, 43. 5i4 
Ulp. XXIXi 2. piese auch durch das Prator. Edikt ffc- 
schiitzten Kechte cles Patrons und seiner Familie wurden 
durch lex Papia Poppaea zum Vortheil . derselbeii noch 
erweitert; so erhiel|; der Patron das Recht, aus Aet 
Verlassenschaft des libertus, sobald er iiber 100000 Sest. 
hinterliess ( centenariui ) und weniger als 3 Kinder 



*) In der Kaiserzeit wtirden die Agnaten Immer weniger, die 
Cognafen allmalig immer xnehlr bertlekiichtigt , wozn namentlich 
Prator* VergiiDstigTiDgen Veranlassnngen gaben, so wie iiberbaiipt 
das Princip die Cognateil HoyzUzittben inmer herrschender wiurde. 
Ulp. XXVI , 7. 8. S. 234. Vor aUeh^ wichtig aber sind 2 Sen. 
cons. 0»s^iidiluM^<lilrc&^ Welches 66hn^ njid Tocbter lis Erben 
der Mutter, TertuUianum die Mutter als Erbin der Kinder berufen 
wurde. ' 

**) Meinecf* synt p^SiS .^^ 5l8. U^ierholzner ^K das fatron. 
Erbrecb^ in der Zeitscfar. f. gesch, Rwiss. V, S. 26 — 122 (€iyil- 
istoht. 8ft 31 -r- 56, 101 — 110*) ITiuchkes Studies S. 25 — 167 
Beitr. zur Erlaut. des Bechts der Success, in die Giiter der Frei- 
gelass. I, fiber lex Pap. Popp. S. 25 — 58.' — So wie der 
Patron gegen den libertus Erbrechi b^sass, ebenso gegen den 
Clienten iiberhanpt ; Klrenlgstens gegdn den , weloher fremd' nach 
Rom gekommen war ,und sidh daselbst einem Sobntzherm ange- 
scbk>ssen hatte , 8. €io. rfe oiu I * 39 (Us applhatioms, 

85 * " 



' _i 388 — - 

Uatte, Kinde«theil (virilit porHo) za veriangen, es 
mochte ein Test, da seyn oder nidit Gai. Hi, 42 *)• 
Ebenso faatte er gegen die mit 4 KinderD veraehene 
liberta,^welche dadurch Test Recht erlaogt hatte, An- 
apruche aiif einen Kopftheil der Kinder^derselben , nnd 
nicht weniger der Sohn des Patrons**), Auch warden 
die Rechle der Patrona ( z. E. Recht auf Kindestheil, 
wenn sie 3 and die liberta 4 Kinder hatte Gai. Ill, 
50 tf. Ulp. XXIX, 7), der Kinder der Patrona **•; (Gai. 
HI, 53. corrupt) and der Tochter des Patrons sowohl 
gegen den libertus als die liberta vermehit and befestigt, 
vorausgesetzt dass sie ins liberornm batten Gai. Ill, 46 
(ausserst schwierig zi^ erganzen and za erklSlren) 50 f. 
I]lp. XXIX, S.-j"). — Waren Patronus nebst Fraa and 
Kindern vor dem- libertus gestorben , so er1>te die gens 
des Patr. , worauf auch Cic. de or. ly 39 hindeutet. 

Wenn der Sobn oder a. Descendent des lib', sfarb, 
so beerbten ihn sui , daraiif die agnati and jn deren 
Ermanglung die gentiles , za denen er. als Minderbe^ 
recbtigter geborte. Daranf bezieht sich .der von Cic. 
de or. I, 39 erwabnte Streit zwii^chen dem n9berea 
Stanini der Marceller, welche als besondre Genossen- 
sebaft Erbrecbt behaupten, and der allgemeineh.' gens 
der Claudier. Doch erloschen dereo Rechte immer 
mebr s. S. 237 f. 



\ 

I 



Dritter Abschnitt. 
SecAstei Capiiel. 

J^rbJ^olge contra tabu las. 



Die fruher unbeschrankte Freiheit des Testirens 
(s. S. 366.) musste wegen des in der verdorbnen Zeit 
Rbms allinlllig einreissenden Missbrauchs and Willkur 



*) Unierhoizner S. 101 «fE. 

**) Unierhoizner S. 106 fL BuH^ike S. 28 -^ 33. 

**♦) • VnierJuOzner S. 45 ff. Huachke 8. 47 — 56. 

f ) UnlerhiOmner S.. 39 ff. S. 108 f. Dagegto HunihkeS. 33 r- 44. 



- 389 - . 

«ai(Sliiiitiert ^erden, welcbes iiilM>fern gesc^ah/als der 
Testator,, .wenii er sni hatle, ^dieselben eatweder za 
Erb^a eim^tz^a o^^i: a)s enterbt anzeigen sollte; denn 
' leiztcrr^ik 8tand jedeqft freL (exheredare Cic p. Rose. 
A» X9 exAeredei* tcrfbere) * ). Hierhei fand der 
Unt€r8cbied 9tatt, da.s$ wean einSohn ainLebea, oder ein 
liacbgeboraer noch za erwarten war, derselb^ namentlich 
(n^ominaim X be^eicbnejl seyn musste, wabrend der 
T^talipj^ die Uebrigea im Allgemeinea als enterbl mit 
der Foruel ceieri *€:vheride9 gunio anfuhren konnte. 
JSai II, 123 — 134. Up. 3^X11, 14. 20 — 22. Wenn 
deij Testator die^e nicht. nannte (praeteriiio^ Welches 
Ci(^«.PhiK U, 1(>. ungenan dorh exheredatio umscbrieben 
wird),/90 koDQte das .Test, nicht vollgiiltig seyn*^*)* 
War df^ Sohn and Postumus iibergangen, so wnrde 
das Testament geradezn ungiiltig {nullum ^ ruptum UIp. 
XXII, 10) 9 denn man set^te voraus, der Yater babe 
nicht aasie gedacht und einen Irtbum begangen. Cic^ 
p« Caec. 25. (rupium test.^ 4"^cb einen ^lius agnaius)^ 
Cicu 4e ar. I, 57 comtai agnascendo rumpi teitamentum. 
Wenp dagegen Tochter und,£okeL nicht genannt waren, 
i(fo blleb die test. Erbeinsetzung giiltig and die Ueber- 
gaagenea. traten nua in die Reibe der Erben ein .and 
arbialtea mit denselben gleiche Theile (ias accrescendi) 
€}a^; .11^ 123 flF. Ulp. XXII, 17. S. 378, 
.^... .' Dieses arspranglicb nur fur sui gehende Recht 
WWle durch Interpretation der Icten erweitert und auf 
die ' . nach&ten An verwandten ( Eltern ^^' Geschwister — f 
docb oboe eine feste Grenze zu bestimnjyen) ausgedehnt, 
indem madder alien gegen die . nachiiten Angehorigen 
zu erfiillenden Pietat gemass eine gewisse Verbindlicbkeit 



— — • -^ , 

*) Foertier de bon. poss. S. 23 — 1.^3 de suii heredibiis 
fare civ. yel institnendis yel elheredandis. ^Gam Erbrecht S« 
93 -- 107. > ■ 

**). Ob praeteritio des Sohns schon ul Cic. Zdit das Test. 
QDgiiltfg ma^hte, ist zweifelhaft;- wenigsteoAinuss die Hegel bald 
nach dessen ^eit angenofmnen seyn ; denn er erzahit de or. I, 
3d. 57 einen Fall, dass ein im Test, ron seinem^ateriibergaDgner 
Sohn , (der Vater batte neihlich die falsche Nachricht bekommen, 
tein im Felde abwesender Sohn sey gestorben) das Test, angegriffea 
babe nnd sagt znletzt nempe in ea causa quaesiium est de iure^ 
mviU^ pos$etn€ paiemorum hSnorum e^^em tut fiHus^ quern pater 



— S90 — 

anerkanate (Sea. de bee. ID^ 8), AaaiAea ^tfen iVaC. 
an bedenken^ so daaa wena 4^r fetblasser aha^ gagrSadeta 
Ursache (^umma cum imqniiaie, indigme^ impie; it$U 
aM improkkm nam im^teiotum nom inkummmm b^ CSe. 
V^rr. I, 42 Val. Max. YU, 7* 8.) anteriaM^q batte, 
ihnea etwaa zaxaweaden , me das Test, aaistossen 
(re$cinder€) dnd latestaterbfolge Terlaagea koaatetf^ 
Dieses geschah darch die qUerefa ^ fa crns a fiaj 
inofficiosi*) Beschwerde ^ber tfabilti^^ * aad 
Lieblosigkeit des Test, welcbes nieht-ex' afftd^ pieMi^ 
eentcriptum sey (Paul. iV^ 5, 1.; noch starker -Asinlaa 
bei Qainct. J. IX, 2, 9 Juriontmy non invfflciotuim iegim 
reprehendimui. Yal. Max YlII, 8, 2), es sey keia Grnad 
car £nteii»ang Torhanden, seadem aar Mangel an 
gehoriger Ueberlegung (error) Ton Sehea des Testators. 
Solehe Klagea wordeo yor dehi Cviralgericht entsebiedeil 
(Plia. ep. V, 1. YI, 33. Yal Max, VII, 7 and ft. , W. 
Cie. de mr. t, 38. Qatnet. lost tX, 2, 34. Paal. Y, 16, 2.) 
aod wordea einer wahren actio Immer Shnlidier;: w§h*p 
rend sie fraher wohl laebr ia ^net einseiltg^ fie^ 
schweraefiihruBg bei dem Prfttor (Yal. Max. Vu, 7) 5) 
oder bei den Cvtrn. bestanden, woraaf nacb genauer 
Erwagmig des vorliegeiiden Falls d. b. des Beiragena 
des Klagenden gegen den Testator, der zr^iscben beiden 
stattgefundnen Beziehnngen (Plin. ep. V, t. YHI, V9!) 
n. s. w. Abweisung desselben. oder Un^Gltigkeifserkl^- 
rung des Test, erfolgte. Waren die Testamentseyben 
mit dieser Erkleirang unzufrieden, so konnten sie ejneti 
formlicken Erbschaftsprozess l^eginnen {kereditatif peMio 
per sacram. act.) **)• Die Klage konnte m'cht mehr an- 



ifsiajnenio neque heredem neque exheredem acripnssei nomincttim? 
Zvrar erheUt ans Val. Max VII, 7» 1 das9 der ,Soto ^ei&P'Ozess 
gewanm, alber wir seheo, anch daran^t dasa es damaU ' npdl 
8trittig«8 Recht gewesen seyn mnss. Schillings Bemerk. .8. 189 fL 
*) Siccama de iiid. CTirali, II, cap, 6 imd 7. itau^oH de 
differentiia inter test nullum et iiioffici08azi& ( 1784 ) i^ €tpu8C« ed* 
Weack J, p, 1 1— 52, C* A* C« KUnzt querelae iiiolti test., da- 
tufa ex pmcip^ iur. Ro«i. Anteiast. emta.^ B«rol. 1820* (Bewe^ 
dasa die qnev« iaoC yon. der lierecL petitio ganzliQh Yerscbiedea 
sey), Zimmem uber lieblose Test, 'in Neustelel nnd ZioMAerBS. voai* 
recbtl Untera. S. 46 -n 67. Gan$ firbrechjfc.S. 409 -^ M^ 

*^> Schmmi^ Bemerk. S. 191 ff. «- Aaoh brtiMiite das Teat. 



1 t 



— 391 — 

gMteUt werdtfn, wenn die Erb«ii sobon tt8iioi|plrt liatt«s 
^Ud. y > 1 «cft0 oiiiiua flie f$BU€9pi88e)^ und war ebeii*^ 
towenig Eiilassig, w«iib der sich Beschwerende a«cb 
imr «iiieo kleinen Theiil der Hinterlassenschaft test, 
erbalten batle. AUmalig abep bildete licb die Bestimniiuffv 
ism» die. lieblos Uebergaogenen ( wabrscbeinlich nach 
Analegie der lex Ealeidia) nur \ der Stimme verhngen 
konnften ^ i^-eiebe sie ohne Test. 6rhaiten haben Vvilrdeo 
( 8. g. Pfliebtlheil der Notberben ) ; wenigstena ' sagte 
Plin. ep. V^ 1 zu elnem Etiterbten: 9i maier te av 
pttr^e fuar^a tcriptigget heredem^ num queripbiseif und: 
^M si heredem ^uidem instituwet ex aise^ f€d legati$ 
4ia eithau$ig9et ^ ut nan ampldut apud te^ qunm quarta 
remaneret? Diesen Theil mochten die £rben dem 
Enterbten meistens freiwillig berausgeben , ohne sicb 
auf den Proeess etaznlassen , wie es auch in dem v<m 
PUn. ecxahlten Falle gesebah. PauL IV, 5$ 3 ff.*). 



" t < <■ *■ I-' J - ' H 



Zw^iter Tbeil^ 

I ■ 

Siehfnte^ Capiiel^ 

A^qt^fsttio (Erwerbiing ^ c)ejir Erbachaft.) 

i 

.Die deferirte (angebotene) Erbaebafi wird acqniri^l 
(aiigenaian^eii)^ wap bei einigen ^ Erben zwangsweiae 
geaehiebt % b^i andera ^an dem freien Will^n abhgngt. 
gipl^v^A CH€€^fmriiJ kQnaea die angebotene Erbachaft 
Qiobl Yoi^ aieh abweiaen: Kinder und Frau in maoQ 
{$ui 0t ^^e^^riij k5npei!i die Erbscbaft eben ao gal 
ViOn aich abweiaea (abatinere) (wenigstena war ea dorch 
fy^ Pratoir. Beoht^ nach uad' nach eingefiihrt worden)^ 
nla die afldern extranei h^redea^ z. E. wen n die' Erh- 
iabaft au a^br mit Stghaldea,. oder Legaten belaatet war. 



nicht immer gwz^ jungestpsg^n ^i^ HFerden, cj^na wenii mehre Test« 
erben eiogesetzt waren, so konnte der Klager sowobl gegen alle als 
nur einzelne die querela anstell^n; ds^er blieb- das Teat, in 
Qexng anf die Nicbtangegriffenen giiUig* FUn* ep» V, 1. 

*) Gap SoboUen 9. ^, ffi 



— 392 — 



dasft flieh fir den Antr«teiiden kein Vortb^ wgab tmd 
dauD/trat die Intesftaterbfolge ein ^tai. II, 152 — 163. 
iJIp. XXII, 24* §0 achlog Antonius seioes Yaters 
Erbschaft ans Cic. Phil. II, 16. 18. Die Furcbt^ eiDe 
Erbschaft nicht antreten za konnen (teneref)^ spricht 
Lepla bei Cic; ad Att. XIII, 48 aaa. Will der Erte 
Oder die Erben die Erbschaft aDDebmen, so bedarf eg 
bei den iui et necess. hered. keiner besoadren Form 
( GaL II. 156 fL) and sie folgen ohne Weiteres (so gst 
} wie die ohnehiji gezwangenen Sclaven). 

Bei denen' Erben aber, welche nichi $ui ei %ece$9m, 
sind, reicht dej* Wille nicht hin, aondern es muaa eino 
Handlang hinzutreten fadtre iereditaiemjj welcbe i» 
folgenden Fornien erscbeint : 

DCretio*) ( Varro 1. 1. VI, 81. VII, 98. Fest. r. crevi 
Gai. II, 164 — 173. Ulp. ^Xll, 25 — 34) feierliche Erklft- 

f rung die Erbschaft antreten zu woUen, welcbe einer test. 

I Vorschrift gemass binnen einer bestiminten Zeit erfolgen 

I muss, um der Erbschaftsmasse moglichst bald einen Erben 
zu verschaffen. Daher heisst cretio auch die vom Testator 
anberaumte (Test, im Rhein. Mus. I, lin 11. 12. Gai. II, 
177. Ulp. a. a. O.) Deliberationsfrist Isidor. V, 24. Gai. II, 
164. 168. Ulp. XXII, 27; welch ets pater, als die test, cretio 
abkam, auch vom Pr|itor gegeben wurde, damit die 
Glaubiger und Intestaterben nicht zu lange ungewiss 

t waren. Gai. II, 167. Gewohnlich war es ein Termin 

i von 100 Tagen, binnen welchen sich der Erbe erklaren 
jnusste; widrigenf^Us trat der her. 8ubstitu(us an seine 

J Stelle. Die cretio ist entweder vulgaris^ mit der Test. 
Formel T. heres esto cernitoque in diehus centum pro^ 
wimis^ quihus scieris poterisque^ nifi Ha creveris exheres 
egio {Ulp 27. 31 f.), also von dem Tage an geltend, 
wo der Erbe die Nachricht erhielt und im Stande 

..war zu cerniren (Anspielung darauf bei Cic. de or. 
I, 22), oder continua^ wo auch die Tage gezahli 
werden, in welctien der Erbe noch gar nichts davon 

' wtisste. Auf diese Eintheilung beziehen sich die beideh 

bei Cic. vorhonimenden Ausariicke cretio simplex ad 

- Att. XI, 12. und c. libera XIII, 46 durchaiis nicht; 

denn jehe heisst nichts, als eine leere unniitze c. , wo 



*) Cernere zasehen, iiberlegen, ob man die Erbschaft an- 
treten kann Varro a. a. 0. Dass cemo sehr veriscbiedene Bedeu- 
tongen babe, bemerkt Qninct« Inst. VII|9 und dentet auch nilsere an. 



mi9Hi €9t) nmd libera md^oMt eiM «oIcbe, w0 es d^m 
Erbea freisuind) dttreh- Mitidhii»eni6neii mntf«|eii' i«i 
lassen, also nlchts Genaueres Tom TestaUnr '^ Terf3gt 
^ar*). Spftter ururde di# ffSber vom Tei^ator zn be- 
fttiinmende Form ( z. £• ob Zcngen dabei seyn solhm 
Vaito a. a. Ow und ad Att.) gesetziich geregelt*^*). 

2) Ein Dnformliches Antreten findet dans «la^ty' 
wonn k#ine«orefio Im Test angeordnet war nnd gevchali 
dareh pro herede geMo d. b. daM der Erbe Haodv ^ 
liHigen begiiig, welcbe nur 4er Erbe sicb erlaubea darf 
^der d«ir«k nuda voluntas ^ eine blosne Erklftranff, die 
Erb8<^haft annehmee zu wollen. Gai. II, 167. Ulp* 
XXli, 25 f. IJm den Erbeo znr ecbnellen Antretiing 
der Erbscbaft zu zwiogen , gait die ake Erlaubniss^ 
dasa ein leder die zur •El'bscbaft geb5rigea Sacben ala 
reg fiiiUiaik ergreifen nnd dmreh Usucapion •, zu setnetn 
£igen<bum macben diirfe (s» g, Imcraiimm msucapto 
pro herede)*''*) Gii. II, 9. Ill, 201. II, 62 — 58. Paoh 
II, 31, ll« UrsprGnglicb wurde die Erbsdiaft :ak- 
Ganzeg* betracbtet und konnte binnen 1 Jabr Qauca|»ivt . 
werden (mit Ausnafame der- eitfem unter Vorniiiiidschaft \ 
lebend^ Frauenzimmer zugeh^igen Erbsdiaft Cic ad \ 
Att I, 5.!^ 148), welcbes sj^ter abkam, wor«be« ' 



*) So Popma, Sohnlting und Schillings Bemerk. S» 196 — 201, 
wo aiich die fritheren Eiklamngen yon Cnjacius , Manntihs und 
Ernesti widerlegt werden. 

'^*) Langst yerworfen ist die ehemals beliebte Annahnie» dass 
die Antretung der Erbschaft mit andern lacherliciien Proceduren 
yerbnnd^ gewesen sey , z. E. Tanzen als Zeichen der Freude, 
digitorum percussio etc. Diese Fabel entsprang aus der missyer- 
standnen Stelle Gic. de off. HI, l9. ed. Bei. II, S. 324. 

**fy Unter Hadrian wurde durolie em $Gops, spwohl' dieser 
s. g. lucratiya usucapio ihre TVirkung gegen den Erben genommen 
(Gai. H,' 67 f.) , als auch der wucapio desMoi,, welphsr sich 
wirkfi«h ffir den Erben hielt {qui se heredem exitti/nai), VoD die- 
ten apateren Schicksalen der naae. bandeln Amdu im lUieili. Mafi|. 
II, S. 125 — 148 und UnUrholzner ebendas. V,^ S. 26 — 32. 
(friih^r in s. Verjahrungslehre I, S. 367 — 375.' II, 8. 45 -^ 70.) 
Die neneste Schrift ist yoit F. A» J^eueer^^ de pro herede aaa- 
«iipiaiiia natiura* Jen« 1835. . . 



\ 



/ 

) 



V 

Sffb^ofaaftjiitHobe. ' ofeodi; >u««imi||mi; w^den . Unntai Avih 

wmI' Hip. xxiv;., aa f. ^ufoig^ ist :«m ld^i di« 

Erwejf%ttog!Bfirt- se^t^ Bfi dem tViodikaUionAlegal gfihft 
fi«kiick ^iurH. fiigenthmn liber G»i. II, 494ii:4. S. 381. 
RriibMii GhuiiDatioiMltogai mvssiitet Erbe g#bSfig.»blWI«Mrii 
uidL: kaiuii ]darQh.»euM peModliohA Klage dfi^to ^MebiiU^II 
lv«tvdftQ:$ jjkt et ftknmr tfb :i9^ Dtpfnelle b^ft,f#V- ^fti; Ut 
982 (. .£iOb i>#r«8(iaktie Kkgm g^t wch b«i Aew^I^gnt; 
iin^HI; WO40 •), 

Hiof^ i«i awh- dv lUefal.dQ^ Ecbeo ztt erwalioefis 

AndMii IB w^tatffeu (6ftut UL, a&4); und ik i^e t^h 
^ ' ceddrtn. V«r dec AiitreiuAg fconni^ 09 nuv d«f Xi^testat- 

•tbe und dMB nviirde der, w<^lobeni er Q«4iHfi» ber0$| 
liiieli der Antretuag aber stand e& ainch deni TejM^er^^H 
Sirei la effiUriin, itocb hlieb deir Otdrenjle imnex beref% 
Bod- nor dia eina^lnaii Sfiehao giagen mi dea j$b^li 
^elcbaMi aadi^ iviiirde« ^vte. Die aelivea QbUgfkttopea 
(Forderuai^ii) diss IQ^daadra eurfaaebfHa^ w&hrea4 dif 

EMwu gegen Jhn gflliig bU^bea. Gai^ », 34 — i?». 
t, 85 — 87. Ulp XlX, 11 — 15. Der heres neces- 
aarias kann die Erbschaft nie in iure cedere, wenigstens 
behauptete dieses die Schale des Sabinus und Cassias, 
wogegen die andere Schule kSmpfte. Gai. 11, 37. UI, 87. 



f • 



/ 



^ritterTh«iU 

^chtei C^piteL 

Rechte aus erworbener Yerlassensehaft. 

