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Full text of "Berliner architekturwelt;"

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] 



' I 



BERLINER ARCHITEKTURWELT 



BERLINER 
ARCHITEKTURWELT 

ZEITSCHRIFT 

FÜK 

BAUKUNST, MALEREI, PLASTIK UND KUNSTGEWERBE DER GEGENWART 

UNTER LEITUNG DER ARCHITEKTEN: 
HEINRICH JASSOY. ERNST SPINDLER. BRUNO MÖHRING. 



UND UNTER MITWIRKUNG 



DER VEREINIGUNG BERLINER ARCHITEKTEN 



FÜNFTER JAHRGANG 



VERLAG VON ERNST WASMUTH, ARCHITEKTUR-BUCHHANDLUNG 
BERLIN W. 

MARKGRAFENSTRASSE 35. 

1903. 



A 






V 



rp^.i,3 



HARVARD 

UNIVER51TY 

LIBRARY 



Gedruckt bei Julius Sittenfeld iu Berlin Vi' 



Das Kunstgewerbe in Berlin. 



iseri; Zeitschrift tritt mit dem heutigen Tage in das 
fünfte Jahr ihres Bestehens. Indem wir mit Be- 
friedigung auf vier Jahre des Krfolges zurückblicken, 
geben wir uns der Hcft'niing hin, dass das kom- 
mende Jahr uns neue Freunde jj^w'nnen möge. 

Die allseitige Anerkennuiijj, die die Berliner 

Arrhitekturwelt seit ihrem l'-rstliemi-n erfahren hat, 

beruht ohne Zweifel zunächst d.ir.iüf, < 

j^ramm, das sie sich gestellt h;it. sc 

der Berliner Architektur und zii;.;ii-,. l; 

in \'crbindung stehenden schmück- '..i'-i 

unparteiischen Siandi)unkte desu!.ii|,v 

ters aus t.m schildern, durchaus t;<—ii:i 

Bedijrfnissen des praktischen Lebens voll entspricht. Wiw ist die A:> ' ■ - 'ar uhne 

innenkunst? — Eine Schale ohne Kern. Was atn-r n''! dem Kun-itgeiv-Lc -'■^'■■ht, 

wenn es sich nicht darauf besinnt, dass es doch srblii-sshcli nur da/u di i--; ■!;■.'! ^tr-jn- 

gehäuse des Architekten die wohnliche Bekleidun^^ /u yclpin, da^ erleben v, ■;- ■.Mit 

fast je<!en Tag. Erst das einträchtige Zusammenspifl li-üivr und im w-iicn'ii >-in::i' 

auch der Malerei und Plastik giebt den rechten Kl.u-;;. :-' mi' i,f denn dir i;.i|.ii<-r 

Architekturwelt, soweit das ülierhaupt eine Zeitscliriii /u i';.-: m: s- u;.!',- is(, d.i^ ;.-'^.-.;t 

und wichtigste Problem unseres heutigen Kunsilei)ciis i'.ri I ■: : •■■.i'r.rr /u bnn^c n, 

nämlich da.*; gemeinsame, einheitliche Zusammenwiikni '^f i\. .■■—<- /.um hciii-rt:r 

Schmuck unseres Lebens, 

Schon dieser bedeutende Umfang der Aufgaben, dif -.j ..' ■ '•'■■■' •■- Architekiur- 
welt gestellt, erfordert nach anderer Seite hin eine ;.;c\\i".- I ii.-: .... ■.: ,;■, ! diese Be- 
schränkung ergab sich darin, dass allein das KLin-tlcb-'-i l-.i.,- • ■• .■■■[. Hereich 
unserer Zeitschrift gezogen w-urde. Aber dieser sili, 'w.h ir . ;.^i K:- .- ■;: .-.-hlicsst 
doch eine solche gewaltige Summe künstlerischer I.i-i-Ki;;^"!', •' \-- 'A.u- l'.- w ./iii^ang 



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den 



Berliner Arckitekturwell 



kaum gelingt. So kam es auch, dass der 
glänzende Aufschwung, den die Berliner 
Architektur in den letzten Jahren genommen, 
die Veranlassung war, dass bis jetzt die 
textlichen Beiträge unserer Zeitschrift vor- 
zugsweise die Architektur berücksichtigten. 
Für den neuen Jahrgang haben wir uns nun 
ausserdem zur Aufgabe gestellt, den Lei- 
stungen der einzelnen Zweige des Kunst- 
gewerbes in Berlin grössere Aufsätze zu 
widmen. 

Das, was das Berliner Kunstgewerbe von 
jeher ausgezeichnet hat, ist die Vortrefflich- 
keit der Arbeit, die hervorragende Beherr- 
schung (1er handwerklichen Fertigkeiten, die 
nur solide tüchtige Erzeugnisse schafft, allem 
Surrogat und mittelmässiger Halbware von 
jeher abhold gewesen ist. Mit dieser hohen 
Leistungsfähigkeit verbindet sich ein ge- 
sunder Sinn für das Zweckmässige und 
Brauchbare. Schon der nüchterne, prak- 
tische Geist des Norddeutschen bewahrt 
das Berliner Kunstgewerbe vor allem phan- 
tastischen, der Wirklichkeit entrückten 
Schaffen, dem der feste Boden unter den 
Füssen fehlt. Dieser gesunde Zwecksinn, 
verbunden mit fest geschulter Handwerks- 
erfahrung, hat das Berliner Kunstgewerbe 
vor jenem sprunghaften Vorgehen gerettet, 
zu dem man sich vielfach durch die über 
Nacht gekommene neue Kunstbewegung 
hat hinreissen lassen. Es ist ein ruhiges 
und langsames, aber sicheres Tempo, in 
dem das Kunstgewerbe in Berlin sich be- 
wegt, keineswegs ablehnend gegenüber 
dem Fortschritt, aber kalten Blutes Nutzen 
und Brauchbarkeit abwägend und nur das 
wirklich Zweckmässige und Gesunde auf- 
nehmend. 

So sind auf dem Gebiete der Innendeko- 
ration und des Mobiliars in den letzten 
Jahren in sicherer Weiterbildung der über- 
lieferten Formen und mit massvoller An- 
nahme neuer Elemente tüchtige Leistungen 
geschaffen worden, die als feste Stufen auf 
der Leiter des Fortschritts anzusehen sind. 
Andere, von jeder Ueberliefcrung sich fern- 
haltende, zum Teil nur aus der Linie sich 



entwickelnde Arbeiten, die hier und da in 
Berlin entstanden sind, stellen innerhalb 
dieser allgemeinen, auf der goldenen Mittel- 
strasse sich ^bewegenden Entwickelungs- 
reihe einen kühnen Vorstoss dar, der 
zweifellos als ein erfrischender Wasserstrahl 
das Wachstum der Berliner Innenkunst be- 
fördern wird. Dass die Möbelkunst bei 
uns vorzugsweise von Architekten geführt 
wird, gewährleistet eine besonnene, sichere 
Weiterbildung. Es ist ja nicht zu bestrei- 
ten, dass die rege Teilnahme von Malern 
an der Pflege der angewandten Künste 
das deutsche Kunstgewerbe ein gutes Stück 
weiter auf der Bahn des Fortschritts ge- 
schoben hat. Aber diese Errungenschaft 
liegt zumeist auf koloristischem Gebiete. 
Der anziehende Reiz zahlreicher von Malern 
geschaffenen Innenräume, die uns als neue 
Offenbarungen vorgeführt wurden, beruhte 
zumeist auf dem harmonischen Zusammen- 
klang der verwandten Farbtöne. Hätte man 
die Farben fortgenommen, so w^äre in vielen 
Fällen rettungslos die ganze Wirkung in 
sich zusammengefallen. Neue konstruktive 
Gedanken sind dabei nur wenig zu Tage 
gefördert worden. 

Dass diese Mitarbeit der Maler dem 
Kunstgewerbe durchaus zu gute kommen 
wird, ist keine Frage. Die durch sie her- 
beigeführte höhere Bewertung des farbigen 
Elementes ist eine der schätzenswertesten 
Errungenschaften des modernen Kunst- 
gewerbes. Aber wir sind der Ansicht, dass 
dasselbe für eine gesunde Weiterentwicke- 
lung des streng geschulten Geistes des 
Architekten bedarf, und betrachten dieses 
zeitweilige Hervordrängen der mehr male- 
risch beanlagten Kräfte auf diesem Gebiete 
der Innenarchitektur als ein höchst förder- 
liches Uebergangsstadium. Die Grundlage 
eines jeden Möbels bleibt doch jedesmal 
die Konstruktion, und dass diese im all- 
gemeinen dem Architekten besser gelingen 
wird, als dem Maler, ist keine Frage. Es 
würde ein neues Blatt dem Ruhmeskranze 
unserer Berliner Architekten eingeflochten 
werden, wenn es ihnen gelingen sollte. 



Berliner Archiiekturweli 



ihre grossen Erfolge auf dem Gebiete 
der Baukunst durch ebenbürtige Leistungen 
auf dem Felde der Innenkunst zu ergänzen. 
Dass es an leistungsfähigen Firmen in Berlin 
nicht fehlt, allen Anforderungen gerecht zu 
werden, ist allzu bekannt, als dass dieses 
noch betont zu werden brauchte. Als be- 
sonders bemerkenswerte Thatsache möge 
nur hervorgehoben werden, dass selbst auf 
demjenigen Gebiete der Möbelkunst, das 
die Franzosen bis dahin als ihr unbestritte- 
nes Erbteil betrachteten, nämlich dem Mo- 
biliar mit Bronzebeschlag, auch Berlin, wie 
die Pariser Weltausstellung gezeigt hat, 
gleich treffliche Leistungen aufzuweisen hat. 
Eine hohe Stelle haben sodann in Berlin 
von jeher die Metallkünste eingenommen, 
zunächst die Goldschmiedekunst und mit 
ihr verbunden die Emaillierkunst. Man darf 
nicht vergessen, dass die ersten Versuche 
in Deutschland, die alten Schmuckformen 
durch neue Motive zu bereichern, von Ber- 
liner Goldschmieden ausgegangen sind. Auch 
die Bronzewarenindustrie hat sich aufs glän- 
zendste entwickelt. In unseren Berliner 
Guss-, Ciselier- und Patinierwerkstätten 
wird mit derselben Sicherheit und Voll- 
endung gearbeitet, wie in den besten Pariser 
Kunstanstalten. Tüchtige künstlerische 
Kräfte, die gerade in letzter Zeit für dieses 
Gebiet gewonnen sind, lassen auch eine er- 
folgreiche Befruchtung in künstlerischer 
Beziehung erhoffen. Speziell auf dem Ge- 
biete des Beleuchtungswesens ist man 
dauernd bemüht, für die neuen Beleuch- 
tungsarten, die gebieterisch neue Lösungen 
erheischen, entsprechende Kunstformen zu 
finden. Der sieghafte Aufschwung, den 
unsere Schmiedekunst genommen, deren 
Erzeugnisse in allen Weltteilen geschätzt 
und gesucht sind, beruht nicht zum minde- 
sten darauf, dass diese Kunst immer in 
engster Verbindung mit der Architektur 
gestanden und mit deren Fortschritten 
gleichen Schritt gehalten. Die vornehmste 
Vertreterin der deutschen keramischen In- 
dustrie endlich, die Königliche Porzellan- 
manufaktur, steht an technischer Leistungs- 



fähigkeit wohl unerreicht da. Wenn auch 
ihre künstlerischen Erfolge sich damit nicht 
vergleichen können, so lässt sich doch bei 
der einsichtigen Leitung dieses Unternehmens 
erwarten, dass sie diese Scharte über kurz 
oder lang auswetzen werde. 

Liegt schon in der bisherigen erfolg- 
reichen Entwickelung des Berliner Kunst- 
gewerbes die berechtigte Hoffnung be- 
gründet, dass dasselbe auch einer gedeih- 
lichen Zukunft entgegengehe, so wird diese 
noch dadurch gestützt, dass in den letzten 
Jahren ein beträchtlicher Teil der besten 
Künstler, über die das deutsche Kunst- 
gewerbe zu verfügen hat, von Berlin wie 
von einem gewaltigen Magneten angezogen 
wird, ebenso wie auch sonst die Reichs- 
hauptstadt auf allen Gebieten der Wissen- 
schaft und des praktischen Lebens die 
tüchtigsten Kräfte aus den Provinzen an 
sich zu reissen pflegt. Da sonst in künst- 
lerischen Dingen Berlin in unseren anderen 
Landesteilen vielfach noch mit Misstrauen 
— gewiss mit Unrecht — angesehen wird, 
so sagt man sich, wie kommt es, dass 
trotzdem Berlin eine solche Anziehungskraft 
auf diese Künstler ausübt, dass trotz so 
vieler Enttäuschungen, die man hier, wie 
in jeder anderen Millionenstadt, in künst- 
lerischen Dingen erleben muss, doch Berlin 
als ein besonders guter Boden für künst- 
lerische Bestrebungen erscheint, von dem 
sich jeder reichliche Frucht verspricht. 

Man hat behaupter, das Getriebe der 
Grossstadt hindere an jener Vertiefung, 
jener Zurückziehung auf sich selbst, die 
der Künstler zum freien Schaffen bedürfe. 
Aber wo vermag man sich besser zu iso- 
lieren als in Berlin, wo man innerhalb 
weniger Minuten aus dem Gewühl und 
Lärm der Friedrichstrasse sich zwischen die 
hochragenden Kiefern des Waldes in stillste 
Einsamkeit zurückzuziehen vermag, wo man 
das Leben in seiner stärksten Wellenbe- 
wegung und die verschwiegenen Geheim- 
nisse der Natur fast zu gleicher Zeit be- 
obachten und belauschen kann. Wer ver- 
mag zu leugnen, dass es auch auf dem 



Berliner Architekturwelt 



Strome des Lebens, der durch die Strassen 
der Stadt flutet , glitzert und funkelt zu 
herzerfreuender Augenweide eines Künstler- 
auges. Wo das Leben am reichsten und 
glänzendsten sich gestahet, hat auch die 
Kunst von jeher ihren Hochsitz gehabt. 
Nicht in der Stille der Landstadt, sondern 
in dem Geräusch der Hauptstadt hat sie 
stets ihre glänzendsten Siege gefeiert. 

Welche Stadt Deutschlands bietet ferner 
jene gewaltige Fülle von Aufgaben, die 
Berlin in seinem so reich gegliederten Or- 
ganismus an den Künstler stellt, wo auf 
geringem Räume alle Stände vom höchsten 
bis zum niedrigsten in den zahllosen Ab- 
stufungen ihrer gesellschaftlichen Beziehun- 
gen und verschiedenen Bedürfnisse ver- 
treten sind, wo neben dem komplizierten 
Apparate der staatlichen und kommunalen 
Verwaltungen auch die grössten industriellen 
und kaufmännischen Unternehmungen ihren 



Sitz haben. Was nur an künstlerischen 
Aufgaben zu denken ist, verlangt hier seine 
Lösung. 

Vor allem aber findet man hier mehr 
wie anderswo ein vorurteilsfreies Publikum, 
das ein gutes Verständnis den mannigfachen 
Regungen des ne uze it igen Kunst lebens ent- 
gegenbringt. Hier findet man auch eine 
von jedem kleinlichen Lokal Patriotismus 
freie Würdigung fremder Vorzüge, die man 
anderswo vergeblich sucht. Hier macht 
es keinen Unterschied, ob einer in Bayern, 
Oesterreich, Preussen oder Württemberg 
geboren ist ; wenn nur seine Leistungen dar- 
nach sind, findet er überall gleich freundlich 
entgegenkommende Aufnahme. So sind 
denn hier die Besten aus allen Teilen des 
deutschen Vaterlandes zusammengekommen, 
um in gemeinsamer Arbeit das Berliner 
Kunstgewerbe einer glänzenden Zukunft ent- 
gegen zu führen. 



Herbstsiürn 



HANNS ANKER. 



Berliner Architeklurwell 

Hanns Anker. 



Zum "V^ttbewerb für die Umgestaltung 
des bandes-Ausstellungsgebäudes. 



iss bemerkenswert und in mancher Beziehung für 
ser Kunstleben bezeichnend ist die Thatsache, dass 
nitten der vielfach grundlegenden Wandlungen, 
;lche die Kunstanschauungen innerhalb des letzten 
brzehnts erfahren haben, die Erscheinungsform des 
jährlich unsere grossen Ausstellungen aufnehmenden 
as-Eisenbaus am Lehrter Bahnhof sich, den wesent- 
hen Grundzügen nach, nahezu unverändert erhalten 
nnte. 

Inzwischen ist der Glanz des vor nunmehr sechs- 
in Jahren aus Anlass der Jubiläums-Kuastausstel- 
lg von 1886 geschaffenen Kuppelraums naturgemäss 
vas verblasst, und dem alljährlich mit neuen Er- 
wartungen wiederkehrenden Besucher ist die Fülle der 
dort entwickelten Prunkformen allmälig so vertraut geworden, dass er sich ihres Anblicks 
kaum noch als einer Besonderheit bewusst wird, welche berufen ist, über das Werkel- 
tagsgefiihl hinaus Empfindungen festlich - heiterer Art hervorzubringen. Es darf auch 
angenommen werden, dass die Erweckung einer weihevollen, ernsten Kunstgenuss vor- 
bereitenden Stimmung für die Konzeption dieser Raumausgestaltung von vornherein 
weniger bestimmend gewesen ist, als der Wunsch und die Absicht, für die Eröffnungs- 
feierlichkeiten einen den Umständen nach möglichst glänzenden Rahmen zu schaffen. 
Auch der dahinter liegende „Ehrensaal" mit seinem einfacheren Gepräge, welcher 
der Aufnahme besonders hervorragender Werke gewidmet sein soll und dieser Be- 
stimmung auch mehrfach gedient hat, vermag, als Raum an sich, das Gemüt des 
Eintretenden kaum in höherem Sinne gefangen zu nehmen, als der vorige. 

Man hört hie und da wohl die Meinung aussprechen, dass die Möglichkeit, stim- 
mungsvoll zu wirken, mit der Zweckbestimmung eines Ausstellungsraumes wegen des 
Lichtbedürfnisses überhaupt nicht gut vereinbar sei, und dass ein in selbständiger 
architektonischer Bedeutung auftretender Raum für sich allein schon zu viel Beachtung 



Berliner Archilekhirweit 









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Berliner ArchUeklurweU 



Wettbewerb für die Umgestaltung des Landes -Aussiellungsgebäudes in Berlin, 
Architekt: M.AX Ravoth in Berlin. T. Preis. 




Grimdriss zu Abbildung 6 und ; 



Berliner Arehiteklurwclt 



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Berliner Architekturwelt 



Wettbewerb für die Umgestaltung des Landes - Ausstelluogsgebäudes in Berlin. 
Architekt: Fritz Gottlob in Berlin. II. Preis. 




Grundriss zu den Abbildungen 9 und 10. 



ßeriimr Architekturwelt 



Wettbewerb für die Umgestaltung des Landes Ausstellungsgebäudes in Berlia. 
Architekt KARL Ed. BangrRT in Berlin. IJI. Preis. 




Wettbewerb für die Umgestaltung des Landes -Ausstellungsgebäudes in Berlin. 
Architekt: KARt, En. HanGKRT in Berlin. IIJ, Preis. 



Berliner Architekturweil 
Abhildung 14. 



Weubewerb für die l^mgjstaliung des Landes- Ausstellungsgebäudes in Berlin. 
Architekt: Karl Ed. Bangert in Berlin. III. Preis. 




Grundriss zu den Abbildungen rs l)!s 14. 



ii 



herliner Architekiurweli 



in Artspfuch nehme, um dem Eindruck 
der in ihm enthahenen besonderen Kunst- 
werke förderlich zu sein. 

Aber die Irrigkeit dieser Ansicht wird 
durch ungezählte Beispiele widerlegt. Unter 
den einschlägigen Schöpfungen der letzten 
Zeit erscheint besonders beweiskräftig das 
Beispiel der KREIS sehen grossen Halle im 
Dresdener ständigen Kunstausstellungs- 
gebäude. 

Hier hat ein Künstler von grosser schöpfe- 
rischer Kraft und Eigenart ein Inneres 
erstehen lassen, das allerdings schon an 
sich dazu angethan ist, als selbständiges 
Kunstwerk den Beschauer voll in seinen 
Bann zu zwingen, aber Niemandem kann 
es entgehen, in wie hohem und fast unge- 
ahntem Maasse dieser architektonische 
Rahmen zugleich einer andächtigen und 
sammlungsvollen Betrachtung der in ihm 
erscheinenden Werke zu Gute kommt. Da- 
bei sind der Lichtzuführung irgend einer 
besonderen Stimmung zuliebe keinerlei 
andere Beschränkungen auferlegt, als sie 
der Hauptzweck, die Schaffung einer gün- 
stigen Beleuchtung, erfordert. 

Aehnliches, wie das eben Gesagte, und 
zwar mit besonderer Rücksicht auf die wür- 
dige Vorführung von Werken der Flächen - 
kunst, lehrt dann auch die schon ein Jahr 
vorher für die „Deutsche Bauausstellung" 
in demselben Gebäude von Wallot ge- 
schaffene Halle, deren früheres und deshalb 
um so verdienstlicheres Vorbild hinsicht- 
lich des Beleuchtungsprinzips allerdings im 
Münchener Glaspalast zu suchen ist. 

Von letzterer Stelle sind überhaupt, wie 
zwar genugsam bekannt, aber doch wohl 
noch einmal hervorgehoben werden darf, 
zahlreiche, höchst bedeutende Anregungen 
für die wirkungsvolle Schaustellung von 
Werken der bildenden Kunst ausgegangen, 
und Leistungen, wie die Einrichtung der 
Skulpturensäle und der Lenbach - Räume 
von Emanuel Seidl, nicht zu vergessen die 
immer wieder von neuem einen Zauber 
von Stimmung ausströmende Central- und 
Eintrittshalle desselben Künstlers in ihrer 
mystisch feierlichen Erscheinung, gehören 
noch immer zu dem Besten unter den be- 
stehenden Schöpfungen auf diesem Gebiete. 

Der eindringlichen Lehre, welche alle 
diese Beispiele verkünden, mag es zu dan- 
ken sein, dass nunmehr auch für Berlin 
jener Entschluss reifte, welcher in der Ver- 
anstaltung des Wettbewerbs, dem diese 
Zeilen gewidmet sind, zum Ausdruck kommt. 

Es ist wahr, an kleineren Versuchen, das 



Interesse unseres Kunstpublikums in höhe- 
rem Maasse zu fesseln, hat es auch bei uns 
nicht gefehlt, aber die gewählten Mittel 
trugen doch meist zu sehr den Charakter 
des Vorübergehenden und Aushilfsweisen, 
um nachhaltig zu befriedigen, und so ist es 
denn begreiflich, dass bei allen, die es an- 
ging, die Aussicht, es solle nunmehr in 
diesen Dingen Wandel geschaffen werden, 
mit Freuden begrüsst wurde. 

Dem gegenüber hat es dann einiger- 
maassen überrascht, zu sehen, dass dem an 
die Vereinigung Berliner Architekten er- 
gangenen Rufe, an dieser schönen Auf- 
gabe sich zu bethätigen, nur zehn von der 
recht stattlichen Zahl der Mitglieder gefolgt 
sind. 

Wir geben in den Abbildungen 6 — 15 
zunächst die drei preisgekrönten Arbeiten 
wieder und erinnern kurz daran, dass es 
galt, unter möglichster Verwendung der 
jetzt vorhandenen baulichen Anlage, einen 
grossen Central- und Repräsentationsraum 
zu schaffen, von welchem aus möglichst 
alle Ausstellungsräume direkt zugänglich 
sein sollten. Auch die Schaffung eines ge- 
räumigen zugfreien Vorraums, sowie eine 
nach Art der Ausstellungsgegenstände ver- 
schiedenartige Gestaltung der eigentlichen 
Ausstellungsräume lag im Rahmen der 
Aufgabe. 

Die mitgeteilten Grundrisse lassen das 
Wesentliche der durch die drei Preisträger 
gelieferten Lösungen erkennen. 

Das Preisgericht rühmt bei dem Entwurf 
von Ravoth („St. Lukas") die Klarheit 
der Grundrissbildung und die Ausführbar- 
keit ohne Aufwendung allzu grosser Mittel, 
bei dem Entwurf von BANGERT (^2 Seelen") 
die gleichen Vorzüge, sowie die architek- 
tonische Ausbildung des Innern. Gottlob's 
Entwurf („Alt-Moabit") wird gleichfalls des 
Grundrisses wegen belobt, hinsichtlich der 
zu reichen dekorativen Behandlung indes 
bemängelt. Dieser Vorwurf ist in der 
That berechtigt; auch darf hinzugefügt wer- 
den, dass der Schöpfer so vieler reizvoller 
Backsteinentwürfe in dieser, ihm offenbar 
wenig zusagenden Formensprache nicht 
wieder zu erkennen ist. In künstlerischer 
Beziehung dürfte unter den durch Preise 
ausgezeichneten Arbeiten überhaupt wohl 
nur Bangert's Entwurf Hoffnungen auf eine 
tiefer gehende Wirkung für den Fall der 
Ausführung erwecken. 

Als Verfasser der übrigen eingesandten 
Entwürfe sind inzwischen bekannt geworden : 
Hartmann für „Templum artis", Schulz & 



Berliner Architekturw^lt 



SCHLICHTING für „Artibus", MÖHRING für 
„Wenn schon, denn schon", Link für „An- 
deutungsweise" und TiEDE für „Central- 
halte". 

Einwände hinsichtlich der Gruadrissbil- 
düng oder der' Beleuchtung, teilweise auch 
ein zu hoher Kostenaufwand für erforder- 
liche Umbauten, haben ihnen, wie aus dem 
Gutachten der Beurteiler hervorgeht, den 
Erfolg versagt, 

Wenn indessen des Entwurfs „Templum 
artis" ausdrücklich für seine architekto- 
nische Gestaltung, welche sich durchaus 
im Formenkreise der Antike als runder 
Kuppelraum darstellt, mit Anerkennung ge- 
dacht wird, so wäre Gleiches wohl auch 
iur den Entwurf „Wenn schon, denn schon" 



aus dem Grunde am Platze gewesen, weil 
er der einzige ist, welcher sich mit Erfolg 
der schwierigeren Aufgabe widmet, aus 
dem althergebrachten Formenkreise heraus- 
zutreten und für neuzeitliche Bedürfnisse 
eine neuartige Erscheinungsform zu ge- 
winnen. — 

Ob in einem der preisgekrönten Entwürfe 
bereits eine ausreichende Grundlage für die 
beabsichtigte Neugestaltung gewonnen ist, 
darf bezweifelt werden. 

Die für den Wettstreit gewählte Bezeich- 
nung .Ideen -Wettbewerb" deutet darauf 
hin, dass es sich zunächst darum gehandelt 
haben dürfte, für eine präzisere Fassung 
und zu wiederholende Stellung der Aufgabe 
geeignete Gesichtspunkte zu gewinnen. 
Ad. Härtung. 




Hanns Anker. 



Zu unseren Bildern. 



ARCHITEKTUR. 

Der Einfluss des wachsenden Berlins 
auf seine Vor- und Nachbarorte 
macht sich fortgesetzt durch einen 
ganz erheblichen Aufschwung auch in bau- 
licher Hinsicht vorteilhaft geltend. 

Dem vor wenigen Jahren von der Ge- 
meinde Steglitz gegebenen Beispiele fol- 
gend, hat sich nun auch die Nachbar- 
gemeinde Schmargendorf den Bau eines 
neuen und den Anforderungen der Gegen- 
wart entsprechenden Rathauses gestattet. 
Bei dem Orte Steglitz konnte solches 



Vorgehen nicht überraschen, da vorzügliche 
Verbindungen mit der Reichshauptstadt 
seit langem bestehen und einen starken 
Zuzug an Bevölkerung ständig gefördert 
haben. Dies musste begreiflicherweise bald 
gesteigerte Ansprüche in Bezug auf die 
äussere Erscheinung des Gemeinwesens im 
Gefolge haben. 

Anders lagen die Bedingungen für Schmar- 
gendorf. 

Ein gules Stück abseits von der lebens- 
kräftigen Verkehrsader liegend, welche nach 
Westen hin von Berlin aus über Steglitz, 



Berliner Archiiekturwelt 



Berliner Archilekturwett 15 

Abbildung ,H. Ausflügler fernhal- 

ten , den Eindruck 
eines in Idyllischer 

Ruhe liegenden 
Landortes. Aber die 
Thatsache des stol- 
zen Neubaus, wel- 
chen das sogenannte 
alte Markgrafendorf 
nach den Plänen des 
Architekten J. Otto 
Kerwien in Potsdam 
nunmehr hat aus- 
führen lassen , be- 
weist, dass hier unter 
der ruhigen Ober- 
fläche zielbewusste 
Kräfte mit schönem 
Erfolg am Werke 
sind. 

Der Bau, welchen 
wir in den Abb. 17 
bis 21 und einer far- 
bigen Beilage wie- 
dergeben, hat zu 
seiner Vollendung 
die Zeit vom i. Juni 
1900 bis [.Juni 1902 
beansprucht. Als 
Baumaterial kamen 
für die Fronten 
Rathenower Hand- 
strichsteine mittel- 
alterlichen Formats 

Ratbaua für Schmarre ndorf. Architekt; J. OTTO KERWIBN (n Potsdam. ^ 

zur Verwendung, wäh- 

Lichterfelde, Zehlendorf u, s. w. nach Pots- rend die tragenden Teile aus Miltenberger 
dam führt, lehnt es sich an den Grüne- Sandstein hergestellt sind. Für den Sockel 
wald an und entbehrt an der offenen Seite, wurde roter Porphyrgranit benutzt. Der 
abgesehen von einer über Wilmersdorf hin- Hauptgiebel ist mit Glasmosaik dekoriert und 
ausgeführten Strassenbahn, einer weiteren zeigt im obersten Staffelfeld den märkischen 
bequemen Verbindung mit der Reichshaupt- Adler, über den fünf Saalfenstern im Mittel- 
stadt, da der den Nainen des Orts tragende felde das preussische Königswappen und 
Ringbahnhof in ziemlich beträchtlicher Ent- seitwärts die Wappen der vier Markgrafen- 
fernung liegt. geschlechter, welche über Brandenburg ge- 
Thatsächlich macht denn auch der Ort herrscht haben. Es sind, von links nach 
noch heute, und namentlich an Wochen- rechts, die Wappen der Anhaltiner, Witteis- 
tagen, welche das belebende Element der bacher, Böhmen-Luxemburger und Zollern. 



Berliner Arcküeklurwell 



I. Uurch fahrt 
I. HBl[r. 

j. FubUkmii. 




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SituatioospIaD zu Abbildung 17 und 



Berliner Arckitekiiintieil 
Abbildung 33, 



Gemeindeschule in Treptow, Baumschulenweg. Architekt: Eugen Kühn io Berlin. 

Abbildung 14, 




Abbildung 34 und 35 Grundrisse zu den Abbildungen 33 und 36. 



Berliner Architekturwelt 



Gemeindeschule in Treptow, Haumschulenweg. Architekt: Eugen Kühn in Berlin. 



In den reich ausgestatteten fünf Saal- 
fenstern finden sich die Wappen der Ge- 
schlechter, welche das Markgrafendorf be- 
sessen haben, nämlich : von Wilmersdorf, 
von Schlegel, Graf Podewils, von Beyme, 
von Gerlach. Der über 9 m breite Sitzungs- 
saal wird von einem Tonnengewölbe mit 
Stichkappen überdeckt. Die Verkleidung 
der zu einer Gruppe zusammeogefassten 
Heilkörper bildet ein 7 m hoher Kamin 
aus weissem Sandstein. Die Korridore und 
die Ratshalle erhielten Ueberdeckung mit 
Kreuzgewölben aus rotem Blendsteinmaterial 
grossen Formats und profilierten Gratsteinen 
für Rippen und Scbildbögen. Für die Treppe 
kam roter Meissner Granit auf steigenden 



Bögen aus roten Profilsteinen mit weissen 
Putzflächen zur Verwendung, Das Treppen- 
geländer besteht aus kleinen romanischen 
Säulchen (gemauert, eine Schicht rot, eine 
Schicht grün glasiert), durch Kleeblattbogen 
verbunden, mit Deckplatte aus rotem Weser- 
sandstein. Die Treppenläufe sind unter- 
wölbt, die Säulen aus rotem Miltenberger 
Sandstein hergestellt. 

Die Modelle für Bildhauer- und Antrage- 
arbeiten lieferte die Firma Dammrich & Co., 
Berlin -Schöneberg, die Bildhauerarbeiten fiir 
den Kamin, den Feuerzauber aus der „Wal- 
küre* darstellend, Bildhauer Franke, Char- 
lottenburg. Sämtliche Steinmetzarbeiten 
wurden vom Hofsteinmetzmeister FiEBlGER 



Berliner Architekturwelt 



Abbildung 17. 

Wuhnhaus 
Matthäikirch- 
strasse 31. 
Architekt: 
Alfred Messei, 
in Berlin. 



Wohnhaus Matthälkirchstrasse 31. 
Fassade nach der Margarethenstrasse, Architekt: Alfred Messel in Berlin. 



Villa Swoboda in Steglitz. Architekten; Meier & Werle in Berlin. 

AbbiMuDg 30. 



Villa Swoboda in Steglitz. Architekten; Meier & Werle in Berlin. 



Berliner ArckitekturweU 



Villa Swoboda in Steglitz. Architekten; MEIER & WERLE in Berlin. 



in Potsdam ausge- 
führt. Die Maurer- 
arbeiten lagen in den 
Händen von Menzel 
& Caspar, Berlin, 
die Zimmerarbeiten 
in denen von WAG- 
NER, Schmargendorf. 
Weiter sind zu nen- 
nen für die Kunst- 
schmiedearbeiten 
Paul Golde in Wil- 
mersdorf, (ür die 
Bronzebeschläge der 
Inoenthüren , nach 
Zeichnungen des Ar- 
chitekten, GöDTKE & 
BeHNKE, Berlin. Die 
Gewölbe - Drahtputz- 
arbeiten lieferten 
BOSWAU & Knauer, 
Berlin, die Glas- 
malereien KUNZIG, 
Schmargendorf, das 
Handstrichstein - Ma- 
terial für die Fronten 
Bl'RCKHARDT , Gen- 
thin, die Glasuren 
und Formsteine Ma- 
THES & Sohn, Ra- 
thenow. 

Die Dampfnieder- 
druck-Heizung und 

Lüftungsanlage 
führte, nach den 




den Abbildungen 19 und 30. 



Berliner Arckitekturwelt 
Abbildung 34. 



Erbbegräbols Katz-Lachmann (Friedhof Weissensee). Archltektea : LACHMANN & ZAUBER in Berlin 



Plänen des Ingenieurs OscAR AusT die 
Firma R1ETSCHEL& Henneberg, Berlin, aus. 

Die Baukosten haben, einschliesslich der 
Gegenstände für die innere Einrichtung, 
rot. 335 000 Mark betragen. 

Vun den Architekten Lachmann & ZALltEk 



stammt Entwurf und Ausführung des auf 
dem Friedhof der jüdischen Gemeinde in 
Weissensee bei Berlin für zwei verschwä- 
gerte Ehepaare errichteten Erbbegräbnisses, 
welches wir in den Abbildungen 34 und 
35 vorführen. Der wohlgelungene und 



Berliner Architekturweli 

Abbildung 35- 



namentltch im Innern sehr stimmungsvolle 
Bau ist in Randersacker Kalkstein mit einem 
Kostenauf wände von i "j 000 Mark ausge- 
führt. Die Abmessungen betragen 7,60 m in 
der Länge und 3,40 m in der Tiefe. Die 
Steinmetzarbeiten führte C. WiNTERHELDT 
aus. 

Einem engeren Wettbewerb entstammt 
der vom Architekten EuGEN KÜHN aufge- 
stellte Entwurf zu einer Gemeindeschule, 
welchen die Gemeinde Treptow bei Berlin 



in der Zeit vom 15. März 1900 bis i. April 
1901 am Baumschulenweg in Treptow zur 
Ausführung gebracht hat. (Abb. 22 bis 
.6.) 

Die Schule enthält 18 Klassen, Rektor- 
und Konferenzzimmer, Aula und Turnhalle. 
Im Untergeschoss befinden sich Wohnungen 
für den Schuldiener und Heizer. Wunsch 
der Gemeinde war, dass der Hauptein- 
gang an der abgestumpften Ecke angeord- 
net würde. 



Wabwerk. Von AKTHUR KAMPF in Berlin. 
Abbildung 37. 



Die Fassaden sind 
in Rathenower Hand- 
strichsteinen unter 
sparsamer Verwen- 
dung von Formstei- 
nen ausgeführt« die 
Aula wurde von 1,. 
GöSSLER, Berlin, ge- 
malt. Die Baukosten 
stellten sich auf 
240000 Mark. 

Mittewegs zwischen 
Steglitz und Sudende 
bei Berlin erhebt sich 
die in den Abbildun- 
gen 29 bis 33 dar- 
gestellte Villa, wel- 
che in der Zeit vom 
I. September 1900 
bis I. September 
1901 nach dem Ent- 
würfe der Architek- 
ten Meier & Wrrlf, 
für Herrn Swoboda 
errichtet wurde. Für 
die Grundrissanord- 
nung fiel erschwerend 
ins Gewicht,dass nach 
dem Wunsche des 
Bauherrn der Winter- 
garten mit allen 
Wohnräumen in Be- 



Mänschnee im Werralhale. 



1 Victor Freudemann in Berlin 






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BRVNNENPOR 
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Berliner Architekturtvetl 



Ziehung gebracht werden musste. Das Unter- 
geschoss und die Architekturformen der obe- 
ren Geschosse des anmutigen Baues sind 
grösstenteils in Pirnaer Sandstein hergestellt, 
alle übrigen Teile sind geputzt. 

Die Baukosten betrugen, einschliesslich derer 
für das Stallgebäude, die Sandsteinumwehrung 
etc., 130000 Mark. Als Mitarbeiter bei der 
Ausführung sind zu nennen: die Bildhauer 
Stracke, G. Meuter & Wollstädter, Berlin, 
für die Kunstschlosserarbeiten Salwig, Gr,- 
Lichterfelde, für die Tischlerarbeiten FlEDLER, 
Gr.-Lichterfelde, und A.H. Mittag, Charlotten- 
burg, für die Malerarbeiten BiRKLE & Thomer, 
Charlotten bürg. Die Zimmereinrichtungen 
wurden in den Ateliers von Max Bodenheim, 
Berlin, gefertigt, 

Abbildung 3S. 



Bildnis der Mutter nieiaes PreUDdes C9sar FUiscbleu. 

Von Georg Ludwig Meyn Id Berlin. 



ChariUs. 
Von Wilhelm Haveekamp, Bildhauer 



Berliner Architekturwelt 



Berliner ArchiteklunveU 



Berufter Archiiekturwelf 

Abbildung^ 44. 



Wohn- und Toiletteilmmer ßr eine Dame. Nach dem Eoiwurfe von ERNST FRIEDMANS, Architekt 
In BeiUn, ausgefllbrt In den Kuaslverkstatlen von KELLER & REINER in Berlin. 



- MALEREI UND PLASTIK. 
Das Bild „Walzwerk" von Arthur 
Kampf (Abb. 36) giebt eine Scene aus 
dem Walzwerk „Rote Erde" bei Aachen 
wieder, Arbeiter, welche beschäftigt sind, 
eine fertige Schiene, noch glühend, aus 
der Walze zu ziehen, um sie zur Kreissäge 
zu bringen. Treffend hat das mühevolle 
stumme Arbeiten mit Feuer und Eisen 
seinen Ausdruck gefunden, und einfach ist 
dabei die Farbengebung: das orangeroie 
Eisen der Schiene, das leuchtende Fleisch 
und die blauen Beinkleider der Arbeiter, 
dazu der dunstige graue Hintergrund der 
Halle, in welcher sich an einem heissen 



Sommertag der Vorgang abspielt, diese . 
Mittel genügen dem Meister, um malerisch 
eine Wirkung zu erzielen, welche den 
Realismus des Gegenstandes in einem 
höheren Sinne schön erscheinen lässt. 

In dem in der Abbildung 37 vorgeführten 
Werke „Märzschnee" erkennen wir unschwer 
den Schöpfer des bei einer früheren Ge- 
legenheit mitgeteilten Bildes „^''^ altes 
deutsches Städtchen" wieder. Das Motiv, 
welches dem uralten, am linken Ufer der 
Werra der kleinen Stadt Allendorf gegen- 
über gelegenen Flecken So öden entnom- 
men ist, zeigt uns auch hier den Maler in 
seiner besonderen Begabung für stimmungs- 



Btrliner Arrhifektuf-rvelt 



39 



volle Landschaftsmalerei, wobei er ilcr 
Schlichtheit in Form und Farbe den \'nr- 
zug zu geben liebt. 

Mit hervorragendem Gelingen jjiebt uns 
Grorg Ludwig Mryn in dem Rüde der 
Mutter seines Freundes Cäsar Flaischlen 
(Abb. S) wiederum einen Beweis seiner 
Kunst. Aus der Schilderung dieser schlich- 
ten Persönlichkeit spricht gewissermasf^en 
der Typus der Mutter in der l'nerscliöpf- 
lichkeit ihrer Güte und des warmen .Mit- 
gefühls mit dem Leben und Streben ihrer 
Kinder zu uns. 

Von den neuesten plastischen Werken 
Haverkamps, einer Charitas (Abb. -y.)), in 
welcher sich monumentale Haltung mit 



Milde des Ausdrucks glücklich vereinigen, 
und dem barmherzigen Samariter, welchen 
wir in Abb. 4,0 vorführen können, wird das 
letztere, wie uns der Künstler mitteilt, auf 
der diesjährigen grossen Kunstausstellung 
zu sehen sein. Bei seinem Verzicht auf 
alle, die blosse Gefallsamkeit an.strehenden 
Mittel und der Vertiefung in das Seelische 
des Vorganges dnrl ihm eine hohe Wert- 
schätzung bei allen ernsten Kunstfreunden 
von vornherein gesichert erscheinen. 

H[{;n LEnF.RERs Brunnen, welchen unsere 
Beilage zeigt, ist für den LJniversitatsbau 
in Breslau bestimmt. Auch dieses Werk 
ist das Ergebnis eines Wettbewerbs, aus 
welchem der ieizt vielgenannte Künstler 



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Berliner Anhilekturrvelt 






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Berüiier Aich ilc kfiinvell 



;\ANf)KR RttKNDF.I., Mali-i 



Uli HngelIMcn. SCHMIZ- 
KCkMAPJN und Auc.usr KN 
Kflnsllpr, den das Berliner 



O Rem Maler Frtts Grothemeytr w 
lass der Vollendung seines CemaMes J 
achluss ju Münster- der Kronenorden \ 



X Die Kauiiii:<-'>I-'llu 


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()S, KEliTÜRS 



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I JftöSi 



schlie; 



n uii.l zwei kleinere SeitenrSurae fOr F.nl- 

I Hkiy/en nlä^^igen Tinfangs — geschalTen 

Auch ilii:sniiil werden >ich der Archllektur- 

eine Keiht von Innenausstallungen an- 

Au&schmückungsarbei 



RSur 



tellu 



den 



Händen des Prof. HEkM. SuLF. — Xltr Verband 
dculsch.r lllasiraloren wird der Ausstellung als ge- 
schlossene Körperschaft fern bleiben, du ihm die 
IrQher /ii^'csiandenen Räume nicht wieder lur Ver. 
fÜEung gestellt sind. V.t wird sich chigr^eii un iliT 



tetlur 



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Berliner Arc/iilektttrivcU 



Abbildu.g J3. 




AhhlldunjT 54. 


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Wandfriese für das Ministerialgebäude in Rudolstadt. 
Architekt: Adolf Harukg in Berlin. 



Berliner Archiiekhirioelt 
Abbildung 57. 



Eingangsthür am Kaufhaus Israel, Spandauerstrasse. 
Von Schulz & HoLDEFLl^iäS, Kunstschmiede in Berlin entworfen und ausgeführt. 



Berliner Architektunsett 



tfg Aus (ier Sccessiott sind sechszehn Mitglieder 
ausgeschieden. Es sind: WILLI DÖRING, OTTO H. 

Engel, Oskar frenzel, Viktor Freudemank, 
Richard Friese, Hermann hendrich, Paul 
HOENiGER, Felix krause, Karl Langhammer, 
Hugo Lbderer, Franz i.ifpisch, Hans looschen. 

MARTIN SCHAUSS, MAX SCHLICHTING, MAX UTH 
und Julie WOLF-THORN. Als GrflDde ihres Aus- 
Irilts geben sie an, dass die Seccssion nicht das er 
füllt habe, was von ihr etvartet worden sei, sie sei 
nicht die Stätte gewesen, an der sich jede Kichtung 
der Kunst gleichmissig aussprechen konnte. Durch 
zu starke Betonung einer Kunst bcslimoiler Richtung 
und durch übermässiges Heranziehen des Auslandes 
habe sie nicht genügend die Interessen ihrer ordent- 
lichen Mitglieder und der deutschen Kunst gefördert, 
nie .Sechszehn- werden sich, wie es heisst, unter 
der Führung von OSKAR FRENZBL als eigene Gruppe 
und mit eigener Jury an der diesjährigen Grossen 
Berliner Kunstausstellung beteiligen. 



(f Mit der Ausführung der WandmalereieH im 
neuen Dom sind die Maler H. LKSSING, W. FRIEDRICH 
und A. HERTEL betraut worden. LESSING wird 
Bilder aus der Apostelgeschichte für die vier grossen 
Zwickel unterhalb des Kuppeltambours maleo, FRIED- 
RICH die Decke über der Orgelempore mit drei bib- 
lischen Gemälden schmücken und HERTEL in dem 
oberen Umgang der zur Kaiserloge führenden Treppe 
neun Landschaften aus Palästina ausführen. Die Mosaik- 
bilder der Seligpreisungen für die Kuppel sind von. 
Anton von Werner entworfen worden. 



(S In dem Wellicwerb betf. den A'euiau eines 
GymHasiutns in Bremen erhielt unter 141 Entwürfen 
den ersten Preis der Entwurf „Chi lo sa- des Archilek- 
ler PAUL BAUMGARTEN in Berlin, Je einen zweiten 
Preis der Entwurf „Freie Hansastadt Bremen" des 
Professors H. GUTH in Charloltenburg und der Ent- 
wurf .Tacitus" des Architekten ERNST HOFFMANN 
in Berlin, je einen dritten Preis der Entwurf »Jung 
Brema- der Architekten RUST und MÖLLER In Leip- 



Nacfa dem Entwürfe 1 
Schlosser in 



Durchfahrtsthor am Hause Askanischer Platz 3. 
n PAUL HentscheL, Architekt in Berlin, ausgetOhrt von PAUL MARCUS, Kgl. Hofkunst- 
ertin. Eisen, obere Flammenspitzen und die Kugeln In geschmiedeter Bronze. 



BerÜtier Architekturwelt 



Kingangsthür am Hause Askanischer Tlau 3, 

Nach dem Bolwurfe von PAUL HEt4TSCHEI., Architekt in Berlin, 

ausgefahri von PAL'I. MARCUS, kßl. Ho fkunsl Schlosser in Berlin. 

Eichenholz mit Eisen und Messingslernen belegt. 

11); und der Entwurf .MSrchen- der Arcbiteklen EU- zum Aukau 
MhVClMANN in Bertin. Zum Ankauf wurden emprohlen 
der Entwurf .Auguslus- des Architekten AUG. ABBE- 
HufiBN in Bremen und der Eolwurf .Im Villenviertel' Q Die 1 

von Richard Waltkr und Hugo He<ver in Char- 
loiienburg. — Für den Neuiau einer Hcalvallaiisiall 
in Bretmn waren 80 EntwQrfe eingegangen. Den 
ersten Preis errang der Entwurf .Breinen" der Archi- 
tekten FF.Rt). KÜHLER, O. GRÜFFEL und PAUL 



Kranz in Charlottenburg, je einen 
zweiten Preis der Entwurf .Im Advent" 
der Arcbiteklen RICH. Bl ELEN BERG 
und Josef Moser in Berlin und der 
Entwurf .Tagenba reo" des Architekten 
Georg Petersen In Cbarlottenburg, 
je einen dritten Preis der Entwurf 
.Rose" von PAUL Mf.iSSNER in Darm- 
stadt und der Entwurf . Weih Dachte n" 
des Architekten JACOB SCHMEISSNEK 
in Nürnberg. Zum Ankauf wurde em- 
pfohlen der Entwurf ,1m Villensladtteil- 
der Architekten PAUL SPEER und 
MAX OSTERTAC in Berlin und der Ent- 
wurf .Mai' der Architekten ERNST 
Rang uud Arnold 5;ilbbhsdorf in 
Schöneberg, — /« dem Wellieweri 
„CoiUttter Volksbank- hat das Prei^. 
gericht den eisten Preis dem Entwurf 
.Gani nach Wunsch- dps Architekti-n 
FRIEDR. THELEMANN in Berlin, drn 
zweiten dem Entwurf .Zaster" der 
Architekten GUST. JANICKE und MAX 
FrANZKF- in Berlin-SchöncbiTg und 
den dritten Preis dem Entwurf .Stinn- 
al-end- des Architekten AUG. L.\rlllN- 
UEYER in Aachen zuerkannt. In 

dem Wettbewerb für dea Bau einer 
Kirch* und eines Pfarrkatises der 
Tkonter St. Georgengemeiade hat den 
ersten Preis der Entwurf .Wclrhsfl- 
königin- des Architekten E. JOISSEV 
in Düsseldorf, den zweiten Preis der 
Entwurf .Am stillen Herd lur Winter-;- 
zeit- des Architekten A. ScilNF.IliRKEir 
in DOsseldoif (!avongelraj;cn. — In 
dem Wettbetverbfür den Neubau eini-r 
höheren und erweiterten Mädelien- 
schule in Giessen erhielt <lfn cfsten 
Preis der Entwurf .Im besten l,ichf 
des Professors El'i.EN BluK in Karls- 
ruhe, den zweiten l'reis <l<.-r Kntwurf 



,Kaf 



ichf 



\rchilcklei 



('.\ 



Weber und Arthur Wekmc 
Leipzig und den dritten der ICn 
„Nordostklassc" des Architekten A. 
HENSCHEL in Hannover. Der En 
der Architekten FER[). KÖHLER 
PAUL Kranz in ('h; 
empfohlen. 



in 



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Q Die Preisbewerbung des Arckitthlenvereins in 
Berlin 3um Schinket/est ipoi hat für die linchbau- 
entjt'ürfe su einer Volksbililiolhek mit I.rschiilldi, 
Vortragssälen und Räumen für llandfertigkeilsunler- 
richt Ell folgendem Ergebnis Kfriihrl: Von den 16 
eingfgaiigenen Arbeiten ist der ICnlwurf „KhrenhoP' 



Berliner ArchüekHtrweit 



des RegieruDgsbaufahrers AUGUST ECKARUT in 
Sömmerda bei Erfurt der Staalspreis und die Ehren- 
gabe des Vertins, den Entwürfen „Deutsch 11" des 
RegierungsbaufQhrers RICHARD DAhne in Huhen- 
mölsen (Reg.-Bez. Halle a. d. S.) und „Nike" des 
ReEierungsbauführera BENNO KÜHN in Trier die 
Ehrengabe des Vereins zuerkannt worden. Das 
Königlich Technische Oberprüfungsamt hat ausser 
diesen drei Entwürfen noch diejenigen der Regierungs- 
bauführer Paul Krause in Berlin, Otto Paasch 
in Osterode i. Oslpr, GUSTAV OELSNER in Posen 
und Paul Mebes in Berlin als häusliche Probearbeii 
für die zweite Hauptprüfung angenommen. 



h Zur Erlangung von Bauplänen au einem vi 
dem Atice-Frauenverem für Krankettpflege au e. 
richtend tn Pflegerinnenkeim in Main» wird e 
Wettbewerb unter deutschen Architekten ausgeschrii 
ben. Es sind ausgesetzt ein erster Preis vou looo M 



ein zweiter von 600 M. und ein dritter von 400 M. 
Die Entwürfe sind spätestens bis zum 15. Mai 1901, 
abends 6 Uhr, bei dem Geschäftsfilhier des Vereins, 
Herrn Dr. K. G. BOCKENHEIUER , Landgerichts- 
direklor in Mainz, eiatureichen, von dem auch die 
Unterlagen fGr den Wettbewerb gegen Einsendung von 
I M. bezogen werden können. 

Zur Erlangung van Entwürfen für ein Sli/Is- 
geiiude neist Kücken- und Gärlnerhaus der Bliy 
Höllerhoff- Böcking- Stiftung in Honnef wird ein 
Preisausschreiben unter deutschen Architekten er- 
lassen. FUr die besten Lösungen der Aufgabe sind 
drei Preise von aooo, 1500 und 1000 Mark aus- 
gesetzt. Ausserdem bleibt vorbehalten, weitere Ent- 
würfe zu je 500 Mark anzukaufen. Das Preisrichttr- 
amt verwalten: der Rektor und Universitätsrichler 
der Universität Bonn, Pfarrer RÖHRIG in Honnef, 
Geb. Mediiinalrat Prof. Dr. KRITSCH in Bonn, Direktor 



W asser bebäller für eine Wasch Vorrichtung. Entworfen und ausgeföhrl von ALEX MÜLLER, Ciseleur in Berlin 



38 



Berliner Architektunveit 



PITSCHKL in Hohenhonncf, Kgl. Baurat SCUCLTZE, 
Stadtbaurat a. D. v. NüEL, Regie rungsbaumeister 
THOMA und Landesbauinspektor WEYLAND, sämt- 
lich in Bonn. Die Entwürfe sind bis zum i. Juli iqjc 
Mittags an das Sekretariat der Königl. Rheinischen 
Friedrich Wilhelms-Univcrsität in Bonn einzureichen, 
von der auch das Programm für den Wcttbewerl) un- 
entgeltlich bezogen werden kann. 



vorgeschriebenen einheitlichen Sammelkasten geführt. 
An jedem Apparat befindet sich eine Wasserstaub- 
brause, um das Mfill beim F.inwurf anzufeuchten und 
so eine staubfreie Abfuhr zu bewirken. 



oo Der unlängst erfolgte Tod des Architekten 
J. /^ Bentley bedeutet einen grossen Verlust für die 
englische Architektenschaft. Er lässt einen der 
bedeutendsten englischen Bauten der letzten Jahr- 
zehnte, die neue katholische Kathedrale in Wcst- 
niinster in London unvollendet — nur im Rohbau 
fertiggestellt — zurück. Der plötzliche Heimgang hat 
ihm die höchste Auszeichnung für Architekten in Eng- 
land, die goldene Medaille ffir Architektur, die ihm 
zugedacht war, entzogen. 



r • Die Bauten für die erste internationale Aus- 
stellung moderner dekorativer Kunst in Turin t^oa 
gehen ihrer Vollendung entgegen. Für die deutsche 
Abteilung ist der Architekt ALB. GODON in Turin 
als Bauführer installiert, um die Ausführung aller vom 
deutschen Central komitee getroffenen Anordnungen 
und vor allem die Vorbereitungen für den inneren 
Ausbau zu überwachen. Auch der künstlerische 
Leiter des Ganzen, Herr von BerLEPSCH-VALLENDAR 
aus München, befindet sich zur Zeit in Turin. Bezüg- 
lich der Gesamtanordnung unterliegt es keinem 
Zweifel, dass die deutsche Abteilung gegenüber denen 
der anderen Lander weitaus die günstigsten Chancen 
bietet. Der Bau ist unter Dach, zur Zeit wird mit 
den Verputz- und Stuckaturarbeiten begonnen. Der 
Vollendung am nächsten sind nach den Deutschen 
die Engländer, am weitesten zurück sind die 
Franzosen. Oesterreich errichtet rinen eigenen 
Pavillon. Die deutsche Gallerie ist der einzige Teil 
der An!age, wo thatsächlich die Verhältnisse der 
modernen Wohnung in Berücksichtigung gezogen 
sind. Man bringt daher dieser Abteilung allseitig das 
grosste Interesse entgegen. 



X Als eine sehr zweckmässige Einrichtung hat 
sich der Müllab/aliapparat System Maurer Sc Becker 
(D. R. P. No. 107986) bewährt. Der Apparat wird in 
jedem Stockwerk, am besten in der Küche unter dem 
Spülstein, angebracht und das Müll durch ein Thon- 
rohr von Stockwerk zu Stockwerk nach unten in eine 
gemeinsamen Grube oder in eine von den Städten 



A uf unsere Inserenten im Anzeigenteil 
^^ dieser Nummer machen wir hiermit 
ganz besonders aufmericsam. 



BAECHLBR & PAASCHS, Kunstschmiede, Gr.-Lichter- 

felde- Berlin. 
ALFRED BÜHLER, Leder-Möbelfabrik, Stuttgart. 

CELLER Filter- Werke, G. m. b. H., Celle i. H. 

CEMENTBAUGBSELLSCHAFT JOHANNES MUELLBR, 
MARX & Co., Berlin C. 

DeutschesLuxfer-Prismen Syndikat, G. m b. H., 

Berlin. 
DEUTSCHE STEININDUSTRIE- ACTIENGESELLSCH AKT 

Granit-, Syenit- u. Marmorwbrkb, Berlin NW. 

DITTMAR*S MÖBELFABRIK, Wohnungseinrichtungen, 

Berlin C. 
Dortmunder Mosaikfabrik RUD. LEISTNER, Dortmund. 
FABRIK KeiM'SCHER FARBEN, München. 
GÜNTHER WAGNER, KQnstlerfarbenfabrik, Hannover. 
LUDWIG GLENK, Papeterie ft Kunsthandl., Berlin NW. 
GOLDE & RAEBEL, Kunstschmiede, Berlin-Halensee. 

Gebrüder Hildebrandt, Tapeten, Berlin. 

HOFMANN & Co. (Beleuchtungskörper), Berlin W. 
Ernst JAECKEL, Bildhauer, Wilmersdorf. 
Keller & Reiner, Wohnungseinrichtungen, BerlinW. 
LION KiBSSLING, Wohnungseinrichtungen, Berlin SO. 
JOHANNES KOCH & CO., Flur- u. Wandplatten, Barmen. 
MAX KrAY & Co, Kunstgew. Werkstätte, Berlin S. 
FERD. Paul Krüger, Kunstschmiede, Berlin SW.* 
HEINRICH KUNITZ, Ornamenten-Fabrik, Berlin SO. 
3. A. LOEVV, Bronze-, Messing- und Flmailwaaren- 

Fabrik, Berlin. 
METHLING & GLEICHAUF, Kunstschmiede, Cbarlotten- 

burg. 
FERD. Müller, Hofl , Glasmalerei, Quedlinburg. 
JOHANN OdORICO, Werkstatt f. Glasmosaik, Berlin SW. 
PLASTISCHE MALEREI G. m. b. H., Innendekoration, 

Berlin SW. 
Ed. Puls, Kunstschmiedearbeiten, Berlin-Tempelhof. 
QUANTMEYBR & EiCKE, Hansa- Linoleum, Berlin W. 
G.RADUE(Thürschliesser,Haustelegraphen),BerlinSW. 
RIETSCHEL & HENNBBERG, Centralhei£ungen und 

Ventilations-Anlagen, Berlin. 
J. F Schmidt, Hoftöpfer, Weimar. 
FRANZ Spengler, Fabrik rar Baubedarf, Berlin SW. 
HERMANN THOR WEST, Installationsgeschäft, Berlin SW. 
Otto Vittali, Atelier für Glasmalerei, Berlin W. 
VAL. W.\AS, Maschinenfabrik, Geisenheim a. Rh. 
CiEORG WESTPHAL, Glaserei, Berlin SW. 
JULIUS ZWIENER, Kunsttischlerei, Berlin SW. 



VeraDtwortlich für die Schriftleitung : Dr. Adolf BriInino, Berlin. — Verla|r von Ernst Washuth, Berlin W., Markifrafenstr. 35. 
Gedruckt bei Julius Sittbnfbld, Berlin W., Maaerttraste 43. 44. — Clich^s von Carl Scsüttb, Berlin W. 



Johann Eduard Jacobsthal. 



Ein Gedenkblatt. 



Johann Eduard Jacobsthal. 

Der erste Tag dieses Jahres hat der 
deutschen Architekten weh einen 
Meister entrissen, der zwar nicht 
wie ein leuchtendes Meteor am Kunst- 
Himmel gestrahh hat, aber der wie eine 
grosse, reine und stille Flamme auf hohem 
Altar Licht, Wärme und Leben allen ge- 
spendet hat, die ihr nahegekommen. Eine 
abgerundete Kunstlerpersönlichkeit, ein un- 
vergleichlicher Lehrer und ein herrlicher 
Mensch, ach, viel zu wenigen in seiner 
Grösse und Reinheit, seinem Edelmut und 
seiner Anspruchslosigkeit bekannt geworden, 
ist in Johann Ediiard Jacobsthal dahin- 
gegangen. 



Gerade seine liebenswertesten mensch- 
lichen Eigenschaften haben verhindert, dass 
er in der Oeffentlichkeit die Rolle gespielt 
hat, die seinen künstlerischen Fähigkeiten 
zukam. Er war nicht geboren, in einer 
Zeit hastigen, rücksichtslosen Wettbewerbes 
mitzumachen, oder auch nur sich zur 
Geltung zu bringen. Er kannte immer nur 
die Sache, der er diente, und war selbst 
dieser gegenüber ein schier übersorglicher 
Kritiker, ob denn nun auch sein Standpunkt 
zu ihr ein berechtigter sei, ja, ob denn 
auch die Sache selbst eine berechtigte 
Stelle innerhalb der menschlichen Ent- 
wickelung habe? Es ist darum auch nicht 
ganz abzuweisen : selbst seine künstlerische 
Produktivität hat unter diesen edelsten 
Eigenschaften, diesem Mangel an Welt- 
läufigkeit und Selbstüberzeugtheit , unter 
dieser stets wachsamen, aus weitestblik- 
kendem Gerechtigkeitsgefühl und unbe- 
stechlichstem Wahrheitsdrang hervor- 
gehenden Selbstkritik, unter seinem Stre- 
ben, aller Einseitigkeit fern zu bleiben, 
manchmal gelitten. Der Wagemut des 
Genies, dessen naive Sorglosigkeit gegen 
alle in der Aufgabe liegenden Schwierig- 
keiten, der impulsive AufFlug einer mäch- 
tigen, grosszügigen Phantasie: sie wurden 
in Fesseln gehalten von einer Weltanschau- 
ung, die, allzu weitblickend, überall die Be- 
dingtheit des eigenen Ichs und die Ab- 
hängigkeit aller Dinge von einander ersah. 
Hierin Hegt unzweifelhaft eine gewisse 
Tragik, die tiefe Tragik des durch die 
Entwickelungslehre aus seinem Weltmittel- 
punkte gestürzten Menschengeistes, an der 
wir alle, sofern wir überhaupt zu einem 
modernen Weltbilde zu gelangen streben, 
kaum vorüberkommen; derKonflikt zwischen 
der Unzulänglichkeit der Vernunft gegen- 
über der Genialität und andererseits der 



40 



Berliner Architekturwelt 



Vernunft als einziger Vermittlerin all unserer 
Erkenntnisse, ein Konflikt also zwischen 
Schaffenskraft und kritischem Bewusstsein, 
der nicht nur in einer zufälligen Bean- 
lagung , sondern in der ganzen modernen ■ 
Weltanschauung Hegt. Und darum ist es 
auch nicht pietätlos, davon an dieser Stelle 
zu sprechen. Um so weniger, als Jacobthal 
dieser Tragik sich bewusst war, sie als ein 
Held auf sich nahm und trotz ihrer alles 
zu zeitigen strebte, was in seinem reichen 
Geiste verborgen lag. Ohne Rücksicht 
auf Welt und Zeit und deren Anerken- 
nung, sondern aus lauterster Schaffens- und 
Erkenntnisfreude. 

Und wenn die Gegenwart ihm volle An- 
erkennung, trotz aller offiziellen Ehrungen, 
doch eigentlich immer schuldig geblieben 
ist: der Zukunft wird er lebendig sein 
als ein Pfadfinder, der für die Ent- 
wickelung der Architektur im eigentlichsten 
Sinne mehr bedeutet, als manche berühmt 
gewordenen Meister unserer Zeit, die ge- 
waltigere Bauwerke mit gewaltigen Mitteln 
errichten durften und doch lediglich vom 
Erbe der Vorfahren zehrten. Sie haben 
nur das Gewand der Baukunst geändert und 
zugestutzt; ihr Wesen zu erkennen, aus ihm 
heraus folgerichtig Neues zu schaffen, 
das war Jacobsthals erfolgreiches Mühen 
in Lehren und Schaffen. — 

Der äussere Verlauf seines Lebens ist 
ohne grosse Ereignisse. Zu Stargard in 
Westpreussen am 17. September 1839 ge- 
boren, empfing er seine Schulbildung am 
Gymnasium zu Danzig und bezog nach 
einem Bauelevenjahr in Neustadt (W. Pr.) 
bereits Oktober 1857 die Berliner Bau- 
akademie. Er hat die Hauptstadt dann 
nur noch während seiner Bauführerthätig- 
keit auf längere Zeit verlassen, wo er die 
katholische Kirche in Wielkalonka nach 
Stülers Entwurf zur Ausführung brachte. 
Aus dieser Thätigkeit entwickelten sich 
verschiedene Beziehungen, die zu einer 
Reihe kleinerer Bauaufträge in dortiger 
Gegend führten. Die s. Z. im „Architek- 
tonischen Skizzenbuch" veröffentlichten Ent- 



würfe zu Grabkapellen in Waplitz, Bahren- 
dorf, die Friedhofanlagen in Dombrowka, 
Mgowo, Wielkalaka und die Mariensäule 
bei Trzebscz verraten bereits den fertigen 
Meister, der mit geringsten Mitteln durch 
Eigenart und reizvolle Gesammtanlage zu 
wirken weiss. 

Diese Fähigkeit, dazu die Klarheit seiner 
Anschauungen, vor allem aber sein geradezu 
phänomenales Zeichentalent hatten seit 
seiner Studienzeit bereits die Aufmerksam- 
keit seiner Lehrer, namentlich Friedrich 
Adlers, auf ihn gezogen, so dass er gleich 
nach seiner Ernennung zum Baumeister bei 
der ursprünglich privaten Gründung des 
Kunstgewerbemuseums zum Hilfslehrer für 
Omamentzeichnen berufen wurde. Aus 
dem Bedürfnis, für diese Lehranstalt ge- 
eignetes Vorlagenmaterial zu schaffen, ging 
der Anstoss zu dem s. Z. bahnbrechenden 
Werke, der „Grammatik der Ornamente" 
hervor, das nach wenigen Jahren erschien 
und Jacobsthals Methodik, seine auf 
BÖTTICHER fussende, aber von dessen Ein- 
seitigkeit freie architektur- ästhetische Auf- 
fassung und sein Darstellungsvermögen ins 
hellste Licht setzte. 

Bald wurde er denn auch, neben seiner 
amtlichen Thätigkeit (zunächst bei der Stadt- 
bauverwaltung, dann bei der Ministerial- 
Baukommission und 187 1 — 1872 beim Bau 
der Siegessäule) zum Unterricht an der Bau- 
akademie zugezogen und dort 1873 nach 
dem Austritt Karl Böttichers als dessen 
Nachfolger fest angestellt. Zunächst war 
er noch als Landbaumeister im Ministerium 
thätig und entwickelte auch hier eine ziem- 
lich umfangreiche Thätigkeit im Entwerfen, 
namentlich von Gerichtsgebäutien, die er 
übrigens vielfach später nicht mehr gern 
als seine Werke anerkannte, da sie, von 
anderer Hand „auf dem Dienstwege" aus- 
geführt, nur wenig von seinem Wesen er- 
kennen Hessen. 

Nachdem er aber auch noch an der Ge- 
werbe-Akademie als Professor angestellt, 
schied er offiziell aus dem Staatsbaudienste 
aus, erhielt aber nun als „Privatarchitekt" 



Berliner Architekturwelt 



4' 



eine Reihe von staatlichen Aufträgen, die 
von der Schätzung deutliche Kunde gaben, 
die man in leitenden Kreisen seinen Fähig- 
keiten zollte. Ausser den Bankgebäuden 
in Breslau, Hannover, Kassel und Posen 
sind es namentlich zahlreiche Bahnhofs- 
anlagen in den Reichslanden, vor allem die 
Empfangsgebäude in Metz und Strassburg. 

Es war nicht blosser Zufall, dass der 
Meister sich gerade auf das Gebiet des 
Bahnhofsbaues verwiesen sah. Hier, wo 
der Pulsschlag der Gegenwart am deut- 
lichsten sprach, wo urmoderne Bedürfnisse 
eine Verschmelzung von Stein- und Eisen- 
bau forderten, war ein Meister am Platze, 
dem architektonisches Schaffen ein Ideali- 
sieren der Bedürfnisse, ein Zurlösungbringen 
aller eigentlich tektonischen Fragen war. 
Und wenn mancherlei Verhältnisse einen 
grossen monumentalen Wurf jener Anlagen 
verhindert haben: zahllose Feinheiten ent- 
schädigen dafür» Viele öffentliche Probleme 
des Innenausbaues sind hier zu modernster 
Lösung gebracht, z. B. die künstlerische 
Bewältigung einer Wellblechdecke, einer 
Reihe von Kappen zwischea Trägern, einer 
Verbindung von Brettdecke mit Trägern 
und endlich die Gestaltung der Hallen- 
abschlüsse, -Stützen u. s. w., Lösungen 
freilich, die unter dem jetzigen Hang zu 
dekorativer Spielerei noch nicht voll als 
wesentliche Aufgaben baulichen Gestaltens, 
dls Staffeln zu einer, unseren modernen 
Konstruktionsweisen entsprechenden neuen 
Stilbildung gewürdigt worden sind. 

Wesentlicher noch sind diese Verdienste 
bei Jacobsthals Arbeiten für die Berliner 
Stadtbahn. Von seiner Hand stammt nicht 
nur die künstlerische „Rettung** zahlreicher 
Unterführungen, sondern auch der Entwurf 
zu den Bahnhöfen „Bellevue** und „Alexan- 
derplatz*, deren stilistisches Gepräge, so 
weit es nicht bei der Ausführung durch 
rücksichtslose Abstriche aus Ersparnis- 
gründen geschädigt wurde, bei vollster 
Durchdringung aller Einzelheiten mit tek- 
tonischem Feingefühl, ein so ganz persön- 
liches, so völlig von irgend einer geschicht- 



lichen Stilfassung unabhängiges ist, dass 
nur die Ueberwindung aller Schwierigkeiten 
bis zur Selbstverständlichkeit und der in 
der Aufgabe liegende Mangel an eigent- 
licher Monumentalität verhindert hat, na- 
mentlich den Bahnhof Alexanderplatz all- 
gemein unter die allerbedeutendsten moder- 
nen Bauten zu zählen. 

Ist auch inzwischen der Versuch, eine 
Eisenhalle durch Verkleidung mit anderem, 
leichter ästhetisch zu bewältigenden Metall 
architektonisch durchzubilden, vielleicht für 
immer, aufgegeben: alle Lösungen, die seit- 
dem^ jetzt z. B. bei der neuen Hochbahn, 
mit Glück angestrebt worden sind, stehen 
doch, zuweilen unbewusst vielleicht, auf 
Jacobsthals Schultern. 

Die gleiche individuelle Auffassung atmen 
seine Entwürfe zu den Brückenthoren für 
Dirschau und Marienburg, in denen er 
ebenso wie bei den Bahnsteiggebäuden auf 
dem Centralbahnhof in Köln einem seiner 
Lieblingsprobleme, einer ornamentalen Stei- 
gerung der Ziegelmusterung imter dem 
Einfluss orientalischer Motive nachging. 

Wenn in Vorstehendem jACOBSTHALs 
künstlerische Thätigkeit auch nur mit 
flüchtigsten Strichen umrissen ist, so er- 
giebt sich doch wenigstens so viel, dass 
der Meister keineswegs, wie fast immer 
noch geschieht, lediglich als „Böttiche- 
rianer* hingestellt werden kann. »Tek- 
tone" war er, gewiss, d. h. ein Architekt, 
der aus dem Wesen eines Bauwerkes her- 
aus dessen Form zu entwickeln trachtete, 
Tektone, wie Semper in seinem Stil, wie 
der von ihm höchstgeschätzte VlOLLET-LE- 
Duc, wie es aber auch z. B. Otto Wagner 
in Wien ist und — wie es jeder Architekt 
sein wird, der die eigentliche Entwickelung 
der Baukunst weiterführt. Ging Jacobs- 
THAL aus der sog. Berliner Schule hervor, 
so hat er doch deren Ausdrucksweise freier 
als irgend ein anderer zu seiner eigenen 
umgestaltet und so diese Schule eigentlich 
als letzter vollendet und aufgelöst zur Frei- 
heit. Dass er im wesentlichen die Hand- 
schrift der „hellenischen Renaissance" 



42 



Berliner Archüekturwelt 



schrieb, in ihr auch mittelalterliche Motive 
wiedergab: es war eben seine Handschrift, 
und so ist diese Umgestaltung eben be- 
wusste, ja einzig berechtigte künstlerische 
That. Sein Auge stand jeder Kunstrichtung 
offen, nur nicht der unlogischen, phrasen- 
haften; ohne Bedenken stellte er neben die 
Antike z. B. die orientalische Kunst, die 
ihn, den unfehlbaren Meister der farbigen 
Wirkungen, eben wegen ihrer Farbenvoll- 
endung, ganz besonders anzog, wovon ja 
auch seine glänzend geschriebenen, mit 
geradezu unglaublicher Eindringlichkeit vor- 
bereiteten Veröflfentlichungen (vergl. S. 412 
in Heft 11 dieses Jahrganges) Zeugnis ab- 
legen, deren weitaus schauende Fortsetzung 
leider durch sein Hinscheiden abgebrochen 
wurde. 

Vor allem aber blieb ihm Lehrmeisterin 
die Natur. Er hat den Anstoss gegeben 
zum eindringlichen Studium der Pflanzen, 
denen er einen liebevollen Schönheitskult 
weihte; Meurers treflFliches Wirken steht 
ganz auf seinen Schultern, und selbst die 
„Modernsten", deren künstlicher Primitivis- 
mus ihm allerdings zuwider war, sind ihm 
hier Dank schuldig. 

Aus solcher Anschauung nun lehrte er 
auch. Es war gerade das, was überhaupt 
in der Kunst lehrbar ist: die logische Ent- 
wickelung der Kunstform ; daneben die vor- 
bildliche Anweisung durch seinen unfehl- 
baren Stift und Pinsel. Fern aller Ein- 
seitigkeit, aber so zu sagen rückgratbildend 
für spätere selbständige Schöpfungen. 

Er war kein Lehrer der Menge. Mit 
Recht erblickte er in dem Massenbetrieb 
der Berliner Hochschule ein vielleicht not- 
wendiges, aber furchtbares Uebel. Gegen 
die Menge der ewig Mitzuschleppenden 
wusste er sich durch eine oft missverstan- 
dene, aber vom Standpunkt des Originalr 
menschen geradezu entzückende Rücksichts- 
losigkeit des Urteils zu schützen. Aber wo 



er nur den geringsten Widerhall fand, da 
wusste er in feinster Individualisirung vor- 
wärts zu weisen, anzuregen und zu fördern. 
Auch hier blieb er ein Todfeind jeder 
Phrase, verhehlte er nicht einen Augenblick 
seine Meinung. Aber mit ebensolcher Sach- 
lichkeit ertrug er auch jeden Widerspruch,- 
ja, dieser war es besonders oft, der ihm die 
Zunge löste, dass er in angeregtester und 
und dabei geradezu väterlicher Weise den 
reichen Schatz seiner Erfahrungen und Ge- 
danken austeilte. Da eröffnete er Gesichts- 
kreise von einer Weite und einer Un Vor- 
eingenommenheit, die zum köstlichsten 
Wissensbestande des Schülers, weit über 
den Unterrichtsgegenstand hinaus, wurden. 
Da traten alle jene Eigenschaften hervor, 
die nur der wahrhaft grosse Mensch in sich 
vereint : eine herrliche, geradezu im besten 
Sinne kindliche Ehrlichkeit und Harmlosig- 
keit, eine nur aus jener und seinem grenzen- 
losen Wahrheitstriebe erklärbare Unbefan- 
genheit im Urteil über Freund und Feind, 
eine schamhaft verschleierte Begeisterung, 
ein staunenswert ausgebreitetes Wissen, 
namentlich z. B. auf naturwissenschaftlichem 
Gebiete, eine Behaglichkeit voll latenten 
Humors nnd vor allem unendliche Gross- 
mut und Güte. 

Er hat keinen Schüler gehabt, der nicht 
sein Freund und sein Bewunderer geworden 
wäre; und was er für jeden Rat- oder Hilfe- 
bedürfenden gethan hat, lebenslang, oft 
unter persönlichen Opfern, stets unter Ab- 
lehnung jeden Dankes, ist gar nicht aufzu- 
zählen. 

Allzu früh hat ihn der Tod dahin ge- 
nommen, und doch als Erlöser von langen, 
zuletzt furchtbaren Leiden. Aber sein An- 
denken wird dauern als das eines wahrhaft 
Erlösten, „der immer strebend sich bemüht", 
eines echten Künstlers, eines unvergleich- 
lichen Lehrers, eines edelsten Menschen 
mit kindlich reiner Seele. 

Hans Schliepmann. 



Berliner Architekturwell 
Abbildung 6z. 



Wohnhaus Bellevuestrasse 13. Architekten : Crbmer & Wolffenstein in Berlin. 



Berliner Archüekturwelt 
AbbilduDf 6]. 



Diele im Wohnhaus Bellevuestrasse 13. 
Architekteo: Cremek & Wolfkensiein in Berlin. 



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Berliner Architekturwelt 



Zu unseren Bildern. 



• Nachlese zu dem im vori- 
gen Hefte dieser Zeitschrift 
gebrachten Bericht über die 
prämiierten Entwürfe des Ideenwett- 
bewerbs: „UmgestaltungdesLandes- 
Ausstellungsgebäudes in Berlin" 
bringen wir heute noch eine An- 
zahl nicht prämiierter Entwürfe, die 
wegen der in ihnen niedergelegten 
Ideen der Beachtung der Fach- 
genossen wert sind. Es sind dies 
die Entwürfe der Autoren: HART- 
MANN - Grunewald, MÖHRING- Berlin, 
und die Entwürfe mit den Kenn- 
worten gCentralraum" und „Ars 
longa vita brevis" (Abb. 71 — 78). 
Unserm Versprechen gemäss 
lassen wir zu unserem früheren Ar- 
tikel über das Hamburger Bismarck- 
Denkmal nunmehr einzelne Entwürfe 
folgen. Das heutige Heft giebt 
den mächtigen und kraftvollen Ent- 
wurf des Professors BRUNO SCHMITZ- 




Grundrisse zu den Abbildungen 63 und 63. 



1. Einfahrt 

2. Hauptg^ebäude 

3. Wirtschaftsgebäude 

4. Terrasse 

5. Gärtner 

6. Gemösegarlen 

7. Pavillon 

8. Pferdestall 

9. Kutscher 



SituatloQsplan zur Farbentafel. 
Architekt: HBRH. . 



Berliner Architeklurwelt 



Berliner Architekturwelt 



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21 



r^ ^^3 



Abbildung 71—73. Wettbewerb für die Umgestaltung des LandesausstelluDgsgebäudes 
in Berlin. Architekt: Bruno MÖHRlNG in Berlin. 



Berliner Architekturwelt 

Abbildung 7?,. 




Abbildung 73^74- Wettbewerb fiir die Umgestaltung des Landesausstellungsgebäudes 
in Berlin. Kennwort: ^Centralraum*. 



Charlotten bürg, der in dem Hamburger 
Wettbewerb bekanntlich einen III. Preis 
erhielt. 

Der Entwurf scbliesst sich ebenbürtig 
den allbekannten Schmitzschen Kaiserdenk- 
mälern an. Inmitten eines den alten Opfer- 
stätten nachgebildeten Geheges erhebt sich 
der durchaus originell und selbständig ge- 



staltete Denkmalstein, an der Vorderseite 
die Gestalt unseres Nationalheros als Schild- 
träger des Reiches zeigend. 

Von Cremer & Wolffenstein entwor- 
fen und im Jahre 1901 ausgeführt ist das 
in den Abbildungen 62 bis 65 dargestellte 
Wohnhaus Bellevuestrasse 13 in Berlin. 
Die Vorderfront ist, wie auch bei anderen 



Berliner Archilektunoelt 
Abbildung 75. 



Wettbewerb für die Umgestaltung des Landesausstellungsgebäudes in Berlin. 
Architekt; A. Hartman« in Grunewald. 




Grundriss zur Abbildung 75. 



Berliner ArchileklurweÜ 




H "o ^ 



Berliner Architekturwelt 
Abbn<luii£ 79. 



Wohnhaus Kniprodesirasse, Kcke Hardelebenstrasse. 
Architekten: Baumeister KlRi Ukhsdt in Kedin und A. !■'. M. I.a.m.k in Berlin. 



Berliner Architekturweii 

Ahhilduni; So. 



Wohnhaus Schlüterstrasse 31 in Charlottenburg. Architekten: Hart & LeSSER in Berlin. 

AbbilduD^''»!. Abbildung 82. 




Grundrisse zur Abbildung So. Architekt: Gustav Paulsen in Berlin. 



Berliner Arckitektur^vell 

AbliilduDfE %^,. 



Geschäftshaus Ullstein, Kochstrasse 23-24. 
Architekten; HART iS: Lfsskr m Berlin. 



Berliner ArchiicktiirwcU 



55 



Bauten derselben Architekten, in Anleh- 
nung an die wStilformen französischer 
vSchlösser aus der Renaissancezeit aufgebaut, 
während die kapriziöse Ornamentik stark 
ins Moderne spielt. Als Baumaterial ist 



Abbildung 84. 



Erdgeschoss. 




wärtige Grundriss - Anordnung resultiert. 
Gleichzeitig war eine Stallanlage auf dem 
Grundstücke vorzusehen. Die Gesamtkosten 
der ganzen Bauanlage belaufen sich auf 
250000 M. Unsere Abbildung 63 zeigt die 



Abbildung 85, 



Obergeschoss. 




AbhlMung ^4 ufld 85 Grundrisse zur Abbildung 83. Architekten; HART & LESSER In Berlin. 



Warthauer Sandstein von WiMMRL & Comp. 
in Berlin verwendet. Die Bildhauerarbeiten 
stammen von WESTPFAHL-Berlin. 

Das Grundstück ist von beiden Seiten 
auf eine grosse Tiefe durch Nachbargrund- 
stücke eingeschlossen, woraus die gegen- ^ 

B. A.W. V. 2. 



Ausbildung und Ausstattung eines Innen- 
raumes desselben Bauwerkes, nämlich der 
Diele, welche nach dem Entwürfe der ge- 
nannten Architekten von der Firma Flatow 
& Prirmrr in Eichenholz ausgeführt ist. 
Ebenfalls von Crrmer & WOLFFRNSTEIN 

8 



Berliner Arckitekturwclt 

Alibiklunf; S6. 



»ekrönunE «les Miltelfensters im II. Stock. 
-88 Details vom Geschäftshaus Ullstein. Architekten: Hart & LeSSER in Berlin. 
Bildhauerr TnihXK & Tscni\Ki;i, in Berlin. 



Berliner Arckilekturraelt 
Abbildung 89. 



Bekrönung eines Nebeoportals. 
Abbildung <)0. 



Fensterumiahmung^ Im IV. Slock. 

Abb. 89 — 90. Details im Geschäftshaus Ullstein. Architekten: Hart & Lksser in Berlin. 

Bildhauer: ThiKLE S: TSCHINKKI, in Berlin. 



Berliner Architekturwelt 
Abbildung 91. 




Unteransicht des Treppen lauf es. 



Stammt aucli der in der Abbildung 67 dar- 
gestellte Kuppelbau der Berliner Huclibahn, 
der auf dem NoUendorfplatze an der Stelle, 
wo die Berliner Hochbahn in die Char- 
lottenburger Untergrundbahn übergeführt 
wird, errichtet worden ist. Diese Ueber- 
führuDg wird durch den Kuppelbau, der 
gleichzeitig die Haltestelle bezw. den Bahn- 
hof Nollendorfplatz in sich aufnimmt, be- 
deutsam hervorgehüben. An der Ausfüh- 
rung waren beteiligt; die Steinmetztirma 
Schilling- Berlin, Bildhauer Westpfahl- 
Berlin, Klempnermeister STEiN-Berlin; die 
Kuppelkonstruktion ist berechnet von dem 
Ingenieur SCHUMACHER. 

Einen interessanten Beitrag zur Lösung 
der modernen Wohnhausfrage bietet die 
im Auftrage des Stadtverordneten H. von 
den Architekten Breslauer & Salikger 
in Berlin entworfene und im Jahre igor aus- 
geführte Wohnhausgruppe in der Prinzen- 
Allee, Berlin N. (Abb. 68—70). Maass- 
gebend für die Grundrissanordnung war der 
Gedanke, nicht eine grosse Mietskaserne zu 
schaffen, sondern Gruppen von Häusern, 
welche einzeln verkäuflich sein sollten. Ver- 
langt war in jedem Stockwerk der einzelnen 
Häuser nur eine Wohnung mit je zwei 
Zimmern, Küche, Speisekammer und Klosett. 
Zu jeder Wohnung gehört Keller und Boden- 



Mi itelpfeilet Im obersten Stockwerk. 
Abb. 91 — 92 Details vom Geschäftshaus Ullstein. 

Archilektenr HAKT & LiiSSER in Berlin 
Bildhauer: THIKLr. & TSCHINKEL In Berlin. 



Berliner Arcküekturwelt 



59 



frei bleibende Teil wurde als 
Garten ausgebildet. Jede Woh- 
nung hat Gas- und Wasserleitung 
sowie ein freistehendes Klosett 
mit Reservoirspülung erhalten. 

Das Innere der Häuser ist dem 
Aeusseren entsprechend in ein- 
facher Weise durchgeführt ; die 
Decken, glatt ohne Stuck, mit 
geputzten Vouten, sind weiss 
gestrichen, die Wände mit hel- 
len, freundlichen Tapeten be- 
kleidet , das Holzwerk der 
Thüren und Treppenhäuser in 
warmen leuchtenden Farben 
gehalten. 

Einzelne Fenster bezw. Frker 
haben Blumenkästen mit bunter 
Bemalung, die Erkerfenster 
ausserdem blanke Scheiben in 
Bleifassung erhalten. 

Die Baukosten stellten sich 
einschliesslich ümwehrung und 
Gartenanlagen auf 19 M. für das 
Kubikmeter umbauten Raumes. 

V(m denselben Architekten 



Statue eines Brunoens in Dortmund. 
Von G. JANBNSCH, Bildhauer In Berlin. 



gelass. Bei diesem Raumbedürfnis Hessen sich acht 
selbständige Wohngebäude ausfuhren, wobei aller- 
dings beinahe 50°/^ der Baustelle bebaut wurden. Der 



Von AUG. GAl'[., Biidhai 
In Wllmersdort 



Beriiner Archilekturwelt 



sind in dem vorliegenden Hefte 
wiederum zwei interessante Gebäude 
abgebildet, ausgeführt in dem von 
diesen Autoren virtuos geübten Ba- 
rock. Hs ist zunächst das Eckhaus 
Sfhlütcrstrassc •\\ zu Berlin, lier 



HildnisbOsle. Von K FE^I.DBRHOPP, Bildhauer in Rertin. 

rühren auch die in den Abbildungen 104—106 
wiedergegebenen Ausstattungsstücke für den 
Damensalon des Berliner Savoy-Hotels her, Thüren 
und Spiegel sind ausgeführt in Eichenholz mit 
V^ergoldung und Metallzierrat und wurden ange- 
fertigt von dem Tischlermeister JAROTZKI-Berlin, 

Die Abbildung 79 giebt die Fassaden des 
Hauses Ecke Kniprode- und Bardelebenstrasse 
zu Berlin wieder. Die Nähe des Friedrichshain 
veranlasste eine möglichst malerische und farbige 
Gestaltung der Passaden. Dieselben sind in glat- 
tem Kalkmörtelputz mit teilweiser Verblendung 
in roten Ziegeln und mit dekorativen Malereien 
in Keim'schen Mineralfarben ausgeführt. Die Ar- 
chitektur ist entworfen und detailliert von A. F. M. 
Lange -Berlin. 

Von den Architekten Hart & Lk.sskk, von Wandbtunnen 

denen wir schon öfter Bauten veröffentlicht haben, Von H. HioniNr,, Biidbau 



Berlmcr Aychitektitnveh 61 

Grundriss zeigt die in Berlin im allgenieintn Ullstein soll sowohl dem Zwecke einer 
übliche Eck-Grundstück-I.cisun};. Wesent- Druckcrti. als auch dem eines Zeitungs- 



AbendslimmunE. 
OriKinalrailiorung von HANNS ,\NKRR. Malet in Llchlerfelde. 

lieh interessanter in seiner ganzen Anlage \'erlages dienen. Die (irundrissanordnung 
ist der zweite Hau, das Haus L'llstein, Koch- ist infolgedessen -so getroffen, dass in dem 
Strasse 23-24 zu Herlin. Das Geschäftshaus an der Strasse liegenden Vorderhause die 



Beriiiier Anlntekliinveli 
Abbildung 99. 



Hfiniliche Liebe. Von Hanns Ankkr, Maler in Lichterfelde. 



Berliner Archüekturwelt 

Abbildung 9H. 



Akt. Von Ha.nnS Axker, Maler in Lichterfeldc. 



Berliner ArckUekturwell 



KüsluDg. Studie 



) Hanns Anker, Maler io Lichterfelde. 



Hureau - Räumlichkeiten sowohl für die 
Druckerei als auch für verschiedene Re- 
daktionen untergebracht sind und die 
Druckerei selbst in dem sich anschliessenden 
Hofgebäude. Die Bureaux der oberen 
Stockwerke sind dabei durch Korridore 
unmittelbar mit der Druckerei verbunden. 
Das Druckereigebäude ist so angeordnet, 
dass es vollständig frei liegt und auf 
keiner Seite an Nach bar grundstücke an- 



stösst, damit eine Schallüber- 
iragung der starkes Geräusch ver- 
ursachenden Kotalionsmaschinen 
auf die Nachbargrundstücke aus- 
geschlossen ist. Zu den Verwal- 
tung«-, Redaktions- und den für 
den Verkehr mit dem Publikum 
bestimmten Räumen gelangt man 
durch das Mittelportal, welches 
auf ein monumental ausgeführtes 
Vestibül führt. In diesem Vestibül 
sind Schalter für den Verkehr mit 
dem Publikum, für die Annoncen- 
Annahme und Auskunftserteilun- 
gen angeordnet. Von hier aus 
führt die Haupttreppe zum ersten 
Stockwerk ; nach den oberen 
Stockwerken führen dann beson- 
dere Treppen. Während das 
Mittel portal und das Vestibül 
mit dem Treppenhaus nur für 
das Publikums bestimmt sind, 
ist an der linken Nachbar- 
grenze noch ein zweiter Durch- 
gang für sämtliche Angestellte 
angeordnet, in dem zugleich die 
Kontrolle über Zu- und Abgang 
geübt wird. Die Bauanlage hat 
ihre eigene Kraftstation. 

Damit der Druckereibetrieb 
nicht gestört wurde, musste in 
zwei Bauabschnitten gebaut wer- 
den (unsere Abbildung teigt auch 
nur den ersten Bauteil). Bei 
beiden Bauperioden wurde das 
Vorderhaus nur umgebaut, wo- 
bei allerdings die Fassade von 
Grund auf neu hergestellt wurde. 
Letztere ist in Cotta'er Sandstein in kräf- 
tiger Architektur mit reicher Omamen- 
tierung, die sich auf Buchdruckerei und 
Zeitungsredaktion bezieht, aufgeführt. Das 
Dach hat rote Falzziegel. In den Abbil- 
dungen 86 bis 92 geben wir eine Anzahl 
Details der ßildhauerarbeiten. 

Von den vier dargestellten plastischen 
Arbeiten bedarf nur der Bläser von Pro- 
fessor G. Janp.nsch einer besonderen Er- 



Berliner Archiiekturwelt 
Abbildung lot. 



'Uli fQr das Gewölbe einer Loggia ia der Villa Lewin in G5iiinf;eii. 
Von MARNO Kellner, Dekoiationsnialer in Chailottenburg. 



läuterung. Derselbe schmückt, in Sandstein 
ausgeführt, den Buchholz- Brunnen in Dort- 
mund, der auf einem zurückspringenden 
Teile des Marktplatzes neben dem vom 
Stadtbaurat KULL1*ICH restaurirerten alten 
Rathause steht. Von KöLLRlCH stammt 
auch die Architektur des Brunnens. 

Als Nachtrag 211 unseren früheren Ab- 
bildungen der von Professor CHRISTOPH 
HEHL-Berlin erbauten Rosenkranz- Kirche in 
Steglitz bringen wir heute zwei Details von 
Holzschnitzarbeiten und zwar in der Ab- 
bildung 103 die Koramunionbank und in 
der Abbildung 102 einen Beichtstuhl. Die 
HntwÜrfe zu diesen beiden Ausstattungs- 



stücken rühren ebenfalls von Professor 
Hehl her. Die Ausführung erfolgte in 
Eichenholz durch den Kunsttischler und 
Bildhauer Anton Becker in Wiedenbrück 
(Westfalen). 

Einen interessanten Durchblick gewährt 
die in der Abbildung 10; wiedergegebene 
Ausstattung des Ladenraumes der Firma 
Max Schulz & Co,, Berlin, Wilhelmstr. 53. 
Der Kaum ist nicht nur durch seine An- 
ordnung an sich, sondern auch durch seine 
farbige Wirkung sehr bemerkenswert. 
Tiefblau gebeiztes Elseoholz mit farbigen 
englischen Fliesen, prächtige Perser- 
teppiche, leichte Bronzegitter, reiche Kunst- 



Berliner Archiicktnnvell 
Abbildung i<i;. 



Keirbtsliihl in iler Koscnkranzkirche in Steglitz. 

Ar<.hi«.'kl: <_HK. HEHL in Charliiltenburg. Ausführung ANTUN l(i:( KI;K, 

Kun-diüchlcr uml Bildhauer in Wiedenbriick i. W. 

vergiasungeii und vielthrbige Stoffe vcr- Herlin emworfeneti schmiedeeisernen Fenster- 
einigen sich zu einem schönen G;inz('ii. Vergitterungen für das von ihm erbaute 
Zum Schluss weisen wir noch auf die Ministerialdienstgebiiude in Kudolstadt hin. 

v()mRegicrungsbaumeiister ADOI.rHARTi N(.- H. Sp. 



Berliner Arckitekturwelt 



Chronik aus allen bändern. 



O Am a8. Min d. J. ist 
der Altmeister der deutschen 
Neugoihik, Konrad Wil- 
HELM Hase, im 84. Lebens- 
Jahre an AI lerssch «räche ge- 
stoiben. Als sthöpferi scher 
Architekt und noch mehr als 
erfolgreicher Lehrer hat er 
die Enlwickelung der deul- 
scheu Baukunst in der twei- 
len Hälfte des neunzehnten 
Jahthunderls in entschiedener 
Weise beeiEfliissf, Er hat 
sich einen Ehrenplatz in der 
Geschichte der Architektur 
für alle Zeiten erworben. 



,■ DemWirkl. Geh. Ober- 
baurat Friedrich Adler, 
Professor an der technischen 
Hochschule und Mitglied der 
Akademie der KQnsie , ist 
von der Theo Ionischen Fa- 
kultät der Berliner Univer- 
sität wegen seiner Verdiensie 
um die Krrichtuns und Wie- 
derherstellung von Kirchen- 
baulen die Würde eines 
Ehrendoktors der Theologie 
verliehen worden. 



.1: In Frtiiurg i. Br. ist 
die Errichtung eines neuen 
Theaters nach den Entwürfen 
des Architekten HEINR. SeE- 
LING in Berlin von den Sladt- 
vcrordneten einslimiDlg be- 
schlossen worden. 



X Dem Architekten Pro- 
fessor J. M. OLBRICH ist die 
kOnstlerische Umgestaltung 
des Palais des Grossfürsien 
Sergius in St. Petersburg 
QbertiageD worden. 



Berliner Ar<hit€k[iirtveU 
Abbildung 104. 



rhür im Uameniiminer des Savoy-Hotels. 

ALF-'RCI) Breslauer in BerMo. Medailloni^emSIde 



D Am Spandauer Beig wird ein neui 
haus der S/aäi Ckarloltenliiirg nach de 
der Atchiteklen SCHMIEDEN & BOF.THKE in Bcrlii 
1 30*5000 Mark errichlel. 



fti- „AiissltrlluuE hervorragender k uns Ige werblichen Werke 
Ten von Vereinsmiigliedern unter Ausschluss alles Markl- 
igen und Miltelmässigen' veranstalten. 



*-. 1) 

BtrIiH 


r Virein für äeulsclits Kunstgexcerb 
wird im November d. J. lur Feier 


fflnfund/ 
hofe de 


»aniiESlen Jahres seines Bestehens im L 
s Königlichen KunslRcwerbemuseums 



i In dem Welliewerie nur Erlangung von Eni- 
tvür/en für eilt Rall'aus in Sihmalkaldeti erhielt 
unter 44 eingegangenen Arbeiten der Entwurf mit dem 
Kennwort „14T9 — 19OJ" des Archileklen KlCHARU 
AURICH in Dresden den ersten Preis und der Entwurf 



Berliner Arckilcktimoelt 



Pfor:hiim wird ein allgemeiner Weltbewerb aus- 
geschrieben. För die besten Atbeiien sind Preise 
von 3000 bezH-, 2oo':> und 1000 Mark ausgeseizt, Ober 
deren Verteilung das Preisgericht entscheidet. Dieses 
besieht aus dem Oberbaurat Professor Dr. WARTH in 
ICarlsruhe, Professor HOCHEDER in München, Ober- 
baurat SrOLZ in Karlsruhe, ObetbQrgenneister 
HaüErmehl und Sladtbaumeister KFRN in Pfortheim. 

Abbildung 106. 



ThOr Eum Dameniimmer des Savoy-Hotels. 

Architekt; .\LFRED BRESLAUER in Berlin. 

Ausfahrung: JULIUS JAROTZKI, Tischlermeister in Berlin 



„Pro nihilo" der Architekten RICHARD URACH und 
A. MÖLLINGHOFF in Karlsruhe den «weiten Preis 
Zum Ankauf wurden empfohlen: der Entwurf „1531', 
des RegieruDgsbaumeisters Run. KOCH zu Charluiten- 
burg und der Entwurf „Erhalte das Alte" des .^rchi- 
tekten JOH. ROTH in Casse|. 



■V Zur Gewinnung von ICataiür/i-n sll dun Hau 
s sliidlischfn ffalleuSch'wimmhades fär die SfadI 



Eckspiegel im Damensalon des Savoy-Hotels. 
Architekt: ALFRED BRESLAURR in Berlin. 
AusfQhrung: JULIUS JAROTZKI, Tischlermeister 



lievliner Archileklurwelt 

AI)bLl<1iinK .07. 



Kaiuio mit anschliessendem Durchgangsb«gen im Geschäfislokale Wilhclmstrasse 5s. 
Architekt: Georg Ilrich (Inhaber der Firma Max Schi't.z iS: Co.) in Berlin. 



Berliner ArchitekturweÜ 
Abbildung loS. 



I Hause Rhelasliasse 35 in Ftiedenau. Archiieki: F. FEDLER Id Charlotten bürg. 
AusfOhtung: H. Kleuu, Kunstschlosser in Friedenau. 



Die Entwflrre sind spSteslens bis mm 1. August 1901, 
Abends 6 Uhr, koiteofre! an den Oberbürgermeisler 
HABERHEHL in Pfonheim eiuusenden , von dem 
auch das Programn) nebsi Bedinfungen und FISnen 
ta beliehen Ist. , , 

^ lu dem Wettbewerb sur Eflangung von Bnl- 
aiürfen für den Neubau eines Verwaltungsgebäudes 
der Hamburger Freihafen - Lagerhausgesellsckaft 
wurden unter 3j eingegangeaen Arbellen die beiden 
gleichen ersten Preise dem Entwurf „Schluss- des 
Architekten J. GrOTJAN und dem Entwurf „Eck- 
Ihurm- des Architekten BERNH. HAN5SEN & MEER- 
WEIN In Hamburg zuerkannt. Der iweile Preis fiel 
dem Entwurf ^Plethenkieker" des Herrn E. DÖRING 
I. Zt. in Heidelberg zu, der dritte Preis dem Ent- 
wurf .Wie gewanschl- d^s Archilekten C. WALTER 
HÄRTENS in Hamburg. 



Q Ein Wettbewerb Mttr Erlangung von Entaiür/en 
für ein Lamäeskaus in Wiesbaden, ülr welches eine 



Summe von Scxiooo H. in Aus.<;icht genommen ist, 
■oll fQr deutsche Architekten ausgeschrieben werden. 



^ Auf Grund eines engeren Wettbewerbes tur 
Gewinnung von Entwürfen für eine evangelisch' 
lutherische Kirche in Frankfurt a. M., der unter 
den Verfassern der drei prlmiierlen und zwei ange- 
kauften Arbeiten des allgemeinen Wettbewerbes ver- 
anstaltet worden ist, wurde der Entwurf des Professor 
Fr. Putzer in Darmstadi zur Ausfahrung gewShiL 



X Die erste Ausstellung für tnodrme dekorative 
KuMSl in Turin ist nunmehr soweit vorangeschrilten, 
dass ihre Eröffnung in den nächsten Tagen erfolgen 
kann. Der Eindruck, den die Gebäude machen, ist 
im allgemeinen ganz befriedigend. Uer mächtige 
Kuppelbau, der das Cenirum der ganzen Ausstellungs- 
anlage bildet, wirkt in vielen Beziehungen ganz 
ausserordentlich originell, wenn aurb an schmQcken- 
den Zulhaten des Guten etwas zuviel geschehen Ist. 



Berliner ArchüekturweU 

Abbildung 109. 



FcDstergitlei. Arcbitekl: ADOLF H: 



1 Berlin. 



Die Totalersclieinung isi sehr iDieressant, \a Bezug 
auf die Flächen veriiältnissL- und Fläcbenunletbrechun- 
gen äusserst geschickt angeordnet; sie würde noch 
weitaus stärker wirken, wärrii*'mancherlei flanken- 
artig hervortretende Details fortgeblieben. Indessen 
beeinträchtigen auch diese nicbl zu sehr die ganze 
Erscheinung, die etwas überaus Festliches hat, in der 
Silhouette wundervoll zur Landschaft pa.sst und auch 
Im Aufbau eine logische Reihenfolge architektonischer 
Ueberiegungen zeigt. Weit weniger ist dies bei den 
Plügelbaulen der Fall, die manches ungemein reiz- 
volle Detail enihallen, ohne dass dieses jedoch ge- 



rade immer als etwas mit dem Garnen Zusammen- 
gewachsenes, NaiQrlicb Notwendiges erschiene. Wiener 
EinflQsse haben hier das entscheidende Wort ge- 
sprochen. Oibrich ist otfenbar zum Muster genommen 
worden. Das spricht sich am stärksten bei den Py- 
lonen des F es I platze in ganges aus. Sie lehnen sich 
direkt an ahnliche Bauten der vorigjährigen Darm- 
stadter Ausstellung an. Im Innern bietet die Mannig- 
faltigkeit des Ausdruckes eine Reihe höchst inter- 
essamer Gegensätze, Die deutsche Abteilung, welche 
neuerdings noch um einen Saal vergrössert worden 
ist, der in erster Linie Arbeiten aus dem Gebiete der 



Berliner Arckitekturwelt 
Abbildung iio. 



Fenstergitter. Archiiekc ADOLF HÄRTUNG in Berlin. 



74 



Berliner Architekturwelt 



Graphik enthalten soll, wird allem Anschein nach mit 
Ehren bestehen können. Es ist flkr dieselbe ein ge- 
schmackvoll ausgestatteter Katalog angefertigt wor- 
den. Zur Eröffnung der Ausstellung wird der Konig 
von Italien mit dem gesamten Hofe erwartet. 



Ti Zur Gewinnung von Entwürfen für eine fnonu- 
mentale Anlage von überwiegend plastischem Cha- 
rakter, die auf dem Königsplate in Breslau als Ge- 
genstück zu dem dort vorhandenen Bismarckdenkmal 
von Professor PETER BREUER errichtet werden soll, 
hat der Kultusminister ein Preisausschreiben unter 
sieben Bildhauern erlassen. Die dazu aufgeforderten 
Kunstler sind: Professor P. BREUER in Berlin, Pro- 
fessor CH. Behrend in Breslau» Professor ERNST 
MORITZ GEYGER in Florenz, HÖREL in Kosel, WiLH. 
HAVERKAMP und ERNST FREESE in Berlin und ERNST 
SegER in Gharlottenburg. 



Neu erschienene Fachlitteratur. 

Ebhardt, Bodo, Arch. Führer durch die HohkOnigs- 
burg. 3'/4 Bg. 8°, reich illustriert . . M. —,50. 

Feldmann, Hugo, Arch. 535 SchomsteinkOpfe. 5 1 Tf. 
m. 4 S. Text, gr. 8°. In Mappe . . M. 4, — . 

Härtung, Hugo, Prof., Arch. Studienentwürfe, Auf- 
nahmen und Ausführungen. 60 Tf. Fol. -Licht- 
druck in Mappe M. 40, — . 

Heubach, A. Monumentälbrunnen aus dem 13. bis 
18. Jahrh. Lf. 1. 10 Tf. u. 4 S. Text, kl. Fol. 

M. 6,—. 

Issel, Hans. Illustriertes Handbuch der gebräuch- 
lichen Baustoffe. Lieferung i, brosch M. i,~. 

Leinhaas, G. A. Wohnräume des 15. und 16. Jahr- 
hunderts. Mit einem Vorwort von Jul. Lessing. 
20 Farbentafeln, ^°. In Mappe . . . M. 30, -. 

Licht, Hugo, Stadtbaudir. Architektur des ao. Jahr- 
hunderts. Jahrg. 11, Heft 3. 95 Tf. Lichtdruck, 
Fol., und 3 Bg. illustr. Text . . . . M. 10, — . 

Moderne Fassaden II: id und 16 Meter Fassaden. 
45 z. Th. färb Tafeln, Folio. In Mappe. M. 36,— . 

Olbrich, Josef M., Prof. Architektur. Liefer. 5/6. 
30 Tf. in Kunst- u. Farbendruck,- ¥<A, M. 40, — . 

OsthofT, Geo. Kosten - Berechnungen für Bau- 
Ingenieure. 5. Auf! M. 1 8,- -. 

Schmidt, Otto. Interieurs . von Kirchen und Ka- 
pellen in Oesterreich. Mit Text von Dr. Alb. Ilg. 
Lt 4. 25 Bl., gr. Fol M. 30, - . 

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Gegenwart. Bd. III, Lf. 1/2. 20 Tf. Lichtdruck, 
Folio. In Mappe M. 16, . 

Villen, moderne, und Einfamilienhäuser. 50 Tf. 
Fol. Lichtdruck nach Naturaufnahmen, brosch. 

M. 34, — . 



Auf unsere Inserenten Im AnaEets^nteil 
^^ dieser Nommer machen wir hiermit 
Zmn% besonders aufmericsam. 



BABCHLBR & PAASCHS, Kunstschmiede, Gr.-Lichter- 

felde- Berlin. 
BONNESS & Hachfeld, Buchhandlung, Potsdam. 
ALFRED BÜHLER, Leder-Möbelfobr»k, Stuttgart. 

CELLER Filter- Werke, G. m. b. H., Celle i. H. 

CEMBNTBAUGBSBLLSCHAFT JOHANNES MUELLBR, 

MARX ft Co., Berlin C. 
DEUTSCHE GLASMOSAIR- GESELLSCHAFT PüHL & 

WAGNER, Rixdorf-Berlin. 
DEUTSCHES LUXFER-PRISMEN SYNDIKAT, G. m. b. H., 

Berlin. 
DEUTSCHE STBININDUSTRIB-ACTIBNGESBLLSCHAPT 

Granit-, Syenit- u. marmorwbrke, Berlin NW. 

DITTMAR*S MÖBELFABRIK, Wohnungseinrichtungen, 

Berlin C. 
Dortmunder Mosaikfabrik RUD. LEISTNER, Dortmund. 
FABRIK KBIM*SCHBR FARBEN, Mflnchen. 
FARBENFABRIKEN, VORM. FRIEDR. BAYER & CO., 

Elberfeld. 
GÜNTHER WaGNER, KGnstlerfarbenfabrik, Hannover. 
Ludwig GLENK, Papeterie ft Kunsthandl., Berlin NW. 

Gebrüder Hildebrandt, Tapeten, Berlin. 

HOFMANN & Co. (Beleuchtungskörper), Berlin W. 

ERNST JAECKEL, Bildhauer, Wilmersdorf. 

Keller & REINER, Wohnungseinrichtungen, Berlin W. 

LlON KlBSSLING, Wohnungseinrichtungen, Berlin SO. 

Johannes Koch ft Co., Flur- u. Wandplatten, Barmen. 

A. M. Krause, Kunstschmiede, Berlin NW. 

MAX Kray & Co, Kunstgew. Werkstitte, Berlin S. 

Heinrich Kunitz, Ornamenten-Fabrik, Berlin SO. 

S. A. LOEVY, Bronze-, Messing- und Emailwaaren- 

Fabrik, Berlin. 

Methling ft GLEICHAUF, Kunstschmiede, Gharlotten- 
burg. 

FERD. Müller, HoH., Glasmalerei, Quedlinburg. 

JOHANN OpORICO, Werkstatt f. Glasmosaik, Berlin SW. 

QUANTMEYBR ft EiCKB, Hansa-Linoleum, Berlin W. 

RietsCHBL ft HBNNSBERG, Centralhelzungen und 

Ventilations «"Anlagen, Berlin. 
FRANZ Spengler, Fabrik fQr Baubedarf, Berlin SW. 
Hermann Thorwest, Insullationsgeschäft, Berlin S W. 
Otto Vittali, Atelier für Glasmalerei, Berlin W. 
VAL. WAAS, Müllabfallapparat System MAURER ft 

Becker (s. Hinweis in No. x Seite 38 Geisen- 

heim a. Rh. 
JULIUS ZWIBNER, Kunsttischlerei, Berlin SW. 



Verantwortlich fllr die Schriftleitong : Dr. Adolp Brüninq, Berlin. — Verlag von ERNST Wasmuth, Berlin W., Markgrafenttr. 35. 
Gednickt bei JUI.IUS SiTTBirFBLD. Berlin W., Maaeratraasc 43. u* — Cllch*« von Carl ScbOttr. Berlio W. 



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i uf instrc Inserenten im An7i»i;;entell i 
^ dJc«*er Nummer mas-hen uir hlcn^Jt 



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.-i i. 

: r < \\ \«.--: . K :• -t:.. -!..i' '\ .ih'ik. Uaunover 

■ 'I K IUI ' : ••X\\I>v, T.ii.'-t» 1. BvxUu 
■. ^VV vSr (i. •^•;t■. ihf.iiu.^k'.ii er,. Herliu W. 



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•^.N\v>/' K(>' \\ 8f Ci^ . F'sr- u. W ai.f'piattc ., Barmen 
'v' Kkai> h K ' .c'j.uiic-, l.'-.liii NW. 
\' .\K'\i .Sc C», '\\.^*^rv Wer'- •:•*♦<', RtT\n S 
• ^.'\ i Kl M , /, Ori,,;.'!*'^ t n Fn'iriV. TJt'rlin S« >. 

: ': i.vv, Ä ( ,1. f 1. HAI 1«, KuK.« >c \ ' /u (^c. rb..ri'«tcn 






' ^^ '..'liMRU-o, V\..r, ^\A* t C;ia>.L'>. .ik, 'Vrlin SW. 

' I-^Hr.L .V li^-NS' IM- '<< , ('i^n::.ilht"i unjren u.'. ■ 
\'fr:il:.'i. r»ij-Arlav'<'ri. H» rii'^ 

■ M.XNN VilM- VT .v.i,i. ij:,,M.^oi^'tsrh/irt.Beri!n.-' . 
r"» \-Jr\lI. Aitii.''- für «.!.<;.,. iltrri. Hr»rhn W 

:', . \\ \..^, :\\ ■; .Kt.,.-., ,^ r . -.-'.Mi \t.v: .M . >; 

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§5' 



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Berlin 



auf der ersten internationalen Ausstellung 
für deHoratIve Kunst In Turin. 



Von Leo Nacht. 



I. 




as ist ein lustiger, aber auch ge- 
fahrlicher Gegensatz: die moderne 
Ausstellung im Giardino del Valen- 
tine und das köstliche Stück 
Mittelalter, das von der früheren 
Industrie-Ausstellung in demselben Parke 
zurückgeblieben ist. Entgegen den Ku- 
lissenbauten und Gipsergüssen früherer 
Ausstellungen, hatte man damals einige 
alte Backsteinbauten der Uebergangs- und 
gotischen Periode mit erlesenem künst- 
lerischem Geschmack aufs genaueste nach- 
gebildet. Diese wurden in einer malerisch 
angelegten, winkeligen Gasse mit wunder- 
vollen Durchblicken gruppiert, das Ganze 
festungsartig wie eine kleine Stadt mit 
Thor und Mauer umgürtet, und so ein 
dem modernen Leben abgewandtes, welt- 
fremdes Ganze geschaffen, das so recht 
geeignet ist, bei unserem Eintritt alles 
hinter uns versinken zu lassen, was uns vor- 
her umgab, und uns in einen Kreis träume- 
rischer Stimmungen einzuspinnen, die noch 
lange nachwirken. Fast zu lange; denn 
ein paar hundert Schritte von diesem Eden 
wächst die internationale Ausstellung für 
moderne dekorative Kunst aus dem Boden 
und entreisst uns durch die fast tausend- 
jährige Kultur, die uns von jenen Perioden 
trennen, mit einem Schlage jenem roman- 
tischen Zauber. 

Zunächst — denn an Stelle jener trau- 
lichen Stimmungen tritt ein anderes, etwas 
neues, das sich seine Berechtigung er- 

B. A. w. V. 3. 



kämpfen will, das immer wieder schon 
seit Jahren hervorbricht, und das auf dieser 
Ausstellung den erneuten Beweis der 
Lebensfähigkeit moderner dekorativen Ideen 
geben soll, nicht nur uns, aller Welt, und 
das trotz jenes Stückchens tiefer Poesie. 
Die Gewalt jener wundersamen Sprache 
muss man erleben, um jenen unwider- 
stehlichen Zauber zu begreifen, der so 
viele Künstler alle Gegenwart vergessen 
lässt, um nur dauernd in jenen Formen 
und Stimmungen ihren Schöpferdrang aus- 
zuleben. 

Mit welcher Feinheit sitzen an jenenBauten 
einzelne dekorative Punkte, wie Fenster, 
Thüren, Gesimse, sattrot oder grau, in den 
ruhigen weissen Putzflächen. Wie traulich 
rücken die ausladenden Dächer gegenüber- 
liegender Häuser aneinander und gewähren 
auch dem fremden Wanderer ihren gast- 
lichen Schutz, wie herrlich wirken die 
tiefen Schlagschatten. Ein alter Traum voll 
Lust und Sonne; glücklich die Künstler, 
die ihn noch jetzt träumen. Es gibt aber 
andere, die ihn nicht träumen wollen, 
nicht träumen können, weil ihnen das 
Leben keine Stimmungen jener stillen Ein- 
falt bietet, weil sie der Lockruf der neuen 
Zeit, der Geist der neuen Kultur mächtig 
bis zum Innersten packt, und für diese 
Schöpfer ist die moderne Ausstellung. 

Es ist die erste internationale, und unter 
ihrem Dache sammeln sich die Nationen 
zu friedlichem Streite; auch Deutschland 



1 1 



76 



Berliner Architektiirwelt 



tritt geschlossen auf den Plan. In unserem 
lieben Vaterland ist man sehr konservativ 
und der beblümte Schlafrock des Gross- 
vaters nimmt immer noch den Ehrenplatz 
im Schranke ein, ja man fängt wieder an ihn 
zu tragen und fühlt sich so heimlich mollig 
in ihni, dass man auch ans Ausbessern 
der übrigen geht; eine pietätvolle Zeit. 

Da ist es denn nicht zu verwundern, 
dass die Moderne sich nur an einzelnen 
Stellen im lieben Vaterlande gnädiger 
Huld zu erfreuen gehabt, und dass, wenn 
sie etwas erringen wollte, sie nur auf ihre 
eigene Kraft angewiesen war. 

Es ist ja wahr, Kunst lässt sich nicht 
züchten, wie Champignons etwa, aber sie 
ist abhängig, und besonders die räumlichen 
Künste, von der materiellen Unterstützung; 
ein Architekt kann nicht studienhalber 
einige Paläste in echtem Materiale auf- 
führen. Die raumbildenden Künste können 
sich nur an Aufträgen entwickeln, und was 
unsere engere Heimat Berlin anbelangt, so 
können wir wohl ohne Ueberhebung sagen, 
dass bei uns die Moderne an einem Ueber- 
fluss von Aufgaben niemals zu leiden hatte. 

Da ist es denn nicht zu verwundern, 
dass dieses wenig Liebevolle, ja Abwehrende 
der massgebenden Kreise der Modernen 
gegenüber die Entwicklung Berlins ge- 
hemmt hat. Wie streben unterdessen 
München, Karlsruhe, Darmstadt, Dresden 
in die Höhe! Wie andere Empfindungen 
erwecken auch diese Namen. Wie 
charakteristisch hebt sich jede dieser 
Städte vom nationalen Hintergrund ab; 
sprechen wir nicht geradewegs von den 
Darmstädtern, den Münchenern u. s. f.? 
Wie hat da jeweils ein enges Nebenein- 
einanderschaffen eine künstlerische Atmo- 
sphäre geschaffen, innerhalb deren die 
einzelnen Individualitäten gedeihlich sich 
entwickeln konnten ! Welcher Fürsorge 
erfreuen sich da einzelne Künstler, wie 
wurde und wird der junge Trieb gehegt 
und gepflegt? 

Und unser Berlin, abgesehen von aller 
äusseren Förderung? Zunächst verwandte 
es während seines blühenden w^irtschaft- 
schaftlichen Aufschwunges seine frei- 
werdenden Kräfte zur Bewältigung seiner 
grossen industriellen und Verkehrsprobleme, 
sodass eine ganze Generation für die rein 
ideellen Güter recht wenig übrig hatte. 
Es fehlte aber auch, als sich wirklich 
künstlerisches Leben zu regen begann, 
der rechte Zusammenschluss , der das 



Schaffen des Einzelnen durch ehrliche 
kollegiale Kritik an dem Entgleisten und 
offene rückhaltlose Freude an dem Ge- 
lungenen so erheblich fördert, den Ein- 
zelnen durch das Ganze. 

Es war keine gemeinsame Schaffens- 
freude. Und endlich störten noch fremde 
Einflüsse die einheimischen Kreise. 

Berlin hat so gut wie keine Tradition, 
und die soldatische Sparsamkeit preussi- 
scher Könige hatte in früheren Jahr- 
hunderten recht wenig Künstlerisches pro- 
duzieren lassen. Wurde einmal ein Anlaut 
unternommen, so blieb es bei demselben. 
Die Schlüter, Schinkel, Schadow haben 
keine Tradition hinterlassen. Der Faden, 
der allerorten den stummen Zauber, die 
tiefe Innerlichkeit der alten Kunst zu den 
Enkeln hinüberleitet, war bei uns gründ- 
lich zerrissen. Und deshalb wurde auch 
Berlin der Schauplatz der wildesten stili- 
stischen Exzesse. Die da unten im Süden 
hatten es besser. 

Auf diesem trüben Hintergrunde ent- 
wickelt sich bei uns das Neue. 

Das Leben raunt aber seine tiefe Poesie 
auch in dem flutenden Strome der Welt- 
stadt, wenn auch anders, als in den wink- 
ligen, engen Gassen verträumter mittel- 
alterlicher Städte. Der Lebenskampf ist här- 
ter, erbitterter geworden; die stille Genüg- 
samkeit, die sonnige Heiterkeit sind ver- 
schwunden. Der Lebensinhalt ist ein 
herber geworden. Der Niederschlag zeigt 
sich in den Künsten; er kommt prägnant 
in Berlin zum Ausdruck, da hier die 
ernste Lebensauffassung des Norddeutschen 
sich klarer ausspricht, als irgendwo. Die 
ernste Lebensauffassung, die soviel Erleb- 
nis in sich schliesst, so viel gedankliche 
Reife, und die, in unser Gefühl versenkt, 
der neuen Schöpfung diese tiefe Herbheit 
verleiht. Wie innig muss sie mit dem 
Gefühl gepart sein, um das Werk mit 
diesem schweren sozialen Inhalt über uns 
hinauszuheben. Sie wird nie eine graziös 
heitere Kunst, nie eine hinreissend glühende 
Formensprache zulassen, so lange wir echt 
bleiben. 

Sie entwickelt aber auch eine starre 
Abgeschlossenheit in dem Einzelnen, und 
lässt so schwer eine Annäherung der In- 
dividualitäten zu. 

Berlin hat es schwer, seiner Kunst einen 
einheitlichen Charakter zu verleihen, nicht 
nur des trüben Hintergrundes wegen und 
des inneren Zwiespaltes ; aber da ein jedes 



Berliner Architekturwelt 



77 



in der Gegenwart vollkommen aufgehendes 
Leben auch einmal die Gedanken und 
Ideen zur Reife bringen muss, die der 
Zeitgeist ihm zuführt, wenn sie auf den 
rechten Nährboden fallen, so muss auch 
Berlin seinen Charakter zeitigen, da nicht 
gut anzunehmen ist, es fehle in ihm an dem 
Nährboden. Und wir sehen auch wirk- 
lich auf diesem traditionslosen Boden 
künstlerische Charaktere sich entwickeln, 
denen es bisher nur an rechtem Anlass 
gefehlt hat, um die starre Abgeschlossen- 
heit zu brechen, die die Grossstadt selbst 
so sehr begünstigt, und sich zusammen zu 
thun. 

Dieser Anlass wurde nun in der Turiner 
Ausstellung gegeben. Es wurde s. Zt. ein 
Arbeitsausschuss für ganz Deutschland unter 
dem Vorsitz v. Berlepsch -ValendAvS ge- 
gründet, dem die Vertreter der einzelnen 
Bundesstaaten beigeordnet wurden. Preussen 
wurde Bruno MöHRING als Arbeitsfeld 
zugeteilt, der durch LÜER, speciell für 
Hannover, unterstützt wurde. Unter der 
Führung MÖHRINGS wurde die Arbeit be- 
gonnen; die einzelnen Künstler traten sich 
dadurch näher und beschlossen auch über 
die Ausstellung hinaus den festen Zu- 
sanunenschluss, den kollegialen Ideenaus- 
tausch beizubehalten, um so endlich einen 
künstlerischen Mittelpunkt in der weit- 
läufigen Grossstadt zu haben, um welchen 
sich auch die jetzt Fernerstehenden sam- 
meln können. Zu jenen Künstlern gehören, 
um einige Namen herauszugreifen, Bruno 

MÖHRING, CüRT StÖVING, WaLTER LEI- 

STiKow, Arno Koernig, Anton Huber- 
Berlin, Theo vSchmuz-Baudis, Arthur 
Levin-Funke, Rudolf Wille. Alle Künst- 
ler sind mit Arbeiten auf der Turiner Aus- 
stellung vertreten. Hierzu kommen dann 

noch August Gaul, Hugo Lederer, 
Schauss, Prof. KÄMPFER -Breslau, Albert 
Maennchen. 

lieber die Alpen nach dem sonnigen Süden, 
nach dem Lande der klassischen Renaissance, 
geht es. Wenn auch Turin nicht gerade 
an der Heerstrasse Hegt, und allzuviel be- 
deutende Denkmäler alter Kunst aufzuweisen 
hat, so haucht es doch den italienischen 
Charakter aus, und die Zinnen der Stadt 
schimmern in goldigem Dunste der alles 
reifenden Sonne. In diesem klassischen 
Lande eine internationale Ausstellung für 
moderne dekorative Kunst. Modem und 
dekorativ, und doch soll nur aus den 
Namen das Künstlerische quellen, eine 



Ausstellung für zeitliches Kunstempfinden 
in der Raum- und Flächenkunst, so soll 
es heissen. Und damit wird wohl auch 
Vielen der horror genommen, den sie vor 
den Worten „modern" und „dekorativ" 
empfinden. 

Turin ist auf drei Seiten von Bergen 
umschlossen, den Ausläufern der Alpen im 
Norden und Westen, und im Süden von 
einer Berggruppe, dem Hochland von 
Monferrat; zwischen diesen Bergketten fliesst 
der Po, der im Süden Turin begrenzt, und 
zwar zugleich das Ausstellungsterrain. Bei 
klarem Wetter rücken die Bergabhänge mit 
ihrem sonnigen Grün ganz nahe vor's Auge, 
überragt von dem duftigen Blau und dem 
Silberweiss der schneeigen Firne. 

Den Mittelpunkt der Ausstellung bildet 
ein sehr interessanter Kuppelbau von 
d'Arronco, von welchem radial die ein- 
zelnen Galerien ausgehen. In diesen 
Galerien sind die Nationen untergebracht, 
und hier ist schon äusserlich der tief- 
gehende Unterschied zwischen Deutsch- 
land und den übrigen Staaten bemerkbar. 
Während sich die anderen Nationen noch 
mit den langgestreckten Hallen begnügten 
und in diese hinein ihre Kojen bauten, 
schuf Deutschland einen Komplex von 
Innenräumen, die, um eine Mittelaxe grup- 
piert, in Höhen-, Tiefen- und Breitenverhält- 
nissen differieren und so einen malerischen 
Wechsel in organischen, in sich harmonisch 
ausgestalteten Räumen herbeiführen. 

Deutschland verfügt über 41 dergestalt 
mit Seitenlicht versehene Räumen, denen 
noch die 3 Olbrich'schen angegliedert sind. 
Von diesen 41 Räumen sind Preussen 7 
überwiesen worden; darunter sind fünf in 
sich abgeschlossene Zimmer; und zwar wird 
Bruno Möhring eine Art Vorsaal zum 
Audienzraum eines Schlosses ausstellen, viel- 
leicht mit der sehr glücklichen Nebenabsicht, 
dem Märchen von der „Proletarierkunst" 
der Modernen, das von einigen Schreibern 
in die Welt gesetzt wurde, den Boden zu 
entziehen. Natürlich ist es sehr leicht, in 
kostbarem Material vornehm zu erscheinen, 
jedoch durch edle Formengebung, feines 
Raumgefühl reine Wirkungen erreichen, 
ist ein weit höheres Verdienst. Man sollte 
nie vergessen, besonders in Ausstellungen, 
dass die Mittel immerhin recht beschränkte 
sind, und wenn wirklich Wirkungen erzielt 
werden, diese doppelt hoch anzurechnen 
sind. Man darf solche Innenräume nicht 
in Gedanken neben die reichen, üppig mit 



78 



Berliner ArchiiekturwcU 



Gold und Marmor verkleideten Saalarchi- 
tekt üren - des sechzehnten und siebzehnten 
Jahrhunderts setzen, sondern muss abwägen, 
welche Stimmungen mit dem zur Verfügung 
stehenden Material geschaffen sind, ob die 
Formengebung eine edle, materialgerechte 
ist, und wie es vor allen Dingen mit der 
Farbe steht. 

Um wieder . einzulenken — wir werden 
später noch eingehend Gelegenheit haben, 
auf die einzelnen Räume einzugehen — 
wird also Bruno Möhring einen Vorsaal, 
Arno Koernig ein Frühstückszimmer, 
Gurt Stöving das Zimmer eines Kunst- 
sammlers, und Anton Huber ein Arbeits- 
zimmer ausstellen. Die Räume liegen hinter- 
einander in einer der Mittelaxe parallelen 
Seitenaxe. Der von Möhring öffnet sich in 
weitem Rundbogen nach dem von BlLLlNG 
entworfenen deutschen Repräsentations- 
raume. Die Mittelaxe, in welcher auch 
der Kreis'sche Raum liegt, wird an einer 
Stelle durch eine Zimmergruppe unter- 
brochen, innerhalb welcher Berlepsch eine 
Diele mit anstossenden Zimmern und einem 
darüber liegenden Geschoss angeordnet hat, 
so dass nur ein kleiner Anbau mit Küche 
und Nebengelass genügen würde, um ein 
kleines Landhaus zu vervollständigen. 



Neben diesem Zimmerkomplex geben dann 

noch u. a. Olbrich, Bruno Paul, Pankok 
und Oreans, ein junger Karlsruher Künstler, 
in sich fertige Innenräume. Zumeist liegen 
zwischen diesen Wohnräumen die Ausstel- 
lungen für verschiedene Materialgruppen 
mit Zeichnungen, so dass auch dem Inhalte 
nach ein lebhafter Wechsel geschaffen 
worden ist. 

Die reich beschickte Ausstellung zeigt 
deutlich das Eindringen der modernen Ideen 
und den inneren Schwung, mit welchem das 
deutsche Kunstgewerbe an die Aufgaben 
herangetreten ist, das Gefühl der Sicher- 
heit in seinem Können und die allmähliche 
Erstarkung der heutigen Raumempfindung. 

Mit einiger Erwartung darf man nach 
alledem dem ersten Auftreten der Berliner 
entgegensehen. Wird in ihnen ein allge- 
meiner Grundcharakter zu erkennen sein, 
oder werden sie in unbestimmten Formen 
sich verlieren? Werden die Einzelnen wie- 
derum sich stark genug von den Uebrigen 
abheben, oder wird womöglich in unserer 
so persönlich empfundenen Modernen schon 
ein durchgehender Zug sich bemerkbar 
machen, dem auch die Berliner folgen? 
Das alles sind Fragen, die den nächsten 
Berichten vorbehalten bleiben mögen. 



Abbildung 112. 




I. Internationale Ausstellung für dekorative Kunst in Turin. 
Situationsplan der deutschen Abteilung, Sektion Preussen. 



Berliner Arc/titeklunvelt 



Berliner Arckitekhirwelt 
Abbildung 114. 



Villa in Südende. Gartenansicht. Architekten: Spalding & Guekander in Berlin. 



AbbilduDS 115. 





Abbild 


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117. 




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Grundrisse zu den Abbildungen 113 und 114. 
Architekten: Spalding & Grenander in Berlin. 



Bertiner Archüekturweit 



Zu unseren Bildern. 



UDaufhaltsam schiebt B«rlia die ge- 
waltigen Steinmassen seiner Rie- 
senhäuser weiter ins Land hinein 
und nimmt den näher gelegenen 
Vororten, wie z. B. Friedenau und Steglitz, 
immer mehr ihren einstigen Charakter als 
Villenkolonien. Nicht lange und auch das 
letzte Einzelbaus wird hier gefallen sein. 
Den meisten dieser älteren Villen bauten wird 
man kaum eine Thräne nachweinen, denn 



der Verlust an architektonischen Werten 
ist zumeist wenig bedeutend, und reicher 
Ersatz ersteht für sie in den reizvollen, 
malerischen Landhäusern, mit denen die 
letzten Jahre das steinerne Meer der Gross- 
stadt in weiterem Umkreis umkränzt haben. 
Zu den jüngsten Anlagen dieser Art ge- 
hört die in den Abbildungen 113 bis 130 
dargestellte Villa, Ecke ßahnstrasse und 
Dahlemerstrasse in dem im Entstehen be- 



Villa in Sfldende. Haupiponal. Architekten: SPALDiNG & GREMANDBR in BerlJD, 



Berliner Archilekturwelt 



Berliner Arckitektunuelt 
Abbildung HO. 



Villa in SSdeode. Treppe in der Halle. Architekten; SPALDIMG & GkBNANoEK i 



griffenen Vororte SüdeDiJe, ein Werk der 
Architekten SPALDING und Grenander. 
Der Bau, der in der Zeit vom Juni 1901 
bis April 1902 errichtet worden ist, hat 
eine Verblendung von Rathenower Steinen 
mit weisser Fugung erhahen, die Gesimse 
u. dgl. sind geputzt, das Obergeschoss ist 
mit Hängeziegeln bekleidet. An der Aus- 
schmückung des Gebäudes war der Bild- 
hauer KretzSCHMAR beteiligt. 

B. A. w. V, 3. 



Eine bescheidenere Anlage stellt die Villa 
Werle in Gross-I-ichterfelde, Bellevuestr. 37, 
dar(Abb. 131 bis 138). Sie wurde nach dem 
Entwürfe des Architekten HERMANN Werle 
in der Zeit vom i. Oktober 1900 bis zum 
I.April 1901 erbaut. Als Baumaterial wurden 
rote RathenowerHandstrichsteine und rauher 
Putzbewurf verwandt. Die Holzteilesind blau- 
grau gestrichen und ziegelrot abgesetzt. 
Für die Grundrissbildung war der Wunsch 



§4 Berliner ArchiUkturwelt 

Abbildung iit. 



Villa Werle in Gross-Lichterfelde, Bellevuestr. 37. Architekt: HERMANN Wf.RLF, in Berlin. 
Abbildung 111. 



Villa Werle in Gross-Lichterfelde. Gartenansicht. Architekt: Hermann Werle in Berlin. 



Berliner Arckitekturwelt 
Abbildung: i'3- 



Villa Werie in Gross- LJchcetfelde. Halle, Architekt: HERUANK WERLE in Beilln. 
AbbilduDf; 134. Abbildung laj. Abbilduug 116. 




indrissc und Situation tu deu Abbildun|ren i 



bestimmend, an Stelle der sonst üblicbeo 
Vielräumigkeit einen schönen, sehr grossen 
Raum mit wenigen kleinen Ergänzungs- 
räumen aufzuführen. Oboe dafür die ejn- 
facbsten, sonst angewandten Baugeldmittel 
für kleinste Landhäuser zu beanspruchen, 
wurde dennoch eine künstlerische Ent- 
faltung zu ermöglichen gesucht. Als be- 



sonderer Dekorationseflfekt wurde eine 
stimmungsvolle Lichtverteilung angestrebt, 
Fenster nach der Strasse möglichst ver- 
mieden und mehr die Gartenseite als Haupt- 
bild bedacht. Für die innere Einrichtung 
ist Stuck fast gamicht zur Verwendung ge- 
bracht und dafür Malereien mehr heran- 
gezogen. Die Küche, Toiletten- und Bade- 



Berliner Arckitekturwelt 
Abbildung 117, 



VlUa Werle 1: 



i-Llchterfelde. Detail der Halle. Architeki: Hermann WBkle ic Betlln. 



räume sind mit holläadischeo Kacheln aus- 
gestattet. Die Malereiea wurden von den 
Gebr. Drabig in Berlin ausgeführt. 

Die in der Formen spräche florentiner 
Rustikapaläste ausgeführte Gemeinde- 
Doppelschule in der Wiclefstrasse No. 3 
(Abbild. 139 bis 135) stellt sich in ihrer kraft- 
vollen monumentalen Wirkung verwandten 
Bauten des Stadtbaurats Ludwig Hoffmann 
würdig an die Seite. Das Gebäude ist mit 
einem Kostenaufwand von ungefähr 570000 
Mark in den Jahren 1899 bis 1901 errichtet 
worden. Für die Aussenfront ist Wüoschel' 
burger Sandstein, für die Hoffronten sind 
weissgraue Verblendsteine verwandt worden. 
Einen besonderen Schmuck hat die Vorder- 



seite durch das die Mitte des Gebäudes be- 
herrschende Wappen der Stadt Berlin sowie 
die drei im Erdgeschoss angebrachten, auf 
den Zweck des Gebäudes sich betiehenden 
Reliefs erhalten, die in ihrer breiten, kräftigen 
Behandlung sich vortrefflich in den derben 
Rahmen der massigen Quadern fügen. Die 
Modelle für die beiden Füllungen „Knaben" 
und „Mädchen" sind vom Bildhauer HuGO 
Lederer gefertigt , die Modelle für die 
beiden anderen von Professor Otto LESSING. 
Das in ähnlichen Formen und gleichem 
Material ausgeführte Lehrerwohnhaus auf 
der Emdenerstrasse enthält iwei Rektor- 
wohoungen und je eine Wohnung für den 
Schuldiener und den Heizer. Die Bausumme 



Berniter Arckitektnrwelt 
Abbildung tiS. 



Villa Wcrle in Gross- Licht erfelde. Detail der Halle. Architekt: HERMAHN WERLE In Berlin 



betrug ca. S6 ooo Mark. Das Modell für 
das den Eingang zierende Wappenschild 
stammt von Professor Otto LeSSING. 

Als Ergänzung zu den früheren Abbil- 
dungen der Berliner Hochbahn bringen 
wir diesmal die Haltestelle am Wittenberg- 



platz mit Fahrkartenschalter, ausgeführt 
nach den Entwürfen des Professor Alfred 
Grenander, der sich auch sonst um die 
künstlerische Ausgestaltung der Hochbahn 
grosse Verdienste erworben hat. 



6l)roniH aus allen Ländern. 



^2 Professor BRUNO Schmitz Iq Cbarloitenburg 
ist lum Uilgliede der Kgl. Akademie der KQnste ia 
Dresden ernannt worden. 



X D(e aus Anlass des fllnfundzwaniigjlhrfgen Be- 
■ siebens des Vefetns /ür de-ulsches Kunslgeuierbt in 
Berlin lu »eranslaltende Atissltllung , welche im 
Herbst dieses Jahres statltinden aoll, wird nicht, wie 
ursprQnglich beabsichtigt, im Licbthure des Kunst- 



gewerben] useoms, aoodem in Akademiegebäude, 
Uoter dea Linden 38, abgehalten werden. Als Fach- 
gruppea sind in Aussicht genommen t. Bekleidungs- 
kunsi, Posamenten, Stickereien. 3. Bildhauer- und 
Modelleurarbeiten. 3. Buchbinderei-, Album-, Etui- und 
Lederarbeiten. 4. Buch- und Kunstdruck, Graphische 
Kunst, Kupferstich, Lithographie. 5. Glasmalerei and 
Kunst verglasungen. < 6. Juwelier-, Gold- und Silber- 
arbeilen, Geräte aus Edelmetall, Zinn, Alfenide etc., 
Arbeilen der Medailleure, Ziseleure und Graveure. 



berliner Architekturwelt 

Abbildung 139. 



% I I i I f . : I : r (Ä 

Gemeindedoppelschule in der Wiclefstrasse. Hauptfassade. 
Architekt: LllJWlG HOFKMANN in Berlin. 



AbLilduDg 131. 
IM. Stockwerk. 



a. Anilsiimmei 

b. Confereni- 

c. Knabeo blasse 

d. Mädchen - 




Grundrisse zu Abb 129. Architekt: Ludwig Hofkmann in Berli 



Berliner Architektitrwett 
Abbildung 131. 



Gemelndeschule in der Wlcletstrasse. Fassaden teil. Archiieki; LUDWEG HOFFMANN in Berlin. 



7. Stelazeug-, Poizellan-, Glaswaren. S. Bronze und 
KuDStscbmiedearbeiteD. 9. Kunsttiscblereien. lo.Kunst- 
gewerbe- uad MusterzelchDer, Maler, ti. MöbelslofTe, 
GobeliDS, Teppiche, Tapeteo, FussbodenbelSge. 



O In dem Wttibewerh für die An- und Umbauten 
des Brtstauer Konserlhaiuts erhielt den ersten Preis 
der Entwurf „Viel Mühe war's" des Arcbilekten 
FRIBDRtCH MÖLLER in Berlin, den iwelten Preis der 
Entwurf „Wratislaw- des Arcbileklen ALWIN GEN- 



SCHBL in Hannover, den dritten Preis der Entwurf 
.Saal- des Architekten HERMANN PLBCK in Breslau. — 
In dem Weilhewtrb um Enttvür/e für eine sfädUscke 
Festkalle im Eintrachfgarien in Siegen wurde der 
erste Preis den Architekten ERNST MA11X und Pt). 
BACHHANN In Dortmund, der zweite ilem Architekten 
O. Engler in Dortmund, der dritte Preis den Archi- 
tekten Meissner und LIBORIUS in Mai;deburg zu- 
erkaDDt. — In dem Weilieiverb für ein Gemeinde- 
haus der evangelischen Gemeinde in Godezberg a. Rh. 
konnte das Preisgericht keinen der eingegangenen 



Berliner Archiiektnrwelt 



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§•? 



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Berliner Architektunaelt 
Abbildung 135. 



6S EntwQrle den ersten Preis lusprechen; der Betrag 
wurde in zwei weitete tweite Pielse geteilt. Es er- 
hielten den ausgesetzten zweiten Pieis die Arcbilelcien 
PiPPBR und STÜ55EL in Charlotten bürg, zwei welteie 
zweite Preise Architekt KRIEGER In Bonn und die 
Architekten LDnGEN und LOLLWITZ - POHLAND in 
Deuts cb-Kione, den dritten Preis Architekt DREISER 
in Bonn. Angelcauft wurden die beiden Entwürfe der 
Architekten DREXEL In Strasaburg 1. E. und HELLING 
io Cobleni. , , 

'Z Ein ailgtmeiner Weilieweri »ur Erlangung 
von FassaiUntnlmürfen tu einem Wokn- und Ge- 
schä/lshaus tin*r Mittelstadt wird von dem Verein 
deutscher Verblend stein- und Terrakotten- Fabrikanten 
E.V. in Berlin unter den deutschen, in DeutscbUnd. 
lebenden Architekten ausgeschrieben. Als Baumaterial 
(fir die Fassade sind ausschliesslich gebrannte Thon- 
steice anzusetzen. Der Stil der Fassade soll modern 
sein, aber einem geschulten Formensinn entsprechen. 
Der beste Entwurf erhält einen Preis von 300 M., 
die beiden nSchstbesten einen solchen von je i jo M. 
Die Entwürfe sind bis spätestens Sonnabend den 

B. A.W.V. 3. 



3. August 1903 an den Verein deutscher Verblend- 
steln- und Terrakotten-Fabrikanten In Berlin elniu- 
seaden. Das Preisrichteramt haben übernommen 
Co nsistorial- Baume Ist« Professor KARL MOHRUANN 
in Hannover, Kgl. Baurai CHR. SCHRAMM In Dresden- 

Loschwitt und Kgl. Baurat FRANZ SCHWECHTEN In 
Berlin, femer vom Vorstand des preisausschreibenden 
Vereins OSKAR Rother, Geschäftsführer der Rolhcr- 
schen Kunstziegel eleo m. b. H. in Liegniti und 
Regie rungsbaumelster KüRT HOFKMANN, Vorstand 
der Siegersdorfer Werke vorm. FriedR. HOFFMANN 
A.-G. In Siegersdorf oder deren Vertreter. Die ge- 
nauen Bedingungen sind durch die Redaktion der 
Keramischen Monatshefte in Berlin M4, Kesselsir. 7, zu 
beliehen. — Derselbe Verein erlässt luglelch ein 
»weites Preisausschreiben »ur Gewinnung einer 
Abhandlung, in welcher die Ästhetischen und prak- 
tischen Vorzüge des Verkleldens der Fassaden mit 
Baumaterialien aus gebranntem Thon, in erster Linie 
mit Verblendstclaen und Forrosteinen, aber auch mit 
Terrakotten, glasierten Steinen und Platten anderen 
Baumaterialien gegenüber zur Darstellung zu bringen 
sind. Die Abhandlung soll einen Umfang von mindestens 



Berliner Architc kUirwelt 
Abbildung ij6. 



Lehrerwohnhaus in der Emdenerstrasse. Architekt: LfDWlG Hokfmanx in Berlin. 



Berliner Archilcklttrwelt 
Abbildung 137. 



Lehrerwohnhaus in der Emdenerstrasse. Architekt: LUDWIG Hoffmann in Berlin. 

Abbildung 136. Abbildung IJ9. 



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Obergeschoss. 
Erdgeschoss. 
Grundrisse zu den Abbildungen 136 und 137. Architekt: Ludwig Hofkmann in Berlin. 



Berliner Archiiekturwelt 
AbbUdune 140. 



Wand eines Arbeitszimmers. Architekt: ANTON HuBER in Berlin. (Ausstellung in Turin.) 



Situation zur Abbildung 140. 



Berliner ArchitekturweÜ 
Abbilduag 141. 



Möbel fiir ein Arbeitszimmer. Architekt; Anton HubeR in Berlin. 
Ausgeführt von W. KCmmel, Möbelfabrik in Berlin. (Ausstellung in Turin.) 



Mappenschrank für ein Arbeitszimmer. Architekt: Anton HubER in Berlin. 
Ausgeführt von W. KOmmel, Möbelfabrik in Berlin. (Ausstellung in Turin.) 



Berliner ArckUektttrrvetl 

ein solcher von 300 M. ausgesetzt. Die preis gekrfinlea 
Arbeiten werden Eigentum des Vereins. Die Bewetbungs- 
arbeilen sind bis iuid j. August 1903 nachmittags 7 Uhr im 
GeschSftslakal des Vereins, Berlin N 4 Kesselsirasse 7, ein- 
zureichen, ebendaher kann auch das genaue Programm be- 
logen werden. Preisrichter sind ausser den oben genannten 
Herren Renicrungsbaunifister Professor RICHARD BorrmANN 
In Berlin, sowie die übrigen Viirstandsmitgliedcr des Vereins. 



Zur Erlangung von gieigittlett Fassadcn-Eitliviirfen für 
NeubaultH und Umbauten in Danzlg wird unter allen in 
Deutschland ansSssif^en Architekten ein Wettbewerb ausge- 
schrielien. Für die l)e.sten Arbeiten sind (ür Gruppe A, B 
und C je ein erster, lueiler, dritter und vierter Preis von 

Abbildung US- 



Schrank. Architekt; ANTUN HUBer in Berlin. 

'Ausgeführt von W. KÜMMEL, Möl>elfabrik 

in Berlin. (Ausstellung in Turin.) 



höchstens 


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im Format d 


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rainischen 


Monat 


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die 


beste Arbeit i 


is von 300 


M., 


für die I 


»eitbes 



Schrank. Architekt: ANTON HUBER in Berlin, 

ausgeführt von W. KÜMMEL, Mübelfabrik in Berlin 

(Ausstellung in Turin.) 



Berliner Architekturwelt 
Abbildung \tfi. 



Kissen. Entworfen vod Anton HlBKK, Archiiekt, 
Ausgeführt von ELSA HuiiER in Berlin. 



Kissen. Entworfen von Anton Huber. Architekt. 
Ausgeführt von Elsa Huber in Berlin. 



Berliner Architekttirwelt 
Abbildung 148. 



»lellungsschrank. Architekt: BRUNO MÜHRIHG In Berlin, 
in BerllD. (Ausstellung 11 



AuG^efühn \ 
Turin.) 



ijco, 800, 500 und 300, also im ganien 11 Preise 
ausgesftii. Preisrichter sind: Oberbaurat Professor 
SCH.\FER in Karlsruhe, Oberbürgermeister DELBRÜCK, 
Geheimer Baurat BreidSPRBCMER, Regierungs- und 
Bautat LehUBECK, Stadtbaural PEHLHAQER, Stell- 
vertretender Siadtvctordn den Vorsteher MÜNSTERBERG 
und Regierungsassor AUWERS, sämtlich in Daniig. 
Die Entnürfe nassen liis lum i. September d. J. 
mittags II Uhr an den Kastellan des Stadtmuseums 
in Daniig, Fleischergasse Nr. 35/8 postfrei eingeliefert 
werden. Das Programm ist gej^en Zahlung von i M., 
welche nach Einsendung eines Entwurfs lurDckver- 
gütet wird , von dem Baulm: eau im Raibause tu 



-|- Zur Erweiterung des Ralkautes iit Niatturg 
a. d. W. wird unter den deutseben Architekten ein 
Wettbewerb ausgeschrieben. An Preisen sind ein 
erster Preis von 600 M., ein iweiler von 400 M. und 

ein dritter von 300 M. ausgeselit. Weitere RntwQrfe 
können lum Preise von 300 M, angekauft «erden. 
Das Preisgericht besteht aus den Herren; Baural 
Professor STIER in Hannover, Bürgermeister STAHN, 
Baurat OTTO, Direktor der Königl. Baugewcrkschule 
Schau, Bürgervorsleherwonhalter ERNSTING, Bürger. 
Vorsteher QL'ELLHORST und Stadlbaumelster KLÜC, 
sämtlich in Nienburg. Als Einlieferungstermin ist 
der 3. August, abends 8 Uhr, festgesetzt. Das Pro- 
gramm nebst Grundrissen, Schnitten und perspektivi- 
schen Ansichten des allen Rathauses und Lageplan 



Berliner Arckilekhirtvell 



Berliner Architekhtrwelt 
Al.liildung 151. 



: Bruno MüHki^C in Bcilin. Ausger 
in ßerlin. (Ausstellung: in 1'uiln.) 



1 W. KtMMEL, Möbelfahrik 



ind gegrn luvorige Kinseni 
i.sirat ricr Sladt Nienburg t 



^ Der Verein für dt-aUches Kansigfwerbc sz'a^vXy.it 
für deulsche KQrislIcr, Kunsihandwerlter und sonhline 
Fachieul« auf Veranlassung seines Mitgliedes Herrn 
Fabrikanten MuRlTZ ROSENOW, Inhaber der Firma: 
Fabrik eleltlrischer Uhren (Patent Möller) Morilz 
Kosenow in Berlin einin Weltiai-cri tur Erlangung 
■BBtt Entwürfen zu einem Gehäuse für eine Stand 
ahr (Die/enuhr) aus. Hie Uhr 5oll, auf dem Fuss- 
boden stehend, etwa 1,40 m hoch gedacht wenlen, 
die Auiiführung in Holz, narh Uelieben auch niil Ein- 
lagen oder Beschlägen. Es wird Wert gelegt auf 
einfache, vornehm wirkende Formen. Uie Zeichnung 
soll das CehAuse in Vorder- ui 



nalQrlicher Grösse darstellen. Die Zeichnungen 
müssen von den Einsendern selber erfunden und aus- 
geführt sein. Die Firma hat für die besten Entwürfe 
einen ersten Preis von 400 M., einen iwellen von 
20a und einen dritten Preis von 100 M. ausgesel7.t. 
Sie erwirbt dafür die preisgekrönten Entwürfe und 
das Recht sie zu vervielfältigen. Preisrichter sind 
Direktor Dr. PKTER JBSSEN, Geheimer Baurat 
P. KlESCMKE, C.\RL MARFELS, Herausgeber der 
„Deutschen Uhrmacher:?citung", Rildhauer Professor 
i;. Riegelmann und Fabrikant MOKITZ ROSENOW. 
Es ist dem Preisgericht vorbehalten, iro Notfalte die 
Preise anders als vorgesehen lu verteilen; doch wird 
die ausgesetzte Summe jedenfalls verteilt. Die Knl- 
würfe sind spätestens am ai, Juni 1901 bei der Ge- 
schäftsstelle des Vereins für deutsches Kunstgewerbe, 
Berlin W., Bellevuesir. 3, Künstlerhaus, einiuliefetn. 



Berliner Archiiektur^veit 



hrank fßr das Zimmer eines Kunst Sammlers. Archilekl: CURT STOVIVG ii 
Ausgeführl von W, KÜMMEL. Möbelfabrik in Berlin. (Ausslellung in Ti 



Berliner Architekturwelt 



g^kr^ntcn Entwürfe lur AusfObTung eu 
bringen Das Preisgericht wird aus drei 
vom Vorstand der Vereinigung gewShilen 
Mitgliedern, aus einem Vertreter des Ma- 
g[strats von Berlin und aua eiDem Ver- 
treter der Berliner Elektrici tat s werke be- 
slehen. Die Enlwflrre für den Kandelaber 
sind im Maassstabe i : 15 anziireriigen, 
ausserdem itn Maasssiab 1 : 10 Delail- 
Zeicbnungen lu der Krone und lu dem 
Sockel, nie Entwflrfe sind bis lum 1. Juli 
d. J. (abends 7 Uhr elnscbtiesslicfa) den 
Be rll Der ElektridtSts- Werken einzusenden ; 
ebendaher sind die konstruktiven Unter- 
lagen unentgeltlich lu belieben. 