Bel der Universahuccession reprftsentiri * Aet Erbe 
den Erblasser shif das Vdlktslndlgste und tfberniinnit 
-dessen Schulden, Ot^Ugadone^i , saera ^i ftv W., gerada 

- *> Bkie elg^ntkftmlieiM AsMcht ilber dis Fordenmgareoht dei 
Legatars gegen d^n Erben hat SehiUing aa%6iteU| Bern. 8« 241 "m :M6. 



\ 



3afl; ^ 



als wenn er mit demselben eine Person wHfe. Cic Ae ' 
leg. n, 19 hered^p^cdumniM^sim^Dmti (die Verpflich- 
tung der Erben za den sacra ist die gerechteste),; nulla 
est enpm finpfmftx ftio^' t^A'viqfm ^U9 f^^j^ ^ vita 
emigravit propiui accedii, . "- 

Uoter den Bechtsmitteln, die dem Erben zustehen ist 

1 ) zu neonen gegen 'drttle'Perfif6ii^n^A^lf^il^Ya/i>p«/^^^^^ 
eine dingliche Klage^ Vfelcbe gegen Jeden Besitzer einer 
zur Erbschaft gebortgen ^^iache ' gericbtet werden kann 
und auf Herausgabe derselben geht. Nnr der Civilerbe 
konjnte sie. aostellen , ( erst spat auch der pratorisch^ 
bon6rtiri(i' nossfassbr) nnd zwar g^dv^httKch' vor dem 
Cyiralgerroit Cle. de or. I, 99. 39. W* mid sobald m^btf 
Erben sind, klaKt |eder auf seine eigne Hand fttr seinei^ 
Theil, wie bei dem -SbeietSltsTerhttknIsB ^ womit Cic. pv 
Rose. C; 18. die Erbschaft Tergleieht- Ui her €9^ $ibi ioU 
non coheredibu9 fetit : Itit -9iHHu9 8ibi i^aATt) noU'^^uMi 
petit:' et guemadm&dum uterque pr0 ewa parte peiH^ 
sic pro ma parte dMolv^-: herei ex 9UU parte ^ fm4 
hereditatem adiit ett. Dieser Kkge solke kein indiciiiot 
ei|i praelodictum geben, s. Aoftionenn "Gai. IV, iSSU 
S. acrcH JPaal. I, 13*^, ^. 8ipiL Erbsebaftsklagen ersftMl 
Cic. Verr II, 14 ff.-2f ff. Andefnfuftg^ii 1, 4( & 
s. ' Actionfe nrecbt. - . r 

2) Unter sich baben die Erben famUiae erciscundae 
dttio (Erbsohaftstkeiliiiigsklag^)^ E« mvssten die Mit- 
erben Veruidgen nnd Sebuldeq der ; ErbsM)baftsiijia6Sfi 
nach dem Tbeii ihrer Erbein^atzaag tb^^ilen, zu wekh^nii 
Bebnf die gaaze Masse kdu^ 9iei&|hiete^d verkaafl 
Mrarde (zr^ £• Cic« Att, XI^ 15i*)r ^^^ vveon ^e nicb$ 
in Gttte aifh verdiehen, so trug ein^r d.iirdb\ actio £, Ot 
auf gerichtlicbe Au9eina«dersel«aQg an, welche scboa 
in den XII Taf. er^vahnt wird^ $• S- 149 f. p. Caec. 7, 
nomine heredit ari$irmm />,. en.po^ulavit (Aeputii^s) ^tn^ 



39R' 



Die Prat oris ehe ErhJ^»ige, 

. .bpjiprnm ppaiessio*;. ., 

. ^ Neuni(($ , Cfipitel 






< 

.t » . 



^Jm^^^mmJ^^, 



Die aTi^ diviln^chllicbe hereditas war nut mabcBen 
Uftrtcii .nnd Uobeqaemlicbkeiten .verkniipft, %. £•: dass 
die extrMei b^r^deg so )aog^ xogf^n durften^ ehe sie 
die £iii«eboft/ aDQAimiep, was namentUch ilen CreditoreQ 
Bnd LegatateQ 4ebc lipangenebm seyn uriisste upd jiber- 
haopi: fatal. w^) da mancbe firbschafustiicke in der langen 
Ffiat dnrch n^ucppio pro b^<'^<l9 leicbt verloren gehen 
keDnteQ> oder.dass dieCogoateiiy emai^cipirten Kinder, die 
cap. deiift. der Agnaten, dieSAgoatinoen. u. A* st;reji^g ans- 
tfesehlotsieQ waren^ wa^ Gai. lU, 18 — 24|iiaiu^ptlic^ 
Eervorbebt, WQraaf er foirtfUhrt $ed hae iurig imtqujhales 
edieto praeieris emendatqe mni. ; Die Pratoren. wurden 
also durcb diese a. a* Uebelatande veraiUasst^ eii^neiies 



*) Die alten Ansichten finden tich nooli in Beineeth sjnt. ed...H^ 
p« 521 — 532 nnd in alien andem, bb Hugos ScharfMnn in s* 
diss, de bott. poss. Hal. 1788 eine neae Bahn brechend, <fas Vcr^ 
haltniss des civilen nnd prator. Erbrecbts entdeckle , wekhtm dis 
Neneren fast dnrcbgangig gefolgt sind.. R« 6, S. 550 fiFr(niit StUiUmga 
Bern. 8. i205'^2!22.) 8.579 — 615. J^ocAs bon. po^s. GiksseB, .i799l 
£• V, Lbhr{^em, auk der Lebre yon der b* p. in a. und'^rolmainna 
Magas. f. Rechtswiss. nnd Gesetzg. HI, S. 216 — 35S.) behanptet 
gi^gen H.y dass die b. p.^ nnr zn- Gansten^ dev CiyiierbeB. eii»- 
gefiibrt sey « damit sie schneller znm Besitz fcamen nnd die ' Ana- 
debnnng anf Nichtcivilerben sey erst spater hi^nzngetreten. /. //.. 
Demhurg (Beitr. z. Gesoh. d. rom. Test. S. 180 — 233) hat Lohrs 
Ansioht noch weiter^nsgefiibrt nnd namentlich darauf hingewiesen, 
dass die Erben, nach der Angabe, dass sie Hie nachsten Ver- 
wandten waren, dnroh den proTisor* Besitz nnterslntzt worden 
geyeUi um die schwierige heredit. |>etitio zn umgehen. Gana 
Sobolien S, 315 -r- 330 Erbrecht S. 463 — 471. A. G. Monster 
de bon*. poss. lib* praet. p. 1 — 19* K. E» F, Rosshiri vher d. 
Tendenz des prator. Reohts. Erlangen (o J.) S. 49 -^ 60. 



>. 



\. 



^ mi — 

Erbxecht nnter freieren Formen neben dem streng civil- 
rechtl. zu schaflfen, so wie^ja auch in anderii Disciplinea 
die strengcivilen and freiprSitoriscben Itiatitute nebed 
einander fortbesCandeD , praictisch mit ' deasdbeo Wir- 
kungen versehen nnd nur in den Formen ^yerschieden* 
Der i^aetor griindete ein System derr Erbfolge, in 
welches er alle die durch das Civilrecbt berufeoen Erben 
nnd daneben noch ^ manche ' aodere anfnahm , Mveiche 
johne civilrecht]. Schutz waren , nnd welcfae von nua 
an atle an der Stelie (in der Qrdnnng) erben lonssteq, 
vvelcbe Ihnen im Edifet ertbeili; war. Diejenigeo Per>* 
flODen,) welcbe schon naoh alteni Civilrecht bereefat^gt 
waren, durften nacb Belieben die alte oder neue >Form, 
der Erbfolge vorziehen; diejenigen aber, welche bloll 
nach Pr^torisehen Recht" erben ' konnt^n, mussten sich 
.streng an die Pratorischen Formen halten oder sie ver- 
ioren. aUe Anspfuche. .All^ .2Ear. Erbfolge Berufenen 
waren an einen gewissen Termio gebunden, dieAscen- 
dentenimussten sich binnen Jahresfrist, die Uebrigen in 
-lOOTaffen melden nnd wer sicfa nicht meldete^ verlor seia 
Recht (tjlp XXyiII,10f.), wodurch das schnelle Antretea 
der Erbscbtaften auf die leicbteste.Weise erreicht wurde* 
Was; das YerhSltni^^ zwischen dem hercB und 
hoHorum pog^eisor betrifi't , so kam es . ganz auf di® 
•Ojxlnung aa« in welcher sie benifen waren. Wenh der 
lieres voir .dem b. p* berufen war^ ^o ginger doch nichty 
aach iwenti^ er keine An^pfvche machte , des Erbrecbts 
verlustig,. sondern er konnte jeder Zeit kommen and 
nach Civilrecht die trbschaft dem -einstweiligen Besitzer 
(dem pratpr. b. p.) abnebmen, so dass dieser alsdann 
b, p. sine re ( der. den Besitz wieder eingebiisst hat) 
genannttwarde. Kam det heres aber nicht, so bebielt 
der pratorische Erbe den Besitz und h. b, p. cum re* 
Waren beide neben efnander bernfen, so bekamen beide 
das Vermcigeii zusammen, nnd war der Prfitorische vor 
dem Civilerben berufen, so war jener alleia berechtigt, 
nnd bios wenn er sich zac Erbschaft nicht meldete, 
erhielt der NMchstfoIgende sich Meldende den Besitz* 
Ein po$se99or sine re '>st anch der, welcher an isinei: 
sp&teren Stelie stehend fruber zugriff, als apdre vor 
inm Berechligle, durch deren zur rechten Zeit erfolgtes 
Auftreten sein Besitz niditig warde# Gai» 11 , 3d — 38« 

uip. xxvin, 13. xxm, e. 



iiiHa^ 



/^ 



t • . 

■ •» r , • . 

VeimlbieAM^ Artoa dec boiioniiii possesaio. 

/• Bhn. p09s. contra Inhulat. 



" Vor ttl(«n Atiderti wird dcfr BcsitB d^tieii sitgesiclMrt, 
'Welch^ efgientKch die nUehstea Erfoen sind Aber mtt 
IJnrecM im Test ]^terirt j«d«ch Aicht namentlich cM- 
lerbt hordes tv^rett, «o daM sie d«nea T^rgeh^n, wifci^lie 
W Test, eingesetzt sittd. Anaser dem suu% praeUftHm 
Igehdrt dahin ^t Un Civilreclit voil alien AnsprHchen 
tiQftgest^hloffisene ^mandpatnt ptmei. \ mk Auanahtne des 
idurch Adoption atis der Faniilie heraas^etreten Sohna) 
nnd nach seitiem Tod desseh Kinder. Ulp. XXVllI, 
*i -^ 4. XXII, 33. GaL II, 125 f. 129. tS5. 120. 
m, t9 ff.*). "-* Wean der Et-blaaser ein libertna war, 
tx) trat eine possi Ci»ntrft tab. dann etn^ wenii er moht 
dein Edikt Kufolge, detn Patron die Htifte seines Ver- 
mSgens Teroia^ht hatte; jedocb katte weder dib PaitroM 
nocn dessen Tochter Anspricke auf diese bon. poss.*^^) 
Clai. Ill, 40 f. Ulp. XXlX, 1. Naek Verres Skllischen 
Edikt durften die weibticben Nachkommen des PaHftMA 
i der Erbschaft des lib. , nnd demnufolge b* pOB«% vief- 
faitkfi[en Cic. V«rr* I, 48. — Gewistermassen Ist 1, 47 
anch bon. poss. c. t., indem Verres elnen der eingesetiten 
Erben nogerecht^r Weise Von der poss. aassehliestt 
fweil dieser dem nroseribiften Bruder den Brbtassein 
nie Masse seinem Versprecben gem'dts ^uwenden woHte), 
^as Cic. heftig tadelt. Einen andem sp«ziellin Fall 
erzthh Val Max VII, 7, 6. 7. 

• r 

IL BonQrum f9$se8s$iy secundum tabular 

frat dann ein ^ w«nn kein iani nnd piweteriiMs 4& trttt, 
-welcher leinf b. p. tonttn t« Mm Anapriiok m'acbiMi 
kSnnen, so dasts dife im Tedt. 6feda«kten Mr peaseMio 
gelai^n wurdto. ffier fand IttSttletti ain nenur •OlMa^> 



*) A. G. P'tMi^w lie IM. fiMMi lib4*aniin|iiiafifllorai*'0«iM 

de praeteritione lib. p. 275 — a^ | - .MAin^t Befell t^tM fli 
**) Unierholxner in ZekwO^ i. gMoh. Rw. V, S/84 •— 101. 



N 



A/h/t 

MhM tTtai . GiiilKecbl vtatt, alsr diit PrBlon^ >lnidl 
weaiger tformlidies obite 'Manci)Mii^on ai^gtfatttBs li«t 
mitten Siegdin vote 7 Zeugen ^(Stellfvrtreteni des fanu 
taipt^r, iibripen» and der ^ Maiioipseiigeii.) wraeheiMUi 
Test, (das i. g. prSior. Te9i. *) fay die pr£Um\ £rfaMg« 
1^ gtiltig aneckannten , sobald d«r Tc^totor ««r 2eii 
der At^fasgang iind seines Todes test, factio . bit^ 
Freiiieb stand dieses einem CiTiitetiw ininierinael|/(.Gaii 
II, 119), bis Kaiser Antonians den Anfang damit.mAohti^ 
beide sieh gklck -^nsteilen* Dass aur prfttor* GiiMgiDek 
die Stegel okne weitere Formlichkeiten hinnieblen^ 
ersefaen wir aus Verres prov. ^Edikt'«t <fc A^rvrfMnAt 
andngHur, ti tabulae iesUunenii Mm minm$ multn ^gmi^ 
qmarn^ € lege (d. i. trahtic* pvftt. Edikt) opor/«< (nemlidbT) 
md mi freferentnr : ^ecambm UAulrn teH. poiiMmmm 
kertflilatem (nicbt Civiierbnecbt, sondern den Besils 
der Erbschaft) dahe. Gic. ¥err. I, 45. Gai. il, 119. hUL 
Pp. XX VIII. 6. XXItl, 6. Paol; l\^^ 

J^rauen konnten auch pr&toriseh testiren, jedodi nnf 
wenn %\t ipapite deminutae waren n* £1. 36S. sotist blitte 
der Consequenz gemiiss, sngt Cio. Top. 4, auch imi 
die Test; der ScTaven, YerbanateA iind UnmiindigeA 
prikorisckes EHMrHeht mireben trordeii musaen. wiL 

III. Bonorum poisessio intesiati. 

1st kein Test, yorhanden, so trat folgende Erbordnung ein: 

1) hei Freigebornen waren 4 Classen von Erbea 
bernfen: . 1) die Kinder, aowohl 9ui als emaneipati^ Am 
ersten und naturlichsten Intestaterben (U)p. XXVIjil, & 
Gai. Ill, 25, 26. 31), auf welcfae Cic. Verr. I, 44 
hindeutet iodem er sagt pesteaqu^m iu9 praatorium 



\ 



N 



der RerpnbUk fiir rc^giiiHg bait) », Detnhi^gs Beitr. S. 233*^2491 
Oan$ Scfeelieii S. 282 ff. Nacbdett »ioh beide Arten in d«r ICal- 
serzeit langiA glefitb geataHdeti batten, brtblgt^ |dei«n vollMfiMl^ 
Vefeiaigiiiig duk^h Theodosins (?) Demhurigi Beftt. 8» 2iO^06il 
Simigiiys fieitr. txtr Gescfa; ^r rom. Testnin. in s, ^tUntAkrWi 'f^ "^ 
ft. 78 —'95. Das« sidh beide Ten. sohon detdb CoW^amil^ ^^ebi^ 
ttabe gekommen, b^bauptet fF&ldh de mtilata a OMIti; tusti to. 
eiT. fo^na. Jea. 18CSk ' 



* 
/ 



— 400 — . 

m miiitmimm £tij.iew^er toe iwre «tt Mimnt: H t^Ambie 
ieti. nau prqferreidur ^ twaf uii qmemqme poiusmmm 
keredem e$9e ^perierei, ti u inteMtaio morimuf esset^ 
tta Beeundum turn *po$§est$o dareiwr, Quare k^e sU 
aeyuutimMm J facile eti dicere etc* Sind ^leu^ nicfat da, 
so komnien 2) legiiimi zar Erbschaft d. h. die schon 
Daeh den XII Tafela geltenden Civiliotegtaterben, soi, 
agnati proximi, conaaagainei, endlich weno diese inaDgelo, 
geatiies. Gai. Ill, 28. Feblea aoch dieae, 86 sind 3j die 
Cygmfti berufen d. h., aile Blotsfreande bis in-deif 
6. Grad und eioen Fall in dem 7., welche proximitaiii 
MOMdne folgen^ Gai. Ill, 27. Sie iheilen nach capita 
nnd aile Franenzimmer (agnatae nod cognatae) kdnnen 
miterben Gai. 20 f. Ulp. XXVIII, 9. Diese Cogna- 
tenverbaltoisse hat wahrscfaeinltch das Ediltt des Yerrea 
im Sinn Veer. 1 , 45 , er woUe die b. poss. dem geben^ 
gut dicat beredem etse. Erst in der letzlen and 4. Classe 
^oinmeu vir ei uxor die aus einem matrimoni^m iostum 
lunterlassenen Ehegatten. ^ 

'II. Bei Intestatfolge der JFreigekusenen gab es eine 
sehr verwickeUe and bestrittene Stufenleiter von mebren 
Graden"^) Ulp. XXVUI, 7. Gai. lU, 41 -- 43 1) die 
Kinder des lib. 2) die Civiliotestaterben des lib. (sni, 
patronas nebst Kindern, gentiles) 3) Cognatea des lib. 
(Gai. Ill, 51) 4) Patron, mit seinen Kindern, Agnateo 



*)XSlp,'^per $epiemgradu$: primo gradu fiberis ; secundo legilimiM 
heredibus ; ierUo pfoximit eognaUt', ((uarto famiUae patroni; quinio pa^ 
IrcnOf patronae Hem Uberii parenUbuive pafrem patrtmaeve ; sexto vir^ 
ukori; sepUmo eognatis manumiuorU , quibus per legem Furiam pht» 
miUe as8e€ eapere licet: et H nemo ni ad quern honorm pom. pertinere 
poMfl, out Mit quidem^ Med iuM Muum omiMerH^ papula hona deferuntur 
ex lege Julia eaduearieu Da die genaaere Erklarung nnd Recht- 
fSertiguii}^ dieser Stelle yon der Interpretation andrer Stellen aiis 
dem ipateren J^echt abhangt nnd fiir die glass. PbUologie zn wenig 
Interesse hat, so wird hier bios anf die Gelehrten verwiesen, 
welche diese Materie zvun fSegenstand ihrer scbarfsinnigen For- 
•chaogen gemacht haben: G&*t^um uber b. poss. lib. intest. in 
Hugos Magaz. IV , S. 267 — 258. VmUrhqlxuer vk. d. patr. Erbr. 
in d« ZeiUcfar. f. gesch. Rw. V, S. 5i — 84. MusMe p. sucoess. 
in. bona, fib* (8tndien J, 2. Aofs. S. 58 — 94 t. 'd.'b. Jib* 
intest poss. qmnto gradu , 3. Anfs. 94 *- 121. cpiarto et septimo 
gradu), gegen Goschen nnd Unterholzner. HugoMB. 6. 3« 590~6QZi 



N 



401 



1 I 



vnd GMitilen 5) Patron nod Patrona des Patrons (wenn 
di^r selbst libevt* war)) des lib* nebst ihren Kindern 
oder die Eltern des Patrons von denen er ^ emanoipatos 
urari 6) der zaruckgebliebene Ebegalte, 7) die Cognfiten 
des Patrons* 



E(fte$ Capitel. 

Art der Ertheilung und Folgen der 

bon. possessio. 

I.' Jeder welcher prator. Erbrecht ztt haben glaubte, 
roui^ste sich bei dem Pr&tor oder Provinzialstattbalter 
melden {petere , accipere bon. poit* , spSlt^r auch 
admttierej agnoicere)^ welcher ijini ohne weitere Unter- 
tersochung seinem Edi|^t gem^ss b. p. ertbeilte (dare)^ 
wodatch der Meldende freilich kein efgentliches Recht 
erhalten konnte, sondiern bloss die.Mittel besass, sich 
in den Besitz zn setzen und sobald keine Gegenanspruche 
sich gegen ihn erhoben-, denselben zu behaiteii^ (8. An« 
deutungen aus Verres Edikt Cic. Verr. I, 41 — 45. 
hereditaiem daho und nee peiitionem nee poueinonem 
dabo ich werde sowoh) die Erlaubniss die Sache Tor- 
zubringen terweigern als die poss. abschlagen) ad 
div. VU, 21. Wenn der Prfitor schon vorher nntersucht, 
h. die b. p, deeretalii*); jedoch erfolgt die Untersuchung 
^ nnd Entscheidung_ gewohnlich erst spiiter, wenn mehre 
b. possessores da waren, sich nicht auseinander setzen 
konnten und nun vor Gericht erschienen , lim die Rich- 
tigkeit ihrer Anspruche nachznweisen. 