* In dem Wtilbewerb betr. dm Rat- 
Aausiau in Kassel sind 1 18 Entwürfe ein- 
gegangen. Es ist kaum lu erwarten, dasx 
bei einer so grossen Zahl von Arbeiten 
das Preisgericht im Stande sein wird, die 
Entscheidung lu dem anberaumten Zeit 
punkte zu treffen. 

ßüctterscl^au. 

Der Backsttinbau romamscher Zeil, be- 
sonders in Obtritalien und Nord- 
deutsekland. Eine technisch -kritische 
Untersuchung von O. STIEHL, Kegie- 
rungs- und Stadtbaumeistet zu Berlin, 
Mit a; Tafeln nach Originalaufnahmen 
und 113 Textfiguren. 

Abbildung 154. 



sslellungsschrank Von L. SüTLEKLIN, 
ler in Berlin AusgefOhrl von W. K LMUEL, 
belfabrik in Berlin. Ausstellung in Turin. 



X Ein Welltewerb mur Erlangung von 
Entwürfen nur archileklonisckea Ausbil 
düng von 11 M hohen Bogenlickt- Kande- 
labern, die für die Beleuchtung grosser 
Plätte in Städten geeignet sind, wird von 
den Berlintr Eltkiriciiäls- Werken unter 
den Mitgliedern der Vereinigung „Berliner 
Architekten' ausgeschrieben. Es sind ein 
erster Preis von 1500 M., ein zweiter Preis 
von 8qo M. und ein dritter Preis von 500 M. 
ausgesetzt. Die drei prämiierten EntwQrle 
gehen in das Eigentum der Berliner Elek- 
tricitäts- Werke Ober, welche sich ausserdem 
das Kecbt vorbehalten, weitere Entwürfe 
zum Preise von 500 M. käuflich tu erwer- 
ben; jedoch sind die Berliner Elektricitäls- 
Wcrkp nicht verpflichtet, einen der preis- 



. KCKHARDT, Maler 



Berliner Architekturweit 



Holländischer Fischer. 
KuasIvergflasuogCD für die Turi 
AusgefQhrl t 



Karren schieb CT in. 
T Ausstellung. Von AD. ECKHARDT, Maler in Berlin. 

1 Gebrüder LiEBERT tn Dresden. 



Schwarzwaldlandschafl. 

Kun 31 V erglas UDE für die Turiner Ausstellung-. 

Von Ad. Eckhardt, Mal« in Berlin. 

Ausgeführt von GEBRÜDER LiEBERT in Dresden 



Das wiehligsle Resultat der in die- 
sem Werke niedergelegten gründlichen 
und scharfsinnigen Untersuchungen be- 
steht in dem Kachweis des Ursprungs 
der norddeutschen Backslcinbauten des 
Miltelallers. Die merkwürdige EischeJ- 
' nung, dass diese charaktervollen und 
bedeutenden BauschApfungen im letzten 
Drittel des 12. Jahrhunderts in der nord- 
deutschen Tiefebene plötrlich nicht in 
tastenden Versuchen, sondern In reichen, 
ausgebildeten Formen auftreten, legte den 
Gedanken nahe, dass der Backsleinbau 
nicht in Noiddeutschland geboren, son- 
dern dass seine Heimat anderswo zu 
suchen sei. Man nahm an, dass er von 
hollandischen Werkleuten in die Eib- 
gebiete eingeführt worden sei. Diese 
Ansicht widerleg! der Verfasser schla- 
gend, indem er nachweist, dass kein 
derartiges Bauwerk sich in Holland 
erhallen hat, das den norddeutschen 
Backst einbauten hätte als Vorbild die- 
nen können. Schon von anderer Seite 



Berliner Archiiekturwelt 
AbblMung 158. 



Decoiatlve Waadmalerel fOr die Turincr Ausstellung. Von WALTHBR LEISTIKOW, Maler In BerKn. 



wai der Nachweis gebracht worden, dass die nieder- 
laadische KolooisatioD, auf der sich jene Vermutung 
stützte, nur in sehr beschräuktem Masse statine runden 
habe. Stiehl gelingt es nun, den Beweis zu ftlhren, 
dass eine enge Verwandtschaft zwischen den obei- 
italiscben Backsteinbaute d und den norddeutschen 
besteht. Gemeinsame Merkmale, wie die mit unserem 
Klima u D VC Tträ gliche wageiechte Form der Fenster- 
sohlbSnke, die Qberaui Dache Neigung, der Selten- 
schiffdScber I das Fehlen der Verglasung, ferner die 
Teilung der WandflSchen durch Lisenen, die ein- 
fachen und Ter&chluageoen Ruadbogenfriese auf 
Konsolen, die Sige - und Rollschichten u. a., alles 
das spricht fOr die italienische Herkunft dieser Bau- 
gattung. Einer der wichtigsten Förderer jener ge- 
waltigen Baubewegung in Norddeutschland war der 
mächtige Welfenberiog Heinrich der Löwe, der in 
Italien die Entwicklung der Backsteinkunsl aus eige- 
ner Anschauung kennen gelernt hatte und der 1173 
den Grundstein zum Dom la LObeck legte. — Das 
reiche Abbildungsmaterial, das dem verdienstvollen 
Werke beigegeben ist, uaierslOlzl nicht nur die 
wissenschaftlichen Untersuchungeo des Verfassers, 
sondern bietet auch dem praktisch thätigen Archi- 
tekten eine ergiebige Fundgrube wertToller An- 
regungen. 



Formtnlthrt der Nerddeuiscken Baeksitingotik. 
Ein Handbuch zum Gebrauch fQr die Praxis und 
zum Selbststudium von FRITZ GOTTLOB, Architekt. 
Mit 35 Textabbildungen und 65 Tafeln. 
Wie schon der Titel sagt, ist das vorliegende 
Werk ausschliesslich praktischen Zwecken gewidmet. 
Diese Aufgabe erlUllt es in bester Welse. Der grosse 
Formenreichtum der norddeutschen Backsteingotik 
ist sowohl in konstruktiven und oruameotalen Eiotel' 
heiten , wie In grösseren Ansichten In sich ab' 
geschlossener Bauteile und ganzer Gebäude anschau' 
lieh dargelegt und von einem knappen, mit praktischen 
Fingerieichcn versehenen Text begleitet. Fast 
n a hm s weise ist die geometrische Darstellung ge. 
wählt, sodass die Maasse ohne weiteres abgegriffer 
werden künnen. Die genaue Einzeichnung dei 
Schichthöhen ermöglicht es, auch ohne Maassstab 
Einzelheiten tiemlicb genau id ermitteln. Leider 
nicht bei allen Abbildungen eine Ursprungsbeteich' 
nuQg gegeben, da der Verfasser einen Teil derselben 
auf früheren Studienreisen gemacht, die ohne den 
bestimmten Zweck der Veröffentlichung unternommen 
worden waren Im Interesse einer wissenschaftlichen 
Ausnutzung des reichen und wertvollen Materials ist 
das sehr zu bedauern, wenn ja auch die praktische 
Verwertung desselben dadurch weniger beeinträchtigt 



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Berliner Arckitekturwelt 



io6 Berliner Architekturwelt 

Abbildung i6i. 



Entwurf zu einem Glasfenster. Von H. v. i). W(Hl)E (f). 



Berliner Arckitektnnvclt 
Abliilduae i6i. 



Eingang zur Haltestelle Wittenbergplatz (Untergrundbahn). 
Architekt: Alfred Grenander in Berlin. 



Berliner ArckUeklurwelt 

Abbildung 163. 



Fahrkartenschalter für die Haltestelle Wittenbergplatz (Untergrundbahn). 
Architekt: Alfred Grenander in Berlin. 



Detail des Gitters am Eingang zur Haltestelle Witteobergplatz (Untergrundbahn). 
Architekt: Alfred Grenander in Berlin. 



Berliner Architekturwelt 



HO 



Berliner Architekiurwelt 



Neu erschienene Fachlitteratur. 

Zu beliehen durch Ernst Wasmuth» Berlin W. 8, 

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*^ dieser Nommer machen wir liiermit 
Sans besonders aufmerksam. 



Act -Ges. J. C. Spinn & Sohn, Beleuchtungsge^^en- 

stände, Berlin. 
BabCHLBR & PAASCHS, Kunstschmiede, Gr.-Lichter- 

felde-Berlin. 
BONNESS & HACHFELO, Buchhandlung, Potsdam. 
CELLER Filter-Werke, G. m. b. H., Celle i. H. 

CBMENTBAUGBSELLSCHAFT JOHANNES MUELLBR, 
MARX & Co., Berlin C. 

Deutsches Luxfer-Prismbn Syndikat, G. m. b. H. 

Berlin. 

Dbutschb Stbinindustrib-Actibngbsbllschapt 
Granit-, Sybnit- u. marmorwerkb, Berlin NW. 

DITTMAR*S MÖBELFABRIK, Wohnungseinrichtungen. 

Berlin C. 
Dortmunder Mosaikfabrik RUD. LEISTNBR, Dortmund. 
FABRIK KBIM*SCHER FARBEN, Mflnchen. 
GÜNTHER WAGNER, KQnstlerfarbenfabrik, Hannover. 
GOLDE & RABBBL, KunsUchmiede, Berl)n-Halensee. 
HOFIIANN & CO. (Beleuchtungskörper), Berlin W. 
ERNST JABCKEL, Bildhauer, Wilmersdorf. 
Julius JAROTZKI, Zimmereinrichtungen, Berlin SO. 
Keller &RBINER, Wohnungseinrichtungen, Berlin W. 
LlON KlBSSLING, Wohnungseinrichtungen, Berlin SO. 
Johannes Koch & Co., Flur- u. Wandplatten, Barmen. 
MAX Kray & Co, Kunstgew. Werkstätte, Berlin S. 
Heinrich Kunitz, Omamenten-Fabrik, Berlin SO. 
MethlinG & Gleichauf, Kunstschmiede, Cbarlotten- 

burg. 
FERD. Müller, Hofl., Glasmalerei, Quedlinburg. 
JOHANN Odorico, Werksutt f. Glasmosaik, Berlin S W. 
ED. Puls, Kunstschmiedearbeiten, Berlin-Tempelhof. 
QUANTMEYBR & EICKE, Hansa-Linoleum, Berlin W. 
RIETSCHBL & HBNNBBERG, Centralheisungen und 

Ventilations -Anlagen, Berlin. 
N. ROSENFELD & CO., Atmos- Wand -Fliesen, Berlin. 
J. F. Schmidt, Hoftöpfer, Weimar. 
Franz Spbnglbr, Fabrik für Baubedarf, Berlin SW. 
HERMANN THORWEST, Installationsgeschäft, Berlin S W. 
OTTO Vittali, Atelier f&r Glasmalerei^ Berlin W. 
VAL. WAAS, Maschinenfabrik, Geisenheim a. Rh. 
GEORG Wbstphal, Glaserei, Berlin SW. 



Verantwortlich fttr die SchriftleitoBf : Dr. A0OLV BaOVMO. Berlin. 
Gedreckt bei Juuut SirrmmBLo, Berlin W., 



— Verlnf Ton BllirsT WASMimi. Rprlin W.. Mnrkfrnfeaetr. jj. 
iS- 44- — Glicht von Cabl ScmOttb, Berlin W. 



Zur grossen Beplinep KuDSfausstellung 1902. 



Von Dr. Erich Wlllrkh. 



Es ist etwas besser geworden mit der 
KuDstausstellung imGIaspalast. Aber 
die Ausstellungskunst in ihm liegt 
nach wie vor völlig im Argen. Wie 
könnte denn auch dies Gcbäudekonglomerat, 
das für ganz andere Zwecke errichtet wurde, 
der Kunst ein wohnliches Haus sein! Was 
wir im Norden von der Kunst, der Malerei 
wenigstens, verlangen, ist doch viel mehr 
eine gewisse Intimität als monumentale, 
weithin und zur OeffentlichkeJt sprechende 
Wirkung. Wie aber sollen Bilder, die der 
Mehrzahl nach auf die bescheidenen Mass- 
verhältnisse eines Wohnhauses berechnet 
sind, in diesen riesenhaften, viel zu grossen 
und viel zu hohen Räumen zur Geltung 
kommen! 

Mit dem allgemeinen Wachstume Cer 
Einsicht in Kunstdingen tritt denn auch das 
Bedürfnis nach einer besseren Einrichtung 
unserer Kunstausstellungen, nach dem, was 
man Ausstellungskunst nennen kann, immer 
deutlicher hervor. Wir haben die magazin- 
artigen und jahrmarktsmässigen Anhäu- 
fungen von Bildern und Bildwerken von 
Grund auf satt. Wir sehnen uns nach 
kleineren Räumen, die unseren Zimmern 
nahe kommen, alles in allem nach Einrich- 
tungen, die dem intimen Charakter 
Kunstempündens gerechter werden. 

B. A.W. V. 4. 



An Versuchen nach dieser Richtung hin 
fehlt es nicht. Naturgemäss sind es die 
kleineren Verbände, in denen man die 
ersten Schritte wagt. Die Wiener Se- 
cessionisten haben dabei viel Takt und 
Geschmack bewiesen; und auch unsere Se- 
cession, die im übrigen puritanisch streng 
jede durch äussere Mittel erzielte Wirkung 
verpönt, hat erfreulicherweise in ihrem 
Hause die Räume klein gehalten. Ausstel- 
lungskunst in grösserem Massstabe hat mit 
viel Geschick und Glück im vorigen Jahre 
Dresden gegeben. Auch in Berlin ist man 
der Frage näher getreten: man schrieb eine 
Konkurrenz für die Umgestaltung des Lan- 
desausstellungsgebäudes aus. Ihr Resultat 
ist bekannt. So anerkennenswerth die ein- 
zelnen Entwürfe auch sein mögen, -so viel 
Scharfsinn und Geschick die Künstler bei 
der Lösung des schwierigen Problems be- 
wiesen haben, es ist doch nichts dabei heraus- 
gekommen, was den berechtigten Forderun- 
gen vollauf genüge leistet. Die Architekten 
trifft der Vorwurf nicht; die Aufgabe war 
undankbar, unbillig. Hier darf kein Kom- 
promiss geschlossen werden, es ist vielmehr 
notwendig , von Grund auf Neues zu 
schaffen. Dieser Einsicht verschllesst man 
sich auch an massgeblicher Sielle erfreu- 
licherweise nicht mehr. Und Berlin besitzt 



Berliner Architekturweit 

Al.l.ildiing 167. 



FUcherdüifcben. Voa CARL KAYSER-ElCHBKRC i 
Grosse Berliner Kuoslausstellung von 1909 



ja wohl eine stattliche Anzahl Architekten, 
von denen man eine gute Lösung dieser 
modernen Bauaufgabe erwarten darf. 

Abgesehen von der Aufstellung der 
Hauptmasse der Skulpturen in dem End- 
saale, der in den letzten Jahren von den 
Illustratoren eingenommen wurde, hat sich 
demnach im Vergleich zu den Vorjahren 
nichts in der äusseren Einrichtung der 
Ausstellung geändert. Und doch bietet sie 
ein besseres Gesamtbild als im vergangenen 
Jahre, Nicht dass die Jury schärfer ge- 
waltet hätte. Es wird nach wie vor ge- 
sichelt und gekieselt nach Herzenslust; 
nach wie vor locken einen „frische Citronen" 
und sonstige „reife Früchte" zu mehr 
materiellem als ästhetischem Genüsse; 
auch an's »gute Herz" und an's „edle Ge- 
müt" wird oft genug appelliert. Aber 
alles das geschieht 'zum Glück doch mehr 
in den Nebenkabinetten, den salons separes. 
In den Haupträumen sieht man, von etlichen 
Ausnahmen abgesehen, gute, bessere oder 
doch wenigstens ertragbare Bilder. Die 



Hauptmasse des Minderwertigen ist in die 
Nebengelasse verbannt. Das ist das Ver- 
dienst der Hängekommission, die diesmal 
besser gewaltet hat. Man wird es dankbar 
anerkennen. Nur wäre zu wünschen, dass 
man noch konsequenter verführe. Hier 
und da hängt in den Kebensälen doch ein 
versprengtes besseres Stück, das man sich 
erst mit viel Aufwand an Bein- und Augen- 
kraft heraussuchen muss. Diese Bilder lasse 
man getrost mit den Minderwertigkeiten 
der Haupträume die Plätze wechseln. Und 
dann noch eine Forderung, der man auch 
diesmal wiederum nicht nachgekommen ist: 
die Bilder ein und desselben Malers gehören 
zusammen. Ein Künstler von Physiognomie 
wird dabei um so eindrücklicher wirken. 

Abgesehen von der sorgsameren Thätig- 
keit der Hängekommi.ssion sind auch sonst 
noch einige Umstände zu erwähnen, die in 
ihrem Zusammentreffen der diesjährigen 
Ausstellung ein besseres Gepräge geben. 
Was die Berliner Kunst im Glaspalast be- 
trifft, so hat — man muss es wohl ganz 



Berliner Architekturwelt 



"3 



leise sagen — diesmal die Secession darauf 
befruchtend gewirkt. Mit viel Lärm und 
wenig Geschick hat man den Austritt der 
Engel-Frenzel-Schlichting-Gruppe aus der 
Secession als eine reuige Rückkehr in den 
allgemeinen grossen Berliner Kunstschoss 
hinzustellen versucht. Mit Unrecht. Denn 
die Secessionssecession stellt geschlossen 
und abgesondert aus, und man hat ihr, 
wenn auch nicht offiziell so doch de facto, 
eigene Jury bewilligt. Hätte man dies 
seinerzeit auch dem Liebermann -Skarbina- 
kreise gegenüber gethan, so wäre es in 
Berlin vielleicht garnicht zu einer Secession 
gekommen. Denn es war nicht Zurück- 
weisung, sondern nur der Wunsch, die 
eigenen Bilder in gleichwertiger Gesellschaft 
zu sehen, was die Begründung der Berliner 
Secession veranlasst hat. Das Prinzip ist 
berechtigt, und es macht sich jetzt ja auch 
schüchtern in der grossen Ausstellung 
selbst geltend. Die Secession als Er- 
zieherin! Jedenfalls ist der Raum der Ex- 



Secessionisten für die Berliner Kunst ein 
beträchtliches Gewicht in der Wagschale. — 
Aus München ist gleichfalls eine neue 
interessante Künstlergruppe erschienen, die 
.Scholle". Und auch im einzelnen kommt 
der Ausstellung der Eingang einiger guter 
Bilder aus Deutschland und dem Auslande 
zu nutze. Schliesslich wäre unter den 
Besserungen noch die angemessenere Auf- 
stellung der Skulpturen und die zum Teil 
wenigstens erfreulichere Vertretung des 
Kunstgewerbes zu nennen. 

Auf Sonderausstellungen, mit denen man 
im Vorjahre nicht gerade glänzende Erfolge 
erzielt hatte, hat man diesmal verzichtet. 
Sehr richtig! Derartige Sammelausstel- 
lungen müssen interessanten Künstlerindivi- 
dualitäten , die etwas eigenes zu sagen 
haben, vorbehalten bleiben. Verfugt man 
darüber nicht, so lässt man derartiges am 
besten ganz bleiben. Denn nichts kom- 
promittiert einen Künstler und eine Künstler- 
gemeinschaft mehr als solche Anhäufungen 



AhhiWung ifiS. 



Louis LBJBUNE in CharlollenburK- 
r Kunsiausslellune von lyoi. 



Berliticr ArckitekturTBelt 



Muttrt unil Kind. Von KRICH [CLTZE In WoMcnd. 
Crosse Brrtincr KunstausHli^llunK vnn 1901. 

von Belanglosigkeiten, wie man sie bei 
uns öfters gesehen hat. 

Nun zum Einzelnen. Etwas, was einen 
auf den ersten Blick packt und mitnimmt 
— nicht im Sinne der Sensation, sondern 
als Ausdruck eigenartigen kräftigen Kunst 1er- 
tums — etwas derartiges wird man schwer- 
lich linden. Aber gesunde Kunst ist in 
reichlicher Menge vorhanden, — Kunst für 
den Hausgebrauch möchte ich sagen. Es 
wäre thöricht, wollte man Leistungen dieser 
Art geringschätzen oder gar verachten; 
aber zu begeisterten Lobpreisungen geben 
sie andrerseits auch nicht den geringsten 
Anlass. Alles in allem bleibt man in dieser 
Ausstellung doch kühl bis an's Herz hinan. 

Zunächst ein Bück über die Berliner 
Malerei. Karl Zikgi.er hat zwei Bildni.sse 
da, die in Haltung und ihrer mattgrau- 



biauen Farbstimmung von feinem 
Geschmack zeugen. Eines stellt 
die Frau des Malers Stutz dar, 
eine elegante schlanke Dame, 
die es liebt, sich im Kostüm, 
d. b. in historische!] Trachten, 
malen lu lassen. Vor i bis 2 
Jahren sah man bei Schulte ein 
sprühend-lebendiges Porträt von 
ihr im Rokokokleidchen , von 
der flotten Hand Ernst Hkile- 
MANNs gemalt. Diesmal steht 
sie da in langfliesseodem Em- 
piregewande in vornehm-lässiger 
Haltung an einen Sessel gelehnt. 
Das andere, wohl feinere dieser 
beiden verwandten Bilder zeigt 
die jugendliche Gattin des Bild- 
hauers Wenck. Was an den 
beiden Porträts einigermassen 
stön, ist eine gewisse Härte und 
Schärfe in den Konturen. Etwas 
mehr Weichheit und [Duftigkett 
würde ihren Reiz sicherlich sehr 
erhöht haben. — Von GEORG 
Ludwig Mryn hat sich Geral- 
dine Farrar malen lassen. Man 
braucht den Berlinern von dieser 
anmutigen Acquisition der Kgl. 
Oper nicht zu erzählen. Die 
Schaufenster und Schaukästen 
sind voll von Photographien der 
hübschen Amerikanerin, und je- 
des neue Bild brachte und bringt 
eine neue überraschend -reizende Ansicht. 
Wie Süll man diesen Kopf, diese Figur 
malen? Leicht ist es nicht zu sagen, aber 
man denkt unwillkürlich an Gainsborough. 
Jedenfalls müsste es etwas Besonderes wer- 
den. Aber für Mhyn ist das entzückende 
Sujet ein Danaergeschenk gewesen. Sein 
Bild ist ein hübsches Frauenporträt, wie 
man sie in Masse sieht, und auf dieser Aus- 
slellung das erste in der Kategorie, denn 
es ist immerhin von einem Künstler gemalt. 
Doch ich glaube nicht, dass Meyn, den 
man sonst als tüchtigen Bildnismaler schätzen 
gelernt hat, mit solchem Lobe zufrie- 
den ist. 

In der Landschaft ist die Ausbeute reich- 
licher. WiLHKLM Feldmann — gleichfalls 
ein Ex-Secessionist, aber nicht zu den 16 
gehörend - hat drei recht gute Bilder da; 



Berliner Archilekturwell 



»'S 



„Auf der Haide im Abendschein", wenn die 
Bäume lange Schatten werfen, „Auf däm- 
meriger Haide" und „Im grünen Wald", 
eine Studie, von der unsere Berufs-Laubwald- 
Interieur-Maler viel lernen könnten. Von 
vorteilhafter Seite zeigt sich LOLIS Le- 
JEUNE, ein Schüler Brachts. Besonders 
seine „Dorfkirche" mit den kräftigen, fast 
möchte ich sagen, frechen Schatten der 
Bäume, aber auch ein „Tauender Bach" 
und der „Bach unterm Eise" lassen in ihm 
einen Landschafter von starker Begabung 
erkennen. Sonst macht sich bei den Bracht- 
schülern zum Teil eine sehr bedenkliche 
Abspannung bemerkbar. Oft leiden ihre 
Landschaften an einer gewissen Leere, an 
einer oblatenhaften Glätte und Süsstichkeit 
des Kolorits, die höchst unerfreulich wirkt. 
Der Meister selbst hat ja in letzter Zeit 
nachgelassen. Die Bilder, die 
er im vergangenen Jahre, als 
er noch zu den Berlinern rech- 
nete, auf der Ausstellung hatte, 
zeigten ihn schon nicht mehr auf 
der Höhe. Und auch angesichts 
derer, die er diesmal aus Dresden 
gesandt hat, könnte man mei- 
nen, sein Verlust sei für Berlin 
nicht sonderlich schwer gewesen. 
Nun, der Ruf Brachts als Land- 
schafters, zumal als märkischen, 
steht fest. Der Künstler hat in 
seinem Schaffen schon einmal 
eine Krisis durchzumachen ge- 
habt; er wird auch diese über- 
winden. Die Kraft dazu besitzt 
er. Es lässt sich begreifen, dass 
der Meister, des errungenen Be- 
sitzes froh, sich einige Zeit ge- 
ruht hat. Nun aber hat er sich 
ausgemalt, und er muss und wird 
neues finden. Will die Jugend 
das seinerzeit gute, jetzt aber 
abgenutzte Rezept weiter be- 
nutzen? Hoffentlich nicht. — Mit 
dem Aufzählen von Namen mag 
es so sein Bewenden haben; es 
sei aber noch ausdrücklich gesagt, 
dass man in der Landschaft noch 
manches erfreuliche Bild finden 
wird. Von sonstigen Berliner 
Werken, von figürlichen Dar- 
stellungen seien ERICH Eltzrs 



„Mutter und Kind" und Alfred Mohr- 
BUTTERs Bild „Im Alter" hervorgehoben. 

Gesondert, wie sie ausgestellt haben, er- 
fordern sie auch gesonderte Besprechung, 
die BerlinerSecessions-Secessionisten. Ueber 
das Warum ihres Auszuges aus der Kant- 
strasse hat rein zu viel in den Zeitungen 
gestanden. Künstlerischer Art können die 
Gründe kaum gewesen sein. Etwa, dass 
die Sccession ein inferiores Kunstinstitut sei. . 
Denn dass sie bessere Bilder producierten, 
als man in der Kantstrasse zu sehen be- 
kommt, das glauben die 16 doch selber 
nicht. Bleibt das Nationale, von dem so 
viel die Rede war. Haben etwa sie in 
dem Herrnbildnis von Jui.lE WOLF-Thorn 
besonders viel Deutsch -Nationales finden 
können? Doch wozu erst lang von „Grün- 
den" reden, da sie doch offenbar persön- 

Abbildung 170. 



Friesische Mädchen. ^ 
Grosse Berlin 



n Otto Heinrich Kngel in Berlin, 

■ Kunslausslellung von 19OJ, 



Berliner Archüekturwelt 



iicher Natur waren. Der Zwist ist bedauer- 
lich. Noch bedauerlicher aber ist es, dass 
ein Teil der Kritik den Ausgeschiedenen 
plötzlich jede Bedeutung abspricht, ja 
sich zu der Behauptung versteigt, dass 
ihr Raum sich in nichts von den anderen 
iler grossen Ausstellung unterschiede. Wäre 
dem so, so müsste ja in den letzten 
Jahren in der Secession eine beträchtliche 
Anzahl sehr schlechter Bilder gewesen 
sein. Das ist doch unbestreitbar: ein Weg- 
gang von Künstlern wie Otto Heinrich 
ExGRL, Max Uth, Oskar Frenzel, Hugo 
Lederer bedeutet für die Secession ebenso 
einen Verlust, wie ihr Zutritt für die 
Grosse Aussiellung ein Gewinn ist. 

Die Berliner Malerei schneidet in der 



BiEdoisbüste des Geh. Baurats August Onh (f). 

1 Fritz Heinemamn, Bildbauer ia CbarloUeDbu 

Grosse Berliner Kunstausstelluag vod 1901. 



diesjährigen Ausstellung trotz des starken 
numerischen Uebergewichtes gegen die 
anderen deutschen Kunststädte recht gut 
ab. Das hat seinen Grund teils in besserer 
Qualität, teils aber auch darin, dass sowohl 
die Düsseldorfer wie auch die Münchener 
recht geringe Anstrengungen gemacht 
haben. 

Die Düsseldorfer haben ihre besten 
Sachen offenbar für die eigene Ausstellung 
zurückbehalten. Wer wollte ihnen das 
verdenken? Die kräftigen Bauernbilder 
von Robert Böninger, Landschaften von 
Eugen Kampf, Heinrich Herrmanns, Fritz 
Westen DORF und besonders eine kleine 
„Flusslandscbaft* von J. Bergmann fallen 
in ihren Sälen angenehm auf. 

Die M unebener Genossenschaft 
versagt fast völlig. Auch der 
grosse Name thut's nicht immer. 
Wer sich an dem affektiert senti- 
mentalen Damenporträt Lenbachs 
begeistern will, dem mag es un- 
benommen bleiben. Ein recht fei- 
nes Frauenporträt von Karl Houn, 
das ein viel anspruchsvolleres, aus 
Reynolds und einigen anderen alten 
Meistern zusam mengemaltes von 
Richard Scholz weit hinter sich 
lässt, eine kleine märchenhafteLand- 
schaft von Karl PiEPHO, das ist 
so ziemlich das einzige, was sich 
einem einprägt. 

Auch der Raum der Luitpold- 
gruppe bringt es nicht zu dem 
erfreulichen Gesamteindruck, den 
er im vergangenen Jahre bot. Von 
Walter Thoks Bildnissen besagt 
eigentlich nur das seines Vaters 
etwas. Hermann Urb\n hätte 
besser gethan, den guten Eindruck 
seiner Landschaft „Einsamkeit " 
nicht durch die anderen beiden 
Bilder lahm zu machen. Philipp 
Otto SchXj-ER, sonst ein harmlos- 
liebenswürdiges Romantikergemüt, 
hat sich in Bedeutsamkeit über- 
nommen. Seine drei Cyklus-Bitdcr 
^Baukunst", „Schiffahrt und Han- 
del", „Das Gewerbe" sind ein 
tg. Ragout aus Alma Tadema, eng- 

lischem Praeraphaelitentum und ver- 



Berliner Architekiurwelt 



wandten Substanzen und werden 
durch die sauce ä la Puvis de Cha- 
vannes oich^ schmackhafter. Auch 
Raphael Schuster lässt noch 
immer den Zwiespah der verschie- 
dentlichen, io seinem Namen schlum- 
mernden Tendenzen gar zu deut- 
lich offenbar werden. Einstweilen 
wird er wohl oder übel das profane 
Volk, das ihn noch immer nicht 
versteht, weiter hassen müssen. An 
den anspruchslosen Landschaften 
von Franz Hoch, Karl Küstner, 
Otto Ubbelohde und einigen 
anderen wird man bei den Luit- 
poldern am meisten Freude haben- 
in einem kleinen Seitenkabinet 
hängen Bilder der Münchener 
Künstlergruppe „Scholle" , von 
Fkitz Erler, Walter Georgt, 
Adolf MOnzer, Robert Weise 
und einigen anderen. Die Aus- 
wahl ist nicht sonderlich glücklich. 
„Die Pest", die weisse Dame am 
Klavier würden i. B. ERLER besser 
charakterisieren als sein „Einsamer 
Mann" und die Bildnisse von Ger- 
hard Hauptmann und Richard 
Strauss. WEISE giebt nur zwei feine 
Landschaften. Warum nicht auch 
so ein geschmackvolles Damen- 
porträt, wie man es im Winter bei ß«' ^^^ 
Keller und Reiner sah? Man wende 
nicht ein, dass diese Bilder schon 
zu bekannt seien. Den meisten Besuchern 
dieser Ausstellung sicherlich nicht. 

Der Raum der Scholle giebt jedenfalls 
zu denken. So etwas wie Zukunftsmusik 
klingt da leise an. Aber wie soll sie 
gegen die Militärmärsche nebenan auf- 
kommen! 

Dresden ist diesmal auch stärker ver- 
treten. Karl BantzeRs etwas wirrer 
Bauerntanz, Gotthard KÜHLs Interieurs 
und hier und da noch ein Bild, was sich 
angenehm bemerkbar macht. Aber auch 
recht bedenkliche Entgleisungen, wie die 
Sachen von Hans Unger und des begab- 
ten aber arg verquälten Georg LÜHRIG. 

Aus Königsberg hat LuwiG Dettmann 
mehrere recht verschieden wertige Werke 
gesandt, darunter eines, ein , Friesisches 
Lied", das so aussieht, als sei ein Bündel 



Arbeil. Von M.\X BAUMBACH, Bildhauer in Berlin. 
Grosse Bctiioer Kunstausstellung von 190a. 

Heu über die noch nicht trockene Leinwand 
gefegt, ferner Olof Jernberg zwei seiner 
bekannten Landschaften, aus Karlsruhe 
Karl Biese einen „Marschenhof", aus 
Hamburg MOMME Nissen eine „Friesische 
Bauernstube", eines der besten Bilder der 
ganzen Ausstellung. 

Eine beträchtliche Anzahl ausländischer 
Werke giebt der diesjährigen Ausstellung 
einengelinden internationalen Beigeschmack. 
In zahlreicher Geschlossenheit treten die 
Dänen auf, aber nicht grade imponierend. 
Man glaubt sich inmitten lauter Oeldrucke 
zu befinden. Bis auf wenige Ausnahmen 
wirken auch die Italiener recht dürftig; 
und zu diesen wenigen Ausnahmen gehört 
Gelli jedenfalls nicht. Einige stimmungs- 
volle schottische Landschaften von Brown 
und Kay, ein paar Bilder von CouRTENS, 



ii8 



Berliner Architekiiirmelt 



LUYTEN, VON MeLCHERS und HiTCHCOCK: 

das wäre etwa das, was man hervorheben 
könnte. 

Bezüglich der Plastik kann man sich kurz 
fassen. Von der besseren Aufstellung war 
bereits die Rede. Aber sie alleine thut's 
nicht. Immerhin wird man an dem sitzenden 
Mädchen WiLH. VON ROmanns (München), 
dem Knabenakt von JL'L. WüLI- K (Berlin), den 
Arbeiten Hugo Lhiderf.rs (Berlin), den vor- 



trefflichen Kleriker -Porträts von Jos. LIM- 
BURG (Bonn), den Bildnisbüsten von JUL. 
LAGAE und z. T. auch an den Werken von 
Pl ETRO C ANONIC A (Tu rin) seine Freude haben . 
Zum Schluss ein frommer Wunsch, eine 
Art Gesundbetung für die grosse Berliner 
Kunstausstellung : möchte doch das neue 
Haus klein, so klein wie nur irgend mög- 
lich werden, möchte „Platzmangel" der 
leitende Baugedanke sein. 



n Franz MetZNBR, Bildhauer 



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Berliner ArchilekUirtvell 
Abhildung 174. 



Von AT>, HAK-i 



Zu unseren Bildern. 



ARCHITEKTUR. 

Die öffentlichen Badeanstalten Herlins 
haben erst sehr altmählich und seit 
noch nicht gar so langer Zeit be- 
gonnen, im Leben der Reichshauptstadt den 
Rang einzuehmen , der ihnen nach ihrer 
Wichtigkeit für die körperliche Wohlfahrt 
der Gesamtheit zukommt. 

Zuerst waren es ziemlich bescheidene 
Unternehmungen privater Natur, welche 
dem mit der Zeit erwachenden Bedürfnis 
des Publikums entgegenkamen. Der 
wachsende Sinn für bessere Ausstattung 
und Bequemlichkeit liess in der Folge An. 
lagen wie das Admiralsgartenbad und 
andere entstehen, und erst später erkannte 
es dann auch die Leitung unseres städtischen 
Gemeinwesens als ihre Pflicht, ubenso wie 
sie für den im Kampf des Lebens bereits 
siech gewordenen Körper mustergiltige 
Krankenhäuser ins Dasein gerufen hatte, 
nun auch nachdrücklich durch die Errichtung 
von öffentlichen Badeanstalten den Kreis 
derjenigen Massnahmen verbeugender Art 
zu vervollständigen, welche berufen sind, 
durch Förderung der dem gesunden mensch- 
lichen Körper innewohnenden Wider- 



standskraft die Macht gesundheitsschädlicher 
Einflüsse nach Möglichkeit herabzumindern. 

So ist denn seit etwa 10 bis 12 Jahren 
die Stadt Berlin mit der Erbauung von 
V'olksbadeanst alten nach planmässiger Ver- 
theilung auf die verschiedenen Stadttheile 
vorgegangen, von denen zur Zeit fünf der 
Benutzung übergeben sind. 

Drei davon, die in der Bärwaldstrasse 
(Berlins.), in derDennewitzstrasse (Berlin W.) 
und in der Oderbergerstrasse (Berlin .N.), 
fallen mit ihrer Errichtungszeit unter die 
Amtsthätigkeit des neuen Leiters unseres 
städtischen Bauwesens. Die zuletzt eröffnete 
Anstalt in der Oderbergerstrasse führen 
wir hiermit in einem Extrablatte und in 
den Abb. 175 bis 180 unsern Lesern vor. 

Sie teilt das von ihr eingenommene 
Grundstück mit einer auf dem Hinterland 
errichteten Gemeindeschule. In ihren 
oberen Geschossen konnten daher die 
Wohnungen der Rektoren dieser Doppel- 
schule untergebracht werden. Längs der 
Fassade liegen im unteren Geschoss die 
Wartesäle und Geschäftsräume, darüber in 
einem Zwischen geschoss die Zellen für 
Wannenbäder. Diese Raumverteilung ist 



Berliner Architc klurtvelt 



Volksbadeanstalt Oderbergerstrasse 58. Huffassade, 
Architekt: Ludwig Hofkmann in Berlin. 



Berliner ArchitekUtrweli 



Volksbadeanstalt Oderbergerstrasse 58. Hauptportal. 
Architekt: Ludwig Hoffmann in Berlin. 



122 



Berliner Archüekturwelt 



im Aeusseren folgerichtig zum Ausdruck 
gebracht und sichert dem Gebäude seine 
charaktervolle Erscheinung. Einen sehr 
monumentalen Eindruck macht die gewölbte 
weiträumige Schwimmhalle. 

Die Fassaden sind in Sandsteinarchitektur 
(grau) mit weissen Putzflächen aufgeführt, 
das Dach ist mit roten Biberschwänzen 
eingedeckt. Die Trennungswände der Bade- 
und Brausezellen sind mit 5 cm starken, 
beiderseitig glasierten Verblendsteinen und 
in die Lagerfugen gelegten Eisendrähten 
hergestellt. Jede Bade- und jede Brause- 
zelle hat durch ein Fenster direkte Beleuch- 
tung und Belüftung erhalten. Der Bau 
wurde in der Zeit vom August 1899 ^^^ 
Februar 1902 mit einem Kostenaufwande 



von 929000 M. ausgeführt. Die ornamen- 
talen Modelle für die Fassaden und das 
Innere entstammen dem Atelier des Prof. 

O. Lessing. 

In den Abb. 184 bis 186 bringen wir 
Ansicht und Grundriss des soeben voll- 
endeten Wohnhauses am Kurfürstendamm 42. 

Da die Mittel für Sandstein nicht zur 
Verfügung standen, der Architekt aber ver- 
ständigerweise sich zu einer, wenn auch 
noch so täuschenden Imitation des Sand- 
steins nicht entschliessen konnte, so wurde 
die Fassade der Hauptsache nach in Putz 
hergestellt und dieses Material als solches 
gezeigt, indem es seinen Eigenschaften ent- 
sprechend behandelt wurde. 

Um die rot. 22 m hohe Fassade nicht 



Abbildung^ 177. 




Grundriss zur Volksbadeanstalt Oderbcrgerstrasse 58. 



Berliner Arckiieklttrwelt 
AlibilduDg 178. 



Volksbadeaastalt Oderbergerstrasse 58. Schwimmhalle. 
Architekt; Ludwig Hoffmann in Berlin. 



Dcrliticr /irdiilckliif.i'clt 



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3.S 



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S 3 

° 1 

CD n 



Berliner ArchiiektiinveH 
Abbildung i8i. 



Landhaus in Steglitz, Kleiststrasse 38. Architekt: MAX Scheiding in Berlin. 




Abbililuog 183. 

5 lOm 



Abbildung 182 — 1S3 

Grundrisse 

zu Abbildung 181. 




Berliner Archiiektunoclt 



Wohnhaus Kurfürstendamm 43. 
Baumeister Kliiii BliliM)] und Architekt A. l-. M. Lance in Berlin, 



Berliner Architekturweli 



127 



eintönig erscheinen zu lassen, erhielt das 
Erdgeschoss eine Bekleidung aus braunen 
glasierten Verblendern, welche die Siegers- 
dorfer Werke lieferten, doch blieben zur 
Belebung dieses kräftig dunklen Unterbaus 
einige Flächen in Putz stehen; in glei- 
cher Absicht wurde das einfach gehaltene 
Vorgartengitter in weisser Emailfarbe ge- 
strichen. Die Fassade ist in ihrem mittleren 
Teil durch ein in Keimschen Mineral- 
farben bemaltes Giebelfeld abgeschlossen, 
für welches der Entwurf vom Kunstmaler 
Richard Guhr geliefert wurde, während 
die Ausführung von ihm in Gemeinschaft 
mit Bri'NO Drabig (i. F. Gebr. Drabig) 
bewirkt wurde. Ein kräftig vorspringendes 
Zinkschutzdach sucht die Einflüsse des 
Wetters fernzuhalten. Die Loggien sind 
in der Farbe violett gestimmt, die auf den 



Seiten mehr bläulich, die mittlere Loggia 
mehr rötlich. Dem angepasst ist der 
dunkelblaue Oelfarbenanstrich der Zink- 
dächer, während die Rinnen hellblau ge- 
halten sind unter bewusster Vermeidung 
jedweder Nachahmung einer Patina. Die 
Loggiagitter und die eisernen Körbe, 
welche für die Aufnahme von Taxus und 
Bucbsbaum bestimmt sind, wurden echt 
vergoldet. Das Vestibül hat ein hohes 
Panneel und Decke in Koptoxyl- Technik 
erhalten. Dabei sind die Rahmenhölzer aus 
dunkelviolett gebeiztem Eichenholz, die 
Füllungen aus Ahorn mit Paduk-Intarsia 
hergestellt. Die Bauausführung nahm die 
Zeit vom 15. April 1901 bis 15. April 1902 
in Anspruch. Die Baukosten betrugen 
400000 M. 

Das in den Abb. 181 — 183 dargestellte 



Abhildunj^ 185. 




Aljhildunß; i86. 



^ Yg-ntJiXXa 



Legende: 

1. X'orgartrn 

2. Eingang. 

3. \cslibül. 

4. Durchfahrt. 

5. Herrenzimmer 

6. Garderobe. 

7. Aufzug. 

8. Pförtner. 

9. Vorplatz. 

10. Salon. 

11. Wohnzimmer. 
13. Speisezimmer. 
13. Trinkstube. 
1 1.' Frühstfirkszimmer. 
15 Zimmer. 

16. Korridor. 

17. Bad. 

18. Mädchen. 

19. Küche. 

20. Empfangszimmer. 

21. Hof. 

22. Balkon. 




5 10 

1 I I I I I I I I I I 



1f 



Abbildungen 185 — 186 Grundrisse zu Abbildung 184. 
Von Kurt Berndt, Baumeister in Berlin. 



B. A. Vv. Vi J^. 



18 



Berliner ArchUeklitrwell 
Abbllduog 187. 



Meierei und Milchkuranstalt .Schweizerhof", Emdenerstrasse 40 u. 41. 
Entwurf: SOLF & WiCHARDS, Architekten in Berlin. Ausführung: C. BÄSELL, Baumeister in Berlin. 




AbbilJuitg 18.1. 


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Iduog 190. 






Uli hijd«H 






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10 ro 

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Abbildungen 188 — 190 Grundrisse zu Abbildung 187. 



Birliiier ArchilektiirtMlt 
Abbildun^eii 191 — 193. 



Abbildungeo 191—193 Villa in Wannsee, Moltkesirasse 29. 
Architekt; OTTO St ahn in Berlin. 



Berniter Arcküektiirwelt 



Dienst wohngebäude für das General-Kommando des 3. Armeecorps, Hardenbergstrasse. 
Architekt: H. HAUSMANN in Berlin. 



Periiner Archilektunuclt 
Abbildung 198. 



DienMwohngebSude für das General-Kommando des 3. Armeecorps, Hardcnbergsirasse. 
Architekt: H. HAUSMANN ia BerÜD. 



sind von SOLF & Wicharus entworfen, 
während die Pläne für die übrigen Anlagen 
dem Baugeschäft C. BASELL entstammen, 
welches auch die gesamte Ausführung 
übernommea hatte. 

Die Walpurgishalle von Schaudt, welche 
unsere Abb. 301 zeigt, ist der Entwurf zu 
einem Gebäude, welches einen Cyklus von 
Gemälden des Malers Hermann Hendrich, 
Sceneo aus der Walpurgisnacht (Faust, 
Erster Teil) darstellend, aufnehmen sollte. 
Die halbrund gedachte Halle sollte aiff 
dem Brocken aus dem Gestein dieses 
Berges aufgebaut werden und den Besuchern 
der sagenumwobenen Stätte Gelegenheit 
zur Besichtigung der genannten Dar- 



stellungen geben. Wie wir hören, soll die 
monumentale Auffassung, welche dem Ent- 
würfe SCHAUDTs zu eigen ist, den Absichten 
des Schöpfers der Bilder nicht entsprochen 
haben, und es wurde in der Folge an 
anderer Stelle zur Verwirklichung eines 
neuen Baugedankens geschritten, welcher 
in der Hauptsache die Verwendung von 
Holz als Ausführungsmaterial vorsah. 

Die Villa Stahn (Abb. 191 — 193) liegt 
in Wannsee bei Berlin an der ruhigen 
Moltkcstrasse in idyllischer Abgeschieden- 
heit unter Bäumen versteckt. Sie wurde 
nach den Plänen des Besitzers vom Novem- 
ber 1895 bis April 1896 ausgeführt. Ueber 
dem massiven Erdgeschoss erhebt sich das 



Bertiner Architektunvelt 



Berliner Archiiekturtvclt 



Berliner ArchitektiirweK 



Berliner Archileklurtvelt 

Abbildung ao». 



Prühstückszimmer. Architekt: ARNO KOERNIG in Wilmersdorf. 
Ausführiing: JULlUS Jarotzki, Kunsttischlerei in Berlin. (Ausstellung in Turin.) 



Berliner ArchitckUtr^velt 
AlibiMung 103. 



Frühstückszimmer. Architekt: Akno KOEKNIG in Wilmersdorf. 
Ausführung: JDI.IUS J.AROIZKI, Kunsttischler in Berlin, (Ausstellung in Turin.) 



Berliner Architekturwelt 



& § 




Berliner Archiiekturweli 



■ich für ein Frühst ücksüimmer. Architekt: ARSO KOERNTG In Wilmp 
ühruüg: JULIUS JAROTZKI, Kunnliischler in Berlin (Ausstellung in 



Turin.) 



in Fachwerk mit sichtbarem rauhen und 
braun gebeizten Holz ausgeführte Ober- 
geschoss, dessen Innenseiten mit Kork- 
platten bekleidet wurden. Die schmiede- 
eisernen Fenstergitter sind, teilweise in 
Emailfarbe, bunt gestrichen. Die innere 
Ausstattung zeigt den Charakter schlichter 
Vornehmheit. Die Thüren erhielten Leder- 
bezug mit Auflagen aus getriebener Aiu- 
miniumbronze. 

Als Ergänzung zu unseren früheren Mit- 
teilungen über „\eue Stationshäuser auf 
Berliner Vorortbahnen" (vergl. Jahrgang 
1901 S. 396) fugen wir diesem Hefte die 
Abbildungen des neu eröffneten Bahnhofs 
-Nicolassee der Wannseebahn ein (Abb. 194 
bis 196). Das freundlich in der märkischen 
Landschaft liegende Gebäude vermittelt den 
Zugang zu den ausgedehnten Terrains der 
Heimstätten-Aktiengesellschaft, einer in kräf- 
tigem Aufblühen begriffenen Villenkolonie. 



MALEREI UND PLASTIK. 

Der Grossen Berliner Kunstausstellung 
dieses Jahres ist die Mehrzahl der Werke 
entnommen, welche den Gegenstand der 
nachfolgenden Bemerkungen bilden. 

Carl Kaysrk - Eichberg, ein Schüler 
Bracht s, bietet in seinem „Fischerdörfchen" 
(Abb. 167) eine weitangelegte Landschaft 
von glücklicher Composition. Die verteilten 
Massen geben dem Bilde auch eine gute 
dekorative Wirkung. 

LüUIS Lejeune, einer der Jüngeren aus 
der Brach t-Schule , erfreut uns durch sein 
stimmungsvolles Bild „ Tauender Bach " 
(Abb. 168), das einen eingehenden Natur- 
studium seinen überzeugenden Eindruck ver- 
dankt. 

Eine nicht minder liebevolle Hingabe an 
den Gegenstand der Darstellung verrät 
Erich Eltze in seinem Bild „Mutter und 
Kind" (Abb. 169), Auch sein Ziel ist die 



Berliner Arcküeklunvelt 

möglichst treue Wiedergabe der na- Ahbildung »07. 

türlichen Erscheinung. Dem Spiel der 
Karbenflecke in der Natur geht er 
mit besooderer Aufmerksamkeit nach 
und den eigentümlichen Doppel- 
erscbeinungen, welche auf der parallak- 
tischen Verschiebng der Gegenstände 
im Raum bei der Betrachtung mit bei- 
den Augen beruhen, sucht er durch 
eine entsprechende Pinselführung ge- 
recht zu werden. 

Otto Hkink. EngeI-s Bild „Frie- 
sische Mädchen" (Abb. i;o), nach einer 
Reihe vor der Natur gemaltef Oel- 
und Pastellstudien auf Tempera-Unter- 
malung ausgeführt, zeigt uns in gross- 
zügiger Auffassung zwei Mädchengestal- 
ten von linkischer Anmut, die uns auch 
noch an andrer Stelle der Ausstellung 
begegnen und Anlass zu interessanten 
Vergleichen bieten. 

Franz Kissings auf besonderem 
Blatte beigefügter interessanter Studien- 
kopf stellt sich als eine stark auf 
Ffächenwirkung hin angelegte Arbeit 
dar, wie denn der Künstler dieser 
Wirkung auch in seinen anderen Wer- 
ken mit Bewusstsein nachgeht. Der 
Malgrund ist aus Marmorstaub und 
Casein präpariert, wodurch die Farben 
um vieles leuchtender erscheinen, auch 
gestattet dieses Verfahren nach Mit- 
teilung des Künstlers gleichzeitig das 
Herausnehmen der Lichter, welches auf 
blossem Karton nicht möglich ist. 

Zwei gute Beispiele der plastischen 
Porträtkunst bietet das lebensgrosse 
Werk „Bei der Arbeit" von Prof. MAX 
Baumbach (Abb. 172) und die „Bildnis- 
büste" von Fritz Meinem ANN (Abb. 171,) 

Das erstgenannte Werk ist für Bronze- 
guss bestimmt und stellt den Bildhauer 
Herm. Fuchs in genrehafter Auffassung 
dar, die Büste ist ein wohlgelungenes 
-A^bbild unseres verstorbenen Altmeisters 

August Orth , das der Schöpfer des 

Werkes, wie meist alle seine Bildnis- S<^rapb, Glasfenstcr für eine Kirche in Kassel, 

werke nach vorangegangener Punk- Von Kranz Eissinc, Makr in CharlottenljutB. 



Berliner ArchitektHrwelt 
Abbildung 70H. 



St. Cätilie. Glasft-nsler für die Kü=i; im Uuii. ;u Ui 

tterung eigenhändig in Marmor fertig- 
gestellt hat. 

Franz Metzners direkt in Marmor ge- 
meisselies Relief (Abb. 173) ist von drei 
für eine Gruft bestimmte Darstellungen der 
vordere mittlere Teil. Die Herbheit und 
Strenge der Komposition ist der Bestim- 
mung des Bildwerks wohl angemessen. 

KUNSTGEWERBE. 
Als weitere Probe der auf der diesjährigen 
Turiner Ausstellung für moderne dekorative 
Kunst zur Vorführung gebrachten Werke 
deutscher Herkunft geben wir in den Abb. 
202—206 das vom Architekten Arno Koer- 



mfii. Von b'RvVNZ HlbSINC, Makr in Charlotlenbiirg. 

xiCr in Berlin entworfene und in der Tischler- 
arbeit von JiLUS J.AROTZKi, ebenda, aus- 
geführte Frühstückszimmer wieder. 

An der Ausführung waren ferner beteiligt 
der Kunstmaler Fk. Adolf Bf.cker in 
Wilmersdorf für die Wandmalereien, GeoR(; 
Jahn in Berlin für die Tapeziererarbeiten, 
wie Sessel, Gardinen, Wandstoffe und 
Teppiche, und JosEK ScHEkER in Wilmers- 
dorf für die Glasmalereien. 

Die Bekleidung der Wände und die an 
ihnen unmittelbar aufgestellten Möbel wur- 
den aus ungarischer Rüster, dunkel braun- 
grün gebeizt, hergestellt, während für die 
Möbel in der Mitte des Raums zwar das 



Berliner Archilckliirwelt 143 

monie des Raumes erhöht werden. Die 
Sessel sind mit Tuch in gedämpfter blauer 
Farbe bekleidet, die Tapisserie mattgold- 
gelb, der WandslofF dunkelgoldgelb ge- 
wählt. Die Gardinen des oberen, mit 
Kathedralglas versehenen Fensters sind aus 
mattgrüner, die des unteren, welches einen 
Blick nach dem Garten gewährt, aus dunkel- 
goldgelber Seide gefertigt. 

Die Standuhr (Abb. 281} ist nach einem 
Fntwurf des Htldhauers F'ranzBothe, Berlin, 
in Holz ausgeführt. Die sehr delikat in 
Treibarbeit ausgeführten Metalltheile, von 

Al.bil.lunK ;Si. 



gleiche Material, jedoch in Naturfarbe, zur 
Anwendung gelangte. Durch diesen Gegen- 
satz in der Behandlung sollte, nach Absicht Trc-Lbaibfiien lur Siaoiluhr Abbüilung a 
des Künstlers, die Behaglichkeit und Har- Von Ai.ex mii.e.er, Ci^eleut in Kerli 



Berliner ArcAüekiurweÜ 



genannten Malers Franz EiSSING in Char- 
lotlenburg. Der die H. CäcilJe darstellende 
ist für die Rose im Dom zu Bremen, der 
andere , ein Seraph, für eine Kirche in 
Kassel bestimmt. Die Flügel des Engels 
sind aus verschiedenen Gläsern zusammen- 
gebleit gedacht, mit Einlagen von geschla- 
genen Glassteinen, durch die eine überaus 
reiche und feierliche Wirkung enielt wer- 
den kann. A. H. 



Chronik 
aus allen bändern. 



BroDzeleuchter fOr eine Kerze. 

Nach dem KEtwurf von PtA und HUDOLF WILLE in 

Berlin, ausgpfflbrt in den Kunsiwerkstälten von 

Keller & keiner in Bertin. 

denen wir in Abb. 283 noch ein Detail 
bringen , entstammen der kunstgeübten 
Hand des Ciseleurs Alex MÜLLER, von 
dessen Arbeiten diese Blätter bereits mehr- 
fach Proben vorführen konnten. Aus dem 
gleichen Atelier ist auch die in Abb. 284 
wiedergebene Füllung, welche für eine ge- 
schmiedete eiserne Thfir bestimmt ist, her- 
vorgegangen. 

Die Entwürfe zu zwei Glasfenstern, Abb. 
279 u. 280 sind Werke des bereits oben 



00 An 11. Juni verschied In Badenweiler nach 
lanKcm Leiden Professor OTTO ECKMANN, Lehr«r 
an der Unlerrichlsaoslalt des Kuaslgewerbemuseuns. 
Mit ilin verliert dai deutsche Kunstgewerbe einen 
seiner heivonasendsIeD Führer. OTTO ICCKMANN 
gehört lu denen, die mit den WalTen ungewöhnlicher 
Begabung und kraftvoller Energie das moderne Kunst- 
gewerbe seinen ersiea Siegen lugefQhrt haben. Wenn 
er auch auf fast allen Gebieten der schmOckenden 
Künste nicht ohne Erfolg IhSiig war, so lagen doch 
seine besten Leistungen auf dem Gebiete der Fläcben- 
dekoraliop. Hier kam sein eminentes SiilgefQhl, sein 
überaus fein organisierter Farbensinn, seine schöpfe- 
rische Erfindungskraft am besten lur Gellung. Sein 
Buchschmuck, seine Tapeten und Teppiche gehGren 
zu den besten Leistungen, die überhaupt auf die- 
sem Gebiete geschaflen worden sind. Sie werden 
Ihtn einen ehrenvollen Namen im Ruhmestempel 
der Kunst erhalten. 



D Regleiungsbaumeisier HERMANN MUTHBSILS, 
der der deutschen Botschaft in London tugeteill ist, 
erwarb als erster Architekt die Doktorwürde an der 
Dresdener Hochschule. 



^ Die Aktiengesellschari .Königswait Limited' hat 
den Plan gefasst, das Mettern ich sehe Bad Königs- 
wart bei Marienbad in einem vornehmen Kurort 
ausiubauen. Als künstlerischer Beirat ist lu diesem 
Zwecke Professor JOSEPH M. OLBRICH gewählt 
worden, nach dessen Plänen und Enln-Drfen alle 
Gebäude, Hotels, Restaurants, Logier- und Bade- 
häuser u. s. w. ausgefQhrt werden sollen. 



Btrliner ArchitekturweÜ 
Abbildung 3S4. 



Thüriiillung. Von Alex MOller, Ciseleur in Berlin. 



Frontgitter. Luckenwalderstrasse 3. 
Architekt: Emil BoPST in Berlin. Ausführung: SemMLER & Bleyberg, Kunstschmiede in Berlin. 



Berliner Architekturweli 



Berliner Arckitekliinvelt 
Abbildung am. 



Prühstückszimmer. Architekt: ARNO KOERNIG in Wilmersdorf. 
Ausfiihning: JULIUS Jarotzki, Kunsttischlerei in Berlin. (Ausstellung in Turin,) 



138 Berliner ArcliiiekiunveU 

Abbildung joj. 



Friihstückszimmer. Architekt: AkxO Kokhnig in Wilmersdorf. 
Ausführung: Julius Jaroizki, Kunsttischler in Berlin. (Ausstellung in Turin.) 



Berliner Architekturwelt 



s § 




«50 



erträglich wirken, oder vielmehr die Rück- 
seite zweckmässig zu verkleiden, ohne dass 
dadurch die Leuchtkraft der Farben beein- 
trächtigt wird, ist noch zu finden. Hier 
wird die Erscheinung der ganzen Fassade 
durch das Fenster stark gestört. 

An plastischem Schmuck trägt die Haupt- 
front in der Mitte zwei reizvoll zu ein- 
ander in Beziehung gesetzte Büsten, wäh- 
rend auf dem Hauptgesims zu beiden Seiten 
eines ovalen Mansardenfensters die Figuren 
des Handels und des Reichtums eine stolze 
Bekrönung bilden. Auf der rechten Seite 
der Hauptfassade öffnet sich in drei Arkaden 
eine geräumige Veranda, der eine ähnliche 
Anlage auf der Gartenseite entspricht. An 
den beiden Schmalseiten treten aus der 
Wandfläche Vorbauten hervor^ auf der einen 
Seite der Wintergarten, auch äusserlich 
durch grottenartiges Ornament gekenn- 
zeichnet, nach der Hardefuststrasse die 
Apsis des Musiksaales. Hier ist die Strassen- 
front ebenfalls durch plastischen Zierat, 
Amoretten und Vasen, hervorgehoben. Der 
verhältnismässig kleine Garten wird noch 
durch ein stattliches, mit rauhem Putz ver- 
kleidetes Stallgebäude eingeengt. Ein 
niedriges, zwischen Steinpilaster eingespann- 
tes Eisengitter umschliesst die Besitzung. 
Die Pfeiler des Eingangs bekrönen hübsche 
Laternen. 

Trotz vieler vortrefflicher Einzelheiten 
gewährt die Villa Stollwerck in ihrer äusse- 
ren Erscheinung keinen reinen Genuss. Es 
scheint, dass für die schöpferische Kraft, 
die jene kyklopenhaften Kaiserdenkmäler 
aufgetürmt, hier der zu Gebote stehende 
Raum zu eng gewesen. Man hat das Ge- 
fühl, als stecke das Gebäude erst noch zur 
Hälfte im Boden, als müsse es wachsen und 
sich weiten, um dann auf grössere Massen 
und Flächen sein Ornament von strotzender 
Kraftfülle zu verteilen. Es ist derselbe 
Eindruck, den auch die Villa Staudt in 
Berlin, das Werk des kongenialen Otto 
RiETH» erweckt, wo auch ein Uebermaass 
an Formen auf engen Raum gebannt er- 
scheint.. Trotzalledem aber verspürt man noch 



in dem Werke, wie es geworden, die Krallen 
des Löwen, und unter den es umgebenden 
Gebäuden wirkt es vornehm und gross. 

Diese Unbefriedigtheit, die der äussere 
Bau erweckt, weicht beim Eintritt in das 
Innere. »Die Räume wachsen, es dehnt 
sich das Haus.*' Auf einen in weissen 
Marmor gekleideten Vorraum mit grossem 
Spiegel, um den silberne Zweige mit Auf- 
hängevorrichtungen sich ranken, folgt die 
Diele von überraschender Weite und Höhe 
und, anstossend an dieselbe, die übrigen 
Gesellschaftsräume : der Musiksaal, zwei 
Salons, der Speisesaal, das Billardzimmer 
und Nebengelasse. Das Obergeschoss ent- 
hält die intimen Wohnräume des Ffaus- 
herrn und der Hausfrau, sowie eine Gast- 
wohnung — alles von einer Grossräumig- 
keit, die das Aeussere des Hauses nicht 
vermuten lässt. 

Die Diele umzieht bis zur Höhe des zweiten 
Stockwerkes eine Täfelung aus Eichenholz 
von warmer hellbrauner Tönung, die den 
weitgedebnten Raum zusammenschliesst und 
behagliche Wohnlichkeit atmet. Die 
Füllungen sind glatt, als einziger plastischer 
Schmuck des fortlaufenden Getäfels sind 
auf den Rahmen zwischen den Füllungen 
in der Höhe ihrer oberen Kante Masken 
von wechselnder Gestaltung angebracht, 
die in ihren Mäulem Gehänge von Blumen, 
Früchten, Muscheln u. dgl. tragen. Als 
stärkere Accente wirken die oberen Füllun- 
gen und Supraporten der Thüren mit ihren 
Barockkartuschen von schwellenden Formen. 

Der Eingangsthür schräg gegenüber be- 
ginnt die Treppe, die zu den oberen Räumen 
führt. Das schön geschwungene Geländer 
ist sehr reich komponiert: geschnitzte 
schmale Füllungen, wechselnd mit einem 
Quintett kleiner Säulchen. Vor dem grossen 
farbenprächtigen Fenster, dessen schon Er- 
wähnung gethan, und auf dem ein Schiff 
mit den Gestalten der Liebe, Glaube und 
Hoffnung in der goldenen Glut der auf- 
gehenden Sonne einherfahrt, erweitert sich 
die Treppe zu einem breiten Podest. Der 
unter diesem befindliche Teil der Halle ist zu 



131 



einem Intimen kleinen Gemache ausgestaltet, 
das durch einen blauen grüngemusterten Vor- 
hang abgeschlossen werden kann und mit zier- 
lichen Möbeln versehen ist, ein besonderer 
Empfangsraum für die Herrin des Hauses. 

Gegenüber diesem lauschigen Plätzchen 
erhebt sich ein stattlicher Aufbau, die 
Kaminnische; hier findet die Dekoration 
der Halle ihren Höhepunkt. Der mit grün- 
grauem glattem Marmor verkleidete Kamin 
trägt einen Rauchfang aus getriebenem 
Kupfer. Darüber zieht sich auf Goldgrund 
die dekorativ behandelte Inschrift: „Mein 
Wort und Ehr' — mein Hort und Wehr**. 
Oberhalb dieser Worte soll noch eine Uhr 
angebracht werden. Die Seitenwände der 
Nische, die von zwei mächtigen Pfeilern 
eingefasst ist, bilden durchbrochene mächtige 
Kartuschen mit den Wappen von Köln und 
Paris, der Geburtsstadt der Hausfrau. 
Zwischen die Pfeiler ist unterhalb des reich- 
geschnitzten Balkons Rankenwerk aus Gold- 
bronze nebst zwei Beleuchtungskörpern 
eingefügt, das wie ein Lambrequin wirkt. 
Die Pfeiler klingen oben in zwei Holz- 
figuren, Deutschland und Frankreich, aus. 
Die Wände der Halle in der Höhe des 
zweiten Stockwerks, sowie die Decke sind 
weiss; über dem Getäfel läuft ein Fries 
von Rosenzweigen ringsherum, die Decke 
schmückt ein breiter Lorbeerkranz mit vier 
Medaillons, die Jahreszeiten darstellend. Eine 
riesige achteckige Laterne aus Goldbronze 
und geschliffenen Gläsern mit acht kleinen 
Laternchen an den Ecken ziert die Mitte der 
gewaltigen Halle, die sich als ein Reprä- 
sentationsraum vornehmster Art darstellt. 

Senkrecht auf die Diele stösst, durch 
GlaSthüren von derselben geschieden, ein 
Raum von märchenhaft berauschender Pracht 
und feierlicher Stimmung, der Musiksaal, — 
die Wände Onyx, die gewölbte Decke 
golden, die Apsis, in der der Flügel seinen 
Platz hat, mit Goldmosaik und einem Glas- 
fenster von tiefer satter Farbenpracht: die 
Poesie, umgeben von den zwölf vornehmsten 
Komponisten, auf einem wundervollen tief- 
blauen Hintergrund, die realistischen Ge- 



stalten der Tondichter' verklärt durch die 
Schönheit der Farben. Die durch zwei 
quergespannte Rippen geteilte Decke zeigt 
die Gestalten der Harmonie und des Tanzes, 
umgeben von vier Rundbildern mit der 
Götterdämmerung, Siegfried, Walküre und 
Rheingold, von Unger in blaugrauen 
Farbtönen ausgeführt, sodass sie in nebel- 
haften Umrissen sich von dem goldenen 
Grunde des Tonnengewölbes abheben. 
Unterhalb der Decke zieht sich als fort- 
laufendes Band rings um den Raum der Text 
des Gesangea aus den Jahreszeiten von 
Haydn „Die Himmel rühmen des Ewigen 
Ehre", darunter die entsprechenden Noten, 
in den Onyx eingraviert und vergoldet, 
die einzelne Sätze unterbrochen durch je 
eine Lyra. An den Längsseiten des Saales 
stehen je zwei Ruhebänke, das Gestell aus 
dunkelbraimem Holz, die Armlehnen in Ge- 
stalt ägyptischer Löwen; der dunkelblaue 
Sammetbezug trägt auf der Rücklehne ge- 
stickte Schwäne. Unmittelbar darüber ist 
auf den Wänden ein Fries von Putten, die 
Kränze halten, in Mosaik angebracht, doch 
so, dass für die grossen Flächen, wie die 
Körper der Putten, der Onyx stehen ge- 
blieben ist. Die eine Längsseite öffnet sich in 
der Mitte nach dem benachbarten Salon, aus 
dem man auf einem balkonartigen Vorbau 
in das Musikzimmer hineintritt. Die Brüstung 
des Balkons birgt einen Heizkörper, der 
durch durchbrochene Platten aus Goldbronze 
verkleidet ist. Durch geschickte Anbringung 
von Glühlampen ist auch am Abend dem 
Fenster seine volle Wirkung gesichert. 
Andere Birnen sind an der Decke und in 
der Apsis so verteilt, dass die zauberhafte 
Märchenstimmung des Raumes, dessen 
Akustik vorzüglich ist, am Abend noch 
gesteigert erscheint. 

Volle satte Farben beherrschen den er- 
wähnten Salon, der an das Musikzimmer 
stösst. Das schöne Rotbraun des Getäfels 
und der Decke verbindet sich mit dem tie- 
fen Violett der StofifuUungen zu vornehmer, 
wohlthuender Wirkung. Die Mitte der 
Balkonwand nimmt ein stattlicher, an Em- 



»52 



pireformen erinnernder Kamin aus schwarz- 
weiss geädertem Marmor ein, ihm gegen- 
über befindet sich ein grosser Spiegel. Die 
Decke ist in quadratische Felder geteilt 
und mit Goldmalereien von Professor Unger 
ausgestattet. Vier hübsch gezeichnete Kron- 
leuchter mit einem aus grossen Prismen 
gebildeten cylindrischen Mittelstück , das 
von kleinen Glühlampen umkreist ist, spen- 
den dem Raum am Abend das nötige Licht. 

Das angrenzende Damenzimmer ist ein- 
facher gehalten. Die Wände sind mit grau- 
grünem Seidenrips bezogen. Den Haupt- 
schmuck des Raumes trägt die Decke in 
weissem Stuck. Dieselbe zeigt ein vielver- 
schlungenes, von Zweigen durchwachsenes 
Bandwerk in flachem Relief, das an das 
sog. Laub- und Bandelwerk aus dem An- 
fange des i8. Jahrhunderts anklingt, dabei 
aber doch als völlig freie Erfindung sich dar- 
stellt. In der Voute schreiten stolze Pfauen 
einher. Die vier Ecken der Decke zieren vier 
Medaillons: Kunst und Wissenschaft, Handel 
und Industrie. Eine sehr wirkungsvolle 
Dekoration schmückt den Kamin, lüstrierte 
Kacheln in Muschelform, deren irisierende 
Reflexe sich zu reizvollem Spiel vereinigen. 

Zu hoher Pracht erhebt sich die Deko- 
ration sodann wieder im Speisesaal, der 
von einem flachen Gewölbe, in die Stich* 
kappen hineinschneiden, bedeckt ist. Rings 
um die Wände zieht sich ein grünlackiertes 
glattes Holzgetäfel, nur die Profilleisten 
vergoldet, und oben von einem goldenen 
Mäander begrenzt. Dementsprechend sind 
auch die Möbel gearbeitet. Die Decke ist 
in weissem Stuck ausgeführt. In den sechs 
Zwickeln zwischen den Kappen stehen streng 
symmetrisch gebildete Frauengestalten in 
feierlicher Ruhe. Von ihnen gehen Bänder 
aus, die sich in elegantem Linienspiel über 
die Decke breiten und in schönem Rythmus 
drei Rosetten umkreisen, von denen Be- 
leuchtungskörper mit tropfenförmigem Be- 
hang aus opalisierendem Glase herabhän- 
gen. Die Mitte der inneren Längseite be- 
herrscht das Büffet. Die gegenüberliegende 
Wand trägt in ihrer oberen Hälfte drei 



grosse rundbogige bunte Fenster. D^s 
mittlere stellt Ceres dar, in die seitlichen 
Fenster sind Medaillons mit einem säenden 
und erntenden Landmann eingelassen. Das 
Getäfel dieser Wand wird unterbrochen 
durch eine Thür, die zu der nach der 
Gartenseite liegenden Veranda führt. 

An der Schmalwand des Speisesaales nach 
der Halle zu reckt sich ein riesiger, reich 
skulptierter Kamin aus grau und weiss ge- 
ädertem Marmor empor. Ihm gegenüber 
öffnet sich der Saal vermittels eines phan- 
tastischen portalartigen Aufbaues, der in 
seiner vergoldeten Bekrönung zwei Frauen- 
gestalten mit Füllhörnern trägt, zu einem 
kleinen Wintergarten. Die Wanddekorationen 
desselben sind aus Muscheln, Steinen u. dgl. 
kunstvoll zusammengesetzt. Zwei Wand- 
brunnen verbreiten angenehme Kühle. 

Es folgt dann noch das Billardzimmer, 
ein verhältnismässig kleiner Raum, voll- 
ständig getäfelt mit grau gebeiztem Eichen- 
holz. Die Thüren tragen reiche Eisen- 
beschläge. In den flach geschnitzten Reliefs, 
die Tier- und Jagddarstellungen enthalten, 
sind romanische und gotische Motive ver- 
wendet. In der Mitte der einen Wand 
befindet sich eine flache Nische mit einem 
Viersitz, links davon der Ständer für die 
Billardstöcke, rechts eine Tafel und Wasch- 
vorrichtung. 

Die oberen Räume sind ihren Zwecken 
entsprechend einfacher gehalten und mehr 
den persönlichen Neigungen der Bewohner 
gemäss ausgestattet. Ein an die Diele sich 
anschliessender grösserer Flurraum ist 
von Ungrr mit grossem gotisierenden 
Rankenwerk bemalt. Eine besonders reiche 
Dekoration hat das Frühstückszimmer da- 
durch erhalten, dass die Wände von den 
kunstgeübten Händen MARIE KiRSCHNERS mit 
kostbaren Seidenstickereien versehen sind. 

Trotz aller Prachtentfaltung herrscht doch 
überall der Ausdruck gediegener Vornehm- 
heit ohne jeden aufdringlichen Prunk, eine 
Wirkung, die ebenso im Sinne des Bau- 
herrn wie des Architekten geschaffen wor- 
den ist. A, Brüning. 



ABB. 288 UND 289. FASSADE NACH DER 
HARDEFUST- U. VOLKSQARTENSTRASSE. 



ABB. 290 U. 291. MITTE D. HAUPT- 
FRONT UND HAUPTEINOANQ. 



ABB. 292 U. 293. HAUPT- 
THOR UND LATERNE. 



ABB. 294. ANSICHT 
NACH DEM GARTEN. 



»57 




10m 
) — i — ^—^ — I — I — I 



ABB. 295 U. 296. 
GRUNDRISSE. 



15» 



ABB. 207 UND 298. 
EINOAKO ZUM 
VESTIBÜL UND 
THÜRBESCHLAO. 



ABB. 2gg. DIELE MIT DEM 
BLICK NACH DER TREPPE 



ABB. 300. DIELE MIT 
BLICK INS VESTIBÜL 



ABB. 301. OBERER TEIL 
DER DIELE UND KAMIN. 



ABB. 302. DAS 
SPEISEZIMMER. 



ABB. 303. THUR 
IN DER DIELE 



i6i 



ABB. 304 UND 305. KAMIN 
UND FENSTER DER DIELE. 



ABB. 306. STUCK- 
DECKE UND BE- 
LEUCHTUNOSKÖR- 
PER DER DECKE 
IM SPEISEZIMMER 



ABB. 307 UND 308. 
BELEUCHTUNO DES 
KAMINS DER DIELE 
UND DECKENVOUTE 
IM SPEISEZIMMER. 



•«r 



ABB. 309. 
BÜFFET. 



ABB. 310. ENTWURF 
ZUR MUSIKHALLE. 



169 



ABB. 311 U. 312. MUSIK- 
HALLE U. BILLARDRAUM. 



ABB. 313. DECKE IN 
DER MUSIKHALLE 



ABB. 314. WAND U, BANK 
JN DER MUSIKHALLE 



ABB. 315, ARCHITEKTUR- 
SK ZZE FÜR D, BILLARD- 
UND RAUCHZIMMER. 



ABB. 316 U. 317. KAMIN IM 
ROTEN SAAL UND DETAIL 
AUS DEM BILLARDZIMMER. 



ABB. 318 U. 319. STUHLE DES SPEISE- 
U. RAUCHTISCH IM BILLARDZIMMER. 



ABB. 320. ARCHITEKTONISCHER 
ENTWURF ZUM ROTEN SAAL 



ABB. 320 U. 321. 
DAMENZIMMER 
UND TEIL DES 
FENSTERS IN D. 
MUSIKHALLE. 



ABB. 325 U. 326. BADERAUM UND FRUH- 
STÜCKSZIMMER (M. KIRSCHNER, BERLIN). 



CO Am 11. Juni verschied nach läagerem Leiden 
der Geheime Baurat ADOLF HEYDEN, Mitglied der 
Akademie dei Bauweseoa und der Kgl. Akademie der 
Künste, geboren am 15. Juli 1838. Durch iwel In 
Gemelaschafi mit dem Geheimen Bau rat WAi.ter 
KYLLMANN ausgefShrte bedeutende Bauwerke, die 
Kaisergalerie unter den Linden und das Admlials- 
gartenbad, ist sein Name mit der Baugcscbichtc 
Berlins unzerlrennlich verbunden. An weiteren Bauten 
sind zu nennen ; die Johann Iskitche in DOsseldorf, 
das Falais der bayerischen Gesandtschaft in der 
Voasstrasse, das Aus Stellungsgebäude am Lehrter 
Bahnhof, die PostgebSude in Breslau und Rostock, 
sowie zahlreiche Villen und Wohnhäuser im Rhein- 
lande und am Wannsee. Auch auf kunstgewerblichem 
Gebiete war Heyden mit Erfolg thSlIg. Br schuf 
Entwürfe für das Tafelsilber des damaligen Prinzen 
Wilhelm Im Jabre 1873 und lieferte einen grossen 
Teil der Skizzen für das Silbergerät, das 1SB4 von 
den preussischen Provinzen dem jetzigen Kaiser zum 
Geschenk dargebracht wurde. Auch die Ausstattung 
des kaiserlichen Vortragszimmers im Schloss rOhrt 
von seinet Hand. — ■ Ehre seinem Andenken! 



/ In einem engeren Wettbewerbe betr. Entwürfe 
für eine Synagegt in BUUftld, welche 800 Sitzplätze 
enthalten und 300000 Mark kosten soll, hat 
das Preisgericht unter den Arbeiten der ein- 
geladenen vier Architekten den Entwurf des Kgl. Bau- 
Inspektors B. FÜRSTENAU in Steglitz zur Ausführung 
gewählt — Bei dem Wettbewerb um Entwürfe für die 
HockiauttH dts ntuen Bahnhofs in Met* erhielt den 
enten Preis von 8000 Mark der Entwurf „Licht und 
Ltift" des Architekten JÜRGEN KRÖGBR in Berlin 
und seiner Mitarbeiter, der Architekten JORGENSEM 
und BAimiMANN, den zweiten Preis von 5000 Mark 
der Entwurf , Licht- des Landbauinspektors KLING- 
HOLZ In Berlin, je einen dritten Preis von 3000 Mark 
der Entwurf .Hairegen' und der Entwurl „Drüber weg" 
des Architekten OSWIH MALIER In Düsseldorf Zum 
Ankauf wurden die Entwürfe mit dem Kennwort 



.Bach' von den Architekten OTTO Sturh in Prank- 
furt a. M. und PAUL HUBBR in Wiesbaden, sowie 
„Einigkeit und Recht und Freiheit" von den 
Architekten PAUL BREUKEL und AUC. KOYEN In 
Düsseldorf empfohlen. — Bei dem diesjährigen Kon- 
kurrenzausschreiben des Deutsche» Techniker- Ver- 
bandes erhielten den I. Preis von boa M. nebst 
Ehrendiplom der Architekt FRITZ EPSTEIN In Casset, 
den 11. Preis von 400 M. und Ehrendiplom der. 
Architekt Max Gehrhardt in Charlottenburg und 
den in. Preis von 330 M. und Ehrendiplom der 
Architekt KARL PeWE in München. Ausgeschrieben 
war die Panellierung eines Teiles des der 
Terrain . Gesellschaft Park - Witzleben gehörigen, 
in Charlottenburg belegenen Terrains. — In dem 

Weitbewerie um Entwürfe für ein Pflegerinmen- 
keitn in Mains gewannen den ersten Preis die 
Architekten BRESLAUER und SALINGER in Berlin, 
den zweiten Preis die Architekten BAEPPLER und 
GrAEFF in Frankfurt a. M., den dritten Preis der 
Architekt FRIEDR. Thelemann in Berlin. — In dem 
von der Fabrik elektrischer Uhren, Patent MÖLLER, 
Inhaber MORITZ ROSEKOW (Berlin) veranstalteten 

WeUieweri um eine Dielenuhr wurden 370 Entwürfe 
eingesandt. Der erste Preis wurde dem Architekten 
WALTER ROCKSTROH in Charlottenburg, der iwelte 
Preis Walter Ortlieb In Berlin, der dritte Preis 
dem Architekten HANS H.^RDERS in Berlin, sowie 
zwei weitere Preise dem Bibliothekar WITTMANN in 
Köln und OTTO PAULICK In Steglitz luerkanal. Acht 
andere Entwürfe wurden zum Ankauf In Aussicht ge- 
nommen. — In dem von den Berliner Elektrizitäts- 
werken unter den Mitgliedern der „Vereinigung 
Berliner Architekten" ausgeschriebenen Wetibttoerb 
tur architektonischen Ausbildung von Bogentickt- 
kandelabern erhielt unter den eingegangenen ao 
Arbeiten der Entwurf „Dem Kerl geschieht ganz 
recht" vom Stadibaumeister EMIL HÖGG den ersten 
Preis, der Entwurf ,,Komulus" des Stadtbau meisteis 
ALFONS Schneegans -den zweiten und der Entwurf 
„Leuchte II" des Architekten HBRM. A. KRAUSE den 
dritten Preis. Angekauft wurde der Entwurf „Es 



i8o 



werde Licht" des Architekten ALF. J. BALCKE und 
der Entwurf „Zur Zierde'' des Architekten RICHARD 
WALTER. 

• 

< Ein Wettbewerb Mur Erlangung von Entwürfen 
für ein Krematorium auf dem Rhiensberger Friedhof 
bei Bremen wird vom Verein für Feuerbestattung, 
E. V., in Bremen unter den Künstlern Deutschlands 
ausgeschrieben. An Preise sind ein erster Preis von 
looo Mark, ein zweiter Preis von 500 Mark und ein 
dritter Preis von 300 Mark ausgesetzt. Als Bausumme 
stehen 850CO Mark zur Verfügung; die Kosten für den 
Verbrennungsapparat und die Versenkungsvorrichtung 
sind nicht in die Summe einbegriffen. Das Preis- 
gericht besteht aus den Herren: Rechtsanwalt Dr. 
BRACKENHOEFT, Hamburg, Architekt E. GlLDE- 
MEISTER, Bremen, Senator M. GiLDEMEISTER, Bremen, 
Prof. Dr. Haupt, Hannover, Kaufmann FRANZ 
HOLSCHER, Bremen, Baurat KLINGBNBERG, Oldenburg, 
Dr. med. LiESAU, Bremen, Baurat O. MARCH, Char- 
lottenburg und Baurat WEBER, Bremen. Die Entwürfe 
müssen bis zum 15. September 1902 abends dem 
Vereins Vorsitzer, Herrn F. HOLSCHER, Neustadts- 
contrescarpe 33, Bremen, zugehen, von dem auch die 
Bedingungen und Unterlagen für den Wettbewerb 
gegen postfreie Einsendung von 4,50 Mark zu be- 
ziehen sind. 

* 

^ Zur Erlangung von geeigneten Entwürfen für 
den Bau der Bugenkagen- Kirche su Stettin wird 
ein Wettbewerb unter den im Deutschen Reiche an- 
sässigen Architekten evangelischen Bekenntnisses von 
dem Gemeinde-Kirchenrat von Bugenhagen mit Frist 
bis zum 31. Oktober d. Js. ausgeschrieben. Das 
Preisrichteramt haben übernommen: Geh. Reg.-Rat 
Oberbürgermeister HAKEN, Stettin, Geh. Baurat 
HOSSFELD, Berlin, Geh. Reg.-Rat Professor OTZBN, 
Charlottenburg, Stadtbaurat MEYER und Pa»tor 
SPRINGBORN, Stettin. An Preisen sind ein erster 
Preis von 3400 Mark, ein zweiter von 1500 und ein 
dritter Preis von loco Mark ausgesetzt. Der Ankauf 
von weiteren Entwürfen zum Betrage von 400 Mark 
bleibt vorbehalten. Die Unterlagen für den Wett- 
bewerb sind gegen Einsendung von 2 Mark durch 
den Pastor SPRINGBORN, Stettin, Kurfiirstenstrasse 16 
zu beziehen. 

X Ein Wettbewerb wird vom Verlag der Maler- 
seitung^ Leipsig, veranstaltet zur Erlangung, i. eines 
Zeitungskopfes für die Maler- Zeitung, Leipzig; 9. 
einer Umschlagzeichnung zu dem Beiheft: Dekorations- 
Motive der Maler- Zeltung, Leipzig; 3. von Zeich- 
nungen zu folgenden Rubrikenköpfen: Vermischtes, 
Verbands- und Vereinsnachrichten, Bücherschau, 
Fragen und Antworten, Briefkasten. Die Entwürfe 
sollen persönlichen Stil zeigen, bei aller erreichbaren 
Einfachheit eigenartig sein und Be^ug nehmen auf das 
durch die Zeitschrift vertretene Gewerbe. An Text 
in moderner, gut lesbarer Schrift sollen die 2^ich- 
nungen enthalten: Zu i. Maler* Zeitung, Illustriertes 



Fachblatt für Dekorationsmaler, Lackierer, Anstreicher 
und Gewerbetreibende verwandter Gebiete. 2 Hefte 
Dekorations - Motive vierteljährliche Beigabe. — 
Offizielles Organ des Deutschen Malerbundes, Verlag 
von JÜSTEL & GÖTTEL in Leipzig. Zu 2. Deko- 
rations- Motive der Malerzeitung, Leipzig. ~ Heraus- 
gegeben von Richard Hesse in Leipzig, Verlag 
von JÜSTEL & GÖTTEL in Leipzig.^ Zu 3. Die oben 
angeführten Ueberschriften. Bei allen Entwürfen ist 
zu beachten, dass die Reproduktion mittelst Zinkätzung 
erfolgen kann. Die Zeichnungen müssen deshalb mit 
intensiv schwarzer Tusche in scharfer Strichmanier 
auf weissem, nicht rauhem Karton ausgeführt sein 
und zwar zu i. im Querformat von 34 : 23 cm., zu 2. 
im Hochformat von 50 : 34 cm., zu 3. im Querformat 
von je 24 : 3 cm. An Preisen sind (Ür die jeweils 
beste Arbeit zu i. 200 M., zu 2. 300 M., zu 3. 100 M. 
ausgesetzt. Die prämiierten Entwürfe gehen in das 
Eigentum des Verlegers der Maler-Zeitung Über. Die 
mit einem Kennwort zu versehenden Arbeiten sind 
bis spätestens i. Oktober 1902 an den Verlag der 
Maler-Zeitung (JÜSTEL & GÖTTEL) Leipzig, Emilien- 
strasse 21 einzureichen, von dem auch Probenummern 
der Malerzeitung, sowie der Dekorations-Motive, aus 
denen Tendenz und Inhalt der Zeitschrift ersehen 
werden kann, auf Wunsch bezogen werden können. 
Der Name des Einsenders darf nur in dem beigelegten 
verschlossenen, das Kennwort tragenden Kouvert ge- 
nannt werden, Preisrichter sind: Professor MAX 
Seliger, Direktor der Kgl. Akademie f. graph. 
Künste und Buchgewerbe, Dr. RICHARD GRAUL, 
Direktor des Kunstgewerbemuseums, Professor CARL 
SEFFNER, Vorsitzender des Leipziger Künstlervereins, 
Dekorationsmaler RICHARD HESSE, Chefredakteur 
der Maler-Zeitung, Verlagsbuchhändler FRANZ JÜSTEL, 
sämtlich in Leipzig. Die Veröffentlichung der Ent- 
scheidung wird spätestens am 15. Oktober 1902 in 
der Leipziger Maler-Zeitung erfolgen. 

« 
/\ Die 1$. Wanderversammlung und j/. Abge- 
ordneten-Versammlung des Verbandes deutscher 
Architekten- und Ingenieurvereine findet in den 
Tagen vom 30. August bis zum 3. September d. J. 
in Augsburg statt. Das Programm der Wander- 
versammlung ist folgendes: Sonntag, den 31. August, 
8 Uhr vorm., Eröffnung der Auskunftsstelle ft|r 
Wohnungen am Bahnhofe; Schluss abends 9 Uhr. 
8 '/] Uhr abends Begrüssung der Teilnehmer und 
ihrer Damen im Schiessgrabensaale. Scenlscher 
Festprolog und Musikaufführung. — Montag, den 
I. September, 8 Uhr vorm., Eröffnung der Anmelde- 
stelle im Obergeschoss des Schiessgrabensaales. 9 Uhr 
vorm. I. Allgemeine Versammlung im Schiessgraben- 
saal: I. Eröffnung durch den Vorsitzenden des Ver- 
bandes; 2. Bericht des Geschäftführers über die 
Ergebnisse der Abgeordneten -Versammlung; 3. Vor- 
trag des Stadt. Oberbaurats FR. STEINHÄUSER über 
,, Augsburgs bauliche Entwickelung*' ; 4. Vortrag des 
Kgl. Ba^uamtmanns ADALBERT StenGLBR in Kempten 
über „Wildbach verbauungen im bayerischen Hochge- 



i8i 



j^ebirge" (beide Vorträge mit Projektionsbildern). 
1 7t Ubr nachm. Enipfang der Festteilnehmer durch 
die Vertreter der Stadtverwaltung Im ^^goldenen Saal" 
des Rathauses und Bewirtung daselbst seitens der 
Stadt. 5 Uhr nachm. Sonderzug zum Waldfest auf 
dem Hochablass. Musik und Feuerwerk. — Dienstag, 
den 2. September, 9 Uhr vorm. II. allgemeine Ver- 
sammlung im Schiessgrabensaal: i. Geschäftliche 
Mitteilungen; 3. Vortrag des Geh. Baurats J. STÜBBBN 
in Köln Ober „Stellung der Techniker zur Frage der 
Beschaffung billiger Wohnungen**; 3. Vortrag des 
Professor FRIEDR. v. THIBRSCH in München Aber 
,, Augsburger Fassaden -Malereien**; 4. Vortrag des 
Landbauinspektors und Münsterbaumeisters a. D. L. 
ARNTZ in Schwarz- Rheindorf b. Bonn ,,Was schulden 
wir dem Strassburger Münster, dem überlieferten 
Meisterwerk deutscher Baukunst**. Nachm. Gruppen- 
weise Besichtigung der Stadt, der Lokalbahn, der 
Wasserbauten und des Elektrizitätswerkes bei Gerst- 
hofen u. s. w. 7 Uhr abends Festessen in der 
Konzerthalle des Stadtgartens. Gartenfest mit Illumi- 
nation und Doppelkonzert. — Mittwoch, den 3. Sep- 
tember 8 Va Uhr vorm. Ausflug mit Sonderzug nach 
Füssen, von da nach Hohenschwangau zur Besichtigung 
des Kgl. Schlosses Neuschwanstein. Mittagessen in 
Hohenschwangau. Rückfahrt nach Augsburg 7 Uhr 
45 Min. abends. Denjenigen Festteilnehmern, welche am 
nächstfolgenden Tage Augsburgs Sehenswürdigkeiten 
noch näher besichtigen wollen, stehen besondere Füh- 
rer zur Verfügung. Der Preis der Teilnehmerkarten be- 
trägt 16 M., der Damenkarten 13 M. Die Herren- 
karten berechtigen i. zum unentgeltlichen Bezüge 
folgender Festgaben a) der Festgabe des Augsburger 
Architekten- und Ingenieur -Vereins „Album Augs- 
burger Ansichten** in Lichtdruck, b) der Festschrift 
der Stadt Augsburg , Augsburg in kunstgeschichtlicher, 
baulicher und hyjrienischer Hinsicht**, c) der Festgabe 
der Grossindustrie Augsburgs „Album über Fabrik- 
bauten und Verkehrsanlagen**, d) zum Empfange 
eines Führers von Augsburg, ferner zur Teilnahme an 
allen Festlichkeiten der ersten drei läge. Die 
Damenkarten berechtigen zur Teilnahme an den Fest- 
lichkeiten und zum Bezüge des Führers von Augsburg. 
Für die Damen sind, soweit sie nicht den Vorträgen 
beiwohnen wollen, besondere Führungen durch die 
Kunstsammlungen und die industriellen Etablissements 
der Textilbranche vorgesehen. Anmeldungen sind 
bis sufH 10, August an den städL Ingenieur A^ 
NIBDERRBITBR, Stadtbauamt Augsburg, zu richten. 

Die Abgeordnetenversatninlung findet den 
30. August im Landratssaal des Kgl. Regierungs- 
gebäudes statt. Die Tagesordnung enthält u. a.: 
Bericht über die schriftstellerischen Unternehmungen 
des Verbandes; Ergebnisse aus dem Vertrage mit 
der Deutschen Bauzeitung; Wahl des Ortes für die 
Abgeordnetenversammlung 1903 und die Wanderver- 
sammlung 1904; Wahl zweier neuer Vorstandsmit- 
glieder an Stelle der ausscheidenden Herren BUBESDEY 
und V. SCHMIDT; Bericht über die Veröffentlichung 
der -Denkschrift über die Stellung der höheren 



städtischen Baubeamten ", über den Fortgang des 
Werkes «das Bauernhaus im Deutschen Reich und 
in seinen Grenzgebieten,** über die Thätigkeit des 
^Ausschusses zur Wahrung der Wettbewerb-Grund- 
sätze", über die Teilnahme des Verbandes an der 
Architektur-Ausstellung auf der Düsseldorfer Aus- 
stellung 1902; Neuauflage des Deutschen Normal- 
profilbuches für Walzeisen ; Genehmigung des mit 
den Vereinen deutscher Ingenieure und Eisenhütten- 
leuten getroffenen Uebereinkommens über die gemein- 
same Herausgabe eines Musterbuches für Konstruk- 
tionen für den Feuerschutz von Eisenkonstruktionen; 
Abschluss gemeinschaftlicher Versicherungsanträge 
für die Verbandsmitglieder; Antrag des bayerischen 
Vereins, das ,Haus des Baumeisters" in Rothenburg o.T. 
durch den Verband zu erwerben; Bericht über die 
auf der Abgeordnetenversammlung in Königsberg 
gefassten Beschlüsse: a) Einstellung ständiger Mittel 
in den Reichshaushalt für die Denkmalpflege, in erster 
Linie für Erhaltung des Strassburger Münsters; 
b) Kundgebung des Verbandes in Sachen der Doktor- 
promotion an der Technischen Hochschule ; c) Kund- 
gebung des Verbandes in Sachen eines neuen Ur- 
heberrechts an Werken der bildenden Kunst; ferner 
Nachprüfung der ^Normalien für Hausentwässerungs- 
leitung** ; Bericht über die Thätigkeit der Ausschüsse 
für die Ausführung der in Königsberg gefassten Be- 
schlüsse betr. a) Aufstellung von Grundsätzen für 
Bauordnungen; b) Zivilrechtliche Haftbarkeit der 
Architekten und Ingenieure; c) Gebühren der Archi- 
tekten und Ingenieure als gerichtliche Sachverständige. 

« 
O I^ic „Soci^t^ Fran9aise des habitations ä bon 
marche** in Paris hat dem Professor Dr. H. ALBRECHT 
in Berlin und dem Geheimen Baurat I. STUBBEN in 
Köln in Anerkennung der unermüdlichen und hervor- 
ragenden Arbeiten für Beschaffung billiger Wohnungen 
die silberne Ehrenmedaille verliehen. 

O Die Bürgerschaft in Kiel hat fast einstimmig 
beschlossen, ein stadtisches Theater nach den Ent- 
würfen des Architekten HEINRICH SeelinG in Berlin 
mit einem Kostenaufwand von 1 305 000 Mark zu 
erbauen. Man hofft das Theater, das in seiner An- 
lage namentlich auch die Bedürfnisse der arbeiten- 
den Klassen berücksichtigen wird, spätestens 1905 
eröffnen zu können. 

• 
Q Wie seit einer Reihe von Jahren hat Professor 

MEURER in Rom auch in diesem Frühjahre einen 

viermonatlichen Kursus für ornamentales Pflanzen - 

Studium abgehalten, zu dem das Kgl. Preussische 

Handelsministerium diesmal drei Direktoren und sechs 

Lehrer kunstgewerblicher Schulen aus den Städten 

Magdeburg, Hanau, Barmen und Erfurt gesandt hatte. 

Die Studien und Vorträge dieser Kurse sollen die 

Betheiligten in eine Methode einführen, die der 

ornamentalen Formenlehre des kunstgewerblichen 

Unterrichts eine vergleichende Behandlung des 

Pflanzen- und Ornamentzeichnena zu Grunde legt. 



l82 



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O' STICHLINGx- 



DETAIL DER BRONCE 
GEWERBE- MUSEUM 



„MUSIK" KUNST- 
IN CÖLN A. RH. 



i84 



MODELL ZU EINER MAJOLIKAFÜLLUNG ■ CÖLN. 



aber, die von den Tagen der Agrippma 
über die frühen Reste christlicher Kultur, 
wie wir sie in dem Basiliken - Gmndriss 
der Maria - Kapitol - Kirche ünden, zu St. 
Gereon führen und weiter ins Mittelalter, 
da eine blühende Malerschule dort wuchs 
und einige Vertreter der christlich-philo- 
sophischen Mystik sind noch heute wach 
und von jeher der KrystalHsationspunkt 
der Neuerungen gewesen. So weist denn 
Köln in weit geringerem Masse jene Lücken 
stilwidriger Zeiten auf, die wir in den 
meisten deutschen Städten finden. Der 
Grundstock herrlicher, wenn auch ver- 
einzelter Bauten (denn ein ganzes Quartier 
hat Köln nicht) romanischer und gotischer 
Zeit war ein dauerndes Vorbild der Ge- 
schmacksrichtung und Erziehung. Und der 
Art dieser Entwicklung entsprach von jeher 
der Typus der Bevölkerung in seiner Ge- 
sinnung und auch in seinem Aeusseren. 
So war ein vornehmes, an alte Zeiten ge- 
mahnendes Mäcenatentum dort stets thätig, 
von dem Namen wie Richartz, Wallraff, 
Boissere, um nur einige wenige zu nennen, 
ein beredtes Zeugnis sind. Es weht um 
die Namen dieser Häuser die Erinnerung 
an jene alten Patriziergeschlechter, deren 
grösste die Fugger und Welser. Und 
dieser Geist waltet fort, denn neuerdings 
ist wieder aus den Reihen der Bürgerlichen 
der verstorbene Mobelfabrikant Pallenberg 
mit seiner hochherzigen Stiftung hervor- 
getreten: ein Saal im neuen Kunstgewerbe- 
Museum, und ausgeführt — seltsame, wenn 
auch nicht unangefochtene Fügung — von 
dem Mystiker und Neu -Gotiker Lechter. 



Unsere Zeit war eine Zeit des Naturalismus 
und konnte es garnicht anders sein. Nach- 



dem die spekulative Philosophie im 18. Jahr- 
hundert in reinem Materialismus geendet war 
— das Intermezzo deutscher Romantik ver- 
mochte dem Lauf der Dinge keinen Einhalt 
zu thun — verblieb dem Menschengeist nichts 
anderes, denn aus dem Reich dieser ma- 
terialistischen Spekulation sich auf die feste 
Basis der Empirie zu stellen und in solider 
Detail-Arbeit ein Fundament für einen neuen 
Zukunftsbau zu festigen. Diese Kärrner- 
arbeit hat manches Jahrzehnt gewährt, und 
es beginnen die emsigen Arbeiter nun wieder 
allmählig nach oben zu schauen, welche 
Art von Tempelbogen sich denn über dem 
Umerbau wölben lasse. Aber da gewahrte 
mancher unter ihnen, dass sein Blick an 
Sehkraft in die Ferne verloren habe bei 
der langen mühsamen Arbeit, und verzagte. 
Und wie in der Wissenschaft, so in der 
Kunst nicht minder. Von allen klassizisti- 
schen und früh romantischen Epigonen- 
künsten abgesehen : die Kunst, die dem 
19. Jahrhundert die wesentlichste Note der 
Bereicherung gab, ist die naturalistische. 
Aber diese Kunst ist ein Anfang und kein 
Abschluss, ist mit ganz geringer Ausnahme 
nur Baumaterial. Und so sehen wir denn, 
dass eigentlich nur einer, ARNOLD RÖCKLIN 
es verstanden hat, das auf reine Natur- 
anschauung, ja Naturforschung basierte Spiel 
der Phantasie ins Monumentale zu steigern, 
wenn auch in einer etwas exklusiven Art, 
einer Art, die nicht ohne lyrischen Egoismus 
ist, während KliNGER und Thoma sich 
schon auf breiterer Basis versuchten. 

Die meisten aber unter diesen kühnen 
Neueren, bei uns in Deutschland wie auch 
in Frankreich und England, suchten das 
Gewand vergangener Epochen der Neuzeit 
anzupassen. Und man möchte sie Neu- 
Gotiker nennen. In Frankreich ist es 



•85 



MODELL ZU EINER MAJOLIKA- FÜLLUNG • CÖLN. 



PUVIS DE CHAVANNES, in England BURNE- 
JONES, in Deutschland Lechteb. Künstler 
sehr verschiedener Art, doch im Grunde 
gleich veranlagt. Und Lechter, der weniger 
zum Tafelbild neigt denn zum Ineinander- 
arbeiten mit Architektur und jedweder De- 
koration, hat nun Gelegenheit gehabt, sein 
umfassendes Können in diesem Saale des 
Kölner Kunstgewerbe-Museum geschlossen 
zu bethätigen. ^ 

Doch nicht von ihm und seinen Einzel- 
leistungen soll hier des Näheren die Rede 
sein, vielmehr von seinem skulpturellen 
Mitarbeiter, der seine Kunst auf die gleichen 
Voraussetzungen gründet und dessen Ar- 
beiten sich der grossen Schöpfung Lechter s 
entsprechend eingliedern. — 



Otto Stichling entwickelte sich rasch 
aus tastenden naturalistischen Versuchen 
zu einem Künstler, der bestrebt ist, seeli- 
sche Momente in der strengen Fassung der 
vereinfachenden Linie zu gebeq. Die Mit- 
arbeit an Lechters Werk gab ihm hierzu 
die ersie Gelegenheit. So schuf er aus 
zartem poerischen Geist jene vier, die Künste 
symbolisierenden Bronzefiguren, die zwölf 
die in Holz geschnitzte Deckenrose bilden- 
den Engel, den Entwurf zu jenen Majoliken 
ars humana und ars coelestina, die über 
den beiden Thüren eingelassen sind, wie 
auch die übrigen Entwürfe zu den Holz- 
reliefarbeiten. Ein zarter Geist für Anmut 
der Linie und Form spricht sich in ihnen 
aus und für omamentale Gliederung. Sie 
wirken wie die Gefühle Eines, der das 
Quatrocento kennt und liebt und mehr 
noch einen Blick in die sonnige Natur sen- 
det,, denn in die duftenden Höhlen der 
Kirchen. So unterscheiden sie sich auch 



gerade in diesem Punkt von den herben 
und schwermütigen Gestalten Lechters, 
wie wir sie in den Glasfenstern, den Mo- 
saiken des Kamins und dem noch zu er- 
wartenden Gemälde finden. Und weisen 
sie bei aller scheinbaren, durch die Stilisie- 
rung bedingten Einseitigkeit eine grosse 
Verschiedenheit der Erfindung auf und auf 
ein reiches Spiel der Phantasie. Obgleich 
aus einer Grundidee entstanden, sind diese 
zarten Profile in beständigem Wechsel und 
mit Ausnahme der Engel der Deckenrose, 
die nicht ohne den Hauch himmlischer As- 
kese, von reiner Anmut und Frische. 

Von späteren Werken des Künstlers, aut 
die bei dieser Gelegenheit hingewiesen 
werden mag, sind besonders bemerkenswert 
das Porträt der Frau A. und das Grabmal 
der Familie V. Dieses Werk ist wohl des 
Künstlers bisher reifste Leistung. Die Idee 
des Schicksals legte er dieser Frauengestalt 
zu Grunde, die in der That dahinschreitet 
wie ein verhängnisschweres Fatum.und sind 
die mit ihr einhergehenden Empfindungen 
vortrefflich zum Ausdruck gebracht. Was wir 
heute an so wenigen Werken der Plastik 
finden, hier ist es gut herausgearbeitet, eine 
architektonische Gliederung , eine organi- 
sche Bindung des Ganzen innerlich wie 
äusserlich, in allen Einzelheiten. Die mit 
gebundenen Armen und schwer müden 
Flügeln schreitende Figur ist in Bronze ge- 
gossen und steht auf granitenem kreuz- 
förmigem Unterbau. 



Betreten wir den Kölner Pal lenberg- Saal, 
es umfangt uns eine wahre Kirchenstim- 
mung. Man glaubt im Mysterienzimmer 
eines Geheimbundes zu sein. Ein gotischer 
Grundakkord mischt sich mit Klängen des 



ARCHITEKTEN ERDMANN U. SPINDLER. 
STICHLING. 



BILDHAUER 
GRABMAL. 



Orients und der rauschenden Lyrik Richard 
Wagners. Aus den traumhaft schweren 
Farben grüssen trauernde Gestalten, Prieste- 
rinneo der Schönheit und der Kunst. Der 
Raum wirkt wie der einer Kirche, doch 
allsogleich merkt man, dass in ihm nicht 
der unbefleckten Himmelsmagd geopfert 
werdea soll, vielmehr den Gottinnen der 
Schönheit; die iwar nicht mehr diese Hallen 
mit griechisch - hellem Frohsinn erfüllen, 
deon mit den feierlichen Gesten derer, die 
die dunkelsten Regungen des Alls und der 
Menschenseele vermitteln. Ein asketisch 
strenger Zug weht so zum Schluss aus all 
der Sinnlichkeit dieser im Grunde doch kalten 
Farben, die der Gruss vergangener Zeiten 
sind und weckt die Nähe der Gefühle von 
Kunst und Religion. 

Als eine aussergewöhnlich einheitliche 
Leistung können wir sonst diesen Saal be- 
trachten. Eichenholz und Gold ist das 
Hauptmatertal unter all den Kostbarkeiten. 
Die goldenen Thüren sind von braunem 
Marmor flankiert und über ihnen die in hell- 
leuchtenden Farben strahlenden Majoliken 
ars humana und ars coelestiaa eingelassen. 
Zwischen den Thüren harrt der freie Raum 
noch auf Lechters Bild. Die gegenüber- 
liegende Wand nimmt das dreiteilige farben- 



glühende Fenster ein, das ein glänzender 
Beweis für Lechters Phantasiekraft. Der 
Sockel unter dem Fenster ist hell geäderter 
Marmor. Die beiden kurzen Querwände 
dienen auf der einen Seite einem kunstvollen 
Kamin, auf der anderen einer geschnitzten 
Bank. Grüner Sammet ist der Grundton 
der Wände, auf deren einer ein Kasianien- 
baum blüht, auf der anderen Lorbeer- 
pyramiden. Die Decke ist reich in Holz ge- 
schnitzt und auf blauem Grund und Sprüche 
von Nietzsche sind in sie eingelassen, die 
auf den mystisch-pantheistischen Grundton 
weisen, der aus dem Ganzen weht: denn 
von der Ewigkeit der Lust ist in ihnen die 
Rede und von der Tiefe des Leides und 
der ewigen Wiederkehr des Gleichen. — 

So sehen wir in diesem seltsamen Werk, 
das ein Gemisch vom Geist der Tradition 
und den Wünschen einiger Einsamen der 
Neuzeit ist, ein starkes Zeichen modernen 
Kunstempfindens und ein Werk von ausser- 
gewöhnlicher Einheitlichkeit und Geschlos- 
senheit. 

Nach Köln aber, in diese Stadt, in der 

sich religiöse und architektonische Tradition 

mit modernem Leben wunderlich mischt, 

scheint es eher zu stimmen denn irgendwo. 

Rudolf Klein. 



.87 



BRONZEFIGUR ZUM GRABMAL H. HARTMANN 
NEUER JERUSALEMER FRIEDHOF BERGMANN- 
STRASSE BERLIN. 
GEGOSSEN BEI GLADENBECK • ACTIENGES. 



THÜRFÜLLUNGEN IN EICHENHOLZ VERGOL- 
DET ■ KUNST- GEWERBE -MUSEUM CÖLN. 



THÜRFÜLLUNGEN IN VERGOLDETEN EICHEN- 
HOLZ • KUNST-QEWERBE-MUSEUM CÖLN. 



VERGOLDETE BRONZE IM 
KUNST-QEWERBE-MUSEUM 
IN CÖLN 



LEBENSQROSSE BRONZE IM 
KUNST- GEWERBE- MUSEUM 
IN CÖLN. 



ZWEI VERGOLDETE BRON- 
ZEFIGUREN IM KUNSTGE- 
WERBE-MUSEUM IN CÖLN. 



UEBERLEBENSQROSSE BRONZE ZU DEM GRABMAL 
VALENTIN VOGDT AUF DEM NEUEN LOUISEN KIRCH- 
HOF WESTEND. GEGOSSEN VON MAX HICKEL, 
REINICKENDORF. GRANIT VON SCHLEICHER ACT.-GES. 



DREI MODELLE ZU DEN 
THÜRFÜLLUNGEN FÜR 
DEN PALLENBERG-SAAL 
IN CÖLN 



'95 



DREI THÜRFÜLLUN- 
GEN GESCHNITTEN 
IN EICHENHOLZ UND 
VERGOLDET. CÖLN. 



19^ 



DER CONRAD 

COMPONIST ANSORGE 



MARMORBÜSTE DER 
FRAU MARQARETHE 
ANSORGE ro ro ra 



tgS 



MODELL ZU EINER 

ZWÖLF- ■, TEILIQEN 

DECKEN ROSE IN 

EICHEN- HOLZ FÜR 

MUSEUM IN CÖLN. 



DETAIL DES GRAB- 

MAL VOGDT. 



FÜLLUNG ÜBER EINER BANK. 
LEBENSQROSSE FIGUREN IN 
EICHENHOLZ GESCHNITTEN. 
MUSEUM CÖLN. 



LANDHAUS DR. WENDORFF, TOITZ BEI NÖSSENDORF POM. 
ARCHITEKTEN: SPALDING UND QRENANDER, BERLIN. 





VILLA NÖLLE, GRUNEWALD. WINKLERSTR. 10. 
ARCHITEKTEN: SOLF UND WICHARDS, BERLIN. 



DETAIL VON. DER VILLA NÖLLE, GRUNE- 
WALD. ARCHITEKTEN: SOLF U. WICHARDS. 



WESTANSICHT UND EINGANG ZUR VILLA NÖLLE. 



PERGOLA 
ABB. 358. 



UND DrELE DER VILLA NÖLLE. GRUNEWALD, 
WINKLERSTRASSE 10. SOLF U. WICHARDS. 



Berlin auf ber ersten internationalen 
Ausstellung In Turin 1902. 



Von L«o Nacht. 



w 



II. 



kie prophetische Ahnung, dass es 
auf dem betretenen Wege nicht 
mehr weiter ginge, hat immer die 
Schöpfer, die prometheischen Na- 
turen, bestimmt, ihre eigenen Bahnen zu 
wandeln. Hat irgend eine künstlerische 
Idee ihre Durchbildung erfahren, so tritt 
ein Zeitpunkt ein, in welchem sich in 
dem Schöpfungsdrange eines ganzen Volkes 
neues Sehnen zu regen beginnt, das seinen 
individuellen Ausdruck in den einzelnen 
Künstlernaturen findet. In einem solchen 
Zustande künstlerischer Erwartung greift 
man mit Lebhaftigkeit zu allen neuen Er- 
scheinungen in dem Kunstgebiete, um dem 
ewigen aufs neue gerichteten Schöpfungs- . 
dränge genüge zu thun. So kann es denn 
kommen, dass in diesen Zeiten von vielen 
Stellen zu gleicher Zeit das Neue sich zu 
entwickeln beginnt, teilweise direkt dem 
Mutterlande entsprungen , teils aus der 
Fremde hineingetragen. 

Ehe es indess zu einer völligen Ver- 
schmelzung und künstlerischen Reife des 
Neuen kommt, vergeht eine Zeit des Ueber- 
ganges, innerhalb welcher ein Kampf zwi- 
schen dem fremden Neuen und dem ein- 
heimischen Alten vor sich geht, in der fast 
ausnahmslos zu Gunsten der Heimatskunst 
entschieden wird. 

Wir haben auf der Turiner Ausstellung 
Gelegenheit, in diesen Entwicklungsprozess, 



Falle speciell des Kunstgewer- 
bes, hineinzuschauen. 

Wenn wir durch den Behrens-Raum hin- 
durch zu dem durch mächtige Farb- 
flächen geschmückten BiLLiNGschen Raum 
gelangen , öffnet sich im weiten Bogen 
der Vorsaal von MOBBING. In einen her- 
ben grünen, duftigen Ton getaucht, der wie 
farbiger Tau über dem Raum lagert, stehlen 
sich nur hin und wieder warme goldige 
Lichter aus den Glasfenstern, wie um der 
vornehmen Kühle eine gewisse Herzhchkeit 
beizumischen. Erst nach und nach lösen 
sich dem Auge aus der Farbe die Formen 
und man gewahrt eine in äusserst wuchtigen 
Profilen gehaltene Holzarchitektur, die durch 
strenge architektonische Gliederung dem 
verschwimmenden Reiz der Farbe die mate- 
rielle F'estigkeit verleiht. In grossem Zuge 
streben die Linien der Architekturen in Ver- 
bindung mit den Malereien nach den Gewölbe- 
graten und geben so die nötige Straffheit. 
Die fein zusammengestiramte Wechsel- 
wirkung zwischen Form und Farbe zeigt 
uns in klarer Weise die Absicht des Künst- 
lers, der sich die schwierige Aufgabe stellte, 
eine monumentale Wirkung in reiner Holz- 
architektur zu erzielen. Mit seinen derben 
Profilen die Masse des Holzes in das rich- 
tige Verhältnis zur Raumgrösse zu setzen, 
d. h. sie durch die Wechselbeziehung an- 
einander zu reihen und andrerseits durch 



2o6 



die Farbe den Flächeneflfekt des Materials 
zu steigern und in die monumentale Raum- 
wirkung den belebenden Odem einzuhauchen, 
das waren dem Architekten die leitenden 
Gesichtspunkte. 

Daher trägt auch die Malerei den streng 
dekorativen Charakter, der sich ganz in die 
Absicht des Architekten einfügt, sowohl 
bei MÄNNCHEN, der sicher auf den domi- 
nierenden Ton stimmt, als auch bei 
Leistikow, der eine grosszügige Orna- 
mentik in der Landschaft durchzuführen 
weiss. 

Die Aufgabe ist also architektonisch er- 
erfasst. Der Raum als eine Volumeneinheit, 
zu welcher alle übrigen Volumina in ein 
schönes Verhältnis gesetzt werden. Durch 
diese einfache Forderung wird der Raum 
zu seinem Inhalte in eine ganz bestimmte 
Wechselbeziehung gebracht, der Raum 
kann nicht mehr von seinem Inhalte ge- 
trennt werden, sie sind unlöslich mit ein- 
ander verbunden, sie atmen einen Geist, 
eine harmonische Stimmung. Wird diese 
Einheit festgehalten, so muss ein jeder 
Raum sein individuelles Gepräge erhalten 
und ein Raumcomplex, wie es jedes Haus 
darstellt, einen Organismus, einen Charakter 
tragen. 

So ist der Geist der Baukunst in dem 
Kunstgewerbe zum Ausdruck gebracht. 

Da Form und Farbe ein gleichwertiges 
Mittel in der Hand des modernen Archi- 
tekten in Hinsicht auf die Wirkung dar- 
stellen, hat doch BiLLiNG in seinem Reprä- 
sentationsraum nur niit der Farbe allein 
versucht eine grosse Raumwirkung zu er- 
zielen, so wird die moderne Form nicht 
jenes Uebergewicht gewinnen können, wie 
in den historischen Stilen und infolge dessen 
auch nicht die Aussenarchitektuf beherr- 
schen, sondern nur beeinflussen. Dadurch 
ist es auch erklärlich, dass bisher die Mo- 
derne an der Formensprache der Steinbauten 
am wenigsten zu rütteln vermocht hatte, 
wohl aber da, wo Form und Farbe sich 
vereinigten. Dafür sind die wundervollen 
BiLLING sehen Bauten ein Beispiel. 

Zeigt sich also ein gewisser Grund- 
charakter in der Ausgestaltung der Turiner 



Innenräume, so hat doch ein jeder Raum 
für sich Individualität, so sehr, dass, wenn 
wir jenen Grundzug vergässen, wir es mit 
stilistisch vollkommen verschiedenen Räumen 
zu thun zu haben glaubten. 

Blickt man nur rechts in das KÖRNIG- 
sche Frühstückszimmer, so haben wir schon 
einen von jenen differenzierten Räumen. 
Aber gerade diese Differenzierung legt uns 
so recht die Fasern bloss, die den ganzen 
Faden bilden. 

Das Zimmer ist aus einem Guss, aus einer 
Stimmung heraus geschaffen und trägt ohne 
formale Merkmale den specifischen Charak- 
ter deutscher Trautheit bis in die Winkel. 
Und diese Wirkung ist erreicht durch eine 
zwingende Sprache in der Raumkomposition. 
Dass an das schmale untere Fenster die 
beiden Sitze mit dem Tische angeordnet 
sind, ist so einleuchtend und einladend, dass 
wir gar keiner Erklärung bedürfen. Und 
wenn dann am Fenster wie absichtslos die 
Augen in die grüne Weite schweifen und 
dann wie zufallig ein schnäbelndes Tauben- 
paar, das da so heimlich andeutend nur 
ins Glasfenster eingelassen ist, auftaucht, 
so wirkt es so innig und so poetisch, dass 
wir uns kaum davon trennen können. Es 
herrscht in dem Räume eine dem Gemüt 
entspringende Detaillierung, die sich bis zur 
stillen Poesie dem Sinnenden verklärt. 

Und das ist die verschrieene Moderne. 

Sehen wir im MöHRiNGschen Räume die 
architektonische Stimmung durch die feine 
Farbengebung und reifen Formen erzielt, 
so giebt sie KÖRNIG bei einer naiven 
Forinengebung durch ein volksthümliches 
tiefes Empfinden. Bei beiden also keine 
Lösung ihrer Aufgabe nur nach rein for- 
mellen oder konstruktiven Tendenzen, son- 
dern bei beiden die Aufgabe gefühlsmässig 
ergriffen und darin liegt das Wesentliche. 
In dem Augenblicke, in welchem dem Gefühl 
die volle Herrschaft im Handwerk einge- 
räumt wird, kommt auch die Phantasie zu 
ihrem Rechte, das ist die Schöpferin einer 
jeden wahren Kunst. Wir können dieses 
Aufsteigen der Phantasie in den Fragen 
der modernen Raum aufgäbe schon an ver- 
schiedenen Stellen bemerken, worunter wir 



207 



die Schöpfungen Olbrichs u. A. verstehen, 
auf die wir leider hier nicht eingehen 
können. 

Interessant wird dieses Eindringen der 
Phantasie auf dem Grenzgebiete zwischen 
Malerei und Architektur. Und damit ge- 
langen wir zu CURT StöVING, der das 
Zimmer eines Kimstsammlers ausstellt. 

Der Raum ist nach keinen architektoni- 
schen Grundsätzen entworfen, er hat keine 
Gesamtstimmung, die uns mit einem Male 
gefangen nimmt, er übt also auf uns keinen 
ästhetischen Zwang aus, sondern der Raum 
bietet sich so dar, wie man ihn sehen will. 
Der Schwerpunkt liegt also nicht im Raum, 
sondern im Beschauer, nicht der Raum 
drängt den Beschauer durch eine strenge 
Architektur seinen Blick auf diesen Ort zu 
richten und auf keinen andern zu heften, 
sondern der Beschauer kann zwanglos seinen 
Blick in alle Winkel schweifen lassen und 
da ruhen, wo ihm der liebste Ausschnitt 
gegeben ist. Das ist ein fimdamental ver- 
schiedenes Prinzip. Daher hat auch jedes 
Stück im Zimmer StöVINGs seinen eigenen 
Kunstwert, seine in sich abgeschlossene 
Einheit, wie die Nische, die Vitrine, die 
Reliefs, die Kaminpartie u. s. f. In stiller 
Sammlung kann hier der Beschauer seinen 
Stimmungskreis an den einzelnen Kunst- 
gegenständen bis in die blauen Himmels- 
weiten im Gemälde „der Ton** erweitern. 

Diese Tendenz, das Zimmer als neutralen 
Hintergrund für eine Anzahl in sich abge- 
schlossener Stimmungen ohne irgend welche 
ausgesprochene Bewegungsrichtung zu be- 
nutzen, dieses Auflösen jeder streng archi- 
tektonischen Betonung innerhalb desselben 
eröffnet uns andere Perspektiven in der 
Wohnungseinrichtimg, die noch durch 
StöVING an einer anderen hervorragenden 
Stelle zum Ausdruck kommen werden; bis 
dahin wollen wir diese Tendenz nur bloss 
legen« ohne sie kritisch zu betrachten. 

Löst aber StöVING seinen Raum in eine 
Reihe von in sich abgeschlossenen Stimmun- 
gen auf, so spitzt Huber in seinem Ar- 
beitszimmer alles auf eine einzige Stim- 
mung zu. In Form und in Farbe mit 
äüsserster Consequenz. Alle Farbe ist auf 



gelb gestimmt, alle Form trägt einen ein- 
heitlichen Charakter, das Zimmer wird 
wieder Architektur, der erste Blick fallt 
sofort auf den Schreibtisch, als das den 
Raumcharakter bestimmende Stück. Ruhe 
und Ordnung in den Raum zu bringen war 
das ästhetische Moment, das glücklich zum 
Ausdruck gebracht ist. 

Raum Bruno Möhring (Berlin). 

Mitarbeiter: 
R. Gaul, Berlin: Löwin. 
Albert Männchen, Berlin: Dekoratives 

Gemälde. 
Walter Leistikow, Berlin: Dekorative 

Landschaften. 
Dietrich Franke: Blumenständer. 
Prof Schirm: Emaillearbeiten. 
Fia Wille, Berlin: Stickereien. 

Ausführung: 
Tischlerarbeiten: W. Kümmel, Berlin. 
Kupfertreibarbeiten: Schulz & Holde- 

FLEISS, Heizgitter. 
Spinn & Sohn: Beleuchtungskörper, entw. 

von A. Körnig und Umrahmung der 

Emailpaneele. 

Raum CuRT StöVING (Berlin). 

Ausfuhrung: 
Glasfenster: Paul Förster. 
Schmiedearbeiten: Schulz & Holdefleiss. 
Cisellierarbeiten : Paul Beyer. 
Marmorarbeiten : S AALBURGER Marmor- 

werke. 
Emaille- und Bronzearbeiten: Prof. Schirm 

und Spinn & Sohn. 

Raum Arno Körnig (Wilmersdorf). 

Mitarbeiter: 
Fritz Adolf Becker, Wandmalereien. 

Ausführung: 
Tapeziererarbeiten: GEORG John. 
Glaserarbeiten: Josef Scherer. 
Tischlerarbeiten: JULIUS Jarotzki. 

Raum Anton Huber (Berlin). 
Ausführung: 
Tischlerarbeiten: W. KÜMMEL. 
Glasfenster: SCHULZE & Joss. 
Beschläge: Bildhauer E. Voigt. 
Intarsien: H. Nast. 
Kissen: Else Huber, Mainz. 



AUSSTELLUNQ TURIN • VORSAAL VON DEM ARCHITEKT 
BRUNO MOHRINQ BERLIN. AUSGEFÜHRT VON DER 
FIRMA W. KÜMMEL DJ oj oj cji 01 oj c»4 BERLIN, 



AUSSTELLUNG IN TURIN. ZIMMER EINES 
SAMMLERS VON &J c»J CURT STÖVING. 



AUSSTELLUNG IN TURIN. EIN ARBEITS- 
ZIMMER VON ANTON HUBER. AUSGE- 
FÜHRT VON W. KÜMMEL. 



AUSSTELLUNG IN TURIN. FRÜHSTÜCKS- 
ZIMMER VON ARNO KÖRNIQ. AUSGE- 
FÜHRT VON JAR0T2KI, BERLIN. 



KANDELABER FÜR ELEKTR. 

LICHT VON ARNO 

KÖRNIG. 



AUSGEFÜHRT VON DER 
FIRMA SPINN U. SOHN. 



STÄNDER- 
FÜR ELECTR. 
ARNO 



LAMPE 
LICHT VON 
KÖRNIQ. 



AUSGEFÜHRT VON 
SPINN UND SOHN. 



DECKENBE- ARNO 

LEUCHTUNQ KÖRNIG 



AUSGEFÜHRT V. SPINN U. SOHN. 



KREDENZ ARNO 

VON KÖRNIG 



AUSGEFÜHRT VON 0. JAROTZKI, BERLIN. 



WANDBRUNNEN VON ARCHIT. 
BILLING, KARLSRUHE • AUS- 
GEFÜHRT VON PUHL UND 
WAGNER BERLIN. 



GEMÄLDE. MÄDCHEN AM MEERE. LUD. V. HOFFMANN. 



ERKER- 
ARNO 




TISCH. 
KÖRNIG. 



AUSGEFÜHRT V. JAROTZKI, BERLIN. 



O Det Geheime Oberbautal ADOLF KBLLBR Ist 
bei Aalass seloes siebilKStea Geburtstags zam Ebren- 
iiiltg;11e<le des ArchitektcDTetelns In Berlin eroanot 

Patriz Huber ist aus dem Verbände der 
KQnstler-KoloDle in Darmstadt, der er seit Ihrer 
Gründung angehSrte, ausgetreten und bat seinen 
daueiDdeu Wohnslti in Berlin gcDommen. 

t> Zur ErianguHg von Skiazen für tmen Brwti- 
lerumgs- und Umiau des S/ändeiauser mu Casst/ 
wird M» IdeeMweitieweri unter den Archilekten 
deutscher Reichsang-ehSriglieit, die innerhalb der 
Provioi Hessen-Nassau ihren Wohnsitz haben, aus- 
geschrieben. Es sind drei Preise von 3000, 1100 
und Soo Hark ausgeseiit. Die Entwüife sind bis zum 
15. November igoi abends 6 Ubr an den Landes- 
hauptmann In Cassel, Frethecin RIED ES EL, einzu- 
senden, von dem auch die Unterlagen gegen Zahlung 
TOD 3 Mark, die nach Einsendung eines Entwurfs 
tuiOckTergOlel weiden, bezogen werden können. 

(5 Zur Getvinnung vim Plänen für den Neubau 
einer kSheren TSchfersckule mii Seminar in Esten 
a. d, Ruhr wird unter den deutschen Architekten ein 
Wettbewerb (Ideen-Konkurrenz) aus geschlichen. Es 
kommt ein erster Preis von 1000 Mark, ein zweiter 
Preis von 1500 Mark und ein dritter Preis von 
1000 Mark tut Verteilung. Ausserdem behält sich 
die Stadtgemeinde das Recht zum Ankauf weiterer 
EntwOrfe vor. Der Schluss des Wettbewerbes erfolgt 
am I. November 1901 nachmittags 6 Uhr. Die 
näheren Bedingungen kSnnen unentgeltlich von dem 
Obeibürgeimeister-Ami Essen a. d. Ruhr bezogen 

öp Zur Erlangung eines geeigneten Fassadenenl- 
wur/es für den Neuiau der Landesversicherungs- 
anslaü Wesifreussen in Danzig wird unter allen 
in Deutschland ansässigen Architekten ein Welt- 
beweri ausgeschrieben. Für die besten Entwürfe 
sind drei Preise in der Höhe von lood, öoo und 



400 Mark ausgesetzt. Die Entwürfe mOssen bis zum 
I. Oktober igo» mittags :ä Uhr bei der Landes Versiche- 
rungsanstalt In Danzig, Neugarten No. 2, portofrei 
eingeliefert weiden. Die Unterlagen werden, so lanj>e 
der Votrat reicht, kostenfrei abgegeben. 

Q Zur Gtviinnung von Entwürfen für den Neu- 
bau eines Railiauses in Eberswalde wird ein Welt- 
hewerb unter den deutschen Architekten ausgeschrieben. 
Drei Preise in der Höhe von 3coa, 3000 ucd ijooMark 
sind ausgesetzt. Der Ankauf weiterer EniwOrfe zum 
Betrage von je 500 Mark bleibt votbehalien. Die 
Einlieferung der Entwürfe muss bis zum 15. Oktober 
190a erfolgen. Programm und I.ageplan sind gegen 
vorherige Einsendung von 3 Mark vom Magistrat tu 
Ebers walde zu beziehen. 

X Zur Erlangung von Entwürfen für den 
Neutau eines Landeshauses fOr den Bezirks verband 
des Regierungsbezirks in Wiesbaden wird ein Wett- 
bewerb unter den im Deutschen Reiche ansässigen 
Architekten ausgeschrieben. An Preisen sollen verteilt 
werden: ein erster Preis von 30CX), ein zweiter von 
asoo und ein dritter Preis von 1000 Mark. Ausser- 
dem wird das Recht vorbehalten, zwei weitere Ent- 
würfe zum Preise von je 500 Mark anzukaufen. Die 
Entwürfe sind bis zum 15. November 1903 abends 
6 Uhr an den Landeshauptmann in Wiesbaden einzu- 
senden. Von demselben sind auch das Programm 
nebst Zeichnungen gegen portofreie Einsendung von 
3 Mark tu beziehen, die nach Einsendung eines Ent- 
wurfs zurückgezahlt werden. 

o" Zur Gewinnung von Entwürfen und Plänen 
Mur Errichtung eines Bismarcktumts auf der 
Bomaer HShe bei Ckemnilt wird ein Wettbewerb 
ausgeschrieben. Für die 3 besten Entwürfe sind 
Preise von 500, 300 und 300 Mark ausgesetzt. Die 
Entwürfe sind bis zum 30. September 1901 an den 
1. Vorsitzenden des Bismaick Vereins in Chemniti, 
Herrn HERMANN WEISSER, von dem auch die Bedin- 
gungen bezogeu werden können, einzusenden. 



2l8 



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Otto Vittali, Atelier Ar Glasmalerei, BerUn W. 
GÜNTHER WAGNER, Kflnstlerfarbenfabrik, HannoTer. 
Franz Zbller, Steinmetzgeschäft, Miltenberg a.Main. 



Verantwortlich für die Schriftlcitung : Dr. Adolf Brüning, Berlin. — Verlag von Ernst Wasmuth, Berlin W., Markgrafcnstr. 35. 
Gedruckt bei Julius Sittenfeld, Berlin W., Mauerstrasse 43. 44. — Cliches von Carl SchütiEj Berlin W. 



I 



GROSSE BERLINER KUNSTAUSSTELLUNG 1902. 
ANSICHT DER VILLA WILL IM GRUNEWALD. 
ARCHITEKT: RUDOLF BISLICH BERLIN. 




Die umgeftaltete 
Faffabe am 
Straj^enöaufe 



D 



Mietskaserne in den Grussstädten ist 
als Tummelplatz wildgewordener Archi- 
tekten einfalle seit Jahren Gegenstand der 
Verzweiflung aller Freunde künstlerischer Erschei- 
nung. Denn je mehr man glaubte, daran ver- 
zweifeln zu müssen, das eiaförmige Schema der 
inneren Raumeinteilung in der Strassenansicht er- 
kennbar zur Geltung zu bringen, desto mehr war 
man bestrebt, hinter enggestelltem, aufgeklebtem 
Zierrat die Armseligkeit der Mauer zu verstecken. 
Die Stuckplastik verschwendete ihre Gaben mit 
jener Freigebigkeit, durch welche die billigen 
Materialien so leicht das Maass des guten Ge- 
schmackes überschreiten. Nachdem sich diese 
Verschwendung etwa nach zwei Jahrzehnten völlig 





UMRAHMUNG VON H. 
RADZIG-RADZYK, BERLIN 



222 



ausgegeben, erscheint die triste Einförmig- 
keit der Strassen aus der vorhergehenden 
Periode förmlich vornehm, weil da der Bau- 
meister noch an nichts als an den nackten 
Zweck gedacht hatte. Die Fassaden wurden 
mit völlig gleichen Fensterreihen ausge- 
stattet, durch deren einfache Umrahmungen 
ein monotones Auf und Ab von wage- 
rechten und senkrechten Linien entstand. 
Wenn man nirgends eine Besonderheit 
bemerkt, so ergiebt doch die Aneinander- 
reihung dieser vollkommen unpersönlichen 
Einzelhäuser die Illusion einer Zusammen- 
gehörigkeit. Andererseits läuft auch die aus- 
schweifendste Ueberhäufung darauf hinaus, 
das Auge in dem grossen Wirbel keine 
Einzelheit recht erfassen zu lassen. 

Ein neues Mittel glaubte man in der Un- 
symmetrie gefunden, mit welcher der Villen- 
bau zuweilen Glück gehabt hatte. Auch 
an dem in die Strassenflucht eingekeilten 
Hause wurde die glatte Mauer etwas mehr 
geschont als jüngst, und dafür kutschierten 
vereinzelte Ornamente nach dem ganz miss- 
verstandenen Prinzip des Japanismus auf 
der Fläche hin und her. Auch Erkeraus- 
bauten klebten zuweilen an der einen Seite 
des Hauses schief unter einer symmetrisch 
gestalteten Giebelausbildung und erhielten 
ein ungenügendes Gegengewicht durch 
breite Fenster auf der entgegengesetzten 
Hausecke. 

Nun kann aber die Unsymmetrie nicht 
allein nach den Verhältnissen der Fläche 
berechnet werden, an der sie erscheint, son- 
dern sie hängt sehr wesentlich von ihrer 
Nachbarschaft ab. Nach dieser aber kann 
das Strassenhaus sich nur selten und nicht 
auf die Dauer richten. Keiner weiss, was 
für ein Kasten sich einmal neben seinem 
Hause aufrichten wird, und daraus folgt 
die Notwendigkeit, mit der Unregelmässig- 
keit vorsichtig umzugehen. Auch fehlt es 
an dem sicheren Anhalt, zu welchen Zwecken 
die einzelnen Räume einmal dienen wer- 
den. Bei dem Nomadenleben, das sich im 
Verlauf der verschiedenen Mietsperioden in 
dem Hause abspielt, wird dasselbe Zimmer 
nach einander verschiedene Aufgaben er- 
halten. Es ist also unmotiviert, durch eine 



energische Auszeichnung der Räume gegen 
einander auf verschiedene Bedeutung hin- 
zuweisen, welcher vielleicht die Thatsachen 
später widersprechen. 

Auch die Häuser von einander entschieden 
unterscheiden zu wollen, verliert die Be- 
rechtigung in der Grossstadt, wo von jedem 
Mieter ungefähr dieselben Ansprüche ge- 
macht werden, weil auf persönliche Wünsche 
doch nicht viel Rücksicht genommen wer- 
den könnte. In kleineren Städten mögen 
dagegen auch heute noch die Individuali- 
täten unter den Häusern besser gedeihen. 
Da finden sich wohl auch noch kleine Gär- 
ten, welche die Besonderheiten wirksam 
umgrenzen. 

Wenn es einmal Sitte würde, dass in den 
Grossstädten, wo die neuen Strassen so 
schnell heraufwachsen, die zusammenhängen- 
den Häuserreihen nach einheitlichem Plan 
von einer Hand angelegt würden, sei dies 
von einer Privatgesellschaft oder von der 
Stadtverwaltung als Bauherrn, dann wäre 
die Zeit gekommen, wo sich ein künstle- 
risches Gesamtbild erzielen liesse, aus dem 
sich bestimmte Punkte betont hervorheben 
könnten. Aber das ist zunächst ein Zu- 
kunftstraum, und darum wird der ästheti- 
sche Eindruck des Strassenbildes vorläufig 
am besten geraten, wenn die Mietskaserne 
auf den Schein einer unberechtigten Be- 
sonderheit verzichtet. 

Unter diesem Gesichtspunkt kann es als 
ein Gewinn betrachtet werden, dass sich 
jetzt augenscheinlich eine gangbare Formel 
für das Grossstadthaus herausbilden will. 

Mit dem konsequentesten Beispiel sind 
die Architekten der Vereinigten Staaten von 
Nordamerika vorangegangen. Sie sagten 
sich, was später einer ihrer Wiener Kolle- 
gen in das Wort zusammenfasste: Die Front 
eines Stadthauses ist eine Mauer voller 
Löcher. Mit der Unerschrockenheit in 
ästhetischen Dingen, welche jenes Volk im 
Guten wie im Schlimmen auszeichnet, wurde 
zuerst jenseits des Oceans nach diesem 
Programm gebaut. Sechs, acht und mehr 
Stockwerke über einander und darin Fenster- 
reihe über Fensterreihe. Selbstverständlich 
fallen alle Bekrönungen, Kariatyden und 



223 



Schmuckfriese fort und nur flache Wand- 
pfeiler laufen schmal und nackt zwischen 
den Fenstern vom Erdgeschoss bis zum 
Dach. So sahen die Bilder neuer Bauten 
aus, welche vor ungefähr einem Jahrzehnt 
die illustrierten Zeitungen von jenseits des 
Wassers zu uns herüberbrachten. Das war 
nicht besonders geistreich oder gar prächtig, 
aber es gab doch immer eine gewisse Glie- 
derung, und die rücksichtslose Gleich- 
macherei, welche solche Bauweise an der 
Strasse übt, wird zu etwas wie einem 
Symbol für die politischen Prinzipien des 
Landes. 

In Deutschland hatte inzwischen der 
Villenbau zum Teil nach englischen An- 
regungen auch dem Stadthause wenigstens 
eine förderliche Anregung gegeben: die 
Neigung für eine teilweise glatt bleibende 
Mauer. Die amerikanischen Vorbilder ka- 
men hinzu und führten beispielsweise zu 
dem Gebrauch, die verschiedenen Stock- 
werke gruppenweise unter einander zusam- 
men zu schliessen, je nachdem ihre Lage 
ihnen bestimmte Vorschriften machte. Denn 
nun zeigte es sich, dass trotz des unpersön- 
lichen Gepräges der Mietswohnung sich 
doch gewisse Unterschiede derselben je nach 
der Lage des Stockwerkes ergeben haben. 
Diese Unterschiede erweisen sich hilfreich, 
einen Organismus aus der grossen Form- 
losigkeit dieses Kastens zu gestalten, der 
sich Stadthaus nennt. 

Da die Personenaufzüge in europäischen 
Wohnhäusern noch zu den Ausnahmen ge- 
hören, so gelten die tiefer liegenden Stock- 
werke als die bevorzugten, obgleich ihre 
Bewohner mit Strassenstaub und Lärm reich- 
licher und mit wirklich atembarer Luft 
spärlicher versorgt werden als diejenigen, 
deren Rüstigkeit gestattet oder deren G<-ld- 
beutel verlangt, dass sie täglich mehrere 
Treppen steigen. Der oberste Stock er- 
weckt dagegen den gerechtfertigten Ver- 
dacht, dass er in kalten Wintern schwer 
oder überhaupt ungenügend zu erheizen 
sein werde, wogegen erfahrangsgemäss bis 
jetzt auch die Centralheizanlagen nicht 
sichern. Unsere Viertreppenwohnungen 
stehen also nicht ganz mit Unrecht am 



niedrigsten im Preise und sie müssen sich 
demgemäss auch mit einem bescheideneren 
Maass von Comfort begnügen. Im Aeusseren 
drückt sich dieser Verzicht in der Beschrän- 
kung der Erker und Balkonräume aus. 
Dadurch tritt hier oben wie unten im Erd- 
geschoss die eigentliche Hausmauer frei 
hervor, sie scheint im Gegensatz zu den 
verschiedenen Vorbauten der mittleren 
Stockwerke merklich zurück zu springen. 

Das Erdgeschoss seinerseits hat in den 
Hauptverkehrsstrassen fast ausnahmslos 
Ladenräume aufzunehmen. Dadurch erhält 
von vornherein der unterste Teil der Fassade 
ein besonderes Gepräge. Die ganze Wand- 
fläche ist in Fensteröffnungen aufzulösen, 
die nur von schmalen Pfeilern unterbrochen 
werden. Für diese Aufgabe hat sich heute 
das Eisen schon unentbehrlich gemacht. 
Aber während seine schlanke Elasticität 
bisher meist hinter Scheinmauern versteckt 
wurde, so finden sich jetzt häufiger Bei- 
spiele, dass das Eisen an dieser Stelle offen 
mit seinen Stangen und seinen Vernietungen 
hervortritt und sich durch einen harmo- 
nierenden aber keine Täuschung bezwecken- 
den Anstrich mit der Farbenhaltung des 
ganzen Baus in Verbindung setzt. Wenn 
aber auch das Erdgeschoss keine Läden 
enthält, so ist ihm doch eine Auszeichnung 
noch strenger untersagt als der vierten 
Etage: es lassen sich zu ebener Erde keine 
Vorbauten an Erkern oder Balkons an- 
bringen. Demgemäss befinden sich die 
Fenster im Erdgeschoss im Vergleich mit 
denen des übrigen Hauses in einer Aus- 
nahmestellung: sie liegen in der flachen 
Mauer. Das giebt Veranlassung, sie durch 
einen Abschluss auszuzeichnen, den sie für 
sich allein haben. So laufen z. B. an dieser 
Stelle kräftige Rundbögen über den oberen 
Rand der LichtöfFnungen, um weiter hinauf 
gradliniger Begrenzung Platz zu machen. 
Zuweilen wird auch für gut befunden, noch 
der ersten Etage keinen vorspringenden 
Balkon zu geben, der durch allzu grosse 
Nähe der Strasse grade kein besonders 
angenehmer Erholungsplatz wäre. In die- 
sem Fall wird er gern durch eine ein- 
gebaute Loggia ersetzt, welche mehr Schutz 



^24 



vor dem Strassenstaub und eine gewisse 
Zurückgezogenheit gegen die Blicke der 
Vorübergehenden gewährt. Dann verläuft 
auch der ganze erste Stock in derselben 
Flucht wie das Erdgeschoss und wird da- 
rum auch mit diesem durch gleiche Be- 
handlung des Verputzes und zuweilen auch 
durch übereinstimmende Fenster als zu- 
sammengehörig charakterisiert. Wo aber 
die Erkerausbauten schon im ersten Stock 
beginnen, da wird die Mauer von doft ab- 
wärts öfter um dasselbe Maass vorgeschoben, 
wie oben die Ausladung beträgt. 

Die Gliederung der oberen Etagen er- 
folgt naturgemäss durch jene obligatorisch 
gewordenen Ausbauten. Mindestens die 
zweite und dritte Etage werden von* ihnen 
in zusammenhängender Uebereinstimmung 
gegliedert. Wo zwei getrennte Wohnungen 
auf demselben Treppenflur neben einander 
liegen, ergiebt sich als natürliche Folge, 
dass zwei Solcher türmchenartiger Anbauten 
bald mehr an Kasten oder Vogelbauer er- 
innernd, bald mit einer dreieckigen Grund- 
fläche und einer rechtwinkligen Spitze nach 
der Strasse vorspringend, sich über die 
entgegengesetzten Hausseiten hinziehen, ver- 
bunden durch flache Balkons mit zierlichem, 
niedrigem Gitter. Im vierten Stock pflegt 
dann über der flachen Abdeckung der Erker 
noch auf jeder Seite ein bekrönender kleiner 
Balkon als Abschluss abzufallen, welcher 
den Mietern dieser Wohnungen zum Luft- 
genuss genügen soll. 

Ausser diesen fest eingebürgerten An- 
bauten meldet sich bei der neuen Haus- 
fassade nunmehr ein recht bezeichnender 
Zusatz, der vermutlich bald überall gefor- 
dert werden wird, weil er zur Notwendig- 
keit geworden ist. Ich spreche von einem 
Schutzdach über dem Einlass, damit die 
Aus- und Eingehenden unbelästigt durch 
Regenwetter ihren Schirm öffnen oder 
schliessen können. Früher war das Portal 
zu diesem Zweck meistens nach innen ver- 
tieft, als man es noch von schweren Doppel- 
flügeln ausfüllen Hess. Auch waren ge- 
wöhnlich von der Strasse her mehrere 
Stufen zu ersteigen. Aber wenn bei schlech- 
tem Wetter nasse Füsse mehrfach darüber 



hingeschritten waren, wurden die Stufen 
feucht und wohl auch glatt. Darum ver- 
legte man sie ins Innere der Hausflure. 
Als dann di6 Thür neuerdings so klein 
und schlicht wurde, rechtfertigte sie nicht 
mehr den Luxus des weit vorspringenden 
Mauerbogens, auch wurde der entsprechende 
Raum für die Stufen im Hause gebraucht. 
Da aber auch heute niemand vor den nun 
flach in der Wand Hegenden Pforten nass 
werden will, so muss jeder die gläsernen 
Schutzdächer willkommen heissen, die sich 
jetzt hier und da um den oberen Thür- 
rand spannen. Sie haben Halbbogenform, 
um auch bei schräg fallendem Regen ihren 
Dienst zu thun, und da aus der Mauer 
kommende Eiseneinfassungen sie fest halten, 
so können sie der Stützen von unten ent- 
behren, welche den Verkehr des Bürger- 
steiges hemmen würden. So trägt dies 
freie Schweben einen Anschein von kräf- 
tiger Sorglosigkeit in die Fassade, welcher 
sich überall im Gefolge der Eisenkonstruk- 
tion einfindet. Und ausserdem empfängt 
die Thür und mit ihr das Erdgeschoss auf 
diese Weise eine besondere Auszeichnung, 
welche ihnen allein zukommt. 

Ausser der Gliederung der Fassade spricht 
für den Eindruck des modernen Hauses 
von neuem das Dach als wesentliches Mo- 
ment mit. Vor einem Jahrhundert durch 
die Bewunderung antiker Bauweise und 
später durch Nachahmung der Renaissance 
vertrieben oder vielmehr dem Auge ent- 
zogen, wird die Hausabdeckung jetzt grade 
geflissentlich gezeigt. Manchmal WMrd sie 
durch eine Spitzgiebelwand in der Mitte 
überschnitten, öfter zeigen sich aber die 
Ziegelreihen in roter oder grüner Farbe 
längs der ganzen Hausbreite über der ober- 
sten Fensterreihe. Zuweilen wiederholen 
sich auch vielfach die Dachmotive an der 
Hausfront, z. B. als fortlaufender Pultdach- 
streifen bei vorspringendem Erdgeschoss 
und zur Bekrönung von Erkern. Es findet 
sich dadurch Gelegenheit, die Farbe, welche 
im Dach auftritt, mehrfach innerhalb der 
koloristischen Stimmung der Mauer zu 
wiederholen. Die Farbe des Mietshauses 
wird natürlich wesentlich durch das Mate- 



545 



rial bestimmt, und dieses wird in der Mehr- 
zahl der Fälle der Putz sein. Dazu ge- 
sellen sich für besonders hervorzuhebende 
Stellen Verblendsteine, die gar keine 
auffallende Farbe zu haben brauchen. Grau- 
weiss glasierte Ziegeln heben sich von 
einer rauhverputzten Wand in derselben 
Farbe sehr merklich ab und bilden ein 
treffliches Mittel, die Erkerbauten gegen 
den eigentlichen Mauerkörper abzusondern. 
Rechnet man dazu lebhaft rote oder grüne 
Dachziegeln und in übereinstimmender Farbe 
gestrichene Jalousieen sowie ein schmuckes 
Gitterwerk von dem munteren Gelb der 
Aluminiumbronze, so ist die koloristische 
Wirkung ausreichend stark. Natürlich kann 
sie sehr mannigfach verändert werden. 

Vielleicht die folgenreichste Veränderung 
ist in jüngster Zeit mit dem Stuck und Putz 
vor sich gegangen, wie schon aus dem bis 
jetzt Gesagten folgt. Es lässt sich in ein 
Wort zusammenfassen: der Kalkanstrich ist 
ehrlich geworden. Gezählt sind die Tage 
der falschen Rustika, der nachgeäfften 
Sandsteinfassaden und der Gips -Surrogate 
für Bildhauerarbeit. Wenn jetzt der Maurer 
tüncht, dann will er eine verputzte Mauer 
machen und weiter nichts. Er wird viel- 
leicht angewiesen, diesen Wandteilen eine 
rauhe und jenen eine glattere Oberfläche 
zu geben, indem ihm hier gröberes, dort 
feineres Material zugeteilt wird. So kann 
man in München neuerdings oft beobachten, 
wie bei den neuen Bauten besonders im 
Schwabinger Viertel der Putz durch die 
Verwendung von bayrischem grobem Kies 
eine reizvolle derbe Struktur erhält, die 
sehr wirkungsvoll durch gelegentliche 
Streifen von glatterer Oberfläche gehoben 
wird. Das Material war natürlich immer 
zur Hand, aber es scheint, dass man sich 
früher der Eleganz zu Liebe den dort 
teureren Sand glaubte beschaffen zu müssen, 
um dann die Rauheiten, die das Auge zur 
Abwechslung verlangt, etwa durch künst- 
liche Nachahmung eines Quadergefüges mit 
rauhen Bossen viel mühsamer hervorzurufen. 
Man kann froh sein, dass die Bautechnik 
sich anschickt, auf dies Mittel zu verzichten. 
Wenn sie dies nicht mit einem Ruck thut. 



sondern vielfach im Wandputz wenigstens 
die Horizontalfugen nach wie vor über die 
Mauer zieht, und dagegen die Vertikal- * 
abteilungen auslässt, so kann das als ein 
harmloses Gewohnheitsornament angesehen 
werden, das jedenfalls keine Täuschung 
mehr veranlasst. 

Zu gleicher Zeit fallen die vielfachen 
Fensterumrahmungen fort, die früher breit 
und protzig, als beständen sie aus echtem 
Steinmaterial, um die Lichtöffnungen ge- 
klebt wurden. Zu den verschiedenen Arten, 
wie das Loch in der Mauer begrenzt wird, 
von denen ich bei einer früheren Gelegen- 
heit sprach, *) tritt neuerdings vorzugsweise 
die weitere, dass die Mauer rings um das 
Fenster um eine halbe Steinbreite zurück- 
springt, sodass das Glas um dieses Maass 
vertieft hinter der Fläche liegt. Es liegt 
nahe, diesen vertieften Rahmen, welcher 
allein der Bautechnik sein Entstehen ver- 
dankt, durch eine andere Farbe , etwa ein 
Weiss gegen das Grau des Verputzes her- 
vorzuheben. 

Natürlich kann es nicht ausbleiben, dass 
die vergrösserten nackten Mauerflächen hier 
und da gebieterisch nach einem Schmuck 
rufen, den ihnen das sich so lebhaft ent- 
wickelnde neue Ornament nicht versagen 
wird. Da es aber nun nicht auf ein Ver- 
kleiden einer als Mangel empfundenen Glätte 
abgesehen ist, sondern nur um ein Gewand, 
für einen Körper, der sich sehen lassen 
darf, so wird die neue Zierde sich beschei- 
den an die Fläche halten. Da findet sich 
zunächst Raum für schablonierte Muster, 
die sich nur durch abstechende Farben oder 
verschiedene Schattierungen desselben Putzes 
ausdrücken. Wird aber dennoch eine er- 
habene Auflage vorgezogen, so darf sie 
nicht im Hochrelief herausspringen, sondern • 
nur geringe und in allen Teilen gleich- 
massige Höhe haben. Es geschieht auch 
wohl zur Abwechslung, dass ein Blatt- 
geschlinge etwa wie ein Tapetenmuster in 
den weichen Putz hineingedrückt erscheint. 
Dann markirt sich das Ornament durch den 
Schatten der Vertiefung als Dunkel gegen 
die hellere Fläche. Natürlich ist es sinn- 

'*') Siehe „Nation"* No. 42 vom 20. Juli 190T. 



226 



Widersprechend, wenn unter dem Muster 
eine imitierte Steinfugeneinteilung zum Vor- 
schein kommt. Damit soll schon wieder 
etwas wie Täuschung versucht werden. 
Dies ist aber doch kein wirkliches Ge- 
ranke über einer Mauer von echtem Stein- 
material, sondern ein Flächenanstrich, in 
den zur Beschäftigung des Auges spielende 
Details eingefügt sind, die nicht viel mehr 
Bedeutung haben als etwa die Unebenheiten, 
welche der grobe Kies veranlasst, von dem 
vorhin die Rede war. Hier ist im übrigen 
ein gutes Mittel, um einen Teil der Wan- 
dungen, z. B. die Erker, aus der glatten 
Fläche herauszuheben. 