Uo Der Prfttorische Erbe tritt durch das . edictpm 
snccessorfum des Praters an die Stelle des Erblassers 
(loco her edit, nicht heres Gai. Ill, 32. 26. Ulp. XXVIII, 
12) lind erwirbt dorch fortgesetzten Besitz voUstlindiges 
Eigenthnm an dem Ton ihm besetzten Erbgnt (usucapio 
pro herede ) , welches er so lange nor in bonis hatte 
(w&hrend iusta kereditat dominintn gabVarro r. r. II, 10) 
S. 131. Anf diese nsucapio kann.sichCic; de leg. II, 21 



*) Lohn b. p. deoretalit in •• and Groln^anns Mag. f. Rwicf. 
U, S. 437 — 450. 

26 . 



f 



\ 



/ 



— 402 — 

bexiefien, welclMi lun so wahnwheiBlicher intj 4a sonat 
der PrfttoriAcbe Erbe ganz ubergangea wfire *). Weon 
aber der Pr. Erbe die Erbschaftssadie achon von einer 
andern Person besetzt fand (vermdge der andern ar«- 
spruDglich Jedem zustebenden S* 393 bebandehen .uaac 
p. herede) so er ba^ er sich vom Prator das Inderdikt 
quorum honorum**) cett Gai. IV, 144 (den Befehl an 
den Besitzer, die Sache berauszngeben u. s. w. s. 
Actionenrecht) , woranf er wenn der Andere nicht gut- 
willig rauinte, durch gerichtliche Hiilfe zum Besitz 
gelangte nnd Usacapion desselben beginnen konnte. 

Was die Obligationen betriflt, die vom Erblasser auf 
den b. p, iibergegangen sind^ 'so galten actionem Jicticiae 
oder f^^tVe^^ indein man ihn als wirklichen heres fingirte 
Gai. IV, 34. II, 253. Ulp. XXVHI, 12. 



*) 8. Savignya Abh. fiber die sacra priy. d. Rom, in 8. 
Zeitschr. ll, S. 367 — 374. 

**) AXs das nrsprdnglich einzige zoin Besitz Terhelfende 
Rechtsmittel des bon. possessor steUt dieses Interdikt v. Savigny dar in 
s. Zeitschr. V, S. 1 — 25. (schon friiher von ihm angedeiitet II, 
S. 372 ) und vertbeidigt diese Annahnie gegen manc^ie Angriffe 
'VI, S. 229 -- 272. Die Uebertragung der hereditatis petkio anf 
den b. p^ sey erst spater erfolgt, nachdem der Unterschied zwischen 
]iereditas nnd b. p. imitier melir yerschwiinden sey und jeder b. p, 
habe nnn die Wahl gehabt, weldhes Rechtsmittel er habe an- 
wenden wolien.. Der prakt. Unterschied babe endlich ganz anf- 
gebort. — Dieses Interdikt liegt auch dem yon Cic. ad dii^ VII, 
21 eiKahlen nnd yon Huachkf de causa Siliana (1824, wiedemm 
in s. Stndien S. 1^ — 24) entwickelten Erbschaftspro^ess zn Grand, 
•wo es sich um' die Frage handelt,^ ob der b. p. Silins ohne' Gefahr 
nik den latestaterbeii , welche seine Anspriiebe bekampfen, 
die spooslo eingehen konne: ni honorum Turpilioe poattssionem Qr 
Caepio praeiw ex edieto $uo miTu' (dem SiiiiiS} dederiu Ueber diese 
und ^ Cio. Verr. I| 45 erwahnte Sponston •• Actionenrecht. 



J 
\ 



y 



F u n f t e s B n e h. 



Actionenrechf). 



JJie EiDrichtung der Staaten gestattet den Staatsburgern 



*) Die AuffinduDg des Gains war fiir diese Lehre tod dem 
grds»teii Einfinss, so dass alle yor diesem Ereigniss geschriebenen 
Biicher sehr maDgelhaft sind. Dazn gehoren F. PoUeti hist fori 
Rom. ed. F. Broidaens. Daac. 1572. znletzt 1691. C. SigomU de 
iudicif^ Kbri III (erschienen mit a. libri de antiqno inn ciTiiun Rom* 
Bonon.) 1574. Neu ▼. /• G» Grgep.HaL 1715 und ii^Sigon. 0pp. V^S* 
676~864« Mediol.1763 (Bach 1 der Cinlprocess, 2, and 3 derCrimi^ 
nalpros.) C. Breti ordo perantiqans iadiciornm solemtunin. Paris 1604. 
ۥ CeUarii diss, de processu iar. Rom. antiqno. Hal, 1693. Heineee* 
•ynt. ed. Haal>« lib. IV. S. 657 — 741.' Nach Gains ^ dessen 4tes 
Buch Ton £; Dupani (Lngd. Bat^ 1822) und JU G. Heffier (Beiol. 
1627) oommentirt worden ist, sind ausser mehren an den be* 
treffenden SteUen angefahrten BiicherD, welche wenig AUgemeinea 
enthalteny mir folgendeWerke iiber den ganzen Prozess erschienen: 
S, W. Zimmenu rom. Givilprozess in geseliichtl. Entwicklnng bis 
anf Justinian. Heidelb. 1829. (s. Rechtsgeschiohte 3. Theil) enthait 
eine Snsserst yolktandige and sorgfaltige nach der systematischen 
Ordnung zusammengestellte Sanunhing der Qaellen and neneren 
Bearbeitongep » ohne jedoch (wie manche glanben dnrften) dnrch- 
'ans «nen eompilatorischen Charakter an sich zn tragei^, denn es 
finden jiich yiele eigene and sch^rfsinnige Ansiohten, welche 
Zimmern oft nar kurz nnd etwas dunkel andeutet, so wie er 
nberhaapty namentlicdi for den Laien, schwer zn yerstehen ist (att 
Kitrze ist er Hugo nicht selten abnlich). A. Beihmann BoUwegt 

26» 



— 404 — 

Ausiibiinff der Selbtihulfe*) n|cbt and bat ihnen aaf 
andere Weige die nothige Htilfe verliehen. Diese 
besteht in actiones d. h. Mittel, verm5ge deren das Recht 
der Staatsbiirger unter einander geltend gejiiacht werden 
kann. Zu diesent Behuf wird der Staat dujrch Behorden 
reprftsentirt (Obrigkcit), welche die von dein Einzelnen 
geltend gemachten Re^hte schiitzen. Bedingt ist diese 
Staatshijlfe 1 ) durch die Rechte die der ^^ta^tsverein 
anerkennt, so dass die Hiiife genau nach denen vom 
Staat anerkannten materiellen Rechten modiiicirt seyn, 
nnd neben denselben gleicbsam parallel berlaufen moss. 
2) Durch die Wahrbeit, nemlich die Ueberzeugnng, 
dass ein Recbtsverbaltniss wirklich bestebt, dessen SScbutjS 
Terlangt wird. Daber ist dieses za erweisen (probatio), 
und darans entspringen die prozessiialischen Verhand- 
lungen (agere), als da sind die Vortrage der Parteien, 
das Vorlegen von Bevtreisen , die Entscbeidung des Staats 



Gerichtsverfannng und Frozess des siakenden Romischen Reicfas 
Bonn 1834 (1. Abth. des 1. Bands s. Handbuchs d. Ciyilprozess. ) 
ist ' eine jgeist - nnd lichtyolle Uebersicht des spatern Prozesses, 
welche we^«n yieler Riickbiicke auf die alle Zeit ancli den Plulo- 
logen sehr zu empfehlen ist* Einzelne Theiie-^ind durchaus neu 
and mit grosser Vollstandigkeit bebandelt (z. £. Exekution, Con-- 
tnmaoiatyerfahren , die richterlichen Bebdrden u, s. w*) andre sind 
nicht so ansfohrlich, als es der lernbegierige Lesei^ gewiinscht 
liatte* -^ Actio ^ welches eigentlich eine Handliing und Thatigkeit 
im wait. .& bezeicbnet, ist dann im e. S. far Rechishandlung ge- 
braucht worden , d. h. ei4)e in gewissen positiv yorgescbriebenen 
Formalitaten yorzunelimende Handlung , nm das streltige Recht 
geltend zu machen , z. E. legis actio , die iilteste Klage , d. i; das 
Begehre^ der anbringenden Partei. Endlich h. actio aach das 
Klagerechif d. h. das Recbi, einen Anspnich gerichtHch yerfolgeii 
zu diirfen (Just. Inst. IV, 6, 1. iut persequendi sihi iudicio , quod sU>i 
deheiur), Mit dem letzt^m Recht ist die Ueberschrift nnsrer Lehre 
jietionenreokt nicbk zu Terlfreehseln, denn dieses h. die Lehre yon 
Acttonen oder Priyatklagen. Das Crinunalrecht and Criminalprozess 
ist hier ganzlich ansgeschlossen. GiyiU und Criminafprozess nm- 
•chreibt Cio« p. Gae'c. 2. mit folgenden Worten : iudieia aui ^$- 
Irakendarum ifoniroveraiarum raut pwniend^ntm • maHtficiorum eausa 
rtperia sunt; an andelm Steilen sag! er kurz privata und pvbiUa 

*) Rudorff in d. Zeitsch. f. g«3sch. Rwss. VII , S. 107 (L 



405 — 



ddrch diis P^ga^ <i«r Richter, welcbe die RuI&Ieistnng 
ausichern (sententia) utid sogar tbatsftchliche Hiilfe 

. (executio). ^ < - 

Mit AUem diesen macht ans das Actionentecht 
bekannt, welches sdwobl den otfentlichen, als cTem Privat- 
recht angehort: denn indem'sowohl der Rechtsspriich als 
executio poetiae iniuelbar durch die Obrigkeit gegeben 
wird and nicht unmittelbar auf gewisse Fakf a. erfolgt, 
eots|eht ein VerhSLltniss der Parteien zu dem Staat; 
auf der anderen SiBite ist das Verhilhniss der Parteien 
unter einander zu beachten, und insofern dieses, durch 
den Prozess regulirt \vird , bat das Actionenrecht aucb 
den Charakter des Privatr^cbts. 

Ohne diese Elemente als s'ystematische Griindein- 
theilurig der folgeiiden Entwicklung anzuwenden , wollen 
Wir beides gemiscbt in 4s Abtheilungea abhandein und' 
zwar in der 1) Abtbeiluiig Ton denen im Actionenrecht 
Yorkommenden Personen 2) Ton dem gewdhnlichen Ver- 
fahren 3) Ton dem aussergewohnlicben Verfahren (extra 
ordin^m) 4) Ton den Rechtsmitteln; und b^inerken nnr 
iin AUgenieinen , ' dass das romiscbe Actionenrecht 
von den ersten Zeiten seiner Emstebang %is zuin 
Untergang des romischen Reichs ill 3 Hauptperioden 
zer&Ut. Das ILlteste wenig bekannte Yerfabren wnrde 
dtirch legis actiones eingelettete auf streng Torgescbriebene 
nicht dhne grossen Schaden zu vc^rletzende Formeln 

'gebaut {ut qui vel mimmnm erraiset litem perderet 
Gai. IV, 30 s. unten), Tvelche erst allinalig durch die 
Formnlae Terdrfingt Warden. Dieser s. g» Forninlar- 
Prozess (2. Periode) war auf Trennung der ricbterliehen 
und Magistratsgewalt gegriindet, und das ganze Verfahren 
bestand aos dei* einleitenden Vek>handlung Tor dem 
Magistral ( in lure ) and aus der ausftibrlichen Unter- 
suehung und Entscheidung Tor dem Richter (in judicio), 
indem der Magistrat der richtenden PriTatp^rson die 
Untersucbung des Thatbesiands tind die Entspbeidung 
nach d^ni Ton ihm Torber aufgestellfen Reehtssatze 
ubertrug (die richteriiche Instruction b. formula). Diese 
Treanung fand in der 1. Periode meistens, in. der 2. 
aber regeimii'ssig und durchaus statt. Die 3. und letzte 
Vei;&nderung des Rom. Gerichtswesens erfolgte allmalig 
Tom 3. Jabrbundert n. C. an, indem der alte ordo 
indiciorum privatorum (namenflich die bisber gewobn- 
liche iudicis datio mit Instruktjon} gSnzlicfa abgescbafft 



— 40ft — 

« 

worde Qod dafur ein Verfahrea an die SleOe tnt, 
welchem der MagUtrat aelbst nateraachte and ontsehied 
(extra ordtnemjj welches bisher ntir ftusserat aelten 
gewesen war'*')* 

Zuletzt ist bier noch . aaf eiaen Unlerscbied aof- 
merkaam zu ipaehea, Mf^loher die Proze^ge in swei Arten 
spaltet, deaaen Merkniale nicht aaf ipnerens ^ondern 
hiatorischen Griinden beruben: l)iudi€ia legitima oder 
2)aolcbe, quae imperii cantinentur. GaLlV, 104—109*''). 
Prozesge de^ ersten Art. konnen nar niiter Bomischc^ 
Biirgern, untpr ^ifi^m fticbter and innerbalb der stadtiseben 
Bannmeile Boni^. gefubrt werden* Sie atii|z9n fAch aof 
das strenge Civilrecht (ittB legitimum) nqd sin^ obne 
Zweifel die ftltesteii, dean sie stammea ana den ^eiten 
her 9 wo Jlom pp^^fi ein kleiaes Stadtgebiet hatte and 
sfelbst der Magis^^at dur^b strenge Formen gebunden 
\^ar. Die letztere^ dagegea sind ein Ausfluss d.e^ im-7 
, periom. des ricbtenden Magistrats and hang^n daber 

?;llnzlich von demselben ab« Sie warden naph den ersten 
iir solche eingefitbrt, weicbe keine Anspriicbe auf ins 
legitimum batten, also fiir Peregrinen • die siqb in Rom 
aofhielten (s. reeqp^ratorea) uhd fur solche Orte»,w.elche 
nicht zam Bomisch^n Stadtb^zirk gehoi;ten9 wo also 
Anweodung der strt^ngeo CivjLlformen qnstatthaft and 
anrndglich war. So lange in Rom die Ljegisac(ipaen 
beatanden, mpgen dVese^eiden genaqnten Anwendoqg^n 
die einzigen gewesea^seyP) bis sie sich aach defi Bili^ern 
in Rom selbst wegen d#r wenigen Foiniliphkeiten 
und freierer ricbt^rlichc^r Entscheidang wiinsfhenswerth 
machten* Yon da wiiahs ihre Anzabl ungemein and die 
PratOrischen ' Edikte )sobufen stets neue. In wiefern 
sie sich darch Dauer. and Wirkang anterscbieden , a. 
Abth. II. 



*) BeOanw^ -^ BoUuft^i Ciyilproz. I, 1. ^. 19—35. 

**) J^ /• Sivia liber da« alters Rom. Klagenreeht.. Manchan 
1827, S. 13 ff. 24 -^ 33. Heffier obs. XX ad Gai. 8. 98 — 103. 
F. L. Kelier nber Lit« oont. and UrtheiL Zurich 1827. S. 112 ff. 
Zimmem S. 89 — 92. Mi 5. Mayers Litis Conteatfttio. I. Stutt- 
gart 1830 %AAi *^ 157. ' :-. 



• ' 



407 



Erste Abihelltt»g. 

Von den Personen des Prazes^es. 



Daa Rom« Gericht der Repablikanigchen ZeU zeich- 
0ete Bich dadurch aus, dass die Magistratspersoo i^ar 
sehr selten selbst , entschied , sondera id den meisten 
F&llen eihem Richter die Untersuchung und EnUcheidung 
anvertraate. S. 405. Daher isl sowohl das gauze pr9zess« 
Verfahfen ia zwei Tlieile za spalten in iur.e , {xot:. 
dem Magigtrat ) uod in iudici^ ( von dera Richtf ih) als 
dag Gerichtepergooal , neiulich: 1) Magistratgpe^OQeo; 
2) richtende PrivatpersoneQ, , 



Er$t€9 Capitel. 
L M a g i s t r a t u s. 



' •« 



Die hoberen Magistratus hatlcn vermiSge dek i«i- 
perium { zuwcilen potestas gen. ) auch inn's dictio^ 
einen Theil des imp., d. i. Civilgerichtsharkeit ^ und 
durften nicht bios richten und Richter bestellen, sondern 
auch andere Geschafte vornehmeo , wclc'he Privatver- 
haltnisse reguliren, wenn es auch zuwciien nur dutch 
die Ertheilung gewisser Formen geschah, z. B:. !egis actio, 
Execution, Ertheilung von bonorum possessio, niissio 
in bona u, a. Die niederen Magistrdtspersonen (Aedi- 
len, QuSlstoren, Municipalmagistr.) hatten weder im^ 
perinm>-noch vollst^ndige iorisdictio, sondern sie iibten 
iurisd. in einem beschrllnlcteren Sinn , d. h. sie richte- 
ten selbst oder bestellten Richter, nemlich in Rezug 
auf Marktgeschafte, Polizeis^chen etc. Dion. Hal. "VI, dO,- 
durften aber die andern Ilandlungen nicht augiiben^ 
welche ihnen des Inhalts und der Form wegen nicht 
gegeben waren (wie legis act. Paul. II, 25, 4 miss, etc.y 
Ihnen dienen nur viatores und *servi public!, wahrend 
den hoheren^ Mag. lictores zu Gebote stehen Vai-ro 
bei Gell. XIII, 12. 13; doch das tribunal scheint 
keinen Unterschied geraacht zu haben *j. Zu den hohe- 



' *) Belkmann HoUu;. 'X^ivilproz- I, 1. S. 41. Tab, HeracL I, 
!• 34 u. P8« AsG. ad.div. IjS. p. 118 ^dersprechen sidu 



— 408 — 

ren Hag. reehnet nmn Rex, Consoles 9 Praetores, Pro- 
« CO88. , Propraet* and in der Kaiseneit die Praefect. wrbi 
nnd praetorio. 

1) Re-x. In den altesten Zeiten sais der Konig 
selbst zn CSericht, indem er theils selbst enfscbied (Cic 
de rep. II, 21. V, 2. Dion. Hal. X, 1. II, 14. 9. 29. 
Lii^. I, 49' 40), tbeils manche Entocheidnngen Privat- 
persoMen iibertrng (angeblicb erst seit Serv. ToIKns, 
doch ^icherlicfa scbon friiber, namentlicfa iiber gering- 
fugige dder Zeit raiibende Sachen * s. nnten).'^ Von ibm 
giDg die gaoKc Gewalt, also ancb das Kiebteramt iiber 

2) auf die C099. Lir. II, 1. IV, 3. Dion. Hal. 
( X, I.ViJv^Icbe sogar selbst indices genannt werden Varro 

1.1. VI, 88. Liv.lII, S5. Cic. de leg. Ill, 3« Fest. v. consnL 

3) Dann erhieltea die fur Rechtspflege erw&blten 
Praetor €9 (S. 38) die Jurisdiktion allein nnd nnr ans- 
nahmsweise mag der Cons, gericbtet baben. Liv. XLI, 9. 
Des Praetor Refugniss ist in drei Worien ausgesprochen 
do (geben, neinlicb Klagen, Exceptionen, Rechte etc.) 
dico (sc. das Urtheil) addico (Eigentbum ab- und sa- 
erkennen) Ovid Fast. I, 47. Macrob. Sat. I, 16. Varro 
1. 1. VI, 30. 

4) In den R5ni. Provinzen befanden^ sicb Pro-- 
C099. nnd Propraet. als Stellvertreter des Rom. Voliu 
nnd ubten die bochste Justizpflege and Verwaltiing, 
mit Ansnabme der Stadte, welchen diirch das Privileginm 
des ius Italic. (S. 53 f.) eigene Gerichtsbarkeit zustand. 
Cic Verr. II, 12. 48. Liv. XXIli; 30. XXIV, 10. 
XXIX, 13. XXX, 27. XL, 44 n. a. Ueber sie sowohl, 
als iiber die sie unterstiitzenden legati und quaestores 
nnd gehaltnen conventns s. S. 38. 51 f. 

/So unabhangig wie die Pr^itor'en in Rom nnd in 
ganz Italien, die Statthalter in den Provinzen richteten, 
ebenso nnabliangig ent^chieden die Municipalmagistrate 
Italiens (nur die sog. Prafekturen batten keine ricbten* 

den Magistrate S. 49. 51) in ibrem Territorium *); (Der 

^ »i — ■ ' _ - 

*) Der ganze Uoterschied besteht also bios in dem Gebiets- 
nmfang, welotie der Jurisdiktion einer Magisfrfitar nnterworfea 
ist. ^ Der Manicipalmag. hat in seinem kleinen Stadtgebiet dieselbe 
Macht, welche der Statthalter in den Grenzen seiner Protinz nn^ 
der Prater innerhalb der Grenzen Italiens hat. Also konnlen in 
Italien die Gerichte oonkiirriren ? Ohne Zweifeli ohne dass eine 
Unterordnitng oder Ceotralisir^tng bemerkbar ware, nnd die Coo- 



— 409 — 

«inEigeUnt€irgchied mag darin bestanden haben, dass-fiber 
aebr hoheSuinmen die At unicipalmagiglrate nicht ftntgchei* 
den koDnten^ sO'^issen wir es wenigst^ns tor denMani* 
cipien in Oberitalien, ana lex GaIUeisalp.'21. 22, jedoch 
iat dieseff kern. Beweis , dass es allentbalben so gewesen 
gey). Le^* Gall. a. a. O. Anfangs bestand also nicht 4ij<l 
geringste Unterordnnng der richtenden Bebdrden, ivelche 
erst spat sich entwickelte unH in der Kaiserzeit vollkom- 
men ausgelbildet wurde, denn der Kaiser wnrde*, dutch 
imp. und trib* potestas Oberrichter (S* 56* 97.), welcher 



kurrenz musstp urn so hanfiger eintreteii, da yor Alters die Be« ' 
stimmuDgea iiber den Gerichtasiand sebr nnyollkommen waren. 
Es gait nemlich als Kegel, dass die Klage da^angebracbt werden 
milsse , wo der Beklagte seine Heimath oder seinen . Wobnsita 
Kabe (wenn sidi der Beklagte niclU etwa selbst ein anderes Forum 
ge Fallen liess). Das 1) b, forum orijginis^ welches doppelte An- 
wendiing fand a) fiir alle Miinicipalen Italiens wurde Rom ala 
communis patria angeseben (Cic. de leg. II , 2) , war also auch alp 
forum fiir alle competent (lex Gall« cisalp. 21. 22); und sogar in der 
Kaiserzeit, als Rom selbst nicht Tiel mehr war, als eine MunU i 
cipalstadt, gait es dnrch eine Fiktion immer nbch als Heimath 
aller cives. b) wenn der Beklagte seinen Geburlsort yerlassen 
und sicb anderwarts als incola angesiedelt liatte, so konnte er in 
seiner alten Heimatli belangt werden. 2) Forum dbmicilU ist die 
Gompetenz der Obrigkeft des Orts, wo der Beklagte seinen blei^ 
benden Wohnsitz als incola aufgeschlagen hat. Was nun noch das 
'• S' /<"'*"'* ''^> sitae 9 d. b. das Forum der Rechtssache, wo der 
streitige Gegenstand sich befindet, betrifft, so war es, wenigsCens 
bei dinglichen Klagen dem alten Rom. Recht ganz unbekannl ^ 
Fragm. Vat. $. 326 (wOhl erst seit 385 n. C durch Theodos. u* 
Arkad. eingefiihrt); denn bei Vertragen gait schon froJier die - 
Compeuftenz' des Orts wo der Vertrag geschlossen (forum contractua 
gen.) Oder das for. des Ton den Parteien bestimmt^ Erfallnngs* 
orts. uf. Beihm, ^HoUwegs Versuche liber einzeJne Theile der 
Theorie d. Givilprozeases. Berlin und Stettin 1827 , S. 1 — 77, 
naraentlich S. l^-t5. — In 'den Protinzen war sowohl die Ge* 
riohtsbarkeit der Ortsobrigkeiten. genan besHmmt (z. B. in Sicilien 
Cio. Verr. If, 2. 13. Ill, 15.) « als anch die einzelnen mogtich 
^orkommenden Fiille; doch stand anth hier das Prindp fest, dass 
als Richter nur der Riobter des Beklagten angenommen werden 
konne. II, 12. 13. 15 {aequo iure^ d. h. Riobter desselben Rechts 
Oder aus derselben Stadt). 



410 



•bhSdwtd h^ani vmi alien S^itea (sQeh von den'Piik- 
v]os.-8tatthalteffii ii« Mumdpid«brigk«iten , welcfae sdir 
bcschrftnkt and anf eine nnr nntergeordlneCe Jarisdiktioa 
gewiesen warden Paol. Y , 5 a, 1,) Appellation annahm 
nnd als mittlere Insfans den Pnie£ arbi einschob s. Abtb. 
IV. la extra ordinem sags der Kaiser wohl ancb selbst 
sa Gericht oder ordnete indices an Saet. Aag. 83* Claad. 
14* Nero 15. Vesp. 10. Dom. 8, was aber sehen war. 
Die gew5hnliche Civilgerichtsbarkeit hatte der Praef. 
praet* anfangs nur in einselnen Prozessen, spSiter regeU 
mllssig, die Praetores (S. 58), sogar^die Coss. bekamen 
Jarisdiktion in Vormandscbafts- and Fideicommisssachen 
Suet, Cland. 23. - ' 

Schliesslich ist zu bemerken, dass die oberrichter- 
liche Magistratsperson sich mit Rathgebern aiid Freunden 
zu amgeben pflegte, welch e assesgores uod consiliarii *) 
biessen Cic. p. Plane. 38 de or. I, 37. Verr. II, 29, 
und aucK in der Kaiserzeit erhielt sicb diese Sitte, 
welche allm^lig sich fester gestaltete. Plin. ep. I, 20. 
yi, 11. X, 19. GelL 1, 22. XII, 13, sogar die Kaiser 
hahmen zuweilen als solche Beisitzer an den Verhand- 
lungen Antheil* Suet. Tib. 33. Claud. 12. Tac, Ann. 
I,. 75. Ebenso hatte der Kaiser seine Rath^eber (gen. 
auditorium principis, ^p^ter consistorium S. 62. IMin. 
ep. VI, 31.). — Ein grosses Dienstpersonal stand den 
Magistraten zu 'Gebote fscribae^ apparitores^ praeconei^ 
accemij lictores, viator es^ servi publiei Varro 1. 1. VI, 
87 ff. GelL XUI, 12 f.) 

Die Volkstribunen hatten zwar keine Jurisdiktipn 
nnd sind also auch nicht zn den richtenden 'Magistrats- 
personen zu ziihleh, sie gehoren aber dennoch unter die 
bei dem Frozess vorkommenden Mc^gistrate , 'weil sie ver- 
mdge ibres veto in den Zeiten der Republik eine Art 
Appellationsbehorde bildeten S. S. 29 a. Abth. IV. 



Zweitet CapUei. 

It. Richtende l^rivatpersonen (indices)**). 

Die Entstehnng der Privatrichter, welcbe die Rechts- 
sacbe nach dem ihnen vom magistratas iftitgetbeilten 

*) Beihm. lUUw. Cirproat. 1,1, S. 152-157. 

^*) K G, de Tigersirom de iudicibua apucl Romanos BeroL 



411 - 

Keditsprtiicip la fflt8c}i«i4«Q bal^n, ievli^it «ici4ia der 
Jkltmt^B Zeit Dtoo. 11, <^. 99 and IV, 25 (a«s dar K5« 
n^periode),. Cip. p. Miir/ 1 2f Gell. XX, I* Fest ¥• leiw 
(aus den ZeifeQ der RepubL)* Aueh die XII T^f. nepnei^ 
qrhitri ^nit frfierer Befugniss, wel^he, ursprSnglich von 
4en Parteiea a)g ^phiedsrichter gfwiUilt, spliter. apcfai 
Yon den IVIagistr. gegeben sein mochten. Fest. v* Tin* f 
diciae. Cic. de leg. I, 21 IDirkseni^ Uebers. S. 7i^S.\ 
475 fS. Diese Besteltung (datio iudieis) *) fand nicht 
bios in Rom, sondern aueh in den Manioipien (tab. 
Heracl. 44 f..Iex Gall. 19 if.) phd Provinzen statt,' wo 
salbat Rom, Barge* und Einheimische aU iiidioes gege* 
beo warden. Cic. V«rr. II, 13. S* 52; Unter den Kaisern? 
finden sich sogar Peregrinen ak iad« Plin* ep. Xy 66. 
Gai. IV, 105. 

i. I u d i c e s* 

Das uraUe Institut der I'kdites im e. S. (zum Un-* 
terschied von den folgenden arbitri, recuperatores, Cviri, 
welche auch iudices, aber im w. S« sind) zerfftlU in drei 
Perioden: 

1) die alte ^^ 605 d. St., wo Seriatoren,^ ohne 
Ausnabme, sewohl in Privat- als Criniinalprozesseii 
entschieden (doch recup. h. arbitri warden nieht aas den 
Senatoren gew&Mt) Dion. Hal. IL, 9. Polyb. VI, 17. 
Plaut. Bud. Ill, 4) 7 (vom Senat za Cyrene); 

2) die mitclere Periode von 605 — Augustus, sc^t- 
dem der Praetor urbi eine List)^ der wahlfdhigen Hichter 
auft Senatoren, 4ann aiis Bittern, dann gemiftcht und 



» 



-*T 



1826 (ganalich al^weushend YOA'deQ Ansiditen der Gelfihrteki) mit 
reicher QfuellenaDgabe.). * . ' i 

*) Mit diesem bestellten Richter (index . dutus), welcher'aa 
die bei jedem Fall gegebene Instruktion des Magistrats streng 'ge * 
banden war, vei^echsle man nicUt d^e iuri^didio, mandaia^ d. h* 
wenu;ein Magistrat den richt^rlichen Theil sdner AmtsbeCiignisd 
^ipeuoi Aadern iibertjmg , . was sowobl qId^ MagiatratspersoB, z. E. 
aeioL College (Lir- XXIV, 44) als aneh «in Andrer seyn konjytei 
](ft d;en PrQtvrKen kam es am hmifigsten yot Cic. .ad Civ* IF,* 15. 
1^. Ug. 2. ad Att. .¥i,^ 15. Sn^t. Caea. 7. Das charakteristiscbe 
der Miandatio . lag di«i^, dass der Beauflragte in der Eigenscbaft 
einp,9> Magiatrits, iiicht einna index datus da ataod uDd nun aelbst 
wieder iudices dare koonte. Go. dir. .in Caec. 15 quaesicr dm$ 
iudidum (aU Beauftragter). Betlimann Holkoeg S« 46 ff. 



412 — 



% 



f 



ilogar* init Pl«»bejerii T^rmengf^), jftbrKeb aufsetzle. Die 
Qt^priitiglrcbe Zfihl'Ton 300 wurde veriltehrt Ctc. ad tfiv; 
Vlll, 6 ad Arf. VIII, 16 (850), Veil. If, 76 (360 Kch- 
t^lr vn Pompejus Zeit) lex Servil. cap. VI, ed« KI. Diese 
8. g. Mclecti indicet (Ci€. p. Cla« 43.>Phil. V, 5. Suet. 
Claud. 16. Sen* de ben. Ill, 7. Plin. b. n. praef.) in 



. . *} Senatoren waren Riohter hxsX^Oracckui^ wekher dasRidw 
tacamt auC die RiUer iiberCriig (631 d. $t.) Flut Gra<;^. 4 App. 
b. «. I, 22. Tac. Aan. XII, 60. Klejize ad L. ^rr. S. 19 f. 
Lpbend enrahnt sie Cig. Verr. J, S. act. !» 13. Pa. Asc. in div. 3. 

j p. 103 .Oe. Eine nene Aenderung erfolgte 'durch Qu. iServiL Capio 
(647) ,p . welcher die Senatoren zu ihmn alten Amt znriijckfiihrte 
(Crasso suasore) Tac« Ann. XIF, 60. Cic. de inv. I, 49. Parad. 
V> 3. Brnt. 43 f. 86 f. de or. J, 52. Doch schon 649 wiirden 
die Ritter wieder iudioes' dnrch C. ServiL- Glaucia Cic. Brut 62. 
p. 9canr. 2 a. Aso.^. 21. Or. Verr. I, 13. Lit. ep. LXX. 
(yon Klenze gelangnet praef. 1. Serr. p.'XV. S« 20.) Dieses Ver* 
lialtnisa erhjelt sicU bia auf M. Uv, Drusus^ welcher 662 Sena* 
toren und , Ritter aequa parte ala Richter ansteilte Ctc. de oif. 
If, 21. Asc. ad Cic. Scaur. 2,. p. 21 Or. Lir. ep. I^Xf. Veil. 
II y 13, App. I, 35. Cell.. XJV, 2. Nach Icnrzeff- Dioter wnrdea 
diircli M. Plauf, Silvtmus zn Senat. n. Rittern aiich nocb pleb* 
Bicht^r gefiigt Cic. p^ Corn. Asc. p. 79. Bald daraiif erfolgte 
Sullas Reform (672 d. St.), welcher den Senatoren Ihr altes 
Recht,. wie sie es vor den Gracchen^gehabt batten, zuriickgab. 
Veil; JI, 32, Tac A. XI, 22; Cic. erwahnC diese Veranderong 
batiiig^' und seJten obne b\ttere Bemerk. itber die Senat<Besteefaiog : 
Verr. div. 3. act. 1, 6.7. 8. 12. 13. 15f. Ps. Asc. S. 131. 134. 146. 
161 ed. Or. act. II, I, 8. II, 71. HI, 62. (fe. V, 69. p* Rose A. 
3. 48. p CIu. 55« 22. 47. Nach den Verrin. Reden ging 683 der 

*Vorsdli]ag des L» AiireU CoUa dnrch, wdchen Pompejus . spater 
coniirmirte (Asc; jedoch nur die Reichsten Cic. Phil. I, 8. Sail, 
de rep. ord. U, 3. 7. 12.), das Ricbteramt nnter Senat, Ritt. u« 
tribun. aerar. zu rertheilen. Cic. Verr. II, 71* III, 96. V, 69- 
Asc. itt^dfT.^3. p. 103 Or. Cic. Corn. u. Asc. p. 78 f. Asc. in 
Pis. 39. p. 16 On in Scaur, fin. p. 30. Mil. 35. p. 53 f. SchoL 
Aihbro>. ad Clod. 7, 2. Liv. ei>. XCVII. Tac Ann. Xf,' 22. VeM. 
II, 32. Pint. Pomp. 22. Caesar aber bestatig^e, z^ar Sen^ u. R^teV 
(707), doch die trib. aer. lie^ er weg (diwfe Caes. 41. Dis C. 
XLIII, 25), welche Anionij^g durcb eitie Bekarie Centurlonen n. A. 
ersetzte Cio. Phil. I, 8. V , 5 f. XIII, 2. Kknze praef. ad 1 Serr. 
p. XrV flF. T\ alters R. Gesch. I, S. 243 ff. 



413 



das album aafgenommen, warden wahrscheinlich irar bei 
Crkninalproxesaen za Ricbtern gewahU, wahrend es bei 
den Privatproz. den Parteien uud dem Magistrat frei- 
gtandy aus beliebigen Standen zu Wahlen. In den Stellen 
def Alten wird weiiigstens dieser als Richter in Private 
gtreitigkeiten nicht er^ahnt, 8ondern meist ist Ton Cpi-^ 
minalprozessen die Rede *'). Varro b. Non. Marc. 454/ 
Veil, II, 6. App. I, 22. Liv. ep. LXX. Tac. Ann. XII, 
60. Dion. Hal. II, 9 nnd viele Stellen bei Ase. und Ps. 
Asc. sprechen nichts bestiinmtes aus. 

3) Die neue Periode seit Augustus, welcher die 
Zahl auf 4000 verinehrte und eine Dekurie ex injimo 
censu hinzufiigt^ (ducenarii h. die iiber Kleinigkeiten 
Richtenden) und ihnen auch die Entscheidung der Pri- 
vatprozesse ubergab. Soet. Oct. 32. Plin. ^. n. XXXIII, 
7 f. (vier Dekurien, jede zu 1000 \ Qell. XIV, 2. Sen« 
de ben. Ill, 7. Caligula legte noch eine fiinfte Dekurie 
binzu Suet. Cal. 16. Plin. h. n. XXXIII, 8 Galba 
schlug die Stiftung einer sechsten ab. Suet. Galb. 14. 
Plin. n. n. XXXI1I,7. — Die in das album ein^etragenen 
Richier, welche ein Alter von 18 oder 20 Jahren erreicht 
haben niussten**), waren gezwungen, das Aint anzu- 
Behmen (Suet. Oct. 32), wenn sie nicht rechtsgiltige 
Entschuldigungen (vacationes) batten Suet. Claud. 15. 
^ Plin. ep X, 66. Sogar ein Mult war darauf gesetzt 
Plin. ep. I, 20. IV, 29. VI, 2. Uebrigens stand es 
ihni^n frei, mehre andte Manner zu Rath zu ziehen 
(confMum, advocaW, amid) Verr. I, 29. II, 29. Ill u. IV. 
p. Qu. 2. 10. p. Rose. C. 8. p. Clu. 27. 30. Gell.XII, 
13. XIV, 2. Suet. Doin 8. Plin. ep. I, 20. V, !• 
Val. Max. VIII, 2, 2. 

I 

'^ 2 A r h it r i. 

Ebenso alt als das Institut der indices war das der 
arbitri, welch'e nicht aus der Zahl der gesetzlichen 



^ '\ 



*) Ferraitut epist. S. 2. Btihmann HoUw, Civilproz. I, 1,^ 
S« 13 Andre Gelehrte dagegen glaubea, dass aus dem albnm 
auch Privatrichter genomxnen worden seyen, so Klenze lex Serr* 
p. XIV f. ZtmrnVm^rlL G. S. 27 f. muich, SxiWsi S. 168. 

*) Klenze ad 1. Sery. S. 23, wo die lex die Zeit z^xasdien 
dem 30 Q. 60 Jahre bestimmte — doch nor fiir iud« de repetoQd. 
,iuid ohne Daue^. y 



_ 414 — 

Riekf^r, sondern von den Parteien MlhM genrftfalt and 
ntit grdtsfrer Freikeit ansgeitattei warden, was wobl 
namentlich in den FftUen getchah, wo es weniger anf 

i Reohts - als auf SachkenntniM ankam. {Schiedsriehter 
mit freicver Befagniss and Beriicksichtigung der ae^oi- 
tas,) Prozess vor ibnen h. zwar anch iudieiiiin, d.h. in 
w. S., gewohnlich aber arldMum Fegt v. arbiter did- 
tur index , quod totius rei habent afiitrium et facuU 
tatem. Spfttei* warden sie anch von dem Magistrat 

vgegeben, s. M» Pore. Cato bei VaL Max. VIII, 2, i, 
der kein Senator war (Tor Gracchas Zeit).. Cic. p. 
Mar* 12. Tres arbitri kamen in den XII Taf. vor s. 
8. 411. Cic. p. Rose. C. 4. Sen. de ben. Ill, 7. Sie 
sihd nicht zu verwechseln mit Privatschiedsrichtern 
(di9C€ptator domesticug Cic. p. Caec. 2. honorarius ar^ 
biter Tusc. V, 41)) welche intra purietet ohne alle 

/^ffentliehe Antoritat entschieden. 

3) Decemviri litilus iudicandis ' 

waren wahrscheinlich schon vor Alters .Yorsit^er des 
Centumviralgerichts (Li v. Ill, 55 und Varro I. I. IX, 
85 genannt) *), welcbe Wirksamkeit Augustus wieder 
erneuerte Suet. Oct. 36. Plin. ep, V, 21. Dio C. LIV, 26. 
In der Zwischenzeit komnien sie in richterlicher Fank- 
tion mehremal vor, namentlich wo es sich um Freiheit 
und Civitat handelt Cic. p. Caec. 33* p, dom. 29. 
or. 46. / 



4) Centum vir t **) 
Diese ebenso alten, als ihren Yerh^tnissen nach 



*) Siccama de, iud* Cvir. I, cap. 9 a. 10. Niehuhrs Rom* 
Gesch. Ill, $. 648. Ihre fruheren Schicksale sind aehr dnnkel; 
daher manche Ansichten der Gelehrten. Ganz eigenthumlich ist 
wie immer Tigerstroem S. 290 — 345. Heffier ad Gai. S. 9. Ztm- 
merh S. 39 f. Schneider de ind. Cvir. orig. S. 106 ff. 

** ) 5. T. Siccama de indicio ' Gentomyirali libri II, ed. C. Fm 
^tpemiek Hal 1776 (zaerst 1396), wotelbst sich S- 1-;-176. Siccama 
findet, S. 230 — 277 C. F. Zepemick de cansis CenhuDTiralibng and 
S. 284 — 423 de indicatia Cyir. a. a. A. O, Heffier ad Gai. obs. 
IX, S. 31—41. TIgerstrbm S. 208—290. Bethmann HoVweg fiber 
die Gompetenz des GentumTiralgerichts in d. Zeittohr. f. ge«cli. 



^ 416 ^ 

■ 

t 

nnbekanhten Riehter *) sprachen za einem oder mehrea 



Rw$s. V, S. 358 — 400, K. A. Schneider de Centumi^alis iiidicu 
apnd Romanos origine lib. singiil. Rostoch« 1835. 

») Nach Niehuhrs r} G. I, S. 472 und Beihinann BoUweg 
S. 360 sind sie schon dnrch Seryius Tiillius entstanden nnd yon 
ihnen soil Dion. Hal. IV, 25 spreche^ii wo es heisst, (fasai Sery; 
Tullius fiir Iriyatprozesse Riehter angedrdnet habe. Schneider 
S. 33 — 41 bespricbt diese Stelle und pflichtet Niebohn) AnsicD^ 
Yon dem hohen Alter des Gerichts bei. (Fiir alt hielt sie anch 
sdion A. Au^siinu^ de legibns outer lex Aebntia and Horatia, 
Drakenb* ad Liy. III^ 51). Gegen diese Annahme blebauptet naAi 
spreche itlie Zahl der (05 Cyirn, welche erst dann entstehen konn^ 
ten , als 35 Rom. Tribns waren , da ans jeder Tribns drei Cyirn 
gewahlt worden waren Fest. y. Centumyiri und CyireAia iudtcia 

« a Centumviria sunt dicta, , Nam cum essent JRof^ae Iriginta et quin" 
que Irihus — iemi ex singulis iribubus sunt electi ad iudicandum^ qui 
Cviri dppellaii sunt; et liioet quinque amplius quam centum fuerint^ 
l€tmen. quo fadlius nominarentur ^ Cviri sUnt dicti (Varro r« r. II| !.)[ 
Festus aber sagt nicht, dass sie yor den 35 Tribns noch nioht 
oxistirt batten, und wamm hatte der Name Cvirn. nicht spater 
«ntstehen konnen, so dass sie friiher, als es ihrer 60 ,u. dann 
90 waren, nur iudices hiessen, welcber Name sich auch spater 
noch findet (Plin. ep IV^,t6. V, 21. VI, 33. IX, 23. Quinct. J.^ 
XI, !.)• Sie konnen ja die yon Liy. Ill, 55 nach Anfhebung der. 
Decemyiralregierung genannten indices aejn (die Beweiskraft dieser 
Stelle bezweifelt Schneider S. 27—33.). Ihr hohes j^lter wird 
anch dadurch bewiesen, dass, als die lex Aebntia die legis actio- 
nes aufhob, die causae Cyirales die alten strengen Formen der 
leg., act. beibehielten. Gell. XVI, 10. Gai. IV, 31 ; ebenfalls deutet 
ihr Symbol die Lanze {hasiay sabinisch quiris Oyid. fast. II, 4?7* 
Mart. VII, 63, 7. Val. Max. Vil, 6. 1. 4. Qmnct. J. V, 2. Suet. 
Oct. 32. Stat. sily. IV, 4, 43. Gai. IV, 16) auf einen alten und 
zwar plebejischen Ursprung, so dass sie urspriinglich den. 
patricischea iudioes (S. 411) entgegengestanden haben miissen 
{Zhnmem S. SS. Wkiich Sulla S. 157 halten me mit Niebuhr fiir 
ein plebejisches Gericht). Jedool^ ist diese richterliche Kastea- 
eintfaeilung yerschwunden, sobald sich die Rechtsyerschiedenheit 
der Patricier und Plebe)er yerlor und die Tribos Eintheilung der 

.4r^nzen Nation 'geworden waren. (Fiir die Wahl aus beide^ Stan^ 
den sprioht auch Schneider S. 47 f. 101 — 105.) *^ Einen neueit 
Ursprung zufolge-der lex Aebntia nehmen Siceama S. 62 and 
Hefier S. 31 an, dagegen sprlcht ausser JS^ihmann HMoeg mMol^ . 