Das wäre die Dekorierung einer ganzen 
Fläche. Aber auch vereinzelte Ornamente 
an bedeutungsvoller Stelle lassen sich nicht 
ganz abweisen. Da handelt es sich nun 
um ein viel schwierigeres Ding. Ich deutete 
vorhin schon auf das Unheil, welches durch 
planlos verstreute Naturalismen angerichtet 
werden kann. Die Stadthausfassade wird 
am sichersten aufgehoben sein, wenn der 
Schmuck sich gleich der Fensterabteilung 
nach den Gesetzen der verschiedenen Ge- 
schosse richtet. Wenn er z. B. den Raum 
über der Thür betont oder den oberen 
Abschluss der Erker übernimmt. Alles in 
allem fand Sparsamkeit da bisher die besten 
Lösungen. Es darf nicht aus den Augen 
verloren werden, dass alle Strassennummern 
das gleiche Recht haben, und da der durch 
glatte Flächen isolierte Schmuck doppelt 
gesehen wird, so giebt es ein erbittertes 
Kämpfen der Rivalen unter einander, wenn 
der Einzelne sich zu viel anmaasst. Auch 
dergleichen war schon jetzt hier und da zu 
sehen. Auch in die Strassenflucht will sich 
zuweilen jener von Münchener Künstlern 
aus antiken Motiven und Renaissanceformen 



eigenwillig geformte Mischstil eindrängen, 
welcher so recht zum Trotz gegen die mo- 
dernen Bestrebungen dasteht, aus den An- 
sprüchen des heutigen Tages eigene Bau- 
formen zu finden. Niemand hat mit dem 
Bauherrn darüber zu rechten, der in seiner 
abseits der Strasse liegenden Villa nach 
Gefallen Archaismus treibt. Aber wer in 
der Strasse ohne Rücksicht auf seine Nach- 
barn seine Hausmauern mit Tänzerinnen- 
friese^j und buntfarbigen Masken überladet, 
giebt ein gefahrliches Beispiel. Da ist eine 
Begehrlichkeit, welcher der öffentliche Ge- 
schmack ein Ende machen sollte, voraus- 
gesetzt, dass er erst einmal vorhanden wäre. 
Einstweilen bemerken freilich die Wenig- 
sten, dass da überhaupt Umwandlungen im 
Gange sind. Man findet sie natürlich nicht, 
wenn man, den Blick nur auf seine Thätigkeit 
gerichtet, im Centrum des Verkehrs seine 
Tage zubringt. Nur ausnahmsweise wird 
dort ein baufälliger Ueberrest längst ver- 
gangener Bauperioden entfernt. Dann aller- 
dings richtet sich auch wohl in Berlin mitten 
in der Potsdamerstrasse ein oder das andere 
Haus auf, das man nur aufmerksam zu stu- 
dieren braucht, um die bereits vollentwickelte 
Formel des modernen Mietshauses klar 
herauszufinden. Aber häufiger und durch 
die Wiederholung eindringlicher wird diese 
Lehre verkündet in den Vierteln aller 
Grossstädte, wo auf neuem Terrain rüstig 
ganze Sirassenzüge in wenigen Monaten 
heranwachsen. Dort findet man das Haus 
der kommenden Epoche. Nicht immer sind 
diese Bauten frei von Rückfällen in den 
Protzenstil der jüngst vergangenen Zeit. 
Aber der neue Gedanke richtet sich den- 
noch kräftig auf, ein Versprechen leistend, 
dass er alle Kinderkrankheiten glücklich 
überwinden werde. A, L, Plehn, 




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WURF ZU EINEM GARTENHÄUSCHEN. ARCHITEKT: 
FRITZ SCHWAGER, BERLIN - CHARLOTTENBURG. 
ABB. 373. 



GR. BERLINER KUNSTAUSSTELLUNG 1902. SKIZZE ZU EINEM 
INNEN-RAUM. ARCHITEKT: ARTHUR BIBERFELD. BERLIN. 



ABB. 374 U. 375. GROSSE BERLINER KUNSTAUSSTEL- 
LUNG 1902. KLOSTER CHORIN U. SCHWARZWALDHAUS. 
AQUARELLE VON ARCHITEKT EDUARD SIEDLE, BERLIN. 



QR. BERLINER KUNSTAUSSTELLUNG 1902. GRABDENKMAL. 
ARCHITEKT: JOSEF REUTERS, BERLIN -WILMERSDORF. 



GROSSE BERLINER KUNSTAUSSTEL- 
LUNG 1902. BISMARCK-DENKMAC 
FÜR HAMBURG. ARCHITEKT JOSEF 
REUTERS, BERLIN -WILMERSDORF. 



WOHNHAUS SCHAPERSTRASSE 6. 

ARCHITEKT OTTO MICHAELSON, 

BERLIN. ~ ERBAUT 1901-1902. 
BAUKOSTEN CA. 100000 M. MATERIALIEN: RÜDERSOORFER KALKSTEIN, RATHENOWER VERBLEND- 
STEINE, HELLROTE DACHPFANNEN VON Q. A VI/ERNICKE, BERLIN. KUNSTSCHLOSSERARBEITEN 
V0NSTAHL&80HN, BERLIN. BILDHAUERARBEITEN VON WARMINSKY, RIXDORF. MALERARBEITEN 
VON KLAUSENBERa GLASMALEREIEN VON OTTO VITTALI, BERLIN-OFFENBURQ. DIE GRUNDRISS- 
DISPOSmON ZUM TEIL NACH ANGABEN DES BESITZERS, KQL. BAURATS HIPPEL IN ZEHDENICK, 





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GRUNDRISSE VON ARCHITEKT PAEPPER, BERLIN, NACH ANGABEN DES BAUHERRN INGENIEUR 
G. KNAUER. FASSADE VON ARCHITEKT HOCHGÜRTEL, BERLIN. ERBAUT VON MÄRZ 1901 
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GR. BERLINER KUNSTAUSSTELLUNG 
1902. AQUARELL VON Q.THEUER KAUF, 
BERLIN -CHARLOTTENBURQ. MOTIV 
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BRONZE, 28 CM HOCH, ENT- 40 CM HOCH, ENTSTANDEN 

STANDEN IN ROM 1899. IN PARIS 1895. .^ .^ ra r^ 



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KOPF AUS GEFÄRB- 
TEM WACHS, 40 CM 
HOCH, ENTSTANDEN 
IN PARIS 1894. ~ ~ 



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PLAKETTEN VON 
MARTIN SCHAUSS, 
wa f« BERLIN. »^ "^ 



ABB. 403. IN ELFEN- ~ 
MARTIN BEIN GE- ~ 
SCHAUSS SCHNITZT,"" 
BERLIN: 28 CM ~ ~ 
„COEUR- HOCH, ENT- 
DAME", STANDEN IN 

BERLIN1898. 



AUSSTELLUNG DER BERLINER SECESSION 1902. 
„KIRCHGANG" VON ADOLF ECKHARDT IN BERLIN. 



AUSSTELLUNG DER BERLINER SE- 
CESSION 1902. „BEIM frühstück" 
VON H. E. LINDE-WALTHER. BERLIN. 



TÄNZERIN ~ ~ ~ 
DEKORATIVES BILD 
~ ~ VON ALBERT 
M/ENNOHEN,BERLIN. 



ORNAMENTALE MALEREI FÜR 
EIN TONNENGEWÖLBE VON 
ALBERT M/ENNCHEN, BERLIN, 



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FRItSE VON A 
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LiURG A. H. 



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ABB. 408 U. 409. 



FRIESE VON ADOLF ECKHARDT, MALER IN BERLIN. 
AUSGEFÜHRT IN DER VILLA LEHMANN IN BRANDEN- 
BURG A. H. ><= (ARCHITEKT B. MÖHRING, BERLIN.) 



FRIES UND DECKENMALEREI VON RUD. MAIER, BERLIN. 



TEIL EINES FRIESES VON M. J. BODENSTEIN, BERLIN. 



SCHMIEDEISERNES BALKONGITTER FÜR DAS MINISTERIALGE- 
BÄUDE IN RUDOLSTADT. ARCHITEKT AD. HÄRTUNG, BERLIN. 



MÖBELBESCHLÄGE, NACH ENTWURF VON 
ST. SIMIONESCU IN BRONZE GETRIEBEN 
VON CISELEUR ALEX MÜLLER, BERLIN. 



SCHREIBZeUGIN BRONZE, ENTWORFEN UND 
MODELLIERT VON HUGO EICHNER, BERLIN. 
AUSGEFÜHRT VON THIEL * BERTLINQ. 



24^ 



GR. BERLINER KUNSTAUSSTELLUNG 1902. 
WOHN- UND ARBEITSZIMMER. ENTWURF 
VON WILH. KIMBEL, BERLIN. IN GERÄU- 
CHERTEM EICHENHOLZ AUSGEFÜHRT 
VON KIMBEL & FRIEDERICHSEN, BERLIN, 



OR. BERLINER KUNSTAUSSTELLUNG 1902. 
WOHN- UND ARBEITSZIMMER. ENTWURF 
VON WILH. KIMBEL, BERLIN. IN GERÄU- 
CHERTEM EICHENHOLZ AUSGEFÜHRT 
VON KIMBEL 4 FRIEDERICHSEN, BERLIN. 



348 



QR. BERLINER KUNSTAUSSTELLUNG 1902. SPEISE- 
ZIMMER. ENTWURF VON HERMANN FRILINQ, BERLIN. 
IN GRAU GEBEIZTEM EICHENHOLZ MIT KUPFERBE- 
SCHLAGEN AUSGEFÜHRT VON WILH. KÜMMEL, BERLIN. 



GROSSE BERLINER KUNSTAUSSTELLUNG 
1902. SPEISEZIMMER. ENTWURF VON 
HERMANN FRILING, BERLIN. AUSGE- 
FÜHRT VON WILH. KÜMMEL, BERLIN. 



ABB. 419. AUS- BLUMENSTÄN- 

STELLUNQ ~ DERVONDIET- 

DEKORATIVER RIOH FRANKE, 

KUNST IN TU- TEMPELHOF- 

RIN 1902. " BERLIN. ~ ~ 



Die Unterschriften uoler Abb. 197 und 198 in 
Heft 3 Dienstwohngebäude für das Genera I komm an do 
des 3. Armeecorps Hardeobergstrasse sind auf Grund 
einer uns nacbtrSglich zugegangenen Bau be Schreibung 
des Garnison -Baubeamlea 3. Armeecorps dabin lu 
berichtigen, dass der Entwurf in der Bauabteilung; 
des KrirgSTDiDisterinms durch den Geheimen Ober- 
baural SCHöNHALS aufgesletll worden ist und der Re- 
gierung Ölbaum ei st er HAUSMANiV, bei der Ausarbeitung 
desselben mitgewirkt bat. Die Redaktiim. 

f^ Am 6. Sepitmbcr ist in Rudolstadi das nach 
den Plänen des Regierungsiaumeislers Adolf Härtung 
eriauie Ministerialgebäude in feierlicher Weise durch 
den Staalsmlnister VOS Starck eingeweiht und der 
Benutzung übergeben worden. Das Gebäude wurde 
in einer Bauzeit von rwei Jahren mit einem Kosten- 
aufwande von rund 410000 Mark errichtet. Die 
Örtliche und geschäftliche Leitung des Baues tag in 
den Händen des KegierungsbaumelstersA.HOLTMEYER. 
(Ansicht des Gebäudes in Jahrgang 111 Seile 134]. 

^ An Stelle des verstorbenen Geheimen Bauials 
Adolf Heyden Ist Baurat Heinrick Kayser zu Berlin 
zum Mitglied des Senats der Königl. Akademie der 
KOnsie flir den Zeitraum vom 1. Oktober igoi bis 
Ende September iga4 berufen worden. 

# Zum Gedächtnis Eduard Jacobsihals soll eine 
Ausstellung seines künstlerischen Nachlasses lo 
nächster Zeil in der Aula der Technischen Hoch- 
schule tu Charlotten bürg veranstaltet werden. Um 
ein mAgllchst vollständiges Bild der kCnsllerischen 
LeUlungen des Meisters zu erreichen, beabsichtigt 
man besonders wobigelungene Arbeiten seiner ehe- 
maligen Schüler hinzuzuziehen. Ferner ist von Freuaden 
und Fachgenossen des Entschlafenen die Errichtung 
eines Denkmals In Form einer Büste in Aussicbl 
genommen. Dasselbe soll in den Räumen der Tech- 
nischen Hochschule seine Aufstellung Unden. 



G I» dem Wettbewerb für ein Sti/tsgetäude nebst 
Küchen- -und Gärlnerhaus der Elly H3lterhoff'B5cking- 
Stiftung in Honnef gewann unter den eingesandten 
04 Entwürfen den ersten Preis der Entwurf .Letzte 
Rose- des Architekten GUSTAV JA.NICKE in Schöne- 
berg-Berlln, den zweiten Preis der Entwurf .Quod 
bonum u. s. w." des Architekten CONST, WILLE in 
Coln, den drillen Preis der Entwurf .Friede" von 
Eknst Rang und Arnold Silbbrsdorf in SchSne- 
berg-Berlin. Der Entwurf „Elly" von BH, SEIFFERT 
in Cöln wurde angekauft. — In dem Wettbewerb sur 
Erlangung von Entwürfen für den ErweiterungS' 
hau des Rathauses in Mienburg a. W. wurde unter 
den eingegangene sj Entwürfen der erste l'reis dem 
Entwurf .Tilly- des Oberlehrers Architekten GEBHARDT 
in Nienburg, der zweite Prpis dem Entwurf .Roland' der 
Architekten HERMANN SChAdTLER undKARLMÜLLER 
in Hannover und der dritte Preis dem Entwürfe .Weser" 
der Architekten MAX und HANS KÖHLER in Berlin zu- 
erkannt. Der Entwurf .Mit Verlaub" der Architekten 
Karl und A. Siebrecht in Hannover wurde vom 
Preisgericht zum Ankauf empfohlen. 

± Ein Wettbewerb tur Gewinnung von Entwürfen 
SU einem Um-und Erweiterungsbaudes Restaurations- 
gebäudes auf dem Steinberge in Lauban wird vom 
dortigen Magistrat mit Frist bis zum 31. Dezember d. J. 
für Architekten Deutschlands ausgeschrieben. Es Ist 
ein erster Preis von t aoo Mark und ein zweiter Preis 
von Soo Mark ausgesetzt. Der Ankauf weiterer Ent- 
würfe zum Preise von je 300 Mark bleibt vorbehallen. 
Das Preisgericht setzt sich zusammen aus dem Sladt- 
baurat der Gemeinde Lauban, dem Baural LEHMANN 
in Liegnitz, dem Baurat a. D. BALTHASAR in Görlitz 
und dem Architekt KARL GROSSER in Breslau. 

i Ein Preisausschreiben sur Erlangung von Ent- 
würfen für einen Skatbrunnnen in Altenburg i. S, 
wird vom dortigen Stadtrat fQr Künstler, die in 
Deutschland geboren sind, erlassen. Zur Errichtung 
des Brunnens stehen löooo Mark zur Verfügung, 
Derselbe soll das Andenken an die Erfindung des 



4<4 



Skatspiels, das im Jahre 1817 von dem Altenburger 
Advokaten Hempel erdacht worden sein soll, bewahren. 
Es sollen 3 Preise im Gesamtwerte von 1000 Mark 
zur Verteilung kommen. Die Unterlagen sind am 
Stadtbauamt in Altenburg gegen Einsendung von 
2 Mark, die zurückerstattet werden, zu beziehen. 
Als Termin der Einlieferung der Entwürfe ist der 
15. November d. J. bestimmt. 

« 
CO Ein Wettbewerb zur Gewinnung von Entwürfen 
zu einem Embient der Weltausstellung tn St, Louis 
ipo4 wird unter den KQnstlern der ganzen Welt aus- 
geschrieben. Für den besten Entwurf ist ein Preis 
von 2000 Dollar (8000 Mark) ausgesetzt. Der Ankauf 
weiterer EntwQrfe bleibt vorbehalten. Das EmHlem, 
das entweder in Relief oder in Farbe ausgeführt 
werden kann, soll als offizielles Siegel der Ausstellung 
als Medaille, als Briefkopf oder als Plakat verwendet 
werden können. Der Entwurf, für den dem Künstler 
die gröste Freiheit gelassen wird, soll vor allem 
Bezug nehmen auf den Kauf des Louisianagebietes 
im Jahre 1803, wodurch die Vereinigten Staaten ein 
ungeheueres Gebiet von Frankreich erwarben und damit 
die Herrschaft über den Mississippi erlangten. Die 
Entwürfe, die mit einem Zeichen uud Motto zu ver- 
sehen sind, müssen portofrei so abgeschickt werden, 
dass sie zwischen dem 1. und 5. November d. J. in 
New-York ankommen. Das Preisgericht besteht aus 
je zwei Malern, Bildhauern. Architekten und einem 
Historiker. 

X Ein Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen 
für den Neubau einer evangelischen Kirche in 
Münster a. Stein wird unter den im deutschen Reiche 
ansässigen Architekten ausgeschrieben. Zur Ver- 
teilung kommt ein erster Preis von 1200 Mark, ein 
zweiter Preis von 900 Mark und ein dritter Preis von 
600 Mark. Ausserdem bleibt vorbehalten, je nach 
dem Antrage des Preisgerichts einen oder mehrere 
Entwürfe zum Betrage von je 300 Mark anzukaufen. 
Das Preisgericht setzt sich zusammen aus Pfarrer 
Zimmermann in Münster a. St., Regierungs- und Bau* 
rat VO.M BEHR in Koblenz, kgl. Kreisbauinspektor 
Stiehl in Wetzlar, Architekt L. HOFMANN in Herborn 
und Hotelbesitzer KLAERNER in Münster a. St. Die 
EntwQrfe sind bis zum i. Januar 1903 mittags 13 Uhr 
an den Pfarrer ZIMMERMANN einzusenden. Von dem- 
selben sind auch Bedingungen und Lageplan gegen 
portofreie Einsendung von 5 Mark, die nach Ein- 
sendung eines Entwurfs zurück vergütet werden, zu 
beziehen. 

X I^^y' Unterricht im Atelier des Architekten 
Willy O, Dressler beginnt am 15. Oktober. Derselbe 
erstreckt sich auf das gesamte Gebiet neuzeitlichen 
Kunstgewerbes einschliesslich der Innenarchitektur. 
Anmeldungen sind nach der Wohnung des Künstlers 
Knesebeckstrasse 36 zu richten. 



> Die Schülerwerkstätten für Kleinplastik, welche 
der Bildhauer Albett Reimann im April dieses 
Jahres ins Leben gerufen, erfreuten sich gleich von 
Beginn an einer sehr regen Beteiligung. Aus diesem 
Grunde sind die Ateliers jetzt bereits erweitert worden. 
Für die neuen Kurse sind neben dem Unterricht im 
Entwerfen und Modellieren kunstgewerblicher Gegen- 
stände auch die Beschäftigung in praktischen Werk- 
stätten und zwar im Ciselieren, Meta'ltreiben und in 
der Holzschnitzerei vorgesehen. Gesuche um Auf- 
nahme sind zu richten an den Bildhauer A. REIM ANN, 

Berlin S.W. Ritterstrasse 59. 

« tt 

* 

O Ein für die Baugeschichte des Otto Heinrichs- 
Baues in Heidelberg höchst bedeutsamer Fund ist vor 
einigen Wochen in Wetzlar gemacht worden. Der 
Regierungsbaumeister EBEL fand daselbst das Skizzen- 
buch eines Architekten aus dem Anfang des 17. Jahr- 
hunderts mit einer Anzahl wertvoller Risse. Eines 
der Blätter desselben, das die Jahreszahl 16 16 trägt, 
enthält eine Aufnahmezeichnung eines der beiden 
Giebel, welche vor dem dreissigjährigen Kriege die 
Hofifassade des Otto Heinrichs - Baues krönten. Die 
Zeichnung giebt eine Darstellung der äusseren Hälfte 
des rechten Giebels und die Architektur der Mittelachse 
desselben, daher bleibt leider die Art und Weise, wie 
beide Giebel verwachsen waren, noch nicht aufgeklärt. 
Das Centralblatt der Bauverwaltung bringt in No 7 1 
eine Abbildung dieser Zeichnun^^, sowie einen Re- 
konstruktionsentwurf der Fassade des Otto Heinrich- 
Baues auf Grund derselben von Professor SCHÄFER. 
Der neue Fund giebt den Freunden der Wieder- 
herstellung des Baues eine machtvolle Unterstützung. 

* « 

-|- Die deutsche Städteausstellung ipoj in Dresden 
wird am 20. Mai in Gegenwart des Ehrenvorsitzenden, 
des Reichskanzlers Grafen V. BÜLOW, eröffnet werden. 
Zu dieser Feier werden die Hauptstädte der europäi- 
schen Staaten, sowie die Städte New-York, Washington 
und Philadelphia eingeladen werden. An der Aus- 
stellung beteiligen sich 128 deutsche Städte. Für 
das Ausstellungsplakat ist der Entwurf von MORITZ 
Leopold in Charlottenburg gewählt. AlsEinlieferungs- 
fr^st für die Städte ist der 15. April, für die gewerb- 
lichen Abteilungen der 10. Mai 1903 festgesetzt. 

« 
-*- Eine Internationale Feuerschutz- Ausslelluttg 

soll vom Mai bis Oktober i^oj in London stattfinden. 
Es soll nicht nur die Organisation und Ausrüstung 
der Feuerwehr, sondern auch die Feuersicherheit in 
Bauanlagen und Baumaterialien Gegenstand der Aus- 
stellung werden. Diesbezügliche Anfragen sind zu 
richten an den Schriftführer The Briti-h Fire Prevention 
Committee, i Waterloo Place, London, S.W. England 

([ Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat in 
Anerkennung der im Prüfungsjahre 190 1/2 bei Ab- 
legung der zweiten Hauptprüfung für den preussischen 
Staatsdienst im Baufache bekundeten tüchtigen Kennt- 
nisse und Leistungen den Regierungs - Baumeistern 



^53 



Johannes Grube aus Lübeck, Ernst Gerhardt 

aus Charlottenburg, HEINRICH KAYSER aus Kirch- 
Beerfurth i. Hessen, GEORG MERKEL aus Bernburg 
und Reinhold Bitzer aus Kl. Czyste, Reg. -Bezirk 
Marienwerder I Prämien von je 1800 Mark, den 
RegieruDgs-Baufuhrern VIKTOR MASUR aus Rawitscb, 
MARTIN STEINBRINK aus Berlin, OTTO STOCKHAUSEN 
aus Amorbach in Bayern, ADOLF SCHILLING aus 
Bucha in Schwarzb.-Rudolstadt und HANS NORDMANN 
aus Halberstadt für tüchtige Leistungen bei Ablegt. ng 
der ersten Hauptprüfung Prämien von je 900 Mark 
zur Ausführung von Studienreisen bewilligt. 

© Der Ingenieur Joh, Lawies in Breslau hat 
eine durch D. R. G. M. unter No. 170572 geschützte 
motorische Antriebsvorricktuntr für versenkbare 
Schaufenster t Gitter und Wände erfunden, die für 
Geschäftslokale, Restaurants u. dgl. von grosser 
Wichtigkeit ist. Der Antrieb lässt sich durch jede 
vorhandene Betriebskraft, wie Elektricitat, Dampf-, 
Gasmotore u. s. w, bewirken. Die Vorrichtung ist so 
beschaffen , dass sie die Einzelbewegung aller von 
ihr betriebenen Fenster, Gitter u. s. w. durch einfache 
Hand-Ein- und Ausrückvorrichtung auch während 
des Betriebes gestattet, und dass aysserdem beim 
erreichten höchsten und niediigsten Bewegungsstand 
die motorische Krafl wirkungslos wird und dadurch 
etwaige Schäden, die durch unrichtige Bedienung 
entstehen könnten, verhindert werden. 



Ein Preisausschreiben sur Gewinnung von 
Entwürfen für ein Mc, Kinley- Denkmal in Phila- 
delphia wird unter den Künstlern der ganzen Welt 
ausgeschrieben. Als Denkmal ist eine Porträtstatue 
McKinleys in architektonischer Fassung vorgesehen. 
Die Kosten des Denkmals dürfen die Summe von 
30 000 Dollars (ca. 120 000 Mark) nicht überschreiten. 
Für die besten Lösungen sind 5 Preise von je 500 
Dollars (ca. 2000 Mark) ausgesetzt. Die Entwürfe 
(Gipsmodelle mit entsprechenden Erklärungen) sind 
kostenfrei zwischen dem 2. Februar und dem 2. März 
1903 einzuschicken an die Office of the secretary to 
the General Committee, McKinley Memorial, 320 South 
Broad Street, Philadelphia. 

g Eine ständige Ausstellung für Unfallverhütung 
wird demnächst vom Reichsamt des Innern in Char- 
lottenburg eröffnet werden. Es sollen in derselben die 
neuesten Errungenschaften auf dem Gebiete des Arbeiter- 
schutzes und der Arbeiterfürsorge durch fortlaufende 
Schaustellungen vorgeführt, sowie den Arbeitgebern, 
Berufsgenossenschaften und Erfindern unentgeltlich 
Raum für die öffentliche Vorführung von Unfallver- 
hQtungsvorrichtungen zur Verfügung gestellt werden. 
Die Ausstellungsgegenstände sollen in Modellen oder 
betriebsfertiger Ausführung und die Maschinen, sofern 
sie mit Elektromotoren versehen sind, im Betriebe 
gezeigt werden. Die dazu nötige elektrische Kraft 
wird vom Reiche kostenlos geliefert. Das Ausstel- 



lungsgebäude liegt in der Frauenhoferstrasse unweit 
der Technischen Hochschule und der Technisch- 
Physikalischen Reichsanstalt. Mit der Ausstellungs- 
halle ist ein Verwaltungsgebäude verbunden; in die- 
sem befindet sich ein grösserer Saal, der zu öffent- 
lichen Vorträgen Ober Unfallverhütung, Wohnungs- 
fürsorge, Gewerbshygiene und verwandte Gebiete 
benutzt werden soll. 

* 
^ Eine zweite internationale Ausstellung für 
moderne dekorative Kunst im Haag, soll für das 
Jahr 1904 gewissermassen als Fortsetzung der dies- 
jährigen Turiner- Ausstellung geplant sein. Für die 
neueren Kunstbestrebungen in Holland, die sich in 
kräftiger Eigenart äussern, dürfte das Unternehmen 
ein machtvoller Antrieb werden. Jedenfalls wird 
Holland weit besser gerüstet auf den Kampfplatz 
treten, als Italien in diesem Sommer in Turin. 

* 

B Ein neues Reichsbankgebäude wird nach den 

Entwürfen der Architekten KAYSER & VON GrOSZHEIM 

in Berlin auf dem Hiltrop-Wall in Dortmund mit 

einer Bausumme von 550 oco Mark errichtet werden. 

• 

2|. Die älteste Gusseisenbrücke grösserer Spann- 
weite in England, die 1776—79 erbaute Bogenbrücke 
über den Severn bei Ironbridge ist vor kurzem durch 
den Bruch der Hauptträger unbrauchbar geworden. 
Die Brücke besass eine Spannweite von 31 m, eine 
Breite von 6,5 m zwischen den Geländern und eine 
Höhe von rd. 12 m. 

^ Für das Bismarckdenkmal in Lübeck ist der in 
dem Wettbewerb um das Hamburger Bismarckdenkmal 
mit dem zweiten Preis gekrönte Entwurf des Bild- 
hauers HANS HUNDRIESER in Charlottenburg gewählt 
worden. Nur der Sockel wird eine Umbildung er- 
fahren, die Statue unverändert bleiben. 

♦ ♦ 

* 

2 In St. fohann ist auf dem Rathausplatze ein 
monumentaler Brunnen nach dem preisgekrönten Ent- 
wurf des Bildhauer CAUER in Berlin errichtet worden. 

* 

X T>2isFeuerwehrdenkfnalA^tSi2i^i Berlin, das nach 
einem Entwurf des Stadtbaurates Li DWIG HOFFMANN 
unter Mitwirkung von Professor AUG. VOGEL auf dem 
Märiannenplatze erbaut wird, soll gegen Ende Oktober 
enthüllt w^erden. 



Auf der Grossen Kunstausstellung in Berlin 
erhielten die grosse goldene Medaille der Maler 
Professor ARTHUR KAMPF (Berlin) und der Bildhauer 
Professor W. V. RÜMANN (München), die kleine gol- 
dene Medaille, die Maler KARL BÖHME (München), 

Otto H. Engel (Berlin), Hermann Hart wich 

(München), ALBERT KÖSTER (München), die Bild- 
hauer PlETRO CANNONIKA (Turin), JULES LAGAE 
(Brüssel) und der Architekt HANS GRÄSSEL (München) 



^54 



Neu erschienene Fachlitteratur. 

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ArbeiterhAuser und ArbelterwohnungcQ. Festschrift 
des Rheinischen Vereins sur Förderung des 
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natiooalen WohnuDgskongresses Düsseldorf 1902. 
und der Industrie-, Gewerbe- und Kunstausteliung 
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*^ dieser Nnrnmer machen wir hiermit 
Sanz besonders aufmerksam« 



ACT.-GES. J. C. Spinn & Sohn, Beleuchtungsgegen- 
stände, Berlin. 

S. J. ArnheuI, Hofkunstschlosser, Berlin N. 

BABCHLBR & PAASCHS, Kunstschmiede, Gr.-Lichter- 
felde-Berlin. 

Berkefeld Filter- Werke, G. m. b. H., Celle i. H. 

BONNESS & H ACHFELD, Buchhandlung, Potsdam. 

Bornhofbnbr Werke für Thon- und Holz- 
industrie, G. m. b. H., Bornhofen, Nm. 

Cembntbaugbsbllschaft Johannes mubllbr, 

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VORM. M. L, Schleicher Granit-, Syenit- u. 

MARMORWBRKE, Berlin NW. 
DlTTMAR*S Möbelfabrik, Wohnungseinrichtungren, 

Berlin C. 
Dortmunder Mosaikfabrik RUD. LSISTNER, Dortmund. 
FABRIK Keiii*SCHBR FARBEN, Mflnchen. 
Paul Förster, Glasmalerei und Kunstvergiasung, 

Berlin W. 
Golde & RAEBBL, Kunstschmiede, Berlln-Halensee. 
Grünzweig & Hartmann, Korkstein, Ludwigshafen. 
Otto Hetzer, Holzpflege u. Holxbearb. A. G., 

Weimar. 
Victor HiLLMER, Kunstschmiede, Berlin SW. 
Ernst JABCKEL, Bildhauer, Wilmersdorf. 
JULIUS JAROTZKI, Zimmereinrichtungen, Berlin SO. 
Keller & Reiner, Wohnungseinrichtungen, BerlinW. 
LION KlESSLING, Wohnungseinrichtungen, Berlin SO. 
JOHANNES Koch ft Co., Flur- u. Wandplatten, Barmen. 
MAX KRAY & Co, Kunstgew. Werkstätte, Berlin S. 
FERD. Paul Krüger, Kunstschmiede, Berlin SW. 
W. KÜMMEL, Kunstm5bel-Fabrik, Berlin O. 
HEINRICH KUNITZ, Omamenten-Fabrlk, Berlin SO. 
FERD. MÜLLER, Hofl., Glasmalerei, Quedlinburg. 
POLYTECHNISCHES INSTITUT Friedberg i H. 
Ed. Puls, Kunstschmiedearbeiten, BerlinTempeihof. 
PAUL Richter, Unterricht für Malerei und Kunst- 

gewerbe, Charlottenburg. 
RlETSCHEL & Henneberg, Centralheixungen und 

Ventilations-Anlagen, Berlin. 
J. F. Schmidt, Hoftöpfer, Weimar. 
Berliner Thürschliesser-Fabrik, SCHUBERT & WERTH, 

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Franz Spengler, Fabrik f&r Baubedarf, Berlin SW. 
HERMANN THORWEST, Installationsgeschäft, Berlin S W. 
Otto VittalI, Atelier für Glasmalerei, Berlin W. 
GEORG WESTPHAL, Glaserei, Berlin SW. 
GÜNTHER WAGNER, KQnstlerfarbenfabrik, Hannover. 



Verantwortlich für die Schriftleitan{( : Dr. Adolf Bküning, Btrlin. — Verlag von Ernst Wasmuth, Berlin W., Markgrafenstr. 35. 
Gedruckt bei Julius Sittbnpbld, Berlin W., Maaer Strasse 43._44. — Cliches von Carl Schütte, Berlin W. 



Der IDettbetperb 

für entipürfe zu einem BogenlfditsKanbelaber, 



den die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft 
in Berlin ausgeschrieben bat, ist von dem 
Preisgericht, wie schon bekannt, dahin ent- 
schieden worden, dass der I. Preis dem 
Architekten HöCG, der II. Preis dem Archi- 
tekten Schneegans und der IH. Preis dem 
Architekten H. A. Krause, sämtlich in 
Berlin, zuerkannt wurde. 

Hat nun auch dieser Wettbewerb einige 
in ihrer Art tüchtige Arbeiten gezeitigt, 
unter denen der drittprämiierte Entwurf 
besondere Anerkennung verdient, so kann 
man doch beim besten Willen nicht be- 
haupten, dass — mit Ausnahme einer ein- 
zigen, weiter unten zu besprechenden Ar- 
beit — dabei eine der neuzeitlichen Aufgabe 
entsprechende neuzeitliche Lösung heraus- 
gekommen wäre. 

Es handelte sich darum, einen Lichtträger 
zu entwerfen, welcher in seinem oberen Teile 
5 elektrische Bogenlampen aufnehmen soll, 
deren Lichtpunkte 23 Meter hoch über 
Strassenkrone liegen. Damit ist also eine 
Höhe von mindestens 25 Meter fJär den gan- 
zen Aufbau gegeben, eine Höhe, welche die- 
jenige eines Berliner fünfstöckigen Mietshau- 
ses noch erheblich übersteigt. Berücksichtigt 
man ausser dieser ausserge wohnlichen Höhe 
noch die Grösse und Schwere der 5 Lampen- 
kronen, den Winddruck auf diese hoch- 
hängende Masse und femer noch die 
Forderung des Programms, dass man an 
die Krone eine mechanische Leiter müsse 
anlegen können und dass ferner in einem 



Sockelgehäuse noch eine Anzahl für den Be- 
trieb nötiger Gegenstände unterzubringen 
sei, so stehen wir vor einer ganz neuartigen 
Aufgabe. Man hat von vornherein das 
Gefühl, eia Aufbau, wie er hier verlangt 
wird, müsse sich in einer augenfällig 
konstruktiven Form erheben, so dass 
man ihm in seinen Verstrebungen und 
Versteifungen nach oben und in seinen 
Verankerungen nach unten sofort ansieht, 
wo er seine Stabilität hernimmt. Man 
braucht dabei ja nicht gleich an einen 
Eifelturm zu denken, aber eine aus solch' 
konstruktivem Sinne für den vorliegenden 
Fall abgeleitete Dekorationsweise würde zu 
einem folgerichtigeren und befriediger enden 
Resultate führen, als es der Wettbewerb 
ergeben hat. Gerade deshalb ist es be- 
dauerlich, dass die Wettbewerber an die 
neue Aufgabe nicht mit neuen Ideen heran- 
getreten sind, sondern die Lösung vielfach 
nur in der Verwendung zwar altbewährter, 
aber auch ebensosehr abgebrauchter Mittel 
und Formen gesucht haben. Mit Ausnahme 
einer einzigen Arbeit begegnet man auch nicht 
einmal dem ernsthaften Versuche, neue Ideen 
in die Lösung hineinzutragen und haben 
sich auch Einzelne bemüht, mit Re- 
quisiten des sogenannten modernen Stils zu 
arbeiten und damit einen alten Baugedanken 
neu zu verbrämen und aufzuputzen, 
so sind sie schliesslich doch in dem t>ereits 
Dagewesenen stecken geblieben und man 
hat nicht den Wunsch, derartige Entwürfe 



256 



in die That übersetzt zu sehen. — Statt 
die ästethische Form folgerichtig aus der 
Konstruktion zu entwickeln, hat man die 
Konstruktion mehrfach dazu missbraucht, sie 
mit einer phrasenhaften Dekoration zu behän- 
gen. Und welcher Art ist diese Dekoration I 
Masken, Köpfe, menschliche Figuren, Kränze, 
und Guirlanden, figürliche Reliefs, bei einem 
Entwürfe sogar ein Tanzreigen, werden her- 
angezogen zur Erzielung einer aufdringlichen 
Wirkung. Ungeheuerlichkeiten wie eine 
Quaderarchitektur aus Bronze — dies Mate- 
rial war vorgeschrieben — laufen auch mit 
unter. Was soll uns das alles? Bedenkt 
man, dass solch ein Kandelaber in ein und 
derselben Stadt auf so und soviel Plätzen 
aufgestellt wird, dass man also diesen 
selbigen Masken, Figuren und sonstigen 
Sächelchen überall wieder in neuer 
Auflage begegnen wird, so verursacht 
der Gedanke ein Grauen vor all dieser 
Schönheit. Ein- oder zweimal lässt sich das 
ertragen, aber bei öfterer Wiederholung 
wird man der Sache überdrüssig. Bil- 
dungen solcher Art, wie der Strassen- 
kandelaber, erfordern eine möglichst in- 
differente Formensprache. Und dies führt 
uns wieder zu der Forderung einer mög- 
lichst konstruktiv entwickelten Lösung. 

Der Entwurf mit dem Motto „Mehr Licht*, 
dessen Abbildung wir auf Seite 262 bringen, 
weicht in seiner Auffassung von allen übrigen 
vollständig ab. Erstens verzichtet er auf 
althergebrachte Formen und entwickelt die 
Lösung lediglich aus der Konstruktion heraus 
und zweitens leitet er aus der Aufgabe zwei 
Motive ab, die höchste Beachtung verdienen. 
Rechnet man nämlich damit, dass die 5 Bogen- 
lampen sehr häufig zum Reinigen oder zum 
Erneuern der Kohlenstifte heruntergezogen 
werden und dass diese Arbeit in Höhe des 
Strassenpflasters ausgeführt wird, so erkennt 
man darin bald eine sehr empfindliche Ver- 
kehrsstörung, zumal wenn der Kandelaber 
an verkehrsreichen Stellen oder sogar auf 
einem kleinen Inselperron steht. — Diesem 
Uebelstande soll nun ein in angemessener 
Höhe über dem Strassenpflaster aus- 
gekragter Balkon abhelfen, auf welchem 
der Arbeiter vorgenannte Verrichtungen 



ungestört und selbst nicht störend vor- 
nehmen kann; ebenderselbe Balkon bietet 
einen willkommenen Schutz gegen Wetter- 
unbill den auf den Inselperron sich flüch- 
tenden und dort wartenden Passanten; 
und schliesslich bedeutet diese ausgekragte 
Masse ein ästethisch befriedigendes Gegen- 
gewicht zu dem langen, die Krone tragendem 
Rohre, dem dadurch viel von seinem 
schwanken Eindrucke genommen wird. 

Steht nun auch dieser Entwurf in seiner 
Auffassung den anderen gegenüber ganz 
vereinzelt da und hat er auch die Zustimmung 
des Preisgerichts nicht errungen, so ist er 
doch mit Freuden zu begrüssen als eine 
bemerkenswerte Äusserung des Kampfes 
der nach Selbständigkeit ringenden Moderne, 
gegen die immer noch herrschende, arch- 
äologisch wissenschaftliche Kunstübung 
des vergangenen Jahrhunderts. 

Zum Schlüsse sei noch auf einen Fehler 
hingewiesen, der im Programm liegt. Es 
mag technischen und praktischen Rück- 
sichten entsprechen, gerade fünf Bogen- 
lampen in die Kandelaber-Krone einzufügen. 
Eine ästethisch befriedigende Wirkung 
wird aber eine fünfeckige Grundform der 
Krone ebensowenig bieten, wie eine drei- 
eckige, weil sie nicht nach allen Seiten hin 
gleichmässig wirkt. Man kann das Uebel 
durch Anordnung eines kreisrunden Ringes 
für die Krone, wie ihn einzelne Entwürfe 
zeigen, vielleicht mildern, doch werden 
die fünf frei her abschwebenden Bogenlampen 
die fehlerhafte Grundform immer wieder 
zur Erscheinung bringen. 

Dass die Zusammensetzung des Preis- 
gerichtes von vornherein in dem Aus- 
schreiben nicht vollständig bekannt gegeben 
war, ist als ein Verstoss gegen die Wett- 
bewerbsnormen zu rügen. Die Bewerber 
müssen von vornherein ihre Richter kennen ; 
das darf billig verlangt werden, ebenso wie 
das in den „Grundsätzen" geforderte, im 
vorliegenden Falle aber nicht veröffent- 
lichte, motivierte Gutachten von jedem 
Bewerber beansprucht werden kann. Wie 
oft müssen diese Forderungen noch betont 
werden, damit ihnen endlich Genüge 
geschieht? Ernst Spindler, 



ABB. 421-423. 




WETTBEWERB FÜR ENTWÜRFE ZU EINEM 
BOGENLICHT-KANDELÄBER. 01 EMIL HOEGG, 
ARCHITEKT IN BERLIN. MOTTO: „DEM KERL 
GESCHIEHT GANZ RECHTE!" c^ c», I.PREIS. 



»S8 



ABB. 424 -426. 









WETTBEWERB FÜR ENTWÜRFE ZU EINEM BOGEN- 
LICHT-KANDELABER. ALFONS SCHNEEGANS, ARCHI- 
TEKT IN BERLIN. MOTTO: ..ROMULUS." 2. PREIS. 



ABB. 427-429. 



WETTBEWERB FÜR ENTWÜRFE ZU EINEM BOQEN- 
LICHT- KANDELABER. H.A.KRAUSE. ARCHITEKT 
IN BERLIN. MOTTO: „LEUCHTE." ~ "^ 3. PREIS. 



ABB. 430-433. 



WETTBEWERB FÜR ENT- 
WÜRFE ZU EINEM BOGEN- 
LICHT-KANDELABER "= "= 




ALFRED J. BALCKE, ARCHI- 
TEKT IN BERLIN. MOTTO: 
„ES WERDE LICHT" ^ "= 



ABB. 434—437. 



¥ i 



WETTBEWERB FÜR ENT- 
WÜRFE ZU EINEM BOQEN- 
LICHT- KANDELABER ~ ~ 




ALFRED GRENANDER, AR- 
CHITEKT IN BERLIN ~ ~ 
MOTTO: „BRANDHEERD." 



>u 



ABB. 438-440. 



WETTBEWERB FÜR ENTWÜRFE ZU EINEM BOQEN- 
LICHT- KANDELABER. BRUNO MÖHRINQ, ARCHI- 
TEKT IN BERLIN. ">■«»"= MOTTO: „MEHR LICHT." 



a63 



ABB. 441. 




lieber flrcöltekturftubium. 



Von 

Arnold Nöldeke. 



Schon in der primitiven Kunst ist es 
unmöglich, zwischen rein praktischer 
und rein ästhetischer Thätigkeit eine 
scharf trennende Grenze zu ziehen, eine 
einfache Thatsache, die auch bei der Kunst 
des Ingenieurs und der des Architekten 
immer wieder hervortritt. 

Die Idee beider ist Realisierung einer 
Zweckvorstellung. Nur arbeitet der In- 
genieur mit möglichst einfachen Mitteln, 
während der Architekt reichere anzuwenden 
pflegt. 

Der Reichtum dieser Mittel aber kann 
den Umfang annehmen, dass es sich bei 
ihrer Anwendung nicht bloss mehr um 
Befriedigung sogenannter Postulate handelt, 
sondern, dass das ganze Werk eine Durch- 
dringung und Modellierung erfahrt, die nur 
ein künstlerisch schaffendes Individuum ihm 
angedeihen lassen kann. 

Der künstlerische Unterschied zwischen 
Architektur und Ingenieurwesen ist somit 
nicht ein prinzipieller sondern ein gradu- 
eller. 

Gleichwohl scheidet man im Unterrichts- 
system Architektur von Bauingenieurwesen 
und das aus guten, fasslichen Gründen. 

Man hat damit nicht grundsätzlich Kunst 
von Nichtkunst sondern wollen, aber doch 



mag wohl den Massgebenden die Archi- 
tektur als etwas der Kunst Verwandtes 
vorgeschwebt haben. 

Heute, in der jungen Kunstbewegung, 
wird nun auf das entschiedenste von der 
Architektur verlangt, dass sie sich als Kunst 
und zwar als zeitgemässe, und vom Archi- 
tekten, dass er sich als Künstler gebe. 
Es heisst oft heutzutage, wir befanden uns 
in einer Uebergangszeit und müssten die 
getrübten Wässer sich erst klären lassen, 
bevor wir an den „Stil der Zukunft" 
dächten. — Mit solchen Erwägungen 
kommen wir nicht vom Fleck. Entwicke- 
lung ist die ewige Losung der Kunst! — 
Nicht als ob wir die Entwickelung 
machten — damit ist es wie in der Wal- 
purgisnacht: „Du glaubst zu schieben und 
du wirst geschoben" ! — aber verschliessen 
soll man sich ihr nicht. 

OflFenbar haben wir eine Fülle von An- 
regungen erhalten vom Osten Asiens, und 
seit Jahrzehnten schon verarbeiten unsere 
Künstler chinesische und japanische Motive 
in der Ornamentik. Form und Farbe haben 
frisches Leben bekommen. In den Werk- 
stätten der Bildhauer, Maler, Kunstgewerb- 
1er regt es sich neuartig; Morgenluft ver- 
scheucht den Schlaf, der seit den Tagen 



264 



des Rokoko ihre Lider niedergedrückt hatte. 
Auch die Architektur, die schwerfälligste 
der Künste, was die Entwickelung anlangt, 
beginnt sich bedeutsam den Bahnen der 
Schwestern hinzuneigen. 

Die Bildungstätten für Architekten fin- 
den sich nur schwer mit dieser Thatsache 
ab. — Wie sollten sie auch anders! — Man 
wirft nicht mit einem Male das Alte über 
den Haufen, um sich auf ungewissen Wogen 
treiben zu lassen. Nun sind ja allerdings 
in Preussen die Prüfimgsvorschriften für 
den Staatsbaudienst, besonders die für 
Architektur, neugeordnet. Die Prüfung in 
höherer Mathematik fallt fort, in der Me- 
chanik wird namentlich Elastizitäts- und 
Festigkeitslehre und graphische Statik ge- 
fordert, in der Vorprüfung ist eine Klausur 
neueingeführt. 

Man beabsichtigt also sicherlich auch im 
Lehrplan der neuen Zeit Zugeständnisse 
zu machen. 

Das alte programmässige Lehrziel war 
möglichstes Sichversenken in den Geist 
früherer Formensprachen mit dem Zweck 
der Darstellung in getreuester Anlehnung 
an deren Bildungsart in „stilgerechter* Weise. 
Immer noch verbreitet die Hochschule die 
Lehre von der antiken, der romanischen, 
der gotischen Säule — als ob es nicht 
eine Säule schlechthin gäbe; immer noch 
wird im romanischen oder Renaissance-Stil 
zu bauen gelehrt, und zwar hat man form- 
lich Rezepte aufgestellt: Kirchen gotisch, 
Rathäuser am liebsten Renaissance, Jagd- 
schlösser ebenfalls und so fort. Aehnliches 
gilt für Interieurs. 

Das diese Methode eine Lehre des Fort- 
schrittes sei, kann niemand behaupten, zum 
mindesten nicht in künstlerischer Beziehung. 
Das fortschrittliche Moment, das unbewusst 
stets auftritt, sobald in äusserlicher An- 
lehnung an Formen früherer Perioden ge- 
schaffen wird, verdammt man und sucht es 
auszumerzen. 

Merkwürdig genug ist es, dass während 
unseres ganzen Jahrhunderts alles Sehnen 
darauf gerichtet war, den neuen „Stil" zu 
finden, und dass systematisch alles gepflegt 
wurde, was verhindern konnte, dies Ziel zu 



erreichen. Ein Blick auf die Kunstgeschichte 
hätte lehren müssen, dass stetige Entwicke- 
lung in bestimmter Abhängigkeit von po- 
litischem und kulturellem Auf- oder Nieder- 
gange die Losung der Kunst ist. Die Ent- 
wickelung ist durch kein Dogma aufzu- 
halten, ausserdem aber wird sie verlangt 
von einem wichtigsten Faktor, dem mensch- 
lichen Abwechselungsbedürfnis. Ob übri- 
gens Entwickelung ein Fortschritt ist im 
absoluten Sinne zum Besseren oder Schlech- 
teren bleibt völlig gleichgültig gegenüber 
der Forderung, seiner Zeit gerecht zu 
werden. 

Also der Kernpunkt der heutigen Aus- 
bildung des jungen Architekten, wenn man 
einmal nur die baukünstlerische Ausbil- 
dung ins Auge fasst, sind Vorträge mit an- 
schliessenden Entwurfübungen für das Form- 
gebiet der Antike, des Mittelalters und der 
Renaissance. Das uns zeitlich am nächsten 
stehende Barock und das Rokoko, an die 
wir noch am ehesten den Faden der Ent- 
wickelung anknüpfen könnten, wird ganz 
vernachlässigt. Die einzelnen Kunstab- 
schnitte werden als fest in sich geschlossene 
behandelt, wie wenn sie plötzlich entstanden 
und abgebrochen wären. So erhält der 
unerfahrene Schüler niemals Kenntnis vom 
lebendigen Zusammenhang alles Kunst- 
schaffens. Werden in den verschiedenen 
Gebieten der Formenlehre die einzelnen 
Denkmäler und Formen einfach als Doku- 
mente behandelt ohne gründlichen Vergleich 
ihres Charakters mit dem zu anderer Zeit 
herrschenden, so wird der Eindruck, dass 
hier nachahmenswerte Beispiele aufgestellt 
werden sollen, noch erhöht. Handhabt man 
nun gar die Formenlehre in der Weise, dass 
man Grundrisse, Schnitte, Bauteile und Or- 
namente dem Schüler vorführt, ohne das 

geistige Band zu kennzeichnen, welches 
sie untereinander und mit einer 
früheren Entwickelungsstufe ver- 
bindet, so liegt es gar zu nahe, dass der 
Schüler darin nichts als massgebende For- 
meln erblickt, die er getrost und bequem 
bei Gelegenheit verwerten kann. Werden 
ferner dem Architekturjünger noch alle Mass- 
verhältnisse zur sorgsamen Aufzeichnung ins 



265 



Heft diktiert, ohne dass man sein Form- 
empfinden berührt, so untergräbt man da- 
mit von vornherein jede selbständige künst- 
lerische Bethätigung. 

Bei den Entwurfübungen soll dann das 
in der Formenlehre Gelernte angewendet 
werden. In der Antike wird ein Tempel 
oder Grabmal, im Formkreise der roma- 
nischen und gotischen Periode eine Kirche 
oder Burg, in der Renaissance ein Palast 
oder Rathaus gezeichnet. Diese Uebungen 
entbehren nicht eines ästhetisch - erziehe- 
rischen Momentes; aber sollte der jetzige 
Aufwand an Zeit nötig sein, sollten nicht 
auf andere Weise bessere Ergebnisse erzielt 
werden? 

Unter allen Umständen ist die jetzige 
Lehrmethode unnatürlich in ihren Anfor- 
derungen und unorganisch im Aufbau. 
Die baukünstlerische Entwickelung etlicher 
Jahrtausende in einem einzelnen modernen 
Menschen reproducieren wollen ist ein Un- 
ding. Alle archäologische Forschung ist 
nicht im stände, den Geist früherer Zeiten 
einem jeden von uns aufzupfropfen, wenn 
nicht dieser Geist bereits in uns lebt Dass 
aber das Empfinden der Antike mit dem 
des Mittelalters und dem des i6. bis i8. Jahr- 
hunderts sich in jemand vereinigt fände, 
ist wohl unmöglich. Vor allem aber ist 
deshalb der Lehrplan unserer technischen 
Hochschulen nicht mehr haltbar, weil der 
Staat nicht länger die Ansicht unterstützen 
darf, dass es Aufgabe der Architektur sei, 
je nach Bedarf bald ein romanisches, go- 
tisches oder Renaissancegebäude aufzuführen. 
Die törichte Anwendung dieser doch nur 
zeitliche Abschnitte bezeichnenden Wörter 
kennzeichnet die Verständnislosigkeit der 
noch heute vorherrschenden Kunstauf- 
fassung. 

Während der leitende Gedanke des alten 
Lehrplanes ist „stilgerecht" zu bauen, sollte 
der des neuen sein, „stilgemäss" zu bauen. 
Dabei fordert „stilgemäss" nichts Geringeres 
als organische und formale Schönheit, wie 
sie unserer Zeit sich anpasst. Kunsthisto- 
rische Stilübungen sind unserer Zeit, die ihre 
künstlerische Selbständigkeit wieder 
zu erlangen im Begriff steht, unwürdig. Stil 



ist die dem Zweck und Darstellungsmittel 
angepasste wohlgefällige Gestaltungsweise. 
Diese Fassung des Begriffes greift allmäh- 
lich Platz unter unseren Künstlern, und man 
schafft wieder im Sinne dieser Definition. 
Für die Ausgestaltung im Einzelnen be- 
deutet sie, dass jedes Glied konstruktiv 
und ästhetisch nach Möglichkeit voll- 
kommen, nicht aber antik, gotisch, oder 
im Renaissancecharakter beschaffen sein 
soll. Wohl soll dem jungen Architekten 
an den alten Meistern gezeigt werden, wie 
feines ästhetisches Gefühl sie bei ihren 
Kompositionen leitete. Aesthetik soll ge- 
lehrt werden und Stillehre; „Stil" aber in 
unserem Sinne. Aesthetik ist die Lehre 
vom Formschönen; Stillehre beschäftigt 
sich mit dem nach Form und Inhalt Voll- 
kommenen; sie ist die höherstehende Wissen- 
schaft. Schön kann wohl ein gezeichnetes 
Kapital sein, stilvoll kann wohl die Zeich- 
nung sein, aber nicht das Kapital; es gehört 
der Körper dazu, und ob diesem die Form 
entspricht, das wird entscheidend sein. Heute 
lernt der angehende Architekt, dass es nach 
Zeitabschnitten gesonderte Bauglieder giebt, 
nicht aber dass es Bauglieder schlechthin 
giebt, die einzig nach ästhetischen und 
konstruktiven Gesichtspunkten zu gestalten 
sind. Das letztere aber ist doch der Kern- 
punkt der Sache. 

Um ästhetisch empfinden zu lernen, soll der 
Architekturjünger die besten Bauteile be- 
liebiger Zeiten unter verständnisvoller Lei- 
tung nachzeichnen; nicht geistlos Formen 
kopieren, sondern mit Bewustsein, weshalb 
die Linien gerade so und nicht anders ge- 
führt sind. Dazu ist allerdings nötig, dass 
sich unsere Architekturlehrer selbst etwas 
mehr mit der Deutung der Formen befassen, 
als bisher. Hat dann der junge Künstler 
begriffen, um was es sich handelt, so soll 
er versuchen selbstschöpferisch seinem Em- 
pfinden angepasste einfache Bauglieder 
ästhetischen und tektonischen Gesetzen 
entsprechend darzustellen. Und wo das 
Papier, wie ja zu allermeist, nicht ausreicht 
zur Darstellung, soll er modellieren, soll 
formen in dem Gedanken, er habe ein be- 
stimmtes Material, sei es Stein oder Metall, 



266 



vor sich. Geschiebt das unter verständnis- 
voller Anleitung, so wird ihm ein Licht 
aufgehen über die Höbe derKunst, der ersieh 
gewidmet hat. Ist er kein Stümper, so wird 
er Freude am Schaffen haben, die leere 
Form wird ihm Leben gewinnen, denn das 
Wesen alles Kunstschaffens ist ja die Be- 
geisterung und die darf man dem Jüngling 
nicht ertöten. 

Somit würde die künstlerische Ausbildung 
in den Vordergrund treten gegenüber der 
rein naturwissenschaftlichen, die einge- 
schränkt werden müsste schon der Zeitein- 
teilung wegen. 

Die Aenderungen im theoretischen Unter- 
richt würden sich also beziehen auf kri- 



tische Entwickelungsgcschichtc der Bau- 
kunst, allgemeine Kunstgeschichte und 
Aesthetik. Der praktische Unterricht müsste 
aufweisen: Nachzeichnen und Entwerfen von 
einzelnen Bauteilen, Ornamenten und der- 
gleichen und Modellieren. Theorie und 
Praxis bezwecken dann im ganzen weiter 
nichts als Weckung und Ausbildung des 
Formemptindens. (Dass auch, namentlich 
beim modernen Architekten der Farbensinn 
nicht vernachlässigt werden darf, ist selbst- 
verständlich. Es soll von dieser Sache 
ein andermal gesprochen werden.) Nach 
Absolvierung der Hochschule wird die 
künstlerische Praxis an dem jungen Ar- 
chitekten das Ihre thun. 



267 
ABB. 442. 



VILLA LÖWENSTEIN. ~ s*' 

KAISERIN AUGUSTASTR. 59. 
ERBAUT VOM 1. MAI 1901 BIS 1S. JULI 1602 VON KRISTELLER UND SONNENTHAL, ARCHU 
TEKTEN IN BERLIN. FASSADEN IN TER RA NOVA-PUTZ. BAUKOSTEN PRO DM. 680 M. 
BILOHAUERARBEITEN VON CARL HAUER UND WILHELM VOGT IN BERLIN, m gm oj 



DIELE IN DER VILLA LÖWENSTEIN. 
KAISERIN AUGUSTASTRASSE 59. 



ARCHITEKTEN: KRiSTELLER UND SONNENTHAL. BILDHAUER ARBEITEN VON CARL 
HAUER UND WILHELM VOGT. TISCHLERARBEITEN VON H. EMMELUTH, ALFRED 
DUNSKY, J. C. PFAFF UND M H. WEGNER, SCHLOSSER. UND TREIB- ARB El TEN UND 
BELEUCHTUNGSKÖRPER VON J. BEISWENGER, GUSTAV LIND, H. FROST Se. SÖHNE, 
BAUER & GLEICHAUF UND GOLDE & RAEBEL, SÄMTLICH IN BERLIN, eh m cu cu 



269 



DIELE IN DER VILLA LÖWENSTEIN. KAISERIN AU GUS TASTRASSE 54. ARCHITEKTEN: 
KRISTELLER UND SONNENTHAL. AN DER AUSFÜHRUNG WAREN DIE NEBENSTEHEND 
GENANNTEN FIRMEN SETHEILIQT. MALERARBEITEN VON M. J. BODENSTEIN IN BERLIN. 



GARTENANSICHT DER VILLA LÖWENSTEIN. KAISERIN AUGUSTASTR. 69. 
ARCHITEKTEN: KRISTELLER UND SONNENTHAL IN BERLIN, r« «> ro r« 





ABB. ++7. ABB. 448. 

II. Sloclt. 




GRUNDRISSE ZU DEN ABBILDUNGEN 442—446. 



STÄDTISCHE STEUERANNAHMESTELLE UND GEMEtNDEDOPPELSCHULE WATTSTR. 16, ERBAUT 
VON AUGUST 1900 BIS APRIL 1902 VON PAUL HESSE, ARCHITEKT IN BERLIN. BAUKOSTEN 
72B0O0 MARK, SOCKEL AUS BASALTLAVA. PORTAL AUS SANDSTEIN. FLÄCHENVERBLENDUNG 
AUS RATHENOWER HANDSTRICHSTEINEN IN KLOSTERFORMAT. GESIMSE UND GIEBELVOLUTEN 
AUS TERRACOTTEN. MODELLE FÜR DIE BILDHAUER-ARBEITEN VON E. WESTPHAL. «= ua la 



STÄDTISCHE STEUER AN NAHM ESTELLE UND GEMEINDEDOPPELSCHULE WATTSTR. 16, 
ARCHITEKT: PAUL HESSE IN BERLIN. SOCKEL UND FENSTER SOHLBÄNKE AUS ROTEN 
VERBLENDSTEINEN DIE ÜBRIGEN FlACHEN AUS WEISSGRAUEN VERBLENDSTEINEN, 
IM OBEREN STOCKWERK PUTZFLÄCHEN AUS HYDRAULISCHEM KALKMÖRTEL. «= "> 





SITUATION ZU ABB. 449, 450 
U. GRUNDRISSE ZU ABB. 449. 




1 5m. 

1 M I I I I 




GESCHÄFTSHAUS MARKQRAFENSTRASSE 70. 



ERBAUT VON OKTOBER 1901 BIS JUNI 1902 VON PAUL GELONER, ARCHITEKT 
IN BERLIN. FASSADE IN COTTAUER SANDSTEIN VON GEBR. ZEIDLER, HOF- 
STEIN METZMEISTER IN BERLIN. ERKER VON DER KUNST- U. BAUSCHLQSSEREI 
ERNST SCHMIDT IN BERLIN. DACHKONSTRUKTION IN EISEN. » « » ^ 



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ABB. *t57. 




*.'-^K(-.-V^?-"lNSTRAS^E 70, 



• ..\: i:.0'> VON ->AIJL GtlLDNF.R. ArJCHITtlKT 
'. [."? F-,.-NnS'l fcl.N VC^N vlEtiR. 2t.-DL.rR. HOT 

^. »; -/ON DliK KUNST- U. BAUSC HLO^" SRRbi 
'^ -1KO^.'>^RUKT!C)^ IN FiSEN r>^ o^i c>j e^ 



POLIZEIDIENSTQEBSUDE IN RIXDORF, 
KAISER FRIEDRICHSTRASSE. ERBAUT 
VON ARCHITEKT ZIMMERMANN ^ 
IN RIXDORF - BERLIN. ~ •-= ~ r= 



276 



BÜFFELSCHWEMME IN SIEBENBÜRGEN. VON KARL ZIEGLER IN 
BERLIN. GROSSE BERLINER KUNSTAUSSTELLUNG VON 1902. 



BILDNIS SR. EXC. DES HERRN STAATSMINISTERS VON MAYBACH. VON HUGO 
VOGEL IN BERLIN. GROSSE BERLINER KUNSTAUSSTELLUNG VON 1902, »^ 



NACH SONNENUNTERGANG. VON FRIEDRICH KALLMORGEN IN 
BERLIN. GROSSE BERLINER KUNSTAUSSTELLUNG VON 1902. 



BILDNIS DER FRAU BILDHAUER WENK. VON KARL ZIEGLER IN 
BERLIN. GROSSE BERLINER KUNSTAUSSTELLUNG VON 1902. "=• 



«78 



ABB. 463. 'o ABB. 464. 

„ES WAREN BRUN- '<= 

ZWEI Kö- '^ NEN-AN- '^ 

NIQSKIN- '^ LAGE VON 

DER." VON B.BUTZKE, 

B. BUTZKE, BILD- "= "= 

BILDHAUER HAUER IN 

IN BERLIN. BERLIN. <^ 



ABB. 465. ><■ 
„MUSIK." "■ 
STATUETTE 
VON FRANZ 
METZNER, "= 
BILDHAUER 
IN BERLIN. <^ 



=79 



ABB. 466. "o 
KNABE AM ^ 
WASSER. ^ 
VON JULIUS 
WULFF, BILD- 
HAUER IN "= 
BERLIN. "' ^ 



ENTWURF ZU EINER STAND- 
UHR VON HUGO CÄUER, BILD- 
HAUER IN BERLIN. ^ ~ ~ 



FAMILIENZIMMER VON ARTHUR BIBERFELD, 
ARCHITEKT IN BERLIN. u= uo i^ .« i^ i^ uo 
GROSSE BERLINER KUNSTAUSSTELLUNG 1902. 



ABB. 469—470. 



STÄNDUHR UJ^D TEILANSICHT 
AUS DEM FAMILIENZIMMER. AR- 
CHITEKT: ARTHUR BIBERFELD 
IN BERLIN. GROSSE BERLINER 
KUNSTAUSSTELLUNG 1902. ~ ~ 



»»3 



SPEISEZIMMER VON GEORG KUHNERT, ARCHI- 
TEKT IN BERLIN. AUSGEFÜHRT IN GRAUBRAU- 
NEM EICHENHOLZ MIT EINGELEGTEN ECHTEN 
HÖLZERN IN DEN EIGENEN WERKSTÄTTEN. 
GROSSE BERLINER KUNSTAUSSTELLUNG 1902. 



284 

ABB. 472—473. 



SPEISEZIMMER VON GEORQ KUHNERT, '^ 
ARCHITEKT IN BERLIN-CHARLOTTENBURG. 
GROSSE BERLINER KUNSTAUSSTeLLUNG1902. 



=85 



FENSTERLÄIBUNQ IM SITZUNGSSAALE DES RAT- 
HAUSES ZU DESSAU. VON MARNO KELLNER, DE- 
KORATIONSMALER, BERLIN - CHARLOTTENBURG. 



ABB. 476—477. 



ENTWÜRFE ZU TAPETEN. VON G. MANISCH, MALER IN BERLIN-SÜDENDE. 



387 



Id der Unteiscbrifi unter Abbildung 3S5 ist uns 
eia Irrtum unterlaufen und ttileo wir unseren Ter- 
chrten Lesern mit, dass Herr Architekt HOFGORTEL 
nicht die Fassade, sondern die Innen- Ausstattung: des 
Hauses Victoria-Luise-Plalz 9 entworfen hat. 

Dil Rtdttktion. 

(\ Prof Alexander LinttemoHH Ist am 33, Septem- 
ber in Alter von 63 Jahren in Prankfun a. M, gestor- 
ben. Llnnemauns Haupttbatigkeit lag auf dem Gebiete 
der Glasmalerei. Gerade hundert Kirchen und Profan- 
gebäude sind von ihm in den dreizehn Jahren des 
Bestehens seiner Glasmalereianslatt mit Glasfenslern 
ausgeschmückt worden. Gemeinsam mit Eduard von 
Steinte fahrte er die Ausmalung des Frankfurter Doms 
BUS. In Berlin hat er durch den Mosaikschmuck und 
die Chorfensler der Kai ser-WlIhelm- Gedicht niskirche 
ein Werk hinterlassen, das für alle Zeiten den Meisler 
ehren wird. ^ 

BB Am 39. Seplenber verschied in K61n der Uombau- 
mdster Geheimer Regleiungsrat Richard Voiglel, 
Volgtel, 1839 in Magdeburg geboren, hat als Nach- 
folger von Zwiiner das gewaltige Weck des Dombaues 
zur Vollendung geführt. — Am 31. August starb In seiner 
Villa bei Budapest der Architekt Professor B. Steind! 
im Tiemndsechsiigslen Lebensjahre. Er schuf in seiner 
Vaterstadt Budapest eine grössere Anzahl hervor- 
ragender Bauten. Die Einweihung seines Hauptwerke', 
des ungarischen Parlamentsgebäudes, das im Oktober 
seiner Bestimmung Qbergeben wurde, sollte er nicht 
mehr erleben. 

i Dit Preisverteilung auf der I. inlerna/ionaleit 
Ausslellung für ntoderne dekorative Kunst in Turin 
hat fQr Deutschland glänzende Resultate gebracht. 
Es eniGelen auf die deutsche Abteilung elf Ehren- 
diplome, 95 goldene, 30 silberne Medaillen und gegen 
60 „DiplAmes de merite". Da das Preisgericht Inler- 
natlonal war und sich ausschliesslich aus praktisch 
arbeitenden Künstlern lusammensetzte, so darf dieser 
Erfolg als guter Massstab Ar die deutsche Arbeit 



gelten. Den hSchsten Geldpreis von Üooo Lire fQi 
die beste Zusammenstellung von drei Luxusstmmern 
erhielt Professor L M. OLBtICH in Darmstadt, den 
»weiten Preis von 1 500 Lire (flr ein Luxuszlramer 
gewann Professor P. BEHRENS in Darmstadt, einen 
zweiten Preis fQr Zimmer all ereinfachster Ausstattung 
BERNH. GOEBBL In Freiberg (Sachsen). Von Berliner 
Künstlern und Firmen erhielten folgende eine Aus- 
teichnnng: die goldene Medaille: Maler GURT STOEVIHG, 
Verlagsbuchhandlung FISCHER & FRANKS, Architekt 
ANTON Huber, Architekt Bruno MÖHRING; die sil- 
berne Medaille: Leder waren f ab rik W. COLLIN, Bionze- 
giesserel LOEVY, Kunstmaler ALB. MAENNCHEN, 
ArcfaltektWiLH Müller, ArchitektHERMANNWERLE; 
Anerkennungsdiplome: Arcbi'cklWlLLYO. Dressler, 
H0FFMANN&CO.{Buntgläser), Architekt Arno KÖRNIG, 
Kunsitischlerei RICHARD KÜMMEL, Bildhauer LEWlN- 
FUNKE, Bildhauer MARTIN SCHAU SS, Professor 
C. C. Schirm (Email arbeiten), JOSEF SCHMEIDEL 
(Melallarbeiten) , Kunstschmiede SCHL'LZ & HOLDE- 
FLEiSS, Aktien-Ges. vorm. J. C, Spinn & Sohn. 

Bildhauer OTTO STICHLIKG, FlA & RUDOLF WiLLE. 

4t In dem Wettieweri für den Neubau eines 
Krankenhauses in Saarbrücken, »u dem 33 Entwürfe 
eingegangen waren, wurde den beiden Entwürfen 
„Licht und Luft" und „Lindere Leiden" des Archi- 
tekten H. WESZKALNYS in Saarbrücken ein Doppel- 
preis von 4000 Mark, dem Entwurf „Aus der Praxis" 
des Architekten RtCH. KLEPZIG in Gotha und dem 
Entwurf „SCdlicht" der Architekten MAX BiSSCHOF 
in Berlin und WiLH, HBIDECKE in Charlotten bürg je 
ein Preis von 1001 Mark zuerkannt — In dem Wett- 
bewerb für den Neulau eines Kollegiengebäudes der 
Universität Freiiurg in B. wurde der erste Preis 
von 7000 Mark nicht verteilt, sondern diese Summe 
wurde für vierte Preise und Ankaufe verwandt. Unter 
den eingesandten 131 EnlwUrfen erhielt den zweiten 
Preis der Entwurf „Ovuoi" des Professors FRIEDRICH 
RATZBL in Karlsruhe, je einen dritten Preis der Ent- 
wurf „Floreat" des Baudirektors MAX MECKEL und 
des Architekten C. A. MECKEL in Freiburg i. B. und 



288 



der Entwurf ,,Kelim" der Architekten PAUL und 
KARL BONAIZ in Stuttgart, je einen vierten Preis 
der Entwurf ,, Deutschem Geiste eine Warte" der 
Architekten SCHULZ und SCHLICHTING in Berlin, der 
Fntwurf „Schauinsland^' des Architekten HERMANN 
Distel in Freiburg und der Entwurf „Altmodisch'' 
des Professor FRIEDRICH RATZEL in Karlsruhe. An- 
gekauft wurde der Entwurf „Faust'* des Architekten 
PAUL THIERSCH in München, der Entwurf „Alt Frei- 
burg" der Architekten CURJEL und MOSER in Karls- 
ruhe, der Entwurf „Löwenplatz'* der Architekten RUST 
und MÜLLER in Leipzig und der Entwurf „Würde** 
der Architekten ALEXANDER und PAUL HOHRATH in 

München. 

• 

In dem vom Verein für Feuerbestattung in Bremen 
ausgeschriebenen Vi 'ettbewerb /ür ein Crematorium 
erhielten unter den eingegangenen 78 Entwürfen i\^n 
ersten Preis der Entwurf „Toteninsel" der Regierungs- 
Baumeisters KARL WiNTER in Ravensburg, den zweiten 
Preis der Entwurf „Halbinsel** des Regierungs-Bau- 
meisters Gurt Gabriel In Düsseldorf, den dritten 
Preis der Entwurf „Rasch" der Architekten LOUIS 
BUECHE und A. WÜNSCHE in Dresden. Angekauft 
wurde der Entwurf, „Finale'* des Architekten JULIUS 
BEECKMANN in München, der Entwurf „Stille Wasser" 
der Architekten HERMANN SCHAEDTLER und KARL 
MÖLLER in Hannover und der Entwurf „Pluto" des 
Architekten J. P. RIPPE in Hannover. — In dem 

Wettbewerb für ein Hallenschwimmbad in Pjorsheifn 
wurde von einer Erteilung des ersten Preises ab- 
gesehen und der dafür ausgesetzte Betrag in Höhe 
von 3000 Mark für einen weiteren zweiten und dritten 
Preis verwandt. Je einen zweiten Preis erhielten der 
Entwurf „Halle'' der Architekten MEISSNER & LlBOKIUS 
in Magdeburg und der Entwurf „Sanitas" des Pro- 
fessor Eugen Beck in Karlsruhe, je einen dritten 
Preis der Entwurf ,, Licht und Luft" des Architekten 
ALWIN GENSCHEL in Hannover und der Entwurf 
„Volkswohlfahrt" der Architekten AD GÖDECKE und 
LUDW. KNORTZ in Giessen. Angekauft wurde der 
Entwurf „In balneis salus'* des Regierungs-Bau- 
meisters F. Kritzle R in Berlin-Friedenau und des 
Architekten G. Emmingmann in Berlin. — In dem 

Wettbewerb für ein Wohnhaus in Lübeck^ das auf 
einem der Marien-Kirchengemeinde gehörigen Grund- 
stück am Marienkirchhof errichtet werden soll, wurde 
der erste Preis dem Architekten W Gl^OGNER in 
Charlottenburg, der zweite Preis den Kegierungs- 
Baunieistern ERICH und RICHARD BLUNCK in Berlin, 
der dritte Preis dem Architekten KD. STAPELFf:L])T 
in Lübeck zuerkannt. 

• 
f\ In dem vom Vereine deutscher Verblendstein- 
und Terrakottenfabrikanten E. V. ausgeschriebenen 
Wettbewerb zu einem Wohn- und Geschäftshaus erhielt 
den ersten Preis der Entwurf „(ireif* des Architekten 
HERMANN KLATTR in Heilbronn a N., je einen zweiten 
Preis der Entwurf „Lagow" des Architekten FRITZ 
Blume in Berlin und der Entwurf „Weiche Linie, 



kräftige Farbe" des Dipl.-Ing. GEORG OSTERROHT 
in Königsberg i. Pr. — Für die von demselben Verein 
ausgeschriebene beste Abhandlung betr. die Vorzuge 
der Verblendung von Bauwerken mit Baumaterialien 
aus gebranntem Thon gewann den ersten Preis die 
Arbeit mit dem Kennwort „Dahe" des Regierungs- 
Baumeisters Michel in Göttingen. 

♦ * 

* 

^ Zur Erlangung von Entwürfen sum Seubau eines 
Kreishauses in Recklinghausen t. IV. wird ein öffent- 
licher Wettbewerb unter den Architekten Deutschlands 
ausgeschrieben. An Preisen sind ausgesetzt: i5cx>, 
loocj und 500 Mark. Das Preisrichteramt haben über- 
nommen : Landrat Graf VON MERVELDT in Reckling- 
hausen, Kreisausschussmitglied Fabrikant GALLAXD 
in Westerholt, Landesbaurat ZIMMERMANN in Münster, 
Stadtbaurat BLUTH in Bochum und Kreisbaumeister 
TlMMERMANS in Recklinghausen. Die Ent\vürfe sind 
bis rum 15. Dezember 1902 dem Kreisausschuss des 
Landkreises Recklinghausen einzureichen. Das Bau- 
programm nebst Bedingungen und Lageplan ist von 
dem Kreisbauamt in Recklinghausen gegen porto- 
freie Einsendung von 1,50 Mark zu be/.iehen. 

:j: ;i: 

* 

# Einen Wettbezverb zur Erlangung von Mustern 
für Fussböden schreibt die Sinsiger Mosaikplatten- 
und Thonwarenfabrik A.-G, in Sinsig a. Rh. mit 
Frist bis zum 15. November unter allen Künstlern 
und Kunstgewerbetreibenden aus. Es sollen ins- 
gesamt 6 Muster gewonnen werden, für die je zwei 
Preise von aco Mark, von 150 Mark und von loo Mark 
ausgesetzt sind. Das Preisrichteramt haben über- 
nommen: Geh. Commerzienrat OTTO ANDRE.VE in 
Cöln a. Rh., Professor HERMANN SCHAPER in Han- 
nover, Architekt EMIL SCH REITERER und LOUIS 
ZIEC.LER, Chef des Hauses PALLENBERG zu Cöln a.Rh. 
Näheren Aufschluss erteilt das Programm, das un- 
entgeltlich durch die Direktion der Sinziger Mosaik- 
platten- und Thonwarenfabrik A.-G. zu Sinzig a. Rh. 

zu erhalten ist. 