■ \ 



— 416 — 

Collegien^) vereinigt, ursprSnglich nnter Vorsitz der 
Decemvirn, darauf der ExquSstoren, seit Augustas wie- 
deruui der Decemvirn (Suet. Oct. 36) in Civilprozessen 
Reeht und zwar nnr in Ronu Auch ^urden sie nicht 
erst fur jeden einzelnen Fall von der Magistratsperson 
ernannt, sondern waren eine stehende Uehdrde und 



Schneider S« 15—26. (GelL ^VI, 10 liUtt sich ni<3it for die s|Mi- 
t6re Entstehnog der Cvim anfnlireD). Am allerweiiig8t(»n ist an 
einen griechigchen {Ayrtr de iiid. Crir. bei Siccama Ad. Zeperntck 
8. 187) Oder deutscben Orspnitig (Zacharid$ Sulla der Gliickliche* 
Heidelb. 1834, II, S. 109 ff) zn denken. ^ Was die JTahl der 
Cvim betrifit , so sind sie weder tod den Pratoren , noeli diirch 
'das Loos, sondern yon den Tribiis" gewahlt (S. 31 f) und zwar 
entweder in den Tribittcomitien oder in deo Versammlungen ein- 
^xelner Tribns, je drel'aus einer Tribas (also t05 Grirn atis 35 
Tribns; erst dnrcb Augustus stieg ihre Zahl auf ISO. Flin. ep, 
VI, 33). Zwar ist Schneider gegen diese Ausicht 3- T'O — 100 und 
"bat eine Hypothese aufgestellt, worauf ihn seine sonderbare Ver- 
mnthung yon der Verwandtschaft der Gyirn und Genturiatcomitiea 
fiihrte (s, unt.), dass die Gyirn ursprunglich ans den Genturien 
und zwar nicht in den Con»itien, sondern in den Zusammenkiinf- 
teh der einzelnen Gent, gewahlt worden wairen (15 Grirn aus 
den Rittercent.. 85 Gyirn aus den fiinf Glassen, aus jeder Gen* 
tnria senionun en^er, — zusammen alsd 100) uiid erst spater sey 
die Wahl yon den Genturien an die Tribus iibei^egangen. Diese, 
wenn auch mit Scharfsinn erfundene und unterstiitzte Hypothese 
ist weder durch Stellen der Alten zn beweisen, noch durch 
innere Grilnde nothwendig oder nur wabrscheinKch, indem man 
weder die alte Verwandtschaft der Gent. u. Gentyir. , noch das 
•patere Uebergehen der ,Wahl auf die Tribus begreifen kann. 
8* unt. Anm. Nur durch die Tribuswahl eiklart sich der ursprung- 
lich plebeflsche Gharakter des Gerichts und Menches andre sonst 
Undeutliche. 

*) Me bestanden aus yier Senaten {eonsiUa oder tribunaUa 
Val. Max VU, 7, 1. Quiact. J. XII, 5. V, 2), welche getrennt 
Hber einzelne Sachen unlersuchten und nach Siimmentnehrheit 
entschieden. Daher h. es quadruples indicium Plin. ep. I, 18, 
IV, <i4. VI, 33. Qninct. J. XII, 5. Zuweilen entschieden zwei 
Gonsilia gemeinsam {ceniumviralia duplicia iudi^ia Qninct. J. XI, 1 
Oder duae hasiae Quinct. V, 2. XI, 1. Dass auch alle yier zu- 
sammen iiber eine Sache entschieden, schdint aus VaL Max VU* 
7« 1 henromigehen* 



— 417 — 

\ 

J 

wafcen 4aher den obeii|feiian|iten indii^es pnbKci (tte katteii 
niemalft Criiniiialgeriehlsbarkeit) *) and privati entge-' 

Sie ja0gM vor Alters grosses Ansehn gehabt habeii^ 
welches ^egen das Ende der Republik sank; doch 
unter August erhoben sie sich \vieder roil; dem alten^ 
immer zunehinenden Glanze Tac. dial. 38, obgleich aach 
nnbedeatende Dinge voi^ ibnen ausgemacbt werden muss*- 
ten, worUber Piin. ep. II, 14 in einem Anfall iibler 
Laane bluer sich ausspricht Ein alterthiimlicbes An- 
sehen batten sie stets durch die dem Legisactionenpro^p 
zisissr eigene Verfahrungsweise ***), neifilich tacrmnento 
(s. Abth. 11. Cap. I.) Cic. de or. I, 38. Geii. JCVI, 10. 
Val. MaxVn, 7, 2. 5. 8, 2. Gai. IV, 30 f. 95, welch^ 
sieb so lang ei:bielt, als das ganze Gericht, nemlicb 
bis Diocletian; vielleicht noch etwas l&nger. Zwar 
standen sie nnterdes Praetors Oberaufsicht (Plin. ep, 
V,.21), denn bei ihm begann auch der Prbzess (Gai. 
IV, 31), waren aber in ihrer Beurtheilung gknzlich 
frei ^nd elitscbieden vicht bios iiber streitige That- 
sapben, so^d^Sfn auch uber das Becht selbst. Cic. de 
or. 4, 38 f. Quinct. J. IV, 2. — 

,. V ^as abfr die. eige^tlicbe CompeUnz dieses Ge- 
irjchta jj betrifft, so ist die Entscneidubg , /schwierig, 



•rr 



**y Schneider. S, fi^-^SS^ WO die Conjektnr 7>iiimt>rrd« Statt 
teriiumviros bei TJ^a'edr. Ill , 10, 34 nicht bialauglicli bewieseii zu ' 
bc?jn ' kcheitit. 

*^ Sitctma I, cap. 6. t. / * 

•«#♦♦) Bffs ^kAze #uif dem Fomin (Cic. de or. f, 38. p. Caec 18) 
oit^r ih' der Kaiserzeit' anter einer Basilika \i^)m. ep. II, 14. 
i^y2!lV^VI,<33) offenttich Torznnehmende Verfahren begaim bald 
^tnkiiSi^ /ich' die P^eien gemeldet' Und anf^ezeichnet battel 
(•M(ier£^r^' imm' ftdpertano Biin. ep. V, 1.) nnd waide miindlich 
ttti*dig«falitt , Pliii. ifepr. 1 ;• 5. 18. ' Sfen. Uotati^vi III pmef. ^ Tac. 
d9if.'6. ' Ubber^die lan^'Dauer der Prbz^sse wird gaet* Vetfp. 10 

/. ^^ySdimtmn l^oU»eg (uber d. Competenz d. CTiralgeriohtf 
In' d. 2^Uc!ir.) bewiestf ziAf»i, da«i> anr DigenfhimisklageQ' vor 
iitf C^Bgebraoht weydea 'koiuileiki diadem ier avteev demBd^ 
ftkAfft^' deM aUe B«ispiel« ^i^ Cfii^proaeMon seiner A^akht 
gttnitig '^ttd, anoh' nocb felgende^ Grnnde inf^irt 1) 1ms «otid 

2T 



_ 418 — 

da so Ttde eabftiie als centamTlndes besriehnet wofdea. 
Cic. lAigt 4® or. I, 38 tJi gufhui (nemlich C viral proxessen) 
Uiucapienum, tutelarumj geniilitmtumy agnatiamuML, 
alluvionumj circumluvionum , nexarum^ mancipiorum^ 
parieium, Juminum^ siiliicidiorum^ tettamemiorum ru- 
ptorua^ aut ratorum ceierarumfue rerum imium€r4ihiiwm 



•acramento in rem, die Fonn der ahen Vindikatioii eriiielt aich 
bei dem Cyiralg^richt anch nach Abschaffiing der 1. act (Abth -f(.) 
Gcll. XX, 10, wahrend 1. act. sacr. in personam ganz verschwun- 
den war — weil yor den Cyirn, wo 1. act noch allein angewandt 
WTirden, nnr Vindikationen vorkamen. '2) Die hasta, das alte 
Symbol fiir qnirit. Eigenthmn , welche bei den Verbandlungen der 
Cvirn anfgepfl^zt war, dente anf Vindikation, nod das Criral- 
gericht , ein besonderes Volksgerlcht babe orsprunglicb allein iiber 
das bochst wicbtige QniHt. Eigenthnn) Recht gesprochen Betbmatin 
HoUw. S. 366 — 376. Mit dteser Aniiabme stimmt Schneider 
zwar dabin iiberein, dass banptsacblicb Trozesse iiber qnbrjt* 
Eigentham YOr den Crirn yerhandelt worden seyen (8. 42), |edocb 
fiibrt ibn seine eigenthnmliclie Ansicl&t liber den ' tirspning iind 
Bedeutung dieses Gericbts zn eine]^ we^t ihisg^^^bnteyeb' Wiilt- 
samlteit desselben^ Er glaubt n^ttlS<5b; dastf (!|ie Cvirn' attiel P^iV^t- 
prozesse entscbteden liStten, weldb^.zb den*Cenfnriatc6niitien io^ 
einer Beziebnng gestanden batten , W das^ «fe ^tMcbs^ Prhrat-^ 
richter der Centcom. gewesen waren S. 72 £ Dafilr sprecbe 
•iicbrdie basta., welcbe uls Waffe 4^^ ersten^5 Clusae^ Zeicben 
der Centiiriatcom'. und sodann aucb (fas Symbol der Cyirn gewesen 
sey, weil sie die Sachen der Centnriatcoin. entscbieden batten; 
(Zeicben des domininn aber sey die basta deswegen^.^weil sicb 
der Cenfos. nach dem dcHninium ricbteVS- 75 — 79* Aus dieser 
V^rwandtscbaft der Centcom. nnc^ Cyirn leitet nun ^c^^'^r . fol^ 
gende Prozesssachen^er: 1) alle Eigenthnmsklagen , p^m<^tlio]^ 
iU)er reft man^ipr, denn dfiese allein seyen cen^irf .^^or^^ (;b» 
dagegen S« 442) 2) ErbscbaflssAQben , d^ die. Testam«pt^ ,m^ri|n£«r 
lich, TQr den Centorion gemaobt v^or^en ^w^r^n, worauf anclf/Al?) 
bei dem' Adanoipationsiett. angew^ndten 5 Zenge^ -^ Bepra^ntaj^ 
ten der 5 Classen bindeuteten. Als testamentariscbe Stre^tff qbe 
re/Dluiel Scb. ancb die qiiereia ^kicffieiosi Uttamenti (yaLMaj^rt-VII, 
7y A}«- sogar Klagen wegen valerlipiiea Hpd nintterlif^hen Te$(aa^i(|s 
(8twt« de olar» rbeL 6. !%< ep*. V, 1) ganz «ig^ttUicb,i^miit im 
Comp^eiufi des C^ralgericfats ^ ol^gleioh die Klaga aelbst^^ichl 
9tyil, sondem pratorisch ^wesen se/v. 3} da 2|Vita/f.JttiM ^mi<i$f 



V . 



— 419 ~ 

Aitu xierientnr; jedoqh «IIe FSlIe dbseir rhetori«che& 
Afif^&hlang lagsen sich Huf: ^^e Art von Klagen za- 
2uckfiihren , netplich. actiopes in rem oder vindicadones, 
(Gai.iy,95), welcbe Tor. dem Gvimlam.h^ufigsten ver- 
handelt wurden, obgleich sie auch ebenso gut voreinem 
iudex nach prStorischer IntructioD entschieden werdeo 



batten xlie CTirn entschieden , da es fiir Aen, Censas sehr wichtig 
gewesen sey^ ob >iner civis nnd ingenmis sey, oder nicht. 4} cl« 
tutela gehore a!s Erfcschaflsstreit mit yor die Gvini, nicht etwa ti|* 
telae a6tio sondern wenn ein ' Streit zwischen dem tutor testa^ 
mentarins und legitimns entstanden sey. S. 60 -^ 72. — Das 
ganze Gebaude ruht indess aiif schwacher Basis | denn wer sollte 
d^a^ Grundsatz der VerWandtschaft der Centcom. und Cvirn zu« 
seben? wer die willkiirliche Annahme der Centurienwahl und 
4ie gesuchte Erklarah^ der hasta biUigen? Was aber die 
Competenz betrifft, so lassen sich aTle yorkommendea Kiagen anf 
Beihmann HoUwegs Annahme zuriikfiihren , sO dass alle Klagen 
nrsprunglich reine Eigentliumsklagen waren, :za deiien sich aUir 
inalig, inanche BicJrt zi; umgehenUe Vorfragen gesellten and dio 
urspriinglichen Grenzen des Instituts erweiterten ^ z. ,E« quer. inotf. 
Die yon Sch. (ur friilier yon Zep€m\ck S. 260 r- 266. v. Ileffief 
S* 37 f.) angenommenen stcttug quaetiionea sind aber keinea^ji'egs za 
erweisen, denn Quiic/J. IV, 1 guibusdam in^HudicU* maximeque 
^fpiiulihut^ u$ aqufl. Cvirqs^^ipsi iudicet eid, ist, kritiach noch nicht 
fpnstatirt^ indem gute Cbdd..^ lesen, also gegen Sch« Anoahme 
sprephen. Wenn . sich ,aber de.rselbe auf Cic. 4^ orat. 1 , 38 
beraft, so sagt Cic freilich nadi den oben im Text mitgetheilten 
Worten verseniur » yvum omnino quid suuiH , quid aUenum^ quart 
deniqug civiijoui pereg;rinut^^ Sj^rvuis aui libtr quUpifi^ Mi^ igtiorei»^ 
i^^gnU est ivtpu^iiae^ spricht also wirJ^ch yon^t^tua qnafistiones; 
j^doob^ ^tel^en di^se ^Worte Kefneswegf m^t 'den yorher ;ipeziel} 
Ton dea Cyirn handelnden , in Vtfrbindang. Cic, sagt yielmehr, 
Hiiphdem er die znin CiyiU und Cyiralprozess nothigen KJenntn^sse 
]iBj,Eij?f£elnen mitgelheilt . I^at, znm Schluss ganz ira AUgentieinen 
ohn^ dc^bei an die Cyirn zu denken, \ne uuyerscbamt es sey, 
wenn jemand bhno; die Fundainentalkenntnisse iiber Eigenthum, 
6iyitat, IngenuLtat zu besitzen (die allgemeinsten Postulate)^ Pro- 
zesse zu fiihren iibernahme. Dass Cic^ nicht mehr yon Cvirn 
spricht » . bezeichniat schon omnino, iind'yon der Cyirn handelt er 
nberhanpt nur gattz yor&bergehend in dem Zwischensatz iaetart 
§e in causis cenfumvirdlibus — versaUutf Welche Worto mit dem Fol^ 
^«iulen nicht zusammenhaogen. 

■ ' , ■ 27* . 



i . 



— 420 — 

\ 

kotintMi. Qoinet. J. V, 10. €ie. or. 21. Verr. f^ 49*). 
Als djle zahlreicbsten Cviralprox. werden Erbschi^tta- 
streitigkeiten genannt (Cie. 1. ain*. II, 17. . Qainct. J. 
IV, 1. VII, 2. Tac. dial 38. Phaedr. IH, 10, 8 ff.) 
und diese sind ent weder hertdiimtiB fetiiio (aehte actio 
in rem) Cic. de or. I, 38 ff. 57. II, 32: Top. 10. 
Brut. 52 f. Verr. I, 45. p. Caec. 18. 24. QuiacL J. 
VII, 6. 9 f. Vd. Max. VII, 8, 1. IX, 15, 6; odcr 
querela inofficioti tjBstamenii^ eine Vorbereitungsklage 
aof hered. pet, also nnt mittelbar Realklage, und 
CviraL Val. Max.' VII, 7, 2. Aaf beide beziehen 
■iehibeiCic. iuie/arum^ geniilitatum^ agnat. iettam. 
iuruj denn bei Erbschaftsklagen miissen die Gentilitate- 
Agnationsverh&hnisse upd das Vormundschaftsrecht (bei 
leffit* als nSlchsten Erben S .241 f.) erortert werden. 
iftucap.j alluv.^ circumluv.^ nexor.^ mancip* gehoren 
zu reineo Eigenthumsklagen nnd pariet.^ lum,, iiillicid, 
Kii Servituten- (also auch Reat-)Klagen. Uhter den 
Kaisern werden anch bios diese Klagen 'genannt, am 
hILnfigsten Erbschaftsklagen, weniser Vindikationen ; Ser^ 
' Titutenklagen gar nicht mehr. Zu keiner Zeit aber tverden 
/personliche Klagen , aus Contrakten oder Delikten als 
Cviral. erwSihnt; ebensowenig status qnaeStiolies s. Anm. 

S.% flecuperat6ret'**)m 

Dieses richterliche Colleginnv war ursprungKch Jcein 
RSmisches, soadern vdlkerrechtliches Institnt. Es scheint 
durch Vertrftge der Romer mit andern NaUonen eiit- 



y 



*) Ueber dfe nadi Aafhebnng dor leg. act. Tersohiedene. Ait 
dlogHche Kldgen geltend zu machen, xmief denen freie Wahl gall, 
iiemlioh H) die alte noch geltende 1. a. sacrain. bei den CTini 
2) per fonmtlam oder 'per sponsionem , wo bios ein ind^x avge^ 
wandt wnrde seit. 1. Aeb. , (weit beqtiemer) ' 3) die fpiter* hinzti'^ 
fret'ende freiere act. in rem mit formula petitoria ( zn Ahfang dot 
liaiserzeit] mit einem arbiter s. BethmiEinn Hollweg S; 37^-^ ^100 J 
wo aach die schwierige Stelle €ai. IV, 95 erklart ist. 

**) i^rrraiii eptst. S. 10 f. jffeimbach excufs. 3 ad Ael. Gall, 
fragm* S. 63 — 66. Tigerslroem S. 183 — 208, dass die recnperat 
niir gewesen seyen ad vim repuUandam et recuperandum id^ quod 
fuerat amissum* Peyron nnd Beier ad Cic. p^ Tall. 4. ' F, T»' Sidht 
iiber das alte K5ml Klagenrecbt Miinchen 1827 S. 17 — 24 be- 
hauptet, dnsa Tor die Recnp. nnr faktische Ausmittlungen , nich^ 



'— 42t — 

«t«njj/|il «i| neynf in wiildiMi unt^r Miderii aucib illtt. 
BJBMitiittiiiapg eotlis^teii war^ ijBmA fsin Gericbt aos Mttnacifo 
)^eidfur:y5lker sasmnm^gesetst sowohl iiber Zuruckgiy^ 
VOd^E^niBtz der im Kriege erob^rten und jetat suru^-*. 
zuffebenden Gegenstliiule, aU auch ilber dU aod^rH 
siukiinftigen Privatprozesae entscheiden solle (vgL Oion* 
Hal. YI, 95) Fegt. v* reciperatio ed. liind. S. 136. 228, 
red^eraiia est^utait Aeliui GuUusj cum inter oopulum 
ei regft naiionesque €i civitatet peregrimuf tex cot^ 
jueMtt y quomQdo per' reciperatoret redaaniur ret reci" 
pereniurque resque privaias itUer te persequantur. 
(Diese luapriiagliche Bedeutung, zwischen Romero imd 
ParegciD^n zu eat^i^heHten, haty sich auch sp&ter erhalteo, 
HI, E. JLiiv. XXyi.9 28 rich ten Recuperatoren bei eificim 
Sftreit de corona murali zwischen einem Romer uud sociua 
navalis ^ auch den Repetandeoprozess fuhren Been- 
peraftoren so Umg er noch nicbt criminell war Liv. 
XLUI, 2, denn Tac. Ann. I, 74 waren aie blqa zi|r 
ScbStznng gegeben). Ein aolchea Gericht Wnrdervon 
dem Magistral (denn die recaperatorinchen Prozesse 
gehoren zu, den imperio continentia' S. 407. )• allmalig 
atich in Rom eingefiihrt^ um die unter Peregrioen ent- 
atefaenden Streitigkeiten zo entscfaeiden ^Plaut Bach. 11,3, 
36 ff. in Schnldsachpn, Rud. V, 1, 2 iiber . status libertatis), 
und naoh Aufbebung des Legisactionenprozesses mochien 
aiich ciFes anfaogen., aolcbe collegialische Richter sich 
vom Pr&tor zu erbillen. Dieses collegiufn (von B, anch 
5 Miknnern Cic* Yerr*. Ill, 11 f. 58. Liv* a. a, O. 
Gai. lY) 104 f.) diente zur Beschleunignng des Frozesses 
(Schnelligkeit war nenilich bei der Entstehung dieses 
Gerichts nothwendiff gewesen, weil die eine Partei nicht 
selten aus weiter Feme kam, also eine ungesHunlite ' 
Beendigung sehr wiinschen mnsste und desshalb war 



priyatr^itliche EntscheidiiBgeD gehort Mtten and Bcheint darin 
etwas zn weit zn gehen, ebenso wie P. £. HuscKke excnrs. 2 ad 
Cic. p. TuH. in Anal. litt. 8. 208 — 255 (das Beste nnd VoU^ 
atandigste uber d. GegensUnd), welcher aniiimmt omnes illaa 
cansas reonperatores pleriimipie habniase, qnae nt (laam primiim 
cogTOscerentur , faoH in indicinm vocati atroeiias poatnlabat, ao 
dass sogar einige Griminalfalle mit herbeigezogen aind. jR. JOofx 
Anm. zn Cie, p. Caeo. ()n desa. aammtl. Redep Leipzig 1835 I)i 
S. 464 ff. 



J > 



— 422 — 

aimkk Hb Znbl der Zengen anf 10, bencbtfokt Qe. pu 
Oaee; 9 t Val. Prob. d. notis 8. 1539 P-) *)f ^^ wir 

I Aot manchen Stellen eraebenz* E; Qe. p. Tall. 10. 4f* 
div. HI Caec. 17. de inv. II, 20. Plin. ep. HI, 20. Gai. 
iV, 46. 105. 109. 185 und bebandelten ibrer orspraog* 
lioben BeitimmttDg gemftss ^eiatens Vermogenssachea 
Fest. Verr. Ill, 11. p. Tall. 10' (vi bonor. raptor.) p. 
Caec. im Intardiktsprozess Gai.. IV, 109. 141. lex Ma- 
milia bei Goes, script, rei agrar« S. 340. Aacb warden 
ate nach der Eatscbeidang. eines SCreils gegeben , am die 

. Tdn dem besiegtenTbeileza ertegende Suniloe aa scbfttzen 
(so aaeh arspriinglich ) z. E. iniuriu ue9timmndiM bei 
Cic. de inv. II, M. Gell. XX, 1, bei ntcbt eingebakenea 

* Yadimoniarn Gai IV, 185, bei Uebertretong der lex 
Foria (8. 380.) dass Nieroand iiber 1000 ass. als Legat 
ennpfangen solle Gai. IV, 109. 

Wegen des schleanigen Verfahrens, welcbes in 
manchen Sachen sebr gewanscbt werden moehte, orwei- 
terte sieh der Kreiss des Recap. Gericbts aocb anf 
andere Sacbeo , die der urspriinglicbeo Bestimmang 
fremd waren, z. E. de staiu Saet. Ddin« 8. Vesp. 3.» 
zamal da das Gfericht g^nalicb- roni Magistral abhiog 
( als ein iinperio continens \ Am weitesten erstreckte 
aicb der Kreiss ihrer Entscheidungen in den Provinzen 
(bftufig de statu) 9 da der Magistral dort nocb freier als 
in Rom war /Cic. Verr. Ill, 11. 14. 2^1 f. 26. 28 f. 
47. 59 t 68. V, 64. p. Flacc. 20 f. 



Drittet CapiteL 

Von den Parteien nnd deren Stellvertretern. 

Bei jedem Prozess ist ein Klager (actor oder 
petitor**Jj und ein ^ng^agter (reus; beide zusam- 
men heissen rei Cic. de or. II, 29. Fest. v. reas 



*) MuscKke 5. 237 ff. ♦ ' 

**) tidor TiTspranglich bei Klagen in personam ^ petite bei 
I^agen in rem. So Huschke ad Cic. p. Ttill. 28 in annal. *ich 
Ulpian. (Klota erklart aeior fur den allgemeiaen Ansdrnck, petitor 
fiir ^en Klager in Privet-- und aceusaU>r io ofientliohett Pioabeafeg. 
KWu ZQ Cic. p. Caec. i* p. Qninct* 13); 



^ 



— '423 — 

Jr« 195/ 3Sf) nothweiidiffy dena niir dadoreh, da«« 
ener 'ft1>ar die von dem Andern'^rliuene RechUiverletzaDg' 
betehw^Rt, entstebt eitie actio. Der ah KlSger oder 
Beklagtisr Anflretende darfte nicbt In fremder Gewalt 
ttehon, d. h. weder Sdave ni^h Haiissohn^'Beyny i^ucb 
dnrfto or niefat Peregrine y.seyn., Ursprunglich , nem-. 
Iteh so lange die legis actiones danerten, massten ^\9 
Pbrteien personlich vor Gericht ersebeinen upd Stell* 
vertretong > war nicht geatattet Jedoch galteii folgende. 
Atumahmen Gai. IV, 82. Jusl. Inst IV, 10. 1) pro. 
populo d. h. JLii ^iner 5ffentlichen Anklage konnte 
jeder zttgelassen werden, dock batten bei Anklage wegen 
Mords die- Verwandten des Getodeten das aacb^te Becht 
sur Anklage; 2) proltbertate. VVenn es sich.um die 
Freiheit einer Person handeke, iso masste diese durcb 
einen s» g. anertor vettreten werden, welcher sie 'fiir 
den freien^Zustand vindicirte.- Natiirlich batten auch 
hier die, Venvandten die nilcbsten Anspruche, sieha 
Liv. Ill, 44 — 50, wo der Vater und die Verwandten 
der Virginia ala assertores bezeicbnet sind*;. Erwllh- 
nnngen dieses Gebraucbs s. Plant. Pers. I, 3, 84.. Poen* 
IV, 2, 83. V, %^ 4. Ten Adelpb. II, 1, 41 und Donat. 
Varro i.l. ,1. VI, 64. Fest. v. sertorem Gai. IV, 14. 
3) pro tutela (ungewiss) **)• Ferner war Stelli^rtretnng 
gestattet 4) bei tetio furti vermdge dfer lea; HoitiUn 
in dem Fall,^ daas der Bestohlene in feindlicbejr Gefangen- 
scbaft oder in offentlicben Angelegenheiten abwesend 
war, 5) bei Prdzessen der Peregrinen gegen lidnier» 



*) M. 5. Mdytr ad. Lit. UI, 44 -* 48 diss. Stattg. 1828 
► 8. 43 — 5a 

**) Rudofff und Klenze (Cogoat. mid AfHnen in Zeitsch* £# 
gescb. R. W* VL iib. Stellyertr. 8» 41 ^^ 49) Terstehen damnter, 
das8 eia Jeder za der accusatio snspecti tntoris (s. S. 246 f.) 
berechtigt gewesen aej^Hugo R. G. 8. 323, dass der Streit liber 
eine Tutel gemeint sey, yon xler man ntcht wiase, warn sie 
eigentlich znstehe (so tfubh Theophil.). Beide Ansichten aber sind 
eben so wenig wahrscbebiUch, als dass die gerichtlicbe Stellver* 
tretQDg des Miindels dnrcb seinen Vormand za yersteben (sey wie 
Hokiui bist* iiir. Rom. lineamm. Leod. 4830, 8. 56 glaubt), dena 
der tutor batte ja nor. anctdritas (s. S. 245). Hoi^stens konnte 
die VertQBtaiig dieses ^Vormunds (in Abwesenbeit oder sonst) darcb 
einen anderen, nemliob den praetorius tutor gedacbt werden? 



! 
/ 



— 424 — 

dknn erst In Jwn ForaMil a rpm igM dnrftra di« Fnregriliett 
▼•rmdge dnerFiktion ak segen tie etveft(GaK lY, 37. Cic 
y«rr. II, 12) 8elb«t auftreten. , Eine Spar dea alten 
Yerfahrens erhieh stob noch laoge Zeit im CriiiHiialpr»* 
SMS) nemlieh repetoBdanmiy iro «fii Rftmischer palronaa 
klagaiid aaftreten masste, a. E« Cic. fur Sidliaa gaga» 
YerrM. Cic. ditr. in CaeciL 4. 16. 19 f. , wo aleh Cie. 
eogniierj <re/ar, n/Ufr etc neanf. Kkaxa ad lag. Servil. 
e. S. a. prolegg. Lir. -XLllI, 2. Friiher wihteen sich 
die Peregrinen den ROfn. patronaa aelbsty apftter wnrda 

. it ibnen vom. Priltor gegeben. 

Dagegen im Formolarproaesa war Yertretang ge* 
atattet, namentlicb darcfa eogniior€$ nnd procura^ 

^ tore9*), Der Cegniier iat ttltaren Uraproiigs nod 
wnrde eeriti verkii in Gegenwart des Gegnera Tor 
Gericbt ernamit Gai. lY, 83, wodarcb er gftazKcb ah 
die Stelle aeines iba Beanftragenden kam (damini l^eo 
kahetur Gai« lY, 97.) Urapriinglich war ibra Bestellnng 
an gewisie Bedingangen geknOpft, .wenigsteos sagt a* 
ad Her. II, 13 isr/ maior anxfs LX et cvi wi9rbv9 causa 
esty eogniierem det; doch apftter war tia aligemein 
geatattet Cic. erwShnt cogn. p. Rose. C. II. 17. 18. 
Yerr» I, 6. If, 43. HI, 60. p. Caeo. 5 (oogn'. vidaaraniV 
Unter freieren Fortnen , n^mlicb nacb ius gtn^« , * wvrde 
der procurator bestellt, indem eg weder vor ^Gericbt, 
nocb im Beiaeyn des Gegners xu gescbeben branchte. 
GaL I Y, 84 nuiU$ certis ^erbi§ <^ er 9oIo mandatOy et 
absenic et ignordnte adversario conttituUur. Fest. ▼• 
eognitor ett, qui litem afteriut nticipit coram ab eo^ 
cut datui eit. Procurator autem abienttt nomine actor 
Jit. Fs. Age. ad Cic. div. 4. ed Or. p. 104. Ein golcher war 
fiir den abwegeaden Begteller ein wabrer GeneralbeToll- 
milcbttgter (Cic. p. Caec. 20 alieni iurif vicarius) nahm 
die Klagen gegen deag^ben an (iudicio difendere p.^ 



*) FerratU episf. 8. 13 f. Unterhohmerg Anm. xa Qeindorfs 
A. der Horaz. Satiren S. 364 f. P. E. HusMe exc. '5. ad Gio. 
p. Tull. 17 in Anal. Ittt. S. 283 — 290: de probabili lyrocara- 
toram origine. Hegler bbs. XIX ad Gai. IV. Beikmaitn HolhtegM 
"Versuche iiber einzelne Theile d^ Theorie des Civproz. Berlin' 
1827. 8, 141 ff. 165 ff. ji. A. it B«cftAoM« exc. 3. ad Iragrn. Vat. 
tit. de oogn. et proc. S.^ 335 — 350. nmmtrM R. G< III, J$. 468 £ 
S€mxn%t Bern. 8. 263 — 266. 



— «2» ^ 

Klmg^i^yatamrdm dQiiliktm'Mbiiurum 6ai. IV,' MyM^ 
ienn s^qstjliftite der eigentliche Glaubigar ^iSktut noHch 
Miiiiiil . klag^d ftuftfetieii , kiyfinen*, imd ds rBekbgfcet 
fpdb'ctfhMi fo/ihr. (L b«^ diisa dots Bifibten Ausltprttch 
volkoMn utid das .Schiildi^e bexabit werde Cie. p. Quioct^ 
7;da8»dI&ter9s.Ab|b.II, Capui2» Naebdieser Caution nit 
imr Pfacwrator, wie der Cogoitor doiniai loco liild ndiia 
die Sache nb^r sidi^ yrie aeine eigeae (ualatein* gen; 
MmMum' Utu)i daher lautete die Cond^moatio aaf 
ibn und er durfte das daraus za fordernde vet-langeiB^ 
so wie er im Fall einer naehtbeiligen Ekitecheiduiig 
haften miMSte (GaK IV, 86). Dbgleich aber die Win^, 
kting der Entacheidang vec der Hand auC den Stellver* 
lreter'fiel,'80 iibertrug aie dieser dareh cessio.dem ^on 
ibm Reprlksentirten (Cie. p. Aosc« C. 18), welcker die 
ganze Prozessf&hrong des Slellvertretera gelten iassen 
mustte .'*')« *. 

Mil: den Stellvertretern der Parteien sind die Recfata^ 
beisiiipde nicbf za verwechaeln, wek^e in den Zeiten dei^ 
Bep« noch nicht als ein besokidrer Stand za denken sind ; 
aondern Jeder, welcher genug Rechtskenntnisuse begasa, 

Sewabrte seinen Beistand entweder ala advocatus**) 
4 b. ein.aolcber, welcker aeinen Rath gegeben batte tind 
ntin Buch bei den gerichtlieben Yerhandlaogen zageg^n 
war (dat^er derVName), nicbt um zu sprechen, aondern 
nur durch seine Gegen Wart der von ibm vertretenen 
Parte! Gewicht zu geben p. Caec. 27 p* Mur. 2 — 4. 

. Quint. 1. 2. 21 t. p. Clu. 19. Ruhnk. lad Ter. £un. 

I, 3', 48*9 Oder als pair onus Cie d. off. II, 14. So 
beissen nemlicb diejenigen,, welche fiir die Parteien 
aprechen , aey es vor der Magistratsperson , sey es vor 
dem Richter, welche daher ebensowohl Recbtskenntnisa 
ala Beiedtsanikeit besitzen mussten Cie. de ^r. 1 , 36 ff. 
Pa. Asc. in Cie. div. 4. qui d^endit alierum in iudidif 



I 



*) Das Spezielle gehort der spateren Zeit an a. ist in^ JB^A« 
mann HoUurigi Anfsi^z iibei^ Reprasentat. im Proz. im a. B. 
S. 138 <- 249 trefflich entwickelt. 

'*'*') G» L. H, v» Loo de adyocato Romano. Lyig4 o. 1820. 
eausari hieu in der yor Ciceron. Zeit. AnwaH seyn S. mehre 
Dichterfragm^ bei 'Non. 89 , 12. 



43i 



ami pairohui di$thtf^ $i 0r0i9r'eft^ imi nMoemin^ it 

Sitrf iuggerU out fraedemiUtm Aran e ^m wi ^ imi i mmmoL 
ide Nameh neben^aaiider Cie. p, Cla. 40.) JUmeit 
tlnterschted Tefscfawand ni der Kaiseneit giazlieby 
Advokator 'und Vertbetdigting warden eina and be(de 
Ausd^rilcka bexeiobneten niW' ebenaa wie di$€ri9ss^K^ 
eautidici^ <Cic. de or. I, 46. Qdincn J. XII, 1c) f9r«rfore« 
(Tac. dial, l/) etnen beAdminteii Standi wflfareod die 
ei^fitlicben Recbtsgelebrten dureb ibre reBponm weit 
hbher stand^n und far nicht mebr advbcati wares. 
{Pragmatiei warden bios if^mi icii genannt, welcb« 
den ftednern beistanden Cic. de or. I, 45. Jnv. VII, 123. 
Qninct. XII, 3. 4. Ill, 6. 59). — Das Amt des An- 
wahsv war sebr ebrenvoU und wurde nrsprunglich anent- 
geltlich geobt; ja das Annebmen der Clescbenke wnrde 
550' dorcb lex Cincia ( s. S. 341. ) wegen der oratornm 
licentia (Tac. Ann. XY, 20) nnd unter August diirch 
ein Scons, wiederholt verboten. Dio. Cass. LIV, 18. 
Wegen der steten Uebertretnng gestaftete Claodhis die 
Annabme eines Honorars, welcbes er jedoch aiif 10000 
Best, bescbrftnkte Snet* Cland. 15. Tac. Ann. XI, -O. 7* 
nnd Nero von Nenem einschftrfte Snet. Nero 17; Ernestis 
Exc. zn Tac. I Ann. XIII, 5. 42. Trajan JbestHligte jene 
Samme, jedoch soUe sie nicht vor dem Prozess ansbe^ 
sablt, noch ein bdfaeres Honorar ^ ansbedangen werdeii 
Piin. V, 4. 14. 21. Andeotnng bei Qaiiict; J. Xfl^* 7. 



/ 



Enter TMeO. > 

VorbemerkuDgen iiber legis actiones^ formulae 

und actiones. 

; 
, Erttet Capiiel 

Legisactioi|es« 

Legii aetiones * ) sind gewisse uralte Formelo .nnd 
symbolische Handlungen , welche von den Parteien an- 
gewaifdt wurden, um streitiees Recht geltend zu machen; 
nach^erenYollendnng die Ma^istratsperson mebre Worte 
sprach und die Sache zur Untmochung vorbereitete. 
Wenn eine Partei ^anch nor im Mindesten von d^m 
Torgescbriebenen Formbuchstaben abwicb, go zog dieses 
Versehen den Verlust^des ganzen Prozesses nach sich 
( Gai* IV 9 30 ) ) ivelche ^treil^e mit dem anch . songt 
hervortretenden. aberglHubischeo Festhfilten der Romer 
an dem ans dem Altertham Ueberlieferten genaa zii« 
zammenhHngt. 

Die Haunt weiseo der sehr zahlreicben L a*, sind 
folgende 5 (GaL lY, 11 lege auiem agehatur modu 
quinque: iaeramenib^ per %Mici9 poitulaiionemj p. can- 
dictionemj p. manus iniectionemy p. pignoris capionem,) 

1) Sacramento. . Dieses ist die Slteste und regel- 
m&ssigste Yerfahrungsart, dnrch welche alle 1. a* vor 
dem PrUtor eingeleitet werden konnten, und welcbes 



*) /. F. Im V. Ha$8€U de leg. actt. GroDing 1824« K C OUen 
de L a. Hann. 1825. 2T. If. Heffter obss. II — VI ad Cai. Zimmem 
8. 85 ff. 102, — 141. Bdkmann HoUweg S. 5 f. Ueber die Be- 
nenming sagt Gai. IV, 11 adU^ quas fn utu veteres hahuerun^^ U a* 
appeUalantur « vel idea quod Ugibus prddHan eremt (Klagen ana dem 
CiTilrecbt)' TUippe <imio e^eia praeiBris ^ nondum in usu habehanfur; 
•W 1*4^0 1 qaia^ipBarum legum verhiB aoeomodaia* (naehgebiUel} 
ayonli ti ideo UnmuiabiUs proinde aique ieges €b»€rvah€miur, , 



geinem Namen von einem - Haqpttheil des Akts erhalten 
hat, nemlich deftly "Jaw lie 'Parteien' iiine Geldsumme' 
(gacrameniumj*) niederlegt^n (nrspriif^licb Yarro. 1. 1. 
y, 180), od6t fifdi V«rb6r^ett, dieaelbe lireon^sie ver- 
Idren, an das Aerarium 2u zahlen (gpftter Gai.). Ob 
die Magistratsperson .\ftal6it %rlch)i«te , oder ein judex, 
]8t unbegtimmt, (^anfangs vielleicbt der Magistrat s. 
ob. spaief wehl aneh der Ricfater Ase. in Verr. 1 , 9 
das Erkennthiss selbst aber SQheint nur formell auft- 
gesprochen zu babcfn, wessen sacram. instum sey (Varro) 
und daraus ergaben j^ich die recbdicben Folgen von 
selbst. 

2) per ,iudicis potiulationem^ Bei dieser nns sehr 
wenig belcarinteh h a. M'ar, wie schon der Name zeigt, 
die Bestellang eines Richtersdarch den Magistrat das 
ChArakt^riscische , welches wohl nur bel petsdnltcben 
Klilgen auf dare statt fand. - Vielleicbt war in der 
ftltesten Zeit diese. 1. a. die einzige, in weloher ein index 
entschied, bis dieses spftter auch bei dpn andern gescfaah 
und als durch Einfabrung der Formeln die Bestellnng 



*) Der Name daher, well die Geldramme snerst wnlu^c^ein- 
Kch flir den GottesdieiMt, namMtlich sacra publica verwaadt wm«de^ 
Dtrktena ciy. A6h. II, S. 116. Gai. IV, 16 sagt nur eaqne (annunai) 
tn puhltcum cetUhaf, Varro a. a, O. Ba pecunia quae in iudtditm 
venii in lHibu$ aacr amenium a sacro. Qui peiebat^ et qui infi^ 
dahirtur, deaWi rebus ulnque quingen6$ aeris ad pontem (yertheidigt 
Ton Mitner, lodem er an einen loctis sac^r ad ponteni siiblicium 
denkty Angnstin. conjicirte poniificem) deponehoni^ 'de aVii rebut 
(tiber 1000 Asa.) ilem cerio alio legiiimo numero assumj^qni iudicio. 
vicerai | %uum sacramenium t sacro auferebat , tficti ad aerarium 
redibai. Ueber die Snmme noch yollstandiger Gai« IV, 14 poena 
gacramenii aui quingenaria erai tmi qwnquagenaria* Nam de rebug 
a/ aerif plurisve quingeniis assibus ^ de minoris vera quinquaginia 
assibus sacramenio coniendebaiur ; nam iia lege X.H iahn cautum eraU 
Feat* T« seatertiiks. Anch aopten , den Streit nm die FreHieit za 
erleicbtern (S. 423.) Tom assertor nvr ein.8acr« Ton 50 A aa« rev* 
•prochen warden. Daaa dieses sacr. noch in spater Zeit bei den 
Cyirn gait yersichert Gai. IV, 95; und «ns diasem Gebranck 
Mrklaren sich die Anadhlcke iutio $»'if6nlendot iustum $• iudiearei 
iniuetis «. peiere ^ welohe. Cic. aliwendef, urn die Durchmimpag 
des Prozesaes zu bezeioimen p. Caeo. 33. de or. !» 10. p» Mil. 27» 

p. dODU ^^•' ' ' ' 



<«» 



ntmUH ^(MK^ 1. B« ganas aHthdreti '^). '''\. 