« * 

A Der Wettbewerb um den grossen Staatspreis auf 
dem Gebiete der Architektur für das fahr ipoj ist 
von der Königlichen Akademie der Künste ausge- 
schrieben worden. Der Preis besteht in einem Sti- 
pendium von 30T0 Mark zu einer einjährigen nach 
bestimmten Vorschriften auszuführenden Studienreise 
nebst 300 Mark Reisekostenentschädigung. Diese 
Summe ist zahlbar in zwei halbjährigen Raten, deren 
erste beim Antritt der Studienreise, die zweite bei 
Beginn der zweiten Jahreshälfte derselben nach Er- 
stattung des Reiseberichtes und nach Erfüllung be- 
stimmter Verpflichtungen ausgezahlt wird. Die W^ahl 
des Gegenstandes steht den Bewerbern frei. Welt- 
bewerbfähig sind: a) alle Arten selbständig durch- 
geführter Entwürfe von grösseren Bauten, die aus- 
geführt oder für die Ausführung entworfen sind, aus 
denen ein sicherer Schluss auf die küntlerische und 
praktische Befähigung des Bewerbers gezogen werden 



289 



kann (Schaubilder sind unerlässlich); b) Photographien 
des Innern und des Aeusseren derartiger Gebäude, di«* 
durch Grundrisse und Schnitte erläutert sind, sind 
zulässig. Die für den Wettbewerb bestimmten Arbeiten 
sind nebst schriftlichem Bewerbungsgesuche bei dem 
ausschreibenden Senate, den Kunstakademien in 
Düsseldorf, Königsberg oder Cassel oder dem Staedel- 
schen Kunstinstitute in Frankfurt a. M. bis zum 
21. Februar 1903 nachmittags 3 Uhr einzureichen. 
Der Einsendung sind beizufügen: i. eine Lebens- 
beschreibung des Bewerbers, aus der der Gang seiner 
künstlerischen Ausbildung ersichtlich i&t, nebst Zeug- 
nissen über die letzteren; 2. Zeugnisse darüber, dass 
der Bewerber ein Preusse ist und dass er zur Zeit der 
Bewerbung das zweiunddreissigste Lebensjahr noch 
nicht überschritten hat; 3. die schriftliche Versicherung 
an Eidesstatt, dass die eingereichten Arbeiten von 
dem Bewerber selbständig entworfen sind. Das 
Stipendium steht vom i. April 1903 ab zur Verfügung. 
Die Studienreise ist spätestens innerhalb einer Frist 
von zwei Jahren nach der im März 1903 erfolgenden 
Zuerkennung des Stipendiums anzutreten und ohne 
willkfihrliche Unterbrechung zu vollenden. Die wei- 
teren Bestimmungen enhalten die von dem Bureau der 
Kgl. Akademie der Künste, Berlin N.W., Universitäts- 
strasse 6, zu erfragenden Nachrichten für die Gewinner 

des grossen Staatspreises. 

* ♦ 

Die deutsche Städteausstellung in Dresden ipoj 
soll den Stand des deutschen Städtewesens zu Anfang 
des 20. Jahrhunderts, insbesondere die Entwickelung 
der grösseren Gemeinden Deutschlands in den letzten 
Jahrzehnten und die Fortschritte auf den verschiedenen 
Gebieten der Gemeindeverwaltung in dieser Zeit ver- 
anschaulichen. Daneben soll noch eine Ausstellung 
von Gewerbetreibenden solche zum Gebrauch grösserer 
Gemeinden bestimmte Einrichtungen und Gegenstände 
zur Darstellung bringen, die Anspruch auf Neuheit 
und Mustergültigkeit erheben können. Die Ausstellung 
der Städte wird in folgerde Abteilungen zerfallen* 
1. Fürsorge der Gemeinden für Verkehrsverhältnisse, für 
Beleuchtung, Strassenbau und Entwässerung, Brücken 
und Häfen, einschliesslich des gesamten Tiefbau- und 
Vermessungswesens, der Strassenbahn u. s.w. ; 2. Stadt- 
erweiterungen, Baupolizei und Wohnungswesen; 3. Für- 
sorge der Gemeinden für öffentliche Kunst (Architektur, 
Malerei, Bildnerei); 4. Allgemeine Gesundheit und 
Wohlfahrt, Polizeiwesen; 5. Schulwesen und Volks- 
bildung; 6. Armenwesen, Krankenpflege, Wohlthat'g- 
keitsanstalten, Wohlthätigkeitsstifiungen; 7. Kassen- 
und Finanzverwaltung einschliesslich Steuern, städti- 
sche Gewerbebetriebe und städtischer, zur Gemeinde- 
verwaltung nicht unmittelbar benutzter Grundbesitz, 
sowie Einrichtungen der Gemeinden für Sparkassen 
und Leihwesen ; 8. Registratur und Bureaueinrichtung, 
Beamtenschaft u. s. w., sowie Statistik und Schrifttum. 

zh Das Linoleum beginnt sich immer mehr in Wohn- 
und Geschäftshäusern einzubürgern. Als Belag massi- 



ver aus Eisen und Estrich bestehender feuersicherer 
Fussböden und Treppen ist es geradezu unentbehrlich 
geworden, da nur so dem menschlichen Fuss die 
nötige Körperwärme gewahrt werden kann; ebenso 
dient es vortrefflich zur Dämpfung des Schalles. Die 
Forderung der Sauberkeit erfüllt das Linoleum 
in vollständiger Weise; denn da es durchaus undurch- 
lässig ist, so können wcxier Staub noch Flüssigkeit 
jemals einziehen oder sich festsaugen, sie bleiben 
vielmehr an der Oberfläche haften und können durch 
Wasser leicht und spurlos beseitigt werden. 



□ Die von der Deutschen Barackenbau - Gesell- 
schaft Köln- Berlin auf der Düsseldorfer Ausstellung 
vorgeführten zerlegbaren, transportablen Brummer- 
sehen Häuser besitzen unbeschadet ihrer Zerlegbar- 
keit alle technischen und hygienischen Vorzüge, die 
man an Massivbauten stellt. Diese sofort liefer- und 
aufstellbaren Häuser bieten den finanziellen Vorteil 
einer sich nach dem Bedarf richtenden bruchslückweisen 
Ausführung ganzer Bauanlagen an beliebiger Stelle 
unter Fortfall von kostspieligen 1 reppenanlagen und 
Fundamenten und können je nach Grösse in wenigen 
Stunden oder Tagen abgebrochen und an jeder be- 
liebigen anderen Stelle wieder aufgebaut werden, 
während die zumeist teuren Fachwerk- oder Massiv- 
bauten nur Abbruchsmaterial darstellen, sobald der 
Zweck ihrer Errichtung aufgehört hat oder ihr ursprüng- 
licher Bauplatz anderweitige Verwendung finden soll. 
Die Brümmerschen Holzhäuser besitzen ausserdem 
eine grössere Widerstandsfähigkeit als alle anderen 
Baracken- und Fachwerkbauten. Die behagliche Wohn- 
lichke t eines jeden Holzhauses wird hier noch durch 
eine leichte Lüftung im Sommer und billige Heizung 
im Winter erhöht. 



:^ Unter dem Namen Fachverband für die wirt- 
schaftlichen Interessen des Kunst gezverbes hat sich 
eine grosse Anzahl namhafter Berliner Firmen ver- 
einigt, um die wirtschaftlichen und handelspolitischen 
Interessen aller Gruppen der Kunstgewerbetreibenden, 
sowohl der Industrie als des Handels, zu vertreten 
und zu fördern. Mitglied des Verbandes kann jede 
durch ihre berufliche Thätigkeit mit dem Kunstge- 
werbe in Beziehungen stehende handelsgerichtlich 
eingetragene Firma des zur Handelskammer für 
Berlin gehörigen Bezirkes werden. Der den Fach- 
verband in ehrenamtlicher Thätigkeit vertretende, 
jährlich gewählte Ausschuss soll vor allem auch 
Fühlung mit den betreffenden Behörden und Körper- 
schaften nehmen und thunlichst enge Verbindung mit 
der Handelskammer bezw. den die kunstgewerblichen 
Branchen vertretenden Mitgliedern erstreben und 
ihnen 'beratend zur Seite treten. Zum Vorsitzenden 
wurde der Bronzewarenfabrikant OTTO SCHULZ, zum 
Schriftführer der Kgl. Hoflieferant HERMANN HlRSCH- 
WALD ernannt. Die Geschäftsstelle des Fachver- 
bandes ist vorläufig Berlin W., Leipzigerstrasse 13. 



290 



Neu erschienene Pachlitteratur. 

Zu besiehen durch Brust Wasmuth« Berlin W. 8, 

Markgrafenstrassa 35. 

Arbeiterhftuser und Arbeiterwohnangen. Festschrift 
des Rheinischen Vereins sur Förderung' des 
Arbeiterwohnungswesens aus Anlass des VI. inter- 
natlooalen Wohnuogskongresses Düsseldorf 190a 
und der Industrie-, Gewerbe- und Kunstaustellung 
Düsseldorf i > 03. 4«'. 3 Tle. i. einen Band geheftet. 
Tl. I., III Seiten, die von Stadt, Gemeinde, Arbeit- 
gebern, etc. ausgeübte Arbeiterwohnungsfflrsorge. 
Tl. II. Ausgeführte Arbeiterwohnhäuser v. Geh. 
Baurat Stubben, 40 Seiten Text und Abbildgn. 
von 149 Seiten M. 12, — 

Dennstedt, Prof. Dr. M., Die Feuergefahr im Hause. 
80 gebd M. 3,50 

Drathen, Dr. Jur., Der Rechtsschutz des bildenden 
Künstlers. 80 broch M. 3,— 

Emperger, Fritz von, Neuere Bauweisen und Bau- 
werke aus Beton und Eisen, nach dem Stande 
bei der Pariser Weltausstellung 1900. 

Tl. III und IV ein Quartband . . M. 9,^ 
«I » »» . . M. 5, — 

• n „ „ . . M. 4,— 

Hundt, Robert., Bergarbeiter- Wohnungen im Ruhr- 
revier mit 34 Textillustr. u. 14 Tfln. . M. 5,— 

Kunst und Handwerk, Arts and Grafts Essays. 8° 

broch. Jeder Band M. 3,— 

I. Die dekorativen Kfinste. 48 Seiten. 
II. Die Buchkunst. 38 Seiten. 

III. Keramik, Metallarbeiten, Gläser. 38 Seiten. 

IV. Wohnungsausstattung. 53 Seiten. 

V. Gewebe und Stickereien. 64 Seiten. 
Morris, William., Neues aus Nirgendland. Ein Zu- 
kunftsroman. Aus d. Engl, fibers. v. Paul Seliger. 
303 Seiten 8°. broch. ..."... M. 6, — 
Morris, William., Zeichen der Zeit. Sieben Vorträge 
übertragen aus dem Englischen v. Paul Seliger. 

80 broch. M. 3,— gebd. M. 4,— 

Muthesius, Dr. Herm., Stilarchitektur und Baukunst. 

8° gebunden M. 4,50 



A ttf nnser« Inaer^nten Im Anxel^eiitall 
^^ dieser Nammer machen wir hiermit 
ganx besonders aufmerksam« 



ACT.-GBS. J. C. Spinn dt Sohn, Beleuchtungsgegen- 
stände, Berlin. 

S. J. ArnhedI, Hofkunstschlosser, Berlin N. 

BAECHLER & PAASCHS, Kunstschmiede, Gr.-Lichter- 
felde-B erlin. 

BAUMGÄRTNERS BUCHHANDLUNG, Leipzig. 

Berkefeld Filter-Werke, G. m. b. H., Celle 1. H. 



Berliner ThQrschliesser- Fabrik, SCHUBERT & WERTH, 

Berlin C. 
BONNESS & HACHFELD, Buchhandlang, Potsdam. 

Bornhopbner Werke für Thon- und Holz- 
industrie, G. m. b. H., Bomhofen, Nm. 
Ceüentbaugesellschapt Johannes muellbr, 

MARX & Co., Berlin C 
deutsches LUXFER-PRISMEN-SYNDIKAT, G. m. b. H., 

Berlin S. 
Deutsche Steinindustrie - Actibngbsbllschaft 
VORM. M. L. Schleicher Granit-, Syenit- u. 

MARlfORWERKE, Berlin NW. 
DrrTMAR*8 MÖBELFABRIK, Wohnangsehirlchtungen, 

Berlin C. 
Dortmunder Mosaikfabrik RUD. LEISTNER, Dortmund. 
EBELLNG & FRANZEN, Tapeten, Barmen. 
FABRIK KEIM*8CHBR FARBEN, Mfinchen. 
FARBENFABRIKEN VORM. FRIEDE. BAYER & CO., 

Elberfeld. 
Paul Förster, Glasmalerei und Kunstverglasung, 

Berlin W. 
O FRITZE & Co., Anstrich für Heizkörper, Offen- 

bach a. M. 
O. Fritzsche, Hofmöbelfabrik, München. 
GOLDE & RABBBL, Kunstschmiede, Berlin-Halensee. 
Grünzweig & Hartmann, Korkstein, Ludwigshafen. 
Otto Hetzer, HoUpflege und Holzbearbeitung A. G., 

Weimar. 
Victor Hillmer, Kunstschmiede, Berlin SW. 
Gertrud Hofrichter, dekorative SHckereien, 

München. 
ERNST JABCKEL, Bildhauer, Wilmersdorf: » 

Julius JAROTZKI, Zimmereinrichtungen, Berlin SO. 
Keller & Reiner, Wohnungseinrichtungen, BerlinW. 
LlON KieSSLING, Wohnungseinrichtungen, Berlin SO. 
JOHANNES Koch ft Co., Flur- und Wandplatten, 

Barmen. 
A. M. Krause, Kunstschmiede, Berlin NW. 
MAX KRAY ft Co, Kunstgewerbliche Werkstätten, 

Berlin S. 
FERD. Paul Krüger, Kunstschmiede, Berlin SW. 
W. KÜMMEL, KunstmSbel-Fabrik, Berlin O. 
Heinrich Kunitz, Omamenten-Pabrlk, Berlin SO. 
FERD. MÜLLER, Hofl., Glasmalerei, QuedUnburg. 
Quantmeyer & Eicke, Hansa-Linoleum, Berlin W. 
ALB. Reimann, Schülerwerkstätten für Kleinplastik, 

Berlin SW. 
PAUL RICHTER, Unterricht für Malerei und Kunst- 
gewerbe, Charlottenburg. 
RIETSCHBL ft HBNNBBBRG, Centralhelsangea oad 

Ventilations-Anlagen, Berlin. 
OTTO Scheer, Ciseleur, Berlin SW. 
C. C. SCHIRM, Atelier für Emaille, Grunewald. 
FRANZ SPENGLER, Fabrik Ar Baubedarf, Berlin SW. 
HERMANN THORWB8T, Installationsgeschäft, Berlin SW. 
OTTO VITTALI, Atelier fttr Glasmalerei, Berlin W. 
GÜNTHER WAGNER, KflnstlerfarbenCabrik, HannoTer. 
FRANZ Zeller, Steinmetzgeschäft, Miltenberg a. M. 



Verantwortlich für die Schriftleitanj^ : Dr. Adolf Brüning, Berlin. — Verlag: von Ernst Wasmuth, Berlin W., Markgrafenstr. 35. 
Gedruckt bei Julius Sittbmpbld, Berlin W., Manerttratte 43. 44. — Clich^ von Carl Schutts, Berlin W. 







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AUS ÖNCR WUKZCL ZART! ^'S»' 






mHfflgffl^mi^M 





ein IDeg zum Stil. 



Eine Kunst, die Glied einer organischen 
Entwickelungsreibe ist, diskutiert 
nicht über Traditionen. Das künst- 
lerische Schaffen geht dann aus Notwendig- 
keiten hervor, die jede analysierende 
Selbstbespiegelung, ja sogar die freie 
Wahl ausschliessen. Das Wesen einer 
wirkenden und in die Zukunft weisenden 
Tradition besteht darin, dass sie als ererbter 
Kulturtrieb die Anschauung leitet und, in- 
folge einer physisch bedingten Gefühls- 
disposition , nur einen stilistisch scharf be- 
stimmten Formenkreis zulässt. Wie die 
von Eltern auf das Kind übertragenen 
körperlichen und geistigen Aehnlicbkeitea 
von diesem als unlösliche Bestandteile 
seiner Individualität begriffen werden, so 
fühlt sich der auf dem Boden einer Ueber- 
lieferung rüstig Schaffende als Erfinder, 
wo er nur Fortsetzer eines gegebenen 
Kulturgedankens ist. 

Die Kunst der Gegenwart sucht rastlos 
nach Ueberlieferungen und beweist dadurch 
ihre Richtungslosigkeit. Mit Hilfe des 
Verstandes möchte sie auffinden, was ihr 
an lebendigem Gefühl gebricht, müht sich 
vergebens mittels des Intellektes die un- 
wägbaren Eigenschaften der Tradition — 



angesichts einer reich schimmernden Ver- 
gangenheit, zu der jede natürliche Verbin- 
dung abgebrochen ist ^ zu ersetzen und 
spekulativ zu konstruieren, was nur trieb- 
mässig wachsen kann. Wie sehr der 
Verstand auf solchen Wegen irre geht, 
lehrte uns eben jetzt die angewandte Kunst. 
Im rechten Gefühl für die Notwendigkeit 
eines Zusammenhanges mit dem Früheren, 
erklären die Künstler, denen es gelungen 
ist, Anfange einer neuen Ornamentik zu 
schaffen, die Herkunft ihres Werkes aus 
dem Geiste der Gotik. Dem nicht von 
Tendenzen verwirrten Beobachter zeigt es 
sich aber deutlich, dass das in der neuen 
dekorativen Kunst wirkende Formenem- 
pfinden — abgesehen von vielen Neben- 
einflüssen — geradenwegs vom Rokoko 
abstammt. Daran hatte vorher niemand 
gedacht, und doch schliesst sich so die 
Entwickelung mit Ende und Anfang or- 
ganisch aneinander. Der Intellekt sträubt 
sich gegen diese Erkenntnis, weil solcher 
Weg dem allzu hastig den letzten Zielen 
zudrängenden Wollen nicht erhaben, nicht 
hoffnungsvoll genug scheint; doch erweist 
sich in diesem Vorgang eine Kraft wirksam, 
gegen die enge Begriffe nicht aufkommen, 



292 



eine Kulturlogik spricht, deren Massstab von 
dem zeitlich Befangenen nicht auszu- 
messen ist. 

In einer schwierigen Lage befindet sich 
der Architekt unserer Zeit, weil er vor 
Aufgaben steht, die sich künstlerisch nicht 
ableiten lassen, deren profaner Zweck- 
gedanke meist noch nicht einmal sozial 
präzise formuliert ist. Sein Bemühen, 
mittels des Verstandes Traditionen zu finden, 
um dem Schaffen Grundlage und Stetigkeit 
der Entwickelung zu geben, kann nur zu 
einem Archaismus führen, der sich, je nach 
der Art der Persönlichkeit, künstlerisch 
qualifiziert. Jeder Architekt benennt seine 
Form des Archaismus mit dem stolzen 
Namen Tradition und es entsteht ein Streit 
der Meinungen, der nie möglich wäre, 
wenn lebendige Ueberlieferungen wirksam 
wären. Es ist sehr merkwürdig, dass in 
einer Zeit so ungeheuerer Bauthätigkeit 
das alle verbindende Stilgefühl in solchem 
Masse erlöschen konnte. Ein Stil, der 
unseren Lebensformen entspricht, sei er 
immer wie er wolle, wäre etwas Grosses 
gegenüber dem jetzt herrschenden Durch- 
einander, in dem alle schlechten Instinkte 
des Ungeschmackes frei hausen können. 
Auch die edleren neuen Bestrebungen 
werden durch diesen Zustand der Dinge 
gehemmt. Mancher wohlmeinende Führer 
gerät, im Drange natürliche Ueberlieferun- 
gen nachzuweisen, in die verderblichsten 
Irrtümer, lässt, was in der Architektur das 
Schlimmste ist, die im Sozialen wurzelnden 
Bedingungen einer modernen Frofanbau- 
kunst aus dem Auge und idealisiert die 
Aufgaben der Zeit nach falscher Richtung 
hin. Verführt durch die Anschauung 
englischer Verhältnisse, erklären z. B. die 
so einflussreichen Anglophilen die Kunst 
des Villenbaues für die der Zukunft und 
übersehen dabei, dass bei uns das städtische 
Etagenhaus noch immer und scheinbar 
immer mehr den Bedürfnissen der Menge 
entspricht. Man kann streiten, welche 
Form die höhere ist, das Wohnen auf 
der Etage oder im Landhaus; der Ar- 
chitekt hat jedoch nur mit der Thatsache 
zu thun, ihm nutzt die Schwärmerei für 



die leichter künstlerisch zu gestaltenden 
Aufgaben des Villenbaues garnichts, wenn 
er fast nur Mietshäuser zu bauen hat. 
Gerade von der Stadtarchitektur hängt die 
Zukunft unserer Baukunst ab und hier fehlt 
es am meisten an einer Tradition, die dem 
Künstler Führerin sein könnte. Das Suchen 
danach ergiebt nur einen Archaismus, der, 
auf diese profanen Zweckbauten angewandt, 
doppelt peinlich wirkt. Es kommt also 
darauf an, einen Ausgangspunkt nicht will- 
kürlicher Art zu suchen, einen Weg, auf 
dem sich die wachgebliebenen Ueberlie- 
ferungen wie von selbst dem Schaffen zu- 
gesellen können. 

Der Ursprung der Schönheit bringt es 
mit sich, dass sie nicht aus bewusster Kunst- 
arbeit allein hervorgeht. Ein altes Schul- 
beispiel mag für viele stehen. Wenn die 
nur vom Kunstgefuhl gebaute Kuppel der 
Peterskirche sich hinterher als in allen 
statischen Massen wissenschaftlich richtig 
erwiesen hat, wenn also hier die geniale 
Anschauung des Künstlers die technische 
Rechnung vollkommen in sich schloss, so 
muss notwendig jedes konkrete Ergebnis 
einer statisch präzisen Rechnung einen Teil 
der Schönheit enthalten. Das Gesetz ist 
die Grundlage hier und da. Der Künstler 
erkennt es synthetisch und erläutert es 
durch anschauliche Gleichnisse frei ge- 
stalteter Kunstformen; der Tektone begreift 
es analytisch und konstruiert zweckvoll 
mittels der empirisch erkannten Kraft. 
Ein Gemeinsames ist aber trotz so ver- 
schiedener Ausgangspunkte vorhanden, eine 
Schönheit, die im Kunstwerk voll aufblüht, 
während sie sich in der Konstruktion — 
oft in grotesker Form — als Keim verbirgt. 
Es liegt daher nahe, eine Schönheit, die 
in der Baukunst der Gegenwart nicht 
künstlerisch als Tradition wahrnehmbar ist, 
auf dem Wege wissenschaftlicher Logik 
zu suchen. Kann das so Gefundene auch 
nicht das Ziel bezeichnen, so kann es doch 
den Anfang des Weges ziemlich sicher 
angeben, denn da es direkt aus der phrasen- 
losen Nüchternheit des Bedürfnisses hervor- 
geht, wird es nicht mit falschem Schein 
— es will ja nicht repräsentieren — tau- 



293 



sehen. Diese Schönheit wider Willen liegt 
stets im Gerüst. Damit ist zugleich die 
Schwierigkeit sie für die Kunst nutzbar zu 
machen erklärt, weil alles Konstruktive 
etwas Abschliessendes hat, das zu über- 
winden viel bildende Kraft erfordert. 

Bezeichnend für den stilmüden Sinn des 
modernen Menschen ist es, dass zu ihm 
primitive Gerüstarchitekturen, Ruinenmonu- 
mentalität und phrasenlose Zweckkonstruk- 
tionen mehr sprechen, als alle noch so 
fleissigen und feinsinnigen Nachbildungen 
historischer Stile. Man hat diesen Vorgang 
dekadent genannt. Doch das ist nichts 
als ein Wort, erfunden um damit zu ope- 
rieren. Die Kunstgeschichte kennt keine 
Dekadence, denn jedes Ende wird in ihr 
zum Anfang; nur die Träger der Kultur- 
ideen, die Völker, lösen sich ab, und 
solcher Wechsel will in dem lebendigen 
Zirkel der Weltkräfte nicht eben viel be- 
deuten. Es ist sehr ernsthafter Beachtung 
wert, wenn ein aufrichtig von seinen 
wahrsten Empfindungen Lernender die Be- 
obachtung macht, dass das Arbeitsgerüst 
eines monumentalen Baues stärker auf sein 
artistisches Sensorium wirkt, als später das 
fertige, archaistische Kunstwerk. Vor dem 
Berliner Dom haben wir Aehnliches sehr 
eindringlich erfahren; im Gerüst gab das 
Gebäude monumentale Impressionen, wäh- 
rend es jetzt, wo es fertig dasteht, fast 
abstossend und kleinlich wirkt. Solche 
Anschauungsweise hat mit künstlicher Sen- 
sationslust nichts zu thun, sehr viel aber 
mit den Unterströmungen eines nicht durch- 
aus ins Bewustsein getretenen, sich erneu- 
ernden Kunstgefühls. 

Dem Problem des städtischen Mietshauses 
gegenüber erlebt man etwas ganz Aehn- 
liches. Alle intellektuell heraufbeschwo- 
renen Traditionen versagen vor dieseq Auf- 
gaben profaner Nützlichkeit und es zeigt 
sich eine Schönheit, deren Ursprung in der 
Rechnung lieg^, in Dingen die sich der 
Aesthetik vollständig entziehen. Das 
städtische Wohnhaus, wie es sich immer 
präziser ausbildet, hat mit dem ein, höch- 
stens zweistöckigen Stadthause des acht- 
zehnten Jahrhunderts wenig gemein. Die 



Baumeister, die es versucht haben, ihre 
Fassaden den schöngegliederten Fronten 
der städtischen Bürgerhäuser aus dem An- 
fange des vorigen Jahrhunderts nachzubilden, 
sind nicht zu Resultaten gekommen. Es ist 
gewiss einer ganzen Anzahl von Künstlern 
gelungen, mit Anlehnung an diese und 
andere historische Gebilde, Etagenhäuser 
zu bauen, die einen rein ästhetischen Anblick 
bieten und der Kunst des Erbauers grosse 
Ehre machen. Aber diese Häuser stehen 
inmitten der mit archaistischem Gipskleister 
versehenen Häuserreihen als Ausnahmen, 
sind Dokumente eines feineren Kunsturteils, 
Werke bewuster Absonderung. Das Pro- 
blem des Etagenhauses liegt aber nicht in 
der individuellen Ausgestaltung einzelner 
Gebäudefronten, sondern darin, dass ein 
ganzes Bausystem geschaffen wird. Früher 
war es anders. Da bauten die Städte sich 
selbst. Jedes Haus diente einem bestimmten 
Zweck, gehörte einer Familie allein, und 
aus dem Nebeneinander der verschiedenen 
Bedürfnissen entwachsenen Gebäude, in 
deren Ausgestaltung sich doch überall ein 
gleiches Stilgefühl bekundete, enstand der 
reizvolle Wechsel, der den Strassen alter 
Städte das für den Nachgeborenen so An- 
heimelnde giebt. Diese Zeiten sind vorbei. 
Heute werden die Stadthäusern auf Vorrat 
gebaut, man wohnt während eines kurzen 
Lebens in zwanzig verschiedenen Woh- 
nungen, die alle im Prinzip möglichst 
gleichartig angelegt sein sollen, damit die 
Lebensgewohnheiten keine Aenderung er- 
fahren. Die Unterschiede im Grundriss ver- 
wischen sich immer mehr, ja, die ideale 
Forderung der städtischen Bauweise ist ein 
ganz uniformer Grundriss für Wohnungen 
gleichen Mietspreises. 

Das ästhetische Entsetzen hilft hier gar- 
nichts: Diese Forderung ist eine natürliche 
Folge der sich gestaltenden Lebensformen 
moderner Stadthausbewohner. In Berlin 
wird in neuerer Zeit schon so gebaut, dass 
man sich, wenn nicht gerade eines jener 
„individuellen" Häuser in Frage kommt, in 
jeder Wohnung sofort zurechtfindet. Was 
dem Prinzip der Uniformität des Grundrisses 
noch widerspricht, ist nur Inkonsequenz; 



294 



auf das Ziel der vollständigen Einheit treiben 
die Verhältnisse notwendig zu. Er mag sein 
wie er will: hierin äussert sich doch ein 
aus dem Sozialen hervorgehender Wille 
und wie jedem Willen ist auch ihm die 
Kraft eigen, sich eine ihm zusagende Form 
zu bilden. Nicht nur der Wille in der Natur 
baut sich Organismen, wie er sie braucht, 
auch der sozial thätige Wille weiss seinen 
Absichten Gestalt zu geben. Der uniforme 
Grundriss des Etagenhauses — nur Berliner 
Bauten dienen hier als Beispiel — mani- 
festierte sich denn auch sehr deutlich in 
den Fassaden und von Jahr zu Jahr bildet 
sich sicherer ein Typus der grossstädtischen 
Mietswohnung aus. Man erkennt es bei 
einem Gang durch die neuen Strassen des 
Westens. 

Und am deutlichsten erkennt man dort 
wiederum die Idee in den langen Reihen 
der im Rohbau unvollendet dastehenden 
Häuser. Denn die Architekten haben es 
noch immer eilig, ihre Fassaden mit ar- 
chaistischem Omamentkram zu bedecken 
und ihr Werk vom Nachbarhause durch 
einen im besonderen historischen Stil ge- 
haltenen Gipsüberzug recht deutlich zu 
unterscheiden. Aber selbst solcher, gegen 
früher etwas verbesserter Unverstand ver- 
mag das Gerüst dieser Häuser nicht zu ver- 
decken, und wenn man eine Strasse entlang 
blickt, hat man oft einen starken monu- 
mentalen Eindruck, nur durch die überall 
gleiche Gestaltung der Hauptmassen. Den 
Charakter giebt die Vertikale, geben die 
Gruppen der Erkervorbauten mit ihren 
energischen Gliederungen und die dadurch 
bedingte Fensteranordnung. Wo die Ge- 
bäude aber noch im Rohbau stehen, kein 
Putzornament, kein unorganischer Schmuck 
den starken Eindruck verdirbt, formuliert 
sich scharf ein wichtiger Zweckgedanke. 
Die Konstruktion zeigt sich unverhüllt und 
aus dem Ergebnis eines Bedürfnisses und 
trockener statischer Rechnung geht eine 
Art von Monumentalität hervor. Sie ist 
düster und traurig, aber doch charaktervoll, 
hat etwas Drohendes, entbehrt jedoch nicht 
einer gewissen inneren Vornehmheit. Noch 
mehr: in dieser Primitivität sind alle Ele- 



mente einer künstlerischen Ausbildung ent- 
halten und aus der reich und unwirsch 
angedeuteten Schönheit kann ein Stil 
des Etagenhauses vollkommen entwickelt 
werden. 

Es kann nicht Aufgabe des Schriftstellers 
sein, dem Architekten Mittel und Wege an- 
zugeben, wie aus den Keimen der Roh- 
baumonumentalität architektonische Einzel- 
formen abzuleiten sind. Dem Schaflfenden 
theoretische Vorschriften machen zu wollen, 
ist stets lächerlich. Aber man darf fordern, 
dass endlich die Maskerade mit archa- 
istischen Zierformen und deplazierten Bau- 
gliedern aufhöre und der Versuch gemacht 
werde, aus den gegebenen Bedingungen 
heraus logisch künstlerische Ausdrucksmittel 
zu. entwickeln. Die originellen Einzel- 
schöpfungen gelten wenig gegenüber einem 
solchen Versuch, der, wenn er glückt und 
der Entwickelung des Etagenhauses die 
Richtung bestimmen hilft, das gesamte 
Ergebnis der Darmstädter Ausstellung, und 
weit mehr noch, aufwiegt. Es ist nur nötig, 
den im Rohbau gegebenen Anregungen zu 
folgen. Dort wirkt, wenn man bereitwillig 
die rein malerischen Elemente abzieht, die 
von reizvollen Materialunebenheiten belebte 
Fläche, die harte, ungemilderte, stets einen 
Zweck offenbarende Linie, das natürlich 
entwickelte Verhältnis, das noch von falsch 
angebrachten Gesimsen nicht verdorben ist, 
die .Wucht der Massen und ihre anschau- 
liche Gliederung durch das eiserne Träger- 
gebälk. Alle Bedingungen drängen den 
Architekten, das System der Steinbaukunst 
für diese Aufgaben zu verlassen, das or- 
ganisch gewachsene Gerüst nicht durch 
fremdartige Gebilde alter, repräsentativer 
Moniunentalkünste listig zu verdecken und 
artistisch zuzugeben, was doch nicht in 
Abrede zu stellen ist. Es ist nicht einzu- 
sehen, warum sich die eisernen Träger z. B. 
nicht durch Kunstformen sollten bezeichnen 
lassen, die die Funktionen dieses Materials 
künstlerisch veranschaulichen; und wieviel 
wäre damit dann schon erreicht! Auf die- 
sem Wege würde sich die Tradition dann 
mit einem Male einstellen. Sobald die 
rechte Arbeitsweise gefunden ist, können 



k 



295 



die lebendig gebliebenen Ueberlieferungen 
sich bethätigen und teilnehmen an der 
organischen Entwickelung. Diesen Tra- 
ditionen steht der Archaismus am meisten 
im Wege; wahrscheinlich würde es sich 
dann zeigen, wie lebhaft das Moderne im 
Werke Schinkels der Fortsetzung harrt. 
Es entstehen auch immer häufiger schon Bei- 
spiele einer gereinigten Mietshausarchitektur ; 
doch fehlt überall die letzte Konsequenz 
imd die logische Ableitung aus dem 
Gerüst. 

Ist der Typus festgelegt, so ergiebt sich 
eine andere Folgerung fast von selbst. 
Schon jetzt gleichen sich die Häuser der 
westlichen Strassenzüge im wesentlichen 
und unterscheiden sich nur durch äusserlich 
angeklebten Schmuck. Das Ziel einer 
neuen Stadtbaukunst ist: Die Uniformität, 
das Zusammenfassen ganzer Häuserblocks. 
Aus der sozialen Forderung des uniformen 
Grundrisses geht die künstlerische hervor, 
alle Gebäude gleicher Art — der Miets- 
preis ist das Entscheidende — zu einer 
Einheit zu verschmelzen. Man hat in 
Hamburg z. B. bei Speicherbauten dieses 
Prinzip mit vielem Glück befolgt und es 
erscheint sicher, dass es eines Tages auch 
auf das städtische Wohnhaus angewendet 
wird. Das alte Stadtbild entsprach anderen 
sozialen Zuständen. Die demokratische 
Gegenwart mit ihren Ausgleichstendenzen, 
mit dem Drange nach Konzentration ver- 
bietet durchaus die pittoreske Bauart des 
Mittelalters. Unsere Städte werden einen 
Stil, und dieser wird Tradition haben, in 
dem Moment, wo der moderne Mensch 
Selbstgefühl genug besitzen wird, seiner 
Art zu vertrauen, ohne ängstlich die Ver- 
gangenheit um Erlaubnis zu bitten. Früher 
kleidete sich jeder Stand besonders, der 
Mensch deutete schon in der Tracht seine 



soziale Sonderstellung an; heute trägt 
jeder Mann dasselbe Kleid und auch die 
Frau wird es einst de facto thun, wie sie 
es im Prinzip schon jetzt thut. Dieser 
Menge, aus der sich keine Individualität 
äusserlich hervorhebt, entspricht die Ten- 
denz des uniformen Städtebaues. Das Be- 
sondere zieht sich aufs Land, in die ab- 
geschlossene Villa zurück. Die Stadttheile 
werden sich unterscheiden, nicht die ein- 
zelnen Häuser. Aus den verschiedenen 
Grundrissen der billigen und teueren 
Wohnungen ergiebt sich ein verschiedener 
Aufriss; aber die Häuser gleicher Art ge- 
hören in einen organischen Verband. So 
trennen sich denn die Stadttheile mit 
Monumentalbauten , Geschäftshäusern und 
Wohngebäuden verschiedener Disposition; 
die Verschiedenheit und Mannigfaltigkeit 
des Gipsornamentes verschwindet. 

Diese Perspektive mag manchem schauer- 
lich sein. Dann beklage er sich über die 
soziale Entwickelung, nicht über die Ar- 
chitektur, die den Bedürfnissen nur ein 
künstlerisches Gewand schafft. Kultur- 
losigkeit giebt es nur da, wo ein Volk 
nicht den Mut hat, sich zu seinen Lebens- 
formen zu bekennen, wenn es halb im Alten, 
halb im Neuen und nirgend ganz heimisch 
ist, wenn es versucht aus seinem Tages- 
heim einen Palast zu machen und ganze 
Städte mit verlogenen Repräsentationsfor- 
men füllt, ohne einen anderen Zweck, wie 
den der Selbsttäuschung. Es kann nicht 
ausbleiben, dass die Logik des modernen, 
immer mehr demokratisch sich entwickeln- 
den Lebens all diese Verkehrtheiten über- 
windet und sich einen Ausdruck in der 
Architektur schafft, der nicht heimlich und 
schön im romantischen Sinne, aber gewiss 
doch charaktervoll sein wird. 



Friedenau. 



Karl Scheffler. 



296 



Das minifterialgebäube fn Kubolftabt. 



Der Entwurf für das Gebäude ist aus 
einem Wettbewerb unter den Mit- 
gliedern des Architekten -Vereins 
zu Berlin hervorgegangen, bei welchem 
der Plan des Unterzeichneten den i. Preis 
erhielt. 

Mit dem Bau wurde im Spätherbst 1900 
begonnen und das fertige Gebäude zu An- 
fang September d. J. eingeweiht. Das 
Haus liegt in dem w- estlichen neuen Teile 
der anmutijg^en thüringischen Residenzstadt, 
an der Schwarzburger Strasse, mit der 
Hauptfront nach Süden gerichtet, an einem 
mit gärtnerischen Anlagen geschmückten 
Vorplatz. 

Es baut sich über dem Keller in drei 
Geschossen auf und enthält im i. Ober- 
geschoss die Haupträume der ministeriellen 
Behörde, Sitzungssaal, Ministerzimmer, Ge- 
heime Kanzlei und die Abteilungen des 
Innern und der Finanzen. 

Als Material für die Fronten des Vorder- 
gebäudes kam Koburger Sandstein, an den 
Seiten^ und Hinterfronten derselbe Stein in 
Verbindung mit Rauhputzflächen zur Ver- 
wendung. 

Die Hoffronten wurden in Ziegelrohbau 
aus Vollverblendern mit weissen Fugen 
und Putzblenden, ohne irgendwelche Form- 
steine, aufgeführt, die Dächer erhielten 
Eindeckung aus thüringischem Schiefer. 

Für die Zwischendecken kam der Haupt- 
sache nach die Koenensche Plandecke 
zur Anwendung. 

Die Geschosshöhen sind im Erdge- 
schoss und i. Obergeschoss auf 4 m be- 
messen, erhöhen sich aber im Mittelbau 
für den Sitzungssaal und die Ministerzimmer 
auf 5 m. 

Letztere Räume erhielten eine reichere 
Ausbildung, indem die Rahmen und Pro- 
filierungen der Paneele und Thüren in 
Eichenholz, ihre Füllungen in italienischem 
Nussbaum mit Padukeinlagen hergestellt 
wurden. In gleicher Weise wurde die Holz- 
balkendecke des Sitzungssaals behandelt. 
Die Ausführung dieser Teile übernahm die 
Firma B. Harrass in Bohlen in Thüringen, 
welche dabei ihre bewährte Koptoxyl- 
Technik in höchst zufriedenstellender Weise 
zur Anwendung brachte. Die von vorn- 
herein für die übliche Tischlerarbeit vor- 
bereiteten Werkzeichnungen konnten hierbei 



ohne wesentliche Aenderungen den Arbeiten 
in der neuen Technik zu Grunde gelegt 
werden und dazu noch eine willkommene 
Bereicherung durch die dem Verfahren 
besonders bequem liegende Anwendung 
von Einlegearbeit erfahren. 

Ein besonderer Schmuck wurde dem 
Saal noch durch eine Reihe vorhandener 
älterer Fürstenporträts, welche in ein Ober- 
paneel eingefügt sind, zu Teil. 

Die Decken der Ministerzimmer und des 
Treppenhauses, sowie Decken und Wände 
der Eingangshallen wurden durch die 
Firma BosWAU & Knauer in gezogener 
Arbeit ausgeführt. 

Die rein ornamental gehaltene Kunst- 
verglasung der Fenster im Haupttreppen- 
haus stellte Ferd. MÜLLER in Quedlin- 
burg her. 

Im übrigen wurde bei Vergebung der 
Arbeiten nach Möglichkeit der Grundsatz 
befolgt, das heimische Gewerbe zur Mit- 
wirkung heranzuziehen. 

So sind sämtliche Kunstschmiedearbeiten 
in Rudolstadt und der näheren Umgebung 
in tüchtiger, zum Teil vorzüglicher Weise 
ausgeführt worden. 

Die Maurerarbeiten waren dem Maurer- 
meister A. Bornschein und anderen, die 
Steinmetzarbeiten, für deren ornamentale 
Teile Professor RiEGELMANN in Berlin die 
Modelle lieferte, den Steinmetzmeistern 
Gundermann & Anding in Rudolstadt 
übertragen. Die Zimmerarbeiten lieferte 
Zimmermeister KARL MÄCHTIG, ebenda. 

Das Gebäude hat Gasbeleuchtung er- 
halten, filr welche die Beleuchtungskörper 
von Schäfer & Hauschner in Berlin ge- 
liefert wurden. 

Die Warmwasserheizung wurde von 
Bechem & Post in Hagen ausgeführt. 

Die Kosten der Ausführung haben, nach 
dem gegenwärtigen Stande der Abrechnung, 
etwa 435 000 Mark betragen. 

Die technische und geschäftliche Leitung 
der Ausführung des Baues lag bei Herrn 
Regierungs - Baumeister A. HOLTMEYER, 
welcher dem örtlichen Baubureau vorstand, 
in den besten Händen. Der Unterzeichnete 
ist ihm für die verständnisvolle Verwirk- 
lichung seiner künstlerischen Absichten zu 
besonderem Dank verpflichtet. 

Adolf Härtung, 



MINISTERIALGEBÄUDE IN Mittelbau der Vorderfront, aus- 

Riinni STinT «inoHlTci^T- geführt in koburger Sandstein 

RUDOLSTADT. "ARCHITEKT. ^^^^^^ Gundermann und anding, 

ADOLF HÄRTUNG, BERLIN. steinmetzmeister in rudolstadt. 



MINISTERIALGEBÄUDE IN «BB. 480. Ansicht der 

RUDOLSTADT. ~ ARCHITEKT: -,-^- ™^;™''i 

ADOLF HÄRTUNG, BERLIN. ». ^ <« Hinterfront. 



ABB. 482—483. 



MINISTERIALGEBÄUDE IN *«»• "2. Ansicht der 

NÖRDLICHEN HOFFRONT. 



RUDOLSTADT. •« ARCHITEKT: 



A8B. 483. ANSICHT DER 



ADOLF HÄRTUNG, BERLIN. ~ südlichen hoffront. 



MINISTERIALGEBÄUDE IN ABB. 484. Ansicht der ^ . 

HAUPTEINGANGSTHÜR. cn 91 1 



RUDOLSTADT. ^ ARCHITEKT: 



ABB. 4eS. KORRIDOR AM VOR- 



ADOLF HÄRTUNG, BERLIN. RAUM des Sitzungssaals. 



ABB. 486—487. 



MINISTERIALGEBÄUDE IN ABB. 486. Zimmer des Ministers. 

RLinOI '?TinT -«AOrHITCKT- ABB. 487. SITZUNGSSAAL. .^ ~ 

HU UOLiTAÜT. - ARCHITEKT. HOLZARBEITEN IN KOPTOXYLTECHNIK 

ADOLF HÄRTUNG, BERLIN. von s. harras, bohlen in thOr. 



MINISTERIALGEBÄUDE IN detail einer schmalwand im 

SITZUNGSSAAL. HOLZARBEITEN 



RUDOLSTADT. «»ARCHITEKT: 



rN KOPTOXYL AUSGEFÜHRT VON 



ADOLF HÄRTUNG, BERLIN. B. harrass IN Bohlen IN thüR. r<a 



MINISTERIALGEBAUDE IN 
RUDOLSTADT. ~ ARCHITEKT: 
ADOLF HÄRTUNG, BERLIN. 



eiNTRITTSHALLE UND 
TREPPENAUFGANG IM 
<M ERDGESCHOSS. r« 




l«Jl^ 







e^ GRUNDRISSE ZU DEN ro 
ABBILDUNGEN 479 BIS 493. 



MINISTERIALGEBÄUDE IN verglasung der Fenster 

BlinOI<;TinT r^ARnWITCKT- IM HAUPTTREPPENHAUS. ~ 

RUDOLSTAOT. "ARCHITEKT. AuspÜMRUNGi FERO. MÜLLER 

ADOLF HÄRTUNG, BERLIN. ~ rN Quedlinburg. ~ 



ARCHITEKTURSKIZZE VON JOSEF REUTERS, 
ARCHITEKT. BERLIN-WILMERSDORF, k. lo x= 



3o6 



WETTBEWERBS -ENTWURF ~ ~ ~ 
ZU EINEM STADTTHEATER ~ ~ ~ 
IN FREIBURG IM BREISQAU. ~ r« ^= 
ARCHITEKT: WALTER HENTSCHEL. 





ABB. 496-498. GRUNDRISSE 
ZU ABB. 495. ARCHITEKT: 
WALTER HENTSCHEL. u= u= lo 



WOHNHAUS RINGBAHNSTR. 13. ARCHITEKT: 
PAUL RUFE IN WILMERSDORF-BERLIN, to "= 



WOHNHAUS VIKTORIASTR. 26A. ARCHITEKTEN: 
KAYSER UND VON GROSZHEIM, BERLIN. u= -o 



VON DER AUSSTELLUNG DER BERLINER SECESSION. 
ABB. 501. „IM ATLANTIK" VON MAX QIESECKE. ■«■ 
ABB. 502. „FRÜHLING" VON PHILIPP FRANCK. ■« 



VON DER AUSSTELLUNG DER BERLINER SECESSION. 
ABB. 503. „INTERIEUR" VON GUSTAVA HAEGER. "= 
ABB. 504. „INTERIEUR" VONiHEINR. HÜBNER. "= "= 



ABS. SOS. X" ABB. S06. uo 

QRABRELrEF; QRABRELIEF: 

„DER WEG "> „SCHICKSAL". 

DER TOTEN." VON FRANZ t» 

VON FRANZ "= METZNER, "= 

METZNER. "= FRIEDENAU. "= 



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ABB. 507 UND 508. DECORATIVE MA- 
LEREIEN VON ALBERT KLINGNER. ■« 






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ABB. B11 UND B12. FARBIGE FÜLLUNGEN AN DER FASSADE DES GE- 
SCHÄFTSHAUSES J- F. LINDQUIST IN HELSINGFORS, ECKE DER 
MICHAEL- UND ALEXANDER STRASSE. ARCHITEKT LINDQUIST (HELSING- 
FORS), MALER J. W.MAYER (BERLIN), AUSFÜHRUNG: N. ROSENFELD tc CO., 
(BERLIN), c» BEI DEM NORDISCHEN KLIMA WAREN MALEREIEN AUS- 
GESCHLOSSEN. DIE CARTONS WURDEN AUF EINEN DURCH UND 
DURCH GESINTERTEN SCHERBEN IN NASSER FORM EINGRAVIERT, DIE 
KRÄFTIG DURCHGEFÜHRTEN CONTUREN MIT DER ENTSPRECHENDEN 
FARBE BEMALT UND DANN DIE FARBEN DER FLACHE 1,B MM STARK 

(FORTS, A. S. 317.) 



AUFGELEGT. DIE FARBEN VEREINIGEN SICH UNTER OEM EINFLUSS 
DER WEISSGLUTHITZE MIT OEM OARUNTER LIEGENDEN SCHERBEN ZU 
EINER VÖLLIG DURCHEINANDER GEFLOSSENEN, DURCH UND DURCH 
GESINTERTEN MASSE. DIE FARBEN ERSCHEINEN STUMPF, OHNE 
GLASUR. DIE FÜLLUNGEN, VON DENEN AM HAUSE C1 ANGEBRACHT SIND 
UND DEREN GRÖSSEN SICH ZWISCHEN 2,6-4 QM. BEWEGEN, WURDEN 
AUF 0,30 M IM QUADRAT GROSSE PLATTEN GEMALT UND MIT ENT- 
SPRECHEND GEMISCHTEM MÖRTEL DERART SCHARF ANEINANDER 
GESETZT, DASS VON EINEM FUGENSCHNITT NICHTS ZU BEMERKEN IST. 



ABB. 513—614. 



^-fec«. 



ARBEITERWOHNUNG VON FRtED. KRUPP INDESSEN. KÜCHE 
PREIS 109 M., LASIRTES KIEFERNHOLZ, us WOHNZIMMER PREIS 
308 M., LEICHT RÖTLICH ANGEBEIZT UND POLIERT. AUS- 
GEFÜHRT VON TISCHLERMEISTER GR. BRÖ8E, BERLIN. ENT- 
WURF VON ARCHITEKT HANS STEHN, CHAR^-OTTENBURG. 



EMPFANGSSALON AUF DER GROSSEN 
BERLINER KUNSTAUSSTELLUNG. »> 
AUSGEFÜHRT VON C. LUCKAT. ENT- 
WURF VON G. HONOLD, ARCHITEKT. 



ABB. 616—517. 



ABB. 516. ^ 
MÖBEL ~ 
AUS DEM ~ 
EM- r« t^ 1^ 
PFANQS- ~ 
SALON ~ 
AUF DER ~ 
GROSSEN 
BERLINER 
KUNST- ~ 
AUSSTEL- 
LUNG.'«'^ 
ARCHI-'='o 
TEKT: f^" 
Q. HONOLD. 



ABB. 517. >« 
DAMEN- '«= 
SCHREIB- 
TISCH, '« 
ENTWOR- 
FEN IM '= 
ATELIER >» 
DER FIRMA 
KELLER U. 
REINER •« 
VON ro'«'« 
ERNST '='= 
FRIED- '='« 
MANN,'='= 
ARCHI-'^'= 
TEKT. '^•^ 



ABB. 518. PROFESSOR EMrL DOEPLER D. J. GOL- 
DENES BUCH VON OSNABRÜCK. LEDERARBEIT ~ 
VON GEORG COLLIN. BESCHLAG, VERGOLDETES 
SILBER, GETRIEBEN VON O. ROHLOFF. ~ ~ r<= r<= 



PARKTHOR FÜR AYL BEI TRIER. GOLDE U RAEBEL, 
KUNSTSCHMIEDE IN BERLIN -HALENSEE. ra «> ra r« 



FENSTERGITTER VOM MINISTERIALGEBÄUDE IN RUDOLSTADT. 
ARCHITEKT: ADOLF HÄRTUNG IN BERLIN, r« m ro ^t> ^e ro 



K In dei Nacht vom 3i, zuin aa. Oktober entschlief 
der Geheime Baurat IVMe/m Bäeiniamri, eine der 
kraftvollsten uad bedeuten dslen PersSnllchkeiten der 
Berliner Att^ltektenschart. Im Verein mit HERMANN 
Ende hat ei in der baulichen Entwicklung Berlins eine 
hervorrageode Rolle gespielt. Sein weltscbauender 
Blick, die UnlveisalltSt seines Wissens, seine Ideale 
Gesinnung haben ihn lu jenen Erfolgen gefOhn, die 
dem Namen der Architekten-Firma ENDE <£ BOCKHANN 
einen dauernden Platz in der Geschichte der Architektur 
Berlins einger3uml haben. Diese gUm enden Eigen- 
schaften haben auch dazu beigetragen, den Ruhm 
dieser Pinna, der ersten ihrer Art In Berlin, über die 
Grenzen Europas hinauszuführen. Abgesehen von 
den zahlreichen Bauten, die BÖCKHANNs Mitarbeit 
Ihre Entstehung verdanken, und die zum Teil Vor- 
bilder für ähnliche GebSude geworden sind, hat er 
sich auch sonst in bedeutendem Maasse um die Eni- 
Wicklung Berlins verdient gemacht. Auf ihn geht 
die Erschliessung des Wilmersdorfer Geländes, die 
Gründung der Kolonie Babelsberg am Griebniicsee 
zurQck; der Ausbau des Zoologischen Gaiteus ist 
zum grossen Teil sein Werk. Für die Interessen 
seiner Fachgenossen war er stets unermüdlich und 
selbstlos thatig. Als sein letztes Werk in dieser 
Hinsiebt darf das soeben vollendete Motivhaus be- 
zeichnet werden. — Ehre und Dankbarkeit seinem 
Andenken I 



£i Der Kgl. Land bau Inspektor B. HERTEL lu Berlin 
ist bei der Abteilung fQr Architektur an der Tech- 
nischen Hochschule als Privatdozent für das Lehrfach 
, Entwerfen von Einzelheiten, besonders von Innen- 
ausstattung kircblicher und profaner GebSude" zu- 
gelassen worden. 



6^ Professor J. M. Olbrich wurde vom Komitee 
der unter dem Protektorat der Grossfürstin Sergius 
stehenden , Ausstellung für moderne Architektur und 
Kunstgewerbe In Moskau" zum Bevollmächtigten für 
Deutschland ernannt. 



Q Der Geheime Regierungsrat Professor JOHANN 
Otzen in Berlin hat das Lehramt fQr mittelalterlichen 
Backsteinbau an der Technischen Hochschule, welches 
er seit dem Jahre 1879 verwaltet bat, niedergelegt, 
behält dagegen die Leitung des Meisterateliers an 
der Akademie der bildenden Künste bei. 

X Am 13. Okiober fand die EnihülliiHg des Denk- 
ntali DirekseMs, des Erbauers der Berliner Stadtbahn, 
statt. Die Festrede hielt Geheimer Oberbaurat OTTO 
Sarrazin. Die von Professor LUDWIG BRUNOW 
modellierte BOste Ist auf der SQdseite des Bahnhofs 
Fried ricbstrasse In der Süsseren Bogen Sffnung vor 
dem Portal der Kaiserzimmer aufgestellt. 

t; In dem von dtm Verein Mur Brhallung una 
Pßege der Sau- und Kumtdenkmäler in Danaig 
atisgesckrüienen Wellhemerh erhielten erste Preise 
der Entwurf „Goldwasser* der Architekten BRRVOT 
und Max Hummel in Cassel, der Entwurf .Sirius' 
des Architekten CASFER in Danzig und der Entwurf 
„Bürgerhaus* des Regierun gs-Baufuhters FRIEDRICH 
Dobermann in Breslau; zwei zweite Preise der Ent- 
wurf .Palladio" des Architekten JOHANNES NEP, 
KREHER, einen zweiten Preis der Entwurf .Deutsch 
Danzig" des Architekten ALBERT BRAENTLI in Frei- 
burg in Baden; dritte Preise der Entwurf .Ut alter un 
nier Tid- des Architekten PAUL SCHALLBR In Erfurt, 
der Entwurf .Antony von Ottbergen" des Architekten 
GUSTAV LUTHER In Gr. Salze bei Magdeburg und 
der Entwurf „Palladio" des Architekten JOHANNES 
Nep. Krbmer In Fnnkfun a. M., vierte Preise der 
Entwurf .Jetzt ward Swer Tid- der Architekten 
Hermann Roh de In Wilmersdorf und FRANZKB 
in SchSaebergt der Entwurf „Kreuz" des Architekten 
Heinrich schlump in Cbarloitenburg und der Ent- 
wurf .Wage" des Architekten JOH, Grothe in Kleefeld. 

Tj In dem Wetliewerb für Entwürfe su einem 
Bismarekiurm in Ckemmla wurde der erste Preis 
dem EntWurfe .Dem Alten aus dem Sachsenwald' 



3^4 



des Architekten JACOB BERNS in Remscheid, der 
zweite Preis dem Entwürfe ^Friedrirhsruh" des Ar- 
chitekten KurtDiesTBL in Dresden-Blasewit/. und der 
dritte Preis dem Entwürfe , Gedanken" des Regierungs- 
Bauführers Oscar EGGELING in Charlottenburg zu- 
erkannt. 

* 
(^ Das vom Verlag der ^Maler- Zeitung* Leipzig 
veransialiete Preisausschreiben zur Erlangung von 
Entwürfen fUr einen Zeitungskopf, eine Heftumschlag- 
Zeichnung und verschiedene Rubrikköpfe hatte fol- 
gendes Ergebnis. Den Preis von 300 Mark erhielt 
unter den eingegangenen 134 Arbeiten der Entwurf 
„Falter* von FRIDOLIN FENKER in Karlsruhe, Preise 
von je 100 Mark erhielten der Entwurf ^Einfach b** 
von AD. MÖLLER in Altona, der Entwurf ^Original- 
grösse II** von ALFR. KRUG in Rastatt und der Ent- 
wurf „Ella»» von BrUNOW MAUDER in Stuttgart. 
Zum Ankauf wurde empfohlen: der Entwurf „Quelle" 
von SCHELLHORN in Leipzig fQr 100 Mark und die 
Entwörfe „Birken im Vorfnihling" und „5 Blumen*" 
von MAX BlENERT in Chemnitz für je 50 Mark. 
„Lobende Erwähnung** wurde zu Teil den Entwürfen 
•Perrumpendum est* von KARL HENTSCHEL auf 
Schloss Ceorgium bei Dessau, «Klar* von BERNH. 
Schmidt in. Dresden, „Beginnen** von RICHARD 
LANGNER in München, »Nochmals*, „Faustpinsel bis 
Kunst" und „Linien Vorrat* von WALTER HAMMER 
in Leipzig -Volkmarsdorf, „Blätter und Blüten* von 
ALBERT PlLGERMANf^ in Frankfurt a. M., „Verlag* 
von Adolf Eckhardt in Berlin, „Fantasie A* von 
GUSTAV Wittig in Cassel, »Zierrat* von OSKAR 
SchellHORN in Leipzig und ^Distel, Lorbeer, Rose" 
von Walter Lilie in Hildburghausen. 

« * 

CO In dem Wettbewerb um Muster für Smyrna- 
teppiche^ den die Teppichfabrik in Würzen ausge- 
schrieben hatte, erhielten unter den eingesandten 
350 Entwürfen den ersten Preis RUDOLF und FlA 
Wille in Berlin -Friedenau und je einen zweiten 
Preis Adolf St hübe zu Lörrach in Baden und 
GEORG GÜNTHER in Chemnitz. • 

-|- Die neue Hochschule für die bildenden Künste 
in Charlottenburg y die nach den Entwürfen der Archi- 
tekten KAYSBR & von GROSZHHIM erbaut worden 
ist, ist am 2. November feierlich eingeweiht worden. 

* 
* • 

Q Da^ fieue Motivhaus, das in Charlottenburg 
nach den Entwürfen der Architekten REIMER & KÖRTE 
errichtet worden ist, wurde am 29. November seiner 
Bestimmung übergeben. 

-i- Zum Reichskommissar für d e Weltausstellung 
in St. Louis 1^04 ist der Geheime Oberregierungsrat 
nnd vortragende Rat im Reichsamt des Innern 
THIODOR LEWALD ernannt worden, nachdem der 
Bundesrat beschlossen hat, die von der Regierung 
der Vereinigten Staaten ergangene Einladung zur 
Teilnahme an der Ausstellung anzunehmen. Der 



Geheimrat LEWALD befindet sich mit dem Archi- 
tekten BRUNO MÖHRING zum Zwecke des Vor- 
studiums bereits in Amerika. 

♦ • 

= Das Kunstgewerbemuseum, zu Leipzig ver- 
anstaltet in der Zeit vom i. Februar bis 31. März igoß 
eine grössere Ausstellung unter dem Titel: die 
Pflanze in ihrer dekorativen Verwertung. Die 
Ausstellung soll in einer Auswahl guter Arbeiten die 
künstlerische Verwendung vorführen, welche die Pflanze 
als ein Hauptmotiv der Dekoration in den gewerb- 
lichen Künsten der Gegen» art findet. Die Ausstellung 
zerfallt in folgende Abteilungen: 1. Die natürliche 
Pflanze in künstlerischen Darstellungen (Blumenmalerei) 
aller Art und Technik (Originale und Reproduktionen) 
3. Das naturalistische Pflanzenornament in Studien, 
Entwürfen und ausgeführten Arbeiten (gezeichnete, 
kolorierte Muster und Vorlagen für bestimmte kunst- 
gewerbliche Zwecke: Textilien aller Art, Tapeten, 
Keramik, Holz, Leder etc.) 3. Das stilisierte 
moderne Pflanzenornament in Entwürfen, Studien 
und ausgeführten Arbeiten der Flächenkunst (auch 
Arbeiten im Flachrelief). 4. Eine Auswahl von 
.Pflanzenstudien aus kunstgewerblichen Fachschulen 
und anderen Zeichen kursen. 5. Eine Auswahl der 
besten Studienmittel (Herbarien, Abformungen, photo- 
g^aphische Aufnahmen), ferner die besten Vorbilder- 
werke und eine Auswahl der Literatur über die 
moderne vegetabile Dekoration. 6. Retrospektive 
Abteilung. Die Entwickelung des vegetabilen Orna- 
mentes, veranschaulicht durch charakterische Beispiele 
in Originalen und Reproduktionen. — Künstler, Muster- 
zeichner und Kunstgewerbetreibende werden gebeten, 
sich an dieser neuartigen Ausstellung zu beteiligen. 
Zur Erwerbung besonders hervorragender Arbeiten 
(Studien und Entwürfen) steht ein Betrag von 3000 Mk. 
zur Verfugung. Die Direktion des Museums wird es 
sich besonder^ angelegen sein lassen, die Interessenten 
soviel als möglich heranzuziehen, und sie, wenn es 
nötig ist, mit den Künstlern in Verbindung zu bringen 
suchen. Die eingesandten Arbeiten unterliegen einer 
Axfnahmejury, die aus folgenden Herren besteht: 
Direktor RICHARD GRAUL, Professor MAX KLTNGER, 
Kommerzienrat JULIUS MEISSNER, Dekorationsmaler 
Richard Schultz, Direktor Professor PAUL 
SCHUSTER, Professor CARL Seffner und Direktor 
Professor MAX SELIGER. Die Einsendung der 
Arbeiten hat bis /.um 16. Januar 1903 zu erfolgen und 
zwar auf Kosten und Gefahr der Einsender. Das 
Museum Obernimmt nur die Kosten der Rücksendung 
in den Gruppen i — 4 und bringt zur Deckung seiner 
Spesen xo^fo des Preises von verkauften Arbeiten in 
Anrechnung. 

* 
^ Der freie Zutritt zu den staatlichen Museen, 

Galerien^ Ausgrabungen und Denkmälern Italiens 

ist in einer jüngst erlassenen Verfügung des 

italienischen Mlnibteriums des öffentlichen Unterrichts 

durch neue Best mroungen geregelt. Darnach müssen 

die Künstler ihren Gesuchen um freien Eintritt eine 



3*5 



akademische Urkunde, die Professoren der Achäolo^e, 
Geschichte, Litteratur und Kunstg^eschichte eine ver- 
öflfentlichte Arbeit, die Studierenden der genannten 
Wissenschaften, sowie der Kunstinstitute und tech- 
nischen Hochschulen ein amtliches Zeugnis beifügen, 
das bestätigt, dass der Antragsteller in dem be- 
treffenden Jahr bei einer der genannten Anstalten ein- 
geschrieben ist. Die akademische Urkunde und 
amtlichen Zeugnisse mQssen von der italienischen 
diplomatischen Vertreiung und einem italienischen 
Konsulate in dem Lande, dem der Gesuchsteller an- 
gehört, oder von der betreffenden diplomatischen 
Vertretung in Italien beglaubigt sein Die Gesuche 
sind auf i Lire 20 Cent.-Stempelbogen unter Bei- 
fügung der amtlichen Dokumente und einer Photo- 
graphie an das Ministerium des Öffentlichen Unter- 
richts in Rom zu richten; Gesuche um reien Zutritt 
für kommunale Sammlungen sind auf 00 Cent.-Stempel- 
bogen mit Beifügung der genannten Belege an den 
Vorstand der jeweiligen Samm ung zu richten. 

* * 

* 

X Die Stadt Paris hat bestimmte HonorarsätBe 
für Architekten aufgestellt, die bei der Ausfuhrung 
ihrer öffentlichen Bauten in Anwendung kommen 
sollen. Im allgemeinen sind folgende Sätze vor- 
gesehen: 40/0 beiAus*ührungskosten über 8co,ooo Mark, 
4' 1 *>/o bei 600,000 bis 8uo,ooo Mark, 5% bei 400,000 
bis 600,000 Mark, 6 0/0 bei einer Bausumme unter 
200,000 Mark. Jedoch hat sich die Stadtverwaltung 
Aenderungen an diesen Sätzen je nach der Bedeutung 
des Gegenstandes vorbehalten. 

• 

CO Ein Erlass des preussischeu Ministers der 
öffentlichen Arbeiten empfiehlt die Verwendung von 
Ziegeln grossen Pormats für monumentale Back- 
steinbauten, insbesondere für Kirchenbauten, um ihnen 
das wirksame Gepräge zu geben, das die mittelalter- 
lichen Backsteinbauten auszeichnet. Damit die Her- 
stellung solcher Ziegel, die zur Zeit nur von einzelnen 
Ziegeleien auf besondere Bestellung angefrrtigt werden, 
sich allgemeiner verbreiten und auf ihren Bezug in 
genügenden Mengen ohne erheblichen Zeitverlust und 
ohne wesentliche Verteuerung des Bauens gerechnet 
werden kann, werden für die Ziegel grossen Formats 
als einheitliche Abmessungen eine Länge von 28,5 cm, 
eine Breite von 13,5 cm und eine Stärke von 8,5 cm 
festgesetzt. Zu diesen Abmessungen sollen hinfort 
überall, wo bei staatlichen Neubauten das grosse 
Format verwendet werden soll, die Ziegel bestellt 
werden. Bei Mauerwerk aus solchen Ziegeln sollen 
die Lagerfugen und die Stossfugen die Stärke von 
1,5 cm erhalten. Auf i m Höhe sind 10 Schichten 
zu rechnen. 

* • • 

□ Die Porseil anmanu/aktur in Sevres, welche 
schon auf der Weltausstellung in Paris 1900 in dem 
grossen Wandfries an der Westfront des Grand 
Palais eine bedeutsame Probe für die Verwendung 
des emaillierten Steinzeugs in der Architektur 



gegeben, beabsichtigt in dieFcm Material auf der 
Anhöhe im Park von St Cloud einen runden Aus- 
sichtsturm von 8 m Durchmesser und 45 m Höhe zu 
errichten. Die äussere Ansicht des Turmes soll, wie 
wir einer Abhandlung von SteVER im Centralblatt 
der Bauverwaltung vom 23. Oktober entnehmen, 
durch schmale Lisenen in acht Teile geteilt werden, 
das Sock'-lgeschoss in acht Feldern grosse 
farbige Flachbilder, aus der bis in das VI. 
Jahrhundert zurückgehenden Geschichte und Sage 
von St. Cloud und aus dem damaligen Tier- und 
Pflanzen leben der w ildreichen Umgebung enthalten. 
Die Flächen des Turmscbaftes werden im wesentlichen 
weiss bleiben, nur die Lisenen sowie die Fenster- 
schlitze sollen leicht durch Farbe hervorgehoben 
werden. Oben wird sich die Masse des Turmes 
durch ein noch geschlossenes, aber durch einen 
Kreis dicht neben einander liegender Fenster ge- 
gliedertes Stockwerk auflö-^en und darüber werden 
freistehende hermenarti^e Pfosten mit phantastischen 
Tierköpfen eine ganz offene Galerie bilden, über der 
sich wieder eine in zwei Absätzen zurückspringende 
Laterne aufbaut. Die (.alerie und die Laterne sollen 
dann wieder in reichem Farbenschmuck erglänzen. 
Im Innern des Bauwerkes soll in einem Abstand von 
etwa 1,35 m eine zweite Tuimmauer zur Herstellung 
äusserer Umgänge und zum Tragen einer Wendel- 
treppe mit doppelten Läufen errichtet werden, um so 
den Besuchern des Parkes Gelegenheit zu geben, die 
herrliche sich dort bietende Aussicht zu geniessen. 

O Das poliseiliche Verbot betr, das Zusammen- 
ai bellen von Künstlern und Künstlerinnen vor dem 
Akt, welches im vergangenen Jahre in der Berliner 
Künstlerschaft so grosse Krregung hervorrief, ist vor 
einigen Monaten zurückgenommen worden, nachdem 
Bildhauer LEWIN-FUNCKE Berufung dagegen ein- 
gelegt und unter anderem auch der Senat der bilden- 
den Künste sein Gutachten in dieser Sache in gün- 
stigem Sinne abgegeben hatte. Die im Atelier Kant- 
strasse 159 stattfindenden Aktstudien sind jetzt ihren 
praktischen Zielen dadurch um vieles näher gekommen, 
dass es mit Hilfe neuer Räume möglich geworden 
ist, in der Zelt von 5 — 9 Uhr gleichzeitig verschiedene 
Modelle zu stellen. Es kann nicht nur skizziert 
werden, sondern es ist auch Gelegenheit gegeben, 
weiter durchgebildete Aktstudien zu treiben. Auch 
vormittags ist der Aktsaal bereits täglich geöffnet, 
sodass gemalt und, wie auch in den Abendstunden, 
modelliert werden kann. So können Aktstudien vor- 
genommen werden, ohne sich an bestimmte Zeiten 
binden zu müssen; es wird nur beim ersten Besuch 
eine legitimierende Anmeldung verlangt, um das Bin- 
dringen Unbefugter zu verhindern. Das auf diese 
Weise ermöglichte Zusammenarbeiten von Malern, 
Bildhauern und Architekten kann in seiner Wechsel- 
wirkung nur förderlich sein und man kann nur 
wünschen, dass diese Einrichtung, die einem jeden 
zu jeder Zeit eine offene Studien Werkstatt bietet, von 
Dauer sei möge. 



326 



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GEMALTER FRIES: MALER RICHARD GUHR. 



P337 



Die nusftellung 

bes üereins für beutfcbes Kunftgeiperbe In Berlin. 



der \'erein für deutsches Kunst- 
gewerbe iD Berlin vor 25 Jahren 
gegründet wurde, setzte er die 
Veranstaltung gemeinsamer Aus- 
stellungen auf sein Programm. Aber was in 
anderen Städten zum Teil mit gutem Erfolge 
gelungen war, erwies sich für die Grossstadt 
und Industriestadt Berlio als äusserst 
schwierig. Hier sind alle die Berufe und 
Betriebe, die sich unter dem Namen Kunst- 
gewerbe zur Belehrung und Anregung 
willig zusammenfanden, geschäftlich und 
technisch mit der breiteren Industrie auf 
das Mannigfachste verknüpft. Uie Anregung 
zu den Gewerbe- Ausstellungen von 1879 
und 1896 konnte daher nicht aus dem 
engen Kreise des Kunstgewerbes, sondern 
nur aus dem grossen Bereiche der 
Industrie ergehen. Für kunstgewerbliche 
Sonderaustellungen war daneben wenig 
Raum. Auch stiessen sie auf mancherlei 
Widerstände innerer Art, auf den Wieder- 
streii der Interessen derer, die am heutigen 
Kunstgewerbe mitarbeiten, der Handwerker, 
der Industriellen, der Unternehmer, der 
Künstler; denn das Kunstgewerbe ist heute 
ein komplizierter Organismus. 

Der Kunsthandwerker alten Schlages, 
der sein eigener Techniker, sein eigener 
Künstler und sein eigener Kaufmann sein 
konnte, ist in den grossen Städten selten 
geworden. Wer persönlich eine Werkstatt 



von dem Umfange leitet, wie sie die heutige 
Arbeitsteilung veriangt, findet schon schwer 
die Zeit zu dem umständlichen Verkehr 
mit den Kunden und zu der mühseligen 
Suche nach Bestellern. Zur künstlerisch 
schöpferischen Arbeit wird der gehetzte 
Mann nicht oft die Muse und Sammlung 
gewinnen. Dagegen sind die kaufmännischen 
Ansprüche an das einzelne Geschäft stetig 
gewachsen; daher steht als Betriebsunter- 
nehmer und Inhaber oft nicht der Techniker, 
sondern der Kaufmann an der leitenden 
Stelle Aber auch der \'erkehr zwischen 
dem Erzeuger und dem Käufer der kunst- 
handwerklichen Ware ist mannigfacher ge- 
worden. Das Publikum der Grossstadt und 
die ausländischen Abnehmer kann der Her- 
steller nur selten direkt erreichen. Der 
Mittelsmann, der Händler, ist auch im Kunst- 
gewerbe nicht mehr zu entbehren. 

Es liegt auf der Hand, dass diese ver- 
schiedenen Kategorien nicht das gleiche 
Interesse an Ausstellungen nehmen. Der 
Handwerker zwar wird stets bereit sein, 
seine Einzelstücke auch in dem engeren 
Rahmen einer kleineren Ausstellung vor- 
zuführen. Der Industrielle dagegen wird 
sich meist nur dann einen Gewinn davon 
versprechen, wenn er durch eine breitere 
Entfaltung seiner Ware Eindruck machen 
kann. Der Unternehmer und der Zwischen- 
händler pflegen es nicht als Vorteil anzu- 



328 



GEMALTER FRIES: MALER RICHARD GUHR. 



sehen, wenn der Hersteller, dessen Werke 
sie vermitteln, selber ausstellt und sich 
dadurch zu erkennen giebt. 

Zu diesen Hemmnissen, die in der Natur 
der heutigen Betriebsweise liegen, treten 
Bedenken anderer Art, Wer heute eine 
Ausstellung unternimmt, fordert das Urteil 
der Welt heraus. Diesem Urteil erscheint 
der einzelne Aussteller als Vertreter seines 
ganzen Faches, die gesamte Ausstellung 
als Massstab fiir den ganzen, grossen Ar- 
beitskreis. Die Ansprüche an die Qualität 
der kunstgewerblichen Ausstellungen sind 
stetig gewachsen. Zwar wissen wir, dass 
die Technik unseres Handwerks und unserer 
Kunstindustrie auf allen Gebieten durch die 
Arbeit der letzten dreissig Jahre so zuver- 
lässig geworden ist, dass wir ihretwegen 
heute ohne Sorge sein dürfen. Aber wie 
steht es um die Kunst? Um die Kunst 
im Handwerk, die dem Besucher und Be- 
urteiler einer kunstgewerblichen Ausstellung 
schneller ins Auge f^llt als die noch so 
sichere Technik ? Wegen dieser Kunst sehen 
die wärmsten Freundedes Gewerbes allen Aus- 
stellungsversuchen nur mit Zagen entgegen. 

Gerade die letzten Jahre haben ja das 
Verhältnis der Kunst zum Handwerk be- 
deutungsvoll verschoben. Als vor einem 
Menschenalter die kunstgewerbliche Be- 
wegung in Deutschland einsetzte, fanden 
sich die frischesten Künstler der jungen 
Schule, die Architekten, die Maler, die 
Bildhauer bereit, als Erzieher des Hand- 
werkers einzugreifen. Das ist anders ge- 
worden. Das Kunstgewerbe hat sich auf 
seinen Schulen seine eigenen Kräfte er- 
zogen, die Spezialisten des Kunstgewerbes. 
Diese Spezi alerziehung hat halbwegs ge- 
nügt, so lange die Erfindung sich im Kreis 
der älteren Stilformen bewegte und das 
Ornament höher geschätzt wurde als die 
Kemform. Heute verlangen wir, dass der 
Künstler das Wesen der Aufgabe im 
Innersten anpacke, vor irgend welchem Zier- 



rate die Gebrauchsform verstehe, erfasse 
und gestalte, das Material und die Technik 
nicht nur berücksichtige, sondern schöpfe- 
risch zu den tiefsten, in ihnen schlummernden 
Möglichkeiten ausnutze; wir verlangen ein 
sicheres Gefühl für die Massstäbe und 
Proportionen und eine freie Beherrschung 
der Naturformen und der koloristischen 
Ansprüche unserer Zeit. Wir suchen im 
Kunstgewerbe vor allem die Kunst. 

Der Künstler, der diese neuen, grossen 
Aufgaben lösen soll, muss in der Organi- 
sation des Kunstgewerbes eine andere 
Stellung einnehmen als bisher. Wie in 
unserer Wertschätzung, so muss [er auch 
äusserlich neben dem Techniker und dem 
Geschäftsmann als Dritter im Bunde gleich- 
wertig dastehen. Gleichwertig: es giebt 
keine Rangordnung, sobald wir wissen, dass 
alle drei Kategorien zum Gedeihen des 
heutigen Kunstgewerbes nötig sind. 

In diesem neuen Verhältnis zu den 
Künstlern und ihrer Kunst liegt das Wesen 
dessen, was man die neue Bewegung im 
Kunstgewerbe oder die moderne Richtung 
zu nennen pflegt. Die Einzelformen, die 
Ornamente sind ganz gleichgiltig; der 
neue Schnörkel ist ebenso verächdich wie 
der alte. Man kann auch mit den Motiven 
der Gotik oder der Renaissance oder des 
Rokoko neue Kunst machen. Aber es ge- 
hört ein Künstler dazu 

Will das Kunsthandwerk bestehen und 
gedeihen, so muss es sich dieser neuen 
Ordnung der Kräfte bewusst werden. Der 
Kunsthandwerker, der aus Kurzsichtigkeit 
oder Eitelkeit den Künstler zu unterdrücken 
sucht, wird bald ausgespielt haben. Die 
Geschäftsleute sind schon heute klüger; 
sie wissen, dass es Gewinn bringt, sich zu 
den Künstlern zu bekennen. 

Allen diesen Schwierigkeiten stand der 
Vorstand des Vereins für deutsches Kunst- 
gewerbe gegenüber, als er unter dem Vor- 
sitz des Herrn Geh. Baurats KlESCHKE den 



GEMALTER FRIES: MALER RICHARD GUHR. 



mutigen Vorschlag machte, das 35 jährige 
Bestehen des Vereins nicht durch nichts- 
sagende Feste und behagliches Redege- 
pränge, sondern durch eine Ausstellung zu 
feiern, die erste Ausstellung des Vereins. 
Man konnte nicht daran denken, allen Mit- 
gliedern des Vereins Platz zu schaffen, da 
diese 1200 Mitglieder nahezu das ganze 
Kunstgewerbe und die ganze Kunstindustrie 
Berlins umfassen. Das verboten schon die 
Räume, auf die man ho£Fen konnte. In 
dankenswerter Bereitwilligkeit hat die 
Königliche Akademie der Künste auf Anlass 
ihres Präsidenten, Herrn Geh. Regierungs- 
rats Ende, nicht nur ihre eigenen, bekannten 
Ausstellungssäle Unter den Linden zur Ver- 
fugung gestellt, sondern es auch möglich 
gemacht, eine gleich grosse Fläche der ehe- 
maligen Klassen und Ateliers der Königl, 
Hochschule für die bildenden Künste hinzu- 
zuziehen. 

Der Vorstand war sich klar, dass eine 
solche Ausstellung nur in einem Rahmen von 
einheitlichem künstlerischem Gepräge vor- 
geführt werden könne. Ihn zu schaffen, fand 
der Vorstand den Architekten Prof. Alfred 
Grenander, Lehrer am Köntgl. Kunst- 
gewerbe-Museum, bereit. Seiner unermüd- 
lichen Hingabe ist es zu danken, wenn das 
Gebäude der Akademie von dem Eiogangs- 
portal, demVestibül und dem Treppenhaus ab 
durch alle Säle und Fluchten hindurch ein Ge- 
präge erhalten hat, das die Räume als völlig 
neue erscheinen lässt. Wir dürfen mit beson- 
derer Genugthuung die künstlerische Ten- 
denz verzeichnen, die den Künstler bei aller 
seiner Arbeit geleitet hat. Seine Phantasie 
bewegt sich in den freieren, vom historischen 
Zwange entbundenen Formen der heutigen 
Kunst. Aber nicht die absonderlichen Or- 
nament- und Farbenspiele, die sich mit 
Unrecht als wesentlicie Eigenheiten der 
neuen Kunst geben, hat er gesucht, sondern 
einfache, schlichte, grosszügige Wirkungen 
mit bescheidenem Aufwand an Zierformen, 



mit wenigen, reinen^ Akzenten von möglichst 
reifer Kunst. Wir sagen mit Absicht : 
möglichst; denn der Architekt hat auch 
bei der dekorativen Gestaltung der ganzen 
Ausstellung mit den vorhandenen Kräften 
und Mitteln rechnen müssen. Aller deko- 
rative Schmuck der Ausstellung ist zugleich 
Ausstellungsobjekt, unter grossen Opfern 
von einzelnen Ausstellern gefertigt und bei- 
gesteuert. Nur der unermüdlichen Hingabe 
des Architekten ist es gelungen, diese vieler- 
lei willigen Kräfte, die Bildhauer und die 
Maler, die Mosaizisten, die Bautischler u. s. f., 
zu einem einheitlichen Ziele zu vereinigen. 

Und doch bildete der dekorative Rahmen 
den kleineren Teil der Aufgabe, Weit 
schwieriger und dornenvoller war es, die 
mannigfachen Aussteller mit ihren ver- 
schiedenen Wünschen, Ansprüchen und 
Leistungen zu einer Art von Einheit zu 
fassen, die ganz Unzulänglichen fernzuhalten 
und neben den Halben diejenigen, die wirk- 
lich etwas zu sagen haben, ins Licht zu 
rücken, ja zum Teil erst heranzuziehen. 
In vielen Fällen ist es auch gelungen, Her- 
steller und Künstler für die Arbeiten an 
der Ausstellung neu zusammenzuführen zu 
beiderseitigem Vorteil. Wer die Schwierig- 
keiten dieser organisatorischen und erzieh- 
lichen Aufgabe kennt und erwägt, wird die 
Ausstellung als einen grossen Fortschritt für 
das Berliner Kunstgewerbe anerkennen 
müssen. 

Man darf hoffen, dass das Beispiel solcher 
gemeinsamen Arbeit Nachfolge finden und 
dass somit die Ausstellung über ihre Dauer 
hinaus prinzipiell anregen werde. Denn dass 
hier nur ein erster Schritt gethan ist. darüber 
werden wenige im Zweifel sein. Das 
nächste Mal wird die Auswahl noch strenger 
getroffen und die Verantwortung noch 
schärfer gefasst werden müssen. Nur wenn 
er dazu den Mut und die Kraft hat, darf der 
Verein sich mit Erfolg an weitere Aus- 
stellungen wagen. Peter Jessen. 



GEMALTER FRIES: MALER RICHARD GUHR. 



eine lOanberung burd) bfe flusptellung. 



Je wcDiger man in Berlin Ausstellungs- 
kunst zu sehen gewohnt ist, um so 
mehr muss die geschmackvolle Art 
befriedigen, mit der der Kunstge- 
werbeverein es verstanden hat, zu seinem 
Jubiläum eine kleine Auswahl von Arbeiten 
seiner Mitglieder dem Publikum vorzufuhren. 
Dem leitenden Architekten Professor Alkred 
Gren ANDER ist es im Verein mit seinen 
Schülern Schneckenberg und Schmidt ge- 
lungen, auch widerstrebende Elemente zu 
einem Ganzen zu vereinigen, das, wenn es 
auch nicht zu freudiger Bewunderung hin- 
reisst, jedenfalls ehrliche Anerkennung sich 
erzwingt. Die Ausstellung beweist wieder 
einmal, wie sehr eine vornehme äussere 
Umgebung Ausstellungsgegenstände in ihrer 
künstlerischen Wirkung zu heben ver- 
mag. Die angenehme Stimmung, die das 
von Grenander geschaffene geschmackvolle 
Arrangement dem Besucher mitteilt, lässt 
auch manches Minderwertige wohlwollend 
übersehen. Dabei fehlt es durchaus nicht 
an vielen anerkennungs werten, ja zum Teil 
vorzüglichen Leistungen. So bleibt denn 
eine Wanderung durch die zahlreichen 
Räume der Au-sstellung nicht ohne Genuss, 
besonders in den Abendstunden, wenn die 



mannigfachen, zumeist recht guten Be- 
leuchtungskörper den Eindruck festlichen 
Glanzes noch erhöhen. 

Betritt man durch das von Professor 
Grenander völlig umgewandelte Portal, das 
mit seinem von der deutschen Glasmosaik- 
gesellschaft PuHL & Wagner nach einem 
Karton des Malers Richard Guhr ausge- 
führten Mosaik wie ein dem guten alten 
Akademiegebäude auf die Nase gekleb- 
tes Riesenplakat wirkt, die Vorhalle, so 
empfangen uns hier statt der ehemals 
schmutzig grauen Wände fröhliche Farben, 
und dieses Fest ge wand umschlingt auch 
das vom Maler R. B<^HL.and dekorierte 
Treppenhaus bis zu der goldenen Pforte 
des Bildhauers ROBERT Schirmer , die 
die Räume der Ausstellung erschliesst. 
Wir betreten einen hochgewölbten Raum von 
ruhig vornehmer Wirkung. Die dem Ein- 
gange gegenüberliegende Wand beherrscht 
eine gewaltige \ische. Das Mosaik, das die- 
selbe schmückt, ist nach einem gelungenen 
Entwürfe von Professor Max Koch eben- 
falls von PuHi. iS: Wagner ausgeführt. 
Die übrigen Wände zieren Reliefs von 
Walter Schmakje in (loldbronzeton. Recht 
gut sind die in einer Art von Pinselrelief 



331 



gemalten, an Applikationsstickerei erinnern- 
den Thürumrahmungen der Längswände 
von Bruno Drabig. Aus den Nischen der 
Eingangswand, in denen Ruhebänke zu be- 
haglichem Verweilen einladen, leuchten 
tiefFarbige Gemälde von Rebel hervor. 

In einer der, ebenso wie der ganze Saal, 
von Grenander entworfenen Vitrinen er- 
wartet uns eine angenehme Ueberraschung : 
sehr hübsche Schmucksachen, nach Zeich- 
nungen und Modellen des Malers LUCAS 
von Cranach, eines Nachkommen des alten 
Cranach, von den Hotjuwelieren Gebr. 
Friedländer ausgeführt, unstreitig das 
Beste, was bis jetzt in Deutschland über- 
haupt an neuem Schmuck geschaffen worden 
ist, und alles nicht etwa Ausstellungsstücke, 
sondern wirklich brauchbarer Schmuck, 
Anhänger und Broschen, Hut- und Vor- 
stecknadeln, Gürtelschnallen, Ringe u. s. w. 
Die köstlichen Geschmeide auf den Bildern 
seiner berühmten Vorfahren sind von Cra- 
nach zu neuem Leben wieder auferweckt. 

Auch hier wie bei den Meistern der 
Renaissance Gold, gefärbt durch Email, 
auch hier das Zusammenspiel der Edelsteine 
mit dem bunten Schmelz, auch hier ein 
glückliches Geschick, zufällige Bildungen 
der Natur zu künstlerischer Wirkung zu 
benutzen. Aber neu sind die Motive, meist 
Pflanzen- und Tierformen in geschmack- 
voller Umbildung, neu die Komposition 
und Formengebung, neu die koloristische 
Behandlung, die sich nicht auf wenige 
Farbtöne wie dort beschränkt, sondern sehr 
reich und mannigfaltig ist. Meisterhaft 
weiss Cranach unregelmässig geformte 
Perlen im Verein mit dem emaillierten oder 
leichtgetonten Golde zu vereinigen. Zwei 
Broschen mit bananenartig geordneten 
Perlen sind vielleicht die schönsten unter 
seinen Arbeiten. Selbst unscheinbaren 
Stoffen weiss er auf diese Art künstlerische 
Reize abzugewinnen. Ein Paar Hirschhaken 
sind in Verbindung mit einem grünen 
Tannreise zu einer zierlichen Brosche ge- 
worden, zwei Löwenklauen unter einem 
Palmbaum als Gürtelschnalle verwandt. 
Auch dem Brillantschmuck sucht er neue 
Formen zu geben. Die Wirkung eines 
derartigen Diadems wird anschaulich an 
einer Nachbildung des bekannten Mädchen- 
kopfes im Museum zu Lille vorgeführt. 

Cranach beschränkt sich nicht auf Schmuck. 
Mannigfaches Kleingerät, Schirmgriffe, Falz- 
messer, geschliffene Gläser auf hohen 
Schlangenfüssen, sowie zwei grosse Glas- 
kannen, die eine mit einem Strickhenkel, 
die andere mit hübscher Verwertung des 
Motivs eines Tannenzweiges als Griff und 



Beschlag kommen hinzu. — Neben den 
Arbeiten Cranachs verdienen noch die 
Schmucksachen HuGO ScHAPERs und Emil 
Lettres besonderer Beachtung, besonders 
des letzteren Schmuckstück für eine Schau- 
spielerin, das durch diskrete Farbstimmung 
sich auszeichnet. 

Eine grosse in demselben Saale aufge- 
stellte Gruppe von Gefassen der König- 
lichen Porzellanmanufaktur mit geflammten, 
geflossenen und kristallisierten Glasuren, 
zeigt im wesentlichen alte Bekannte, die 
man aber immer wieder gern sieht. Die 
neuesten Arbeiten der Manufaktur stehen 
in einem anderen Raum. Der Weg dahin 
führt zunächst durch den vom Architekten 
William Müller geschaffenen Kapellen- 
raum, in dem Werke der kirchlichen Kunst 
Platz gefunden haben. Der folgende Raum 
erhält einen besonderen Schmuck durch 
eine eigenartige Beleuchtungseinrichtung 
von Ferd. Paul Krüger, eine Verbindung 
von Kronleuchter und Wandleuchter in 
geschmiedeter Bronze. Die von der durch 
Robert Schirmer dekorierten Decke 
herabhängenden, in bestimmten Absätzen 
mit kleinen Kugeln besetzten Leitungs- 
drähte vereinigen sich zunächst an dem 
breiten Reifen des Kronleuchters und fallen 
von da baldachinartig zu vier Wand- 
leuchtern herab, die ebenfalls reifartig ge- 
bildet sind. Hier sind die schon bekannten 
Arbeiten LUDWIG Sütterlins ausgestellt, 
seine für die Glasfabrik Fritz Heckert 
in Petersdorf entworfenen, mit Emailmalerei 
geschmückten Gläser, seine vom Hofbuch- 
binder W. COLLIN ausgeführten Lederar- 
beiten, sowie ein von W. Drugulin in 
Leipzig herausgegebenes Prachtwerk 
„Marksteine^, dessen gesamte künstlerische 
Ausstattung Sütterlin geschaffen hat. 

Wir gehen weiter an den trefflichen von 
Margarete Erler auf der Singer Näh- 
maschine gestickten Vorhängen vorbei zu 
einem kleineren Gemache, in dem zierliche 
Mahagonimöbel Platz gefunden haben, nach 
den Entwürfen des Malers Theo Schmuz- 
Baudiss von Tischlermeister Karl Spohn 
gearbeitet. Die Intarsien verfertigte Franz 
HUTH. Den Hauptschmuck an eingelegter 
Arbeit trägt der Spiegel, auf dessen Mitte 
ein stolzer Pfau sein prächtiges Gefieder 
zeigt. 

Grössere Anziehungskraft indessen als 
die Möbel üben die Porzellane aus, die 
von SCHMUZ - Baudiss in der Porzellan- 
manufaktur hergestellt worden sind, die 
ersten künstlerischen Versuche der Manu- 
faktur mit Unterglasurfarben. Jedes Gefass 
ist von Schmuz-Baudiss selbst vom rohen 



332 



Thonklumpen bis zuseinerletzten Vollendung 
ausgeführt. Unten zumeist glatt und rund, 
der Arbeit auf der Drehbank entsprechend, 
nehmen die Vasen unter der bildenden 
Hand des Künstlers nach oben hin allmäh- 
lich bewegtere Formen an, die Mündung 
ist zumeist manigfach gegliedert, zuweilen 
auch leicht plastisch verziert. Ebenso wie 
die Form erst allmählich von unten herauf 
sich entwickelt und Leben gewinnt, so ist 
es auch mit dem Ornament. Der untjsre 
Teil der Gefässe zeigt das milde, dem 
Elfenbeinton sich nähernde Weiss der 
Glasur; langsam, zunächst nur wie ein 
zarter Hauch, dann immer kräftiger werdend, 
erscheinen die Farben, man glaubt noch 
zu sehen, wie die Glut des Feuers allmäh- 
lich die schlummernden Farben zu langsam 
erwachendem Leben bringt. Die Orna- 
mente, Pflanzen- und Tiermotive, bei einigen 
Vasen auch vortrefflich in das Ganze einge- 
fügte, mehr angedeutete als ausgeführte 
Landschaften schmiegen sich der Form 
gut an, begleiten die Schwingungen der 
Wandung und des Randes: Form und 
Ornament sind zugleich in enger Verbrüde- 
rung entstanden. Jedenfalls hat die Por- 
zellanmanufaktur — das lassen schon diese 
ersten Versuche erkennen — an Schmuz- 
Baudiss eine hervorragende künstlerische 
Kraft gewonnen, zu deren Berufung man 
der Leitung der Manufaktur nur Glück 
wünschen kann. 

Durch ein vom Architekten Alfred Alt- 
herr entworfenes und von der Möbelfabrik 
W. DiTTMAR hergestelltes Damenzimmer 
aus hellem Holz mit sparsamen Einlagen 
aus Perlmutter und dunklerem Holz nebst 
hellblauen Bezügen, sowie einen Durchgang, 
in dem Skizzen und Entwürfe des Malers 
Richard Böhland hängen, gelangen wir 
in den zweiten Hauptsaal, der durch einen 
Einbau in einen kleineren und grösseren Teil 
zerfallt. Ein prächtiger Fries mit wilden 
Männern, tölpisch derben Kerlen, die sich 
braun vom blaugrünen Grunde markig abhe- 
ben, ziert den Hauptraum. Er ist ein Werk des 
Malers Richard Guhr. Unter ihm schwingt 
sich im Bogen ein monumentaler Wand- 
brunnen von N. Rosenfeld & Co. empor, 
mit grossem Geschick aus Muscheln, 
Schnecken und lüstrierten Fliesen in Pilger- 
muschelform zusammengesetzt. 

Die Wände des Vorraums sind mit de- 
korativen, vom märkischen Künstlerbund 
ausgeführten Landschaften geschmückt. Die 
Hauptwand nimmt ein grosses Sofa von 
W. Kümmel ein, in dessen breite Seiten- 
pfosten als sehr wirksamer Schmuck Tiffany- 
gläser eingelassen sind. Der gegenüber im 



Einbau stehende schöne Kamin aus rot- 
braun und grau geädertem Marmor mit 
mattgetönten Messingzierraten, ist nach 
einem Entwurf von DIETRICH Franke von 
der Aktiengesellschaft für Marmorindustrie 
„Kiefer" und dem Ziseleur Alex MÜLLER 
hergestellt, das Kaminbild stammt von der 
Hand des Malers SiMlONESCU. 

Unter den hier ausgestellten freistehenden 
Arbeiten verdient besondere Anerkennung 
ein Goldfischbecken auf grün und schwarz 
geädertem Marmorsockel. Zu beiden Seiten 
des Beckens hocken zwei knickebeinige 
Marabugreise und schauen tiefsinnig dem 
lustigen Spiel der Goldfische zu. Das 
humorvolle Werk, das sich auch durch die 
schöne Patinierung der Bronzemarabus aus- 
zeichnet, ist eine Arbeit des Bildhauers 
SiGiSMUND Wernekinck. Das dazu gehörige 
rotbraune Holzpostament ist nach einem 
Entwürfe von M. Salzmann jun. von 
SiEBERT & Aschenbach ausgeführt. Die 
beiden grossen, bunt patinierten Blumen- 
kübel auf geschmiedeten Gestellen sind im 
kunstgewerblichen Atelier von Walter 
Elkan hergestellt, von dem auch in anderen 
Räumen treffliche Beleuchtungskörper, 
kleinere Gebrauchsgegenstände u. dgl., mit 
reizvollen Patinierungen, unter denen be- 
sonders rötliche Töne hervorleuchten, aus- 
gestellt sind. 

Wir durchschreiten dann das Gemach mit 
den von der FirmaHERM annGerson und Fräu- 
lein P. A.Winker nach Entwürfen des Malers 
Alfred Mohrbutter hergestellten Reform- 
kostümen, schwierigen Ausstellungsgegen- 
ständen, da sie erst am Körper Leben ge- 
winnen und nur dann in ihrer reizvollen 
Wirkung beurteilt werden können. Hoffent- 
lich helfen sie dazu beitragen, dem neuen 
gesunden Bekleidungsprinzip neue An- 
hängerinnen zu gewinnen. 

In den beiden folgenden Zimmern sind 
dekorative Entwürfe, Metallarbeiten u. s. w. 
ausgestellt. Die Mitte beider Räume nimmt 
ein in grauem Holz gearbeiteter Glasschrank 
von Otto Eckmann ein. Bemerkenswerte 
Arbeiten sind vier Entwürfe für Gobelins, 
die Tageszeiten darstellend, in gut abge- 
stimmten Tönen von HEINRICH WlEYNK, 
ferner ein Tafelaufsatz in Neusilber mit 
Einlagen von dunkelblauen, hell gewölkten 
Emailplatten nach Modellen des Bildhauers 
L. Jamaer von Henniger & Co. ausge- 
führt. Die Formen sind breit und flächig 
behandelt, dem gegenüber dem Silber 
weniger bildsamen Stoffe entsprechend. In 
den beiden Eckmannschränken sind u. a. 
Arbeiten von Martin Schauss, sowie ein 
Spiegel nebst zwei Leuchtern in gross- 



333 



zügigen schwungvollen Formen mit Ein- 
gliederung leidenschaftlich bewegter Frauen- 
gestalten ausgestellt nach Modellen des 
Bildhauers Franz Metzner, von Ziseleur 
Gustav Grohe gearbeitet. 

In den parallel laufenden beiden schmalen 
Räumen haben neben anderen Arbeiten 
meisterhafte Schmiedewerke von SCHULZ & 
HoLDEFLEiss und Ferd. Paul Krüger Auf- 
stellung gefunden. Das prächtige grosse 
Glasfenster ist nach einem Entwurf des 
Malers Adolf Eckhardt von Gebr. 
Siebert in Dresden ausgeführt. Als gute 
Leistungen der Korbflechtkunst fallen noch 
die bequemen Lehnsessel von F. An^iON 
& Co. auf. Der hinterste Raum trägt eine 
völlig gestickte Dekoration, technisch 
meisterhaft von LiNA Pauly auf der Singer 
Nähmaschine nach Entwürfen des Malers 
Ferd. Eppler ausgeführt. 

Wir wenden unsere Schritte wieder zu- 
rück zum zweiten Hauptsaal, um in eine 
neue Flucht von Räumen, zumeist mit 
Zimmerausstattungen, einzubiegen. Gleich 
das erste Zimmer bietet einige sehr inter- 
essante Arbeiten, eine grosse Krone mit 
wirkungsvoll gruppierten Glühlampen von 
Walter Ortlieb, der uns auch sonst durch 
eine grosse Anzahl geschmackvoller Be- 
leuchtungskörper, von Julius Lennhoff 
gearbeitet, erfreut. Ein vornehmer kleiner 
Schrank und ein monumentaler Sessel mit 
rötlichen schmalen, rechteckigen Einlagen 
sind nach den Entwürfen Grenanders in 
der Kunsttischlerei von Carl Müller, die 
Beschläge im Atelier von Walter Elkan 
gearbeitet. Es folgt dann ein hübsches 
eigenartiges Damenzimmer, vom Archi- 
tekten A. Biberfeld, in hellgelb und 
rosa gehalten. Die gegenüberliegende 
Bibliothekswand von M. Salzmann jr. ist 
gut in den Massen gegliedert, weniger glück- 
lich im Ornament. Das hübsche Wandbild 
in Applikationsarbeit von A. Eckhardt 
und Frau ist insofern verfehlt, als das auf 
Fernwirkung angelegte Bild dem Auge zu 
nahe gerückt ist. 

Einen Höhepunkt bildet sodann in den 



weiteren Räumen die Kaminwand von 
Professor Grenander. Der in grauem 
Marmor gearbeitete Kamin mit bronzenem 
Gitter und Zierteilen ist von einem dunkelen 
Mahagonirahmen eingefasst. Sehr gut wirkt 
das Kaminbild vom märkischen Künstler- 
bund. Behaglich und elegant sind auch die 
niedrigen Lehnsessel. 

Die übrigen Räume enthalten zum grössten 
Teil Mobiliar in Anlehnung an ältere Stil- 
arten hergestellt, so die Zimmereinrichtungen 
und Möbel von Flatow & Priemer, Ferd. 
Vogts & Co., Herrmann Gerson, 
J. Groschkus, Julius Zwiener, unter denen 
besonders der imposante Raum von H. Ger- 
SON auffallt. Es sind durchweg tech- 
nisch hervorragende Arbeiten, die von der 
Höhe der handwerklichen Leistungen dieser 
Firmen die beste Vorstellung geben. In 
einiger Beziehung hat ja dieses Festhalten 
am Alten eine gewisse Berechtigung, in- 
sofern für gewisse Handwerkskreise, wie 
die Holzschnitzer, Ziseleure u. dgl. die 
Möbel modernen Stils in ihrer puritanischen 
Einfachheit keine Gelegenheit zu einer Be- 
tätigung ihres Könnens bieten. 

Eine in ihrer ungesuchten Schlicht- 
heit und Verständigkeit erfrischend wir- 
kende Leistung ist endlich das kleine 
Frivatkontor der Steglitzer Werkstatt aus 
dunkelbraunem Eichenholz mit blauen Be- 
zügen und sparsamer Applikationsstickerei 
und Intarsia. Das reiche Können dieser 
kleinen Künstlergemeinde auf dem Gebiete 
des Buchschmuckes kommt in zahlreichen 
Entwürfen zum Ausdruck. Die ruhige Sicher- 
heit ihres bescheidenen Auftretens imponiert 
mehr, als all der prunkvolle Aufwand ihrer 
Umgebung. 

Es darf als ein besonderes Verdienst des 
Ausstellungsleiters, Professors Grenander, 
betrachtet werden, dass eine grössere An- 
zahl tüchtiger jüngerer Künstler bei dieser 
Gelegenheit zu Wort gekommen ist. 
Hoffentlich bietet die Ausstellung Anlass, 
dass ihnen noch ein weiteres Feld zur 
Bethätigung ihrer Kräfte im Berliner Kunst- 
gewerbe eröffnet wird. 



A. Brüning, 



PORTAL NACH DER STRASSE UNTER DEN LIN- 
DEN. ARCHITEKT: A. GRENANDER, BERLIN, f« 

AUSFÜHRUNG: BILDHAUER ROBERT SCHIRMER. MOSAIK: ENTWORFEN VON RICHARD 
QUHR, AUSGEFÜHRT VON DER DEUTSCHEN GLASMOSAIK -GESELLSCHAFT PUHL UND 
WAGNER, RIXDORF. BRONZEN UND BELEUCHTUNGSKÖRPER VON SCHULTE it VOQT. 






^r ^ 



• . i '■? ?TRÄSr.E UNTER f l.N LN- 



.'- f;-»'T.n>itN GLASV()SAiK-vi:.-_L ..S. HAKT F. HL. '.■^\ 

u \'>\n Pf:LE'.v: 1^' NGr.!*ö'^'J Lfi' VON '^ci-r i. :: j^. v.v *' 



ß7'T\']t-.T A a;-, 






PORTAL ZUM ERSTEN HAUPTSAAL. ^ 
ARCHITEKT: A. GRENANDER, BERLIN. 



Ausgeführt vom Bildhauer robert schirmer. verglasungen 
der eingangsthür: schulze tc. jost; bronzegriff: s. a. loevy. 



33« 



DETAILS DES PORTALS VOR DEM HAUPT- 
SAALE. ~ ~ ARCHITEKT: A. QRENANDER. 



AUSFÜHRUNG: BILDHAUER ROBERT SCHIRMER, BERLIN. 



DETAILS DES PORTALS VOR DEM HAUPT- 
SAALE. =" ■" ARCHITEKT: A. QRENANDER. 



AUSFÜHRUNG: BILDHAUER ROBERT SCHIRMER, BERLIN. 



33« 



ERSTER HAUPTSAAL. «^ "^ 

ARCHITEKT: A. GRENANDER. 
MOSAIK: ENTWORFEN VON MAX KOCH, AUSGEFÜHRT VON DER DEUTSCHEN QLAS- 
MOSAIK.GESELLSCHAFT PUHL &. WAGNER, RIXOORF. MALEREIEN: GEBRÜDER DRABIG. 
VITRINEN: MAX SCHULZ fc CO., MIT BESCHLÄGEN VON PAUL MARCUS. BELEUCHTUNGS- 
KÖRPER: AKTIENGESELLSCHAFT VORMALS SCHAfFER & WALCKER. K> PO PO r«i ro 



AUS DEM ERSTEN HAUPTSAAL. »i 
DEKORATIVE GEMALDE: M. REBEL. ^ ^ oi 



NISCHE IM ERSTEN 
HAUPTSAAL. ~ to r« 



AUS DEM ERSTEN HAUPTSAAL. ~ ~ ARCHrTEKT: 
A. QRENANDER. RELIEF VON WALTER SCHMARJE. 



DURCHBLICK NACH DEN ZIMMERN. 
ENTWURF: W. KIMBEL; AUSFÜHRUNG: KIMBEL k FRIEDERICHSEN. 



KAMINWAND. ARCHITEKT: A. GRENANDER, BERLIN. 

AUSFÜHRUNG: AKTIENGESELLSCHAFT FÜR MARMORINDUSTRIE „KIEFER"; 
BRONZEARBEITEN: OSCAR FRITZ; FLIESEN: N. ROSENFELD & CO. 
HOLZARBEITEN: CARL MÜLLER. BILD: MARKISCHER KÜNSTLERBUND. 



ZWEITER HAUPTSAAL. 
FRIES: MALER RICHARD GUHR. WANDBRUNNEN: KOMBINATION VON MUSCHELMOSAIK 
UNO FLIESEN, GEZEICHNET UNO AUSGEFÜHRT VON N. ROSENFELD Sc CO. "> t^ 



ABB. 640—641. 



ABB. B41. BANK MIT WANDBRUNNEN IM ZWEITEN HAUPTSAAL. ENTWURF: BILDHAUER WALTER 

HAUSCHILD. FLIESEN: VILLEROY & BOCH. DEKORATIVES ^GEMXLDE: AUGUST ACHTENHAOEN. 

ABS.B40. DEKORATIVE WAND MIT BANK IM ZWEITEN HAUPTSAAL. ENTWURF: 

BILDHAUER WALTER SCHMARJE. r« BANK: DEUTSCHE STEININDUSTRIE A.-Q.; 

MOSAIK: DEUTSCHE GLASMOSAIK -GESELLSCHAFT PUHL & WAGNER, RIXDORF. 



346 



HOLZEINSTELLUNQ IM 
ZWEITEN HAUPTSAAL. 

KAMIN. ENTWURF: DIETRICH FRANKE; AUSFÜHRUNG: AKTIENGESELLSCHAFT 
FÜR MARMORINDUSTRIE „KIEFER"; BRONZEARBEITEN: ALEX MÜLLER. FLIESEN: 
GEBRÜDER MEINHOLD, SCHWEINSBURG. BILD: STEPHAN SIMIQNESCU- "a 



RÜCKWAND IM ZWEI- 
TEN HAUPTSAAL. ^*^ 



SANK, ENTWURF UND AUSFÜHRUNG VON W. KÜMMEL. 
WANDMALEREIEN: MArKISCHER KÜNSTLERBUNO. fa 



348 



BIBLtOTHEKWAND. 



ARCHITEKT; MAX SALZMANN JR. TISCHLERARBEITEN 
BLANKENBURG UND SCHNABEL. WANDBILD IN APPLI- 
KATION: MALER A. ECKHARDT UND FRAU ECKHARDT. 



PANEELWAND MIT SCHRÄNKEN UND 
SITZBANK FÜR EIN PRIVATKONTOP. 



ARCHITEKT: MAX SALZMANN JR. AUSFÜHRUNG: SIEBERT & ASCHENBACH. 
BILDWERKE: S. WERNEKINCK. DEKORATIVES BILD: ST. SIMIONESCU. r« r<a 



TÄNZERIN, F. HOERNIG, 

BRONZE ~ BILDHAUER. 



RAHMEN MIT INTARSIA. ■" ■»! ENTWURF: THEO 
SCHMUZ-BAUDISS; AUSFÜHRUNG: FRANZ HUTH, 



QRUPPE VOR DEM MOSAIK DES ERSTEN HAUPT- 
SAALES. BILDHAUER: WALTER SCHMARJE. "■ "= 



PORZELLANGEFÄSSE, ENTWORFEN UND MODEL- 
LIERT VON MALER THEO SCHMUZ-BAUDISS, AUS- 
GEFÜHRT IN DER KQL. PORZELLAN-MANUFAKTUR. 



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J IN CirR KG'.. r'ORZri.LAN -MANUF-AKl UH, 



(«IO0STEL.l»Oh3B- DESVEREiNS ■PÜF'I 
□EOTOCMCSKUNSTBEWERBEBEPIUIN 
CO-l>3 BL5I5F"EN3TEI=V C<3 • ^3 
eNTW-^ECKHRRDT-riHUERBERLiiKl 
flOSBEF: BEBR-b,i EBERT • DRESDEN 



ABB. 553—554. 



EKTV/ÜRFE. FÜR WANDTEPPICHE. 
MALER HEINRICH WIEYNK. i^ to 



356 



DEKORATIVER ENTWURF. 
MALER RICHARD GUHR. 



ABB. B56. TAFELAUFSATZ AUS NEUSILBER MIT EMAILEINLAGEN. ENTWURF: 

L. JAMAER, AUSGEFÜHRT VON HENNIGER & CO.; EMAILS: DOROTHEA KELLNER. 

ABB. 667. VITRINE NACH DEM ENTVi/URFE VON OTTO 

ECKMANN, AUSGEFÜHRT VON SIEBERT UND ASCHENBACH. 



358 



^ SPIEGELRAHMEN, ro 
ENTWURF: DIETRICH 
FRANKE; MODELLIERT 
VON CARL HIMMEL- 
STOSS; AUSFÜHRUNG: 
FRITZ STOLPE, r-3 «» 



ABB. &S9. GOLDFISCHBECKEN BILDHAUER SIGISMUND WERNEKINCK. ra r« 
ABB B60. LAMPE. ENTWURF: WALTER ORTLIEB, AUSFÜHRUNG: JULIUS LENNHOFF. 



LAMPE. BRONZE. ENTWURF: W. ORTLIEB, 
AUSGEFÜHRT VON JULIUS LENNHOFF. »> lo 



CM POSTAMENTE. u> 
SCHMIEDEEISEN, us 
ENTWURF: w» ua 
H.BRANDT. AUSFÜH- 
RUNG: ALB.GOSSEN. 



ZIMMERKRONE VON OSKAR FALBE. 



ENTWURF: H.BRANDT. 
AUSFÜHRUNG: FERD. 
PAUL KRÜGER. «. «> 



360 



KRONLEUCH.«. AUSFÜHRUNG. 

TER ENTWURF: JULIUS «. i- 

W. ORTLIEB. u. LENNHOFF. .0 



WANDBRUNNEN AUS AUSFÜHRUNG bo t^ 

MAJOLIKA, MIT FLIE- GEBRÜDER «> i«. k> 

SEN. ARCHITEKT: «1 MEtNHOLD, «s t^ 

A GRENANDER, BERLIN. SCHWEINSBURG IS. 



36. 



SPIEGEL U. LEUCHTER, SILBER. BILDHAUER FRANZ METZNER. AUSGEFÜHRT VON GUSTAV GROHE. 
ABB. 669. 



SCHMUCKSACHEN. 

ENTWORFEN UND MO- AUSGEFÜHRT =» 

DELLIERT VOM MALER VON GEBRÜDER 

W.LUCAS V. CRANACH. FRIEDLÄNDER. aj 



3«» 



KASSENSCHALTER IM UNTE- 
REN VESTIBÜL. ENTWURF: 
ARCHITEKT A. QRENANDER. 

MALERARBEITEN: L. SOBOTTA; FLIESEN: N. ROSENFELO tc CO. 



3«3 



Zur l'nterschrift unlft Abb, Jio Heft 9 ist nachzu- 
tragen, dass der Entwurf des Torts von Herrn Reg.- 
Baumeisier AUGUST Menkex In Berlin hcrrühri, dessen 
Nan«.- viTsehcnllich nitht geaannt wurde. Redakliim. 

■\- BRUNO MÖHRING ist zum Leiter der deutseben 
kunstg-e werblichen Abteilung auf der Weltausstellung 
zu St. Louis 1 904 ernannt worden und befindet sich z. Z. 
in St, Lotiis, um die nötigen Vorbereitungen zu treffen. 

(t Dem PrtTatdozenlen Sladtbauinspektor O. STIEHL 
ist vertretungsweise der Lehrstuhl für mittel aller liehen 
BacUsleinbavi an der technischen Hochschule in Char- 
lottenburg übertragen worden. 

Q Am 2. November starb der Dirclttor des KSnigl. 
Instituts lur Glasmalerei iu Charloltenburg, Hl^INRiCH 
Bernhard. , , 

> Das von PATKIZ HUBBR in Berlin, Fasanen- 
Strasse 14, begtüodeie kunstgewerbliche Atelier wird 
nach dessen Tode von seinem Bruder, dem Architekten 
Anton Huber fortgeführt. 

iK} l'rolessnr PETER Behke.ns in Üarmsladl erhielt 
eine Berufung zum Direktor der Kunstgewerbe schule 
in Düsseldorf. 

<,) y.uta Konservator fQr ttolhenburg a. T. ist 
Prof. Theodor Fischer in Stuttgart ernannt worden. 

-I- Das Atelier für Glasmalerei des Professor A. 
I.INNEMANN in Frankfurt a. M., wird von den Söhnen 
des Verstorbenen, RUDOLPH und OTTO LiNNBMANN, 
in unveränderter Weise weitergeführt werden. 

00 In dem Wetliewerte sur Erlangung einer 
Fassade für den Neubau der Landes- Versiehtrungs- 
anslail Weslpreussen in Danxig erhielt unter ai 
eingeäandien Entwürfen den ersten Preis der Ent- 
wurf „So- (I) des Architekten KURT HEHPEL zu 
ür. Schocher bei Leipiig, den zweiten Preis der Ent- 



H Miiiij-Hiaiy». 

Wurf .So- (U) von M.\x ANDERS zu Bielefeld, den 
dritten Preis der Entwurf .Danziger Coldwasser" des 
Regier ungs- Baumeisters KRITZ Kritzler zu Berlin- 
Friedenau. Zum Ankauf empfohlen wurden die 
Arbeiten des Architekten BLAUE in Karlsruhe und 
des Architekten Druxes in Danzig. 

H Der Wettbewerb xur Gewinnung von Ent- 
würfen für ein neues Rathaus in Eberswalde hatte 
folgendes Resultat: Der erste Preis wurde unter den 
eiagegangenen 87 Arbeiten dem Entwürfe .Treff Solo" 
von Cremer St WOLFFENSTETN in Berlin, der zweite 
Preis dem Entwürfe .Eberswalde' von FERU. 
KÖHLER & P. KRÄNZ in Charlottenburg, der dritte 
Preis dem Entwürfe .Fix und fertig" von KARL 
KOEHiiRT in Berlin zugesprochen. Zum Ankauf 
empfohlen wurden die Entwürfe .Bunte Buche' von 
Ernst RANÜ & A. SilbeRMJORK in SchSneberg- 
Berlin, .Massig" von HENRY GROSS in Berlin, .See- 
hund" von A. SCHNEEr.ANH in Berlin und „Treviso" 
von EUGEN KUHN in Berlin. 

4- In dem Weltben/erb tur Erlangung von 
Skitien für den Brweiterungs- und Umiau des 
Ständekauses »u Cassel erhielt unter den einge- 
gangenen 19 Arbeiten den ersten Preis der Entwurf 
„Cinquecento" des Architekten HERMANN GERHARDT 
in Cassel, den zweiten Preis der Entwurf „Alt-Heidel- 
berg" der Architekten AfGUST ERNECKE und KARL 
ROTHEinCassel, den dritten Preis der Entwurf der Archi- 
tekten Julius EubeLL und Karl Riecke in Cassel. 

I' In dem Weilieweri für die Hugenhagenkirehe 
in Stellin wurde der erste Preis dem Entwürfe 
„Norddeutsch B" des Architekten Jürgen KröCER 
in Berlin, der zweite Preis dem Entwürfe „Zweischi Big" 
der Architekten Prof. J. VOLLMER & lASSOV in 
Berlin, der drille Preis dem Entwürfe „Pommcranus C" 
des Baumeisters MÜLLICR in Coblenz zuerkannt Zum 
Ankauf empfohlen wurden die Entwürfe; „Zentralbau*' 
des Architekten JÜRGEN KroCER und „Etwa so" des 
Arcbitekien StrOBELBErger in Schartau b. LQbeck. 



364 



Neu erschienene Fachlitteratur. 

Zu beliehen durch Ernst Wasomth» B«rlln W. 8t 

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24 Farbentafeln nebst Titelblatt und Text. Quer 
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schen Baukunst, dargestellt an Monumenten ver- 
schiedenen Bauperioden. I. Teil: Der Theseus- 
tempcl in Athen. 13 Tafeln in Doppelformat mit 
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^^ dieser Nammer machen wir hlennlt 
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stände, Berlin. 

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felde- Berlin. 

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richtungen, Berlin NW. 

BERKBPBLD FILTBR-WBRKB, G. m. b. H., Celle i. H. 

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INDUSTRIB, G. m. b. H., Bomhofen, Nm. 

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architektur etc., Leipzig-Pl. 

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farbbnpabrikbn vorm. Fribdr. Bayer & Co., 

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GrOnzwEIG & Hartmann Korkstein, Ludwigshafen. 
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Victor HilLMER, Kunstschmiede, Berlin SW. 
Ernst JABCKEL, Bildhauer, Wilmersdorf. 
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BlAX KrAY ft Co , Kunstgewerbl. Werkstätten, Berlin S. 
FSRD. PAUL KRÜGSR, Kunstschmiede, Berlin SW. 
HEINRICH KUNITZ, Ornamenten-Pabrik, Berlin SO. 
CARL MÜLLER, Tischlerei für Holz-Arch., Berlin SO. 
Fbrd. MÜLLER, Hofl., Glasmalerei, Quedlinburg. 
JOHANN ODORICO, Glas-Mosaik - Ges., Berlin SW. 
QUANTMBYER & EICKB, Hansa-Linoleum, Berlin W. 
RIBT8CHSL & HBNNBBSRG, Centralheisungen und 

Ventilations-Anlagen, Berlin. 
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HERMANN THORWS8T, Installationsgesch&ft, Berlin SW. 
TORGAMENTWERKE, G. m. b. H., Leipzig. 
OTTO VITTAU, Atelier Ar Glasmalerei, Berlin W. 
GÜNTHER WAGNER, Kflnstlerforbenfabrik, HannoTer. 
FRANZ ZELLER, Steinmetzgeschäft , Miltenberg 

a. Main. 



Verantwortlich fllr die Schriftleitanf : Dr. Adolf BaÜNnro, Berlin. — Verlag von Eknst Wasmuth, Berlin W., Mark^rafenatr. 35. 
Gedrmckt bei Julius SriTBarBLo, Berlin W., Maaeratraeae 43. 44. — Glicht von Carl Schüttb, Berlin W. 



H. EBERHARDT, Arch. 




3^5 



VON DER AUSSTELLUNG DES VEREINS FÜR DEUTSCHES KUNSTGEWERBE. 
ENTWORFEN USD AUSGEFÜHRT VON ROBERT SCHIRMER, BIDHAUER IN BERLIN. 



Dfe Sdjmiebekunft in Berlin» 



Bei keiner Kiinstübung steht das hand- 
werkliche Können in so hoher 
Schätzung, wie bei der Schmiede- 
kunst. Derselbe Gegenstand, der in Bronze 
gegossen oder in Holz geschnitzt nur 
massige Teilnahme erweckt, vermag die 
höchste Bewunderung hervorzurufen, wenn 
wir ihn in Schmiedeeisen gebildet sehen. 
So haben auch von jeher Sage und Poesie 
die Kunst des Schmiedes, der mit der 
sehnigen Kraft des Armes das harte Eisen 
bezwingt, umspieh von der rötlichen Glut 
des Feuers, mit einem besonderen Nimbus 
umgeben. Sich selbst sein Schwert zu 
schmieden, galt in der Vorzeit, auch des 
Edlen nicht unwert, und später noch ver- 
schmähten es Könige nicht, wie LudwigXV'I., 
am Amboss zu arbeiten. Es ist nur ein 
Ausfluss der hohen Bewertung dieser Kunst- 
bethäligung, wenn man auch für gewaltige 
geistige Thaten keine bessere Worte zu 
finden weiss, als indem man von „Schmieden" 
und „Schweissen" spricht. 

Mag es Zufall sein, dass zur Zeit die 
kriegerischste Nation die besten Kunst- 



schmiede besitzt, und dass gerade die neue 
Hauptstadt des durch Blut und Eisen ge- 
wonnenen deutschen Reiches den Mittel- 
punkt der deutschen Schmiedekunst bildet, 
jedenfalls dürfte es nicht zu gewagt sein, es 
als ein Resultat bestimmter Nationaleigen- 
tümlichkeiten anzusehen, dass gerade unsere 
deutschen Kunstschmiede stets in ihren 
Arbeiten den Eindruck des mit derber 
Kraft Geschmiedeten hervorzukehren sich 
bemühen. Man sieht noch dem fertigen 
Stuck an, dass kernige Arme hier thätig 
waren, um die zähe Masse in die gewollte 
Form zu zwingen, Sie zeigen in der 
breiteren gröberen Ornamentik noch die 
Male der Arbeit am Amboss — im be- 
wussten Gegensatz zu den französischen 
Schlossern, die durch nachträgliche sauberste 
Feilarbeit und Ciselierung die Spuren der 
Schmiedearbeit zu verwischen suchen und 
die Wirkung der aufs feinste ciselierten 
Bronze erstreben , auch sonst durch Bevor- 
zugung getriebenen dünnen Bleches ihren 
Schmiedearbeiten einen zierlicheren Cha- 
rakter geben. 



366 



Die prächtigen Gitter in der Marien- und 
Nikolaikirche, sowie viele andere noch 
erhaltenen alten Schmiedewerke geben von 
dem Blühen tüchtiger Schmiedewerkstätten 
zu Berlin in alter Zeit Zeugnis. Diese 
Kunst stirbt allmählich mit dem Ausgange 
des achtzehnten Jahrhunderts hier wie an 
anderen Orten fast völlig aus. Die Ursache 
davon ist zunächst die Rückkehr der Archi- 
tektur zur Antike, die eine Beteiligung der 
Schmiedekunst an der Ausschmückung von 
Bauten nicht kannte, sodann die Bevor- 
zugung des durch die Verbesserung des 
Hochofenprozesses vervollkommneten Eisen- 
gusses, in dem man ein bequemes Mittel 
gefunden zu haben glaubte, die mühsame 
Schmiedearbeit zu ersetzen, da ja durch 
den Guss jeder Gegenstand leicht zu Dutzen- 
den hergestellt werden kann. Freilich 
verzichtete man dabei auf die lebendige 
Wirkung der Handarbeit, die dem ge- 
schmiedeten Stück etwas Persönliches, In- 
dividuelles giebt, zugleich auch auf die 
weit grössere Festigkeit und Dauerhaftig- 
keit des geschmiedeten Gegenstandes gegen- 
über dem gegossenen. In Berlin fand der 
Eisenguss in der vom Grafen von Redern 
1 803 in einer alten Mühle an der Panke am 
Neuen Thore begründeten Königlichen Eisen- 
giesserei, der eine Reihe von Privatanstalten 
folgten, eine besondere Pflege. Berliner 
Eisengusswaren waren damals ein auch im 
Auslande sehr geschätzter Handelsartikel. 

Aber auch noch andere Ursachen wirkten 
an dem Erlöschen der alten Schmiedekunst 
mit. Der gewaltige Aufschwung der 
Hammer- und Walzwerke machte nunmehr 
einen grossen Teil der Handarbeit überflüssig. 
Vieles, was früher mit der Hand geschmiedet 
wurde, wurde jetzt auf rein mechanischem 
Wege viel billiger und schneller hergestellt. 
An die Stelle der gelernten Schmiede traten 
jetzt vielfach Arbeiter ohne handwerkliche 
Fertigkeit. Dazu kam noch, dass die immer 
mehr zunehmende Entwickelung des Ma- 
schinenbaues den alten Schlosserwerkstätten 
die besten Kräfte entzog. Eine grosse An- 
zahl heutiger Maschinenfabriken, deren Auf- 
schwung in die dreissiger Jahre des neun- 
zehnten Jahrhunderts fallt — 1820 gab es 



in Berlin 200, 1 840 schon 3000 Maschinen- 
bauarbeiter — sind aus Schlosserwerkstätten 
hervorgegangen. 

Wie weit die künstlerische Leistungs- 
fähigkeit des alten Schlosserhandwerks ge- 
schwunden war, beweist der Bericht über 
die Berliner Gewerbeausstellung im Jahre 
1 844. Kunstschmiedearbeiten sind über- 
haupt nicht vertreten. Die Schlosser haben 
ausschliesslich Schlösser und Geldkasten 
ausgestellt, bei denen die Ornamente, falls 
solche vorhanden, aus Bronze oder Guss- 
eisen bestehen. Die Herstellung eines mög- 
lichst sicheren Verschlusses war der Prüf- 
stein ihrer Kunst. Dagegen sind guss- 
eiserne Balkongitter ausgestellt. Uebrigens 
war es anderswo auch nicht besser. In Paris 
suchte um dieselbe Zeit der bekannte Ar- 
chitekt Viollet-le-duc vergeblich nach einem 
Schlosser, der imstande gewesen wäre, 
auch nur das einfachste Gitter zu schmieden. 

Einer der ersten, der es unternahm, die 
alte Kunstschmiedearbeit wieder zu Ehren 
zu bringen, war Karl Hauschild. Schon 
in dem erwähnten Bericht der Ausstellung 
von 1844 wird er als ein ausgezeichneter 
Schlossermeister genannt, der ein vom 
Vater ererbtes kleines Geschäft in die Höhe 
gebracht habe. Damals scheint er indessen 
sich nur mit der Herstellung von Maschinen 
und Geräten befasst zu haben. Schon auf 
der Weltausstellung zu London im Jahre 
1862 erregte er durch einen mit kunstvoll 
geschmiedeten Ornamenten versehenen Geld- 
schrank Aufsehen. 1867 fertigte er für die 
Weltausstellung in Paris ein grosses Gitter- 
thor an. Seine Arbeiten lassen sich bis in 
den Anfang der siebziger Jahre verfolgen. 

Weit bedeutenderen, ja man kann sagen, 
entscheidenden Einfluss auf die Wieder- 
belebung der alten Schmiedekunst sollte 
Eduard Puls gewinnen. Gegen Ende der 
sechziger Jahre übernimmt seine Werkstatt, 
die er i86i begründet, die Führung und 
hat bis auf den heutigen Tag alle Stadien 
der Entwicklung der Berliner Schmiedekunst 
fordernd und anregend begleitet. Nicht nur 
gelang es Eduard Puls das handwerkliche 
Können der alten Kunstschmiede in vollem 
Masse wiederzugewinnen, sondern er er- 



367 



öffnete auch den Schlossern neue Wege für 
ihre Arbeit; so gingen z. B. aus seiner 
Werkstatt die ersten reicheren eisernen Haus- 
thüren und Treppen hervor. Der grösste 
Teil der anderen heute durch ihre Leistungen 
hervorragenden Berliner Kunstschlosser sind 
als Schüler und Mitarbeiter aus dem Hause 
Eduard Puls hervorgegangen. 

Bis gegen Ende der siebziger Jahre be- 
wegten sich die Berliner Schmiedearbeiten 
durchgängig in den Formen der Renaissance, 
anfangs noch vermischt mit antikisierenden 
Motiven aus der Schinkelzett. Auch später 
behalten die Renaissanceformen zumeist 
jene starre symmetrische Linienführung der 
älteren Zeit bei. Zu Anfang der acht- 
ziger Jahre beginnt man sodann zu den 
Formen des Barocks und Rokokos hinüber- 
zugehen, gleichzeitig mit der entsprechenden 
Bewegung in der Baukunst, wie ja über- 
haupt enger Anschluss an die Architektur 
Lebensbedingung für die Schmiedekunst 
bedeutet. Das Einleben in den neuen 
Formenkreis mit seinem gegenüber den 
Schmiedearbeiten der Renaissance grösseren 
Reichtum an plastischen Gestaltungen stellte 
an das Können der Schlosser die höchsten 
Ansprüche, aber bald waren auch diese 
Schwierigkeiten überwunden und es ent- 
standen Werke, wie das grosse Mittelthor 
zum Abschluss des Eosanderschen Portals 
am Schloss von Eduard Puls, das zu 
den gewaltigsten Schmiedewerken aller 
Zeiten gehört. 

Die Bemühungen der letzten Jahre, eine 
neue Kunstsprache zu finden, in der der 
eigentümliche Charakter unserer Zeit zum 
Ausdruck kommen soll, sind auch in 
der Berliner Schmiedekunst zur Geltung 
gekommen. Mit besonderer Vorliebe ist 
neben jenen charakteristisch bewegten 
Linienmotiven des „modernen Stils* auch 
reicher Gebrauch von Pflanzenformen ge- 
macht worden. Den spröden Werkstoff 
soweit zu bändigen, dass er sich in zier- 
liche Blätter und zarte Blumen verwandelt, 
ist schon in den Tagen des Rokokos ein 
beliebtes Mittel gewesen, die Kunst des 
Schmiedens in ihrer höchsten Meisterschaft 
und Vollendung zu zeigen. 



Die vornehmste Ursache des glänzenden 
Aufschwungs der Berliner Schmiedekunst 
während der letzten Jahrzehnte ist die grossr 
artige Entwicklung der Architektur in Berlin. 
Während vordem grössere monumentale 
Bauten nur vom Staate und der Krone in 
beschränktem Umfang errichtet worden 
waren, treten seit dem Beginn der sechs- 
ziger Jahre neue machtvolle Bauherrn da- 
neben auf, die städtische Verwaltung und 
die grossen industriellen und kommerziellen 
Betriebe. Die Erhebung Berlins zur Reichs- 
hauptstadt hatte zunächst die Errichtung 
einer grossen Anzahl staatlicher Gebäude 
zufolge — ich nenne nur das Reichstagshaus, 
das Abgeordnetenhaus, das Reichsver- 
sicherungsamt — an deren Ausschmückung 
die Schmiedekunst durch die Herstellung 
kunstvoller Portale, Gitter, Treppenge- 
länder, Beleuchtungskörper u. s. w. reichsten 
Anteil hatte. 

Auch die zahlreichen neuen Kirchen 
eröffneten der Schmiedekunst ein weites 
Feld für ihre Bethätigung. Die mittelalter- 
liche Sitte, die Kirchenthüren mit schönen 
schmiedeeisernen Beschlägen zu versehen, 
wurde von den Architekten wieder aufge- 
nommen. Besonders glänzende Beispiele 
bietet in dieser Beziehung die Kaiser- 
Wilhelm-Gedächtniskirche. Leider vergass 
man bei diesem Zurückgreifen auf die Kunst 
des Mittelalters eins, dass nämlich stets diese 
alten Kirchenportale bemalt waren. Wir 
wissen aus literarischen Quellen sowie aus 
vereinzelten Farbresten, dass in der roma- 
nischen Zeit die Thüren zumeist mit rot 
bemaltem Leder oder Leinen bezogen waren 
und von diesem Grunde die Eisenbeschläge 
in Gold oder Bemalung sich abhoben. 
Warum sind wir so farbenscheu? Es liegt 
nicht der mindeste Grund vor, warum bei 
uns immer und immer wieder das Eisen 
schwarz oder grau, selten einmal grün bemalt 
wird. Warum sind andere lebhaftere Farben 
ausgeschlossen? — Mit den Beleuchtungs- 
körpern im Innern der Kirchen ist es ähnlich. 
Auch hier fehlen zumeist die bunten Farben 
und das Gold, das die alten Arbeiten belebte. 

Während in den Kirchen das Schmiede- 
eisen, besonders für Lichtgerät, noch weit- 



368 



gehende Anwendung findet, ist im Innern 
der Profangebäude das Eisen zumeist fast 
völlig von der Bronze und dem Messing 
verdrängt. Die Schuld daran trägt wieder 
die leidige Gewohnheit, das Eisen nur in 
finsteren Tönen zu bemalen. Allerdings 
fand man hier einen Ausweg, der Schmiede- 
kunst diese verloren gegangenen Gebiete 
wieder zu erobern, indem man die gold- 
glänzende Aluminiumbronze zur Herstellung 
von Geländern, Beleuchtungskörpern u. dgl. 
für das Innere von Wohnräumen wählte, die 
allerdings eine der wichtigsten Eigenschaften 
des Schmiedeeisens, seine Schweissbarkeit, 
nicht besitzt. 

Besonders dankbare Aufgaben für den 
Kunstschmied haben sodann die grossen 
Geschäftshäuser gebracht. Bei den Banken 
ist ja zum Teil die Vergitterung der 
Thüren und Fenster schon zur Sicherheit 
notwendig. Aus dieser Not ist dann eine 
Tugend gemacht und das praktische 
Erfordernis zum reizvollen Schmuck 
erhoben worden. Ein glanzvoll aus- 
gestattetes Treppenhaus mit geschmie- 
detem Geländer und Kandelabern fehlt fast 
bei keinem dieser palastartigen Häuser. 
Auch die grösseren Geschäftshäuser machen 
von der Schmiedearbeit aussen und innen 
reichen Gebrauch. Die Firmenschilder 
erhalten eine hübsche geschmiedete Um- 
rahmung, oft werden auch die ganzen 
Schaufenster in Eisen und Bronze konstruiert. 
Nicht selten ist die ganze Fassade mit 
reichem geschmiedeten Schmuck versehen. 
Verschiedene Lösungen dieser Art zeigen 
z. B. das Kaufhaus Fritz Heller unter den 
Linden und das Kolonialhaus auf der Pots- 
damerstrasse mit Schmiedearbeiten von PAUL 
Marcus und Schulz & Holdefleiss. Im 
Innern solcher grossen Gebäude erfordern 
Treppen und Fahrstühle sowohl eiserne 
Konstruktion wie Dekoration. 

Selbst, das Mietshaus, wie es sich all- 
mählich in Berlin herausgebildet hat, nimmt 
mehr wie anderswo die Schmiedekunst zur 
Herstellung der zahlreichen Balkone, sowie 
häufig auch des Hauptthors und der Portal- 
überdachung in Anspruch. Für Villenanlagen 
grösseren Umfangs wird die Leistungs- 



fähigkeit unserer Kunstschmiede zur Anlage 
von Wintergärten, Veranden, Lauben, Gittern 
u. s. w. herangezogen. 

Von den Schmiedewerken auf öffentlichen 
Strassen und Plätzen verdienen besonders 
die Geländer der Potsdamer- und Weiden- 
dammer Brücke nebst ihren grossen Kande- 
labern, sowie die Kandelaber und Leitungs- 
masten an der Kaiser -Wilhelm -Gedächtnis- 
Kirche, zum grossen Teil Arbeiten der 
Firma Ferd. Paul Krüger, als bedeutende 
Leistungen Erwähnung. Auch unsere Fried- 
höfe sind mit schönen Erzeugnissen unserer 
Berliner Schmiedekunst geziert. 

Das gewaltigste Werk Berliner Schmiede- 
kunst der jüngsten Zeit ist sodann die Hoch- 
bahn. Wenn dieselbe sich auch in ihrem 
grösseren Teile zunächst nur als ein rein 
konstruktiver Bau darstellt, so sind doch 
auch, besonders in ihrer westlichen Hälre, 
abgesehen von Geländern, Portalen, Be- 
leuchtungskörpern u. s. w. auch Bauglieder, 
wie die Pfeiler, einer kunstvolleren Aus- 
bildung unterzogen worden, die eine noch 
reichere Beteiligung der Schmiedekunst bei 
ähnlichen Eisenbauten der Zukunft in Aus- 
sicht stellt. 

Endlich sei noch auf eine Verwendung 
des Schmiedeeisens hingewiesen, die in 
vereinzelten Fällen in früheren Jahrhunderten 
vorgekommen, aber meines Wissens in 
unserer Zeit keine Nachahmung gefunden. 
Ich meine die Ausschmückung von öffent- 
lichen Plätzen mit Werken der Schmiede- 
kunst, wie es etwa in Nancy im achtzehnten 
Jahrhundert geschehen. Hier ist die ganze 
Place Stanislas mit einem Kranz herrlichster 
Schmiedewerke umgeben, deren Ornamente 
im achtzehnten Jahrhundert in vielfarbigen 
Goldtönen prangten; die in zwei Winkel 
des Platzes gestellten grossen triumphbogen- 
artigen Aufbauten aus Schmiedeeisen dienen 
zugleich als Umrahmungen für Brunnen mit 
plastischen Bildwerken. Auch die Place 
de la Carriere schmücken in glücklicher 
dekorativer Wirkung Gitterwerke. Aehn- 
liche Anlagen würden auch unseren Plätzen 
und Parks zur Zierde gereichen. 

Trotz der umfangreichen und mannigfaltigen 
Aufgaben, die die Bedürfnisse der Riesen- 



369 



Stadt aa die Berlmcr Schmiedekunst stellen, 
und deren wichtigste soeben angedeutet 
sind, ist die Berliner Schmiedekunst doch 
über den Rahmen Berlins hinausgewachsen 
und hat sich auch ausserhalb der engeren 
Heimat reiche Absatzgebiete gesichert. 
Man kann sagen, dass die Berliner Schmiede- 
werke sich schon die ganze Welt erobert 
haben. Schon zu Anfang der achtziger 
Jahre sind erhebliche Arbeiten für New- 
York, kleinere für England geliefert worden. 
Mit Russland, Schweden, Rumänien und 
Italien wurden damals schon Beziehungen 
angeknüpft. Heute wandern die Erzeugnisse 
der Berliner Schmiedewerkstätten schon 
bis nach Australien. Von grösseren für 
das Ausland hergestellten Arbeiten mögen 
einige Erwähnung finden. So lieferte 
Eduard Puls die Schmiedearbeiten für die 
rumänischen Königsschlösser in Sinaia, den 
Wintergarten für den Fürsten Ferdinand in 
Sofia und die Kuppel des dortigen Post- 
gebäudes, die Gitter (ur das Palais des 
englischen Botschafters Sir Malet in Monte- 
carlo, die von einem französischen Archi- 
tekten entworfenen Schmiedewerke für einen 
Palast des Khedive in Kairo, femer zahl- 



reiche Arbeiten für Buenos- Ayres. Für 
das von Bruno Schmitz entworfene Krieger- 
denkmal in Indianapolis führten SCHULZ & 
HoLDEFLEis die Schmiedearbeiten, darunter 
die gewaltigen, 33 m hohen Kandelaber 
aus. Auch die Firma HiLLERSCHEIDT & 
Kasbaum arbeitet stark für das Ausland. 
Die Geschäftspaläste der Equitable- Lebens- 
versicherungsgesellschaft in Sydney und 
Melbourne sind von dieser Firma mit 
Riesentreppen von 40 — 50 m Höhe und 
zahlreichen Kunstschmiedearbeiten ausge- 
rüstet worden. Aehnliche Arbeiten für die 
Bank of Australasia in Sydney sind in Vor- 
bereitung. Auch für die grossen Eisen- 
brücken in Siam lieferten HiLLERSCHEIDT & 
Kasbaum die Dekorationen. Von deutschen 
Arbeiten jüngster Zeit verdienen die 
Schmiedewerke der Werft- und Hafen- 
anlage in Düsseldorf, Flaggenmasten, Kan- 
delaber, Brtistimgsabschussgltter etc., die 
Ferd. Paul KrOger fertigte, besonders 
hervorgehoben zu werden. 

Möge die Berliner Schmiedekuost den 
ehrenvollen Platz, den sie sich erobert, 
auch fernerhin behaupten! 

Adolf Brüning. 



ABB. 673 UND 574. VON DER AUSSTELLUNG DES VEREINS FÜR DEUTSCHES KUNST- 
GEWERBE. ENTWORFEN UND AUSGEFÜHRT VON ROBERT SCHIRMER, BILDHAUER IN BERLIN. 



//; 



FcM^ 



ABB. B7B UND &76. LÄNGSSCHNITT UND GRUNORISS DER KÖNIGL. 
AKAD. HOCHSCHULE FÜR DIE BILDENDEN KÜNSTE IN CHARLOTTEN- 
BURG, ARCHITEKTEN: KAYSER UND VON GROSZHEIM IN BERLIN. 
ABB. 577. LAGEPLAN DER GESAMTANLAGE. ajeHCMMMOjcMM 



KÖNIGL. AKADEMISCHE HOCHSCHULE FÜR DIE BILDENDEN KÜNSTE UND FÜR MUSIK 
IN CHARLOTTEN BURQ. ARCHITEKTEN: KAYSER UND VON GROSZHEIM IN BERLIN. 



KÖNIGL. AKADEMISCHE HOCHSCHULE FÜR DIE 
BILDENDEN KÜNSTE IN CHARLOTTENBURG, lo "> 
ARCHITEKTEN: KAYSER iVON GROSZHEIM, BERLIN. 



KONIGL. akademische HOCHSCHULE FÜR 
MUSIK IN CHARLOTTENBURQ. ARCHITEKTEN: 
KAYSER UND VON QROSZHEIM, BERLIN. ~ 



KÖNIGLICHE AKADEMISCHE HOCHSCHULE FÜR •" 
DIE BILDENDEN KÜNSTE IN CHARLOTTEN BURG. <^ 
ARCHITEKTEN: KAYSER4VON GROSZHEIM, BERLIN. 



LÄNGSSCHNITT UNO GRUNDRISSE DER KÖNIGL. AKADE- 
MISCHEN HOCHSCHULE FÜR MUSIK IN CHARLOTTENBURG. 
ARCHITEKTEN: KAYSER & VON GROSZHEIM, BERLIN. "> "» 



376 



WOHNHAUS MARQARETHENSTRASSE17. ARCHI- 
TEKTEN: KAYSER & VON GROSZHEIM, BERLIN. 

ERBAUT 1901-1902. FASSADE IN ALT- WARTHAUERSANDSTEIN VON CARL SCHILLING. 
BERLIN, MODELLE FÜR DIE SANDSTEINFASSADE VON ERNST jACKEL, WILMERSDORF, 
KUNSTSCHMtEDEARBEITEN VON HILLERSCHEIDT Se KASBAUM, BERLIN, eu <m gm eu 




GRUNDRISSE 
ZU ABB. 585. 




H."^ 


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iB«toKr.H#w 


1 


te 


Stube. Sljbe.! 



GRUNDRISSE ZU 
ABB. 591—594. ~ 



37« 



LANDHAUS WENTZEL-HECKMANN IN 
NEUBABELSBERQ. ■«■ ARCHITEKTEN: 
KAYSER & VON GROSZHEIM, BERLIN. 



LANDHAUS WENTZEL- HECKMANN IN NEUBABELSBERG. 
ABB. 592. PFÖRTNERHAUS. ~ ABB. 593. GARTENSEITE. 
ARCHITEKTEN: KAYSER & VON QROSZHEIM, BERLIN. 



38o 



LANDHAUS WENTZEL- HECKMANN IN NEUBABELSBERG. QARTEN- 
HALLE. ARCHITEKTEN: KAYSER St VON GROSZHEIM, BERLIN. ~ 



i /, 



-> 






V » ' ' "3 "i '^ 7 " r 



H. EBERHARDT, Aroh. 




sSt 




VILLENKOLONfE GRUNEWALD, LANDHAUS, DOUGLASSTR. 22. 
ARCHITEKT: GUSTAV JSNICKE IN BERLIN. k= GRUNDRISSE 
VON WILHELM KÖRNER, GRUNEWALD, i^ .^ i=i u= lo u= u= 



38a 




RATHAUS IN NOWAWES. ■« i-= .« t= 
ARCHITEKT: OTTO KERWIEN, POTSDAM. 



383 




WOHNHAUS MEINECKESTRASSE 21. i= lo "■ 
ARCHITEKT: GUSTAV HOCHGÜRTEL, BERLIN. 
GRUNDRISSE VON IN. KNISPEL 4 00. •= ■« 



384 



IDEEN ZUR ERSTREBUNQ EINER 
LANDESKOLONIE FÜR SCHULUNG 
DES KÖRPERWOHLSTANDES. "> "> 
ARCHITEKT: HERM.WERLE, BERUN. 



r 



385 



IDEEN ZUR ERSTREBUNG EINER 
LANDESKOLONIE FÜR SCHULUNG 
DES KÖRPERWOHLSTANDES. ^ -o 
ARCHITEKT: HERM.WERLE, BERLIN. 



386 I 

ABB. 607—608. 



JDEEN ZUR ERSTREBUNG EINER LANDESKOLONIE FÜR SCHULUNG 
DES KÖRPERWOHLSTANDES. ARCHITEKT; HERM. WERLE, BERLIN. 



NEUBAU DER DrSKONTO-GESELLSCHAFT, BERLIN. 
ARCHITEKT: L. HEIM, BERLIN, u. ro lo u. .<. 



388 



~ RINQKÄMPFER. ~ 
VON NIC. FRIEDRICH, 
BILDHAUER IN BERLIN. 



389 



LOTSE, o^ I»- ~ VON 
8ERNH. HEISINQ, BERLIN. 



ABB. 612. FROHLINQSTAQ. cm 
VON JAC. ALBERTS IN BERLIN. 
ABB. 613. BALKONLOGEN IM METROPOL- 
THEATER VON ULRICH HÜBNER IN BERLIN. 



ABB. 614. PLAKATENTWURF FÜR EINE PIANOFABRIK. cu im » ch ch 

ABB. eis. KARTON FÜR EIN QLASGEMAlDE „IM FRÜHUNG". aj cm aj 

ABB. 616. KARTON FÜR EIN GLASMQSAIKBILO „FRÖMMIGKEIT U. WELTFREUDEI" 

VON FR. AD. BECKER, MALER IN WILMERSDORF, cu » « cu tk. tu 



BLEISTIFTSTUDIE AUS STAHLHEIM 
IN NORWEGEN. ». »i e« 01 
FR. AD. BECKER, WILMERSDORF. 



BLEISTIFTSTUDIE AUS STAHLHEIM 
IN NORWEGEN. ~ .»..». ~ 
FR. AD. BECKER, WILMERSDORF. 



TOILETTE- VON WILLY O. 

TISCH '<■" DRESSLER, -^ 

UND fo ~ ARCHITEKT 

WASCH- ~ IN CHARLOT- 

TOILETTE. TENBURG. ~ 



SITZARRANGEMENT IN EINEM WOHNZIMMER, 
VON TRUNCK & CO., BERLIN, c»i o. 01 



39* 



SCHREIBTISCH NACH OEM ENTWURFE VON ANTON HUBER, ARCHITEKT, 
AUSGEFÜHRT VON W. KÜMMEL, BERLIN. cd id ua ue to la i« 

ABB. 623. 



DREITEILIGER KLEIDER- UND WÄSCHESCHRANK. NACH DEM 
ENTWÜRFE VON AUG. BODE, ARCHITEKT IN CHARLOTTENBURG. 
AUSGEFÜHRT VON E. KOMNICK, BERUN. u> •« ui m l« 



mObELBESCHLAG£. ARCHITEKT AD. HÄRTUNG IN BERLIN. 
ABB. 625. 



KISSEN. ENTWOR- 
FEN UND AUSGE- 
FÜHRT VON FIA 
UND RUD. WILLE 
IN STEGLITZ, t^ 



GITTER AM HAUSE MOTZSTR.B7. ARCHITEKT: OSKAR USBECK, BERLIN. 
AUSFÜHRUNG: W DEIKE, BERLIN- tu oj cm <m eu cu ch 



^-y^v;3' 




ABB. 630. TAFELAUFSATZ- ENTWORFEN 
VON G. HEINTEL, MODELLIERT VON 
F. W. KLEUKENS IN STEGLITZ, lo AUS- 
FÜHRUNG: GEBR. SAUERLAND, BERLIN. 



ABB.e31 KRONE. BRONZE MIT MATTGLAS- 
VERGLASUNG, GETÖNT. ENTWURF VON 
WILLY O. DRESSLER, CHARLOTTENSURG. 



Zur Unterschrift unter Abb. 566 Heft 10 Ist nach- 
zutragen, dass Schale und Fliesen von SIEGFRIED 
Meinhold, Mitinhaber dei Firma GEBR. MElNHOLD 
entwotfen worden sind, während die Anlage, wie sie 
in der AujstelluDg sieht, von Professor ALPRED 
Grenander herrühn. DU Redaktion. 



Q_ Aid 13. Deiember verschied nach kurzer 
Krankheit der vortragende Rat Im Kultusmiuisierium 
Gehelmet Oberbauiat MAX Sfitta im Alter von 
sechzig Jahren. Unter den kirchlichen Bauieu !□ 
Berlin und den Vororten, lu denen er die Entwürfe 
aufgestellt, verdienen besonders die evangelische 
Kirche in Deutsch -Wilmersdorf und die Gnaden- 
kirche im Invalidenpark in Berlin als hervorragende 
Beispiele seiner künstlerischen Eigenart Erwähnung. 
In den letzten Jahren war er vielfach im besonderen 
Auftrage des Kaisers thälig. So wurde er unter an- 
derem mll dem Entwürfe und der Ausführung des 
neuen Altars in der Abteikiiche lu Maria -Laach, 
eines Brunnens In Constantlnopel und eines Denk- 
mals für den Freiherrn VON KettELER betraut. 



verstanden. Sein bedeutendes Dekorati onsialent hat 
er bei Gelegenheit verschiedener Ausstellungen und 
Festlichkeiten durch Entwerfen von Festdehorationen 
beihat igt. 



O Ein Preisausschreiben lUr den Neubau einer 
hShercn TOchterscbule mit Lehrerinnen-Seminar in 
Emden wird vom dortigen Magistrat unter den Im 
Deutschen Kelche ansässigen deutschen Architekten er- 
lassen. Das Preisrichteramt habe;i Qbcrnommen : Regie* 
rungs- und Baurat Behrndt in Aurich, Regierungs- 
und Schulrat BONGRR In Anrieb, Baurat EHRHARDT 
In Berlin, Oberbürgermeister FL'RB'<INGER in Emden, 
Geh. Baurat STÜRBEN in Kein a. Rh., Sladtbaurat 
Dr. C. WOLFF In Hannover, T&cbterschuldirektor 
ZWITZERS in Emden und Bürger Wortführer Consul 
D. Zorn in Emden. Die Bedingungen sind vom Stadt- 
sekrelarlate In Emden lu beziehen gegen eine Ge- 
bühr von 3,50 Mark, die nicht in Postmarken einge- 
sandt werden dürfen. Als Ablieferungstermin Ist der 
I. April ti|03 festgesetzt. 



D Der Archilekl ALF R BD SCHULZ, Teilhaber 
der Firma SCHULZ ä SCHLICHTING, ist am 14. De- 
zember gestorben. Er stand In einem Alter von 4H 
Jahren. Durch die zahlreichen Wohn- und Geschäfts- 
häuser, die unter seiner Mitwirkung in Berlin und 
seiner Umgebung entstanden sind, i^^i sein Name mit 
der baulichen Entwicklung Berlins eng verbunden. 



^>o Am 3j. Dezember starb der Landbauinspektor 
und kgl. Baurat KURT GRUNERT. GRUNERT wurde 
am 30. Mai 1843 in Königsberg i Pr, geboren. Als 
glänzender Aquarellmaler und geistreicher Zeichner 
hat er einem grossen Teile der Im Ministerium drr 
öfTenllichen Arbeilen entworfenen staatlichen Bauten 
eine hervorragende malerische Darstellung zu geben 



ES E'-n WeUhewerb nur Erlangung von Entwürfen 
für em Ratkatts wird von der Gemeinde Oher- 
SchSaiweide bei Berlin ausgeschrieben. Für die 
besten Entwürfe sind drei Preise von 1500, 1500 und 
1000 Mark angesetil, auch können noch zwei weitere 
Entwürfe für je 5C>o Mark angekauft werden. Preis- 
richter sind: Kgl. Baurat FR. Schwechten in Char- 
lotte nburg, Kgl. Bau rat und Stadtbaural LUDWro 
HOFFMANN in Berlin, Geh. Oberposirat HAKE In 
Berlin, Gemeinde- und Amtsvorsteher, BQrgennelster 
a. D. ECKARDT, Gemeindevorsteher, Fabrikbesitzer 
Hebgewaldt und Gemeindebaurai, Regierungsbau- 
meisler Meyer in Obcr-SchSne weide. Die Entwürfe 
sind blä zum 7. April 1903 beim Gemeindebauamt 
einzureichen. Die Unti^rlagen sind vom Gemeindeamt 
gegen Einzahlung von 3 Mark, welche den Einsendern 
von Entwürfen zurückerstattet werden, zu beziehen. 