3) ^^ cmdicUonem. DtentB ichon '%u Quiensi Zett 
rHihselhftffel. dr.' hdt ihre^ Nftm^n von einer bei derselbeh 
'«laufinilen4ef> einv^lnen HaodliHig, rienilicb det- e&ndteUo 
dvli^'denmitialio oder Ansagnng von ISeiren de^Klftgcirs 
an'4i»nB^tagien, nt adiudicem cdpiendtim die iricetimo 
4tiet0e$4^^ Fest v. cbndiocfrly uiM eondtctio Gai. IV , 19 
Ait^d autew^ /. a. conBtilUim e0 per le^im Siltam ei 
Cetipumiam: lege jguideik SiUk cerfae pecuniae (Air 
Sehiildklag^A xJertae p.), lege vero C. 4t amni eertare 
<KltigeA^ttt Sachen, w<Bkho W Quali^t^^nd Qnantitttt 
nilGh beisrtimrnli waren). W^ni^derBekiagtiirincbt efilchlcfn, 
BO wurde er wahrscbeinlieh ah confeitus { det ^hnld 
«Agest&ndig) angesehen, so dass die i^huld p. manin 
ifii^Qtionem (sirigeklagt werden konnte nnd wir sehen 
also in dieser 1. a. ein Yerfahrei), welohes SchnelKgkek 
undtfilbder teVinHche £rMftnng des RH^btiHfs bcizweckte. 
-An'die Stdie^iAieH^r li'd^ frai im For Aral ^p]fo%^8 die 
stfteajge/ |>ersoiilk5lv*' lEl^e (^W /wr^iP dare' op6tt^)^ 
'weicb^ dfen Naibei^ cbndicfio beKell, 'obg^eieh keine 
denuntihtio Htehr' stUilt t£ifid; utfd dtftin ktonimb der Ans* 
drn«k OKHid. auch Uk <alt6'' p^rii^idifen Civilklagen 
vor S.' 432,;' * ' - "■ ' ' - • • • * • . 

4) per metnti'ftniediiohe^i • Di^ese Ua.'irrir ursprilng'- 
Itdi ^htit ^xte^utrr, ' iiideni d(^r Gl^biger ^Men- Schuldner^ 
wrieher ibttv^iri^ '^in^estandff^' utitf' obri^gfklpTflifeh zuer«- 
kannto ^anirtlis schvldet^ (GfW,"XX," -'1 •ai^Wt cth^fefsi 
rebufqne ikre iidieaiii Lit.- Vf,^'14 iudi&aikm pecuniae 
S4. 36. XSllIf, Ujiec. Y«A) tthd >wnneo' 30 Tageil 
nf^iirt be<ah)t hacte^ i:ufel^«f •der Xlt'l^fi' p«hi5nlich 
pHndete Md V^r Geripht .b^lit^/ Wo^artif tfaUr dc^^^^ 



• » • 



*) Unwahrscheinlich ist Ttgerttroem de hid. S. 6 — 16« 
i^rHbiVff 9;* 119 -^^'ll9^i«»t dti<tli dies® I. a. didder sac^. actio 
.enTbobenen Recht^aacben ^bfscheideii, so lange xlie'La. tr. condict. 
aoch nicht 'e)n?efi{hrt gew^sen sey , nentlioh Vtele der spateir eX 
bona fide genabtrt^n, ^e llir^a d^' fltiibitu / aA. fiinaW erclaoiindae 
U. s. w^y iiberbditptjwb^'cfhid' S^atzang durcb Sacbyeratandigd 
bdfhig gewes^n 'aey. Aebii/H<^d'''GedatokeB ibeflte 'schoa Hdf^^f 
hi oba. rv. dd Gai; mh. ' V ' ' ' 

' *•) Itgrfsfrom S. 19 -^^i bait 1. a.> eo^d. iifd 'p. iidl" poW.* 
for gleich u. s. w, Heffier obs. IV. 8. 14. 



t,f^ 



432 



is ^or fWfml ^f/^immiiB^ fmrnm V im r; »4i; -fdit tkreier 
{t0g«n •ine faettioMite P«rsMi\v(«bgleidi diese im da 
Foriael asch b&ofig gedanQt .wvrde) nocfa aof EifiUnng 
einer Obliff., sondera auf alle anderen Recbte, die nicht 
anf Obi. bernben. Urspranglich aber bezeichaele ia 
r. a. weiler nichu (nvie a«cb der Name beweisi), als 
eine Eigeothumsklage, indem der Klager behauptete, 
dass eine kdrperlicb^ S;)€he ihni ^ogehore; diese Klage 
aber- erweiterte sicb allihalig und amfasste gowohl Ser- 
viiat^n- and Ffandrechts- ids Erbrecbu-Klagen etc 
IJdter den .in pet^. diet, i^t die Candiciio -viicjitig 

godi' hebist epnd, ini w. S'. jede civile persSnfidhe Klage 
af; !▼, 5 *M^hrend Vindieatio tv. r. fa. a. in 'rem a.)^ 
Weldier Auiidriick von ^der legii actio per condi^oneif 
entlefanC tnir auf gewisse pertdnlicfae kl9geii erwei'tett 
Warde, in denen es sich nm ein certuhi hi^ridelke* 
Dieses ist cerU eondidio (immer streng ^eiv{Itechtlicb), 
iind |der Gegenstand der FDrdemng '(^^^®) Vat 'in der 
ForAiel bestimmt ausgedtiickt' ebenso^' ^¥te*''iter )E^n(- 
stehtitrgsgrand .(«• E. eic'Stipat)' Cr^t |V,- t8 -^ 22. 
50i ' Sid: Iriftideten sich' 1) mat eine^ Ytx (z. EJ^lex 
Aqnilia.) 2) anf ein einseitiges RecbtsgescbSft^^stipuK 




:meder^el!»eii Yerpflichtet, )t. E. idd^bitS ibnd;; ob' cad»; 
datortiHi, fulcra cond. s/S. 3471" AlHhiMig Wdt'den libel* 
aach s'oldhe Klagcftr coftdi geiiandt',' 'Wo' eV 'iricbi'a'iif 
das Oeben eines eertnm, «onderQ "ibeAia^l'-adf ^jede 
Leistang (.dare praestare) gitig^ i»obfti-der BattteSiiing8<« 
grttnd del" Obi. in - der Detoonstratitini gefdsat- '^Mtrde, 
mit der Fortnel quidauid oft wm!^reim*dmrej0€er€'pr4e* 
$tmre ^pwiet^ Gal. iV, 131. Sie li4>fM^#f >$9n4M.*)k 

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«iae« Khge , < iPto . Ae ObUV' ent - dnrch eiH* Attditfrerlsfe^lig > enla 
staadeft) .^ikhtenH bear iii* pern a di» OM. Mhenlvor 4e«rVartii«ziuig^ 
QIMl'iKlagf drng^wemn. ai^l. -Btich^ies giebt ia p^mcf^j^iviro-k^iM 
Obi. •vor.'ter Verleliniif' dli Irsr nod ebetel mapohi^^ki A'>r*^« 
tHbli»Jikdiii|nf 'Veiictaikig eiitite&iea. ' .; ' ;. 

* "^E^ &tiH9 uhet'^&m. Obfigationeiiirecfat, 4.>\oiT: AbliMiidii 
Helldelb^ iSf9'^i^'-^'9i. JBHiuHtmh itM». IT^eritocb^ Si' 37 & 



lOi. Mqs. S. « '^ (86* ^ i^Jii-"^ 



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~ ) 



( 



_ 433 — 

' Was in rem aeUo (M^trifft, so trat an >fiie Stelle 
der alten Yitidication (Theil IL Cap. 4.) niit Einfuhrang 
der Formein hm SponsioiiEiverfabren {per 9pon9$imem 
mU' saiisdatio pro protde litis et mndiciarum Gah 
IV, 91 Cic. Terr. 1, 45. Theil U Cap. Xll.); bis 
auch diese^ z« Anfang der Kaiserregierung« darch die 
freiere- (arbitraria) Klage mxt formula petiton'a {8. 156) 
verdrHngt, oder weiiigstens in den Hintergrund gesteHjfc 
wurde. Mit dieser Formel (Gai. IV, 91 f.) l{:onnte 
nieht bios quiritarisches , sondern anch bonitarisches 
Eigenthum Verfolgt werden, wozu^ sich die confenoria 
actio fiir Sejrvitatensachen (Gai. IV, 3. S. 166} nod 
negatoria actio geseltte, d. h. die Ktage des Eigenthu- 
fliers , wenn er' in einzelnen Tbeilen sdnes Cigenthqms 
gestort worden ist (S. 156). ' Bei diesen drei letzten ist 
%k rem Vittd in pen. aetio mit einander verbunden *). 

In den Rechtst|uellen der Kaiserzeit findet man noch 
folgende Unterschiede geinacbt, welche theils alteren 
theiis neueren Ursprnngs sind. « 

' - I)-Nach dein Zweci^ welcber mit der Klage erreicht 
werden soil Act, rei persecutotiae ^ w^nn die Absiebt 
nuST Erl»ng<ing de« (Bregen$iand9 des zustSndigen Rechts 
setbut •genohtet Ist (also fiesdtotion, oder substituirte 
pectroia oaeb reektmissiger aestimatio), poenales^ ivenn 
man nicht den Gegenstand des Recbts selbst, sondern 
andre vertragsm&ssig oder gesetzlicb an die Stelle des 
wirklicben Qegenstands substituirte andre GegenstHnde, 
insbesondre pecunia, okne Riiclcsicbt auf Proportion bei 
der Substituirnng verlangt, (z. E. Klagen aus Delikten^ 
fart: iniur. lu A.) mi^tae^ 'wo man nicht bios 4^n 
Bechtsgegenstand , sondero auch poena (Basse) fur den 
Gegneir verlangt z. E. damn, iniur. nacb lex Aquilia 
'(S. 350 f.) iudicati, depensi a. s. w. Gai. IV, 6 — 9. 

II) Nacli dem Ursprung der Klage E. die act. ent- 
weder civilet (aus dem Civilrecht) oder j^rae/or/a^ (auch 
honorariae — aus dem Edickt entsprungen), z. £. act. 
ih factum, Publioiana (8. 157). 

Ill), Nacb ihrer urspriingUchen Bestimmnng und 
iveiteren Ausbildung giebt es a. directOj welche aus 
einem Reebtsprincip gegeben ist^ utUu, welche durch 



^ Btute im M. Mm. S. 154 if. w4' B^itkmam 'HoUwega S. 425. 
Annk oitirte -AImu - -,„ - ' 

28 



— 434 — 

•naloge Naebbildang jeoer oder dorch Efwaiteini^ aof 
aDdre nnipriiaglich oicht gebrftucbliehe FftUe wid Ver- 
baliniMe aosg^ehnt ist (ad exeroplom , mi sinttlaiadiotai, 
oder adio acoomodi|ta in Paad.) 

IV) Nach dem Klagobjel^t &• cerfi Qpd imeerfi^ 
jeDachdem das Objekt genau ^Cd. b. qwiotiCatiF cider 
q«antUatir und qaalitativ angegeben oder dem rich* 
terlieben ErmeMen iiberlassen wordeo ist.) 

V) Es kommen noch 3 BenennangeD Ifir Klageo 
▼or^ woriQ Manche eine 3faohe Klageinlbeilong erkimnteo, 
nemlich actiones siricti turig, honaejideij arhitrwriae*)^ 
wodurch aber die Rom. Klagen nioht erscboprft urerdeo, 
Ifar Unterscbied besteht haiipUacbliefa io Foigendem: 
1 ) act. ' str. iur. sind die streogen Klegea des alien 
QoersphutterlicheD Ci^ilrechts, allemal auf eio eerloin 
gerichtet uod aas einem Kecbisgesehftft hervorgehend, 
\¥obei der eine obligirt hat , der aodre dbligirt ist. Bei 
diesen war der Richter an die vom Magistrat gegebene 
Instruktion auf das festeste gebunden; so dass er nor 
%n nntersncben battel, ob die Wirklicb bestehende For- 
dernng in einer ricbtig gefassten Forn^el gelfend gemacht 
warde (x. E. bei einer Stipulation bedarf es keiner weitern 
Begriindung, aU dass diese vorbanden ist s* Quinct. J. IV, 
3 f^tn est dia:i9ie: ceriam creditmm peeuniam petQ €X 
itipulatUy legatum peto ex tMawtemie cett.) und entscbied 
dann dergestalt, dass wenn der Klager mit Recht kkigte, 
derselbe daiiGanze erbieh, (Gai« iV, 57) aber wenn erauch 
nur um eine Kleinigkeit seine Klage zu bocb angestellt 
oder mit einer falschen Formel geklngt batte, ganzlich 
abgewiesen uvurde (cauia cmditj S. Anm. und Cicf^ de 
in.v. II) 19 ut causa cadat $>, rat non quemadmodum 
eper^el, egerit Quinct. Inst. Vu, 3 est etiam pericu* 
tosumy cum it um f»erbo s$t erraiuaty taim causa ctcidiue 
videawhir. Au£ Exceptionen (Ausnabmen tod dem 



*)E.Gan$^ nber Rom. .OUigalioneaMolil. Ahh. 1 «b4 .2. 
H. C. 5fnt«ni«, de sammario Ro|iiaiioram ivdido a. de stricti 
iuris At boB. fid. acttoaibns. Lipa. iBiZ F. 0» tte Tlgentrpem de 
indidbus Rem. BeroL 1926 « S. 94 — l4l. Heff^ oika. XV. XYI 
ad Gai. S. 76 ff. Zimmem S. 172 ff. 186 ff. 205 ff. M. S. Mayer, 
£e^ Litia Contestatio gtMchichtlich dargeatellt L Stuttgart 1830, 
8. 73 — 117. .G. Mtfmj, ^(meat* TalL;^d iaa. cit* ^|ie«t. Jseaaoi. 
1834, S. 5 — 16. Btthmann HoUweg S. 319 — ^2d. 



I 
s. 



_ 435 — 

CivHv^ebt/ iH^grGnd^t dart^h das prilodsisbf frc^er^ Rdehc) 
wutde 9f9pi;ilngI]oh garlkeinj^Rucksiohtgeoominen, Mreder 
io4«iF^ i>ooh in iudicio, (BOdderii det Beklagt§ I^eugiietc 
bios) bU sieieivdiich gescuttet wurdert; doch.muasten 4Ke>» 
««lb^ v<Hpher Ml iufe v^gebraebt tfrid iii die. EMKel 
geileCst werden* War diesies von demBeJtiagfen vei^ekstfit 
ig^ord^n, 8« miferiag ei> der for metleoStrjenga Ides Ciivil« 
r«cbts*U Za die9e»iKlageD gebaren ifie obeh crwahnten 
ppudiciianes (in per&onami), vmdicaiuHies {in remV act 
mixtaJe (aaf Scbadenrertatz find Busse)^ «• a*^ 

Dieaen 9tirepgan Klag^n stebsa di« freiiBren^ wetiigel 
aaf vif^y alilauf aequilas gdlnuitea^ gei^eiiibeiu Dbr allgct 
nveiae Name fiir dieselben ist> izriiii^r/fi uad|4if Definition 
der arbitrariae unter&cheidet sicb nur \yeBig vop de^ 
e^v lima fide. Am besten fksst msm ^rbitriium i^i e„ 
imd w^ S* auf und nimmt die 8. g, bpa* :fid. n^ben d^^ 
, arbitrar. im e. S. fur Unterabtbeilungen des allg^^ieifneii 
arbitrinm d. i. freie Klag€ im w. S., welcbe; Air^bm.9 
durcb mehre Stellen unterg^iitzt wird; naimemlkb ab^f 
Cic. de off. Ill, 70 in Oismibus lis arbiirarm, m^uihm 
adderetur Ex fide bop a cett. Pass d|e J^eriick^icbf 
ligung der aequitas (freilich hoch sehf untergeordnet) 
in Rom uralt war, sehen wir aus der unvordeBkliebefi 
Erwabnupg der arbitri, ,der bona fides, und manchen 
^tetleh der Alten^ trie Cit. de rep. V^ 2. nikit tam 
regmie quam ea;planationem aequiiatis^ in^^na iurii 



*) Der 6«ge&8atz der ' eti^ttgea Ktegigu za den frden erhellk 
am besten ans .. f otgendeh Stelleii t €l0* p« Rose. €• 4 dUud est' 
twHiGhim , rnHud nriiirium* JuHcium e9f^ pecttnijae 'ceriae^ arbS^ 
ilium in cert a e, Ad' iudicem ho» fhodd veninius'yuf f-eiam lifewt 
aut ohiin€am,uB aui amiit^aptus, Eius r4tipw»erhmY(^rfnulae 
i€9Umomo svmU QuM f«i in iudidp? Direetukif Mperttin, ifmpUx 
si pami US IJOO dmri (^ftporiere)^ Tdd^^W'plkntm fa^k^ 
HS 100^ fid Uhelkim sihi dtheri^ eausam^ perdH* .Quid est in at^U 
-ffio ?. n4te f nwderaium , Qitamiuid Ue^uiui m eti n^$ ,> 4d d an/f. 
lUfi iameu amfiietur plus '$e peter e qumm Mteatur^ sed HilU' euperqite 
hf^ere dtcii^ ^uod si^i ah arkih^o iribuatw* liaque dliir causae coi^ 
fdii^ alter d^idiU Sen« de ben. Ill, 7 ideo meli\is videiwr ctmiHh 
emmae henae fidei (bej; Saoben, wo der Kleiner ieiaer Saebe gewiis 
Jfl) si^dfudioem^ ^uom si oA afh^um natUturm Quia ittum formula 
imeludi^ et cer^ots^f quos nun excedai termhtes powk, 

*y.iiffi^ ^V^v^ ui ieaof jidei smiem.ikdims Ubera\p&Ufltm pee^ 

28* 



] 



^ 436 — 

eNit inierprefptiOj jmod iut privafi pet ere iolehmni a 
regiiui s. aach p. Caec 18% 20. d^ off. I, 10. Dion. 
HbK II") T5. S, 292 f. Anfangs trat diese aeqaitas 
weDig in das Leben ain nnd dia R5nier, die strengen 
FormmSinDer) Tergdnnten deraelben erst spftt ein freierea 
Walten im Reeht, bis ibr Sieg fiber die Form entschieden 
war. Daber waren die alten civilrecbtlichen arfoitri aach 
nnr in wenig FftUen gegtattet and erst darch die Prft- 
toien waebs die Zabl der jenen i^acfagebildeten Klagen, 
welcbe aber nicht, . wie die nralten arbitria^ in das 
Civilrecht aa%enonimen wnrden, sondern dem Pr3to- 
rischen Recbt Terblieben. Die gltesten arbitria s. S. 427* 

Die jenen nacbgebildelen, spateren, aus der aeqnifts 
Tom Praetor aafgestellten arbitria, welche sich Ton den 
andern indicia dadareh unterscheiden , dass def Richler 
eine formula incerta erh§It und mit einer freieren Be-, 
rucksiehtignng der aeqnitas begabt ist (indem er sowohl 
den Thatbestand, als die Personlicbkeit der Parteien 
in Ansclilag bringen darf , am darnach die Schuld des 
Angeklagten nn<l die von dems^lben zu erlegende Geld- 
Bumme za ermitteln}*) , lassen mefare Unterarten 



Jm»m. 



mitti videtur iudici ex honQ ei Mequ^ ^anlimmdi fuanlum aeton resiHfd 
deheat. Aehnlich 31 praeUrea quoidam acL arbUrmrioM t. c. ex 
Qrhiirio iudicis pendente^ appeUamut^ in quibus nisi arhUrio iudida i«, 
eum quo agitur^ aoiori $aiisfaciai^ veluii rem reMStuat vel exhiheat 
«el aoivai vel ex noxaii causa servum dedal ^ eomdemnari debeaU *- 
in his lenim) aciionihus (et ceteris stmiUbus) permMtuw indid ex bono 
et aequo secundum cu^'^sque rei^ de qua aelum esi^ naiuram aesiimare 
quemadmodum aetori sa<if fieri oporieaU 

*) Die geiRdhnliche Ausicht {Siaht d. alt. Rom. Klagr. S. 41 ff. 
MusiXke. de* >caQsa Siliana S* 8. , Zimmem 8. 105 ff« BeOimann 
HoUweg S«'02OJr.) stellt eine a&dre UnteracheiduDg anf, indem aie 
die W orte In9t. Just. IV, 30 nisi -^ salisjadai veWi rem restituai etc, 
YOTEnglich geltend maoht nnd behanpiet, dasa aidi dieae Prozesse 
nnr daroh die Condemnation yon den andern nnterschieden batten. 
.Der Bickter nemlich loll nach angestellter Uotersttcbnng yor 
gelalltem Urtbeil d^n Befebl an den Beklagten erlasaen haben, 
den Klagei; freiwillig zn befriedigen nnd aoll erst dann , urenn der 
Bekkgte dieser AnCfordernng nicht Folge geleiatet habe» die Con- 
demnation auf Geld anageaproehen haben. 6ai« IV, 163 namque 
si arbitrutik^po$tulaveriM if, turn quo agiiur vedpit /dnimlaift', quae 



— 437 — 

uiit«radieideii, iinter denen die hanptsftchlicbsteiii fplgende 
OBeyn moohtcn: 

1) all^ pratoriscfaen in /actum genannten Klag^en, 
derea jsfc&rlich inehre vom Piaetor aufgestelU warden 
urn das Civiireckt za ergansen. 