400 



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'1 

1 



ABB. 632. HAUS WILKE IN GUBEN. ARCHI- 
TEKTEN: SPALOING U. GRENANDER IN BERLIN. 



HAUS WILKE IN GUBEN. GARTENANSICHT DER EINFAHRTSSEITE. 
ARCHITEKTEN: SPALDING UNO GRENANOER IN BERLIN, cm cm 



Das f)aus IDflke in 6uben. 

Architekten: Spaldlfig und Qrenander, Berlin. 



Zu den reizvolUtea Bauaufgab«n, die 
in den letzten Jahren von Berliner 
Architekten gelöst wurden, gehört 
zweifelsohne das Haus Max WiLKE in Guben 
von SpaldinG und Grenander. lieber dem 
Hauptportal wird als Baujahr 1901 ange- 
geben. Die Vorbedingungen, die hier vor- 
lagen, waren nicht die einfachsten. Es war 
zu rechnen mit einer schon vorhandenen 
Villa älteren Stils, welche der Erweiterung 
bedurfte. Um nun aber nicht in Abhängig- 
keit zu geraten von mittlerweile schon ver- 
alteten Bauformen, kapselten die modernen 
Architekten den ursprünglichen Bau der- 
artig in die Erweiterung ein, dass von der 
Hauptschauseite aus nichts mehr von ihm zu 



entdecken ist. Dann kam es, dass im Verlauf 
der Entwurfsarbeiten der Bauherr seine Ziele 
immer höher schraubte, mehr und mehr 
Terain dazuschlug, wodurch der Grundriss 
nach und nach ganz wesentliche Bereiche- 
rungen erfuhr und die Gebäudegruppe das 
vielgestaltige Gepräge erhielt, nicht un- 
ähnlich jenen Schlössern, an welchen sich 
verschiedene Jahrhunderte oder Geschlechter 
betätigt haben. Damit nun die Bewegsamkeit 
sotanen Grundrisses nach aussen hin aus- 
drucksvoll in die Erscheinung trete, haben 
die Architekten das Bauwerk nicht in eine 
einzige Sülschablone hineinkomplimentiert, 
sondern den Grundgedanken möglichst stark 
und anmutig dabei variiert und neuzeitlich 



4Ö4 



malerische Augenweide mit monumentaler 
Würde auf das glücklichste zu vereinigen 
verstanden. 

Auch Ort und Zweckbestimmung kompli- 
zierten die Aufgabe. Das Haus WiLKE ist 
nicht eigentlich ein Landhaus, hinwiederum 
auch nicht als Palais gedacht. Es weist 
vielmehr eine eigenartige Mischung städ- 
tischer und ländlicher Charakterzeichen auf. 
Das Grundstück liegt in Guben an der 
verkehrsreichen Bahnhofstrasse, sonst aber 
ist, wie aus den angrenzenden Häusern zu 
ersehen, die Umgebung kleinbürgerlich und 
kleinstädtisch. Es war daher nicht ange- 
bracht, das vornehme und grossräumige 
Wohnhaus in Reih und Glied zu stellen. 
Es zog sich also von der Strasse zurück, 
um zugleich über die Gartenmauer hinweg 
nach der Strasse hin zu repräsentieren, und 
als vorgeschobener Posten gegen den Ver- 
kehr waren Einfahrt und Fortierhaus be- 
rufen. Andererseits geniesst das Haus alle 
Annehmlichkeiten einer Villa, da es von 
älteren und neueren Parkanlagen umgeben 
ist. Daher denn die verschiedentlichen 
Loggien, Veranden, Wandelgänge, die einem 
Landhaus so wohl anstehen und die Villen- 
Architektur kurzweilig gestalten. Aber 
noch ein fernerer Umstand beeinflusste die 
Entwurfsarbeiten von vornherein. Das hoch- 
gegiebelte System und die turmartig auf- 
strebenden Gebäudeteile bezweckten haupt- 
sächlich, die im Hinterhalt liegende Villa 
gegen die Strasse hin abzufangen und wegzu- 
decken, damit eben nicht störende und zwie- 
spältige Ungleichartigkeiten oder gar die 
Eifersüchteleien zweier verschiedener, ja 
grundverschiedener Bauanschauungen auf- 
kämen und damit das Haus nach aussen 
wie aus einem Guss und ganz aus dem 
Geist der Neuzeit erscheine. Doch man 
denke nun nicht, dass Schau- und Kehrseite 
an dem also erweiterten und modernisierten 
Hause einen unangenehmen Kontrast er- 
geben. Der Uebergang vom Neuen zum 
Alten ist sehr geschickt bewerkstelligt. 
Jener Eckturm mit der charaktervollen 
Walmhaube, den wir auf der Gesamtab- 
bildung als einen starken und abschliessen- 
den Accent erblicken, übernimmt gütigst die 



Vermittelung zwischen der neuen und 
alten Architektur. Bis zu ihm ebbt sich die 
reich bewegte moderne Glanzarchitektur ab, 
und schreiten wir um die Ecke, um die 
Fa<;:ade der alten Villa zu beaugenscheinigen, 
so empfinden wir diesen famosen Eckturm 
als eine durchaus harmonische Angliederung 
an den alten Bau. Dieser schaut gegen den 
alten Park und hier ist eine Welt für sich, 
ein wenig altmodisch, aber friedlich und 
idyllisch und anheimelnd durch die Kunst 
des Gärtners. Die alte Villa ist in Back- 
stein mit Terrakottenornamenten aufgeführt, 
mit gotischen und romanischen Motiven in 
jenem bescheiden zurückhaltenden Berliner 
Stil, der in den fünfziger und sechziger 
Jahren des vorigen Jahrhunderts bei uns 
an der Tagesordnung war. An der neuen 
Fa9ade sehen wir ein geistreiches Spiel mit 
Anklängen an allerlei Stile, aber keiner 
sollte dominieren, damit die frische moderne 
Empfindung, die den ganzen Bau beseelt, 
nicht in eine Schablone gezwängt würde, 
wie denn überhaupt nach heutiger Auffassung 
ein villenartiges Gebäude möglichst von 
stilistisch starrer oder konventionell steifer 
Haltung bewahrt werden sollte. Darin 
spricht sich die deutsche Gemütlichkeit und 
der Hang zu individueller Poesie aus, Eigen- 
arten, die an den Schöpfungen von SPAL- 
DING und Grenander überhaupt so schön 
und bei dem genial behandelten Detail so 
fein anmuten. Vergegenwärtigen wir uns 
ferner, dass eine Hoffront des Hauses WiLKE 
dem italienischen Barock angenähert ist, so 
werden wir uns, auch ohne die alte Fa^ade 
gesehen zu haben, vorstellen dürfen, dass 
in der Gesamterscheinung des Hauses das 
Neue mit dem Alten sich ins beste Ein- 
vernehmen gesetzt hat. Und darauf kam's 
hier an. Die modernen Architekten waren 
zu geschmackvoll, gegen ihren alten Kol- 
legen vor vierzig Jahren herrisch aufzu- 
trumpfen, sie wollten vielmehr einen allseitig 
anheimelnden Bau schaffen und das ist ihnen 
gelungen. 

Um den Grundriss in seiner Eigenart und 
Eleganz recht zu würdigen, müssen wir mit 
einigen Personalien aufwarten. Die alte 
Villa hatte sich der wohlbekannte Fabrik- 



405 



besitzer Geheimrät FRIEDRICH WlLKE in 
jungen Jahren erbauen lassen und machte 
sie im Laufe der Jahrzehnte hauptsächlich 
für Gesellschaftszwecke dienstbar. Danach 
überliess er sie seinem Sohn, Herrn MAX 
WiLKE, als den Grundstock eines eigenen 
Hausstandes und so kam es, da der gegebene 
Bau den modernen Ansprüchen nicht mehr 
genügte, ganz natürlich zu einer erheblichen 
Erweiterung, die begreiflicher Weise in der 
heute üblichen Diele oder Halle gipfeln 
musste. Betrachten wir den Grundriss des 
Untergeschosses, so haben wir beim Eintritt 
in das Vestibül zur rechten Hand, anstossend 
an Galerie, Halle und Empfangszimmer, 
die Brandmauer der alten Villa, die nun- 
mehr an drei Stellen durchbrochen ist. Das 
risalitartig vorragende Treppenhaus, Näh- 
zimmer, Anrichteraum, Speisezimmer, Rauch- 
zimmer, Salon und Bibliothek gehören 
zum alten Reich, alles übrige aber umfasst 
den Erweiterungsbau, Man sieht, dass das 
neu Angegliederte dem Hause die moderne, 
grosse und vornehme Haltung verliehen hat. 
Das vermittelnde und einigende Mo- 
ment zwischen dem alten und neuen Teil 
wird durch die monumentale Ausbildung 
der neugeschaffenen Hauptaxe gegeben. 
Diese verläuft durch Galerie, Halle und 
Empfangszimmer, und da haben wir eine gross- 
artige und berückend schöne Raumfolge von 
etwa 33 m Länge, und natürlich kommt hier 
die repräsentative Würde des Hauses voll zur 
Geltung, Im übrigen erkennt man an den 
Grundrissen ohne Weiteres die individuellen 
Gepflogenheiten des Bauherrn, der ein 
eifriger Kunstfreund ist, wie auch aus dem 
sehr geräumigen Bildersaal hervorgeht. 
Dieser Raum bildet abseits eine Welt für 
sich, er ist den Raumfolgen angegliedert, 
wie etwa in alten Schlossbauten die Kapelle. 
Er hat Oberlicht und daher keine korres- 
pondierenden Räume im Obergeschoss. 

Der Erweiterungsbau hat also die alte 
Villa sozusagen liebevoll in die Arme ge- 
schlossen und sichert sie vor der Aussen- 
welt. Ganz merkwürdig ist die starke Aus- 
ladung des Grundrisses an der der Bahnhof- 
strasse zugekehrten Ecke jenseits des Wohn- 
zimmers. Man kommt da in einen Korridor, 



an den eine Loggia, die auch als Winter- 
garten zu verwenden, anstösst, die Wendel- 
treppe in dem aussen sich malerisch prä- 
sentierenden Treppenturm führt in Ver- 
bindung mit dem Wohnzimmer zu den be- 
sonderen Zimmern der Frau. Diese Aus- 
ladung, die in den gegebenen Terrain- 
verhältnissen nötig wurde, haben die Archi- 
tekten zu ihrem Hauptschlager in dem hoch- 
gegiebelten Prunkflügel gestaltet und gerade 
dieser beherrscht die Strasse und Umgegend 
und er gab auch den Gedanken zu einer 
weiteren und äusserst reizvollen Besonderheit 
der Bauaufgabe. Von jener Wintergarten- 
Loggia führt ein vornehmer Wandelgang 
bis zum Portierhause oberhalb der eben- 
erdigen Kegelbahn, die zwar nicht auf dem 
Grundriss, wohl aber auf den Abbildungen 
zum kleinen Teil angedeutet ist. Die Kegel- 
bahn ist im Aeusseren in Backstein aus- 
geführt, sie zeigt Rundfenster und Wasser- 
speier und zur Abgrenzung des oberen 
Wandelganges eine Balustrade. Gegen die 
Nachbargrundstücke ist eine mit Spalieren 
bekleidete Wand aufgerichtet, und man 
wandelt hier in einer Allee von Lorbeer- 
bäumen. Im Innern besitzt die Kegelbahn, 
um es gleich hier zu sagen, eine Balken- 
decke und einen schlicht-schönen Kamin 
mit Eisenträgern imd einen Hintergrund 
von grünlichen Fliesen. Das Kamindach 
ist aus Bronzeblech, dessen Füllung rings- 
um die durchbrochene Heizöffnung ver- 
silbert ist. Die Türen sowie überhaupt 
alles Holzwerk sind aus dunkelrot lasiertem 
Kiefernholz gearbeitet. 

Was nun die äussere Wirkung des Hauses 
Wilke anlangt, so sagen wohl unsere Ab- 
bildungen das wesentliche. Hinzuzufügen 
wäre hier nur der Nachweiss des Materials 
und der besonderen Farbenstimmung, auf 
welche die Architekten in allen Teilen ein 
bedeutendes Gewicht gelegt haben. Das 
tritt gleich an Einfahrt und Portierhaus zu 
Tage. Wie schön sind hier die schmiede- 
eisernen Gitter inscenierti Gegen die hellen 
Sandsteiniunfassungen treten die dunklen 
und starken und dabei doch graziösen 
Linien des Schmiedewerks in wirkungs- 
vollen Gegensatz. Ueber das Rot der 



4o6 



Ziegelwände hinweg nehmen die Schiefer- 
dächer den tiefblauen Eisenton der Gitter 
wieder auf. Und gegen die lichtabsorbie- 
renden Fensterflächen stehen die starkbe- 
tonten Sandsteinrahmen, wodurch ein hell- 
aufspringendes Leben und eine fröhliche 
Bewegsamkeit * über die Strassenfront 
gaukelt. Aber noch mehr. Der Wechsel 
des Backsteiogemäuers und der Hängeziegel 
im Oberteil belebt ungemein. Dazu kommt 
ferner, dass an Portierhaus und Einfahrt 
die Profile in Holz geschnitzt und weiss 
bemalt sind und dass die weissen Holz- 
ornamente an dem vorgekragten Giebel 
und dem anmutigen Fenster darunter sich 
gegen Goldgrund abheben, so dass man 
etwa einen Eindruck hat wie von weissen 
Wolken am Maienhimmel. Und schliess- 
lich sind die kupfernen Rinnen am Dach 
und die Wand herab vergoldet und rötlich- 
grün abgetönt. Also im ganzen eine 
farbige Erscheinung von faszinierendem 
Reiz. An den Fronten des eigentlichen 
Wohnhauses bringt gleichfalls der lebendige 
Wechsel von Ziegel und Sandstein bei 
ruhigem Oberton der Schieferdächer einen 
festlich heiteren Akkord mit sich, der mit 
der Vielgestaltigkeit der Bauformen und 
dem feinen Detail des Standsteinornaments 
auf das schönste zusammenklingt. Begreif- 
lich, dass auf das würdig und zierlich vor- 
strebende Hauptportal der Hauptaccent des 
Schmuckes gesetzt ist. Wohlig gespreizt 
greifen die Voluten über das Stammbaum- 
Medaillon, welches dieBauherrn-Initialen ent- 
hält. Die Embleme und Allegorien der 
Portalpfciler und Umrahmung versinnbild- 
lichen die Beweglichkeit, die Strenge, den 
Ernst und das Glück des Grossgewerbes. 
Diese Details gemahnen an die sonnigste 
Schaffensfreude der Renaissance. 

Natürlich ist das Hauptportal auch ein 
Herold all der Schönheiten, die an der 
Längsaxe iminnern entfaltet sind. Zuerst 
ist die Galerie, die zur Halle führt, monu- 
mental ausgebildet. Ein prachtvoller Kamin 
grüsst den Eintretenden, vier Korbbögen 
tragen die reich mit Stuck verzierte Decke. 
Der Schmuck bewegt sich in graziös ge- 
zogenen, geschwungenen Linien, wallenden, 



flatternden Bändern und in dieses rinnende, 
strebende Linienwerk sind die modern em- 
pfundenen und feinausgearbeiteten Orna- 
mente freihändig eingetragen. Von der 
Galerie hat man Zutritt zum Wohnzimmer und 
zu der sehr geräumigen und opulenten 
Kleiderablage. Dieser letztere Raum ist mit 
weissen Schränken ausgebaut, die Wand 
darüber in einem zarten Rosacreme* Ton 
gehalten und die zierlich einfach ge- 
schmückte Decke erstrahlt wiederum in 
einem blendenden Weiss. Die hochgewölbte 
Diele oder Halle zeigt das Können von 
Spalding & Grenander begreiflicherweise 
in vollster Entfaltung. Nichts da von der 
altdeutschen Schwere, von ftiriösem Barock- 
pomp, von dem heute beliebten Protzenstil. 
Schlank und elegant steigt die Halle durch 
das Haus empor, in dem edlen Material 
und in der künstlerisch feinbeseelten Arbeit 
deutet sich ein decent zurückhaltender Reich- 
tum an. Von einem ornamentalen Fries 
vielleicht abgesehen, ist da nicht ein Deut 
zu viel an Schmuck in den Raum hinein- 
getragen, aber auch keiner zu wenig. Der 
feine Takt der Architekten bedingt die 
Vornehmheit der Halle, die, um der mo- 
dernen Geselligkeit gerecht zu werden, auch 
durchaus modern empfunden und durch- 
geführt ist. Die lichte, vornehme und 
heitere Haltung dieses Hauptraumes ist in 
erster Linie bewirkt durch das leichte, an- 
mutige und ununterbrochene Spiel der 
Architekturlinien. So sind die Pfeiler, die 
sich in Kreuz-, Stich- und Tonnengewölbe 
einschwingen und einschmiegen, von Kapi- 
talen verschont geblieben, der Rhythmus 
ist durch ein Zusammenklingen der Flächen 
und Farben bewirkt, so eine musikalische 
Nuance macht sich hier fühlbar. Und in 
der That wird die Diele mit Vorliebe auch 
zu musikalischen Ergötzungen herangezogen. 
Das schöngefügte und durch den feinen 
Stuckfries betonte Innenfenster über dem 
Empfangszimmer öffnet sich nach einer 
Nische im Obergeschoss, wo eine Orgel 
oder ein Harmonium Aufstellung gefunden 
und die von dort herabtönende Musik soll 
— so wird mir berichtet — sich einer aus- 
nehmend günstigen Akustik zu erfreuen 



407 



haben. Wand und Wölbungen der Diele 
sind in einem aetherischen Weiss gehalten. 
Das hohe Paneel sammt der zum Speisesaal 
führenden Prachithür weisen dunkel ge- 
beiztes Eichenholz auf mit noch dunkleren 
Einlagen und Füllungen aus italienischem 
Nussbaum. Die Treppe ist gleichfalls in 
Eiche gearbeitet, nur dass hier am Geländer 
in den Bronce-Einstellungen ein hellerer 
Oberton die schwebende, steigende, wallende 
Liniensymbolik lebhaft betont. Einen poe- 
tischen Winkel in der Diele bildet eine 
Brunnen- Nische, die malerisch reicher aus- 
gestattet ist. Der Sandsteinbrunnen unter 
dem mystisch erstrahlenden Fenster ist mit 
Bronzeornamenten montiert, die Wände er- 
gleissen in Fliesenbelag und hier stehen 
zwei sehr schöne Eichenbänke mit Nuss- 
baum -Einlagen. Es herrscht eine wunder- 
volle Stimmung in diesem lauschig ab- 
gegrenzten Raum. 

Endlich als ein Schluss-Effekt der Haupt- 
axe und als letzte Steigerung ist das an die 
Diele angegliederte Empfangszimmer mit 
besonderer Liebe von den Architekten aus- 
gestaltet und ausgestattet. Schon die pracht- 
volle Eichenholzeinstellung im hochsteigen- 
den Eingangsbogen verkündet die dekora- 
tive Bedeutsamkeit des Zimmers. Es fallt 
ein blaues Licht durch das kunstvolle Fenster 
und dieses blaue Fenster grüsst den Ein- 
tretenden durch die ganze Länge des Hauses, 
so ähnlich wie die blaue Wunderblume der 
Romantik. In das Blau spielt der Schein 



der ungemustertea japanischen Goldleder- 
tapeten, die Balkendecke ist leicht gewölbt, 
die Balken in kräftigem Rot und in den 
Intervallen wiederum Gold. Das Paneel 
und die eigenartig feinlinig profilierte und 
mit glatten Bronzeteilen bekleidete Tür sind 
aus mattpoliertem Altmahagonyholz gear- 
beitet und dann berührt es reizvoll, wie das 
unter dem Fenster an drei Wänden sich 
hinziehende Sofa in zwei kleine Schränke 
endigt, welche im Unterteil die Heizkörper 
in sich fassen. Das ist hier im Hause WiLKE 
unstreitig das schönste Interieur. Aus dem 
Empfangszimmer gelangt man dann linker 
Hand in den mit neueren Meisterwerken 
reich besetzten Bildersaal, Die dekorative 
Ausstattung ist hier natürlich massvoll. 
Das niedrige Paneel ist aus hellgrauem, 
durch Lisenen gegliederten Eichenholz, die 
Wandbespannung hellrötlich und die Ober- 
lichtvoute durch feines Stabwerk geziert. 
Alles in Allen bietet sich das Haus WiLKE 
in Guben als ein Bijou Berlinischer Bau- 
kunst und vornehm moderner Innenkunst 
dar. Aber ein derartig vollendetes Werk 
konnte nur gezeitigt werden, da Bauherr 
und Architekten in der Begeisterung für 
edelste Kunst einmütig zusammenstimmten, 
der Bauherr die Künstler nach eigenster 
Eingebung walten liess und die Architekten 
hinwiederum sich feinfühlig in den ganzen 
Kreis der ästhetischen Lebensanschauungen 
des Bauherrn hineinzudenken verstanden, 
M.R. 



408 




■x f HAUS WILKE IN GUBEN. k= u= 
ABB. 634. STRASSENANSICHT DER 
EINFAHRTSSEITE. ~ ARCHITEKTEN: 
SPALDINQ U. QRENANDER IN BERLIN. 



HAUS WILKE IN GUBEN. ~ 
DETAIL DER HAUPTFASSADE. 
ARCHITEKTEN: SPALDINQ U. 
QRENANDER IN BERLIN. >< 



HAUS WILKE IN GUBEN. '^ 
GIEBEL AM PFÖRTNERHAUS. 
ARCHITEKTEN: SPALDING U. 
GRENANDER IN BERLIN. >o 



HAUS WILKE IN GUBEN. "■ 
DETAIL DER HALLE. - ^ 
ARCHITEKTEN: SPALDINQ U. 
QRENANDER IN BERLIN. ^ 



HAUS WILKE IN GUBEN. "= 
«" »■ HAUPTPORTAL. '^ ■« 
ARCHITEKTEN: SPALDING U. 
GRENANDER IN BERLIN, i« 



<» HAUS WILKE IN QUBEN. >o 
EINGANG ZUM PFÖRTNERHAUS. 
ARCHITEKTEN: SPALDINQ U. 
GRENANDER IN BERLIN. >° ^ 



HAUS WILKE IN GUBEN. ~ 
»1 •» GROSSE HALLE. ~ "■ 
ARCHITEKTEN: SPALDING U. 
GRENANDER IN BERLIN. ~ 



HAUS WILKE IN GUBEN. "• 
■" "^ GROSSE HALLE. >o u= 
ARCHITEKTEN: SPALDING U. 
GRENANDER IN BERLIN. ■<> 



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■»■ HAUS WILKE IN GUBEN. ^ 
EINGANG ZUM EMPFANGSZIMMER. 
ARCHITEKTEN: SPALDING UND 
GRENANDER IN BERLIN. ><> us 



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HAUS WILKE IN GUBEN. ~ 
KAMIN IN DER KEGELBAHN. 
ARCHITEKTEN: SPALDING U. 
GRENANDER IN BERLIN. ~ 



~ HAUS WILKE IN GUBEN. ~ 
DETAIL DER TREPPE IN DER HALLE. 
ARCHITEKTEN: SPALDING UND 
QRENANDER IN BERLIN. ~ ~ 



HAUS WILKE IN GUBEN. WENDEL- 
TREPPEZU DEN ZIMMERN DER HAUS- 
FRAU. "= ' ARCHITEKTEN: SPALDING 
UND GRENANDER IN BERLIN. ~ 



HAUS WILKE IN GUBEN, i^ i^ 
EINFAHRTSTOR UND PORTAL. 
ARCHITEKTEN: SPALDING U. 
GRENANDER IN BERLIN. ><> 



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Mo.lThaus. "B- 6»1- 

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DAS NEUE MOTIVHAUS IN CHARLOTTEN BURG. ANSICHT VON DER 
HARDENBERGSTRASSE. ARCHITEKTEN: REIMER UND KÖRTE IN BERLIN. 





ABENDMAHL. RELIEF IN DER APSIS DER REFORM. KIRCHE ZU SOLINGEN. 
ARCHITEKT: A. EUGEN FRITSCHE. BILDHAUER: W. HAVERKAMP, BERLIN. 



GRABFIGUR IN DER FÜRSTENGRUFT ZU DESSAU. ARCHITEKT: 
FRANZ SCHWECHTEN. BILDHAUER: W, HAVERKAMP, BERLIN. 



u> KINDERFOTTERUMG. (kl 
H. E. LINOE-WALTHER, BERLIN. 



u> BEI DES TAGES ARBEIT. ^ 
VON THEODOR ELFERT, BERLIN. 



OAMENBILDNIS MIT HUND fo 
VON CARL ZIEGLER, BERLIN. 



STERNENNACHT VON C. KAYSER-EICHBERG, STEGLITZ. 



426 



ABB. 661 u. B62. DEKORATIVE MALEREIEN VON MAX KOCH, BERLIN. 



ABB. 663 u. 664. REISESKrZZEN VON MAX KOCH, BERLIN 



438 



SKIZZE ZU EINER WANDMALEREI FÜR 
DAS RATHAUS IN CHARLOTTENBURQ. 
VON ALB. MAENNCHEN, BERLIN, r« ro 



HANDGEKNOPFTER ZIMMERTEPPICH UND 
NÄHTISCH. NACH ENTWÜRFEN VON WILH. 
FREIHERR VON TETTAU, ARCHITEKT, BERLIN. 



VORSAAL AUSGEFÜHRT VON MAX BODENHEIM, BERLIN 



HOHER OFEN- 
SCHIRM. ENT- 
WORFEN UND 
AUSGEFÜHRT 



VON RA 
U. RUDOLF 
WILLE IN 
STEGLITZ. 



SKIZZE ZU EINEM BETT. ARCHITEKT: LEO NACHTLICHT, BERLIN. 



SKIZZE ZU EINEM BÜFFET. ARCHITEKT: LEO NACHTLICHT, BERLIN, 



TINTENFASS. ro ENTWOREN VON 
J. H. BINGLER, ARCHITEKT, BERLIN 



ABB. 673. BELEUCHTUNGSKÖRPER ABB. 674. BELEUCHTUNGSKÖRPER 

VON DER AKT.-GES. FÜR FABRIKATION VON HEINRICH VOGELER, WORPS- 

VON BRONZEWAREN UND ZINKGUSS WEDE. ro t« AUSGEFOHRT VON 

VORM. J. C. SPINN & SOHN, BERLIN KELLER &. REINER, BERLIN. ra 



RÜCKWAND EINES GRABDENKMALS NACH DEM 
ENTWURFE VON ARNO KÖRNIG, ARCHITEKT 
IN WILMERSDORF AUSGEFÜHRT VON SCHULZ 
UND HOL DEFLEISS, KUNSTSCHMIEDE, BERLIN. 



ABB. 676 U. 677. FRONTGITTER AM HAUSE 
MOTZSTRASSE 57. ~ ~ ENTWORFEN 
VON OSCAR USBEOK, ARCHITEKT, BERLIN. 



O !>'' /"'' ^"* Aitnditsmck im KuuUgemtrbt- 
mustvm k*rgerickieU RentiisanctatusUllutig ist ge- 
scbloaseu, Ihre Majestälcn der Kaiser und die Kai~ 
serin haben dieselbe am i. Februar besichtigt, ebenso 
Seine Kgl. Hoheit Prinz Helorlch. Zurieit Ist aas- 
gestellt) Festzeug zum Gebfauch des Hofes bei Grund- 
siel aleguagen, EDtbBUuagen und ähnlichea feierlichen 
AdUmcd. In dem Festseug befinden sich alle fiQr solche 
Gelegenheiten nötigen AusslattungsslQcke: Wand- 
teppiche mit Wappenzeicben, Tbronsessel und son- 
stige Stühle, Rednerpult, Tisch mit Schreibzeug und 
Dokumentenmappen, Fusstepplche und silbernes Ge- 
rät, Hammer, Kelle und Mulde. Das Ganze ist im 
Staatsauftrag unter Leitung des Kunsigewetbemuseums 
auagefOhrt worden. 

1( £»« Pfiiaussekreibe» aur Erlangung nfti 
Entwürfen für künsIltrUch durckgebildete Gas- 
btUudU-ungskörper wird vom Vorstand des deutschen 
Vereins von Gas- und Wasserfacbmänneta erlassen. 
Verlangt weiden ein Kronleuchter von 3 — 6 Flammen, 
ein Wandarm von 1 — 3 Flaosmen und eine Tisch- 
lampe, passend zur hiuslicben Beleuchtitng. Von 
jedem Entwürfe Ist eine Werkielchnung in nattUlichcr 
GrAsse mit den nOtigen Details und Scüinitteo, aus 
denen die tu verwendenden Materialien und die Kon- 
struktion klar ersichtlich sind, und eine farbige per- 
spektivische Skizte in einen nicht lU kleinen Mass- 
siabe clnzullefein. Für die besten Arbeiten ist je 
ein Preis von 1000, 700, joo und 300 Mark ausgesetzt. 
Die Preisrichter sind jcdocb berechtigt, die Preise 
auch In anderer Welse auf die EntwQrfe zu verteilen ; 
der Verein behält sich das Recht vor, nicht preis- 
gekrönte Arbeiten tum Preise von je aoo Mark an- 
zukaufen. Die preisgekrönten und angekauften Ent- 
würfe geben zur beliebigen Verwendung In das Eigen- 
tum des Vereins Qber. Preisrichter sind; Kgl. Bau- 
rat Beer und Professor CREMBr zu Berlin, Direktor 
DRORY zu. Frankfurt a. H., Museum sdlrektor FRAU- 
BERGER und Professor SCHILL lu Düsseldorf, Pro- 
fessor VON TBIERSCH zu MOnchen. Die Arbeiten 
sind ohne Namen und Zelcbenangabe alt Motto zu 



versehen und nebst einem dasselbe Motto tragenden 
Briefumschläge, in welchem sich die genaue Adresse 
des Verfassers befindet, bis zum 15. April einschliess- 
lich franko an das Kunstgewerbemuseum, DDsseldorf 
Friedrichsplatz 3 — j, einzuliefern, oder spätestens zu 
derselben Zeit der Post aufzugeben. 

# Zur BrSauuHg von Garlmstädlin hat sich 
eine Garlenstaäl-Gesel/seka/l gebildet. Dieselbe will 
die Erfahrungen benutzen, die In England nach dieser 
Richtung gemacht sind, wo schon in dem von CAD- 
BURY begründeten Bournvllle die erste Gartenstadt 
entstanden ist Die engere Leitung der G&rtenstadt- 
Gesellschaft bilden HEINRICH HART als VorsiUender, 
Dr. W. GEBHARDT als GeschaftsftlhTer, WILHELM 

MiESCHEL als Scbaizmelster. Die Mitgliedschaft 
wird durch Zahlung eines Jabrcfbeitiags von min- 
destens 3 Mark erworben. Anmeldungen zur Mit- 
gliedschaft sowie Anfragen u. dgl. sind zu richten 
an die Hauptgeschäftsstelle der Gartenstadt-Gesell- 
schaft, Schlachtensee. Seestrasae 35, oder an die 
Nebt ngeschäft SS teile, Berlin W 64, Unter den Linden ifi, 
Quergeb. I. z. H. des Geschäftsführers Dr. W. GEB- 
HARDT. Die Miiglledsbelttäge, die in erster Linie 
Eur Bestteilung der Kosten der Propaganila dienen 
sollen, nimmt der Schatimeister WILHELM M[HscHEL, 
Scblacbtensee, Seestrasse 35, entgegen. 

^ In dem Wetiteweri für ein Landeshatts in 
Wiesbaden gewann den ersten Preis der Entwurf 
,CerUal- der Architekten PAUL HUBBR und FRIED. 
W. Werz In Wiesbaden, den zweiten Preis der Ent- 
wurf „ZehgeUf der Architekteo CRBUBR & WOLFPEN- 
STBIN EU Berlin, den dritten Preis der Entwurf 
.Jedem das Seine' der Architekten ERNST RANG 
und Arnold SlLBBRSDOIur zu SchSneberg-Berlln. 
Zum Ankauf empfohlen wurde der Entwurf „Konkav 
von Paul Bonatz und Friedrich Faulsen zu 
Stuttgart und der Entwurf „Bach" der Architekten 
Paul Huber und Fried, w. Werz unter Mitwirkung 
des Architekten HINDERHANH lu Wiesbaden. 



436 



Nea erschieneae Fachliteratur. 

Zu beliehen durch Bmst Wasmoth» Berlin W« 8, 
Markgrafenstrasse $$• 

Architekt, Der, von Willy Jänecke. (Buch der 
Berufe Bd. IX) mit zahlreichen Abbiidung^en im 
Text und Titelbild. 8<» gebd M. 4,— 

Biberfeld, Dr. J., Die Sicherung der Bauhandwerker. 
90 S. Text 80 brosch M. 3,— 

Das Bauernhaus in Oesterreich-Ungarn und in sei- 
nen Grenzgebieten. Herausgegeben vom Oester- 
reichischen Ingenieur- und Architekten - Vereine. 
60 Tafeln m. 60 Seiten reich illustr. Text. Gr.- 
Fol. in Mappe. 4 Lieferungen, davon 3 erschie- 
nen M. 45,— 

Details, Charakteristische, von ausgeitihrten Bau- 
werken mit besonderer BerOcksichtigung der von 
Hugo Licht herausgegebenen „Architektur des 
ao. Jahrhunderts**. Jahrg. II. Heft 3/3. 40 Tafeln 
33X46 cm Lichtdruck brosch. 

Preis des completen Jahrgangs . . M. 30, — 
Ausland 36, — 

Handbuch der Architektur III. 3. III. Ausbildung 
der Fussboden-, Wand- und Deckenflächen. Mit 
515 Abbildungen im Text und i Tafel. S^broch. 

M. 18,— 

Iszkowski, R., Die Anforderungen des Strassen- 
verkehrs. 8° broch M. — ,90 

Krawutschke, J. P., Imago Picta. Eine farbig-figür- 
liche Formenfolge. 13 Tafeln, gr. Fol. in Mappe. 

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Olbrich, Josef M., Architektur. Lieferung 9/10. 
30 Tf. in Kunst- u. Farbendruck, Fol. M. 40, — 
Das Werk liegt nunmehr vollständig vor. 

Ortlieb Walter, Moderner Schmuck, x 6 farbig ge- 
haltene Tafeln nach Original-Bntwflrfen. Qu. 4° 
gebd M. 8,— 

Paukert, Zimmergotik in Deutsch-Tirol. VII. Smlg. 
33 Tfln. mit Erläuterungen. Fol. i. Map. M. 13, — 

Reinhardt, Robert, Die Gesetzmässigkeit der Griechi- 
schen Baukunst, dargestellt an Monumenten ver- 
schiedenen Bauperioden. I. Teil: Der Theseus- 
tempel in Athen. 13 Tafeln in Doppelformat mit 
Text, gr. Folio in Mappe Mk« 30, — 

Riegelmann, G., Ausgeführte Ornamente. 6 Liefgn. 
von je 13 Tafeln Kunstdruck. Format 33X48 cm. 

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Lieferung i — 4 erschienen. 

Sarre, Dr. Friedrich, Denkmäler persischer Baukunst. 
5 Liefg. von je 17 Blatt im Formate 53:36 cm. 
Lichtdruck nach Originalaufnahmen, Chromolitho- 
graphien und Illustrierter Text. Preis jeder 

Lieferung Mk. 45, — 

Lieferung 4 soeben erschienen. 

Seder, Anton, Moderne Malereien, lo Lieferungen 
fon je 5 Tafeln i. Farbendruck, Format 35x50 cm. 

Preis jeder Lieferung M. 10, — 

Lieferung t ist erschienen. 



Wayss & Preytag, A. G., Der Betoneisenbau, seine 
Anwendung und Theorie. Theoret. Teil bearb. 
v. Reg. Baumstr. E. Morsch. 118 Seiten gr. S^ m. 
78 Abbildungen. Elegant gebunden. • M. 6, — 



A ttl unsere Inserenten Im Anzeigenteil 
^^ dieser Nummer machen wir hiermit 
ganz besonders aufmerksam« Bei Bestel- 
lungen beziehe man sich gütigst auf das 
betreffende Inserat In der »»Berliner Archl- 
tekturwelt.«« 



ACT.-GBS. SCHAEFPBR & WALCKBR, Berlin, Central- 
heizungs- und Lflftungs - Anlagen. Beleuchtung. 

ACT.-GB8. J. C. Spinn & Sohn, Beleuchtungsgegen- 
stände, Berlin. 

A. BBNVBR, Hofl., Stall- und Geschirrkammer -Ein- 
richtungen, Berlin NW. 

BBRKBFELD FilTBR-WBRKB, G. m. b. H., Celle L H. 

BONNESS & HACHFBLD, Buchhandlung, Potsdam. 

DBUTSCHBS LUXPER-PRISMEN-SYNDIKAT, G. m. b. R, 
BERLIN S. 

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VORM. M. L. Schleicher Granit-, Syenit- u. 

MARMORWBRKE, Berlin NW. 
Dicker & WERNEBURG, Centralheixungs- u. Lflftungs« 

Anlagen, Halle a. S. 
DlTTMAR^S MÖBELFABRIK, Wohnungseinr., Berlin C. 
Dortmunder Mosaikfabrik RUD. LEISTNER, Dortmund. 
FABRIK HEIMISCHER FARBEN, München. 
PAUL FÖRSTER, Glasmalerei und Kunstyerglasung, 

Berlin W. 
O. FRITZE & Co., Anstrich für Heiskörper, Offen- 
bach a. M. 
O. FRITZSCHB, Hoffflöbelfabrik, München. 
F. Genth, Ciosetfabrik, Krefeld. 
Golde & RAEBEL, Kunstschmiede, Berlin-Hallensee. 
Grünzweig & Hartmann Korkstein, Ludwigshafen. 
Otto Hetzer, Holzpflege und Holsbearbeitung A. G., 

Weimar. 
Victor Hillmer, Kunstschmiede, Berlin SW. 
Ernst JABCKBL, Bildhauer, WilmeradorE 
JULIUS JAROTZKI, Zimmereinrichtungen, Berlin SO. 
KELLER & REINER, Wohnungseinrichtungen, Berlin W. 
LlON KiESSLING, Wohnungseinrichtungen, Berlin SO. 
FERD. Paul Krüger, Kunstschmiede, Berlin SW. 
HEINRICH KUNITZ, Ornamenten-Fabrik, Berlin SO. 
CARL MÜLLER, Tischlerei f&r Holz-Arch., Berlin SO. 
JOHANN Odorico, Glas-Mosaik-Ges., Berlin SW. 
QUANTMBYER & EICKB, Hansa-Linoleum, Berlin W» 
RANSBACHER MOSAIK- UND PLATTEN - FABRIK, 

G. m. b. H , Ransbach. 
KlETSCHEL & HENNEBERG, Centralheizungen und 

Ventilations-Anlagen, Berlin. 
O. Scheer, Ciseleur, Berlin SW. 
ROBERT SCHIRMBR, Bildhauerei, Berlin W. 
HERMANN THORWEST, Installationsgeschäft, BerlinSW. 
TORGAMENTWERKE, G.m.b.H., Leipzig. 
OTTO VITTALI, Atelier für Glasmalerei, Berlin W. 
FRANZ Zeller, SteiomeUgeschäft, Miltenberg a. M. 



VBrantwortlich Ar die SchrUUeitang : Dr. Adolf BsOmHG, Berlin. — Verleg Ton Erhst WASMUTHy Berlin W., Mnrkfrafenetr. 35. 
Gedreckt bei JULros SrmsnLD, Berlin W., ManeretraMe i%. u. — Clirli^a ron Cakl SchOttb, Berlin W. 



INHALTS-VERZEICHNIS. 



TEXT-BEITRÄGE '^'" 

Architekturstudium, Ueber. Von ARNOLD NÖL- 

DBKE 263 

Ausstellung, Die, des Vereins für deutsches 

Kunstgewerbe in Berlin. Von PETER JESSEN 327 
Berlin auf der I. internationalen Ausstellung flkr 

dekorative Kunst in Turin 1902. Von LEO 

NACHT 75-205 

Fassade, Die neugestaltete, am Strassenhaose. 

Von A. L. PLEHN aai 

Haus WiLKE, Das, in Guben. Von M. R. . . 403 
JACOBSTHAL, JOHANN EDUARD. Ein Gedenkblatt 

Von HANS SCHLIEPMANN 39 

Kunstausstellung, Zar grossen Berliner, 1902. 

von Dr. ERICH WiLLRICH 1 1 1 

Kunstgewerbe, Das, in Berlin i 

Ministerialgebäude, Das, in Rudolstadt. Von 

Adolf Härtung 296 

Schmiedekunst, Die, in Berlin. Von ADOLF BrÜ- 

NING 365 

SticHLINGS, OTTO, Arbeiten, und der Kölner 

Pallenberg-Saal. Von RUDOLF KLEIN . . 183 

Villa StOLLWERCK in Köln. Von ADOLF 

BRÜNING 149 

Wanderung, Eine, durch die Ausstellung des 
Vereins für deutsches Kunstgewerbe in Berlin. 
Von A. BRÜNING 330 

Weg, Ein, zum Stil. Von KARL SCHEFFLER . 291 

Wettbewerb, Der, fQr EntwQrfe zu einem Bogen - 

licht-Kandelaber. Von ERNST SPINDLER . 255 

Wettbewerb, Zum, für die Umgestaltung des 
Landesausstellungsgebäudes. Von Ad. HÄR- 
TUNG 5 

Zu unseren Bildern: 

I. Architektur i3- 45* 81^ i>9 

n. Malerei 39. 141 

III. Plastik 99. 141 

IV. Dekoration und Kunstgewerbe .... 143 

KLEINE MITTEILUNGEN. 

Chronik aus allen Ländern 30, 67^ S7, 144, 179, 217, 

»5»! a«7, 323» 363- 



Seiu* 

Antriebsvorrichtung, motorische, fiJr versenkbare 

Schaufenster etc 253 

Ausbau des Bades Königswart bei Marienbad . 144 
Ausstellung fQr Abendbesuch im Kunstgewerbe- 
Museum 435 

— für moderne Architektur und Kunstgewerbe 

in Moskau 323 

— II. internationale, för moderne dekorative 
Kunst in Haag 253 

— I. internationale, für dekorative Kunst in 
Turin 1902 38, 71 

— des Kunstgewerbe-Museums in Leipzig . . 324 

— des künstlerischen Nachlasses EDUARD 
JACOBSTHALS 251 

— ständige, fÜrUnfallverhÜtung in Charlottenburg 203 

— des Vereins für deutsches Kunstgewerbe in 
Berlin 87 

Austritt von 16 Mitgliedern aus der Sezession 35 
Auszeichnung von Künstlern ausAnlass derGrossen 

Kunstausstellung in Berlin 253 

— des Malers FRITZ GrOTHEMEYER .... 32 
Beginn des Unterrichts im Atelier WILLY O. 

DRBSSLER 252 

Berichtigungen 251, 287, 363, 399 

Bildung einer Gartenstadt -Gesellschaft zur Erbau- 
ung von Gartenstädten 435 

Bismarck-Denkmal in Lübeck 253 

Berufung H. KAYSERS zum Mitglied des Senats 

der Kgl. Akademie der Künste in Berlin 251 

Beteiligung des Verbandes deutscher Illustratoren 
an der Grossen Berliner Kunstausstellung 1902 
und an der deutsch- nationalen Ausstellung in 

Düsseldorf 32 

Brunnen, monumentaler, in St. Johann . . . 253 
Eintritt SchMUZ-BauDISS in den Verband der 

Kgl. Porzellan-Manufaktur Berlin .... 30 
Einweihung der neuen Hochschule für die bil- 
denden Künste in Charlotten bürg . . . . 324 

— des Ministerialgebäudes in Rudolstadt 251 

— des neuen « Motivhaus ** in Charlottenburg . 324 
Enthüllung des Denkmals DIRCK8BNS . . . 323 
Erbauung eines städtischen Theaters in Kiel 181 



43« 

Srite 

Erlass, ein, des Ministers der öffentlichen 
Arbeiten empfiehlt die Verwendung^ von 
Ziegeln grossen Formats 325 

Ernennung Fr. ADLERS zum Ehrendoktor der 

Theologie 67 

— A. Kellers zum Ehrenmitgliede des Archi- 
tekten-Vereins in Berlin 217 

— Bruno Schmitz zum Mitgliede der Kgl. 
Akadamie der Künste in Dresden .... 87 

Errichtung eines neuen Theaters in Freiburg i. Br. 67 

Erwerbung der Doktorwürde durch H. MUTHESIUS 1 44 
Fachverband für die wirtschaftlichen Interessen 

des Kunstgewerbes 289 

Feuerschutz- Ausstellung, internationale, inLondon 252 
Feuerwehrdenkmal der Stadt Berlin .... 253 
Fischer, Theodor, zum Konservator für Rothen- 
burg o. T. ernannt 363 

Fortführung des Ateliers für Glasmalerei 

A. LINNBMANN 363 

— des Ateliers PATRIZ HUBBR 363 

Fund, höchst bedeutsamer, für die Geschichte 

des Otto-Heinrichsbaues in Heidelberg . . 953 
GusseisenbrOcke, älteste, in England .... 953 
Honorarsätze, die, von der Stadt Paris für 

Architekten aufgestellten 395 

Krankenhaus, Neues, der Stadt Charlottenburg . 68 
Kursus für ornamentales Pflanzenzeichnen in 

Rom 181 

Lehrtätigkeit Joh. OtzEMS an der Kgl. techn. 

Hochschule Berlin . . . . 323 

Linoleum, Verwendung in Wohn- und Geschäfts- 
häusern 989 

MÖHRING, BRUNO, zum Leiter der Deutschen 
kunstgewerblichen Abteilung auf der Welt- 
ausstellung in St. Louis ernannt .... 363 
MÜllabfallapparat, System Maurer & Becher 38 

Porzellanmanufaktur in Sevres 325 

Prämien Verleihung bei Ablegung der zweiten 
Hauptprüfung für den preussischen Staats- 
dienst 959 

Preisbewerbung des Architekten -Vereins Berlin 

zum Schinkelfest 1909 36 

Preisverteilung auf der I. Internationalen Aus- 
stellung für dekorative Kunst in Turin . . 287 
Reichsbankgebände, neues, für Dortmund . . 253 
Reichskommissar für die Weltausstellung in 

St. Louis 1904 324 

Raumgestaltung der Architektur -Abteilung auf 

der Grossen Berliner Kunstausstellung 1902 32 
Schülerwerkstätten für Kleinplastik des Bild- 
hauers ALBERT RBIMANN 959 

Städteausstellung, deutsche, 1903 in Dresden 952, 989 
Stiehl, Otto, Vertretungsweise ein Lehramt 

übertragen 363 

Totenschau: 

BENTLEY, J. F 38 

BERNHARD, HELNRICH 363 

BÖCKMANN, Wilhelm 393 

ECKMANN, Otto 144 

Grunert, Kurt 399 



Seite 

HASE, Konrad Wilhelm 67 

Heyden, Adolf 179 

Linnemann, Alexander 287 

Schulz, Alfred 399 

Spitta, Max 399 

Steindl, e 287 

VoiGTEL, Richard 987 

Uebersiedlung PATRIZ HUBERS nach Berlin 217 

Umgestaltung des Palais des Grossfursten Sergius 

in St. Petersburg 67 

Verbot, das polizeiliche, betr. das Zusammen- 
arbeiten von Künstlern und Künstlerinnen . 325 

Verband deutscher Architekten- und Ingenieur- 
Vereine, 15. Wanderversammlung und 31. 
Abgeordneten- Versammlung 180 

Verein für deutsches Kunstgewerbe, 25 jähriges 

Bestehen des, in Berlin 68 

Verleihung der silbernen Ehrenmedaille für Be- 
schaffung billiger Wohnungen 181 

Vorzüge der zerlegbaren, transportablen Brum- 

MBRschen Häuser 289 

Wandmalereien im neuen Dom zu Berlin . . 35 

Wechsel im Amt als Vorsteher eines Meister- 
ateliers für Architektur 30 

— im Präsidium der Kgl. Akademie des Bau- 
wesens 30 

Zulassung R. HERTELS als Privatdozent an der 

Kgl. Techn. Hochschule Berlin 393 

Zutritt, freier, zu den staatlichen Museen, Galerien 

und Denkmälern Italiens 324 

PREISAUSSCHREIBEN. 

Preisausschreiben für eine monumentale Anlage 

auf dem Königsplatz in Breslau .... 74 

— zur architektonischen Ausbildung von 92 m 
hohen Bogenlicht-Kandelabern 102 

— für einen Bismarckturm auf der Bornaer 
Höhe bei Chemnitz 217 

— für den Bau der Bugenhagen - Kirche zu 
Stettin 180 

— für ein Krematorium auf dem Rhiensberger 
Friedhof bei Bremen 180 

— zu einem Emblem der Weltausstellung in 

St. Louis 1904 252 

— für einen Fassadenentwurf für den Neubau 
der Landesversicherungsanstalt Westpreussen 

in Danzig 217 

— für Fassadenentwürfe zu Neubauten und Um- 
bauten in Danzig 96 

— für Fassadenentwürfe zu einem Wohn- und 
Geschäftshaus einer Mittelstadt qi 

— für künstlerisch durchgebildete Gasbeleuch- 
tungskörper ... 435 

— zu einem Gehäuse für eine Standuhr . . . 100 

— zur Gewinnung einer Abhandlung .... 91 

— für ein städtisches Hallenschwimmbad in 
Pforzheim 69 

— far ein Mc. Kinley- Denkmal in Philadelphia 253 

— für eine evangelische Kirche in Münster 959 

— für ein Kreishaus in Kecklinghausen i. W. 988 



Seite. 

Preisausschreiben für ein Landeshaus in Wies- 
baden 71, 217 

— zur Erlangung von Mustern für Fussböden 288 

— für ein Pflegerinnenheim in Mainz .... 36 

— für ein Rathaus in Eberswalde 217 

— zur Erweiterung des Rathauses in Nienburg 

a. d. W 98 

~ für ein Rathaus für die Gemeinde Ober-Schon- 
weide 399 

— zu einem Um- und Erweiterungsbau des 
Kesfaurationsgebäudes auf dem Steinberge 

in Lauban 251 

— fQr einen Skatbrunnen in Altenburg i. S. . 251 

— um den grossen Staatspreis auf dem Gebiete 

der Architektur für das Jahr 1903 .... 288 

— für einen Erweiterungs - und Umbau des 
Ständehauses zu Kassel 217 

— für ein Stiftsgebäude nebst Küchen- und 
Gärtnerhaus in Honnef 37 

— für eine Töchterschule mit Lehrerinnen- 
Seminar in Emden 399 

— für eine höhere Töchterschule mit Seminar 

in Essen a. d. Ruhr 217 

~ des Verlegers der Malerzeitung in Leipzig . 180 

WETTBEWERBE. 

Wettbewerb für die Hochbauten des neuen 

Bahnhofs in Metz 179 

— zur Erhaltung und Pflege der Bau und Kunst- 
denkmäler in Danzig 323 

— für einen Bismarckturm in Chemnitz . . . 323 

— zur architektonischen Ausgestaltung von 
Bogenlichtkandelabern 179 

— für die Bugenhagenkirche in Stettin . . . 363 

— betreffend „Koblenzer Volksbank** .... 36 

— für ein Krematorium in Bremen 288 

— um eine Dielenuhr 179 

— für eine städtische Festhalle in Siegen . . 89 

— für ein Gemeindehaus der evangelischen Ge- 
meinde in Godesberg a. Rh 89 

— für ein Gymnasium in Bremen 35 



439 

Seite 
Wettbewerb für ein Hallenschwimmbad in 

Pforzheim 288 

— für eine evangelisch-lutherische Kirche in 
Frankfurt a. M 71 

— für eine Kirche und ein Pfarrhaus der Thomer 

St. Georgengemeinde 36 

— für ein KoUegleogebäude der Universität 
Freiburg i. B 287 

— für die An- und Umbauten des Breslauer 
Konzerthauses 89 

— Konkurrenzausschreiben des deutschen Tech- 
niker-Vereins 179 

— für ein Krankenhaus in Saarbrücken . . . 287 

— für ein Landeshaus in Wiesbaden . . . . 435 

— für den Neubau der Landesversicherungs- 
Anstalt Westpreussen in Danzig .... 363 

— für eine höhere und erweiterte Mädchenschule 

in Giessen 36 

— um Muster für Smyrna-Tepplche . . . . 324 

— für ein Pflegerinnenheim in Mainz .... 179 

— für ein neues Rathaus in Eberswalde . . . 363 

— für ein Rathaus in Kassel 102 

— für ein Rathaus in Schmalkalden .... 68 

— für eine Realvollanstalt in Bremen .... 36 

— für den Erweiterungs- und Umbau des Stände- 
hauses zu Kassel 363 

— für ein Stiftsgebäude nebst Küchen- und 
Gärtnerhaus in Honnef 251 

— für eine Synagoge in Bielefeld 179 

— vom Verlag der «Maler Zeitung** in Leipzig 324 

— für ein Verwaltungsgebäude der Hamburger 
Freihafen- Lagerhausgesellschaft 71 

— des Vereins deutscher Verblendstein- und 
Terrakottafabrikanten E. V. für ein Wohn- 

und Geschäftshaus 288 

-> für ein Wohnhaus in Lübeck 288 

BÜCHERSCHAU. 

Bücherschau 102 

Fachlitteratur, Neu erschienene, 74. i xo. 146. 182. 

218. 254. 290. 326. 364. 400 



VERZEICHNIS DER ILLUSTRATIONEN. 



I. Farbige Vollbilder. sdtc 

Rathaus Schmargendorf. J. OTTO KERWIEN, 

Arch I 

Brunnen für Breslau von HUGO LBDBRER, Bildh. 24 
Waldlandschaift, Skizze von H. v. d. WOUDE f 30 
Entwurf zu einem Herrenhaus im Park zu Franz. 

Buchholz. HERM. A. Krause, Arch. . . 38 
Bismarck-Denkmal für Hamburg. BRUNO 

Schmitz, Arch 44 

Vorsaal. Ausstellung in Turin. B. MÖHRING, 

Arch 74 

Dekorative Wandmalerei. Ausstellung in Turin. 

WALTHER LEISTIKOVV, Maler 104 

Studienkopf. Fr. ElSSING, Maler 110 



Seile 

Volksbadeanstalt Oderbergerstr. 158. LUDW. 

HOFFMANN, Arch 118 

Detail der Bronze „Musik** im Kunstgewerbe- 
Museum in Köln von O. STICHUNG, Bildh. 183 

Studienkopf zu einer Anbetung. FRANZ ElSSING, 

Maler 243 

Severikirche in Erfurt. Reiseskizze von MARTIN 

Herrmann, Arch 255 

Spital in Rothenburg o. T. Reiseskizze von 

MARTIN HERRMANN, Arch 274 

„Es ist ein Ros* entsprungen . . .** Zeichnung 

von HANNS ANKER, Maler 291 

Plakat für die deutsche Städteausstellung in 

Dresden 1903. F. NIGG, Arch 312 



440 



Seite 

Architekturskiue von A. GrenandbR| Arch. 327 

Architekturskizze von A. GrbNANDER, Arch. 334 

Glasfenster von AD. ECKHARDT, Maier . . . 354 
Reiseaufnahme aus Gutach von HUGO £bbr- 

HA8DT, Arck 365 

Reiseaufnahme aus Gutach von HUGO EBBR- 

HARDT, Arch 380 

Skizze zur Halle im Hause Wilke in Guben 

von Alfr. GrenANDBR, Arch 416 

II. Ausstellungen. 

Grosse Berliner Kunstausstellung*. 

Architektur: Abb. 370. 372. 374. 375. 376. 377 

394 
Gemälde: Abb. 167. 168. 169. 170. 459. 460. 461 

463 

Bildhauerei und Plastik: . . Abb. 171. 172. 173 

Dekoration und Kunstgewerbe: Abb. 373. 415 

416. 417. 418. 468. 469. 470. 471. 47a. 473. 515 

516. 5^7 

Ausstellung der Berliner Sezession. 

Gemälde: Abb. 404. 405 501. 50a. 503. 504 

Ausstellung des Vereins für deutsches Kunstgewerbe 
in Berlin. S. 327. Abb. 521. 522. 533. 524. 525 
S. 334. Abb. 526. 527. 528. 529. 530. 531. 532 

533- 534- 535. 536. 537. 538- 539. 540. S4>- 54« 

543. 544. 545. 546. 547. 548. 549- 550- 55»- 552 

5. 354. Abb. 553. 554. 555. 556. 557. 558. 559 
560. 561. 562. 563. 564. 565. 566. 567. 568. 569 

570- 57». 572. 573. 574 
I. Internationale Ausstellung für dekorative Kunst in 

Turin 1902. S. 74. Abb. 140. 141. 142. 143. 144 

145. I4Ö- »47- '48. 149. >5o- "5^- "5«- »53. >54 
'55- «56- 157- 158. S. 104. Abb. 199. 200. 202 
203. 204. 205. 206. 359. 360. 361. 363. 364. 365 

366. 367. 369. 419 

III. Konkurrenzen. 

Umgestaltung des Landesausstellungsgebäudes Abb. 

6. 7. 8. 9. IG. II. 12. 13. 14. 15. 71. 72. 73. 74 

75- 76. 77- 7» 

Wettbewerb für einen Bogenlicht-Kandelaber Abb. 

421. 422. 423. 424. 425. 426. 427. 428. 429. 430 

431- 432. 433. 434- 435. 43Ö. 437- 43». 439- 44° 

IV. Architektur. 

Architekturbilder und Reiseskiczen Abb. 199. 200 
201. 374. 375. 376. 377. 394. S. 255. S. 274. Abb. 
494. S. 365. S. 380. Abb. 605. 606. 607. 608. 663 

664 

Bahnhofsanlagen Abb. 67. 162. 163. 164. 165. 166 

194* >95« ^96 
DetailS) Architektonische Abb. 18. 31. 62. 86. 87. 88 

89. 90. 91. 92. 118. 132. 137. 176. 180. 193. 197 

290. 291. 292. 293. 354. 355 357. 390. 479. 482 

483- 5^5' 526. 535. 536. 537. 538. 539. 571. 581 

637- Ö38. 639. 640. 641. 642. 643 

Oeffentllcbe Gebäude: Fassaden, Innenansichten und 

Details S. i. Abb. 17. 18. 23, 26. 129. 132. 133 



«34« »35- *3ö- 137. S. 118. Abb. 175. 176. 178 
179. 180. 449. 450. 458. 479. 480. 481. 482. 483 
484. 485. 486. 487. 488. 489. 492. 493. 578. 579 

580. 581. 599. 609 

Oeffentliche Gebäude: Grundrisse Abb. 19. 20. 20a 

21. 24. 25. 130. 131. 138. 139. 177. 4SI. 452 

453- 454. 490- 491. 575. 576. 577. 582. 583. 584 

600. 601 

Gebäude für Aus- und Schaustellungen Abb. 6. 7. 8 

9. IG. II. 12. 13. 14, 15. 71. 72. 73. 74. 75. 76 

77. 78. 112 

Geschäftshäuser: Fassaden, Innenansichten und 

Details Abb. 83. 86. 87. 88. 89. 90. 91. 93. 187 

455 
Geschäftshäuser: Grundrisse Abb. 84. 85. 188. 189 

190. 456. 457 

Hotels und Restaurants: Fassaden, Innenansichten 

und Details Abb. 649. 652 

Hotels und Restaurants: Grundrisse 650. 651. 653 

654 
Theater Abb. 495. 496. 497. 498 

Wohnhäuser und Villen: Fassaden, Innenansichten 

und Details Abb. 27. 28. 29. 30 31. S. 38. Abb. 

62. 63. 68. 79. 80. 113. 114. 118. 119. 120. 121 

122. 123. 127. 128. 181. 184. 191. 193. 197. 198 

286. 288. 289. 390. 291. 292. 393. 294. 297. 298 

299. 300. 301. 302. 303. 304. 305. 306. 307. 308 

309. 310. 311. 312. 313. 314. 31S' 3»6. 317. 318 

319. 320. 321. 322. 323. 324. 325. 326. 350. 351 

354. 355. 356. 357. 358- 370. 372. 373. 37«. 385 
386. 390. 391. 442. 443. 444. 445. 499. 500. 585 

591. 592- 593- 594. 595. 60a. 632. 633. 634. 637 

Ö38. 639. 640. 641. 642. 643. 644. 645. 646. 647 

Wohnhäuser und Villen: Grundrisse Abb. 32. 33 

64. 65. 66. 69. 70. 8i. 82. 115. 116. 117. 124 

125. 126. 182. 183. 185. 186. 192. 295. 296. 352 

353. 379- 380. 381. 382. 383. 384. 387. 388. 389 

392. 393. 446. 447. 448. 499. 586. 587. 588. 589 

590. 596. 597. 598. 603. 604. 635. 636 

V. Plastik. 

Denkmäler und Monumente S. 44. Abb. 377. 
Grabmonumente Abb. 34: 35. 329. 330. 337. 348. 376 

505. 506, 675 

Skulpturen und Bildhauer-Arbeiten in Holz, Stein und 

Metall Abb, 39. 40. 41. 86. 87. 88. 89. 90. 91 

92. 93. 94. 95- 96. 133. 134. 135- 17"- "72. "73 
S. 183. Abb. 327. 328. 330. 331. 332. 333. 334 

335- 336. 337. 338. 339. 340. 341- 342. 343- 344 
345. 346. 347. 348. 349- 395. 39Ö. 397. 398. 399 
400. 401. 402. 403. 463. 464. 465. 466. 467. 505 
506. 527. 528. 529. 530. 531. 532. 551. 572. 573 

574. 610. 611. 655. 656 

VI. Malerei. 

Dekorative Malereien Abb. 48. 49. 50. 51. 52. 53 

54- 55* 56* loi. 158. S. 104. Abb. 407. 408. 409 

410. 411. 474. 475. 476. 477. 507. 508. 510. 511 

512. 521. 522. 523. 524. 555. 661. 662. 665 



441 



Gemälde, Porträts und Studien Abb. j6. 37. 38. 61 
97. 98. 99. 100. 110. 167. 168. 169. 170. 368 
404. 405. 406. S. 343. Abb. 459. 460. 461. 462 
501. 50a. 503. 504 612. 613. 617. 618. 657. 658 

659. 660 

VII. Kunstgewerbe. 

Beleuchtungskörper Abb. 283. 293. 307. 363. 364 

365. 421. 422. 423. 424. 425. 426. 427 428. 429 

430. 431. 432. 433. 434. 435. 436. 437. 438. 439 

440. 556. 560. 562. 564. 565. 631. 673. 674 

Brunnen S. 24. Abb. 96. 367. 541. 566 

Buchausstattung und Zierrat Abb. i. 2. 3. 4. 5. 16 

III. S. III S. 179. S. 183. Abb. 205. 371. S. 

226. Abb. 420. 441. S. 266. Abb. 478 518. S. 407 

Decken in Holz, Stein etc. 306. 308. 313. 321. 347 

Gewebe und Stickereien Abb. 146. 147. 326. 553 

554. 625. 626. 627 

Gitter und Umwährungen in Holz, Stein etc. Abb. 58 

109. 110. 162. 164. 165. 166. 285. 287. 292. 412 

519. 520. 628. 629. 648. 675. 676. 677 

Glasmalerei Abb. 154. 155. 156. 157. 159. 160. 161 

207. 208. 305. 324. 492. 493. 509. S. 354 

Abb. 615. 616 
Holzschnitzereien nnd Intarsien Abb. 174. 303. 317 

331- 332. 338. 339- 340- 34>- 342. 343. 349 
Kirchengerät Abb. 102. 103 



Möbel- und Zimmereinrichtungen Abb. 42. 43. 44. 45 
46. 47. 63. 104. 105. 106. 107. 119. I30. 123. 127 
128. 140. 142. 143. 144. 145. 148. 149. 150. 151 
152. 153- »79- 202. 203. 204. 205. 206. 281. 282 
297. 298. 299. 300. 301. 302. 303 304. 309. 310 
311. 312. 314. 315. 316. 317. 318. 319. 320. 322 
323- 325- 326. 358. 359. 360. 361. 362. 366. 369 
373. 415. 416. 417. 418. 468. 469. 470. 471. 472 
473. 486. 487. 488. 513. 514. 515. 516. 517. 533 
534- 535' 536. 537- 530- 539- 540- 54i- 542. 543 
544. 545- 546. 547. 548. 550. 557- 558. 559- 560 
561. 563. 594. 619. 620. 621. 622. 623. 639. 642 
643. 644. 645. 646. 647. 667. 668. 669. 670. 671 

Plakate S. 312. Abb. 614 

Porzellan und Majolika S. 30. Abb. 327. 328. 511 

512- 552 
Schlosser- und Schmiedearbeiten Abb. 57. 58. 59. 60 
108. 109. 110. 162. 163. 164. 165. 166. 283. 284 
285. 287. 292. 293. 297. 307. 363. 364. 365. 412 
413. 414. 419. 421. 422. 423. 424. 425. 426. 427 
428. 429. 430. 431. 432. 433. 434. 435. 436. 437 
438. 439. 440. 484. 519. 520. 561. 563. 624. 628 

629. 648. 675. 676. 677. 
Schmuck- und Gerät aus Kdelmetall Abb. 549. 556. 

558. 559- 567- 568. 569. 570. 630. 672 
Tapeten und Teppiche Abb. 475. 476. 477. 553. 554 

666 



NAMENVERZEICHNIS DER ILLUSTRATIONEN. 



Achtenhagen, Aug. 345. Act - Ges. J. C. Spinn & 

Sohn 99. 212. 213. 214. Alberts, Jac, 390. 

Anker, Hanns i. 4. 5. 13. 61. 62. 63. 64. 73. 

266. 291. 
Bäsell, C. 128. Balcke, Alfr. J. 260. Bangert, Karl 

Ed. IG. II. Bauer & Gleichauf 268. Baumbach, 

Max 117. Becker, Anton 66. 67. Becker, Fr. 

Adolf 391. 392. 393. Beiswenger, J. 268. Berndt, 

Kurt 52. 126. 127. Biberfeld, Arthur 227. 281. 

282. 350. 351. Biegler, J. H. 432. Billing, Herrn. 

215. Bislich, Rudolf 220. Blankenburg & Schnabel 

348. Bode, Aug. 396. Bodenheim, Max 430. 

Bodenstein, M. J. 31. 244. 269. Bopst, Emil 145. 

Boswau & Knauer 233. Bothe, Franz 143. 

Brandt, H. 359. Brendel, Carl Alexander 32. 

Breslauer, Alfred 68 69. Breslauer & Salinger 

47. Bröse, Gr. 318. Brüning, Fritz 130. 131. 

Butzke, B. 278. 
Cauer, Hugo 280. Collin, Georg 321. von Cranach, 

W. Lucas 361. Cremer & Wolfenstein 43. 44. 

45- 46. 
Deike, W. 398. Doepler d. J., Emil 321. Drabig, 

Gebr. 338. Dressler, Willy O. 394. 398. Dunskyi 

Alfred 268. 
Eberhardt, Hugo 365. 380. Ebhardt, Bodo 234. 235. 

Eckhardt, Ad. 1. 102. 103. 240. 243. 348. 354. 

Eckmann, Otto 357. Eichner, Hugo 245. Eilers, 

Gebr. 235. Eissing, Fr. iii. 141. 142. 242. 



Eifert, Theodor 424. Eltze, Erich 114. Emmeluth, 

H. 268. Engel, Otto Heinrich 115. Erdmann & 

Spindler 186. 
Falbe, Oskar 359. Fedler, F. 71. Felderhoff, R. 60. 

Franck, Philipp 310. Franke, Dietrich 250. 346. 358. 

Freudemann, Victor 24. Friedländer, Gebr. 361. 

Friedmann, Ernst 28. 29. 320. Friedrich, Nie. 388. 

Friling, Herrn. 248, 249. Fritz, Oscar 343. Frost 

& Söhne, H. 268. 
Gaul, Aug. 59. Geldner, Paul 274. Giesecke, Max 310. 

Gladenbeck, Aciienges. 187. Golde & Raebel 

268. 322. Gossen, Alb. 359. Gottlob, Fritz 8. 9. 

Grenander, Alfred 107. 108. 261. 327. 334. 335. 336. 

337' 338. 339- 340. 341- 343- 360. 371. Grohe, 
Gustav 361. Guhr, Richard 327. 328. 329. 330. 356. 
Gundermann & Anding 297. 
Haeger, Gustava 311. Hänisch, G. 286. Harras, B. 
301. 302. Hart & Lesser 53. 54. 55. 56. 57. 58. 
Hartmann, A. 50. Härtung, Adolf 33. 72. 73. 119. 
226. 245. 255. 263. 297. 228. 299. 300. 301. 302. 303. 
304. 322. 397. Hauer, Carl 267. 268. Hauschild, 
Walter 345. Hausmann, H. 132. 133. Haverkamp, 
Wilhelm 25. 26. 423. Hehl, Chr. 66. 67. Heim,L. 387. 
Heinemann, Fritz, 116. Heintel, G. 398. Heising, 
Bernh. 389. Henninger & Co. 357. Hentschel, Paul, 
35 36. Hentschel, Walter 306. 307. Herrmann, 
Martin 355. 274. Hesse, Paul 271. 273. 273. Hickel, 
Max 193. Hidding, H. 60. Himmelstoss, Carl 358. 



442 



Hochgrurtel, G. 233. 383. Hoegg, Emil 257. Hoer- 
nig, F. 352. Hoffmann, Ludwig 31. 88. 89. 90. 91. 92. 
93. 118. 120. 121. 122. 123. 124. Hofinann, Ludw. v. 
216. Holleck- Weithmann, K. iii. 407. Honold, 
Georg, 30. 319. 320. Huber, Anton 94. 95. 96. 97. 
210, 396. Huber, Elsa 97. Hübner, Heinrich 311. 
Hübner, Ulrich 390. Huth, Franz 352. 

Jacobsthal, Johann, Rduard 39. Jänicke, Gustav 381. 
Jamaer, L. 357. Janensch, G. 59. Jarotzki, Julius 
69. 137. 138. 13Q. 140. 211. 214. 216. 

Kallmorgen, Friedrich 277. Kampf, Arthur 24. Kayser- 
Eichberg, Carl 112. 425. Kayser & von Grosz- 
heim 309. 370. 371. 372. 373. 374. 575. 376. 
377» 378. 379. 380. Keller & Reiner 28. 29. 

144. 320. 432. Kellner, Dorothea 357. Kellner, 
Marno 65. 285. Kerwien, J. Otto i. 14. 15. 16. 
382. Kiessling, Lion 30. Kimbel, Wllh. 246. 247. 
342. Kimbel & Friederichsen 246. 247. 342. 
Klausenberg 231. Klemm, H. 71. Kleukens, F. 
W. 398. Klingner, Albert 313. Knauer, G. 233. 
Knispel & Co., W. 383. Koch, Max 338. 426. 
427. Körner, Wilh. 381. Koernig, Arno 137. 
138. 139. 140. 211. 212. 213. 214. 216. 433. 
Komnick, E. 396. Krause, Herrn. A. 39. 45. 259. 
Kretzschmar, A. 235. Kristeller & Sonnenthal 

267. 268. 269. 270. Krüger, Ferd. Paul 359. Kühn, 
Eugen 17. 18. Kümmel, W. 95. 96. 98. 99. 100. 
xoi. 102. 208. 210. 248. 249. 347. 396. KQnstler- 
bund. Märkischer 343. 347. Kuhnert, Georg 283. 
284. 

Lachmann & Zauber 22. 23. Lange, A. F. M. 52. 
126. Langhammer, 68. Lederer, Hugo 24. 90. 
Leistikow, Walter 104. Lejeune, Louis 113. Lenn- 
hoff, Julius 358. 359. 360. Lessing, Otto 91. 
Liebert, Gebrüder 102. 103. 354. Lind, Gustav 

268. Linde - Walther, H. E. 240. 424. Loevy, 
S. A. 335. Luckat, C. 319. 

Maennchen, Alb. 241. 242. 428. Maier, Rud. 244. 
Marcus, Paul 35. 36. 338. Mayer, F. W. 314. 
315. 316. 317. Meier & Werle 20. 21. Meinhold, 
Gebrüder 346. 360. Messel, Alfred 19. Metzner, 
Franz 118. 279. 312. 361. Meyn, Georg Ludwig 
25. Michaelsen, Otto 231. Möbring, Bruno 48. 
75. 98. 99. 100. 208. 262. Müller, Alex. 37. 143. 

145. 245. 346. Müller, Carl 343. Müller, Ferd ^»04. 



Nachtlicht, Leo 431. Nigg, P. 31a. 

Ortlieb, Walter 358. 359. 360. 

Paepper 233. Paulsen, Gustav 53. Pfaff, J. C. 268. 
Porzellan-Manufaktur, Kgl. 354. Puf^, Paul 308. 
Puhl & Wagner 215. 334. 338. 345. 

Radzig-Radzyk, Herm. 179. 221. Ravoth, Max 6. 7. 
Rebel, M. 339. Reimer & Körte 421. 422. Reu- 
ters, Josef 229. 230. 305. Rohloff, O. 32z. Rosen- 
feld & Co., N. 316. 317. 343. 344. 362. 

Salzmann jr., Max 348. 349. Sauerland, Gebr. 398. 
Schäffer a Walcker, Akt. -Ges. 338. Schaudt, Max 
13Ö Schauss, Martin 238. 239. Scheiding, Max 
125. Schirm, C. 99. Schirmer, Robert 334. 335. 
33^' 337- 3^5- 3^9- Schleicher M. L., Act,-Ges. 
193. Schmarje, Walter 341. 345. 353. Schmidt, 
Ernst 274. Schmitz, Bruno 44. 148. 149. 153 — 
178. Schmuz-Baudiss, Theo 352. 354. Schneegans, 
Alfons 258. Schulte & Vogt 334. Schulz & Co., 
Max 70. 338. Schulz & Holdefleiss 34. 433. 
Schulze & Jost 335. Schwager, Fritz 227. 
Semmler & Bleyberg 145. Siebert & Aschenbach 
349- 358. Siedle, Eduard 228. Siewert, Georg 
236. Simionescu, St. 245. 346. 349. Sinnig, 
Johann 236. Sobotta, L. 362. Solf & Wichards 
128. 201. 202. 203. 204. Spalding & Grenander 
79. 80. 8x. 82. 83. 200. 402. 403. 408 — 420. 
Spengler, Fr. 335. Stahl & Sohn 231. Stahn, 
Otto 129. Stehn, Hans 318. Stichling, Otto 
183 — 199. 205. Stöving, Curt xoi. 209. Stolpe, 
Fritz 358. Sütterlin, L. 102. 

von Tettau, Wilh. 429. Theuerkauf, G. 237. Thiel 
& Bertling 245. Thiele & Tschinkel 56. 57. 58. 
Thierichens, Fried. 27. Timmermann 275. Tippel, 
Georg 291. Trunck & Co. 395. 

Ulrich, Georg 70. Usbeck, Oskar 398. 434. 

Villeroy & Boch 345. Vittali, Otto 231. Vogel, 
Hugo 276. Vogeler, Heinrich 432. Vogt, 
Wilhelm 267. 268. 

Warminsky, 231. Wegener, M. H. 268. Werle, Herm. 
84 85. 86. 87. 134. 135. 384. 385. 386. 
Wernekinck, S. 349. 358. Wernicke, G. A. 231 
Westphal, E. 271. Wieynk, Heinrich 355. Wille, 
Fia und Rudolf 144. 397. 430. Wolff, Julius 279. 
v. d. Woude, H. f 30. 105. 106. 

Zeidler, Gebr. 274. Ziegler, Karl 276. 277. 425.