- 2} Die dingUchen Klagen (in rem) mi formula 
petitofia (nicbt mit sponsio, dean diese gehdren za 
den iiidicia stricd inris). Gai. IV, 51. 91 f. S. 433. 
Yielleicht ist eine solche Cic. Verr. II, 12« Jj. Octavius 
iudexesto.^ Si caret /undum Capenatem^ quo^de agi" 
turj ex iure Quiriiium Auli Agerii e99ey neque is 



appeJlaiur ' arhiiraria : n<im iudich arhiirio si quid resiiiui vel exhiheri 
deheai^ id sine poejta exhihet vel resiiiuit^ et iia absolviiur: 'quoM' 
nee resiiiuat neque exJuheat^ quanii ea res est condenitUiiur* Fi«i- 
lioh gehort es mit zur aetpiitas, dass, wenn der Beklagte nooh 
im Laufe des Prozesses den Klager befnedigt^ eine Condem- 
nation nicht folgen darf , j^doch passt dieses ebenso gnt ant die 
iud. bon. fid, und ea gehort noch Manches Andre zur aeqnitaa, 
als diese Einzelheit; und wenn auch auC der einen 'Seite aieht 
gelaugnet werden soll| dass diese ^Aufforderuog des Richters, den 
Klager za befiriedigen, nicht selten war and yon dem Klager oft 
, gewiinscht werden mochte, am die Sache selbst, nicht Geldent- 
ffchadiguDg dafiii^ za erlangen, so ist dooh aach auf'der anderen 
Seite eben 'so sicber, dass dieses nicht ala Etwas Charakteristisches 
4er arbitria angegeben werden kann und aus den Qaellen ist nicht 
za erweisen, dass die form, arbitr. allemal eine der Condfmnation 
Torausg^ende Mahnung za einer Lei^tung enthalten mnsste. Auch ' 
glaubten schon die Sabinianer, dasa hei keiner^rt yOn Klagen 
die Verortheilung erfolgen ditrfe, .wenn yorher^eleiatet worden 
ware. Gai. IV, 114. Heffier obs. XXI. S. 103 — 106« Tigerstroem 
S« 155* Beihmann HoUweg S* 320. Bei den arbitriis mtisste es 
jedooh am haufigsten yorkommen, da sie bei Klagen angewandt 
wurden» die nicht auf ein certom gingen, sondem wo liestimatio 
aothig war oder restitutio gewiinacht wurde; daram sind yielmehr 
die Worte id est^ ex arhiirio iudicis pendenies charakleristische 
Bezeicbnung der arbitria and das Uebrige mehr eine' Folge dieser ' 
allgemeinen Besohaffenheit* Zwar haben schon manche Gelehrte 
die gewohnliche Ansich^ gemissbilligt , doch auch ihre AnaicMen 
fielen keineswegs befriedigend au8» z« E. Tigerstroem S« 155, 
Unierholzner in Zdtschr, f. gesch* Rechtsw. I, S. 25^^ Dupcniius 
in comm. de Gaio ( ^reissadir. za Liittich 1821 } S. 64 u. a. bei 
Bm qoaest. TolL S. 9. 



, \ 



' \ 



.^ 



— 438 — 

/wmduB Aml0 Agerim reBiUmeiwr^ fmmii em rm tnij 
taniam peeuuiam Numerium Negidium Amh Agerim 
eomdeMma , si M0m jmrei abs^ve* 

3i Tiele Ddiktblagen, wie Diebstahl-Lijnieaklagm, 
actio de 4olo, quod met us cansa, vi honor oat raptoraat u. A. 

4)Hiehergcihoren aocb die Iiiterdiktak1agm.(n«mlich 
%avs roiliiuton odor exhibitor*, sohald nl^t mil. spoasio 
gekiagt wnrde). S. Ahth. UI, Cap. 4. 

£ine besondere Gaitoog der ariHtria im w. S. sind 
die durcb den besondera Znsata ex hotug fide aosge* 
seicbneten , ia welchen ebeafaHa eia arbiter enticheidet, 
uelcber aa keine streage Formel gehnndea ist, sondern 
nur die aequitas vor Augen hat and eine noch nveit 

Sdssere Freiheit hesitzt, als der gewohnlicfae arbiter* 
&nn wabrend in den oben bezeichneten arbitriig der 
arbiter nar die Sehuld des Angeklagten za nntersncfaen 
and die Ton demselben Zu ej*iegende Samme zu be- 
stimmen hat, so war dem arbiter bei arbitria bonae fidei 
die grosste Freiheit gestattet, auf alles dasjenige Rude- 
sicht zu nehmen, was die Billigkeit erfordert. 0ieee 
grdssere Freiheit grnndete sich auf die Heiligkeit der 
tiesob^lfte , aas denen solche Klagen entspringen, indem 
es golche sind,* bei denen es ro^zilglieh aaf Trene and 
Glaaben ankam, wie ^ieh cius dem Verzeicbniss dteser 
Kiagea ergiebt, welches Gai. IV, 16 und Cic de off. 
Ill, \i mittbeilen. Namentlich waren es die zweiseitigen 
Geschftfte des Lebens, aus denen nicht selten doppelte 
< Klagen von beiden Parteien heirvorgeben , niemals waren 
es Delikt^, eondem stets persdnliche Klagen, welcbe 
nicht aaf ein certum giagen, sondern die Worte in der 
Formel enthiekea $i paret dare facere eportere^ Die 
Klagen sind i) act. fidueiae anf verletztes Vertra^en 
(S. 155*) mit den in der Formel hinzagefugten Wortea 
uii inter bonos bene agier oporiet, und der Klager 
pflegte zu sagen quoniam propter te fidemve tuam eaptui 
fraudatU9qne nem. Cic. de off) HI, 17, p. Rosc^ C 6. 
ad div. Yll, 12. Top. 10* Boeth. S. 3i0 Op. 2) a. 
emti vendiii (arbitrium genannt von VaL Max. YIII, 2.) 
S. 329. 3) «. locati candudi S« 333. 4) a, rei uxeriue 
(arb. gen. Cic. Top. 17.) S. 199 f. 5) a. pro socio Cic. p. 
Rose. C. 4. 6. 9. p. Quint. 3 p. Rose. A. 40. S. 337 f. 
9) a. tutelae Cic. p. Rose* C. 6. 8. 247 f. 7} a. mandaii 
Cic. p. Rose. A. 38 f. S. 339. 8) a. negotiorufn^gestorum 
S. 354. 9) a. pignoratitia S. 171 f. 313. 10) a. depo$iti 



— 439 — 

V 

lercig'Sundde (S. ii50 f.) uiid i^mmtini v$M tio Cic ad 

' U alien diesen Klagen hatte der Richt^r^eine s^hr 
Mtgttdefante VoUmacht; welche sich yarziiglich in Sfacher 
JHSMichtxeigtie, 1) der Richie niusste ohne durch die 
jIAorinel ftuCgefordert zu seyn, aiif die vom Bekiagten vor«> 
«tfbringeiMt^n i,n{ dolus malus Bexug habendeh Exceptionen 
iUlokslcbt aefamen , (denn die ind. b. f. sind iud. de mala 
fide Cio/de n. d. III, 30) also auf vis, metus, frans eto. 
Gic. de off. Ill, 15 f. YakMax VlII, 2, 1. Alle andered 
Exceptionen, welche nicht auf dolus mains des Klagers 
\cum esset •aliud simulatum, aliud actum deiinv AquilL 
b* CIc. o#.. Ill, 14) sondern auf irgend einem andern 
ins Oder Faqtnm beruhten, niusste der Angeklagte in 
iure vorbringen und in die Formel anfnehnien lassen**)* 



. ■ '. 



*) So li'at Zimmem S. 187 gezeigt. Oh aber tlamni infecti actio 
zu den b. f« iud. gehore^ ist zwe^elhaft. Gelanghet 'wird es toa 
£. Huschke in s. comm. de actionnm formnlis , quae m lege 
Rubria exstant. Vratisl. 1832, S. 27 ff,, indem er behauptet, 
dais sie deswegen dazu gerechnet worden sey^ weil d^r arbiter 
be! ihnen auch auf mora, culpa, usurae nn^ fnictus Riicksicht 
nehmen musste; Compensation aber habe nur belM^ahren bon. fid. 
arbitr. statt fiaden konnen. * 

**) Manche Gelehrte (S* Zimmem S* 190) glanbten, dass bei 
bon. fid. act. \ gar heine Exception in die Formel anfgenommen 
worden Ware, indem sie alle mogticben Exceptionen auf deii 
s. ^. dolus generaJis ( zum Unterscbied yon dolus malus) beziehen. 
t)ies9r von 'dem speciellen und absicblicben dolus oder dolus malus^ 
gemacb'te Unterscbied ist der Zeit der Republ. iremd ; indem der 
bei den bon. fid, act. yorkommende tlolus immer malus (absicbtlich 
und boswillig) (war und deswegen mut Hox'iiv aucb stets so geiianiit 
wurde. 8. AriniU. Definition und Cic. p. Tull, 25 quod ergo eo 
animo factum est , ui homines — caedem facerent ,- id si volueruni ei 
COgiidrunt et perfecerunt : poiesiis earn valuniaiem , id consilium , Id 
factum a dolo malo seiungtre} und £F. §§. nemlich bei yi bon. 
rapt, iudicium S.'352 f. L. D'ddkrleins latein. Synon. I, 8. 119.) 
f[in audrer konnte auch nicht gemeint seyn , da der ia den bon. 
fid. Prozessen Condemuirte infam wurde, wa» bei dem S. g. gene^ 
rellen dolus der Kaiserzeit nicht hatte stattfinden konnen. -^ ' 
Btigen diesen dokis malus branchte keine Exception ia die Formel 
aufgdBonmete zn werd^n , -da sich bei bona fides die Abwesenheit 
des dolus aialus yo» wlbst yerstand (so Cic 4^ bff. Ill, 17 



, — 440 ~ 

2 ) der BUbtit Jtoomte anch avf Bezahlaag der Ziagea 
and Herausgabe der friicbte condeninicen , wenn aaeb 
weder die Klage daranf girig> noeh in der Obligation 
ZiosenzahluQg aosdriickUch aiubedungen war^f WMread 
er bei iud. stricti inr.^ nur aaf das condewDiren kOBDlSy 
tvas ausgemacht^war. 3) der Ricbter massie alle Gegeo- 
anspriicbe des Angeklagten in Anschlag bjing^a {compem" 
satia S* Theii\|I Cap. X.) lind von der eingeklagten Somnne 
abrecbnen , aticb wenn er in der .Forrnel nicbt daxn, 
angewiesen vrar. Wie scbwer dieses waf, erkennt Cic. 
de off. lU, 17. Gai. IVy 61.. Inst Just. IV, 30. In 
Beziehung aof diese Freibeit sagt Sen. ben. 111^ 7 
hums (arbitri ex f. b.) libera et nulla adsirtcim vii^eMlm 
religio, et detrahere aliquid potest et adiicere ei 
sententiam suam nen prout lex aut iustitia spadet^ 
sed prout humanilas et misericordia impulit regere; 
de clem. II, 7 dementia liberum qrbitrium habet; non 
sub formula sed ex aequo et bono iudicat^ et absohere 
illi licet i et quanti vult taxdre litem. 



Dritles CapileL 

^ Formulae*), 

Neben den, durch Schwerfalligkeit und Strenge 
unbequemen legis actiones batte sidi fur die in Bom 
lebenden Peregrinen schon fiiih ein freieres Yerfahren 



entscheidet der arbiter empiori dammnum prgesiari oportere auf 
x-die Klage quidquid sibi dari facere oporieret. ex Jtde bona)^ wal^nd 
die andern Exceptionen , welche nicht auf absicl^tlichem dolus 
bernliten und erst yon den spatereu als exc* doli generalis be- 
zeichuetwurdeuy als Dinge, die nioht gegen bona fides yerstossen, 
also sich auch nicht Von selbst yersteben, in iure angegeben oad 
in die Formel aufgenommen werden mussten. 5. HurchardU in 
integr. rest. S.^ 284 ff. 

*) Heffter^ obs. VII. ad Gai. de lege Aebntia S. 18 -^ 23» 
YUI leges Juliae , obs. XII formulae act 8. ^2 — 58. XIII. de 
form, cohc^ptlpne Zimment S. 210 ff. Bethmvnn HoUweg S. 15 & 



y 



f 



^ s _ 

gtbild^ (recuperatores J S. 420.) 9 bei. denl die Be* 

[|telhing eines aider mehrer Bichter die. B&uptsaehe 

UImI Grundjage ausmacbte, welches sich durqh Leiehtig- 

keit und SehneUigkeit empfahl. Daher gestattete lea: 

Aebutiu die Anwendtmg dieses oder eines abnlichen Ver- 

fahrens a«cb lUnter Burgejpn und schaffte die legis actiones 

in den nieist^n Fallen ab^ bis lex Julia dieselben anoh. 

in den bisher noch gestatteten Sachen itufhob und nur 

noch bei dem Prozess wegen damni itifecti und als 

Yorbereiliing vor dem Centum viralgericht bestehen liesis. 

Gai* IV, 30 sdgt iiber die Einfuhrung des neuen Ver- 

fahrens^^cl tstae^omnef L a* paulatim in odium venerunU 

Nam^uv ea> niMia $ubtili(aie veterum, qui tune iura 

condideruiU* (fingstliche Genauigkeit der> Icten) eo reM 

fi^rduda edt, ui vel qui minimum errasset^ litem per-^ 

deret. It ague per legtm Aehutiam et duas Julias 

Mublatae sunt ittae h a. ^jectumgue eutj ut per concepta 

verba, i. e. per formulas litigaremui (Klagformeln). Diese 

fotmulae sind^ nicht\ verwandt mit den alten Formeln^ 

welcbe die Parteien bei den leg. act. vorbracbten, son- 

dern ;es Jiind Inutruktionen^ Avelche der Piiitor (nacfadem 

' <|r die , formio^en ^rklaruagen der Parteieo an^eb&rt 

hat) den Bichtern ertheilt, deren Bestelluftff die Grund- 

lage des neuen Prozesses war. £s sind Anweisun'gen 

fttf den Bichter, nach dem Ergel^niss der Untersuchung 

den Angeklagten zu verurtheilen • oder freiztisprecheny 

also gewissermassen ein -bedingtes Urtheil. *Solche For- 

meln,stellte der >Prator bei dem Anfang seines Amtsjahrs 

SHif und ihre Zahl wubhs immer mehr. Cic. Verr. Ill, 65* 

Gai. IV, 46. Quint. J. XU, 3. Unter ihnen wahlt der 

Klager eine aus mit Hillfe der Bechtsgelehrten €ic. Top. 

17. p. Mur. 4 (da eine falschc^ Wahl nicht ohne Schaden 

fur den KISiger war Quinct. decl. 260. 350. Inst. Ill , & 

VII^ 3. S. 434.) und bat , wenn der Beklagte damit zufrie- 

den. war, den Prator um deren Ertheilung'*'), (lege agere 



" *) Beihmann HoUweg $• 16. „der Prator war^es nuiii der diese 
]^onnulae fiir die einzelnen Rechtsyerhaltnisse in seinem Edikt 
iinffltellte, imd wenn gleich der Klager im einzelnen. Fall die ihm , 
passend schelnende Fonnel auf seine Gefahr wablte, durch Ge- 
wab'ning oder Versagung derselben eine sehj^'l^eilsame Aofsichfc 
iiber die Anordnnng des Redits iibte'; ja dnrch Aafstelluiig |e&er 
Formeln einen Einfloto auf die freie stetige Fortbildung des Rechts 



/ 



i. w. S« «o V. ft. kidicimn- ex kge pogtidard Ci<l in 
Caec«.3. 5. p. Miir. 11. part. or. 28. Ern. elan), welehiDr 
me Tielieioht schriftliGh gab ^ind dii»<PaHeien an den 
Ricfater venviess, dean nur io aasserordentliehen Sacbea 
entscbied die Magistratsperson selbst (extras ordtnem)* 
Yiele Formeln waren den leg. act. nachgeUldet worden, 
andre galten $ua v$ ac potesiate Gai. iV, 32 fi 

^ , Bestandiheile ^er i^or«itr/ae. 

A. Hanptbestandlheile, Es werden 4 Badptbe^ 
standtheile erwahnt, von denen jedoch nur 2 wesentlteb 
notbwendig fiiad, nemlicb 

1 ) inteniio der Klaggrund , welcber des KU^ers 
Reehtssatz aufstellt, oder eine zu Grande liegende That- 
nvkche{$i par€t)^ von deren Untersuehuag df e Ekits<^ieidfing 
abhtagt ; 

2) demomtratioi wenn der Entstehungsgrmid der 
Kiage ia der intentio nicbt genannt ist^ so wird in 
der vor der intentio stebenden demonstr. die den Pi^ofeess. 
veranlassende Tbatsaehe mifgetheilt. 

3) c0ndemnat€o Befebl-an den Riebter, den' Ange-' 
klagten 2u verartbeilen (a. zvrar allemal auf Geld) oder 
g&nzlich loszifsprecben ; 

4) adi^dtcatio, eine in speciellen Fallen Vori^om-^ 
mende fnfttruktion fiir, den Richter, zu adjudiciren ,d. h. 
dai^ bisberige RecbtsverbSlltnisfl (der Gemeinscbaft etc.) 
darob Gebcn, Nebmen, Tbeilen etc. 8ofort zu indent 
imd ein neties Recbt zu begiunden z. E. bei actio fam. 
ercisc, fin. regnnd. u. s. vir. Einer von diesen Tbeilen- 
allein wilrde nie eine Formel ausraacben, abeV 2 warden 



stilhtt gtewann, -welchem grossentheils <|as tnirgerliche Kecht der 
Romer seine hobe VoUendung dankt. In diesen Fornfeln , welcbe 
das Wesen jedes Rechtsrerhaltnisses in semer gerichtUehen Gel- 
tang ausdriickten , lag fiir das Klagenrecht , ja fiir das ganze 
Rechtssystem ein hochst wohlthaliger formeller Mittelpunkl, ilen. 
tinser hentiges Recht entbehrf und eben deshalb scliadticher Un* 
bestimmtheit und "Wiilkiihr leicht anheimfallt. *' — Cic. p. Rose, 
C« 8 suni iura^ sunt formulae de omnibus rehus eonsHtulaey ne quta 
aui in gentre iniuriae (Rechtsverletztmg) aui ralione adionis errors 
-ptnsiU ^xpressae suni enim ex u^iuseuiusque damno , dolove , income 
modo , edlamiiaie , ininrid ^ puhlicae a praeiore formulae ^ ad quas 
privata H$ aecomodfoivr. 



\ 



.W0bl' hiftf^ichvit^ tiemlich intentio and «6ndemR., denn 
demonstr. Jiraaoht nicht dabeizuBteh«n) ^irenigstens niQlit 
wenn die Klage «i«f ein certum geht, z. E. esc stipalatu, ex 
testamento !!• b. w., wohl aber dann j venin die intenfi^ 
incerta i»t ^nd die weitere Uotensti^liwng von dem 
Kchl,er angestellt^ wefden muss. G^t. lY, 41 « 44^ 86* 
Cic. Verr. II, 12. 

Diese Tbeile sind aucb wicfatig fiir den.Unterscbied 
der Ferm^In , insofern sie eingeiheilt werdea m forM'. 
in iu9 conceptae und form, in factum cone. Sie nnter-^^ 
gcheiden sioh dadarch, dass in jenen die Entscheidiln^ 
dber eifie Rechtsfrage liegt (die Formel lautet: weil 
dieses sicb so verh^It — demonstr, — und weil es Recht 
ist — inii — so u« s.-w^), in diesen dagegeir bios eiil 
Factum , welcbes die Stelle der Intentio vertreten muss 
Yund wenn iliese Tbatsacbe sicb ergiebt, soil etc.). Bei 
den ersteii war die Condemnation also auf das Reebt, 
bei den andern bios auf ein Factom begriindet Jene sind 
Civilklagen und kdnnen nur von Biirgern and Lenten^ 
welche sui iuris sind angestellt werd^,^ dagegen die 
in factum sind prlitoriscben Ursprnngs^ ganz Tom.Edikt 
abb&ng]^ nnd konnen aneb. Haussdbnen gegeben werden* 
Der praktiscbe Untersth^ed liegt also mehr in den 
klagenden Personen, als in den Klagen selbst, denn es, 
konnten bei vielen Prozessen beide Arten vonFofmeIn an-« 
gewandt werden. Gai. IVy 47 fuhrt folgendes Deispiel^ba 
' A) in iui: 

Judex esto (Anfang bei alien Formeln). Q^ued A. 
Agerius {so beisst in den Beispielsformein stets der 
Klager ) apkd Num. Negidium- ( Name des Beklagten \ 
$nen9am drgenteam deposuit, ^a de re agiturj ^weil 
A« A., u. s. w. als demonstratio , welobe die intentio 
vorbereitet, das Faktum mit der iiberflti^sigfen Bezeich* 
nung des Streitobjekts qua de re ag. Cic. Itrut.- 79, wflchea 
eine praescriptio ist, s. unten praescriptio ) quidquid oh 
earn rem N. Negidium A. Agerio dare facer e oportet 
ex fide bona eiut (das ist die iiitentio „w^ rechtlich 
geleistet , werden muss"), id iudex JV. Negidium A. 
Agerio condet^nato^ si non paret absblve* 

B) Dieselbe Sache in factum .• T . ^ 

Judex esto.. Si paret*) A. Agerium apud N. Ne-^ 
gidium mensam argenteam deposuisscy eamque dolm 



*) parere {<f^*ps§Oiu gich ergeben) , ein alter oft TOtkommeader 



— 444 — 

malo iV. Negidii A. Agerio reddHiom nam i$$e, (#6iiii 
es sich ergiebt n. •• w. also ein blosses Enktiim von 
dtem die Condemnation abh&ngt, denn von Recht ist 
treder in dieset zur intentio gestempelten demoostratio, 
Docb in foigender condemnatio die Rede) quanii ea res 
erit , iawtam pecuniam index N. Negidium A* Agerio 
tondemfuito: gi no'n paret abiolviio. 

Yon der Kegel, dass die Pralorischen Klagen stete 
in factum, die civilen in ius cancipift sind, giebt es 
eine doppehe Ansnahme*): . . 

i) ^ Civilklagen mit einer formula infaeiumj z* £• 

civil, in f. actio aus Innominatcontrakten. Bei diesen 

waren specielle fur den einzelnen Fall gefasste Formeln 

nothig, weil ^egen der grossen Menge der moglicher 

Weise vorkommendenVerbaltnisse keineallgemein gukige 

Form au%este1h werden konnte. Die intentio ist natur- 

,licb civil (quidquid dacere facer e opoftei)^ aber die 

. demonstratio , welche. die besonderen Umstaode entbalt, 

in factum 4|ndheisst dem* praetcripiis verbis (di^gaaze^ 

Klaffe act. praesc. verb.) &• 313. Auch gab der Prator 

^ Civilklagen mit Conception in factum, um sie Personen 

zug^nglich zu machen^ welcbe sie civil nicht b&tten 

anstellen konnen Gai. IV, 47. 60* 

2) Praioriiche Kllagen in iui concipirt finden in 
Mni^en Fallen statt, wo der Pr